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Full text of "Geographisches Lexikon der Schweiz"

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J&arbarli College liörarg 

BOUGHT WITH INCOME 

FROM TUK BKqUKST OF 

THOMAS WREN WARD 

Late Treasurer of Harvard College 



The sum of $5000 was received in 1858, 

*^ the income to be annually expended 

for the purchase of books.'* 




r 



GEOGRAPHISCHES LEXIKON 



DER 



, SCHWEIZ 



NEUENBÜRG — BÜCHDRUCKEREI PAUL ATTINGER 



GEOGRAPHISCHES LEXIKON 

DER SCHWEIZ 

MIT DBIf BBISTANDK DBR 

GEOGRAPHISCHEN GESELLSCHAFT ZU NEUENBÜRG 

HBRAUS6BGBBBN UNTER DBR LBITUN6 VON 



MAURIGE BOREL 

KARTOGRAPH 



CHARLES KNAPP 

PA0FB880R AN DBR AKADEMIE IN NEUENBURG 

UND 

V. ATTINGER 

VERLEGER 

IN VERBINDUNG MIT FACHMiENNERN AUS ALLEN KANTONEN 

MIT ZAHLREICHEN 

KARTEN, PL/ENEN UND ANSICHTEN IN UND AUSSER DEM TEXT 



DBXJT80HE AXJSGhABE 

BESORGT VON 

HEINRICH BBUNNEB 

IN zOrich 



ZWEITER BAND 



EMMENHOLZ - KRAIALPPASS 



"NEUENBÜRG 

VERLAG VON GEBRÜDER ATTINGER 
1904 




nd Abkürzungen. 



m wir zugleich mit dem von der Leitunc 
einige allgemeine Angaben über Plan und 



f^^ Einordnun 

Um den Gebrauch des 
aufgestellten Verzeichnis der 
Anlage des Werkes folgen. 

Die Reihenfolge der einzelnen^ÄrUtiO^EhÄHrö^treng alphabetische. In Namen wie Estavayer le 
Lac, Estavayer le Gibloux, Vuistemens en Ogoz entscheidet für die Einreihung einzig der massgebende 
Bestandteil des Namens. • 

In Namen, die aus einem Adverbium und Substantivum bestehen, zeigt der Anfangsbuchstabe 
des letztern den Platz des Artikels an; so werden Ober Aegeri, Unter Aegeri der Reihe nach unter A 
aufgeführt werden. — Zusammensetzungen mit Sankt, Saint, Santo stehen unter S. 

Ortsnamen, die aus einem AppelLativum und einem Eigennamen zusammengesetzt sind, erhal- 
ten in der Regel ihren Platz nach dem ersten Buchstaben des letztern ; so findet sich Monte Rosa 
unter R. 

Die Artikel über physische Geographie, die Beschreibungen der Kantone, Kreise u. s. w. gehen 
denjenigen über die gleichnamigen Städte, Dörfer u. s. w. voran. 

Wiederholen sich die nämlichen Ortsnamen in mehreren Kantonen, Bezirken u. s. w., so folgen 
sie in der alphabetischen Reihenfolge der Kantone, Bezirke u. s. w. aufeinander; so geht Gorcelies 
(Bern) dem neuenburgischen Gorcelies voran. 

Wir behalten uns vor, in den kurzen Artikeln oder nach den Bedürfnissen des Druckes folgende 
Abkürzungen anzuwenden : 

hoch 

Hektare 

Hektoliter 

katholisch 

Kilogramm 

Kilometer 

Quadratkilometer 

Kreis 

Kanton 

Meter 



Amtshez, 


Amtsbezirk 


h. 


Bez. 


Bezirk 


ha 


Dir. 


Direktor, Direktion 


hl 


Distr. 


Distrikt 


kathol 


Ew. 


Einwohner 


% 


Fabr. 


Fabrik 


km 


Gem. 


Gemeinde 


km* 


Ges. 


Gesellschaft 


Kr. 


gl.N. 


gleichen Namens 


Kt. 


gr- 


gross 


m 



N.n. 


Norden, nördlich 


0. ö. 


Osten, östlich 


Ob. 


Ober- 


reform. 


reformiert 


S.S. 


Süden, südlich 


H. d. M. 


über dem Meer 


Veno.-bez 


. Verwaltungsbezirk 


W. w. 


Westen, westlich 


zus. 


zusammen 


zw. 


zwischen 



ErUirnMen zq ien in nnll ausser dem Teite des LeiilLOBS TorkomMdeB KaiteB. 

Landesgnenze 



SiAdta 



Gemeinden, 

Weiler , , 

□ von mehr sk 5000 Bm. 





Kantonsgnenze 


m 


© 


.. 2500 - 5000 n 




Bezfrksgrenze 


m 


© 


. 1000 - 2S00 n 




Kneisgnenze 


a 


o 


« 500 ' 1000 n 




Gemeindegrenze 
Eisenbahn 


□ 


o 




St^ Tunnef 


H ivsn/jerak 500 >p 
Hotel 


/^Asst. 


Schma/spurbahn 
Strassenbahn 


6 




Sch/oss 
Befestigung 








Hauptstrasse 


L, 




Ruine 




otrsssß 






Denkmal 
Kirche 




*•*»» Cr www 


A 






Fussweff 

KANTONSHAUPTORT 






Fabrik 
Schlachtfeld 


Gemeinde 




u-f 




Bad 


KldnererOrt 
l^rschiedlVam 


>en 


M 




Bergwerk, Steinbruch 

THgonometnfhnkt 

Brücke 




Be^irkshauptort 


Kc^isböuptorl. 



Kantonale und regionale Mitarbeiter 



Geographischen Lexikon der Schweiz. 



Prof. Dr. Aeppli, Dr. Emile Andrö. 

Pfarrer Dr. Bächtold, Pfarrer Bähler, Direktor Baumgartner, Dr. Max van Berchem, Pfarrer 

Blättler, F. Bichsel, Direktor Dr. Billwiller, Prof. Brandstetter, Dr. Bretscher, Heinrich 

Brunner, Dr. Buomberger. 
Archivar Dr. Carl Gamenisch, L. Courthion. 
Pfarrer A.Daucourt, Pfarrer De la Harpe, Bibliothekar Diacon, Max v. Diesbach, Dr. Oskar 

Dill, Dr. Emile Dunand f. 
Prof. G. Abegg, Prof. A. Elzingre, A. Erni. 
Dr. H. Flach, Prof. F. A. Forel, Dr. L. Freivogel. 
Prof. Gerster, Prof. Dr. de Girard. 
Privatdozent Dr. Heierli, Prof. Dr. Hess, Prof. Heyer. 
Dr. E. Imhof. 

Prof. Henri Jaccard, Prof. Dr. P. Jaccard, Ingenieur Jacot-Guillarmod, H. Jacottet, 
Meinrad Kaelin, Prof. Klopfenstein, Kantonsstatistiker KoUbrunner, Pfarrhelfer A. 

Küchler, L. Kurz. 
E, Lehner, Dr. Leuthardt, A. Liardet, Prof. Dr. Lugeon. 
Dr. Mangold, Prof. Mariani, Domherr Prof. G. Mayer, Archivar S. Meisser, Prof. Dr. 

F. Mühlberg. 
Kantons-Archäolog Dr. A. Naef, Statistiker E. Naef. 
Prof. Oberholzer. 

Direktor Alex. Perrochet, Dr. E. Pittard, Prof. L. Poirier-Delay. 
Reg.-Rat Rebmann, Elisöe Reclus, Prof. E. Renevier, Staatssekr. Ribi, Standerat Arnold 

Robert, Privatdoz. Dr. L. Rollier, Prof. W. Rosier. 
Prof. Dr. H. Schardt, Dr. Schenk, Prof. Dr. G. Schröter, Dr. G. Streun. 
Dr. Tarnuzzer, Dr. de Tribolet. 
Dr. Walser, Pfarrer M. Waser, Prof. Wolff, Landammann Wyrsch, Prof. Dr. Bernhard 

Wyss. 
Prof. Dr. Emil Yung. 
Dr. R. Zeller, Prof. Dr. J. Zemp, Dr. Graf Eberhard von Zeppelin, Prof. Zobrist, ZoUinger, 

Dr. E. ZolHnger, Prof. Dr. Ernst Zschokke. 



VERZEICHNIS DER TAFELN 



V 1. 
.2. 

u 3. 

v/4. 

V 5. 



^6. 

v7. 

9. 

vlO. 
vll. 

^ 12. 

vlä 



Seit« 

Gruppe der Engadiner Berge ... 16 

Karte der Finsteraarhorngruppe . . 108 

Historischer Plan von Frauenfeld . 153 

Kanton Freiburg 161 

Kanton Freiburg : Hauptsächlichste 
Industrien und Bevölkerungsdich- 
tigkeit 169 

Kanton Freiburg : Landwirtschaft 

und Bodenerzeugnisse .... 175 
Kanton Freiburg: Verteilung der 

Nutzviehhaltung 177 

Historischer Plan von Freiburg . . 180 

Kanton Genf 250 

Kanton Genf: Landwirtschaft und 

Bodenerzeugnisse 252 

Historischer Plan von Genf . . . 264 

Genfersee 281 

Kanton Glarus 320 

Kanton Glarus: Bodengestalt und 

Landwirtschaft 382 



S«iU 

J5. Kanton Glarus: Bevölkerungsdich- 
tigkeit und hauptsächlichste In- 
dustrien 334 

16. Plan der Stadt Glarus 339 

17. Kanton Graubtinden : Physikalische 

Karte 400 

18. Kt. Graubünden: Politische Karte 402 

19. Kanton Graubünden: Bevölkerungs- 

dichtigkeit 423 

20. Kanton Graubünden : Sprachen und 

Konfessionen 425 

21. Kanton Graubünden : Landwirt- 

schaftliche Karte 427 

^22. Kanton Graubünden : Gewerbe und 

Viehzucht 429 

v^23. Kt. Graubünden : Historische Karte 433 

24. Plan von Herisau 548 

^ 25. Karte der Haupt-Ketten des Jura . 672 

26. Jura : Physische und politische Karte 680 

27. Jura: Bevölkerungsdichtigkeit und 

landwirtschaftliche Karte ... 704 



NOTIZ FÜR DEN BÜCHBINDER 



D«r zweit« Band des Geographischen Lexikons enthält 48 Bogen, 27 Tafeln'ausser dem Text, welche 
nach obiger Tabelle einzureihen sind, und 8 Titel- und Vorwortseiten. 



BERICHTIGUNGEN UND ERGJINZUN6EN ZUM II. BAND 



DES 



GEOGRAPHISCHEN LEXIKONS DER SCHWEIZ 



(LIEFERUNGEN 45-92). 



CMMISHOFCN. Lies Brunnegg statt Braunegg. 

CNSCX (CRtTC und SIGNAL D'). Zeile 5 lies: 
Ormont Dessous. 

tPCROLLAZ. ZeUe 3 lies: Dorf H^r^mence. 

EPPENBERQ (Kt. Solothurn). Lies: Dorf, s. der 
Strasse. 

ERI.EN (Kt. St. Gallen). Lies: Strasse: Bschenbach- 
Jona. 

CRMATINQCN. Zeile 21 lies : sonst nur noch im st. 
galJlschen Oberrheinthal anzutreffende Eigentömlichkeit. 

ESCHENBACH (Kt. St. Gallen). Zeile 17 lies: Hier 
tagte 1831-1861. 

ESCHIKON. Füge hinzu: 774: Asgininchova; 882: 
Eskinghova. 

EUMATT. Zeile 3 lies : 500m sO. 

FALKCNSTCIN (Kt. Solothurn). [Zeile 6 lies': der 
durch seine Teilnahme am Ueberfall von Brugg (1444) be- 
kannt geworden ist. 

FAtrK DESSOUS und DESSUS (LC). Streiche: 
Hier soll einst ein Ordenshaus der Tempelritter gestan- 
den haben. 

FAULHORNQRUPPB. Zeile 6 lies: Schwarzen 
Lütschine. 

FEHRKN. Zeile 3 lies: Lüssel. — Zeile 7 lies: Post- 
wagen nach Laufen, Bretzwil und Breitenbach. — Zeile 8 
lies: Kirchgemeinde Breitenbach. 

.FELD (Kt. Zärich, Bez. Hinwil, Gem. Wetzikon). Füge 
hinzu: Eine mechanische Stickerei. — Streiche: Gasthof. 

FELSEN. ZeUe 3 lies : 1 km w. 

FENDRINQBN. Zeile 7 lies: Venringen. 

FERDKN. Zeile 8 streiche : Keine Fahrstrasse. 

FEV (Kt. Wallis). Zeile 5 lies: 3 km w. 

FINNEN. Lies: Gem. Mund. 

FINSTBRAARHORN. S. 107, Sp. 1. Z. 2 von unten 
lies : 18439der Basler Kaufmann Rudolf Sulger. 

FONTAINE AUX ALLCMANDS (LA). Fuge hinzu : 
Einwohnerzahl geht rasch zurück. Früher eine eigene 
Schule. ^ 

FRAUBNFELD. S. 154, Sp. 2, Z. 15 von unten lies: 
dass an das 34 Millionen Fr. betragende Gesamtsteuerkapital 
der Gemeinde die thurgauische Hypothekarbank allein 
8 MilUonen beiträgt. 

FREIENBACH] (Kt. Schwyz). Füge hinzu: Kam erst 
nach dem Krieg mi^Zürich (1440) an Schwyz. 

FROIDEVILLB(Kt.Waadt, Bez. fichallens). Streiche: 
Postwagen Lausanne-Froideville. 



FRONTENEX DESSOUS und DESSUS. Füge 
hinzu: 1438: Frontenay. 

FORSTENLAND. S. 203, Sp. 1, Z. 47 lies: Brief- 
träger Künzli. 

FUHR FÜR, FOHR. Lies: vom althochdeutschen 
fümli. 

FURTIQ. S.212, Sp. 1 lies: 1887: Furtegg . . . = 
Vor die Egg, im Gesensatz zum jenseits der Bie liegen- 
den Hintertegg = Hinter die Egg. Streiche : 15^. 

QACHNANQ. Füge hinzu: oder QACHLINQEN. 

QASTERHOLZ. Füge hinzu : Wald und Berg ge- 
hörten bis zum Ende des 17. Jahrhunderts dem Damen- 
stift Schännis. Man sieht hier heute noch Spuren von 
einstigen Befestigungsanlagen und Marchsteine mit den 
Jahreszahlen 1012, 1&2. 1643 und 1721. 

QASTLOSE. Zeile 14 lies : zwischen (i«m Punkt i995 
m und der Oberberggabel. 

QEISSBERQ. S. 238 lies: (Kt. Aargau, Bez. Brugg). 

GENF. Kanton. S. 250. Sp.2, Z. 18 füge hinzu: Sie 
führt in der Sekunde im Minimum 20 m^ und im Maxi- 
mum (Oktober 1888) 1136 m^ Wasser. 

GENF. Stadt. S. 268, Sp. 1, Z.ll von unten lies: 
Der N.-Turm. — S. 273, S^. 2, Z. 18 lies: Godefroy. 

QEREN (Kt. Aargau). Zeile 3 lies: Hungerberg. 

QERSAU. Gemeinde. Z. 31 lies : für Montreux i0,i4^ 
— Zeile 35 lies : in Montreux 735 mm. — Zeile 39 lies : 
Montreux i23, 

S. 304, Sp. 2 fuge hinzu: QIFLIS (Kt. Waadt, Bez. 
Pays d*Enhaut, Crem. Rossiniöre). Dorf. S. den Art. 

CUVES. 

S. 308, Sp. 1 füge hinzuc QIR (AUF DEM) Kt. Grau- 
bünden; Bez. Unter Landquart). 2167 m. Gipfel. S. den 
Art. Gyr (Auf dem). 

S.308, Sp. 2 füge hinzu : QIRENSPITZ (Kt. Grau- 
bünden. Bez. Ober Landquart). 2187 m'. Gipfel. S. den 
Art. Gyrknspitz. 

QIRENSPITZ (Kt. Graubünden, Bez. Unter Land- 
quart). 2373 m. Gipfel. S. den Art. Gyrenspitz. 

QIRENSPITZ (Kt. Graubünden, Bez. Unter Land- 
quart). 2397 m. Gipfel. S. 'den Art. Gyrenspitz. 

QIVRINS. Zeile 3 lies: an den Strassen ntich, 

QLARI8EQQ. S. 320, Sp. 1 lies : seit 1901 im Besitz 
einer Gesellschaft, die hier unter dem Namen des Schwei- 
zerischen Land-Erziehungsheimes eine Anstalt eingerich- 
tet hat, deren Zweck die harmonische Ausbildung des 
Menschen in der Landschaft ist, d. h. die Verbindung der 



VIII 



BERICHTIGUNGEN UND BRGiENZUNGBN. 



eigeDtlichen theoretischen Schulbildung mit praktischen 
Arbeiten in der Landwirtschaft und Werkstatt, sowie mit 
Turnen, Spiel und Sport. 

QRENCHEN (Kt. Solothum). Füge hinzu: Hier be- 
stand bis 1806 eine weltbekannte Erziehungsanstalt, 
die 1861 in Berg am Irchel gegründet und 1864 nach 
Berg bei Grenchen verlegt worden war. Sie hatte bis 
1886 zusammen 723 Schüler, von denen nur 138 Schweizer 
waren. 

QRCSSIN8 DE8SU8. Lies: Gruppe von 4 Häu- 
sern. 

QR088BACH (Kt. Schwyz). Zeile 7 lies : Fühlloch, 
Amsel. 

QROS8BODEN. Der letzte Satz ist folgendermassen 
abzuändern : 1447 fand zwischen dem Kloster und Flecken 
Einsiedeln einerseits und den Bewohnern von Gross 
andererseits ein grosser Rechtsstreit um die Alpweiden- 
rechte im Amsel- und Sihlthal statt. 

QROTTEN8TBIN (Kt. Graubünden, Bez. Unter 
Landquart). Füge hinzu : Edle von Grottenstein werden 
im Mittelalter urkundlich ffenannt. Der Name rührt 
von einer Grotte her, aus der eine Mineralquelle ent- 
sprang. 



GUMMEN (HINTER und VORDER). Lies: 3 km 
sinr. Dallenwil. 

QY. Statt : Gy gehörte einst ... bis verliehen worden 
war lies : Vor der Reformation gehörte Gy zum Priorat 
von Saint Victor in Genf und kam nach der Reformation 
unter die gemeinsame Oberhoheit von Genf einerseits und 
Berns (1536-1567) und des Herzogs von Savoyen (1567-1754) 
andererseits. Im Turiner Vertrag von 1754 verzichtete der 
Köniff von Sardinien auf seine Rechte, worauf Gy dem 
Manoament Genf zugeteilt wurde. 

HEILIQKREUZ(Kt. St. Gallen). Streiche: Postwagen 
Bürglen-Neukirch. 

HEILIQKRBUZ (Kt. Thurgau). Füge hinzu: Post^ 
wagen Bürglen-Neukirch. 

HIRZEQQSPITZ. Streiche: w. über Bilten und 7 km 
s. Uznach. 

HÖFEN (Kt. Thurgau). Lies: 28 Häuser, 94 Ew. 

HOF8TETTEN (Kt. Zürich, Bez. Dielsdorf, Gem. 
Oberglatt). Füge hinzu : In den Jahren 1130-1172 viird 
ein Rüdiger von Hofstetten genannt. Der Burgbühl 
(« BurbeU) befindet sich so. vom Ort. 

HOFSTETTEN (Kt. Zürich, Bez. Winterthur). 
Streiche die zwei letzten Sätze. 



GEOGRAPHISCHES LEXIKON DER SCHWEIZ 



E 

(FORTSETZUNG) 



EMM 

EMMENHOLJ[ (OBER und UNTER) (Kt. Solo- 
Ihurn, Amlei Kriegstetten, Gem. Zuchwil). 432 m. Gruppe 
von 4 Bauernhöfen, am rechten Ufer der Aare, im Winkel 
nahe der Mündung der Emme in diese, 2 km nö. des 
Bahnhofes Neu Solothum und 1,5 km nö. Zuchwil. 40 
reform. Ew. 

EMIMENMATT (Kl. Bern, Amtsbez. Signau, Gem. 
Lauperswil). 652 m. Dorf, am linken Ufer der Emme und 
an der Mündung der Ilfis in diese, an der Strasse ßurg- 
ilorf'SigDau und 1,8 km s. Lauperswil. Station der Linie 
Bern-Luzern. Postbureau, Telegraph, Telephon. 19 Häu- 
ser, 142 reform. Ew. Land wir tscnafc. Kunstdüngerfabrik. 

EMMENTHAl. (Kt. Bern, Amisbez. Signau u. Trach- 
selwald). Das Emmenthal, das Thal der 
Grossen Emme, nimmt den ö. Teil des berni- 
schen Mittellandes ein und grenzt im S. an 
das Oberland, im W. an das Mittelland im 
engern Sinn, d. h. die Landschaft um 
Bern, im N. an den Oberaargau, im 0. an 
den Kanlon Luzern. Seine Breite beträgt 
1^25 km, die Länge vom Hohgant bis Bur^- 
dorf, wo das Thal endigt, in gerader Linie 
40 km. Da die politiscne Einteilung nicht 
mit dem Flussgebiet der Emme (verffl. 
den Art. Emme, Grosse) zusammenfällt, ist 
es schwierig, natürliche Grenzen festzu- 
setzen. 

Bodenheschaffenheit. Das Emmenthal ist 
ein ausgesprochenes Bergland, das es aus- 
ser der schmalen von Enr.menmatt bis 
Burgdorf reichenden Thalsohle der Emme 
keine grössere Ebene aufweist. Regellos 
laufen die Ketten von wechselnder Länge 
durcheinander, an die Hauptketten reihen 
sich Seitenäste, von denen wieder kürzere 
Zweige abgehen; dazwischen liefen die 
zahllosen Thäler und Thälchen eingebet- 
tet, die sich alle dem Hauptthal der Emme zuwenden; 
es ist ein Berg- und Hügellabyrinth, wrie sich in der Schweiz 
wohl kein zweites findet. 

In seinem obersten Teile reicht das Emmenthal noch 
in die Zone der Oberländer Voralpen. Der Hohgant (2202 
m), der Rieder- und Brienzergrat mit Augstmatthorn (2140 
m) und Tannhom (2223 m) und die Schrattenfluh (2093 
mj, deren südlicher Gipfel, der Schibec^tsch (2040 m), 
mit senkrechten Wänden gegen die durch das enge Bum- 
bachthal sich windende Emme abstürzt, schliessen, den 
Fluss im S. und N. einfassend, das Emmenthal gegen 
das Oberland und das Thal der Kleinen Emme ab. Steil 
fallt der Hohgant auf dfer N.-Seite gegen das Emmenthal 
ab, sanfter geneigt gegen das Habkernthal. Von Brienz 
fuhrt der Kruternpass in der Höhe von 2Q63 m über den 
Brienzergrat ins oberste Emmenthal, über die Habche^g 
(1500 m) ein Pass aus dem Habkernthal. Dieses Gebiet 
mit seinen herrlichen Alpweiden hat noch ganz voralpinen 
Charakter. Bereits der Molasse gehört die vorgelagerte 



EMM 

ffegen das Thal von Marüach und Schangnau abfallende 
Lochsitenberg (1487 m) anschliesst. Dessen Fortsetzung 
auf der linken Seite der Emme bildet die Honegg (1529 
m), die das nach der Aare gerichtete Zulgthai im N. be- 
gleitet Parallel mit diesen Ketten zieht ein langer Rucken, 
der vom Napf abzweigt, sich im Turner zu 1219 m erhebt, 
hier zugleich die Grenze gegen den Kanton Luzern bil- 
dend, bei Kröschenbrunnen steil zum Thal der Ilfis ab- 
ßUt , hierauf gegenüber dem Lochsitenberg im Wacht- 
hubcl wieder zu 1418 m ansteigt und das Thal von Marbach 
und Schangnau im W. abschliesst. Von der Emme in*der 
engen Schlucht des Reblochs mit ihrer Naturbrücke 
Kette der Beichten (1773 m) an, an welche sich der steil 




Der Strick (Schratten fluh) im obern Emmenthal. 

durchbrochen, setzt sich die Kette in der Natersalp (1215 
m) fort, an welche sich weiter w. gegen die Aare hin der 
Buchhotterberg und Kurzenberg anschliessen. Diese drei 
Ketten folgen der allgemeinen Richtung der Alpen von 
SW.-NO. 

Vom Mittelstück der nördlichsten Kette, dem Wacht- 
hubel, geht in nw. Richtung eine Abzweigung zwischen 
die Thäler der Emme und Ilfis bis zu ihrer Vereinigung 
bei Emmenmatt; ihre bekannteste Erhebung ist der Rä- 
misgummen (1304 m), ausserdem der Pfeiffer (1316 m) 
und die Höh wacht (1028 m). Auf der linken Seile der 
Emme, n. von Signau, steigt zwischen Emme und Aare 
eine neue Bergreihe auf mit dem Hundschüpfen (1014 m) 
und der Blasenüuh (1117 m); durch das Thal des Bigel- 
baches wird sie bei Walkringen vollständig durchschnit- 
ten, erhebt sich im Wegissen wieder zu 965 m, wird noch 
einmal vom Krauchthaibach und dem Bach des Linden- 
thals geteilt und endigt mit dem Bantiger (949 m) und 
dem Grauholz (823 m) bei Bern. 

geogr. lex. 45 — n — 1 



2 



EMM 



EMM 



Ein wesentlich anderes Bild bietet das Bergland n. 
der Ilfis. Das Ganze bildet die Form eines etwas unre- 
ffelmässigen Kreises mit einem Radius von ungefähr 
13 km. Seine ö. Hälfte gehört dem Kanton Luzern und 
den Flussgebieten der Wigger u. Kleinen Emme an. Der 
Mittelpunkt des Kreises ist das Hochenzi (1341 m) ; noch 
höher und bekannter, 1411 m, ist der in der Luftlinie 
3 km weiter ö. gelegene Napf, die Rigi des Emmenthals. 
nach dem dieses Bergland genannt wird. Von ihm und 
dem Hochenzi gehen, vergleichbar den Speichen eines 
Rades, 6 Hauptketten (mit astförmigen Verzweigungen 
niederer Ordnung) strahlenförmig nach allen Seiten aus, 
länger nach N. und W., etwas Kürzer nach S. und 0. 
Die nach S. sich ziehende Kette mit dem Turner, die 
zwischen Escholzmatt u. Trubschachen die Ilfis erreicht, 
ist bereits erwähnt worden. Nach W. erstreckt sich eine 
in der Luftlinie 19 km lange Kette 'bis in den Winkel 
zwischen Emme und Grünen. Ihre höchsten Punkte sind 
Hochenzi (1341 m), Lushütte (1343 m), Rafrütti (1205 m). 
Von diesem Hauptast gehen 7 Seitenäste nach S., zwischen 
welchen der Fankhaus-, Hütten-, Brandösch-, Seltenbach-, 
Twären-, Gol- und der Obere und Untere Friltenbachgra- 
ben eingebettet sind (die Thäler des Emmenthals heissen 
«Gräben»); n. Abzweigungen schliessen den Dürr- und 




Trubsohachen im Emmenthal. 

den Kurzeneigraben ein (zwei Seitengräben des Thaies 
der Grünen). Die höchsten Punkte dieser Nebenkelten sind 
die Hohmatt (1359 m) und der Schinenzinggen (1326 m) 
zwischen Brandösch- und Golgraben, Uinterami (1226 m) 
und Bisegg (1208 m) zwischen Kurzenei- und Hombach- 
graben. Eine dritte Kette zieht sich vom Hochenzi in 
einem Bogen nw. um das Thal der Grünen, dessen obers- 
ter Teil Hörn bachgraben heisst, über den Schilt (1118 m), 
das Ahorni (1142 m) und den Bärhegen (991 m) bis Su- 
miswald: sie bildet die Wasserscheide zwischen dem Ge- 
biet der Emme und demjenigen der Langeten ; ihre n. 
Abzweigungen bis Dürrenroth und Huttwil bilden das 
Unteremmenthal. Niedriger sind die Ketten im Kanton 
Luzern. 

Als Beispiel der fast unendlichen Grabenverzweigung 
des Napfgebietes (die topographische Karte weist im gan- 
zen Emmenthal 1d9 benannte Gräben, dazu noch unzäh- 
lige unbenannte Runsen auf) wählen wir den 6 km langen 
Brandöschgraben, einen n. Seitengraben des sich fächer- 
artig verzweigenden Trubgrabens. In denselben münden 
von rechts ein im Ganzen 15 Gräben in der Länge von 
0,5-2 km. Vom benachbarten Hütten^raben kommen 
ihnen gleiche Quersräben entgegen, die im Laufe der Zeit 
durch rückwärtsschreitende Erosion die ^anze dazwi- 
schenliegende Kette in blosse Kuppen auflosen werden. 

Ein zweites, niedrigeres Hü^elsystem nw. vom Napfffe- 
biet hat seinen Knotenpunkt in der Luea (889 m ; 2,5 km 
w. Afibltern). Von ihr zieht sich ein Höhenzug sw. über 
die Schaufelbühlegg (834 m) zwischen den Thälern der 
Grünen und des Rüegsbaches nach Lützelflüh, ein zweiter 



in paralleler Richtung über den Rachisberg (844 m) zwi- 
schen Rüegsau- uud Heimiswilgraben, ein dritter reicht 
nach NO. über den Friesenberg (833 m) und Oberbühl 
(821 m) bis in die Nähe von Langenthai, gehört also nicht 
mehr dem Emmenthal an. 

Die Mehrzahl der Einzelgipfel des Emmenthales sind 
schöne Aussichtspunkte. W"eitbekannt in dieser Hinsicht 
ist namentlich der Napf (1411 m). 

Geologie. Wie schon gesagt, gehören Hohgant und 
SchrattenÜuh noch der Zone der Voralpen an. Der Hohgant 
besteht aus schwarzem Spatangenkalk und Schiefer (Neo- 
com), die von einer mächtigen Platte von Rudistenkalk 
(Urgon) bedeckt werden, die Schrattenfluh mit dem Schi- 
bengütsch aus Rudistenkalk (Urgon). In der Kette der 
Lochsiten und der Honegg, im Her^land zwischen Emme 
und Ilfis mit dem Rämisgummen, m der Natersalp und 
in der Kette von Signau bis Rüderswil mit der Blasen- 
fluh wechselt Nagelfluh mit Molasse; die canze Napf- 
ffruppe besteht aus Nagelttuh und Mergel. Nach N. und 
aem mittleren Emmenthal wird die obere Süsswasser- 
molasse immer mächtiger, endlich wird die Nagelfluh 
ganz verdrängt oder kommt nur noch in vereinzelten 
Nestern vor. N. der Linie Rüegsau-Dürrenroth folgt Mee- 
resmolasse. Die Nagelfluhgesteine des Emmenthals ent- 
halten rote Granite und Porphyre, grüne 
Granite, Serpentin, Gabbro, grüne und 
violette SpiJitgesteine , Mandelsteine, 
Variolithe, verkittet durch groben Sand- 
stein. Hornblendeschiefer und Horn- 
blendegesteine charakterisieren die Na- 
gelfluh in der Umgebung des Napf. 
Neuestens hat F. Antenen gezeigt, dass 
der Rhonegletscher zur letzten Eiszeit 
sich bis zur Linie Gurnigel-Honegg- 
Wiggen erstreckt hat. In der dritten 
Eiszeit reichte der Aaregletscher bis 
Eggiwil und der lokale Emmengletscher, 
dessen Stirnmoräne bei Breitmoos noch 
erhalten ist, bis in die Gegend zwischen 
Eggiwil und Schangnau. 

Wie schon der mehrmals vorkom- 
mende Flussname Goldbach im Gebiete 
der Grünen und der in die Kleine Emme 
fliessenden Fontannen und die Orts- 
namen Ober und Nieder Goldbach be- 
sagen, finden sich besonders in der Nagel- 
fluh des Napf Goldkömer eingelagert. In 
früherer Zeit, vielleicht schon von den 
alten Helvetiern, deren Goldreichtum 
gerühmt wird, wurde dies Gold gewa- 
schen u. von der bernischen u. luzernischen Regierung im 
17. und 18. Jahrhundert auch zu Goldmünzen geprägt; 
bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in ßannwil 
bei Aarwangen in der Aare Gold gewaschen, das ihr von 
der Emme zugeführt wurde. Das Gold findet sich nicht in 
Adern, sondern als Blattgold in Goldseifen und rührt 
offenbar von einem zertrümmerten Gebirge her, dessen 
Gesteine durch einen Strom hier als Delta abgelagert wor- 
den sind. Speziell die Bäche der Napfgruppe (Grünen, 
Goldbach, Golbach, Trubbach, Fontannen, Lutheren und 
Wigger) fuhren Gold, das sie besonders aus den tieferen 
Lagen des Gebirgszuges bringen. Ausserdem finden sich 
in ihrem Sande Rubinen und Magneteisen. Vor zwei 
Jahren hat ein Unternehmer von der bernischen Regie- 
rung die Konzession erhalten, die Goldwäscherei in nie- 
sen Bächen fachmännisch zu betreiben ; bis zur Stunde 
hat sich aber das Kapital zu diesem Unternehmen nicht 
herbeigelassen. 

Als naturhistorische Seltenheit wollen wir nicht uner- 
wähnt lassen, dass im Jahre 1886 auf der Rafrütti im 
Napfgebiet ein dort 1856 niedergefallener Meteorit ge- 
funden wurde, der im Jahre 1900 ins Museum von Bern 
kam. Er besteht aus Eisen, Nickel, Kobalt, Phosphor und 
Schwefel, hat die Form einer Pyramide von 27 cm Höhe 
und 21 cm Breite und ein Gewicht von 18 kg. (Beschrieben 
von Edm. v. Fellenberg im Zentralhlatt für Mineralogie, 
1900). 

Charakter des Landes und der Bevölkerung. Den 
treffendsten Typus der Emmenthalerber^e bietet das Napf- 
bergland : lange Gebirgszüge mit zahlreichen Ausläufern, 



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3 



die an ihren Enden plötzlich steil abbrechen, die Rücken 
bald plateauartig breit, bald zu einer schmalen cc Egg )» 
(Ecke, First) zulaufend, die Seiten mit Dammerde bedeckt 
und selten den Nagelfluhfels zei^^end, bis zu oberst mit 
Wald und Weiden bekleidet, zerrissen in bald breitere, 
bald enge, steil ansteigende Gräben und in Runsen, die 
sich erst zu Thälem entwickeln. Es bietet weder das 
Grosse und Erhabene, noch das Interessante der Alpen- 
welt, wenig Abwechslung der Formen und malerische 
Effekte; sein Reiz liegt im Idyllischen und Lieblichen. 
Die säubern und heimeligen Dörfer tragen noch vielfach 
den altertümlichen Typus : stattliche Holzhäuser mit weit 
vorspringendem Dach, die appetitlichsten Bauernhäuser 
vielleicht der ganzen Schweiz, wie sie ein Schriftsteller 
nennt ; oft mit Spruchen schalkhaften oder moralischen 
Inhalts geschmückt. Die Wirtshäuser des Emmenthales 
sind bekannt durch ihr unverfälschtes Getränk. Vielfach 
sind auch die Gasthöfe mächtige Holzbauten. 

Den reinsten Typus eines ächten Emmenthalerdorfes 
bietet Rüderswil mit seinen stolzen Bauernhäusern ; mo- 
demer sind Langnau und Sumiswald; den Ueberffang 
von alter zu neuer Zeit bietet Si^nau. Im Ganzen sind die 
Dörfer klein und entsprechen nicht der Grösse der Be- 
völkerung : das Dorf Trachselwald z. B. zählt blos 120 Ew., 
die ganze Gemeinde hingegen 1475 Ew., 
die grösstenteils zerstreut im Dürrgra- 
ben wohnen. Im Emmenthal herrscht 
im Gegensatz zum Flachland das Hof- 
system ; die Leute leben nicht in ge- 
schlossenen Dörfern bei einander, son- 
dern zerstreut über die Halden und 
Thalgründe hin auf ihren Höfen. Es 
sind stattliche Bauernsitze, inmitten des 
dazu gehörenden Acker- und Wieslan- 
des ; Wohnung, Stall und Scheune 
unter dem gleichen Dache, versteckt 
hinter Obstbäumen, umgeben von ei- 
nem Speicher u. einem Nebengebäude, 
dem c Stock », dem Ruhesitz der Alten, 
jedes Heirawesen ein für sich bestehen- 
des Ganzes, eine Welt für sich. Stren- 
ger als in den andern Landesteilen 
wurde im Emmenthal das schon seit 
der Gerichtsordnung vom Jahre 1539 
für den ganzen Kanton geltende Recht 
des Minorats beobachtet, wonach es dem 
en Sohne gestattet war, nach dem 



ie des Vaters dessen Hof um eine 
«billige», nach dem gegenwärtigen Zivilgesetz um eine 
« geriätliche » Schätzung an sich zuziehen. Bei diesem 
Verfahren blieben die Höfe oft Jahrhunderte lang in der 
gleichen Familie, und es bildete sich so jener Bauernadel, 
wie ihn Jeremias Gotthelf unübertrefflich schildert. 

Für die nachfolgenden statistischen Angaben sei be- 
merkt, dass die politische Einteilung in die Amtsbezirke 
Signau und Trachselwald sich mit dem geographischen 
Begriff Emmenthal als dem Thale der Emme nicht voll- 
ständig deckt, indem die zum Amtsbezirk Trachselwald 
gehörenden Gemeinden Dürrenroth, Walterswil, Huttwil, 
Eriswil und Wissachengraben , das sogenannte Unter 
Emmenthal, im Thale der Lange ten liegen, jedoch in 
Bodenbeschaffenheit und Lebensweise der Bevölkerung 
mit dem Emmenthal übereinstimmen. Dagegen sind die 
im untersten Emmenthal gelegenen Dörfer Hasli, Ober- 
bnrg, Krauchthal und Heimiswil dem Amtsbezirke Burg- 
dorf, mithin dem Mittel 1 and. zugeteilt. An Fläche umfasst 
der Amtsbezirk Signau 322,o km*, der Amtsbezirk Trach- 
selwald 189,7 km*, zusammen also 512,3 km^. 

Das Emmenthal umfasst 19 Kirchgemeinden (9 im Amts- 
bezirk Signau, 10 im Amtsbezirk Trachselwald). Kirch- 
gemeinden und Einwohnergemeinden treffen überall zu- 
sammen mit Ausnahme der Kirchgemeinde Eriswil, die 
in die Zivilgemeinden Eriswil und Wissachengraben zer- 
fallt; umgekehrt gehört die Kirchgemeinde Wasen zur 
Einwohnergemeinde Sumiswald. Die Dörfer sind geteilt 
in Viertel, Drittel, Höfe oder Güter. Die Gemeinden nahen 
meist grosse Ausdehnung. So'Btossen Trachselwald, Su- 
miswald und Langnau in der «Nahe der Rafrütti zusammen 
in einer Entfernung von je 3 Zeitstunden vom Hauptdorf. 
Die Schulhäuser liegen daher zerstreut in den einzelnen 



Vierteln ; in der Gemeinde Langnau verteilen sich die 32 
Primarschulklassen auf 11 Schulhäuser. Den geographi- 
schen Verhältnissen entsprechend standen die Amtsbe- 
zirke Trachselwald u. Signau bei den Rekrutenprüfungen 
der letzten 5 Jahre von den 30 Bezirken des Kantons im 
18. und 19. Rang. 

An Gemeindegütern ist das Emmenthal der ärmstq 
Landesteil ; auf den Kopf der Bevölkerung traf es im 
Jahre 1890 blos 75 Franken, gegenüber dem kantonalen 
Durchschnitt von 186 Franken. Burgergüter bestehen im 
Amte Signau gar nicht, da schon seit dem Ende des 16. 
Jahrhunderts die Wälder und Allmenden auf die einzelnen 
Höfe als dauerndes Eigentum verteilt wurden. 

In der Sprache bietet das Emmenthal keine Einheitlich- 
keit ; im untern Emmenthal wird der Dialekt des Ober-r 
aargaus, im obern derjenige des Mittellandes gesprochen. 
Die altemmenthalische Frauentracht weicht immer mehr 
der allgemeinen Bernertracht ; das reizende « Schwefel- 
hütli » und die Haube mit Rosshaarspitzen gehören bereits 
der Vergangenheit an. Auch das früner allgemein übliche 
« du » ist nur noch unter den Dorfgenossen gebräuchlich. 
Das Lieblingsspiel der emmenthalischen Burschen, das 
von hier aus auch im Flachland Verbreitung gefunden 
hat, ist das viel Gewandtheit und Sicherheit des Auges 




Walkringen im Eromentbal. 

erfordernde « Burnussen ». Wie alle Bergbewohner der 
Innerschweiz sind die Emmenthaler auch als Schwinger 
berühmt; ausgezeichnet haben sich ieweilen in diesem 
Nationalspiel die Trüber. Ausser an den kantonalen und 
eidgenössischen Festen messen sich die Schwinger an 
kleineren Alpfesten, den sogenannten «Kilbenen » (Kirch- 
weih). 

Auffällig ist es, dass sich die Bevölkerung seit einem 
halben Jahrhundert nur unbedeutend vermehrt hat. Im 
Jahre 1850 zählte das Amt Signau 22338, Trachselwald 
23970, zusammen 46308 Ew. ; 1900: 25047 und 23731 = 
48778 Ew., d. h. 8,3% der Bevölkerung des ganzen Kan- 
tons. Auf den km* trifft es im Amte Signau 77,6, in 
Trachselwald 125,1, im Ganzen 95,2 Ew. Davon sind 48590 
Reformierte, 257 Katholiken und 9 Juden. In diesen 50 
Jahren weist der Kanton eine Bevölkerungszunahme von 
28^0, das Emmenthal eine solche von blos 5% auf, ob- 
gleich der Ueberschuss der Geburten über die Todesfalle 
im Emmenthal bei der kräftigen Konstitution der Bevöl- 
kerung von allen Landesteilen am grössten ist, von 1888 
bis 1897 13 %«, im Kanton 11,8 «/oo per Jahr. Der Grund 
dieser auffälligen Erscheinung liegt in der starken Auswan- 
derung, nicht zwar übers Meer (denn in der überseeischen 
Auswanderung steht das Emmenthal in den letzten 20 
Jahren mit durchschnittlich 2,17 7oo per Jahr gegenüber 
dem kantonalen Durchschnitt von 3,48 Vo« im letzten Rang), 
sondern meist in den bernischen Jura, wo schon die wegen 
ihres Glaubens verfolgten Wiedertäufer beim Bischof von 
Basel Aufnahme fanden, ferner in die Kantone Neuen- 
burg, Waadt, Freiburg, wo sich die Auswanderer meist 
dem Ackerbau widmen ; andere ziehen als Käser in die 
Fremde. Durch das schon oben erwähnte Minorat, das 



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Vorrecht des jüngsten Sohnes auf den väterlichen Hof, 
wurden die altern Söhne vielfach zur Auswanderung ge- 
zwungen; dazu kam die später noch zu berührende Um- 
wandlung im Ackerbau, der Uebergang von der Getreide- 
produktion zur Milchwirtschaft, die viele Hände überflüssig 
machte. Die Auswanderunff stieg zu der Höhe, dass im 
Jahre 1888 das Emmenthal bei einer Bevölkerung von 

AooiE v::.^e^^ o"? ooo ^ 2.^^ u_^~j^ -d.-^ _^uix. 



auf Eggiwil 7000, auf das kleine Schangnau 5000. 

Armenwesen, Diese zwei Erscheinungen, die Volksver- 
mehrung und die Aenderung der Wirtschaftsweise, zu 
denen noch der Rückgang der Landesindustrie, der Lein- 
wandweberei, kam, hatten nicht nur eine starke Auswan- 
derung zur Folge, ihnen hat das Emmenthal auch sein 
dunkelstes Blatt, sein ländliches Proletariat und damit 
die Armennot zu verdanken. Bei der seit 1690 im Kanton 
herrschenden bürgerlichen Armenpflege waren die Ge- 
meinden ausser zur Unterstützung der Ortsarmen auch 
zum Unterhalt ihrer in der Fremde verarmten Mitbürger 
verpflichtet. Aus der grossen Zahl der Ausgewanderten 
wurde den Heimatgemeinden jeweilen eine Men^e Ver- 
armter zugeführt, und das Emmenthal wurde schliesslich 
zu einem grossen « Spittel » (Armenhaus). Die Armen- 
steuer stie^ zu einer Höhe, dass viele Reiche sich an- 
schickten, ihr Vermögen flüssig zu machen und das Land 
ebenfalls zu verlassen. Erst das Schenk*sche Armengesetz 
vom Jahre 1857, das an die Stelle der bürgerlichen die 
örtliche Armenpflege setzte, rettete das Emmenthal vor 
dem wirtschaftlichen Ruin. Seitdem haben sich die Ver- 
hältnisse gebessert; während im Jahre 1858 im Amtsbe- 
zirk Signau auf 1000 Einwohner 86, im Amt Trachselwald 
96 Notarme (dauernd Unterstützte) kamen, sank ihre 2^hl 
im Jahre 1895 in beiden Aemtem auf 54 ; da aber der 
Durchschnitt im alten Kantonsteil 46 beträgt und nur die 
Aemter Ober Simmenthai, Schwarzenburg und Saanen 
schlimmer dastehen, können die Annen Verhältnisse noch 
nicht als vollständig saniert bezeichnet werden. Erleich- 
tert wird im Amte Signau die Armenlast durch die gros- 
sen Armengüter, worin es im Jahre 1894 von allen Aemtem 
im dritten Range stand. 

Landwirtschaft. In dem ohnehin ackerbautreibenden 
Kanton Bern ist das Emmenthal die eigentliche Bauern- 
landschaft. Schon ein offlzieller Bericht des Jahres 1796 
nennt das Emmenthal den in Landwirtschaft und Viehzucht 
vorgeschrittensten Teil des Kantons, vielleicht der ganzen 
Schweiz. Die Landwirtschaft kann nicht intensiver be- 
trieben werden : bis weit in die Berge hinauf reichen die 
Heimwesen, und immer mehr Boden wird den Alpweiden 
zum Ackerbau abgerungen ; bis zur Höhe von 1200 m 
werden Kartofieln gepflanzt, wenig tiefer (bis 1050 m auf 
der Rafrütti) gedeihen noch Winter- und Sommergetreide 
und Fruchtbäume, a Es dürfte kaum ein zweites Exempel 
sich vorfinden, wo der Mensch den Kampf mit einer 
rauhen, kargen, alle möglichen Schwierigkeiten darbie- 
tenden Natur energischer und ausdauernder unternom- 
men und es zu Erfolgen gebracht hat, vor denen man den 
Hut abziehen muss », urteilt ein Kenner der Landwirt- 
Schaft. 

Ueber die Bodenverhältnisse gibt die Statistik folgenden 
Bericht : Amt 

Signau Trachsel- 
wald Total % 
Gesamtareal in ha 32260 18970 51230 

Produktives Land 24830 17980 42810 

Davon Aecker u. Gärten 5110 9995 15105 35,3 
Wiesen und Hofstetten 5707 1614 7321 17,1 
Weiden und Alpen 7988 1142 9130 21,3 

Wald 6024 5229 11253 26,3 

Auf dem Ackerlande wurde 1895 gepflanzt : 

Getreide 28,0 %, im Kanton 34,2 % 

Hackfrüchte 13,7% » 19,5% 

Kunstfutter 55,8% » 43,9% 

Versch. Pflanzungen 2,5 % » 2,4 9^^ 

In Kunstfutter steht das Emmenthal im Kanton in ers- 
ter, in Getreide in letzter Reihe; es wird besonders 
Korn, Roggen und Hafer angebaut, Weizen nur wenig. 
Der Anbau von Hanf und Flachs ist gegenüber früher 
stark zurückgegangen ; 85,05 ha lieferten 424,3 Zentner 



Flachs, 57,8 ha 324,9 Zentner Hanf. Mit Gewinnung der 
Naturerzeugnisse waren 1888 60% der Erwerbenden be- 
schäftigt, gegenüber 45,9 % im Kanton. 

Zu einem rationellen Betrieb der Landwirtschaft trägt 
sehr viel bei die Grösse und Abrundung der Grundstücke. 
Während im Jahre 1888 im ganzen Kanton die Grund- 
stücke des Kulturlandes eine durchschnittliche Grösse von 
62,7 Aren hatten, massen sie im Emmenthal 305 Aren. 
32,3 % der Grundbesitzungen hatten eine Grösse von 5-20 
ha, im Kanton deren 17,7 %; diese grösseren Höfe machen 
63,5 % des ganzen Kulturlandes aus. Von den 4607 Grund- 
besitzungen bestanden 3335, d. h. 72 %, aus einem zusam- 
menhängenden Areal. Der Grund dieser Erscheinung ist 
einzig ihi Minorat zu suchen ; es verhinderte die Zer- 
stückelung und ein armseliges Kleinbauernwesen und er- 
möglichte eine rationelle Bewirtschaftung. 

obgleich dabei die ;älteren Geschwister durch Auszah- 
lungen entschädigt werden mussten, sind dank dem 
Fleisse und der Sparsamkeit ihrer Besitzer die Güter 
nicht übermässig verschuldet, immerhin stärker als im 
übrigen Kanton. Im Jahre 1898 lasteten 48,8 "o der 
Grundsteuerschatzung als Hypothekarschuld darauf, 
gegenüber dem kantonalen Durchschnitt von 36,8 %. Als 
Gläubigerin ist die kantonale Hypothekarkasse, bei wel- 
cher 22,5 % aller Grundschulden des Kantons verschrie- 
ben sind, nur mit 0,6 % beteiligt: das Uebrige fällt meis- 
tens auf die 9 Ersparniskassen des eigenen Landes; im 
Amte Signau sind 2/3 der Grundschulden bei Privaten 
untergebracht. Das Emmenthal hilft sich selbst. 

Viehzucht, Im 18. Jahrhundert war das Emmenthal 
berühmt durch seine Pferdezucht; der Pferdemarkt in 
Langnau genoss einen vortrefflichen Ruf nicht nur in 
der ganzen Eidgenossenschaft, sondern auch in den Nach- 
barstaaten. Diesen Ruf hat das Emmenthal allerdings in 
Bezug auf Quantität und Qualität der Zucht verloren ; der 
Rückgang des Getreidebaus und die Eisenbahnen hatten 
auch einen Rückgang in der Pferdezucht zur Folge. 
Immerhin ist es diejenige Landesfegend, die nach dem 
Jura den stärksten Pferdebestand aufweist, im Jahre 
1901 3429 Stück, 7 auf 100 Einwohner (im Jura 8,7, im 
Kanton 6) ; ebenfalls im zweiten Rang steht sein Bestand 
an Rindvieh mit 36274 Stück, 74 auf 100 Einwohner (im 
Kanton 50, im Oberland 66) ; während aber der Bestand 
im Oberland seit 1808 sich nur um 42 % vermehrt hat, 
hat er sich im Emmenthal verdreifacht (1808: 12472 
Stück), eine Folge der Käseproduktion 'damit hängtauch 
die auf das fast vierfache gestiegene Zahl der Schweine 
zusammen (1808: 4272; 1901: 15972), gegenüber einer 
Verdoppelung in den andern Landesteilen ; die Schaf- 
zucht hingegen hat wie im ganzen Kanton sehr stark 
abgenommen (1808: 10141; 1901: 5338). 

Alpwirtschaft. Grosse Bedeutung für die Viehzucht 
haben die Alpweiden, die sich über die Napfgruppe, das 
Bergland zwischen Ilfis und Emme und über die Ketten 
w. von der oberen Emme von Eggiwil und Rötenbach 
bis zum Hohgant und der Schrattenfluh erstrecken. Eine 
zuverlässige Alpstatistik über das Emmenthal besteht 
nicht, da einzig das Amt Trachselwald im Jahre 1901 
neu inspiziert wurde, für das Amt Signau hingegen die 
1864 vorgenommene Untersuchung keinen Wert mehr 
hat. In den letzten Jahrzehnten ist nämlich das Weide- 
areal einerseits zurückgegangen, indem es in Bergheim- 
wesen umgewandelt und in den bessern Teilen zu 
Acker- und Heuland eingeschlagen wurde ; andererseits 
sind die Weiden durch bessere Bewirtschaftung ertrags- 
fahiger gemacht worden. Die meisten Weiden liegen in 
den Gemeinden Schangnau, dessen Krone sie sind, in 
Rötenbach, ELegiwil, Trüb, Langnau und Sumiswald. 
Im Amt Trachselwald liegen sie in einer Höhe von 800- 
1360 m, im obersten Emmenthal steigen sie bis 1500 m. 
Weidezeit im Napfgebiet 125 Tage, in höhern La^en kür- 
zer. Die Gesamtfläche des Weidegebiets (38 Weiden) im 
Amt Trachselwald betraj^ 1951 ha und reicht für ca 1000 
Kuhrechte gegenüber 730 im Jahre 1864. Davon fallen auf 
die Einschläge 317 ha, auf die produktive Weide ^0 ha, 
auf den Wald 716 ha, auf Ried 2 ha, auf unproduktives 
Land 9 ha. Der Katasterwert des Gesamtareals erreicht 
die Summe von Fr. 1 336 500, der Weiden allein Fr. 
498 170. 

Früher als « Herrenalpen » meist im Besitze von Bern- 



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bürgern, sind sie in die Hände von einheimischen Priva- 
ten oder auch von Alpgenossenschaften übergegangen; 
3 in der Gemeinde dumiswald sind Staatseigen- 
tum. Die Alphütten werden auch im Winter von 
den Sennen und ihren Familien bewohnt ; nur die 
allerhöchsten bleiben leer. Zu den am besten ver- 
walteten Alpen zählen die der oberaar^auischen 
Gesellschaft für Viehzucht gehörenden Hinterami- 
aloen in der Gemeinde Sumiswald. 

Während früher die Alpweiden das Hauptgebiet 
der Käseproduktion waren, dienen sie jetzt fast aus- 
schliesslich zur Sommerung des Jungviehs; die 
Küher überwintern mit ihren Sennten nicht mehr 
in den Dörfern, die fröhlichen Alpfahrten haben 
aufgehört, die Thalkäsereien haben ihnen den Rang 
abgelaufen. 

Käseproäuktion. Im Auslande ist das Emmen- 
thal vor Allem als Erzeu^ngsland des feinsten 
Schweizerkäses bekannt. Die Bereitung von Käse 
muss hier schon alt sein. Bereits im Jahre 1318 
verpflichtet das Kloster Trüb den Besitzer einer Alp- 
weide in Schanffnau, dem Gotteshaus zum Zeichen 
der Leibeigenschaft jährlich einen Käse zu liefern. 
Die Milchwirtschaft war der Haupternährungs- und 
Erwerbszweig ; das Emmenthal lieferte Butter, Zie- 
ger und Käse, schwer beladene Flösse fuhren damit 
die Emme hinunter; dafür bezog es vom Mittelland 
Getreide. Bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahr- 
hunderts wurde der Käse ausschliesslich in den Bergkä- 
sereien fabriziert, den besten lieferten die Schangnauer- 
alpen ; in Menge kam er auf die Märkte von Langenthai, 
Langnau, Bern und Burgdorf. Bald ging der Absatz nach 
dem Ausland. 1773 knüpfte die Firma Mauerhofer in 
Trubschachen ausgedehnte Handelsverbindungen mit dem 
Elsass und Deutschland an ; andere Firmen in Langnau 
und AiToltern folgten und brachten den Emmenthaler- 
käse in Weltruf. Die Ausfuhr betrug von 1800-1810 jähr- 
lich zirka 1000-1200 Zentner; im Jahre 1819 soll der Ex- 
port nach Deutschland, Italien und Indien bereits 5000 
Zentner betragen haben zum Preise von durchschnittlich 
100 Franken. Dies alles war noch Bergkäse der Alp weiden. 
Nachdem aber von der Mitte des 18. Jahrhunderts an, 
d. h. seit Gründung der ökonomischen Gesellschaft, durch 
intensiveren Futterbau, durch Aufhebung der Brache und 
des Weidgangs, durch Einführung des Kleebaus und 
durch Stallfütterung und damit verbundene bessere Düng- 
ung eine vollständige Revolution in der Landwirtschaft 
eingetreten war, berührte dieser Wechsel auch die Milch- 
wirtschaft der Thäler. Während sich diese bisher auf die 
Bntterproduktion für den inländischen Markt beschränkt 
hatten, fanden sie jetzt eine vorteilhaftere Verwertung 
der Milch in der Käseproduktion. Es entstanden die Dorf- 
käsereien, deren erste der Oberst von Effinger 1815 in 
Kiesen bei Thun gründete. Das Emmenthal fol^e sogleich 
nach, schon 1820 entstand die erste Thalkäserei im untern 
Frittenbach, Gemeinde Rüderswil; bis 1830 gab es deren 
im Emmenthal bereits 10. Damit war der Anstoss gegeben 
zu ienem grossartigen Aufblühen der Käsefabrikation 
und des Käsehandels, der seine Hauptsitze in Langnau, 
Bur^dorf, Langenthai und Bern hat. 

Die Steigerung der Produktion zeigt sich in folgender 
Tabelle. Produktion der 

Dorf- Alp- Dorf- Alp- 

käsereien käsereien käsereien käsereien 
in Zentnern 
Signau . _ 54 31 6999 1262,5 



immer schwieriger ; nur die höchste Vervollkommnung 
durch Primawaare kann ihn aufrecht erhalten. 




1871 



( Trachselwald 53 



7426 



107 
I Signau 57 

! Trachselwald 60 



31 14425 1262,5 

4 9923,6 123,5 

- 11760,6 - 



117 4 21684,2 123,5 

Diese Produktion stellt einen Wert von 3083683 Fr. 
dar, oder 18,4% der kantonalen Produktion. Dazu kommen 
noch 2572.8 Zentner Butter im Werte von 547243 Fr. 

Es zeigt sich, wie in der neuesten Zeit die Alpkäsereien 
fast vollständig eingegangen sind ; eine einzige ist seitdem 
neu entstanden auf dem Lüderngässli, Gemeinde Sumis- 
wald. 
Durch die Konkurrenz des Auslandes wird der Export 



AipweideDxaun im ErameDthal. 

Industrie. Im Kiburgerurbar (Grundbuch) werden um 
das Jahr 1260 unter den Leistungen der Herrschaftsleute 
Tonschüsseln, Flachs und Leinen tuch aus dem Emmen- 
thal genannt, was wohl darauf schliessen lässt, dass die 
dortige Bevölkerung in der Herstellung dieser Produkte 
besondere Fertigkeit besass. Die Töpferei in Lanenau ist 
bei Beginn des 19. Jahrhunderts infolge Verschlechte- 
rung des Produktes abgestorben, nachdem sie im Anfang 
des 18. Jahrhunderts neu begründet worden war und in 
der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts geblüht hatte. Er- 
halten hat sich die Leinwandindustrie, nicht ohne eben- 
falls verschiedene Phasen durchgemacht zu haben. Ihre 
Blütezeit fallt ins 18. Jahrhundert, wo sie neben der 
Landwirtschaft, auf welcher sie mit Bezug auf das Roh- 

Erodukt basierte, die Haupterwerbsquelle des Emmenthals 
ildete. 1764 schreibt der Pfarrer von Schangnau, dass 
sogar alte Männer mit grossen Barten bei der Kunkel 
sitzen und Hanf spulen. Wie der RohstofT teilweise aus 
dem Elsass und der Pfalz bezogen wurde, ging auch das 
Fabrikat ins Ausland zurück; Frankreich, Italien, Spa- 
nien waren die Hauptabnehmer; in Barcelona hatten 
Bemer Handelsleute ihre eigenen Filialen. Haupthandels- 
platz im Kanton war Langenthai, dessen Märkte selbst 
von Käufern aus England und Holland besucht wur- 
den. Gebleicht wurde die Leinwand ausser in Langenthai 
und den aargauischen Städten im Emmenthal selbst. Seit 
der Mitte des 18. Jahrhunderts bürgerte sich auch die 
Spinnerei und Weberei in Baumwolle ein. alles Haus- 
industrie. Infolge der Konkurrenz der billigen Baum- 
wolle und des Maschinengarns aus England nach der 
Kontinentalsperre und infolge un^nstiger Zollverhält- 
nisse, die den Export beinahe unmöglich machten, ging 
seit 1820 die bis dahin so blühende Leinwandindustrie 
sehr rasch zurück, was besonders im Emmenthal für einen 

Cssen Teil der Bevölkerung unsägliches Elend zur Folge 
te. « Die Leinwandindustrie hat das Emmenthal reich 
und nachher siebenmal arm gemacht » lautet ein Bericht 
aus den zwanziger Jahren. Einzig im Unteremmenthal, 
vor allem in den Gemeinden Wasen, Eriswil und Wissa- 
chengraben hat sich die Leinwand- und Damastweberei 
dank der Feinheit ihrer Waare gegen die Konkurrenz des 
Auslandes noch halten können. Hier ist sie fast aus- 
schliesslich noch Hausindustrie: in Eriswil sitzen noch 
500, in Wasen 400 Personen, Männer und Frauen, im 
Webkeller und arbeiten für die Fabrikanten in Langen- 
thal, Burgdorf und Wasen. (Hiernach ist das Seite 209, 
Zeile 26 ff. der deutschen. S. 202, Zeile 25 der französi- 
schen Ausgabe über die Weostühle Gesagte zu korrigieren). 
Fabrikweberei und Spinnerei wird betrieben in Langnau, 
Rüderswil, Eriswil und Huttwil, Tuchweberei in Lang- 
nau ; Eriswil und Huttwil haben Strickereien (an ersterem 
Orte Hausindustrie), Wasen Maschinen- und Stiften-, 



t> 



EMM 



EHM 



Sumiswald Uhren- und Musikinstrumenten-, Langnau 
Handharfenfabrikation, Lützelflüh Bleicherei; Langnau 
ist mit 11 Firmen Hauptsitz des Käsehandels. Die Haupt- 
industrie ist die Textilindustrie, in welcher 1889 von 2^2 
Berufstätigen 1873 = 63% beschäftigt waren. Dem Fabrik- 
gesetz waren 1898 32 Betriebe unterstellt, worunter 13 Sä- 
gereien und Holzbearbeitunffswerkstätten und 10 Webe- 
reien und Spinnereien. Von Jen 779 Betrieben des Kantons 
ergibt dies blos 4,1%, bei einer Bevölkerung von 8,3%. 

Den Geldverkehr vermitteln 9 Ersparniskassen und die 
Bank in Langnau. , , 

Verkehrswege. Die alten über die Berffe hinf&hrendfen 
Landstrassen dienen nur noch dem Lokalverkehr. Das 
neue Strassennetz, das die Höhen verliess und die Thal- 
sohle durchzieht, entstand erst in. den Jahren 1835-59, die 
Strasse Eg^iwil-Schangnau sogar erst 1876. An Eisen- 
bahnen besitzt das Emmenthal die Linien Bern-Lan^^nau- 
Luzem und Burgdorf-Langnau. An den Grenzen wird es 
berührt von der neuen elektrischen Vollbahn Burgdorf- 
Thun und der Linie Lan^enthal-Huttwil-Wolhusen. Eine 
Verbindungsbahn Ramsei-Sumiswald-Huttwil harrt noch 
der Ausführung. 

Bei der isolierten Lage der Häuser ist es dem Emmen- 
thal ohne grosses Risiko möglich, eine eigene Mobiliar- 
versicherungs^esellschaft zu halten. 

Militärisch ist das Emmenthal der 4. Armeedi vision 
zugeteilt; ihr Materialdepot befindet sich in Langnau. 

Geschichtliches, Nicht blos keltische Orts-, Berg- 
und Flussnamen, sondern auch vereinzelte Ueberreste 
beweisen, dass das Emmenthal schon von den keltischen 
Helvetiern bewohnt war. Auf dem Münnenberg zwischen 
Lützelflüh und Sumiswald finden sich ausgedehnte Erd- 
wälle, die Reste eines keltischen oppidum; eine Erd- 
burg, vielleicht der Sitz eines Häuptlings, ist erhalten 
im Thalgraben bei Obergoldbach ; eine ähnliche Erdburg 
war der Burgbühl bei Sumiswald ; der künstlich aufge- 
worfene Kegel des Bärhegen bei Wasen ist durch Nach- 
ffrabungep als Opferplatz erwiesen; Würzbrunnen bei 
Rötenbach war em heidnischer Kultort. Die Besetzung 
des Landes durch die Römer wird ausser durch die im 
untern Emmenthal gemachten Münzfunde bezeugt durch 
die Ueberreste von zwei römischen a Hochgsträss » (hohe 
Strasse, vom erhöhten Strassendamm), demjenigen von 
Sumiswald über den Bärhegen nach Huttwil (einer Fort- 
setzung der Strasse vom befestigten Lager bei Bern über 
den Vvegissen nach dem mittleren Emmenthal), und 
demjenigen von Signau, das die Aaregegend mit dem 
obem Emmenthal verband und bei diesem Orte durch 
die « Heidengräben », die Ueberbleibsel eines verschanzten 
Lagers, gedeckt wurde. Ums Jahr 400 wurden die Ale- 
mannen sesshaft, sogen die noch vorhandenen keltisch- 
römischen Elemente auf und drangen auch in unsere 
Gegend. Genaueres wissen wir über ihre Niederlassungen 
nicht, und die Geschichte des Landes liegt Jahrhunderte 
in Dunkel gehüllt. Erst vom Jahre 1100 an fallt einiges 
Licht hinein, das uns die Urkunden bringen. Unter dem 
Einfluss des Lehenswesens war das Thal unter die Herr- 
schaft einiger Herren gekommen, die als Dienstmannen 
zuerst unter den Herzoffen von Zähringen, nach deren 
Aussterben im Jahre 12l8 unter den Grafen von Kiburg 
in Burgdorf standen. Die bedeutendsten dieser Adels- 
ffeschlechter waren die Freien von Signau, Lützelflüh 
(Brandis), Spitzenberg (im Golgraben bei Langnau), 
Langiiau, Wartenstein bei Lauperswil, die Edeln von 
Sumiswald, Trachselwald, Schweinsberg bei Eggiwil, 
Rüderswil, Aflbltem und Eriswil, deren Burgen alle, mit 
der einzigen Ausnahme von Trachselwald, in Trümmern 
liegen oder gänzlich verschwunden sind. Zu diesen welt- 
lichen Herren kamen das um 1130 von Thüring von Bran- 
dis gestiftete Benediktinerkloster in Trüb und die vom 
Freiherrn Lüthold von Sumiswald im Jahre 1225 gegrün- 
dete Deutschritterkommende Sumiswald. 

Alle diese Besitzungen gingen im Laufe der Zeit an 
Bern über : 1384 Burgdorf mit Oberburg und Hasli, 1399 
das Amt Rötenbach, 1408-14 die Burg Trachselwald, die 
Gerichte zu Ranflüh und Stadt und Gericht Huttwil, 1420 
die Herrschaft Schongau (Schangnau), 1504 Rohrbach 
und Eriswil, 1528 in Folge der Reformation das Kloster 
Trüb, 1529 die Herrschaft Signau, 1607 Brandis, 1698 
durch Kauf die Kommende Sumiswald mit Dürrenroth. 



Die hohe Gerichtsbarkeit hatte das Landgericht Ran- 
flüh; die niedere Gerichtsbarkeit und die Verwaltung 
stand unter den Landvögten von Trachselwald, Sumis- 
wald, Brandis und Signau. In der Helvetik zerfiel das 
Emmenthal in die Distrikte Ober und Unter Emmenthal. 
Im Jahre 1803 kam die heutige Einteilung in die Amts- 
bezirke Signau und Trachselwald mit den Amtssitzen 
Langnau und Trachselwald zu Stande. 

Aus der Geschichte des Emmenthals sei noch erwähnt 
sein anfänglicher Widerstand gegen die Reformation und 
seine hervorragende Beteiligunff am Bauernkriege des 
Jahres 1653, in welchem es in Niklaus Leuenberger, dem 
Bauern Von Schönholz, den Führer lieferte. Von sonsti- 
gen bekanntem Männern des Emmenthals heben wir 
hervor, den originellen, von weither aufgesuchten Wun- 
derdoktor Michael Schüpbach von Langnau (1707-1781), 
den gepialen Schilderer des bemischen Volkslebens Jere- 
mias Golthelf (Albert Bitzius), Pfarrer in Lützelflüh (1797- 
1854), den Volksdichter Christian Widmer von Signau, 
den Dichter des « Emmenthalerliedes » (1808-1857) und 
den ebenfalls von Signau stammenden Bundesrat Karl 
Schenk, den hervorragendsten Sohn des Emmenthals 
(1823-1895). 

Litteratur: Imobersteg, Jak. Das Eninienthal, Bern 
1876. — Imobersteg, Jak. Wanderungen durch das Em- 
menthal (im Alpenhom^ Beilage zum Emmenthalerblatt 
Nr. 18-40). 1872. — Türler, E. A. Das malerische und 
romantische Emmenthal. Bern 1887. — Oberaargau und 
Unteremmenthallin Europäische Wanderbilder. 245-247). 
Zürich [1896]. — Studer^ Bemh. ßeüräae zu einer Mono- 
araphie der schweizer. Molasse. Bern 1826. — Jahn, Al- 
bert. Emmenthaler Altertümer und Sagen. Bern 1865. 
— Jahn, Albert. Der Kanton Bern; antiquariscf^topo- 
graphisch beschrieben. Bern 1850. — Mülinen, W. v. Die 
weltlichen und geistlichen Herren im Emmenthal im 
früheren Mittelalter (im Archiv des historischen Vereins 
des Kantons Bern. Bd 8). — Geiser, Karl. Geschichte des 
Armenwesens im Kanton Bern. SA. Bern 1894. — Geiser, 
Karl. Land und Leute bei Jeremias Gottheit (im Neu- 
Jahrsblatt der litterar. Gesellschaft Bern 1898). Bern 
1897. — Geiser, Karl. Studien zur bemischen Land- 
wirtschaft im i8. Jahrhundert (im Landwirtschaftlichen 
Jahrbuch der Schweiz) 1895. — Berger. Volkswirtschaft- 
liche Zustände des Emmenthals und ihr Zusammenhang 
mit dem Vorrecht des jüngsten Sohnes. 1866. — Geiser, 
Karl. Bückblick auf die Entwicklung der wirtschaftli- 
chen Verhältnisse im Kanton Bern (im Katalog der Ge- 
werbeausstellung Thun). Thun 1899. — Schweizer, J. J. 
Topographie der emmenthal. Alpgenieinde Trüb. Bern 
1830. — Flückiger, D. Geschichte der Hinteramialpen. 
Bern 1892. — Antenen, Frdr. Die Vereisungen der Em- 
menthaler (in den Mitt. der Naturforsch. Gesellsch. in 
Bern. i90i). Bem 1902. — Publikationen des bemischen 
statistischen Bureaus. [G. Zolumobr.] 

EMMENTHAL (UNTER) (Kt. Bem). Lokalname. 
S. den Art. Emmenthax. 

EMMENWEID (Kt. Luzern, Amt Hochdorf, Gem. 
Emmen). 447 m. Gruppe von 18 Wohnhäusern und 12 
Fabriken, am linken Urer der Emme, 3 km sw. Emmen 
und 1,5 km w. der Station Emmenbrücke der Linie Lu- 
zem-Olten. Telephon. 340 kathol. Ew. Bedeutende Giesse- 
reien, um 1840 eröfl'not; 400 Arbeiter. 

EMMENWIL (Kt. Luzern, Amt Sursee, Gem. Gunz- 
wil). 740 m. Gruppe von 8 Häusern, zwischen dem Kegel- 
wald und Mohrenthalerwald, 10 km n. der Station Semp- 
ach der Linie Luzern-Olten und 4,5 km s. Gunzwil. 38 
kathol. Ew. Kirchgemeinde Eich. Landwirtschaft. 

EMMERZERWEIER (Kt. Thurgau, Bez. Weinfel- 
den. Gem. Birwinken). 559 m. Weier von 5 ha Fläche und 
3 m Tiefe; 1 km so. Illighausen und 2,5 km nö. Birwin- 
ken. Liefert der grossen Walzenmühle Bottighofen die 
Triebkraft. Wenig Fische. Sein Abfluss der Tobelbach. 
Am N.-Ufer die Häusergruppe Emmerzen mit 3 Häusern 
und 9 kathol. Ew. 

EMMERZHOLZ (Kt. Thurgau, Bez. Kreuzungen, 
Gem. Illighausen). 575 m. Gruppe von 6 Häusern, 400 m 
sw. Illighausen und 5 km s. aer Station Münsterlingen 
der Linie Romanshom-Konstanz. 26 reform. Ew. Milch- 
wirtschaft. Stickerei als Hausindustrie. 

EM MET, EMM AT, EM METTEN. Ortsnamen der 



EMM 



EMS 



deutschen Schweiz; vom althochdeutschen ämät, dem 
heutigen Emd, Oemd. Guten Wiesen beigelegt. 

EM MET (Kt. Aargau, Bez. Kulm, Gem. Menziken). 
619 m. Elf am linken Ufer der Wina zerstreut gelegene 
Häuser; 1,3 km s. Menziken und 2,5 km s. der Station 
Reinach der Linie Beinwil-Reinach. 89 reform. Ew. 

EM METEN (Kt. Uri, Gem. Erstfeld). 1020 m. Zwei 
Häuser, auf einer kleinen Terrasse über dem linken Ufer 
der Reuss gelegen; 1,3 km nw. der Station Erstfeld der 
Gotthardbahn. 12 kathol. Ew. Aussichtspunkt, von Erstfeld 
aus in SV* Stunden zu erreichen. 

EMMETTEN (Kt. Nidwaiden). 778 m. Gem. u. Pfarr- 
dorf, auf einer Terrasse am NW.^Hang des Niederbauen, 
am Kohlthalbach, an der Strasse Stans-Seelisberg, 13 
km ö. Stans und 4 km ö. der Dampfschiflstation Becken- 
ried. Postablage, Telegraph, Telephon; Postwagen nach 
Beckenried. An Zahl der Einwohner kleinste politische 
und Kirchgemeinde des Kantons ; an Fläche dagegen ziem- 
lich ausgedehnt, reicht vom Ufer des Vierwaldstättersees 
bis hinauf zum Niederbauenkulm. Dorf durch die Egg ge- 
teilt in Vor der Egg und Hinter der Egg (welch' letzteres 
auch wohl Sagendorf heisst). Pfarrkirche 1615 erbaut ; 
Beinhavs mit Demerkenswertem, den Totentanz darstel- 
lenden Wandgemälde. In Sagendorf die grosse Heili^kreuz- 
kapelle. Prachtvolle Aussicht auf den See und sem Um- 
gelände. Gemeindearmenhaus, schönes neues Schulhaus. 
110 Häuser, 593 kathol. Ew. Viehzucht und Käsefabrika- 




EmmetteD, voo Sftdosten. 

Uon. Bekannte Wasserheilanstalt Schöneck. Gasthäuser. 
Zwei Sägen. Seidenweberei. Holzhandel. Seit einigen 
Jahren stark besuchter klimatischer Kurort; Ausflüge auf 
den Niederbauen, Schwalmis, ins Kohlthal, nach den 
Windlöchem, Seelisberg und ßeckenried. Der 1871 ge- 
storbene Pfarrer Alois Niederberger in Emmetten um das 
Nidwaldner Schulwesen hochverdient. 1150: Emmaten; 
1190: Emmoutin. Eine Kirche zu St. Jakob schon um 
1370 erwähnt. Im Kirchenschatz ein grosses gotisches 
Kreuz. In der Kapelle auf Rinderbäh lalp eine gotische 
Predella (Sockelgemälde des Altaraufsatzes). 

EMMET8CHLOO (OBER und UNTER) (Kt. Zü- 
rich, Bez. Hinwil, Gem. Wetzikon). 677 und 633 m. Zwei 
Gruppen von zusammen 6 Häusern, an der Strasse Wetz- 
ikon-Bäretswil und 2,3 km ö. Ober Wetzikon. Station 
der Linie Uerikon-Bauma. 28 reform. Ew. 

EMMI8HOFEN (Kt. Thurgau, Bez. Kreuzungen). 
480420 m. Gem. und Dorf, nahe dem Bodensee reizend 
gelegen, längs und an der Kreuzung der Strassen Kreuz- 
lingen-Tägerwilen u. Konstanz-Schwaderloo-Märstetten ; 
1,5 km sw. Konstanz. Station der Linie Schaffhausen- 
Etzwilen-Konstanz. Postbureau, Telegraph, Telephon. Der 
8. Teil der Gemeinde bergig und mit vielen zerstreut ge- 
legenen Häusern. Gemeinde, mit den Höfen u. Schlössern 
Bemrain, Braunegg, Ebersberg, Girsber^ u. Hochstrasse : 
179 Häuser, 1555 Ew., wovon 1057 Katholiken. Pfarrkirche 
der Katholiken in Bemrain ; reformierte Kirchgemeinde 
Egelshofen. Freie evangelische Gemeinschaft. An einem 
der schönsten Aussichtspunkte der Gemeinde wird z. Z. 



eine prächtige katholische Kirche erbaut. Obst-, Gemüse- 
und Weinbau. Mehrzahl der Bewohner Handwerker oder 
Fabrikarbeiter. Bedeutende Ziegelei, Feuerwerkerei : Back- 
stein-, Ofen-, Papiercouverts-, Eisenmöbelfabrik: Möbel- 
Schreinerei, Rosshaarspinnerei, Bauffeschäfte. Heimat des 
gewesenen Bundesrates Anderwert ; Wohnort des zürcher- 
ischen Schulmannes und pädagogischen Schriftstellers 
Dr. Thomas Scherr und zeitweiser Aufenthaltsort des Ton- 
künstlers Ludwig Liebe. W. Bemrain, nahe dem Schloss 
Ebersberg, ist ein prähistorisches Refugium aufcedeckt 
worden ; eine Goldmünze der Arvemer hat man bei der 
Hochstrasse gefunden. 

EM0880N (Kt. Wallis, Bez. Saint Maunce, Gem. Ein- 
baut). 1774 m. Sommerweide, in einem Thälchen mit 
sumpfiger Sohle, am Zusammen Auss von Eau Noire, Nant 
de Dranse und Nant de FoUy, am S.-Fuss des Bei Oiseau 
und am W.-Hang des Col de la Gueulaz ; 4 km osö. des 
Dorfes Einbaut. Eigentum der Bürgergemeinde Einbaut. 
Nach langjährigen Streitigkeiten zwischen den Savoyar- 
den, den Leuten von Salvan und den Achten von Saint 
Maurice wurde die Alpweide Emosson 1697 von der Alp- 
weide Barberine, die im Besitz der Leute von Salvan ver- 
blieb, abgetrennt. Doch dauerten die Streitigkeiten bis 
zum Untergang der alten Eidgenossenschaft fort. Wie die 
Ebenen von Barberine und Salanfe ist auch die von Emos- 
son wahrscheinlich ein altes Seebecken, das seither von 
den Sedimenten der sie heute dnrchfliessenden und früher 
wohl bedeutend geschiebereichem Wild- 

. bäche aufgefüllt worden ist. Diese alten, 

ganz in anstehendes Gestein einge- 
schnittenen Seebecken sind sog. ^Kare, 
d. h. Bildungen der Erosion durch 
fliessendes Wasser (oder durch Glet- 
scher?). 

EMOSSON (VIEUX) (Kt. Wallis. 
Bez. Saint Maurice, Gem. Einbaut). 2300 
m. Magere Sommerweide, Abteilung der 
Alpweide Emosson, 1'/« Stunden über 
dieser; in einem Kar zwischen den 
Gipfeln des Cheval Blanc und der Ve- 
dalle. Zugang durch die Gorges du 
Vieux ; mit dem Vallon d'Entraignes 
durch den Col du Vieux verbunden. 

EMPOSIEUX ä.E8> (Kt. Neuen- 
burg, Bez. Val de Travers, Gem. Tra- 
vers). 1025 m. Gmppe von 3 Häusern, 
im Thal von Les Ponts und 2,5 km nw. 
der Station Noiraiffue der Linie Neuen- 
burg - Pontarlier. 14 reform. Ew. Vieh- 
zucht. Torfffruben. In der Nähe einige 
Dolinentricnter fEmposieux), durch cue 
ein Teil des Oberflächenwassers aes.xhales unterirdisch 
abfliesst. 

EMSf romanisch Domat (Kt. Graubünden, Bez. Im 
Boden, Kreis Räzüns). 586 m. Gem. und Pfarrdorf, am 
rechten Ufer des Rhein, an der Strasse Chur-Reichenau- 
Ilanz und 6 km osö. Chur. Station der Linie Chur-Thusis 
der Rätischen Bahn. Postbureau, Telephon. 206 Häuser, 
1504 kathol. Ew. romanischer Zunge. Wiesenbau u. Vieh- 
zucht. Zahlreiche Bewohner von Ems sind in den Gast- 
höfen angestellt. In der Nähe von Ems am 3. Mai 1799 
Kampf zwischen französischen Truppen und den Leuten 
aus dem Bündner Oberland, der den Rückzug der erstem 
thalabwärts zur Folge hatte. Ein Teil des Dorfes 1776 und 
1870 durch Feuer zerstört. Verschiedene Funde von Bronze- 
gegenständen (Hammer , Beil u. Sichel) ; römische Münze 
mit dem Bildnis von Alexander Severus. 766 : Amedes. 

EMS (MITTEL) (Kt. Wallis, Bez. Leuk, Gem. Ober 
Ems). 1235 m. Fünf auf dem Hang zwischen Ober und 
Unter Ems zerstreut gelegene Häuser, zwischen zwei Wald- 
bändern, am Fussweg Unter Ems - Ober Ems. 24 kathol. 
Ew. 

EMS (OBER) (Kt. Wallis, Bez. Leuk). 1345 m. Gem. 
und Dorf, auf der obern Terrasse des Hanges von Ems, 
der im Winkel zwischen Rhonethal und Ausmündung des 
Turtmanthaies s. Agaren und Turtman ansteigt, 3 km s. 
über der Station Turtman der Simplonbahn. Gemeinde, 
die Weiler Weidenbrunnen und Im Ahorn inbegriffen : 
48 Häuser, 202 kathol. Ew.; Dorf: 27 Häuser, 117 Ew. 
Kirchgemeinde Unter Ems. Gemeinde längs des links- 



EMS 



ENG 



seitigen HaDges des Turtmanthaies gelegen. 1276 : Hemeta ; 
1367 : Hemcsa. 




Ems (Kt. OraubQnden). 

EMS (UNTER) (Kt. Wallis, Bez. Leuk). 1011 m. 
Gem. und Weiler, auf einer Terrasse über dem linken 
Ufer der Rhone, links über der Ausmündunp^ des Turt- 
manthalcs und 2,5 km s. über der Station Turtman der 
Simplonbahn. Poslbureau. Die Häuser der Gemeinde auf 
der Terrasse zerstreut gelegen, zusammen 24 Häuser, 133 
kathol. Ew. Mit Ober Ems gemeinsame Kirchgemeinde. 
Sehr schöne Aussicht ins Rhonethal und auf alle die Berg- 
hänge zwischen Visp und Siders. Der Weiler 1799 durch 
die französischen Truppen völlig in Asche gelegt. Unter 
Ems und Ober Ems im Mittelalter Eigentum der Herren 
von Turtman. 

EM8EREN (HINTER, MITTLER u. VORDER) 
(Kt. Luzern, Amt Entlebuch, Gem. Werthenstein). 580 m. 
Drei Gruppen von zusammen 11 Häusern, am rechten Ufer 
der Emme ; 2,7 km sw. Werthenstein und 1,5 km sw. der 
Station Wolhusen der Linie Bern-Luzem. 60 kathol. Ew. 
Kirchgemeinde Wolhusen. Landwirtschaft. Gerberei, Fab- 
rikation von Latten und Dachschindeln. 

EM8HORN (Kt. Wallis, Bez. Leuk). 2561 m. Grat; z. 
T. felsig, z. T. mit Rasen bewachsen, sw. über Ober Ems 
und s. über Agaren im Rhonethal ; äusserster nö. Ausläu- 
fer der Bella Tola. 

EN (8UR) (Kt. Graubänden, Bez. Inn, Kreis Obtasna, 
Gem. Ardez). Weiler. S. den Art. Sur En. 

EN (8UR> (Kt. Graubünden, Bez. Inn, Kreis Unter- 
tasna, (jem. Sent). S. den Art. Sur En. 

ENCARDEN (LAI) (Kt. Graubänden, Bez. Vorder- 
rhein). 2500 m. Kleiner See, im Val Lavaz, dem sw. Arm 
des Yal Somvix, nahe dem Weg über die Fuorcla de Lavaz 
im Val Medels. Gegenüber dem Medelsgletscher reizend 
gelegen und von einer Reihe von schönen Gipfeln um- 
rahmt. 

ENDERDORF (Kt. Wallis, Bez. Brig, Gem. Naters). 
Oestl. Abschnitt des alten Naters, durch den Kelchbacn 
vom übrigen Teil des Dorfes geschieden. 15 Häuser, 189 
kathol. Ew. S. den Art Naters. 

ENDER LENZEN (Kt. Zürich, Bez. Hinwil, (}em. 
Fischenlhel). Weiler. S. den Art. Ennerlenzen. 

ENDHÖRI (Kt. Zürich, Bez. Bülach, Gem. Höri). 415 
m. Kleines Dorf, am rechten Ufer der Glalt und 2 km n. 
der Station Niederglatt der Linie Zürich-Bülach. 54 Häu- 
ser, 314 reform. Ew. Kirchgemeinde Bülach. 
- EfiDINQEN (OBER) (Kt. Aargau, Bez. Zurzach). 386 
m. Gem. und Dorf, zu beiden Seiten der Surb, an der 
Strasse Lengnau - Döttingen und 5 km nö. der Station 
Siggenthal der Linie Turgi- Waldshut. Postbureau. Tele- 
graph, Telephon ; Postwagen Siggenthal - Lengnau. 188 



Häuser, 1121 Ew., wovon 312 Reformierte, 547 Katholiken 
und 262 Juden. Reformierte Kirchgemeinde Tegerfelden, 
katholische Kirchgemeinde Unter En- 
dingen. Die beiden jüdischen Einwoh- 
nergemeinden Ober Endingen u. Leng- 
nau durch Beschluss des Grossen Rates 
1877 unter den Namen Neu Endingen 
und Neu Lengnau zu selbständigen Bür- 
gergemeinden erhoben. In Ober Endin- 
gen Synagoge. Die Juden haben hier 
seit dem 17. Jahrhundert Bürfferrecht 
und freie Ausübung ihres Glaubens er- 
langt. Da sie des Wuchers verdächtig 
waren, entstanden während des Zeit- 
raums 1860-1870 öfters z. T. blutige 
Ruhestörungen ; 1870 erlangten sie ihre 
völlige bürgerliche Gleichberechtigung. 
Acker- und Weinbau, Viehzucht. Prä- 
historische Funde, so z. B. ein Nephrit- 
messer, Pfeilspitzen aus Feuerstein und 
ein Bronzebeil; nahe Ober Endingen 
ein in den Fels gehauenes Grab mit 
Skelet. 

ENDINQEN (UNTER) (Kt. Aar- 
gau, Bez. Zurzach). 395 m. Gem. und 
Dorf, am rechten Ufer der Surb, an der 
Strasse Lengnau-Döttingen, 1 km n. 
Ober Endingen und 4,5 km so. der 
Station Döttingen - Klingnau der Linie 
Turgi- Waldshut. Telegraph, Telephon ; 
Postwagen Siggenthal-Lengnau. 28 Häu- 
ser, 154 Ew., wovon 52 Katholiken, 
93 Reformierte und 9 Juden. Ackerbau und Viehzucht. 

ENDORF (Kt. Bern, Amtsbez. Thun, Gem. Sigriswil). 
778 m. Dorf, am Berghang n. des Thunersees, 700 m so. 
Sigriswil, 10 km so. Thun und 1,4 km ö. der DampfschifT- 
statlon Gunten. 36 Häuser, 237 reform. Ew. Landwirt- 
schaft. 

ENDROIT, ADROIT, DROIT etc. Im Jura häufiger 
Ortsname ; bezeichnet den nach S. oder zur Sonne expo- 
nierten Hang eines Bergzuges; Gegensatz dazu L'Envers, 
der Bach N. absteigende Hang. 

ENETM008 oder ENNETM008 (Kt. Bern, Amts- 
bez. Schwarzenburg, Gem. Albligen). 660 m. Weiler, 700 
m sw. Albligen und 6 km s. der Station Flamalt der 
Linie Bem-Freiburg. 10 Häuser, 80 reform. Ew. Wiesen- 
bau. 

ENFER (CREUX D*) (Kt.Waadt,Bez. Aigle). Scharte. 
S. den Art. Creux d'Enfer. 

ENFER (CREUX D') (Kt. Waadt, Bez. Aigle). Trich- 
ter. S. den Art. Creux d'Enfer. 

ENFER (SUR L') (Kt. Wallis, Bez. Monthey). Teil 
des Berghanges von Chambairy-Derrav. S. diesen Art. 

ENFER (Ti^TE D') (Kt. Waadt, Bez. Aigle). 2769 m. 
Gipfel, in der Gruppe der Diablerets, zwischen Töte Ronde 
und Signal du Culand ; nur von Gryon und Bex aus sicht- 
bar, erscheint von der Seite der Ormonts aus gesehen 
als blosses Hochplateau zwischen den beiden genannten 
Spitzen. 

ENFER8 (L.E8) (Kt. Bern, Amtsbez. Freibergen). 
958 m. Gem. und Dorf, auf der Hochfläche der Freiberee, 
800 m n. Montfaucon, n. der Strasse Glovelier-Saigneiö- 
gier und am Rand einer Doline, durch die die Wasser der 
auf den Oxfordmer^eln liegenden Torfmoore n. Montfau- 
con ihren unterirdischen Abfluss Anden. Im Grund der 
Wanne einiare von lichten Tannengruppen umrahmte 
Weier. Das Dorf Les Enfers steht n. dieser Weier an der 
vielfach gewundenen Strasse von Montfaucon hinunter 
nach Soubey am Doubs ; 6 km nö. der Station Saignele- 
gier der Schmalspurbahn Saignelögier-La Chaux de Fonds. 
Postablage. Gemeinde: 35 Häuser, 194 kathol. Ew. fran- 
zösischer Zunge ; Dorf: 28 Häuser, 155 Ew. Kirchgemeinde 
Montfaucon. Ackerbau und Viehzucht. Uhrenindustrie. 

ENFERS (COMBE DES) (Kt. Neuenburg, Bez. und 
Gem. Le Locle). Thal. S. den Art. Combe des Enfers. 

ENQADIN (Kt. Graubünden). Das Engadin ist der 
schweizerische Teil des Innthales, jener merkwürdigen 
Furche, welche die Alpen vom N.-Rand bis zum S.-Rand 
in einer 300 km langen Diagonale durchschneidet und 
zwar mit einer Steigung von kaum Vt %> so dass man auf 



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fast horizontaler Strasse vom baierischen Alpenvorland 
auf den Maloja gelangen kann. Hier wird das Thal nicht 
durch eine Bergwand abgeschlossen. Es 
hat kein Hintergehänge, sondern setzt sich 
in das entgeffengesetzt verlaufende Bergeil 
fort. Der Maioja erscheint nur vom Ber- 
geil aus als Bergwand, vom Enfadin aus 
dagegen nur als oberster Teil des Thal- 
bodens, der dann plötzlich gegen das steil 
abfallende Bergeil abbricht, vom Maloja 
bis in die Schlucht Finstermünz und zur 
schweizerisch -tirolischen Grenze hat das 
Engadin eine Länge von etwa 90 km, wovon 
die Hälfte auf das geradlinige Stuck bis 
Zernez kommt. Dann folgt ein etwa 12 km 
langer, nach SO. geöffneter Bogen um den 
Gebirgsstock des Piz Nuna herum, von Zer- 
nez bis Giarsun, in dessen ungefährer Mitte 
Süs liegt : endlich ein ^anz flacher, nach 
NW. geöfTaeter Bogen bis zur Einmündung 
des Schergenbachs aus dem Samnaunthal. 
Die Hauptrichtung des Thals geht von SW.- 
NO. Ist dies auch nicht eenau parallel mit 
der Hauptrichtung der Alpen, so muss man 
das Engadin im ganzen doch als ein Lnngs- 
thal bezeichnen. Nur die kurze Strecke von 
Zernez bis Süs erscheint als Querthal. 

Die einschliessenden Bergketten sind 
links die Albula- und Silvrettagruppe , 
rechts die Bernina- und Ofenpassgruppe, 
die man auch als N.- und S.- Engadiner Alpen zusam- 
menfasst. Die Kammlinien beider Ketten weichen nur 
wenifT von der geraden Linie ab und begleiten die 
Thalfurche in Abständen von meist nur etwa 5-10 km, 
so dass die Hohlform des Thaies auch oben in der Höhe 
der Kämme auffallend schmal ist, viel schmaler als z. B. 
beim Rhein- und Rhonethal und bei andern Langsthälern 
von ähnlichem Grössenrang. Den Verlauf der Kammli- 
nien bezeichnen etwa folgende Passe und Gipfel : Septi- 
mer, Julier, Piz d'Err, Albula, Piz Kesch, Scaletla, Piz 
Yadret, Fluela, Piz Linard, Piz Ruin, Augstenber^, Fim- 
berpass, Samnaunerjoch und Biirkelkopf im Norden, 
Murettopass, Piz Bernina, Berninapass, Piz della Stretta, 
Casanapass, Piz del Diavel, Piz Plavna da Daint, Piz 
Pisoc, Piz Lischanna, Piz S-chalambert und Piz Lad im 
Süden. Die Wasserscheide freilich geht mehrfach ihre 
eigenen Wege. Im N. zwar hält sie sich mit geringen 
Ausnahmen an die Kammlinie, im S. auch noch vom 
Muretto- bis zum Berninapass. Dann aber springt sie auf 



lieh im Gebiet des Münsterthals eigentümliche Seiten- 
sprünge und Krümmungen macht. Wir finden darum auf 





Das Engadin bei St. Moritz. 

eine südlichere Kette über, um über Corno di Campo, 
Monte Foscagno, Piz Murlaröl, Ofenpass (Sür Som), Piz 
Seesvenna und Piz Lad zu verlaufen, wobei sie namenl- 



Das Engadin bei Sils-Maria. 

der rechten Seite des Engadins einige grössere Seiten- 
thäler. Davon sind das Pontresina- und das Scarlthal 
richtige Querthäler, während das Livigoothal im grössten 
Teil seines Verlaufs ein Längsthal ist und nur im untern 
Teil zu einem tief eingerissenen, schluchtartigen Quer- 
thal wird. Diese drei grös.sern Seitenthäler sind die ein- 
zigen standig bewohnten der Südseite. Alle andern, 
insbesondere auch alle auf der linken Seite des Engadin, 
sind nur ganz kurz und steil ansteigend. Davon ist nur 
das Samnaun in einigen kleinen Dörfern bewohnt und 
zwar in seinem obern Teil, wo es in ein Län^sthal mit 
flacherem Thalboden übergeht. Auch das Val SuTsanna hat 
zwar noch ein Dörfchen, aber nur an seinem Ausgang 
zum Hauptthal und nur in geringer Höhe über der Sohle 
des letztern. 

Manche dieser Seitenthäler ragen in die Gletscherwelt 
hinauf, besonders im Ober Engadin, wo vor allem die 
Berninagruppe eine grossartige Gletscherentwicklung 
aufweist und mächtige Eiszungen gegen das Hauptthal 
vorschiebt. Die übrigen Engadiner Grup- 
pen sind ihrer geringern Höhe entspre- 
chend weit weniger vergletschert, am meis- 
ten noch die Silvrettagruppe vom Piz Li- 
nard bis zum Fluchthom. Doch fallen die 
meisten und grössten Gletscher hier nicht 
zum Engadin ab, da sie auf der N.-und 
W.- Seite des Gebirges liegen. Die Albula- 
gruppe hat grössere Gletscher nur beim 
Piz Yadret, beim Piz Kesch und besonders 
in der Errgruppe; diese entwässern sich 
zum grossem Teil zum Engadin. Noch viel 
spärlicher ist die Vergletscherung in der 
Ofenpassgruppe, wo nur kleine Plateau- und 
Terrassengletscher vorkommen. 

Die geologiscßien Verhältnisse des Enga- 
din und seiner einschliessenden Bergket- 
ten sind sehr mannigfaltige u. verwickelte. 
Zwar gehört das Thal den Zentralalpen an, 
ist also vorherrschend in altkrystalline 
Schiefer und alteruptive Massengesteine 
eingeschnitten. Doch sind dieselben viel- 
fach von paläozoischen und mesozoischen 
Sedimenten unterbrochen oder in solche 
eingehüllt. Es lassen sich drei grössere 
Sedimentgebiete unterscheiden. Das grösste 
liegt rechts vom Unter Engadin und breitet 
sich durch das gesamte Geoiet der Münster- 
thaler Alpen bis in die Ortlergruppe aus. Es setzt sich aus 
verschiedenartigen Schiefern, Kalken und Dolomiten der 
Trias zusammen. Die schönen, stolzen Gipfelformen des 



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Piz Plavna, Piz Pisoc, Piz San Jon, Piz Lischanna, Piz 
Ajuz, Piz S-chalambert, Piz Lad etc. sind daraus aufge- 




Silvaplana u. Silvaplanersee im Engadin. 

baut, eine Gipfelreihe von einer Mannigfaltigkeit der 
Formen und Farben, wie sie nur selten in solcher Höhe 
und in so langer Front vorkommt. Doch reicht dieses 
Triasgebiet nicht überall an die Innlinie. Im NW. 
grenzt es längs einer ziemlich (geraden, aber orographisch 
nicht markierten Linie von Cinuskel über den Straglia- 
vitapass etwa bis Tarasp an die Gneis- und Schiefermasse 
des Piz Nuna, die vom Inn w. und n. umflossen wird 
und nach Sw. und NO. sich allmählig verschmälert, so 
dass gegen die genannten Enden hin noch der Sockel 
der bergwände aus krystallinen Felsarten, die obern 
Stockwerke aber aus Triasgesteinen bestehen. Von Ta- 
rasp weiter abwärts und von Cinuskel weiter aufwärts 
etwa bis Ponte treten dann die Triasformationen bis an 
die Innlinie heran. — Ein zweites Sedimentgebiet liegt 
links vom untersten Engadin, etwa von Giarsun unter 
Guarda bis über Finstermünz hinaus und von der Thal- 
sohle hinauf zum Piz Minschun, Piz Tasna, Piz Spadla, 
Stammerspitz, Muttier, Piz Mondin und bis ins Sam- 
naun. Hier dominieren die in ihrem Alter immer noch 
nicht sicher bestimmten und in ihrem petrographischen 
Charakter sehr wechselnden Bündnerschiefer mit gros- 
sen Einlagerungen von Gips und Ser- 
{>entin und mit reichen Mineralquellen, 
etztere besonders bei Fetan, Schuls, 
Tarasp und im Yal Sinestra. Die mäch- 
tigsten Serpentinmassen finden sich 
oben am Piz Minschun und hinter 
demselben, dann unten bei Ardez, so- 
wie in zwei durch Gneis getrennten 
Streifen auch auf der rechten Thal- 
seite. Dazwischen finden sich auch 
einzelne kleinere Massen von Granit, 
Diorit, Kalk und andern Gesteinen. Das 
dritte und kleinste Sedimentgebiet 
zieht sich als schmaler Streifen aus 
dem mittleren Bünden über Bergün 
und den Albulapass bis nach Ponte und 
Capeila und setzt sich über den Piz Ca- 
sana und auer durch das Livignothal, 
fort bis nacn den Quellen der Adda und 
in die Nähe der Bäder von Bormio. Er 
besteht hauptsachlich aus Jurakalken. 
Auch die alteruptiven und altkrystal- 
linen Gesteine des Engadin zerfallen in 
drei Gruppen : 1) die Granite, Diorite, 
Syenite m teils massiger, teils schief- 
riger Ausbildung; dann Gneise, Horn- 
blendegneise und verschiedene krystal- 
line Schiefer der Beminagruppe vom Murettopass bis 
zum Berninapass und auch noch darüber hinaus in der 
Piz Languardgruppe bis ins Val Chamuera ; 2) die Gra- 



nitmasse (vorwiegend Hornblendegranite, Julier- und 
Albulagranit) vom Septimer bis zum Albulapass und Piz 
d'Err mit einigen Trias-, Lias-, Serpentin-, 
Grunschiefer- und Gabbroeinlagerungen ; 
3) die ausgedehnte Gruppe von vorherr- 
schenden Gneisen und Hornblendeschie- 
fern vom Piz Kesch bis zum Fluchthorn, 
die die Thalsohle des Engadin auf der 
Strecke von Capeila bis Giarsun erreicht 
und im Piz Nunastock auch noch beträcht- 
lich auf die rechte Thalseite hinübergreift. 
Dazu gesellen sich partienweise auch Seri- 
cit- und Talkschiefer, Phyllite (Theobalds 
Casanaschiefer) und verwandte Gesteine. 
Verfol|^ man diese Gesteinsgruppen spe- 
ziell längs der Thal furche des Engadin, 
so zerlegt sich dieses in fünf geologisch 
verschiedene Abschnitte. Vom Maloja bis 
Ponte ist es in krystalline Felsarten (Gra- 
nit, Syenit, Diorit, GneiSj Glimmerschiefer), 
von Ponte bis Capeila m Trias- und Lias- 
kalke, von Capella bis 2^rnez als ungefähre 
Formationsgrenze zwischen Gneisgebirge 
links und Dolomitgebirge rechts, von Zer- 
nez bis Giarsun in Gneis und krystalline 
Schiefer und von Giarsun bis Finstermünz 
in Kalkformationen (links Lias, rechts Trias) 
eingegraben. Jeder dieser Abschnitte zeigt 
seinen besondern landschaftlichen Charakter. Doch ist die- 
ser nicht allein durch die Gesteins Verhältnisse bestimmt. 
Es spielen dabei vielmehr auch die Höhenlage, die Thal- 
breite, das Klima und die Vegetation eine wesentliche 
Rolle, und man unterscheidet darum unter Berücksich- 
tigung aller Verhältnisse nicht fünf, sondern nur zwei 
Hauptstufen des Thaies : das Ober Engadin und das Unter 
Engadin. Die Grenze zwischen beiden nimmt man in der 
Regel bei der Brücke Punt Auta, etwa 5 km unterhalb 
Scanfs, an. 

Das Ober Engadin ist ein flaches Muldenthal mit wei- 
tem, ebenem Thalboden und meist nicht allzusteil anstei- 
genden Seitengehängen. Durch einen Querriegel zwischen 
St. Moritz und Celerina zerfallt es selber wieder in zwei 
Stufen. Die oberste Stufe schmückt eine lange Kette 
prächtiger Seen, die die stolzen Formen und blinkenden 
Gletscher der umstehenden Gebirge wiederspiegeln und an 
deren Ufer stattliche Dörfer mit den einfachen Häusern 
der Eingebornen und den glänzenden Palästen der Frem- 
denetabiissemente sich ausoreiten. Auch die zweite Thal- 
stufe von Celerina bis unter Scanfs muss einst ihren See 
gehabt haben, der aber durch die Ablagerungen der Sei- 




Das Engadin, vom Hang des Piz'Muraigl aus. 

I tenbäche längst zugeschüttet worden ist. Jetzt nehmen 
I weite Wiesenflächen, zum Teil auch Sumpf- und Moor- 
böden seine Stelle ein. Aehnlich wie auf der obern Stufe 



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zieht sich auch hier eine lange Perlenschnur stattlicher 
und reicher Dörfer von zum Teil städtischem Aussehen 
längs dem Fuss der linken Bergwand, d. h. auf der Son- 
nenseite des Thals und in etwas erhöhter Lage hin. Nur 
Campovasto liegt ähnlich wie auch Siis- Maria der obem 
Stufe auf der rechten Thalseite. 

£inen ganz andern Charakter hat das Unter Engadin. 
Hier arbeitet sich der Inn in meist enger, schluchtarti- 

§er Rinne zwischen hohen, steilansteigenden Bergwän- 
en durch. Nur selten und auf kurze Strecken findet 
sich eine kleine Thalerweiterung mit ebenem Boden und 
flachen Flussufern, so bei Zernez und von Süs bis Lavin. 
Dafür ziehen sich, besonders auf der linken Seite, schöne, 
sanfter geneigte und sonnenreiche Terrassen an den 
Gehängen hin, auf welchen freundliche Dörfer, umgeben 
von Wiesen und Feldern, hoch über der engen Thal- 
rinne Ironen, während die steilere und schattigere rechte 
Thalseite fast durchweg dem Wald reserviert ist. Nur 
Tarasp und einige ganz kleine Oertchen haben hier noch 
Raum gefunden. Der grossem Erhabenheit und den ein- 
heitlicheren Formen des Ober Engadin gegenüber zeich- 
net sich das Unter Engadin durcn einen mehr romanti-- 
schen Charakter und einen grössern landschaftlichen 
Wechsel aus, wie dies durch die Anstern Schluchten und 
rauschenden Wasser der Tiefe, die sonnigen Terrassen 
mit den lan^hingestreckten Dörfern der linken Thalseite 
und der reichen Vegetation, der es auch nicht an zahl- 
reichen Kornfeldern und einigem Obstbau fehlt, die dunk- 
len weit hinaufreichenden Wälder überall in den Schluch- 
ten und l)esonders an den steilen Gehängen der rechten 
Seite und durch die stolzen Gipfel der « Engadiner Dolo- 
miten » bedingt v/itd. 

Die ungewönnliche Höhenlage und das auffallend ge- 
ringe Gefalle des Engadin, sowie sein Charakter als 
Längsthal und seine allseitige Abgeschlossenheit durch 
hohe Gebirgswände üben einen wesentlichen Einfluss auf 
sein Klima und seine Vegetationsverhältnisse aus. Das 
Engadin hat ein typisches Hochthal- und Längsthaiklima : 
eine dünne, leichte, reine und trockene Luft, relativ hei- 
tern Himmel und geringe Niederschläge, bei frisch- 
kühler Luft (loch eine starke Sonnenstrahlung und be- 
deutende Bodenwärme. Dabei zeigen die Temperaturen 
sehr beträchtliche tägliche und jährliche Schwankungen. 
Das Klima erhält überhaupt einen Zug ins Kontinentale. 
Eine Vergleichuni^ von Sils-Maria im Ober Engadin (1810 
m) mit der ungefähr gleich hohen Ri^i (1790 m) mag dies 
verdeutlichen. Sils-Maria hat eine mittlere Jahrestempe- 
ratur von 1,5" C. bei einer Januartemperatur von — 8" 
und einer Julitemperatur von 11,3 ° ; die Rigi dagegen ein 
Jahresmittel von 1,7° bei einem Januarmittel von —4,8° 
und einem Julimittel von 9,7 "*. Bei ungefähr gleichen 
mittleren Jahrestemperaturen ist also im Ober Engadin 
der Winter kälter, der Sommer wärmer als auf der Rigi, 



Vegetationsgrenzen und insbesondere die Waldgrenze im 
Engadin höher steigen als in den übrigen Teilen der Alpen, 





Das Engadin bei Bevers. 

die Differenz zwischen kältestem und wärmstem Monat 
dort fast 5 ** grösser als hier. Der grössern Sommerwärme 
ist es gewiss auch hauptsächlich zuzuschreiben, dass die 



Innschlucht im Engadin. 

ausgenommen das Wallis, wo ähnliche Höhen- u. Klima- 
verhällnis.ee herrschen wie im Engadin. Günstig auf das 
Pflanzenleben wirken ferner die starke Sonnenstrahlung 
und die erhöhte Bodentemperatur, wie sie dem Hochthal 
mit seiner dünnen und trockenen Luft eigen sind. Die 
Insolation ist selbst im Winter an hellen Tagen so kräftig, 
dass die dann sonst herrschende niedrige Lufttemperatur 
nicht unangenehm empfunden wird und die Leute oft 
mitten im Winter ohne Ueberzieher sich im Freien auf- 
halten können, ein Umstand, der neben der trockenen 
und ruhigen Luft das Engadin ähnlich wie Davos auch 
zu Winterkuren für Lungenkranke geeignet machen 
würde. Eine weitere Eigentümlichkeit des Engadiner- 
klimas sind die geringen Niederschläge, für welche inner- 
halb der Schweiz auch wieder nur das Wallis ein Analo- 
gon bietet. Dabei nehmen dieselben vom 
Ober Engadin gegen das Unter Engadin 
allmählig ab. Für Sils-Maria, das sich dem 
regenreichen Bergeil nähert, betragen sie 
nach Hann im Jahresmittel 95, für Bevers 
79, für Zernez 59 und für Remüs 57 cm, 
während sie im schweizerischen Mittelland 
meist zirka 100 und in den nach diesem 
sich öffnenden Alpen thälern etwa 120-150 
cm betragen. Im langen Winter, nicht 
selten auch mitten im Sommer, fallt dieser 
Niederschlag natürlich als Schnee, der 
Berg und Thal in ein gleichmässi^es, blen- 
dend weisses Gewand hüllt und im Leben 
der Engadiner, in ihrem Verkehr, in ihren 
Heu- und Holztransporten, in ihren win- 
terlichen Belustigungen und Festen, in 
Sport und Spiel eine wichtige Rolle spielt. 
Bei der Schneeschmelze helfen dann der 
warme Sonnenschein und die trockene Luft 
durch rasche Verdunstung den Boden 
trocknen und die Vegetation vor einem 
Uebermaass kalten Schneewassers bewah- 
ren. JD' Ed. iMHOF.l 

Flora. Wie das Wallis ist auch das Engadin für den 
Botaniker ein Fund- und Arbeitsgebiet ersten Ranges. Die 
topographische Beschaffenheit u. Höhenlage des bündnc- 



12 



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Tischen Hochlandes, dem auch das Ober Rngadin an- 
gehört, bedingen das hier herrschende kontinentale 




Das EDgadin bei Guarda. 

Klima, das sich vor demjenigen aller andern Teile der 
Schweizer Alpen durch hohe Trockenheit und grosse 
Lichtfülle auszeichnet. Immerhin bedingt der die ganze 
Thalschaft umrahmende Gürtel von Hochgipfeln und 
Gletschern die Bildung einer zwischen 1600 und 1800 m 
Höhe gelegenen Zone, längs der sich der Wasserdampf- 
gehalt der Luft gerne zu Regen verdichtet. Daher die 
wunderbare Frische und der ausserordentlich üppige 
Wuchs der subalpinen Wiesen und Weiden des Engadin. 
Während im Winter das Temperaturmittel hier weit unter 
diejenigen der übrigen Abschnitte der Alpenländer sinkt, 
steigt es im Sommer doch bis zu Beträgen an, wie sie 
andernorts in den Alpen nur um 500-600 m tiefer gele- 
gene Gebiete erreichen. Im Engadin schwankt die mittlere 
Januar- und Julitemperatur zwischen den Extremen von 
20" unter und über Null. Da die Hauptmasse der Wärme 
dem Frühjahr und Sommer zu Gute kommt, entfaltet sich 
das Ptlanzenleben hier schon bemerkenswert früh, so dass 
man die zarten Blumenkronen der Enziane, Potentillen, 
Anemonen, Krokus und des roten Heidekrautes zu seiner 
grossen Ueberraschung z. B. bei Sils und St. Moritz, in 
einer Höhenlage von nahe an 1800 m, schon zu Ende 
März und gegen Mitte April sich entfalten und die ganze 
Frühjahrstlorula in vollem Blütenschmuck prangen sieht 
zu einer Zeit, da die gleich hoch gelegenen Gebiete der 
zentralen Alpen noch in ihren winterlichen Schneemantel 
gehüllt sind. Es macht sich diese rasche Wärmezunahme 
im Frühjahr, die zugleich die Dauer der vegetativen Pe- 
riode der Pflanzenwelt verlängert, besonders in dem nach 
oben bis zu etwa 2400 m ansteigenden Banmwuchs gel- 
tend. Der Hochwald besteht der Hauptsache nach aus 
Lärchen und Arven. Die Arve findet sich längs der hoch- 
gelegenen Berghänge ununterbrochen auf eine Strecke 
von mehreren Kilometern Länge und steigt am Worm- 
serjoch in vereinzelten Gruppen sogar bis 2426 m an, 
womit sie die von ihr im Wallis erreichte obere Höhen- 
grenze noch überschreitet. Nirgends in der Schweiz ent- 
wickeln sich Lärche und Arve schöner als hier im Ober 
Engadin, wo sie die zu ihrem gemeinsamen Gedeihen 

Dünstigsten Bedingungen zu finden scheinen. Es spielt 
enn auch im Engadin die Arve im Haushalt der Bewoh- 
ner eine wichtige Bolle ; ihr im Kern rotes und eigenar- 
tig frisch duftendes Holz wird mit Vorliebe zur Verklei- 
dung der Zimmerwände verwendet, während ihre Nüsse, 
im Romanischen nuschells ^eheissen, als gesuchte Lecker- 
bissen gerne gegessen weraen. In seinem Pflanzenleben 
der Schweiz (S. 229) sagt Hermann Christ: « Mit den 
leichten, anmutigen Lärchen zusammen bildet die Arve 
einen seltsamen Kontrast und erscheint als eine vorwelt- 
liche Gestalt. Und doch sind beide aufs innigste ver- 



schwistert nnd folgen genau denselben klimatischen Be- 
ziehungen; sie halten treu zusammen über den ganzen 
Kontine&t bis an den äussersten Osten 
Asiens. » 

Da die Zapfen der Arve zu ihrer völ- 
ligen Reife einer Zeitdauer von drei 
Jahren bedürfen und da ihr Samen 
erst nach Verlauf eines Jahres keimt, 
da femer Mäuse, Häher, Eichhörnchen 
und nicht zum mindesten auch der 
Mensch eifrig nach den Arvennüsschen 
fahnden, ist es nicht zu verwundem, 
wenn die natürliche Aussaat der Arve 
heute sozusagen bleich Null ist und die- 
ser prachtvolle Waldbaum Tag für Tag 
an Boden verliert. Hier und da bildet 
%uch die Bergföhre noch einiffe verein- 
zelte Bestände; auch die Fichte ßndet 
sich noch häufig, und in tiefern Lagen 
des Thaies gedeiht die Weisslanne. 
Stellenweise trifft man in den Nadel- 
holzwald eingestreut noch die Birke, 
Eberesche, Traubenkirsche, Espe u. a. 
Laubhölzer. Auf Lichtungen, im Unter- 
holz und am Rande der subalpinen 
Wälder ist der Boden oft mit den weis- 
sen Blumen der Linnsea borealis über- 
sät, die einen zierlichen Gegensatz bil- 
den zu den roten Büschen der Alpen- 
rose, den grossen blauen Blumen der 
Alpen Waldrebe (Cleniatis alpina), der Alpenakelei, des 
himmelblauen Sperrkrautes (Polemoniuni coeruleum) u. 
zu den dunkelroten Blumenkronen von zwei prachtvollen 
Rosenarten (Apfelrose, Rosa ponxifera^ und Zimmtrose, 
Rosa cinnamoniea). 

Eine der auffallendsten Eigentümlichkeiten der Enga- 
diner Flora ist das oft auf Strecken von mehreren Kilo- 
metern Länge festzustellende Vorkommen von alpinen 
Arten auf völlig ebenen und regelmässig gemähten Wie- 
senüächen. So kann man hier z. B. mitten in der sub- 
alpinen Zone und mitten im hohen Wuchs von Futter- 
kräutern, Disteln, Flockenblumen, Rapunzeln, possen 
Winterblumen etc. Typen pflücken, die wie Trifolium 
alpinuniy Gentiana nivalis, Aster alpinus, Amica nion- 
tana, Viola calcarata^ Androsace obtusifolia, Veronica 
alpina, Pedicularis tuberosa u. a. sonst in den Alpen 
überall nur hoch oben auf den Alpweiden der Berghänge 
gedeihen. Die untern Berghänge über Silser- und St. 
Moritzersee sind bestanden mit Alpenrosen, Zwergwach- 
holder. Grünerlen und arktischen Weidearten, wie z. B. 
der Salioi arbuscula, S. myrsinites, S. glauca, S. has- 
lata u. S. Lapponuni; ihnen gesellen sich zu das Krumm- 
holz und die balix cassia der Südalpen. Trotz ihrer ge- 
ringen Grösse üben die Seen des Engadin auf die Entr 
Wicklung ihrer Uferflora ohne Zweifel einen günstigen 
Einfluss aus, sei es dass sie das Sonnenlicht kräftig re- 
flektieren, sei es dass sie der nächtlichen Temperaturab- 
kühlung entgegenarbeiten. 

Im Engadin ist aber auch die eigentliche alpine Zone 
an Pflanzenarten ausserordentlich reich und abwechs- 
lungsvoll, besonders in ihrem über 2500 m hoch gelegenen 
Abschnitte. In seiner Abhandlung über die nivale Flora 
der Schweiz hat Oswald Heer durch Vergleichung der 
verschiedenen Abschnitte der Schweizer Alpen unter sich 
gezeigt, dass die nivale Flora Rätiens die an Arten reichste 
ist. Er zählt im Ober Engadin allein etwa 340 solcher Ar- 
ten auf. Der Grund für diese Erscheinung liegt vor allem 
in der topographischen Beschaffenheit unseres Gebietes, 
das eher ein hochgelegenes Plateau als eine eigentliche 
Gebirgskette genannt werden kann. Daraus folgt unmit- 
telbar, dass hier der nivalen Flora eine ausserordentlich 
grosse Anzahl von auch räumlich nicht zu eng beschränk- 
ten Standorten zugänglich ist. In der Zusammensetzung 
dieser nivalen Flora des Ober Engadin fällt zunächst 
der grosse Prozentsatz von arktischen Formen auf. So 
finden sich von solchen im hohen Norden allgemein ver- 
breiteten Arten in der Schweiz und speziell in der alpi- 
nen und nivalen Zone des Engadin Carex microglochm, 
C. Ic^opina und C. Vahliif Kobresia caricinay Junctis 
arcticuSj Tofieldia borealis, Woodsia ilvensis^ Potcntilla 




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ftigidaund P.nivea, Salix Lapponum.Linrmaborealis, i grauer Blätterschmuck sich mit den hellgrünen Farben 
Geranium aconitifoliufn, dnaphalium norvegicum, I des Kreuzdorns und den '" " '""" 



AndroBoce septenirionalis u. a. Es ist ver- 
sucht worden, diese Erscheinung mit der 
nach NO. geöfTneten Richtung des Thaies 
zu eritlären, die die Einwanderung dieser 
Arten begünstigt habe; richtiger cTürfte es 
sein, den Grund ihrer Anwesenheit in dem 
Zusammenwirken einer Reihe von Rünsti- 
gen Faktoren zu suchen. Solche sind hier i) 
Ausdehnung der zwischen 2000- 



9000 m gelegenen Höhenzone ; 2) die Nach- 
barschaft des Veitlines, das wegen der Nähe 
des Comersees als mächtiges Verdunstungs- 

Sibiet wirkt; 3) die wenig hohe La^e des 
aloja, der den feuchten und verhältnis- 
mässig warmen Winden von der S.-Seite 
der Kette her leichten Zugane gestattet und 
endlich 4) die Nähe der mächticen Gruppe 
der Bemma und anderer Hochgebirgsge- 
biete, an deren Hängen diese feuchten S.- 
Winde sich ihres üeberschusses an Was- 
serdampf entledigen können. 

Während die Sohle der grossen Thal- 
achafl verhältnismässig trocken ist, er- 
freuen sich die Berghänge zu gleicher Zeit 
sowohl einer relativ hohen Feuchtigkeit als 
auch der Einwirkung der aus der Thal- 
sohle aufsteigenden Wärme. Mit Hinsicht 
auf seine nivale Flora Hesse sich mit 
dem Ober Engadin in der Schweiz am ehesten noch 
die zwischen dem EiAschthal und Simplon aufsteigende 
Gruppe des Matterhorns vergleichen, viel eher als z. B. 
das Massiv des Mont Blanc, das trotz seiner mächtigen 
Entwicklung in Hinsicht auf die nivale Flora ein sehr 
armes Gebiet ist (beträchtliche Schneebedeckung u. Ver- 
gletscherung, gleichartige petrographische Beschaffenheit 
des Untergrundes, Mangel an tiefern Einschnitten}. 

Von den Engadiner Arten finden sich auch m der 
Gruppe des Matterhorns (sonst aber in den Alpen des 
Wallis nirgends) Anärosace septenirionalis, Roeleria 
hirsuia, Carex rtxucronata und C. Buxhawniii^ Phyleu- 
ma knmile und Callianthemuni rtttsefoliuni; dagegen 
weist die nivale Flora des Eneadin eine Reihe von östr 
liehen Arten auf, die man in den W.-Alpen vergeblich 
suchen würde, so Primula alutinosa, P. oßnensis und P. 
integrifolia, Senecio carniolicus, Dianlhus glacialiSy Pa- 
paver alpinum var. Rmticum, Saxifraga Hostii, Vale- 
riana supina^ Sesleria sp/iaerocephala, ßotrychium lan~ 
eeolatum, Woodsia ilvensis. Wie das Engadin oder, all- 
gemeiner gefasst, das ganze bündnerische Hochland die 
Westgrenze der Verbreitung der eben genannten Arten 
bildet, ist es zugleich auch die östlichste Verbreitungs- 
grenze mehrerer westlicher Arten. Die Scheidelinie zwi- 
schen beiden Florengebieten ist eine stark gebrochene 
and lässt sich etwa von der Silvrettagruppe über Süs 
and Zernez bis zur Gruppe des Ortler ziehen, Es treffen 
auf dem bündnerischen nochplateau Arten aus der Dau- 
phinä und aus dem Tirol zusammen, die wesentlich zur 
Bereicherung der hiesigen Flora beitragen, aber die eben 
erwähnte Scheidelinie beiderseits kaum überschreiten. 

Diese Linie nun ist nicht durch ein tiefeingeschnittenes 
Thal gekennzeichnet, wie dies bei der Florengrenze 
zwischen N.- und S.-Alpen der Fall ist; sie fallt vielmehr 
mit der O.-Grenze des bündnerischen Hochplateaus zu- 
sammen, auf das dann erst weiter ö. ein tiefer und reicher 
zerschnittenes Gebiet folgt So markiert z. B. Zernez, wo 
das Thal des Inn sich zu senken beginnt und sich plötz- 
lich stark verengert, nicht nur den Beginn einer neuen 
topo^aphischen Bodenform sondern aucn den Uebergang 
zu einem neuen Klima und zu einer neuen Flora. Wäh- 
rend also das Ober Engadin noch dem w. Florenreich zu- 
gezählt werden muss, zeigt das Unter Engadin schon zahl- 
reiche verwandtschaftliche Beziehungen zum ö. Floren- 
reich. 

Der allgemeine Charakter der Flora des Unter Engadin 
gleicht ohne Zweifel in manchen Beziehungen demje- 
nigen von gewissen Walliser Gebieten, und Rhone- wie 
Innufer sind beide mit dem kreuzdornähnlichen Sand- 
dom (Hippophaes rhamnoides) bestanden, dessen sil ber- 



grossen goldgelben Blütentrau- 




Schuls im Engadin. 

ben der Färberwaid {Jsatis tinctotna) mischt. Trotzdem 
sind aber eine grosse Anzahl von Arten des Unter Enga- 
din rein südliche oder östliche Typen, die sich in der 
Schweiz sonst nirgends mehr vorfinden; es trifft dies z. 
B. zu für die interessante, an feuchte Standorte gebun- 
dene Cortusa Matthioli, für die Stellaria Friesiana^ 
Rosa caryophyllacea, das Sisytnbriuni strlctissimuni u. 
Thalictruni alpinum. Von nocn ausgesprochener östlichen 
Arten finden sich im Unter Engadin, Münsterthal und 
Val Samnaun : Pedicularis asplenifolia und P. Jacquini^ 
Centaurea austriaca^ Senipervivuni nwntanuni rar. pal- 
lidum und S. Wulfeni (diese beiden Arten auch im Ober 
Engadin), Primula glutinosa, P. graveolens und P, 
oenensis, Draba stelLala und D. tomentosa var. nivea^ 
Orohanche lucorum, Senecio nebrodensiSy Capsella pau- 
ciflora, Euphorbia camiolica (Tarasp, Vulpera), Lilium 
bulbiferum (Fuldera, Tarasp), ünabhäncig von diesen 
speziell östlichen Arten weist das Engadin auch sonst 
noch eine Reihe von Seltenheiten auf, die sich sonst in 
der Schweiz blos noch im Wallis finden. Hierher gehören 
Trichophorum alpinum, Primula longiflora^ Crepis ju- 
bata, Leontodon pseudocrispus^ Geranium aconitifolium 
und G. divaricatuniy Alsine roslrata, Adenostyles leuco- 
phylla, Viola pinnata^ Plantago serpentina, Allium 
strictum, Cytisus radiatus (Unter Engadin), Galium tri- 
florum (Tarasp). Durchaus hochalpine Arten sind Draba 
Thomasii, Hutchinsia brevicaulis, Alsine lanceolala und 
A. mucronata, Arenaria Marschlinsii, Astra^alus leon- 
tinus, PotentiUa nivea^ Hemiaria alpiria, Phyleuma 
pauciflorum, und Ph, humiley Pedicularis incarnata^ 
Juncus arcticuSy Carex ericetorum var. membranacea, 
Carex ümbriata. 

Wieder andere Arten kommen ausser im Engadin und 
Wallis in der Schweiz nur ganz vereinzelt und sehr sel- 
ten vor, so Calliantftemum rutsßfoliumj Oxytropis lappo- 
nica^ Pleurogyne carinthiaca^ Carex ustulata, Dracoce- 
phalum auslriacum. 

Von grossem Interesse ist auch die bis jetzt weniger 
gut durchforschte Kryptogamenflora des Engadin. Wert- 
volle Nachweise über Moose und Flechten finden sich 
l>esonder8 in den Aufsätzen von .1. Amann : Une excursion 
bryologique dans la Haute Engadine (im Bulletin de 
l'Üerbier Bossier. Vol. IV, 10). Geneve et Bäle 1896 und 
T. Howse: Moss Flora of St. Moritz (in The Alpine 
Journal. Vol. V, 1870-72), sowie in der gleich zu nennen- 
den Flora von Killias. In Bezug auf die Al^en verweisen 
wir auf Ernst Overton's Notizen über die Grünalgen des 
Ober Engadin (in den Berichten der schweizer, botan. 
Gesellschaft. Bd. VH). Bern 1897 und Notizen über die 
Wa^sergewächse des Ober Engadin (in der Vierteljahrs- 



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Schrift der Naturforsch, Gesellsch. in Zürich. 1899). Die 
Gefassptlanzen des interessanten Gebietes sind für ein 
gründliches Studium ausreichend beschrieben in folgen- 
den Werken: Killias, Ed. Die Flora des Unter Engadin. 
Chur 1888. — Heer, Osw. La flore de l'Engadine com- 
paree ä celle des regions boröales (in den Archives des 
sc. phys. et naturelles. T. 18, 1863 ; Verhandlungen der 
Schweiz, naturforsch. Gesellsch. Samaden 1863). — Christ, 
H. Das Pflanzenleben der Schweiz. Zürich 1879; 2. un- 
veränderte Ausgabe. Zürich 1882. [Dr. Paul Jaggard.] 

Einen ähnlichen Reichtum und eine ähnliche Zusam- 
mensetzung aus alpinen, nordischen, östlichen und süd- 
lichen Arten wie die PÜanzenwelt weist die Insektenwelt, 
besonders die Ordnung der Schmetterlinge auf, weshalb 
das Engadin ebenso sehr ein Eldorado der Entomolo|[en 
wie der Botaniker ist. Die höhere Tierwelt ist diejenige 
des übrigen Bünden : Gemsen, Murmeltiere, Alpenhasen 
überall in den höhern Regionen, seltener in den Wäldern 
Hirsche und Rehe. Auch Bären zeigen sich noch hier und 
da. Unter den Vögeln ist der Lämmergeier, wenn über- 
haupt noch vorkommend, jedenfalls eine äusserste Selten- 
heit. Ziemlich häufig ist dagegen der mächtige Steinadler. 
Dazu kommen Auerhuhner, Birkhühner, Schneehühner, 
Wildtauben etc. Nicht sehr zahlreich sind die kleinen 




Burg Tarasp im Engadin. 

Singvögel, vielleicht wegen der Nähe Italiens, wo sie 
auf ihren Wanderzügen schonungslos abgefangen wer- 
den. Von Schlangen ma^ die Kreuzotter erwähnt wer- 
den, die sich an den sonnigen Halden des Unter Engadin 
ziemlich häufig findet, von Fischen die Forellen, die die 
Seen und Flüsse bis in sehr hohe Laj^^en, z. B. bis zum Lej 
Sgrischus (2640 m) im Val Fex, bevölkern. 

Die Bewohner des Engadin sind romanischen Stammes 
und sprechen das Ladinische, den schönsten und reinsten 
der romanischen Dialekte. Sie sind ein schöner, kräftiger 
und intelligenter Volksschlag mit schwarzen, lebhaften 
Augen und schwarzem Haar. 

Üeber einige Hauptergebnisse der Volkszählung von 
1900 gibt folgende kleine Tabelle eine Uebersicht : 

Ew. Deutsch Roman. And. Ref. Kath. And. 
/o /o /o /o /o /o 

Ob.Engadin 5498 24 48 28 66 31 3 

Unt. Engad. 6275 15 80 5 78 22 

Zusammen 11773 19 fö 16 72,5 26 1^ 

Das Engadin hat also nahe an 12000 Einwohner, wovon 
die etwas grössere Hälfte auf das Unter Engadin kommt. 
Etwa Vs der Bevölkerung sind romanisch, Vg deutsch und 
der Rest von andern Sprachen, namentlich italienisch. 
Dabei ist zu beachten, dass das italienische Element ge- 
l^enwärtig infolge des Albula-Bahnbaus stärker vertreten 
ist als sonst. Daher die 28 ^o Anderssprachigen des Ober 
Engadin, wo die Italiener besonders auf der Strecke von 



Bevers bis St. Moritz sehr stark vertreten sind : machen 
sie doch in Bevers über 60, in Samaden über 20 und in 
St. Moritz ca. 30^ der Gesamtbevölkerung aus. Wie man 
aus der Tabelle sieht, ist auch das Deutsche im Ober En- 
gadin stärker vertreten als im Unter Engadin. Das letztere 
hat mit 80 % seinen romanischen Charakter viel besser 
bewahrt als das erstere. In konfessioneller Beziehung do- 
miniert der Protestantismus. Immerhin erscheinen die 
Katholiken mit 26 % der Bevölkerung zahlreicher als es 
nach früheren Zählungen der Fall war, wo sie nur mit ca. 
20 % erschienen, wie jetzt noch im Unter Engadin. Auch 
dies ist eine Folge der gegenwärtig zahlreichen italieni- 
schen Arbeiterbevölkerung. Daher die über 30 % Katholi- 
ken im Ober Engadin (Bevers bis St. Moritz), im Unter 
Engadin sind wesentlich nur Tarasp und Samnaun katho- 
lisch. Das letztere bietet ein Beispiel einer rein deutschen 
und rein katholischen Bevölkerung, eine Folge seiner 
Verkehrsverbindung mit Tirol, wohin ja dieses Thal aus- 
mündet. 

Die Hauptbeschäftigung der Engadiner ist Viehzucht 
und Alpwirtschaft, für welche die ausgedehnten Matten 
und Weiden eine ausgezeichnete Grundlage gewähren. 
Der Viehstand ist denn auch sehr beträchtlich und von 
schönem Schlag. Dazu wird auch viel fremdes Vieh auf 
den Engadiner Alpen gesommert, und eine 
ganze Reihe hochgelegener Schafalpen wer- 
aen an Bergamasker Hirten verpachtet. In 
Anbetracht der Höhenlage ist auch der 
Landbau nicht ganz unbedeutend. Selbst 
das Ober Engadin hat noch einigen Feld- 
und Gartenbau. Im Unter Engadin aber 
nehmen die zahlreichen kleinen Roggen- 
felder auf der Sonnenseite einen sehr be- 
trächtlichen Raum ein; Gerste ^eht im 
Scarlthal sogar bis 1800 m, und Birn- und 
Apfelbäume finden sich noch bei Remüs. 
Dazu kommen KartofiTeln, Gemüse, Hanf u. 
Flachs mit gutem Ertrag. Einen dritten 
grossen Erwerbszweig bietet der stets zu- 
nehmende Fremdenverkehr, dessen Mittel- 
punkte im Ober Engadin Pontresina, St. 
Moritz, Maloja und Samaden, im Unter 
Ensadin Schuls und Tarasp sind, und der 
mehr und mehr sich auch über fast alle 
andern Orte ausbreitet. Von der Bedeutung 
dieses Verkehrs legen nicht nur die zahl- 
reichen, zum Teil sehr stattlichen Frem- 
denetablissemente beredtes Zeugnis ab, son- 
dern auch die nicht weniger als 7 fahrbaren 
Bergstrassen, die das Engadin mit der übri- 

f^en Welt verbinden : Flüela-, Albula-, Ju- 
ier-, Maloja-, Bernina-, Ofenpass- und 
Finstermünzstrasse, wozu noch eine Reihe ziemlich be- 
gangener Pässe für den Fuss- und Saumverkehr kom- 
men, vne der Scaletta (nach Davos) und der Casana- 
Sass (nach Livigno) und viele andere. Bald wird auch 
ie Albulabahn fertig sein, die das Engadin mit dem 
übrigen Bünden über Bergün, Tiefenkasten und Thusis 
verbmden und an die sich eine Linie nach dem Unter En- 
pdin anschliessen wird. Viele Engadiner suchen ferner 
ihren Erwerb im Ausland, indem sie in jüngeren Jahren 
auswandern, um als Konditoren, Kafl*eewirte u. Geschäfts- 
leute verschiedener Art ein oft nicht unbedeutendes Ver- 
mögen zu erwerben, mit dem sie dann in reiferen Jahren 
in ihr Heimatthal zurückkehren. [Dr. Ed. Imhof ] 

ENGADINER ALPEN (Kt. Graubunden, Bez. Al- 
bula, Bemina, Hinterrhein, Inn, Maloja, Münsterthal und 
Ober Landc^uart). Als Engadiner Alpen werden die das 
Engadin einschliessenden Gebirgsmassen bezeichnet. 
Durch dieses Thal und dessen Rückverlängerunff, das 
Bergeil, zerfallen sie natürlicherweise in die Nord- und 
Südengadineralpen, die beide von SW.-NO. streichen. 

Die Nordengadiner Alpen erfüllen den Raum zwischen 
dem Bergell und Engadin, bezw. Innthal bis Landeck im 
SO., dem Paznauner- und obern Montafonerthal bis St. 
Gallenkirch im NO., dem Schlappinerjoch, Klosters, Wolf- 
gangpass, Davoser- und Albulathal bis Thusis im NW. u. 
der Splügenlinie von Thusis bis Chiavenna im SW. ; die 
Südengaainer Alpen dagegen umfassen den Raum zwi- 
schen dem Bergell und Engadin im NW., dem Pass über 



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die Reschenscheideck von Finstermänz bis Glums im NO., 
dem Stilfserjoch und Veltlin im SO. und S. und dem un- 
tern MaTrathal bis Chiavenna im SW. Die Nordengadiner 
Alpen teilt man durch den Flüelapass (2388 m; Sus-Da- 
Tos) oder durch den etwas nordöstlicher gelegenen und 
einfacher verlaufenden Flesspass (2452 m ; Sus - Klosters) 
in die sw. Albulagruppe und die nö. Silvrettacruppe, die 
Südengadiner Alpen durch den Beminapass (2334 m ; Sa- 
maden-Tirano) in die Berninagruppe im SW. und die 
Ofenpassgruppe im NO. Damach erhält man also folgende 
Uebersicht der Engadiner Alpen : 

A. Nordengadiner Alpen : f. Albulagruppe ; 2. Silvretta- 
gruppe. B. Südengadiner Alpen: 1. Berninagruppe; 2. 
Ofenpassgruppe. 

Von diesen vier Gruppen ist die Beminagruppe als die 
höchste und gletscherreichste des Kantons Graubünden 
bereits in einem besondem Artikel behandelt (siehe Band I, 
Seite 232-236) ; Ofenpassffruppe und Silvrettagruppe wer- 
den an ihrer alphabetiscn bestimmten Stelle besprochen 
werden, so dass also hier nur noch die bis jetzt ^nicht 
ausföhrlich erwähnte Albulagruppe zu besprechen übrig 
bleibt. 

Die Albulagruppe stellt sich als mächtiger Gebirgswall 
dar, dessen Kammlinie in geringer Entfernung vom Ber- 



schickt. Die drei Flussgebiete berühren sich am Piz Lnn- 
ghino, zwischen Maloja und Septimer, einem zwar nicht 
sehr hohen, aber aussichtsreichen Gipfel, der einen be- 
merkenswerten hydrographischen Knotenpunkt darstellt^ 
an dem die Gewässer nach drei Stromgebieten und drei 
Meeren sich scheiden. 

Für die Gliederung der Albulagruppe kommt zunächst 
das Oberhalbstein mit dem Septimer m Betracht, durch 
welche fast genau von N. nach S. verlaufende Thal- und 
Passlinie unser Gebiet in einen sw. und einen nö. Teil 
zerfällt. Der erstere umschliesst hauptsächlich das Aver- 
serthal und kann darum als Averser^uppe bezeichnet 
werden. In eijg^entümlich gewundener Linie zieht diese von 
den Suretta hörnern bei Splu^en zuerst annähernd s. zum 
Piz Stella (3129 m), dann ö. bis an den Septimer, dann in 
einem Bogen nw. über den Piz Platta zum Piz Grisch, der 
den Surettahörnern wieder ganz nahe ist, so dass das 
Averserthal hier nur einen engen, schluchtförmigen Aus- 
gang findet, während es weiter hinten mit mehreren 
Armen sich facherartip[ ausbreitet. Aus der Gegend des Piz 
Grisch zieht der Gebirgskamm direkt nach N. über den 
Piz Curver in die Thalgabel zwischen Viamala und Schyn. 
Durch den Pass vom Septimer über die Forcellina nach 
Avers zerfällt dieser gewundene Gebirgsbogen in zwei 




Engadiner Alpen, vom Schafberg aus. 



ffell und Engadin vom Piz Stella im SW. zum Flüela 
Weisshorn im NO. zieht und der mit steilen Wänden zu 
den genannten Thälern abfällt, während die entgegen- 
gesetzte Abdachung, durch zahlreiche Thäler vielfach ge- 
gliedert, allmähliger sich gegen das Davoser-, Albula- und 
Hinterrheinthal senkt. Die steile SO.-Abdachung ist wenig 
gegliedert, nur kleine Thäler schneiden in dieselbe ein, 
80 dass blos kurze Seitenrippen sich bilden. Nur das Val 
Bever, das Val Sulsanna und das Val Susasca freifen 
etwas tiefer in den Gebirgskörper ein und bewirken an 
ihren Hintergehängen ein Ausbiegen des wasserscheiden- 
den Kammes, der sonst sich immer ganz nahe ans Ber- 
gell und Engadin hält. Dagegen weist die NW.-Seite eine 
Reihe langer und ständig bewohnter Thäler auf: Avers 
mit seinen Seitenthälem (Val Bregalga, Madriserthal und 
Val di Lei), das Oberhalbstein, das Albulathal von Filisur 
an aufwärts und die Seitenthäler von Davos (das Sertig-, 
Dischma- und Flüelathal). Der Abstand von Tiefenkastei 
bis zum Septimer- und Julierpass beträgt z. B. je etwa 
30 km, von da hinab ins Bergeil und Engadin aber nur 
5 km. Aehnliche Verhältnisse finden wir im Averser- und 
Albulathal. Erst gegen das nö. Ende werden die Differen- 
zen zwischen den beiden Abdachungen weniger gross. 

Die ganze breite NW.-Seite entwässert sich zum Rhein, 
während die schmale SO.-Seite ihre kurzen Bäche teils 
durch den Inn zur Donau, teils durch die Maira zum Po 



Glieder, die man als die Gruppen des Piz Stella und 
des Piz Platta bezeichnen mag, jene links oder w. und s. 
von Avers, diese rechts oder o. von Avers und Schams. 
Der Piz Stella ist zwar in seiner Gruppe nicht der höchste, 
aber der zentralste Gipfel, der Scheitel des dortigen Ge- 
birgswinkels. Die vom Septimer nö. folgende (jiebirgs- 
masse bis zum Flüela- resp. Flesspass ist die Albulagruppe 
im engern Sinn, die sich fast ausschliesslich zur Albula 
entwässert. Durch den Albula- und Sertigpass teilen wir 
sie in drei, wieder mehrfach verzweigte Abschnitte, die 
nach ihren Hauptgipfeln als die Gruppen des Piz d'Err, 
des Piz Kesch und des Piz Vadret bezeichnet werden. So- 
mit erhalten wir folgende Uebersicht der Albulagruppe 
im weitem Sinne: I. Aversergruppe : 1. Gruppe des Piz 
Stella ; 2. Gruppe des Piz Platta. II. Albulagruppe im 
engern Sinn: 1. Gruppe des Piz d'Err; 2. Gruppe des 
Piz Kesch ; 3. Gruppe des Piz Vadret. 

Die Gruppe des Piz Stella fällt nach W. und S. steil 
zu den Thatem des Liro und der Maira ab, während die 
Abdachung gegen Avers viel sanfter geneigt und durch 
eine Reihe von Thälern in mehrere Ketten gegliedert ist. 
Die am Piz Stella rechtwinklig gebogene Hauptkette be- 
ginnt im NW. mit dem breiten, mehrgipfeligen Stock der 
Surettahömer zwischen dem Splugenpass einerseits und 
dem Val d'Emet und dem Passo di Madesimo andererseits. 
Obwohl nicht das höchste, ist er doch das am stärksten 



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vergletscherte Glied dieser Gruppe. Der Surettagletscher 
senkt sich durch das gleichnamige Thal nach N. und ist 
der einzige, der eine grössere Eiszunge bildet. Bemer- 
kenswert ist der nach NO. über das Hirli streichende 
Kamm durch seine Eisenerze, die früher in einer grös- 
sern Eisenschmelze zwischen Ausser und Inner Ferrera 
verhüttet wurden. Jenseits des Passo di Madesimo folgt 
der Piz Timun, mit 3201 m der höchste Gipfel der Gruppe, 
dann der Piz Groppera (2934 m) und weiter der Piz Stella 
(3129 m, oder nach der italienischen Karte 3162 m), der 
Eck- und Zentralpunkt der Gruppe, eine schöne weit- 
schauende, aber selten besuchte Pyramide, die sich hoch 
über dem Thalwinkel von Chiavenna erhebt (frühergaben 
ihr die Karten irrtümlicherweise die für diese Lage ganz 
ungewöhnliche Höhe von 3406 m). In dem von hier nach 
0. streichenden Kamm sind die Cima di Lago (3015 und 
3082 m), der Piz Gallegione (3135 und 3110 m), der Piz 
della Duana (3133 m), das Gletscherhorn (3106 m), der 
Piz Piolt (3040 m) und Piz della Forcellina oder Piz di 
Val Turba (3023 m) die HauptLrjpfel. Davon sind der Piz 
Gallegione und der Piz della Duana herrliche Aussichts- 
punkte, die in neuerer Zeit öfteren Besuch erhalten. Die 
Vergletscherung ist hier überall gering und beschränkt 
sich auf einige nach N. geneigte Hängegletscher. Auch 



Schöne Marmorlager finden sich z. B. im untern Teil des 
Madriserthals und von da abwärts. Das Bett des Averser- 
rhein und die nach Cresta führende Strasse sind auf län- 
gern Strecken in diese Marmore eingeschnitten und er- 
halten dadurch einen besondern Reiz. 

Von ganz anderer Beschaffenheit ist die Kette des Piz 
Platta, die als mächtiger Wall zwischen dem Oberhalb- 
stein einerseits und den Thälern von Avers und Schams 
andererseits sich erhebt. In der s. Hälfte, von der Forcel- 
lina bis zum Piz Grisch, überschreiten noch zahlreiche 
Gipfel 3000 m, unter ihnen der gewaltige Piz Platta mit 
3386 m, eine der schönsten und stolzesten Berggestalten 
Graubündens. Ihn begleiten als ebenfalls mächtiffe Tra- 
banten das Jupperhorn (3151 m),der Mazzerspitz (3161 m), 
der Piz Scalolta (3003 m), der breite, mehrgipfelige Aver- 
ser Weissberg (3041 und 3044 m), der Piz Grisch (3048 m) 
und die wild zerrissenen Gestalten des Piz Forbisch 
(3258 m) und Piz d'Arblatsch (3204 m), zum Teil in der 
Hauptkette selber, zum Teil in kurzen Auszweigungen 
derselben stehend. Weiter n. nimmt die Gipfelhöhe ab, und 
die Bergformen nehmen im Ganzen einen sanfteren Cha- 
rakter an, besonders auf der Oberhalbsteinerseite, wo sie 
in breiten Terrassen und Wald- und Rasenhängen auf- 
steigen. Nach W. freilich, gegen Schams, brechen sie 



Pia Julier 



Piz d'Err 



Piz d'i£la 




Engadiner Alpen, vom Piz Laoguard aus. 



die vier nach N. ziehenden Seitenkelten überschreiten in 
ihren s. Teilen noch öfter 3000 m und sind dort mit klei- 
nern Gletschern geschmückt, so an der Cima di Sovrana 
(3060 m) und am Blesehorn (3048 m) in der Kette zwischen 
Val di Lei und Madriserihal. Mehrere, zum Teil ziemlich 
stark begangene Pässe führen aus diesen Thälern nach 
dem Bergell und nach Italien. Die niedrigsten sind der 
schon erwähnte Passo di Madesimo (22b0 m) und der 
Stellapass (2276 m), erslerer von Inner Ferrera oder Ca- 
nicül durch das val d'Emel nach dem Kurort Madesimo 
in einem Seitenthal des italienischen Val S. Giacomo s. 
vom Splügen, letzterer aus dem Val di Lei nach Chiavenna 
führend. Touristisch von besonderem Interesse sind auch 
die Forcella di Prassignola (2720 m) und der Duahapass 
(ca. 2800 m) als die kürzesten Uebergänge von Avers-Cresla 
nach Soglio und damit ins untere Bergell, ersterer durch 
das Madriserihal, letzterer durch das Bregalgathal. Alle 
diese Pässe steigen relativ sanft von N. an und fallen mit 
grosser Steilheit nach S. In wenigen Stunden führen sie 
liier aus der Fels- und Schneeregion nach den warmen 
Gefilden der Kastanienwälder und Weinberge. — In der 
Hauptsache besteht dieser ganze Gebirgsabschnitt aus 
Gneis und krystallinen Schiefern. Nur in den südöst- 
lichsten Partien, etwa von Cresta an gegen den Septimer, 
setzen sich an deren Stelle Sedimentgesteine, die dem 
vielgestaltigen und wohl auch verschiedenalterigen Kom- 
plex der Bündner Schiefer zugeteilt werden. Graue und 
Srüne Schiefer, Kalke und Marmore, Serpentine und an- 
ere Gesteine zeigen sich da in mannigfaltigem W^echsel. 



immer noch in mächtigen Felsabstürzen ab. Der Haupt- 
gipfel ist hier der Piz Curver (2975 m); nach W. springt 
der Piz la Tschera, nach 0. der eigentümlich kraterartig 
gestaltete Piz Toissa vor, und den n. Abschluss bildet die 
MuttnerhÖhe, von der man das ganze Domlesch^ über- 
schaut. Im hintern Teil der Kette sind eine Reihe von 
Pässen zu nennen, die das Averserthal mit dem Oberhalb- 
stein verbinden. Von Touristen am meisten benutzt wird 
die Forcellina (2673 m), die von Avers-Cresta über Juf, 
das höchste ständig bewohnte Dörfchen der Schweiz 
(2133 m, d. h. Pilatushöhe), direkt nach dem Septimer 
führt, von wo man dann über den Lunghinopass (2635 m) 
nach dem Maloja und ins Engadin gelangt. Es ist dies die 
kürzeste Verbindung dieses Thaies mit Avers. Fast von 
der Höhe der Forcellina führt die Fuorcla di Valetta nach 
Stalla im Oberhalbstein. Der Hauptpass dorthin ist aber 
der Stallerberg (2584 m), der ebenfalls von Juf ausgeht 
und vor der Erstellung der neuen, aus dem Schams 
heraufkommenden Strasse einen Hauptzugang zum 
Averserthal bildete. Die übrigen Bergübergänge, wie das 
Fallerjoch von Avers nach Mühlen, das Slarlerajoch und 
das Sclimorrasioch von Inner- und Ausser Ferrera nach 
dem vordem Oberhalbstein haben nur geringe Bedeulun^f. 
— Sehr eigentümlich und mannigfaltig sind die geologi- 
schen Verhältnisse dieses Gebirgsabschnittes. Graue und 
grüne Schiefer, Serpentin, Diorit, Gabbro, verschiedene 
Kalke, Dolomit, Marmor, Gips, Rauchwacke und andere 
Gesteine sind bunt durcheinander gewürfelt. Der Piz 
Platta z. B. besteht in der Hauptsache aus Grünschiefer, 






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der Avener Weissberg hart daneben aus Triaskalken, 
die stellenweise in Marmor umgewandelt sind, Piz For- 
bisch und Piz d'Arblatsch aus grauem 
Bündnerschiefer, der Piz Grisch wieder 
aus Kalk ; weiter n. im Gebiet des Piz 
Curv^r dominiert der Bündnerschie- 
fer, aber hart daneben baut sich der 
Piz Toissa aus Kalk und Dolomit auf. 
Diorit, Gabbro, Serpentin finden sich 
an verschiedenen Stellen, so im Val 
Nandro und Val Bercla, meist mit Grun- 
schiefer verbunden und oft in diesen 
übergehend, Serpentin in so grosser 
Ausdehnung, dass er mancherorts 
förmlich als Grundgebirge erscheint. 
Auch der fiofnagneis und der Talk- 
guarzit des Suretlastocks tritt auf der 
Strecke von Inner Ferrera bis Andeer 
auf die rechte Thalseite und damit in 
die Kette des Piz Platta über, hier 
mehrfach von Rötidolomitu. Bündner- 
schiefer umrandet. Ein anderes grob- 
kömiges Silikatgestein hat nach seiner 
Hauptfundstelle, der Alp Taspin nw. 
vom Piz Cuhver, den Namen Taspinit 
erbalten. Darin finden sich Bleifflanz, 
Fahlerz, auch Kupferkies und Malachit, die in frühe- 
ren Zeiten ausgebeutet wurden. Auch sonst ist dieser Ge- 
birgsabschnitt durch Vorkommnisse von Erzen ausge- 
zeichnet. Die Alp Schmorras im Hinlergrund des Val 
Nandro z. B. und der Piz Starlera, ein Vorgipfel des Piz 
Grisch, haben nicht unbeträchtliche Eisenlager, und noch 
sieht man unten zwischen Ausser und Inner Ferrera die 
Ruinen der Eisenschmelzen, wo diese und andere Erze 
der Geeend einst verarbeitet wurden. 

Die Gruppe des Piz d'Err erfüllt den Raum zwischen 
dem Obernalbstein und dem Septimer im W., dem Al- 
bulathal und Albulapass im N. und NO. und dem Ober 
Engadin im SO. Von den fünf Abteilungen der Albula- 
gruppe ist sie die zentralste und flächensrösste u. zugleich 
diejenige, welche die grösste mittlere Höhe und die grösste 
Vergletscherung aufweist. Ihr höchster Gipfel, der Piz del- 
las Calderas, erreicht zwar mit 3393 m nicht ganz die Höhe 
des Piz Kesch (3420 m) u. des Piz Platta (3398 m). Aber von 
den 101 Gipfeln der Albulagruppe, die 3000 m übersteigen, 
fallen 36 allein auf die Errgruppe, von 7 Gipfeln mit über 
3300 m 5 auf die Errgruppe und nur je einer auf die 
Gruppen des Piz Kescn und des Piz Platta. Das Mittel 
aus den 10 höchsten Gipfeln der Errgruppe ergibt 3303 m, 
dasjenige aus den 10 höchsten der Keschgruppe d 



, ^ - A * ' dagegen 

nur 3157 m, also fast 150 m Differenz zu Gunsten der 
erstem. Auch die Vergletscherung ist in der Errgruppe 
grösser als in den übrigen Gliedern des Albulageoietes. 
Doch kommt ihr die Keschgruppe darin allerdings nahe. 
Dabei zeigt die Errgrappe eine bemerkenswerte Eisen- 
tömlichkeit in der Verteilung der Gletscher. Dieselben 
halten sich nämlich fast ausschliesslich an die 0.- und 
N.-Seite des Gebirges, während die W.- und S.-Seite fast 

Sauz von Gletschern entblösst sind. Da der llauptkamm 
er Grappe sich im Ganzen von S. nach N. erstreckt, so 
erscheint die O.-Seite als ein eigentliches Schnee- und 
Eisgebirffe, eine Sierra Nevada, während die W.-Seite sich 
als ein ebenso typisches Felsengebirge darstellt. Es spie- 
gelt sich darin der äussere Bau, das Relief des Gebirges. 
Die O.-Seite weist eine Reihe hochgelegener Terrassen 
und Mulden auf, wo der Firn sich sammeln und allmählig 
in Gletscher' umwandeln kann, während die W.-Sei(e in 
steilen Felswänden abbricht, die den Schnee nicht festzu- 
halten vermögen. Erst in der Tiefe, weit unter der Schnee- 
grenze, treffen wir auch hier auf ausgedehnte Terrassen, 
die aber mit Weiden bestanden sind, wie z. B. diejenige 
von Flex über Mühlen im Oberhalbstein. Die meisten Glet- 
scher senken sich vom Hauptkamm konzentrisch in das 
ö. verlaufende Val Bever. Eine geringe Verlängerung der- 
selben würde genügen, um sie zu einer einzigen grossen 
Zunge zusammenlaufen zu lassen, wie dies m früheren 
Zeiten der Fall war. Mehrere bogenförmig quer durch das 
Val Bever verlaufende Moränen deuten noch die einstige 
grössere Ausdehnung des Gletschers und dessen etappen- 
weisen Rückzug an. Jetzt sind nur noch die obern Arme 



ohne gemeinsame Zunge vorhanden. Ein grosserer Glet- 
scher, der Errgletscher, fallt in prächtigen Terrassen nach 




Errgruppe in den Engadiner Alpen, Vüm Pis Ot gesehen. 



N. in das zum Oberhalbstein ausmündende Val d'Err, und 
auch hier deuten weit vorgeschobene Moränen auf einst 
viel grössere Ausdehnung des Gletschers mit grosser Zun- 
genbildung an. 

Die Erraruppe ist orographisch und geologisch reich ge- 
ffliedert. Zunächst ist das Kalk- und Dolomitgebirge der 
Uergünerstöcke im N. von der granitischen Zentralmasse 
im S. zu trennen. In jenem erheben sich die stolzen Ge- 
stalten des Piz d'Aela 73340 m), des Tinzenhorns (3179 m) 
und des Piz Michel (3163 m) nebst einigen unbedeuten- 
deren Gipfeln und Kummen. Eine Linie von Tinzen im 
Oberhalbstein durch das Val d*Err und die Fuorcla da 
Tschitta (ca. 2900 m) nach Naz an der Albulastrasse trennt 
sie von der Zentralmasse des Piz d*Err. Diese beginnt mit 
der kleinern Kette des Piz Saiteras (3114 m), in der sich 
der Gesteinswechsel vollzieht. An der Fuorcla da Muliz 
(^74 m) biegt sie sw. und w. um und steigt dann rasch 
zu der Firnkuppe des Piz d'Err (3383 m) empor. Von da 
zieht sie sich als gewaltige Gebirgsmauer geradlinig nach 
S. über den Piz dellas Calderas (3393 m) und die Cima 
da Flex (3287 m) zum Piz d'Agnelli (3206 m) und schliess- 
lich im Bogen so. zum Piz Suvretta (3074 m) und Piz 
Julier (338o m). Dies ist das durch Gipfelhöhe und starke 
Vergletscherung ausgezeichnete Stammstück der Err- 
gruppe, dem sich ihre übrigen Glieder anschliessen. Vom 
Piz d Err zieht sich die lange schmale Kette der Crasta 
Mora zwischen Albulastrasse Und Val Bever nach 0. Schär^ 
fer vom Stammstück durch tiefe Einschnitte getrennt sind 
die kleineren Gruppen des Piz Ot (3249 m| und des Piz 
Lagrev (3168 m), jene s. vom Val Bever, diese zwischen 
Juherpass und Seplimer. In letzterer erhebt sich nebep 
andern Gipfeln der Piz Lunghino (2784 m) über dem Ma- 
lojapass, der mit dem Piz Julier und Piz Ot zu den schöns- 
ten und besuchtesten Aussichtspunkten des Ober Enga- 
dins gehört. Oft wird die ganze Bergwand auf der linken 
Seite des Ober Engadin vom Maloja und vom Septimer 
bis zum Albulapass als Juliergebirge zusammengefasst. 
Dieser Name bezeichnet also den dem Engadin zugekehrt 
ten Teil der Errgruppe. Er präsentiert sich als ein präch- 
tiges Gebirge mit vielen stolzen Gipfelformen, unter wel- 
chen der Piz Julier, auch etwa Piz Munteratsch genannt, 
durch zentrale Stellung, Höhe und kühne Gestalt den 
ersten Rang einnimmt. Er baut sich aus einem schönen 
grünen Granit auf, der auch sonst in diesem Gebirge weit 
verbreitet ist und als Julier- oder Albulagranit bezeichnet 
wird. Dazwischen finden sich noch manche andere Ge- 
steine, besonders auch Sedimente der Verrucano-, Trias- 
und Liasgruppe. Eine eigentümliche Ausbildung zeigen 
die V&rrucanogesteine im Val Saluver und am Piz Nair 
über St. Moritz und von da bis zum Piz d'Agnelli. Dieses 
« Saluvergestein » besteht aus einer grünlichen und roten 
talkigen Grundmasse mit eingebettetem Quarz, Glimmer, 
Feldspat etc. Damit wechseln schieferige La^en von feine- 
rem Korn, dann gröbere Sandsteine und Konglomerate, 

GEOGR. LEX. 46 — II — 2 



18 



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gelblich an^ewitterter Rötidolomit und rote und ^rüne 
Quarlenschiefer. Kalke und Dolomite der Trias streichen 




Engadiner Alpen, vom Kühalphorn gesebeo. 

vom Piz Padella und den zackigen Trais Fluors (Drei Blu- 
men) über Samaden w. und sw. zum Suvrettapass, Com 
Alv und Piz Bardella. Mit ihnen verbinden sich auch 
Liasgesteine. Vom Oberhalbstein streichen Serpentin und 
grüne Schiefer über den Lunghinopass bis an den Sil- 
sersee. So erscheint das Juliergebirge strichweise aus 
sehr manigfaltigen Gesteinen zusammengesetzt und dem 
entsprechend auch vielgestaltig in seinen äussern Formen. 
Im grossen und ganzen herrschen aber doch die Granite 
so sehr vor, dass die Zenlralmasse des Piz d'Err als ein 
typisches Granitgebirge bezeichnet werden muss, dem die 
n. vorgelagerten Bergünerstöcke als ebenso typisches Kalk- 
und Dolomitgebirge gegenüber stehen. 

Die Gruppe des Piz Kesch wird von den Nachbargrup- 
pen getrennt durch den Albulapass und das obere Albula- 
thal einerseits und das Sulsannathal, den Sertigpass und 
das Sertigthal andererseits. Im SO. stösst sie nur auf 
einer kurzen Linie von Ponte bis Capella an das Engadin, 
im NW. auf einer längern Linie von Filisur bis Frauen- 
kirch an das Landwasserlhal. Auch die Keschgruppe glie- 
dert sich in eine reichvergletscherte Zentralmasse mit 
hochragenden Gipfeln und in vorliegende Ne- 
benketten mit geringerer Höhen- und Glet- 
scherentwicklung. Die trennende Linie geht von 
Bergün durch das Val Tuors und über die Bergü- 
ner Furka (2812 m) nach dem Sertigthal und 
Davos. Die Zentralmasse besteht aus einem gros- 
sen, nach NW. geöffneten Gebirgsbogen, der von 
der Alp Fontauna im Val Sulsanna nach SW., 
dann nach W. bis zum Albulathal zieht. Ihm 
entragen der Piz Val Müra (3149 und 3164 m), 
der Piz Kesch (3420 m), der Piz Blaisun (3204 
m), der Piz Uertsch (3273 m) und einige andere 
unbedeutendere Gipfel. Die Fuorcia Pischa (2802 
m), zwischen Piz Kesch und Piz Blaisun, trennt 
ihn in einen nö. streichenden, aus Gneis auf- 
gebauten und in einen w. streichenden, aus 
Trias- und Liaskalken bestehenden Ast. Beide 
Zweige fallen steil nach SO. und S. zum Enga- 
din und Albulapass, weniger steil nach NW. und 
N. ab. In kurzen Auszweigungen ge^en das En- 
gadin und Val Sulsanna erheben sich der Piz 
Viluoch (3042 m), der Piz la Virogla (3062 mj und 
der Piz Griatschouls (2973 m), letzterer mit ei- 
nem eigentümlichen grünlich grauen Granit. Die 
Gletscher lagern sich hauptsächlich der N.- 
Seite des genannten Gebirgsbogen« an. Vor allen 
zeichnet sich hier der Vadret da Porchabella 
durch Grösse und Schönheit aus, über den die 
Hauptroute auf den Piz Kesch führt und an 
N.-Rand die Keschhütte des S. A. C. steht 



zwei verschiedenen Stromgebieten, nämlich einerseits 
durch das Val Tuors zur Albula und zum Rheingebiet, 
andererseits durch das Val Sulsanna zum 
Inn und zum Donaugebiet. Dem Haupt- 
gebii^sbogen sind n. zwei Jdeinere, 
ebenfalls npch krystalline Gebirgsstöcke 
vorcelagert: der der Cima da Tisch 
(2880 m) nw. vor dem Piz Uertsch und 
der des Piz Forun (3056 m) n. vor dem 
Piz Kesch. 

Die Vor- oder Nebenketten der Kesch- 
gruppe sind fast reine Kalkgebirge. Nur 
an ihrer Basis treten noch Gneis und 
krystalline Schiefer hervor. Im Uebri- 

§en bauen sie sich aus den verschie- 
enen Schichten der Trias auf, unter 
welchen besonders Hauptdolomit und 
Plattenkalk hervorragen. An manchen 
Stellen geben die verschieden gefarbteu 
Schichten dem Gebirge ein schön be- 
bändertes Aussehen, und es lassen sich 
dann die vielfach auf- und absteigenden 
Falten schon aus grösserer Entfernung 
erkennen : so besonders auf der S.-Seite 
des Hoch Ducan. Diese Vorberge bilden 
zwei Ketten: die Ducankette, die gerad- 
linig von NO. nach SW. streicht, und 
die Monsteiner kette, die in einem nw. 
geöffneten Bogen das Monsteinerthal umzieht. Voneinander 
sind sie getrennt durch das Ducan- u. Stulserthal u. den 
beide verbindenden Ducanpass (2671 m). Die Ducankette 
bildet einen hohen, schmalen, stark gescharteten Grat von 
ausserordentlicher Wildheit, dessen Flanken von ungeheu- 
ren Schutthalden bedeckt sind, wie dies für Dolomitgebirge 
charakteristisch ist. Unter den Gipfeln ragen besonders der 
Hoch Ducan (3066 m), das Plattenhorn (3018 m), der Glet- 
scher Ducan (3020 m) u. der Piz Ravigliel (3038 m) hervor. 
Das SW.-Ende der Kette bildet die breite lUisenkuppe des 
Cuolm da Latsch (2290 m) über Bergün, das NÖ.-Ende 
das Mittaghorn (2728 m), das mit Plattenhorn und Hoch 
Ducan zusammen das Sertigthal wirkungsvoll abschliesst. 
Die Hauptgipfel der Monsteinerkette sind das Leidbach- 
horn (2912 m), das ;£lplihom (3010 m), das Krachenhorn 
(2894 m), das Bühlenhom (2811 m) und der mehrhöcke- 
rige Stulsergrat (2680 und 2622 m) mit der aussichtsrei- 
chen Muchetta (2627 m) über Filisur. Das /Elplihorn 
zählt zu den schönsten Aussichtspunkten von Davos und 
rivalisiert in dieser Beziehung mit dem berühmten 
Schwarzhorn am Flüelapass. 




Pis d*Aela in den Eagadiner Alpen, vom Tinzenhorn aus. 



dessen 
Eigentüm- 
lich ist diesem Gletscher auch die Entwässerung nach 



Die Gruppe des Piz Vadret wird von der Keschgruppe 
durch den äertigpass, von der Silvrettagruppe durch den 
Süserpass getrennt. Sie besteht aus einer grossen, stark 



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verf^letscherten Zentralmasse und drei langen, nach NW. 
streichenden Verzweigungen, den Ketten des Kühalp- 
homs, des Schwarzhoms und des Weisshoms. Von der 
Zentralmasse werden diese Seitenzweige getrennt durch 
den Scalettapass, den Grialetschpass und den Flüelapass. 
Die ersteren zwei Pässe gehen beide vom Dischmathal aus 
und zwar der Scalettapass s. ins Val Sulsanna, der Gri- 
aletschpass ö. ins Val Susasca. Auch hier fällt die S.-Seite 
der Zentralmasse steiler ab als die N.-Seite ; an die letz- 
tere lagern sich eine Reihe grösserer Gletscher, unter 
welchen der Grialetschgletscher der grÖsste ist. An ihn 
schliesst sich nach 0. der flachlagernde Sarsuragletscher, 
nach W. der Vallor^iagletscher und die beiden Scaletta- 
gletscher. Dieses weite Gletscherrevier wird überrag von 
einem mächtigen wo. ziehenden Felskamm, der mit sei- 
nen Türmen und Scharten den Anblick einer riesigen 
Zinnenmauer gewährt und von zwei gewaltigen Bastionen 
flankiert wird, dem doppeltürmigen Piz Vadret (3226 und 
3221 m) im W. und dem flmgekrönten Piz Sarsura 
(3176 m) im O. Von letzterm springen der Piz d'Urezza 
(2910 m) ö. gegen Zemez, der Piz del Ras (3036 m) nach 
NO. gegen das Val Flüela (Susascathal) vor. An den Piz 
Vadret schliessen sich der Piz Grialetsch (3131 m) und 
das Scalettahorn (3068 m) an, von welchen der Grosse 
Scalettagletscher in schönen Terrassen gegen das Disch- 
mathal föllt. 

Auch die nach NW. streichenden Seitenketten weisen 
in ihren s. Teilen noch kleinere Gletscher und einige 
Gipfel von über 3000 m Höhe auf. Diejenijg^e des Kühalp- 
homs bildet die Scheidewand zwischen dem Serti^- und 
Dischmathal. An das Kühalphom (3081 m), zwischen 
Sertig- und Scalettapass, schliessen sich das Augsten- 
höran (3030 m), das Bocktenhorn (3047 m) und das Sat- 
telhom (2960 m). Dann nimmt die Höhe über Gefroren 
Hopn (2750 m), Wuoslhom (2824 m) etc. rasch ab, um 
mit dem Jakobshom gegenüber Davos Platz auf 2594 m 
zu sinken. Die Kette des Schwarzhoms zwischen Disch- 
ma- and Flüelathal schliesst sich beim Grialetsch pass an 
die Zentralmasse an. Ihr höchster Gipfel, das Schwarz- 
horn (3150 m) am Flüelapass, ist eine hochragende stolze 
Pyramide und einer der berühmtesten und besuchtesten 
Aussichtspunkte Graubündens. Ihn umaeben noch einige 
ebenfalls über 3000 m hohe, aber wenig beachtete Spitzen, 
wie der Radünerkopf (3076 m) über dem gleichnamigen 
kleinen Gletscher. Nach NW. folgen das Braun hörn 
(2730 m), das Sentishorn (2830 m),der Baslerkopf (2632 m) 
und, am Ende der Kette, derBühlenber^ (2516 m). Breiter 
und komplizierter ist die Kette des Weisshoms zwischen 
dem Flüela- und Vereinathal. Das Weisshom (3068 m) am 
Flüelapass schmückt der Jörigletscher, der n. gegen die 
Jöriseen abföllt. Von da zieht sich der schartige Grat 
über das Gorihorn(2969 m) zum aus- 
sichtsreichen Pischanorii (2962 m). Dann 
teilt sich die Kette in zwei kurze Arme, 
von denen der eine über den Mücken- 
thälispitz (2673 m) und das Lauenen- 
zughora (2472 m) gegen Klosters, der 
andere über einen sanftem Rücken zum 
Hömli (2448 m) und Seehora (2242 m) 
beim Davoser See vorspringt. Diese 
ganze Gruppe, Zentralmasse und Sei- 
tenketten, bestehen ausschliesslich aus 
krystallinen Felsarlen, vor allem aup 
Gneis, während die Kesch- und Err- 
^uppe daneben auch Kalkgebirge in 
bedeutender Ausdehnung aufweisen. 
Auch sonst unterscheidet sich die Va- 
dretgruppe mehrfach von ihren Nach- 
bargruppen. So herrschen z. B. in der 
Keschgruppe die Längskämme und 
Längsthäler, in der Vadretgruppe da- 
gegen die Querketten und Quertnäler. 
n jener sind z. B. die Kette des Piz 
Uertsch längs dem Albulapass, dann 
die Ducan- und die Monsteinerkette 
Längsketten, Val Tisch, Val Tuors, Stul- 
ser- und Ducanthal Längsthäler; in 
der Vadretgruppe sind die drei Seitenketten und die sie 
einschliessenden und trennenden Thäler dagegen Quer- 
thäler, resp. Querketten. 



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In Bezuff auf die übrigen drei STOssen Gebirgsgruppen 
der Engadiner Alpen s. die Art. Bernina Gruppe, Ofen- 
PASS Gruppe und Silvretta Gruppe. [Dr. Ed. Imhof.] 

ENGE und ENQI. Für sich und in Zusammensetzun- 
gen häufig vorkommender Ortsname der deutschen 
Schweiz; vom Althochdeutschen angi, engl. Bezeichnet 
einen Engpass, einen schmalen Passüberganff, ein enges 
Thal, einen langen und schmalen Landstrich zwischen 
einem Bergzug und Fluss oder See etc. 

ENGE (Kt. Ajppenzell A. R., Bez. Vorderland, Gem. 
Heiden). 590 m. Gruppe von 9 Häusern, an der Strasse 
Thal-Heiden und 2 km n. der Station Heiden der Berg- 
bahn Rorschach-Heiden. 35 reform. Ew. Viehzucht. Sei- 
denindustrie. 

ENGE (Kt., Amtsbez. und Gem. Bern). So heisst eine 
Anzahl von Bauernhöfen und Häusergruppen mit zuge- 
hörigen Aeckern und Waldungen in der von der Aare 
n. Bern umflossenen und von der Strasse Bem-Zollikofen 
durchschnittenen Halbinsel. Grosse Gastwirtschaft. An der 
engsten Stelle der Halbinsel die wichtige Baumwollspin- 
nerei Felsenau. Beträchtliche Ueberreste einer prähisto- 
rischen Siedelung (vergl. Jahn, Alb. Antiquarisch^to- 
pograph. Beachr. des Kant. Bern) und Funde von dilu- 
vialen Säugern. 

ENGE (Kt. Bern, Amtsbez. Nieder Simmenthai, Gem. 
Oberwil). 800 m. Gruppe von wenigen Häusern, in ma- 
lerischem Engpass der Strasse Erlenbach-Boltigen, 3 km 
nö. Boltigen und 5,2 km w. Weissenburg. Altertümliches 
Wirtshaus. 

ENGE (Kt. Solothurn, Amtei Dorneck-Thierstein, Gem. 
Nunningen). 600 m. Weiler, in engem, vom Kastelbach 
entwässertem Thal, an der Strasse Grellingen-Nunnin^en ; 
1,5 km nw. Nunningen und 6,5 km s. der Station Grel- 
linfi^en der Linie Basel- Delsberg. Postwagen Grellingen- 
Meltigen. 13 Häuser, 94 kathol. Ew. Kirchgemeinde Ober- 
kirch. Landwirtschaft. Seidenindustrie. 

ENGE (Kt., Bez. und Gem. Zürich). 420 m. Eine der 
11 Aussen^emeinden der Stadt Zürich, die am 1. Januar 
1893 mit dieser vereinigt worden sind. Bildet zusammen 
mit WoUishofen den zweiten stadtischen Verwaltungs- 
kreis. Liegt zwischen dem linken Ufer des Zürichsees und 
der Sihl. Die ruhige Lage ud die schöne Aussicht auf See 
und Alpen haben Enge zu einem bevorzugten Sitz der 
wohlhabenden Bevölkerung gemacht, sodass es heute 
eines der schönsten Quartiere der Stadt ist. Die vielen 
aussichtsreichen Moränenzüge eignen sich ganz beson- 
ders zum Bau von Villen. Zwei Eisenbahnstationen; 3 
Schulhäuser. Enge hat sich langsamer entwickelt als die 
übrigen Vororte Zürichs : zusammen mit Leimbach 1850: 
2277 Ew.; 1870: 3284 Ew.; 1888: 5109 Ew.; 1900: 9763 
Ew. Bevölkerung überwiegend reformiert; Kirchgemeinde 



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Enge, vom Utoquai in ZQrich aus. 

Enge mit von weither sichtbarer, schöner neuer Kirche 
auf dem Moränenzug des Bürgli (1892-94 erbaut). Neue 
Kirche auch in Leimbach. Im Gabler Flachgräber aus der 



20 



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La Töne Periode. Ueberreste römischer Siedelungen; 
beim Quai hat man einen sog. Scramasax (Kurzschwert 
mit einfacher Schneide) aus der alemannisch-fränkischen 
Zeit gefunden. Der Ort erscheint in den Urkunden als 
Engi zuerst 1210-1218 und bezeichnete damals den schma- 
len Landstrich zwischen dem die Sihl begleitenden Mo- 
ränenzug und dem See. Die Gremeinde hiess nach den 
Schutzheiligen der um die Mitte des 14. Jahrhunderts er- 
bauten Kapelle adie Wacht zu den heiligen drei Königen ». 
Auf ihrem Boden stand das kleine Zisterzienserinnen- 
kloster Seldenau (Selnau). Die ursprünglich der Reichs- 
vogtei Zürich zustehende hohe und niedere Gerichts- 
barkeit kamen 1218 an die Freien von Schnabelburg 
und 1304 an den Ritter Rüdiger Maness den Jüngern. 
1394 veräusserte Ital Maness die Gerichtshoheit « als von 
der Stadt Zürich zu verleihendes Reichslehen, worauf sie 
nach verschiedenen Qandänderungen 1423 an die Stadt 
Zürich fiel, welche sie vorübergehend 1394 durch ßestel- 
lunff eines Vogtes bereits verwaltet hatte und nun eine 
bleiDende Obervogtei errichtete». Der Burgstall des Rit- 
tergeschlechtes der Manesse war die auf einem vorsprin- 
genden Grat des Uetlibergs oberhalb des Höckler gele- 




Kirche Enge (Z&rich). 

gene Manegg, die 1303 zum erstenmal erwähnt wird 
und 1409 in Flammen aufging. Gottfried Keller hat das 
Andenken an die heute vollständig vom Erdboden ver- 
schwundene Burg in einer seiner Zürcher Novellen ver- 
ewigt. Enge bildete einen Teil des Schauplatzes der beiden 
Schlachten von Zürich 1799^ und von hier aus beschoss 
1802 der helvetische General Andermatt die Stadt Zürich. 
Bis 1798 war Enge ein Teil der stadtzürcherischen Ober- 
vogtei Wollishofen und wurde durch einen Untervogt ver- 
waltet. Mutter kirche von Enge war bis zur Absonderung im 
Jahre 1882 die Kirche St. Peter in Zürich. Im herrschaftli- 
chen Sitz « Belvoir » wohnte Dr. Alfred Escher (f 1882), be- 
kannt als kantonaler und eidgenössischer Staatsmann, als 
Gründer der Nordostbahn u. der Schweizerischen Kredit- 
anstalt in Zürich, sowie als erster Direktionspräsident der 
Gotthardbahn. Sein Denkmal steht heute auf dem Platz vor 
dem Hauptbahnhof der Stadt Zürich. Die prächtigen Gar- 
tenanlagen des Belvoirgutes sind jetzt Eigentum der Stadt, 
die sie zu einem öflentlichen Park umgewandelt hat. 
(Vergl. Zeller- Werdmüller, H. Zürcherische Burgen II, 
m Mitt. der Antiquar. Gesellsch. in Zürich. 59, 1895. — 
Nüscheler, Am. Ein histor. Gang durch die Nachbarge- 
meinden der Stadt Zürich in Salomon Vögelins Werk 
Das alte Zürich. 2. Aufl. 1890; mit Karte). S. auch den 
Art. Zürich (Stadt). 



ENGE (DIE) (Kt. und Bez. Schaffhausen). 450 m. 
Kleiner Engpass, 2 km w. Schaffhausen, zwischen dem 
Neuhauserwald und dem kleinen Hügel Auf der Enge; 
von der Strasse Klettgau-Neuhausen und der Bahnlinie 
Schafihausen - Waldshut durchzogen. Als Grenzgebiet 
schon 806 bei Anlass der Teilung des Reiches Karls des 
Grossen erwähnt 

ENGE (IN DER) (Kt. Bern, Amlsbez. Saanen, Gem. 
Lauenen). 1160 m. 18 zu beiden Seiten des Lauibachs und 
der Strasse Saanen-Lauenen zerstreut ffelegene Häuser; 
2,1 km nw. Lauenen. 64 reform. Ew. Schöne Wiesen. 

ENQEBERQ (Kt., Bez. und Gem. Schwyz). Weiler. 
S. den Art. Enoiberg. 

ENGEL. Ortsname der deutschen Schweiz; in Zusam- 
mensetzungen nicht selten, meist nur als verdorbene 
Form für Enge oder wohl auch als Personennamen auf- 
z u fassen . 

ENGEL (Kt. Bern, AmUbez. Frutigen). Bergstock, 
nw. Ausläufer der Gruppe des Dreispitz und mit diesem 
durch einen Felsgrat verbunden, zwischen Kien- und 
Suldthal. Der mit saftigen Alpweiden und schönen Wal- 
dungen bestandene W.-Hang steigt sanft segen die Dörfer 
Falschen und Reichenbach ab ; der O.-Hang sehr steil. 
Gipfelpunkte sind die Wetterlatte (2011 m) und Slandfluh 
(1979 m). Mächtige Schichten von Nummulitenkalk. Das 
am W.-Fuss des Engel gelegene Dorf Falschen soll einst 
Engelburg geheissen haben. 

ENGELBERG (Kt. Bern, Amtsbez. Nidau, Gem. 
Twann). 440 m. Schöner Weinbere, mit 3 Häusern am 
Ufer des Bielersees, zwischen Tüscherz und Twann und 
nö. Wingreis. 1235-1433 Eigentum des Klosters Engel- 
berg. In der Nähe Ueberreste eines von den Portlandkalk- 
wänden der Trämelfluh niedergegangenen Felssturzes. 

ENGELBERG (Kt. Luzern, Amt Willisau, .Gem. 
Egolzwil). 625 m. Gruppe von 5 Häusern, auf dem s. Ab- 
schnitt des £golzwilert>ergs, 800 m nö. Egolzwil und 1,5 
km nw. der Station Wauwil der Linie Luzern-Olten. 41 
kathol. Ew. Kirchgemeinde Egolzwil- Wauwil. Ackei^bau, 
Viehzucht und Milchwirtschaft: Obstbau. 

ENGELBERG (Kt. Obwalden). 1023 m. Gem. und 
Pfarrdorf, im hochgelegenen Engelbergerthal, 
am N.-Fuss des Titlis und 16 km s. Stans. 
Endstation der elektrischen Bahn Stansstaad- 
Engelberg. Postbureau, Telegraph, Telephon. 
Wasserversorgung und elektrische Beleuch- 
tung. Gemeinde 10 km lang und 2 km breit, 
umfasst das Engelbergerthal : 5 Dörfer : Ober- 
berg (mit dem Weiler Uorois), Nieder berg, 
Mühlebrunnen (mit den Weilern Bühl, Kilchbühl, 
Welti und Wieden), Schwand und Grafenort (dieses im 
N. vor dem eigentlichen Engelbergerthal gelegen). Zu- 
sammen 273 Hauser, 1973 kathol. Ew. ; Dorf: 64 Häu- 
ser, 471 Ew. Kloster. Sehr stark besuchter alpiner klima- 
tischer Kurort. Vor 60 Jahren bestanden m Engel berg 
nur 2 Gasthäuser, während man heute 31 (z. T. sehr 
grosse) Gasthöfe, Pensionen und Gastwirtschaften zählt. 
Al{)wirtschaft, Viehzucht. Seidenweberei als Hausindu- 
strie. Parketteriefabrik, Holzschnitzerwerkstätte. Kloster- 
kirche; 6 katholische und je eine reformierte und engli- 
sche Kapelle. In Engelberg findet man, auf einen Raum 
von wenigen Kilometern zusammengedrängt, alle Nalur- 
schönheiten des Alpenlandes. Mittlere Jahrestemperatur 
5,3" G.; mittlere Januartemperatur —3,5° G.; mittlere 
Julitemperatur 14,4° C. Luft mild, rein und stärkend, das 
Thal durch die hohen Berge vor starker Luftbewegung 
geschützt. Auf den umliegenden Bei^ängen ca. zehn 
Alpweiden, die zusammen mit etwa 800 Stück Hornvieh 
befahren werden. Bis 1798 sland die ganze Thalschaft 
unter der politischen und kirchlichen Oberhoheit des 
Benediktinerklosters Engelberg; 17^-1803 jg[eh orte Engel- 
berg zu Obwalden, 1803-1816 zu Nidwalden, um dann 
endgiltig wieder an den Halbkanton Obwalden zu kom- 
men. Das Mönchskloster Engel berg wurde 1120 vom zür- 
cherischen Freiherm Konrad von Seldenbüren auf einem 
ihm gehörigen Grundstück und das davon abhängige 
Nonnenkloster um 1200 von Heinrich von Buochs gestiftet. 
Dieses letztere, in der Wetti gelegen, 1449 durch Feuer 
zerstört und 1615 nach Samen verlegt; das obere Kloster 
1199, 1306 und 1729 eingeäschert. Aus der langen Reihe 
der Aebte heben wir hervor deren zeitlich ersten Adel- 




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21 



heim: Frowin, den Grunder einer Mal- u. Schreibschule 
(von deren Arbeiten in der Klosterbibliothek noch mehrere 




Engelberg, von Westen aus. 

kostbare Handschrirten aufbewahrt werden); Berchtold; 
Barnabas Börki, zur Zeit der Reformation amtend; den 
prachtliebenden Jakob Benedikt Siegrist, der zu An- 
fang des 17. Jahrhunderts das Kloster baulich restau- 
rierte; Placidus Tanner; Leodegar Salzmann (f 1798), 
der den Bettel abschaffte, dem Thal durch Einführung 
neuer Erwerbszweige neuen Verdienst zuführte und das 
Schulwesen hob ; endlich Anselm Yilliger, der in Amerika 
mehrere blühende Tochterklöster stiftete. In der Kloster- 
kirche Gemälde von Josef Spiegier von Riedlingen, von 
Wyrsch, Paul u. Theodor von Deschwanden u. X. Kaiser. 
Beträchtlicher Klosterschatz, reich an Kunstwerken; an 
Handschriften und Inkunabeln reiche Klosterbibliothek 
mit naturhistorischem Kabinet. Klostergymnasium mit 90 
Schülern. Waisen- u. Armenhaus. Heimat des Ingenieurs 
Eugen Müller, der durch seine grossen Reliefarbeiten oe- 




Inneres der- Klosterkirche Bngelberg. 

rühmt geworden ist, des Schriftstellers Dr. August Feier- 
abend, des Architekten Cattani u. A. Der Sage nach soll 
der Name Engelberg aus dem lateinischen Mons Ange- 



lorum übersetzt sein. (Vergl. Durrer, Roh. Die Kunst- 
und Architekturdenkmäler Unterwaldens in J. R. Rahn : 
Zur Statistik schweizer. Kunstdenk- 
maier, Zürich 1899 IT. — Fleiner, Alb. 
Engelberg, Streifzüae durch GMrg und 
Thal; unter Mitwirkung von X. Imfeld, 
Dr. Christ. Dr. Cattani, Dir. BillwiHer. 
Zürich [1890].) 

ENGELBERG (Kt. Solothum, Amte! 
Ölten). 700 m. Bergrücken, in dem s. 
der Aare zwischen Ölten, Aarau, KöUi- 
ken und Aarburg gelegenen Hügelland. 
Zum grossen Teil bewalaet; daneben Wie- 
sen u. Bauernhöfe. Auf einem w. Ausläu- 
fer die Ruine Wartburg. 

ENGELBERG (Kt. Solothum, Am- 
tei Ölten, Gem. DuUiken). 674 m. Gruppe 
von 9 Bauernhöfen, auf dem gleichnami- 
ffen Bergrücken und 3 km so. der Station 
DuUiken der Linie Aarau -Ölten. 04 ka- 
thol. Ew. Landwirtschaft. Sommerfri- 
sche. Schöner Punkt mit Gasthaus und 
Aussichtsturm. 

ENGELBERGER ROT8TOCK 
(Kt. Obwalden). Gipfel. S. den Art. Rot- 
stock, Engelberger. 

ENGELBERGERTHAL (Kt. Unter- 
waiden, Ob- und Nidwaiden). Nimmt mit 
seinen Seitenthälern den ö. Teil des Kan- 
tons Unterwaiden ein und erstreckt sich 
in einer Län^e von etwa 30 km vom Su- 
renenpass bis in die Nähe von Stans, in 
dessen Ebene es durch die Thalenge zwi- 
schen Stanser- und Buochserhom ausmündet. Sein FIuss, 
die Engelberger Aa, zieht durch die Stanserebene noch 
etwas weiter nach NO. und mündet dann bei Buochs in 
den Yierwaldstättersee. Das En^^elbergerthal zerfallt in 
zwei nach ihrer Richtung und ihrem Gesamtcharakter 
sehr verschiedene Abschnitte von ungefähr gleicher Länge. 
Die untere Thalstufe, vom Eingang oei Stans bis hinauf 
zur Waldschlucht des sogen. Hosshimmels, ist ein enges, 
waldiges Querthal, das von N. nach S. ansteigt und von 
hohen Bergwänden eingeschlossen wird. Nur bei Grafen- 
ort weitet es sich auf kurze Strecke zu einem reizenden 
kleinen Becken. Anmutige Weiler und nette Schweizer- 
häusclien sind hier und auch sonst im Thal über die 
Thalsohle und über die grünen Abhänge zerstreut, schwel- 
lende Matten, rauschende Buchen- und Tannenwälder, 
schäumende Bäche und Wasserfalle schmücken das Thal, 
und überall fällt das Auge auf hochragende Fels- 
j\ wände und firngekrönte Berghäupter. Wesentlich 
' anders geartet ist die obere Thalstufe, das Engel- 
bergerthal im entern Sinn. Es nimmt mehr den 
Charakter eines Langenthals an und zieht sich in 
einem Bogen zuerst sö.^^ann nö. zum Surenen- 
pass hinauf, von etwa 1000 m bis auf 2300 m. Auch 
dieser Abschnitt zerfällt wieder in zwei Teile, die 
ebenfalls verschiedene Richtung haben. Der untere 
Teil bildet einen weiten, fast vollkommen ebenen 
Thalboden zwischen himmelanstrebenden Gebirgen, 
einen herrlichen Zirkus , « voll schreckhafter Gros- 
sartigkeit und süsser Lieblichkeit, voll Erhabenheit 
und stillem Frieden, durchwürzt von dem kräftigen 
Hauche der Alpennatur, abgeschlossen von der übri- 
gen Welt eine Kleine Welt für sich». Inmitten die- 
ses an allen Reizen der Gebirgsnatur überreichen 
Beckens breitet sich auf ebenem Wiesenplan das 
stattliche Dorf Engelberg aus mit seinem reichen 
Kloster, seinen Hotelpalästen u. schmucken Bauern- 
häusern. Es gibt selbst in den Alpen selten eine 
grössere Ueberraschung als der Uebergang aus der 
Unstern Waldschlucht des Rosshimmels in dieses 
ofTene, lachende Gelände mit seinem schimmernden 
Gebirgskranz, in dem die mächtige Eiskuppe des 
Titlis als König herrscht. Von der Alp Herrenrüti an 
ändert sich der Landschaftscharakter wieder. Das 
Thal wird enger und steigt allmälig immer steiler 
gegen den Surenenpass an. Titlis, Grassen, Spannörter, 
Schlossberg einerseits, Stotzigbeivgrat, Wissigstock, 
Blackenstock mit ihren mächtigen Kalkwänden anderer- 



22 



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seits engen es ein. Es ist das Gebiet der Surenenaip, dem 
bei aller Erhabenheit und Wildheit eine gewisse Eintönig- 
keit nicht abzusprechen ist. Eigentümlicn ist es, dass die- 
ser Thalabschnitt nicht zu Unterwalden, sondern zu Uri 
gehört, indem die Kantonsgrenze vom Stotzigberg an 
nicht der Wasserscheide über den Surenenpass folgt, son- 
dern direkt s. das Thal quert und bei der sog. Bärengrube 
(Höhe des Grassen passes) den Kamm der Titliskette er- 
reicht. Solche Unregelmässigkeiten im Grenzverlauf kom- 
men zwar auch anderwärts und speziell im Gebiet von 
Uri (vergl. z. 6. Klausenpass, Kinzig Kulm, Riemenstal- 
denthal und Gotthard) mehrfach vor, sind aber hier umso 
aufifallender, als die Höhe des Surenenpasses, das sogen. 
Sureneneck, eine sehr scharfe und hohe Naturerenze bil- 
det. An ihm scheidet sich das Gebiet der Engelber^er Aa 
von demjenigen der Reuss. Er trennt aber auch die Ge- 
birgsgruppe des Urirotstocks von derjenigen des Titlis und 



nach SW. streichenden N.-Wand der Surenenalf) u. aus- 
gezeichnet durch mächtige nach SO. fallende Steilwände. 
Diese Kette endet mit der zierlichen Gestalt des Hahnen 
(2611 m) ö. über dem Becken von En^elberff. Am Wissig- 
stock zweigt sich eine nach W. streichencfe Seitenkette 
ab, in der der Engelberger Rotstock (2820 m), der Ruch- 
stock (2812 m), die Rigidalstöcke (2568, 2579 und 2595 m) 
und die Wallenst^cke (bis 2575 m) als Hauptgipfel hervor- 
ragen. Der geringern Höhe entsprechend ist auch die Ver- 
^letscherung in diesem Gebiet weit geringer als in dem- 
jenigen des Titlis und der Spannörter. Immerhin sind 
noch einige beträchtliche Fimfelder vorhanden, die sich 
um den Urirotstock und Enp^elberger Rotstock lagern. Die 
meisten derselben senken sich aber ge^en die obern Arme 
des Isenthals, also gegen Uri. Es sind der Kleinthalfirn, 
der Blümlisalpfirn und der Schönthalfirn. Gegen Engel- 
berg*^enkt sich einzig der Griessengletscher, dessen Ab- 













1:120003 



Y,äUii*^^'^e^ 



Eogelberger Thal. 



der Spannörter. Letztere streicht in zwei parallelen Zügen, 
die sich am Wendenjoch berühren, von SW.-NO. In ihr 
findet auch der Gesteinswechsel statt von den Sediment- 
gesteinen der Kalkalpen zu den krystallinen Gesteinen der 
Zentralalpen, weshalb sie oft zur s. folgenden Damma- 
gruppe gezogen wird. (S. den Art. Dammagruppej. 

Die Gruppe des Urirotstocks dagegen streicht in ihrem 
Hauptkamm von S.-N. und verästelt sich fiederförmig 
nach W. und 0. Sie stellt eine breite, reichgegliederte 
Gehirgsmasse dar, die den Raum vom Engelbergerthal 
und Surenenpass bis zum Vierwaldstättersee ausfüllt. 
Zahlreiche kleine Thäler schneiden von allen Seiten in 
»ie ein, so besonders das mehrfach verzweigte Isenthal 
im 0. ; dann die Thälchen von Niederrickenbach u. Ober- 
rickenbach im W., deren schäumende Bäche der Engel- 
berger Aa zueilen und hübsche Wasserfalle bilden. An 
Höhe steht die Urirotstockgrupne beträchtlich hinter der 
Titlisgruppe zurück. Kein Gipfel erreicht mehr 3(KX) m. 
Der Urirotstock, schon ausserhalb dem Gebiet von Engel- 
berg stehend, kommt nur noch auf 2932 m. Die nächst 
höchsten Gipfel sind der Blackenstock (2922 m), unmittel- 
bar n. über dem Surenenpass, der Wissigstock (2888 ro), 
und der Stotzigberggrat (bis 2730 und 2745 m), alle in der 



fluss. der Griessenbach, weiter unten Bärenbach genannt, 
gleich hinter Encelberg in die Aa mündet und in seinem 
untern Teil das hübsche Alpthal von Horbls durchfliesst. 
Auch noch in der Nähe des Griessengletschers entspringt 
am Stotzigberffgrat der Tätschbach, dessen hübscher Was- 
serfall ein beliebtes Ausflugsziel der Gäste von Engelberg 
ist. 

AVeiter nach N. nimmt die Höhe des Gebirges rasch ab. 
Es folgen der Kaiserstock (2401 m), der Brisen (2406 m), 
der Schwalmis (2248 m), dann in einem nö. gerichteten 
Zweig der Ober- und Niederbauen (2120 und 1925 m) am 
Urnersee und das nach NW. vorgeschobene Buochser- 
horn (1809 m), die eine Torwache am Eingang ins Engel- 
bergerthal, während die andere durch das Stanserhom 
(19(30 m) gebildet wird. Von den Uebergängen über diese 
Gebirgsgruppe ist vor allen der Schöneggpass (19^ m) zu 
nennen, der das Thal von Oberrickenbacn mit dem Isen- 
thal verbindet und über den man in 9-10 Stunden von 
Stans nach Altorf gelangt. Auch von Niederrickenbach 
führt ein Pfad zwischen Brisen und Schwalmis hinüber 
ins Isenthal. 

Die linke Thalseite des Engelbergerthals wird gebildet 
von einer langen schmalen Kette, die vom Stanserhorn 



KNG 



BNG 



i3 



nach S. zieht und sich am Graustock (2663 m) und Joch- 
pass (2215 m) an die Titliskette anschliesst. Inr entragen 
noch das Schwarzhom (2641 m), das 
Uanghorn (2680 m), die Wildeeiss (2679 
ro), das Nünalphorn (2387 m), alle bei 
Eogelberg; dann weiter n. das Wid- 
derfeld (2354 m), die Grafmatt (2020 m) 
und der Arvigrat. Mehrere leichte Pässe 
fuhren über diese Kette^ darunter das 
Acherli vom untern Engelbergerthal 
nach Kerns und Samen, der Storegg- 
pass von Grafenort nach Melchthal und 
der Juchlipass von Engel berg ebenfalls 
nach Melcnthal, endlich der an land- 
schaftlichen Reizen reiche und viel- 
began^ene Jochpass von Engelberg nach 
dem Engsllensee und nach Innerlkir 
chen und Meirin^en (etwa 9 Stunden). 
Alle diese Gebirse zu beiden Seiten 
des Engelbergerthais gehören den sedi- 
mentären Formationen an. Die Kette 
des Titlis bildet mit ihren mächtigen, 
aus Hochgebirgskalk (Malm) bestehen- 
den und steil gegen das Gadmen- und 
Erstfelderthal abbrechenden Wänden 
die S.-Grenze dieser Formationen, auf 
welche weiter s. das Gneisgebirge folgt. 
Die Kontaktzone zwischen beiden bil- 
det ein Band aus Doffger, Lias, Röti- 
dolomit und Eisenoolitn, das an seiner 
rostroten Färbung oft schon aus grosser 
Entfernung zu erkennen ist. Zwischen 
Titlis und Schlossberig hat die Erosion 
auch auf dem N.-Abhang den Gneis blos- 

Selegt, so dass derselbe bei Herrenrüti und Niedersurenen 
ie Thalsohle erreicht. Vom Reussthal bei Attinghausen 
und Seedorf zieht sich über den Surenenpass bis Engel- 
berg ein ziemlich breiter Streifen von eocänem Flysch 
zwischen einer s. und n. Jurazone hin. Letztere reicht n. 
bis zum Urirotstock, zu den Rigidalstöcken und zum 
Storeggpass. Dann folgt eine breite Kreidezone, der auch 
Grafmatt, Brisen, Schwalmis und die beiden Bauen am 
Umersee angehören. In dieselbe sind einige Nummuliten- 
bänder eingeklemmt. Eine eigentümliche Stellung nehmen 
endlich das Stanser- und Buochserhorn ein, die mit den 



Eocän bestehen, ohne eine Wurzel nach der Tiefe zu ha 
ben. (S. den Art. Alpen). 





Engelberger Thal mit dem Hahnen. 

Giswilerstöcken, den Mythen und einigen andern iso- 
lierten Bergen der Zone der sog. Klippen angehören und 
aus Trias, Lias, Dogger, Malm auf einer Unterlage von 



Engelberg, von Osten aus. 

Das Klima von Engel berg ist dasjenige der n. Alpen- 
thäler in etwa 1000 m Höhe. Dabei ist die windgeschätzte 
Lage besonders hervorzuheben. N. -Winde fehlen fast 
ganz ; häufig tritt dagegen der Föhn auf, der oft bedeu- 
tende Temperaturerhöhung mit sich bringt. Die Nieder- 
schläge sind der Höhenlaj^e und der n. Abdachunff ent- 
sprecnend ziemlich beträchtlich. Sie betragen durch- 
schnittlich etwas über 170 cm per Jahr. Darum zeigen 
Wälder und Wiesen eine üppige Vegetation. Dieselbe 
zeichnet sich zwar nicht durch besondere Seltenheiten 
aus, gibt aber ein gutes Bild der allgemeinen schweizeri- 
schen Alpenflora , besonders derjenigen 
der feuchteren und nach N. exponierten 
Kalkalpen. Dabei sind alle Höhenstufen 
von den Gestaden des Vierwaldstätter- 
sees bis zum ewigen Schnee vertreten. 
In der untersten Thalstufe sind noch 
manche Typen einer wärmern Zone vor- 
handen j sie ist namentlich ausgezeichnet 
durch eine üppige Strauchflora. Weiter 
oben setzt sich der Bergwald aus Bu- 
chen, Ahornen, Tannen, Fichten und 
mancherlei Waldstauden zusammen, 
wie man sie in solcher Mannigfoltig- 
keit nicht allzu oft findet. Am Rosshim- 
mel findet der Botaniker die Lunaria 
rediviva und Circaea intermedia. Der 
Wiesengrund von Engelberg schmückt 
sich bereits mit manchen Vorläufern 
der eigentlichen Alpenflora, wie die 
Primula farinosa und verschiedene 
Enziane. Dann folgen die Al^nblumen 
in ihrer reichen Mannigfaltigkeit und 
Farbenpracht. Die Gegenden am Trübn 
see, am Jochpass und gegen den Sure- 
nenpass mögen als besonders günstige 
Fundstellen genannt sein. (S. diese Art.). 
Besonders reich ist das Engelbergerthal 
an Farnen, von denen sich hier eine 
Reihe von sehr seltenen Arten finden, 
wie z. B. Aspidium Braunii, A. lobc^ 
tum und der Bastard A. Braunii X lo- 
batum ; auch Botruchiuni simplex 
wird als hier wachsend (einziger Standort in der 
Schweiz I) genannt. 
Eigenartig sind die politischen Verhältnisse des Engel- 



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bergerthals, gehört dasselbe doch drei verschiedenen Kan- 
tonen an : das eigentliche Engelbert mit 1973 Einwohnern 
zu Obwalden, der untere Teil des Thals mit Wolfenschies- 
sen, Altzellen u. einigen kleineren Weilern zu Nidwaiden, 
die oberste Thalstufe gegen den Surenenpass hin, wie be- 
reits erwähnt, zu Uri. letztere Stufe hat aber keine stän- 
dige Bevölkerunff mehr, sondern dient nur als Alp und 
ist also nur im Sommer von einigen Sennen und Hirten 
bewohnt. Zu der einheimischen Bevölkerung gesellt sich 
im Sommer auch eine beträchtliche Fremdenkolonie, denn 
Eneelberi^ hat sich zu einem der ersten Kurorte der Zen- 
tralschweiz entwickelt. Seine ruhige, windgeschutzte Lage, 
seine reine, staubfreie und relativ milde Luft lassen es 
vor allem als Luftkurort geeignet erscheinen. Sein herrli- 
cher Gebirgskranz zieht aber auch zahlreiche Touristen an, 
so dass hier während der Sommermonate ein recht reges 
Leben sich entfaltet. Engelberg ist denn auch mit Stans u. 
dem Yierwaldstätlersee durch eine elektrische Bahn ver- 
bunden. Näheres über Engelberg als Kurort siehe im Artikel 
Engelberg, über seine Bevölkerung im Artikel Obwalden. 
(Vergl. Fleiner, Albert. Engelberg; Streifzüge durch 
Gebirg und Thal, Zürich [1890.]). [Dr. Kd. Imhof ] 

ENGELBOLGEN (Kt. St. Gallen, Bez. Alt Toggcn- 
burg, Crem. Mosnang). 820 m. Gruppe von 6 Häusern, im 
Thal von Libingen, 5 km sw. Mosnang und 6,5 km sw. 
der Station Dietfurt der Toggenburgerbahn. 34 kathol. 
Ew. Kirchgemeinde Libingen. Viehzucht. Spinnerei als 
Hausindustrie. 

ENGELBURG (Kt. St. Gallen, Bez. Gossau, Gem. Gai- 
serwald). 723 m. Pfarrdorf, über dem romantischen Sitter- 
tobel, am O.-Hang des Hohen Tannenbergs, an der Strasse 
Waldkirch-St. Gallen u. 5 km nw. vom Bahnhof St. Gal- 
len. Postbureau, Telegraph, Telephon. 45 Häuser, 402 
kathol. Ew. Das Dorf hat sich seit der Einführung der 
Maschinenstickerei sichtlich gehoben. Ackerbau, Käserei. 
Stickerei. Krankenkasse, Armenverein, Erspamiskasse. 
Hydrantenversorgung. Schöne Aussicht auf Bodensee und 
Säntis. Der Geschichtsschreiber Hdefons Fuchs wirkte 
hier als Pfarrer. 

ENGELGRABEN (OBER und UNTER) (Kt. Lu- 
zern, Amt und Gem. Entlebuch). 1100 m. 6 am N.-Hang 
des Risetenstocks zerstreut gelegene Häuser; 6,5 km so. 
der Station Entlebuch der Linie Bern-Luzem. 30 kathol. 
Ew. Landwirtschaft. 

ENGELHÖRNER (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Hasle). 
2783, 2742, 2632 und 2626 m. Reihe von Felsffipfeln, Aus- 
läufer des Dossenhoms, zwischen Rosen lau igletscher und 
Urbachthal. Alle schwierig zu besteigen und selten be- 
sucht. 

ENGELOCH (Kt. Wallis, Bez. Brig). 1795 m. Thal- 
enge der Simplonstrasse, so. unterhalb der Passhöhe und 
oberhalb des Schutzhauses Nummer VII, beim Eintritt 
der Strasse ins Krummbachthal. 

ENGELPRACHTIGEN (Kt. Luzern, Amt Willisau, 
Gem. Ufhusen). 667 m. Gruppe von 5 Häusern, im Thal 
des Rotbaches, 900 m nw. Ufhusen und 3,5 km nö. der 
Station Huttwil der Linie Langenthal-Wolhusen. 33 kathol. 
Ew. Ackerbau und Viehzucht. 

ENGELSTOCK (Kt. und Bez. Schwyz). 1229 m. Berg- 
stock, zwischen Schwyz und Sattel, w. vom Hochstuckli ; 
z; T. bewaldet, z. T. mit Bauernhöfen (so z. B. denen von 
Hinter und Ober En^elstock) bestanden. Früher Engi- 
stock genannt nach seinen Eigentümern, den Herren von 
Engiberg, deren einstiger Sitz (die sog. Burff) als Ruine 
heute noch auf einem Ausläufer des Berges steht und weit- 
hin die Gegend beherrscht. 

ENGEL8WIL (Kt. Appenzell A. R., Bez. Hinterland, 
Gem. Herisau). 861 m. Gruppe von 4 Häusern, auf einer 
Anhöhe über dem linken Ufer der Glatt und 2,5 km sw. 
der Station Herisau der Appenzeller Bahn (Winkeln- 
Herisau-Appenzell). 22 reform. Ew. Wiesenbau. Spinnerei 
als Hausinaustrie. 

ENGEL8WILEN (Kt. Thurgau , Bez. VS^einfelden, 
Gem. Hugelshofen). 557 m. Weiler, am N.-Fuss des Ollen- 
bere[s, im oberste^ Teil des Kemmcnthals, 7 km nö. der 
Station Weinfelden- der Linie Winterthur-Frauenfeld-Ro- 
manshorn und 2,5 km ö. Hugelshofen. 18 Häuser, 72 zur 
Mehrzahl reform. Ew. Kirchgemeinde Alterswilen. Wie- 
senbau. Maschinenstickerei als Hausindustrie. 

ENGELWART (Kt. Luzern, Amt Sursee, Gem. BuUis- 



holz). 680 m. Zwei Bauernhöfe, auf einer Terrasse mit 
schöner Aussicht, 4 km sw. der Station Nottwil der Linie 
Luzern-Olten und 1,4 km nö. Buttisholz. 15 kathol. Ew. 
In der Nähe hat man Mauerreste gefunden, die als römi- 
schen Ursprungs gedeutet worden sind, wahrscheinlicher 
aber die letzten Üeberbleibsel der Stammburg des Ge- 
schlechtes Engel wart oder Engel wartingen sind, dessen 
Glieder als Stifter religiöser Anstalten und als freigebige 
Förderer religiöser Bestrebungen bis zum 14. Jahrhun- 
dert urkundlich erscheinen. 

ENGERENHAU8 (Kt. Wallis, Bez. Brig, Gem. Eg- 
cerberg). 910 m. Gruppe von 3 Häusern, 800 m ö. vom 
Weiler Mühlacker und 3,5 km von der Station Visp der 
Simplonbahn. 14 kathol. Ew. 

ENGERT8WIL (Kt. Freiburg, Bez. Sense, Gem. 
Sankt Urs). 700 m. Gruppe von 9 Hausem, nahe dem lin- 
ken Ufer aes Galternbacties (Gotteron), 500 m nw. Sankt 
Urs und 6 km so. vom Bahnhof Freibur^. 46 kathol. Ew. 
deutscher Zunge. Viehzucht und Milchwirtschaft, Getrei- 
debau. 

ENGE8 (Kt. und Bez. Neuenburg). 816 m. Gern und 
kleines Dorf, auf einem Vorberg des Chaumont, 10 km 
nö. über Neuenbürg und 3 km n. der Station Comaux 
der Linie Olten-Biel-Neüenburg. Postablage, Telephon. 
Gemeinde, mit dem Meierhof Lordel : 31 Häuser, 204 Ew., 
wovon 50 Katholiken; Dorf: 13 Häuser, 87 Ew. Enges 
eine ursprünglich katholische Gemeinde, die der Bürger- 



Enges 

800 



Foret de l'Eter 

Strasse nach 




NachH.Schardt. 1:25000 300r»s. 

Geologisches Querprofll durch den Vallon d'Enges. 

Gl. Glazialschutl; Hi. und Hs. Unteres und oberes Hanteri- 
vien; V. Valangien; Pb. Purbeck; Po. Portlaod; Km. Kiin- 
meridge; Sq. Sequan. 

gemeinde Le Landeron zu^^eteilt war. Kapelle vom katho- 
lischen Pfarrer von Cressier ministriert; die Reformier- 
ten des Dorfes Enges gehören zur Kirchgemeinde Cor- 
naux, die des Meierhofes Lordel zur Kirchgemeinde 
Lignieres. Ackerbau und Viehzucht. Schöne Aussicht; 
Sommerfrische. Der Vallon d'Enges ist die Forlsetzung 
desjenigen von Voens und wie dieser in die Schichten des 
Neocom, Haulerivien und Valangien eingeschnitten. Un- 
terhalb des Dorfes ein sehr schön sichtbares kleines 
Valangienge wölbe. Bedeutende Moränenablagerungen. 

ENGETHAL (Kt. Bern, Amtsbez. Interlaken, Gem. 
Lauterbrunnen). ^600-2400 m. Einsames Thälchen, nö. 
vom Schilthorn, zwischen Schwarzgrat und Birff; vom 
Mürrenbach entwässert. Durch das Engethal führt der 
von Murren zum kleinen Schutzhaus am Fimfeld des 
Schilthorns aufsteigende Fusspfad. 

ENGET8WIL (Kt. St. Gallen, Bez. und Gem. Gossau). 
611 m. Gruppe von 7 Häusern, auf fruchtbarer Hochfläche, 
an der Strasse Niederbüren-Gossau und 2,5 km nw. der 
Station Gossau der Linie Winterlhur-St. Gallen. 49 kathol. 
Ew. Ackerbau und Viehzucht. Stickerei als Hausindustrie. 
904 : Eiganteswilare. 

ENGQENHÜTTEN (Kt. Appenzell L R., Gem. 
Schlatt). 765 m. Schulkreis, am N.-Hane der Hundwiler 
Höhe bis zur Sitter hinunter reichend, 5 km nw. des 
Fleckens Appenzell. Von den Strassen Appenzell-Herisau 
und Appenzell-Stein-St. Gallen durchzogen. 41 Häuser, 
222 kathol. Ew. Kirchgemeinde Appenzell. Viehzucht, 
Obstbau, Holzhandel. Steinbrüche. Stickerei als Hausin- 
dustrie. Kapelle. An den Mauern mehrerer Häuser von 
Enggenhütten und Schlatt-Haslen sind noch sog. Ehbret- 
ter oder Hebretter befestigt, d. h. Bretter, auf denen 
Tote aufgebahrt worden sina. Sie tragen die Namen dieser 



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Toten in Schrift oder Malerei und werden zu deren An- 
denken aufbewahrt. Diese eigenartige Sitte ist aber im 
Verschwinden begriflen. 

ENGGER8CH (Kt. Wallis, Bez. Leuk^Gem. Bratsch). 
1541 m. Weiler; besteht aus etwa 20 in doppelter Reihe 
angeordneten Hätten und Stallen, am untern Teil der 
Hänge über dem Dorf Bratsch, am linken Ufer des Eng- 
gerschwassers und 6 km onö. Leuk. 15 kathol. Ew. 

ENGGI8TEIN (Kt. Bern, Amtsbez. Konolfingen. Gem. 
Worb). 703 m. Kleines Porf, an dem das sumpfige Bic^len- 
thal zu einem Teil entwässernden Quelllauf der Worolen, 
an der Strasse Worb-Biclen, 3 km w. der Station Biglen 
der elektrischen Bahn Burgdorf-Thun und 2,5 km ö. 
Worb. Postbureau, Telephon. 30 Häuibr, 287 reform. Ew. 
Wiesenbau, Torfgruben. Bad mit eisenhaltiger Quelle. 

ENGGI8TEIN (OBER) (Kt. Bern, Amtsbez. Konol- 
fingen, Gem. Worb). 715 m. Gruppe von 4 Häusern, 400 
m so. Enggistein und 3,5 km w. cfer Station Biglen der 
elektrischen Bahn Burgdorf-Thun. 46 reform. Ew. 

ENGGWIL (Kt. St. Gallen, Bez.,Tablat, Gem. Mörs- 
wil). 622 in. Gruppe von 5 Häusern, auf einer Höhe über 
dem rechten Ufer der Steinach und 1,8 km s. der Station 
Mörswil der Linie St. Gallen-Rorschach. 28 kathol. Ew. 
Ackerbau und Viehzucht. Stickerei als Hausindustrie. 

ENGI (Kt. Glarus). 774 m. Gem. und Dorf, im Sernf- 
Ihal, am rechten Ufer des Semfund an der Mündung des 
Muhlebachs in diesen, zwischen Gandstock und Guider- 
stock, 6 km so. der Station Schwanden der Linie Zurich- 
Glarus-Linthal. Postwagen Schwanden-Elm. Postbureau, 
Telegraph, Telephon. Gemeinde, mit Allmend, Altslafel, 
Boden, Grund, Gufelstock, Schlalt und Wald : 253 Häu- 
ser, 1160 reform. Ew.; Dorf: 212 Häuser, 981 Ew. Kirch- 
gemeinde Matt. Grosse Baumwollspinnerei. Ackerbau u. 
Viehzucht, Handel mit Jungvieh. Schieferbrüche. Das aus 
piner Reihe von einzelnen Häusergruppen bestehende 
Dorf zieht sich auf eine Länge von 2 km nm und steht auf 
den vom Mühlebach und den vom Guiderstock herabkom- 




Bngi, voQ Nordwesten. 



menden Wildbächen aufgebauten Schuttke&^eln. Zerfallt 
in Engl vor dem Bach (im Süden) und Engl hinter dem 
Bach (im Norden). Obwohl Engl die bedeutendste Ort- 



schaft im Sernfthal ist, hat sie doch keine eigene Kir- 
che; Pfarrkirche in dem 2 km entfernt gelegenen Dorf 
Matt. S. Engl werden zu l>eiden Thalseiten die eocänen 
Schiefer eebrochen, die sich ausgezeichnet zur Bedach- 
ung von Häusern, zu Tisch- und Ofenplatten, sowie zu 
Schreibtafeln eignen. Das Material dieser schon seit meh- 
reren Jahrhunderten betriebenen Schieferbrüche wurde 
im 17. Jahrhundert nach Deutschland, Holland, England, 
Schweden, Spanien und Portugal au^^geführt. In den 
Schiefern eine sehr interessante fossile Fauna ; man hat 
darin von Fischen 27 und von Schildkröten und Vögeln 
je 2 Arten gefunden. Bearbeitet von Alex. Wettstein : Die 
Fischfauna des tertiären Giarner Schiefers (in den Ab- 
handlungen der Schweiz, paläontolog. Gesellschaft. Bd 
13, 1886). Beim Schieferbruch Engi-Matt hat man römi- 
sche Münzen gefunden : Platten aus Glarnerschiefer Gndet 
man oft in den römischen Siedelungsresten des schwei- 
zerischen Mittel landes. Im Mühlebachthal die Heiden- 
stäfeli, wahrscheinlich Reste einstiger Alemannensiede- 
lungen. 

ENGI (Kt. St. Gallen, Bez. Alt Toggenburg, Gem. 
Kirchberg). 591 m. Gruppe von 5 Häusern, am Alpbach, 
3 km n. Rirchberg und 2,5 km sw. der Station Seh war- 
zenbach der Linie Winterthur-St. Gallen. 38 kathol. Ew. 
Ackerbau und Viehzucht. Stickerei als Hausindustrie. 

ENGI (Kt. St. Gallen, Bez. Gostou, Gem. Waldkirch). 615 
m. Weiler, auf fruchtbarer u. sonniger Hochfläche über 
dem linken Ufer der Sitter, an der Strasse Bemhardzell- 
Wittenbach, 800 m so. Bernhardzell und 6 km nw. der 
Station St. Fiden der Linie St. Gallen-Rorschach. 15 Häu- 
ser, 79 kathol. Ew. Kirchgemeinde Bernhardzell. Acker- 
bau und Viehzucht. Stickerei als Hausindustrie. 

ENGI (Kt. Solothurn, Amtei Dorneck-Thierstein, Gem. 
Nunningen). S. den Art. Enge. 

ENGIBACH od. AU88ERBACH (Kt. Bern, Amts- 
bez. Konolfingen, Gem. Biglen). 711 m. Dorf, am Biglen- 
bach, an der Strasse Worb-Biglen und 400 m w. der Sta- 
tion Biglen der elektrischen Bahn Burgdorf-Thun, 43 
Häuser, 361 reform. Ew. Zwei grosse Gerbereien, grosse 
Säge. 

ENGIBERG oder ENGEBERG (Kt., Bez. und Gem. 
Schwyz). 602 m. Weiler, 3 km nw. Sctiwyz und 2 km n. 
der Station Schwyz-Seewen der Gotthardbahn. 19 Häuser, 
128 kathol. Ew. Ackerbau, Obst- und Viehhandel. Ruine 
der Burg der Edeln von Engiberg. 

ENGI8BERG (Kt. St. Gallen, Bez. Rorschach, Gem. 
Steinach). 465 m. Gruppe von 7 Häusern, auf eineiin Hügel 
nahe dem rechten Ufer der Steinach, 2 km s. vom Dorf 
Steinach und 2,5 km nö. der Station Mörswil der Linie 
St. Gallen-Rorschach. 51 kathol. Ew. Acker- und Obstbau, 
Viehzucht. Stickerei als Hausindustrie. Sehr schöne Aus- 
sicht. 

ENGI8HALDEN (Kt. Annenzeil A. R., Bez. Hinter- 
land, Gem. Schwellbrunn). 920 m. Gruppe von 4 Häusern, 
w. der Strasse St. Gallen-Lichtensteig, 1 km ö. Schwell- 
brunn und 2 km sw. der Statipn Waldstatt der Apben- 
zelterbahn (Winkeln-Herisau-A'ppenzell). 21 refdrm. Ew. 
Wiesen- und Obstbau. Stickerei und Spinnerei als Haus- 
industrien. Bruch auf harten Molassesandstein. 

ENGI8HOFEN (Kt. Thurgau, Bez. Bischofszeil, Gem. 
Erlen). 447 m. Dorf, an der Aach, in fruchtbarer Gegend ; 
2 km nö. der Station Erlen der Linie Winterlhur^Frauen- 
feld-Romanshom. Telephon. 46 Häuser, 185 zur Mehr- 
zahl reform. Ew. Kirchgemeinde Amriswil- Sommer!. 
Viehzucht und Milchwirtschaft, Wiesen- und Obstbau. 
Viehhandel. Etwas Maschinenstickerei. 771 und 774 : On- 
giseshova. 

ENGI8TEIN (Kt. Solothilrn, Amtei Olten-Gösgen, 
Gem. Ifenthal). 680 m. Weiler am S.-Hanff der Schmulz- 
fluh, 700 m sw. Ifenthal und 5 km s. der Station Läufel- 
fingen der Linie Basel-Olten. 11 Häuser, 45 kathol. Ew. 
Viehzucht. 

ENGLERZ (Kt. Nidwaiden, Gem. Wolfenschiessen). 
750 m. Drei Bauernhöfe, auf einer Anhöhe 900 m ö. der 
Strasse Stans-Engelberg und 2 Je m so. der Station Grafen- 
ort der elektrischen Bahn Stansstaad-Engelberg. 24 kathol. 
Ew. Landwirtschaft. 

ENGLi8BERG (Kt. Bern,AmUbez. Seftigen). 825 in. 
Gem. und Dorf, am N.-Hang des Längenbergs, an der 
Strasse Zimmerwald-Kehrsatz und 3 km sw. der Station 



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Kehrsatz der Gürbethalbahn (Bem-Wattenwil-Thun). 34 
Häuser, 567 reform. Ew. Kirchffemeinde Zimmerwald. 
Landwirtschaft. Die Edeln von Englisberg 
haben in der Geschichte keine nennens- 
werte Rolle gespielt. 

ENGLI8BERQ (Kt. Freiburff, Bez. 
Saane, Gem. Granges-Paccot). Häuser- 
gruppe. S. den Art. Agy. 

ENGOLLON (Kt. Neuenburg, Bez. Val 
de Ruz). 732 m. Gem. u. Dorf, im Zentrum 
des Val de Ruz, an der Kreuzung der Stras- 
sen Valangin-Dombresson und vilars-Fon- 
taines, aber abseits der Hauptstrassenzu^e 
gelegen; 5 km n. Neuenburg, 4 km osö. 
der Station Les Hauts Geneveys der Linie 
Neuenburg-La Chaun de Fonds und 2,5 km 
von der Station Valangin der Strassenbahn 
Neuenburg-Valangin. Postablage. 17 Häu- 
ser, 104 reform. £w. Landwirtschaft, Holz- 
handel. Alte Kirche, schon im 13. Jahr- 
hundert als Filiale des Priorates Motiers 
fenannt ; Glockenturm 1806 erbaut. In der 
Tarrkirche von Engollon ruht neben sei- 
ner Gemahlin Jeanne de Beauffremont 
(tl417) der 1427 gestorbene Wilhelm v. 
Aarberfif, ^Freiherr von Valangin. Bis zu 
Ende aes 15. Jahrhunderts waren die Be- 
wohner des Fleckens Valangin, der damals 
noch keine Kirche besass, nach Engollon 
pfarrgenössig. Schon 1531 hatten sich En- 
gollon und Boudevilliers der Reformation 
zugewandt, so dass am 10. Juni dieses Jahres 
der Propst und das Stift Motiers beide Pfarrgemeinden 
mit allea ihren zugehörenden Ländereien an die Herrin 
von Valangin, Guillemette de Vergy, abtraten, weil sie 
hier den Gottesdienst nicht mehr nach altem Ritus feiern 
konnten. Zur Vergrösserung von Engollon trug bei die 
1301 erfolgte Zerstörung des s. davon gelegenen Dorfes 
La Bonneville. Engollon ist die Heimat von August 
Cuffnier, der seine Jugendjahre in La Chaux de Fonds 
verlebt hatte, im Juli 1830 an den Ereignissen in Paris 
sich beteiligte und einer der Führer der republikanischen 
Bewegung vom Dezember 1831 im Kanton Neuen bürg 
war. Er unterzeichnete die Erlasse des « Comite revolu- 
tionnaire » (bekannter unter dem Namen a Comite d'Yver- 
don ») als dessen Präsident ; nachdem die Regierung des 
Fürtentums Neuenburg auf seinen Kopf einen Preis aus- 
gesetzt hatte, lebte er für einige Jahre in Courtelary und 
siedelte dann nach Brasilien aber, wo er 1860 gestorben 
ist. 

ENQ088E (Kt. Bern, Amtsbez. Freibereen, Gem. Les 
Breuleux). 1026 m. Gruppe von 3 Bauernhöfen, 500 m w. 
der Strasse Tramelan-Les Breuleux, 5 km w. der Station 
Tramelan der Linie Tavannes-Tramelan und 1,7 km so. 
Les Breuleux. 21 kathol. Ew. Viehzucht. 

ENGRIN8 (LE8> (Kt. Waadt, Bez. £challens, Gem 
Fey). 630 m. Häusergruppe mit Mühle, am linken Ufer 
der Mentue, an der Strasse Vuarrens-Possensundl,2 km 
ö. Fey. 8 reform. Ew. Kirchgemeinde Bercher. Malerische 
Gegend. 

ENGROGNE oder ANGROGNE <[VAL D'> (Kt. 
Waadt, Bez. Lausanne). 560490 m. Kleines bewohntes 
Thal, tief ein&eschnitten ; 1,4 km ö. Lausanne, zwischen der 
Stadt, dem Weiler Chailly und den nach Belmont füh- 
renden Strassen. Vom Bach La Vuach^re durchflössen. 
Der Name soll dem Thälchen von Waidensem gegeben 
worden sein, die aus ihren heimatlichen Thälem des Pie- 
mont sich hierher gefluchtet hatten. 

ENG8TLEN (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Hasle). Wild- 
bach, Abfluss Hes unter dem Jochpass gelegenen Engst- 
lensees (1852 m); durchfliesst die Engstlenalp, nimmt im 
Genthal den Namen des Genthalwassers an und mündet 
nach 9,5 km langem Lauf von NO.-SW. 3 km oberhalb 
Innertkirchen in 837 m in das Gadmerwasser. 

ENG8TLENALP (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Hasle). 
1839 m. Weite und schöne Alpweide, im obersten Ab- 
schnitt des Genthaies (eines Seitenthaies zum Gadmen- 
thal) und am Fuss des von Meiringen nach Engelberg 
führenden Jochpasses. Von prachtvollem Hochgebirgs- 
kranz umrahmt: im SO. die Gruppe des Titlis mit dem 



Tellistock, den Gadmerflühen und den vergletscherten 
Gipfeln des Wendenstocks (3044 m) und Reissend Nollen 





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Auf dar Engstlenalp. 

(3012 m); im NW. auf der Grenze gegen Unterwaiden 
der Graustock (2663 m) und Wildnissberg (2714 m) ; im 
0. die Scharte des Jochpasses. Unter dem W.-Endfe des 
Wendengletschers der schöne Engstlensee in romanti- 
scher und wildeinsamer La^e ; reich an ausgezeichneten 
Fischen, deren Aufzucht hier den Engelberger Mönchen 
seit Jahrhunderten am Herzen gelegen natle. W. vom See 
und je 4 Stunden von Innertkirchen und Engelberg ent- 
fernt altes und neues Gasthaus; stark besuchte Sommer- 
frische. Prachtvolle Arvengruppen; an Arten und Wuchs 
reiche Flora. In den Verwitterungsprodukten der Schiefer 
interessante Fossilien. Beim Gasthaus eine intermittie- 
rende Quelle (Wxmderbrunnen geheissen), die schon 
1717 von J. J. Scheuchzer in seiner Hydrographia Hei- 
vetica beschrieben worden ist. Ausgangspunkt für die 
Besteigung des Titlis (57« Stunden) und seiner Nachbar- 
Gipfel ; guter Fussweg über Tannenalp nach Frutt und 
ms Melchthal ; nach der andern Seite steigt ein schlecht- 
unterhaltener und eine gewisse Bergsicherheit erfordern- 
der Pfad langsam zum Sätteli auf, um von da über rasen- 
und blumenbestandene Hänge steil nach Gadmen hinun- 
terzuleiten. Im Gebirge der Engstlenalp schöne Schiefer 
(Trias und Jura) sowie Kupfervitriol, Bleiglanz u. Kohle. 

ENG8TLEN8EE (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Hasle). 
1852 m. Kleiner Bergsee, auf der Engstlenalp: 1,5 km 
lang, 500 m breit, Fläche 72 ha. Empfangt die Schmelz- 
wasser aller benachbarten Gletschergebiete und sendet die 
Engstlen zum Gadmerwasser. Dem N.-Ufer entlang führt 
der Fussweg über den Jochpass. Fischreich. 

ENG8TLIGENALP (Kt. Bern, Amtsbez. Frutigen, 
Gem. Adelboden). 1940 m. Grosse Alpweide, im obern 
Abschnitt des Tnales von Adelboden, 5 km s. über dem 
Dorf Adelboden, auf einer 600 m über der Thalsohle von 
Adelboden gelegenen Terrasse. Mit Adelboden durch zwei 
Fusswege verbunden. Vier Passübergänge: einer über den 
Grat zwischen Lohner und Tschingellochtighorn, einer 
über den Engstligengrat, einer s. vom Kindbettihom 
über den Uschinengletscher und die Rote Kumme zur 
Gemmi (seit 1901 mit ausgezeichnetem Fussweg, der das 
Begehen des Gletschers zu einem völlig gefahrlosen Spa- 
ziergang gestaltet ; bequemer Uebergang von Adelboden 
zur Gemmi und nach Leuk in einem Tag) und ein letzter 
endlich, der Ammertenpass, ins Ober Simmenthal. Die 
Alpweide in einem weiten Zirkus von 4 km Durchmesser, 
eingefasst vom Fizer, Rotstock, Ammertengrat, Wildstru- 
bel, Steghorn, Thierhörnli, Kindbettihom, Tschingel loch- 
tighorn und Lohner. Der ebene mittlere Teil der Alpweide 
wahrscheinlich ein ehemaliger Seeboden. Das Ganze ein 



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typisches Beispiel eines Kares glazialen ^^^y^^», 
den Felswänden kommen eine Reihe von Bächen 1 




Engstlensee mit Titlis. 

ter, die zusammen den Engstligenbdch bilden. Seltene 
Pflanzen ; so die Linnaßa borealts (einziger Standort im 
Oberland). 

ENG8TLIQENBACH (Kt. Bern, Amtsbez. Frutigen). 
Beträchtlicher Wildbach ; entsteht im Zirkus der En^^st- 
ligenalp (1938 m) aus einer Reihe von Quellbächen, bildet 




Fall des Eogstligenbaches. 

bald nach seinem Austritt aus dem Zirkus einen pracht- 
vollen Fall von 60 m Höhe, nimmt im Thal von Adelboden 
von links den Allenbach (mit dem Geilsbach) auf, wendet 



sich nach NW., durchfliesst das Engstli^enthal in bewal- 
deter Schlucht, nimmt weiterhin von links den Tschen- 
tenbach , Ottembach , Zwischenbach , 
Gantenbach, Bräschgenbach, Leinibach 
und viele andere von der Kette Albrist- 
horn-Niesen kommende kleine Bäche, 
von rechts eine Reihe von vom Allmen- 
grat herabfliessenden Wasseradern auf 
und mündet nach 23 km langem Lauf 
1,5 km unterhalb Frutigen in 762 m in 
die Kander. 

ENG8TLIGENQRAT (Kt. Bern, 
Amtsbez. Frutigen). 2619 m. Wenig be- 
kannter Passübergang, zwischen Tschin- 
Sellochtighorn und Kindbettihorn in 
en den Wildstrubel mit dem Lohner 
verbindenden Kamm eingeschnitten. 
Wenig begangen, aber sehr leicht zu 
überschreiten ; führt vom Gasthof Schwa- 
renbach(am Gemmiweg) über Schwarz- 
grätli, Oeschinenthäli und Engstli- 
ffenalp in 5V4 Stunden nach Adelbo- 
den. 

ENQ8TLIGENTHAL (Kt. Bern, 
Amtsbez. Frutigen). Thal, 20 km lang; 
streicht von SSO. -NNW», wird vom 
Engstligen bach durchflössen und ist 
links von der Kette des Niesen, rechts 
von der des Lohner umrahmt, die beide 
vom Wildstrubel abzweigen. Mündet 
bei Frutigen in 800 m Hohe ins Kan- 
derthal aus ; seine höchste Alpweide, die 
, liegt in 2000 m. Zahlreiche steile Nebenthäl- 
chen, besonders am W.-Hang ; die bedeutendsten sind die 
des bei Adelboden ausmündenden Allen bachs, des vom 
Gsür absteigenden Tschentenbachs, des Otternbachs, des 
Sackgrabens und Gantenbachs, wozu noch eine Reihe von 
Schluchten kommen, die von ungestümen Wildbächen 
ausgewaschen worden sind und zwischen denen auf schwie- 
rig zugänglichen Hochterrassen einige kleine Hüttengrup- 
pen — unter dem gemeinsamen Namen Spissen bekannt 
— stehen. Am O.-Hang. der Kette des Lonner, mit Aus- 
nahme des Bonderlen tnälchens kein bemerkenswerter 
Einschnitt. Oberhalb Adelboden bildet das Engstligenthal 
den schönen Alpweidenkessel des Boden, unterhalb Adel- 
boden eine vom Engstligenbach schäumend durchbrauste 
Schlucht. Zwischen Adelboden und Frutigen keine nen- 
nenswerte Siedelung: an den Hängen der Kette des Loh- 
ner eine Anzahl von Weilern und Wohnstätten, die zu- 
sammen die drei Siedelunesgruppen von Hirzboden, 
Inner und Ausser Achselen bilden. Der untere Thalab- 
schnitt, vom Marchgraben an, ist der Kirchgemeinde 
Frutigen, der obere Thalabschnitt der Kirchgemeinde 
Adelboden zugeteilt. Viehzucht u. Milchwirtschaft. Frem- 
denindustrie. Einige Schieferbrüche, Zündholzfabrikation. 
Seitdem nach Ueberwindung grosser technischer Schwie- 
rigkeiten die Strasse Frutigen- Adel boden 1884 dam Be- 
trieb übergeben worden ist, hat sich der Wohlsland im 
Thal bedeutend gehoben. Diese Strasse geht zunächst 
längs des linken Bachufers thalaufwärts, überschreitet 
beim Pochtenfall auf einer 50 m über der Bachsohle ge- 
legenen Brücke die Schlucht, folgt dann dem rechten 
Ufer und ceht bei Adelboden wieder über den Bach. Fru- 
tigen- Adelooden 4 Stunden. Das in seinem untern Abschnitt 
enge, waldbestandene und etwas einförmige Thal birgt in 
seinen obern Teilen grossartige alpine Schönheiten in 
sich. 

ENG8TRINGEN (OBER) (Kt. u. Bez. Zürich). 410m. 
Gem. u. Dorf, am rechten Ufer der Limmat, an der Strasse 
Zürich-Höngg- Baden u. 2,2 km nö. der Station Schlieren 
der Linie Zu rieh- Baden -Bru^rg. Postbureau. Gemeinde, 
mit Eggbühl und Landsrain : 54 Häuser, 416 reform. Ew. ; 
Dorf: 37 Häuser, 187 Ew. Mehr als 20% der Bodenfläche 
der Gemeinde mit Weinreben bestanden. Altertümer aus 
der Bronze- und Römerzeit. 870 : Enstelingon. Im Dorf u. 
am Sparrenberg alemannisch -fränkische Gräber. Früher 
der Grafschaft Baden zu Eigen, ging Engstringen erst 1798 
an den Kanton Zürich über. 

ENG8TRINGEN (UNTER) (Kt. und Bez. Zürich). 
405 m. Gem. und Dorf, am rechten Ufer der Limmat, an 



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der Strasse Zurich-HÖDgg-Baden, 1 km nw. Ober Ed^- 
striDgen und 1,3 km d. der Station Schlieren der Linie 
Zuricn-Baden-Brugg. Telephon. 50 Häuser, 302 reform. 
Ew. Weinbau. Grabhügel aus der Hallstatt Periode. 

ENGTHAL (Kt. Aargau, Bez. Aarau, Gem. Ober Ent- 
felden). 480425 m. Fünf in kleinem rechtsseitigen Neben- 
thälchen zum Suhrthal zerstreut gelegene Hauser; 1,5 
km so. der Station Ober Entfelden der Linie Aarau-Suhr- 
Zülingen. 33 reform. Ew. 

ENQWANG (Kt. Thurgau, Bez. Weinfelden, Gem. 
WigoUingen). 445 m. Dorf, an dem mit Weinberffen be- 
standenen S.-Han^des Seerückens: 1,5 km ö. WigoUin- 
gen und 3,3 km nö. der Station Mullheim der Ünie Win- 
terthur- Frauen feld-Romanshorn. 22 Häuser, 105 zum 
grössern Teil reform. Ew. Obst- und Weinbau, Vieh- 
zucht. 

ENGWILEN (Kt. Thurgau, Bez. Kreuzungen, Gem. 
Wäldi). 535 m. Dorf, am S.-Han^ des Seerückens, an der 
Strasse 'Märstetten-Tägerwilen-Konstanz, 2 km s. Wäldi 
u. 4,5 km n. der Station Märstetten der Linie Winterthur- 
Frauenfeld-Romanshorn. Postablage ; Postwagen Märslet- 
ten-Neuwilen. 36 Häuser, 163 zur Mehrzahl reform. Ew. 
Kirchgemeinde Lippcrswilen- Wäldi. Obst-, Acker- und 
Wiesenbau, Viehzucht und Milchwirtschaft. Käserei. 

ENHAUT (PAY8 D') (Kt. WaadI). Bezirk. S. den Art. 
Pays d*Enhaut. 

ENIKON (Kt. Zu^, Gem. Cham und Hünenberg). 437 
m. Gruppe von 14 Hausern, an der Strasse Hünenberff- 
Cham und 1 km w. der Station Cham der Linie Züricn- 
Zug-Luzern. 46 kathol. Ew. Kirchgemeinde Cham-Hünen- 
berg. Viehzucht. Eine seit der Gründung der Chamer 
Fabrik für kondensierte Milch entstandene Gruppe von 
7 Häusern mit 70 Ew. heisst Neu Enikon. Pensionen. In 
Enikon war das Kloster Frauenthal begütert ; der ganze 
Weiler einst Eigentum der Herren von St. Andreas im 
Städtli. 

ENKHAU8ERN (Kt. St. Gallen, Bez. Wil, Gem. Nie- 
der Heifentswil). 560 m. Weiler, auf einer Anhöhe über 
dem linken Ufer der Thur, 1 km nö. Nieder Helfentäwil 
und 4 km sw. der Station Bischofszeil der Linie Gossau- 
Sulffen. 16 Häuser, 86 kathol. Ew. Acker- u Obstbau. Vieh- 
zucnt Stickerei als Hausindustrie. 

ENNAZ (LA GRANDE) (Kt. Wuadt, Bez. Nyon, Gem. 
Arzier). Alpweide, mit einer Hütte in 1299 m, am Kuss 
des SO.-Hanges des Mont Sallaz (Kette desNoirmont) und 
4,5 km nw. über Ar7ier. N. und nw. der Alpweide der 
gleichnamige Wald. 

ENNENDA (Kt. Glarus;. 478 m. Gem. und grosses 
Pfarrdorf, in sonniger Lage, am rechten Ufer der Linth, 
am Fuss des Schilt und unmittelbar ge- 
genüber Glarus, vom s. Abschnitt des Kan- 
tonshauptortes blos durch die Linth ge- 
trennt. Station der Linie Zürich-Glarus- 
Linthal. Postbureau, Telegraph, Telephon. 
Gemeinde, mit dem Dorf Ennetbühls und 
einigen kleinen Weilern : 551 Häuser, 2494 
Ew., wovon 2193 Reformierte; Dorf: 417 
Häuser, 1885 Ew. Wiesenbau und Vieh- 
zucht. Zwei grosse Zeugdruckereien, eine 
Buntweberei, eine Teppichweberei, eine 
Fabrik chemischer Produkte, zwei Sägen 
mit mechanischer Schreinerei, eine Fabrik 
für Reini(^ung von ßaumwoUabfallen. Der 
älteste Teil des Dorfes mit seinen gewun- 
denen und engen Gassen Ui gebräunten 
Holzhäusern liegt am Fuss des Schilt, 
während die neuen Quartiere mit ihren 
geraden Strassen und den Wohnhäusern 
und Villen der Fabrikbesitzer etc. sich 
mehr in der Linthebene angesiedelt haben. 
Schönes Gemeindehaus mit grossem Rats- 
und Konzertsaal. Alters- und Krankenasyl 
der Gemeinde 1902 eröffnet, drei Kranken- 
kassen. Armenverein zur Unterstützung 
von Ortsfremden. Ennenda ist eine der 
wohlhabendsten Gemeinden der ganzen 
Schweiz. Den seit der zweiten Hälfte 
des 18. Jahrhunderts datierenden Aufschwung verdankt 
der Ort seiner lebhaften industriellen und Handels- 
tätigkeit, die sich in allererster Linie auf die ßaum- 



wolizeugdruckerei konzentrierte. Den Höhepunkt ihrer 
Entwicklung hat diese Industrie im letzten Drittel des 




EoDenda, von SOdwesten. 

19. Jahrhunderts erreicht; seit etwa 15 Jahren ist sie 
an Bedeutung sichtlich zurückgegangen. Die Bürger- 
gemelnde Ennenda besitzt mehrere Alpweiden, ausge- 
dehnte Waldungen, Wiesen und Felder, welch' letztere 
von den Nutzungsberechtigten mit Kartoffeln und Gemüse 
angepflanzt werden. Diese Güter sind zum grösirlen Teil 
ausserhalb des Gemeindebannes von Ennenda gelegen. 
Bis gegen das Ende des 18. Jahrhunderts war Ennenda 
der Kirchgemeinde und dem Schulkreis Glarus zugeteilt; 




Im Bnoerbarg. 

eigene Kirchgemeinde seit 1774, eigene Scliulffemeinde 
seit 1787. Heimat von .lostTschudi, Glarncr Landammann 
1419-1452, der als Anführer der Glarner im alten Zürich- 



ENN 



ENN 



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krieg eine hervorrageDde Rolle spielte. Ennenda = ennet 
(jenseits) der Aa (des Wassers). 

ENNERBERG (Kt. Nidwaiden, Gem. Buochs 
und Oberdorf). 516 m. Landstrich und Gruppe 
von 6 Häusern, am rechten Ufer der Engel ber- 

ßsr Aa, nw. vom Buochserhom, 1 I^m sw. der 
ampfschifistation Buochs und 2,5 km nö. der 
Station Stans der elektrischen Bahn Stansstaad- 
Engelberg. Bi kathol. Ew. Kirchgemeinden 
Buochs und Stans. Seit dem 16. Jatirhundert 
Heimat der Familie Ackermann ; noch erhallen 
ist das Haus, in dem 1732 Ritter Joh. Jakob 
Ackermann, der Sieger des Gefechtes bei Sins 
(25. Juli 1712), gestorben ist. Eine zu seinem 
Andenken erbaute Kapelle enthält ein Bild die- 
ses Kampfes. An den S. -Hängen des Ennerbergs 
kleiner Weinberg. 

ENNERHAU8 (Kt. Wallis, Bez. Visp, Gem. 
Staldenried). 13(X) m. Sieben am Hang von 
Staldenried zerstreut gelegene Häuser, über dem 
rechten Ufer der Visp, 7 km s. des Dorfes Visp 
und 1,5 km ö. der Station Stalden der Linie 
Visp-Zermatt. 31 kathol. Ew. 

ENNERHOLZ (Kt. Wallis, Bez. Brig, Gem. 
Glis). »10 m. Weiler, auf einem Bergsporn rechte 
über der Ausmundung der Saltine ins Rhone- 
thal und über dem Pont Napoleon, am N.-Fuss 
des Glishoms, 1 km so: Glis und 1,7 km s. der 
Station Brig der Simplonbahn. 10 Häuser, 28 kathol. Ew. 

ENNERLENZEN oder ENDER LENZEN (Kt. 
Zürich, Bez. Hinwil, Gem. Fischenthal). 704 m. Weiler, 
am linken Ufer der Töss, 3 km n. Fischenthal und 800 m 
nw. der Station Steg der Tössthalbahn. 12 Häuser, 40 re- 
form. Ew. 

ENNET. Bestandteil von Ortonamen der deutschen 
Schweiz (Ennenda, Ennetbühl. Ennetbaden, Ennetlinth 
etc.); vom althochdeutschen enont= mittelhochdeutechen 
enent= Jenseite, auf der andern Seite. 

ENNETAACH (Kt. Thurgau, Bez. Bischofszeil, Gem. 
Erlen). 456 m. Kleines Dorf, am linken Ufer der Aach, 
an der Strasse Riedt- Andwil und 800 m w. der Stetion 
Erlen der Linie Winterthur-Frauenfeld-Romanshorn. 24 
Häuser, 143 zur Mehrzahl reform. Ew. Kirchgemeinde 
Sulgen-Erlen. Futter- u. Obstbau, Hornvieh- u. Schweine- 
zucht, Milchwirtschaft. Stickerei und Wirkerei als Haus- 
industrien. Handel mit Wirk- und Töpferwaaren. Einige 
Torfgruben. 

ENNETBACH u. ENNETBACHBERQ (Kt. Bern, 
Amtebez. Konolfingen, Gem. Biglen). 865 m. Zerstreut ge- 
legene Bauemhöfö, am rechteseitigen 
Hang des Thaies des Bifflenbachs und 
500 m n. der Stetion Biglen der elektri- 
schen Vollbahn Burgdon-Thun. 14 Häu- 
ser, 83 reform. Ew. Wiesenbau. 

ENNETBACH (Kt St. Gallen, Bez. 
See, Gem. Goldingen). 620 m. Gruppe 
von 5 Häusern, an einem kleinen rechts- 
seitigen ZuUuss zum Goldingerbach, an 
der Strasse Eschen bach-Gold ingen ; 1,2 
km sw. Goldin^en und 3,5 km n. der 
Stetion Schmenkon der Linie Rappers- 
wil-Wesen. 61 kathol. Ew. Viehzucht. 
Armenhaus. 

ENNETBADEN (Kt. Aargau, Bez. 
Baden). 365 m. Gern, und Dorf, am 
rechten Ufer der Limmat gegenüber 
Baden, im Gegensatz zu diesem (Gross- 
baden) wohl auch Kleinbaden geheis- 
aen ; am W.-Fuss der Lägern und s. vom 
Geissbera, 600 m ö. des Bahnhofes Ba- 
den der Linie Zürich-Baden-Brugg. Post- 
bureau, Telegraph, Telephon. 119 Häu- 
ser, 997 kathol. und reform. Ew. Kirch- 
gemeinde Baden. Ackerbau und Vieh- 
zucht. Kleiner Weinberg, dessen Ertrag 
(der sogen. Goldwändler) mit Recht sehr 
geschätzt ist. Fünf Gasthäuser. Schlos- 
serei, Seidenspinnerei. Mit Baden durch eine grosse 
Brücke verbunden. Drei von den acht heissen Quellen 
gehören zu Ennetbaden. Am Hang der Scharte sind Beile 



und Lanzenspitzen aus Stein und Bronze gefunden wor- 
den ; römische Münzen, beim Sommertheater römisches 




EnnetbadeD, von Norden. 

Mauerwerk, römische Ziegel und Töpferwaaren. Eine rö- 
mische Inschrift an einem Hause von Ennetbaden ist 
seither wieder vermauert worden. Unter dem Scharten- 
fels römische Gräber. 

ENNETBERGE (Kt. Glarus, Gem. Ennenda und Net- 
stal). 900-1400 m. Alpweiden, an den W.-Hängen von 
Fronalpstock u. Schilt, zwischen Fronalp u. Heubodenaip 
auf einer 2,5 km langen und 1,5 km breiten Terrasse .ge- 
legen, 1-2 Stunden n. über Ennenda. Zahlreiche Stedel 
und etwa 30 Hütten, die zur Zeit der Heuernte und wäh- 
rend eines Teils des Winters bezogen werden. Zum Teil 
Eigentum der Bürgergemeinde Ennenda, zum Teil in Pri- 
vatbesitz. Ihren fetten Boden verdanken die Knnelberge 
den Flyschschiefern, die hier eine ziemlich tief in den 
Berghang einschneidende Mulde bilden, sowie den den 
Hang beinahe ganz überdeckenden Glazialablageruogen. 

ENNETBRUQQ (Kt. St. Gallen, Bez. Neu Toggen- 
burg, Gem. Waltwil). Abteilung des Dorfes Wattwil. S. 
diesen Art. 

ENNETBÜHL (Kt. St. Gallen, Bez. Ober Toggen- 
burg, (^m. Krummenau). 886 m. Pfarrdorf, im romanti- 




EnnatbQhl mit dem Sflntis. 



sehen Thal der Lutern, 3 km so. Krummenau und 9 km 
so. der Stetion Ebnat der Toggenburgerbahn. 27 Häuser, 
162 reform. Ew. Viehzucht. 



30 



ENN 



ENN 



ENNETBOHLS (Kt. Glarus, Gem. Ennenda). 450 bis 
500 m. Dorf, am rechten Ufer derLinth, am W.-Fussdes 
Schilt, 1 km n. Ennenda, 500 m ö. Glarus und mit diesem 
durch eine Brücke verbunden. 134 Häuser. ßl2 reform. 
Ew. Wiesenbau, Viehzucht, Waldwirtschaft. Viele der 
Bewohner arbeiten in den Fabriken der Nachbarorte. Die 
früher hier in Betrieb stehende grosse Baumwollzeug- 
druckerei ist seither eingegangen. Der älteste Teil des 
Dorfes mit seinen altertümlichen und malerischen Wohn- 
häusern steht auf einem ca. 50 m hohen Hügel, einem 
UebemSst eines grossen vom Glämisch herabgekommenen 
Bergsturzes. Bis 1875 gehörte Ennetbühls zur Kirchge- 
meinde und zum Schulkreis Glarus. 

ENNETBORGEN (Kt. Nidwaiden). 439 m. Politische 
und Kirchgemeinde, am S.-Hang des Bürgenstocks und 
am N¥fr-Üfer der Buochserbucht des Vierwaldstattersees, 
5 km nö. der Station Stans der elektrischen Bahn Stans- 
sta^d-Engelberg und 2 km n. der Dampfschiffstation 
Buochs. Umfasst zahlreiche vereinzelte Höfe u. die Dörfer 
u.Weiier Bürglenberg, Buochli, Oberboden, Unterboden u. 
St. Antoni. Zusammen 151 Häuser, 923 kathol. Ew. Post- 
ablage und Telephon in Unterboden. Viehzucht u. Milch- 
wirtschaft, Gemüsebau. Seidenweberei und -zwimerei; 
mechanische Schreinerei, Mühle. Makkaronifabrik. Meh- 
rere Brüche auf Kalkstein, heute nur noch schwach aus- 
gebeutet. Erratische Blöcke. Gegend fruchtbar; Klima 
mit nahezu südlichem Charakter: Kastanien- und Feigen- 
bäume, sowie die Weinrebe gedeihen im Freien. In Bezug 
auf Armen- und Allmendwesen ist Ennetbürgen der Ge- 



Kirche von EnnetbOrgen mit St. Antoni, von Norden. 

meinde Buochs zugeteilt, während es in politischer Hin- 
sicht schon seit langer Zeit und in kirchlicher Hinsicht 
seitlSBl selbständig ist. Schöne Kirche, 1894 erbaut, Wall- 
fahrtsziel. Schulhaus 1854 erbaut. Am Bürgenstad wurden 
die nach der Schlacht am Morgarten und vor der Heim- 
kehr der dort fechtenden Männer Unterwaldens (1315) ins 
Land eindringenden Oesterreicher von den Frauen der 
Gegend verjagt. Alte Kapelle zu St. Jost, wo noch alljähr- 
lich zum Andenken an nie bei Sempach gefallenen Krie- 
Ser eine Seelenmesse gelesen wird. Hier eine Glocke mit 
er Jahreszahl 1385. 

ENNET DEM WA88ER (Kt. Nidwaiden). Land- 
strich. S. den Art. Wasser (Ennet dem). 

ENNET DER AA (Kt. u. Bez. Schwyz, Gem. Sattel). 
80(V^4O m. 16 zwischen Steineraa und Lauitobel zerstreut 
gelegenealHäuser, am N.-Fuss des Engelstocks und 1 km 
so. der Station Sattel der Südostbahn (Wädenswil-Arth 
Goldau). 112 kathol. Ew. 

ENNET DER BRÜCK (Kt. Schwyz, Bez. Höfe, 
Gem. Feusisberg). 713 m. Fünf s. der Strasse Schindel- 
legi-Feusisberg, zerstreut gelegene Häuser, 1 km sw. Feu- 
sisberg und 2 km nö. der Station Schindellegi der Linie 
Wädenswil-Einsiedeln. 67 kathol. Ew. Ackerbau u. Vieh- 
zucht. 

ENNET DER BRÜCKE [Kt. Wallis, Bez. u. Gem. 
Visp). 678 m. Gruppe von 8 Hausem, am Hang von Zen- 
eggen und über dem linken Ufer der Visp, 300 m w. der 
Station Visp der Siraplonbahn. Bildet eine Art Aussen- 
quartier von Visp, mit dem es durch eine Brücke ver- 
bunden- ist. 67 kathol. Ew. Auf der Siegfriedkarte unbe- 
nannt. 

ENNET DER PLATTE (Kt. Schwyz). Landschaft; 




umfasst die Gemeinden Steinen, Steinerberg, Sattel und 
Rotenturm. 1269 vom Grafen Eberhard von Habsburg an 
die Schwyzer verkauft. Platte heisst der zum Lowerzersee 
vorspringende Felssporn w. vom Hohstuckli und Engel- 
stock, auf dem die Burg der Herren von Engiberg stand. 
ENNETEGG (Kt. Luzern, Amt Entlebuch, Gem. 
Hasli). 824 m. Weiler, am rechten Ufer der Grossen Fon- 
tannen und 4,5 km sw. der Station Entlebuch der Linie 
Bern-Luzem. 11 Häuser, 70 kathol. Ew. Ackerbau. Kapeile. 
ENNETHORW (Kt. und Amt Luzern, Gem. Horw). 
439 m. Dorf, am W.-Üfer des Vierwaldstattersees, an der 
Strasse Luzern-Samen, 800 m s. der Station Horw der 
Brünigbahn. 22 Häuser, 142 kathol. Ew. Viehzucht. Hei- 
mat von Leonhard Haas, des jetzigen Bischofes von Basel. 
ENNETILFI8 (OBER und UNTER) (Kt. Luzern, 
Amt Entlebuch, Gem. Escholzmatt). 790 und 768 m. Zwei 
Gruppen von zusammen 5 Häusern, am rechten Ufer der 
Ufis, 5 km w. Escholzmatt und 1,8 km nw. der Station 
Wiggen der Linie Bern-Luzem. 37 reform, und kathol. 
Ew. Milchwirtschaft. 

ENNETKIREL (Kt. Bern, Amtobez. Nieder Simmen- 
thal, Gem. Diemtigen). 1040 m. Gruppe von 8 Häusern, 
im Diemtigenthal, am rechten Ufer des Filderichbaches, 
6 km sw. Diemtigen und ö. Oeien. 39 reform. Ew. Schöne 
Wälder und Quellen. Sommerfrische. 

ENNETLINTH (Kt. Glarus, Gem. Mitlödi). 500 m. 
Oestl. Abschnitt des Dorfes Mitlödi, am rechten Ufer der 
Linth und mit dem Dorf durch eine Brücke verbunden, 
an der Strasse Mitlödi-Sool und 4 km ssö. Glarus. 25 Häu- 
ser, 105 reform. Ew. Grosse Baumwollzeugdruckerei, 
Seidenfabrik, Schuhleistenfabrik. Ackerbau u. Vieh- 
zucht. 

ENNETLINTH (OBER und UNTER) (Kt 
Glarus, Gem. Linthal). 660 m. Kleines Dorf, Teil 
der Ortschaft Linthal, am linken Ufer der Linth. 58 
Häuser, 539 reform. Ew. Viehzucht. Baumwollwebe- 
rei. Hier die Station Linthal der Linie Zürich-Glarus- 
Linthal und das Bad Stachelberg. Ennetlinth bis 
1837 der Gemeinde Rüti zugeteilt, seither mit der 
Gemeinde Linthal vereinigt. Bildet noch eine eigene 
Bürgergemeinde, deren Güter sich im N. bis zum 
Brummbach, im S. bis zum Fätschbach und im W. 
bis zur Kantonsgrenze geffen Uri erstrecken. Zahl- 
reiche zerstreut gelegene Höfe und Hütten auf der 
Terrasse der Fruttberge ; Weiler Nussbühl, am Fuss 
einer Felswand gelegen. Im 18. Jahrhundert hat 
Ennetlinth viel unter den Ausbrüchen der Linth zu 
leiden gehabt, sodass man sich 1782 genötigt sah, 
die hier seit 1600 stehende reformierte Pfarrkircne auf 
das rechte Flussufer nach Linthal zu verlegen. 

ENNETMARCHT oder URNERBODEN (Kt. Uri, 
Gem. Spiringen). 1400-1300 m. Oberer Teil des sw. Lin- 
thal zur Klausenpasshöhe aufsteigenden Thaies, von den 
Urnern Ennetmärcht, von den Glamern Urnerboden ge- 
heissen. Von der Klausenstrasse durchzogen. 7,5 km lang, 
500-600 m breit, Steigung nur 2%, Richtung SW.NO. 
Wird begleitet: im N. vom Leckistock (2483 m), den Mä- 
renbergen, Jägernstöcken und dem Ortstock (2715 m) ; 
im S. vom Wangiswald, Claridenstock (3270 m), Gems- 
fayrenstock (2974 m) und Rotstock. Zwischen Urnerboden 
und der das Thal im N. abschliessenden Felsmauer zieht 
sich, ersteremparallel verlaufend, eine Bergstrasse (mitt- 
lere Höhe 1800 m) hinauf zum Ziegelgrat. Entwässert 
wird das Thal von dem von der Passhöhe und den Clariden 
herkommenden fischreichen Fätschbach, der bei Anlass 
des Baues der neuen Klausenstrasse korrigiert worden 
ist. Auch die umliegenden Sumpfwiesen hat man entwäs- 
sert. Die Ennetmärcht ist eine der schönsten Alpweiden 
(Allmenden) des Kantons Uri und zählt in 225 Hütten 
und Häusern zur Sommerszeit 360 und zur Winterszeit 70 
kathol. Ew. Kirchgemeinde Spiringen. Kapelle in 1389 m 
Höhe. Alpwirtschaft (Viehzucht, Butter und Käse). Post- 
bureau Urnerboden. Im Sommer Postwagen über den 
Klausen (Linthal-Altorf-Flüelen). Stark von Fremden be- 
sucht. Gasthof und Wirtshäuser. Obwohl topographisch 
zum Kanton Glarus gehörig, ist doch das Thal zum grös- 
sern Teil dem Kanton Uri zugeteilt. Lan^e Jahre hindurch 
bildete der Urnerboden einen Zankapfel zwischen beiden 
Kantonen, a Des vielen Streites müde, erzählt die Sage, 
kamen endlich Urner und Glamer überein, die Grenze 



ENN 



ENS 



31 



freundnachbailich festzusetzen. An einem bestimmten 
Tage sollte von Altorf und Glarus je ein Laufer aufbrechen 




Auf dem Urnerboden : Klausenstrasse u. Clariden. 

und dem Klausen zueilen; wo sie znsammentrefTen, solle 
die Grenze sein. Das Zeichen des Aufbruchs sollte der erste 
Hahnenschrei geben, und Urner wachten in Glarus und 
Glamer in Altorf, dass es recht dabei zuginge. Die Glar- 
ner futterten ihren Hahn reichlich, dass er am Morgen 
wacker krähe, die Urner aber Hessen den ihrigen fasten, 
damit ihn der Hunger früh wecke. Früh krähte er, als 
der Morgen kaum dämmerte; der in Glarus aber schlief 
fest in den Tag; bangend umstand ihn die Gemeinde, 
manch*Worl und Ratschlag hörte der wartende Läufer. 
Endlich ergeht so ein träger Ruf, und der Läufer spring 
auf, das drei Stunden lange Thal hinein und dann die 
stotzige Halde hinan — er läuft sich das Herz aus dem 
Leibe. Aber o weh; kaum ist er ein Stück weit gestiegen, 
80 kommt ihm mit Jauchzen der Umer Läufer entgegen, 
so weit herunter, wie kein Urner im Traum je gedacht 
hätte, dass man vom Glamerland bekomme. « Lass mir 
noch ein Stück», bat der Glarner j « keinen Zoll breit», 
erwiderte der ürner. « Nur soweit ich dich noch aufwärts 
zu tragen vermag ». «Gut« soviel sollst du noch haben. » 
Und der Glarner trug den Urner noch hinauf bis zu jenem 
Bächli [dem sog. Scneidbächli]; da sank er tot nieder, 
und hier wurde die Grenze. » (Becker, F. Ueber den 
Klausen. Glarus 1900. S. 89). Nach einer vom 30. August 
1196 datierten Urkunde soll diese Abgrenzung vom 
Pfalzgrafen Otto von Burgund verfugt worden sein, der 
damals kaiserlicher Schirmvogt der Abtei Säckingen und 
damit auch des Glarnerlandes war. Ennetmärcht oder 
Ennetmarch von ennet (jenseits) der March (Grenze). 

ENNETM008 (Kt. Bern, Amtsbez. Schwarzenburg, 
Gem. Albligen). Weiler. S. den Art. Enetmoos. 

ENNETMI008 (Kt. Nidwaiden). 555 m (Kapelle). 
Gemeinde, am NW.-Fuss des Stanserhorns ; umfasst den 
Muettersch wander berg und die bis zum Alpnachersee 
sich hinziehenden Sumpfgebiete des Drachenrieds und 
Ennetmoosrieds. 2 km w. Stans. In zwei Abteilungen 
getrennt: Ennetmoos nid dem Ried (mit Allweg, Rotz- 
berg, Rotzloch, St. Joseph) und Ennetmoos ob dem Ried 
(mit Muettersch wanderberg, Rohren, St. Jakob). Zu- 
sammen 103 Häuser, 669 kathol. Ew. Kirchgemeinde 
Stans. DampfschifTstalion Rotzloch. Postablage, Tele- 
phon in Allweg. Viehzucht und Milchwirtschaft, Kä- 
serei. Zwei Zementfabriken, eine Kalkbrennerei, zwei 
Gipsmühlen, eine Säge. In Rotzloch seit dem 17. Jahr- 
hundert eine heute eingegangene Papierfabrik. Seiden- 
weberei und Strohhutfabrikation als Hausindustrien. 
Schwefelquelle in Rotzloch. Grosse Kalkgruben. St. Jakob 
Kapelle ; Sankt Magnus oder Winkelried Kapelle am All- 
we^, dem Drachentöter und Helden von Sempach ge- 
weiht; Kapelle in Rohren. Am Rotzberg Ruine der 12i08 



zerstörten 
terschwam 



^en Burg. Drachenhöhle im Muet- 
erberff. Zwei schöne Schul häuser, je eines für 
jede Gemeindehälfte. Ennetmoos ist die 
Heimat des Geschlechtes Winkelried. Einer 
der hervorragendsten Gemeindebü^ger war 
der grosse Nid waldner Industrielle Caspar 
Blättler (1791-1872), der die Papierfrbrik den 
neuen Bedürfnissen entsprechend umge- 
staltete, den Weg auf den Pilatus erbauen 
und auf diesem Berg den ersten Gasthof 
errichten Hess (1858/59). Er Hess auch ein 
Dampfschiff, mehrere Eisenbrücken und 
Gasthöfe erbauen und schenkte dem Schul- 
wesen seiner Gemeinde grosse Aufmerk- 
samkeit. Die Kapelle zu St. Jakob soll 
die erste Kirche des Landes gewesen sein. 
In Ennetmoos Hauptkampf der Nidwaldner 

fegen die Franzosen (9. September 1798). 
m Allweg ein Obelisk zum Andenken an 
diesen heroischen Verteidigungskampf. Alle 
Häuser von Ennetmoos von den Franzosen 
in Asche ffelegt. 1834 am Stanserhorn gros- 
ser Waldbrand. 

ENNET8EEWEN (Kt. Glarus, Gem. 
Haslen). 1419-1929 m. Alpweide, am N.- 
Hang des Kärpfstocks, in einem zwischen 
Etzeistock u. Matzlenstock eingeschnittenen 
kleinen Seitenthälchen zum Niederenthai, 
3-4 Stunden über den Stationen Schwan- 
den und Nidfum- Haslen der Linie Zürich- 
Glarus-Linthal. Fläche 550 ha. 160 Stösse. Sechs Hütten, 
auf den Terrassen Auern, Riedmatt, Ratzmatt und Matzlen 
gelegen. 

ENNETTHUR (Kt. St. Gallen, Bez. Ober Toggen- 
burg, Gem. Alt St. Johann). 1045 m. Sieben am linken 
Ufer der Säntisthur zerstreut gelegene Häuser, 21 km so. 
der Station Ebnat der Toggenburgerbahn und 2,5 km nö. 
Alt St. Johann. 27 kathol. und reform. Ew. Viehzucht. 
Weberei als Hausindustrie. 

ENNETTURGI (Kt. Aargau, Bez. Baden, Gem. Unter 
Siggenthal). 338 m. Gruppe von 9 Häusern, am rechten 
Ufer der Limmat, 500 m s. Unter Sigffenthal und 500 m 
n. der Station Turffi der Linie Züricn-Baden-Brugg. 90 
reform, und kathol. Ew. 

ENNEY (Kt. Freiburg, Bez. Greierz). 722 m. Gem. u. 
schönes Dorf, am S.-Fuss des Hügels von Greierz, am 
linken Ufer der Saane, an der Strasse Bulle-Chäteau 
d'CEx und 7 km s. Bulle in geschützter Lage. Station der 
elektrischen Bahn Chätel St. Denis- Bulle -Montbovon. 
Postablage, Telephon; Postwagen Bulle -Saanen. Ge- 
meinde : 49 Häuser, 414 kathol. Ew. ; Dorf: 32 Häuser, 
244 Ew. Kirchgemeinde Greierz. Viehzucht und Milch- 
wirtschaft. Münle, Sägen, Strohtlechterei. Holzhandel, 
Steinbrüche. Kapelle zu St. Anna. Eindeicnungsarbeiten 
längs der Saane haben einen bedeutenden Strich Landes 
dem Anbau zurückerobert. 1254: Heyz; 1395: Eiz; 1548: 
Heyz ; 1555 : Heney. 

ENNIGEN (Kt. u. Amt Luzern, Gem. Malters). 515 m. 
Dorf, am rechten Ufer der Kleinen Emme, nahe der Ein- 
mündung des Rümligbaches in diese, an der Strasse Lu- 
zern- Wolhusen und 2,3 km w. der Station Malters der 
Linie Bern-Luzern. 36 Häuser, 342 kathol. Ew. Wäsche- 
klammernfabrikation. Landwirtschaft. 

EN8EX (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. OUon). Sprich : 
Ins6. Alpweiden, mit zwei Gruppen von Hütten in 1785 
und 1819 m : an den Hängen rechts über der Gryonne und 
nahe unter dem Col de la Croix; V/t Stunden über Che- 
si^res. Grösstenteils sumpOg , vom Weg zum Col de la 
Croix und Col de Bretaye durchzogen. Unmittelbar nö. 
der Hütten öffnet sich der kleine Col d'Encrenaz, der einen 
leichten Uebergang vom Thal der Gryonne über die Alp- 
weiden von Ensex und Perche nach Vers TEglise gestattet. 
Es ist dies zugleich der kürzeste und angenehmste Weg 
zwischen dem Zentrum der Gemeinde Ormont Dessus und 
Villars oder Chesieres. Ausgezeichnet frische Quellen. 
Prachtvolle Aussicht auf den Mont Blanc. In geologischer 
Hinsicht bemerkenswert: Flvschbreccie mit Gerollen von 
krystallinen Gesteinen und Nummulitenkalk; Ueber- 
schiebungsbruch zwischen Lias und Flysch. 1291 : Escez. 
ENSEX (CR^TE u. SIGNAL D') (Kt. Waadt, Bez. 



32 



ENS 



ENT 



Aigle). Lan^^er begraster Kamm, zwischen dem Meilleret 
und aer Pointe des V^lards (1994 m) und Chaux Ronde 
(2032 m), Grenze zwischen den beiden Gemeinden Or- 
mont Dessus und Oilon. Auf dem Kamm eine von weit 
her sichtbare kleine Scheune. Das Signal d'Ensex (1950 
m) auf der Siegfriedkarte <c Sur Brezon » genannt. 

EN8IER oder VERS EN8IER (Kt. Wallis, Bez. 
Monthey, (^em. Troistorrents). 595 m. Gruppe von 10 zer- 
stl*eut gelegenen Häusern, im untern Abschnitt der Ge- 
meinde Troistorrents, am linken Ufer der Vi^ze und am 
Grunde des bewaldeten Tobeis des Nant de Chemex, über 
dem die Kapelle Les Chemex steht. 1 km sw. Monthey. 
29 kathol. Ew. 

ENTDECKUNGS- 
FELS» französisch Ro- 
cher DE LA DICOUVERTE 

(Kl. Wallis, Bez. Visp). 
4366 m. Kleiner Fels- 
zahn, hebt sich w. des 
Lysioches aus dem Firn, 
an der tiefsten Stelle des 
vom Lyskamm und der 
Ludwigshöhe ( Monte 
Rosa) zur italienischen 
Grenze ziehenden Kam- 
mes. Prachtvoller Aus- 
sichtspunkt, von den 
ersten ( italienischen ) 
Erforschem des Mas- 
sives des Monte Rosa 
1778, 1779 und 1780 
bestiegen. Vergl. den 
Art. Lysjoch. 

ENTENMOOS (Kt. 
Freiburg, Bez. Sense, 
Gem. Rechthalten). 885 
m. Gruppe von 6 Häu- 
sern, am Galternbach, 
an der Strasse Recht- 
hal ten-Plaffeien, 11 km 
so. vom Bahnhof Frei- 
burg und 1,3 km so. 
Rechthalten. 36 kathol. 
Ew. deutscher Zunge. 
Viehzucht und Milch- 
wirtschaft. Holzhandel. 

ENTETSWIL 
Thurgau , Bez . 
schofszell, Gem. Neu- 
kirch). 594 m. Weiler. 
2 km s. Neukirch una 
4,5 km s. der Station 
Kradolf der Linie Gos- 
sau-Sulgen. 12 Häuser, 
60 kathol. und reform. 
Ew . Kirchgemeinden 
Heiligkreuz und Neu- 
kirch. Landwirtschaft. 

ENTFELDEN 
(OBER) (Kt. Aargau, 
Bez. Aarau). 419 m. 
Gem. und Pfarrdorf, zu 
beiden Seiten der Suhr, 
an der Kreuzung der 
Strassen KöIIiken-Suhr 
und Aarau-Schöftland, 
4 km s. Aarau. Station 
der Linie Aarau-Suhr- 
Zofingen. Postbureau, 
Telegraph, Telephon. 
Strassenbahn Aarau - 
Schöflland. Gemeinde, 
mit Am Berg, Am Holz, 
Engthal und Wallen- 
land : 246 Häuser, 1523 
reform. Ew.; Dorf: 185 
Häuser, 981 Ew. Acker- 
bau, Viehzucht und Milchwirtschaft. Gips- und Kalkbren- 
nereien, Korkzapfen-, Zigarren-, Bürsten- und Besenfab- 
riken. Seidenzwirnerei. Sägen. Römische Münzen. 



ENTFELDEN (UNTER) (Kt. Aargau, Bez. Aarau). 
418 m. Gem. und Dorf, am linken Ufer der Suhr, an 
der Strasse Aarau-Schöftland und 1 km nw. der Station 
Ober Entfelden der Linie Aarau-Suhr-Zofinj^en. Post- 
bureau, Telephon. Strassenbahn Aarau-Schöftland. 99 
Häuser, 726 reform. Ew. Kirchgemeinde Suhr. Ackerbau, 
Viehzucht und Milchwirtschaft. Auf den Maueräckern bei 
Engsthal oder Engstel Ueberreste eines römischen Bau- 
werkes. 

ENTIGEN (Kt. St. Gallen, Bez. See, Gem. Emetswil). 
663 m. 5 zerstreut gelegene Häuser, 4 km nö. der Station 
ilznach der Linie Rapperswil- Wesen und 1,2 km nö. Er- 
netswil. 39 kathol. Ew. Viehzucht. 



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Amt Entlebuch. 



ENTLEBUCH. Amt des Kantons Luzem. Fläche ca. 
40060 ha. Hauptort Schüpfheim. Im s. Teil des Kantons 
gelegen, grenzt das Entlebuch im N. an das Amt Sursee, 



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33 



im 0. an das Amt Luzem und den Kanton Obwalden, im 
S. an den Kanton Bern, im W. ebenfalls an Bern und an 
das Amt Willisau. Entlebuch liegt ganz im 
Gebiete der Voralpen. Es ist eine eiffenar- 
tige Landschaft, sowohl in Bezug auf seine 
Geschichte als auf seine geographische 
Lage. Das Amt Entlebuch wird seiner gan- 
zen Lange nach von der Kleinen Emme 
durchflössen. Die Emme (Waldemme) entr 
springt am Rothom (Emmensprung), 
durchfliessfc das Marienthal, nimmt dann 
einen direkt n. Lauf, fliesst bei Flähli vor- 
bei nach Schüpfheim und vereinigt sich 
s. davon mit der Weissemme, welche von 
Escholzmatt herkommt. Als weitere Zu- 
flüsse erhält sie noch von rechts die Entlen 
und von links die Fontannen. Sw. Escholz- 
matt sammelt die Ilfis ihre Wasser, den 
Steiglenbach, die Hilfern und Jen Eschli- 
bach. und führt sie der Grossen Emme zu. 
Die bekanntesten Bei^e sind : der Schim- 
berg, Feuerstein (2043 m), die Schafmatt, 
Uaglern, Schrattenfluh mit dem Hengst 
(2093 m) und dem Schibengütsch (2040 m) 
und die Beichlen (1773 m). Der Ämsthauplort Scliöpf- 
heim, ist ein schmuckes Dorf am rechten Emmeufer. Das 
Amt umfasst drei Gerichtsbezirke, nämlich Schüpfheim 
mit den Gemeinden Schüpfheim und Flähli, Entlebuch 
mit den Gemeinden Entlebuch, Doppleschwand, Hnsle, 
Romoos und Wertlienstein und Escholzmatt mit den 
Gemeinden Escholzmatt und Marbach. Das Amt zählt in 
2588 Häusern 3215 Haushaltungen und 16227 Ew., wo- 
von 15255 Katholiken und 972 Reformierte. Auf den km* 
kommen 40 Ew. 

Die Bewohner beschäftigen sich hauptsächlich mit Vieh- 
zucht und Milchwirtschaft. Im Thaie sind fruchtbare 
Wiesen und an den Bei^hängen schöne Alpweiden. Käse- 
und Butterfabrikation liefern gute Einnahmen, ebenso die 
Nachzucht von Jungvieh. Auch die Pferdezucht gewinnt 
an Bedeutunff. Die grossen Waldungen repräsentieren ein 
bedeutendes Kapitalund liefern nicht geringe Einnahmen. 
Mit allen diesen Landesprodukten wird Handel getrieben, 
und der daherige Verkehr beschäfligt viele Leute. In 
neuerer Zeit hat man auch angefangen, die Wasserkräfte 
nutzbar zu machen. Die Mineralquellen und die gesunde 
Luft werden von Kurbedürftigen aufgesucht. Die Frem- 
denindustrie und Kurwirtschaft im Lande ist nicht unbe- 
,deutend. Als Kurorte sind zu nennen : Heiligkreuz (1126 
m, Luftkurort), Schimberg Bad (1425 m, Schwefelquelle), 
Flähli (893 m, Luftkurort und Schwefelquelle), Sören- 
berg (1165 m, Luftkurort und Schwefelquelle) u. Escholz- 
matt (858 m, Luftkurort). 
Die Viehstatistik ergibt folgende Zahlen : 

1886 1896 1901 
Hornvieh 12912 14445 15554 

Pferde 1061 1157 1326 

Schweine 6663 8080 

Schafe 4853 3267 

Ziegen 8860 8639 7348 

Bienenstöcke 1252 2571 2365 

Das Amt wird von der Strasse und Eisenbahnlinie Bern- 
Luzem durc^zo^en. Eine von Schüpfheim ausgehende 
Strasse geht nach Flähli und in das Marienthal aufwärts. 
Die Bevölkerung des Entlebuch unterscheidet sich in 
Sprache, Sitten, Gebräuchen und Charakter ganz merk- 
lich von derjenigen des übrigen Kantonsteiles. Pfarrer 
Stalder sagt In seinen Fragmenten von 1797: «Wie im 
Physischen Stärke des Körpers von zwar mittelmässigem, 
aber gedrungenem, nervichtem Wüchse, Behendigkeit der 
Glieder, Geschicklichkeit im Schwingen und Mannheit 
im Handgemenge den Entlebucher von allen luzernischen 
Einwohnern upterscheiden, so im Moralischen Ehrstolz 
in hohem Grade, Freibeitssinn fast bis zur Ausschweifung, 
Anhänglichkeit an ihr Land und ihresgleichen, Frohmut 
und lachende Munterkeit oft bis zum Leichtsinn gepaart, 
trauliche Geselligkeit im Umgang mit Fremden, Witz, 
Empfänglichkeit für viel Schönes und Gutes — Eigen- 
schaften, die von einem freien Berg- und Alpenbewohner 
fast unzertrennlich sind und die sich eher verstärken 
müssen, je mehr äusserlicher Wohlstand unter ihnen 



blüht und je weniger der Staat ihre Freiheit beeinträch- 
tigt, als insoweit es seine eigene mit dem W^ohle des gan- 




Entlebuch, von Westen. 

zen Körpers zusammenhängende Wohlfahrt erheischt. » 
Konfessionell sind die Entlebucher katholisch. Wie jedes 
Bergvolk, so hängen auch sie zäh am Alten. Von Natur 
aus sind sie gut veranlagt, anstellig, im Handel und Ver- 
kehr klug ihren Vorteil wahrend. Viele Entlebucher müs- 
sen auswandern, da infolge ihrer starken Vermehrung 
das Land nicht alle zu ernähren vermag. Vergl. auch den 
Art. Emme (Kleine). 

<K Von den Gebirgen an, welche die Quellen der Emmen 
und Ilfis umgeben, zieht sich zusammenhängend die alte 
Herrschaft der Freien von Wolhusen heraus durch das 
Thal der Waldemme bis zu dem Pass, wo in schmalem, 
vdn steilem Fels umgrenzten Thalgrund der Markt Wol- 
husen liegt, von dem und seinen beiden Vesten das Land 
innerhalb und ausserhalb im 14. Jahrhundert seinen Na- 
men trug. Das innere Land hiess nachmals Entlebuch. 
Nach der Vermutung neuerer Geschichtsforscher waren 
Rotenburg und Wolhusen ursprünglich dasselbe Haue. 
Schon vor der Mitte des 13. Jahrhunderts war die Scheid- 
ung von Rotenburg und Wolhusen vollendet. » (Dr. Se- 
ftBser.) Ende des 13. Jahrhunderts (nach Dr. Gas. Pfyffer 
299) kam Entlebuch in den Besitz des Hauses Oesterreich, 
dessen Herzog Rudolf es an Peter von Thorberg verpfän- 
dete. 1358 wurde die Pfandschafl wieder aufgehoben und 
vom Herzoge versprochen, das Entlebuch nie mehr zu 
verpfänden ; aber 1363 kam es schon wieder an einen 
neuen Pfandherrn, nämlich an Peter von Grünenberg und 
1373 nochmals an Peter von Thorberg. 1375 zogen die 
Entlebucher mit den Luzernern und Unterwaldnern in 
den Guglerkrieg (Buttisholz) und 13H36 in die Schlacht bei 
Sempach. 1395 schloss Entlebuch mit Luzem ein Burg- 
recht. Es nahm auch hervorragenden Anteil am Bauern- 
kriege (1653), dessen Führer Emmenegger und Schibi ihm 
entstammten. 

ENTLEBUCH (Kt. Luzern, Amt Entlebuch). 772 m. 
Gem. u. Pfarrdorf, am rechten Ufer der Entlen 
u. an deren Mündung in die Kleine Emme, 
an der Strasse Langnau-Wolhusen. Station 
der Linie Bern-Luzern. Postbureau, Tele- 
graj^h, Telephon; im Sommer Postwagen nach 
Schimberg Bad. Gemeinde, mit Ebnet, Blei- 
che, Unterzeug, Bachwil, Eimatt, Erlengraben, 
Färb, Feld, Gerbe, Lustenberg, Rüeben, Wilzi- 
gen, Finsterwald, Schwenden, Rengg und Rotmoos : 407 
Häuser, 2677 kathol. Ew. ; Dorf: 36 Häuser, 345 Ew. 
Landwirtschaft. Holz- und Käsehandel. Entlebuch von 
Entilinbuoch = am Buchwald des Entil (Personenname). 
ENTLEN (Kt. Luzern, Amt Entlebuch). Bach, rechtssei- 
tiger Zufluss zur Kleinen Emme, in die er beim Dorf Entle- 
buch mündet. Entsteht aus drei Quellläufen : dem vom 
Schimberg, Schlieren u. Weisshügel herkommenden Roti- 
bach, dem am Feuerstein u. an der Schaf matt entspringen- 
den Wasserfallenbach und der von der Schafmatt und Far- 
nern herkommenden Kleinen Entlen. Rotibach und Was- 
serfallenbach bilden zusammen die Grosse Entlen, die 
sich nach NO. wendet, von rechts den Haschelgraben und 

GEOGR. LEX. 47 — II — 3 




34 



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ENT 



Inbach aufnimmt, worauf von links die Kleine Entlen 
einmündet, die ihrerseits bereits den vom Schimberg 
kommenden Müllifraben aufgenommen hat. Vor der Ver- 
einigung mit der Kleinen Enuen bildet die Grosse Entlen 
einen kleinen aber malerischen Fall, der sich einen wei- 
ten Kessel ausgewaschen hat. Der Bach fliesst dann zwi- 
schen bewaldeten Ufern hin, wendet sich in schwachem 
Bogen nach NW. und nimmt den von Heiligkreuz kom- 
menden Kienisbach auf. Mündet nach 16 km langem Lauf 
w. Entlebuch in 667 m in die Emme. Beinahe der ganze 
Bachlauf in ein tiefes Tobel eingebettet ; tritt an flachern 
Stellen bei Hochwasser gerne aus und richtet dann zu- 
weilen beträchtliche Verheerungen an. Entlen = Entil- 
aha = am Bache des Entil (Personenname). 



reform. Ew. Gemischte Quartierschule. Viehzucht. Fossi- 
lien im Eisenoolith des Oxford und den Spongitenkalken 
des Argovien (von August Jaccard erwähnt). 

ENTRE LA REILLE (Kt. Waadt, Bez. Aigle). Thäl- 
chen. S. den Art. Reille (Entre la). 

ENTREMONT. BEZIRK des Kantons Wallis. Fläche 
63360 ha, nach Visp der grösste Bezirk des 
Kantons. Entremont und Herens sind die ein- 
zigen Bezirke des Wallis, die nicht an die 
Rhone stossen. Er umfasst das ganze Ge- 
birgsland der Walliser Dransethäler oberhalb 
Bovemier und war lan(|[e Zeit hindurch der 
volksreichste der 13 Bezirke des Wallis. Seit 
dem Bau der Eisenbahnlinie, die haupt- 





Besirk Entremont. 



ENTRE DEUX EAUX (Kt. Waadt, Bez. Pays d'En- 
haut). Eine der sieben Unterabteilungen (^tablees) der 
Gemeinde Chäteau d'CEx; umfasst ungefähr das Gebiet 
zwischen den Flussläufen (entre les eaux) der Toumeresse, 
Saane und G^rine. Besteht aus den Weilern Les Moulins, 
Les Chabloz, Les Cröts, Les Granges d'CEx und G^rignoz 
(am linken Ufer der Saane) und zählt in 110 Häusern 609 
reform. Ew. Hauptsächlich Wiesenbau u. Alpwirtschaft ; 
Wiesen zwischen cSO und 1000 m, höher oben Alpweiden. 

ENTRE DEUX MONT8 (Kt. Neuenburg, Bez. La 
Chaux de Fonds). 1100 m. Schöne kleine Combe, 3 km 
lang; in den NO.-Hang des Sommartel eingeschnitten, 
3 km so. Le Locle und 2 km w. La Sagne. Steht über die 
Combe Girard mit dem Einzugsgebiet des Bied du Locle 
in Zusammenhang. Postbureau, Telephon. 13 Häuser, 71 



sächlich dem Rhonethal und ihren grossem Ortschaf- 
ten zu Gute gekommen ist, ist aber dieser ehemals «le 
grand district» geheissene Bezirk in Bezug auf Be- 
völkerungszahl rasch in den sechsten Rang zurückgesun- 
ken. Bezirkshauptort ist Sembrancher. Besteht aus den 
sechs Gemeinden Sembrancher, Bagnes, Bourg St. Pierre, 
Liddes, Orsi^res und Voll^e. Grenzen : im N. die Be- 
zirke Martinach und Conthey, im 0. der Bezirk Harens, 
im S. Italien und im W. Frankreich (Departement de la 
Haute Savoie) und der Bezirk Martinach. Obwohl ganz 
im Herzen des Gebirgslandes gelegen und zum grössten 
Teil von Firnfeldern umschlossen, gestatten die Thäler 
des Bezirkes Entremont doch noch den Anbau der meisten 
im Kanton Wallis überhaupt gepflanzten Bodenprodukte. 
Der der Hauptsache nach mit Roggen, Weizen und Kar- 



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35 



tofTeln bestandene anbaufähige Boden reicht im Thal von 
Bagnes bis Zangremont (1434 m) und im Entremontsthal 
bis Champdonne und Commeire (1450 m) hinauf. Der 
Nussbaum gedeiht bis Orsi^res und jenseits Le Fregnolay 
und der» jenseits Bovernier seltene, Kastanienbaum bis 
Montagnier (im Bagnesthal). Ueber Sembrancher steigt 
ein Weinberg noch bis 800 m und höher an ; sein Ertrag 
braucht den Vergleich mit einigen Weinen zweiten Ran- 
ges aus dem Rhonethal nicht zu scheuen. Der Weinberg 
von La Forclaz, über Le Chäble, geht bis 1100 m Höhe. 
Weniger bedeutend, aber immerhin noch nennenswert 
ist in einigen Gemeinden der Obstbau. Obwohl die ein- 
heimische Kartoffel den Grundstock der Nahrung der Be- 
wohner bildet, wird sie doch noch ins Unter Wallis aus- 
geführt, wo sie guten Absatz findet. In den Umgebungen 
von Liddes und Vollege baut man mehr Getreide, als für 
den eigenen Bedarf verwendet wird. Grösserer Entwick- 
lung fähig wäre der Gemüsebau. Hauptbeschäftigung der 
Bewohner sind Viehzucht und Milchwirtschaft. Das in 
eine Menge von kleinen Parzellen eingeteilte Privateigen- 
tum (excl. W'ald) reicht bis in eine mittlere Höhe von 
1700 m und steigt an einzelnen Stellen bis 1900 m an. 
Darüber folgen weite Alp weiden, gemeinsames Eigentum 
der Bürgergemeinden, das da und dort (besonaers in 
Bourg St. Pierre) nach und nach an Private verkauft 
wird. Die meisten Bewohner besitzen an den Hängen zu 
beiden Seiten des Rhonelaufes noch kleine Weinberge 
mit Rebhäuschen (mazots), die sie zur Zeit der dortigen 
Arbeiten beziehen. 
Die Viehstatistik ergibt folgende Zahlen : 

1886 1896 1901 
Hornvieh 7230 6997 7764 

Pferde 120 60 126 

Schweine 1587 2751 1683 

Schafe 6835 6293 5800 

Ziegen 2970 3635 2988 

Bienenstöcke 611 777 711 

Wichtigste Einnahmequelle für die Bewohner ist nach 
Viehzucht und Milchwirtschaft die Fremdenindustrie, die 
sich der Hauptsache nach in den alpinen Kurorten Cham- 
pex, Praz de Fort, Le Lens, Villette, Le Chäble, Fionnay 
und Mauvoisin konzentriert. Steinplatten und Schiefer 
werden am Mont Catogne, Ofensleme bei Bagnes gebro- 
chen. Im 16. Jahrhundert.stand die Silbermine Peiloz, bei 
Bruson, in Betrieb. 1885 'hat man bei Verseg^re Talkbrü- 
che geöffnet. Kupfer an der Pierrayre, Eisen am Mont Che- 
min, Pvrit am Amöne, silberschüssiges Blei am Vacheret, 
Kobalt bei Sarrayer, Asbest am Gi^troz und an der Liaz, 
Anthrazit bei Les Vema^rs und in der Combe des Planards. 
Einstige Silberwäschereien bei Les Trappistes. Schwefel- 
Quellen am Chätelard bei Montagnier und kohlensaure 
Quellen im Val Ferret. Zweimal (1870 und 1898) hat man 
am Saleinazgletscher Eis gebrochen, ist aber bald wieder 
davon abgestanden. Versuche zur Einführung von Seiden- 
weberei und Stickerei. In Bagnes bestehen seit mehr als 
50 Jahren je eine Tuch- und Kuhglockenfabrik. Rubinen- 
schneiderei. 

Trotz aller Versuche, die industrielle Thätigkeit zu he- 
ben, nimmt doch im Bezirk Entremont die Bevölkerung 
an Zahl ständig ab ; sie ist z. B. von 9760 Seelen im Jahr 
1888 auf 9899 Seelen im Jahr 1900 gesunken. Der Grund 
dieser Erscheinung liegt in der — meist allerdings nur 
zeitweiligen — Auswanderung einer grossen Anzahl von 
Bewohnern, die im Ackerbau nicht mehr die Befriedigung 
ihrer Bedürfnisse finden. 

Bezirksfi'ericht in Sembrancher, Steueramt in Bagnes 
und Bezirksamtmann in Orsieres. Der Sitz der zwei letzt- 
genannten Behörden, wechselt. Hauptverkehrsweg des Be- 
zirks ist die 1892 im Bau vollendete Strasse von Martinach 
zum Grossen St. Bernhard, die auf italienischer Seite sich 
nach Aosta fortsetzt. In Sembrancher zweigt eine schöne 
Fahrstrasse ins Bagnesthal bis Lourtier ab, die bis Fion- 
nay fortgesetzt werden soll. Heute geht von Lourtier ein 
guter Maultierweg bis Mauvoisin. Das beim Flecken Or- 
sieres ins Entremontsthal ausmündende Val Ferret hat 
eine Fahrstrasse bis zum Weiler Ferret und steht über 
ilen Col de Ferret mit Gourmayeur in Verbindung. Vom 
Bagnesthal führen der Col de Fen^re und Col de Cröte 
Seche ins italienische Valpelline, die Croix du Coeur und 
der Pas du Lens ins Rhonethal. Daneben noch eine grosse 



Anzahl von nur von Alpinisten und Schmugglern began- 
genen Pässen. 

Der Bezirk Entremont, dessen Name früher nur eine 
physische, nicht aber eine politische Einheit bezeichnete, 
hat keine eigene Geschichte. Die Gemeinden Bagnes und 
Völlige waren bis zum Sturz des alten Regiments (1799) 
der Abtei St. Maurice Untertan, während über die andern 
Ortschaften je besondere Adelsgeschlechter herrschten, 
die immer mehr oder weniger vom Kloster auf dem Gros- 
sen St. Bernhard abhängig gewesen sind. 

ENTREMONT (VALLEE D') (Kt. Wallis, Bez. En- 
tremont). Thal ; bedeutendes Glied des grössten Querthal- 
systems des Kanton Wallis, dem ausser ihm noch das 
Val Ferret und das Val de Bagnes angehören ; reicht von 
.der Passhöhe des Grossen St. Bernhard bis Sembrancher. 
Oft rechnet man ihm auch noch das Stück Sembrancher- 
Martinach des vereinigten Dranselaufes zu. 

Die Vallöe d'Entremont (im engern Sinn) beginnt am 
Col de Barasson (2649 m), der durch den Mont Mort vom 
Pass des Grossen St. Bernhard getrennt ist. Von hier bis 
zu seiner Ausmündung (720 m), zwischen Mont Catogne 
und dem Rücken des Larsey, ist das Thal 25 km lang und, 
von Kamm zu Kamm seiner Thal wände gemessen, im 
Mittel 9-11 km breit. Die mittlere Höhe der Thalsohle 
(Wiesen von Orsieres) beträgt 900 m. Nachdem das Thal 
sich nach NW. gewandt, vereinigt sich mit ihm bei Or- 










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Vall^e d'Entremont. 



sieres das Val Ferret, worauf es in streng n. Richtung 
weiter zieht und zugleich seinen landschaftlichen Charak- 
ter ändert : der von der Terrassenfiäche von Proz an bis 



36 



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zum Pubs des bewaldeten Hanges von Montatuay in tiefe 
Schluchten eingeschnittene Thalgrund erweitert sich und 




Bourg St. Pierre in der Vallee d*Eutremont. 

gibt neben dem FIuss auch der Strasse reichlich Raum 
zur Entwicklung. Hier erheben sich über den baumbe- 
standenen Wiesen der Thalsohle mit Tannen, Buchen und 
Erlen bekleidete Steilhänge, über welchen auf Gehänge- 
terrassen die Weiler und Felder — von zahlreichen klei- 
nen Wildbächen durchschnitten ~ folgen. Iwan v. Tschudi 
nennt in seinem Führer das Thal von Entremont das- 
jenige Thal des Kantons Wallis, das am einförmigsten und 
am ärmsten an grossartigen landschaftlichen Reizen sei. 
Dafür beherbergt es in seinen Bewohnern eine zähe Rasse 
und die ausdauerndsten Arbeiter des ranzen Kantons, die 
ihren vom Klima begünstigten heimatlichen Boden bis zu 
einer ausnahmsweise grossen Höhe über Meer hinauf er- 
folgreich mit Getreide angepflanzt haben. Reich an Arten 
und interessant ist auch die Flora des Thalschlusses. 
(Vergl. den Art. Grosser St. Bernhard). 

Im mittlem Thalabschnitt trifft man die im Kanton 
Wallis nur hier vorkommende seltene frühblühende Win- 
terkresse (Barharea intermedia) ; die Umgebungen von 
Sembrancher sind reich an wilden Rosen Und Habichts- 
kräutern. Von Orsieres bis Martinach trägt das Thal den 
für das ganze zentrale Wallis so typischen Charakter des 
Trockenen und Sonnverbrannten. Die Ufer^ der IDranse 
säumen Sanddom (Hippophaea rham- 
noidesSy wilde Rosen, Berberitze und 
deutsche Tamariske {Myricaria germa- 
nica), sowie Gruppen von Färber- Waid 
{hatis tinctoria) und Beifuss (Artemi- 
sia); an den steilen Felshängen pflückt 
man Ononis natrix, Astragalus ono- 
brychisy Hyssopus officinalis, neben 
deren dichten Büscheln die biegsamen 
Stengel des Pfriemgrases {Stupa capil- 
lata) und des Bartgrases (Andropogon 
iscfiaemum) sich im Winde schaukeln. 
Andere interessante Arten steigen bis 
zur Strasse herab, so u. a. Euphorbia 
Gerardiana, Vesicaria utriculata^ Echi- 
nopus sphaerocephalus, Camelina mi- 
crocarpa, Scorzonera tadniata, Aspa- 
ragus ofäcinaliSy Achillea nobilis, Arte- 
misia absinthium und A . vulgaris, Pas- 
tinaca opaca. Die Kastanie reicht bis 
Bovernier (621 m) hinauf. In den Wäl- 
dern bemerkt man stellenweise die den 
höhern Teilen des Wallis sonst fehlende 
Buche. Im tiefern Thalabschnitt herrscht 
die Waldföhre, während an beidseitigen 
Gehängen Fichte, Bergfohre und Lärche 
bis hoch hinauf stocken. Dort auch einige wenige Exem- 
plare der Steineiche [Quercus sessiUflora) und aes italie- 
nischen Ahorns (Acer italum). Hier und da (Bourg St. 



Pierre, Qombe de La, Catogne) schöne Arven, Wachholder 
{Juniperus nana und /. sabina) zwischen Orsier^ und 
Martinach. Im Thalhintergrund, bei 
Bourg St. Pierre, der reiche alpine Ver- 
suchsgarten der Linnaea. 

Der unterste Thalabschnitt (Sembran- 
cher - Martinach), der meist nach sei- 
nem Fluss kurz aas Dransethal geheis- 
sen wird, bietet dem Auge des W^an- 
derers nur Szenen der Verwüstung und 
ungebändigten Natur^altens. Die von 
W.-O. ziehende lange und enge Thal- 
schlucht ist voller Felstrümmer, die von 
den zerrissenen Gehängen des Mont Ca- 
togne oder des Mont Chemin hemnter- 
festürzt sind. Von der Brücke von Les 
Vappistes bis zu derjenigen von Bo- 
vernier nehmen Fluss und Strasse ihren 
Lauf ganz zwischen diesen mächtigen 
Trümmerfeldern durch, zwischen deren 
Felsblöcken verkrüppelte und knorrige 
Föhren ein kümmerliches Dasein fris- 
ten. An den seltenen trümmerfreien 
Stellen, wo sich der Bodenbau etwas 
zu lohnen schien, hat sich in den be- 
scheidenen Dörfchen Bovernier, Les 
Valettes und Borgeaud der Mensch an- 
gesiedelt. Unterhalb Bovernier, wo die 
berühmten Schluchten des Durnand in das Dransethal 
ausmünden, setzt sich dessen trostloser Charakter fort 
bis zur Vereinigung mit der Combe von Martinach, 
worauf das ganze Thalsystem in 460 m Seehöhe in die 
Rhoneebene austritt. Von der Vereinigung mit dem Dur- 
nand an ist das Thal aus seiner WSW.-Richtung allmäh- 
lig abgewichen, um den Vorsprung des Mont Chemin zu 
umgehen und plötzlich nach NO. abzubiegen. 

Die Vallee d'Entremont sieht über eine ganze Reihe von 
Hochgebirgspässen mit den benachbarten Thalsyslemen 
in Verbindung. Am bekanntesten, niedrigsten und auch 
am leichtesten zu begehen ist der Grosse St. Bernhard 
(2427 m), von dem aus man durch den Valion de Fon- 
tainte über den ausserordentlich lohnenden Col de Fe- 
nötre (2699 m ; zwischen S.-Ende des kleinen Sees und 
der Passhöhe auf italienisches Gebiet übergreifend) ins 
Val Ferret hinübergelangt. Nach Aosta führen ausser dem 
Grossen St. Bernhard noch der Col de Barasson (2649 m). 
Col de Menouve (2753 m); Col de Mouleina (2880 m) und 
Col d'Ännibal (3000 m); ins Val Ferret gelangt man über 
den Col des Planards (2803 m) und über die Scharten 
hinter der Combe de La. Nach rechts steht die Vallee 
d'Entremont mit dem Val de Bagnes über eine ganze 




Liddes in der Vallee d^Entremoiit. 

Reihe von Pässen in Verbindung, deren Mehrzahl aber 
meist nur von Alpinisten begangen wird ; am bekanntes- 
ten sind der Col du Sonadon (3489 m ; über den Mont Du- 



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ENT 



87 



rand Gletscher nach ChaDrion), Col des Maisons Blanches 
(3426 m), Col de Boveyre (3487 m), Col de Panosseyre 
(3600 m) und Col de TAne (3037 m), die 
alle nach Mauvoisin oder Fionnay leiten. 
Der Col de Mille (2476 m) und Col du Siz 
Blanc (2337 m) münden auf Le Chäble aus 
u. werden auch von den Landesbewohnern 
hier und da benutzt. 

Begrenzt wird die Vall^e d*Entremont : 
links vom Pic de Dröuaz (2953 m), den 
Monis Telliers (2954 m), von der Becca Co- 
tinta (2819 m) und dem Mont Mourin (2769 
m), welch' beide letztem es von der Combe 
de La scheiden, dann vom stolzen Berg- 
stock des Mont Catogne, der auf eine 
Strecke von iS km Länge der Reihe nach 
die Vereinigung des Val Ferret, Val de Ba- 
nnes und Val du Durnand mit der Vallöe 
d'Entreroont beherrscht, und endlich von 
der Pointe Ronde, die dem Thal seinen 
nach N. gerichteten Schlussweg weist; 
rechts vom Mont V61an (3765 m), der 
Gruppe des Grand Combin (4317 m), dem 
Grand Laffet (3134 m), Mont Rogneux (3087 
m) und Six Blanc (2411 m), von denen der 
eratgenannte das Thal vom italienischen 
Val d'Ollomont, die übrigen vom Val de 
Bagnes scheiden. Vom Rhonethal end- 
lich trennt die Vall^ d'Entremont rechts 
die gut angebaute Hochfläche von Che- 
min. 

In der Vall^ d'Entremont liegen die Ge- 
meinden Martinach Combe, Bovernier^ Völlige, Sembran- 
cher, Orsieres, Liddes und Bourg St. Pierre. Das Thal wird 
seiner ganzen Länge nach von einer Posistrasse durchzo- 
gen. Das eanze Jahr hindurch zweimal täglich Fahrpost 
zwischen Martinach u. Orsieres u. während des Sommers 
einmal täglich zwischen Orsieres u. dem Hospiz auf dem 
Grossen St. Bernhard. Schon seit undenklichen Zeiten 
zog eine sog. fahrbare Strasse thalaufwärts ; sie war aber 
bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts schmal und 
steinig, ging planlos bergauf und bergab, wurde oft durch 
Bergsturz- und Lawinenschutt gesperrt und stieg stellen- 
weise derart steil an, dass man sie für Fuhrwerke von 
heutzutage als unpassierbar erklären würde. Einige be- 
sonders beschwerliche Stellen pflegte man von i^it zu 
Zeit zu verbessern ; 1820 führte man sie durch die sog. 
Galerie de la Monnaie, um die Stelle zu umgehen, wo 17^ 
die Kutsche des Abtes Cocatrix, Obern des Klosters Saint 
Maurice, mit allen Insassen in die Dranse hinunterstürzte. 
Um 1850 fond eine durchgreifende Korrektion der ganzen 
Strasse statt, doch wurde das Teilstück Bourg St. Pierre- 
Grosser St. Bernhard erst 1892 fertiggestellt. Beim Durch- 
bmch der 1901 erweiterten Galerie de la Monnaie fand 
man eine von Rost halb zerfressene alte Kanone, von der 
man annimmt, dass sie hier von den 2000 Italienern zurück- 
gelassen worden sei, die 1476 über den Grossen St. Bern- 
hard Karl dem Kühnen zu Hilfe eilen wollten, von den 
Wallisem aber völlig aufgerieben wurden. 

Das Thal von Entremont bildet in seinem obersten Ab- 
schnitt die Grenze zwischen den beiden orographischen 
Einheiten des Matterhoms und Mont Blanc und greift in 
der Police bald da, bald dort in das eine oder andere die- 
ser Gebirgsmassive über. Der Oberlauf empfangt durch 
die mit ihm parallel ziehende Combe de LA und das Val 
Ferret seine Wasser einerseits aus dem Massiv des Mont 
Blanc und durch eine Reihe von rechtsseitigen Neben- 
thälchen aus der dem Matterhommassiv zugehörigen 
Gruppe des Grand Combin andererseits. Mit der Einmün- 
dung des Val Ferret bei Orsidres tritt das Thal ganz auf 
das Gebiet des Mont Blanc über, durchschneidet bei Sem- 
brancher — die Richtung des Val de Ba^es fortsetzend 
- die untern Stufen des äussersten Auslaufers des Mont 
Blanc Massives in engem Durchbruch und wird nach der 
Aufnahme des Wildbaches Durnand neuerdings abgelenkt, 
am nun nach N. gegen Martinach zu sich zu wenden. Der 
Thalkessel, in dem die Wiesen und Felder von Vollege 
liegen, lässt heute noch die Spuren dieses einstiffen Kam- 

Sfes um die Vorherrschaft zwischen dem Walliser und 
em Savoyer Bergriesen erkennen. Unterhalb Sembran- 



cher, sagt Viollet-Le Duc, hatte sich das Flussgeschiebe, 
dessen Ueberreste heute noch als Terrassen an den Thal- 




Orsiöres in der Vallee d'Entremoat. 

hängen kleben, zu einer nicht weniger als 480 m mächti- 

fen Schicht angehäuft ; dann durchbrach der Fluss den 
elsdamm, der die prachtvolle Pyramide des Mont Ca- 
tagne mit der Monta^ne de Vence verband, riss die ange- 
häuften Geschiebe mit und verfrachtete sie weithin thal- 
auswärts. 

Das Thal von Entremont ist eines der bekanntesten und 
sicher auch berühmtesten Durchgangsthäler der Alpen. 
Früher ist sogar die heute wohl allgemein aufgegebene 
Ansicht verfochten worden, dass es von Hannibal und 
seinen Truppen durchzogen worden sei. Wohl aber hat 
es andere Eroberer gesehen, so Karl den Grossen, der 773 
mit einem von seinem Oheim befehligten Heer über den 
Grossen St. Bernhard nach Italien zog, so 1160 eine von 
Berchtold IV. von Zähringen geführte Armee Friedrich 
Barbarossa*s und endlich 1800 die Reservetruppen des 
damaligen ersten Konsuls Bonaparte, die sich zur Po- 
ebene begaben, um dort mit dem Sieg von Marengo ihre 
Lorbeeren zuj>flücken. (Vergl. auch die Art. Dranse und 
Grosser St. Bernhard.) 

ENTREMOUY8 (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. Bei 
und Gryon). 1000 m. Zwei Häuser, in der ersten Schlinge 
des Strasse Les Posses - Gryon, 800 m sw. Gryon. Hier 
steht die Haltestelle Les Posses der elektrischen Bahn 
Bex-Gryon-Villars. 5 reform. Ew. Kirchgemeinde Gryon. 
ENTREROCHE (Kt. Waadt, Bez. Cossonay, Cfem. 
Omy). 450 m. Zwei Häuser, am n. Ausgang einer den 
Morraont durchschneidenden kleinen Schlucht, nahe der 
Strasse La Sarraz - Yverdon und 1,5 km ö. Omy. Nach 
dieser Lokalität hat ein ehemals ziemlich wichtiger Kanal 
seinen Namen erhalten, der das genannte Tobel durch- 
zog und die Wasser der Orbe mit denen der Venoge, d. h. 
den Genfer- mit dem Neuenburgersee verband. Er zweigte 
bei Le Chauchy du Bouquet, zwischen Villars-Lussery u. 
Daillens, von der Venöse ab und mündete bei £pendes 
ins alte Bett der Orbe em. Es hat aber blos sein n. Lauf- 
stück, von Entreroche an, regelmässig der Schiffahrt ge- 
dient. Einer andern Quelle zufolge soll er sogar bis un- 
terhalb Cossonay gereicht haben und befahren worden 
sein. Der Bau des Kanals 1640 begonnen. Mit der Ver- 
besserung und Ausdehnung des Strassennetzes und der 
dadurch bedingten Verminderung der Transportkosten 
über Land ging der Betrieb des Kanals 1829 ein. Die Gorge 
d'Entreroche durchschneidet in schiefer Richtung das Ge- 
wölbe des Mormont. 

ENTREVOIE8 (Kt. Wallis, Bez. Monthey, Gem. 
Champ^rv). 1070 m. Gruppe von drei Gebäuden, s. vor 
dem Dorf Champery gelegen. 14 kathol. Ew. Sogenannt 



38 



ENT 



ßPA 



wegen ihrer Lage jenseits der Gabelung der Wese über 
den Col de Coux und durch den Yallon de Susanfe. 

ENT8CHWIL (Kt. Bern, Amtobez. Nieder Simmen- 
thal, Gem. Diemtigen). 1093 m. 24 zwischen Kirel- und 
Filderichbach zerstreut gelegene Häuser, 8 km s. der Sta- 
tion Erlenbach der Simmenthalbahn und 3,5 km s. Diem- 
tigen. 105 reform. Ew. Der hier anstehende Marmor wird 
nicht gebrochen. 

ENT8WIL (Kt. St. Gallen, Bez. AU Toggenburff, Gem. 
Mosnang). 750 m. Gruppe von 7 Häusern, im Libinger- 
thal, 4 km sw. der Station Dietfurt der Toggenburgerbahn 
und 2,5 km s. Mosnang. 48 kathol. Ew. Kirchgemeinde 
Li hingen. Viehzucht. 

ENT8WIL (GROBEN und LANGEN) (Kt. St. 
Gallen, Bez. Unter Toggenburg, Gem. Flawil). 2 Weiler. 
S. die Art. Grobenentswil und Langenentswil. 

ENVELIER (Kt. Bern, AmUbez. Delsberg, Gem. 
Vermes). 635 m. Weiler, aus zerstreut gelegenen Meier- 
höfen bestehend, in einer die Kette des Raimeux durch- 
brechenden und bis zum Lias und Keuper ffeöffneten Klus, 
an der Strasse £lay- Vermes -Delsberg una 14 km so. der 
Station Delsberg der Linie Basel-Delsberff-Biel. Der hier 
Gabiare geheissene Bach von £lay treibt in Envelier eine 
Mühle. 24 Häuser, 131 kathol. Ew. französischer Zunge. 
Ackerbau und Viehzucht. 

ENVER8 (L'). Ortsname der welschen Schweiz, den 
in» Berg^chatten liegenden N.-Hängen der Jurakämme bei- 
gelegt ; im Gegensatz zu L'Endroit, L'Adroit oder Le Droit, 
den zur Sonne exponierten S. -Hängen der Ketten. 

ENVER8 DE8 CONVER8 iL,') (Kt. Bern, Amts- 
bez. Courtelary, Gem. Renan). 900-800 m. Zerstreut gele- 
gene Bauernhöfe, an dem das Thal von St. Immer im 
NNW. von Convers bis Renan begleitenden Berghang und 
zwischen der Quelle der Schüss (Suze) im N. u. der For^t 
de TEnvers im S. Mit Renan durch zwei Feldwege ver- 
bunden, deren einer direkt ansteigt, während der andere 
etwas weiter w. von der Strasse Les Convers - Renan ab- 
zweigt. 16 Häuser, 108 reform. Ew. 

ENVER8 (FOR^T DE L') (Kt. Bern, Amtsbez. Müns- 
ter, Gem. Sorvilier, B4vilard und Malleray). 1300-^00 m. 
Weitausgedehnter Wald und Bergweiden, am N.-Hang 
der Kette des Monto, s. über der Birs ; wird von mehre- 
ren Fusswegen durchschnitten, die vom Ufer der Birs 
(Thal von Tavannes) zu den Bauernhöfen auf dem Rücken 
des Monto und nach La Reuchenette ins Thal der Schüss 
(Suze) führen. 

ENVER8 (LE8) (Kt. Bern, Amtobez. Freibergen, 
Gem. Les Breuleux). 1106 m. Gruppe von 6 Meierhöfen, 
auf einer mit lichtem Tannengehölz bestandenen Ben^- 
weide; 2,2 km ssö. Les Breuleux. Rauhes Klima u. wenig 
ergibiger Boden. 43 kathol. Ew. 

ENVER8 (LE8) (Kt. Waadt, Bez. Grandson, Gem. 
Sainte Croix). 1110 m. Neun am W.-Fuss des Mont des 
Cerfs zerstreut gelegene Häuser, 700 m ö. L'Auberson u. 
3 km w. der Station Sainte Croix der Linie Yverdon- 
Sainte Croix. 60 reform. Ew. Kirchgemeinde Les Granges 
de Sainte Croix. Viehzucht. Uhrenmacherei. Musikdosen. 

ENVER8(8UARDDE8)(Kt.Waadt, Bez. Grandson). 
1273-1120 m. Waldung, am W.-Hang des Mont des Cerfs, 
w. Sainte Croix. Zieht auf eine Länge von 4 km von SW.- 
NO. 

ENVY (Kt. Waadt, Bez. Orbe). 695 m. Gem. u. Weiler, 
über dem rechten Ufer des Nozon, im Thal von Romain- 
mötier, an der Strasse Romainmötier - Apples, 500 m s. 
Romainmötier, 2 km w. der Station Crov der Linie Lau- 
sanne-Pontarlier und 6,7 km sw. Orbe. 14 Häuser, 88 re- 
form. Ew. Kirchgemeinde Romainmötier. Landwirtschaft. 
Aus den hier geraachten Funden von druidischen Kultus- 
objekten schliesst man auf eine sehr weit zurückreichende 
Besiedelung der Gegend. 

ENZENALP (Kt. Bern, Amtobez. Ober Hasle, Gem. 
innertkirchen). 1400-2000 m. Grosse Alpweide, im obern 
Abschnitt des Ürbachthales, am O.-Hang des Renfenhorns, 
Dossenhoms und Gstellihorns und am r>^.-Hang des Han- 
gendgletocherhoms, am Fuss des Renfengletochers ; 7 km 
SSW. über Innertkirchen. 6 Gruppen von zusammen 16 
Hütten. 

ENZENAU (Kt. Schwyz, Bez. Höfe). 972 m. Bergüber- 
gang, fuhrt von der über die Sihl geschlagenen Teufels- 
hrucke einerseito nach Schindellegi u. andererseito nach 



Feusisberg, w. vom Hohen Etzel. Prachtvolle Aussicht. 
Von den Schwyzern 1796 und 1847 militärisch besetzt. 

ENZENBERG (OBER u. UNTER) (Kt. St. Gallen, 
Bez. Unter Toggenburg, Gem. Mogelsberff). 836 u. 810 m. 
Zwei Häusergruppen, am S W.-Hang der Wilkethöhe,8 km 
ö. der Stotion Lichtensteifi^ der Toggenburgerbahn und 
4,2 km so. Mogeisberg. 74 reform. Ew. Kirchgemeinde 
Brunnadern. Viehzucht und Milchwirtschaft. Stickerei u. 
Weberei. 

ENZENBOHL (Kt. Bern, Amtobez. Thun, Gem. Hom- 
berg). 1005 m. Gruppe von 4 Häusern, am linksseitigen 
Hang des Zulgthales und 4,5 km so. der Stotion Steins- 
burg der elektrischen Bahn Burgdorf -Thun. 34 reform. 
Ew. Schulhaus. 

ENZI. So heissen einige auf der Grenze zwischen den 
Kantonen Bern und Luzem stehende N.- u. O.-Ausläufer 
des Napf; unterschieden als Romooserenzi, Hergiswiler- 
enzi, Luthemenzi und Hochenzi (1357 m). 

ENZI (Kt. Luzem, Amt Entlebuch, Gem. Romoos und 
Amt Willisau, Gem. Luthern). Im Mittel 1100 m. Zerstreut 
gelegene Bauernhöfe, an den Hängen des Romooser- und 
Luthemenzi, 5 km s. Luthern und 4,5 km sw. Romoos. 

ENZILOCH (Kt. Luzem. Amt Entlebuch). 963 m. 
Tiefe und gefährliche Schlucht, von der Kleinen Fon- 
tannen durchflössen, 2 km nö. unter dem Gipfel des Napf. 
In der Gegend sehr bekannt und Gegenstond zahlreicher 
Volkssagen ; hier hausen die verdammten Seelen der hart- 



herzigen und^izigen^ Reichen, 
den Art. Jänzimatt. 



ENZIMATT {KU Obwalden, Gem. Giswil). Hätten. S. 



ENZI8BERG (Kt.Bern, Amtsbez. Trachselwald, Gem. 
Rüegsau). 700 m. Zwei Häuser, über dem rechten Ufer 
des Küe^baches ; 1,2 km nö. Rüegsau und 3.5 km nö. 
der Stotion Hasli-Rüegsau der Linien Burgdorf-Langnau 
und Burgdorf-Thun. 17 reform. Ew. Landwirtochaft. 

ENZIWIGGER (Kt. Luzem, Amt Willisau). Quelllauf 
der Wigger ; entspringt am N.-Hang des Napf in 1300 m, 
entwässert das Enziwiggerthal und nimmt von beiden 
Seiten zahlreiche Nebenbäche auf, deren grösster der Nol- 
lenthalerbach ist, durchfliesst Hergiswil und geht nach 
17 km langem Lauf von S.-N. nördlich an Willisau (560 
m) vorbei, von wo an er den Namen Wigger erhält. 

ENZIWIGGERTHAL (Kt. Luzem, Amt Willisau, 
Gem. Hergiswil). 1350-560 m. Thal, von der Enziwigger 
entwässert, mit zahlreichen zu beiden Seiten des Baches 
zerstreut gelegenen Bauernhöfen. Steigt auf eine Länge 
von 17 km seinen Nachbarn, den Thälern der Luthern 
und Buch wigger, parallel von S.-N. ab und zieht sich vom 
Napf bis Willisau. Im obern Abschnitt schöne Waldungen, 
in der Mitte das Dorf Hergiswil und zahlreiche Bauern- 
höfe, an der Ausmündung Willisau. 

£PAGNIER, deutech SpXniz (Kt. u. Bez. Neuenburg, 
Gem. Marin-tpagnier). 450 m. Malerischer Weiler, nahe 
dem Austritt aer Zihl aus dem Neuenburgersee, 7 km nö. 
Neuenburg und 600 m von der Stotion Marin - fipagnier 
der direkten Linie Bern - Neuenburg. Postbureau, Tele- 

ßhon. 8 Häuser, 56 reform. Ew. Acker- und W^einbau. 
urgherren von £pagnier treten urkundlich schon im 13. 
Jahrnundert auf. Auf df^r Grenze der einstigen getrennten 
Gemeinden Marin und £pagnier liegt die berühmte Pfahl- 
baustotion La T^ne, nach der eine der Perioden der Ei- 
senzeit benannt worden ist. Vergl. den Art. La. T£:ne. 

6PAGNY (Kt. Freiburg, Bez. u. Gem. Greierz). 715 m. 
Dorf, am N.-Fuss des Hügels von Greierz, an der Strasse 
BuUe-Saanen und 4 km so. der Stotion Bulle der Linie 
Romont-Bulle. Postoblage, Telegraph, Telephon. Elektri- 
sche Bahn Chätel Saint Denis-bulle-Montbovon. 37 Häu- 
ser, 252 kathol. Ew. Viehzucht u. Milchwirtechaft, Stroh- 
flechterei. Sägen, Gerbereien. Fabrik von kondensierter 
Milch. Der vom Molton herabkommende Wildbach Erbi- 
vue verursacht hier oft grosse Schädigungen. Beim Gra- 
ben des Kellers eines im Bau begriflenen Gebäudes deckte 
man 1824 acht Skelete auf, deren Kopfenden nach O. ge- 
richtet waren. Reste von Panzern, die zwischen den Ge- 
beinen lagen, zerfielen an der Luft zu Stoub, während 
ein Schwert und eine Hellebarde erhalten werden konn- 
ten. 

6PALINGE8 (Kt. Waadt, Bez. Lausanne). 804 m. 
Gem. und Dorf, auf einem Plateau des Molasseberglandes 
des Jorat und über den Tobein im Oberlauf des Flon, 1 



ßPA 



t?l 



39 



km nw. der zum Teil von der Schmalspurbahn Lausanne- 
Moudon begleiteten Strasse Lausanne - Freibui^ - Bern, 5 
km nö. des Bahnhofes und 4,3 km nö. der »tadt Lau- 
sanne. Zahlreiche Einzelsiedelungen und Weiler, wie Les 
Planches, Les Croisettes und La G^rarde. Zusammen 132 
Häuser, 717 reform. Ew. ; Dorf: 49 Häuser, 201 Ew. Bildet 
mit verschiedenen zur Gemeinde Lausanne gehörigen 
Weilern und Häusergruppen zusammen die Kirchge- 
meinde Les Croisettes. Landwirtschaft. Ziegelei, Säge, 
Mühlen. Vor der Reformation Eigentum des Stiftes Lau- 
sanne. 

6PAR8E (L*) (Kt. Waadt, Bez. Payerne). 470440 m. 
Kleiner Bach, rechtsseitiger Zuiluss zur Broye ; entspringt 
1,5 km nö. Payerne nahe der Bro^eebene, teilt sich w. 
Dompierre in zwei Arme, deren einer in die Arbogne 
mündet, wahrend der andere nw. Dompierre sich mit 
der Broye vereinigt. Nimmt mehrere Nebenbäche und 
Kanäle auf und fliesst von S.-N. 5,5 km lang. 

tPAUTHEYRES oder 6PAUTAIRE (Kt. Waadt, 
Bez. ^challens, Gem. Essertines). 520 m. Weiler, im Thäl- 
cben des Buron (n. Jorat), ö. der Strasse Lausanne-Yver^ 
don, 5 km s. der Station Yverdon der Linie Lausanne- 
Neuen bürg und 2,5 km n. Essertines. 22 Häuser, 98 
reform. Ew. Kirchgemeinde Gressy. Landwirtschaft. War 
vor der Umwälzung von 1796 eine unabhängige Gemeinde 
mit eigenem Bürgermeister. In der Nachbarschaft Ueber- 
reste ehemaliger Bauwerke und römische Münzen. 

6PAUVI1.LER8 (Kt. Bern, Amtsbez. Freibergen). 697 
m. Gem. und Pfarrdorf, im Glos du Doubs, 8 km nö. Sou- 
bey und 6 km sw. der Station Saint CJrsanne der Linie 
Delsberg - Delle. Postablage, Telegraph ; Postwagen Saint 
Ursanne-^pau villers- Soubey. Gemeinde, mit Fin du Teck, 
Le P^ca und Bauernhöfen am Doubs : 56 Häuser, 251 ka- 
thol. Ew.; Dorf: 43 Häuser, 179 Ew. Ausgedehnte Wald- 
ungen und fruchtbarer Boden. Ackerbau und Viehzucht. 
Uhrenmacherei. Das Dorf als Eigentum des Kapitels Saint 
Ursanne schon 1139 genannt; Sitz eines Edelgeschlechtes, 
das im 16. Jahrhundert ausgestorben ist. Das Dorf im SO- 
iährigen Krieg von einer unter dem Befehl des grausamen 
Forbes stehenden Bande von Schotten zur Hälfte zerstört 
und die Kirche in Asche gelegt. Letztere 16% wieder auf- 
gebaut und 1860 durch ein neues Gotteshaus ersetzt, das 
1864 dem h. Arnold (Saint Arnoux) geweiht vnirde. Die 
Kirchgemeinde £pauvil1ers umfasst die zwei politischen 
Gemeinden £pauvil1ers und ^piquerez. 

£PEI88E8 (Kt. Genf, Linkes Ufer, Gem. Avully). 403 
tn. Weiler, auf einer in einer Schlinge der Rhone gele- 
genen Halbinsel, 14 km w. Crenf, 1 km w. Avully u. 2 km 
nw.der Station Athenaz der Schmalspurbahn Genf-Chancy. 
16 Häuser, 73 reform. Ew. Weinbau. Nahe dem Weiler 
n. über der Rhon6 ein Hügel (405 m), der heute noch 
den Namen Chäteau de Saint Victor trägt und auf dem 
die völlig verschwundene feste Burg stand, die das Priorat 
Saint Victor mit Erlaubnis der Grafen von Genf 1220 hier 
errichtet hatte. Im 13. Jahrhundert fährte gegenüber 
^peisses eine Brücke über die Rhone. 

tPEHAZ oder £PENEY (Kt. Waadt, Bez. Yverdon). 
570433 m. Bach, rechtsseitiger Zufluss zum Neuenburger- 
see ; entspringt s. Villars-fipeney, geht ö. an diesem Wei- 
ler vorbei, kreuzt die Strasse und Bahnlinie Yverdon- 
Estavayer und mündet nach 4,5 km langem Lauf in der 
Richtung N.-O. 2 km wnw. Yvonand in den See. 

6PENDB8, deutsch Spinz (Kt. Freibur^, Bez. Saane). 
755 m. Gem. und Dorf, auf einem mit felsigen Steilwän- 
den zum rechten Ufer der Saane abbrechenden Hügelzug, 
an der Strasse Marly-Ergenzach (Arconciel) und 9 km s. 
vom Bahnhof Freiburg. Telephon. Gemeinde, den Weiler 
Le Petit ^pendes inbegriffen : 61 Häuser, 404 kathol. Ew. ; 
Dorf: 22 Häuser, 148 Ew. Bildet zusammen mit Ch^sal- 
les, Ferpicloz, Sales und Senedes eine gemeinsame Kirch- 
gemeinde. Viehzucht und Milchwirtschaft, Getreidebau. 
Pfarrkirche zu St. Etienne. Sehr alte Herrschaft ; in der 
Reihe der Stifter und Gönner des Klosters Hauterive ste- 
hen die Ritter und Burgherren von £pendes zuvorderst. 
Beider Lokalität Mala Mulier stand 1278 ein Siechen- 
haus. 

6PENDE8 (Kt. Waadt, Bez. Yverdon). 448 m. Gem. 
und Dorf, am O.-Rand der Sumpfebenen der Orbe und 
am Fuss eines das Bergland des Jorat im NW. begren- 
enden Hanges, an der Strasse Chivornay - Yverdon und 



4,5 km sw. Yverdon. Station der Linie Lausanne-Neuen- 
burg. Postablage, Telephon. 59 Häuser, 249 reform. Ew. 
Zusammen mit Essert - Pittet eine gemeinsame Kirchge- 
meinde. Landwirtschaft. Säffe und Mühlen. 300 m n. vom 
Dorf ein Schloss. Die Kirche von £pendes mit ihren er^ 
tragreichen Ländereien seit dem 13. Jahrhundert Eigen- 
tum der Abtei am Lac de Joux. 1474 wird eine in £pendes 
bestehende Bruderschaft vom Heiligen Geist genannt. 
Nach der Reformation ging das Eigentum der Abtei zu- 
nächst in den Besitz der Familie Treytorrens in Yverdon 
und dann, im 17. Jahrhundert, an das Geschlecht Du 
Plessis-Gouret über. 1663 erhielt Andr^ Du Plessis von 
der Bemer Regierung das Recht zur Ausübung der nie- 
dem Gerichtsbarkeit in dem C^biete des mittlerweile zur 
eigenen Herrschaft erhobenen £pendes. Bis 1798 im Be- 
sitz der nunmehrigen Edeln von ^pendes, denen das 
Schloss mit seinen Ländereien auch nachher noch ver- 
blieb. Am Hügel La Po^, so. vom Dorf, hat man sieben 
Burgundergraber mit Tuffsärgen und verschiedenen Ge- 
genständen ausgegraben. 

6PENDE8 (PETIT) (Kt. Freiburc, Bez. Saane, Gem. 
£pendes). 683 m. Weiler, an einem kleinen linksseitigen 
Zufluss zur G^rine (Aergerenbach), 1 km nw. Ependes u. 
8 km s. vom Bahnhof Freiburg. 11 Häuser, 78 kathol. Ew. 
Viehzucht und Milchwirtschaft, Getreidebau. 

6PENDE8 (GRAND8 MARAI8 D') (Kt. Waadt, 
Bez. Yverdon, Gem. £pendes). 439 m. Teil der Sumpfebene 
der Orbe, zwischen altem und neuem Orbelauf gelegen ; 
1,5 km n. £pendes. S. den Art. Orbe. 

£PENEY (Kt. Waadt, Bez. Yverdon). Bach. S. den Art. 

£PENAZ. 

£PENI8 (LE8) (Kt. Wallis, Bez. und Gem. Monthey). 
Zwei Gruppen von Häusern, als Les Hauts £penis (765 m) 
und Les Bas £penis (615 m) unterschieden, in einer der 
Schlingen der Strasse Monthey -Le Pas, über dem Ufer 
des Wfldbaches Nant de ChoSx und 2 km so. der Station 
Monthey der Linie Saint Maurice - Saint Gingolph. Les 
Hauts ßpenis besteht aus blos im Sommer bezogenen Hüt- 
ten ; Les Bas £penis : 9 Häuser, 43 kathol. Ew. Landwirt- 
schaft. 

6PEROLLAZ (Kt. Wallis, Bez. Harens). 2469 m. Fels- 
zahn im Kamm zwischen CrSte de Thyon und Greppon 
Blanc, '4 km sw. über dem Weiler Hör^mence im gleich- 
namigen Thal und über der Vall^e de Nendaz. 

6PE88E8 (Kt. Waadt, Bez. Lavaux). 438 m. Gem. u. 
Dorf, am Hanff n. über dem Genfersee und mitten im 
Weinbaubezirk von Lavaux gelegen, an der Strasse Cully- 
Chexbres, über der Strasse Lausanne- Saint Maurice und 
der Linie der Simplonbahn, unterhalb der Linie Lau- 
sanne - Bern (Station Grandvaux) und 1,5 km ö. Gully. 
Haltestelle der Simplonbahn. Postbureau, Telephon. 76 
Häuser, 419 reform. Ew. Kirchgemeinde Gully. Weinbau 
(geschätzter Weisswein); die obern Abschnitte der Ge- 
meinde mit Aeckem und Wald bestanden. Früher zur 
ehemaligen Gemeinde Villette gehörig, die 1824 geteilt 
worden ist. Boden leicht Rutschungen unterworfen, die 
nach Aussage der Bewohner früher einmal das ganze 
Dorf ohne Schaden für dessen Gebäulichkeiten mittrans- 
portiert haben sollen. Lange Zeit hindurch (bis 1635) 
wurde die Erinnerung an dieses Ereignis durch einen 
jährlichen Dankgottesdienst aufrecht erhalten. In den 
letztverj|;angenen Jahren hat man am Hang mit Erfolg 
Verfestigungsarbeiten ausgeführt. 

6PE880N8 D'AMONT (LE8) (Kt. Freiburg, Bez. 
Greierz, Gem. ficharlensj. 731 m. Gruppe von 4 Häusern, 
an der Strasse Riaz-Coroi^res, 500 m sw. ^harlens und 
3,8 km n. der Station Bulle der Linie Romont-BuUe. 24 
kathol. Ew. Viehzucht. Strohflechterei. Mühle, Säge. 

£PICOUN (BEC D') (Kt. Wallis, Bez. Entremont). 
Gipfel. S. den Art. Bec d'Epicoun. 

EPINA88EY (Kt. Wallis, Bez. und Gem. Saint Mau- 
rice). 487 m. Dorf, einsam und firiedlich am Rand des 
vom gefahrlichen Wildbach von Saint Barth^lemy ange- 
schwemmten Schuttkegels und am Fuss der hohen Fels- 
wände von Mex gelegen, 3 km s. der Station Saint Mau- 
rice der Simplonbahn. 35 Häuser, 241 kathol. Ew. Wiesen- 
und Weinbau, Viehzucht. Nöraliches Ausstreichen der 
metamorph ischen Gesteine am linken C^hänge des Rhone- 
thales. 1263: Espinassez. Einige Geschichtschreiber wol- 
len im Namen des Dorfes denjenigen der alten Stadt 



40 



fiPI 



EPP 



Epaunum sehen, die im 6. Jahrhundert durch einen Aus- 
bruch des Wildbaches von Saint Barth^Iemy oder durch 
einen von derDentdu Midi herabgekommenen Bergsturz 
zerstört worden ist. Die Realprobe lässt aber eher der An- 
sicht Raum, dass der Name sich von dem hier in Masse 
stehenden Dorn^ebüsch (äpines] herleiten werde, gleich- 
wie die der Weiler L*£pignat (Gem. £vionnaz) und Les 
£penis (Gem. Choex). 

fePIQUEREZ (Kt. Bern. Amtsbez. Freibergen). 873 m. 
Gem. und Weiler, im Glos du Doubs ; auf einer gesunden, 
dem Ackerbau günstigen und zur Errichtung einer klima- 
tischen Kuranstalt sehr geeigneten Hochfläche, 5 km n. 
Soubey und 9,7 km sw. der Station Saint Ursanne der 
Linie Delsberg- Delle. Postablage. Die Gemeinde grenzt 
im W. an Frankreich und zählt, die Weiler Essert-Fallon, 
Chervillers und La Gharmillotte inbegriffen in 28 HäMsern 
186 kathol. Ew. ; Weiler fipiquerez : 13 Häuser, 77 Ew. 
Kirchgemeinde £.pauvillers. Ackerbau , Viehzucht und 
Holzhandel. Obstbäume und schöne Wälder. Zollamt und 
Grenz Wachtposten. Wird urkundlich bei Anlass einer Ei- 
gentumsstreitigkeit zum erstenmal 1446 erwähnt. Der 
Name auch wohl Les Piquerez geschrieben. 

£PLATURE8 (LES) (Kt. Neuenburg, Bez. u. Gem. 
La Chaux de Fonds). 1005 m. Ortschaft, mit zerstreut ge- 
legenen Häusern, im Hochthal von La Chaux de Fonds, 




Les äplatures im Winter, von SQden. 

längs der Strasse La Chaux de Fonds - Le Locle. Bei La 
Bonne Fontaine, Le Temple und Le Cr§t Haltestellen 
der Linie La Chaux de Fonds - Le Locle. Zusammen 155 
Häuser, 1086 Ew., wovon 36 Katholiken. Les l^platures 
einst der Gemeinde Le Locle zugeteilt, seit 1851 Bürgerge- 
meinde, 1888-1900 selbständige politische Gemeine]^ und 
seit Januar 1900 durch Volksoeschluss mit La Chaux de 
Fonds vereinigt. Kirche 1852 ceweiht. Seit 1862 befindet 
sich hier der israelitische Friednof von La Chaux de Fonds. 
Gemischte Schulen in La Bonne Fontaine und Le Crdt. 
Rege Uhrenindustrie. Viehzucht, Torfpxuben. S.der Strasse 
La Chaux de Fonds-Le Locle und zwischen Les £platures 
und Le Cröt der soeen. «gros plane», wo eine bei Anlass 
des roya listischen Gegenputsches sich nach Le Locle zu- 
rückziehende Truppe von Königstreuen eine harmlose 
Frau tötete, ^platures = flaches uelände. 

6POAI8AT8 (LES) (Kt. Waadt, Bez. La Vall^e und 
Orbe). Thal im zentralen Jura, zwischen Mont d'Orzeires 
und Dent de Vaulion, von der Strasse Le Pont - Yallorbe 
durchzogen. Zerfallt in Les £poaisats Dessus fl087 m ; 
700 m nw. Le Pont) und Les £poaisats Dessous (1022 m ; 
1 km von ersterm, am O.-Eingang des Tunnels der Linie 
Le Brassus- Yallorbe). In ausgelaugten Hohlräumen der 
Bathonienschichten Asphaltlager ; Jurafossilien. 

6POAI8AT8 (RUI88EAU DES) (Kt. Waadt, Bez. 
La Vallee u. Orbe). 1100-886 m. Kleiner Bach ; entspringt 
sw. der Dent de Vaulion und 1 km ö. Le Pont, fliesst nacn 
N. längs der Strasse u. Bahnlinie Le Pont-Vallorbe durch 
das Thälchen von Les £poaisats und verschwindet nach 



3 km langem Lauf in den unterirdischen Trichtern ö. der 
Orbequelle. 

EPPENBERG (Kt. St. Gallen, Bez. Unter Toggen- 
burg, Gem. Oberuzwil). 785 m. Gruppe von 5 Häusern, 
auf oewaldetem Höhenzug. 4 km s. der Station Uzwil der 
Linie Winterthur - St. Gallen und 2,5 km ö. Oberuzwil. 
32 katbol. und reform. Ew. Kirchgemeinden Bichwil und 
Oberuzwil. Viehzucht. Stickerei und Weberei als Haus- 
industrien. Burgruine der Edeln von Eppenberg (früher 
von Bichwil), Dienstleuten des Klosters St. Gallen, die in 
Bichwil und Oberuzwil die Gerichtshoheit innehatten. Die 
Burg in den Appenzellerkriegen zerstört, dann wieder 
aufgebaut und 1521 vom Blitz getroffen und eingeäschert. 
Die Ländereien im 16. Jahrhundert von dem üeschlecht 
Giele von Gielsberg, im 17. Jahrhundert von den Frei- 
herren von Thurn und Valsassina angekauft. 

EPPENBERG (Kt. Solothurn, Amtei Olten-Gösgen, 
Gem. Eppenberg-Wöschnau). 461 m. Dorf, an der Strasse 
Aarau-Schönenwerd und 2 tm nö. der Station Schönen- 
werd der Linie Aarau - Ölten. Telephon. 17 Häuser, 122 
kathol. Ew. Kirchgemeinde Schönenwerd. Getreidebau. 
ZementwaarenfabriK, Mühle, Steinbruch, Maschinenzwir- 
nerei. Gut erhaltenes Refugium mit Wall, das Thal der 
Aare beherrschend. Römische Goldmünzen. 
EPPENRIED (Kt. Bern, Amtsbez. Sefligen, Gem. 
Belp). 555 m. Gruppe von 6 Bauernhö- 
fen, an der Strasse bern-Belp und 1 km 
nw. der Station Belp der Gürbethalbahn 
(ßern-Wattenwil-Thun). 66 reform. Ew. 
Landwirtschaft. 

EPPEN8TEIN (Kt. Thurgau, Bez. 
Weinfelden, (^m. Bussnanff). 524 m. 
Gruppe von 5 Häusern, 5 xm s. der 
Station Märstetten der Linie Winter- 
thur- Frauenfeld -Romanshorn und 2,6 
km sw. Bussnang. 16 reform. u. kathol. 
Ew. Ackerbau und Viehzucht. Ruine 
einer alten Burg, bis ins 15. Jahrhun- 
dert Sitz der thur^auischen Ritter von 
Eppenstein (die mit den gleichnamigen 
Geschlechtem im Elsass und anderswo 
im Deutschen Reich nicht zu ver- 
wechseln sind). Sie kamen erst am Ende 
der Feudalzeit zu Ansehen und Reich- 
tum. Ritter Eppo oder Eberhart von 
Eppenstein war 1324 österreichischer 
Vogt von Kiburg und Winterthur. Nach- 
dem die Burg zu Beginn des 15. Jahr- 
hunderts von den Appenzellem zerstört 
worden war, Hessen sich die Herren 
von Eppenberg in Winterthur nieder, 
wo sie noch eine Zeit lang eine gewisse Rolle spielten. Die 
Ueberreste der Burg nur unbedeutend, aber noch vom 
Burggraben umgeben; Nachgrabungen würden ohne 
Zweifel noch Manches zu Tage fördern. 

EPPENWIL (Kt. Luzern, Amt Willisau, Gem. Gross- 
dietwil). 668 m. Gruppe von 8 Häusern, am Goldbach, 3 km 
nö. Grossdietwil und 7 km w. der Station Nebikon der 
Linie Luzera-Olten. 57 kathol. Ew. Milchwirtschaft, Kä- 
serei. 

EPPIGEN (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Hasle, Gem. In- 
nertkirchen). 670 m. Gruppe von 6 Häusern, in einer 
Thalbucht am rechten Aareufer versteckt gelegen, ober- 
halb der Aareschlucht und 1 km nw. Innertkirchen. 26 
reform. Ew. 

EPPISHAUSEN (Kt. Thurgau, Bez. Bischofszell, Gem. 
Erlen). 465 m. Kleines Dorf, an der Strasse Sulffen-Amris- 
wil, zwischen Biessenhofen und Erlen und 1,5 Km so. der 
Station Erlen der Linie Winterthur- Frauenfeld-Rom ans- 
hom. 28 Häuser, 140 Ew., wovon 14 Katholiken. Kirch- 
gemeinde Sulgen-Erlen. Wiesen-, Obst- und etwas Wein- 
bau. Bienenzucht. Käserei. Stickerei und Seilerei. Auf 
einer Anhöhe sw. Eppishausen das gleichnamige Schloss, 
ein sehr einfach gehaltenes, aber geräumiges Bauwerk 
mit breiter Fassade ; heute landwirtschaftlicher Gutsbe- 
trieb. Von hier schöne Aussicht auf das Thal der Aach, 
nach 0. auf die thurgauische Hügellandschaft am Boden- 
see und nach W. auf den rebenbestandenen Ottenberg 
und den n. Teil des Kantons Zürich bis zur Lägern. An 
Stelle des heutigen Schlosses stand einst eine im 12. Jahr- 



EPS 



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hundert erbaute Yeste mit Bur^graben, Ringmauer und 
Türmen, von der kaum noch einige wenige Reste sich er- 
halten haben. Die Herrschaft Eppishausen war ein Lehen 
des Bistums Konstanz, u. die Burg diente dem Bischof wäh- 
rend seiner langen Fehde mit dem Kloster St. Gallen als 
fester Stützpunkt. Die Burg 1370-1600 Eigentum des Edel- 
geschlechtes von Helmsdorf, von dem mehrere Glieder 
(besonders Konrad von Helmsdorf) sich als Dichter aus- 
zeichneten. Das Familien Wappen, ein weisses halbes Ein- 
horn im roten Felde, noch heute als Glasgemälde erhalten. 
Die Herrschaft im 17. Jahrhundert vom Kloster Muri an- 
gekauft und das Schloss zur Verwalterswohnung umge- 
staltet : der Wohnraum auf dem grossen Burgturm wurde 
abgetragen und vor diesem das Gebäude in seiner heu- 
tigen Gestalt aufgeführt. Eine gewisse Berühmtheit 
enangte das Schloss Eppishausen unter seinem nächst- 
folgenden Besitzer, dem aus Donaueschingen stammenden 
Freiherrn Joseph von Lassberg, der es 1813 dem Kloster 
Muri abkaufte. Neben der Pflege seiner grossen Waldungen 
widmete sich der Freiherr von Lassberg mit grossem Eifer 
dem Studium der altdeutschen Sprache und Litteratur; 
fferne zeigte er Liebhabern seine reiche Sammlung von 
Handschriflen, seltenen Drucken und Glasgemälden, so 
dass Epoishausen lange Jahre hindurch zum häufig be- 
suchten Wallfahrtsort von Sprach- u. Geschichtsforschern 
wurde. Gustav Schwab, Ludwig Uhland, der Germanist 
Jakob Grimm, J. A. Pupikofer und viele andere Gelehrte 
waren zeitweilige Gäste des sogen. Einsiedlers von Eppis- 
hausen. Allgemein bekannt geworden ist Freiherr von 
Lassberg auch durch die Herausgabe des Liedersaales, 
einer Sammlung von Dichtungen aus dem Mittelalter. 

EP8ACH (Kt. Bern, Amtsbez. Nidau). 462 m. Gem. u. 
Dorf; 3^ km nö. der Einmündung des Hagneckkanales 
in den Bielersee, am S.-Hang der bewaldeten Hügelzüge 
zwischen Bielersee und Grossem Moos, nahe der Strasse 
Gerolfingen-Walperswil-Aarberg, 8 km ssw. Nidau und 5,5 
km nw. der Station Aarberg der Linie Lausanne-Payerne- 
Lyss. Telephon. Gemeinde, mit Baar und Klus : 62 Häu- 
ser, 366 reform. Ew. deutscher Zunge. Kirchgemeinde 
Täuffelen. Acker- und etwas Weinbau, Viehzucht. In den 
Torfgruben hat man Ueberreste einer alten Hütte, zwei 
Bronzebeile und eine Lanzenspitze gefunden. Zwischen 
Epsach und Walperswil Spuren einer römischen Villa. 
13^: Epgach. 

CPTINQEN (Kt. Basel Land, Bez. Waidenburg). 567 m. 
Gem. und Dorf, am N.-Fuss der Bölchenfluh, am Diegter- 
bach, 10 kna s. Sissach und 3,2 km sw. der Station Läu- 
felfingen der Linie Basel-Olten. Postbureau, Telephon; 
Postwagen Sissach-Eptingen. 104 Häuser, 657 reform. Ew. 
Kirchgemeinde Eptingen-Diegten. Seidenbandweberei. 
Gipshaltige Mineralquelle, deren Wasser als Eptinger Ta- 
felwasser in den Handel kommt. Heilbad, von Rheumati- 
kern etc. stark besucht. Refugium bei Rucheptingen. Das 
Edelgeschlecht von Eptin^en war durch Jahrhunderte 
eine der mächtigsten Familien des Bistums Basel, mit der 
Mehrzahl von dessen andern Herrengeschlechtem ver- 
wandt und erblicher Inhaber des Mundschenkenamtes 
des Fürstbischofes. Freiherr Johann Baptist Ferdinand 
von Eptingen stand 1735 als Offizier in französischen 
Diensten. Die Herren von Eptingen waren zugleich auch 
Borger von Basel und Eigentümer einer Reihe von heute 
in Irümmem liegenden Burgen in Basel Land. Ein Zweig 
der Familie ist im Verzeichnis der rheinischen Edelge- 
schlechter aufgeführt. Die Wappen beider Linien waren 
golden mit dem liegenden schwarzen Adler im rechten 
oder linken Felde. Dazu führten die Eptinger der Schweiz 
eine goldene Krone auf dem Helm, und ihre schwarze 
Helmdecke sowie der Federbusch waren übersät mit klei- 
nen goldenen Herzen. 

ERA (!.') (Kt. Graubünden, Bez. Albula). 1939 m. Vor- 
sprung des vom Piz Michel nach N. abzweigenden Kam- 
mes, w. über dem Schaflobel, über dem Thal der Albula 
und 2,5 km sw. Alvaneu Bad. 

ERA (PIZZO D') (Kt. Tessin, Bez. Leventina). 2635 m. 
Wenig hervortretender Gipfel, im nw. Abschnitt der 
Gruppe des Pizzo di Molare, über dem linksseitigen Ge- 
hänge der Leventina, ö. vom Passo Predelp (Faido-Luk- 
manier) und 4,5 km n. über Faido. 

ERAT8RICK (Kt. St. Gallen, Bez. Alt Toggenburg, 
Gem. Mosnang). 875 m. Gruppe von 5 Häusern, am N.- 



Fuss der Eratsrickegg, 7 km sw. der Station Bütswil der 
Toggenburgerbahn und 3«5 km sw. Mosnang. 32 kathol. 
Ew. Viehzucht, Käserei. Weberei als Hausindustrie. 

ERATSRICKEGG (Kt. St. Gallen, Bez. Alt Toggen- 
burg). 1050-900 m. Felskamm, vom nö. Teil der Grossegg- 
alp rasch sich senkend, zwischen Kurzeneggbach und 
einem andern kleinen Wasserlauf; 4,3 km sw. über Mos- 
nang. 

ERB (Kt. Wallis, Bez. Visp, Gem. Visperterminen). 
lOUO m. Gruppe von 12 Häusern und Hütten, auf einer 
geneigten Terrasse über dem rechten Ufer der Visp zer- 
streut gelegen, am Fuss des Gebidem, zwischen Slaldbach 
und Riedbach und 1 kmnw. Visperterminen. 20 kathol. 
Ew. Viehzucht. 

ERB (IM) (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Simmenthai, 
Gem. Lenk). 1647 m. Gruppe von 7 oder 8 Hütten, am 
NO.-llang des Miilkerblatt, über den Hütten von Blatri 
und 2,5 km sw. über Lenk. 

ERBALPEN (Kt. Graubunden, Bez. Ober Landquart, 
Gem. Davos). 2200-1800 m. Alpweide, mit etwa einem 
Dutzend zwischen Bildlibach und Frauentobelbach (rechts- 
seitigen Zuflössen zum Landwasser) zerstreut gelegenen 
Hütten, am SO.-Hang des Körbshorns und 3 km sw. über 
Davos Platz. Der UeberJieferung nach so genannt, weil die 
Alpweide zur Zeit einer Pestseuche während einer einzi- 
gen Nacht siebenmal den Besitzer wechselte. 

ERBETHORN (Kt. Bern, Amtsbez. Nieder Simmen- 
thal).2509 m. Felsgrat, in der Gruppe der Männlifluh, nö. 
vom Otterngrat (einem Passübergang vom Engstligen- ins 
Schwendenthai). Besteigung von Frutigen aus in 6 Stun- 
den, ziemlich leicht. 

ERBI (Kt. Wallis, Bez. West Raron, Gem. Hothen). 
900 m. Gruppe von 11 Häusern u. Hütten, im ö. Abschnitt 
der Terrasse zerstreut gelegen, auf der die kleine Ge- 
meindc Hothen liegt, 2 km n. über der Station Gampel 
der Simplonbahn. 64 kathol. Ew. Kirchgemeinde Nieder- 
gestelen. Auf der Siegfried karte unbenannt. 

ERBIGNON (Kt. Wallis, Bez. Saint Maurice, Gem. 
Collonges). S. den Art. Arbionon (Le Haut d'). 

ERBIVUE (L') (Kt. Freiburg, Bez. Greierz). Bach. 
S. den Art. Albeuve. 

ERBOGNE (L*) (Kt. Freiburg, Bez. Gläne). Bach. 
S. den Art. Arbogne (l*). 

ERB8ALP(Kt.Glarus, Gem. Elm). 1692-1257 m. Grosse 
Alpweide mit 10 am SO.-Hang des Kärpfstocks zerstreut 
gelegenen Hütten, im obern Abschnitt des Sernfthales, 
links über dem Fluss und 2 km sw. Elm. Tiefer unten 
schöne Tannenwaldungen. 

ERB8EGG (AUSSER und HINTER) (Kt. Luzern, 
Amt Entlebuch, Gem. Romoos). 960 m. 5 am linken Ufer 
der Grossen Fontannen zerstreut gelegene Häuser, gut 
zur Sonne exponiert, 5 km sw. Romoos und 4,5 km nw. 
der Station Schüpfheim der Linie Bern-Luzem. 25 kathol. 
Ew. Kirchgemeinde Schüpfheim. Viehzucht. 

ERBSERSTOCK (Kt. Glarus). 2180 m. Gipfel, s. 
Vorberg des Kärpfstocks, zwischen Erbsalp und Wichlen- 
matt und über dem Richetlipass (Elm-Linthal), 6 km 
sw. über Elm. 

ERBSKRAUT (Kt. Appenzell A. R., Bez. Vorderland, 
Gem. Wald). 1040 m. Gruppe von 5 Häusern, in einem 
kleinen Thälchen, 3 km osö. Wald und 5 km sw. der Sta- 
tion Heiden der Bergbahn Rorschach-Heiden. 30 reform. 
Ew. Viehzucht. Weberei als Hausindustrie. 

ERBSMATT (Kt. und Amtsbez. Bern, Gem. Ober- 
balm). 750 m. Gruppe von 8 Häusern, am rechten Ufer 
des Trübbaches, 5 1cm so. der Station Thörishaus der 
Linie Bern-Freiburg und 1,5 km sw. Oberbalm. 50 reform. 
Ew ^Viesenbau 

ERCHENWIL (Kt. Thurgau, Bez. Arbon, Gem. Rogg- 
wil). 535 m. Gruppe von 6 Hausern; 1,2 km s. Roggwil u. 
2,5 km nw. der Station Mörswil der Linie St. Gallen-Ror- 
schach. 23 reform. u. kathol. Ew. Kirchgemeinden Rogg- 
wil und Berg. Ackerbau, Viehzucht und Milchwirtschaft. 

ERDBRUNST (Kt., Bez. und Gem. Zürich, Zürich II- 
Wollishofen). 440 m. Gruppe von 13 Häusern, nahe dem 
linken Ufer des Zürichsees, 500 m s. der Kirche Wollis- 
hofen und 1 km s. der Station Wollishofen der linksufri- 
gen Zürichseebahn (Zurich-WädenswII). 91 reform. Ew. 
Kirchgemeinde Wollishofen. 1256: Erdbrust; bedeutet 
s. V. a. « Erdbruch ». 



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ERDE (Kt. Wallis, Bez. und Gem. Conthey). 790 m. 
Dorff oben am rebenbepflanzten Hang über dem Flecken 
Conthey und am Fuss einer grossen, mit Kulturen be- 
standenen Terrasse. 700 m sw. des Dorfes Premploz, 1 km 
nw. Saint S^verin (wo die Kirche der grossen Kirch- 
und politischen Gemeinde Conthey steht) und 4,5 km nö. 
der Station Ardon der Simplonbahn. 38 Häuser, 378 
kathol. Ew. Acker- und Weinbau, Viehzucht. Am Fussweg, 
der von Sitten und Conthey aus über den Pas de Cheville 
nach Bex führt. 1208: Erdes; 1214: Herdes. 

ERDHAU8EN (Kt. Thurgau, Bez. Arbon, Gem. Eg- 
nach). 430 m. Kleines Dorf, nahe der Strasse Sulgen-Ar- 
bon, 800 m nw. Arbon und 2,2 km sw. der Station 
Egnach der Linie Rorschach-Homanshom. 23 Häuser, 116 
reform, und kathol. Ew. Kirchgemeinden Neukirch und 
Steinebrunn. Wiesen- und Obstbau, Obst- und Gemüse- 
handel. Stickerei; die 1515 erbaute Kapelle heute in eine 
Stickfabrik umgewandelt. 

ERDI8GULMEN (Kt. St. Gallen, Bez. Sargans). 2295 
m. Wenig hervortretender Gipfel, in dem von der Mage- 
ren nach N. abzweigenden und die rechte Seite des Murg- 
thales begleitenden Kamm, 2 km n. der Mageren und 7 
km s. über Murg und dem Walensee. 

EREL (IM) (Kt. Wallis, Bez. Visp, Gem. Eisten). 1200 
m. Gruppe von Wohnhäusern und Stadein, an dem sehr 
rasch ^egen Eisten abfallenden Hang eines Ausläufers 
des Weissengrats übereinander gebaut, über dem rechten 
Ufer der Saaservisp und rechts vom Leidenbach. 400 m 
nö. über Eisten. 

ERENBOLGEN (OBER u. UNTER> (Kt. Luzem, 
Amt Hochdorf, Gem. Römerswil). 660 und 612 m. Gruppe 
von 6 Häusern, am w. Uferhang des Balde^gersees ; 1,2 
km n. Römerswil und 4,5 km nw. der Station Hochdorf 
der Seethalbahn. Telephon. 64 kathol. Ew. Ackerbau und 
Viehzucht. In Ober Erenbolgen Waisenhaus. 1326: Er- 
chemboldingen. 

ERFLETEN (Kt. Aargau, Bez. Rheinfelden, Gem. 
Zuzgen). 583 m. Gruppe von 5 Häusern; 2,1 km sw. Zuz- 
gen und 4,8 km sw. der Station Munipf der Linie Zürich- 
Brugg-Basel. 29 kathol. und reform. Ew. 

ERGATEN, ERGETEN. Ortsname der Ost- 
schweiz, volkstümliche Form für Aegerten, Egerten. 
S. diesen Art. 

ERGATEN (Kt. Thurgau, Bez. und Gem. Frauenfeld). 
Aussenquartier der Stadt Frauenfeld, am linken Ufer der 
Murg. S. den Art. Frauenfeld. 

ERGENZACH, französisch Arconciel (Kt. Freiburg, 
Bez. Saane). 727 m. Gem. und Pfarrdorf, am rechten Ufer 
der Saane, 11 km s. Freiburg. Postbureau, Telegraph, 
Telephon. Gemeinde, die Weiler Fontanalles und Sur le 
Moulin inbegriffen : 64 Häuser, 316 kathol. Ew. französi- 
scher Zunge; Dorf: 19 Häuser, 84 Ew. Ackerbau u. Vieh- 
zucht; Milchwirtschaft und Käserei. In Ergenzach ist ein 
Satz von 300 römischen Münzen von Konstantin bis Julian 
Apostata aufgefunden worden, die jetzt im Kloster Haute- 
nve sich befinden. Die schon 1146 erwähnte Kirche des 
Ortes ist 1786 restauriert worden, wobei zum Teil die 
Quadern der einst an der Saane gegenüber Schloss Hlens 
gelegenen Burg zur Verwendung gekommen sind. 1062 
belehnte der deutsche Kaiser Heinrich IV. den Grafen 
Konrad von Ollingen, Bischof von Lausanne, mit der Burg 
Ergenzach im Uechtland. Als sich während der Burgun- 
derkriege Wilhelm de La Bresse, Herr von Ergenzach, 
für Karl den Kühnen erklärte, belagerten 1475 die Bemer 
und Freiburger seine Burg und nahmen sie mit Sturm 
ein. Ergenzach stand darauf eine Zeit lang unter der ge- 
meinsamen Oberhoheit von Frei bürg und Bern, bis letz- 
teres auf seine Rechte an den Ort Verzicht leistete. 

ERGETEN (HINTER) (Kt. Appenzell A. R., Bez. 
Vorderland, Gem. Wolfhalden). 760 m. 17 an der Strasse 
Rheineck-Heiden zerstreut gelegene Häuser, 500 m von 
der Station Heiden der Bergbahn Rorschach-Heiden und 
1,2 km sw. Wolfhalden. 117 reform. Ew. Landwirtschaft. 

ERGI8CH (Kt. Wallis, Bez. Leuk). 1192 m. Gem. u. 
schönes Pfarrdorf, auf einer Terrasse rechts über der 
Ansmündung des Turtmanthaies ins Rhonethal, gegenüber 
Ems und 2,5 km so. der Station Turtman der Simplon- 
bahn. Gemeinde, mit Tummenen : 43 Häuser, 272 kathol. 
Ew.; Dorf: 37 Häuser, 237 Ew. Die Gemeinde umfasst 
einen grossen Teil des rechtsseitigen Gehänges des Turt- 



manthales. Von der Kirche Ergisch aus umfassende Aas- 
sicht auf die Gehänge und Thaler der Bezirke Leuk und 
Siders. Im 13. Jahrhundert Argessa. 

ERGI8CHALPEN (Kt. Wallis, Bez. Leuk, Gem. Ei^ 
gisch). 2112 m. Alpweiden mit etwa 10 Hütten, am rechts- 
seitigen Gehänge des Turtmanthaies, am W.-Hang des 
Ergischhorns und 3 km s. über dem Dorf Ergisch. 

ERGI8CHHORN (Kt. Wallis, Bez. Leuk). 2495 m. 
Kahler Gipfel, so. über dem Dorf Ergisch und ö. über der 
Ausmündung des Turtmanthaies, zwischen diesem und 
dem Ginanztnal. Von den Touristen vernachlässigt, aber 
mit sehr schöner Aussicht ; 4 Stunden über Ergisch. 

ERGOLZ (Kt. Basel Land, Bez. Sissach und Liestal). 
960-260 m. Fluss, entwässert das Er^^olzthal und mündet 
n. Basel Äugst von links in den Rhem. 28 km lang. Ent- 
springt an der Schafmatt in bewaldetem Tobel, empfangt 
alle Bäche der zahlreichen Verzweigungen des Ergolz- 
thales (Hemmikerbach, Eibach, Rickenbächli, Hombur- 
gerbach, Diegterbach, Hintere und Vordere Frenke, 
Oristhalbach, Violenbach u. a.), folgt dem rechtsseitigen 
Thalgehänge und treibt hier zahlreiche Mühlen, Sägen, 
Werkstätten, Fabriken, sowie die elektrische Bahn Sis- 
sach-Gelterkinden. Die Ergolz bildet bei Liestal den 
wohlbekannten Fall des sog. Ergolzkessels. Ergolz und 
Nebenbäche heute noch ordentlich fischreich; am häu- 
fi^ten die Bachforelle. Da bei der starken Nachfrage nach 
diesem Fisch seine völlige Vernichtung zu fürchten war, 
hat sich seiner die Gesetzgebung angenommen, die den 
Fang zur Laichzeit verbietet und zugleich auch für das 
Einsetzen von frischer Brut sorgt. Der Fortpflanzung 
hinderlich sind dann auch die zahlreichen Fabrikkanäle 
und Flussverbauungen. Aeschen sind selten ; die Wander- 
fische Nase und Lachs vermögen wegen der Wehren und 
auch des zeitweise zu niedrigen Wasserstandes oft nicht, 
flussaufwärts zn gelangen. 1337: Erchenz; 1348: Ergentz 
dann Ergetz, Ergitz, Ergelz und Ergeis. Von Argenza 
herzuleiten. 

ERGOLZTHAL (Kt. Basel Land, Bez. Sissach und 
Liestal). Grösstes Thal im Kanton Basel Land, 28 km 
lang ; zieht sich in gewundenem Lauf von der Schafmatt 
im SO. zum Rhein (Baselaugst) im NW. und verzweigt 
sich in eine Reihe von Seitenthälern. Der Thalfluss, die 
Ergolz, sammelt beinahe alle Wasser aus dem s. und ei- 
nen grossen Teil der Wasser aus dem n. Kantonsteil. Die 
früher verkehrsreichen Strassen über die Schafmatt und 
den Hauenstein sind seit der BetriebseröfTnung der 
Bahnlinie Olten-Basel vereinsamt. Im Ergolzthal zahlrei- 
che Siedelungen: am höchsten gelegen ist Oltingen; 
dann folgen thalauswärts Wenslingen, Anwil und Roten- 
fluh, von denen die beiden erstgenannten Dörfer auf 
Thalterrassen rechts und links über der Ergolz stehen. 
Unterhalb Rotenfluh führt eine Strasse nordwärts zum 
aargauischen Dorf Wegenstetten. Am Fuss des Fams- 
bergs und Wischbergs liegt in reichem Wiesengrund das 
Dorf Ormalingen. Die seit der Volkszählung des Jahres 
1888 beinahe überall an Zahl zurückgehende Bevölkerung 
der genannten Dörfer beschäftigt sich der Hauptsache 
nach mit Landwirtschaft und Seidenbandweberei. Unter- 
halb Ormalingen folgt als erste bedeutende Ortschaft des 
Ergolzthales das an der Einmündung des Eithales gele- 
gene Dorf Gelterkinden. Jetzt weitet sich das Thal ; bei 
Bockten öffnet sich das zweite s. Nebenthal, das von Läu- 
felfingen, dem die Bahnlinie Olten-Basel folgt ; am Aus- 
gang des dritten s. Nebenarmes, des Diegterthales, findet 
sich der rasch aufblühende Ort Sissach. Dem immer 
breiter werdenden Thal folgen die Ergolz längs dem 
rechten, Strasse und Bahn längs dem linken Gehängefuss. 
Der Boden ist hier dem Acker-und Wiesenbau sehr güns- 
tige, und am s. Gehänge stehen sogar einige Weinberge 
mit allerdings nur geringem Ertrag. Der letzte Ort des 
Bezirkes Sissach ist Itingen; Lausen gehört schon zum 
Bezirk Liestal. Unterhalb Lausen mündet das Thal der 
Frenke oder das Waldenburgerthal ; bald zeigen sich die 
ersten Häuser der Stadt Liestal, des Kantonshauptortes, 
wo das Oristhal und Röserenthal sich öffnen. Es folgen 
Niederschön thal, Füllinsdorf und Frenkendorf, worauf 
das Ergolzthal bei der Hülftenschanz breit ins Rheinthal 
austritt. Die Ergolz mündet n. Baselaugst von links in 
den Rhein. Das letzte Dorf des Ergolzthales ist das schon 
in der Rheinebene gelegene Pratteln. Die Thalhänge mit 



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schönen Waldungen u. fetten Wiesen bestanden, Thalboden 
fruchtbar. Im ganzen Thalsystem zahlreiche Burgruinen. 

Die Strasse Sissach-Liestal-Basel ist schon 
von altersher ein wichtiger Verkehrs- und Han- 
delsweg gewesen. Dann hat die Bahnlinie 01- 
ten-Basel stark zum Aufschwung der Gegend 
beigetragen. Im Ergolzthal stehen die gröss- 
ten Fabrikbetriebe der Bezirke Liestal und 
Sissach. 

Während die Bevölkerung der Seitenthäler 
und des abseits der Verkehrswege gelegenen 
obem Abschnittes des Hauptthaies an Zahl ab- 
nimmt, vermehrt sie sich im untern Thalab- 
schnitt beständig. Die im Artikel Basel Land 
hervorgehobene Abnahme der Bevölkerung im 
Bezirk Waidenburg und die schwache Zu- 
nahme im Bezirk Sissach bezieht sich haupt- 
sächlich auf die n. oder s. der Ergolz gelegenen 
Ortschaften. 

Geologische Verhältnisse. Die Seiten des 
Ergolzthales werden von einer ziemlichen 
Reihe von Formationen begrenzt. Das Flusschen 
selbst entspringt im Muschelkalk des Ueber- 
schiebungsgebietes an der Schafmatt, durch- 

3uert dann in sw. Richtung oberhalb Oltingen 
en Hauptrogenstein, sowie beim Eintritt in 
das Dorf die Variansschichten und den untern 
Malm. Wir treffen demnach hier die Schichten 
gerade in abnormer, durch Ueberkippung um- 
gekehrter Reihenfolge. Im weitern Verlaufe 
gegen Rotenfluh durchschneidet die Ergolz 
wieder den obem Dogger, um sich dann 
tief in den Hauptrogenstein einzugraben. 
Die Thalwände bilden dort starke, bewaldete Steilbö- 
schungen. Weiter nw. erweitert sich das Thal, und 
an der Basis der beiden Gehänge tritt der untere Dog- 
ger (Blagdeni- und Humphriesischichten) zu Tage. Ca 
1,2 km so. Rotenfluh durchbricht eine von SW. nach 



Thalseiten von dem untersten Dogger, den Opalinustonen, 
gebildet, die vielfach, hauptsächlich an der rechten (Fluh- 





Karte des Ergolsthales. 

NO. verlaufende und nach dieser Richtung sich auskeilende 
Grabenverwerfung die Formationsreihe. Von hier ab bis 
zur Säge zwischen Rotenfluh und Ormalingen werden die 



Burg Ergael im 13. Jahrhundert: nach einem Relief von A. BiMris. 

halde, Säge) zu Abrutschungen Anlass gegeben haben. 
Von Ormalingen an, wo rechtsufrig an der Tnalwand Lias 
ansteht, erweitert sich das alte Enudationsgebiet und damit 
der Thalboden bedeutend. Von Gelterkinden an bilden ab- 
wechselnd unterer Dogger (Opalinustone) und Keuper 
(linkes Ufer oei Bockten) die Thalge- 
hänge. Keuper, Lias und unterer Dogger 
ziehen sich auch rechtsufrig über Sis- 
sach gegen Itingen weiter : weithin 
sichtbar wird die rechte Thalseite von 
einem Hauptrogensteinklotz, der Sis- 
sacherfluh, gekrönt, welche eine weite 
Rundsicht in den Kettenjura und die 
ihm vorgelagerte zerstückelte Tafel- 
hndschan gestattet. 

Unterhalb des Wuhres (Mühleprit- 
sche) bei Itingen lehnt sich der Fluss 
unmittelbar an die rechte Thalseite an 
und hat hier einen starken Uferbruch 
verursacht, welcher die Schichtenfolge 
des untern Dogger von den Murchi- 
sonaeschichten bis zu den Humphriesi- 
schichten erkennen lässt. Aus dfem un- 
tern Hauptrogenstein der darüberliegen- 
den Schichtfolgen stammen Pracht- 
exemplare des Cainocrinus Andreae, 
für welchen sonst ein Seitenthal des 
Ergolzthales, das Röscrnthal, die klassi- 
sche Fundstelle bildet. Weiter west- 
wärts, auf der rechten Thalseite ober- 
halb des Weilers Furien, ist das Vorkom- 
men von Huppererde (ziemlich reiner 
Tonerde mit feinen, meist gerundeten 
Quarzkörnern) in Spalten und Taschen 
des vielfach zerrissenen Rauracien be- 
merkenswert. Dieses Vorkommen hat 
eine ziemlich umfangreiche Industrie 
(feuerfeste Steine und Verblendstcine) 
ins Leben gerufen. 

Bei Liestal, unterhalb des Eintrittes 
der beiden vereinigten (Hintern und 
Vordem) Frenken lassen sich an der 
rechten Thalseite die beiden Flusster- 
rassen der letzten und vorletzten Glet- 
scherzeit leicht erkennen und flussabwärts fast bis an 
die Mündung in den Rhein verfolgen. Die rechte Thal- 
seite wird bei Liestal von den untern Dogger- und Haupt- 



lMfliw[ywf»Ji7 



44 



ERG 



ERI 



roffensteinschichten gebildet, auf welch' letztern am 
Schleifenberg Gletscherlehm lagert. Eine mehrere Meter 
mächtige Schicht von Moränen material (ge- 
schrammte Geschiebe von sehr verschie- 
dener Grösse untermischt mit sandigem 
Lehm) bedeckt auf der linken Thalseite die 
Anhöhe der Sichtern und bei Hasenbühl. 

Unterhalb Liestal, im sogenannten Kes- 
sel, treten im Flussbette die Murchisonae- 
schichten zu Tage, und über dieselben 
hinunter bildet die Ergolz einen hübschen 
Wasserfall, durch welchen rechtsseitig auch 
die Opalinusschichten angeschnitten wer- 
den. 

Bei Niederschönthal stehen rechts- und 
iinksufrig oberster Keuper (Bone bed) und 
Lias an; in ersterem wurden vor Jahren 
die gewaltigen Knochen von Gresslyosau- 
i'us inqeris gefunden. Von hier ab ist die 
linke Thalseite durch einen Bergschlipf 
charakterisiert, dessen Trümmer, auf den 
Opalinusschichten hinunter gleitend, durch 
Kalksinter vielfach wieder verkittet sind. 
Weiter unten schneidet der Fluss den un- 
tern Keuper (Lettenkohle) an und hat hier 
zu einem gefährlichen, immer weiter um 
sich greifenden Uferbruch Ursache gegeben. 
Linkerseits breiten sich die beiden Terras- 
sen als kilometerbreite fruchtbare Acker- 
und Wiesengelände aus, die von Frenken- 
dorf nach Pratteln von Lias und Doggerschichten um- 
rahmt werden. 

Bei der Hülftenschanz mündet das Ergolzthal in das 
Rheinthal ein. [Dr. Lbuthardt.J 

Für Zoologie und Botanik des Ergolzthales vergl. den 
Art. Basel Land. 

ERGUEL (Kt. Bern, Amtsbez. Courtelary, Gem. Son- 
vilier). 936 m. Malerische Burgruine, auf einem steil- 
wandigen Felskopf {Portlandkalk), über einem tief in die 
Fordt de l'Envers eingeschnittenen Tobel ; von Tannen 
umrahmt, aber vom Bahnhof Sonvilier aus sehr gut 
sichtbar; 3 km wsw. St. Immer und 1,3 km so. Sonvilier. 



gund stammenden Edelgeschlecht erbaut und spielte in 
der Geschichte der früher Suzinga (Thal der Schüss, 





Burgruine Erguel. 

Die Burg wurde im 9. oder 10. Jahrhundert von einem 
aus Arguel, einer am linken Ufer des Doubs ca 5 km sw. 
Besanyon gelegenen Ortschaft der Freigrafschafl Bur- 



Eriswil (Kt.'tBern), von Osten. 

Suze), in der Folge aber [allgemein Pays d'Erguel oder 
d' Arguel geheissenen Landschaft bald eine hervorragende 
Rolle. 1264 kamen die Burg und ihre Landereien in den 
Besitz des Bistums Basel, dfas sie den Herren von Erguel 
als Lehen beliess. Die Burg im Bürgerkrieg 1367 durch 
Feuer zerstört, dann wieder aufgebaut und stark befes- 
tigt. Im 3()jährigen Krieg hatten Burg und Landschaft 
unter dem Einbruch kaiserlicher Truppen stark zu lei- 
den. Der vom Basler Fürstbischof eingesetzte Burgvogt 
verlegte im 18. Jahrhundert seinen Sitz von der we.ig 
wohnlichen und schwierig zugänj^lichen Burg Erguel 
nach Courtelary, das seither stets Sitz der Behörden der 
Landschaft Erguel geblieben ist. 1797 kam die Gegend an 
Frankreich, und die mehr und mehr vernachlässigte Bunr 
zerfiel in Trümmer. 1814 wollte die Bevölkerung der 
Landschaft die Gebiete von Erguel, des Tessenoergs 
(Montagne de Diesse), von Neuenstadt und Biel zu einem 
eigenen Kanton, dem Kanton Schüss (Canton de la Suze) 
vereinigt wissen ; der Wiener Vertrag ging aber auf diese 
veralteten Sondergelüste nicht ein und gliederte das Ge- 
biet des ehemalij^en Fürstbistums Basel dem Kanton Bern 
an, um diesen für den Verlust des Oberaargaues und des 
Waadtlandes zu entschädigen. So kam das Pays d'Erguel 
an Bern, das seinem neuen Amtsbezirk den Namen Cour- 
telary gab und diesen Ort wiederum zum Sitz der Be- 
hörden erhob. Es ist somit die Bezeichnung Pays d'Erguel 
heute nur noch eine Erinnerung an vergangene Zeiten. 
Wie der Name wird auch die Burgruine allmählig völlig 
vom Erdboden verschwinden, wenn sich nicht die Be- 
hörden ihrer noch bei Zeiten annehmen. 

ERICH (Kt. Wallis, Bez. Brig, Gem. Naters). 1598 m. 
Maiensässe mit etwa 10 zerstreut gelegenen Alphütten, 
am Fuss des die Hänge der Terrasse von Beialp beklei- 
denden Waldes, über der Schlucht des Blindbaches (Zu- 
flusses zum Kelchbach) und 1 km n. Platten. 

ERIEL8 (Kt. Tessin, Bez. Leventina). Gem. 3 und 
Dorf. S. den Art. Airolo. 

ERIKON (Kt. Thurgau, Bez. Münchwilen, Gem. To- 
bel). 533 m. Weiler, 40ü m nö. Tobel und 5 km nö. der 
Station Münchwilen der Strassenbahn Frauenfeld-Wil. 12 
Häuser, 55 kathol. und reform. Ew. Kirchgemeinden Tobel 
und AfTeltrangen. Futter- und Obstbau, Viehzucht und 
Milchwirtschaft. 

ERI8WIL (Kt. Bern, Amtsbez. Trachselwald). 756 m. 
Gem. und Pfarrdorf, im obern Abschnitt des Thaies der 
Langeten und am Ufer dieses Baches gelegen, an der 
Strasse Wasen-Huttwil und 4,5 km s. der Station Hutt- 
wil der Linie Langenthai -Wolhusen. Postbureau, Tele- 
graph, Telephon ; Postwagen nach Huttwil. Gemeinde wie 
alle im Emmenthal sehr ausgedehnt; mit Grünenboden, 



ERI! 



ERL 



45 



Cressier 



Gsang, Hintergass, Hizenberg, Kalberweid und Leumatt 
zusammen 190 Häuser, 2063 reform. Ew. ; Dorf: 70 Häu- 
ser, 672 Ew. Bildet zusammen mit 
Wissachen^raben eine gemeinsame 
Kirchgemeinde. Eriswil ist ein schö- 
nes Dorf; Ausgangspunkt der na- 
mentlich zu Ende des 18. Jahrhun- 
derts blähenden Emmenthaler Lein- 
wandindustrie. Es stehen hier heute 
drei Leinwandwebereien in Betrieb ; 
daneben noch Webstühle in man- 
chen Familien. Hunderte von Frauen 
und Mädchen beschäftigen sich aus- 
serdem mit der Herstellunff von 
Wirkwaaren. Zwei Käsereien. Äcker- 
bau. In kirchlicher Hinsicht war 
Eriswil einst vom Kloster St. Gal- 
len, in weltlicher von den Edeln von 
Eriswil abhängig, deren Burg heute 
völlig verschwunaen ist. Nach dem 
Aussterben dieses Geschlechtes zu 
Ende des 14. Jahrhunderts ging Eris- 
wil der Reihe nach in den Besitz 
der Edeln von Grünenberg, von Mü- 
linen und endlich an Rudolf von 
Luternau über, welch' letzterer, um 
seine Schulden bezahlen zu können, 
die Herrschaft schliesslich an den 
Staat Bern verkaufte. 

ERISWIL (Kt. Luzern, Amt Sur- 
see, Gem. Knutwil). 570 m. Gruppe 
von 6 Häusern, 200 m n. der Strasse 
Sursee-Zoüngen, 6 km nw. der Sta- 
tion Sursee der Linie Luzern-Olten und 1,5 km nw. 
Knutwil. 50 kathol. Ew. Obst- und Getreidebau, Viehzucht. 

ERIZ (Kt. Bern, Amtsbez. Thun). 990 m. Gemeinde, 
mit zahlreichen im obern Abschnitt des Thaies der Zuig 
zerstreut gelegenen Bauernhöfen, die durch eine Strasse 
mit dem Dorf Schwarzenegg verbunden sind ; 13 km ö. 
Thun. Postablage, Telephon. Zerfallt in die zwei Ab- 
schnitte Ausser Eri/. (mit dem Weiler Losenegg) und 
Inner Eriz (mit Bieten) und zählt zusammen in 9Ü Häu- 
sern 609 reform. Ew. Kirchgemeinde Schwarzenegg. Rau- 
hes Klima. Acker- und Wiesenbau. Sägen, Holzhandel, 
Uolzkohlenbrennerei. Bemerkenswerte Fundstelle von 
fossilen Pflanzen aus der Miocänzeit. 

ERIZHORN (Kt. Wallis, Bez. Brig). 2696 m. Gipfel, 
ö. Ausläufer des Beiengrats, n. der Aeusseren Nanzlücke 
und in der das Nanzthal vom Thal der Saltine (Simplon) 
trennenden Kette. 

ERKE1.IN (Kt. Glarus, Gem. Kerenzen). 650 m. 
Gruppe von 5 Häusern, auf sonnenreicher Terrasse über 
dem S.-Ufer des Walensees, am linken Ufer des Rötiba- 
ches. am Fussw^ Obstalden-Murg und Vi Stunde so. über 
der Station Mühlehorn der Linie Rapperswil-Wesen-Sar- 
£ans. 19 reform. Ew. Kirchgemeinde Mühlehorn. Acker- 
Bau und Viehzucht. Seidenweberei als Hausindustrie. 
Schöne Aussicht auf Walensee und Churflrsten. 

ERL, ERLEN, ERLI. Ortsnamen der deutschen 
Schweiz, vom althochdeutschen arila = dem neuhoch- 
deutschen Erle. 

ERL (Kt. Wallis, Bez. Brig, Gem. Brigerbad]. 1804 m. 
Frühjahrsweide oder Maiensässe mit etwa 10 Hütten, am 
rechtsseitigen Thalgehänge des Furggbaches (Zuflusses 
zum Baltschiederbadi) und am linken Gehänge des Balt- 
schiederlhales. Mit den in der Thalsohle 4,d km nnö. 
vom Dorf Baltschieder stehenden Hütten von Zu Steinen 
durch einen Zickzackweg verbunden. 

ERLACH. Ortsname der deutschen Schweiz; vom 
althochdeutschen arü-aAi=:Erlengebüsch am Bachufer. 
Entspricht den französischen Ortsnamen Vernay und 
Vernex. 

ER LACH, französisch Cerlier. Amtsbezirk des Kan- 
tons Bern, im Bemer Seeland zwischen Bieler- und 
Neuenburgersee gelegen. Fläche : 9180 ha. Er wird be- 
grenzt: im W. durch den Zihlkanal gegen den Kanton 
Neuenburg; im S. und 0. durch eine von der Einmün- 
dung der ßroye in den Neuenburgersee ausgehende, das 
Grosse Moos in einem dem s. Ufer des Bielersees unge- 
fähr parallel ziehenden Bogen durchschneidende und den 



Aarekanal etwa 3 km vor seiner Einmündung in den Bie- 
lersee treffende Linie, die den Amtsbezirk im S. vom 




*zers 



Amtsbesirk Erlach. 



MUng^rac 



Kanton Freiburg und im 0. vom Amtsbezirk Aarberg 
trennt I im N. und NW. vom Bielersee. Umfasst folgende 
14 politische Gemeinden : ßrüttelen (ßreti^ge). Erlach 
(Cerlier), Finsterhennen, Gäserz, Gals (Chules), Gampe- 
len (Champion), Ins (Anet), Lütscherz (Locras), Müntscne- 
mier (Monsmier), Müllen, Siselen, Treiten (Treiteron), 
Tschuffg und Vinelz (Fenil oder Fenis). 5 Kirchgemein- 
den : Erlach, Gampelen, Ins, Siselen und Vinelz. 

Ringsherum liegen die Grenzen ungefähr im Niveau der 
Juraseen. Im Innern allerdings machen sich Höhendiffe- 
renzen geltend. Aus den alluvialen Ablagerungen des 
Grossen Mooses erheben sich drei einander parallel von 
NO.-SW. ziehende Rücken, nämlich zwei Molassezüge 
und, ö. gegen das Grosse Moos vorgelagert, ein Moränen- 
wall. Der westlichste dieser llügelzüge. der Jolimont, an 
dessen N.-Ende der Hauptort des Amtsbezirkes — Erlach 
— liegt, erreicht eine Seehöhe von 604 m, erhebt sich 
mithin etwas mehr als 150 m über seine Umgebunj^. Auf 
dem Rucken des Hügels (1,5 km sw.des schönen Jolimont- 
gutes) liegt mitten im prächtigsten Buchenwald eine 
Gruppe von grossen ArkesinblöcKen, die, unter dem Na- 
men «c Teufelsbürüe » bekannt , wahrscheinlich einem 
alten Opferplatz entspricht. Grosse erratische Blöcke sind 
ferner aus der Gegend von Erlach und auf der sich von 
hier aus n. nach der St. Petersinsel fortsetzenden Land- 
zunge bekannt. Der Jolimont setzt sich nach N. in den 
Bielersee fort, um sich in der St. Petersinsel (Amtsbez. 
Nidau, Gem. Twann) nochmals 40 m über den Spiegel des 
Sees zu erheben. 

Nur wenige Meter niedriger erhebt sich bei Ins der 
mittlere Rücken, der Schaltenrain, ebenfalls ein Molasse- 
zug, der dem ö. Ufer des Bielersees entlang ziehend bei 
Hagneck vom Aarekanal durchbrochen wird und im Amt 
Nidau im Jensberg endigt. Auch auf dieser Erhebung fin- 
den wir Spuren ehemaliger Versletscherung, ffrosse erra- 
tische Blöcke, von denen besonoers der gewaltige Schal- 
lenstein auf dem Schallensteinfeld, s. der Strasse Münt- 
schemier^Ins, Erwähnung verdient. S. von Lüscherz liegen 
auf dem höchsten Teile des Rückens interessante Tumuli, 
d. h. eine Anzahl von keltischen Grabhüffeln von 3—4 m 
Höhe und etwa 10 m Durchmesser. Auf dem Oberfeld bei 
Ins und in der Nähe von Brüttelen wird das Gestein des 
Schaltenrains in grossen Steinbrüchen ausgebeutet. Die 
Steine von Ins finden besonders als Treppenstufen Ver- 
wendung^ und die Brüttelersteine werden als gute Bau- 
steine weithin verschickt. Die Brüttelerbrüche sind ausser- 
dem den Paläontologen als Fundstelle für Haifischzähne 



46 



ERL 



ERL 



und Säugetierknochen bekannt. Gegen das Grosse Moos 
vorgelagert streicht in gleicher Ricntung die östlichste 
und kleinste der genannten Erhebungen, gebildet aus den 
Moränenhügeln bei Treiten, Finsterhennen und Siselen. 
Dieselben erheben sich rund 50 m über das Grosse Moos, 
erreichen also an absoluter Höhe nicht ganz 500 m. Weiter 
n. gehen diese glazialen Ablagerungen über in fluviogla- 
ziale Geschiebe. 

Die Rücken dieser Hügelzüge sind durchweg stark be- 
waldet. An den fruchtbaren Hängen wird intensiver 
Acker^ und Wiesenbau getrieben. Eine nicht unbedeu- 
tende Fläche ist namentlich an den nach 0. und S. e^e- 
neigten Halden auch dem Weinbau eingeräumt. An cler 
Entsumpfung des Mooses wird seit der Juragewässerkor- 
rektion oesonders in den dem Staate Bern gehörenden 
Gebieten der Strafanstalten Witzwil und St. Johansen 
wacker gearbeitet. Immerhin harrt noch eine grosse Flä- 
che der Urbarmachung. Das Areal des Amtsbezirkes ver- 
teilt sich in folgender Weise : 

Wiesen 2622 ha 

Aecker und Gärten 2340 » 

Wald 1802 » 

Reben 216 » 

Unproduktiv 2200 » 

Total 9180 ha 
Der Amtsbezirk partizipiert mit einem kleinen Anteil 
am Neuenburffersee, mit einem grössern am Bielersee 
und wird im N. und NO. auf eine Strecke 
von ca 10 km von diesem begrenzt. Die 
Ufer des Neuenbursersees sind — soweit 
sie dem Amtsbezirk Erlach angehören, 
d. h. zwischen der Einmündung der 
Broye und der Stelle, bei welcher die Zihl 
den See verlässt — stark versumpft, und 
wir flnden infolge dessen hier keine Spu- 
ren ehemaliger Pfahlbauten. Anders am 
Bielersee : auf den flach seewärts einfal- 
lenden Molasseschichten des Schalten- 
rains wurden Ueberreste von Pfahlbau- 
ten aus der Stein- und Bronzezeit bei 
Lüscherz und bei Vinelz nachgewiesen. 
Ein Bau aus der Steinzeit ist ferner in 
der Zihl bei Zihl brücke gefunden wor- 
den. 

Naturgemäss finden wir auch die Siede- 
lungen zum weitaus grössten Teil an den 
Hängen jener oben genannten Höhen- 
züge. Ohne Ausnahme zeigen die 14 
Ortschaften des Amtsbezirkes diese Lage. 
Einzelhöfe finden sich allerdings auch 
oben auf den Rücken und unten in der 
Ebene des Grossen Mooses. Nach der Volkszählung vom 
1. Dezember 1900 zählt der AmUbezirk Erlach 7066 Ew., 
d. h. 77 Ew. auf den km^. 1053 Häuser, 1379 Haushaltungen. 
Die Bewohner gehören mit Ausnahme von rund 50 Katho- 
liken und 10 Israeliten der reformierten Kirche an. Trotz- 
dem der Bezirk an der deutsch - französischen Sprach- 
grenze liegt, sprechen nur etwa 170 Ew. französiscn. Die 
Bevölkerung ist eine durchaus landwirtschaftliche. Auf 
100 Ew. kommen 96,6 Vieheinheiten, eine Zahl, die nur 
in einem einzigen Amtsbezirk des bemischen Mittellandes 
— in Laupen — grösser ist. Die Viehstatistik ergibt 
folgende Zahlen : 

1886 

Hornvieh 3210 

Pferde 615 

Schweine 1970 

Ziegen 848 

Schafe 2048 

Bienenstöcke 833 

Eine nicht unbedeutende Rolle spielt der Weinbau. Im 
Jahre 1895 ernteten 1637 Rebbesitzer 5968 hl. Wein. Der 
Geldwert dieser Ernte belief sich auf 260 119 Fr. Industrie 
von irgendwie grösserer Bedeutung hat der Amtsbezirk 
Erlach nicht. Ca. 60 Ew. sind mit der Herstellung von 
Uhrenschalen und -steinen beschäftigt. Bei Ins und Brüt- 
telen werden Steinbrüche ausgebeutet. 

Der Verkehr zwischen den einzelnen Ortschaften des 
Bezirkes und den Stationen Aarberg und Kerzers der Linie 



Murten-Lyss findet auf guten Poststrassen statt. Zwischen 
Erlach und Neuenstadt (Station der Linie Biel - Neuen- 
burg) kursieren kleine Dampfboote. Eisenbahnen hatte 
der Bezirk bis vor kurzem kerne. Jetzt wird er im S. von 
der direkten Linie Bern -Neuenburg durchschnitten und 
hat in Müntschemier, Ins u. Gampelen Eisenbahnstationen 
erhalten. 

ER1.ACH, französisch Cerlier (Kt. Bern, Amtsbez. 
Erlach). 436-470 m. Gem. und Städtchen, 
Hauptort des gleichnamigen Amtsbezirks ; 
malerisch am sw. obern Ende des ßielersees 
und am vorspringenden NO.-Fusse des Joli- 
mont gelegen, der sich von dieser Stelle aus 
als schmale und abgeflachte, erst seit der 
Juragewässerkorrektion das Wasser etwas 
überragende Erhebung bis zur St. Peters- 
insel fortsetzt. Dieses Neuland ist aber noch unwegsam 
und unkultiviert. Erlach beherrscht die Strassen vom 
S.-Ufer des Bielersees zu den Zihl brücken und in den 
Kanton Neuenburg, sowie die Strasse Ins-Le Lande- 
ron-Neuenstadt. Landungsplatz der Dampfboote Neuen- 
stadt-Erlach. Zwei Stationen der Direkten Bern - Neuen- 
burg. Ins und Gampelen, sind mit Erlach durch Fahr- 
posten verbunden, oeide sind 4,8 km vom Städtchen 
entfernt. Postbureau, Telegraph, Telephon. 107 Häuser, 
848 reform. Ew. deutscher Zunge. Eigene Kirchgemeinde. 
Die Sprachgrenze (längs der Zihl) ist hier scharf ausge- 
sprochen. Die Bewohner betreiben noch zum grossen Teil 





1896 


1901 


4251 


4780 


645 


751 


3476 


3765 


772 


692 


1118 


477 


725 


554 



Erlach, von Nordweslen. 

Landbau, und die Reben nehmen fast die Hälfte des pro- 
duktiven Gemeindeareals ein. Fabrikation von Uhrsteinen. 
Unbedeutender Handel. Sekundärschule. Kirche und 
Schloss dominieren das Städtchen. Zum letzteren führt 
die Obere oder Junkerngasse hinan, welche mit ihren Lau- 
ben und gotischen Fenstern ein ^utes Bild aus alten Zei- 
ten bietet. Im Schlosse befindet sich jetzt eine gut einge- 
richtete Rettungsanstalt für Knaben. In der Oberstadt, in 
die man durch ein altes mit dem Wappen der Herren 
von Erlach geschmücktes Tor eintritt, befinden sich die 
neben denen von Werdenberg ältesten heute noch vor- 
handenen Laubengänge. Sie gleichen in manchen Be- 
ziehunffen denen von Bern, werden aber nicht, wie diese, 
von scnönen Verkaufsläden, sondern von Stallungen be- 
gleitet. Hier und da hat man diese alten Bauden Kmäler 
dem Geschmack der Neuzeit entsprechend etwas umgebaut. 
Erlach wurde zu Ende des If. Jahrhunderts von Burk- 
hart, Bischof von Basel (demselben, der als Stammvater 
des gräflichen Hauses von Neuenburg gilt) zu einem festen 
Orte gemacht. Bei der Teilung der neuenburgischen Be- 
sitzungen (Beginn des 13. Jahrhunderts) kam es an die 
Grafen von Nidau. Graf Rudolf II. erteilte um 1260 dem 
Orte Stadtrecht. 1405 kam Erlach an Savoyen, später als 

Gemeinsamer Besitz an zwei Zweige des Hauses Chälons. 
474 nahmen die Berner den militärisch wichtigen Ort 
ein, und Erlach war die einzige bleibende Gebietserwei- 
terung, welche der grosse Krieg gegen Karl den Kühnen 
der Stadt Bern einbrachte. 1476-1798 bernische Land- 



ERL 



ERL 



47 



Togtei ; 1523-28 amtete hier als Landvogt der Maler und 
Dichter Nilclaus Manuel. 




Eine Gasse in Erlach. 

Das noch heute bestehende Geschlecht von Erlach 
stammt von den sraflich nidauischen Ministerialen ab, 
welche noch im lo. Jahrhundert auf der Burg Erlach 
sassen. Aber schon Ulrich von Erlach, der Vater des Sie- 
gers von Laupen, hatte in Bern Burgrecht genommen. 

ER1.ACKER (Kt. St. Gallen, Bez. Tablat, Gem. Wit- 
tenbaeh^. 625 m. Gruppe von 5 Häusern, an der Strasse 
Kronbünl-Bernhardzell, d km nw. der Station St. Fiden 
der Linie St. Gallen - Rorschach und 1,2 km nw. Witten- 
bach. 36 kathol. und reform. Ew. Ackerbau u. Viehzucht. 
Stickerei als Hausindustrie. 

ERLE (IN DER) (Kt. Basel Land, Bez. Liestal, Gem. 
Pratteln). 309 m. Historische Lokalitat mit Denkstein ; 
1,1 km n. Frenkendorf und 1,3 km so. Pratteln. Sieg- 
reicher Kampf der Aufständischen von Basel Land gegen 
die Truppen von Basel Stadt. 

ERLEN (Kt. Bern, Amtsbez. Thun, Gem. Steffisburg). 
610 m. Gruppe von 34 Häusern, am Bösenbach und am 
N.-Fuss der Rappenfluh, 2 km ö. der Station Steffisburg 
der elektrischen Bahn Bursdorf - Thun. 348 reform. Ew. 
Acker- und Futterbau. in der Nähe Lehmlager, die von 
der Ziegelei Glockenthal ausgebeutet werden. Im weitem 
Sinne wird der Name Erlen auch auf den im N. von der 
Zalg und im W. von der Strasse Thun - Schnittweier be- 
grenzten Teil von Steffisburg ausgedehnt, der Glockenthal, 
die Häusergruppe Erlen und einen Abschnitt des Dorfes 
Steffisburg selbst umfasst. 

ERLEN (Kt. St. Gallen, Bez. See, Gem. Jona). 418 m. 
Gruppe von 8 Häusern, an der Strasse Erlenbach -Jona; 
1,5 km ö. Jona u. 2,9 km nö. von Rapperswii. 30 kathol. Ew. 

ERLEN (Kt. Thurgau, Bez. Bischofszell). 463 m. Gem. 
und Pfarrdorf, an der Strasse Weinfelden - Romanshorn 
und 10 km osö. Weinfelden. Station der Linie Winterthur- 
Frauenfeld- Romanshorn 500 m nw. vom Dorf. Postbureau, 
Telegraph, Telephon. Gemeinde, mit Buchackern, Engis- 
hofen. Ennetaacn, Ebstegen, Eppishausen und Kdmmerts- 
hausen : 227 Häuser, 1112 reform. Ew. ; Dorf: 23 Häuser, 
127 Ew. Futter- und Obstbau. Stickfabrik mit 16 Maschi- 
nen, Baumwollgamfarberei, Wirkwaarenfabrikation. Bis 
1763 war Erlen der Kirchgemeinde Sulffen zugeteilt, dann 
von dieser abgetrennt und mit ßucnackern, Ehstegen 
und Eppishausen zusammen zur eigenen Kirchgemeinde 
erhoben. Die Katholiken der Gemeinde sind heute noch 
nach Sulgen pfarrgenössig.. Erlen verdankt seinen Wohl- 
stand der Familie Brunschweiler, die sich hier im 18. 
Jahrhundert niederliess und die Stickerei einführte. 
Funde von römischen Münzen. 

ERLEN (OBER und UNTER} (Kt. Luzern, Amt 
Hochdorf, Gem. Emmen). 504 und 400 m. Zwei Gruppen 
von zusammen 5 Häusern, nahe dem linken Ufer der 
Kleinen Emme, 3 km sw. Emmen und 2 km ö. der Station 
Emmenbrucke der Linie Luzern -Ölten. 66 kathol. Ew. 
Landwirtschaft und Viehzucht. Handel mit Most. 



ERLEN (OBER und UNTER) (Kt. Schwyz, Bez. 
Höfe, Gem. Wolierau). 640-500 m. 13 zwischen Krebsbach 
und Mühlebach am W.-Hang des Beckihügels zer- 
streut gelegene Häuser, 1 km ö. der Station 
Samstagern der Linie Wädenswil-Einsiedeln und 
1,5 km sw. Wolierau. 104 kathol. Ew. Obst- und 
etwas Weinbau, Bienenzucht. Mühle. 

ERLENBACH (Kt. Bern, Amtsbez. Nieder Sim- 
menthal). 707 m. Gem. und schönes Pfarrdorf, am 
S.-Fuss der Stockhorn kette, am linken Ufer der 
Simme, an der Strasse Spiez-Zweisimmen und 6,5 
km w. Wimmis. Schön gelegen. Station der Sim- 
menthalbahn. Postbureau. Teleffraph, Telephon. Ge- 
meinde, mit Almenden, Balzenoerg, Leimern, Esch- 
len, Latterbach, Ringoldingen, Sewelen, Wösch und 
Tal : 241 Häuser, 1518 reform. Ew. ; Dorf : 90 Häu- 
ser, 602 Ew. Ackerbau und Viehzucht. Grösste Vieh- 
märkte der Schweiz, an denen im Herbst jeweilen 
3-4000 Stück Rindvieh der Simmenthalerrasse auf- 
geführt zu werden pflegen. Zucht von ihres Schlages 
u. ihrer Stärke wegen geschätzten Pferden. Frem- 
denindustrie. Holzhandfel. Sekundärschule. Kran- 
kenhaus. Bemerkenswert eine Reihe von schönen 
Holzhäusern im Hemer Oberländerstil. Kirche mit 
originellem Turm und alten Fresken. Neben der 
Kirche, auf einer Anhöhe, stand einst eine alte, heute 
völlig vom Erdboden verschwundene Burgruine. 
Von Erlenbach aus kann das Stockhorn in 4^ Stunden 
erstiegen werden. Die Herren von Erlenbach, die wahr- 
scheinlich im 12. Jahrhundert das ganze untere Simmen- 
thal beherrschten, erbauten die Burg Weissenburff, nann- 
ten sich in der Folge nach dieser Freiherren von Weissen- 
burg und wurden eines der mächtigsten Geschlechter des 
untern Simmenthaies. 1439 kam Erlenbach an Bern. 
Peter Kunz, der Freund Luthers und ein hervorragender 
Förderer der Reformation in bemischen Landen, war 
1517-1535 Pfarrer zu Erlenbach. 

ERLENBACH (Kt. Zürich, Bez. Meilen). 415 m. Gem. 
und Pfarrdorf, am rechten Ufer des Zürich- 
^ — ^^ sees, an der Strasse Zürich-Meilen und 8 km 
H ^M so. Zürich. Station der rechtsufrigen Zürich- 
^ ^^ seebahn (Zürich -Meilen -Rapperswii) und 
I I Haltestelle der Dampfboote. Postbureau, Tele- 

H Ih $'*^P^> Telephon. Gemeinde, mit Bindschädler, 
^ ^P Isler, Lerchenberg und Winkel : 203 Häuser, 
^^^^ 1207 reform. Ew.; Dorf: 131 Häuser^ 817 
Ew. Weinbau, Viehzucht. Eine Seidenweberei mit 100 
Arbeitern. An der Mariahalden die Martinstiflung, ein 
1894 jg^egründetes Asyl für geistig und körperlich schwach 
entwickelte Kinder. Vor dem Dorf (im Winkel) und 
im Dorf selbst (am Widen) Pfahlbauten. Römische 
Siedelung auf der obern Allmend, Alemannengräber 
beim neuen Friedhof. Vor einigen Jahren ist man hin- 
ter dem Lochhaus, am linken Ufer des Dorfbaches, 
auf Mauerreste gestossen, die offenbar von der einstigen 
Wohnunff des vom Kloster Einsiedeln über seine Probstei 
Erlenbach gesetzten Vogtes herrühren. Die Gerichtshoheit 
zuerst in Händen der Grafen von Habsburg und dann der 
Grafen von Toggenburg, die sie 1400 für 350 Gulden an 
die Stadt Zürich verkauften. Zur Zeit des alten Zürich- 
krieges fand 1445 bei Erlenbach ein Gefecht zwischen 
Zu renern und Eidgenossen statt. 

ERLENBACH ([HINTER u. VORDER) (Kt. Bern, 
Amtsbez. u. Gem. Signau). 770 und 750 m. Zwei Gruppen 
von zusammen 5 Hausera, nahe dem linken Ufer der 
Emme und 2,5 km so. der Station Signau der Linie Bem- 
Luzera. 28 reform. Ew. 

ERLENQRABEN(Kt.Luzero,Amtu.Gem.Entlebuch). 
910 m. Weiler, am rechtsseitigen Gehänge des Entlebuch, 
s. der Strasse Entlebuch - Finsterwald und 3 km so. der 
Station Entlebuch der Linie Bern-Luzern. 15 Häuser, 
57 kathol. Ew. Wiesenbau, Viehzucht und Milchwirt- 
schaft. 

ERLENHOLZ (OBER u. UNTER) (Kt. St. Gallen, 
Bez. Gossau. Gem. Waldkirch und Bez. Tablat, Gem. Wit- 
ten bach). 565 und 558 m. Zwei Gruppen von zusammen 
10 Häusern, zu beiden Seiten der hier überbrückten Sit- 
ter, an der Strasse Kronbühl-Bernhardzell, 4 km nw. der 
Station St. Fiden der Linie St. Gallen-Rorschach und 1,7 
km sw. Wittenbach. 63 kathol. Ew. Kirchgemeinden Bern- 



48 



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hardzell und Wittenbach. 
ckerei als Hausindustrie. 



Ackerbau und Viehzucht. SU- 







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Erlflubiii^b am 2i]nrhs&i»„ voa SfidwesttiD. 

ERLENMOOS (Kt. Bern, Amtsbez. Aarwangen, Gem. 
Thunstetten). 499 m. Gruppe von 5 Häusern, 800 m w. 
Thunstetten und 1,2 km s. der Station Büzberg der Linie 
Ölten- Bern. 23 reform. Ew. Landwirlscbafl. 

ER1.ENM008 {OBER, MITTLER und UNTER) 
(Kt. Zu^, Gem. Menzmgen). 782-745 m. Drei Bauernhöfe, 
s. vom Wilersee, 8 km ö. vom Bahnhof Zug und 2,4 km 
so. Menzingen. 20 kaihol. Ew. 

ERLENMOOS (OBER u. UNTER) (Kt. Solothurn, 
Amtei Ölten - Gösgen, Gem. Trimbach). 723 und 582 m. 
Zwei Häuser, 2 km nw. Trimbach und 4,5 km nnw. des 
Bahnhofes Ölten. 18 kathol. Ew. 

ERLE88EN (Kt. Bern, Amtsbez. Konolfingen, Gem. 
Uöchstetten). 738 m. Gruppe von 7 Häusern, am N.-Hang 
des gleichnamigen Höhenzuges, 500 m w. der Station 
Höchstetten der elektrischen Bahn Burgdorf-Thun. 40 re- 
form. Ew. Landwirtschaft. 

ER LI (Kt. Zug, Gem. Steinhausen) 445 m. Gruppe von 
4 Häusern, in fruchtbarer Gegend, 700 m nw. Steinhausen 
und 3,5 km nö. der Station Cham der Linie Zürich-Zug- 
Luzern. 20 kathol. Ew. Ackerbau und Viehzucht. 

ERLI (HINTER und VORDER) (Kt. Zürich, Bez. 
Hinwil, Gem. Wald). Weiler. S. den Art. Ehru. 

ERLIBACH (Kt. Nidwaiden, Gem. Beckenried). 454 
m. Weiler, am Ufer des Vierwaldstattersees ; 1,5 km so. 
Beckenried und 10,5 km ö. Stans. 10 Häuser, 87 kathol. 
Ew. Zementbrennerei. 

ERLINSBACH oder ERLISBACH (Kt. Aargau, 
Bez. Aarau). 439 m. Gem. und Pfarrdorf, vom solothurni- 
schen Ober Erlinsbach durch den Erzbach geschieden ; 
4,5 km nw. vom Bahnhof Aarau. Postablase, Telephon ; 
Postwagen nach Aarau. Gemeinde, mit Hara : 163 Häuser, 
1161 reform. Ew. ; Dorf: 151 Häuser, 1077 Ew. Acker-, 
Obst- und Weinbau^ Viehzucht. Viele der Bewohner ar- 
beiten in den Fabriken von Aarau. In der Nähe von Er- 
linsbach das St. Lorenzbad, die Ferienkolonien der Stadt 
Aarau und das neue aargauische Sanatorium für Lungen- 
kranke. Funde aus der Steinzeit; primitive Steinbutte u. 
einige Bronzegegenstande. 

ERLINSBACH oder ERLISBACH (NIEDER und 
UNTER) (Kt. Solothurn, Amtei Olten-Gösgen). 405 m. 
Gem. und Pfarrdorf, am rechten Ufer des Erzbaches, 1 
km s. Ober Erlinsbach und 3,5 km nw. vom Bahnhof 
Aarau. Postablage, Telephon ; Postwagen Aarau-Ober Er- 
linsbach. 128 Häuser, 1085 kathol. Ew. Futterbau. Stein- 
bruche. Viele der Bewohner arbeiten in den Fabriken von 
Aarau und Schönenwerd. Römische Siedelung. 

ERLINSBACH od. ERLISBACH (OBER) (Kt.Solo- 
thurn, Amtei Olten-Gösgen). 439 m.Gem. u. Dorf, zu beiden 
Seiten des Erzbaches, 1 km n. Nieder Erlinsbach und 4,5 
km nw. vom Bahnhof Aarau. Postablage, Telephon: Post- 
wagen nach Aarau. Gemeinde, mit Breitmis : 55 Häuser, 



445 kathol. Ew. ; Dorf: 37 Häuser, 285 Ew. Kirchgemeinde 
Nieder Erlinsbach. Futterbau, Viehzucht und Milchwirt- 
schaft. Schuhwaarenfabrikation. Gros- 
ser Steinbruch. 

ERLOSEN und OBER ERLO- 
SEN (Kt. Luzern, Amt Sursee, Gem. 
Gunzwil). 739 und 755 m. Zwei Grup- 
pen von zusammen 5 Häusern, am NO.- 
Hang der Blosenbergerhöhe, 2 km s. 
Gunzwil und 6 km nö. der Station 
Sursee der Linie Luzern-Olten. 30 ka- 
thol. Ew. Kirchgemeinde Münster. 
Ackerbau und Viehzucht. 

ERLOSEN (DIE) (Kt. Luzern). 
Ziemlich ^leichmässig verlaufender 
Höhenzug im nö. Teile des Kantons 
Luzern. Die Länffsgrenzen sind das 
Winen- und das Hitzkircherthal, d. h. 
die Hitzkircher Aa mit dem Baldegger- 
und Hallwilersee im NO. und die 
Wina im SW. Die N.-Grenze fiUlt so 
ziemlich mit der Kantonsgrenze zusam- 
men. Die Erlosen beginnen s. Reinach, 
steigen dann massig an und ziehen sich 
ziemlich gleichförmig hin, erreichen 
ob Seh Warzen bach eine Höhe von 692 
m, steigen jedoch im höchsten Punkte, 
im sog. Kuhwald oberhalb Herlisberg, 
auf 814 m. Dann senken sie sich allmählig. haben bei 
den schönsten Aussichtspunkten in Ober Reinach 746 




Höhenzug der Erlösen. 



KAUingtrje. 



m, in Ludigen 768 m und bei Römerswil noch 731 
m. Dann verbreitern sie sich und laufen bei Hildis- 
rieden, Willischwil und Rain in ein Hochplateau aus. 



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ERM 



49 



Der Höhenunterschied zwischen dem Spiegel des Bald- 
eggersees und dem höchsten Punkte im sogen. Kuhwald 
beträgt 344 m. Die Länge der Erlosen be- 
trägt ca. 12 km und die Breite zwischen 
Uitzkircher Aa und der Wina auf der Pro- 
jektionsebene gemessen 4 km. Der grösste 
Teil der Oberfläche ist mit Wald bedeckt. 
So finden wir auf dem Nü.-Hang den aus- 
gedehnten Erloserwald, am SW.-Hanff ge- 
gen Münster und Neudorf hin den Kuh- 
wald, Linden wald und Bromerwald. Be- 
merkenswert sind femer die sogen. Tobel. 
Die Wasser des Berges eilen nämlich meist 
geradlinig, fast rechtwinklig zur Hauptrich- 
tung des Höhenzuges in die Thäler hinab. 
Die Betten dieser Bäche sind ffewöhnlich 
tief eingeschnitten. Die beiden Ufer, steinige 
Halden, sind bewaldet, in der Regel mit 
Laubholz, vorzugsweise Buchen. Der Bach 
und die bewaldeten Ufer zusammen bilden 
diese «Tobel». Die vorgenannten ausgedehnten Waldun- 
gen bestehen fast ausschliesslich aus Tannen, worunter 
wir wieder hauptsächlich die Rottanne trefl'en. 

Das offene Land ist wohlangebautes Kulturland. Der 
Boden ist zwar etwas leicht, moränenartig (kiesig) ; man 
trifft darin erratische Blöcke von ziemlicher Grösse an. 
Fast jede Kulturpflanze kommt fort; so werden Korn, Rog- 
gen und Kartoffeln gebaut ; wir treflen an Futterpflanzen 
Esparsette, Luzerne, Klee und die gewöhnlichen Wiesen- 
gräser. Auch die Fruchtbäume, als Apfel-, Birn-, Kirsch- 
und Zwetschgen bäume liefern schöne Erträge. 

Der Berg selber ist übersät mit einer Menge von Ge- 
höften und selbst kleineren Dörfern ; so finden wir über 
die Kammlinie Schwarzenberg, Herlisberg, Ober Reinach 
und Römerswil. Die Strassenzüge sind im s. Teile besser 
als im n., wo sie noch canz bedeutend der Verbesserung 
fähig sind. Von Herlisberg führt eine Strasse über die 
Höhe nach Römerswil und Willischwil. Sie hat im W. 
Abzweigunjg^en nach Münster, Neudorf und Hildisricden 
und im NO. nach Stäffligen. Im n. Teile gehen von 
Schwarzenbach aus Strassen nach Münster, Menzikcn, 
fieinwil und Mosen. 

Im Sagenkreise des Kantons Luzem spielen die Erlosen 
eine hervorragende Rolle ; sie sind der eigentliche Blocks- 
berg der örtlichen Hexen geschieh te. Auf der Erlosen, an 
einer abgeholzten Stelle des Erloserwaldes, versammelten 
sich zu weiten die Hexen und hielten hier ihren Hexen- 
sabbath ab. Von allen Seiten kamen sie dazu auf den 
Hexenbesen angeflogen. Fast in jedem Hexenprozesse und 
Hexenverhöre werden die Erlosen genannt. 

Die Erlosen sind jetzt noch der schönen Aussicht wegen 
viel besucht. Sic gewähren einen herrlichen Ausblick auf 
die umliegenden Thäler, in die Voralpen und selbst auf 
die schneeweissen Gipfel der Hochalpen. Vielbesuchte 
Aussichtspunkte sind Ober Reinach, Ludigen, Herlisberg 
und Schwarzenbach. [A. Erni.] 

ERLÖSEN (OBER und UNTER) (Kt. Zunch, Bez. 
und Gem. Hinwil). Häusergruppen. S. den Art. Ehr- 

LOSKN. 

ERMATINQEN (Kt. Thurgau, Bez. KreuzUngen). 
400-440 m. Gem. und grosses Dorf, am Untersee schön 
gelegen, 7 km w. Konstanz. Zerfällt in die zwei getrenn- 
ten Abschnitte des Dorfes und des c Staad » (Gestade). 
Ersteres liegt an der Strasse Konstanz-SchafHiausen und 
ihren gegen Schloss Hard und Fruthwilen-Märstetten nach 
S. abgehenden Verzweigungen ; der Staad, unmittelbar 
am Seeufer gelegen, bildet auf einem in den See vorge- 
schobenen und landfest gewordenen Delta einen Kreis- 
bogen und ist stets von einer Flottille von Gondeln, Nachen 
und Motorbooten umgeben. Zwischen Dorf und Staad zieht 
die Bahnlinie durch. Gemeinde, mit Triboltingen : 326 
Häuser, 1728 Ew.; Dorf: 258 Häuser, 1410 Ew., wovon 
1244 Reformierte und 166 Katholiken. Bedeutende Station 
der Linie Konstanz-Schaffhausen. Zollamt, Postbureau, 
Telegraph. Telephon. Früher bedeutender Landungsplatz 
für Segelschiffe, heute eine der wichtigsten Stationen der 
Dampiooote des Untersees. In gerader Fortsetzung der 
zum Hafen führenden Strasse zient sich eine 150 m Tange 
hölzerne Landungsbrücke in den See hinaus. Der Dialekt 
der Bewohner von Staad zeigt die sonst nirgends anzu- 



treffende Eigentümlichkeit, dass der Diphthongh ei in ein 
dunkles, langgezogenes oa umgewandelt wird, so dass 




Erroatingen, von Westen. 

z. B. Wörter wie Stein, Bein, kein, Leiter als Stoa, Boa, 
koa, Loater ausgesprochen werden. Staad ist bei Hoch- 
wasser oft Ueberschwemmungen ausgesetzt, so dass die 
endliche Durchführung der zur Regulierung der See- 
wasserstände vorgeschlagenen Massnahmen mit Ungeduld 
erwartet wird. Geplant wird eine elektrische Strassenbahn 
Ermatingen-Konstanz-Münsterlingen, da Ermatingen und 
die umliegenden Schlösser beliebtes Ausflugsziel der Kon- 
stanzer sind. Ermatingen ist auf dem besten Wege, ein 
Kurort ersten Ranges zu werden. Neben der Fremden- 
industrie haben sich eine Reihe von andern industriellen 
Erwerbszweigen erst seit Kurzem eingebürgert, so dass 
sie bis jetzt noch verhältnismässig wenige Hände beschäf- 
tigen. Es sind die Hersteilung von Waagen aller Art, 
von Blechbüchsen, Karton- und Werkzeugfabrikation, Bau 
von Luxuswagen, dann die Stickerei als Hausindustrie 
riQ-12 Stickmaschinen), eine Säge für Bauholz, zwei 
Kleiderfabriken. Holz- und Viehhandel, dieser besonders 
von den in Wangen (Grossherzogtum Baden) ansässigen 
Juden betrieben, die in Ermatingen eigene Stallungen ge- 
mietet haben. Haupterwerbsquelle der Bewohner ist aber 
immer noch die Landwirtschaft; mit Ausnahme von etwa 
20 ausschliesslich von der Fischerei lebenden Männern 
bebauen auch die Fischer von Staad alle noch einige 
kleine Aecker und Weinberge. Boden sehr fruchtbar und 
Klima ^nstig, so dass hier der Pflanzenwuchs durch seine 
Fülle einen auffallenden Gegensatz zu dem im Thurthal 
bildet. Im Grossen und mit Sorgfalt wird besonders die 
Frühjahrsrosenkartoflel gebaut, die in grossen Massen auf 
den Konstanzer Markt zum Verkauf ausgeführt wird. Als 
Dünger wird (heutzutage allerdings seltener als früher) 
eine im See wachsende Wasserpflanze, das sog. Wasser- 
heu, verwendet, die man im Winter zur Zeit des Niedrig- 
wasserstandes einsammelt. In den Beständen dieses Arm- 
leuchtergewächses {Ohara) tummelt sich die Groppe, ein 
kleiner Fisch mit breitem Kopf, der einem der Ortschaft 
Ermatingen eigentümlichen Fest, der sog. Groppenfast- 
nacht, seinen Namen gegeben hat. Ueber den Ursprung 
dieses Festes sind die Meinungen noch verschieden, in- 
dem es von den Einen mit dem Konzil zu Konstanz in Ver- 
bindung gebracht, von den Andern aber als alter ger- 
manischer Brauch angesprochen wird. Weitbekannt ist 
Ermatingen durch seinen Handel mit Fischen geworden, 
die hauptsächlich in die übrigen Teile der Schweiz, ins 
Grossherzogtum Baden und nach Württemberg ausgeführt 
werden ; Forellen von Ermatingen kommen sogar in Paris 
auf den Markt. Der wichtigste und lohnendste Zweig der 
Fischerei ist der Fang des Gangfisches, einer kleinen 
Feichenart mit ausgezeichnet zartem Fleisch. Der Fisch 
wird im Winter gefangen und für den Export geräuchert. 
Eine grosse, von der Eidgenossenschaft unterstützte Fisch- 
brutanstalt sorgt für die stetige Neubevölkerung des Sees. 
Während der Laichzeit 1899-1900 hat die Anstalt aus 
3546000 Eiern vom Silberfelchen 8195000, aus 1962000 
Eiern vom Gancfisch 1 737000 und aus 390000 Eiern von 
der Aesche 222000 junge Fischchen ausffebrütet. 

Sowohl vom See als auch von den umliegenden Höhen 
aus gesehen, bietet Ermatingen mit seinem Umgelände 
einen reizenden Anblick dar. Vom See aus sieht man zu- 
nächst den Staad mit seinen unregelmässig, aber originell 
OEOGR. LEX. 48 — II — 4 



50 



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ffruppierten Gebäudekomplexen, höher oben folgen, mitten 
m prächtig grünen Gärten und Öbstbaumhainen versteckt, 
die gut emfferichteten hohen Häuser des Dorfes, dann 
kommt die Kirche mit ihrem massiven Turm und ihrem 
steilen Giebeldach, und das Ganze endlich vvird beherrscht 
von Landhäusern u. Schlössern (Lilienberg, ßreitenstein, 
Wolfsberg), hinter denen die mit Reben, Wiesen, Aeckern, 
Obstbäumen und, zu oberst, mit Buchen- und Tannen- 
waldungen bestandenen Hänge ansteigen. 300 ha dieser 
Wälder sind Ermatinger Bürger|rut. Noch schöner ist der 
Blick von den Höhen des schweizerischen Ufers auf den 
See, die prächtige, mit Villen und Kirchen übersäete Insel 
Reichenau und hinüber ins badische Gebiet. Am schönsten 
geniesst man die Aussicht von dem 20 Minuten über Er- 
matingen in 517 m Meereshöhe gelesenen Schloss Wolfs- 
berg aus, das heute zu einem Gasthof mit Restaurant um- 
gewandelt ist und stark besucht wird. (Reichhaltige 
Sammlung von Altertümern}. Von hier aus liegen dem 
Blick der Untersee, die Reicnenau, Konstanz mit Umge- 
bungen und das abwechslungsreiche schwäbische Hügel- 
land offen da. Bemerkenswert ist auch das s. vom Dorf in 
romantischem Tobel gelegene und von prächtigen Bäumen 
und wasserreichen Parkanlagen umgebene Schloss Hard, 
das 1898 von einer Aktiengesellschaft angekauft und zu 
einer Trinkerheilanstalt für die wohlhabenden Klassen 
eingerichtet wurde. Die Gegend von Ermatingen ist schon 
frühzeitig besiedelt gewesen. Eine grosse Pfahlbaustation 
hat man im «Bügen», in der w. vom Dorf gelegenen 
Seebucht, aufgefunden. Auf den Aeckern sind hier und da 
römische Münzen zum Vorschein gekommen, und die Erd- 
arbeiten beim Bau der Eisenbahn haben 1875 zahlreiche 
Alemannengräber zu Tage gelegt. Im W^ald über Erma- 
tingen ist ein Steinbeil gefunden worden. Pfahlbau- 
stationen aus der Steinzeit im obem Staad und imWester^ 
feld. Gräber mit zu Asche gebrannten Leichen bei der 
Museffg. Karl Martel schenkte 1724 Ermatinga dem soeben 
von Sintus gestifteten Kloster Reichenau; nachdem es 
diesem lange angehört, ging das Dorf an den Bischof von 
Konstanz über, dem es bis 1798 zu Eigen war. Die Pfarr- 
kirche zu Sankt Albinus wird schon 1215 als Eigentum 
von Reichenau erwähnt : sie ist im Schwabenkrieg von 
den Kaiserlichen geplündert worden. Im Erdgeschoss des 
Turmes die St. Katharinenkapelle. (Grabdenkmäler mit 
den Wappen derer von Breitenlandenberg, von Ulm und 
von Hallwil)/ 1491 suchte eine furchtbare Hungersnot die 
Gegend heim, so dass die Einwohner genötigt waren, 
sich mit Gras, Nesseln und Disteln zu ernähren Im 
Schwabenkrieg wurde die aus 400 Mann 
bestehende und vom Hauptmann Blunt- 
schli befehligte schweizerische Besatz- 
ung von Ermatingen in der Nacht des 
11. April 1499 von dem 18000 Mann star- 
ken Feind überfallen und niedergemet- 
zelt und das Dorf der Plünderung und 
den Flammen überliefert. Darauf woll- 
ten sich die schwäbischen Truppen nach 
Konstanz zurückziehen, stiessen aber bei 
Triboltingen auf 2000 Eidgenossen aus 
dem Lager bei Schwaderloo, die ihnen 
eine blutige Niederlage beibrachten. Er- 
matingen erholte sich rasch wieder; 
schon 1501 entstand das heute noch 
wohlerhalt^ne Rathaus, dessen sehens- 
werter Sitzungssaal mit schönen Glas- 
gemälden (Wappen der Schirmkantone 
des Thurgaus, Porträts, Szenen aus dem 
Fischerleoen etc.) geschmückt ist. Er- 
matingen war eine derjenigen Ortschaf- 
ten im Thurgau, wo der jeweilige Land- 
vogt den Bewohnern dieses Untertanen- 
landes den Treueid abzunehmen pflegte. 
Vergl. Mayer, August. Geschichte van 
Ermatingen von i600-i800 (in den 
Thurg, Beitr. 38). Frauenfeld 1898. 

ERMEN8EE(Kt.Luzem,AmtHoch- 
dorf). 470 m. Gem. und Dorf, an der Hitz- 
kircher Aa und am O.-Fuss der Er- 
losen. Station der Seethalbahn. Postablage, Telephon. 101 
Häuser, 571 kathol. Ew. Kirchgemeinde Hitzkirch. Acker-, 
Obst- und etwas Weinbau, Viehzucht und Milchwirtschaft. 



Auf dem Herrenberg römische Si«delung; am Hang des 
Hügels hat man einen römischen Münzschatz au%edeckt. 
1 '1 7i * Ai*iTiPiisp 

ERMEN8WIL (Kt. St. Gallen, Bez. See, Gem. Eschen- 
bach). 475 m. Kleines Dorf, am Lettenbach, an der Strasse 
Rüti-Eschenbach, 3 km nw. Eschenbach und 3,3 km so. 
der Station Rüti der Linie Zürich-Uster-Rapperswil. 30 
Häuser 2 222 kathol. Ew. Viehzucht. Käserei. Baumwoll- 
wfibfirßi 

ERMI8RIEDT (Kt. Zürich, Bez. Hinwil, Gem.Gossau). 
530 m. Gruppe von 6 Häusern, nahe der Strasse Dürnten- 
Esslingen und 3 km nw. der Station Bubikon der Linie 
Zürich-Uster-Rapperswil. 22 reform. Ew. 

ERNET8WIL (Kt. St. Gallen, Bez. See). 582 m. Gem. 
und Pfarrdorf, in schönem Thal, 2 km nw. der Station 
Uznach der Linie Rappers wil- Wesen- Sargans. Postablage, 
Telephon. Gemeinde, mit Gebertingen, Ricken, St. Jo- 
hannishöfe und Schümberg : 124 Häuser, 692 kathol. Ew. ; 
Dorf: 26 Häuser, 135 Ew. Wiesenbau, Viehzucht, Käserei. 
Seidenweberei. Bad, von den Bewohnern der benachbar- 
ten Ortschaften stark besucht. Zum erstenmal 885 urkund- 
lich erwähnt. Von Gommiswald 1807 abgetrennt. 

ERPILLE und ERPILLE8 (Kt. Waadt und Wal- 
lis). Gipfel und Alpweiden. S. die Art. Arpille und Ar- 

PILLES. 

ERPOLINQEN (Kt. Luzern, Amt Willisau, Gem. 
Grossdietwil). 700 m. Gruppe von 7 Häusern, in einer Ex- 
klave der Gemeinde Grossdietwil gelegen, 3 km nö. von 
diesem Dorf und 8 km w. der Station Nebikon der Linie 
Luzern - Ölten. Telephon. 62 kathol. Ew. Viehzucht und 
Milchwirtschaft. Käserei. 

ERR (ALP D') (Kt. Graubünden, Bez. Albula, Kreis 
Oberhalbstein, Gem. Tinzen). 1964 m. Alpweide mit 
Gruppe von etwa 20 Hütten, um rechten Ufer des ö. 
Quellarmes der Julia, am S.-Fuss des Pizzo Grossa und 
im Val d'Err gelegen ; 3V4 Stunden ö. über Tinzen. 

ERR (PIZ D') (Kt. Graubünden, Bez. Albula u. Maloja). 
3395 m. Hauptgipfel der Errgruppe. Diese erhebt sich 
zwischen Albula, Julier, Oberhalbstein und Engadin und 
umfasst einerseits den Piz dellas Calderas, die Cima da 
Elex, den Piz Julier und Piz Ot, andererseits die Ber- 
günerstöcke (Piz d'Aela, Tinzenhorn und Piz Michel). Die 
höchsten Gipfel der Gruppe sind die den Piz d'Err noch 
um einige Meter überragenden Piz dellas Calderas und 
Piz Julier. Dagegen ist der Piz d'Err der Knotenpunkt der 
Gruppe, von dem aus deren bedeutendste Zweige abgehen : 
1. der nach S. und SO. über Cima da Flex bis Piz Julier 




Piz d'Err, von der Alp Tscharnoz aus. 

und Piz Ot ziehende ; 2. der nach 0. zwischen Albulapass 
undjVal Bever bis zur Crasta Mora reichende und 3. der- 
jenige der Bergünerstöcke nach N. Der Piz d'Err bildet 



ERR 



ERS 



b\ 



eine schöne Eiskoppe ; er trägt am N.- und NO.-Hang den 
£iTglet8cher, am SO.- Hang den nw. Arm des Beverser- 
ffletschers und am SW.-Hang den kleinen Teiiergletscher. 
Besteigung langwierig, aber nicht sehr schwierig; ent- 
weder über die genannten drei Gletscher oder über den 
N.., ü.- und S.-Grat. Von Mühlen aus 5 Stunden. Pracht- 
volle Aussicht. Näheres über die Errgruppe s. beim Art. 
Engadineralpen. 

ERR (VAl. D'> (Kt. Graubänden, Bez. Albula). 2594- 
1211 m. Seitenthal zum Oberhalbstein, steigt vom O.-Grat 
des Piz d*Err zuerst nach NW., dann nach W. ab und 
mündet bei Tinzen aus. Der Thalhintergrund ist eine öde 
und wilde Cregend, voll von Moränen- und Sturzschutt, 
aber mit prachtvollem Ausblick zum terrassierten Err- 
gletscher mit seinen mächtigen Eisföllen. Dann folgen 
eine Reihe von durch Stufen von einander getrennten 
Thalböden mit schönen und grossen Alpweiden (Alp d'Err 
1964 m, Alp Pensa 1675 m) und zuletzt, bei der Ausmün- 
dung des Thaies, eine enge Schlucht. Die beiderseitigen 
Thalwände sind von sehr verschiedenem Charakter: links 
erheben sich die aus krystaliinen Schiefern bestehenden 
Gipfel des Castellins und seiner Ausläufer, abgerundete, 
sanfte und breite Bergformen mit schwach geneigten und 
mit saftigen Alpweiden bestandenen Hängen ; rechts ste- 
hen die mächtigen Bersünerstöcke (Tinzenhorn und Piz 
d'Aela) und die zahlreichen Gipfel der Kette des Piz Bleis 
Martscha. Hier haben wir statt der krystaliinen Gesteine 
der zentralen Errgruppe die triasischen Kalke und Dolo- 
mite, aus denen die Bergünerstöcke aufgebaut sind und 
die dieser Thalseite einen grossen Formenreichtum ver- 
leihen. Das Val d'Err hat zwei kleine rechtsseitige Neben- 
thäler : das eine beginnt am Tinzenhorn und an dem stark 
verwitterten Grat von Ils Orgels (über den man ins Val 
Spadlatscha hinübergelangen Kann), steict nach SW. und 
S. ab und mündet etwas unterhalb der Alp Pensa aus ; das 
andere beginnt am Piz d'Aela und steigt über die Hoch- 
terrasse der LaJets (kleinen Seen) nach SW. zur Alp d'Err 
ab. Zwischen Tinzenhorn und Piz d'Aela führt der Aela- 
pass ins Val Spadlatscha und weiter nach Filisur und 
Alvaneubad im Thal der Albula, ö. davon die Fuorcla da 
Tschitta ins Val Mulix und den obem Abschnitt des Tha- 
ies der Albula (nach Naz, Preda, Bergün). Ins Val Mulix 
gelanget man ausserdem noch über die Fuorcla da Mulix. 
Alle diese Uebergänge liegen aber sehr hoch und werden 
nur von Jägern und Touristen begangen. Ein linksseitiges 
Nebenthal zum Val d'Err steigt von unterhalb Pensa nach 
SO. bis zur Alp Colm da Boos und zum Castellins an und 
schliesst zahlreiche Alpweiden in sich. Das Val d'Err 
reich an Wiesen und Alpweiden, aber arm an W^ald, der 
in kleinen Beständen nur von der Alp d'Err an abwärts 
auf den untern Thalböden angetroffen wird. 

ERRQ1.ET8CHER (Kt. Graubünden, Bez. Albula, 
Kreis Oberhalbstein). 3380-2594 m. Gletecher, am N.-Hang 
des Piz d'Err ; steigt von dessen O.-Grat in mächtisen Ter^ 
nissen und Eisfallen zum Val d'Err ab, in dessen ooerstem 
Abschnitt er mächtige Moränen, die zu den grössten im 
Kanton Graubünden gehören, abgelagert hat. Wird trotz 
seines starken Geßllles und seiner vielen Spalten bei der 
Besteigung des Piz d'Err oder beim Uebergang ins Val 
Bever oft begangen. 

ERRA (PIZ) (Kt. Tessin, Bez. Leventina). 2420 m. 
Höchster Gipfel der langen Kette des Monte di Sobrio, 
zwischen der Leventina und dem untern Abschnitt des 
Bleniothales. Der Kamm setzt sich vom Piz Erra an mit 
denselben runden und sanften Formen noch nach NW. 
bis zum Pizzo di Molare (2583 m) fort, nach welchem der 
ganze Zug von Blasca bis zum Val Piora benannt ist. Der 
Piz Erra ein schöner Aussichtspunkt, von Lavorgo an der 
Gotthardbahn oder von Acciuarossa im Bleniothal aus in 
je 5 Stunden leicht zu erreichen. 

ER8CHMATT (Kl. Wallis, Bez. Leuk). 1231 m. Gem. 
und Pfarrdorf, auf einer Terrasse über dem rechten Ufer 
der Rhone, n. Turtman, zwischen Feschelbach im W. 
und Enggerschwasser im 0. und 4 km onö. der Station 
Leuk der Simplonbahn. Postablage. 35 Häuser, 323 kathol. 
Ew. Zur Zeit der eidgenössischen Volkszählung vom 
1. Dezember 19(K) zählte Erschmatl nur eine Wohnbe- 
völkerung von 155 Köpfen, was davon herrührt, dass zu 
gewissen Zeiten des Janres die Mehrzahl der Erschmat- 
ter Bürger sich in der benachbarten Gemeinde Grätsch 



aufhält. Ueber den Feschelbach führt eine bemerkens- 
wert kühne und bewundernswert hohe Brücke, eine sog. 
Teufelsbrücke (Pont du Diable), an die sich eine ähnliche 
Sage knüpft, wie an die Teufelsbrücke in der Schöllenen. 
Ueber dem Dorf folgt zunächst ein bewaldeter Terrassen- 
hang und darauf eine neue Terrassenüäche mit dem zur 
Gemeinde Erschmatt gehörenden Weiler Brentschen. 
Gemeinde im 13. Jahrhundert Huers geheissen, dann 
Huers Matt, Erschmatt. Bei Brentschen hat man Gräber 
mit Skeleten aus der Eisenzeit aufgedeckt, in denen sich 
Bronzeübeln mit kreisförmigen Verzierungen fanden. 

ER8CHWIL oder ER8WIL (Kt. Solothurn, Amtei 
Dorneck-Thierstein). 457 m. Gem. und Pfarrdorf, zu bei- 
den Seiten der Lüssel, am O.-Fuss des Hoggen, an der 
Strasse Mümliswil-Laufen und 7 km so. der Station Lau- 
fen der Linie Basel-Delsberg. Postbureau, Telephon; Post- 
wagen nach Laufen, Zwingen und Oberbeinwil. 72 
Häuser, 465 kathol. Ew. Hier ist vielleicht einmal in 
historischer Zeit Eisenerz abgebaut worden. Römischer 
Münzschatz; von Breitenbacn herkommende Römer- 
strasse. 

ER8IQEN (Kt. Bern, Amtsbez. Burgdorf). 501 m. 
Gem. und Dorf, am Oeschbach, an der Strasse Kirchberg- 
Herzogenbuchsee, 5 km nw. Burgdorf und 2 km nö. der 
Station Kirchberg der Linie Solothurn-Burgdorf-Lang- 
nau. Postbureau, Telephon ; Postwagen Kirchberg-Koppi- 
gen. Gemeinde, mit Fluh und Rudswil : 133 Häuser, 1113 
reform. Ew.; Dorf: 79 Häuser, 570 Ew. Kirchgemeinde 
Kirchberg. Das auf fruchtbarer Hochlläche gelegene Dorf 
zieht sich auf eine Länge von 1,5 km hin. Landwirtschaft. 
Käserei. Brennerei. Ziej^elei. 1181 als Ergesingen im Be- 
sitz der Edeln von Ersigen; dann Eigentum der Edeln 
von Sumiswald, die es 13fe7 an Ritter Peter von Thorberg 
verkauften. Dieser hinwiederum vergabte es dem von ihm 
gestifteten Karthäuserkloster Thorberg. Ersigen kam zur 
Zeit der Reformation an Bern. Grabhügel. 

ER8TFE1.D (Kt. Uri). 470 m. Gem. und Pfarrdorf, 
zu beiden Seiten der Reuss, im Reussthal und an der 
Gotthardstrasse vor der Ausmündung des Erstfelderthales. 
Station der Gotthardbahn ; hier werden die schweren Berg- 
lokomotiven vorgespannt, die Steigungen von 30 «/«o über- 




Obersies Erstfelderthal. 



winden und erst in Biasca wieder abgekoppelt werden. 
Postbureau, Telegraph, Telephon. Gemeinde, mit dem 
Bahnhofquartier, Wiler und Ripshausen : 219 Häuser, 



52 



ERS 



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2416 Ew., wovon 362 Reformierte; Dorf: 127 Häuser, 
1714 Ew. Im Bahohofquartier reform. Kirche, die eiozige 
im KaDton üri. Reformierte Schule, von der Verwaltung 
der Gotthardbahn für die Kinder ihrer Angestellten ein- 
gerichtet und unterhalten. Wiesenbau und Viehzucht, 
Viehhandel. Ein Teil der Bewohner steht im Bahndienst. 
Steinbruch der Galciumkarbidfabrik in Gurtnellen; Kies- 
gruben. Schöne Kirche und Schulhaus; bemerkenswerte 
Kapelle (verständnisvoll restauriert), wohin am St. Mar- 
kustag die Umer Bevölkerung in grosser Prozession zu 
walleo pflegt und in der ein Ritterschwert und ein 
Bronzemesser (aus einem alten Grab) aufbewahrt werden. 
Hier brach auch 1799 der Aufstand der Uroer gegen das 
französische Joch aus. Das Muheim'sche Haus oder die 
sog. Rote Hofstatt ist ein typisches Beispiel des alt ale- 
mannischen Gebirgshauses. 1258: Orzeveld; 1275: Oertz- 
veld; 1327: Oertzvelden. 1258-1405 Sitz der Meier des 
Fraumünsterstiftes zu Zürich. Ihr noch in 16. Jahrhun- 
dert bestehender ßurgstall enthielt eine Reihe von 
schönen Wappenmalereien. 

ER8TFELDERTHA1. (Kt. Uri, Gem. Erslfeld). 
LinksseitigetS Nebenthal zum Reussthal; steigt vom Gros- 
sen Spannort (3202 m) zwischen dem Schlossberg im 
W., dem Geissberg und den Sonnigstöcken im N., dem 
Krönten, Kleinen Spannort, Schneehühnerstock und 
Männtliser im S. nach ONO. ab. Vom Fuss des Glatten- 
fims (1852 m) bis zur Ausmündung bei Erstfeld (470 m) 
7,5 km lang; 3 km breit. Ein Drittel des Thaies, d. h. 
der oberste Thalboden ist mit Eis- und Moränenmasseh 
erfüllt, weiter unten Alpweiden und zahlreiche Hütten 

ßiese besonders im Thalboden). Im S. und W. drei 
eine Hochgebirffsseen : Jakobiger-, Ober- und Fau- 
lensee. Zvfischen den zwei letztgenannten steht seit 1890 
die Kröntenhütte des S. A. C. Ausgangspunkt für zahl- 
reiche Bergtouren. Mit dem Engeloergerthal steht das 
Erstfelderthal über die Schlossberglücke in Verbindung. 
Im mittlem und untern Thalabschnitt etwas Wald und 
einige Wohnhäuser. Der das Thal aufwärts führende 
Fusweg ist leicht zu begehen und gefahrlos. Der unterste 
Thalboden bricht bei seiner Ausmündung ins Reussthal 
hoch über demselben ab. Der das Thal entwässernde 
Faulenbach bildet schöne Fälle und hat sich 500 m w. 
Erstfeld durch den steilen Thalabbruch die enge Faulen- 
bachschlucht gegraben. Das schöne und malerische, im 
Winter von Lawinen heimgesuchte Thal wird seit eini- 
gen Jahren mehr und mehr auch von Fremden besucht. 

ER8WI1. (Kt. Solothurn, Amtei Domeck-Thierstein). 
Gem. und Pfarrdorf S. den Art. Erschwil. 

ERZBERQ (Kt. Graubünden, Bez. Ober Landquart). 
2620 m. Gipfel, w. Vorher^ des Aelplihorns, ö. über 
Monstein und dem Davoser Landwasser. 

ERZEQQ (Kt. Obwalden, Gem. Kerns). 2176 m. Fels- 
kamm, dessen WNW.-Hang allmählig zum Melchsee 
sich senkt und dessen SO.-Hang schrol! zum Genthal ab- 
fällt; 9 km nö. über Meiringen. Höchster Punkt direkt 
über den Hütten auf Baumgartenalp. Bemerkenswerte 
Lager von Eisenerzen, deren Abbau zu drei verschiede- 
nen Malen versucht worden ist. Der 
erste Versuch um 1450 musste wegen 
der zahlreichen Unglücksfälle unter 
den Bergleuten bald wieder aufgegeben 
werden, der zweite 1551 und der dritte 
1620 führten wegen der zu grossen 
Transportkosten zu keinem Erfolg. Das 
Erz musste von den Stollen aus zur 
Schmelze hinter Melchthal auf Holz- 
schlitten herabgeführt werden. Die da- 
mals auch auf Berner Boden geöffneten 
Stollen ergaben eine an Qualität zu 
geringe Ausbeute. Auf Grund von geolo- 
ffischen Untersuchungen durch Prof. 
Albert Heim in Zürich ist neuestens die 
Frage der Gewinnung dieser Eisenerze 
wieder aufj^enommen worden, und es 
wird z. Z. die Möglichkeit studiert, den 
wegen der Transportkosten der Stein- 
kohle zu teuern Betrieb von Hochöfen 
durch ein von Elektrizität getriebenes Schmelzwerk zu 
ersetzen. Hierfür könnten die zahlreichen Wildbäche der 
Gegend allerdings genügende Kraft liefern. 



ERZENBERQ (Kt. Basel Land, Bez. Waidenburg). 
984 m. Bewaldete Höhe, sw. Ausläufer der Bölchenfluh, 
zwischen zwei kleinen linksseitigen Nebenthälern zum 
Schönthal ; 1,4 km ö. über Langenbruck. Am S.-Hang das 
Sanatorium Langenbruck. 

ERZENBERQWEQ (Kt. Basel Land, Bez. und 
Gem. Liestal). 310 m. 9 am rechten Ufer der Ercolz zer- 
streut gelegene Häuser, am W.-Fuss des Schleifenbergs 
und 1,2 km nö. der Station Liestal der Linie Olten-Basel. 
86 reform. Ew. 

ERZENHOLZ (Kt. Thurgau, Bez. und Gem. Frauen- 
feld). 385 m. Weiler, 1 km s. vom linken Ufer der Thur, 
an der Strasse Frauen feld-Uesslingen und 3 km w. 
Frauenfeld. Postablage, Telephon ; Postwagen Frauenfeld- 
Ober Neunforn. 15 Häuser, 83 zur Mehr/.alil reform. Kw. 
Viehzucht, Viehhandel und Milchwirtschaft. 

ERZHORN (Kt. Graubünden, Bez. Albula und Ples- 
sur). 2922 m. Einer der höchsten Gipfel der Plessur 
Gruppe, in der vom Aroser Rothorn aus links über dem 
Welschtobel nach NO. ziehenden felsigen und steilwan- 
di^en Kette ; 1,5 km vom Aroser Rothorn. Schöner Gipfel 
mit nach allen Seiten steil abfallenden Hängen. 

ERZTHALI (Kt. Graubünden, Bez. Ober Landquart). 
2450-2290 m. Kleines Thälchen, am O.-Hang des Madris- 
horns, im obern Prätigau ; vom Schwarzbach entwässert, 
der nach SO. ins Schlappinathal abfliesst. Das ganz von 
Sturztrümmern aufgefüllte Erzthäli ist nur eine Art von 
Felsnische, ein Kar. 

kS QENEVROZ (Kt. Freiburg, Bez. Greierz, Gem. 
Pont en Ogoz). Weiler. S. den Art. Genevroz (es). 

tS LEX oder tS LOEX (Kt. Waadt, Bez. Aigle, 
Gem. Lavey-Morcles). Häusergruppe. S. den Art Lex (fcs). 

kS MOl-LlfeS (Kt. Freiburg, Bez. Saane, Gem. On- 
nens). Weiler. S. den Art. MoLLifes (es). 

E8BON8 oder 1.E8 BONS (Kt. Wandt, Bez. und 
Gem. Aubonne). 426 m. Häusergruppe, Landhaus und 
grosses Landgut, 2 km s. Aubonne und 500 m nw. der 
Station Allaman der Linie Lausanne-Genf. 7 Häuser, 25 
reform. Ew. Früher freies Allod, Eigentum der Familie 
B^goz bis 1857. Benjamin Begoz im 17. Jahrhundert 
Burgherr von Aubonne. 

E8CALIER (A L') (Kt. Waadt, Bez. Aiglc, Gem. Be\). 
980 m. In den Fels gehauener Abschnitt des von Les 
Torneresses (Weiler der Gemeinde Les Plans de Frenie- 
res) längs des rechten Ufers des Avangon du Nant nach 
Frenieres absteigenden Fussweges, 800 m so. Frenieres. 
Beliebter Spazierweg der Kurgäste von Les Plans de Fre- 
nieres. 

E8CH (Kt. Zürich, Bez. Hinwil, Gem. Fischenthal). 
700 m. Weiler, am rechten Ufer der Töss, an der Strasse 
Bauma-Wald, 100 m ö. der Station Steg der Tössthal- 
bahn und 2,7 km nö. Fischenthal. 15 Häuser, 63 reform. 
Ew. Viehzucht. Dampfsäge. 

ESCHENBACH (Kt. Luzern, Amt. Hochdorf). 476 m. 
Gem. und Pfarrdorf, am Fuss des seiner Aussicht wegen 
bekannten Ruchlig reizend gelegen, an den Strassen 
Luzern-Hochdorf und Sempach-Root und 9 km n. Luzern. 




Bschenbach (Kt. Luzern) von Süden. 



Station der Seethalbahn. Postbureau, Telegraph, Tele- 
phon ; Postwagen nach Gisikon. Gemeinde, die Weiler 
Blatten, Bründlen, Herrentingen, Höndlen, Mettlen, Oeg- 



ESC 



ESC 



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cenringen etc. inbegriffen : 151 Häuser, 1204 kathol. Ew. ; 
Dorf : 49 Häuser, 447 Ew. KartofTel-, Getreide- und 
Wiesenbau. Ausgedehnte Kiesgruben, 
von zwei Zementfabriken aus|;ebeutet. 
Kirsch Wasserbrennereien. 8flÖ : Eskin- 

Kich. Zisterzienserinnenkloster mit 46 
onnen ; von der Edelfamilie von Eschen- 
bach in Unter Eschenbach gegründet u. 
erst 1294 hierher verlegt. Nachdem 
Freiherr Walter van Eschenbach an 
der Ermordung des Kaisers Albrecht 
von Oesterreich (1308) teilgenommen, 
liess die unerbittliche Kaiserin Agnes 
das ganze Dorf durch Feuer zerstören. 

ESCHENBACH (Kt. St. Gallen, 
Bez. See). 4^ m. Gem. und Pfarrdorf, 
auf welliger und nach S. zum Zürich- 
see geneigter Hochfläche, an der Strasse 
Rapperswil-Wattwil und 3 km nw. der 
Station Schmerikon der Linie Rappers- 
wil-Wesen-Sargans. Poslbureau, Tele- 
graph, Telephon ; Postwagen Rappers- 
wil-St. Gallenkappel und nach Uznach. Gemeinde, mit 
Bürg, Diemborg, Ermenswil,Felzikon, Herrenweg, Lenzi- 
kon,^ Lülsbach und Neuhaus : 359 Häuser, 2117 kathol. 
Ew.; Dorf: 130 Häuser, 799 Ew. Landwirtschaft. Sticke- 
rei und Baumwollweberei. 775: Esghibach; 8(M : Eskin- 
bah ; 826 : Esgibach ; 885 : Esscibahe. Eine Kirche bes- 
tand schon im 9. Jahrhundert. Das Dorf 1444 im alten 
Zürichkrieg von den üesterreichern in Asche gelegt. Hier 
tagt seit 1831 der Bezirksrat des st. gallischen Seebezir- 
kes. Der früher genannte Weiler Baucolfiwilare heute 
verschwunden. Auf dem Diemenberg ehemals eine Letzi. 

E8CHENBERQ (Kt. St. Gallen, Bez. Neu Toggen- 
burg, Gem. Wattwil). 962 m. 8 Häuser, auf dem Hügelland 
zwischen Thur und Necker zerstreut gelegen; 3,5 km 
ö. der Station Wattwil der Toggenburgerbahn. 63 re- 
form. Ew. 

E8CHENBERQ (Kt. Zürich, Bez. Winterthur). 595 
m. Breiter Molasserücken, s. Winterthur bis zur Töss 
reichend. Fast ganz mit einem prachtvollen Wald von 
2125 ha Fläche, Geschenk Rudolfs von Habsburg an die 
Stadt Winterthur, bestanden. Auf dem höchsten Punkt 
ein 30 m hoher eiserner Aussichtsturm und auf zwei Lich- 
tungen die Sommerwirtshäuser Bruderhaus und Eschen- 
berg. Bronzeschwert. 

E8CHENM08EN (Kt. Zürich, Bez. Bülach, Gem. 
Winkel). 525 m. Kleines Dorf, nahe der Strasse Bülach- 
Winterthur, 3 km so. der Station Bülach der Linie Zürich- 
Oülach-Schaffhausen und 2,8 km n. Winkel. 29 Häuser, 
147 reform. Ew. Kirchgemeinde Bülach. 

E8CHENM008 (Kt. Appenzell l. R., Gem. Oberegg). 
695 m. Weiler, 700 m nö. Reute und 6,5 km sw. über der 
Station Au der Linie Rorschach - Sargans. 11 Häuser, 33 
kathol. Ew. Viehzucht und Milchwirtschaft, Stickerei als 
Hausindustrie. Kapelle. 

E8CHENTAQWEN (Kt. Glarus). Kreis, umfasst die 
8. Schwanden am linken Ufer der Linth gelegenen Ort- 
schaften Nidfurn, Leuggelbach, Luchsin^^en und Adlen- 
bach. Bis zum 14. Jahrhundert eingeteilt in die 3 Tagwen 
(Burgergemeinden) Obfum (heute verschwunden), Nid- 
furn und Haslen : dann zu Ende des 14. Jahrhunderts zu 
einem einzigen Tagwen vereinigt. Der Name Eschen- 
tagwen scheint aber erst später in Gebrauch gekommen 
zu sein. Heute blosser Wahllcreis, der die Vormundschafts- 
behörde, den Polizei vorstand, das Friedensgericht und 
die Abgeordnelen in den Land rat ernennt. Im Uebrigen 
sind Luchsingen - Adlenbach, Leuggelbach und Nidfurn 
drei vollkommen von einander getrennte Gemeinden. 
Kirchgemeinden Luchsingen und Schwanden. Auf Boden 
de« loschen tagwen die Stationen Nidfurn und Luchsingen 
der Linie Zürich-Glarus-Linthal. Vergl. Heer, Gottfried. 
Geschichte des Eschenfagwens im Jahrbuch des histor. 
Vereins des Kantons Glarus. Heft 27. 

ESCHENZ (Kt. Thurgau, Bez. Steckborn). 420 m. 
Gem. und Dorf, am Austritt des Rhein aus dem Unter- 
see, am linken Ufer des Flusses, auf den letzten n. Aus- 
läufern des Seerückens und 2 km so. Stein. Station der 
Linie Konstanz-Etzwilen-SchafThausen. Postbureau, Tele- 
graph, Telephon. Gemeinde, mit Bomhausen, Staad und 



zahlreichen Weilern und Höfen : 175 Häuser, 929 Ew., 
wovon 609 Katholiken und 320 Reformierte; Dorf: 148 




Eschenz von Weststkdwesten. 

Häuser, 740 Ew. Eigene katholische Kirchgemeinde, re- 
formierte Kirchgemeinde Burg. Sekundärschule. Acker- 
bau, begünstigt durch die geschützte Lage und die Frucht- 
barkeit des Bodens. Viele Obstbäume, etwas Weinbau, 
Wiesenbau, Schweinezucht, Bienenstöcke. Käserei. Ein 
Teil der Bewohner arbeitet in den Fabriken von Stein. 
Viehzuchtgenossenschaft, Genossenschaft zur Herstellung 
von Kartofielsprit. Leih- und Sparkasse. Zu Eschenz ge- 
hören die drei kleinen Werdinseln, deren ^sste bewohnt 
ist und eine schöne Wallfahrtskapelle tragt. Hier starb 
759 St. Othmar, Abt von St. Gallen. In Eschenz schönes 
Schulhaus, schöne neu restaurierte Kirche mit schlankem 
Turm und harmonischem Geläute. Hydrantenversorgung. 
Bei der St. Othmarsinsel eine zur Steinzeit gegründete 
Pfahlbaustation, die bis in die Bronzezeit bestanden hat. 
Andere bei Eschenz gefundene Bronzegegenstäode stam- 
men vermutlich aus Gräbern. Römische Siedelung mit 
Funden von Inschriften ; kleines römisches Bauwerk bei 
Grünegg ; bei Freudenfels ein römischer Töpferofen. Zahl- 
reiche Alemannengräber. 799: Exsientia. Schloss Freu- 
denfels 1359 genannt ; zuerst Eigentum des Geschlechtes 
von Hohenklingen, dann des Hauses Oesterreich, 1468 
von diesem dem Spital zu Stein gegeben und später Be- 
sitz des Klosters Einsiedeln. Enthielt ein aus Holz ge- 
schnitztes Marienbild aus dem 15. Jahrhundert. 

E8CHERHORN (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Hasle). 
3080 m. Schöner Gipfel, in dem vom Oberaarhom nach 
NO. abgehenden und den Oberaargletscher vom Unter- 
aargletscher trennenden Kamm, s. über dem Unteraar- 
gletscher. Nach dem Geologen Prof. Arnold Escher von 
der Linth (f 1872) benannt. Leicht zu besteigen. 

E8CHERKANAL (Kt. Glarus). S. den Art. Linth- 

KANAL. 

E8CHERT, deutsch Escherz (Kt. Bern, Amtsbez. 
Münster). 595 m. Gem. und Dorf, im Thal von Grand val, 
am N.-Hang des Graitery und auf einer Anhöhe s. über 
dem linken Ufer der Raus ; 2,5 km osö. der Station Mün- 
ster der Linie Basel-Delsberg-Biel. Postablage. Gemeinde, 
mit Sous la Rive: 46 Häuser, 295 Ew., wovon 226 Refor- 
mierte,150 Ew. deutscher und 140 französischer Zunge ; 
Dorf : 31 Häuser, 179 Ew. Schule französisch. Kirchge- 
meinde Grandval. Ackerbau und Viehzucht. Ehemals Ab- 
bau von Eisenerz. Siedelung stammt aus dem 12. Jahr- 
hundert, zuerst Escert geschrieben. Der Name offenbar 
vom altfranzösischen essert = deutschem Rüti, Reute. 

E8CHERT (COMBE D') (Kt. Bern, Amtsbez. Mün- 
ster). 1222 m. Mergelige Wiesen, in einem von Felsen 
umrahmten Zirkus, am Hang des Graitery, 2 km s. über 
Eschert. Bekannt durch die in den Oxfordmergeln vor- 
kommenden pyritischen Fossilien ; fossilführende Echi- 
nodermenbreccie, mit schönen Seeigeln. Die Combe d'E- 
schert häufigen Erdschlipfen ausgesetzt, die dann von 
Zeit zu Zeit den felsigen Untergrund biosiegen. 

E8CHI (Kt. Bern, Amtsbez. Frutigen). Gem. u. Dorf. 
S. den Art. iEscHi. 

E8CHI (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Simmenthai, Gem. 
Boltigen). 895 m. Dorf, am linken Ufer der Simme und 
2,5 km sw. der Station Boltigen der Simmenthalbahn. 50 



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Häuser, 224 reform. Ew. Wiesenbau und Viehzucht. 

E8-8CHIA (FUORC1.A) (Kt. Graubünden, Bez. Ma- 
loja). 3008 m. Gletscherpass, verbindet den zwischen Piz 
Kesch und Piz Val Müra gelegenen £s-chiagletscher mit 
dem grossen Poschabellagletscher und der Keschhutte des 
S.A. C. Fuhrt wie der Sertigpass von Davos ins OberEn- 
gadin, wird aber blos von Touristen begangen, die damit 
zugleich oft noch die Besteigung des Piz Kesch verbin- 
den. 

E8-CHIA (VAl. u. VADRET) (Kt. Graubunden, Bez. 
Maloja)« Kleines Seitenthal zum Ober 
Engadin.; steigt in zwei Armen vom Piz 
Val Mura aus ca. 2700 m Höhe nach 
S. und vom Piz Kesch nach SO. ab und 
mündet bei Madulein (1680 m) aus. Im 
obern Abschnitt von einem Kranz pracht- 
voller Hochgipfel umrahmt, so dem 
hier mit mächtigen Felswänden nach 
S. abfallenden Piz Kesch, dem Piz Blai- 
sun, Piz Val Müra und Piz la Virogla — 
alle mit Firn und Eis umpanzert. Einen 
prächtii^en Anblick gewährt auch der 
etwas niedrigere Piz Belvair. Zwischen 
Piz Kesch und Piz Val Müra hängt der 
Vadret d'Es-chia (Es-chiagletscher). Das 
romanische ch wird wie ^t, im Oberlän- 
derdialekt wie ig ausgesprochen, so dass 
Es-chia in der Aussprache etwa wie Es- 
tia lautet. 

E8CH1EQQ (Kt. Bern, Amtsbez. 
Ober Simmenthai, Gem. Boltigen). 1110 
m. Weiler, an der Strasse Bolti^en- 
Jaun (Bellegarde), an einem kleinen 
linksseitigen Zufluss zur Simme u. 4,5 
km sw. der Station Boltigen der Sim- 
menthalbahn. 11 Häuser, 51 reform. Ew. Alpwirtschaft. 

E8CHIEN8 (Kt. Freiburg, Bez. Gläne). 605 m. Gem. 
und Weiler, am linken Ufer der Broye und 1 km s. der 
Station l^cublens der Linie Lausanne -Payeme-Lyss. 16 
Häuser, 57 kathol. Ew. Kirchgemeinde Promasens. Vieh- 
zucht und Milchwirtschaft. Getreidebau. 

E8CHIKOFEN (Kt. Thurgau, Bez. Frauenfeld, Gem. 
Hüttlingen). 415 m. Kleines Dorf, nahe dem rechten Ufer 
der hier von einer breiten gedeckten Eisenbahnbrucke 
überschrittenen Thur, an der Strasse Frauenfeld - Wein- 
felden, 2 km ö. Hüttlingen und 1,2 km sw. der Station 
Müllheim der Linie Winterthur-Frauenfeld-Romanshom. 
Postablage, Telephon. 35 Häuser, 156 reform. Ew. Vieh- 
zucht und Milchwirtschaft, Bienenzucht, etwas Weinbau. 
Zementfabrik. Geburtsort von Joh. Jakob Wehrli, des 
verdienten Schulmannes und 1833-1852 Seminardirektors 
in Kreuzungen. 878 : Hassinchovarromarcha. 

E8CHIKON (Kt. Zürich, Bez. PfafTikon, Gem. Lindau). 
550 m. Weiler, 1 km nö. Lindau und 2 km sw. der Station 
Kemptthal der Linie Zürich - Winterlhur. 10 Häuser, 94 
reform. Ew. 

E8CH1.EN (Kt. Bern, Amtsbez. Nieder Simmenthai, 
Gem. Erlenbach). 900 m. Weiler, am N.-Hanff des Nieder 
Simmenthals und 1,5 km nw. der Station Erlenbach der 
Simmenthalbahn. 16 Häuser, 77 reform. Ew. 

E8CHLEN (Kt. St. Gallen, Bez. Rorschach, Gem. Ror- 
schacherberg). 640 m. Weiler, am N.-Hang des Ror- 
schacherbergs, 2 km s. über Rorschach und 2,5 km so. der 
Station Goldbach der Linie St. Gallen-Rorschach. Vieh- 
zucht. Stickerei. 

E8CHLI (Kt. Bern, Amtsbez. Thun, Gem. Blumen- 
stein). 735 m. Weiler, am linken Ufer des Fallbaches, 
600 m n. der Kirche Blumenstein und 4 km s. der Station 
Burgistein- Watten wil der Gürbethalbahn. 18 Häuser, 94 
reform. Ew. Landwirtschaft. Gipsmühle. 

ESCHLIKON (Kt. Thurgau, Bez. Münchwilen, Gem. 
Sirnach). 580 m. Dorf, am S.-Hang von zwei kleinen An- 
höhen, an der Strasse Winterthur-Wil-St. Gallen u. 2 km 
w. Sirnach. Station der Linie Winterthur - St. Gallen. 
Postbureau, Telegraph, Telephon ; Postwagen nach Tur- 
benthal. 124 Häuser, 632 reform. u. kathol. Ew. Wiesen- 
und Weinbau. Viehzucht. Käserei. Stickerei- und Strick- 
waarenfabriken. Zwei Ziegeleien, Druckerei, mechanische 
Werkstätte. Torfgruben. Sekundärschule. Spar- und Leih- 
kasse, 1876 gegründet. Schönes Schulhaus. 



ESCHLIKON (Kt. Zürich, Bez. Winterthur, Gem. 
Dinhard). 456 m. Kleines Dorf, an der Strasse Seuzach- 
Thalheim, 2 km nw. Dinhard und 500 m sw. der Station 
Thalheim der Linie Winterthur^Etzwilen-Singen. 21 Häu- 
ser 135 reform« Ew« 

E8CH01.ZMIATT (Kt. Luzern, Amt Entlebuch). 854 
m. Gem. und Pfarrdorf, auf der Wasserscheide zwischen 
Grosser und Kleiner Emme, am Fuss der Beichlen. an 
der Strasse Luzern-Langnau. Station der Linie Bera-Lu- 
zern. Postbureau, Telegraph, Telephon. Gemeinde, mit 




Esoholzmatt von Südwesten. 

Eischachen (Hinter und Vorder Hilferen. Obacher), W^eiss- 
emmen, Glichenberg, Lehn, Vordergraben, Wiggen und 
Schnerlen : 485 Häuser, 3127 Ew., wovon 2770 Katholiken 
und 357 Reformierte ; Dorf: 25 Häuser, 365 Ew. Ackerbau 
und Viehzucht. Fabrikation von Kaschmirtuch, Licjueur 
und Zuckerwaaren. Heimat von Christian Schibi, des 
Führers im Bauernkrieg von 165B. Man plant, ihm hipr 
ein Denkmal zu errichten. 1240: Aesholtismate ; 1306: 
Escholzmatte. Seit einigen Jahren hat sich Escholzmatt 
zur Sommerfrische entwickelt. 

ESEL (KtObwalden). 2122m. Hauptgipfeides Pilatus. 
S. den Art. Pilatus. 

ESEL (Kt. Zürich, Bez. Borgen, Gem. Richterswil). 
592 m. Weiler, nahe der Grenze geeen den Kt. Schwyz; 
1,5 km sw. über Richterswil und 1,2 km n. der Station 
Samstagern der Linie Wädenswil-Einsiedeln. 12 Häuser, 
40 reform. Ew. 

ESELFURQQE (Kt. Wallis, Bez. Brig). Ca. 2400 m. 
Passübergang, zwischen Seilerrichte (2589 m) u. Furme- 
lengrat (2487 m), in der vom Weissmies nach ONO. ab- 
zweigenden und das Z wisch bergenthal oder Val Vaira vom 
Laquinthal trennenden Kette. 

ESELQRAT, französisch SuR TAne (Kt. Bern und 
Waadt). 1904 m. Jurassischer und triasischer Felsgrat, 
auf der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Waadt, 
zwischen Wildenboden (1654 m) und der Gruppe der 
Gummfluh. 

ESEN (PIZ D') (Kt. Graubünden, Bez. Inn). 3130 m. 
Schönster Gipfel in der das mittlere Engadin auf der 
rechten Seite begleitenden Kette, stolze und kühne Pyra- 
mide, besonders schön von W. und NW. aus gesehen. 
Direkt w. vom Piz Quater Vals und 6 km über Scanfs. 
Trotz seiner schönen Lage und Aussicht nur wenig be- 
sucht, da seine Besteigung von allen Seiten her lang und 
mühsam ist. Am bequemsten ist noch der Zugang vom 
Val Tantermuozza aus über sehr steile Felshalden und 
den kleinen Gletscher am NO.-Hang. Der Gipfel besteht 
aus Hauptdolomit, unter dem die nach ihren verschiede- 
nen Farnen schon von weither unterscheidbaren einzel 
nen Triasschichten anstehen. 

ESMONTS (Kt. Freiburg, Bez. Gläne). 82() m. Gem. 
und Dorf, 4 km sw. der Station Siviriez der Linie Bern- 
Freiburg-Lausanne. Telephon. 32 Häuser, 168 kathol. Ew. 
Kirchgemeinde Ursy. Gemüse- u. Getreidebau. Viehzucht 
und Milchwirtschaft (Molkerei). 



ESP 



ESS 



55 



E8PEL, ESPEN, E8PI. Ortsnamen der deutschen 
Schweiz ; nach der Espe {Popultis tremula) so benannt. 

E8PEL (Kt. St Gallen, Bez. und Gem. Gossau). 622 m. 
Zwei Häuser^ am linken Ufer des Kellenbaches u. 2,5 km 
sw. der Station Gossau der Linie Winterthur-St. Gallen. 
52 kathol. Ew. Waisen- und Armenhaus der Gemeinde 
Gossau. 

E8PE1. (Kt. St. Gallen, Bez. Ober Toggenburg, Gem. 
Alt St. Johann). 910 m. Gruppe von 7 Häusern, am rechten 
Ufer der Thur, gegenüber der Kirche von Alt St. Johann 
und 17 km so. der Station Ebnat der Toggenburgerbahn. 
27 kathol. und reform. Ew. Viehzucht. 

ESPEN und ESPENMOOS (Kt. St. Gallen, Bez. u. 
Gem. Tablat). 670 m. Zwei Gruppen von zusammen 13 
Häusern, über dem linken Steilufer der Steinach, an der 
Strasse St. Gallen- Wittenbach und 1 km n. der Station 
St. Fiden der Linie St. Gallen-Rorschach. 156 kathol. und 
reform. Ew. Kirchgemeinde St. Gallen. In Espenmoos 
grosse Ziegelei. 

ESPI (Kt. Thurgau, Bez. und Gem. Frauenfeld). 417 m. 
Gruppe von 6 Häusern, am rechten Ufer der Murg, an der 
Strasse Frauen feld-Wil ; 1,2 km w. Hüben und 1,4 km 
s. Frauenfeld. 23 reform. Ew. Wiesen-, Wein- u. Obstbau. 
Wirtshaus, im Sommer von Spaziergängern aus Frauen- 
feld gerne besucht. 

ESSERSWIl. (Kt. Thurgau, Bez. Arbon, Gem. Rog^- 
wil). 476 m. Weiler, 5 km sw. der Station Arbon der Linie 
Rorschach-Romanshorn und 1,5 km w. Roggwil. 10 Häu- 
ser, 56 zur Mehrzahl reform. Ew. Ackerbau, Viehzucht u. 
Milchwirtschaft. 

ESSERT, auch ESCHERT, ESSERTES, ES- 
8ERTINES, ESSERTONS. In der französischen 
Schweiz häufige Ortsnamen, vom altfranzösischen essert 
(dem lateinischen exsartuni) ; bezeichnet ein (durch 
Feuer) urbar gemachtes Stück Land und entspricht dem 
deutschen Rüti, Reute etc. 

ESSERT, deutsch Ried (Kt. Freibur^, Bez. Saane). 
823 m. Gem. und Dorf, am Fuss des Cousimbert ; 1,9 km 
sw. Praroman und 11,3 km so. vom Bahnhof Freiburg. 
35 Häuser, 171 kathol. Ew. französischer Zunge. Kirch- 

Semeinde Treyvaux. Viehzucht u. Milchwirtschaft. Stroh- 
echterei. St. Anna, St. Fabian und Sebastian Kapelle. 
Auf einer kleinen Anhöhe mit prachtvoller Aussicht auf 
das Freiburger und Berner Sensethal ein sehenswertes 
Feudalschloss, Chäteau de la Riederaz genannt, eine kleine 
Kapelle und schönes neues Schulhaus. 

ESSERT (A 1.' oder EN 1.') (Kt. Wallis, Bez. Mon- 
they. Gem. St. Gingolph). 451 m. 4-5 Häuser, auf Wald- 
lichtungen der untersten Terrassen des Grammonthanges 
und am Fuss der Felswände der Parblanches zerstreut ge- 
legen, 2 km ö. St. Gingolph-Suisse und 1 km w. der Sta- 
tion Le Bouveret der Linie St. Maurice-£vian. 16 kathol. 
Ew. 

ESSERT (PLAN D') [Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. 
Ollon). 682 m. Weiler, 700 m nö. OUon, an der 
Strasse Ollon- Panex und 4,5 km so. der Station 
Aigle der Simplonbahn. 10 Häuser, 49 reform. Ew. 
Waldwirtschaft. Viehzucht. 

ESSERT FALUON (Kt. Bern, Amtsbez. Frei- 
bergen, Gem. Les £piquerez). 738 m. Gruppe von 4 
Häusern, am S.-Hang des Glos du Doubs, an der 
Strasse Les £piquerez-Soubey und 1,5 km so. Les 
Epiquerez. 31 kathol. Ew. Ackerbau und Viehzucht. 
Anstehend unteres Callovien mit Trigonia supraba- 
thonica, 

ESSERT PITTET (Kt. Waadt, Bez. Yverdon). 
450 m. Gem. und kleines Dorf, am O.-Rand der Or- 
besümpfe und am W.-Fuss des Joratberglandes, an 
der Strasse La Sarraz-Chavornay-Yverdon ; 7,2 km 
sw. Yverdon und 2,3 km nnw. der Station Chavor- 
nay der Linie Lausanne-Neuenburg. Postablage. 19 
Häuser, 123 reform. Ew. Kirchgem. Ependes. Acker- 
uDd etwas Weinbau. Bruch auf bituminösen Kalk- 
stein. Gehörte vor 1253 zur Herrschaft Belmont, kam 
dann an Gauthier de Montfaucon, Herrn von fichal- 
lens und bildete im 15. Jahrhundert eine eigene 
kleine Herrschaft, die 1573 von dem aus Lothringen 
stammenden Ritter Nikolaus von Hennezel angekauft 
wurde. Blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts im 
Besitz von dessen Nachkommen. Hier ging die Römer- 



strasse Entreroches-Eburodunum (Yverdon) vorbei; rö- 
mische Ziegel u. Ueberreste römischer Bauwerke. 

ESSERT SOUS CHAMPVENT (Kt. Waadt, Bez. 
Yverdon). 480 m. Gem. und kleinesDorf, nahe dem Jura- 
fuss und dem rechten Ufer der Brinaz, an der Strasse 
Yverdon- Sainte Croix und 4,2 km wnw. Yverdon. Station 
der Linie Yverdon - Sainte Croix. 18 Häuser, 114 reform. 
Ew. Kirchgemeinde Champvent. Ackere und etwas Wein- 
bau. Gehörte zur Zeit der Hemer Oberhoheit zur Herr- 
schaft Montagny und war zu Ende des 18. Jahrhunderts 
eigene Herrschaft im Besitz der Familie Jeanneret aus 
Grandson. Römische Niederlassung mit Funden von Mar- 
morgegenständen. 

ESSERTCHEVALIER (BOIS D*) (Kt. Waadt, Bez. 
Nyon, Gem. Bassins). 13C0-1000 m. Wald, am SO.-Hang 
des s. Jura, n. Arzier und 3,5 km nw. Bassins. 

ESSERTQI1.LOD (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem.Ollon). 
Weiler. S. den Art. Exergillod. 

ESSERTES (Kt. Waadt, Bez. Oron). 737 m. Gem. 
und Dorf, auf einem Rücken des Jorat, über dem linken 
Ufer des Grenet und nahe dessen Mündung in die Broye, 
an der Strasse Lausanne-Oron und nahe der Strasse Ve- 
vey-Moudon, 3 km wsw. Oron la Ville und 2,4 km wsw. 
der Station Chätillens der Linie Lausanne-Payeme-Lyss. 
Telephon. 35 Häuser, 162 reform. Ew. Kirchgemeinde 
Oron. Landwirtschaft. Von der Mitte des 12. Jahrhunderts 
an bis zur Reformation Eigentum der nahe gelegenen 
Abtei Le Haut Cröt. 

ESSERTINE (Kt.Genf, Rechtes Ufer, Gem. Dardagny). 
458 m. Gruppe von 4 Häusern, auf einem Hans; über dem 
rechten Ufer der London, 12 km w. Genf und S km n. der 
Station La Plaine der Linie Genf- Bellegarde. Telephon. 
25 reform. Ew. Weinbau. 

ESSERTINES (Kt. Waadt, Bez. £challens). 595 m. 
Gem. und Dorf, auf einer Hochfläche im nw. Jorat, nahe 
dem rechten Ufer des Buron, an den Strassen Lausanne- 
Yverdon und von Corcelles sur Chavornay nach Donneloye 
und Bercher ; 8,5 km n. £challens ; 7,2 km s. Yverdon 
und 5,5 km ö. der Station Chavornayder Linie Lausanne- 
Neuenburg. Postbureau, Telegraph, Telephon: Postwagen 
Echallens - Yverdon. Gemeinde, die Weiler La RobelTaz, 
Nonfoux und £pautheyres inbegriflen : 132 Häuser, 672 
reform. Ew. ; Dorf: 74 Häuser, 380 Ew. Kirchgemeinde 
Vuarrens (excl. Epautheyres). Landwirtschaft. Säge. N. 
vom Dorf, an der Stelle der heutigen Kirche, stanif einst 
eine alte Burg, die von den Eidgenossen gleich bei Bennn 
der Burgunderkriege zerstört worden ist. Kirche 1702 er^ 
baut : ihr Turm soll noch ein Ueberrest der Burg sein. 
Das Stift Notre Dame zu Lausanne besass seit dem 12. 
Jahrhundert das Eigentumsrecht auf die Bodenerzeug- 
nisse von Essertines und der umliegenden Siedelungen, 
die zusammen ein bedeutendes Mandament bildeten. Eine 
Reihe von Streitigkeiten mit den in der Nähe sitzenden 
Herren von Belmont endeten meist zu Gunsten des Stifts. 




Kirche von) Essertines. 

Seit dem 12. Jahrhundert taucht ein Feudal^eschlecht 
derer von Essertines auf. Zur Zeit der Reformation haben 
sich hier aus ihrer Heimat vertriebene Waldenser ange- 



56 



ESS 



EST 



siedelt. Beim Dorf und bei den Weilern Nonfoux u. £pau- 
theyres hat man 1826 Ueberreste aus der Römerzeit (Spu- 
ren von Bauwerken, Säulenschäfte, 
Münzen etc.) aufgedeckt. 

E88ERTINE8 (Kt. Waadt, Bez. 
Rolle). 790 m. Gem. und Dorf, auf dem 
Plateau über dem Weinbaubezirk der 
Cote, 4 km nnw. Rolle, 2 km s. Gimel 
und 500 m w. der Station Le Pontet 
der Strassenbahn Rolle-Gimel. Postab- 
lage, Telephon. Gemeinde (zum gröss- 
ten Teil auf dem Plateau gelegen) mit 
den Weilern Le Pontet, Chätel, Bu- 
gnaux und Chatagn^r^az : 79 Häuser, 453 
reform. Ew.; Dorf: 26 Häuser, 162 Ew. 
Kirchgemeinden Gimel u. Rolle. Acker- 
und Weinbau. Einst Teil der Herrschaft 
Mont le Vieux, deren Schloss über Bu- 
gnaux stand, später bei der Teilung der 
Herrschaft Rolle zerstückelt. 1784 grosse 
Feuersbrunst. 

ESSERTINE8 (QRAND BOI8 
D') (Kt. Waadt, Bez. fichallens. Gem. 
Essertines). 695 m. Wald, 3 km lang, 
auf dem Rücken zwischen dem Buron 
und Sauteruz, Fortsetzung des w. Vuar- 
rens gelegenen Waldes; 1,7 km ö. vom 
Dorf Essertines. 

E88ERT8 (Kt. Freiburg, Bez. See). Gem. und Dorf. 
S. den Art. Wallenried. 

ES8ERT8 (Kt. Genf, Linkes Ufer, Gem. Meinier). 
442 m. Gruppe von 6 Häusern, nahe den grossen Mooren 
von Rouelbeau und La Pallanierie, 8 km nö. Genf und 
500 m von einer Haltestelle der elektrischen Strassenbahn 
Genf-Douvaine. 41 kathol. Ew. 

E88ERT8 (1.E8) (Kt. Bern, Amtsbez. Freibergen, 
Gem. Le Noirmont). 1000 m. Gruppe von 6 Bauernhöfen, 
n. der Torfmoore von Chantereme, an der Strasse Le 
Noirmont-Les Bois und 1,8 km sw. Le Noirmont. 49 ka- 
thol. Ew. Viehzucht. 

E88ERT8 (1.E8) (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. Ley- 
sin). 1340 m. Hütten, zur Mehrzahl nur periodisch be- 
wohnt, längs der Strasse von der Station Leysin (Hotel- 
Quartier) zur Montagne du Cerf und zum Col de la Pierre 
du Mouelle. Unterscnieden als Les Esserts Decex, Esserts 
Delex und Esserts d'Amont. Alpwirtschaft. 

E88ERT8 (LE8) (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. Or- 
mont Dessus). 1270 m. Hütten, auf den Höhen über dem 
linken Ufer der Grande Eau zerstreut gelegen, etwas 
oberhalb des Weges Ormont Dessus-La Forclaz; 2 km ö. 
La Forclaz. Wird einst von der geplanten Strasse Ormont 
Dessus (Le Ros^)-La Forclaz geschnitten werden. 

ESSERTS (LES) (Kt. Waadt, Bez. Lausanne, Gem. 
Epalinges). 812 m. Häuser, auf geneigter Terrasse 1 km 
vom Dorf Epalinges zerstreut gelegen und von Wald um- 
geben. 

ESSERTS (8UR LES) (Kt. Freiburg, Bez. Veveyse, 
Gem. Bouloz). 875 m. Weiler, 400 m w. Bouloz und 3 km 
so. der Station Vauderens der Linie Bern -Freiburg- Lau- 
sanne. 10 Häuser, 45 kathol. Ew. Kirchgemeinde Porsel. 
Viehzucht und Milchwirtschaft. 

ESSERTS D'ILLES DU HAUT und DU BAS 
(LES) (Kt. Bern, Amtsbez. Freibergen, Gem. Les Bois). 
720 und 657 m. Zwei Meierhöfe, auf den sonnenreichen 
Wiesenflächen nw. über der Schlucht des Doubs bei 
Biaufond. Ein schlecht unterhaltener Fussweg von 1,5 km 
Länge verbindet Biaufond und Les Esserts d'Illes mit dem 
Restaurant du Refrain am Doubs. Schönes Ausflugsziel. 

ESSERZE (CR^TE D') (Kt. Wallis, Bez. Conthey). 
Ca. 2550 m. Rasenbestandener Kamm zwischen dem Mon- 
Rouge und dem Greppon ßlanc und zwischen den Thät 
lern von Her^mence und Nendaz. Hier entspringt der 
zur Dixence gehende Wildbach Le Mayen. 

ESSET8 (COL DES) (Kt. Waadt, Bez. Aigle). 2039 
m. Passubergang, zwischen dem Vallon de l'Avare und 
der Alpweide Anzeindaz ; verbindet Les Plans de Fre- 
nieres mit Anzeindaz in 4 Stunden ; in der schönen 
Jahreszeit ziemlich stark begangen. Von der Passhöhe 
aus schöner Ueberblick über die Hochfläche von Anzein- 
daz und die Diablerets, sowie auf die Kette der Argentine 



im W. und das Sammelgebiet des Paneyrossazgletschers 
im 0. Am Hang gegen den Vallon de l'Avare eine Schäfer- 




Der Col den Kssets (mit der Dent du Midi im Hintergrund). 

hütte. Die Weideplätze der benachbarten Felsgebiete wer- 
den an italienische Hirten verpachtet, die zahlreiche 
Schafe hierher zu bringen pflegen. N. vom Pass im Num- 
mulitenkalk reiche Fundstelle von Fossilien. 

ES8ETTES (CHAINON DES) (Kt. Wallis, Bez. 
Entremont). Kleine Hochgebirgskette, zweigt von dem der 
Gruppe von Saleinaz angehörenden und zwischen den 
Gletschern Saleinaz und La Neuva sich erhebenden Grand 
Darrei nach SO. ab und trennt die Gletscher Trouss Bouc 
und La Neuva von einander. Zieht über die Einschartung 
des Col Sup^rieur des Essettes (ca. 3130 m ; 3 Stunden s. 
über der Saleinazhütte) zum Punkt 3155 m und bildet 
von da an einen Felskamm bis zum Punkt 3050 m, über 
den sie mit den Poinles des Six Neirs zusammenhängt. 

E8SINQES (LES) (Kt. Freiburg, Bez. Broye, Gem. 
Surpierre). 630 m. Gruppe von 3 Häusern, 400 m sw. 
Surpierre und 1,2 km nw. der Station Henniez der Linie 
Lausanne-Payerne-Lyss. 15 kathol. Ew. Viehzucht, Ge- 
treidebau. 

ESSLINGEN (Kt Zürich, Bez. Uster, Gem. Egg). 
479 m. Dorf, an der Kreuzung der Strassen Stäfa - Uster 
und Gröningen-Egg, 5 km n. der Station Stäfa der rechts- 
ufrigen Zürichseebahn (Zürich - Meilen - RapperswiJ) und 
2.1 km 8Ö. Egg. Postbureaii, Telephon ; Postwagen Uster- 
Stäfa. 44 Häuser, 210 reform. Ew. Landwirtschaft. Käserei. 
Seidenindustrie. 854 : Ezcilinga ; 877 : Escelinau ; 972 : 
Ezzilinga. 

ESSLINGEN (NIEDER) (Kt. Zürich, Bez. Uster, 
Gem. Egg). 475 m. Weiler, am rechten Ufer des Liebur- 
gerbaches; 2,4 km so. Egg, 500 m nö. Esslingen und 5,5 
km n. der Station Stäfa der rechtsufrigen Zürichseebahn 
(Zürich-Meilen-Rapperswil). 10 Häuser, 44 reform. Ew. 

ES8UYERS (LES) (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. 
Bex). 1499 m. Hütten und Alpweiden, mit Tannengruppen 
bestanden, an den von Les Plans de Frenieres zur T^te ä 
Bosset (Teil des Grates von Bovonnaz) ansteigenden Hän- 
gen ; 1 Stunde über Les Plans de Fi^enieres. 

EST (CIME DE L') (Kt. Wallis, hez. St. Maurice). 
Gipfel. S. den Art. Midi (Dent du). 

ESTAVANNENS (DESSOUS und DESSUS) (Kt. 
Freiburg, Bez. Greierz). 770 und 805 m. Zivil- und Kirch- 
gemeinde, am rechten Ufer der Saane und 7 km so. der 
Station Bulle der Linie Bulle - Romont. Telephon. Zwei 
500 m von einander entfernt gelegene Dörfer: Estavan- 
I nens Dessus auf einer Anhöhe und Estavannens Dessous 
im Thalboden, zusammen 55 Häuser, 258 kathol. Ew. 
Viehzucht und Milch wirtschalt, eine Molkerei. Slrohflech- 
terei. Sägen. Schöne Wiesen, mit zahlreichen Obst- (be- 
sonders Pnaumen-)bäumen bestanden. Oestl. über den 
Dörfern die Dent de Bourgoz (1905 m) und der Gros Mer- 
laz (1907 m). Pfarrkirche Sainle Marie Madeleine. Eiserne 
Brücke über die Saane, 1868 erbaut. Früher kirchlich 



EST 



EST 



57 




der Propstei Broc zugeteilt, seit 1578 eigene Kirchge- 
meinde. 

E8TAVAYER LE QIBLOUX oder ESTAVAYER 

EN OGOZ, deutsch Stäffis am Gibel (Kt. Freiburg, 
Bez. Saane). 705 m. Gem. und Dorf, am Gl^bes und am 
N.-Hang des Mont Gibloux, 4 km s. der Station Gottens 
der Linie Bern-Freibur^Lausanne. Postablage, Telephon. 
40 Häuser, 260 kathol. Ew. Gemeinsame Kirchgemeinde 
mit Rueyres, Saint Laurent, Viliarsel le Gibloux und Vil- 
larlod. Viehzucht und Milchwirtschaft, Getreidebau, Holz- 
handel. Sage. Molkerei. Pfarrkirche zu St. Clement, 1847 
ffeweiht. Sehr alte Kirchgemeinde. Am ganzen W.- 
Hang des Mont Gibloux zahlreiche Ueberreste aus Vorge- 
schichte, Römerzeit und Mittelalter ; bei der Kirche von 
Estavayer hat man den Unterbau von römischem Mauer- 
werk biofigelegt. In der Gegend viele in architektonischer 
Hinsicht besonders merkwürdige Häuser aus dem 15. und 
16. Jahrhundert. Die Landschaft um Estavayer weist mit 
ihren dunkelbewaldeten Berghängen einen strengen Cha- 
rakter auf. Von den benachbarten Höhen schöne Aussicht. 
Viele vereinzelte Häusergruppen, wie z. B. Les Planchet- 
te«, Praz Miaux, Le Vivier, Les Errouvenoux, Le Charmet, 
Le Pr^ de la Cure, Le Praz de TEpenaz, Sur les Cotes u. 
Masagne. 1163: Stavaiel; 1227: Staviolum sub Jublor; 
1328: Stavayer lo Jublour; 1513 : Estavayer le Gibliauz. 
ESTAVAYER LE LAC, deutsch StAfhs AM See 
(Kl. Freiburg, Bez. Broye). 
Oberstadt 464, Unterstadt 
437 m. Hauptort des Bezir- 
kes Broye, 25 km wnw. Frei- 
burg. Reizende kleine Stadt, 
am rechten Ufer des Neuen- 
burgersees ' in fruchtbarer 
und gut angebauter Gegend malerisch 
gelegen. Station der Linie Freiburg - 
Payerne - Vverdon ; Dampfboote nach 
Neuenburg und den übrigen Ortschaf- 
ten am See. Postbureau, Telegraph, Te- 
lephon; Postwagen nach Prahins und 
Avenches. Gemeinde, mit Vers la Gare : 
%2 Häuser, 1636 kathol. Ew.; Stadt: 
237 Häuser, 1511 Ew. Hauptbeschäfti- 
gung der Bewohner ist Lanawirtschaft, 
doch entwickeln sich auch Handel und 
Industrie immer mehr. Eine Zigarren- 
und Tabakfabrik, Glockenffiesserei, zahl- 
reiche Bau- und Möbelschreinereien, Schlosser- und 
Steinhauerwerkstätten, Mühlen und Sägen, eine Buch- 
druckerei (druckt drei Zeitungen). Sekundärschule, zahl- 
reiche Primarschulklassen, eme reformierte Schule, Pen- 
sionnate für junge Leute beider Geschlechter, mehrere 
Leihkassen. Gesang-, Musik-, Schiess- und Turnvereine, 
gemeinnützige Gesellschaften, landwirtschaftliche Genos- 
senschaften. Im ehemalif^en Jesuitenpensionnat, dessen 
Kirche heute dem reformierten Gottesdienst eingeräumt 
ist, der Bezirksspital der Broye (dessen Gründung haupt- 
sächlich dem Pfarrer Guinard von Belfaux zu verdanken 
ist). Wasserversorgunj^ (Quellfassuneen auf den Höhen 
von Chätillon). Das Stadtchen hat sich seinen mittelalter- 
lichen Charakter noch wohl bewahrt : alte Türme, Lauben- 
gänge und Tore mit Wappenschilden. Auch die Ring- 
mauer ist noch erhalten. Zahlreiche Neu- und Umbauten 
geben dem Ort aber allmählig doch einen modernen An- 
strich : Umbau der Pfarrkirche, Vergrösserung des Be- 
zirksspitals, neues Schulhaus, Po8tgebäude,Kasino-Theater 
etc. Früher wurden die Häuser der Unterstadt und der 
Fussdes Steilufers, das den alten Burgturm trägt, noch di- 
rekt von den Wellen des Sees bespühlt ; seit der Durch- 
führung der Juragewässerkorrektion ist aber der Seespicgel 
derart gesunken, dass der ehemalige Hafenplatz unbrauch- 
bar geworden ist und durch einen neuen, am Aussenende 
eines langen Hafendammes gelegenen Landungs platz hat 
ersetzt werden müssen. Der trocken gelegte breite Strand 
ist seither mit Bäumen und Sträuchern (Weiden. Erlen, 
Birken) bepflanzt worden ; auf ihm liegen zahlreiche erra- 
tische Blöcke. Mehrere Pfahlbaustationen aus der Eisen- 
und Bronzezeit, mit reicher Ausbeute an Fundgegenstun- 
den. Einige römische Altertümer. Zur Bronzezeit muss 
hier eine Werkstätte zur Herstellung von Fibeln und 
Schmuckgegenständen für Frauen bestanden haben. 



Einige der Bauwerke der Stadt sind besonderer Erwäh- 
nung wert. Die Pfarrkirche zu St. Laurent, Ende des 14. 
Jahrnunderts erbaut, mit schöner Aussentreppe, schönem 
Kirchturm und einigen Glockentürmchen; prächtiger 
Hauptaltar, bemerkenswerte Malereien, schmiedeeisernes 
Gitter, Kirchenstühle aus 1522, altertümliche Kelche üpd 
Antipnonarien ; Orgel von Aloys Mooser. Während früher 
die Kirchlichen Funktionen von 14 Geistlichen besorgt 
wurden, amten heute nur noch deren vier. — Nahe der 
Kirche die Place de Moudon, eine von einer alten Linde 
beschattete Terrasse mit prachtvoller Aussicht auf den 
Neuenburgersee, das Neuenburger Ufer und den Jura. 
Hier versammelten sich einst an schönen Sommer- und 
Herbstabenden die Bürger des Städtchens, um ihre Hei- 
matslieder zu singen und nach einer originellen Melodie 
ihre Rundtänze (coraules) zu tanzen. — Die alte Bur^, be- 
merkenswert sowohl durch ihre Lage auf dem Steilufer 
über dem See als auch durch ihre massive viereckige 
Bauart, ihre Gräben, Mauern, Türme und doppelten Um- 
fassungsmauern. Der Burgturm ist etwa 45 m hoch ; von 
ihm aus ausgedehnte Fernsicht. Daneben der der Stadt 
zugekehrte viereckige Turm Jaquemart. Heute ist die 
Burg Sitz der Bezirksbehörden. — Das Dominikanerinnen- 
kloster, in dessen Chor Guillaume d*Estavayer (f 20. Ok- 
tober 1326), Chorherr zu Lausanne und Archidiakon von 
Lincoln in England, ruht, ein Hauptgönner des Klosters, 




Estavayer, vom Neuenburgersee aus. 

dem er sein am neuen Stadtgraben gelegenes Haus 
schenkte; andere Förderer des Klosters waren die Her- 
ren von Estavayer, Billens, La Moliöre, Neuchätel-Gorgier, 
Fögely, Affry und Forel, sowie Frau La Poype etc. Die aus 
der Gebend von Lausanne gekommenen Dominikaner- 
innen Iiessen sich ums Jahr 1316 in Estavayer nieder ; zwei 
Flügel des baufällig gewordenen Klosters wurden 1687, der 
dritte 1735 neu aufgebaut. Die aus dem Jahr 1319 stam- 
mende Klosterkirche mit Ausnahme des um 1440 von dem 
hier begrabenen Humbert von Savoyen {f 1443) errichte- 
ten Chores und der Rosen k ran zkapelle umgebaut und am 
29. September 1699 neu geweiht. Das Kloster 1848 auf den 
Aussterbeetat gesetzt, aber 1857 wieder in seine vollen 
Rechte eingesetzt. Auch andere religiöse Gemeinschaften 
hatten sich zeitweilig in Estavayer niedergelassen. Die 
Inquisitoren erschienen 1685, die Minoriten zu Beginn 
des 17. Jahrhunderts, Ursulinerinnen wohnten hier 1637 
bis 1677, 1747 gründeten Schwestern vom Orden Herz 
Jesu (Sacrö Coeur) hier ein Kloster, zu Beginn des 19. 
Jahrhunderts tauchten die Brüder vom christlichen Glau- 
ben auf, Trappisten und bald nachher auch Li^uorianer 
eröffneten Scnulen. Der Grosse Rat erlaubte mit seinem 
Beschluss vom 10. Januar 1826 den Jesuiten zu Brig, ihr 
Noviziat hierher zu versetzen (seit 1848 wieder aufgeho- 
ben). Die Kapelle von Rivaz (Notre Dame de Consolation 
et Sainte Marguerite), in der einige Glieder des Geschlech- 
tes von Neuchätel-Gorgier ruhen, im 15. Jahrhundert von 
Jacques Catelan gestiftet und' 1487 von Dom Assenti 
d'Estavayer, Chorherrn von Lausanne, in gotischem Stil 
umgebaut. — Bemerkenswert noch durch seine schöne 
Lage am See das Landhaus und die Kapelle La Corbiere. 
Die Anfänge der Stadt und des Geschlechtes derer von 
Estavayer sind unbekannt. Der Name erscheint urkund- 
lich nicht vor der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die 



58 



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Herren von Estavayer scheinen zuerst Dienstmannen der 
Herzoge von Zähringen und dann der Grafen von Savoyen 



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Estavayer la Lac : Das Schloss. 

gewesen zu sein. Estavayer muss schon früh eine eigene 
irchgemeinde gebildet haben, erscheint aber als solche 
erst lz28. Es war auch eine der Slüdte, die das Recht 
hatten, ihre eigenen Vertreter in die Waadtländer Stände- 
versammlung abzuordnen. Der erste geschichtlich be- 
kannte Herr von Estavayer ist der in den Urkunden von 
1135-1159 als einziger seines Namens und Geschlechtes ge- 
nannte Raynald I. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts 
spalteten sich seine Nachkommen in drei Zweige : die 
Herren von Yieux Chätel, Chenaux und Savoyen, die alle 
an der Oberhoheit über die Stadt noch ihren Anteil hat- 
ten. Am 16. April 1350 verliehen Isabelle de Chälon, Dame 
de Vai\d et d'Estavayer, und die Ritter Aymon und Pierre 
d'Estavayer der Stadt eine Reihe von Freiheiten und Vor- 
rechten. Berühmt durch seinen Rechtsstreit mit Otto von 
Grandson ist Görard d'Estavayer : Claude d'Estavayer ver- 
teidigte zur Zeit der Burgunderkriege die Stadt kräftig 
gegen die Eidgenossen, konnte aber ihre Erstürmung 
nicht hindern, wobei er kämpfend seinen Tod fand. 
Zur Zeit der Eroberung der Waadt kam Estavayer 1536 an 
Freiburg, das es zum Sitz einer Landvogtei umgestaltete. 
Seine Vorrechte wurden 1611 bestätigt und 1761 in einem 
eigenen Gesetzbuch, dem sogen. Coutumier d'Estavayer, 
niedergelegt. Verschiedene Glieder des reichen und ein- 
ilussreichen Geschlechtes der Herren von Estavayer haben 
sich als Gouverneure der Grafschaft Neuenbürg, als Räte 
der Städte Freiburg und Solothurn und als Offiziere in 
französischen Diensten hervorgetan. Es ist zu Beginn 
des 19. Jahrhunderts erloschen. Der grosse Zehnten, der 
im Prinzip dem jeweiligen Pfarrer von Estavayer zustand, 
wurde von Papst Innozenz IV. dem Bistum Lausanne ver- 
liehen; nach der Eroberung der Waadt kam er an Bern, 
das ihn in der Folge an Freiburg abtrat. Sein Inhaber 
(amodiateur) war verpflichtet, den Bürgern der Stadt ein- 
mal jährlich ein grosses Festmahl (banquet royal oder, 
allgemeiner, Conrey genannt) zu spenden, das dem Schutz- 
heiligen der Stadt zu Ehren am St. Laurentius-Ta^e auf 
der Place Chenaux stattfand und nach dessen Beendigung 
die Teilnehmer gemeinsam zur Kirche zoRen, um der 
Messe beizuwohnen und für die Stifter des Festmahls ein 
Totenamt zu feiern. Wie so viele andere alte Bräuche, die 
mit der Zeit alle mehr oder weniger ausarteten, ist auch 
dieses Festmahl allmählig verschwunden und durch eine, 
endlich ebenfalls aufgehobene, Kompensation in barem 
Gelde ersetzt worden. 

Estavayer hat einer Reihe von hervorragenden Männern 
das Leben gegeben. Wir nennen : Gonon d'Estavayer, Ka- 
nonikus und Propst der Kathedrale von Lausanne (im 13. 
Jahrhundert), den Verfasser des für die profane und Kir- 
chengeschichte der französischen Schweiz eine uner- 



schöpfliche Quelle bildenden Cartnlaire; Humbert von 
Savoyen, Coseigneur d'Estavayer, der in der berühmten 
Schlacht von Nikopolis (28. September 1396; 
König Sigismund von Ungarn und die von Jean 
Sans-Peur geführten französischen Edelleute 
von Bajjazet geschlagen) mitkämpfte, in die 
Gewalt des Siegers fiel und erst nach 7 Jah- 
ren harter Gefangenschaft gegen Lösegeld wie- 
der frei gM^ben wurde ; den 1600 geborenen 
Mathematiker Jean Juat; Christofe de Molin 
oder Miloeus, eiue litterarische Berühmtheit 
des 16. Jahrhunderts, Professor am College de 
la Trinite in Lyon und Verfasser einer grossen 
Anzahl von in Lyon, Florenz und Basel verleg- 
ten Werken ; Alexis G^t, Doktor der Sor- 
bonne, Leiter der £cole Militaire zu Paris, St. 
Lazarusritter etc. ; den Kanonikus und Ge- 
schichtsschreiber Jacques Philippe Grangier 
(1743-1817) ; den Litteraturhistoriker und Lin- 
guisten Louis Grangier (1817-1891), der während 
mehr als 30 Jahren aie Nouvelles £trenties 
Fribourgeoises herausgab. 

Bibliographie : Grangier, Jacques Philippe. 
Annales soit memoires pour servir a Vhistotre 
d'Estavayer et lieiix circonvoisins. Manus- 
kript. 5 vol. — Gremaud, J. Le Chdteau de 
Chenaux a Estavayer (in Fribourg artistique, 
1892). — ßlrennes fribourgeoises, III, 80 ; IV, 
91; V, 77; VII, 14; XIII, 69; XV, 110. - Me- 
moires et docunients publ. par la Societe 
d'hist. de la Suisse roniande. XXVII, 114. 

ESTER (OBER) (Kt. Aargau, Bez. Aarau, Gem. Suhr). 
412 m. Gruppe von 7 Häusern, nahe dem rechten Ufer 
der Suhr, an der Strasse Kölliken-Suhr und 1,3 km sw. 
der Station Suhr der Linie Aarau-Suhr-Zofingen. 51 re- 
form. Ew. 

ESTfcVENENS (Kt. Freiburg, Bez. Gläne). 788 m. 
Gem. und Dorf, am rechten Ufer der Neirigue und 2,6 km 
nö. der Station Vuisternens der Linie Bulle - Romont. 42 
Häuser, 192 kathol. Ew. Kirchgemeinde Vuisternens de- 
vant Romont. Futter- und Getreidebau. Viehzucht, Mol- 
kerei. Alte Herrschaft, 1411 im Besitz von Jacques de 
Dompierre, dessen Tochter Jacquette den Edeln Jean de 
Bussy heiratete. 

^TABLONS (COL DES) (Kt. Wallis, Bez. Entremont 
u. Martinach). Passübergang. S. den Art. Croix de Cceür 
(CoL DE la). 

6TABLONS (1.ES) (Kt. Wallis, Bez. Martinach, Gem. 
Riddes und Saxon). 2070 m. Sommerweide, im Val d'Ise- 
rables, am linken Ufer der Fare, über dem Wald gleichen 
Namens und am N.-Hang des Col de la Croix de Ccpur 
oder Col des fitablons (21^ m). Wird mit 125-140 Stück 
Grossvieh befahren. Eine vom Grat des Creuzier ausge- 
hende Linie schneidet die Alpweide in zwei Teile, deren 
einer zur Gemeinde Saxon genört und von dieser mit der 
Alpweide Boveresse gemeinsam bewirtschaftet wird, wäh- 
rend der andere auf Boden der Gemeinde Riddes liegt. 
Hier und am Col des £tablons hat man früher Anthrazit- 
fiöze abgebaut. 

6TABLONS (T^TE DES) (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont und Martinach). 2419 m. Gipfel, im Kamm zwischen 
Mont Gele und Pierre ä Voir ; wird von Bagnes aus in 5 
Stunden erstiegen, Aussicht derjeniges der benachbarten 
Pierre ä Voir nachstehend. 

6TAQE8 (LE8) (Kt. Neuenburg, Bez. Le Locle, 
Gem. Le Cerneux Pöqui^not). 1093 m. Gruppe von 3 
Häusern, an der Strasse Le Locle-Le Cerneux P^qui^not, 
5 km sw. der Station Le Col des Roches der Linie La 
Chaux de Fonds-Morteau und 1,3 km von der Grenze 
gegen Frankreich. 14 kathol. Ew. Viehzucht. 

6TAQNES (BEC DES) (Kt. Wallis, Bez. Conthey). 
3211 m. Gipfel, nnw. Vorberg des Mont Fort, in der 
Gruppe des Mont Fort; 4 Stunden über der Alpweide 
Cleuson (im Val de Cleuson). Sehr selten bestiegen. Am 
N.-Hang der bis 2750 m hinunter reichende kleme Gla- 
cier des EtaRnes. Die Firnfelder des W.- und O.-Hanges 
nähren die beiden Gletscher von Mont Fort. 

^TAQNlfcRES (Kt. Waadt, Bez. £challens). 629 m. 
Gem. und Dorf, auf dem grossen W.- Plateau des Jorat, 
an der Strasse Lausanne- Yverdon, 5 km ssw. Schaltens 



und 9 km n. Lausanne. Station der Linie Lau8anne-£chal- 
lens-Bercher. Postablage, Telephon. 54 Häuser (wenige 
vereinzelt stehend), 257 reform, und kathol. Ew. Kirch- 

femeinden Assens. Paritätische Kirche. Landwirtschaft, 
'rinkerheilanstalt. Alte Siedelung; zuerst zur Herrschaft 
^hallens gehörig, im 16. Jahrhundert Eigentum des 
Grafen Johann von Greierz,der den Ort den Städten Bern 
und Freiburg verkaufte. Römische Altertümer (Trümmer 
von Bauwerken, Bronzemünzen, Aschenurnen). 

6TANG (SUR L*) (Kt. Neuenburg, Bez. Le Locle, 
Gem. Las Brenets). 806 m. Gruppe von 3 Häusern, über 
dem Lac des Brenets und nw. der Station Les Brenets 
der Linie Le Locle-Les Brenets. 12 reform. Ew. 

6TAVEZ (EN) (Kt. Waadt, Bez. Lausanne, Gem. Le 
Mont). 709 m. Gruppe von 4 Häusern, am Rand eines 
Plateaus im Jorat, an der Strasse Lausanne-Thierrens, 
80O m n. Coppoz und 2,5 km ö. der Station Romanel der 
Linie Lausanne-fichallens-Bercher. 28 reform. Ew. 

ETENWIl. (Kt. Freiburg, Bez. Sense, Gem. St. Urs). 
762 m. Gruppe von 6 Häusern, am linken Ufer des Gal- 
ternbaches (Gotteron), 7 km so. vom Bahnhof Freiburg 
und 1,2 km so. St. Urs. 26 kathol. Ew. deutscher Zunge. 
Viehzucht und Milchwirtschaft, Getreidebau. 

fcTER (FOR£t de 1.') (Kt. und Dez. Neuenbürg, 
Gem. Cressier). 800^500 m. Grosser und schöner Buchen- 
und Tannenwald von 256,57 ha Fläche, am Hang der ers- 
ten Jurakette n. über Cornaux und Cressier. Durch die 
von N.-S. ziehende tiefe Combe du Ruhaut in zwei Teile 
getrennt, von den Strassen Saint Blaise-Lignieres und, 
im W., Saint Blaise-Enges durchschnitten. Die letztere 
eine alte Römerstrasse, Vy de l'fitraz (via strata). £traz 
oder tter, vom lat. iter=Weff, For^t de T^traz oder de 
r£ter= Wald am Weg. Der Wald bekannt als Standort 
einer Menge von Cyclamen. 

6TERPAZ oder 6TERPA8 (l-ES) (Kt. Waadt, 
Bez. Orbe, Gem. Vallorbe). 750 m. Weiler, am linken 
Ufer der Orbe, an der Strasse Vallorbe-Jougne, 800 m 
onö. Vallorbe und 1,2 km von der Station Vallorbe der 
Linie Lausanne-Pontarlier. 13 Häuser. 139 reform. Ew. 
Fabrik landwirtschafllicher Geräte. Ehemalige Eisen- 
schmelzen und Hochöfen. In der Nachbarschaft Stein- 
bruch im untern Urgonkalk. Fossilien. 

6TIER (Kt. Wallis, Bez. Entremont, Gem. Vollege). 
750 m. Gruppe von 6 Häusern, am rechten Ufer der Dranse 
de Bagnes und am Eingang ins Val de Bagnes, mitten in 
Wieseh und Baumgärten, einige Schritte links der Post- 
strasse Sembrancher-Le Chäble, 1 km sw. vom Pfarrdorf 
Völlige, 800 m von Sembrancher und 13 km osö. der 
Station Martinach der Simplonbahn. 42 
kathol. Ew. Hier stand im Mittelalter 
eine Burg, Sitz der Vitztume (Statthal- 
ter) von Vollege, die heute völlig ver- 
schwunden ist. Die Zeit ihrer Erbauung 
ist unbekannt ; 1179 erscheint aber ein 
Renaud d'Oitiez als Dienstmann der 
Grafen von Savoyen, und 1249 sassen 
hier die Edeln von Ayent als Lehens- 
leute von Savoyen. 1630 im Besitz des 
Edelmannes Balthasar Fabri, dem die 
Ober Walliser ihren von Rom heim- 
kehrenden und soeben von ihnen auf 
dem grossen St. Bernhard festgenom- 
menen Bischof Hildebrand Jost in Ge- 
wahrsam gaben. Nach drei Wochen 
dauernder Gefangenschaft erhielt er 
seine Freiheit wieder, nachdem er auf 
die Re^plien rechte Verzicht geleistet 
hatte, die er und seine Vorgänger als 
ihnen von Karl dem Grossen verliehen 
stets beansprucht hatten und die daher 
Caroline genannt wurden. Dieses wich- 
tige Ereignis hat die Burg Völlige zu 
einem in der Walliser Geschichte be- 
rühmten Ort gemacht. Im 12. Jahr- 
hundert hiess das ganze Gebiet des heu- 
tigen Vollege Octiart ; 1179 : Oitiez ; 1245 : 
Othiez; 12tö: Oytier; 1315: Octyez. 

6TIVAZ (BAIN8 DE 1.') (Kt. Waadt, Bez. Pays 
d'Enhaut, Gem. Chäteau d'CEx). 1250 m. Bad und Kurort, 
im Thal von l'fitivaz, 800 m vom Contour de I'fitivaz, 20 



ßTI 



59 



km nö. Aigle (über den Col des Mosses) und 9,5 km ssö. 
Chäteau dxEx. Das Badhotel steht mitten in Tannenwäl- 
dern links über dem Ufer der Tourneresse. Kalte Schwe- 
fel- und Gipswasser, zum Baden und Trinken verwendet. 
Stiller Kurort, abseits vom Strome der internationalen 
Badegäste. 2 Häuser, 17' reform. Ew. Die schon im 17. 
Jahrhundert bekannten Quellen seit 1719 von den Brü- 
dern Minod verwertet, die an der Saissapels (six sapins) 
genannten Stelle, wo sie einem in den Flyschsandstein 
eingelagerten Gipsband entspringen, ein Badehaus er- 
richteten. Schon damals hatten die Wasser im Volke den 
Ruf von wunderbarer Heilkraft. Die Einrichtungen dieses 
ersten Unternehmens Hessen aber mancherlei zu wün- 
schen übrig, so dass der Betrieb lange Zeit eingestellt 
werden musste. 1888 das Bad neu eröffnet und 1901 be- 
trächtlich vergrössert. Bei der Alpweide Praz Cornet, in 
der Nähe der ßains de rfitivaz, hat der Gemsjäger Josu^ 
Henchoz den letzten W^olf der Gegend erlegt, der in we- 
nigen Tagen Kleinvieh im Werte von mehreren hundert 
Franken zerrissen hatte. 

£TIVAZ (CONTOUR DE l.') (Kt. Waadt, Bez. Pays 
d'Enhaut, Gem. Chäteau d'CEx). Kleines Dorf. S. den Art. 
Contour de l'£tivaz. 

feTIVAZ (DEVANT DE 1.') (Kt. Waadt, Bez. Pays 
d'Enhaut, Gem. Chäteau d'CEx). Häusergruppe. S. den 
Art. Devant de l'Etivaz. 

£TIVAZ <VAL1.6E de L') deutsch Lessi (Kt. 
Waadt, Bez. Pays d'Enhaut). Thal, 12 km lang; von der 
Tourneresse entwässert, die mit zwei Quellarmen auf 
den Alpweiden Saxiömaz und Sexrond (2000 m) entspringt 
und bei Les Moulins (900 m), zwischen Chäteau d'(Ex 
und Rossinieres, in die Saane mündet. Beim Aufstieg ins 
Thal durchschreitet man zunächst die prachl vollen Gor- 

?es du Pissot, längs deren linksseitigen Wänden sich die 
867 erbaute Strasse hoch über dem Fluss (bis zu 80 m) 
entwickelt; dann erreicht man die am rechten Flussufer 
stehende Säge und Häusergruppe des Devant de l'ßtivaz, 
gelangt zu den am linken Ufer zerstreut gelegenen Hät- 
ten von Les Sciernes Raynaud und Les Chargiaux, später 
nach Les Bornets (am rechten Ufer ; hier Quollfassun- 
gen der Stadt Lausanne), Les Bains de l'fitivaz (am linken 
Ufer) und endlich nach Le Contour de l'ctivaz (1144 m), 
dem grössten Weiler des Thaies, wo das kaum einige 
bewohnte Hütten bergende Thälchen der Eau Froide aus- 
mündet. Nachher folgen längs der Tourneresse an ihrem 
rechten Ufer die Weiler und Häusergruppen Vers la 
Chapelle (mit Pfarrkirche), Chez les Payroz, Chez les 
Favrod, Chez les Isoz, Le ßovay, L'Ouge, Qiez les Hcn- 




Die mittlere Yallee de l'^^tivas (Blick thalaufwärts). 



choz und Les Perrolles, wo die Fahrstrasse endigt. Ueber 
der rechten Thalseite erheben sich das Arnenhorn 
(2215», Witenberghorn (2353 in), Rothorn de Mayel 



60 



ßTO 



ETT 



m), der Co! du .fable (1888 m), die Gutnmlluh 
(2464 m) und Brecaca (2337 m), der Bioliet (2298 m), die 




Le Devant de TEtivas. 

Pointe-'des Salaires (2187 m), der Sex Mossard (2052 m), 
Co! de Base (1857 m) und Rorher du Midi (2100 m) ; links 
die Monts Chevreuils C1753 m), das Plateau des Th''sailles 
(1654 m), die Cornes des Brenlairos (1882 m), der Kocher 
a rOurs (2135 m ; zwischen den Tlialern der Eau Froide 
und L'j£tivaz) und die Gruppe der Pare de Marnex oder 
Tornettaz (2546 m). Wege: nach Ormont Dessus fiber den 
Col d'Arpilie oder Co! de Sexrond und den Col d'Isenau, 
ins Thal der Saane über den Col de la Forclaz und Col 
du .Table, ins Thal der Gerine über den Col de Base, 
nach Ormont Dessous über den Col des Mosses. Wie der 
Name schon zeij<t (lat. aestira z= Sommerweiden; 1514: 
Leytivay. ; deutsch Lessi) ist L'filivaz in der Hauptsache 
eine mit Alpweiden bestandene Thalschafl, deren weit 
zerstreute Hütten nirgends sich zu einem eigentlichen 
Dorf schaaren. Wahrscheinlich sömmerten hier zunächst 
nur die Viehherden der Bauern von Chäteau d'CEx; nach 
und nach gewöhnte man sich daran, auch den Winter 
über zu bleiben ; dann begann man, die Thalsohle anzu- 
bauen und drängte die Sommerweiden auf die höher 
liegenden Thalhänge zurück, indem man aber immerhin 
auch liefer unten für das Vieh noch einige Frühjahrs- 
und Herbstweiden (sog. päquiers oder agetes) aussparte. 
60 Häuser, 341 reform. Ew. Seit 1713 eigene Kirchge- 
meinde. Neben den für die Wasserversorgung der St;idt 
Lausanne gefassten Quellen sprudeln im Thal noch die 
seit dem 17. Jahrhundert bekannten Schwe- 
felwasser, die zur Entstehung des Bades 
von L'ifctivaz Veranlassung gegeben haben. 
Auch eine salzhaltige Quelle soll vorhan- 
den sein. Die Thalbewohner schuldeten 
einst den Grafen von Greierz, ihren Ober- 
herren, eine jährlich zu entrichtende Ab- 
gabe, die für jede einzelne Haushaltung in 
einem Butterballen bestand. Noch zu Ende 
des 18. Jahrhunderts zeigte man einen 
Ahorn, unter dem Graf Michel von Greierz 
einst einen zwischen den Hirten des Thaies 
ausgebrochenen Streit geschlichtet hatte. 
Die den Bewohnern des Thaies zugestan- 
denen Sonderrechte vom Grafen Rudolf IV. 
von Greierz 1396 bestätigt. 

£tOILE (MONT de L') (Kt Wallis, 
Bez. Hörens). .^«33 und 3372 m. Gipfel, onö. 
Vorberg der Pointe de Vouasson, in der 
Gruppe der Aiguilles Bouges de Darbon- 
neire (oder d'Arolla). Er bildet einen felsi- 
gen Buckel auf dem Schneegrat zwischen dem Glacier de 
Vouasson und dem Glacier des Aiguilles Rouges. Be- 
steigung ohne Schwierigkeit, von Evolena aus über 



den O.-Hanff 5 Stunden erfordernd. Prachtvolle Aussicht. 
£tOY (Kt. Waadt, Bez. Moires). 455 m. Gem. und 
Dorf, in einer Ebene nahe dem Genfer- 
see, an der Strasse Saint Prex-Lavigny ; 
6,5 km sw. Morges und 2,5 km so. 
Aubonne und von diesem durch die 
Schlucht der Aubonne getrennt; 1,2 km 
8. der. Hallestelle ]£toy der Linie Lau- 
sanne-Genf. Postbureau, Telegraph: 
Postwagen Aubonne- Saint Prex. Ge- 
meinde, den Weiler La Romaneche in- 
begriffen : 111 Häuser, 663 reform. 
Ew. ; Dorf: 78 Häuser, 431 Ew. Mit Bu- 
chillon und Saint Prex zusammen eine 
gemeinsame Kirchgemeinde. Acker- u. 
Weinbau. Ziegelei, Sä^e. Asyl Buchet 
für schwachsinnige Kinder. Das Dorf 
entstand um eine im 13. Jahrhundert 
hier vom Kloster auf dem Grossen St. 
Bernhard gestiftete Auguslinerpropstei. 
Tnter der Berner Herrschaft wurde 
I^toy 1542 einem der Burgherren von 
Morges, Francoi'*^ de Ponthey, zu Lehen 
gegeben, wechselte dann seit 1573 mehr- 
fach den Besitzer und wurde 1722 vom 
Staat zurückgekauft. 1145: Stuie; 1177: 
Stoy ; 1234 : Estue ; 1269 : Estuy ; 1301 : 
i Estuel ; 1430 : Estuey ; 1439 : Estuez. 

£TRA (VY de L') oder VY O't- 
TRAZ. So heissen m der französi- 
schen Schweiz mehrere alte Wege und Strassen römi- 
schen oder vorrömischen Ursprunges, deren bekann- 
teste längs des Jurafusses sich hinzieht. Vom lat. {via) 
strata z= gebahnter Weg. 

i^TRABLOZ (Kt. Waadt, Bez. und Gem. Payeme). 
498 m. Weiler, auf den da« rechte Ufer der Broye beglei- 
tenden Hügel wellen, an der Strasse Payerne-Bomont; 
3,2 km s. Payerne, und 2,3 km nö. der Station Trey der 
Linie Lausanne-Payerne-Lyss. 13 Häuser, 81 reform. Ew. 
tTRAZ (VY D») S. den Art. tTBK (vv DE l'). 
6TROIT8 (1-E8) (Kt. Waadt, Bez. Grandson, Gem. 
Sainte Croix). 1153 m. Passübergang über den Grat 
zwischen der Kette des Chasseron und dem Mont des 
Cerfs, 1 km nw. über Sainte Croix. Die von Sainte Croix 
ausgehende Strasse verzweigt sich auf der Passhöhe nach 
Pontarlier einer- und nach Fleurier andererseits. Unmit- 
telbar w. davon die Foröt des Etroits. Malm mit Fossi- 
lien. 

6TRUAZ <A L') (Kt. Freiburg, Bez. Greierz, Gem. 
Villars d'Avry). Quartier des Dorfes Villars d'Avry. S. 
diesen Art. 

ET8CHERZAPFEN (GROSSER u. KLEINER) 
(Kt. Glarus und St. Gallen). 2225 und 2223 m. W^enig 
hervorragende Felsbuckel in der Seitenkette zwischen 
Mürtschenalp und oberem Abschnitt des Murgthales, die 
bei Murg auf den Walensee ausstreicht. Ueber der N.- 




^toy von Südosten. 

Wand des Murgseekares ; nach W. mit dem Schwarz- 
stöckli und Schilt zusammenhängend. 

ETTENBERQ (Kt. Appenzell A. R., Bez. Hinterland, 



ETT 



ETZ 



61 



Gem. Schwellbrunn). 950 m. 14 auf einer Anhöhe über 
dem rechten Ufer des Murbaches zerstreut gelegene Häu- 
ser; 1,5 km so. Schwellbrunn und 3,7 km sw. der Sta- 
tion Waldstatt der Appenzellerbahn (Winkeln-Herisau- 
Appenzell). 64 reform. Ew. Wiesen und Wald. Weberei 
und Stickerei als Hausindustrien. 

ETTENBERQ (Kt. Appenzell A. R., Bez. Vorder- 
land, Gem. Rehetobel). 950 m. 11 am NW.-Hang des 
Gupf zerstreut gelegene Häuser, 1 km n. Rehetobel 
und 4,8 km sw. der Station Heiden der Bergbahn Ror- 
schach-Heiden. 61 reform. Ew. Viehzucht. Stickerei und 
Weberei als Hausindustrien. Steinbruch auf gute Nagel- 
fluh. 

ETTENHAU8EN (Kt. Thurgau, Bez. Frauenfeld, 
Gern. Aadorf). 465 m. Dorf, im Thal der L&lzelmurg, von 
den schönen Höhenzügen des Haselbergs, Rumisbergs 
und der Eich umrahmt und 1,8 km s. der Station Aadorf 
der Linie Winterthur-St. Gallen. Postablage, Telephon. 
70 Häuser, 347 kathol. Ew. Kirchgemeinde Tänikon. 
Viehzucht und -handel, Milchwirtschaft. 845: Atinishuson. 

ETTENHAU8EN (Kt. Zürich, Bez. Hinwil, Gem. 
Wetzikon). 572 m. Kleines Dorf, an der Strasse Hinwil- 
Kempten, 500 m w. der Station Emmetschloo der Linie 
Uerikon-Bauma und 2,5 km ö. Wetzikon. Po8labla||^e, 
Telephon. 58 Häuser, 282 reform. Ew. Viehzucht. Eme 
Seidenzwimerei, Färberei. Bei der Kapelle sah man frü- 
her die sehr starken Grundmauern eines 12 m^ ins Ge- 
viert messenden Turmes, über den man aber keine 
geschichtlichen Nachrichten hat. 

ETTENHAU8EN (Kt. Zürich, Bez. Pfäffikon, Gem. 
Kiburg). 645 m. Gruppe von 6 Häusern, 1 km sw. Kiburg 
und 3^7 km nö. der Station Kemptthal der Linie Zurich- 
Winterthur. 32 reform. Ew. 

ETTINQEN (Kt. Basel Land, Bez. Ariesheim). 350 
m. Gero, und Pfarrdorf, am N.-Fuss des Blauenberges, 
an der Strasse Therwil-Mariastein und 9 km sw. Basel. 
Station der Linie Basel-Flühen. Postabla^e, Telephon. 
141 Häuser, 841 kathol. Ew. Acker (Getreide-) bau. Eine 
Seidenzvdrnerei. Quelle mit Badeetablissement. Urkund- 
lich zum erstenmal 1146 als Eigentum des Klosters 
St Alban in Basel genannt. 1150: Höttingen ; 1154 : Ut- 
tingen; 1167: Houttin^en; 1184: Huttingen. Das Dorf 
trat 1525 zur Reformation über, kehrte aber schon 1595 
wieder zum alten Glauben zurück. Bis 1793 Teil der 
Vogtei Birseck des Bistums Basel. 

ETTISBOHL (Kt. und Amt Luzern, Gem. Malters). 
511 m. Gruppe von 8 Häusern, am rechten Ufer der Klei- 
nen Emme, an der Strasse Bern-Luzern und 1,5 km w. 
der Station Malters der Linie Bern-Luzern. Telephon. 
70 kathol. Ew. Ackerbau. Walzenmühle, Säge. 

ETTI8RIED (Kt. Obwalden, Gem. Sachsein). 510 m. 
Kleines Dorf, nahe dem rechten Ufer des Sarnersees und 
der Strasse Samen-Lungern (-Brünig); 1,5 km sw. der 
Station Sachsein der Brünigbahn. 64 Häuser, 328 kathol. 
Ew. Kapelle. Viehzucht. 1304: Odisried. Turmruine, 
wahrscheinlich Ueberrest der Burg der Ministerialen von 
Ondisried, deren Glied Rudolf in Urkunden von 1304 und 
1332 als erster Landammann von Unterwaiden erscheint. 
Andere Forscher sehen in der Ruine die letzten Spuren 
der Burg der Edlen von Einwil, die im 15. und 16. Jahr- 
hundert ihre Rolle gespielt haben. 

ETTI8WIL (Kt. Luzern, Amt Willisau). 521 m. Gem. 
und Pferrdorf, zwischen der Roth und Wigger und 1,5 
km 80. ihrer Vereinigung, an der Kreuzung der Strassen 
Willisau-Sursee und Grosswangen-Dagmersellen, 4 km 
nö. der Station Willisau der Linie Lan^enthal-Wolhu- 
sen, 4 km sw. der Station Wauwil der Linie Luzern-Olten 
und 3,2 km nw. Grosswangen. Postbureau, Telegraph, 
Telephon; Postwagen nach Willisau, Sursee, Nebikon 
und Nottwil. Gemeinde, mit Brestenegg und Moos : 103 
Häuser, 707 kathol. Ew. ; Dorf: 28 Häuser, 200 Ew. Wie- 
sen- und Obstbau, Viehzucht und Milchwirtschaft. Zwei 
Käsereien. Kirche und Abendmahl kapelle. 1286 : Etiswile. 
Burg Weierhaus oder Wiher und Burg Kastelen. Das 
Dorf liegt in einer sehr fruchtbaren AUuvionsebene, auf 
der oft von Truppen exerziert wird. Hier vereinigten sich 
am 1. März 1845 zwei Abteilungen von Freischärlern, um 
auf Luzern zu marschieren, in der Nähe gotische Ka- 
pelle, 1449 erbaut; steht an der Stelle, wo der Sage zu- 
lolge die Landstreicherin Anna Vögtlin aus dem Thurgau 



die von ihr aus der Kirche entwendete Hostie wieder 
fortwarf, weil sie ihr zum Weitertragen plötzlich zu schwer 

Seworden war. Alte Holzmalereien mit Darstellungen 
ieses Ereignisses. Im 11. Jahrhundert stand der Ort un- 
ter der weitlichen und kirchlichen Oberhoheit der Frei- 
herren von Wolhusen. Der letzte seines Geschlechtes, 
Seliger von Wolhusen, trat seine Rechte an das Kloster 
Einsiedeln ab, dessen Abt er geworden war. Eigentümer 
des Bodens und Inhaber der Gerichtsbarkeit waren bis 
1326 das reiche Kloster St. Urban, später die Herren von 
Kastelen und von Weier. 

ETTRIA (Kt. Wallis, Bez. Goms, Gem. Niederwald). 
2038 m. Sommerweide mit 8 auf dem Rücken zwischen 
den Schluchten der Wildbäche Bettel und Krumpen zer- 
streut gelegenen Hütten, auf einer schiefen Terrasse über 
dem linken Ufer der Rhone, über dem Wald gegenüber 
dem Dorf Niederwald und am NW.-Hang des Kammes 
von Aernergalen. 

ETZEL (Kt. Schwyz, Bez. u. Gem. Einsiedeln). 959 m. 
Gruppe von 5 Häusern, auf der Höhe des Etzelpasses, so. 
unter dem Gipfel des Hohen Etzel, 6 km n. Einsiedeln u. 
4 km s. Pfafhkon am Zürichsee. Telephon. 43 kathol. Ew. 
Landwirtschaft, Viehzucht. Der heute nicht mehr in Be- 
trieb stehende Steinbruch lieferte früher dem Flecken 
Einsiedeln die benötigten Bausteine. Hier lebte 828-835 
der aus llohenzoller'schem Geschlecht stammende Ein- 
siedler St. Meinrad, zu dessen Andenken 1196 die St. 
Meinradskapelle erbaut wurde. Früher stark besuchte 
Gastwirtschaft. Seit dem Bau der Eisenbahn hat der Weg 
über den Etzel viel von seiner Bedeutung verloren. 1261 : 
Mons Ezzelinus. 

ETZEL (HOHEm (Kt. Schwyz, Bez. Einsiedeln und 
Höfe). 1101 m. Berg, über dein linken Ufer des Zürichsees, 
zwischen diesem und der Sihl und 3 km s. über Freien- 
bach. Auf dem Rücken steht seit einiger Zeit ein 20 m 
hoher Aussichtsturm. Prachtvoller Ausblick auf Alpen, 
Mittelland und Jura. Hänge mit Baumgärten und schönem 
Wald bestanden. 12 Bauernhöfe, 78 kathol. Ew. Ueber 
den benachbarten Etzelpass (959 m) führt die Strasse 
Rapperswil-Einsiedeln. Dieser Uebergan^ hat in der Ge- 
schichte zu verschiedenen Zeiten eine nicnt unbedeutende 
Rolle gespielt. 1386 überschritten ihn die Schwyzer, um die 
damals österreichische March zu verheeren, und am 5. Mai 
1439 war er der Schauplatz eines Kampfes zwischen Zür- 
chem u. Seh wyzern. Zu der zum Andenken an dieses Ereig- 
nis errichteten Kapelle pflegte man alljährlich einmal zu 
wallfahrten ; heute geschieht diese Wallfahrt zur Mein- 
radskapelle. Zur Zeit des heroischen Kampfes der Schwy- 
zer gegen die Franzosen 1798 gab der den Pass besetzt 
haltende Anführer « diese Strasse fast ohne Kampf preis », 
so dass die Franzosen auf diesem Weg nach Linsiedeln 
vorzudringen vermochten ; 1847 hüteten Truppen des Son- 
derbunds den Pass. Ueber den Etzelpass flutete Jahrhun- 
derte lang der Strom der aus der N. -Schweiz, dem Tirol 
und Süddeutschland nach Einsiedeln wallfahrenden Pil- 
ger. 

ETZELWIL (Kt. Luzern, Amt Sursee, Gem. Schlier- 
bach). 750 m. Dorf, 1 km n. Schlierbach und 8 km n. der 
Station Sursee der Linie Luzern-Olten. 36 Häuser, 198 
kathol. Ew. Kirchgemeinde Büron. Landwirtschaft. We- 
berei als Hausindustrie. 1325 : Etzewile. 

ETZENERLEN (Kt. Luzern, Amt Sursee, Gem. Rus 
wil). 762 m. Weiler, am N.-Hang des Ruswilerberges; 2 
km nö. Ruswil und 7,5 km nö. der Station Wolhusen 
der Linie Bern-Luzern. 10 Häuser, 76 kathoL Ew. Acker- 
bau, Viehzucht und Milchwirtschaft. 1275 : Herzenerlon ; 
1370: Hertzenerlen. 

ETZQEN (Kt. Aargau, Bez. Laufenburg). 339 m. Gem. 
und Dorf, am rechten Ufer des Mettauerbaches und nahe 
dem Rhein. Station der Linie Koblenz-Stein. Postbureau, 
Telephon; Postwagen nach Gansingen. 42 Häuser, 256 
kathol. Ew. Kirchgemeinde Mettau. Ackerbau und Vieh- 
zucht. Bei der Roten Waag, nahe Christenmatt, eine rö- 
mische Inschrift aus dem Jahr 371, die das älteste Doku- 
ment einer am Rhein bestehenden römischen Veste bildet. 
Vergl. darüber den Anzeiger für schweizer. Altertums- 
kunde 1893. 

ETZIKEN (Kt. Solothurn, Amtei Kriegstetten). 484 m. 
Gem. und Dorf, an der Strasse Solothurn-Herzogenbuch- 
see und 2,2 km sw. der Station Inkwil der Linie Lyss- 



62 



ETZ 



EÜL 



Solothurn - Herzogenbuchsec. Postablage, Telephon. 68 
Häuser, 490 Ew., wovon 70 Reformierte. Kirchgemeinde 
Aeschi. Ackerbau (Kartoffeln). Ein Teil der Bewohner 
arbeitet in den Fabriken von Derendingen und Gerlafin- 
gen. 

ETZIKON (Kt. Zürich, Bez. Meilen, Gem. Oetwil am 
See;. 505 m. Gruppe von 7 Häusern, an der Strasse E^g- 
Oetwil; 1,5km nw. Oetwil und 4,5km nö. der Station 
Männedorf der rechtsufrigen Zürichseebahn (Zurich- 
Meilen-Ra^perswil). 31 reform. Ew. Landwirtschaft. 

ETZLI^BACH (Kt.Uri). 2672-821 m. Wildbach, Zufluss 
zum Kärstelenbach oder Maderanerbach, in den er 2,5 km 
ö. über Amstäg mündet. Entspringt im weiten Felsen- 
zirkus zwischen Pörtlilücke und Krüzlipass an den steilen 
Hängen des Sonnig- und Schattig-Wichel und des Piz 
Giuf. Der aus der Nähe der Pörtlilücke herabkommende 
Hauptquellbach bildet den kleinen Spiellauisee (2227 m), 
durchüiesst in ö. Richtung die Fellelialp, biegt bei Mül- 
lersmatt nach N. ab und eilt mit steilem Gemlle und in 
zahlreichen Kaskaden durch das Etzlithal. Vor der Münd- 
ung engt sich das Thal stark ein, so dass der Bach hier 
eine tiefe Schlucht ausgewaschen hat. Ueberwindet auf 
seinem 8 km langen Lauf einen Höhenunterschied von 
1850 m. 

ETZLIBERQ (Kt. Zürich, Bez. Horden, Gem. ThaU 
wil). 523 m. Gruppe von 10 Häusern, auf den Höhen zwi- 
schen linkem Ufer des Zürichsees und Sihlthal und 1 km 
w. über der Station Thalwil der linksufrigen Zürichsee- 
bahn (Zürich - Wädenswil). 76 reform, und kathol. Ew. 
Gastwirtschaft. Prachtvolle Aussicht auf See und Gebirge. 
\V. über der Häusergruppe der gleichnamige Moränenzug 
(547 m), in dem mehrere Kiesgruben geöffnet sind. 

ETZLIBODEN (HINTER und VORDER) (Kt. Uri, 
Gem. Silenen). Mittlere Höhe 1300 m. Schöne Alpweiden 
mit zwei Gruppen von zusammen etwa 30 am linken Ufer 
des Etzlibaches gel^enen und nur im Sommer bezogenen 
Hütten, mitten im Etzlithal u. ö. unter dem Bristenstock, 
6 km so. über Amstäg. Werden der ganzen Länge nach 
vom Weg über den Krüzlipass durchzogen. 

ETZLITHAL (Kt. Uri). Linksseitiges Nebenthal zum 
Maderanerthal, so. über Amstäg, vom Etzlibach entwäs- 
sert. Am untern Eingang bildet es zwischen den einander 
stark sich nähernden Steilwänden des vom Bristenstock 
nach NO. ausgehenden Bristengrates und des vom Ober- 
alpstock nach NW. abzweigenden Seelegggrates eine enge 
und tiefe Schlucht ; im mittleren Abschnitt erweitert es 
sich zwischen den in der Luftlinie 7 km von einander 




Blick vom Bristenstock ias Etzlithal. 

entfernten Gipfeln des Bristen Stockes im W. und des 
Oberalpstockes im 0. zu einer breiten, aber kaum 3 km 
langen Mulde, deren Boden mit zahlreichen Alphütten 



ubersüt ist. Darüber folgen beiderseits steile Halden, über 
denen wieder schwach geneigte und mit Alpweiden be- 
standene Terrassen liegen, worauf endlich die hohen 
Felswunde des Bristenstocks , Oberalpstocks und ihrer 
Vorberge das Ganze beherrschen. Oberhalb dieser Thal- 
weite en^ sich das Etzlithal zwischen dem Rossboden- 
stock (Bristenstock) und Krüzligrat (Oberalpstock) neuer- 
dings ein, um dann hinter dieser Tnalstufe einen neuen 
Thalboden zu bilden, der im Gegensatz zu dem die Ge- 
birgsrichtung quer durchschneidenden untern Thalab- 
schnitt ein mit ihr parallel streichendes Längsthal ist. 
Dieser oberste Zirkus wird von einem grossartigen Kranz 
von Felswänden umrahmt, in dessen Nischen eine Reihe 
von kleinen Firnfeldern liegen. Die hier noch stehenden 
magern Alpweiden werden nur auf wenige Ta^e im Monat 
August bezogen. Das Thal steht über die Pörtlilücke (2514 
m) nach W. mit dem Fellithal und damit mit dem Reuss- 
thal, nach 0. über den Krüzlipass (2350 m) mit dem Val 
Strim und Sedrun im Tavetsch (oberer Abschnitt des 
Vorderrheinthals) und endlich nach S. und SO. über den 
Auf den Mittelplatten (2479 m.) geheissenen Pass mit dem 
Val Milar und Rueras (oberhalb Sedrun) in Verbindung. 
ETZWIL (Kt. Aarffau, Bez. Zurzach, Gem, Leuggern). 
420 m. Weiler, am NO.-Hang des Schlossbergs, am Gun- 
tenbach, 2 km sw. Leuggern und 5,5 km sw. der Station 
Döttingen-Klingnau der Linie Turgi-Waldshut. 14 Häuser, 
71 kathol. Ew. 

ETZWILEN (Kt. Thur^u, Bez. Steckbom, Gem. 
Wagenhausen). 447 m. Weiler, am N.-Fuss des Stamm- 
heimerberges und 2,5 km w. Wagenhausen. Früher völlig 
bedeutungslos, ist Etzwilen heute eine wichtige Eisen- 
bahnstation, wo sich die zwei Linien Winterthur-Etzwi- 
len-Singen und SchafThausen-Etzwilen-Konstanz kreuzen. 
Postablage, Telephon. 21 Häuser, 142 reform. u. kathol. 
Ew. Kirchgemeinden Burg- Kalten bach und Eschenz. Obst- 
bau, Viehzucht. Torfgruben. 761 und 888: Zeziwilare. 

EUQEN8BERQ (Kt. Thurgau. Bez. Steckborn, Gem. 
Salenstein). 544 m. Schönes moaernes Schloss, auf den 
Höhen über dem linken Ufer des Untersees, zwischen 
Berlingen und Ermatingen, 2 km w. vom Schloss Arenen- 
ber^ und 1,5 km sw. über der Station Mannenbach der 
Linie Konstanz-Etzwilen-Schatlhausen. Das prachtvoll ge- 
legene Schloss wird wie seine Nachbarn Arenenberg und 
Salenstein oft besucht. 1816 von Eug[en von Beauharnais, 
dem Stiefsohn Napoleons und Vizekönig von Italien, er- 
baut. 
EUQER8WIL (Kt. Thursau, Bez. Steckbom, Gem. 
Homburg). 660 m. Gruppe von 3 Häu- 
sern, am S.-Hang des den höchsten 
Abschnitt des Seerückens bildenden 
Homburgerberges, 4 km so. über der 
Station Steckborn der Linie Konstanz - 
Etzwilen -Schaffhausen und 1,2 km 
nö. Homburg. 18 kathol. Ew. Landwirt- 
schaft. Schöne Aussicht auf das Thal 
der Thur. 

EUQ8T (Kt. Appenzell I. R.). So 
heissen mehrere auf die Gemeinden 
Schwende, Schlatt-Haslen, Gonten und 
Oberegg verteilte Häusergruppen und 
einzeln stehende Häuser. Am bekann- 
testen sind : Engst (1076 m) in der Ge- 
meinde Schwende, Wirtshaus am Weff 
Weissbad-Ebenalp, 5 km s. Appenzell 
und 1,2 km sw. Schwende; Eugst (910 
m) in der Gemeinde Oberegg, Gruppe 
von 7 Häusern mit 35 kathol. Ew., 500 
m sw. Oberegff und 3,5 km s. der Sta- 
tion Heiden der Ber^^bahn Rorschach- 
Heiden. Viehzucht. Stickerei als Haus- 
industrie. 

EUQ8TERN (Kt. Bern, Amtsbez. 

Trachselwald, Gem. Rüegsau). 757 m. 

Gruppe von 4 Häusern, 2 Km sw. Aflol- 

tern und 7,5 km nö. der Station Hasli- 

Rüegsau der Linie Burgdorf-Langnau. 

30 reform. Ew. 

EULACH (Kt. Zürich, Bez. Winterthur). Flüsschen; 

entspringt in 654 m im Lochholz am N.-Hang des Tü- 

bergs (752 m) bei Schlatt, fliesst zunächst bis Schottikon 



EUL 



EVI 



63 



nach N., biegt dann nach W. ab, durchfliesst die weite £bene 
der Grüzen, wo sie von rechts eine Reihe von Nebenbächen 
aufnimmt, geht s. an Ober Winterthur vorbei u. durch- 
fliesst die Stadt Winterthur, wendet sich dann NW.,quert 
das Dorf Wülflingen u. mündet 800 m w. der Kirche Wülf- 
lingen in 410 ra von rechts in die Töss. Treibt eine ganze 
Anzahl von Fabriken u. Mühlen. 1285 : Oellach fluvius. 

EULEN (Kt. Schwyz, Bez. Höfe, Gem. Freienbach). 441 
m. Weiler, im Thal des Sarenbaches, 3 km sw. der Station 
Pßffikon der Linie Zurich-Glarus-Linthal und 1,5 km sw. 
Freienbach. 15 Häuser, 100 kathol. Ew. Weinund Obstbau, 
Viehzucht Seidenindustrie. Steinbrüche auf Molasse. 

EU MATT (Kt. und Bez. Schwyz, Gem. Sattel). 779 m. 
11 am rechten Ufer der Steiner Aa zerstreut gelegene 
Häuser, an der Strasse Rotenturm-Goldau und 500 m sw. 
der Station Sattel der Südostbahn (Wädenswil-Bi berbrugg- 
Arth Goldau). Hier Postbureau, Telegraph und Telephon 
der Gemeinde Sattel ; Postwagen Sattel-Aegeri. 103 kathol. 
Ew. Acker-, Obst- und Weinbau. Bienenzucht. Seiden- 
weberei als Hausindustrie. Steinbrücke über die Aa. 

EU8ANNAZ oder AUS ANN AZ (Kt. Waadt, Bez. 
Aigle, Gem. Bei). 1654 m. Alpweide mit 10 Hütten, am 
NW.-Fuss der Pointe des Savoleires und 2 km sw. über 
Les Plans de Freni^res. Der untere Abschnitt der Alp- 
weide mit Les Plans de Frenieres durch die fertigffestellte 
erste Sektion der Fahrstrasse von Javernaz verbunden. 
Felsenzirkus, mit auf Neocom u. Flysch liegendem Sturz- 
und Moränenschutt überführt. 

EU8EIQNE (Kt. WaUis, Bez. Harens, Gem. Hör^ 
mence). Dorf. S. den Art. Useigne. 

EUTHAL (Kt. Schwyz, Bez. und Gem. Einsiedeln). 897 
m. Teil der Gemeinde Eihsiedeln und Dorf, am rechten 
Ufer der Sihl und am Eubach, an der Strasse Einsiedeln- 
Iberg und 7 km so. der Station Einsiedeln der Linie Wä- 
denswil - Einsiedeln. Postbureau, Telegraph, Telephon ; 
Postwagen Einsiedeln-Iberg. Die Fraktion Euthal der Ge- 
meinde Einsiedeln zieht sich längs beiden Seiten der Sihl 
bis zur Grenze des Bezirkes Einsiedeln hinauf und um- 
fasst die Dörfer und Weiler Euthal, Halden, Hochbord, 
Hüti, Steinau und Steinbach. Zusammen 99 Häuser, 595 
kathol. Ew. ; Dorf Euthal : 27 Häuser, 142 Ew. In kirch- 
licher Hinsicht Filiale von Einsiedeln. Wiesen, grosse u. 
schöne Alpweiden, Viehzucht. Seidenindustrie, o Sägen. 
Schulhaus und Kirche. 1331 : Oeital. Von der helvetischen 
Regierung seiner Zeit zur selbständigen Kirchgemeinde 
erhoben. Während der Kämpfe zwischen Schwyz und 
dem Kloster Einsiedeln (1114-1350) wurden Oeital, Halden, 
Hageln und Ruhestal zu wiederholten Malen geplündert u. 
zerstört. 

EUTHAL (OBER) (Kt. Schwyz, Bez. und Gem. Ein- 
siedeln). 928 m. Weiler, mit 22 am Eubach zerstreut ge- 
legnen Häusern, 8 km so. der Station Einsiedeln der 
Linie Wädenswil-Einsiedeln und 1,2 km nö. Euthal. Tele- 
phon. 142 kathol. Ew. Alp Wirtschaft. Seidenweberei. Von 
hier fahrt ein Bergübergang über die Krummfluh, den 
Eathalberff und die Sattelegg in die March. Turbinensäge. 
EUW (Kt. Zug, Gem. Menzingen). 4% m. Gruppe von 
3 Häusern, am rechten Ufer des Edlibaches und lOO m s. 
Menzingen. Waisenhaus, seit 1852 Privateigentum und 
seit 18tf/ im Besitz einer gemeinnützigen Gesellschaft. Ca. 
50 Zöglinge. 

EUW (Kt. Zug, Gem. Unter Aegeri). 732 m. Weiler, 
nahe dem rechten Ufer der Lorze, 500 m w. Unter Aegeri 
0. 7,5 km so. vom Bahnhof Zug. 12 Häuser, 91 kathol. Ew. 
EVA (PA880 D'> (Kt. Tessin, Bez. Locarno). 2022 m. 
Hoher, mühseliger und selten begangener Passübergang, 
zwischen dem Madone di Giove und Pizzo Masne, in der 
vom Monte Zucchero nach S. abgehenden u. das Maggia- 
vom Verzascathal trennenden Kette. Kürzeste Verbindung 
zwiscl^en Maggia und Brione. Von Mageia aus steigt der 
Weg lan^m und ffleichmässig durch das Val Salla und 
über einige Alpweiden nach NO. auf, um dann plötzlich 
ausserordentlich steil und pfadlos durch Wälder nach 
Brione hinunter zu leiten. 

. EVEL (IM) (Kt. Wallis, Bez. Visp, Gem. Eisten). Un- 
richtige Schreibart der Siegfriedkarte für Erel, Im. Siehe 
diesen Art. 

feVEQUE (L*), oder MONT COLLON P08Ti&- 
RIEUR (Kt. Wallis, Bez. Harens). 3738 m. Höchster Gipfel 
der Gruppe des MontCollon, zwischen dem AroUa- u. Mont 



CoUongletscher und über dem obersten Abschnitt des Val 
d'AroUa. Von Aroila aus ist der vom Mont Collon ver- 
deckte £v6que nicht sichtbar. Besteigung von AroUa aus 
über den NO.-Grat in 5 Stunden ; zum erstenmal 1867. 

£v£qUE (COL de LM, oderCOL D'AROLLA 
(Kt. Wallis, Bez. Harens). 3393 m. Passüberffang, zwischen 
dem Punkt 3535 m der Siegfriedkarte una dem £v^ue. 
Wird überschritten entweder beim Weg von Prarayer 
nach Aroila (erster von Touristen ausgeführter Uebergang 
1863), oder vom Col de Collon über den Col de Pi^ce nach 
Arolla, oder endlich auch von Zermatt über den Col de 
Valpelline, Col du Mont Brül6 und Col de rfivöque nach 
Chanrion. 

£V^QUE (LA mItRE DE L'), oder MONT COL- 
LON DU MILIEU (Kt. Wallis, Bez. Herens). 3672 m. 
Gipfel, in der Gruppe des Mont Collon, zwischen diesem 
und dem fivöque, 7-8 Stunden über den Mayens d'AroUa. 
Zum erstenmal 1879 von A. Cust erstiegen. 

6VERDE8, deutsch Grüningen (Kt. Freibur|, Bez. 
Greierz, Gem. £charlens). 710 m. Bur^uine, auf einer 
Höhe über der Saane, gegenüber Corbieres und 1 km n. 
Champotey. Ehemaliger Sitz der Herren von fiverdes, die 
1136 das Kloster Humilimont gründeten. Nachdem 1348 
Otto von £verdes die Gemahlin Mermette des Schultheis- 
sen Maggenberg von Freiburg überfallen und beraubt 
hatte, zogen die von den Bernern unterstützten Freibur- 
ger 1349 vor die Burg, nahmen den Burgfried mit Sturm, 
plünderten ihn aus und legten ihn in Asche. Von den 
Freiburgern 1475 neuerdings genommen, vier Jahre spä- 
ter zum Sitz eines Landvo^es umgestaltet und 1553 mit 
der unterdessen von ihnen erworbenen Herrschaft Vuip- 
pens (Wippingen) vereinigt. Die Landvögte verlegten dar- 
auf ihren Sitz von der in Trümmer zerfallenden Burg 
nach Vuippens. 1350 : Verdes : später : ßs Verdes. Vergl. 
Dev. tverdes et Vuippens in Memorial de Fribourg. 

EVI, ^VE etc. Für sich oder in Zusammensetzungen 
in der französischen Schweiz und in Savoyen häufig vor- 
kommender Ortsname ; vom lat. aqua = fliessendes Was- 
ser, Bach. 

6VI (COL DE L'> (Kt. Freiburg, Bez. Greierz). 1043 
m. Passübergang, führt vom Saanetnal zu den am SO.- 
Hang des Molöson gelegenen Alpweiden, 2 km sw. Neiri- 
vue. Bemerkenswerter und noch wenig bekannter Ueber- 

gmg, der dem Rand einer tiefen Schlucht folgt, in deren 
rund der Wildbach Marivue schäumt, tagsüber aber 
keinerlei Gefahr bietet. Nach einem Marsch von drei 
Viertelstunden weitet sich die Gebend und zeigt sich die 
zierliche Kapelle Notre Dame de 1 £vi, die 1863 von der Ge- 
meinde Neirivue an der Stelle eines ehemaligen kleinen 
Bethauses errichtet worden ist. Am Ausgang erscheint die 
Schlucht als weiter Trichter, durch dessen OefTnung mit 
einem Male der Gipfel des Molton in den GesichtsKreis 
tritt. Der Col de 1 £vi ist der Wejg, den die Viehherden 
ausschliesslich benutzen, wenp sie auf die Alpweiden 
am SO. -Hang des Mol^son getrieben werden. Von den 
Hirten wird dabei das Vieh in von einander getrennte 
Gruppen von drei bis vier Stück abgeteilt, und auf der 
Passhöhe wartet der Pfarrer mit dem Weihwedel und 
segnet die Herden. Im Winter wird über den Pass Emd 
und Holz in die Dörfer im Thal hinunter^eschafft ; es ist 
dies dann eine sehr gefährliche Arbeit, die oft schon zu 
mancherlei Unglück Veranlassung gegeben hat. Es ist 
verständlich, dass die wilde Umgebunff des Passes auf 
das Volksgemüt einen tiefen Eindruck machen muss. 
Es geht die Sage, dass hier an einer bestimmten, ganz 
mit Famkraut überwucherten und dem Tone jeder 
menschlichen Stimme und auch der Glocken entrückten 
Stelle in der Johannisnacht genau um Mitternacht der 
Teufel erscheint und einem zufallig dort sich aufhalten- 
den Menschenkind eine wohlgefüllte Börse in die Hand 
drückt. Es kommt denn auch vor, dass etwa ein armer, 
aller andern Mittel entblösster Mann zu dieser Zeit das 
Farndickicht wirklich aufsucht. 

EVIBACH (Kt. Uri). Kleiner Bach, rechUseitiger Zu- 
fluss zur Reuss, ^egen die er einen mächtigen Schuttkegel 
vorschiebt und in die er 1 km n. Silenen mündet. Ent- 
fliesst durch unterirdische Kanäle dem zwischen den 
Windgällen, dem Seewligrat und Rinderstock gelegenen 
und oberflächlich keinen Abfluss aufweisenden kleinen 
Seewlisee und schneidet sich im untern Teil des Evithales 



64 



EVI 



fivo 



durch eine enge und tiefe Schlucht. Die Mehrzahl der 
unterhalb des Seewlisees über die Wände des Evithales 
herabrauschenden ßäche werden, wie 
der Evibach selbst, von unterirdischen 
Wasserrinnen aus dem See gespiesen. 
Es ist dies eine in Kalke;ebieten über- 
haupt nicht seltene Erscheinung. 

EVIBACH (Kt. Uri, Gem. Silenenj. 
550 m. 14 Häuser, am Eingang ins Evi- 
thal und 2 km n. der Station Silenen 
der Gotthardbahn. 86 kathol. Ew. Hei- 
mat des Generals Sebastian Peregrinus 
Zwyer von Evibach (158&-1664), eines der 
bekanntesten Umer. Zuerst Offizier im 
dOjahrigen Krieg, dann diplomatischer 
Agent und Bevollmächtigter des öster- 
reichischen Kaisers bei den Friedens- 
verhandlungen, war er mit dem Bür- 
germeister Wettstein von Basel zusam- 
men einer der Hauptbefürworter der 
Anerkennung der Unabhängigkeit der 
Eidgenossenschaft im Westfälischen 
Frieden (1648). Später führte er im 
Bauernaufstand die Luzerner Regie- 
rungstruppen, dann im ersten Villmer- 
ger Krieg die Urner Truppen und wurde 
zuletzt Landammann von Uri. 

i&VILARD (Kt. Bern, Amtebez. Biel). 
Gem. und Dorf. S. den Art. Leubrin- 
gen. 

^VIONNAZ (Kt. Wallis, Bez. Saint Maurice). 460 m. 
Gem. und Pfarrdorf, im Rhonethal zwischen Martinach 
und Saint Maurice, am linken Ufer der Rhone, 5 km ssö. 
Saint Maurice und 1 km n. der Station £vionnaz der Sim- 
plonbahn. Die ausgedehnte Gemeinde umfasst ausser 
dem zwischen La Balmaz und der Mündung des Wild- 
baches Saint Barth^lemy gelegenen Stück der Rhone- 
ebene noch das ganze rechtsseitige Gehänge des vom 
Saint Barthölemy entwässerten kleinen Thaies sowie das 
weite Hochthal von Salanfe, dessen Alpweiden von den 
Bürgern von £vionnaz, Saint Maurice, V^rossaz und Mas- 
soriffex gemeinsam bewirtschaftet werden, seitdem durch 
Gerichtsbeschluss von 1775 die Gemeinde Salvan von 
jedem Anrecht der Benutzung an ihnen ausgeschlossen 
worden ist. Gemeinde, mit den Weilern La Balmaz, Les 
oornes und La Rasse : 128 Häuser, 929 kathol. Ew. ; Dorf: 
75 Häuser, 446 Ew. Poslbureau, Telegraph. Früher zur 
Gemeinde und Kirchgemeinde Saint Maurice gehörend ; 
seit 1822 in politischer und seit 1847 in kirchlicher Hin- 
sicht selbständig. Hauptbeschäfligung der Bewohner sind 
Ackerbau und Viehzucht. Um 1765 wurde eine über der 
Alpweide Cocorier, am N.-Hang des Salantin gelegene 
Bleimine abgebaut. Heutige Kirche an der Stelle einer 
alten Kapelle, die 1636 von den Bewohnern nach schreck- 
lichen Verheerungen durch den Wildbach Saint Barth^- 
lemy dem h. St. Bernhard von Menthon zu Ehren errich- 
tet worden war ; die zu gleicher Zeit im Weiler La Rasse 
erbaute St. Barth^lemy Kapelle steht heute noch. Dorf 
^vionnaz durch eine 32 Häuser in Asche legende Feuers- 
brunst von 1644 zur Hälfte zerstört. Liegt am Fuss von 
aus metamorphischen Gesteinen aufgebautem Gebirge. 
1263 : Eviona. Im Mittelalter eine Zeit lang unter der 
Herrschaft der Edeln von Bex. Bei Montaoux Gräber aus 
der La Tene Zeit. £vionnaz soll das im 6. Jahrhundert 
erwähnte Juviana sein. In der Nähe stand damals die 
Veste Epaunum. £vionnaz, vielleicht vom lat. aquiona- 
tium •= an Quell wasser reicher Ort. 

EVITHAL (Kt. Uri). 2000-500 m. Rechtsseitiges Neben- 
thal zum Reussthal, vom Evibach entwässert. Steigt zwi- 
schen den beiden Windgällen u. der Gruppe des Höh 
Faulen ab, fällt vom obersten, vom Seewlisee eingenom- 
menen Thalboden mit steiler, von keinem Fussweg über- 
wundener Thalstufe ab und setzt sich bis zur Ausmündung 
als enges Thal mit starkem Gefälle fort. Um vom untern 
Thalabschnitt zum Kar des Seewlisees zu gelangen, muss 
man einen weiten Umweg machen, entweder an der Klei- 
nen Windgälle vorbei über den Felssporn des Pfaffen oder 
um den Rinderstock herum. In geologischer Hinsicht ist 
das Thal dadurch besonders bemerkenswert, dass es den 
Uebergang zu der grossen liegenden Falte der Windgällen 



bildet, die von hier aus zu einem Teil überblickt werden 
kann. 




^volfene von St^den. 

i^VOLE (QLACIER DE L') (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont). 3000-2774 m. Kleiner Gletscher, am NW.-Hang der 
Pointes de Planereuse, in der Gruppe der Darre! (nö. dem 
Tour Noir und der Aiguille de la Neuva vorgelagert). Am 
untern Gletscherrand die Schutzhütte Saleinaz des S. 
A. C. 

^VOLfeNE, im Dialekt £:volena (Kt. Wallis, Bez. H^ 
rens). 1378 m. Grosse Gemeinde und schönes Pfarrdorf, 




Kirche von ^^volöne. 

im Val d'Hörens am rechten Ufer der Borgne, 18 km ssö. 
über Sitten. Postbureau, Telegraph: im Sommer zweimal 
täglich Postwagen Sitten-£vol^ne-Hauderes. Im Winter 



i5vo 



EYS 



65 



werden die Postsachen mit Maultieren befördert. Ge- 
meinde, mit den Weilern Les Hauderes, La Forclaz, Lan- 
naz, La Sage, La Tour, l^ralovin und 
Villa : 167 Häuser, 1208 kathol. Ew. ; 
Dorf: 57 Häuser, 464 Ew. Schöne Pfarr- 
kirche zu Saint Jean Baptiste. Trotz der 
Konkurrenz durch die beiden für Hoch- 
touren günstiger gelegenen Orte Aroila 
und Ferpecle ist £vol^ne ein wichti- 
ges Exkursionszentrum. Drei Gasthöfe. 
FVüher bildete £vol^ne überhaupt das 
Siedelungszentrum des ranzen obern 
Thalabschnittes, so dass dieser oft ein- 
fach mit dem Namen des Dorfes be- 
zeichnet wurde, während die Bezeich- 
nung als Val d'H^rens nur dem untern 
Thalabschnitt verblieb. Die sehr grosse 
Gemeinde .volene umfasst das ganze 
Thal von Saint Martin bis zur Dent Blan- 
che und vom Sasseneire bis zum Pic 
d*Arzinol und zieht sich bis zur Landes- 

Brenze gegen Italien hinauf. Hinter dem 
orfe Les Hauderes teilt sich das Thal 
in die zwei Arme von Ferpecle und von 
Arolla. Das Zentrum der Gemeinde liefft 
am Fusse eines alten Sturzschuttkegels 
mitten in weitem Alpweidengebiet, das 
von hohen Felswänden und bewaldeten 
Steilhängen eingerahmt ist, worüber 
wieder grosse Alp Weidenterrassen folgen. 
Zahlreiche Schalensteine bei Villa und 
auf den Maiensässen von . Lassiores. 1570 baute man eine 
seither wieder eing:egangene Kupfermine ab. Vom Dorf 
£yoläne u. den übrigen alpinen Stationen der Gemeinde 
aus fähren eine Reihe von Pässen hinüber nach Zermatt, 
Zinal, Grimentz u. ins Val de Bagnes. Auf Gemeindeboden 
von Evolene 1840 blutiges und entscheidendes Gefecht 
zwischen den Anhängern der freisinnigen Regierung zu 
Sitten und denen der konservativen Parteileitung zu Si- 
ders. 1250: Ewelina; 1255: Eweleina. 

6VORDE8 (Kt. Genf, Linkes Ufer, Gem. Bardonnex 
0. Troinex). 468 m. Gruppe von 6 Häusern, an der Drize, 
nahe der Grenze gegen Frankreich, 700 m von der Station 
Pierre Grand der Schmalspurbahn Genf-Collonge und 
6«i km s. Genf. 25 kathol. Ew. Kirchgemeinde Compe- 
sieres. 

feVOUETTES (LE8> (Kt. Wallis, Bez. Monthey, Gem. 
Port Valais). 400 m. Dorf, am linken Ufer der Rhone, an der 
Strasse des Rhonethaies ; 3,5 km s. vom Genfersee, 1 km 
s. der Kirche von Port Valais und 3,5 km so. der Station 
Le Bouveret der Linie Saint Maurice -Saint Gingolph. 44 
Häuser, 356 kathol. Ew. Der oberhalb des Dorfes liegende 
Schuttkegel des Wildbaches Tov^ ist heute mit Weinreben 
bepflanzt, die einen ausgezeichneten Ertrag geben. Das 
Dorf am Abend des 10. April 1833 durch reuer beinahe 
völlig zerstört. Durch die von den Alpweiden von La D^ 
rotcmaz herabkommende Schlucht von Les £vouettes muss 
einst der grosse Berfisturz von Tauretunum niedergegan- 
gen sein. S. diesen Art. 

6VOUETTE8 D'AMONT (LES) (Kt. Wallis, Bez. 
Monthey, Gem. Port Valais). 460 m. Etwa 10 Gebäulich- 
keiten, wovon 8 Wohnhäuser, über dem obern Ende des 
Weinberges von Les £vouettes und am Fuss der Wald- 
ungen zerstreut gelegnen ; 3 km s. der Station Le Bouveret 
der Linie Saint Maurice - Saint Gingolph. 49 kathol. Ew. 

EWEL (Kt. Obwalden, Gem. Sachsein). Weiler. S. den 
Art. EiwiL. 

EWIQ8CHNEEFELD (Kt. Wallis, Bez. Ost Raron). 
Grosses Fimfeld ; 6,5 km lang u. im Mittel 2,6 km breit ; 
be|;innt in 3600 m am Ober und Unter Mönchioch u. geht 
mit einem Eisfall in den von ihm, dem Jungfrauflm und 
Grossen Aletschfim gebildeten Konkordiaplatz über, an 
dem der Grosse Aletschgletscher seinen Anfang nimmt, 
lieber ihn führt der von der Konkordiahütte ausgehende 
und dem Eisfall über die Felsen und Ufermoränen der 
rechten Seite ausweichende Weg zur Berglihütte des S. 
A. C. und damit vom Eggishom nach Grindelwald. 

EWIQ8CHNEEHORN (Kt. Bern, Amtsbez. Ober 
llasle). 3331 m. Bedeutender Gipfel, der höchste in der 
Kette zwischen Unteraar^ und Lauteraargletscher einer- 



und Gauligletscher andererseits, zwischen Ankenbälli u. 
Bächlistock. Seit der Erstellung der Gaulihütte des S. A. C. 




Ewigschneeboro, GrQnhörner q. Kamm. 

sehr oft besuchter Modeberg, am Weg von der Gaulihütte 
zum Pavillon Dollfus. Besteigung von beiden Seiten her 
nicht schwierig, erfordert vom Pavillon Dollfus aus über 
den Lauteraargletscher und die rasenbewachsenen Hänge 
der Wildläger oder von der Gaulihütte aus über den N.- 
Grat je 5 Stunden. Schon 1795 querten R. Stettier aus 
Zofingen und von Graffenried aus Bern mit einem Führer 
vom Urbachthal aus den Gauligletscher und überschritten 
nur wenige Minuten vom Ewigschneehorn entfernt die 
Kette, um über Lauteraar- und Unteraargletscher die 
Grimsel zu erreichen. Die damals der Kette beigelegten 
Namen Gauligrat, Aarengrat oder auch Lauteraarjoch 
werden heute in präziserem Sinne gebraucht. Seither ist 
die Kette vielfach schon zu den Zeiten überschritten wor- 
den, da die Hochalpen touren noch nicht Allgemeingut ffe- 
wesen sind. Erste sicher bekannte Besteigung des Gipfels 
1841 durch Ed. Desor mit dem Führer Leuthold. Aussicht 
trotz des nicht allzuweiten Gesichtskreises doch eine sehr 
schöne u. harmonische, einerseits auf den Gauligletscher 
mit seiner Umrahmung von Eisgipfeln und andererseits 
auf die prachtvollen Gruppen der Schreckhörner und des 
Finsteraarhoms. 

EXERQILLOD od. E88ERTQILLOD (Kt. Waadt, 
Bez. Aigle. Gem. OUon). 835-887 m. 3 Häuser, am rechten 
Ufer der Grrande Eau, zwischen den Bächen Les Folles u. 
Tantin und am Weg La Forclaz-Aigle. 18 Ew. Landwirt- 
schaft. Schulhaus für einen Teil der Gemeindet ktion 
Les Granges. Früher viel ^össer ; die 1846 durch Feuer 
zerstörten 22 Häuser sind nicht wieder aufgebaut worden. 
Unter einer Flyschdecke lagern hier in umgekehrter 
Schichtfolge Gips und Rauch wacke der Trias dem Rät an. 

EY (Kt. und Amtsbez. Bern, Gem. BoUigen). Häuser- 
gruppe. S. den Art. Ei. 

EY (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Hasle, Gem. Meiringen). 
585 m. Sechs am linken Ufer der Aare zerstreut gelegene 
Häuser, 3 km w. der Station Meiringen der Brünigbahn. 
30 reform. Ew. Der alte Name Ey, auch als Ei, Eu, Euw, 
Oei, Au im Kanton Bern (besonders im Aare- u. Emmen- 
thal und im Oberland) sehr häufig auftretend, bezeichnet 
Bauernhöfe oder Weiler, die in der Thalsohle oder auf 
sumpfigem Boden stehen. 

EYMATTEN (Kt. u. Amtsbez. Bern, Gem. Bümpliz). 
Bauernhöfe. S. den Art. Eimatten. 

EY8EEALP (Kt. Obwalden, Gem. Lungern). 1978 m. 
Alpweide, im oberen Abschnitt des Marienthaies, am N.- 
Hang des Brienzergrats und am O.-Fuss des Brienzerrot- 
horns; 7,5 km w. über Lunkern. In der Mitte der kleine 
Eysee, der keinen oberfiächlichen Abfluss hat. Mit Brienz 
durch den Fussweg über das Widderfeld (2062 m ; zwi. 
GEOOR. LEX. 49 — II — 5 



66 



EYS 



FiEH 



sehen Rothom u. Arnihacken) verbunden. Malerisch ^e\e- 
gen. Eigentum der Bürgergemeinde Schwanden bei Brienz. 

EY8IN8 (Kt. Waadt, Bez. Nyon). 439 m. Gem. u. Dorf, 
auf einer' Hochfläche nähe dem linken Ufer des hier von 
einer schönen gemauerten Brücke überschrittenen Boiron 
und 2,8 km w. der Station Nyon der Linie Lausanne-Genf. 
Postablage, Telephon : Postwagen Nyon - Divonne. Gem., 
nlit Le Petit Eysms : 45 Häuser, 262 reform. Ew. ; Dorf: 
37 Häuser, 205 Ew. Kirchgemeinde Nyon. Schöne neue 
Kirche. Acker- und etwas Weinbau. Geflügelzucht. Rö- 
mische Ueberreste. Hierher hatte Rudolf IIL von Burgund 
1002 einen Reichstag einberufen, dessen einer in histori- 
scher Hinsicht wichtiger Beschluss die Namen der bedeu- 
tendsten Edelgeschlccnter des Königreiches nennt. Heimat 
des Waadtländer Dichters und Historikers Juste Olivier 
und seines als Verfasser von zahlreichen Novellen aus 
dem Waadtländer Bauern leben bekannten Bruders Urbain 
Olivier. 

EY8IN8 (LE PETIT) (Kt. Waadt, Bez. Nvon, Gem. 
Eysins). 447 m. Gruppe von 6 Häusern, 700 m n. Eysins und 
2,4 km w. der Station Nyon der Linie Lausanne-Genf. 35 
reform. Ew. 



EY88Y (Kt. Freiburg, Bez. Broye, Gern, Domdidier). 
540 m. Gruppe von 8 Häusern, im Thal der Broye und 
2 km s. der Station Domdidier der Linie Lausanne- 
Täyerne-Lyss. Telephon. 50 kathol. Ew. Viehzucht, Ge- 
treide- und (^emüsebau. Urkundlich zum erstenmal 1401 
genannt. 

EZELKOFEN (Kt. Bern, Amtsbez. Fraubrunnen). 535 
m. Gem. und Dorf, an der (grenze geffen den Kanton So- 
lothurn ; 3,5 km w. Fraubrunnen und 6,8 km wsw. der 
Station Aefligen der Linie Burpdorf- Solothum. Poslab- 
lage, Telephon ; Postwagen Limpach * Münchenbuchsee. 
55 Häuser, 275 reform. Ew. Kirchgemeinde Messen. Acker- 
bau und Viehzucht. 

EZEL8TOCK (Kt. Glarus). 1843 m. Gipfel, im Kamm 
zwischen dem Linththal und der Niederenalp ; 2,5 km Ö. 
Hätzingen und 4,5 km s. Schwanden. Im glamerischen 
Verrucanogebiet. 

EZI8BERQ (Kt. St. (wallen. Bez. Tablat, Gem. Muo- 
len). 467 m. Gruppe von 4 Häusern, zwischen Neu- 
kirch und Muolen und 5 km so. der Station Amris- 
wil der Linie Winterthur - Frauenfeld -Romanshorn. 22 
reform. Ew. 



FABRI (MOULIN) (Kt. Genf, Rechtes Ufer, Gem. 
Satiffny). 425 m. Zwei Häuser und Mühle, am linken Ufer 
der nier die Grenze geeen Frankreich bildenden London ; 
10,5 km nw. Genf und 3,3 km von der Station Satigny 
Gare der Linie Genf-Bellegarde. Brücke über die London. 
12 kathol. Ew. 

FABRIK (Kt. Sclvwyz, Bez. u. Gem. Einsiedeln). Quar- 
tier von EiNSiEDELN. S. diesen Art. 

FADERHORN (Kt. Wallis, Bez. Visp). So heisst auf 
der Siegfriedkarte irrtümlicherweise der den Namen See- 
winenhom (s. diesen Art.) tragende Punkt 3215 m in dem 
den Col du Monte Moro (hinter dem Saasthal) mit dem 
Schwarzberg Weisstorpass verbindenden Seitenkamm. 
Faderhom heisst in Wirklichkeit ein ganz auf italieni- 
schem Boden stehender s. Vorberg des Rothorns. 

FADEUR (Kt. Graubünden, Bez. Unter Landquart). 
2062 m. Abgerundeter Gipfel, bis zu oberst mit Rasen be- 
standen, in der vom Hochwang (2535 m) nach N. abgehen- 
den und das Valzeinerthal vom Jenazertobel trennenden 
Kette. 4 km sw. über Furna, zwischen Wannenspitz im 
N. und dem Stelli im S. Auf dem Rücken dieses Kammes 
stossen die grossen Alpweiden von Zizers und Trimmis 
aneinander. 

FADHORN (Kt. Wallis, Bez. Raron). Gipfel. S. den 
Art. Eggenhorn. 

FADUR (ALP) (Kt. Graubünden, Bez. Unter Land- 
quart, Gem. Fanas). 1800-2000 m. Grosse Alp weide mit 
zahlreichen Gruppen von Hütten, am S.-Hang der das 
Valsertobel vom Salginatobel trennenden Kette, von den 
zahlreichen Quellen des Salginabaches entwässert ; 5 km 
nö über Fanas. 

FADUR FORKLI (Kt. Graubünden, Bez. Unter Land- 
quart). 2195 m. Passübergang, von Jägern und Hirten be- 
nutzt, 7 km nnö. über Schiers im Pratigau * in der Kette 
des Girenspitz (2393 m) und Sassauna (2312 m), s. Vor- 
berge des Kätikon. Verbindet die zur (^meinde Fanas ge- 
hörige Alp Fadur mit der Alp Vas, Eigentum der (Ge- 
meinde Seewis. Wird hier und da bei der Besteigung der 
Scesaplana von Schiers aus überschritten. 

FAEDO (Kt. Tessin, Bez.Valle Macgia, Gem. Cavergno). 
766 m. Gruppe von 8 Hütten, am linken Ufer der Bavona, 
9(X) m s. Sonlerto und 7,5 km nw. Cavergno. Butter und 
Käse. Faedo, Faiedo, Faido, Faidalo von faggio = Buche, 
also gleich lat. fagetum = Buchenhain. 



F/EQ8WIL (OBER und UNTER) (Kt. Zürich, Bez. 
Hinwil, Gem. Rüti). 575 und 563 m. Kleines Dorf, s. vom 
rechten Ufer der Jona und von der Strasse Rüti- Wald und 
2 km ö. der Station Rüti der Linie Zürich-Uster-Rappers- 
wil. Telephon. 33 Häuser. 204 reform. Ew. Viehzucht. 
Eisen- und Baumaterialienindustrie. 

F/EHLEN8EE (Kt. Appenzell I. R.). 1448 m.See, am 
untern Ende des Fählenthals ; 1,1 km lang und 130 m 
breit. Erhält nur von der Fählenalp her einen nennens- 
werten Zutluss und wird zum grössten Teil von unter- 
irdischen Wasserläufen gespiesen. Der aus dem NO.-Ende 
des Sees austretende Ablluss verschwindet sozusagen so- 
fort im Felsboden und erscheint erst tiefer unten im Stie- 
felwald in 1330 m wieder als starke Quelle. Ohne Fische. 
Zu einem grossen Teil des Jahres mit Eis bedeckt. 

F/EHLENTHAL (Kt. Appenzell L R.). 2116-1450 m. 
Enps Alpenthal, schliesst den Fählensee in sich und 
steigt zwischen Hundstein und Altmann im NW. u. Ros- 
len im SO. ziemlich steil auf, 5 km ö. vom Säntisgipfel 
und 4 Stunden s. Appenzell. Umfasst eine Fläche von 180 
ha, wovon nur etwa die Hälfte auf Alpweiden entfallen. 
Gegen den Altmann hin zahlreiche Karrenfelder und das 
einsame Wildseelein, am Fuss der Roslen grosse Schutt- 
halden. Im mittlem Abschnitt ausgezeichnete Alpweiden. 
Mulde im Schrattenkalk (Urgon), Gault und Seewerkalk ; 
im obersten Abschnitt doppelt. Hütten beim Fählensee in 
1459 m und auf Hadern in 1732 m. Thalauf wärts führt der 
Appenzell mit Wildhaus verbindende We^ über den Kray- 
alppass. An den n. Felshängen findet sich häutig Edel- 
weiss, in den Karrenfeldern Männertreu (Nigritella). Da- 
neben Poa cenisitty Alopecurus fulvuSy Chrysanthemum 
atratum, Saxifraga aphylla^ Circaea alpina etc. 

F/EHNEREN8PITZ od. FAH N ER N (Kt. Appenzell 
I. R.). 1509 m. Gipfel, von konischer Form, nahe der 
Grenze gegen den Ranton St. Gallen ; von der Gruppe des 
Alpstein durch einen ziemlich tiefen Einschnitt getrennt 
und von ihr auch geologisch verschieden. 5,5 km ö. über 
Appenzell, von wo aus er in 2 Stunden erstiegen werden 
kann. Am O.-Hang bewaldet; auf den übrigen Hängen mit 
etwa 20 kleinen Alpweiden bestanden, deren wichtigste^der 
Spitz, mit Hütte in 1420 m. Seiner isolierten Lage wegen 
wird der Fähnerenspitz häufig von Gewittern heimgesucht. 
Besteht der Hauptsache nach aus Flyschschiefern und -mer- 
geln, mit denen Schichten von Nummulitenkalken und 



F;EH 



KAH 



67 



-Sandsteinen wechsellagern. Ein vom Säntis ausgehendes 
Riff von Seewerkalk steht da und dort in Gestalt von 
felsigen Spitzen an. Von den von Arnold Escher von der 
Linth im Säntisgebiet namhaft gemachten 166 Arten von 
Fossilien finden sich die meisten auch an der Fähnern. 
Besonders Ueberreste einer niedem Flora, so mehrere 
Arten von Caulerpa, Chondrites und Münsteria. 

FiEHRENSTEIQ (Kt. St. Gallen, Bez. Neu Toggen- 
burg, Gem. Wattwil). 890 m. Gruppe von 3 Häusern, am 
rechtsseitigen Hanff des Thurthales, an der Strasse Watt- 
wil-Heiterswil und 3 km so. der Station Wattwil der 
Toggenburgerbahn. 14 reform. Ew. Wiesenbau und Vieh- 
zucht 

FiEHRISPITZ (Kt. Glarus). 21T3m. Gipfel, der Gruppe 
der Sardona vorgelagert, je 4 km nö. Elm und so. Matt. 
Unmittelbar unter dem Gipfel führt der Foopass von Elm 
ins Weisstannenthal und nach Mels. 

FiEHRISTOCK (Kt. Glarus). 2017 m. Gipfel, s. Vor- 
berg des Fronalpstockes, zwischen diesem u. dem Schilt, 
4 km ö. über Netstal. Gehört zur Heubodenalp. Schöne 
Aussicht auf den Mürtschenstock. 

FiEHRLIBACH ^Kt. Luzern, Amt Sursee). Kleiner 
Bach; entspringt am W.-Rand des Kagelwaldes in 739 m, 
fliesst zunächst- von SO.-NW^ dann nach SW. u. mündet 
nach 3,5 km langem Lauf 60Ö m w. Schenken in 502 m 
in den Sempachersee. 1347 : Femibach. 

FiELLANDKN (Kt. Zürich, Bez. Uster). 459 m. Gem. 
and Pfarrdorf, am O.-Fuss des Zürichberges, nahe dem 
NW.-Ende des Greifensees und am Rand der weiten Thal- 
ebene der Glatt; 2 km sw. der Station Schwerzenbach der 
Linie Zürich-Uster-Rapperswil. Postablage, Telephon. Ge- 
meinde, mit Benglen, >^euhau8 und Pfaff hausen: 147 
Häuser, 696 reform. Ew. j Dorf: 87 Häuser, 395 Ew. Land- 
wirtschaft. Seidenweberei. Oberhalb des Dorfes bildet der 
Jörrenbach das Fällandertobel, in dem eine Menge von 
erratischen Semifit (Verrucano-) blocken zerstreut liegen. 
Am Rietspitz Pfahlbaustation aus der Steinzeit ; verein- 
zelte Funde aus der Bronzezeit ; römische Münzen und 
andere Gegenstände aus der Römerzeit Alemannisch- 
fränkische biedelung. 820 : Fenichlanda ; 926 : Feniclanda ; 
%2 : Vallanda ; 960 : Fenichlanda. Weder Burff noch Edel- 
eeschlecht bekannt. 1265 war Ritter Jakob Müllner aus 
Zürich Meyer von Fällanden. Nö. von Pfaffhausen soll 
aaf einem mit 8-12 Fuss tiefem Graben umgebenen drei- 
eckigen Hügel eine Burg gestanden haben. Nach den 
Meniorabilia Tigurina war das Chorherrenstift zu Zürich 
Eigentümer der Ländereien von Fällanden und zum Bezuff 
des weltlichen und geistlichen Zehnten berechtifft. 1420 
kamen die Hoheitsrechte über Fällanden durch Kauf an 
die Stadt Zürich, die das Dorf ihrer Landvogtei Greifensee 
zuteilte. 

FiELLMATT (Kt. Wallis, Bez. Visp, Gem. Baien). Wei- 
ler. S. den Art. Fellmatten. 

FiELMIS (Kt. Schwyz, Bez. Höfe, Gem. Freienbach). 
522 m. 25 am Eulenbach zerstreut gelef^ene Häuser, s. der 
Station Wollerau der Linie Rapperswil- Einsiedeln - Arth 
Goldau u. 2,4 km sw. Freienbacn. 251 kathol. Ew. Wein-, 
Obst und Gemüsebau. Seidenindustrie. 

FiERBERHAUSER oder 8P0RLERQUT(Kt. Lu- 
xem, Amt Entlebuch, Gem. Marbach). 855 m. Gruppe von 
6 Häusern, am rechten Ufer des Schärligbaches, 3 km 
D. Marbach und 5 km sw. der Station Wiggen der Linie 
Bem-Luzem. 36 kathol. Ew. Ackerbau und Viehzucht. 

FiERNENALP (Kt. St. Gallen, Bez. Gaster, Gem. 
Rieden). 1000-1300 m. Grosse Alpweide, am W.-Hang 
des Gubelspitz und 4 km nö. über Rieden. Hütte in 
1218 m. 

FiERNIQEN (Kt. Uri, Gem. Wassen). 1450 m. Gruppe 
von 9 Häusern, iid Meienthal» am Weg über den Susten- 
pass und 7,5 km nw. der Station Wassen der Gotthard- 
bahn. 70 kathol. Ew. Alpwirtschaft. Ausgezeichneter 
Käse. 

FiERNLIAL-P- (Kt. St. Gallen. Bez. Ober Toggenburg, 
Gem. Kappel). 1300-1400 m. Grosse Alpweide mit drei 
zerstreut ffelegenen Hütten, am O.-Han^ des Tanzboden 
und am linksseitigen Gehänge des Stemthales, 5 km s. 
Kappel. 

FiE8CH,(OBER und UNTER) (Kt. St. Gallen, Bez. 
Sargans, Gem. Flums und Walenstadt). 1000^740 m. 
Alpweide mit zwei Gruppen von zusammen 15 Häusern 



und Hütten, auf einer Terrasse über dem linken Ufer des 
Walensees und 2,5 km s. über der Station Walenstadt 
der Linie Rapperswil-Wesen-Sargans. 59 kathol. Ew. 
Kirchgemeinde Walenstadt. Alpwirtschaft. Schöne Aus- 
sicht auf See und Umgebung. 

FiESCHHORN (Kt. Wallis, Bez. Raron). Gipfel. S. 
den Art. STRAHLäORN. 

FiE88l8ALP oder FE88I8ALP (Kt. Glarus, Gem. 
Sool). 1400-2100 m. Alpweide mit 3 Hütten, am SW.- 
Hang des Gufelstocks und 3 Stunden ö. über Schwan- 
den. Fläche 450 ha. Wird mit 50 Kühen und 300 Schafen 
befahren. Der untere Abschnitt der Alp lieft auf Ver- 
rucano, der obere auf Rötidolomit, der hier kleine 
Karrenflächen bildet. Einige kleine Seen, vermutlich 
glazialen Ursprunges. Prachtvolle Aussicht auf die s. 
Glarneralpen. 

FiET8CH (Kt. Urij. 2170 m. Felsgipfel, 2 km ssw. 
über Spiringen im Schachenthai, in der Gruppe des Höh 
Faulen, n. der Burg (2282 m) und nw. vom Blin^i 
(2464 m). An ihm entspringt der dem Schächenbach zu- 
fliessenae Fätschbach. 

F/ET8CHBACH (Kt. Glarus und Uri). Bach; ent- 
springt am Claridengletscher und am KlausenpasH. in ca. 
2000 m, durchfliesst den Umerboden, bildet beim Aus- 
tritt aus demselben einen prachtvollen Wasserfall (den 
sog. Berglistüber : s. diesen Art.), schäumt dann durch 
eine dunkelbewaldete Schlucht und mündet nach 11 km 
langem Lauf von SW.-NO. 1,4 km oberhalb Linthal in 
700 m in die Linth. Nimmt von beiden Seiten eine Reihe 
von kleinen Zuflüssen auf und bildet mehrere Fälle. Lie- 
fert seit 1901 dem Elektrizitätswerk Linthal die Wasser- 
kraft. 1483 : Fertscha. 

FiET8CHBACH (Kt. Uri). Bach ; entspringt am SW.- 
Hang des Fätsch in 2100 m und mündet nach 4,5 km 
langem Lauf von SO.-NW. ö. der St. Lorettokapelle in 
648 m von links in den Schächenbach. 

FAFLERALP (Kt. Wallis. Bez. West Raron, Gem. 
Blatten). 1782 m. Alpweide mit 17 Hütten und Ställen, 
an den untern Hängen der Grindelspitzen, über dem 
rechten Ufer der obern Lonza, im Lötschenthal und 3,2 
km nö. über Blatten. Wird im ü. vom Inner und im W. 
vom Aensser Faflerbach beffrenzt. Korporationseigentum, 
mit 80 Stück Gross- und Kleinvieh befahren. 

FAFLERBACH (iEU88ER und INNER) (Kt. 
Wallis, Bez. West Raron). Zwei Bäche. Abflüsse der 
Fimfelder an den Grindel-, Telli- und Burstspitzen (s. 
Vorbergen des Petersgrates und Breithorns) ; entwässern 
das Aeusser und Inner Faflerthal und münden 3,7 resp. 
2,5 km oberhalb des Dorfes Blatten in 1770 resp. 1620 m 
in die Lonza. 

FAFLERTHAL (iEU88ER und INNER) (Kt. 
Wallis, Bez. West Raron). 2500-1800 m. Zwei kleine, 
wilde und einsame Thäler, durch den Grat der Grindel- 
spitzen voneinander getrennt, obere rechtsseitige Ver- 
zweiffungen des Lötschenthales, von den beiden Rächen 
gleichen Namens entwässert ; nö. Blatten. 

FAHR (KLa8TER) (Kt. Aargau, Bez. Baden, Gem. 
Würenlos). 393 m. Benediktinerinndakloster mit Kirche, 
am rechten Ufer der Limmat, in einer kleinen, rings 
vom Kanton Zürich umschlossenen aargauischen £x- 
klavci malerisch (gelegen und stark besucht. 2 km nw. 
der Station Schlieren der Linie Zürich-Baden-Brugg. 
Telephon. Vom Freiherm Leuthold von Regensberg ge- 
gründet. Langes Gebäude in sehr einfach gehaltener 
romanischer Architektur, mit einer Kapelle beim Ein- 

Sang. Etwas oberhalb des Klosters sind Altertümer aus 
er Eisenzeit gefunden worden. Kloster Fahr steht unter 
der geistlichen Oberhoheit des Abtes von Einsiedeln ; es 
wurde von der Mediationsakte dem Kanton Aargau zuge- 
teilt, dann durch Grossratsbeschluss zusammen mit 7 an- 
dern aargauischen Klöstern 1841 aufgehoben, endlich aber 
auf besondern Wunsch der Bundesversammlung nach 
langen Debatten nebst drei andern Nonnenklöstern wieder 
in seine Rechte eingesetzt. Heute einziges noch bestehen- 
des Kloster im Kanton Aargau. 

FAHREN (Kt. St. Gallen, Bez. Rorschach, Gem. 
Mörswil). Weiler. S. den Art. Farn. 

FAHREN8CHWENDI (Kt. Appetizell A. R., Bez. 
Vorderland, Gem. Wald). 1038 m. 10 auf einer Anhöhe 
zerstreut gelegene Häuser, 5 km sw. der Station Heiden 



68 



FAH 



der Bergbahn RorBchach-Heiden und 1,5 km ö. Wald. 62 
reform. Ew. 

FAHRENSTOCK (Kt. und Bez. Schwyz). 1641 m. 
Breiter und abgerundeter Gipfel, in der vom Drusberg 
abzweigenden und das obere Sihlthal vom Thal der 
Waag trennenden Kette; 10 km so. über Einsiedeln. Be- 
steht aus eocänen Flysch- und Nummulitenbildungen, die 
weiter s. von Kreideschichten abgelöst werden. 

FÄHRHÄUSER (Kt. Aargau, Bez. Zurzach, Gem. 
Full-Reuenthal). 316 m. Weiler, am linken Ufer des 
Rhein, 700 m nö. Füll und 1,8 km nw. der Station Fel- 
senauder Linie Basel-Stein-Koblenz. 13 Häuser, 71 kathol. 
Ew. Fähre über den Rhein. 

FAHRHOF (Kt. Thurgau, Bez. Frauenfeld, Gem. 
Ober Neunfom]. 390 m. Gruppe von 9 Häusern, nahe 
dem rechten Ufer der Thur, 3 km so. der Station Ossin- 
gen der Linie Winterthur-EtzwHen-Singen und 1,5 km 
sw. Ober Neunforn. 37 reform. Ew. Kirchgemeinde Neun- 
fom. Etwas W^einbau. Bildete mit dem benachbarten 
zürcherischen Weiler Burghof zusammen bis 
1872 eine Schulgemeinde mit eigenem, zwi- 
schen beiden Häusergruppen stehenden Schul- 
haus. Dieses dann geschlossen u. infolge eines 
seinetwegen zwischen den Kantonen Zürich 
und Thurgau entstandenen Prozesses ver- 
kauft. 

FAHRLEN (GROSS) (Kt. Glarus). 1603 
m. Felsspom, auf dem Gebiet der Neuenalp, 
zwischen Obstalden und • Mollis ; vom ihm 
geht ein rasenbestandener und zum Teil mit 
Wald bewachsener Kamm zuerst nach SO. 
und dann nach S. über den Neuenkamm 
(1906 m) bis zum Scheienstock (1924 m ; n. 
vom Fronalpstock)* 

FAHRN (Kt. St. Gallen, Bez. Rorschach, 
Gem. Mörswil). Weiler. S. den Art. Farn. 

FAHRNI (Kt. Bern, AmUbez. Thun). 852 
m. Gem. und Weiler, auf den Höhen zwi- 
schen den Th&lern der Zulff und Rotachen ; 
5 km ö. der Station Steffisburg der elektri- 
schen Bahn Burgdorf-Thun. Gemeinde, mit 
Bach, Lueg und Reckholteren : 111 Häuser, 
686 reform. Ew. ; Weiler : 10 Häuser, 63 Ew. 
Kirchgemeinde Stefßsburg. Landwirtschaft. 
Heimat von Ulrich Ochsenbein, Freischaaren- 
führers 1845, Bundespräsidenten und Oberstdivisionärs 
zur Zeit des Sonderbundskrieges und endlich Generales 
in französischen Diensten im Krieg 1870-71. Fahrni oder 
Farni bezeichnet einen mit Farnkraut bestandenen Ort. 

FAHRWANQEN (Kt. Aargau, Bez. Lenzburg). 550 
m. Gem. und Pfarrdorf; 1,7 km ö. vom Hallwilersee, an 
der Strasse Lenzburg-Hochdorf und 6,5 km so. der Sta- 
tion Boniswil der Seethalbahn. Postbureau, Telegraph, 
Telephon; Postwagen nach Boniswil, Gelfingen und 
Wohien. 130 Häuser, 1019 reform. Ew. Acker- und Wein- 
bau. Stroh- und Rosshaarflechterei. Bis 1817 der Kirch- 
gemeinde Seengen zugeteilt; seit 1820 eigene Kirche 
zusammen mit Meisterschwanden. Pfarrer von Fahrwan- 
ffen war Dr. A. Scartazzini (f 1901), bekannt als Dante- 
forscher. Der Tägerstein, im Gschlägli, wahrscheinlich 
ein vorhistorischer Opferplatz. Am Nunneli ein Tumulus 
mit den Resten eines durch Feuer bestatteten Leichna- 
mes. Das ö. vom Dorf gelegene Steinmüri ist eine 
römische Siedelung. Alemannengräber bei Grubmatten 
und Oberdorf. 830: Famovancn; 893: Farinwanch. 
Fahr Wangen = Farnkrautfeld. 

FAHRWINDISCH (Kt. Aarffau, Bez. ßrugg. Gem. 
Windisch). 342 m. Gruppe von 3 Häusern, am linifen Ufer 
der Reuss, an der Strasse Baden - Brugg, 500 m s. Win- 
disch und 1,2 km so. vom Bahnhof Brugg. 20 reform. Ew. 
Die einstige Fähre über die Reuss heute durch eine Brücke 
ersetzt. 

FAHY. Ortsnamen, in den Waadtländer und Walliser 
Alpen, sowie im welschen Jura häufig vorkommend ; be- 
deutet s. V. a. mit Buchen {fagus) bestandener Hang. 

FAHY (Kt. Bern, Amtsbez. Pruntrut). 568 m. Gem. u. 
Pfarrdorf, auf fruchtbarer, von der Strasse Pruntrut- 
Montb^liard gekreuzter Hochfläche, 600 m ö. der Grenze 
gegen Frankreich und 11 km w. der Station Pruntrut der 
Linie Delsberg-Delle. 116 Häuser, 491 kathol. Ew. franzö- 



FAH 

Bischer Zunge. Postbureau, Telephon ; Postwagen nach 
Pruntrut. Eidgenössisches Zollamt und Grenz Wachtposten. 
Landwirtschaft. Bedeutender Grenzhandel mit Spezerei- 
waaren. Da die hiesigen Bodenverhältnisse die Einrich- 
tung von laufenden Brunnen nicht gestatten, haben die 
Bewohner von Fahy Sodbrunnen graben müssen , aus 
denen sie das Wasser in Eimern schöpfen, die an einer 
über einen Querbalken laufenden Kette oder Seil befestigt 
sind -- ganz wie in der ungarischen Pussta. Diese eigen- 
artigen und sehr alten Schöpfbrunnen gehören zu den 
Merkwürdigkeiten der Gegend. 1177: Fahyl; 1349: Fahi- 
ren. Einst Eigentum der Propstei Lanthenans ; bis 1802 der 
Kirchgemeinde Grandfontaine zugeteilt. Die Kirche zu St. 
Peter und Paul 1788 an Stelle einer ehemaligen Kai>elle 
erbaut. Das Dorf gleich zu Beginn der Burgunderkriege 
von Stephan von Hagenbach durch Feuer beinahe gänz- 
lich zerstört. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wütete hier 
die Pest derart, dnss das Dorf von seinen Bewohnern für 
einige Zeit gänzlich geräumt werden musste. Lager von 




smmmmi 




Kirche von Fahy. 

schweizerischen Truppen zur Zeit der Grenzbesetzung von 
1870-71. Der Name des Dorfes von den einst die ganze 
Gegend bedeckenden weiten Buchen Waldungen. 

FAHY (LE) (Kt. Waadt, Bez. und Gem. Aiffle). 482 m. 
Waldung, zur Grande Foröt de la Cheneau gehörend, am 
Eingang ins Ormontsthal über dem linken Ufer der Grande 
Eau. 1,7 km über Aigle. N. von diesem Wald steht in äus- 
serst günstiger Lage das von einem grossen natürlichen 
Park umgebene und von Fremden stark besuchte Grand 
Hotel des Bains d' Aigle. Vom Bahnhof Aigle zum Hotel 
eine von der Eisenbahngesellschaft Aigle -Leysin 1899 er- 
baute elektrische Trambahn. Am Flussufer stehen Trias 
und Rät an. 

FAHY (LE QRAND u. LE PETIT) (Kt. Bern, Amts- 
bez. Pruntrut). 581 m. Schöne Buchen- und Tannenwald- 
ungen, 1 km n. Pruntrut und Courtedoux, auf einer wei- 
ten Hochfläche; begrenzt im 0. von der Strasse nach 
Beifort, im N. von der Combe du Varieux und im W. von 
der Strasse Courtedoux-Bure ; wird von SO.-NW\ von der 
Strasse Pruntrut-Bure quer durchschnitten. Eigentum der 
Gemeinde Pruntrut und des Staates Bern. Wird durch 
zahlreiche malerische Tobel gegliedert, die sich alle nach 
0. zur Allaine öffnen und als reizende Ausflugsziele be- 
kannt sind. In der Combe du Varieux älteste Quellfassung 
der Stadt Pruntrut. 

FAHYN (PLAIN oder PLAINFAHYN (Kt. Bern, 
Amtsbez. Münster, Gem. Perrefitte). 805 m. Schöne Meier- 
höfe, am N.-Hang des Mont Moron, s. der Strasse Münster- 
Perrefitte-Souboz, 5 km w. Münster und 2.5 km w. Perre- 
fitte. Die s. der Meierhöfe ansteigenden Waldhänge des 
Moron heissen L'Envers du Piain Fahyn, im Gegensatz 
zu den jenseitigen Hängen, dem Droit du Piain Fahyn. 
Thalsohle von der Chaliere entwässert, die oberhalb Mün- 
ster von links in die ßirs mündet. Vom latein. Adjektiv 
faginus = mit Buchen bestanden. 



FAI 



FAL. 



69 



FAICHROTI (Kt. Zürich, Bez. und Gem. Pfäffikon). 
548 m. Weiler, nahe dem NW.-Ende des Pfäffikonersees, 
an der Strasse Uster-Pfaffikon und 2 km sw. der Station 
PßfTikon der Linie Effretikon-Hinwil. Telephon. 10 Häu- 
ser, 38 reform. Ew. Grabhügel. Der Name von der Hirse 
{Panicum)y im Dialekt Faicn, die hier heute nicht mehr 
gebaut wird. 

FAIDALO (Kt.Te8sin,Bez. Leventina, Gem. Personico). 
906 ra. Alpweide mit Gruppe von 10 im Frühjahr und 
Herbst bezogenen Hätten, im kleinen ValNadro und 2 km 
Dw. Personico. ßutter und Käse. 

FAI DO (sprich Fa-ido), deutsch Pfaid (Kt. Tessin, Bez. 




Faido mit dam Gampolungo. 

Leventina). 721 m. Gem. und Pfarrdorf, Hauptort des Be- 
zirkes, am linken Dfer des Tessin und an der Strasse 
Airolo-Bellinzona. Station der Gotthardbahn. Postbureaii. 
Telegraph, Telephon. Gemeinde, mit Chinchengo: 171 
Häuser, 860 kathol. Ew.; Dorf: 157 Häuser, fe5 Ew. 
Ackerbau und Viehzucht. Granitbrüche. Sehr malerisch 
gelegen und rings von prachtvollen Tannenwalduncen 
umrahmt ; beliebte Sommerfrische von Familien aus Mai- 
land. Alte Holzhäuser aus dem 16. Jahrhundert mit 
Schnitzwerk. Auf dem Dorfplatz Denkmal des kantonalen 
und eidgenössischen Staatsmannes (Bundesrates) Stefano 
Franscini, des Vaters des Tessiner Volksschulwesens. 
Sekundärschule ; ehemaliges Franziskanerkloster ; be- 
merkenswerte Holzbrücke. Nahe dem Dorf der pracht- 
volle Wasserfall der vom Campo Tencia herunterkom- 
menden Piumogna, die das das Dorf mit Licht und 
eine bedeutende Giesserei mit Kraft versehende Elek- 
trizitätswerk speist. Bierbrauerei, Gerberei und Fär- 
berei. Stark besuchte Viehmärkte. Auf dem Dorfplatz 
von Faido wurden 1755 im Beisein der ganzen Be- 
völkerung der Leventina die drei Führer des Auf- 
standes gegen Uri, Forni, Orsi u. Sartori, enthauptet. 
Ueber der Pfarrkirche die mit Schiessscharten und 
Zinnen versehene Torre dei Varesi. Das am N.-Ein- 
gang zum Dorf stehende Holzhaus zeigt ein an seiner 
Front im ersten Stockwerk in Holz geschnitztes Bas- 
relief, das die Madonna, Jesus am Kreuz zwischen Ma- 
ria und Johannes und die Anbetung der drei Könige 
darstellt; ein anderes Basrelief mit dem h. Martin im 
zweiten Stockwerk. Beide Schnitzereien tragen die 
Jahreszahl 1582. Gegenüber der Torre dei Varesi die 
alte Casa Solari mit origineller Galerie. Abgebildet in 
Hahn, J. Rud. Die niittelalterlichen Kunstaenkmäler 
des Kantons Tessin. Zürich 1893. 

FAIE, FAYE, FEYA, F^E. Ortsname, im Jura 
und in den Alpen häufig vorkommend ; vom lat. feta^ im 
Dialekt faie oder fahia = Schaf. Bedeutet also s. v. a. 
Schafweide oder Schafhürde. 



FAIEDO (MONTI DI) (Kt. Tessin, Bez. Valle Maggia, 
Gem. Prato). 890 m. Bergweide mit Gruppe von 18 Hütten, 
im Val Prato, am S.-Fuss des Pizzo di Ruscada und Vt 
Stunde so. über Prato. Butter und Käse. 

FAIN (VAL DEL), deutsch Hecthal (Kt. Graubunden, 
Bez. Maloja). Rechtsseitiges Nebenthal zum Thal des 
Flatzbaches oder von Pontresina, 7 km lang u. für kleine 
Fuhrwerke auf eine Länge von S-4 km fahrbar, mündet 
bei den Berninahäusern in 1900 m aus. Steigt im Bogen 
nach NO. und 0. bis zum Strettapass oder Passo Fieno 
(2482 m) auf. Reizendes Thal mit reicher Flora, im Som- 
mer von zahlreichen Touristen besucht. Auf gutem Fuss- 
weg in 2 V« Stunden von den Bernina- 
hnusern zum Strettapass und von da in 
3 Stunden nach Sant' Antonio im Val 
Livigno. Wie schon der Name besagt, 
ist das Thal besonders ausgezeichnet 
durch seine fetten Alpweiden. Für den 
Botaniker ein in hohem Masse bemer- 
kenswertes Gebiet mit zahlreichen Pflan- 
zenarten : Primula integrifolia, P. hir- 
suta und P. viscosa mit ihren Bastar- 
den P. hirsuia X integrifolia^ P. inte- 
grifolia X viscosa und P. hirsuta X 
viscosa ; Papaver raeticum ; Pedicularis 
tuberosa und P. incamata mit dem 
Bastard P. Vulpii ; Polemonium rsß- 
ticuni, Senecio abrotanifolius, Saus- 
surea alpina^ Phyteuma numilßj Sem- 
pervivum Wulfeni, Orchis nigra v. 
rosea, Carex tncurva und zahlreiche 
Hieracien (Habichtskräuter). 
' FAJAUNA (Kt. Graubünden, Bez. 
Unter Landquart, Kreis und Gem. 
Schiers). 900 m. Weiler, am W.-Hang 
des Stelserbergs, über der Einmündung 
des Schraubachs in die Landquart und 
i km ö. der Station Schiers der Räti- 
schen Bahn (Landqqart-Davos). 21 Häu- 
ser, 91 reform. Ew. deutscher Zunge. 
Wiesenbau und Viehzucht. 
FAKLEN8TBIN (Kt. Graubünden, 
Bez. Unter Landquart, Kreis Fünf Dörfer, Gem. Igi^). 912 
m. Burgruine, auf einem Felsvorsprung am N W.-Hang 
des Eichbergs; 1,2 km so. Igis. 

FALAIN (MONT) (Kt. Graubünden, Bez. Inn). 2570 
m. Gipfel, nw. Ende des vom Piz Starlex nach NW. zum 
Cruschettapass und zum Alpthälchen Plazer ziehenden 
Kammes, 5 km so. über Scan. 

FALCHEREN (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Hasle, Gem. 
Schattenhalb). 906 m. Weiler, auf einer Felsterrasse über 
dem linken Ufer der Aare und 1,9 km sw. über der Sta- 
tion Meiringen der Brünigbahn. 19 Häuser, 83 reform. 




Burgruine Faklenstela. 

Ew. Kirchgemeinde Meiringen. In der Nähe schöner Was- 
serfall des Falcherenbachs. 
FALCHERENBACH (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Hasle). 



70 



FAL 



FAL 



940-580 in. Kurzer Bach, Zufluss zu einem kleinen Kanal i 
im Thalboden von Meiringen ; entspringt w. des Weilers | 
Falcheren und stürzt sich gegenüber Mei- 
ringen in schönem Fall über eine Fels- j 

wand. 

FALDUMALP oder FELDUMALP 
(Kt.Wallis, Bez. West Baron, Gem. Fer- 
den). 2033 m. Alpweide mit 19 zwischen 
2033 und 1^ m zerstreut gelegenen Hüt- 
ten, in einem grünen Thalkessel des Fald- 
umbachs. Korporationseig[entum. Mit 80 
Stück Milchkühen und i^leinvieh befahren. 

FALDUMBACH (Kt.Wallis, Bez. West 
Raron). 2500 bis 1300 m. Wildbach, Abfluss 
der die O.-Hänj^e des Faldum Rothoms 
bekleidenden Firnfelder; durchüiesst ein 
grünendes Thälchen, in dem die Faldumalp 
eingebettet liegt, und mündet nach 4 km 
langem Lauf in der Richtung SW.-NO. 1 
km s. vom Dorf Ferden von rechts in die 
Lonza. 

FALDUMQRAT (Kt. Wallis, Bez. West 
Baron). 2762, 2734 und 2589 m. Verwitterter 
Felsgrat, nö. Auszweigun^desNiven ; trennt 
die Faldumalp von der Meiggenalp. 5-6 Stun- 
den sw. über Ferden. Beide Alpweiden mit ^ 
einander verbunden durch den die ö. Felswände des Gra- 
tes überwindenden Fussweg des Bärenfallen. 

FALDUM PASS (Kt. Wallis, Bez. Leuk und West 
Raron). 2644 m. Passübergang, zwischen dem Faldum 
Rothorn im SSO. und den Laucherspitzen im NNW.; 
verbindet Leuk Bad und Leuk Stadt mit Ferden in 6 und 
Ried mit dem LöUchenthal in 6 »A Stunden. Wenig be- 
L^angen. 

FALDUM ROTHORN (Kt. Wallis, Bez. Leuk und 
West Raron). 2839 m. Gipfel, in der Gruppe des das Leu- 
kerthal vom Lötschenthal trennenden Torrenthorns, 7 
Stunden sw. über Ried. Steigt als steilwandige Pyramide 
über der an seinem NO.-Fuss gelegenen Faldumalp auf. 
Besteigung schwierig, zum erstenmal 4881 von F. Steiner 
aus Zürich ausgeführt. Bemerkenswert durch die merk- 
würdigen Faltenbiegungen der auch den Faldumgrat auf- 
bauenden Liasschichten. Der Name Faldum sehr wahr- 
scheinlich vom althochdeutschen fald, falt = Falte, Bie- 
gung. 

FALEIN (Kt. Graubun-len, Bez. Albula, Kreis Bergan, 
Gem. Filisur und Stuls). 1443-2200 m. Grosses Alpweiden- 
gebiet, mit mehreren Gruppen von Hülten (Curzins dador, 
Platelas, Puez u. a.), am SW.-Hang der Muchelta, 3 km 
so. über Filisur. 



1040 m. W. Abschnitt des Duchholterberffes, entwaldet 
und mit grosser Felswand senkrecht abfallend. Sehr in- 





Falkenfluh, von Westen. 

FALKENBERQ (Kt. Bern, Amtsbez. Freibergen). Gem. 
und Dorf. S. den Art. Montfaucon. 
FALKENFLUH (Kt. Bern, Amtsbez. Konolfingen). 



Burgruine A.U Palkenstein. 

teressanter und oft besuchter Aussichtspunkt, schöne Aus- 
sicht auf die Umgebungen von Thun und die Gebii^gs- 
gruppen des Stockhorns und Niesen. Von der Station 
Ober Diessbach der elektrischen Bahn Buraddrf-Thun aus 
in 1, von Thun aus über Stefßsburg und Schnittweierbad 
in 2 Stunden zu erreichen. Auf dem Rücken die kleine 
Häusergruppe Auf der Fluh und eine im Sommer ge- 
öffnete Gastwirtschaft. In geologischer Hinsicht besteht 
die Falkenfluh aus einem wohl ausgebildeten Gewölbe von 
miocänen Nagelfluhschichten , das von der Aare quer 
durchschnitten worden ist. In den Felsen nisten zahl- 
reiche Eulen, Falken und Auerwild. Im 18. Jahrhundert 
fanden die hier gefangenen Falken guten Absatz ins deut- 
sche Reich. Auf einem s. Vorberg stand einst die von den 
ßernern 1331 zerstörte Burg Diessenberg. 

FALKENFLUH (PAVILLON) (Kt. Bern, Amtsbez. 
Interlaken). 1040 m. Schöner Aussichtspunkt, am SO.- 
Hang des Härder, mitten im Bruckwald und 1 ^4 Stunden 
über Unterseen. Von den Kurgästen Interlakens oft be- 
sucht. 

FALKENHORST (Kt. Appenzell A. R., Bez. Vorder- 
land, Gem. Wald). Gruppe von 6 Häusern, auf einer An- 
höhe 1,5 km so. Wald und 5,5 km sw. der Station Heiden 
der Bergbahn Rorschach-Heiden. 37 reform. Ew. 

FALKENSTEIN [Kt. St. Gallen, 
Bez. u. Gem. Tablat). 624 m. Burgruine, 
am linksseitigen Hang des romanti- 
schen Martinstobel und 2,7 km nö. der 
Station St. Fiden der Linie St. Gallen- 
Rorschach. 1287 von Abt Wilhelm von 
Montfort an das Kloster St. Gallen ver- 
kauft und in den Appenzellerkriegen 
zerstört. 

FALKENSTEIN (Kt. ,Solothum, 
Amtei Ölten, Gem. Nieder Gösgen). 
Volksname für die Burgruine Gössen, 
die auf einem Felsen über dem linken 
Ufer der Aare u. über der Brücke Schö- 
nenwerd-Gösgen steht. Einst Eigentum 
des Grafen Thomas von Falkenstein, 
der durch seine Teilnahme an der 
Ermordung des Kaisers Albrecht zu 
Brugg bekannt geworden ist. Die Ruine 
soll in eine katholische Kirche mit dem 
mächtigen Burgturm als Glockenturm 
umgewandelt werden. 

FALKENSTEIN (ALT) (Kt. Solo- 
thurn, Amtei Balsthal). 515 m. Burg- 
ruine, eine der schönsten im Jura; 
links über der Vereinigunj^ des Augst- 
baches mit der Dünnern, in der Klus 
bei Balsthal über der Strasse Oensingen-Balsthal und 1 
km SSW. Balsthal. 
FALKENSTEIN (NEU) (Kt. Solothurn, Amtei Bals- 



FAL 



FAL 



71 



thal). 570 m. BurgruiDe, auf der im N. den uDtern Ab- 
schnitt des Thaies des Augstbaches abschliessenden Fels- 




Burgruine Neu Falkenstein. 

wand, 1 km nö. Baisthal und über dem Weiler St. Wolf- 
gang und der Strasse Balsthal-Mümliswil. Die Gesellschaft 
zur Erhaltung schweizerischer Baudenkmäler, die Diens- 



der Schweiz den in ihrem W. gelegenen Gruppen der 
Romanischen Präalpen und des Chablais, die alle als 
Ueberreste jener Ungeheuern UeberschiebungsschoUen zu 
deuten wären, die sich von der Innenseite des Gebirges 
nach der Aussenseite zu übergelegt haben. Es stehen somit 
alle diese Berge nicht an ihrem ursprünglichen, primäreh 
Platz, sondern sie sind durch einen grossen, von S. her- 
kommenden Schub hierher gelangt. Die Wurzel der gros- 
sen FalknischoUe wäre nach Lugeon sehr wahrscheinlich 
im Gebirgsmassiv von Arosa zu suchen. In der Tat findet 
sich als Unterlage dieser aus sekundären Gesteinen 
aufgebauten und der Wurzel nach unten entbehrenden 
Berge und Berggruppen überall tertiärer Flysch, d. h. ein 
Gestein jungem Alters. Die Frage der Entstehung dieser 
ganzen sog. Klippenzone ist heute noch nicht völlig ge- 
löst und hietet für den Geologen das höchste Interesse. 
Die Schichten des Falknis fallen nach 0., wo sie von den 
triasischen Gesteinen einer weitern Ueberschiebungs- 
schoUe, der des Rätikon, überlagert werden, die ihren Ui^ 
Sprung noch tiefer im Kern des Alpengebietes haben 
muss. Vergl. Lorenz, Theod. Geologische Studien im 
Grenzgebiete zwischen helvetischer und ostalpiner Facies 
(in Eclogm geoloqicm Helvetim. VI 2, 1900). — Lorenz, 
Theod. Monographie des Fläscherberges (in Beiträge zur 
geologischen Karte der Schweiz. NF. X). Bern iflCÖ. 4\ 
— Lugeon, Maurice. Les grandes nappes de recouvre- 
ment du Chablais et de la Suisse (in Bull, de la Societe 
geolog. de France, 1902). 

FALL (Kh Bern, Amtsbez. Schwarzenburff, Gem. Gug- 
gisberg). 840 m. Gruppe von 11 Häusern, über der Ver- 
einigung des Laubbacnes mit der Sense, nahe der Grenze 

Burohlispity. 
*54i'" , 



Jag •* Eonnspit» 




Querprofil durch das Gebiet des Falknis. 
M. Malm ; N. Neocom ; R. Bote Kreide ; Q. Zerriebene Gesteinsschichten. 



tacsgesellschaft von Baisthal u. opferwillige Private be- 
mnüen sich, die prächtig gelegene Ruine gegen weiteren 
Zerfall zu schützen. 

FALKNI8HÖHE (Kt. Graubünden, Bez. Unter Land- 

3uart). 2566 m. Einer der Hauptgipfel des Rätikon, an 
edsen W.-Ende, auf der Grenze gegen Lichtenstein und 
6 km nö. über Maienfeld. Zusammen mit dem benach- 
barten Gleckhorn einer der schönsten Gipfel Graubün- 
dens. Fällt ffegen Maienfeld und die St. Luzisteig mit 
senkrechten Felswänden ab. Dank ihrer günstigen Lage 
gestattet die Falknishöhe die Aussicht nicht nur auf das 
umliegende Gebirgsland sondern auch auf das ganze 
Hheinthal von Chur bis zum Bodensee. Wird häufig be- 
stiegen, am meisten auf dem von Maienfeld ausgehenden, 
über ßargün führenden und unterhalb der Turnen vor- 
beigehenden Fussweg, der vom Fuhrer Fortunat Enderlin 
erbaut worden ist. Besteht aus eigenartig gefalteten und ge- 
quetschten Juraschichten und aus einer ihrer Entstehung 
nach noch nicht sicher bestimmten Breccie. Prof. Tarnuz- 
zer in Chur sieht in letzterer die Geschiebe eines von der 
Berninagruppe über das Oberhalbstein und das Rheinthal 
herabkommenden Flusses der Kreidezeit, der hier in eine 
Meeresbucht mündete und darin sein Geschiebe ablagerte. 
Später hat dann die Alpenfaltung diese Ablagerungen in 
eme Höhe von über 2000 m gehoben. Nach Professor M. 
Lugeon in Lausanne entspricht die Falknisgruppe im 0. 



ffegen den Kanton Freiburg und 2,2 km sw. Guggisberg. 
21 reform. Ew. Wiesenbau. 

FALL (Kt. Bern , Amtsbez. Schwarzenburg , Gem. 
Rüschegg). 890 m. Gruppe von 3 Häusern, etwas s. der 
Strasse Plaffeien-Rüschegg und 1 km w. Rüschegg. 26 re- 
form. Ew. 

FALLBACH (Kt. Appenzell A. R. u. L R. und Kt. St. 
Gallen). Bach; entspringt in 1060 m an den Hängen von 
Bensol, steigt s. Oberegg ab, nimmt von links den Blan- 
bach auf, geht n. an Reute vorbei, erhält den Namen 
Littenbach und mündet nach 9 km langem Lauf bei Au in 
408 m in den Giessen. Bildet einen 8 m hohen schönen 
Wasserfall. Treibt auf Appenzeller Boden zwei Sägen und 
eine Mühle und ist bei Oberegg, wo er früher oft grosse 
Verheerungen angerichtet hat, verbaut worden. 

FALLBACH (Kt. Appenzell I. R., Gem. Oberegg). 
870 m. Gruppe von 4 Häusern, am Fallbach, 500 m w. 
der Kirche Ooeregg und 3 km sü. der Station Heiden der 
Bergbahn Horschach-Heiden. 28 kathol. Ew. Landwirt- 
schaft. Stickerei als Hausindustrie. 

FALLBACH (Kt. Bern, Amtsbez. Saanen). Bach; 
entspringt am SO.-Hang der Gummfluh in 1840 m, 
durcnlliesst als Meielsgrundbach den Meielsgrund, er- 
hält dann den Namen Fallbach und mündet nach 6,5 
km langem Lauf in der Richtung SW.-NO. beim Weiler 
Grund in 1090 m in die Saane. 



72 



FAL 



FAN 



FALLBACH (Kt. Bern, Ämtsbez. Thun). Bach ; ent- 
springt am Fuss der Krummefadenfluh (N.-Hang der 
Stockhorn kette) in 1620 m, durchfliesst das Thälchen 
von Langeuegg, nimmt von rechts den Ablluss des wilden 
Sulzgrabens auf, bildet oberhalb der Kirche Blumenstein 
einen schönen Wasserfall, durchauert die Gemeinde Blu> 
menstein und mundet nach 7 tm langem Lauf in der 
Richtung SW.-NO. in 635 m in die Gürbe. Treibt neben 
mehreren Mühlen und ^ägen eine Gipsfabrik. Er tritt 
bei der Schneeschmelze im Frühjahr und nach heftigen 
Gewitterregen oft über seine Ufer, weshalb an ihm be- 
deutende verbauung^sarbeiten ausgeführt worden sind. 
Fossilien in den Posidonienschiefem des Toarcien (Lias). 

FALLBODKNHUBEL (Kt. Bern, Amtebez. Interla- 
ken). 2175 m. Wenig bedeutender nw. Vorberg des Klei- 
nen Eiger, im Kamm zwischen Wengernalp und Wergis- 
thalalp und 700 m s. über der Passhöhe der Kleinen 
Scheidegg (Hotel Bellevue). 

FALLENBACH (Kt. Bern, Amtsbez. Seftigen, Gem. 
Nieder Muhleren). 787 m. Gruppe von 15 Bauernhöfen. 
1 km ö. Nieder Muhleren und 1 km w. der Station TofTen 
der Gürbethalbahn (Bern- Watten wil-Thun). 86 reform. 
Ew. Landwirtschaft. 

FALLENBACH (Kt. Nidwaiden). Kleiner Bach; ent- 
springt am O.-Hang des Gräfimattgrates in 1920 m, durch- 
fliesst die Kemalp, bildet einen malerischen Wasserfall 
und mündet nach 5 km langem Lauf in der Richtung 
SW.-NO.-SO. 2,2 km unterhalb Grafenort in 530 m in die 
Engelberger Aa. An der Mündung Gruppe voH 3 Häusern, 
ebenfalls Fallenbach geheissen. 

FALLENBODEN (OBER und UNTER) (Kt. und 
Bez. Schwyz, Gem. Lowerz). 710 und 640 m. Zwei Grup- 
pen von zusammen 9 Häusern, am O.-Hang der Rigi ; 2,5 
km w. Lowerz und 1,5 km s. der Station Arth Goldau 
der Gotthardbahn. 50 kathol. Ew. Viehzucht, Obstbau. 
Wurde vom Bergsturz von Goldau, am 2. September 1806, 
mitergriffen. 

FALLENDER BRUNNENHOF (Kt., Bez. u. Gem. 
Zürich, Zürich IV-Unterstrass). Häusergruppe. S. den 
Art. Brunnenhof (Fallender). 

FALLENFLUH (Kt. u, Bez. Schwyz). 1203 m. Breiter 
und flacher Bergrücken, am N.-Han^ des Muotathales, 
im Einzugsgebiet der Muota, 4 km so. Schwyz und 3,3 
km 8. vom Grossen Mythen. Fällt nach NW. und SW. in 
steilen Felswänden ab ; sonst stark bewaldet. 

FALLENKOPF (HINTER) (Kt. St. Gallen, Bez. 
Ober Toggenburg). Gipfel. S. den Art. Hinterfallen- 
kopf. 

FALLfeR oder IQL PLANQ (Kt. Graubünden, Bez. 
Albula, Kreis Oberhalbstein, Gem. Mühlen). 1933 m. 
Gruppe von 12 im Sommer bewohnten Hütten, im Val 
da Faller an der Stelle, wo sich dieses in zwei Arme 
teilt, am NO.-Fuss des Piz Platta und 4 km sw. über 
Mühlen. Kapelle. 

FALLfeR (VAL DA) (Kt. Graubänden, Bez. Albula). 
Romantisches Seitenthal des Oberhalbstein, mündet in 
dieses bei Mühlen in 1460 m aus. Steigt ziemlich rasch 
nach SW. auf, erweitert sich dann zu einem breiten, 
von hohen Gipfeln umrahmten Boden, in dem die im 



der Piz Platta ab. Bei Igl Plang teilt sich das Thal in 
zwei Arme, das nach W. ziehende Val Gronda und das 
nach S. aufsteigende Val Bercla, die beide ebenfalls von 
Hochgebirgsgipieln begleitet werden. Vom Val Gronda 
aus führt das selten begangene Thälijoch (2802 m) am 
Averser Weissberff vorbei nach Avers Cresta, vom Val 
Bercla aus das Fallerjoch (2770 m) nach Juf im obersten 
Abschnitt des Avers. Das Val da Fall^r ist unbestritten 
eine der grossartigsten und zugleich lieblichsten Thal- 
landschaften Graubündens. Es ist heutzutage zum belieb- 
ten Ausgangspunkt für eine ganze Reihe von Gipfeltouren 
geworden, unter denen die Besteigung des Piz Platta als 
eine der lohnendsten zu nennen ist. 

FALLERA (Kt. Graubünden, Bez. Glenner). Gem. u. 
Dorf. S. den Art. Fellers. 

FALLERN (Kt. Solothurn, Amtei Lebern, Gem. Rüt- 
tenen). 557 m. Gruppe von 7 Häusern, am S.-Fuss des 
Weissenstein, am benebten Fussweg Solothurn -Fallern- 



Riesi-Nesselboden-Weissensteio, 700 m sw. Rüttenen und 
3,3 km n. Solothurn. Telephon. 35 kathol. Ew. Kirchge- 
meinde St. Nikiaus. Wirtshaus. 

FALLQLET8CHER (Kt. Wallis, Bez. Visp). 3810- 
3330 m. Kleiner Hängegletscher, am ONO.-Grat der 
Süd lenzspitze, in der Gruppe der Mischabelhörner ; wird 
durch eine Felswand, über die die Eisblöcke der obem 
Hälfte auf die untere Hälfte abstürzen, in zwei Teile ge- 
trennt. 

FALOPPIA (Kt. Tessin, Bez. Mendrisio). Bach ; ent- 
springt im Hügelland der lombardischen Gemeinde U^- 
giale in 390 m, tritt nach 6 km langem Lauf auf Schwei- 
zerboden über, bildet auf eine Strecke von 1 km die 
Landesgrenze, nimmt den Wildbach Roncaglia auf, geht 
in einem gedeckten Kanal unter dem Bahnhof Chiaaso 
durch und mündet bald nachher nach 11 km langem 
Gesamtlauf an der Grenze in 235 m in die Breggia. 

FALOTTA (Kt. Graubünden, Bez. Albula). 2427 m. 
Wenig bedeutender Gipfel, Vorberg des Piz d'Err, 3 km 
nö. über Mühlen im Oberhalbstein. Am W.-Fuss führt 
ein z. T. durch Wald gehender Fussweg von Roffna auf 
die Hoch terrasse von Mex. 

FALSCHEN oder FALT8CHEN (Kt Bern, Amts- 
bez. Frutigen, Gem. Reichenbach). 900 m. Kleines Dorf, 
zwischen dem Reichenbach und Suldbach, am N.-Fuss 
des Engelbergs und 1,5 km ö. der Station Reichenbach 
der Thunerseebahn ( Frutigen- Spiez). 47 Häuser, 214 re- 
form. Ew. Viehzucht. Schöne Aussicht. Eine Volkssage 
erzählt, die als Engel verkleideten Frauen von Falschen 
hätten einst eine Schar von über die Gemmi ins Kander- 
thal vorgedrungenen Wallisem zurück^j^etrieben. In alten 
Urkunden Velschen geheissen. Das im Mittelalter in 
Bern und Thun ansässige Edelgeschlecht von Velschen 
Stammtaus Falschen. 

FALT8CHONHORN (Kt. Graubünden, Bez. Glen- 
ner). 3024 m. Gipfel, in der das Valser-vom Vrinthal 
(oberstes Lugnez) trennenden und über den Piz Schar- 
boden mit der Gruppe des Piz Terri zusammenhängenden 
Kette des Piz Aul. 4 km w. über Vals Platz und 4 km 
ssö. über Vrin. Vom Piz Aul durch die selten begangene 
Fuorcla de Patnaul getrennt. Von Vals Platz zur Passhöhe 
der Fuorcla de Patnaul 3 V4» von da auf den Gipfel ^/^ 
Stunden. 

FALZ (Kt. Bern, Amtsbez. Trachselwald, Gem. Sumis- 
wald). 760 m. Gruppe von 6 Häusern, am Eingang zom 
Kurzeneigraben, 400 m s. Wasen, 9 km nö. der Station 
Ramsei der Linie Burgdorf-Langnau und 4,1 km nö. Su- 
miswald. 79 reform. Ew. 

FALZOBER oder VALZObER (ALP) (Kt. Glarus, 
Gem. Elm). 1200-2360 m. Alpweide mit 7 Hütten, am N.- 
Hang des Piz Segnes und seines w. Vorberges, des über 
dem Raminthal aufsteigenden Mörderhoms, 2-3 Stunden 
ö. über Elm. Zerfallt in eine Reihe von durch Eocänbän- 
der von einander getrennten Terrassenflächen. Mit 40 Kü- 
hen und 200 Schafen befahren. Der Name Falzüber ist 
romanischen Ursprungs und wahrscheinlich von Valsu- 
pra = oberes Thal herzuleiten. 

FAMBACH (Kt. Bern, Amtsbez. Signau, Gem. Röten- 
bach). 810 m. Gemeindefraktion mit 31 im kleinen Thal 
des gleichnamigen Baches zerstreut ^legenen Häusern. 
9 km 8. der Station Signau der Linie Bem-Luzem una 
1,2 km n. Rötenbach. 208 reform. Ew. 

FAMELON (TOUR DE) (Kt. Waadt, Bez. Aigle). 
2141 et 2130 m. Zweigiofliger Felskopf mit langem und 
schmalem Grat, in der uruppe der Tour d'AT and Tour de 
Mayen, 3 V« Stunden nw. üoer Le S^pey im Ormontsthal. 
Hat seinen Namen offenbar von semer von Leysin aus 
ffesehen einer sitzenden Frau ähnlichen Gestalt erhalten. 
Besteigung unschwierig, wegen der grösseres Interesse 
bietenden oenachbarten Tour de Mayen u. Tour d'AIaber 
nur selten besucht. Der W.-Hang z. T. mit Rasen bestan- 
den, zu einem grossen Teil aber ein weites Karrenfeld. 

FANA8 (Kt. Graubünden, Bez. Unter Landquart, 
Kreis Seewis). 907 m. Gem. und Pfarrdorf, auf einer Ter- 
rasse am rechten Seitengehänge des Prätigau und 2,5 
km nö. über der Station Grüsch der Rätischen Bahn 
(Landquart-Davos). Postablage. 67 Häuser, 282 reform. 
Ew. deutscher Zunge. Obstbau, Alp Wirtschaft. 1291 : Affe- 
nas ; 1375: Fenaus. Vom lat. faena = Wiesen, Alp- 
weiden. 



FAN 



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73 



FANCHINI oder ANNUNCIATA (Kt. Graubünden, 
Bei. Bernina, Kreis und Gem. Puschlav). 975 m. Weiler, 
am linken Ufer des J^oschiavino, 3 km 
so. Puschlav. Postaolage. 16 Häuser, 
70 kathol. Ew. italienischer ZunRe. 
Kirchgemeinde Puschlav -Prada. Alp- 
wirtschaft. 

FANELLAALP (Kt. Graubünden, 
Bez. Glenner, Kreis Lugnez, Gem. Vals). 
1830-2400 m. .Alpweide mit Gruppe von 
4 Hütten, am linken Ufer des Peiler- 
bachs, an den O.-Hängen des Cura- 
letschhoms und Ampervreilerhorns u. 
6 km 8. über Vals Platz. 

FANELLAGLET80HER (Kt. 
Graubünden, Bez. Glenner). Einer der 
grössten Gletscher im Adulamassiv; 
zwischen St. Lorenzhorn (3047 m), 
Kirchalphorn (3039 m), Wengjispitze 
(2839 m), Rothorn (3002 m) und Fanella- 
horn (3122 m), von denen die drei erst- 
genannten mit steilen Felswänden ins 
Rhein waldthal abbrechen, während sie 
nach N. in sanft geneigtem Hang abstei- 
gen. Hier liegt der Fanellagletscher, der 
wenig steil nach NO. zu dem bei Vals 
Platz ins St. Peterthal ausmündenden 
Peilerlhal sich senkt. Am untern Ende 
fallt er über eine steile Felswand und 
bietet ein schönes Beispiel eines Terrassengletschers, 
lieber ihn führen drei wenig begangene Passwege : der 
Fanella pas8(2840 m) nach.W. ins Kanalthal, die St. Lo- 
renzlücke (2849 m) nach S. ins Obere Bheinwald und die 
Kirchalplücke nach 0. nach Hinterrhein. 

FANELLAHORN (Kt. Graubünden, Bez. Glenner). 
3122 m. Gipfel, eine der schönsten und höchsten Fels- 
pyramiden im Adulamassiv, auf einem vom St. Lorenz- 
nom nach N. ausgehenden und das Peilerthal vom 
obersten Valserthal trennenden Seitenkamm. Ueber den 
Fanellagletscher leicht zugänglich, ^|^ Stunden über der 
Fanellapasshöhe ; trotzdem er einer der schönsten Aus- 
sichtspunkte seiner Gebirgsgruppe ist, wird er wegen 
seiner grossen Entfernung von den Exkursionszentren 



rhein überschritten (Hinterrhein-Vals Platz 7 Stunden). 
FANQ. Ortsname der deutschen Schweiz, für sich und 





Fanellahorn von Osten. 

nur wenig besucht. Soweit bekannt von J. J. Weilenmann 
1859 zum erstenmal erstiegen. 

FANELLAPA88 (Kt. Graubünden, Bez. Glenner). 
2840 m. Passübergang, sw. unter dem Fanellahorn, zwi- 
schen diesem und dem Rothorn. Verbindet das Legitobel, 
ein kleines Seitenthal zum Kanalthal, und die Zervreiler 
Alp>nit dem Fanellagletscher u. der Fanellaalp. Selten für 
sich allein begangen, wird meist in Verbindung mit der 
Tour Zervreila oder Vals Platz - Kirchalplücke -Hinter- 



Fang von Süden. 

in den Zusammensetzungen Bifang, Infang, Ifang etc. oft 
vorkommend ; vom althochdeutschen fdhan •= schliessen, 
einschliessen, mit einem Zaun umgeben ; entspricht den 
Formen Glos, Cloud etc. der französischen Schweiz. 

FANQ (Kt. Wallis, Bez. Siders, Gem. Chandolin). 1100 
m, Weiler, aus drei Gruppen von Häusern und Stallen 
bestehend, an den Hängen über dem rechten Ufer der 
Navizance und über der Strasse Siders -Vissoye (Eifisch- 
thal), 3 km n. Vissoye und 2 km sw. Chandolin. Telephon. 
Zusammen 21 Häuser, 82 kathol. Ew. Kirchgemeinde Vis- 
so]fe. Sehr tätige Bevölkerung. St. Germanus Kapelle. 
Primarschulhaus. Säge an einem vom Hang von Chando- 
lin herunterkommenden Wlldbach. Um das im Wald über 
Painsec geschlagene Holz in die Thalsohle hinunter trans- 
portieren zu können, hat man hier 1895 
ein Luflkabellgespannt. 

FANQ (IM), französisch La ViLLETTE(Kt. 
Freiburg, Bez. Greierz, Gem. Jaun). 951 m. 
Dorf, am linken Ufer der Jaun, an der 
Strasse Bulle-Jaun (Bellegarde); 3,3 km sw. 
Jaun und 18,5 km so. der Station Bulle der 
Linie Romont-Bulle. Telephon ; Postwagen 
Bulle-Jaun. 43 Häuser, 231 kathol. Ew. 
deutscher Zunge. Viehzucht und Milch- 
wirtschaft. Holzhandel. An der Stelle einer 
alten, 1661 erbauten Kapelle heute eine • 
schöne, 1871 geweihte Kirche. 

FANQI8ALP (Kt. Bern. Amtsbez. In- 
terlaken. Gem. Iseltwald). 1910 m. Alpweide 
mit Gruppe von 11 Hütten, zwischen dem 
Fangisalpbach und Harzersbodenbach, am 
NO. -Hang des Schwabhoms und 5-6 Stun- 
den so. üoer Iseltwald. 

FANINALP (Kt. Graubünden, Bez. Ober 
Landquart, Kreis und Gem. Jenaz). Alp- 
weide, mit zwei Gruppen von zusammen 
etwa 50 Hütten u. Stadeln (in 1923 u. 2031 
m), zwischen Cuonzatobel und Farnezabach 
und am Weg über den Faninpass, 6 km sw. 
über Jenaz. 

FANINPA88 (Kt. Graubünden, Bez. 
Plessur). 2219 m. Passüberganc^, etwa in 
der Mitte der Kette des Hochwang, zwischen Kunkel und 
Mattlishorn. Ein von Pagig im Schanfigg ausgehender 
Fussweg führt bis zum Bücken des Kammes, wo er sich 
verzweigt und weniger gut sichtbar wird. 

Der eme dieser Zweite steigt nach N. zur Faninalp ab, 
die zum Schanfigg gehört, trotzdem sie durch das Jenazer- 
tobel zum Prätigau entwässert wird ; dieser Weg kann 
aber zum Uebergang ins Prätigau nicht benutzt werden. 
Der andere Arm des Fussweges führt zunächst nach 0. 



74 



FAN 



KAR 



bis zur Arfliner Furka (2251 m) und nach NO. in die 
Fideriser Heuberge, um aann aU nach und nach besser 
werdender Pfad nach Fideris und ins Prätigau abzustei- 
gen. Es ist somit in dieser Gegend die Arfliner Furka der 
einzig in Betracht kommende Uebergang vom Schanfigg 
ins Prätigau. Leicht zu begehen : da aber der Weg ebenso 
leicht zu verfehlen ist, kommen hier von Zeit zu Zeit Un- 
fälle vor. 

FANKHAU8 (HINTER, HINTER8T, MITTLER, 
OBER , VORDER und VORDER8T) (Kt. Bern, 
Amtsbez. Signau, Gem. Trüb). 970-910 m. 10 im Fank- 
hausgraben oberhalb der Ausmündung des Hütlensrabens 
zerstreut gelegene Häuser, 4 km nö. Trüb und 8 km nö. 
der Station Trubschachen der Linie Bem-Luzern. 64 re- 
form. Ew. Fankhaus heisst auch eine Abteilung der Ge- 
meinde Trüb, mit im ganzen 106 Häusern u. 661 reform. 
Ew. 

FANKHAU8QRABEN (Kt. Bern, Amtsbez. Siffnau). 
1250-792 m. Thälchpn; steigt vom Napf auf eine Länge 
von 7,5 km gegen SW. ab und mündet bei Trüb in den 
Hrandöschgraben aus. Sein bedeutendster Nebenarm ist 
der von N. absteigende Huttengraben. Der obere Thalab- 
schnitt schwach bewohnt und mit Alpweiden bestanden, 
weiter unten dagegen die zahlreichen zerstreuten Höfe 
von Fankhaus. Durch den Fankhausgraben führt der Weg 
von Langnau auf den Napf. 

FAOUQ (sprich; Fu), deutsch Pfauen (Kt.Waadt, Bez. 




Gasse in Faoug. 

Avenches). 450 m. Gem. und Pfarrdorf, am SO.-Ufer des 
Murtensees, an der N. -Grenze des Kantons Waadt und 
an der Strasse Bern-Freiburg-Lausanne ; 4,3 km nö. Aven- 
ches und 4 km sw. Murten. Station der Linie Lausanne- 
Paverne-Lyss. Dampfschiflstation. Postbureau, Telegraph, 
Telephon. Gemeinde: 78 Häuser, 440 reforra. Ew. franzö- 
sischer Zunge ; Dorf: 51 Häuser, «%3 Ew. Landwirtschaft. 
Backsteinfabrik. Etwas Uhrenindustrie. Dorf früher Ei- 
gentum des Bischofs von Lausanne, der es durch seinen 
Burgvogt in Avenches verwalten Hess; blieb auch zur Zeit 
der Berner Oberhoheit unter der Vogtei von Avenches 
u. wurde von einem Rat von 12 Mitgliedern nach den 
Bestimmungen des Gesetzbuches der Stadt Lausanne 
(des sog. Plaict gönöral) verwaltet. 1802 siegreicher Kampf 
der Aufständischen gegen die Truppen der damals nach 
Lausanne geflüchteten helvetischen Einheitsregierung. 
Heimat des Staatsmannes Henri Druey (f 1855), der an 
den Ereignissen von 1845 hervorragenden Anteil -genom*' 
men hatte, einer der Haupturheber der Bundesverfassung 
von 1848 war, dann Mitglied des ersten schweizerischen 
Bundesrates und 1850 schweizerischer Bundespräsident 
wurde. Pfahlbau aus der Steinzeit, Fund eines Bronze- 
dolches. Am Chätelard römische Ruinen, römische Scher- 
ben und Münzen am Seeufer. Beim Bau der Strasse hat 
man ein Burgundergrab aufgedeckt. 1288: Fol. Vom la- 
tein. fagus = Buche. 

FÄRB (Kt. Luzern, Amt und Gem. Entlebuch). 710 m. 
Gruppe von 7 Häusern, am rechten Ufer der Entlen, an 
der Strasse Hasli-Entlebuch und 1 km s. der Station Ent- 
lebuch der Linie Bern - Luzern. 56 kathol. Ew. Brücke 



über die Entlen. Leinwandweberei und -Spinnerei. Säge. 
FÄRB (Kt. St. Gallen, Bez. Ober Toggenburg, Gem. 
Alt St. Johann). 900 m. Gruppe von 4 Häusern, am rech- 
ten Ufer der Thur, 800 m sw. Alt St. Johann und 14 km 
so. der Station Ebnat- Kappe! der Toggenburgerbahn. 18 
kathol. und reform. Ew. Viehzucht. 

FÄRB (Kt. St. Gallen, Bez. und Gem. Sargans). 495 m. 
Weiler, an der Strasse Gams - Sargans und 1 ,1 km nw. 
der Station Sargans der Linie Rorschach-Sargans-Chur. 
13 Häuser, 75 kathol. Ew. Ackerbau und Viehzucht. 

FARB8CHAOHEM (Kt. Luzern, AmtEntlebuch, Gem. 
Hasli). 700 m. Gruppe von 3 Häusern, am linken Ufer der 
Entlen, 800 m nö. Hasli und 1,2 km s. der Station Entle- 
buch der Linie Bem-Luzern. 16 kathol. Ew. Ackerbau u. 
Viehzucht. 

FARDON (Kt. Graubünden, Bez. Hinterrhein, Kreis 
Schams, Gem. Pazen-Fardün). 1164 m. Gruppe von 9 Häu- 
sern, am linken Seitengehänge des Schams und am SO.- 
Hang des Piz Beverin ; 3,5 km n. Andeer. Postablage. 30 
reform. Ew. romanischer Zunge. Kirchgemeinde Lohn- 
Mathon. Alpwirtschaft. 

FARE (LA) (Kt. Wallis, Bez. Martinach). Bedeutender 
Wildbach, 10 km lang, linksseitiger Zufluss zur Rhone ; 
entspringt dem in einsamem Kar in 2600 m Höhe und 
am Fuss der die Bezirke Ck>nthey, Entremont und Mar- 
tinach trennenden Gebirgsgruppe des Mont Gel^ (auch 
Becca de la Grande Journöe geheissen) ffelegenen Lac des 
Veaux, tritt zwischen Töte des Etablons 
und Cr^ta de Mounaing nach NNO. in 
das rasch fallende Val d'Is^rables ein, 
lliesst zwischen der Foröt Verte und Fo- 
r^t des Etablons in enger und tiefer 
Schlucht, nimmt von rechts als einzi- 
gen nennenswerten Zufluss einen Wild- 
bach auf, der sich aus einer Menge von 
Wasseradern aus den Fimgebieten am 
Mont Gond und den Dents Rousses bil- 
det, tritt wieder in ein rechts oben vom 
kühn gelegenen Dorf Iserables überrag- 
tes, ausserordentlich tiefes Tobel ein 
und mündet mit zwei Armen oberhalb 
und unterhalb der Brücke von Riddes 
in 479 m in die Rhone. Weil die Fare 
1 m # 4 fast stets am Boden von tiefeingeschnit- 
'*^1(_M Im ^^"^" Schluchten fliesst, wird sie erst 
^raSA bei ihrem Austritt auf den Schuttkegel 
— B^i^W von Riddes gefährlich, wo sie nur in 
langen Zwischenräumen und daher völ- 
lig unvorhergesehen etwa Verheerungen 
anzurichten pflegt. Solche Ausbrüche ge- 
schehen dann meist infolge von irgendwo in den Schluch- 
ten zeitweilig eintretenden Verstopfungen. Die Archive 
von Riddes verzeichnen solche Zufälle aus den Jahren 
1533 und 1790. Am 13. November 18^ arbeiteten Männer 
aus Riddes beim Austritt der Fare in die Ebene an einem 
Stauwehr, als plötzlich ein Warnruf ertönte. Eine mäch- 
tige mit Felsbföcken, entwurzelten Bäumen und anderen 
Trümmern beladene W^asser- und Schlammmasse wälzte 
sich heran, vor der die Männer schleunigst die Flucht er- 
greifen mussten. Häuser und drei Brücken wurden mit- 
gerissen und im Ganzen ein Schaden von 100000 Franken 
angerichtet. 

FAREN8TÖCKUI und FARN8TÖCKU (Kt. und 
Bez. Schwyz). 1655 und 1544 m. Zwei wenig bedeutende 
Gipfel, in der Gegend von Ober Iber^ und der obern Ver- 
zweigungen des Sihllhales hinter Emsiedeln ; der erste 
nw. vom Twäriberg (2118 m), am rechten Seitengehänge 
des Thaies der Stillen Waag und 7 km so. Ober Iberg, 
der andere 2 km s. vom Roggenstock und 6 km s. Ober 
Iberg. 

FARE8 (ROC DES) (Kt. Waadt, Bez. Aigle). 1300 m. 
Felswand, oberhalb der Brücke zwischen Gryon und Ar- 
veyres, n. Gryon, an der Stelle,'wo der Wildbach Gryonne 
sich tief in den auf den Bajocienschichten (Unterer Dogger) 
auflagernden Moränenschutt eingeschnitten hat. Wichtige 
Fundstelle von Fossilien. 

FARN, FARNEQQ, FARNEN, FARNEREN, 
FARNERN, FARNI etc. Ortsnamen der deutschen 
Schweiz, ursprünglich eine mit Farnkraut überwachsene 
Stelle bezeichnend. Vergl. den Art. Fahrni. 



FAR 



FAR 



75 



FARN oder FAHREN (Kt. St. Gallen, Bez. Rorschach, 
Gem. Mörswil). 554 m. Weiler, über dem linken Ufer der 
Goldach, an der neuen Strasse St. Gallen-Horschach und 
%% km so. der Station Mörswil der Linie St. Gallen-Hor- 
schach. Telephon. 16 Häuser, 126 kathol. Ew. Obstbau. 
Stickerei. 

FARNBODEN ALP (Kt. St. Gallen, Bez. Werden- 
berg, Gem. Sevelen). 1388-1800 m. Alpweide mit 5 Hütten, 
am NO.- Hang des Faulfirst und 5,5 km wnw. Sevelen. 
Liegt zusammen mit der Malbunalp in dem Felsenzirkus, 
dem der Geissbach entfliesst. 

FARNBONL (Kt. Appenzell A. R., Bez. Mittelland, 
Gem. Teufen). 890 m. Gruppe von 8 Häusern, 200 m n. 
der Strasse Speicher - Teufen und 1 km nö. der Station 
Teufen der Strassenbahn St. Gallen-Gais. 48 reform. Ew. 
Viehzucht. Weberei als Hausindustrie. 

FARNBOHL oder FARNBOHLBAD (Kt. Luzem, 
Amt Entlebuch, Gem. Werthenstein). 706 m. Weiler; kli- 
matischer Kurort und Bad, an der Strasse Entlebuch- 
Ennigen, 4 km so. Werthenstein u. 6 km sw. der Station 
Malters der Linie Bern -Luzem. Telegraph, Telephon. 98 
kathol. Ew. Kirchgemeinde. Malters. Landwirtschaft. 
Fremdenindustrie. Schöne Aussicht. 

FARNEOO (NINTER, OBER und UNTER) (Kt. 
Bern, Amtsbez. und Gem. Signau). 980-840 m. 3 Gruppen 
von zusammen 11 Häusern, auf den Höhen zwischen zwei 
kleinen linksseitigen Zuflüssen zur Emme und 2,2 km n. 
der Station Signau der Linie Bern-Luzem. 52 reform. Ew. 
Landwirtschan. 

FARNEN (Kt. St. Gallen, Bez. Werdenberg, Gem. 
Sennwald). 485 m. Gruppe von 6 Häusern, an der Strasse 
Oberriet-Gams, 2 km nno« vom Dorf Gams und 3,5 km 
nw. der Station Oberriet der Linie Rorschach-Sargans- 
Chur. 47 reform. Ew. Kirchgemeinde Sax. Ackerbau und 
Viehzucht. 

FARNEREN (Kt. Bern, Amtsbez. Wangen). Gem. und 
Dorf. S. den Art. Farnern. 

FARNEREN (OBER u. UNTER) (Kt. Bern, Amts- 
bez. Signau, C^m. Rötenbach). 951 und 941 m. 3 Bauern- 
höfe ; 1,9 km nö. Rötenbach und 8,5 km s. der Station 
Signau der Linie Bern-Luzern. 91 reform. Ew. 

FARNEREN (OBER u. UNTER) (Kt. Luzem, Amt 
Willisau, Gem. Fischbach). 725 und 669 m. 4 Bauernhöfe, 
900 m sw. Fischbach und 2,8 km nw. der Station Zell der 
Linie Langenthai -Wolhusen. 30 kathol. Ew. Kirchgem. 
Grossdietwil. Ackerbau und Viehzucht. 

FARNERN (Kt. Bern, Amtsbez. Interlaken, Gem. St. 
Beatenberg). 1164 m. Ca. 10 auf den Höhen zwischen Lom- 
bach und Suldbach zerstreut gelegene Hütten, 3 km nö. 
St Beatenberg. 

FARNERN oder FARNEREN (Kt. Bern, Amtsbez. 
Wangen). 800 m. Gem. und Dorf, am S.-Han^ der ersten 
Jurakette in sonniger Lage, 7 km nw. der Station Wangen 
der Linie Ölten - Solothurn. 37 Häuser, 274 reform. Ew. 
Kirchgemeinde Oberbipp. Landwirtschaft. Käserei. Eine 
1849 bis in eine Tiefe von 170 m auf den Keuper hinab 
ausflefährte Bohrung auf Steinsalz ergab günstige An- 
zeichen, musste aber eingestellt werden, da der Bohrer 
abbrach. 

FARNEZABACH (Kt. Graubunden, Bez. Unter Und- 
qaart). Bach ; entspringt mit mehreren Quellarmen auf 
der Famezaalp am NO.-Hang des Hochwang in 2200 m, 
darchfliesst nach N. das Jenazertobel, biegt dann nach 
NO. ab und mündet nach 11 km langem Lauf 1,5 km un- 
terhalb Jenaz in 710 m von links in die Landquart. Nimmt 
mehrere kleine Zuflüsse auf, von denen wir nennen von 
rechts die Bäche des Cuonza- und Muntietobels und von 
links die des Bona- und Mühletobels und den Sägenbach. 

FARNITHAL (Kt. Bern, Amtsbez. Frutigen). 2200-927 
in. Kleiner linksseitiger Nebenarm zum Kienthal, zwischen 
den Stöcken des Gerihoms und Aermighoms. Zieht auf 
eine Länge von 4 km von S.-NO. und enthält die Bachalp. 

FARN8BERO (Kt. Basel Und, Bez. Sissach). 762 m. 
Bewaldeter Berg in der Höhenzone zwischen den Thälem 
des Buuserbachs und Wintersingerbachs und 1,5 km s. 
Buus. Am ziemlich schroffen N.-Hang die Huine Farns- 
burg. 

FARN8BURO (Kt. Basel Land, Bez. Sissach, Gem. 
Bous). 710 m. Burgruine, am N.-Hang des Famsbergs u. 
1,3 km SSO. über Buus. 



Die Famsburg, auch etwa Varsperg genannt, hat wohl 
nicht vom Farnknut den Namen bekommen. Dagegen 
spricht das s, das vielmehr auf einen Personennamen der 
Wurzel far, althochdeutsch faran = fahren hinweist 
(yergl. den Hof Farisberg bei Mümliswil). Die Burg ist eine 
Gründung der Grafen von Thierstein, jenes mächtigen 
Ministerialenceschlechtes, das seine Stammburg Alt-Thier- 
stein im Frickthal hatte. Am Anfang des 12. Jahrhunderts 
baute sich ein Graf Rudolf von Thierstein in deren Nähe 
die Burg Alt-Homburg, so dass sich von da an die Familie 
in die beiden Zweige Alt-Thierstein und Alt-Homburg 
spaltete. Dieser bekleidete bis ^egen Ende des 12. Jahr- 
hunderts die Reichs- oder Schirmvo^ei über die Basler 
Kirche und starb um 1225 aus. Um die Mitte des 12. Jahr- 
hunderts vermählte sich Graf Rudolf v. Alt-Thierstein mit 
Bertha von Sogem oder Sovhi^res, einer der beiden Erb- 
töchter des mächtigen Grafen Udalard von Sogem oder 
Soyhieres, und erwarb sich dadurch bedeutende Besit- 
zungen an der Birs. Deshalb gründete sein Sohn Rudolf 
im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts bei Büsserach 
die Burg Neu -Thierstein^ wo die Nachkommen in der 
Folge verblieben. Gegen Ende des 13. und Anfang des 14. 
Jahrhunderts muss es wieder zu einer Teilung gekom- 
men sein. Rudolf von Thierstein (f 1318) erhielt Thier- 
stein und Pfefßngen, die nun 200 Jahre in dieser Familie 
vererbten, bis der letzte des Geschlechtes, Graf Heinrich, 
am 30. November 1519 die Augen schloss, worauf Pfefßn- 

gen an den Bischof von Basel und Thierstein an Solothurn 
el. Der Bruder des genannten Grafen Rudolf, Graf Sig- 
mund von Thierstein, erlangte die östlichen Besitzungen 
des Hauses und setzte sich 1309 mit seinen Vettern wegen 
der Hörigen auseinander. Doch mag die Teilung noch 
keine voUständifie gewesen sein, da im ffleichen Jahre 
beide Brüder bei einem Verkauf in Ormalingen als Le- 
hensherren erscheinen. 

Um diese Zeit muss Famsburg entstanden sein. Das 
Gründungsjahr meldet keine Urkunde; doch wird 1307 
von Gütern prope Vamsberg und 1310 von Buus unter 
Vamsberff gesprochen. Dass darunter die Bur^ und nicht 
der gleichnamige Berg gemeint sei, geht wenigstens aus 
der letzten Stelle unzweifelhaft hervor. Beim grossen Erd- 
beben von 1356 stürzte das Schloss ein, wurde aber in 
der Folge von einem andern Grafen Sigmund nur um so 
grösser wieder aufgebaut. Dieser war Landgraf im Sis- 
und Buchsgau, Herr zu Farnsburg, Pfandherr zu Ölten, 
Herr zu Aarburg, Bipp, Wiedlisbach, Erlisbur^, Domach 
und AltrHomburg u. natte Güter bei Freiburg i./Ü. Auch 
als er 1383 gestorben, waltete noch 20 Jahre lang Gräfin 
Verena, (geborene von Nidau, umgeben von einer statt- 
lichen Kinderzahl, auf dem Schlosse. Aber mit ihrem 
Tode 1402 brach das Geschick ^äh herein. Denn ihr letzter 
Sohn Otto lebte nur noch bis 1418 mit Hinterlassung 
einer Tochter, Glaranna, die sich mit Hans Friedrich von 
Falkenstein vermählt hatte. Dieser wurde nun Erbe. Er 
ist der Vater der beiden berühmten Freiherren Thomas 
und Hans von Falkenstein, über die nach seinem Hin- 
schied (1429) Bern u. Solothurn die Vormundschaft über- 
nahmen. Nachdem jene 1439 mündig geworden, beob- 
achteten sie längere Zeit die ihnen von den beiden Städten 
auferlegten Pflichten gewissenhaft, mussten aber doch 84 
Tage lang eine solouiumische Besatzung in Farasburg 
bergen. Da erfolgten 1444 der Ueberfall von Brugg, die 
Zerstörung von Gösgen und die Belagerung von Farns- 
burg. Diese wurde nach der Schlacht bei St. Jakob wieder 
aufgehoben ; aber der Krieg hatte deswegen kein Ende. 
Die Freiherren schlössen sich mit dem übrigen Adel 
Oesterreich an und stritten sich Jahre lan^ in dem sog. 
St. Jakoberkrieg mit Basel herum. Dabei töteten oder be- 
raubten sie manch' unschuldigen Landbewohner der bas- 
lerischen Herrschaften Homburg, Waidenburg und Lie- 
stal. Als jedoch 1449 die sogenannte Breisacher Richtung 
zustande gekommen , verpfändeten die beiden Brüder 
Farnsburg an Oesterreich und zogen sich nach Heidburg 
bei Rottweil zurück. 1453 beschuldigte der österreichische 
Landvogt Wilhelm Runs auf Famsburg zwei Wächter 
des geheimen Einverständnisses mit Basel und Hess sie 
durch das Landgericht des Sisgaus in Rheinfelden ver- 
urteilen und grausam hinrichten. Allein Thomas von Fal- 
kenstein kehrte noch einmal zurück, löste die Landgraf- 
schaft Sisgau und die Herrschaft Farnsburg wieder ein 



76 



FAR 



FAR 



und verkaufte sie, nachdem er auch mit Solothum unter- 
handelt, 1461 der Stadt Basel. Der letzte männliche 
Sprössling dieses Geschlechtes war des Thomas Enkel, 
Cnrisioph von Falkenstein, Landvo^t im Breisgau, Elsass 
und Sundgau, der in Ebringen bei Preiburg i. B., dem 
Sitze seiner neuen Herrschaft, nach dem Bauernkrieg 
von 1525 begraben wurde. 

Am Schloss Farnsburg nun Hessen sich drei Teile unter- 
scheiden, der obere und untere Schlosshof mit den dazu 
gehörenden Gebäulichkeiten und das Zielempenhaus. Die- 
ses befand sich hoch über dem Üorfe Buus und bildete 
den nördlichen Abschluss des untern Schlosshofes. Es 
war ein Sesshaus der Edeln gleichen Namens, die zuerst 
1255 als Vasallen der Grafen von Thierstein erscheinen. 
Das Haus blieb, und die Besitzer wahrten sich das Hecht 
der freien Ein- und Ausfahrt. Noch 1462 hatte deswegen 
die Stadt Basel einen Streit mit dem Erben der Zielempen, 
Ludwig Zehehder von Aarau, auszufechten. Das Haus 
hatte eine besondere Abschlussmauer, die erst 1782 abge- 
tragen wurde, als es sich um eine beträchtliche Repara- 
tur handelte. « 

Der Eingang zum Schlosse war dem Zielempenhaus ge* 
geniiber auf der S. -Seite des Berges. Wenn man den 




Die Farnsbarg in ihrem einstigen Zustande. 

steilen Burgweg herangekommen war, gelangte man über 
eine Zugbrücke in einen kleinen Vorhof und dann über 
eine zweite in den untern Schlosshof. Da war das Wacht- 
haus. wo zwei Mann von Gelterkinden Ta^ und Nacht die 
Wacne zu besorgen hatten, ohne einen Bissen Brot oder 
einen Trunk Wein beanspruchen zu dürfen. Erst am 3. 
.Tanuar 1798 wurde der Gemeinde die Tagwache erlassen, 
die fortan ein Harschier (Polizeimann) übernahm. Im un- 
iern Schlosshof, der gegen 0. durch eine Mauer mit zwei 
Türmen abgeschlossen war, befanden sich ausserdem 
noch die Stallungen, das Hühnerhaus, ein Schopf, wo 
Baumaterial, Balken, Ziegel, Backsteine und Kalk aufbe- 
wahrt wurden, und der grosse Schlossbrunnen. Er war in 
den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts ganz unbrauchbar 
geworden, weil er mit Steinen, Holz, Schlamm und un- 
sauberem Wasser gefüllt war; ebenso war auf die 60 Fuss 
lange Kette kein Verlass mehr. Doch damals unterblieb 
die Reparatur wegen der grossen Kosten. Sie erfolgte erst 
1786; allein die angebrachte Seilmaschine funktionierte 
nicht recht. Unter diesen Umständen war man über einen 
zweiten, den sogen. Kalkbrunnen, froh, trotzdem er etwas 
entfernter war. 

In dem untern Schlosshof fiel der Blick vor allem auf 
den gewaltigen blauen Turm, der wie alle andern einen 
Spitznut trug. War man da eingetreten, so stieg man auf 
einer Treppe von mehr als 100 Stufen zum obern oder 



innern Schlosshof hinauf. Hier erhoben sich gegen S. u. 
W. die Hauptgebäude, die Wohn- und Arbeitszimmer des 
Landvogtes und Schlossschreibers, die Schlosskapelle, die 
Vorratsräume und Gefängnisse. Zur Sicherheit wurde 
1783 ein Blitzableiter angebracht. Von den Zinnen der 
s. und ö. Umfassungsmauern oder aus den Scharten des 
blaues Turmes wurden in Zeiten grosser Gefahr die nöti- 
gen Zeichen gegeben. Ein Schuss bedeutete Warnung, 
zwei Feuers- u. drei Kriegsgefahr. Ausser dem wurde 
etwa ein weisses Tuch oder eine Hettungsscheibe ver- 
wendet. 

Zum Schloss gehörten ausser zwei Schlossgärten nicht 
weniger als 52 .lucharten Acker- und Mattland und aas- 

Sedehnte Weiden, die obere und hintere Schlossweid, so 
ass 21 Stück Vieh gesommert und gewintert werden 
konnten. Die Bauern von Hemmiken waren verpflichtet, 
die Matten zu heuen und zu emden, und diejenigen von 
Buus, das Holz ins Schloss zu fähren. Ebenso mussten 
alle umliegenden Gemeinden oder das ganze Amt die 
Wege verbessern. Der grösste Teil der Landereien wurde 
mit dem Sennhaus verpachtet, in dem zeitweise eine 
Stuterei oder eine Wirtschaft eingerichtet war. 

Das Amt Farnsburf^, das seit 1461 zu Basel gehörte, 
umfasste nicht nur die Gebiete, welche unmittelbar von 
Thomas von Falkenstein erworben wurden, sondern auch 
andere, welche die Stadt erst nachher erkaufte, aber die 
einen Bestandteil der Landgrafschaft Sis^au bildeten. 
Diese reichte nach einer Urkunde von 1363 im 0. an den 
Violenbach ; von hier zog sich die Grenze nach der Ergolz 
bei Rotenfluh und der Schafmatt, darauf dem Jurakamm 
entlang bis nach Nunningen, von da nach Zwingen an die 
Birs, alsdann die Birs hinab und rheinaufwärts nis Äugst. 
In der Folge wurden nicht nur die drei baslerischen 
Vogteien Homburg, Waidenburg u. Liestal, sondern auch 
das Gempenplates^i losgelöst, und die land vögtlichen 
Rechte sanken zu einem Schatten herunter, der « Male- 
fiz, Hagens und Jagens b, d. h. dem Blutbann und der 
Jagd- und Forstpolizei. Immerhin wurdeü nun alle Ter- 
ritorien, wo die Freiherren von Falkenstein diese Hoheit 
noch ausgeübt hatten, zur Landvogtei Farnsburg ver- 
einigt. Es waren das folgende 28 Dörfer : Buus, Maisprach, 
Wintersinffen, Nusshof, Hersberg; Gelterkinden, Ricken- 
bach, Tecknau; Ormalingen, Hemmikpn, VVenslingen; 
Kilchberg, Rünenberg, Zeglingen, Diepflingen ; Oltingen, 
Anwii; Rothenfluh; Eptingen, Diegten,Tenniken; Sissach, 
Zunzgen, Itingen, Bockten; Arisdorf, Äugst, Olsberg. Fer- 
ner wurde dazu noch das solothurnische Dorf Wisen ge- 
rechnet, über das Basel die hohe Herrlichkeit besass. 
Heute bildet die ganze ehemalige Landvogtei Farnsburg 
ausser Arisdorf, Äugst und Hersberg nebst 7 Dörfern im 
Homburgerthal den basellandschafilichen Bezirk Sissach. 

Das Amt Famsburg wurde mehr als 300 Jahre durch 
Landvögte regiert. Ihre Verwaltung steht im allgemeinen 
beim Volke in schlimmem Andenken. Der bekannteste ist 
der letzte, Hans Franz Hagen bach (1794-1798), unter dem 
die Revolution ausbrach. Schon am 8. Januar 1798 kamen 
60 Arisdörfer, Nusshöfer und Hersberger, um ihre alten 
Freiheitsbücher zu holen, und spät am Abend stellten sich 
auch noch Rickenbacher ein. Darauf herrschte wieder 
Ruhe. Aber am 18. Januar räumte man das Schloss und 
brachte das Hausgerät nach Ormalingen und das Archiv 
nach Gelterkinden. Den Landvogt trug ein Bauer in einem 
Tragkorb nach Ormalingen hinunter; darauf wurde das 
Schloss am 21. Januar, einem Sonntag, wohl auf Befehl 
der Patriotenpartei von Basel, verbrannt. Quellen: Ver- 
schiedene Schriften Martin Birmanns. Das Urkundenbuch 
von Baselland ; Baaler Jahrbuch^ etc. [Dr. L. Frbivoobl.] 

FARNSTÖCKLI (Kt. und Bez. Schwyz). Gipfel. S. 
den Art. Farenstöckli. 

FARNTHAL (Kt. Aargau, Bez. Laufenburg). 540-405 
m. Kleines fruchtbares Tnal, am NO.- Fuss des Horns ; 
zieht sich auf eine Länge von 2 km von NW.-SO. Sein 
Bach mündet bei Wittnau in den Altbach. 

FARRERA (Kt. Graubünden, Bez. Albula). Gem. und 
Dorf. S. den Art. Schmitten. 

FARVAGE8 (LE8) (Kt. Freiburg, Bez. Greierz,Gen[i. 
Hauteville). 742 m. Gruppe von 9 Häusern, 800 m ö. Hau- 
teville u. 8,5 km nö. der Station Bulle der Linie Romont- 
Bulle. 51 kathol. Ew. Viehzucht und Milchwirtschaft. 

FARVAGNY LE GRAND, deutsch GROSS Faveh- 



FAR 



FAÜ 



77 



NACH (Kt. Freiburg, Bez. Saane). 693 m. Gem. und Dorf, 
am N.-Fuss des Mont Giblcux, am linken Ufer der Lon- 
givue und 8 km so. der Station Qoltens der Linie Bern- 
Freiburg - Lausanne. Postbureau, Telepaph. Telephon; 
Postwagen Le Bry-Villaz-St. Pierre und Freiburg -Bulle. 
Gemeinde, mit La Poya : 71 Häuser, 433 kathol. Ew. ; 
Dorf: 25 Häuser, 186 Ew. Bildet mit Farvagny le Petit, 
Grenilles und Posat zusammen eine gemeinsame Kirchge- 
meinde. Viehzucht und Milchwirtschaft, Getreide- und 
Kartoffelbau. Strohflechterei. Sparkasse. Grosse moderne 
Kirche zu St. Vincent, in gotischem Stil gehalten ; an 
Stelle einer sehr alten Kirche mit einem aus Tuffstein er- 
bauten Turm stehend. In Monban eine Kapelle aus 17-27. 
Im 12. Jahrhundert Favarniacum. Zuerst zur Herrschaft 
Pont ([ehörend, dann 1482 von Freiburg angekauft. Bis 
1798 Sitz eines Landvogtes und vor 1847 Bezirkshauptort. 
FARVAGNY LE PETIT, deutsch Ki.ElN Fävernach 
(Kt. Freiburg, Bez. Saane). 703 m. Gem. und Dorf, am 
rechten Ufer der Longivue, 1 km nö. Farvagny le Grand 
u. 9 km so. der Station Cottens der Linie Bern-Freiburff- 
Lausanne. 27 Häuser, 167 kathol. Ew. Kirchffemeinae 
Farvagny le Grand. Viehzucht und Milchwirtschaft, Ge- 
treide- und Kartoffelbau. Kapelle zu St. Claude. Römi- 
sche Ruinen. 

FARZIN (FOR^T DE) (Kt. Waadt, Bez. Payerne, 
Gem. Villars-Bramard). 740-800 m. Wald, nö. Villars- 
Bramard, Abteilung eines grossen, von der Kantonsgrenze 
WaadtrFreiburg durchschnittenen Waldgebieles. Durch 
die Foröt de Farzin führt die Strasse Romont - Payerne. 
Staatseigentum. Zahlreiche kleine, noch nicht erforschte 
Tumuli. 

FA8CHALBA (PIZ), auf vielen Karten Piz Fat- 
scbalb, deutsch Grenzeckkopf oder Grenzeggkopf ^eheis- 
aen (Kt. Graubunden, Bez. Inn). Gipfel, im Silvretta 
Massiv, hinter dem obem Val Tasna und zwischen Fut- 
schölpass und Fuorcla Tasn«. Wird durch seine mächtigen 
Nachbarn Fluchthom, Piz Tasna und Augstenberg stark 
beeinträchtigt, so dass er trotz leichter Zugänglichkeit 
doch nur selten bestiegen wird. Die bisher der Wasser- 
scheide zwischen Inn und Trisanna folgende Landesgrenze 
gegen Gestenreich biegt hier plötzlich nach N. gegen das 
Fluchthom zu aus und weist damit den obern Abschnitt 
des Val Fenga oder Fimberthales der Schweiz zu. Fa- 
schalba = weisses Antlitz. 

FA8CHNEIDA (Kt. Graubänden, Bez. Ober Land- 
quart, Gem. Luzein). Irrtümliche Schreibweise der Sieg- 
friedkarte für Gaschneidä. S. diesen Art. 

FA80N8 (ALP) (Kt. Graubünden, Bez. Unter Land- 
quart, Gem. Seewis). 1700-2200 m. Alpweide mit zerstreut 
gelegenen Hütten, am S.-Hang des Alp- 
steins, zwischen Valpeidabach und Val- 
serbach, 8 km nnö. über Seewis. 

FATRE DE880U8 u. DE88U8 
(LE) (Kt. Bern, Amtsbez. Pruntrut, 
Gem. Comol). 476 und 492 m. Zwei 
Meierhöfe, in fruchtbarer und gut an- 
gebauter Gegend, halbwegs zwischen 
Comol und Mi^court, 3 km so. der Sta- 
tion Alle der Linie Pruntrut - Bonfol u. 
1,5 km n. Comol. Le Fätre Dessous 
früher La Courtine geheissen. Hier soll 
einst ein Ordenshaus der Tempelritter 
gestanden haben. 

FAT8CHEL(Kt. Graubünden, Bez. 
Plessur, Kreis Schanfigg, Gem. St. Pe- 
ter). 1552 m. Gruppe von etwa 40 Hät- 
ten und Ställen, am Lochbächli, am 
SO.-Hang des Hochwang und 1 km nö. 
über St. Peter. 

FAULBERG (Kt. Wallis, Bez. Ost 
Raron). 3244 m. Gipfel, w. Vorberff des 
Kamm, in der Gruppe der Walliser 
Fiescherhömer. Steigt mit hohen Fels- 
wänden ö. über der Konkordiahütte des 
S. A. C. und dem kleinen Hotel Kon 
kordia (am Rand des Grossen Aletsch- 
gletschers) auf. Die selten unternom- 
mene Besteigung erfordert von der Kon kordiah ütte aus 
2 Stunden. An seinem S.-Fuss in etwa 2800 m eine 
Höhle und seit 1865 auch eine vom Gastwirt Wellig 



im Hotel Eggishom erbaute Hütte, die den damals noch 
seltenen Besuchern der Hochgebirge um die Aletsch- 
gletscher vor der Erstellung der Konkordiahütte des S. A. 
C. (1876) als Unterkunft diente. In der ersten Hälfte des 
18. Jahrnunderts nur von Jägern benutzt, wurde die Höhle 
1856 von Ort und Lightfoot bei der achten Besteigung der 
Jungfrau und 1857 von Hardy, Matthews u. a. bei der Be- 
steigung des Finsteraarhoms besucht. Vergl. die Art. CoN- 
cordiahOtte und Concordiaplatz. 

FAULEGG (Kt. St. Gallen, Bez. Sargans). 2459 m. 
Wenig hervortretender Gipfel, etwas ö. vor der vom Sau- 
renstock nach N. abzweigenden und zum Spitzmeilen u. 
Mageren ziehenden kleinen Kette. Mit ihr durch einen 
Kamm verbunden, der sich über den Walenkamm noch 
weiter nach 0. fortsetzt und die N.-Wand des Weiss- 
tannenthals bildet. Sehr schön ist hier, im Gebiet des N.- 
Flügels der Glarner Doppelfalte, die Auflagerung von Ver- 
rucano und Rötidolomit auf eocänen Schiefern zu beob- 
achten. 

FAULEN (Kt. Glarus). 2415 m. Gipfel, im Zentrum 
der Gruppe des Mürtschenstocks stehend, zwischen dem 
Stock (23Ö2 m) im N. und Rüchen (2442 m) im S. und 
unmittelbar ö. über dem Spanneggsee. Vergl. den Art. 
M Ortschenstock. 

FAULEN (Kt. Glarus und St. Gallen). 2491 m. Gipfel, 
in der vom Saurenstock nach N. abzweigenden .Grenz- 
kette zwischen den Kantonen Glarus und St. Gallen. 2 km 
weiter s. führt der Riese tenpass von San^ns und Mels 
durch das Weisstannenthal hinüber ins Krauchthal und 
nach Elm. N. -Flügel der Glarner Doppelfalle mit auf eocä- 
nen Schiefem aullagerndem Verrucano und Rötidolomit. 
Heisst auch Weissgandstöckli. 

FAULEN (Kt. Schwyz und Uri). 2058 m. Kleiner Gip- 
fel, in dem kurzen, vom Uri Rotstock nach N. abgehenden 
Kamm, der die beiden ohern Verzweigungen des Isen- 
thales, das Grossthal und Kleinthal, von einander trennt. 

FAULEN (Kt. Uri). 2494 m. Gipfel, n. über dem Schä- 
chenthal und 1,5 km nw. vom beKnnnten und oft began- 
genen Passübergang des Kinzig Kulm , Nachbar des 
Rossstocks und Kaiserstocks, 7 km sw. über dem Dorf 
Muotathal. 

FAULEN (BÖSER und OUTER) auch GRIE8ET 
geheissen (Kt. Glarus und Schwyz). 2804 u. 2724 m. Zwei 
Gipfel, im SW.-Abschnitt des Glärnischstockes, über der 
Karrenalp und in dem vom Rächistock nach SW. abge- 
henden Felskamm. Sehr schöne Aussicht. Die Resteigung 
des 7 km w. über Luchsingen stehenden Rosen Faulen 
ist schwierig und wird nicht häufig unternommen, sie er- 
fordert von Linthal aus über Rraunwald 8 Stunden ; der 




Böser Faulen von Nordnordosten. 

Gute Faulen oder auch Faulen kurzweg wird dagegen 
recht häufig besucht, von Linthal bis Rraunwald 1 *^, von 
da auf den Gipfel 4 Stunden. Prachtvolles nach N. über- 



78 



FAU 



FAU 



liegendes Dogger- und Malmgewölbe, dessen lehrreicher 
Bau an den Felswänden des 0.- und W.-Hanges genau 
studiert werden kann. 

FAULEN (HÖH) (Kt. Üri). 2518 m. 
Hauptgipfel der breiten Gebirgsgruppe 
nw. der VVindgällen, von diesen durch 
die Scharte des Seeweligrates (2260 m) 
getrennt. Uebrige Grenzen das Reuss- 
thal von Silenen bis Bürglen, das Schä- 
chenthal bis Unterschächen und das 
Schächenthaler Brunnithal. Neben dem 
Höh Faulen stehen in dieser Gruppe 
Beimeten und Schwarzgrat im W., Fun- 
derstock im S., Sittliser und Blinzi im 
Nu. Seiner sehr schönen Aussicht we- 
gen verdiente der Höh Faulen häufige- 
ren Besuch ; Besteigung von Amstag aus 
über Silenen und das Evithal in 5 Stun- 
den. Besteht aus eocanen Gesteinen und 
Alpenkalk (Malm). 

FAULENaACH (Kt. Uri). Bach 
des Erstfelderthales ; entsteht aus den 
Schmelz wassern des am O.-Hang des 
Grossen Spannort hängenden Glatten- 
fims, die sich in 1600 m zum Faulen- 
bach vereinigen, bildet eine Reihe von 
schönen Fällen, fliesst 500 m w. Erstfeld 
durch die Faulenbachschlucht und mun- 
det nach 6,5 km langem Lauf in der 
Richtung WSW. -ONO. bei Erstfeld in 470 m von links in 
die Reuss. 

FAULENBERG (Kt. Bern und Unterwaiden). 2368 m. 
Wenig beachteter Gipfel, zwischen den oft besuchten 
Hohenstollen (2484 m) und Glockhaus (2536 m), in der w. 
über der Melchseealp sich erhebenden Grenzkette zwi- 
schen Bern und Unterwaiden, 6 km nö. über Meirinffen. 

FAULENBERG (Kt. Graubünden, Bez. Plessur). 2578 
m. Gipfel, in der Kette des Stätzerhorns, 1 km n. von 
diesem Gipfel ; wenig bekannt und besucht. 

FAULENGLET8CHER (Kt. Bern, Amtsbez. Fru- 
ticen). 3300-2610 m. Kleiner Gletscher, am W.-Hang des 
Kleinen Doldenhoms: sendet seine Schmelzwasser ins 
Gasternthai und zur Kander. Auf der Siegfriedkarte un- 
benannt. 

FAULEN8EE (Kt. Bern, AmUbez. Nieder Simmen- 
thal, Gem. Spiez). 587 m. Dorf, am linken Ufer des Thu- 
nersees, an der Strasse Thun-Interlaken und 2 km so. der 
Station Spiez der Linie Thun-Interlaken. Telephon. 110 
Häuser, 6ÜQ reform. Ew. Landwirtschaft. Fremdenindu- 
strie. Am O.-Fuss der Burgfluh schön gelegen, reich ent- 
faltete Vegetation. -Vor der Reformation berühmter Wall- 
fahrtsort ; die Ruine der einstigen Wallfahrtskapelle St. 
Kolumban ist 1892 völlig abgetragen worden. Benannt 
nach einem heute versumpften kleinen See (auch Nagelsee 



Tschingei 



menthal, Gem. Spiez). 690 m. Grosses Bad und klima- 
tischer Kurort, 3 km so. über der Station Spiez der Linie 




FaoIeDsea. 

Thun-Interlaken und mit ihr durch eine Strasse ver- 
bunden. Telejjraph, Telephon ; Postwagen Spiez-Aeschi. 
Gipshaltige Mineralquelle. Schöne Aussicht. 

FAULEN8EELI (Kt. Bern, Amtsbez. Interlaken). 614 
m. Kleiner See, auf einer Felsterrasse über dem rechten 
Ufer des Brienzersees, 600 m ö. Goldswil und auch Golds- 
wilerseeli geheissen. Ohne oberflächlichen Abfluss. Be- 
merkenswert durch seinen Reichtum an Fischen, Krebsen 
und Süss Wassermuscheln. S. und w. vom See zwei z. T. 
bewaldete Höhen, auf deren letztgenannter die Ruine der 
alten Kirche Goldswil steht. Malerische Landschaft, schöne 
Aussicht auf Brienzersee und Faulhornkette. 

FAULENSTOCK (Kt. Glarus u. St. Gallen). 2418 m. 
Gipfel, in der n. vom Saurenstock abzweigenaen Kette, 
Nachbar des Faulen (2491 m) und n. vom Riesetenpass 
(2188 m). Fällt nach w. zur Stafelruns und zum Krauch- 
thal in schrofien Felswänden ab. 

FAULER QONZEN (Kt. St. Gallen, Bez. Sargans). 
Felsgruppe. S. den Art. Gonzen. 

FAULFIR8T (QR088 u. KLEIN) (Kt. St. Gallen, 
Bez. Sargans und Werdenberg). 2385 und 2368 m. Zwei 
bedeutende Gipfel, in der vom Gonzen bei Sargans zu den 
Chui^firsten ziehenden Kette des Alvier; schöne schlanke 
Felstürme mit hohen und, besonders auf der Seite gegen 
das Seezthal, terrassierten Felswänden. Von einander ge- 



SchmBf^hom 



J7as 




Briemerses 



Mtiet-esspiegel. 
Goologiaches Querprofil durch die Faulhorogruppe. 



i^,AHiitqer' sc. 



Ef. Flysc-h (Eocän); N. Neocom (Htulerivien); Be. Berrias schichten (Valtngien); M. Malm; D. Dogger; Z. Dogger. Lias, Trias 

u. Perm; Gn. Gneise des Aarmassivs. 



geheissen] über dem Dorf, dessen Abfluss, der Faulen- 
bach, in den Thunersee mündet. 
FAULENSEEBAD (Kt. Bern, Amtsbez. Nieder Sim- 



trennt durch die Faulfirstlücke. Weniger grossartig als 
der benachbarte Gamsberg und weniger besucht als der 
Alvier selbst. 



FAU 



FAU 



79 



FAUI.FIR8TL0CKE (Kt. St. Gallen, Bez. Sargans u. 
Werdenberg). 2309 m. Passübergang, zwischen Gross und 
Klein Faulfirst; verbindet die Malunalp mit der Altsassalp. 

FAUI.HORN (Kt. Bern, Amtsbez. Interlaken). 2683 m. 
Gipfel, in der nach ihm benannten Gebirgsgruppe zwi- 
schen Brienzersee einerseits, Grindelwald una Grosser 
Scheidegg andererseits, ein schon seit vielen Jahren oft 
besuchter Aussichtspunkt. Wird gewöhnlich von Grindel- 
wald aus über das Wirtshaus W^aldspitz auf einem guten 
Maultierpfad in 4Vt Stunden bestiei^en, kann aber auch 
auf gutem Weg von der Schynigen Platte aus in 3 Vi» vom 
Hotel auf der Grossen Scheidegg aus über die schönen 
Rasenflächen der Grindelalp in 4 oder endlich vom Giess- 
bach aus über den Hagelsee in 6 Stunden erreicht wei^ 
den. Etwas s. unter dem Gipfel in 2672 m ein kleiner 
Gasthof. Prachtvolle Aussicht, deren Glanzpunkt das wun- 
derbare Hochgebirgs- u. Gletschergebiet zwischen Wetter- 
liom und Blümlisalp bildet. Erste bekannte Besteigung 
die des Pfarrers Kuhn aus Grindelwald, der sie 1787 im 
Magazin für die Naturkunde Helveliens beschrieben hat. 
Das erste Panorama von Oberst Weiss aus Strassburg 



FAULHORN (Kt. Wallis, Bez. Brig). 2725 m. Gipfel, 
in der Gruppe des Bettlihorns; zwischen Rhone-, Ganter- 
und Binnenthal, über der Alpweide Im Staffel und für 
Kleinvieh zugänglich. Besteht aus jurassischen Gesteinen. 

FAULHORN (Kt. Wallis, Bez. Goms). 2554 und 
2525 m. Rasenbestandener Kamm, in der das Binnenthal 
vom Rappenthal scheidenden Kette, zwischen Eggerhorn 
und Schweifengrat. Schöner Aussichtspunkt, 3 Stunden 
nö. über Binn. Meist wird ihm aber von den Touristen 
das benachbarte Eggerhorn vorgezogen. 

FAULHORN (Kt. Wallis, Bez. Goms). 2872 m. Gip- 
fel, in der Gruppe des Blindenhorns, auf dem Kamm 
zwischen Griesgletscher und Langthal, nw. vom Gries- 
pass. Am SW.-Hanff ein Teil des Ritzgletschers und am 
SO.-Fuss der ganz Kleine Sulzfirn. 

FAULHORNGRUPPE (Kt. Bern, Amtsbez. Interla- 
ken und Ober Hasle). Hochgebirusgruppe und Kette der 
n. Kalkalpenzone, Unterabteilung der n. Hälfte der mäch- 
tigen Finsteraarhorngruppe ; benannt nach dem Bergstock 
des Faulhorns und begrenzt vom Brienzersee, Aarethal, 
dem Thal der Weissen Lütschine und der Grossen Scheid- 



Flnggcnberg 




46r 



^Weffhom 



Wcäerhöm 



1:160000 



¥Jf(bf*g^, 



Faulhorngruppa im Berner Oberland. 



aufgenommen und 1811 veröffentlicht; ihm folgte Stähli 
mit seinem Panorama, das der von Jos. Rud. Wyss 1816 
und 1817 publizierten Reise in das Bemer Oberland bei- 
gegeben ist ; zwischen 1816 und 1832 erschien in Bern das 
von Weibel aufgenommene Panorama und 1832 liess J. J. 
Schweizer seine Broschüre Das Faulhom im. Grindel- 
wald mit einem neuen Panorama von Franz Schmid er- 
scheinen. Ein erstes Haus, dem man etwas kühn den 
Namen eines Hotels beilegte, liess S. Blatter auf dem 
Faulhorn 1822/23 erbauen. 1832 entstand das noch heute 
stehende Gasthaus auf Kosten seines Besitzers, was damals 
als ein für einen Privatmann ganz ausserordentliches Un- 
ternehmen im Hochgebirge ealt. Schon 1831 bestieg man 
das Faulhorn zu Pferd über aie Bachalp, u. am 23. Januar 
1832, also mitten im Winter, erhielt es den Besuch des 
Solothumer Naturforschers Hugi und des Pfarrers Müller 
aus Grindel wald. 

FAULHORN (Kt. Wallis, Bez. Brig und Ost Raron). 
%75 m. Gipfel, im Kamm zwischen Nanz- oder Gamser- 
thal und dem Thal der Saltine (Simplonstrasse) ; sein nö 
Vorberg heisst Glishorn und sein S.-Grat Schönbühi. 
Leicht zugänglich, aber selten besucht. Resteht aus juras- 
sischen Gesteinen. 



egg. Es ist aber nicht das Faulhorn (2683 m) der höchste 
Punkt der Gruppe, sondern das Schwarzhorn (2930 m), 
das sich in dem der Felswand des Wetterhorns parallel 
ziehenden und von ihr durch die Grosse Scheidegg ge- 
trennten Kamm erhebt. 

Die Faulhorngruppe bildet das Verbindungsglied zwi- 
schen den Kalkalpen des Kienthaies und denen Unter- 
waldens. Sie besteht aus den Schichten des Dogger, der 
Ozfordschiefer, des Malm (Hochgebirgskalkes) und des 
Berrias (unteres Valangien). Alle diese Schichten liegen 
mehrfach übereinander und bilden eine Reihe von liegen- 
den Falten, die denen der Kreidekette des Brienzerrot- 
homs am gegenüberliegenden Ufer des Brienzersees ent- 
sprechen. Es folfft aus aen nö. Brienz und Meiringen und 
sw. des Thaies der Lütschine besonders deutlich sicht- 
baren Lagerungsverhältnissen, dass die Juraschichten der 
Faulhorngruppe nichts anderes sind als die Faltenkerne 
der Kreidefalten der Kette des Brienzerrothorns und dass 
das Ganze zusammen nur eine einzige grosse (durch un- 
tergeordnete kleine Falten biegungen weiter gegliederte) 
liegende Falte bildet, die auf das Tertiär (Flysch u. Num- 
mulitenkalk) aufgeschoben ist. Ein schmales Band ter- 
tiärer Gesteine steht noch auf der Grossen Scheidegg am 



80 



FAU 



FAU 



Fuss des Eiger und Wetterhoms an. Faulhorn (26S3 m), 
Rötihorn (2759 m), Schwarzhorn (2930 m) und Wildgerst 




Faulhorn (im Berner Oberland) von Osten. 

(2892 m) liegen in der gegen die Grosse Scheidegg zu all- 
mählig fallenden Doggerzone, der weiter gegen NO. auch 
noch die Schöniwan gshörner (2448 m) und das Tschingel- 
hörn (2324 m) angehören. 

Der NW.-Hang der Kette fallt in einer Reihe von durch 
die Malmfalten bedingten Stufen ab, zwischen denen in 
den durch Falten Verwerfungen gestörten Gewölbekernen 
die Oxfordschiefer und in den Muldenkernen die Schich- 
ten des Derrias zu Tage anstehen. Die schieferige Be- 
schaffenheit dieser leicht verwitterbaren Gesteinsschichten 
lässt eine Reihe von Terrassen flächen entstehen, die durch 
die Felswände des festen Malm von einander getrennt sind. 

Lägisthai und Giessbachthal sind in Ozfordgewölbe ein- 
geschnittene Längsthäler, während die Giessbachschlucht 
von Oberberg (am Fuss des Schwarzhoms) an die ver- 
schiedenen Fallenbiegunßen des Jura alle 
quer durchschneidet. Vergl. den Art. 
Schwarzhorn. 

Flora. In botanischer Beziehung ist die 
Gruppe des Faulhoms und besonders das 
Faulhorn selbst ein ausserordentlich rei- 
ches Gebiet. Wir geben im Folgenden nach 
Oswald Heers Abhandlung Ueber die ni- 
vale Flora der Schweiz das Verzeichnis der 
von verschiedenen Botanikern am Faulhorn 
zwischen ca. 2600 und 2683 m (Spitze) fest- 
gestellten Arten. Von echten Grasern und 
Cypergrasgewächsen finden sich Agrostis 
rupestris und A. alpina; Avena versicolor 
und A. subspicata; Poa alpina v. vivipara, 
P, brevifolia, P. laxa und P. annua; Ses- 
leria coerulea; Festuca putnila, F, ovina 
V. violacea und F. Halleri ; Phleutn alpi- 
num; sechs Secgenarten : Carex nigra^ 
C. foetida, C. lagopina, C. curvula^ C. 
sempervirens u. C. rupeslris. — Andere 
Monokotylen : Elyna scirpina ; Luzula 
spicata und L. spadicea ; Juncus Jac- 
quinii und Lloydta sef^otina. — Apetale 
Dikotylen : zwei Weiden, die Kraut-Weide 
{Salix herbacea) und Netz -Weide (Sa- 
lix retusa); dann Polygonum viviparuniy 
Schneeampfer [Rumex nivalis) und Oxyria 
digyna. — Compositen : Homogyne alpina, 
Alpenaster [Aster alpinus), Enperon uni- 
florus und E. alpinus; Gnaphalium supinxiw, Artemisia 
spicata, Achilleaatrata; Chrysanthemum alpinumu. Ch. 
leucantheniuni v. montanum ; Aronicuni scorpioides, 



Cirsiuni spinosissimum, Tarax<icum. offidnale, Leonto- 
don hispidus u. Crepis aurea. — Andere gamopetale Diko- 
tylen : Scabiosa lucida, Planlago monUtna 
und P, alpina, Phyleutna hemisphaericuni, 
Campanula pusilla und C. Scheuchzeri, 
Azaiea procumbens ^ Thymus serpyllum, 
Myosotis alpestris, Galium anisophyllurti 
und G. helveticum. — Primulaceen : fünf 
Arten von Mannsschild Androsace obttisi- 
folia, A, chamaejasme, A. glacialis, A. pur- 
bescens und A. fielvetica; das kleine Alpen- 
glöckchen {Soldanella pusilla) und die 
zwei Schlüsselblumen Primula farinosa 
und P. viscosa. — Scrophulariaceen : fünf 
Arten des Ehrenpreis Veronica alpina, V. 
fruticans, V, bellidwideSy V. aphylla und 
V. serpyllifolia ; dann Linaria alpina, 
Euphrasia minima^ Pedicularis versicolor 
und P, verticillata, — Am reichsten ver- 
treten sind Enziane und Steinbreche : 
Gentiana campestris, G. gkicialis, G. 
vernQy G. brachyphylla, G. bavarica, G. 
nivalis, G. vulgaris und G. eoccisa; Saxi- 
fraga aizoon^ S. oppositifolia, S. aspera 
V. bryoides, S, slellariSf S. muscoides, S. 
exarata, S, Seguieri und S. androsacea, 
— Ferner etwa ein Dutzend Rosaceen : 
Potentilla aurea, P. alpestris, P. gran- 
diflora und P. frigida ; Sibbaldia pro- 
cumbens, Dryas octopetala, Geum reptans 
u. G. montanum ; Alchimilla pubescens, 
A. glaberrima, A. pentaphyllea a. A. al~ 
pina. — Cruciferen: Arabis alpina, Caraamine alpina ; 
Draba aizoides und D. Wahlenbergii ; Thlaspi rotundi- 
folium, Capsella bursa pastoris, Hutchinsia alpina. 
— Caryophyllaceen : Alstne vema und A, sedoides, 
Moehringia ciliata, ArenaHa ciliata u. A. biflora, Slel- 
laria cerastioides, Cerastium an^ense v. strictum und 
C. latifolium, Sagina Linnaei, Silenevenosa u. S. aectu- 
lis. — Leguminosen : Trifolium caespitosum, T. badum 
u. T. pratense; Phaca astragalina, Oxylropis lappo- 
nica u. 0. campestris, Hedysarum obscurum. — Aus 
verschiedenen Familien: Ranunculus alpestris, R. gla- 
Cialis u. R. montanus; Aconitum napellus, Helianthe- 
mum alpestre^ Viola calcarata, Seaum atratum, und 
S. alpestre, Epilobium origanifolium, Liguslicum mu- 
tellina, Gaya simplex u. Carum carvi (der gemeine 




Faulhorn u. Siraelihorn von Norden. 

Kümmel). Es ist wahrscheinlich, dass mit den neuen 
Wegbauten und dem stets anwachsenden Strom der Be- 
sucher noch verschiedene andere, von 0. Heer nicht 



FAU 



FAV 



8i 



genannte Arten der Ebene ihren Weg auf das Faulhom 
gefunden haben. 

Dieser einzig in der Gipfelregion vorkommenden Zahl 
von mehr als 130 Arten gesellen sich noch eine Anzahl von 
anderen bei, die auf und aH den Kämmen^ den felsigen 
Hängen und um den kleinen Sägisthalsee herum sich fin- 
den. Wir nennen davon blos die interessantesten der der 
alpinen Zone angehörenden Typen: Anemone vemalis; 
Arabis pumila, Ä. bellidifolia und A. coerulea; Cardor- 
mine resedifolia ; Draba aizoides^ D. tomentosa und D. 
carinthiaea ; Silene rupestrisy Rhamnus puniila, Trifo- 
lium alpinum, Phaca frigida und Ph. australis, Sem- 
pervivum Doellianum, Siaxifraga mutala und S. aspera, 
Astrantia minor; die Compositen Edelweiss [Leontopo- 
dium alpinum), Arlemina mutellinn, Amica montana, 
Senecio aurantiacuSj Saussurea alpina, Hypochoeris uni- 
flora, Crepis grandiflora u. C. montana, Sayeria hyoseri- 
difolia ; mehrere Habichtskräuter, wie Hieracium auran- 
tiacum, H. alpinum^ H. glacialCf H. piliferum u. a. Be- 
merkenswert sind ferner noch das Rfiododendron inter- 
medium, ein Badtard von Rh. ferinigineum mit Rh. 
hirsutum ; Cerinthe alpina, Erinus alpinus, Tozzia alpina, 
Pedicularis tuberosa, Primula inlegrifolia, Rumex scu- 
tatus und R. arifolius, Empetrum nigrum,, Scheuchzeria 
palustris, Triglochin palustris, Potamogeton pectinatus 
(Sägisthalsee), die zwei ziemlich seltenen Orchideen Co- 
rallorhiza innata und Malaxis monophylla, Allium 
Victoriaiis, ferner eine Reihe von Se^genarten, wie 
Carex microstyla, C. canescens, C. aterrima, C, atrata, 
C. sparsiflora, ' C. capillaris, C. frigida, C. firma, und 
endlich noch einige Gramineen, wie Poa minor, P. nemo- 
ralis und P. Chaixii^ Festuca Scheuchzeri, 

Die so schon bedeutende Liste könnte mit Leichtigkeit 
noch vermehrt werden. Der grosse Florenreichtum der 
Faalhorngruppe erklärt sich zum Teil aus ihrer ab- 
wechslungsvollen topographischen Beschaffenheit, ihrer 
Höhenlage und der scnieferigen Natur eines Teiles der 
sie aufbauenden Gesteinssenichten. Immerhin ist es 
anzunehmen, dass auch die eigenartige Lage der Gruppe 
einen Einfluss auf ihr Pflanzenkleid gehabt hat. Vor 
die mächtigen Massive der Jungfrau und des Finster- 
aarhorns und hinter den tiefen Einschnitt des Brien- 
zersees gestellt, hat die Faulhorngruppe unzweifelhaft 
schon wahrend der Glazialzeiten und aann zur Zeit des 
Rückganges des grossen diluvialen Oberländer Glet- 
schers eine eisfreie Insel gebildet, die einer Anzahl von 
alpinen und nivalen Pflanzenarten als Zufluchtsort gedient 
hat. Diese haben sich danHi vielleicht 
hier bis heute gehalten. Näheres siehe 
bei Guthnick. Die Flora des Faulr, 
Schwab' u. Schwarzhomes (in Schwei- 
zer, J. J. Das Faulhom im, Grindel- 
ufald .... Bern 1832). Für Moose s. 
Schimper, W. Th. Reiträge zur Flora 
des Faulhcms (in Flora. Bd 22, 1839). 

FAUX (PAS DE LA) (Kt. Wallis, 
Rez. Entremont). 1350 m. Einschartung 
im NO.-Grat des Mont Catogne, mit 
Spuren eines einstigen Weges ; verbin- 
det die Hänge von Le Fay (Gemeinde 
Sembpancher) mit der Fordt du Dailley 
und dem am linken Ufer der Dranse 
gelegenen Weiler La Garde. 

FAVA (LA) (Kt. Wallis,. Bez. Ck)n- 
Ihey). 2614 m. GipfeL, in der kurzen 
Kette zwischen den Thälern der Morge 
und Lizeme, s. vom Sanetschpass und 
0. über den Karrenfeldern von Miet u. 
Zanlleuron. Der schöne Felsturm wird 
vom Hotel auf dem Sanetsch aus be- 
stiegen, allerdings nicht häufig, obwohl 
er keine ernstlichen Schwierigkeiten 
bietet. Der die Fava mit dem s. gelege- 
nen Mont Gond (2701 m) verbindende 
Gral wird vom Pass der sog. Croix , de 
Trente Pas (2350 m] überschritten. 
Ein nach NO. vorgescnobener Ausläu- 
fer, der sich so. über dem Col de Cleuson (zwischen 
Sanetschpass und Pas du Porteur de Bois) erhebt, heisst 
bei den Einheimischen Töte de Terre Noire (2469 m) u. 



ist auf der Siegfriedkarte unbenannt ; er kann vom Col 
de Cleuson aus in Vi Stunde mit Leichtigkeit erstiegen 
werden. Malmkalk. 

FAVARQE (LA> (Kt. und Bez. Neuenburg, G^m. La 
Coudre). 470 m. C^ruppe von alten Häusern, 2 km ö. 
Neuenburg, zwischen den Bahnlinien Neuenburg-Biel 
und Neuen bürg -Bern gelegen. 8 Häuser, 62 reform. Ew. 
Der Name Favarge stammt von einer einstigen an der 
Yy d'£traz gestandenen Eisenschmelze oder Schmiede 
(forge) her. Ein Weinberg dieses Namens kam 1193 an 
das Kloster Fontaine Andrä; ein Wohnhaus hier 
1279 urkundlich erwähnt. Das grösste Haus der 
Gruppe trägt das Datum 1522. — Favarge, Faverge, 
Favergeatte etc. bezeichnet Orte, wo sich einst faori 
oder favres, das heisst Schmiede und andere Eisen- 
arbeiter angesiedelt hatten. Weil der Bezug von Kohle 
von anderswoher höher zu stehen kam, als der Wert des 
ausgebeuteten Eisenerzes, verlegte man solche Orte oft 
mitten in den Wald, wo die Kohle an Ort und Stelle her- 
gestellt werden konnte. 

FAVAROeS (LE8) (Kt. Neuenburg, Bez. Le Locle, 
Gem. Les Ponts de Martel). 1069 m. Drei Meierhöfe; 2,5 
km sw. der Station Les Ponts de Martel der Schmalspur- 
bahn La Chaux de Fonds- Les Ponts de Martel. 20 reform. 
Ew. Viehzucht. 

FAVAULAZ D'AMONT und D'AVAUX (Kt. Frei- 
bui^, Bez. Greierz, Gem. Broc). 857 und 842 m. Zwei 
Häuser, am N.-Fuss der Dent de Broc und 2 km nö. 
Broc. 20 kathol. Ew. Viehzucht. 

FAVAZ (FOR^T DE LA) (Kt. Wallis, Bez. Harens, 
Gem. Nax).1600 m mittlere Hone. Ausgedehnte Waldung, 
über der Terrasse von Nax, auf dem Rücken und an den 
Hängen des Mont Gautier; zwischen dem Ursprungs- 
zirkus des in die Rhone mündenden Wildbaches D^ro- 
chiaz und der Waldung der Jeux Fralche (Gemeinde 
Vernamöge, im Thal der Borgne), die nur die Fortsetz- 
ung der Fordt de la Favaz ist. 

FAVERGE8 (LES) (Kt. Bern und Wallis). 2975 m. 
Gipfel, im verwitterten Autannaz^t, der den Wildstru- 
belgletscher im S. abschliesst; hinter dem obern Ende 
des Thaies der Zesse. Nummulitenlcalk. Schöner Aus- 
sichtspunkt, von Siders aus in 6 Stunden zu erreichen. 

FAVERQE8 (LES) (Kt. Waadt, Bez. Lavaux, Gem. 
Saint Saphorin). 500 m. Zwei Häuser, im ö. Teil und an 
einer der besten Lages des Weinbaubezirkes von Lavaux, 
an der Strasse Vevey-Moudon und 300 m nw. Saint Sa- 
phorin. 6 reform. Ew. Gehörten einem Rebgut an, das 




Les Faverges (Kt. Bern u. Wallis). 

Wilhelm von Gläne, der Gründer des freiburgischen 
Klosters Hauterive, diesem schenkte. Durch weitere 
Schenkungen von Seiten von Raymond de Chexbres, 

GEOGR. LEX. 50 — 11 — 6 



82 



FAV 



FED 



Gerold de Puydoux, Pieire de Montsalvens, Rodolphe de 
Chardonne und seiner Brüder, Jean de Puydoux, seiner 
Brüder Guillaume und Guichard und seines Sohnes Ray- 
mond im 12. Jahrhundert, von Seiten von Gautier de 
Blonay, Guillaume Comte du Genevois (1230 ; Enkel von 
Uta von Gläne, der Schwester des Gründers von Haute- 
rive), Rudolf von Greyerz und Maurice de Saint Sapho- 
rin im 13. Jahrhundert rundete sich dieser Besitz bald 
zu einer prachtvollen Domäne ab, die in den Urkunden 
des Mittelalters « Fabricae apud S. Suiforianum » heisst 
und nach der Aufhebung des Klosters Hauterive 1848 Ei- 
gentum des Staates Freiburg wurde. 

FAVERNACH (GROSS) (Kt. Freilmrg, Bez. Saane). 
Gem. und Dorf. S. den Art. Farvagny le Grand. 

FAVERNACH (KLEIN) (Kt. Freiburg, Bez. Saane). 
Gem. und Dorf. S. den Art. Farvagny le Petit. 

FAVRE (DENT), oder DENT AUX FAVRE (Kt. 
Wallis und Waadt). 2927 m. Gipfel der Waadtländer 
Hochalpen, zwischen Dent de Mordes und Grand Muve- 
ran ; mit prachtvoller Aussicht, die der vom benachbarten 
mächtigen Grand Muveran ebenbürtig ist, Früher allge- 
mein von den Hütten von Nant (bei Les Plans de Fre- 
nieres) aus in 6 Stunden, heute gewöhnlich von der 
Ramberthülte (auf der Frete de Sailles) aus in 3 Stunden 




Die Dent Favre, vom Petit Muveraa aus. 

bestiegen. Der Name des Gipfels bezieht sich sehr wahr- 
scheinlich auf einen einstigen Gemsjäger, der sich hier 
auf irgend eine Art einmal hervorgetan hat. Bei den 
Landleuten der Gegend ist der Name Dent aux Favre der 
gebräuchlichere. 

FAVUGN (Kt. Graubünden, Bez. Im Boden). Gem. 
und Dorf. S. den Art. Felsberg. 

FAY (Kt. Wallis, Bez. Monthey, Gem. Trotstorrents). 
797 m im Mittel. 6 Häuser, zum Gemeindeabschnitt Che- 
valier der Gemeinde Troislorrents gehörig, dessen Ein- 
zelsiedelungen zerstreut über beiden Ufern der Viöze 
liegen. Fay der zentralen Häusergruppe der Gemeinde 
gegenüber auf einer grünenden Terrasse über dem 
rechten Ufer der Vieze. 44 kathol. Ew. 

FAY (LE) (sprich Fei) (Kt. Wallis, Bez. Martinach, 
Gem. Martinach Combe). 975 m. Gruppe von 9 Häusern, 
unterhalb der von der Strasse Martinach-La Forclaz-Cha- 
monix in der Mitte der Combe von Martinach gebildeten 
Kehren, zwischen Le Sergnieux und Chanton ; 2.3 km 
sw. La Croix und 4,5 km sw. Martinach Stadt und 5,3 
km sw. der Station Martinach der Simplonbahn. 62 ka- 
thol. Ew. Kirchgemeinde Martinach. Acker- und Obstbau^ 
Viehzucht. 

FAYAULAZ (Kt. Freiburg, Bez. Greierz, Gem. La 
Roche). 838 m. Gruppe von 6 Häusern, am S.-Fuss des 
Mont Combert, 700 m n. La Roche und 13 km nö. der 



Station Bulle der Linie Romont- Bulle. 25 kathol. Ew. 
Viehzucht uud Milchwirtschaft. 

FAYOT (NANT DE) (Kt. Wallis, Bez. Monthey). 
1920-740 m. Wildbach, linksseitiger Zufluss zur Vieze ; 
bildet die Grenze zwischen den Gemeinden Val dllliez 
und Troistorrents. Sammelt die Wasser der Alpweiden 
von L'Haut, Champey und La Foilleusaz und mündet 
durch ein schmales Tobel nach 5 km langem Lauf in die 
Vieze. Im Juli 1900 hat eiu Hochwasser des Wildbaches 
die damaligen Verbauungsarbeiten zum grossen Teil 
wieder zerstört. 

F^CHY (Kt. Waadt, Bez. Aubonne). 492 m. Gem. 
und Dorf, am Hang der Moräne La Cote im Weinbaube- 
zirk dieses Namens, nahe der Strasse Aubonne-Nyon (der 
sog. Vy d'fitraz) ; 2,3 km sw. Aubonne und 1,4 km nö. 
der Station Perroy der Linie Lausanne-Genf. Postablage, 
Telephon. Gemeinde, mit Saugey und La Bossenaz: 52 
Häuser, 330 reform. Ew. ; Dorf: 20 Häuser, 125 Ew. Äcker- 
und Weinbau. Bei Messe-Jean, Le Bayet und Le Tombay 
Ueberreste römischer Bauten, an letzterm Ort auch ein 
Grabfeld aus der Burgunderzeit. 1180 : Fescheio. 

FECON (MONTAGNE DE) TKt. Wallis, Bez. Mon- 
they, Gem. Troistorrents). 1487-1900 m. Sommerweideii 
mit 4 Hätten, im obern Abschnitt des Val de Morgins, 
zwischen Pas de Morgins und Tete du 
G^nt und über dem linken Ufer der 
Vieze von La Tine. Eigentum der Bür- 
gergemeinden Troistorrents u. Mon- 
they. Der oberste Teil der Alpweiden 
bildet die Landesgrenze zwischen der 
Schweiz und Hoch Savoyen (Val d'Abon- 
dance). Es sömmem hier 80 Milchkühe. 
FEDERSTOCK oder PIZ 8UMI- 
VAL (Kt. Graubünden und Uri). 2928- 
2970 m. Stark zerscharteter Kamm mit 
mehreren Spitzen, in der Gruppe des 
Piz Giuf, 2 km sw. dieses Stockes und 
4 km nw. über Tschamut im obersten 
Abschnitt des Vorderrheinthals. Streicht 
von N.-S., trennt das obere Val de Val 
(Graubünden) vom obern Fellithal (Uri) 
und endigt im S. mit dem Piz Tiarms, 
der ö. über dem Oberalpsee und un- 
mittelbar über dem Passo Tiarms auf- 
steigt. Die einzelnen Spitzen selten be- 
stiegen, obwohl deren höchste vom 
Sumvalpass (zwischen ihr und dem 
Crispalt) aus in ^/^ Stunden ziemlich 
%v ^1 leicht zu erreichen ist. Es werden eben 
^l^jiij^^ von den in diesen Gegenden seltenen 
Touristen der Crispalt, Piz Giuf, Rien- 
zerstock u. a. dem Federstock vorgezo- 
gen. 
FEDI8TOCK (Kt. Uri). 2842 m. 
Gipfel, in der rechtsseitigen Wand aes bei Wassen auf 
das Reussthal ausmündenden Meienthals; Vorberg des 
Fleckistockes (3418 m). 

FEDOZ (Kt. Graubünden. Bez. Maloja). 2138-1800 m. 
Trüber Wilabach, Abüuss des Fedozgletschers ; durch- 
iliesst mit starkem Gefälle in nnw. Bichtung das Fedozthal 
und mündet nach 5 km langem Lauf in den Silsersee, in 
den er ein grosses Delta hinausgebaut hat. 

FEDOZ (FUORCLA) (Kt. Graubünden, Bez. Maloja). 
Ueber 3000 m. Passübergang, zu hinterst über dem Fedoz- 
thal und unmittelbar ö. vom Monte deirOro. Verbindet 
das Fedozthal mit La Chiesa im italienischen Val Ma- 
lenco. Sehr wenig begangen. 

FEDOZ (VADRET DA) (Kt. Graubünden, Bez. Ma- 
loja). 3100-2138 m. Grosser Gletscher, im obersten Ab- 
schnitt des Fedozthales und am N.-Hang der Grenzkette 
zwischen der Schweiz und Italien. Ist einer der schönsten 
und grössten Gletscher im ßernina Massiv, mit weitem 
Firn&ld und 4 km langer Zunge; nahe der Kammlinie 
4 km breit. Gletscherzunge im obern Teil steil abfallend 
und stark zerklüftet, im untern Teil weniger steil und 
leicht zu begehen. Sein Abfluss der Wildbach Fedoz. 

FEDOZ (VAL) (Kt. Graubünden, Bez. Maloja). Röchst 
gelegenes Seitenthal des Engadin, mündet bei Isola auf 
den Silsersee aus, in den der Thalbach ein schönes Delta 
hinausgebaut hat. Das Thal wird begleitet links von den 



FEE 



FfiE 



zahlreichen Gipfeln und den kleinen Gletschern nnd 
Firnfelflern der Kette des Piz della Margna, rechts von 
der vom Piz Güz nach N. abzweigen- 
den und rasch an Höhe abnehmenden 
Kette; den Thalabschluss bildet die 
nach S. steil abfallende und nach N. 
mit dem grossen Fedo7glet8cher beklei- 
dete Grenzketle zwischen der Schweiz 
und Italien, aus der der Piz Fora (3370 
m), Monte deirOro (3153 m) und Monte 
Muretto (3107 m) aufsteigen. Vom Fuss 
des Fedozgletschers steigt das Thal in 
nnw. Richtung auf eine länge von 5 km 
ab. Es ist überall eng und bildet nir- 
gends einen nennenswerten Thalboden. 
Liegt über 2000 m Höhe und hat da- 
her ein ausserordentlich rauhes Klima. 
Keine Hütten. Die magern Alpweiden 
dieser steilen Hänge nähren noch Schaf- 
herden und sind ein selten gestörter 
Zufluchtsort für Gemsen und Murmel- 
tiere. Auch von Touristen nur wenig 
besucht, da die Anstiegsrouten auf den 
Piz della Hargna, einen der besuchtes- 
ten Gipfel des Ober Engadin, das Val 
Fedoz umcehen oder nur zu olierst an 
seinen Hangen berühren. Schönes 
Uochalpenthal, das aber an Grossartig- 
keit seine beiden Nachbarn, das Val Fex und Val Mu- 
retto, nicht erreicht. 

FEE oder 8AA8-FEE (Kt. Wallis, Bez. Visp). 1798 m. 
(jem. und Dorf, zum Unterschied von Saas- Im Grund 
meist unter dem Namen Saas - Fee bekannt ; in einem 
weiten, amphitheatralisch ansteigenden Thalkessel, der 
von einer Reihe von vom Dom, Alphubel und Allalinhorn 
absteigenden mächtigen Gletschern geschlossen wird. 
Dieser ganze Halbkreis, dessen grossartigstes Schluss- 
stnck der Feegletscher bildet, liegt auf Boden der Ge- 
meinde Fee. Postbureau, Telegraph. Besteht aus den zwei 
zum Dorf Fee sich gruppierenden Siedelungen Gasse und 
Lohmatten und zählt zusammen 37 Häuser mit 280 kathol. 
Ew. Früher der Kirchgemeinde Saas (Kirche Im Grund) 
zugeteilt, seit 1896 eigene Kirchgemeinde mit schöner 
Kirche. Das Dorf ist im Begriff, sich zu einer Hochalpen- 
station ersten Ranges zu entwickeln und zählt heute schon 



um zwischen den Dörfern Bödmen und Im Grund von 
links in die Saaser Visp einzumünden. Vergl. Noelle, Ro- 





Fee, von Westen. 

zahlreiche Gasthöfe. Es liegt auf einer anmutigen Terrasse 
link<t über den wilden tannenbestandenen Schluchten, 
durch die die Feevisp schäumend sich ihren Weg bahnt. 



Feegletscher, von Nordosten. 

j*er. Saas-Fee et la vallee de la Viege de Saas. Geneve 
1901. — Dübi, Heinrich. Saas-Fee und Umgebung. Bern 
1902. 

FEEQLET8CHER (Kt. Wallis, Bez. Visp). Einer der 
grössten Gletscher der Schweiz, Fläche 18 km*; am NO.- 
Gehänge des Saasgrates, zwischen Sudlenzspitze u. Allalin- 
horn (Gruppe der Mischabelhömer). Schöne Eisfälle. Im 
untern Abschnitt durch die die kleine Gletscheralp tra- 
gende Längefluh in den Obern Fee(5letscher rechts und 
den Untern Feegletscher links geschieden. Beim Aufstieg 
von Saas-Fee aus über die Gletscheralp und Langettuh 
zum Alphubeljoch muss der Gletscher seiner ganzen Länge 
nach begangen werden. Er wird gespiesen durch die ober- 
sten Firnfelder am Allalinhorn, Feekopf, Alphubel, Täsch- 
horn, Dom und an der Südlenzspitze; beginnt in einer 
mittlem Höhe von 3800 m und steigt bis 2^ m ab. Sein 
Abfluss ist die von links in die Saaser Visp einmündende 
Feevisp. Der grossartige Gletscher ist 
von Fee und seinen Umgebungen aus 
prachtvoll zu sehen. 

FEEJOCH oder FEEPA88 (Kt. 
Wallis, Bez. Visp). 3812 m. Passübei^ 
gang, im Saasgrat zwischen Allalinhorn 
und Feekopf (Gruppe der Mischabel- 
hörner) ; verbindet Saas-Fee über den 
Fee- und Mellichengletscher mit der 
Täschalp in 8 Stunden. Dient als Ueber- 
gang von Fee nach Zermatt und umge- 
kehrt und als Fusspunkt für die Be- 
steigung des AUalinhoms. 

FEEKOPF oder MELLICHEN- 
HORN (Kt. Wallis, Bez. Visp). 3^2 m. 
Schneedom, in der Gruppe der Mischa- 
belhömer, auf dem Saasgrat zwischen 
Feejoch und Alphubeljoch ; von beiden 
Pässen aus in wenigen Minuten zu be- 
steigen. Von Saas-Fee aus ohne Schwie- 
rigkeit in 5 Stunden erreichbar. 

FEEPA88 (Kt. Wallis, Bez. Visp). 
3812 m. Passübergang. S. den Art. Fee- 
Joch. 

FEERACH (Kt. Zürich, Bez. Hinwril, 
Gem. Rüti). Weiler. S. den Art. Fer- 

RACH. 

FEERBERQ(Kt. Wallis, Bez. Brig, 
Gem. Simpeln). Bewaldeter Berghang 
mit zahlreichen, zwischen 1473 und 1894 
m gelegenen Maiensassen, steigt vom 
Seehorn nach W. bis zur Ausmün- 
dung des Laquinbaches, 2 km ö. Algaby, ab. 

F6E8 (GROTTE DE8 oder GROTTE AUX) (Kt. 
Wallis, Bez. und Gem. Saint Maurice). 500 m. Höhle, mit- 



84 



FgE 



FEL 



ten im Wald zwischen dem W.-Ende der Brücke von 
Saint Maurice und dem Plateau von Värossaz. Aufstieg 
über den hinter dem Schlosse vorbeifährenden Zickzack- 
weff. Die zahlreichen Besucher der mit einem Gitter abge- 
schlossenen und von einem Wächter gehüteten Höhle be- 
zahlen seit 1863 zu Gunsten des Waisenhauses von Saint 
Maurice ein Eintrittsgeld. Die Höhle ist noch nicht völlig 
erforscht ; 700 m vom Eingang entfernt ist sie durch ein 
Haufwerk von Blöcken gesperrt, und hier erlöschen auch 
die Lampen. Am Boden mitten in einer hohen Halle ein 
kleiner See, in den sich mit schönem Fall ein Bach er- 
giesst. Zur Kenntnis der Höhle und zur Hebung ihres 
Besuches hat besonders Alexander Dumas Vater vieles 
beigetragen. 

f6E8 (LA CÖTE AUX) (Kt. Neuenburg, Bez. Val 
de Travers). Gemeinde. S. den Art. Cöte aux FfeES (La). 

FEGO (Kt. Appenzell L R., Gem. Oberegg). 972 m. 
6 zerstreut gelegene Häuser, 5 km nw. über der Station 
Rebstein der Linie Rorschach-Sargans-Chur und 3,5 km 
8. Oberegg. 32 kathol. Ew. Landwirtschaft. Stickerei als 
Hausindustrie. 

FEHLWIES (Kt. Thurgau, Bez. Arbon, Gem. Salms- 
ach). 427 m. Weiler, nahe dem rechten Ufer der Aach : 
2,2 km sw. Salmsach u. 3,5 km sw. der Station Romans- 
hom der Linie Winterthur-Frauenfeld-Romanshorn. 11 
Häuser, 59 zur Mehrzahl reform. Ew. Wiesenbau. 

FEHRALTORF (Kt. Zürich, Bez. Plaffikon). 536 m. 




Fehraltorf. 

Gem. und Pfarrdorf, an der Strasse Winterthur - Hinwil 
und 3 km nw. Pfafßkon. Station der Linie Efl'retikon-Hin- 
wil. Postbureau, Telegraph, Tele{|hon ; Postwagen nach 
Wildberff und Turbenthal. Gemeinde, mit Mesikon und 
Rüti: 186 Häuser, 938 zur Mehrzahl reform. Ew.; Dorf: 
153 Häuser. 715 Ew. Hauptbeschäftigung der Bewohner 
ist die Lana Wirtschaft. Daneben auch etwas Industrie : 
je eine Seidönzwirnerei, Zündholz- und Maschinenfabrik, 
Thonwaarenfabrik und Ziegelei. Die sogen. Burg Rüti ist 
ein ehemaliji^es Refugium mit dreifacher Umwailung. Auf 
der Lochweid mehrere Grabhügel aus der Hallstatt Periode 
und im Speck Flachgraber aus der La Tene Zeit ; hier 
auch Ueberreste von römischen Bauwerken. Nahe dem 
Dorf Alemannengräber ; ein Betbur. Weder Burg noch 
Edelgeschlecht bekannt. Ging zusammen mit der Graf- 
schaft Kiburg an die Stadt Zürich über, die das Dorf dem 
Oberen Amt ihrer Landvogtei Kiburg zuteilte. Früher 
Rüeggisaltorf geheissen. Vergl. Lindenmann, Rud. Dir. 
Helvetier im Kampfe um, ihre Freiheil... Fehraltorf 1898. 
FEHREN (Kt. Solothurn, Amtei Thierstein). 585 m. 
Gem. und kleines Dorf, in einem rechtsseitigen Neben- 
thälchen zur Kleinlützel , im so. Winkel des Thaies 
von Laufen, an der Strasse nach Nunningen, 3 km so. 
Breitenbach und 6,5 km so. der Station Zwingen der Linie 
Basel-Delsberg. Postbureau, Telephon; Postwagen nach 
Laufen und Bretzwil-Breitenbach. 27 Häuser, 124 kathol. 
Ew. Kirchgemeinde Bretzwil-Breitenbach. Eidgenössi- 
sches Hengstendepot. Viehzucht u. Milchwirtschaft. Sei- 
denspinnerei. Oberer Gompholith (oberes Tertiär). 



FEHRENBACH (Kt. Zürich, Bez. u. Gem. Affoltem). 
480 m. Kleines Dorf, am rechten Ufer der Jonen u. 2 km 
nw. der Station Affoltem der Linie Zürich- Affoltern-Zog. 
12 Häuser, 119 reform. Ew. Gräber mit Skeleten, ohne 
Grabschmuck. 

FEHRENTHAL (Kt. Aargau, Bez. Zurzach, Gera. 
Leuggern). 400 m. Gruppe von 6 Häusern, 1 km s. Leu^- 
gern u. 4 km w. der Station Döttingen-Klingnau der Linie 
Turgi- Waldshut. 39 kathol. Ew. 

FEHRENWALT8BERO (Kt. Zürich, Bez. Hinviril, 
Gem. Bäretswil). 985 m. Gruppe von 8 Häusern, nahe der 
Wasserscheide zwischen Töss und Kempt, 2 km sw. der 
Station Fischenthal der Tössthalbahn und 3,3 km gö. Bä- 
retswil. 40 reform. Ew. 

FEILEN (Kt. Thurgau, Bez. und Gem. Arbon). 411 m. 
Weiler, 2 km w. der Station Arbon der Linie Korschach- 
Bomanshorn. 18 Häuser, 78 reform. Ew. Acker-, Obst- 
und Wiesenbau. Die männlichen Bewohner arbeiten in 
den Fabriken zu Arbon. 

FEISTEN BERQ, romanisch Val Buera (Kt. Grau- 
bünden, Bez. Glenner, Kreis Lugnez, Gem. St. Martin). 
1283 m. Gruppe von 3 Häusern, am NO.-Hang des Piz 
Begina, nahe dem linken Ufer des Valser Rhein ; 1,6 km 
s. §t. Martin und 17 km s. der künftigen Station Hanz der 
Linie Chur-Hanz. 14 kathol. Ew. romanischer Zunge. Alp- 
wirtschaft. 

FEITHIEREN (Kt. Wallis, Bez. und Gem. Leuk). 704 
m. Weiler, am linken Ufer der Rnone, 
zwischen aer Ausmündung des lUgra- 
bens und dem Dorf Aearen, 2 km von 
der Station La Souste der Simplonbahn 
und 2,5 km ssö. Leuk Stadt. 13 Häu- 
ser, 95 kathol. Ew. 

FELBEN (Kt. Thurgau. Bez. Frauen- 
feld). 400 m. Gem. und Pfarrdorf, am 
linken Ufer der Thur, an der Strasse 
Frauenfeld -Pfin-Konstanz und 5 km 
nö. Frauenfeld. Station der Linie Zü- 
rich- Winterthur- Frauenfeld -Bomans- 
horn. Postablage, Telephon. Gemeinde, 
mit Wellhausen : 105 Häuser, 573 zur 
Mehrzahl reform. Ew. ; Dorf: 51 Häu- 
ser, 258 Ew. Futterbau, Viehzucht und 
Milchwirtschaft. Sandpuben. Stickerei. 
1841 sind in einer Kiesgrube Knochen 
u. römische Münzen aufgefunden wor- 
den. Nahe dem Haus «Zur Römer- 
strasse» Alemannengräber und Reste 
der zur Murg ziehenden einstigen Rö- 
merstrasse. Feiben, vom althochdeut- 
schen felawa = Weide (Salix). 
FELD. Für sich und in Zusammensetzungen häufiger 
Ortsname der deutschen Schweiz. Althochdeutsch feld^ 
mittelhochdeutsch velt ; wie das französische plat von 
einer indoeuropäischen Wurzel plth = eben, breit sein 
abzuleiten. 

FELD (Kt. Aargau, Bez. Zofmgen, Gem. Strengelbach). 
448 m. Gruppe von 7 Häusern, an der Strasse Zofingen- 
Bog^wil, Teil des Dorfes Strengelbach und 2 km w. der 
Station Zofmgen der Linie Luzem-Olten. 54 reform. E^v. 
Kirchgemeinde Zofingen. Wiesenbau. Ein Teil der Bewoh- 
ner arbeitet in den Fabriken von Zofingen. 

FELD (Kt. Appenzell A. R., Bez. Mittelland, Gem. Teu- 
fen). 900 m. Sieben auf den Höhen zwischen Rotbach und 
Wattbach zerstreut gelegene Häuser; 1,3 km nw. der Sta- 
tion Teufen der Strassen bahn St. Gallen-Gais. 45 reform. 
Ew. Viehzucht. Stickerei u. Spinnerei als Hausindustrien. 
FELD (Kt. und Amtsbez. Bern, Gem. BoUigen). 740 m. 
Gruppe von 3 Bauernhöfen ; 3,5 km so. BoUigen und 5,5 
km nö. der Station Ostermundigen der Linie Bem-Thun. 
37 reform. Ew. 

FELD (Kt. Luzem, Amt und Gem. Entlebuch). 764 m. 
Weiler, 300 m ö. der Strasse Wolhusen-Escholzmatt und 
3,2 km nö. der Station Entlebuch der Linie Bem-Luzern. 
14 Häuser, 122 kathol. Ew. 

FELD (Kt. und Amt Luzem, Gem. Kriens). 587 m. 
Gruppe von 3 Häusern, in der Obemau, an der von Kriens 
ins Eigenthal führenden Strasse und 2,5 km sw. der Sta- 
tion Kriens der elektrischen Strassen bahn Luzern-Kriens. 
22 kathol. Ew. Acker- und Obstbau, Viehzucht. 



FEL 



FEL 



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FELD (Kt. und Amt Luzern, Gem. Malters). 500 m. 
Gruppe von 3 Häusern, an der Strasse Luzern-Wolhusen 
und 700 m ö. der Station Malters der Linie Bem-Luzern. 
30 kathol. Ew. Acker- und Obstbau, Viehzucht. 

FEI.D (Kt. Luzern, Amt Willisau, Gem. Altishofen). 
490 m. 19 am linken Ufer der Wigger zerstreut gelegene 
Häuser, 500 m s. Altishofen und 1 km nw. der Station 
Nebikon der Linie Luzem-Ollen. 128 kathol. Ew. Land- 
wirtschaft. Wollweberei. Eine mechanische Ziegelei. 

FELD (Kt. Obwalden, Gem. Kerns). 567 m. Gruppe 
von Häusern, an der Strasse Ennetmoos-Kerns und 1 km 
nö. Kerns. 36 kathol. Ew. 

FELD (Kt. St. Gallen, Bez. See, Gem. Gommiswald). 
700 m. Gruppe von 4 Häusern, 900 m ö. Gauen und 4,5 
km nö. der Station Uznach der Linie Rappers wil-Wesen- 
Sargans. 20 kathol. Ew. Kirchgemeinde Gauen. Vieh- 
zucht. 

FELD (Kt. St. Gallen, Bez. Ober Toggenburg, Gem. 
Ebnat). 995 m. Gruppe von 5 Häusern, zwischen zwei 
kleinen rechtsseitigen Zuflüssen zur Thur und 2,5 km n. 
der Station Ebnat-Kappel der Togeenburgerbahn. 31 ref. 
Ew. Viehzucht. Spinnerei und WeDerei. 

FELD (Kt. St. Gallen, Bez. Sargans, Gem.Walenstadt). 
800 m. Gruppe von 5 Häusern, am Walenstadterberg (S.- 
HaDg der Churfirsten) und 3 km nw. über der Station 
Walenstadt der Linie Rappers wil- Wesen-Sargans. 18 ka- 
thol. Ew. Fette Wiesen, Obstbäume. Schöne, vor Nord- 
winden geschützte Lage mit prächtiger Aussicht auf Wa- 
lensee, St. Galler- und Glameralpen. 

FELD (Kt. St. Gallen, Bez. Werdenberg, Gem. Grabs). 
479 m. 53 längs der Strasse Gams-Grabs zerstreut gelegene 
Häuser, 4 km nw. der Statipn Buchs der Linie Rorschach- 
Sarffans-Chur. 271 reform. Ew. Ackerbau und Viehzucht. 
Stickerei. 

FELD (Kt. Schwryz, Bez. Höfe, Gem. Feusisberg). 713 
m. Gruppe von 5 Häusern, an der Strasse Schindellegi- 
Feusi8k>erg, 400 m sw. Feusisberg und 2,5 km nö. der Sta- 
tion Schindellegi der Linie Wädenswil - Einsiedeln. 25 
kathol. Ew. Wiesen-, Obstr und Gemüsebau. Viehzucht. 

FELD (Kt. Schwyz, Bez. March. Gem. Reichenburg). 
500 m. Gruppe von 5 Häusern, zwischen Rütibach und 
Ber^libach und i km sw. der Station Reichenburg der 
Linie Zürich-Glarus-Linthal. 21 kathol. Ew. Ackerbau und 
Viehzucht. 

FELD (Kt. und Bez. Schwyz, Gem. Ingen bohl). 447 m. 
Kleines Dorf, auf fruchtbarer Terrasse am linken Ufer der 
Muota, 2 km nö. der Station Brunnen der Gotthardbahn. 
30 Häuser, 238 kathol. Ew. Wiesen- und Obstbau, Vieh- 
zucht. Seiden Industrie. Die ^nze Terrasse 1762 und 1764 
vom Hochwasser der Muota uberilutet ; im letztgenannten 
Jahr konnte man zwischen Ingenbohl und Ibach während 
vier Wochen nur mit Hilfe von Kähnen verkehren. Als 
im September 1799 die Russen bis zur Muota vordrangen, 
zogen sich die Franzosen über Feld zurück. 

FELD (Kt. Wallis, Bez. Visp, Gem. St. Nikiaus). 1121 
m. Kleine Gruppe von Häusern und Ställen, auf einem 
Rücken über der Mundung des Riedbachs in die Visp u. 
1 km nö. der Station St. Nikiaus der Linie Visp-Zermatt. 

20 kathol. Ew. 

FELD (Kt. Wallis, Bez. Visp, Gem. TörbelJ. 1308 m. 
Zwei Häuser, an fruchtbarem Hang, über dem linken Ufer 
der Zermatter Visp, an dem von Stalden nach Törbel hin- 
auffährenden Fussweg, 1 km s. Törbel und 1 Stunde w. 
der Station Stalden der Linie Visp-Zermatt. 12 kathol. Ew. 

FELD und OBER FELD (Kt. Zürich, Bez. Hinwil, 
Gem. Wald). 630^70 m. Sieben über dem rechten Ufer 
der Jona zerstreut gelegene Häuser; 1,5 km nw. der Sta- 
tion Wald der Tössthalbahn. 42 reform. Ew. 

FELD (Kt. Zürich, Bez. Hinwil, Gem. Wetzikon). 555 
m. Weiler, an der Strasse Kempten- Wetzikon, 600 m nö. 
Ober Wetzikon und nahe der Station Kempten der Linie 
Effretikon-Hinwil. Telephon. 21 Häuser, 100 reform. Ew. 
Seidenfabrik. Spen^lerei. Gasthof. Günstigst gelegener 
Abschnitt der Gememde Wetzikon. 

FELD (Kt. Zürich, Bez. Horgen, Gem. Hirzel). 675 m. 
Gruppe von 6 Häusern, 1 km sw. der Kirche Hirzel und 
3 km so. der Station Sihlbrugg der Linie Zürich-Thalwil- 
Zug. 28 reform. Ew. 

FELD (Kt. Zürich, Bez. Horgen, Gem. Thalwil). 480m. 

21 am Hang über dem linken Ufer des Zürichsees zer- 



streut gelegene Häuser, 600 m sw. über der Station Thal- 
wil der linksufrigen Zürichseebahn (Zürich-Wädenswil). 
217 reform. Ew. 

FELD (Kt. Zürich, Bez. Horgen, Gem. Wädenswil). 
621 m. Gruppe von 6 Häusern, an der Strasse Wädenswil- 
Schönenber^ und 2 km sw. über der Station Wädenswil 
der linksufrigen Zürichseebahn (Zürich-Wädenswil). 25 
reform. Ew. 

FELD (Kt. und Bez. Zürich, Gem. Altstetten). 412 m. 
Gruppe von 4 Häusern, 1 km von der Station Altstetten 
der Lmie Zürich-Baden-Brugg und 500 m von einer Halte- 
stelle der Limmatthal Strassenbahn. 34 reform. Ew. 

FELD (AEU88ER, MITTLER und OBER) (Kt. 
Nidwaiden, Gem. Stansstaad). 440-442 m. 3 Bauernhöfe, 
an der Strasse Stansstaad-Stans u. 700 m so. der Station 
S^nsstaad der Dampfboote und der elektrischen Bahn 
Stansstaad-Engelberg. 25 kathol. Ew. 

FELD (AUSSER) (Kt. Zürich, Bez. Meilen, Gem. 
Männedorf). Dorf. S. den Art. Ausserfeld. 

FELD (AUSSER und INNER) (Kt. St. Gallen, Bez. 
Alt Toggenhurg, Gem. Bütswil). 615 m. Zwei Gruppen von 
zusammen 10 Häusern, an der Strasse Wil - Lichtensteig 
und 1 km s. der Station Bütswil der Toggenburgerbahn. 
77 kathol. Ew. Ackerbau und Viehzucht. Stickerei und 
Weberei. 

FELD (HINTER) (Kt. Luzern, Amt Sursee, Gem. 
Grosswangen). 560 m. Neun auf einer Stirnmoräne des 
einstigen Reussgletschers zertreut gelegene Häuser, an der 
Strasse Kottwil-Grosswangeh, 7 km sw. der Station Sur- 
see der Linie Luzern-Olten und 1,5 km n. Grosswan^en. 
55 kathol. Ew. Ackerbau und Viehzucht. Schöne Aussicht 
auf die Berner Alpen. 

FELD (HINTER und VORDER) (Kt. Zürich, Bez. 
und Gem. Meilen). Weiler. S. den Art. Feldmeilen. 

FELD (IM) (Kt. Luzern , Amt Willisau, (^em. Fisch- 
bach). 720 m. Gruppe von 3 Häusern, 800 m so. Fischbach 
und 2,5 km n. der Station Zell der Linie Langenthal-Wol- 
husen. 25 kathol. Ew. Kirchgemeinde Zell. Kapelle. Acker- 
bau und Viehzucht. 

FELD (IM) (Kt. Wallis, Bez. Goms, Gem. Binn). 1568 
m. Gruppe von 8 Häusern, im Binnenthal ; 2,5 km w. 
Schmidigenhäusern, dem Hauptort des Thaies. Am rech- 
ten Ufer der Binna und im Winkel zwischen dieser und 
der Mündung des von der Galenalp herabkommenden 
Wildbaches. 46 kathol. Ew. In der Nachbarschaft seltene 
Mineralien. 

FELD (KLEIN) (Kt. Aargau, Bez. Kulm, Gem. Men- 
ziken). 590 m. Gruppe von 4 Bauernhöfen, am linken Ufer 
der Wina, 1 km s. Menziken und 2 km s. der Station 
Heinach der Zweiglinie Bein wil -Reinach der Seethalbahn. 
70 reform. Ew. 

FELD (KLEIN) (Kt. Luzern, Amt Sursee, Gem. Trien- 
gen). 505 m. Gruppe von 5 Häusern, an der Strasse Sur- 
see-Aarau, 600 m n. Triengen und 9 km n. der Station 
Sursee der Linie Luzern-Olten. 27 kathol. Ew. Landwirt- 
schaft. 

FELD (NIEDER) (Kt. Zürich, Bez. Meilen, Gem. 
Hombrechtikon). 505 m. Weiler, an der Strasse Stäfa- 
Hombrechtikon, 500 m sw. Honlbrechtikon und 3 km nö. 
der Station Stäfa der rechtsufrigen Zürichseebahn (Zürich- 
Meilen-Rapperswil). 11 Häuser, 43 reform. Ew. 

FELD (NIEDER) (Kt. Zürich, Bez. Winterthur, Gem. 
Wülilingen). 423 m. Gruppe von 6 Häusern, am O.-Fuss 
des Beeren bergs und 600 m nw. der Station Wülflingen 
der Linie Winterthur-Bülach. 31 reform. Ew. 

FELD (OBER) (Kt. Appenzell A. R., Bez. Mittelland, 
Gem. Teufen). 967 m. Gruppe von 5 Häusern, 1,8 km n. 
Bühler und 3 km ö. der Station Teufen der Strassenbahn 
St. Gallen-Gais. 39 reform. Ew. Viehzucht. Weberei. 

FELD (OBER) (Kt. Bern, Amtsbez. u. Gem. Frutigen). 
900 m. 59 zerstreut gelegene Häuser und Fraktion der 
Gemeinde Frutigen, zwischen dem Leimbach und Bräsch- 
genbach. zwei kleinen linksseitigen Zuflüssen zum Engst- 
ligenbacn, 800 m w. Frutigen. 311 reform. Ew. 

FELD (OBER) (Kt. und Amt Luzern, Gem. Root). 
425 m. Sieben nahe dem rechten Ufer des Kon zerstreut 
gelegene Häuser, 2,2 km sw. der Station Gisikon der Linie 
Zürich-Luzern. 57 kathol. Ew. 

FELD (OBER) (Kt. Luzern, Amt Sursee, Gem. Gross- 
wangen). oOO m. Sechs am W.-Hang des Leidenbergs zer- 



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Streut gelegene Bauernhöfe, an der neuen Strasse Sursee- 
Grosswangen, 5 km 8W. der Station Sursee der Linie 
Luzern - (Jlten und 1,5 km nö. Grosswangen. 40 kathol. 
Ew. 

FELD (OBER) (Kt. St. Gallen, Bez. Ober Tog^en- 
burg, Gem. Nesslau). 815 m. Weiler, an einem kleinen 
linksseitigen Zulluss zur Thur, 2 km nw. Nesslau und 6,2 
km so. der Station Ebnat-Kappel der Toggenburgerbahn. 
58 reform. Ew. Viehzucht. Stickerei und Weberei. 

FELD (OBER) (Kt. Zürich, Bez. Hinwil, Gem. Wald). 
Häusergruppe. S. den Art. Feld. 

FELD (OBER u. UNTER) (Kt. Aargau, Bez. Aarau, 
Gem. Gränichen). 425 m. Zwei Gruppen von zusammen 
10 Häusern, an der Strasse Suhr-Kulm, 3 km so. der Sta- 
tion Suhr der Linie Aarau-Suhr-Zofingen und 1,2 km so. 
Gränichen. 68 reform. Ew. 

FELD (OBER u. UNTER) (Kt. Aargau, Bez. Kulm, 
Gem. Oberkulm). 480 m. Weiler, mit 18 an der Strasse 
Menziken-Aarau zerstreut gelegenen Häusern, 300 m n. 
Oberkulm und 8 km ssö. der .^talion Suhr der Linie 
Aarau-Suhr-Zofingen. Postbureau Oberkulm, Telephon 120 
reform. Ew. Kirchgemeinde Unlerkulm. Landwirtsclialt. 
Buntweberei und Schuhwaarenfabrikalion. 

FELD (OBER und UNTER) oder STADTFELD 
(Kt. Bern, Amtsbez. Interiaken, Gem. Unterseen). 568 m. 
Zusammen mit Bohnern 30 am linken Ufer des Lombachs 
zerstreut gelegene Häuser, 2 km w. der Slalion Interiaken 
und 1,5 km w. Unterseen. 235 reform. Ew. 

FELD (UNTER) (Kt. Aargau, Bez. Zofingen, Gem. 
Oflringen). 420 m. Gruppe von 4 Häusern, 500 m w. Of- 
tringen u. 700 m so. der Station Aarburg der Linie Olten- 
Bern. 50 reform. Ew. Kirchgemeinde Zofingen. 

FELD (UNTER) (Kt. Luzern, Amt Willisau, Gem. 
Egolzwil). 50o m. Gruppe von 4 Häusern, am rechten 
Ufer der Wigger, nahe dem Egolzwilersee, 1 km w. 
Egolzwil und 1,5 km 8Ö. der Station Nebikon der Linie 
Luzern-Olten. 40 kalhol. Ew. Kirchgemeinde Egolzwil- 
Wauwil. Landwirtschaft. 

FELDBACH (Kt. St. Gallen, Bez. Neu Toggenbure). 
Kleiner Bach ; entspringt an den O.-Hängen des Tweralp- 
spitzes (1335 m) und der Kreuzegg (1317 m), fliesst meist 
durch oft nur längs seiner Ufer in schmalen Streifen ste- 
henden Waldungen und mündet nach 5 km langem Lauf 
bei Wattwil (619 m) von links in die Thur. 

FELDBACH (Kt.Thurgau.Bez. und Gem. Steckbom). 
401 m. Weiler, auf einer Landzunge am S.-Ufer des Unter- 
sees, in reizender La;;e, sw. des Dorfes und 400 m w. der 
Station Steckborn der Linie Konstanz - Etzwilen - SchaU- 
hausen. Telephon. 14 Häuser, 96 reform. Ew. Eine grosse 
Maschinenfabrik mit GIcsserei beschäftigt 130 zur Mehr- 
zahl in Steckborn wohnende Arbeiter und ist mit der 
Station Steckbom durch Geleiseanschluss verbunden. Obst- 
u. Weinbau. Bis 1895 stand in Feldbach ein weilbekanntes 
ehemaliges Nonnenklostor, dessen zierlicher Turm und 
Flügel von altertumlicher Architektonik der Gegend einen 
ganz besonderen Beiz verliehen. Wurde 1253 an der Stelle 
einer alten Burg erbaut, die der Ritter Kuno von Feld- 
bach mit Zustimmung seiner Oberherrn, der Freiherren 
von Klingen, um 100 Pfuhd Silber an die Schwestern des 
Klosters Auf der Brücke in Konstanz verkauft hatte. Die 
neuen Eigentümer richteten das Kloster Feldbach nach 
den Regeln des Zisterzienser! nnenordens ein. Infolge von 
zahlreichen Schenkungen von Seiten der Herren von 
Klingen, der Aebte von Reirhcnau und der Bischöfe von 
Konstanz j^elangte das neue Kloster bald zu beträchtlichem 
Grundbesitz, der sich auf beide Seiten des Sees verteilte 
(Eugerswil, Reutenen, Hemmenhofen, Basadingen, Stamm- 
heim). 400 Aren Landes wurden vom Kloster selbst be- 
wirtschaftet, 600 Aren waren verpachtet. Im Kloster 
lebten 16 Nonnen und 6 Laienschwestern. Nach der Auf- 
hebung des Klosters im Jahre 1848 ging das Gebäude zu- 
nächst in den Besilz der Bürgergemeinde Steckbom über, 
wurde dann zu verschiedenen industriellen Zwecken 
(Giesserei, Schlosserei elc ) verwendet und kam schliess- 
lich als Eigentum an die Bank in Winterthur. 1895 durch 
eine Feuersbrunst zerstört, wobei der ganze viereckige 
Gebäudekomplex mitsamt der Kirche unter betäubendem 
Lärm einstürzte. Es ist nur das sog. Altkloster, eine aus 
dem 16. Jahrhundert stammende bemerkenswerte Baute, 
übrig geblieben. Seither ist hier eine Petrol- und Benzin- 



motorenfabrik erbaut worden. Kirche und Oratorium des 
Klosters enthielten Ueberreste von Wandmalereien ; aus 
diesem Kloster stammt auch der im schweizerischen Lan- 
desmuseum zu Zürich auf bewahrte Grabstein eines Rit- 
ters von Klingen und einige im Museum zu Fraueofeld be- 
findliche Triptycha. (Vergl. darüber Bahn, J. R. Die mit- 
telaUerl. Architektur- und Kunstdenkmäler des Kantans 
Thurgau. Zürich 1899). Im Turgi, zwischen Steckbom 
und Feldbach, grosser Pfahlbau aus der Steinzeit. 

FELDBACH (Kt. Wallis, Bez. Goms). Wildbach; 
entspringt in 2700 m einem kleinen Gletscher zwisclien 
Hölzlihorn und Turbhorn, durchfliesst in der Richtung 
NO.-SW. die durch ihre einstigen Eisengroben bekannte 
Alp Feldbach (2427 m) und das kleine Feldbachthal, tritt 
ins Binnenthal aus und mundet zwischen den beiden Wei- 
lern Giessen und Im Feld in 1500 m von rechts in die 
Binna. 

FELDBACH (Kt Zürich, Bez. Meilen, Gem. Hom- 
brechtikon). 421 m. Weiler, am rechten Ufer des Zurich- 
sees, an der Seestrasse Zürich-Bapperswil und 2,2 km so. 
Hombrechtikon. Station der rechtsufrigen Zürichseebahn 
(Zürich-Meilen-RapperswU). Postbureau, Telegraph, Te- 
lephon. 17 llänper, 97 reform. Ew. Weinbau. Bierbrauerei. 

FELDBACHTHAL (Kt. Wallis, Bez. Goms). 270ü- 
1500 m. Kleines rechtsseitiges Nebenthal zum ßinnenthal, 
in das es unterhalb Im Feld ausmündet; steigt in sw. 
Richtung vom Hölzlihorn undiTurbhorn ab, wird durch 
den Schweifengrat im N. vom Rappenthal und durch das 
Gandhorn im S. vom obern Binnenthal geschieden. Vom 
Feldbach entwässert. 

FELDBRUNNEN (Kt. Solothurn, Amtei Lebern, 
Gem. Feldbrunnen-St. Nikiaus). 452 m. Dorf, am linken 
Ufer der Aare, an der Strasse Basel-Solothurn und 2,2 km 
nö. Solothurn. Postablage, Telephon; Postwagen Solo- 
thurn-Niederbipp. 27 Häuser, 275 kathol. Ew. Kirchge- 
meinde St. Nikiaus. Viehzucht und Milchwirtschaft. Ein 
Teil der Bewohnerarbeitet in den Fabriken von Solothurn 
und Umgebung. Kiesgruben, ^eimat des berühmten Ma- 
lers Frank Buchser (f 1890), dessen Grab auf dem Kirch- 
hof zu St. Nikiaus eine schöne Bronzebüste von Max Leu 
ziert. Hier liegen auch der bekannte Bomanschriftstt^ller 
Charles Sealsfield (Karl Postel), der Geologe Amanz 
Gressly und der Bildhauer Max Leu begraben. Römische 
Münzen. 

FELDEN (Kt. Bern. Amtsbez. Thun, Gem. Sigriswil). 
Anderer Name des Dorfes Endorf. S. diesen Art. 

FELDI (Et. Zürich, Bez. Winterthur, Gem. Ellikon). 
377 m. Gruppe von 7 Häusern, nahe dem linken Ufer der 
Thqr,- 2,5 km nö. Ellikon und 3,5 km nö. der Station 
Thalheim der Linie Winterthur-Etzwilen-Singen, 40 re- 
form. Ew. Hatte früher unter den Hochwassern der Thur 
stark zu leiden. Auf der Siegfriedkarte unrichtig Veldis 
geschrieben. 

FELDISi romanisch Veulden fKt. Graubünden, Bez. 
Heinzenberg, Kreis ßomleschg). 14/2 m. Gem. und Pfarr- 
dorf, auf schöner Terrasse am W.-Hang der Faulhorn- 
kette, 6 km sw. über der künftigen Station Ems der Linie 
Chur-Ilanz. Postablage. 3t Häuser, 130 reform. Ew. roma- 
nischer Zunge. Alpwirtschaft. Römische Münzen. 

FELDI8ER ALP (Kt. Graubünden. Bez. Heinzen- 
berg, Kreis Domleschg, Gem. Feldis). 1935 m. Alpweide 
mit Gruppe von 17 Hütten nnd Stadeln, am W.-Hang des 
hreibündenstpins, nahe dem kleinen See Palus und 2,5 
km nö- über Feldis. 

PELDLE (Kt. St. Gallen, Bez. Gossau, Gem. Strauben- 
zell). 685 m. Gruppe von 43 Häusern, nahe dem Friedhof 
der Stadt St. Gallen, Aussenguartier der Stadt; 1,5 km 
sw. vom Bahnhof. Telephon. ö98 Ew. Asyl für verwahr- 
loste Kinder; städtisches Waisenhaus. Vergl. den Art. 
St. Gallkn (Stadt). 

FELDMATT (OBER und UNTER) (Kt. und Amt 
Luzern, Gem. Malters). 490 und 481 m. Zwei Gruppen 
von zusammen 4 Hansem, am linken Ufer der Kleinen 
Emme, im Brunauerboden und 3,5 km nö. der Station 
Malters der Linie Bern-Luzern. 38 kathol. Ew. Acker- u. 
Obstbau, Viehzucht, Käserei. 

FELDMEILEN (Kt. Zürich, Bez. und Gem. Meilen). 
410 m. Dorf; besteht aus den liäusergruppen Feld, Hinter 
Feld und Vorder Feld; am rechten Ufer des Zürichsees 
und 1,8 km nw. der Station Meilen der rechtsufrigen 



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Zürichseebahn (Zurich-Meilen-Rapperswil). Telephon. Bil- 
det eine Gemeindeabteilung und eigenen Schulkreis und 
zählt zusammen in 83 Häusern 549 re- 
form. Ew. Weinbau. 

FELDIM008 (Kt. Bern, Amtsbez. 
Mciringen, Gem. Gadmen). 1504 m. Alp- 
weide mit Hätten, am Fuss des Vorbellfi- 
horns, n. vom Sustenweg und 4 km ö. 
Gadmen. 

FELDMOOS (Kt. Luzern, AmtEnt- 
lebuch, Gem. Escholzmatt). 813 m. 
Gruppe von 5 Häusern, an der Weiss- 
emme, an der Strasse Langnau-Wolhu- 
sen und 1,9 km nö. der Station Escholz- 
matt der Linie Bern-Luzern. Postablage. 
49 kathol. Ew. Wollspinnerei, Halbwoll- 
weberei. Ackerbau uud Viehzucht. 

FEI.DM008 (Kt. St. Gallea, Bez. 
Ober Toggen bürg, Gem. Nesslau). 885 
ra. Acht in einem kleinen linksseitigen 
Neben thal zum Thurthal zerstreut ge- 
legene Häuser. 7 km so. der Station 
Ebnat-Kappel der Toggen burgerbahn n. 
2,2 km w. Nesslau. 44 reform. Ew. 

FELDMOOS (Kt. St. Gallen, Bez. 
Unter Rheinthal, Gem. Thal). 415 m. 
Gemeindefraktion und Dorf, am SO.- 
Fuss des Buchbergs und am Steinlibach, 
in früher sumpfiger Gegend, die heute 
dank der Verbauun^ des Steinlibaches 
dem Anbau zugänglich gemacht ist; 1,8 km w. der Station 
Rheineck der Linie Rorschach-Sargans. 118 Häuser, 625 
reform. u. kathol. Ew. Mais-, Kartoffel-, Gemüse-, Obst- 
und Weinbau. Stickerei und Seidenindustrie. 

FELDMOOS (Kt. Zürich, Bez. Horgen, Gem. Rich- 
terswil). 655 m. W^eiler, 400 m n. vom Hüttnersee, 3 km 
sw. über Richterswil und 700 m sw. der Station Sams- 
tagern der Linie Wädenswil-Einsiedeln. 12 Häuser, 50 
reform. Ew. 

FELDMOOS (OBER und UNTER) (Kt. St. Gallen, 
Bez. Rorschach, Gem. Eggersriet). 945 und 920 m. Zwei 
Gruppen von zusammen 8 Häusern, auf dem Hügelzug 
des Rossbühel ; 1,8 km nö. Eggersriet und 3,2 km sw. der 
Station Schwendi der Bergbahn Rorschach- Heiden. 51 
kathol. Ew. Viehzucht. Stickerei. 

FELDMOOSALP (Kt. Obwalden, Gem. Lungern). 
1500 m. Alpweide mit 12 Hütten, am W.-Hang des Giebel 
und auf der Grenze gegen den Kanton Bern; 2 km so. 
über Lungern. 

FELDMOHLE (Kt. und Amt Luzern, Gem. KriensJ. 
510 m. Gruppe von 4 Häusern, n. der Strasse nach 
Obernau und 1 km w. der Station Kriens der elektri- 
schen Strassenbahn Luzern-Kricns. 87 kathol. Ew., die 
in den Fabriken der Umgebung arbeiten. Landwirtschaft. 

FELDMOHLE (Kt. St. Gallen,. Bez. un4 Gem. Ror-' 
Schach). 412 m. Grosses industrielles Aussenquartier von 
Rorschach, 700 m sw. vom Bahnhof. Früher grosse Mühle. 
S. den Art. Rorschach. 

FELDMOHLE (Kt. St. Gallen, Bez. Unter Rhein- 
thal, (iem. Berneck). 410 m. Gruppe von 6 Häusern mit 
Mühle, in der Rheinebene, an der Strasse Au-Reute, 600 
m nö. Berneck und 2 km sw. der Station Au der Linie 
Rorschach-Sargans. 33 reform, und kathol. Ew. Gemüse-, 
Mai»- und KartofTelbau. 

FELDSCHYN (Kt. Uri). Ca. 2850 m. Gipfel, in der 
Gruppe der das Urserenthal im N. abschliessenden Spitz- 
beine, Nachbar des Blaubergstocks und Mütterlishorns, 
ö. der Alpligenlücke und 3 km n. über Realp. 

FELDUM (Kt. Wallis, Bez. West Raron, Gem. Fer- 
den). Alpweide. S. den Art. Faldum. 

FELIKJOCH oder COLLE DI FELIK (Kt. Wallis, 
Bez. Yisp). 4068 m. Passübergang, zwischen Lyskamm und 
Kastor (im Massiv des Monte Rosa), verbindet den Glet- 
scher der Zwillinge mit dem italienischen Felikgletscher. 
Wird von Touristen begangen, die sich vom Riffelberg 
nach Fiöry oder zur Schutzhütte Quintino Stella des C. 
A. l. begeben wollen. Der Uebergang bietet zwar keine 
ausserordentliche Schwierigkeiten, ist aber doch auch 
nicht einer der leichtesten; zum erstenmal 1861 von W. 
Mathews und Jacomb mit den Führern J. B. Croz und 



Michel Croz begangen. Wird hier und da fälschlich auch 
Zwillingsjoch genannt. 




Fellers, von Nordwesten. 

FELLERS, romanisch Fall£:ra (Kt. Graubünden, 
Bez. Glenner, Kreis Ilanz). 1218 m. Gem. und Pfarrdorf, 
auf aussichtsreicher Terrasse am S.-Fuss des Piz Grisch 
und 4 km nw. über der künftigen Station Sagens der 
Linie Chur-Ilanz. Postablage, Telegraph. 62 Häuser, 322 
kathol. Ew. romanischer 2^nge. Alpwirtschaft. Kirche an 
einem Hü^el, von dem aus man beinahe bis nach Chur 
hinunter sieht. 766: Falaria. 

FELLEWIL (Kt. Freiburg, Bez. Sense, Gem. Düdin- 
gen). 570 m. Gruppe von 5 Häusern, über dem Bad Bonn 
und 1,5 km nw. cter Station Düdingen der Linie Bern- 
Frei burg-Lausanne. 24 kathol. Ew. deutscher Zunge. Ge- 
treide-, Kartoffel- und Obstbau, Viehzucht und Milchwirt- 
schaft. Früher Feibin geheissen. 

FELLIBACH (Kt. Uri). W^ldbach; entspringt in 1960 
m. nimmt zahlreiche kleine Nebenadern auf, durchfliesst 
mit starkem Geßille das enge Fellithal und mündet nach 
8 km langem Lauf in n. Richtung in 690 m von rechts in 
die Reuss. Brücke der Gotthardstrasse. 

FELLIBERG (Kt. Uri, Gem. Gurtnellen). 1130 m. 
Alpweide mit Gruppe von 15 Hütten und Kapelle, am N.- 
Hanj^ des Fellihorns, im Fellithal und 3 km nö. über der 
Station Gurtnellen der Gotthardbahn. 

FELLIHORN oder TAGHORN (Kt. Uri). 2129 m. 
Gipfel, am N.-Ende der Kette des Rienzerstocks, zwischen 
Felli- und Reussthal und so. über Gurtnellen. Von N. oder 
S. her zugänglich. 

FELLILOCKE (Kt. Un). 2490 m. Bassübergang, über 
dem obern Ende des Fellithals, zwischen Schneehühner- 
stock (2789 m) und Piz Tiarms (2915 m); führt vom Felli- 
thal zur Passhöhe der Oberalp. Wenig begangen. Oberalp- 
see-Passhöhe 1 Stunde, Passhöhe-Amstag 4Vt Stunden. 
Fussweg, oft nur schwierig zu fmden. Wahrscheinlich 

1799 von österreichischen und französischen Truppen 
überschritten. 

FELLITHAL (Kt. Uri). 2490-690 m. Rechtsseitiges 
Nebenthal zum Reussthal, mündet in dieses bei Gurt- 
nellen, 4 km oberhalb Amstäg, aus. Steigt mit mehreren 
Stufen von der Fellilücke zuerst nach N., dann in enger 
Schlucht nach W. ab. Länge 8 km, Höhenunterschied 

1800 m. Im allgemeinen eng und steil, enthält das Felli- 
thal doch auch einige ziemlich weite Thalböden, auf denen 
kleine Hüttengruppen stehen. Vom Fellibach entwässert. 
Wird beiderseits von hohen Gneisketten begleitet; rechts 
steht der schöne Rristenstock (3074 m), der sich über den 
Sonnig Wichel (2910 m) und Schattig Wichel (3078 m) 
nach S. bis zum Piz Tiarms (2915 m) fortsetzt; rechts die 
Kette des Rienzerstocks (2964 m), deren S.-Ende der 
Schienstock (2893 m) und deren N.-Ende das Fellihorn 
oder Taghorn (2129 m) bilden. Diese Gipfel werden selten 



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bestiegen ; über (iie Ketten führen eine Reihe von eben- 
falls nur selten von Touristen begangenen Einschartun- 




Im Fellithal. 

aen : die Pörtlilücke (2514 m) im 0. zwischen Bristenstock- 
Ruchen und Sonnig_Wichel zum Etzlithal, die Giutlücke 
(2960 m) im 0. amTuss des Piz Giuf (3098 m) vorbei ins 
Tavetscherthai, die Rienthallücke (2696 m) im W. zwi- 
schen Rienzerstock u. Schienstock nach Göschenen, die 
Fellilücke (2490 m) im S. zwischen Schienstock und Piz 
Tiarms zur Oberaippasshöhe. Die grosse Reihe dieser 
nach allen Seiten führenden Passübergänge und die vie- 
len stolzen Gipfel wären es wohl wert, dass das bis jetzt 
meist nur von Zürcher Touristen besuchte Fellithal 
allgemein bekannt würde. 

reui-MATTEN Oflör FÄLLMATT (Kt- Wallis, 
rii'z. Visp, GtTÜH Fialen). 15*25 m. nmppo von 4 Uii^- 
a^rn, 300 m n. vorn Dorf ßaleo und von diesem fje» 
ir:hieden durch den Wildbjich, der vom kleinen Gru- 
bongletscher berühkomiiiL !28 k^iLhol. Kw. liirchg^e- 
meindü Sri;i^ (Kirch*? Im Tiruiid). 

FELMES (KE, ihU tiom^ Silenen). 1419 m. 
Gruppe von 10 IJülttn, im Etstlithal» über dem rech- 
ten Ufer ilea Sellenerbaches u. 2 Stunden aö. ül>er 
der ir^lLiijon Amslag der Gotlhfirdbahn. 

FELMI$(KL Zürich. Be?. Hinwil, Gem.Wnld), 
855-lKJO m* Sieben am S.-Hang der Srheidegp ter- 
streut gelep^ne Umner, 4 km nö. über der ^tJttion 
Wald der Töästhalbaho. 'Si raform- Ew. Der Narr,e 
?Vlmiä verkürzl aus Pii?ldjnooa. 

FELMIS (Kt. Zürich, ßt>z. Pfimkon, Gem. 
Bauuitt). 605 m. Wdler* ülier dem linken Ufer der 
Tüsö, ä km nw. B^unta und %h km e. di*r SlE^ion 
Saiand der TöisJäthtil bahn. i5 IUuslt* 52 refonn. 
Ew. 

FE LOH (AU^ (itt. Fnnhui^, B#7. Snaiie, G«m. 
AütiftTiy). 682 in. Grupp*' von 5 Hiiinsnrn, I10<* Un 
^h AiitJi{fiy und ^ km «üw. df^r Stiitioii l>uttcufi der 
Linit* Bprn-Frci^^f'' '— : — - ^^ i .<i.,,i t,\. {l^^ 
iroiito- M. Kill kjfli ii.ifl* 

FELSBACH fi;). stnr- 

ker WlldtwTi I -in 

t^K* m. dur. .-öm 



Lauf von NW.-SO. 600 m so. Gams in 470 m in die Simmi. 

FEL8BACH (OBER und UNTER) (Kt. St. Gallen, 
Bez. Werdenberg, Gem. Gams). 525 und 480 m. Zwei 
Gruppen von zusammen 16 Häusern, zum Dorf Gams ge- 
hörend, am Felsbach und 3 km w. der Station Gams der 
Linie Rorschach-Sargans. 90 kathol. Ew. Wiesen- und 
Obstbau, Viehzucht. 

FEL8BERG (Kt., Amt und Gem. Luzem). 467 m. 
Gruppe von 7 Häusern, am rechten Ufer der Luzemer 
Bucht des Yierwaldstättersees und 1 km nö. vom Bahnhof 
Luzern. Pensionen. 

FEL8BERG (ALT und NEU), romanisch Favlgn 
(Kt. Graubünden, Bez. Im Boden, Kreis Trins). 590 und 
571 m. Politische und Kirchgemeinde mit 2 kleinen Dör- 
fern, am S -Fuss des Calanda und am linken Ufer des 
Rhein, 4 km w. Chur. Künftige Station der Linie Chur- 
llanz. Postablage, Telephon. 108 Häuser, 647 zur Mehr- 
zahl reform. Ew. deutscher Zunc^e. Alt Felsberg: 58 Häu- 
ser. 343 Ew. ; Neu Felsberg : 50 Häuser, 304 Ew. Wiesen-, 
Obst- und Gemüsebau, Viehzucht. Glockengiesserei. Ehe- 
maliges Goldbergwerk « Zur goldenen Sonne », zu Beg^inn 
des 19. .lahrhunderts betrieoen. Das in schöner Gegend 
mitten in einem Wald von Obstbäumen gelegene Alt Fels- 
berg stand früher in starker Gefahr, durch vom Calanda 
abbrechende Felsstürze verschüttet zu werden, weshalb 
1844 in sicherer Lage Neu Felsberg angelegt worden ist. 
Noch heute fallen vom Calanda Fels- und Schutttrümmer 
zu Thal, aber ohne Schaden anzurichten. Schalenstcin 
mit Verzierungen aus der ersten Eisenzeit. 

FEL8BERQ CALANDA (Kt. Graubünden, Bez. Im 
Boden). Gipfel. S. den Art. Calanda. 

FEL8EQQ (Kt. St. Gallen, Bez. Unter Toggenburg, 
Gem. Henau). 511 m. Grosse Maschinen Weberei mit Ar- 
beiterhäusem, am rechten Ufer der Thur, 1 km n. Henau 
und 3,3 km nw. der Station Uzwil der Linie Winterthur- 
St. Gallen. Telegraph u. Telephon. 25 Häuser, 195 reform, 
und kathol. Ew. Kirchgemeinden Niederuzwil u. Henau. 

FEL8EN (Kt. Schwyz, Bez. Höfe, Gem. Wollerau). 
560 m. W^eiler, am O.-Hang des Becki, 300 m s. der Kirche 
Wollerau und 1 km s. der Station Wollerau der Linie 
Rapperswil-Arth Goldau. 10 Häuser, 103 kathol. Ew. 
Acker-, Obst- und Gemüsebau. 

FEL8ENAU (Kt. Aargau, Bez. Zurzach, Gem. Leug- 
gern). 319 m. Gruppe von 9 Häusern, am Zusammenfluss 
von Aare mit Rhein, am linken Ufer der Aare und 3 km 
n. Leuggern. Station der Linie Koblenz-Stein. Telephon. 
70 kathol. Ew. Gerberei, Gipswaarenfabrik. 

FEL8ENAU (Kt., Amtsbez. und Gem. Bern). 500 m. 
Grosse Baumwollspinnerei und bedeutende Bierbrauerei, 
in der von einer Schlinge der Aare umschlossenen Halb- 




inael Enge, gegenüber dein UremgartensehJoss und mW 
ihm durch eine Fähre verbunden ; %b kin n, Bern. Tele- 
phon. Mit den Arbelt^rhäufiern und anderen b^a^chb Arten 



FEL 



PEN 



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Gebäulichkeiten zusammen : 64 Häuser, 769 reform. Ew. 
FEI.8ENBACH (Kt. Graubänden, Bez. Unter Land- 
quart, Gem. Malans). 571 m. Haus, am linken Ufer der 
Landquart und an deren Austritt aus der Klus (zwischen 
Mastrils und Grüsch). Haltestelle der Rätischen Bahn 
(Landquart-Davos). Ausgangspunkt des Fussweges nach 
Valzftina. 

FEI.8ENBURQ (Kt. Bern, Amtsbez. Frutigen, Gem. 
Kandergrund). 1054 m. Burgruine mit 20 m hohem Turm, 
120 m über der Kander auf einem freistehenden und 
schwer zu ersteigendem Felsen, 4 km n. Kandersteg und 
6 km 8. der Station Frutigen der Thunerseebahn (Fruti- 
gen-Spiez-Erlenbach'Zweisimmen). Romantisch gelegen, 
prachtvolle Aussicht auf das Kanderthal. Zuerst Eigen- 
tum der Walliser Freiherrn von La Tour-Chätillon, Ober- 
herren des Frutiglandes ; 1400 von Antoine de La Tour an 
Bern verkauft und seither nicht mehr bewohnt. Vergl. Die 
Schweiz in ihren Ritterburgen und Bergschlössem . . . ; 
herausge«. von Gust Schwab. Bd. IIL Chur 1839. — 
StetUer, Karl. Das Frutigland, Bern 1887. 

FEI.8ENEOG (Kt. Zürich, Bez. Pfäffikon, Gem. 
Wila). 574 m. Gruppe von 6 Häusern, am linken Ufer 
der Töss, an der Strasse Winterthur-Wald und 200 m s. 
der Station Wila der Tössthalbahn. 29 reform. Ew. 

FEI.8ENEOG (Kt. und Gem. Zug). 954 m. Sehr be- 
kannte Gasthöfe und Pensionen, am vV.-Rand der Hoch- 
fläche des Vorderen Geissbodens, am Hang des Zugerbergs, 
sw. der Hoch wacht und der Hotelbauten Schönfels, in 
der Nähe von grossen Waldungen schön gelegen. 1 Vi 
Stunden so. über Zug und mit der Stadt durch eine gute 
Fahrstrasse verbunden. Telegraph, Telephon. Erster Gast- 
hof 1858 eröffnet. Prachtvolle Aussicht auf Kanton und 
Stadt Zug, den Zugersee und des Hochgebirge. 

FEI.8ENHOLZ (Kt. Thursau, Bez. Bischofszeil). 600 
m. Mit Tannenwald gekrönter Hugelzug, über dem rech- 
ten Ufer der Sitter, auf eine Lance von 1,2 km von Zihl- 
ächlacht bis Hohentannen sich ziehend. Besteht aus Nagel- 
fluh, die abgebaut und zu Bauzwecken verwendet wird ; 
S.-Han^ in Felswänden abbrechend, hier zwei ziemlich 
tiefe Hohlen. Sommerwirtshaus. 

FEI.8ENHORN (Kt. Bern, Amtsbez. Frutigen). 2791 
m. Gipfel, zwischen Wildstrubel und Lohner, sw. über 
dem Gasthaus Schwarenbach am Weg über die Gemmi, 
trennt diese vom Oeschinenthäli; von Schwarenbach aus 
in 2 Stunden leicht zu ersteigen, aber selten besucht. 

FEI.8EN8TEIN (Kt. St. Gallen, Bez. Ober Toggen- 
burg, Gem. Kappel). 630 m. Gruppe von 5 Häusern, 
zwischen dem rechten Ufer der Thur und der Strasse 
Lichtensteig-Ebnat und 500 m nw. der Station Ebnat-Kap- 
pel der Toggenburgerbahn. 43 reform. Ew. Viehzucht. 
Stickerei und Färberei. 

FEI.8ENTHAL (Kt. und Bez. Schaffhausen) 480 m. 
Romantisches kleines Thal, 700-800 m lang, vom Hemmi- 
kerbach vor dessen Mündung in die Durach entwäs- 
sert; im N. vom Wirbelberg (K7 m), im S. vom Hügel zug 
der Platte (509 m) begleitet und 1,5 km n. der Stadt 
Schaffhausen. 

FBI.8ENTHAL(Kt. Uri). 2600-1440 m. Rechtsseitiges 
Nebenthal zum Urserenthal : steigt vom St. Annaberg und 
St. Annagletscher im Gotthardmassiv nach NW. ab und 
mündet f km unterhalb Hospenthal aus. Bis zum Fuss 
des Gletschers 2, mit dem Gletscher zusammen 3,5 km 
lang. 

FENAOE (Kt. Wallis, Bez. Conthey, Gem. Ardon). 
1814 m. Alpweide mit Hütte, im obern Abschnitt des 
Thaies der Lizerne und unterhalb der Felswand, über 
welche die sog. Passiere, ein Felskamin weg, zu den Hüt- 
ten von Miet aufsteigt. Untere Neocomschiefer. 

FENAIO (Kt. Tessin, Bez. Locamo, Gem. Comologno). 
1380 m. Alpweide mit Gruppe von etwa 20 Hütten, im s. 
Val Onsemone, am S.-Hang des Monzelumo und 2,2 km 
w. über Comologno. Wird im Frühjahr und Herbst be- 
zogen. Butter und Käse. 

FENAI.ET (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. Bex). 701 m. 
Weiler, an der Strasse Bex-Gryon und 5,5 km nö. der 
Station Bex der Simplonbahn. Im Sommer Haltestelle der 
Strassenbahn Bex-ViUars, im Winter Postwagen. 22 Häu- 
ser, 98 reform. Ew. Bildete einst einen der 12 Zehnten 
der Gemeinde Bex. Obere Liasschiefer, z. T. mit Errati- 
kom überfuhrt. N. vom Weiler, am Weg zu der Salzmine 



Le Bouillet, Fundort Le Cr^t ä l'Aigie von Fossilien des 
Toarcien. Hier lebte (nach seinem Aufenthalt in Les Plans 
de Frenieres und vor seiner endgilti^en Uebersiedelung 
nach Les Devens) lanc^e Zeit der Botaniker Abraham Tho- 
mas, Vater, der den berühmten Albrecht von Haller bei 
der Abfassung seiner Historia stirpium Hehetim indige- 
narum (Bern 1768) mit wertvollen Angaben unterstützt 
hat. Vergl. Rambert, Eug. Bex et ses environs. Lausanne 
1871. 

FENALET (Kt. Wallis, Bez. Monthey, Gem. Saint 
Gingolph). Steinbrüche auf rote Molasse und Fucoiden- 
schiefer des Flysch, am Ufer des Genfersees, t km ö. 
Saint Gingolph. 

FENDRINGEN (Kt. Freiburg, Bez. Sense, Gem. Bö- 
singen). 589 m. Weiler, 3 km nnw. der Station Schmitten 
der Linie Bern-Frei burg-Lausanne u. 1,5 km so. Bösingen, 
16 Häuser, 138 kathol. Ew. deutscher Zunge. Viehzucht u. 
Milchwirtschaft, Käserei. Im Mittelalter Venvingen geheis- 
sen; zuerst 1270 genannt, aber ohne Zweifel schon vorher 
bestehend. Aus dem Geschlecht der Edeln von Venvingen 
war ein Ulrich 1280 Burgvogt der Reichsstadt Laupen und 
1299 Schultheiss der Stadt Freiburg. 

FENE8TRAI. (sprich Fenetral) (Kt. Wallis, Bez. Mar- 
tinach, Gem. Fully). 2729 m. Gipfel, n. vom Grand Cha- 
valard. Von der Siegfriedkarte fälschlich so benannt, 
heisst in Wirklichkeit TßTE du Duc. S. diesen Art. 

FENESTRAL (Kt. Wallis, Bez. Saint Maurice, Gem. 
Salvan). 1795 m. Alpweide mit etwa 10 Hütten, in einem 
felsumrahmten und bei Einbaut ausmündenden Thal- 
kessel; vom Bei Oiseau, den Rochers de Fontanabran und 
der Rebarmaz umrahmt, l'/j Stunden w. über dem 
Pfarrdorf Einbaut. Eigentum der Gemeinde Salvan, die 
sie alle vier Jahre auf öffentlicher Gant zu verpachten 
pflegt. 

FENESTRAL (COL DE) (Kt. Wallis, Bez. Marti- 
nach). 2506 m. Passübergang, am Walliser Hang der 
Waadtländer Alpen, zwischen Grand Chavalard und Tete 
Noire ; verbindet die Montagne de Fully mit der von Le 
Grand Pr6. So. über dem Pass die Töte du Duc (2729 m; 
auf der Siegfriedkarte fälschlich Fenestral geheissen). 
Selten begangen; wurde im September 1901 von einem 
Bataillon der schweizerischen Armee, das in der Nähe ein 
Lager bezogen hatte, überschritten. 

FENESTRAL (COL DE) (Kt. Wallis, Bez. Saint 
Maurica). 2200 m (auf der neuen Ausgabe der Siegfriedkarte 
2459 m). Passübergang, auf der Siegfriedkarte unbenannt, 
zwischen der Rebarmaz und den Felsen von Fontanabran: 
verbindet die IVi Stunden w. über Einbaut gelegenen 
Hütten von Fenestral in 2 Stunden mit ^maney. Selten 
begangen. 

FEN^TRE (AIGUILLE DE LA) (Kt. Wallis, Bez. 
Entremont u. Martinach). 3417 m. Gipfel, in der Kette der 
Aiguilles Dorfes (in der Trientgruppe, schweizerischer 
Anteil am Mont Blanc Massiv); w. über der Fendtre de 
Saleinaz, die ihr den Namen gegeben hat. Erste Besteig- 
ung 1881 vom Trientplateau aus. 

FEN^TRE (COL OB) DE Baones (Kt. Wallis, Bez. 
Entremont). 2786 m. Passübergang, hinten über dem Val 
de Bagnes, auf der Grenze gegen Italien und zwischen 
zwischen Mont Avril und Mont Gelö. Von den Italienern 
Finestra di Balma genannt und auf der italienischen Karte 
mit 2812 m kotiert. Verbindet die Alpweide Chermontane 
und den Fendtregletscher im Val de Bagnes mit der ita- 
lienischen Alpe de Balme und dem Val d*011omont. Mar- 
tinach-Passhöhe 12 Vt» Passböhe-Valpelline 4 oder Pass- 
höhe-Aosta 6Vs Stunden. Scheint schon seit Jahrhunder- 
ten bekannt gewesen und begangen worden zu sein, was 
bei seiner von beiden Seiten leichten Zugänglichkeit (er 
kann von Maultieren begangen werden) erklärlich ist. 
Eine lange Zeit als verbürgt betrachtete Ueberlieferung 
erzählt, dass Calvin auf seiner Flucht vor den ihm feind- 
lich gesinnten Behörden von Aosta, wohin er sich kurz 
vorher Zuflucht suchend gewendet hatte, den Pass am 18. 
März 1536 überschritten habe. Wird sowohl von Touristen 
als besonders von Schmugglern viel begangen, welch' 
letztere ihn mit Vorliebe benutzen. Auf der Passhöhe 
Ueberreste ehemaliger Befestigungsanlagen. Prachtvolle 
Aussicht auf das Ganze der Penninischen und Graischen 
Alpen. Von der Passhöhe aus in IVt Stunden (von der 
Chanrionhütte des S. A. C. aus in3 </• Stunden) leicht und 



90 



FEN 



PEN 



fefahrlos auf den seiner Aussicht ersten Ranges wegen be- 
annten Mont Avril. 




Col de Fen6tre de Bagnes, vom Col de Lyrerose aus 

FEN^TRE (COL DE) DE Ferret (Kt. Wallis, Bez. 
Kntremont). 2699 m. Passübergang, zwischen der Töte de 
Fontaint^ (wsw. Vorberg des Pic de Drönaz) und dem Mont 
Fourchon (Hauptgipfel der Rochers des Vans); verbindet 
das schweizerische Val Ferret mit dem italienischen Thal 
des Grossen St. Bernhard und wird der Hauptsache nach 
von Touristen auf dem "Weg vom oder zum Grossen St. 
Bernhard begangen. Er gestattet zwei Varianten der Route 
Martinach -Grosser St. Bernhard. Orsieres-Val Ferret- 
Passhöhc 6 Stunden 20 Minuten und Passhöhe-Grosser 
St. Bernhard 4 Stunde 10 Minuten; umgekehrt Grosser 
St. Bernhard-Passhöhe 1 V, Stunden und Passhöhe-Or- 
siöres 4 Stunden 50 Minuten. Zwischen den Seen von 
Fenötre und der Passhöhe bleibt der Schnee sehr lange 
liegen, oft noch bis in den August hinein, so dass man zur 
Markierung des Weges (besonders bei Nebel nützlich) von 
Zeit zu Zeit Stangen gesteckt hat. Lange Zeit hat der Col 
de Fenötre der Verwaltung des Hospizes auf dem Grossen 
St. Bernhard dazu gedient, um über ihn das in den Wal- 
dungen des Klosters im Val Ferret geschlagene Holz auf 
Maultieren heraufzuschaffen ; heute hat dieser Transport 
dank der neuen Strasse durch die Vallöe d'Entremont 
aufgehört. Trotz aller Beaufsichtigung durch die Grenz- 
wächter ist der Col de Fenötre aber immer noch einer 
der von Schmugglern am häufigsten begangenen Pass- 
übergänge der Alpen. In der Nähe der Passhöhe Anthra- 
zitflöze. 

FENfeTRE (COL DE) (Kt. Wallis, Bez. Hörens). 2971 
m. Passübergang. S. den Art. Praz Fleuri (Col de). 




Col de Fen^tre de Ferret, mit einem Teil der Kette des Moni Blanc. 

FEN^TRE (QLACIER DE) (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont). 2800-2500 m. Kleiner, wenig zerklüfteter Gletscher, 
am schweizerischen Hang des Col de Fenötre, zu oberst 



im Val de Bagnes ; beim Aufetieg auf die Passhöhe wird 
seine linke Seitenmoräne begangen. 

FEN^TRE (LAC8 DE) (Kt. Wallis, 
Bez. Entremont). 2510, 2498 und 2471 m. 
Drei nahe bei einander liegende kleine 
Seen, am obern Endo des Val Ferret, 2 
Stunden über Ferret und Vi Stunde 
unter dem Col de Fenötre. Sie werden 
durch den Felskamm des Bastillon von 
den zur Dranse d'Entremont abfliessen- 
den Seen von Drönaz oder Le geschie- 
den. Bleiben den grössten Teil des Jah- 
res zugefroren und tragen ihre Eisdecke 
oft noch bis zu Beginn des August. Der 
grösste in 2471 m ; er nimmt den Ab- 
üuss des einen der beiden andern auf 
und sendet seinen eigenen, stark tosen- 
den Bach unterirdisch bis gegenüber 
der Hütte des Mont Perc^, wo er wie- 
der zu Tage tritt, um dann in die Dranse 
de Ferret zu münden. Der Fussweg von 
Le Plan de la Chaux zum Col de Fenc^tre 
führt über besonders zu diesem Zwecke 
gelegte Felsblöcke nahe dem Austritt 
des Baches durch den untern Teil die- 
ses Sees. 

FEN^TRE (PETITE AIQUILLE 
DE LA)(Kt. Wallis, Bez. Entremont u. 
Martinach). Ca. 3350 m. Wenig bedeu- 
tender Fels^pfel, in der Trientgruppe 
zwischen Aiguille de la Fenetre und 
Fenötre de Saleinaz. 
FENETRE DE SALEINAZ (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont und Martinach). 3267 m. Passübergang. S. den 
Art. Saleinaz (FENfiTRE de). 

FENETRE DE TENDA (Kt. Wallis, Bez. Saint 
Maurice). 1500 m. Wilde Schlucht, auch Pertuis d'tma- 
ney geheissen ; vom Triege durchflössen, im Vallon d'£- 
maney und halbwegs zwischen Triquent und Emaney. 2 Vt 
Stunden sw. Salvan. 

FENETRE DU CHAMOI8 (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont). Passübergang. S. den Art. Chamois (FENfiTRE dv). 
FENETTAZ (EN LA) (Kt. Freiburg, Bez. Saane, 
Gem. Villarlod). 862 m. Weiler, am N.-Hang des Mont 
Gibloux, 500 m so. Villarlod und 7 km so. der Station 
Villaz-St. Pierre der Linie Bern-Frei burg-Lausanne. 11 
Häuser, 64 kathol. Ew. Kirchgemeinde Estavayer le Gib- 
loux. Getreide- und KartofTelbau, Viehzucht und Milch- 
wirtschaft. In der Nähe die von einem grossen Kreuz und 
mächtigen Bäumen gekrönte Croix du Sault (911 m), die 
eine schöne Aussicht auf die Ebene der Broye, den Neuen- 
burger- und Murtensee und den Jura bietet. 

FENQA (ALP), deutsch Fimberalp (Kt. Graubünden, 
Bez. Inn, Kreis Bemüs, Gem. Remüs und Sent). 2100- 
2500 pa. Grosse Alpweide, in dem ins Tirol sich fortsetzen- 
den Fimberthal, 11 km nw. über Sent und 13 km nw. 
über Remüs. Von Graubündner Seite her über den Fim- 
berpass, die Fuorcla davo Lais und Fuorcla Tasna zu- 
gänglich. Zur Mittsommerszeit grosses Alpfest. 

FENGA (CUOLMEN) (Kt. Graubünden, Bez. Inn). 
Passübergang. S. den Art. Fimberpass. 

FENGA (PIT8CHNA) (Kt. Grau- 
bünden, Bez. Inn). 2725 m. Wenig be- 
deutender Gipfel, rechts über dem Val 
Fenga, zwiscnen diesem und einem der 
Quellarme des das Val Chöglias entw^äs- 
sernden Baches und 1 km s. der östeiv 
reichisch-schweizerischen Grenze. 

FENGA (VADRET DA) od. FiM- 
berferner (Kt. Graubünden, Bez. Inn). 
3045-2611 m. Grosser Terrassenglet- 
scher, hinten im Val Fenga; zieht sich 
in breitem Kreisbogen vom Fluch thorn 
zur Fuorcla Tasna und bildet keine 
Zunge. Die weiter unten an den Hän- 
gen und im Boden des Thaies lieg-en- 
den grossen Ufer- und Stirnmoränen 
zeugen von dem Vorhandensein einer einstigen Gletscher^ 
zunge, die etappenweise zurückgeschmolzen ist. 
FENQA (VAL) oder FIMBERTHAL (Kt. Graubün- 



PEN 



PER 



91 



den, Bez. Inn). 2800-2116 m. Oberer, schweizerischer An- 
teil am österreichischen Fimberthal, das mit einer Länge 
von 16 km von der Fuorcla Tasna nach NNO. absteigt, um 
bei Ischgl ins Paznaun (das zusammen mit dem Stanzer- 
thal bei Landeck sich mit dem Innthal vereinigt) auszu- 
münden. Das Fimberthal ist eines der zahlreichen vom 
Silvrettamassiv aus nach N. absteigenden Thälchen. 
Links wird es von der mächtigen Kette des Fluchthornes, 
rechts von der im Burkelkopf gipfelnden n. Randkette 
des Samnaun begleitet. Die Landesgrenze zwischen der 
Schweiz und Oesterreich springt vom Gemsbleisspitz 
(5 km nördlich vom Fluchthom) quer durch das Thal 
zum Piz da Val Gronda und Spi da ChögUas (nahe dem 
Piz Roz) hinüber. Der schweizerische Abschnitt des Tha- 
ies, das Val Fenga, ist der grosftartigere ; er bildet einen 
Thalzirkus mit ebenem oder wenig gewelltem Boden und 
wird von ziemlich beträchtlichen Fimfeldern umrahmt, 
von denen der Vadret da Fenga oder Fimberferner der 
mächtigste ist. Darüber erheben sich Fluchthorn (3403, 
3102 und 3344 m), Krone (3195 m), Grenzeckkopf (3051 m), 
der breite Piz davo Lais (3030 m) und andere Hochgipfel. 
Diese ^^rossartige Hochgebirgslandschaft zieht im Sommer 
zahlreiche Besucher an, denen die ausgezeichnet einge- 
richtete Heidelbergerhütte des D. u. Oe. A. V. als Aus- 
gangspunkt für ihre Exkursionen dient. Die Hütte liegt 
auf Schweizer Boden. Die Alpweiden des Thaies sind von 
altersher Eigentum der Gemeinden Remüs und Sent im 
Engadin, werden aber von diesen zur Bewirtschaftung 
an Tiroler Sennen verpachtet. Mit der Schweiz steht das 
Val Fenga in Verbindung über den Fimberpass oder Cu- 
olmen Fenga (2612 m ; Val Fenga- Val Sinestra-Remüs 4-5, 
umgekehrt 6 Stunden) und zwei andere Einschartungen 
(2598 m. s. vom Fimberpass ; 2654 m, n. vom Fimber- 
pass), die gleichfalls ins Val Chöglias-Sinestra hinüber- 
führen und von denen der letztgenannte hauptsächlich 
bei der Besteigung des Piz Roz von der Klubhütte aus be- 
fangen wird. Früher konnte der Fimberpass mit Wagen 
befahren werden ; seitdem aber die Eigentümer der Alp- 
weiden auf deren eigene Bewirtschaftung verzichtet haben, 
Hessen sie den Weg nicht mehr unterhalten, so dass er 
heute blos noch als guter Maultierpfad gelten kann. In 
anderer Richtung führt die Fuorcla Tasna (2857 m) ohne 
Schwierigkeiten über den Fimbergletscher ins Val Tasna 
und von da nach Fetan oder Ardez (5 oder, in umgekehr- 
ter Richtung, 6V« Stunden). 

FfeNIL od. FENI8 (Kt. Bern, Amtsbez. Erlach). Gem. 
und Dorf. S. den Art. Vinelz. 

FENIL. Ortsname, in der französischen Schweiz, be- 
sondere in den Waadtländer Alpen, häufig vorkommend ; 
vom lateinischen /*enite =: Scheune, Heustadel, Heugaden. 
Auch in abgeleiteten Formen, wie Fenalet, Fenillets, Fe- 
nillies etc. vorkommend. 

FENIL (PRAZ DU)(Kt. Freiburg, Bez. Greierz, Gem. 
Romanens). Weiler. S. den Art. Praz du Fenil. 

FENILIE8 (LE8) (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. Or- 
mont Dessus). 1454 m. Hütten, zur Siedelungsgruppe Les 
Moilles gehörend, 50 Minuten ö. vom Postbureau Les 
Diablerets und etwas über der von Les Diablerets zum 
Gel de Pillon hinaufführenden Strasse. 

FENIL8 (LE8 PREMIER8) (Kt. Waadt, Bez. Aigle, 
(Jem. Ormont Dessous). 1000 m. Hütten, die ersten über 
der Strasse von Le S^pey nach Ormont Dessns. Wahr- 
scheinlich erstbesiedelter Teil des heute zur Gemeinde 
Ormont Dessus gehörenden l'halabschnittes. Boden Rut- 
schungen unterworfen. So kam der Hang z. B. 1870 nach 
starken Regengüssen in Bewegung; drei Hütten, die er 
mit sich zur Grande Eau hinunter zu reissen drohte, konn- 
ten in aller Hast noch abgetragen und ihr Holzwerk ge- 
rettet werden. 

FENIL8 (RUIS8EAU DE8), deutech Grischbach 
(Kt. Bern und Waadt). Wildbach; entspringt am S.-Hang 
der Dent de Ruth in etwa 2000 m, durchfliesst das Grisch- 
bachthal und mündet nach 8 km Innigem Lauf beim O.- 
Ende von Rougemont in 1(X)0 m in die Saane. Bei der 
Mündung die Burgruine Vanel. Bildet bis 1 km vor der 
Mundung die Grenze zwischen den Kantonen Bern und 
Waadt. 

FENIL8 <VALL£e DES), deutsch Grischbachthal 
(Kt. Bern und Waadt). Thal, vom Ruisseau des Fenils 
oder Grischbach entwässert, der die Grenze zwischen den 



Kantonen Bern und Waadt bildet, so dass die rechte Thal- 
seite zur Waadt. die linke zu Bern gehört. Auf Berner 
Seite begrenzen aas Thal der Hugeligrat (1902 m) und die 
Rasenkämme der Schneitalp, die durch aen Grubenberg- 

Sass (1650 m) vom SO.-Hang des Amelier (2133 m ; Gruppe 
er Dent de Ruth) ffetrennt sind. Oben teilt sich das Thal 
in drei Arme : den Yallon de Ruth (nw. darüber die Dent 
de Ruth, Dent de Savigny und Portes de Savigny), Valien 
de Merzeire (nw. darüber die Pointes des Pucelles und 
Come Aubert) und Vallon des Roseys (zwischen den Ro- 
domonts und einem so. Vor^erg der Come Aubert). Auf 
Waadtländer Seite wird das Grischbachthal durch die Ro- 
domonts (1892 m) vom Vallon de la Manche getrennt. 
Im untern und mittlem Abschnitt ständig besiedelt. Ein 
^sser Teil der Hütten trägt Inschriften, die meist den 
Bauherrn, dem Zimmermeister, das Jahr des Baues und 
Bibel- oder andere, vom Eigentümer erfundene Sprüche 
zum Vorwurf haben. Hier und da stehen stechen eruptive 
Felsarten vielleicht exotischen Ursprungs zu Tage. 

FENIN (Kt. Neuenburg, Bez. Val de Ruz). 756 m. 
Gem. u. Dorf, am W.-Fuss des Chaumont, an der Strasse 
Neuenburg-Dombresson, 5 km n. vom Bahnhof Neuenburg 
und 1,5 km nö. Valangin. Postbureau, Telephon; Post- 
wagen nach Valangin und Dombresson. Strassen bahn nach 
Valangin und Neuenburg. Gemeinde, mit Vilars und 
Saules: 64 Häuser, 424 reform. Ew.; Dorf: 19 Häuser, 
160 Ew. Landwirtschaft, etwas Holzhandel und Uhren- 
macherei. Sommerfrische. Zum erstenmal 1132 genannt ; 
1206 Bau einer Kapelle, die 1736 der heutigen Kirche Platz 
gemacht hat ; Kirchgemeinde seit 1288 ; 1561 Schloss. Seit 
18SB mit Vilars und Saules zu einer einzigen Gemeinde 
vereinigt. 1860 durch Feuer zerstört und löißl neu aufge- 
baut. 

FENKRIEDEN (Kt. Aargau, Bez. Muri« Gem. Meien- 
berg). 503 m. Weiler, im s. Teil des Obern Freiamts, 3 km 
sw. der Station Oberrüti der Linie Aarau-Lenzburg-Rot- 
kreuz und 4,2 km s. Meienberg. 13 Häuser, 90 kathol. Ew. 
Kirchgemeinde Sins. Viehzucht. 

FER (LA CROIX DE) (Kt. Wallis, Bez. Martinach). 
Gipfel. S. den Art. Croix de Fer (La). 

FER (MINE DE) (Kt. Wallis« Bez. Conthey, Gem. 
Chamoson). 1996 m. Eisengruhen, unter dem Haut 
de Gry, Ö. Chamosentze, um 1820 zusammen mit denen 
am Mont Chemin abgebaut und das Erz nach den grossen 
Hochöfen zu Ardon transportiert. Am linken Ufer der Lo- 
senze, auf einer steil abfallenden und im N. von den 
Felsen von Zeriet überragten Terrasse. Seit etwa 40 Jah- 
ren völlig aufgegel>en. Das Ghamoisit genannte Erz besteht 
aus einem dunkeln Grundgestein, in dem runde und oft 
magnetische Eisenkörner eingeschlossen sind und das 
chemisch sich als ein Eisen- und Aluminiumsilikat er- 
wiesen hat. Aus den gefundenen Fossilien lässt sich 
schliessen, dass das Gestein metamorph aus einem eisen- 
schüssigen Dogger der Callovlenstufe entstanden ist. 

FERCHEN (Kt. Wallis, Bez. Brig, Gem. Mund). 1290 
m. Gruppe von 8 Häusern, 600 m w. Mund und 5 km 
von der Station Brig der Simplonbahn. 38 kathol. Ew. 

FERDEN (Kt. Wallis, Bez. West Baron). 1389 m. Gem. 
und Dorf, eine der Hauptsiedelungen im Lötschenthal ; an 
der Stelle, wo das Thal aus seiner sw. Richtung nach S. 
abbiegt, um bald darauf auf die Rhoneebene auszutreten ; 
1 km sw. Kippet und 11 km n. der Station Gampel der 
Simplonbahn. Rechts über der Mündung des Ferdenbachs 
in die Lonza gelegen. Postablage. 32 Häuser, 249 kathol. 
Ew. Kirchgemeinde Kippel. Keine Fahrstrasse. Zahlreiche 
Funde von Bronzegegenstanden, womnter ein mit dem 
sogen. Walliser Goppensteiner Schmuck verziertes Arm- 
band. 

FERDENBACH (Kt. Wallis, Bez. West Raron). Wild- 
bach; entspringt mit zahlreichen Quellarmen den kleinen 
Firnfeldem, Gletschern und Seen von Oberferden und 
am Lötschenberg (O.-Fuss des Balmhomkammes). Der 
grösste Teil dieser Adern vereinigt sich unterhalb der 
Felswände und Hänge der Kummenalp in 1800 m ; von 
da tritt der Bach auf die Heidmatte, den mittlem Boden 
des kleinen Thaies aus und erreicht nö. des Dorfes Ferden 
das Lötschenthal, wo er nach 6,5 km langem Lauf in 1310 
m von rechts in die Lonza mündet. 

FERENBALM (Kt. Bern, Amtsbez. Laupen). 500 m. 
Gem. und Pfarrweiler, am rechten Ufer der Biberen, 8 



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FER 



PER 



km onö. Murten u. 1 km s. der Station Jerisberg-Feren- 
balm der direkten Linie Bern - Neuenburg. Postbureau, 
Telegraph, Telephon. Die Gemeinde wird durch die Frei- 
burger Enklave Wallenbuch in zwei Abteilungen geschie- 
den, von denen die nördliche von der Saane und Biberen 
begrenzt und von der Strasse ßem-Murten durchschnitten 
wird, während dieandere ebenfalls am rechtsseitigen Hang 
des Saanethals zwischen den Dörfern Kriechen wil u. Wal- 
lenbuch liegt. Gemeinde, mit Biberen, Gammen, Klein 
Gummenen, Jerisberg, Rizenbacii und Vogelbuch : 150 
Häuser, 1114 reform. Ew. ; Weiler : 16 Häuser 78 Ew. Die 
Kirchgemeinde Ferenbalm ist in zwei Abteilungen ge- 
trennt : Bernisch Ferenbalm (deckt sich mit der Zivilge- 
meinde Ferenbalm) und Freiburgisch Ferenbalm, zu welch* 
letztererdie Dörfer Agriswil (Agrimoine), Büchsien (Bnchil- 
lon), Gempenach (Chuinpagny), Ulmiz (Ürmey) und Ober- 
ried mit zusammen 1492 re form. Ew. gehören. 962: Balmo, 
von König Konrad von Burgund der Abtei Payerne ge- 
schenkt; spätere Eigentumer der Reihe nach die Herren 
von Oltingrn, der Deutschrilterorden, die Probstei St. 
Vinzenz in Bern und 1528 nach der Reformation die Stadt 
Bern. Ackerbau und Viehzucht. Schöne Wiesen und 
Waldungen. Die von der KÖnij^in Bertha gestiftete Kirche 
beherrscht das ganze Thal ; sie trug früher den Namen 
der h. Verena, woher auch der Ortsname Ferenbalm = 
Verena Balmarum. W. unter der Kirche eine Felswand 
(Balm) mit Höhle, in der einst ein Einsiedler hauste. 
Heute zu einem Keller umgestaltet und hier und da auch 
noch von Fremden besucht. Die am Flussufer gelegenen 
Alluvialböden sind der Hochwasser wegen wenig ange- 
baut. Ganze Gegend eine wellige Moränen landschaft. 

FERGENHÖRNER (Kt. Graubünden, Bez. Ober 
LandQuart). 2868, 2847 und 2857 m. Schöner dreigipfliger 
Bergstock, in der Kette der Schiltfluh (2890 m) und von 
diesem Gipfel durch die Rote Furka getrennt ; n. über 
den Alpweiden von Garfiun und Novai und 6 km ö. über 
Klosters Platz im Prätigau. Die drei Spitzen unterschie- 
den als Gross Fergenhom (2868 m), Klein Fergenhom 
(2847 m) und Fergenkegel (2857 m). Besteigung der Fergen 
nörner, besonders aber die des Fergenkegels, gehört zu- 
den in den Umgebungen von Klosters schwierigsten Klet- 
terpartien. Alle fallen mit steilen Felswänden ab und sind 
auf allen Seiten mit Ungeheuern Schutthalden bekleidet, 
die auf der S.-Seite Ausser und Inner Fergen heissen. 
Der Fergenkegel zum erstenmal 1880 vom Führer Mettier 
aus Bergün bestiegen. Ihm folgte 10 Jahre später als erster 
Tourist Rydzewsky, der auch die beiden andern, bisher 
ebenfalls noch jungfräulichen Spitzen eroberte. 

FERLEN (Kt. Appenzell I. R., Gem. Rüti). 830 m. 14 
am rechten Ufer der Sitter zerstreut gelegene Häuser, 
gegenüber dem Weissbad und 2,9 km so. vom Flecken 
Appenzell. 74 kathol. Ew. Viehzucht. Stickerei. Fremden- 
industrie. 

FERI.EN8 (Kt. Freiburg, Bez. Gläne, Gem. Masson- 
nens). 783 m. Weiler, in einer Bodensenke gelegen, 1 km 
s. Massonnens und 4 km ssö. der Station Villaz-St. Pierre 
der Linie Bern-Freiburg-Lausanne. 16 zerstreute Häuser, 
deren jedes seinen eigenen Namen trägt, und 81 kathol. 
Ew. Getreide- und Kartoflelbau, Viehzucht u. Milchwirt- 
schaft. Säge und Mühle. 

FERLEN8 (I^t. Waadt, Bez. Oron). 753 m. Gem. und 
Dorf, auf einer Anhöhe im Jorat, zwischen dem Carouge 
und der Broye, nahe der Grenze gegen den Kanton Frei- 
burg und nahe den Strassen Vevey-Moudon und M^ieres- 
Oron. 1,5 km so. M^zi^res, 4 km nw. Oron la Ville und 
3,2 km nw. der Station Chätillens der Linie Lausanne- 
Payeme-Lyss. Gemeinde, eine Reihe von Einzelhöfen in- 
begriffen : 40 Häuser, 209 reform. Ew. ; Dorf: 23 Häuser, 
128 Ew. Kirchgemeinde M^zi^res. 1820 von Servion losge- 
löst und zur eigenen Gemeinde erhoben. In der Nähe sind 
zahlreiche Skelele aufgefunden worden, die das Volk mit 
einem hier in unbekannter Zeit einst stattgefundenen 
Kampf in Verbindung gebracht hat. Römische Ueberreste. 
Bei Rappettaz Gräber mit Skeleten ohne Zutaten. 

FERMAN od. FERMEN8 (Kt. Waadt,Bez. Aubonne, 
Gem. ApplesV. 670 m. Waldung; 3,2 km nw. Apples und 
2,5 km SSW. Pampigny. Bildet zusammen mit dem Bois 
de Saint Pierre und anderen Waldungen einen grossen 
Waldkomplex, der zwischen Apples und Mollens liegt und 
längs dem rechten Ufer des Veyron sich nach N. fortsetzt. 



Die Foröt de Ferman selbst grenzt ebenfalls an den Vey- 
ron u. ist auf den übrigen Seiten von Sümpfen umrahmt. 
Von der Strasse Apples-Mollens durchschnitten. Ein Bau- 
ernhof. 

FERMEL oder FERMELTHAL (Kt. Bern, Amtsbez. 
Ober Simmenthai). 2354-1050 m. Oberstes rechtsseitiges 
Nebenthal zum Simmenthai; beginnt am (^ür (2711 m), 
dessen Felsgräte es vom Engstligenthal scheiden, etei^ 
in S-förmiger Kurve nach W. ab und mündet 7 km sso. 
Zweisimmen und 3 km so. St. Stephan beim Dorf Matten 
ins Simmenthai aus. Wird begleitet im N. vom Ganthom 
(2113 m), dem wilden Stock der Spielgerten (2479 m) und 
dem Rothorn (2411 m); im S. von Albristegg (2145 m) a. 
Albristhom (2764 m). Mit dem En^tligenthal über den 
Krinden oder die Fermelkrinde, mit dem Diemtigeothal 
über einen zwischen Rothorn und Rautlihorn durchführen- 
den Maultierpfad verbunden. Das 9 km lange Fermelthal 
vom Fermelbach entwässert. Im Thal das ständig bewohnte 
Dorf Fermel mit Primarschulhaus ; Weg bis zum Weiler 
Fermelberg (1592 m). 35 Häuser, 168 reform. Ew. Zivil- u. 
Kirchgemeinde St. Stephan. Ackerbau und Viehzucht. 
Schöne Alpweiden, fette Wiesen; prachtvolle Tannen. 
Ueberreste alter Bauwerke, so eines burgartigen Gebäu- 
des. Schwefelquelle nahe dem Weg und Bach, univeit 
Birchlauenen. Totz seiner landschaftlichen Schönheiten 
wird das Thal nur selten besucht. Der mittlere Abschnitt 
des Fermelthales in die Triaskalke der stark verwitterten 
Gräte von Mieschfluh, Brunnenhorn und Rothorn und in 
den Flysch von Albristegg und Albristhom eingeschnitten. 

FERMELBACH (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Simmen- 
thal). Bach ; entspringt am W.-Hang des Gsür in 2250 m, 
Üiesst zunächst nach NW., biegt dann in scharfem Knie 
nach SW. um und mündet nach 10 km langem Lauf bei 
Matten in 1040 m von rechts in die Simme. 

FERMELBERQ (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Simmen- 
thal. Gem. St. Stephan). 1592 m. Gruppe von Hätten, im 
obem Abschnitt des Fermelthales, am Fermelbach und 
am N.-Fuss des Albristhorns; 6,5 km ö. St. Stephan. 

FERMELKRINDE, auch Krinden oder Flrggi- 
KRiNDE geheissen (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Simmenthai). 
2230 m. Passübergang, zwischen Albristhom und Gsür ; 
verbindet Adelboden über das Fermelthal mit Matten in 5 
Stunden ; sehr leicht zu begehen und landschaftlich von 
grossem Reiz, aber von Touristen nur wenig gewürdigt. 

FERMELTHAL (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Simmen- 
thai). Thal. S. den Art. Fermel 

FERMEN8 (Kt. Waadt, Bez. Aubonne, Gem. Apples). 
Wald. S. den Art. Ferman. 

FERNATA (Kt. Graubünden, Bez. Glenner, Kreis Ruis, 
Gem. Wallensburg). 2409 m. Quelle, am SO.-Han|; des Piz 
da Dartgas, 4 km nw. über Waltensburg. Eisensaueiling, 
nur sehr wenig bekannt. 

FERNERSPITZ (Kt. Graubünden, Bez. Inn). Ca. 
3150 m. Gipfel, in der Gruppe des Piz Sesvenna, über dem 
Scarlthal und dem O.-Urer des Sesvennagletschers, auf 
der Landesgrenze gegen Oesterreich und 6,5 km ö. über 
Scarl. 

FERPfeCLE (ALPE DE) (Kt. Wallis, Bez. Harens, 
Gem. ^voleoe). 1800-2800 m. Sommerweide mit etwa 15 
Hütten, über dem linken Ufer der Borgne de Ferpecle. 
Hütten nahe dem Ende der Gletscher von Ferp^le und 
Mont Min^ u. auf den untern Hängen der Dent de Perroc 
und Dont de Veisivi. Wird vom Juli bis September mit 86 
Stück Hornvieh und 700 Schafen bezogen. 

FERPfeCLE (COMBE DE) (Kt. Wallis, Bez. Harens). 
1890-1433 m. So heisst der O.-Arm des beim Weiler Les 
Hauderes sich nach oben in zwei Zweige, AroUathal nach 
W. und Combe de Ferpecle nach 0., spaltenden Val d'H^ 
rens. Wird von einem mächtigen Kranz von Gletschern 
abgeschlossen, der nach S. an Italien und nach 0. an das 
Gletschergobiet des Eifischthales und von Zermatt grenzt ; 
die grössten der Ferpeclegletscher und der Gletscher von 
Mont Min^, die sich am Fuss des Felskammes des Mont 
Min^ vereinigen und bis in eine Seehöhe von 1890 m in 
das 4 km lange Thal hinabreichen. Am rechtsseitigen, von 
der Dent Blanche, dem Grand Cornier, der Pointe de Bri- 
colla und Couronne de Breonna überragten Thalgehänge 
zahlreiche Alpweiden (BricoUa, Les Bosses, Bi^eonna); 
am linksseitigen, von der Gruppe der Dents überragten 
Hang die Alpe de Ferpecle. Im Tnalboden längs dem rech- 



FER 



FER 



98 



ten Ufer des Thalbaches die Maiensässe S6pey (4700 m ; 
2 km über Les Hauderes), Prazfleuri and, nahe den Glet- 




Hintergrund der Corabe de Ferpöcle. 

Sehern, Salay (1800 m), wo ein kleiner Gasthof, der ein- 
zige in diesem Gebiet, und eine vor Kurzem erbaute ka- 
tholische Kapelle stehen. Ums Jahr 1290 Freytpiclo ge- 
heissen. 

FERPfeCI-E (QLACIER DE) (Kt. Wallis, Bez. Ha- 
rens). 9696-1890 m. Grosser Gletscher ; bildet zusammen 
mit dem Gletscher von Mont Min^ den Thalabschluss der 
Combe de Ferp^le, wird von diesem durch den Felsstock 
des Mont Mine getrennt und im 0. von der mächtigen 
Pyramide der Töte Blanche überragt. Vom Gipfel der lete 
Blanche bis zur Vereinigung mit dem Gletscher von Mont 
Mine 6,5 km lang ; im obern Abschnitt 3,2 km und gegen 
das Ende hin noch 500 m breit. Eine zwischen dem pla- 
teauförmigen obern Abschnitt des Gletschers und semer 
Zunge quer durchziehende Felsrippe, die einzig mit der 
sogen. Motta Rotta (= zersplitterter Fels) über das Eis 
Torragt, lässt den Gletscher mit 600 m hohem, pracht- 
vollem Eisfall abbrechen. Am N.-Fuss des Mont Mmö ver- 
einigt sich mit dem Ferp^clegletscher der Gletscher von 
Mont Mino zu einer gemeinsamen Zunge, die den Namen 
Ferpecle beibehält, durch eine grosse Mittelmoräne aber 
noch deutlich ihre Zusammensetzung aus zwei Eisströ- 
men erkennen lässt. Ueber den Ferpeclegletscher führt 
der Weg zum Col d'Hörens u. von da zum Stockgletscher 
und nach Zermatt. 

FERPICI.OZ, deutoch PiCHLEN (Kt. Freiburg, Bez. 
Saane). 770 m. Gem. und Weiler, am rechten Ufer der 
Saane, an der Strasse Freiburf- Bulle und 9,8 km s. vom 
Bahnhof Freibur?. Postwagen Freiburff-BuUe. Gemeinde, 
ein Teil von Le Mouret inbegrilTen : 22 Häuser, 132 kathol. 
Ew. ; Weiler : 12 Häuser, 60 Ew. Kirchgemeinde inendes. 
Viehzucht und Milchwirtschaft. Ehemals Ziegelei. Kapelle 
zu St. Maria und St. Joseph. 

FERRACH oderFEERACH (Kt. Zürich, Bez. Hin- 
wil, Gem. Rüti). 471 m. Dorf, am linken Ufer der Jona, 
an der Strasse Ruti-Eschenbach und 500 m so. der Station 
Räti der Linie Zürich -Uster- Rappers wil. Telephon. 24 
Hänser, 224 reform. Ew. Die meisten der Bewohner von 
Ferrach sind in den grossen Fabriken zu Rüti beschäf- 
tig. Wird mit dem Dorf Rüti bald ganz verschmolzen 
sem. 

FERRARO (MONTE) (Kt. Tessin, Bez. Lugano). 
1497 m. Gipfel ; SO.-Ende des vom Monte Tamaro (196i6 
m) zuerst nach S. streichenden und dann am Monte (>ra- 
dicioli (1939 m) nach SO. abbiegenden Kammes, 3 km w. 
überder Station Taverne der Linie Lugano-Monte Genere- 
BelUnzona der Gotthardbahn. 

FERREE (CA DEL) (Kt. Tessin, Bez. Lugano, Gem. 
Arogno). Weiler. S. den Art. Ca del Ferree. 

FERREN (Kt.Luzem,Amt Hochdorf, Gem. Hohenrain). 
506 m. Dorf, am Spittlisbach ; 2,5 km nw. Hohenrain u. 



1,5 km nö. der Station Baldegg der Seelhalbahn. 21 Häu- 
ser, 174 kathol. Ew. Ackerbau, Viehzucht und Milchwirt- 
schaft. Römische Ruinen und Altertü- 
mer; Alemannengräber. 893 : Farrichin 
und Farrihchin ; 1238 : Verrieb. Von ferch 
= Pferch, Hürde abzuleiten. 

FERRENBERQ (Kt. und Amtebez. 

Bern, Gem. Bolligen). 722 m. Dorf, am 

^. ^ S.-Hang des Bantiger, 5 km nö. der Sta- 

1^^* tion Ostermundigen der Linie Bern-Thun 

ß^:^ _ i| und 2,8 km so. Bolligen. 38 Häuser, 282 

" ' reform. Ew. Landwirtschaft. 

FERRENBERQ (Kt. Bern, Amtebez. 
Burgdorf, Gem. Winigen). 759 m. Weiler 
und zerstreut gelegene Höfe, am N.-Hang 
des Kappelengrabens und 4,5 km ö. der 
Station Winigen der Linie Olten-Bern. 
Telephon. 30 Häuser, 234 reform. Ew. 
Käserei 

FERRENBERQ (KLEIN) (Kt.Bern, 
Amtebez. Burgdorf« Gem. Heimiswil). 720 
m. Gruppe von 6 Häusern, auf einer An- 
höhe, 6 km nö. Burgdorf u. 2,3 km nnö. 
Heimiswil. 41 reform. Ew. 

FERRERA <ALLA) (Kt. Tessin, Bez. 
Lugano, Gem. Melide). 276 m. Kalkbren- 
nereien, am Ufer des Luffanersees ; 1 ,2 
km n. der Station Meliae der Linie 
Chiasso-Lugano-Bellinzona der Gotthard- 
bahn. Darüber, am Hang des Monte San Salvatore, ein 
ebenfalls Ferrera genannter Waldstrich. 

FERRERA (AU88ER) (Kt. Graubünden, Bez. Hinter- 
rhein, Kreis Schams). 1321 m. Gem. und Pfarrweiler, am 
rechten Ufer des Averser Rhein, an der von Andeer ins 
Avers führenden Strasse und 19 km s. der Station Thusis 
der Rätischen Bahn (Chur -Thusis). Posteblaee; Postwa- 
gen Andeer-Avers. Gemeinde, mit Creste : 29 Häuser, 107 
reform. Ew. romanischer Zunge. Alpwirtschaft. Um 1870 
wurde hier noch Eisenerz verhüttet ; Betrieb des mangeln- 
den Brennholzes und der Transportschwierigkeiten wegen 
eingestellt. 

FERRERA (INNER), romanisch Canicül (Kt. Grau- 
bünden, Bez. Hinterrhein, Kreis Schams). 1480 m. Gem. 
und Pfarrweilör, am rechten Ufer der Averser Rhein und 
am SW.-Fuss des Piz Grisch ; 23,5 km s. der Stetion Thu- 
sis der Rätischen Bahn (Chur-Thusis). Posteblage ; Post- 
wagen Andeer-Avers. 13 Häuser, 55 reform. Ew. romani- 
scher Zunge. Alpwirtechaft. Ehemalige Eisengruben und 
Hochöfen : Betrieb der zu geringen Ausbeute, des man- 
gelnden Brennholzes und der Transportechwierigkeiten 
wegen eingestellt. 

FERRET oder FERREX (Kt. Wallis, Bez. Entremont. 
Gem. Orsi^res). 1696 m. Grosse Maiensässe mit etwa 20 
Hütten, im obern Abschnitt des Val Ferret, am Fuss der 
Dotea und des Tzavraz, 12 km s. über dem Fleckes Or- 
si^res und 7 km s. über Praz de Fort. Kapelle zu Notre 
Dame des Neiges, an die sich zahlreiche interessante 
Volksüberlieferunsen knüpfen und zu der die Bewohner 
des Thaies trotz des vom Bischof \on Sitten und der 
Walliser Regierung erlassenen Verbotes alljährlich ein- 
mal zu wallfahren pllegten. Ferret ist das günstigste Zen- 
trum für eine ganze Reihe von Hochgebirgstouren. Gast- 
hof, im Sommer geöffnet. 

FERRET oder FERREX (COL DU QRAND) (Kt. 
Wallis, Bez. Entremont). 2536 m. Kleines Alpweidenpla- 
teau mit Passübergang, zwischen der Tete de Ferret und 
dem z. T. rasenbewachsenen, z. T. schiefrigen Grat der 
£conduits, in dem den Mont Dolent (Mont Blanc Massiv) 
mit dem Grand GoUiaz (Gruppe der Grande Rochere] ver- 
bindenden Kamm. Verbindet Martinach über das schwei- 
zerische Val Ferret mit dem itelienischen Val Ferret und 
Courmayeur(Martinach-Passhöhe9, Passhöhe-Courmayeur 
4 Stunden; Courmayeur- Passhöhe 5 Vi, Passhöhe-Mar- 
tinach 8 Stunden). Ueber den Pass selb>t führt ein Maul- 
tierpfad. Als kürzester und bequemster Weg vom Rhone- 
thal nach Courmayeur von Touristen oft begangen, noch 
mehr aber von Schmugglern benutzt. Der Pass als Ueber- 

?^ang von jeher bekannt. Es bestend s. Z. der Plan, hier 
ür eine direkte Bahnlinie Martinach - Qourmayeur den 
Berg in einem Tunnel zu unterfahren. 



94 



FER 



FER 



FERRET oder FERREX (COL DU PETIT), auch 
CoL DU Chantonnet oder Col df La L^ch^re (nach der 
Alpweide dieses Namens) geheissen (Kt Wallis, Bez. £n- 
tremont). 2498 m. Passüoersang, zwischen den letzten 
Ausläufern der vom Mont Doient und der T<^te de Ferret 
absteigenden Pointes des Gr^pillons, vom Col du Grand 
Ferret durch die Töte de Ferret getrennt. Beschwerlich, 
wenig angenehm und mit beschränkter Aussicht ; wird 
deswegen von Touristen weit weniger begangen als der 
Col du Grand Ferret, obwohl er einen um eine Stunde 
kürzeren Ueber^ang gestattet als dieser. Der von Runsen 
zerfressene italienische Han^ Les Gröpillons geheissen. 
F^aHs in die bis nach Charrat im Rhonethal zu erkennende 
Kontaktzone zwischen dem krystallinen Massiv des Mont 
Blanc (Porphyr und Protogin) und den angrenzenden se-' 
dimentären Gebilden (Trias und Jura) eingeschnitten. 

FERRET oder FERREX (MONT) (Kt. Wallis, Bez. 
Entremont). Gipfel. S. den Art. Tzavraz. 

FERRET oder FERREX (T^TE DE) (Kt. WallU, 
Bez. Entremont). 2711 m. Rasenbewachsener Gipfel, zwi- 
schen den beiden Cols de Ferret und von jedem aus in 
2Ü Minuten zu erreichen. Keine bemerkenswerte Aus- 
sicht. 

FERRET oder FERREX (VAL) (Kt. Wallis, Bez. 
Entremont). Der Name auf der Dufourkarte in der Form 
Ferrex, aur der altem Ausgabe des betr. Siegfriedblattes 
Ferret geschrieben. Diesem letztem folgend hat dann die 
alpine Litteratur beinahe allgemein die Form Ferret 
adoptiert. In der neuen Ausgabe kehrt die Siegfriedkarte 
wieder zur Orthographie Ferrex zurück. 

Thal ; 14,5 km lang. Steigt längs dem Fuss des schwei- 
zerischen Anteils am Mont Blanc Massiv, von woher ihm 
der grösste Teil seiner Wasser zufliesst, von SSW.-NNO. 
ab und bildet gleichsam die Fortsetzung der Furche, die 
durch das nach SSW. auf Courmayeur zu absteigende ita- 
lienische Val Ferret markiert ist. Mündet unterhalb Som la 
Proz auf die Yall^ d'Entremont aus. Die mittlere Breite, 
zwischen dem Bec Rond und dem gegen das Thal vor- 
geschobenen Ausläufer der Clochers de Planereuse, be- 
trägt 4,5 km. Das Val Ferret beginnt mit den zwei Fur- 
chen, die vom kleinen Glacier des Angroniettes und vom 
Col du Ban d'Arrey absteigen ; nach deren Vereinigung 
munden auf das Thal in regelmässiger Folge eine Reihe 
von kleinen linksseitigen Nebenarmen, das Val de la 
Peulaz, Val de Merdenson und die Combe des Fonds, aus. 
Von diesem obersten Thalabschnitt gehen mehrere Fuss- 
wege aus, die ihn über ebensoviele Pässe mit den benach- 
barten Thalschaften in Verbindung setzen : vom Plan la 
Chaud (2040 m) zweigt der über die Seen und den 
Col de Fenötre zum Grossen St. Bernhard hinauf fuh- 
rende Zickzackweg, von den Hätten von Ferret (1707 m ; 
mit Kapelle und Gasthof) der Weg über den . Col du 
Grand Ferret und von dem 1 km tiefer gelegenen Le 
Clou (1629 m) endlich der Weg nach Courmayeur über 
den Col du Petit Ferret oder Col du Chantonnet und ein 
zweiter über die Cröte des fxhesscttes zur Combe de La 
leitender Weg ab. Von der Vereinigung mit der Combe 
des Fonds an biegt das Thal aus der bisherigen NW.- 
Richtung nach NNO. ab. Hier, bei den Hütten von La 
FoUy, liegt der oberste ebene Thalboden des Val Ferret, 
den die vom grossen Glacier de La Neuva herkommenden 
Wildbäche mit ihren Schutlmassen aufzufüllen streben 
und den im W. ein mächtiger Kranz von Eis-u. Fels- 
massen überragt, aus welchen sieh der wilde Grand Dar- 
re? (3523 m), der Pelit Darrei (3516 m), der Tour Noir 
(3844 m), die Aiguilles Rouges und der Mont Doient 
(3833 m) als besonders grossartige Bastionen emporheben. 
Thalauswärts reihen sich von dieser Stelle an zahlreiche 
fette Alpweiden auf, längs welcher zwischen Weidegrün- 
den und Waldpartien die weissschäumende Dranse de 
Ferret hinbraust : es sind die Maiensässe von La Fouly, 
L'Amone, La Seiloz, Praillon und Branche, über denen 
rechts die rasen- u. waldbestandene Grenzkette gef^en die 
Combe de La mit ihren verhältnismässig bescheidenen 
Felstürmchen ^ec Rond, 2564 m ; Tour de Bavon, 2478 
m) aufsteigt. Einen grossen Gegensatz zu diesen mit 
Hütten übersäten und zeitweise vom Glockengetön der 
Heerden belebten Alpweidenhängen der rechten Thalseite 
bildet die gegenüber aufstrebende Thalmauer mit ihrem 
Gewirr von bizarr geformten Spitzen, ihren verwitterten 



und bis ins Unendliche zerschnittenen oder mit grünem 
und weissem Eis gepanzerten Gräten und ihren zuweilen 







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Val Ferrat. 



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von oben bis unten durch die Runse eines schäumenden 
Wildbaches (reuse) zerfressenen Felswänden. Wir kön- 
nen hier nur die bekanntesten dieser Gipfel aufzählen, 
so die Six Neirs, den Troues Bouc, die Pointe de Plane- 
reuse und Clochers de Planereuse, den Chätelet und 
Croz Magnin, die Breya. Ueber und hinter diesen den 
Thalboden u. -fluss mit ihren Vorsprüngen und Schutt- 
keffeln nach rechts abdrängenden Massen folgt ein noch 
höneres, 2(XX) m und mehr über der Thalsohle aufstei- 
gendes Hochgebirgsgebiet, das mit der Cime du Portalet 
und den Aiguilles Dorees, du Chardonnet und d^Argen- 
tiere abschliesst. Von Praz de Fort (1153 m), der obersten 
ständig bewohnten Siedelung des Thaies an, wo die dem 
Saleinazgletscher enttliessende Reuse de Saleinaz ins 
Hauptthal ausmündet, ändert zu beiden Ufern der Drani^e 
sich dessen Charakter vollständig : Roggen- und Kartofl'el- 
felder und Baumgärten treten an die Stelle der Alpweiden 
und umrahmen die Weiler Les Arlaches, Ville d'Issert 
und Som la Proz, denen bald der unterhalb der Vereini- 
fi^ung des Val Ferret mit seinem Zwillingsthal, der obern 
Vallöe d'Entremont, gelegene Flecken Orsieres folfft. 
Zwischen Ville d'Issert und Som la Proz mündet ins Val 
Ferret noch der von links aus der Combe d'Orny kom- 
mende und von der Strasse überbrückte Wildbach aus. 



PER 



PER 



95 



Durch das Val Ferret sind die zahlreichen Protoginblöcke 
herabtransportiert worden, die bei Sembrancher die 
Dranse d'Entremont aufdämmen und sich bis zu den 
Schluchten verfolgen lassen, durch welche der Strom vor 
der Yereinigunff mit der Dranse de Baffnes seinen Weg 
findet. Seit 1861 hat man am Saleinazgletscher während 
20 Jahren Eis gebrochen ; nachdem dieser Betrieb dann auf 
die Dauer von weitern 15 Jahren eingestellt war, hat man 
ihn wiederum für einige Jahre aufgenommen, aber 1900 
neuerdings aufgegeben. Die vor Jahren mit der Errich- 
tung der Gasthöfe in Ferret und Le Clou inaugurierte 
Fremdenindustrie hat durch die Eröffnung eines Hotels 
in Praz de Fort neuen Impuls erhalten. Zanlreiche erra- 
tische Blöcke, deren grösster ca. 2700 m^ misst. Blei und 
Eisen am Aroöne, alkalische Quellen auf dem Plan La 
Chaud. An der Fortsetzung bis zum Weiler Ferret der 
heute bis etwas oberhalb Praz de Fort vollendeten Fahr- 
strasse wird gearbeitet. Die der Gemeinde Orsieres zuge- 
teilten Bewohner des Thaies betreiben hauptsächlich 
Alpwirtschaft, Korn-, Roggen- und Kartoffelbau. Ein Teil 
der Jungmannschaft pflegt nach Paris auszuwandern, um 
dort als Haus- und Stallknechte, Kutscher, Omnibus- 
angestellte und Farbwaarenfabrikanten Verdienst zu fin- 
den. Vergl. Kurz, L. und E. Colomb. La pavtie suisse de 




Oberer Abschnitt des Val Ferret. 

la Chaine du Moni Blanc. Seuchktel 1900. — Correvon, H. 
Le Val Ferrex misse (im Jahrbuch S. A, C. 37, 1901- 
1902). Bern 1902. 
Der Ingenieur de Yautheleret hat 1884 das Projekt aus- 

fearbeitet, die Schweiz mit Italien durch eine das Val 
erret bis zum Fuss des Col Ferret ansteigende und 
diesen in einem in 1621 m Meereshöhe liegenden und 9,5 
km langen Tunnel unterfahrende Eisenbahn zu verbinden. 
Dieser 1893 vom Ingenieur Ritter gegenüber dem Sim- 
plondurchstich warm verteidigte Plan, der das Alpenthal 
Ferret zu einer grossen internationalen Verkehrsader 
umgestaltet hätte, ist aber der technischen Schwierig- 
keiten des Bahnbaues wegen bald in Vergessenheit ge- 
kommen. 

Das Val Ferret ist ziemlich genau auf der Grenze 
zwischen den jurassischen Kalksedimenten am SO.-Hang 
des Mont Blanc Massives und den ö. davon folgenden, 
ebenfalls jurassischen Glanzschiefern eingeschnitten. 
Diese in ihrer Facies so stark verschiedenen zwei Jura- 
zonen werden von einander getrennt durch einen schmalen 
Streifen von Trias (Rauchwacke und Gips), die an den 
Thalseiten oft zu Tage ansteht (Som la Proz, Ville d'lssert). 
Die Thalsohle selbst ist beinahe überall mit Moränen- 
material überführt und wird von Le Grand Ferret bis Praz 
de Fort durch die Schuttkegel zahlreicher Wildbäche 
in eine ganze Reihe von Stufen aufgedämmt. 

Die Flora des Val Ferret zeigt grosse Analogie mit denen 
des Val de Bagnes und der Vallee d'Entremont. Es lassen 
sich nur etwa 4-5 hier wachsende Arten nennen, die im 



übrigen Abschmitt des Einzugsgebietes der Dranse selten 
sind oder ganz fehlen : die in der Kette zwischen Ferret 
und Entremont ziemlich verbreiteten Saxifraga aizoides 
und S. diapensioidesj die am Col Ferret sich findende 
Draha Zahlbruckneri und der dem übrigen Dransegebiet 
zu fehlen scheinende Erinus alpinus. 

FERREYRE8 (Kt. Waadt, Bez. Cossonay), 565 m. 
Gem. und Dorf, auf einer dem Jura vorgelagerten Hoch- 
fiäche, nahe dem linken Ufer der Venoge und an der 
Strasse La Sarraz-Mont la Ville ; 5,3 km nnw. Cossonay 
und 2,3 km w. der Station La Sarraz der Linie Lausanne- 
Pontarlier. Postwagen La Sarraz- La Coudre. Gemeinde : 34 
Häuser, 157 reform. Ew. Kirchgemeinde La Sarraz. Land- 
wirtschaft. Beim Dorf mechanische Werkstätten und 
Elektrizitätswerk (dieses am rechten Ufer der Venoge auf 
Boden der Gemeinde Chevilly). Der Ort schon 815 ur- 
kundlich erwähnt, 1010 von König Rudolf III. von Bur- 
ffund dem Kloster Romainmötier geschenkt. Um die 
Mitte des 11. Jahrhunderts erbaute Adalbert II. von 
Grandson hier eine feste Burg, die aller Wahrscheinlich- 
keit nach der Vorläufer des spätem Schlosses La Sarraz 
war ; nachdem sich der Burgherr gegenüber den Religiösen 
des Klosters Ausschreitungen zu Schulden hatte kommen 
lassen, erwirkten diese vom Papst seine Aechtung, was 
aber die Fortsetzung der Streitigkeiten 
zwischen dem Kloster und den Herren 
von Grandson nicht zu hemmen ver- 
mochte. Das Dorf 1141 mit der Herr- 
schaft und 1598 mit der Gemeinde La 
Sarraz vereinigt, 1818 zur eigenen Ge- 
meinde erhoben. Die ehemalige Pfarr- 
kirche von Ferreyres muss an der 
Stelle des heutigen Spitales Saint Loup 
gestanden haben. Alte Gräber; 1871 hat 
man einen Münzschatz mit Münzen aus 
dem 11. und 12. Jahrhundert aufgefun- 
den. 

Der Untergrund des vorjurassischen 
Plateaus von Ferreyres besteht z. T. aus 
wenig geneigten Neocomschichten ; in 
der Nahe, im Urgon, Taschen mit Bo- 
lus und Knochen von Säugetieren der 
Tertiärzeit (Ton^ien). Im tobelartigen 
obersten Abschnitt der Vallee d'Engens, 
1 km n. Ferreyres, werden Bänke eines 
hellgelben und feinkörnigen Kalksteines 
des obern Hauterivien amgebaut. Diese 
so^. Pierre de Ferreyres wird als Bau- 
stein sehr geschätzt. 
*t«FERRICHHORN (Kt. Wallis, Bez. 
Visp). 3292 m. Gipfel, in der Balfrin- 
gruppe (Saasgrat), zwischen Saasthal und dem Thal von 
St. Nikiaus ; 2,5 km nw. vom Balfrin. Kann von St. Ni- 
kiaus aus in 6 Stunden erstiegen werden. 

FERRICHLOCKE (Kt. WaUis, Bez. Visp). 2889 m. 
Passübergang, zwischen Ferrichhorn im S. und Platthorn 
im N. ; verbindet St. Nikiaus über das Riederthal und 
die Uutegffe mit dem Saasthal. Der unschwierige, 7 Stun- 
den erfordernde Uebergang hie und da von den Einhei- 
mischen begangen. 

FERRifeRE (COMBE DE LA) (Kt. Bern. Amtebez. 
Courtelary). 865-800 m. Thälchen ; von N.-S. streichende 
Furche im Hochplateau der Freiberge, Fortsetzung der 
Combe du Valanvron, 500 m w. La Fernere und nö. La 
Chaux de Fonds. Geht beim Cul des Pr^s in eine sehr ma- 
lerische tiefe Schlucht über, die den Namen Combe de 
Biaufond führt und durch den bei Biaufond von rechts in 
den Doubs mündenden Wildbach La Ronde entwässert 
wird. Da die Faltenbiegungen der beidseitigen Gehänge 
einander nicht entsprechen, ergibt sich, dass hier die 
Erosion längs einer langen Dislokationslinie, einer so^. 
horizontalen Transversalverschiebung, gearbeitet hat. Ls 
ist dies eine der bedeutendsten Erscheinungen dieser Art 
im Juragebirge. 

FERRifeRE (I.A) (Kt. Bern, Amtsbez. Courtelary). 
1010 m. Gem. und Pfarrdorf, in der SW.-Ecke der Hoche- 
bene der Freiberge und an der Grenze gegen den Kanton 
Neuenburg, an der Strasse La Chaux de Fonds-Renan- 
Les Bois, 4 km nw. Renan und 9 km nö. La Chaux de 
Fonds. Auf welliger, wenig fruchtbarer und wasserarmer 



96 



FER 



PET 



Hochfläche gelegen, deren Einförmigkeit nur durch verein- 
zelte Gruppen von hundertjährigen Tannen etwas gemildert 




La FerriÄre, von Norden. 

wird. Station der Linie La Chaux de Fonds-Saignel^gier. 
Postbureau, Telegraph, Telephon ; Postwagen nach Les 
ßreuleux. Auf den Lichtungen zwischen den Tannenbe- 
ständen zahlreiche schmucke Meierhöfe. Gemeinde, die 
Meierhöfe und Häusergruppen La Haute Fernere, Le Cröt 
de La Fernere, La ßasse Ferriere, Le Fief, La Chaux 
d'Abel, La Combe du Pelu, Le Droit de Renan und La 
Cibourg inbefi^iffen : 97 Häuser, 723 Ew., wovon 627 Re- 
formierte und 96 Katholiken, 536 Ew. französischer und 
487 deutscher Zunge; Dorf: 27 Häuser, 234 Ew. Uhrenin- 
dustrie. Holzhandel und Viehzucht. Das heute so wohlha- 
bende Dorf ist im 15. Jahrhundert von etwa 100 aus der 
Grafschaft Valangin ausgewanderten Neuenburgern ge- 
gründet worden. Die Ableitung des Namens La Ferriere 
ist sehr unsicher. Das neue Gemeinwesen kam bald zu 
hoher Blüte, wurde aber im 30jährigen Krieg von den 
Schweden heimgesucht und geplündert. 1852 zur eigenen 
politischen und 4861 zur Kirchgemeinde erhoben. Das 
Dorf litt stark unler dem Durchzug der Alliierten im 
Winter 1813-1814. Heimat der beiden Naturforscher Abra- 
ham und Daniel Gagnebin (1707-1800 und 1709-1781), 
deren erster besonders als Geologe und Meteorologe und 
deren anderer als Physiker sich einen Namen gemacht 
hat. Beide wurden 1763 von J. J. Rousseau besucht. 

FER8CHERA (Kt. Freiburg, Bez. Sense, Gem. Gif- 
fers). 710 m. Gruppe von 6 Häusern, am rechten Ufer 
der Görine, 800 m s. GifTers (Chevrilles) und 8 km so. 
vom Bahnhof Freiburg. 30 kathol. Ew. Viehzucht. Säge u. 
Mühle. 

FE8CHEL (Kt. Wallis, Bez. Leuk). 1283 m. Gem. und 
kleines Dorf, hoch über dem rechten Ufer des Feschel- 
baches und nahe der Ausmündung des vom Fuss des Tor- 
renthornes nach S. zum Rhonethal absteigenden Thaies, 
gegenüber Agaren und 4 km nö. der Haltestelle La Souste 
der Simplonbahn. 21 Häuser, 187 kathol. Ew. Kirchge- 
meinde Guttet. 1267: Veselli ; 1357: Vesselli. 

FE8CHELBACH (Kt. Wallis, Bez. Leuk). Wildbach; 
entspringt zwischen dem Restirothorn und den Laucher- 
spitzen am Restipass in 2639 m, fliesst auf eine Strecke 
von 2 km nach bW., biegt am Fuss der Schafalp nach S. 
um, entwässert von da an das Bachalpthal, um Feschel 
zu erreichen und durch den Engpass des Rotafen in die 
Rhoneebene auszutreten, wo er nach 10 km langem Lauf 
300 m unterhalb der Brücke von Gampenen in 629 m von 
rechts in die Rhone mündet. 

FE8COQQIA (Kt. Tessin, Bez. Lugano). 840 m. Gem. 
und Dorf, im Val Magliasina, am SO. -Fuss des Poncione 
de Breno und 14,5 km nw. Luciano. Postablage; Postwa- 
gen Lugano-Novaggio-Breno. cfe Häuser, 149 kathol. Ew. 
Kirchgemeinde Breno. Ackerbau, Vieh- und Seiden rau- 

Senzucht. Starke Auswanderung der Männer in die übrigen 
Kantone der Schweiz als Maurer, Gipser, Maler u. Stukk- 
arbeiter. 

FESEL (OBER und UNTER) (Kt. Wallis, Bez. 
Leuk, Gem. Gampol). 22'I5 und 1940 m. Sommerweiden 



mit zusammen 22 Hätten, im obersten Abschnitt des Tha- 
ies des Enggersch wassere, eines rechtsseitigen Zuflusses 
zur Rhone, und zwischen Lötschen- 
und Dalathal. Die Hütten von Unter 
Fesel stehen in einer Gruppe zwischen 
zwei Waldungen, während die von 
Ober Fesel auf dem zum Fuss des 
Schwarzhorns ansteigenden Hang zer- 
streut liegen. Beide Alp weiden zusam- 
men werden mit 148 Künen bezogen. 

FE88 (PIZ) (Kt. Graubänden, Bez. 
Glenner). 2874 m. Höchster Gipfel über 
den Alpweiden von Sanina, Endpunkt 
der langen Grenzkette zwischen Lugnez 
und Safienthal. Diese aus Bündner- 
schiefern aufgebaute wilde und steil- 
wandige Kette ist am W.-Hang von den 
obersten Verzweigungen des grossarti- 
gen Rieinertobels angefressen. Der im 
Safienthal Scheerenhorn genannte Piz 
Fess trägt ein kleines Firnfeld, den s«^. 
Schneeboden, und kann trotz seines ab- 
schreckenden Aeussern von verschie- 
denen Seiten her bestiegen werden. 
Bester Anstieff von Tenna im Safien- 
thal aus über das Thäli zum N.-Grat und von da direkt 
südlich auf den Gipfel. Vom genannten N.-Grat aus ist 
auch der Piz Riein (2752 m) zugänglich. Der vom Piz 
Fess über den Piz Sanina (283b m) zum Grünerhorn 
(2842 m) ziehende S.-Grat ist dagegen nur sehr schwierig 
zu begehen. Ein zerrissener Felsgrat zwischen Piz Fess 
und Piz Sanina scheint unzugänglich zu sein und erhebt 
sich vielleicht noch höher als die zwei genannten Gipfel. 
Piz Fess und Piz Riein zum erstenmal 1874 von Hoffmann- 
Burckhardt aus Basel mit dem Führer Christian Jann 
bestiegen. 

FE88I8AI.P (Kt. Glarus, Gem. Sool). Alpweide. S. 
den Art. F^essisaxp. 

FE8TE (Kt. Bern, Amtsbez. Aarwangen, Gem. Melch- 
nau). 580 m. Gruppe von 8 Häusern, 500 m ö. Melch- 
nau und 5,5 km nö. der Station Madiswil der Linie 
Langenthai- Wolhusen. 66 reform. Ew. Zwischen Feste 
und Melchnau auf einem Höhenzug die Burgruinen 
Grünenberg, Langenstein und Schnabelburg. 

FE8TIQI.ET8CHER (Kt. Wallis, Bez. Visp). 4554- 
2676 m. Gletscher, 3 km lang und 1 km breit, beginnt am 
Gipfel des Dom (Mischabelgruppe) und bekleidet dessen 
WN W.-Hang. Endigt mit zwei Zungen, die vom Felsgrat 
des Haupt von einander getrennt sind und beide grossar- 
tige, von der Bahnlinie nach Zermatt (bei Randa) aus sehr 
ffut sichtbare Eisfalle bilden. Ueber dem rechten Ufer die 
Domhätte des S. A. C. Der gewöhnliche Anstieg auf den 
Dom fuhrt längs der rechten Seite dieses Gletschers auf- 
wärts. 

FESTIHORN (Kt. Wallis, Bez. Visp). 3249 m. Gipfel, 
nö. Vorberg des Stellihorns, in der den Stelli- vom Jung- 
gletscher trennenden Felskette und unmittelbar w. über 
St. Nikiaus. Am WN W.-Hang die Schafweiden In der 
Festi. 

FE8TIH0TTE (Kt. Wallis, Bez. Visp). Schutzhätte 
des S. A. C. S. den Art. Domhütte. 

FE8TIJOCH (Kt. Wallis, Bez. Visp). 3724 m. Pass- 
übergang, am N W.-Hang des Dom (in der Mischabel- 
gruppe), zwischen Festi- und Hohberggletscher. Wird be- 
gangen entweder beim Aufstieg auf den Dom von Randa 
aus oder beim Uebergang über das Nadeljoch nach Saas 
Fee. Passhöhe 3 Stunden über der Domhütte. 

FETAN (GROSS und KLEIN), romanisch Ftan 
Grond u. Ftan PiTSCHEN(Kt. Graubünden, Bez. Inn, Kreis 
Unter Tasna). 1648 und 163(5 m. Politische und Kirchge- 
meinde mit zwei Dörfern, auf schöner Terrasse am S.- 
Fuss des Piz Minschun, 4 km w. Schuls. Postbureau, Te- 
legraph, Telephon ; Postwagen nach ArJez. 95 Häuser, 
403 reform. Ew. romanischer Zunge. Alp Wirtschaft. Frem- 
denindustrie. Zwischen Gross Fetan im W. und Klein 
Fetan im 0. das Val Püzza, beide 500 m von einander 
entfernt. Schöne Gebirgsstrasse nach Ardez und Schuls. 
Fetan dreimal (1721, 1795 und 1885) durch Feuer zerstört 
und mehrfach von Lawinen heimgesucht, deren eine 1720 
32 Menschen tötete und 13 Häuser wegriss. 1890 traten 



FfiT 



FEU 



97 



am Fass des Hanges der Terrasse von Fetan bedenkliche 
Erdrutschungen auf, die zu grossen Besorgnissen Anlass 



H 



-^ 




^ *» 



Featijoch a. Kette des Zinal Rothorns. 

gaben, heute aber durch Entwässerungs- und Verfesti- 
gun<?sarbeiten zum Stillstand gekommen sind. Heimat des 
als Verfasser von romanischen Erbauungsbüchern bekann- 
ten Job. Rosius a Porta; des Historikers Pet. Dom. Ro- 
sius a Porta, genannt Ungareis (1732-1808), der seine sehr 
geschätzte Geschichte der Reformation in Graubänden in 
lateinischer Sprache 1770 veröffentlichte; des Chronisten 
Jak. Ant. Vulpius, der die Ereignisse während der Reli- 
gionskriege in Graubänden aufgezeichnet und 1680 mit 
I)orta zusammen eine romanische Bibelübersetzung im 
Engadinerdialekt veröffentlicht hat. Im letzten Viertel des 
18. Jahrhunderts gründete Andreas Rosius a Porta in 
Fetan eine höhern Ansprächen dienende private Erzieh- 
ungsanstalt, das sog% Institut a Porta, das seit der Ein- 
richtung der paritätischen Kantonsschule in Chur (1807) an 
Bedeutung einbüsste, aber doch noch bis 1870 fortoestand. 
F^TIQNY (Kt. Freiburg, Bez. Broye). 457 m. Gem. u. 
Pfarrdorf, in der Freiburger Exklave Estavayer, am linken 
Ufer der Broye schön gelegen ; 3,5 km sw. der Station 




Fetan von Nordwesten. 

Payeme der Linie Freiburg-Yverdon. Postablage, Tele- 

Ehon ; Postwagen Payerne-Combremont. 72 Häuser, 390 
athol. Ew. Viehzucht und Milchwirtschaft; Getreide-, 



Kartoffel-, Tabak-, Hanf- und Obstbau. Die grosse mecha- 
nische Ziegelei Payerne steht zum grössern Teil auf Boden 
von F^tigny und baut dessen mächtige 
Lehmgruben ab; daneben eine zweite 
kleinere Ziegelei. Pfarrkirche zu den 
10000 Märtyrern. 1143 : Festignei. Das 
Dorf 1490 von Geor^ von Gläne um den 
Preis von 1450 kleinen Gulden an das 
Spital Romont und um 1510 unter Vor- 
behalt der Gerichtshoheit von diesem 
weiter an Freiburg verkauft. 1834 grosse 
durch Blitzschlag verursachte Feuers- 
brunst. Auf dem dreieckigen Plateau 
von La Rapettaz hat man 1882 einen 
Burgunderfriedhof aufgedeckt, in dem 
zahlreiche Schmuck- und Gebrauchs- 
gegenstände (goldene Fibeln mit Fili- 
ffranschmuck, versilberte und vergol- 
aete Gurtelschnallen etc.) zum Vor- 
schein gekommen sind. Die ganze rei- 
che Sammlung heute im kantonalen 
^^^ Museum zu Freiburg. In der Nähe Spu- 
^^H ren einer Römerstrasse. 1796 als selb- 
^^^H ständige Kirchgemeinde von der von 
"^^^H Mänieres abgetrennt. Ver^l. Kirsch, P. 
^^W Le cimetiere burgonde de Fetigny in 
den Archives de ta soc, d'hist. de Fri- 
bourg. Vol. VI. 

FETZIKON (Kt. St. Gallen, Bez. 
See, Gem. Eschenbach). 605 m. Gninpe 
von 9 Häusern, auf sonniger Anhone, 
700 m n. Eschenbach und 4 km nö. 
der Station Schmerikon der Linie Rapperswil- Wesen- 
Sargans. 41 kathol. Ew. Ackerbau und Viehzucht. Seiden- 
weberei als Hausindustrie. 

FEUERBERQ (Kt. Glarus). 2642 m. Gipfel, eine der 
Spitzen der Glärnischgruppe, 2 km w. vom Rüchen Glär- 
nisch (2910 m) und 1 km onö. über der Glärnischhötte 
des S. A. G. Der Weg von der Hütte zum Glärnischglet- 
scher und Rüchen geht s. am Feuerberg vorbei. Ein nach 
N. mit grossartigen Felswänden zum Klönthal abfallender 
Felsgrat verbindet den Rüchen mit dem Feuerberg und 
setzt sich nach W. noch bis zum Nebelkäppler fort. 

FEUERSTEIN (Kt. Luzern und Obwalden). 2043 m. 
Gipfel, ö. über Flühli, auf der Grenze zwischen den Kan- 
tonen Luzern und Obwalden und zwischen den zwei von 
Kragen ausgehenden und ins Thal des Entlenbachs, bezw. 
nach Samen fuhrenden Fusswegen. Vom Gasthof auf der 
Seewenalp aus leicht zu besteigen. 

FEUERTHALEN (Kt. Zürich, Bez. Andelfingen). 
400 m. Gem. und Dorf, am linken Ufer des Rhein, gegen- 
über SchatThausen und mit diesem durch 
eine Brücke verbunden ; 1,5 km so. vom 
Bahnhof Schaffhausen. Station der Li- 
nie Schaffhausen - Etzwilen - Konstanz. 
Postbureau, Telegraph, Telephon. Die 
Gemeinde erstreckt sich bis zum be- 
waldeten N.-Hang des Kohlfirst und 
zählt zusammen mit Langwiesen in 180 
Häusern 1992 reform, und kathol. Ew. 
{worunter 237 Italiener); Dorf: 127 Häu- 
ser, 1558 Ew. Landwirtschaft. Bewoh- 
ner arbeiten z. T. in den Fabriken von 
Schaffhausen und Neuhausen. Im Dorf 
selbst Bine Fabrik für Hanfschläuche ; 
Fabrikation von Baumaterialien, zwei 
mechanische Werkstätten. Kranken- 
haus. Vereinzelter Fund aus der Bronze- 
zeit ; römischer Wachtturm auf der 
Schätzen halde ; über dem Dorf römi- 
sches Bauwerk. In Langwiesen aleman- 
nische Siedelung, 875-76: Langewisa. 
Das bis 1543 von einem Schaffhauser 
Geschlecht ausgeübte Recht der niede- 
ren Gerichtsbarkeit ging 1544 an Zürich 
über. Nach den «Memorabilia Tigurina» 
besassen auch das Kloster Allerheili- 
gen in Schaffhausen, der Bischof von Konstanz u. a. 
Rechte und Güter in Feuerthalen. Meyer von Knonau 
berichtet, dass 1643 der Fürst von Fürstemberg mit 

GEOGR. LEX. 51 — II — 7 



98 



FEÜ 



FEX 



zahlreichem Gefolge hier in eiDem ihm gehörigen Haus 
gewohnt habe. Im Kriegsjahr 1799 hatte Feuerthalen 
unter dem Durchzug der fremden Truppen stark zu leiden. 

FEUILLAS8E (Kt. Genf, Rechtes Ufer, Gem. Mey- 
rin). 442 m. Gruppe von 5 Bauernhöfen, 5 km nw. Genf 
und 1 km von der Station Vernier-Meyrin der Linie Genf- 
Bellegarde. 31 kathol. und reform. Ew. 

FEUILLA8SE (CHATEAU DE) (Kt. Genf, Rechtes 
Ufer, Gem. Meyrin). 446 m. Schloss, auf dem Rücken eines 
kleinen Hügels, 400 m von den Bauernhöfen Feuillasse 
und 5 km nw. Genf. Das Gebiet von Feuillasse seit der 
Mitte des 14. Jahrhunderts Eigentum des Stiftes St. Pierre 
zu Genf, 1357 parzelliert und an die Bürger von Moens 
verteilt, mit Ausnahme von 80 Jucharten, über die sich 
das Stift die Verfügung vorbehielt und die es 1489 an 
den Edelherrn Claude de Viry verkaufte. Die Herren von 
Viry erbauten dann später auf diesem ihrem Eigentum das 
Schloss Feuillasse. 

FEU8ISBERQ (Kt. Schwyz, Bez. Höfe). 683 m. Gem. 
und Pfarrweiler, am NW.-Hang des Hohen Etzel, an der 
Strasse über den Etzel und 3,5 km nö. der Station Schin- 
del legi der Linie WädenswiUEinsiedeln. Postablage, Te- 
legraph, Telephon; Postwagen nach Schindellegi. Ge- 
meinde ziemlich umfangreich, mit Hinterberg, Vogelnest, 
Mittelberg, First, Stoss, Oberberg, Schindellegi, Ennet- 
derbrück und Vorderberg zusammen : 
174 Häuser, 1276 kathol. Ew.; Weiler 
Feusisberff : 9 Häuser, 62 Ew. Acker- 
und Obstbau, Viehzucht. Seiden- und 
Baumwollindustrie. Sommerfrische.Kir- 
che 1492 erbaut und 1892 restauriert. 
Gasthöfe und Pensionen in prachtvol- 
ler Lage. Auf dem Etzel seit 1901 ein 
Aussicntsturm. Armenhaus. Feusisberg 
gehört erst seit dem alten Zürichkrieg 
(1440) zu Schwyz, zu welcher Zeit es 
von den über Enzenau vordringenden 
Eidgenossen zu verschiedenen Malen 
geplündert worden ist. 1798 wurden der 
Etzel und die Schindellegi von den ge- 
sen die Franzosen ihren Freiheitskampf 
Kämpfenden Schw7zern besetzt, aber 
einzig Schindelleffi heldenmütig vertei- 
digt. Beide Punkte auch im Sonder- 
bundskrieg von den Schwyzern bewacht. 
Beidemale standen die Schwyzer Trup- 
pen unter dem Oberbefehl eines Alois 
von Beding, 1798 unter dem Vater und 
1847 unter dem Sohn. 

FEU8I8QARTEN (Kt. Schwyz, 
Bez. Höfe, Gem. Feusisberg). 710 m. 
Klimatischer Kurort, am NW.-Hang 
des Hohen Etzel, mit prachtvoller Aus- 
sicht auf den Zürichsee und seine Umgebungen, 600 m 
ö. Feusisberg und 4 km nö. der Station Schindellegi der 
Linie Wädenswil-Einsiedeln. Telephon. 2 Häuser. Schöne 
Spazierwege. 

FEUTER80EI (Kt. Bern, Amtsbez. Saanen, Gem. 
Gsteig). 1130 m. Dorf, mit 16 im Thal von Gsteig zerstreut 
gelegenen Häusern, am linken Ufer der Saane, an der 
Strasse Saanen-Gsteig, am Ausgang des den Arnensee 
bergenden Tscherzisthaies, 3 km n. Gsteig und 9,7 km s. 
der Station Saanen der Simmenthalbahn. Postablage; 
Postwagen Les Diablerets-Col du Pillon-Saanen. 101 re- 
form. Ew. Alpwirtschaft. 

FEÜX (I.E8) (Kt. Wallis, Bez. Monthey, Gem. Trois- 
torrents). Häuser. S. den Art. Colayre. 

FEX (Kt. Graubünden, Bez. Maloja, Kreis Ober Enga- 
din. Gem. Sils). 1900-1980 m. Häusergrupoen im Val Fex, 
einzeln benannt als Curtins, Crasta u. Platta; 11 km s. 
der künftigen Station St. Moritz der Engadinerbahn. Zu- 
sammen 16 Häuser, 50 reform. Ew. 

FEX (OVA DA) (Kt. Graubünden, Bez. Maloja). Wild- 
bach des Val Fex; entspringt in 2150m, lliesst nach NNW. 
und mündet nach 10 km langem Lauf, von dem die letzten 
2 km auf den Thalboden des Engadin bei Sils entfallen, 
in 1794 m in den Silvaplanersee. Von mehreren Brücken 
überschritten. 

FEX (VADRET DA) (Kt. Graubünden, Bez. Maloja). 
3400-2150 m. Gletscher; erfüllt den ganzen Thalhinler- 



grund des Val Fex und steigt mit schmaler Zunge bis 2150 
m ab. Von einem grossartigen Kranz von Hochgipfeln 
umrahmt. 

FEX (VAL) (Kt. Graubünden, Bez. Maloja). 2900-1800 
m. Thal, mündet bei Sils Maria zwischen Silser- und Sil- 
vaplanersee von rechts auf das Ober Engadin aus. Das 
Hintergehänge der Thaies vom Fexgletscher bedeckt, den 
ein mächtiger Kranzvon über 3000 m aufsteigenden Hoch- 
gipfeln umrahmt : Chapütschin (3393 m), La Mongia (3419 
m), Pizzo Capuccino (3382 m), Piz Tremoggia (3452 m), 
Piz Fora (3370 m), Piz Güz (3169 m), Piz Led (3090 m) u. 
a. Vom Chapütschin zweigt die Kette des Piz Corvatsch 
ab, die ebenfalls mehrfach vergletschert ist u. die rechts- 
seitige Thalwand des Val Fex bildet ; auf der linken Seite 
begleitet das Thal der etwas niedrigere schöne Gras- 
rücken, der vom Piz Led zur Mortaira (2333 m) zieht. 
Vom Ende des Fexgletschers steigt das Thal langsam ab, 
erweitert sich bei den Hütten von Platta (1900 m) zu einem 
weiten, mit prächtigen Alpweiden bestandenen Boden und 
bricht dann in enger Schlucht nach NO. durch. Hier las- 
sen ein vom Piz Corvatsch zuerst nach W. zur Furtschel- 
las (2933 m) und dann nach NW. gegen Sils Maria zu ab- 
zweigender Seitenkamm und ein von SW. her ebenfalls 
gegen Sils Maria zu ziehender und den Silsersee beglei- 
tender Ausläufer der Motl'ota dem Thalbach einen nur 




Thalschluss dea Val Fex mit dem Vadret da Fex. 



sehr engen Auszug. Die hohe Lage des Thaies (im Mittel 
2000 m) lässt kernen geschlossenen Baumwuchs mehr auf- 
kommen (obwohl im Engadin sonst der Wald recht hoch 
anzusteigen ptlegt), so dass man nur hier und da noch auf 
einige Gruppen von kümmerlich ihr Dasein fristenden 
Bäumen tritlt. Zahlreiche, stellenweise zu kleinen Gruppen 
zusammengerückte Hütten : Platta, Crasta (1948 m), cfur- 
tins (1976 m). Im Sommer sind die Alpweiden stark be- 
lebt und wird das Thal auch von Touristen häufig besucht. 
Ein guter Weg führt von Sils Maria aus thalaufwärts bis 
Curtins und zu den Silseralpen. Der Thall)oden bleibt 
oberhalb Curtins noch auf eine Strecke von 2 km flach 
und wird dann von einem von links kommenden Fels- 
sporn, dem heute entwaldeten Mott Selvas, eingeengt. 
Hänge und Thalboden werden steiler, die Alpweiden ver- 
schwinden und machen Schuttfeidern von Sturz- und 
Gletscherschutt und endlich dem Gletscher selbst Platz. 
Das Thal bietet somit grosse Abwechslung und dies um 
so mehr, als die beiden Seitengehänge von durchaus ver- 
schiedenem Charakter sind; besonders reich an land- 
schaftlichem Wechsel ist das rechte Seitengehänge, das 
zu Unterst von steilen Felsbändern gesäumt wird, weiter 
oben Terrassen mit kleinen Hochsebirgsseen (Lej Sgri- 
schus und Lej Alv) trägt und dann plötzlich mit mächtiger 
Felswand aufstrebt. Ein wenig begangener Passüber, 
gang, die Fuorcla da Fex-Roseg (3082 m), fuhrt vom Tha- 
über den Lej Alv zum Roseggletscher ; ein anderer Pass, 



FEX 



FID 



99 



die Fuorcla da Fex-Scerscen (ca. 3100 m), leitet zwischen 
Piz Tremoggia und Piz Capuccino durch, bildet den kür- 
zesten Weg vom Ober Engadin zu der am S.-Hang des 
Bernina Massives stehenden Marinellihütte des C. A. I. u. 
wird seiner grossarligen landschaftlichen Schönheit wegen 
trotz der eribrderiichen langen Gletscherwanderung von 
Touristen häuß^ begangen. Von ihm aus können die 
stolzen und schönen Spitzen des Piz Tremoggia bestiegen 
werden. 

FEX-R08EQ (FUORCLA DA) (Kt. Graubünden, 
Bez. Maloja). 3082 m. Passübergang, zwischen Piz Ck>r- 
vatsch und 11 Chapütschin, in der das Yal Fex vom Roseg- 
gletscher trennenaen Kette. 

FEX-SCERSCEN (FUORCLA DA) (Kt. Graubün- 
den, Bez. Maloja). Ca. 3100 m. Passübergang, zwischen 
Piz Tremoggia und Piz Glüschaint, auf der Landesgrenze 
gegen Italien ; verbindet das Val Fex über den Fexglet- 
Hcher und den Scerscengletscher mit der Marinellihütte 
des C. A. I. 

FEV (Kt. AVaadt, Bez. ^Ichallens). 645 m. Gem. und 
Dorf, auf einer Hochfläche im Jorat, zwischen der Men- 
tue und ihrem linksseitigen Zufluss Sauteruz, an der 
Kreuzung der Strassen £challens-Payerne und Orbe-Yuar- 
rens-Moudon, 5 km nö. l^challens. Station der Linie 
Lausanne-iLchallens-Bercher. Postablage, Telephon. Ge- 
meinde : 60 Häuser, 476 reform. Ew. ; Dorf: 50 Häuser. 
450 Ew. Kirchgemeinde Bercher. Ackerbau. Sagen und 
Mühlen von Les Engrins an der Mentue. Dorf einst zur 
Baronie Bercher gehörig. Funde von römischen Gold- u. 
Silbermünzen. 

FEV (Kt. Wallis, Bez. Conthey, Gem. Nendaz). 750 m. 
Weiler und Häusergruppen, an den vom Bec de Nendaz 
und der Dent de Baltavaux zur Rhone absteigenden 
Hängen, zwischen Aproz und Riddes, am Fussweg 
Nendaz-Riddes und 3 km ö. vom Pfarrdorf Basse Nen- 
daz. Mit den Siedelungen Bieudron, Crevey und Plan 
Fey zusammen : 196 kathol. Ew. ; Weiler Fey allein : 
12 Häuser, 76 Ew. Sagen. Wiesenbau und Viehzucht. 
Holzhandel. 

FEY (BOIS DES) (Kt. Waadl, Bez. Cossonay, Gem. 
La Sarraz). 553 m. Gruppe von 2 Häusern, nahe dem 
rechten Ufer des Veyron und von ihm durch einen Wald 
getrennt, an einem von La Sarraz nach Dizy führenden 
Fussweg und 2 km siv. La Sarraz. Der Name Bois des 
Fey umfasst sowohl die Häuser wie den längs dem Ufer 
des VeyroD sich hinziehenden und den s. davon stehen- 
den Wald. 17 reform. Ew. Die Häuser gehören zu einem 
grossen Landgut, das einst Eigentum des Schlosses La 
Sarraz gewesen war. 

FEY (PLAN) (Kt. Wallis, Bez. Conihey, Gem. Nendaz). 
808 m. Oberer Abschnitt des Weilers Fey, nach seiner 
Lage auf flacher Terrasse so genannt. 3 Häuser, 22 kathol. 
Ew. Vergl. den Art. Fey. 

FEYA (LA T^TE DES LUEX) (KL Waadt, Bez. 
Aigle). 2242 m. Schafweiden, am NW.-Grat des Grand 
Mnveran und unt^r der Pointe des Ancrenaz. Mit Sturz- 
schutt übersät. Beliebtes Ausflugsziel der Sommergäste 
von Les Plans de Freni^resund von hier aus in 3*/« Stun- 
den zu erreichen. Fällt mit 700 m hohen Felswänden, wie 
sie in solcher Grossartigkeit in den Waadtländer Alpen 
selten zu finden sind, senkrecht zu Thal. 

FEYDEY (LE) (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. Leysin). 
1440 m. So heisst das modernste Quartier von Leysin ; von 
den Sanatorien, Gasthöfen und Villen gebildet, die an der 
Stelle der heute zum grössten Teil verschwundenen ein- 
stigen Hütten von Le Feydey sich erheben. Endstation der 
elektrischen Bahn Aigle-Leysin. Telephon. 39 Häuser, 423 
reform, und kathoU Ew. Vergl. den Art. Leysin. Rote 
Schichten der obern Kreide und, tiefer unten, Flysch mit 
Fucoiden. 

FEYGIRE, auch FEIQIRE, FIAUO^RE, FIAU- 
DlfeRE, FLAUQIRE, FOlGlfeRE etc. Ortsnamen 
der französischen Schweiz; vom mittellatein. filicarias = 
mit Famkraut bestandener Ort. 

FEYGIRE (PONT DE) (Kt. Waadt und Freiburg). 
773 m. Schöne Brücke über die Veveyse de Fey^ire, Strasse 
Blonay-Chätel Saint Denis, unterhalb Ghaussin. Ganz in 
der Nähe, am linken Bachufer, der Bauernhof Feygire. 
Beliebtes Ausflugsziel der Bewohner von Vevey u. If km 
von diesem Ort entfernt. Oligocäne Schiefer mit Clausil- 



lien in abnormalem Kontakt mit der ersten Neocom- und 
Jurazone des Alpenrandes. 

FEYQIRE (VEVEYSE DE) (Kt. Freiburg u. Waadt). 
Bach ; entspringt am Fuss der Cape au Moine in 1500 m, 
fliesst in tiefem Einschnitt zuerst nach NW. und W., biegt 
in scharfem Knie nach SW. um und mündet in die Ve- 
veyse de Chätel. Durchbricht in beinahe rechtem Winkel 
die ganze äussere Zone der romanischen Präalpen und 
bildet ihrer ganzen Länge nach die Grenze zwischen den 
Kantonen Waadt und Freiburff. An den Steilufern eine 
Reihe von wichtigen Fundstellen von Fossilien der Jura- 
schichten, des Neocom, Flysch und endlich der oligocänen 
Süsswassermolasse. 

FEZI8LOH (Kt. Thurgau, Bez. Arbon, Gem. Egnach). 
429 m. Weiler, 4 km vom linken Ufer des Bodensees und 
2 km so. der Station Egnach der Linie Rorschach - Ro- 
manshom. 10 Häuser, 49 kathol. und reform. Ew. Kirch- 
gemeinden Steinbrunn und Neukirch - Egnach. Wiesen- 
und Obstbau (Kirschbäume), Viehzucht und Milchwirt- 
Schaft 

FIANELL (PIZ) (Kt. Graubünden, Bez. Hinterrhein). 
Gipfel. S. den Art. Grisch (Piz). 

FIAUDAIRES (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. Ormont 
Dessous). Hütten. S. den Art. Fiodeyres. 

FIAUDifeRE (Kt. Waadt, Bez. Vevey, Gem. Le GhA- 
telard). 1700 m. Hütten, zur Zeit der Heuernte und des 
Holzschlages in den am SO.-Hang des Mont Cubly zer- 
streuten Waldparzellen bezoffen, etwas über der Strasse 
Les Vernex-Les Avants und aer Bahnlinie Montreux -Les 
Avants-Montbovon gelegen ; 1,5 km w. Les Avants. 

FIAUQfeRE (BN) oder EN FlOUQfeRE (Kt. Waadt, 
Bez. Morges, Gem. Yens). Häuser. S. den Art. Fougere 
(La). 

FIAUQfeRBS (Kt. Freibunz. Bez. Veveyse). 860 m. 
Gem. und Dorf, mit zwischen Saint Martin und Gratta- 
vache zerstreut gelegenen Häusern, 5 km nö. Oron la Ville 
und 2,5 km nw. der Station Semsales der Linie Chätel 
Saint Denis-Bulle-Montbovon. 50 Häuser, 279 kathol. Ew. 
Kirchgemeinde Saint Martin. Viehzucht und Milchwirt- 
schaft. Das Dorf wird von den Leuten der Umgegend all- 
gemein a Ville des Bois » geheissen. Kapelle zur Unbe- 
fleckten Empfängnis, 1884 erbaut. 1150: Felgeria; 1273: 
Fiougi^re. ' 

FIBBIA (I.A) (Kt. Tessin, Bez. Leventina). 2742 m. 
Gipfel, im Gotthard massiv ; steigt unmittelbar über der 
Gotthardpasshöhe mit breiten, steinigen und allen Pflan- 
zenwuchses entbehrenden Hängen auf. 2 km sw. über dem 
Hospiz und von hier aus in 2 Stunden leicht zu besteigen. 
Sehr schöne Aussicht. Fundstellen von z. T. seltenen Mi- 
neralien in schöner Ausbildung : Adular, Albit, Anatas, 
Apatit, Bergkrystall, Calcit, Desmin, Epidot, Laumontit, 
Rutil, Titanit etc. Liegt in einer Zone von mehr oder we- 
niger grobkörnigem Gneis, dem sogen. Fibbiagneis, der 
durch Dynamometamorphose aus dem Gotthardgranit ent- 
standen ist. 

FICHTEN (KLOSTER) (Kt. Basel Stadt, Gem. 
Basel). Ehemaliges Kloster. S. den Art. Kloster Fich- 
ten. 

FIDAZ (Kt. Graubänden, Bez. Im Boden, Kreis Trins, 
Gem. Flims). 1189 m. Dorf, am S.-Fuss des Flimsersteins, 
2 km ö. Flims und 8 km nw. über der Station Beichenau 
der Bätischen Bahn (Chur-Thusis). Postablage. 33 Häuser, 
106 reform. Ew. romanischer Zunge. Alpwirtschaft. Kleine 
Kirche. 

FIDENHAU8 (Kt. 6t. Gallen, Bez. Tablat, Gem. Häg- 
genswil). 585 m. Gruppe von 2 Häusern, 1 km so. Häggens- 
wil und 9 km nw. der Station Mörswil der Linie St. Gal- 
len-Borschach. 34 kathol. Ew. Acker- und Obstbau. Vieh- 
zucht. Stickerei. 

FIDERENHAUSER (Kt. St. Gallen, Bez. Ober Hhein- 
thal, Gem. Altstätten). 700 m. 5 über dem Schleifertobel 
zerstreut gelegene Häuser; 2,5 km nw. über der Station 
Altstätten der Linie Borschach - Sargans. 14 reform, und 
kathol. Ew. Landwirtschaft. Stickerei. 

FIDERI (Kt. St. Gallen, Bez. Gaster). Gipfel. S. den 

Art. SCHÄNNISERBERG. 

Fl DER 18 (Kt. Graubünden, Bez. Ober Landquart, Kreis 
Jenaz). 903 m. Gem. und Pfarrdorf, auf schöner Terrasse 
am linken Seitengehänge des Prätigau, 2 km von der Sta- 
tion Fideris der Rätischen Bahn (Landquart-Davos). Post- 



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FID 



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bureau, Telec^raph, Telephon ; Postwagen nach Fideris 
Bad. Gemeinde, mit Strahlegg : 95 Häuser, 3Ö3 reform. Ew. 




Fideris von SQden. 

deutscher Zunge ; Dorf: 70 Häuser, 271 Ew. Alpwirtschaft. 
Gasthöfe, Pensionen und Wirtshäuser. 

FIDERIS BAD (Kt. Graubünden, Bez. Ober Land- 
quart, Kreis Jenaz, Gem. Fideris). 1091 m. Heilbad in 
einer Schlucht am rechten Ufer des Arieschbaches gele- 
gen ; 2,9 km so. der Station Fideris der Rätischen Bahn 
(Landquart- Davos). Im Sommer Postablage, Teleffraph 
und Postwagen nach Station Fideris. 3 Häuser, 18 Ew. 
Sehr bekannter und besuchter Kurort mit eisenhaltigem 
Säuerling. Armenhaus. 

FIDERISER ALP DURANNA (Kt. Graubünden, 
Bez. Ober Landquart, Kreis Jenaz, Gem. Fideris). 1872 bis 
2124 m. Alpweide mit Gruppe von etwa 20 Hütten, am 
N. -Hang der Hochwangkette zwischen Piz Casanna und 
Kistenstein, am Weg über den Durannapass und 4-5 Stun- 
den so. über Fideris. 

FIDERISER HEUBERQE (Kt. Graubünden. Bez. 
Ober Landquart, Kreis Jenaz, Gem. Fideris und Jenaz). 
2000-2200 m. Alpweiden mit zerstreut gelegenen Hütten, 
an den Quellen des Arieschbaches, n. der Glunerseen, am 




Fideris Bad von Norden. 

Weg über die Artlinerfurka und am N.-Hangdes Mattlis- 
horns, 4-5 Stunden s. über Fideris. 
FIDERSBERQ (Kt. u. Bez. Schwyz). 1919 m. Breiter 



Gipfel, in dem vom Drusberg nach N. abzweigenden und 
das Thal der Stillen Waag vom obern Sihlthal trennenden 
kurzen Kamm; 3,5 km n. vom Drus- 
berg und 4 km osö. über Ober Iberg. 
FIECHTEN (Kt. Bern, Amtsbez. 
Trachselwald, Gem. Huttwil). 620 im. 
Weiler und am rechten Ufer der Roth 
zerstreut gelegene Häuser, nahe der 
Mündung der Roth in die Langeten und 
1,2 km w. der Station Huttwil der Lini»« 
Langenthai- Wolhusen. 33 Häuser, 212 
reform. Ew. Käserei. Fiechlen, vom alt- 
hochdeutschen ßuhta r=r heutigem Fichte 
{Pinus). 

FIER <PIZ) (Kt. Graubünden, Bez. 
Inn). 3060 m. Schöne und stolze Fels- 
pyramide, in der Gruppe des Piz Qua- 
ter Vals, hinter dem ö. Gehänge des 
zentralen Engadin und über dem Grund 
des Val Trupchum ; zwischen Piz 
Quater Vals und Piz Ca^ana, 9 km ö. 
Scanfs. 

FIESCH oder VIESCH (Kt. Wallis, 
Bez. Gfoms). 1071 m. Gem. und schönes 
Pfarrdorf, am rechten Ufer der Rhone 
gegenüber Aernen und an der Ausmün- 
dung des Fiescherthales prachtvoll ge- 
legen, 18 km nö. Brig. Hauptzentrum 
für den Fremdenverkehr zwischen Brig 
u. dem Rhonegletscher. Postbureau-, Telegraph; Pferde 
Wechsel des Postkurses Brig-Furka-Göschenen. Gemeinde, 
mit Birchi u. Wiler : 58 Häuser, 467 kathol. Ew. ; Dorf: 15 
Häuser, 127 Ew. Klimatischer Kurort mit zwei Gasthöfen. 
Schöne neue Kirche. Vom Fiescherbach (oder der Eau 
Blanche) in zwei Hälften getrennt. Neben der nach O. 
weiterführenden und bald das Gehänge des Gibeleggwal- 
des erklimmenden Furkastrasse gehen von Fiesch noch 
drei bedeutende Alpwege aus, deren einer nach N. ins 
Fiescherthal führt, während der zweite längs dem bewal- 
deten Hang zur Terrasse von Fürnergarten und zum Eg- 
gishom leitet und der dritte s. vom Dorf von der Haupt- 
strasse abzweigt, unweit der Mündung des grossen Fiescher- 
baches in die Rhoneschlucht eintritt, den Fluss auf einer 
Hoizbrücke überschreitet und nach Aernen und Binn 
führt. Fiesch besass im 13. und 14. Jahrhundert sein ei- 
genes Edelgeschlecht , dessen letztes bekanntes Glied, 
Wilhelm von Viesch, seine Güter an die um 1325 in Aer- 
nen sesshaft gewordenen Augustinerinnen vom Mont de 
Gräce, die dann 1344 nach Fiesch übersiedelten, abtrat. 

Nach zeitgenössischen Urkunden hausten 
diese Nonnen in einem festen Turm am 
Hauptplatz von Fiesch. Trotzdem der Bi- 
schof von Sitten die Schwestern ermächtigt 
hatte, zweimal in der Woche im See der 
« Monts de Morel » (es ist damit ohne Zwei- 
fel der Bettenersee gemeint) zu fischen, 
verschwand 1505 das Kloster Mangels an 

fenügendem Einkommen. Gerichtsherr von 
iesch war bis zum Ende des 18. Jahrhun- 
derts der Bischof. Ueber Fiesch hat man 
ein Bronzebeil gefunden. 1265: Viu ; 1277 : 
Vios ; 1360 : Vyes und Vies. Vom lat. victts 
•=. Dorf, Weiler. 

FIESCHERALP oder VIESCHER- 
Al-P (Kt. Wallis, Bez. Goms, Gem. Fiesch). 
1891 m. Alpweide oder Sommerweide mit 
etwa 15 Hütten und kleiner Kapelle, 2 km 
nw. über Fiesch und über den das Dorf 
im W. überragenden Waldungen. Von 
Fiesch führt ein Fussweg über die Ter- 
rasse von Fürnergarten in 2,5 Stunden 
auf die Fiescheralp, die bis zum Fuss des 
Fiescherhorns (2900 m ; Nachbarn und Ri- 
valen des Eggishorns) ansteigt. Schöner 
Ausblick auf das Goms, Binnenthal und 
besonders das Fiescherthal mit seinem 
Gletscher. 
FIESCHERBACH oder VIESCHERBACH, fran- 
zösisch Eau Blanche (Kt. Wallis, Bez. Goms). 1560- 
1030 m. Wildbach, Ablluss dos Fieschergletsohers ; enl- 



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springt den beiden durch einen Fels von einander pe- 
Irennlen Zungenenden des Gletschers mit zwei Quell- 




Fiesch von Westen. 

.-irmen, deren w. noch durch einen Teil der Wasser des 
vom Märjelensee kommende^ Seebaches geschwellt wird. 
Unterhalb der Alp weide von Unter Titer vereinigen sich 
die beiden Arme zum eigentlichen Fiescherbach, der nun 
dem Boden des Fiescherthales folgt, das schöne Dorf 
Fiesch durchfliesst und nach 5 km langem Lauf von 
N.-S. mit wildem Getöse oberhalb der Brücke von Neu- 
brügg in 10^ m von rechts in die Rhone mündet. 

FIE8CHERBIEL oder VIESCHERBIEI. (Kt. 
Wallis, Bez. West Raron, Gem. Ausserberg). 1167 m. 
Gruppe von 5 Häusern, am Fuss des Dählwaldes, 400 m 
n. vom Dorf Ausserberg. 38 kathol. Ew. 

FIE8CHERFIRN oder VIESCHERFIRN (WAL- 
LISER) (Kt. Wallis, Bez. Goms). 3900-2800 m. Grosses 
Firn- und Gletscherfeld ; beginnt an den Hänpn der drei 
Grindelwalder Fiescherhörner, steigt zwischen der 
Gruppe des Finsleraarhorns und der der Walliser Fie- 
scherhörner ab, nimmt von beiden Seiten her eine Anzahl 
von (auf der Siegfriedkarte unbenannten) Nebenarmen 
auf und geht am Rotlochplatz in den eigentlichen Fie- 
scherglelscher über. Vom Gipfel des Grossen Fiescherhorns 
bis zum Botlochplatz 6 km lang. 

FIE8CHERQABELHORN oder VIE- 
SCHERGABELHORN (Kt. Wallis, Bez. 
Goms). 3870 m. Doppelgipfel, auf der Sieg- 
friedkarte unbenannt und ohne Kote, ö. 
vom Kamm in der Gruppe der Walliser 
Fiescherhörner. Zum erstenmal 1889 von 
der Konkordiahutte aus in 7 Stunden 40 
Minuten erstiegen. 

FIE8CHERGLET8CHER oder VIE- 
8CHERGLET8CHER (Kt. Wallis, Bez. 
Goms). 2800-1560 m. Gletscher; 7,4 km 
lang und im Mittel 1 km breit ; entsteht aus 
dem Walliser B'iescherfim, Galmifirn und 
Sluderfirn, die sich am Rotlochplatz (S.- 
Fuss des Finsteraarhornslockes) zu einem 
breiten, furchtbar zerklüfteten und mit 
Spalten übersäten Eisstrom vereinigen. 
Dieser Fieschergletscher steigt zwiscnen 
Walliser Fiescherhörnern unaWasenhorn 
nach S. ab und sendet den Fiescherbach 
durch das Fiescherthal zur Rhone. Lange 
Jahre hindurch war der Weg über den 
Fieschergletscher die am gewöhnlichsten 
begangene Route zum Oberaarjoch und zur 
(irimsel ; seitdem der Gletscher seiner 
furchtbaren Zerklüftung wegen vielfach ungangbar ge- 
worden, pllegt man den leichtern und zugleich interes- 
santeren Weg von der Konkordiahütte aus über Grünhorn- 



lücke und Gemsenlücke zum Oberaarjoch zu nehmen. 
FIE8CHERGBAT oder VIE8CHERQRAT (Kt. 
Bern und Wallis). 3705 und 3642 m. 
Schnee- u. Eisgrat, in der Gruppe der 
Grindelwalder Fiescherhörner ; verbin- 
det das Unter Mönchjoch mit dem Gross 
Fiescherhorn und trennt das Ewig- 
schneefeld vom Grindelwalder Fie- 
scherfirn. Eine Gratwanderung von der 
Berglihütte des S. A. C. bis zum Gipfel 
des Gross Fiescherhorns erfordert un- 
gefähr 6 Stunden. 

FIESCHERHÖRNER oder VIE- 
8C H E R H Ö RN E R (Q Rl N DE L- 
WALDER) (Kt. Bern und Wallis). 
Stark zerschnittener Kamm, verbindet 
den Mönch über das Mönchjoch und 
Agassizhorn mit dem Finsteraarhorn. 
Der N.-Hang steigt in steilen Wänden 
über dem rechten Ufer des Unter Grin- 
delwaldgletschers auf, während an die 
sanftem S.- u. SW.-Hänge das Ewig- 
schneefeld sich anlehnt. Hängen über 
das Agassizhorn mit dem Finsteraarhorn 
und, jenseits des Hinter Fiescherhornes, 
über eine unbenannte Scharte mit den 
Walliser Grünhörnern zusammen. Vom 
Unter Mönchjoch an gezählt, können 
wir folgende Gipfel und Einschartungen 
unterscheiden : das Walcherhorn (3/(Ä 
m) im . Fieschergrat ; das Gross Fiescherhorn (4049 m), 
von wo aus der Kamm sich verdoppelt, um auf dem O.- 
Arm das Fiescherjoch oder Ochsenioch (ca. 3700 m) und 
das Klein Fiescherhorn oder den Ochs (3905 m) und auf 
dem SO.-Arm den (auf der Siegfriedkarle unbenannten) 
Fieschersattel (ca. 3960 m) und das Hinter Fiescherhorn 
(ca. 4020 m) zu tragen. 

FIE8CHERHORNER oder VIE8CHERHÖR- 
NER (VORDER) (Kt. Bern und Wallis). Unter diesem 
Namen werden zuweilen Gross und Klein Fiescherhorn 
in der Gruppe der Grindelwalder Fiescherhörner zusam- 
mengefasst, zum Unterschied vom Hinter Fiescherhorn, 
das von der Grindelwalder Seite aus gesehen hinter dem 
Hauptkamm aufsteigt. 

FIESCHERHÖRNER oder VIESCHERHÖR- 
NER <WALLI8ER) (Kt. Wallis, Bez. Goms und Ost 
Raron). Im Mittel etwa 3870 m. Gruppe von Hochgipfeln ; 
zwischen dem Grossen Aletschgletscner, Märjelensee, Fie- 
schergletscher, Waliiser Fiescherfirn und der Grünhorn- 
lücke gelegen. Es lassen sich darin folgende Einzelgipfel 
unterscheiden : Fieschergabelhorn (ca. 3870 m ; auf der 




Walliser Fiescherhörner, vom Eggishorn aus. 

Siegfriedkarte unbenannt) mit den von ihm nach W. 
abzweigenden Kamm (3870 m) und Faulberg (3244 in), 
Schönbühlhorn (3864 m). Gross Wannehorn (3950 m) und 



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FIE 



FIE 



Klein Wannehorn (3717 m). Der SW.-Grat des Gross 
Wannehorns ist der Herbriffsgrat, sein O.-Grat der Trift- 
grat ; der OSO .-Ausläufer des Klein Wannehorns heisst 
Distelgrat (3085 m), sein SSW.-Grat trägt die Strahl- 
hörner (3080, 3053 und 3030 m). 

FIE8CHERHORN oder VIE8CHERHORN (Kt. 
Wallis, Bez. Goms und Ost Raron). 2900 m. Felszahn, im 
SW.-Grat des Eggishorns, unmittelbar über dem Gasthof 
Jungfrau oder Eggishorn. Besteigung in 2 Stunden leicht 
auszuführen, aber selten unternommen, da sich der 
Fremdenstrom hauptsächlich dem benachbarten Eggis- 
horn zuwendet. Aussicht von beiden Gipfeln aus dieselbe. 
Am SO.-Fuss die Fiescheralp. 

FIE8CHERHORN oder VIE8CHERHORN 
(QR088) (Kt. Bern und Wallis). 4049 m. Hauptgipfel 
der Gruppe der Grindelwalder Fiescherhörner, am Kno- 
tenpunkt der drei Kämme, deren erster vom Unter 
Mönchjoch, deren anderer von der Grünhornlücke und 
deren dritter vom Agassizhorn herkommen. Besteigung 
schwierig, von der Bergli- oder Konkordiahütte aus id je 
5 Stunden zu bewerkstelligen, zum erstenmal 1862 aus- 
^föhrt. Aussicht eine der von Kennern geschätztesten 
im Gebiete der Hochalpen. 

FIESCHERHORN oder VIE8CHERHORN (HIN- 
TER) (Kt. Wallis, Bez. Goms und Ost Raron). Ca. 4020 
und 3990 m. Doppelgipfel, in der Gruppe der Grindel- 
walder Fiescherhörner ; höhere Spitze zum erstenmal 
1^5, niedrigere 1871 von der Berghhütte des S. A. C. aus 
erstiegen. Kann auch von der Konkordiahütte aus (in 5 
Stunden) erklommen werden. 

FIE8CHERHORN oder VIE8CHERHORN 
(KLEIN) oder OCH8 (Kt. Bern und Wallis). 3905 m. 
Gipfel, in der Gruppe der Grindelwalder Fiescherhörner, 
8. über dem Ober Eismeer des Unter Grindelwald- 
gletschers und nw. über dem Walliser Fiescherfirn. Zum 
erstenmal 1864 von Emanuel von Fellenberg mit den 
Führern P. Inäbnit, P. Baumann, \). und P. Kaufmann 
vom Unter Grindelwaldgletscher aus über das Fieschei^ 
joch bestiegen ; Besteigung sehr schwierig, erfordert von 
der Bäregg aus etwa 12 Stunden. 

FIE8CHERJOCH oder VIE8CHERJOCH (Kt. 
Bern, Amtabez. Interlaken). Ca. 3700 m. Gletscherpass, 
zwischen Klein Fiescherhorn und dem Punkt 3758 m, in 
der Gruppe der Grindelwalder Fiescherhörner. Hoch- 
alj^nübergan^ ersten Ranges, seiner grossen Schwierig- 
keiten wegen jedoch nur sehr selten begangen ; verbindet 
das Ober Eismeer des Unter Grindelwaldgletschers mit 
dem obern Abschnitt des Walliser Fiescherfims. Zum 
erstenmal 1863 von Leslie Stephen, Hardy, Liveing und 
Morgan mit den Führern Michel Baumann, C. Bohren 
und Inäbnit überschritten, die von Grindelwald bis zum 
Gasthof Eggishorn 20 Stunden unterwegs waren. Dieser 
Pass soll einst weit weniger vergletschert gewesen und als 
Uebergang von Grindelwald nach Fiesch und umgekehrt 
häufig überschritten worden sein. Vergl. darüber den 
Art. FiESCHERTHAL (Gemeinde). * 

FIE8CHERSATTEL oder VIE8CHER8ATTEL 
(Kt. Wallis, Bez. Goms und Raron). 3960 m. Passüber- 
gang, zwischen Gross Fiescherhorn und Hinter Fiescher- 
horn ; verbindet das Ewigschneefeld mit dem Walliser 
Fiescherfirn. 5 Stunden über der Berglihütte des S. A. G. 
Auf der Siegfriedkarte unbenannt. 

FIE8CHERTHAL oder VIE8CHERTHAL (Kt. 
Wallis, Bez. Goms). Rechtsseitiges Nebenthal zum Thal 
der Rhone, in das es bei Fiesch und ge|[enüber Aemen 
ausmündet. Das Hintergehänge vom Fiescher^letscher 
erfüllt, der am Finsteraarrothorn in 2805 m beginnt und 
nach S. absteigt, um 8 km tiefer unten durch den Fels- 
sporn des Titer in zwei Zun^enenden gespalten zu wer- 
den, denen je ein Quellarm aes Fiescherbaches oder der 
Eau Blanche entfiiesst. Von hier bis zu seiner Mündung 
hat das Thal noch eine Länge von 5 km. Es zeichnet sich 
durch seine angebaute flacne Sohle vor allen andern 
Querthälern dieser Gegenden aus und bietet dem Auge 
die schlagendsten landschaftlichen Gegensätze dar. Im N. 
wird der Horizont über dem furchtbar zerklüfteten, mit 
weissen und grünen Eisnadeln übersäten und mit schwar- 
zen, erdigen Streifen gebänderten Gletscher abgeschlossen 
durch die stark zerrissenen hohen Felswände des Distel- 
grates und die nackten Felsausläufer des Wasenhorns ; 



im W. steigen dunkle Wälder steil zu den Grashälden der 
Strahlhörner und des Eggishoms auf, während die mit 
saftigen Alp weiden bestandenen und mit Weilern und 
Hütten übersäten Hänge der 0. -Seite ein glänzendes Ge- 
mälde alpiner Lieblichkeit bilden. Die mittlere Höhe des 
Thaies im Fiescherboden 1115 m. Das Thal früher als 
Fundstätte von prachtvollen Krystallen weit bekannt ; 
1757 entdeckte man in einer Felshöhle zahlreiche solcher 
Krystalle von 6-14 Zentnern Gewicht, deren schönste von 
den Franzosen zur Zeit der Eroberung des Ober Wallis 
mitgenommen wurden und heute Zierden der Pariser 
Museen sind. 

FIESCHERTHAL oder VIESCHERTHAI. (Kt. 
Wallis, Bez. Goms). Gem., umfasst einen Teil des (?leich- 
namigen Thaies mit den drei grössten Weilern Wiche! 
(1113 m), Wirbel und Platten oder Zur Flüe (1169 m), die 
alle einige Hundert Meter von einander entfernt in einem 
ebenen Thalboden 34 km n. Fiesch liegen. Zusammen 
^ Häuser, 181 kathol. Ew. Kirchgemeinde Fiesch. Die 
Ueberlieferung erzählt, dass einst von Wirbel, dem 
höchstgelegenen Weiler aus ein Fussweg durch die Eis- 
massen des Aletsch und über die Felsabstürze des St. An- 
tonsberges hin zur Kirche von Grindel wald führte. Dann 
hätte der Fieschergletscher, dessen Vorrücken zu wieder- 
holten Malen die mühsam angebauten Aeckerchen der 
Bewohner vernichtete, das ganze obere Thal überflutet 
und den ferneren Uebergang verunmöglicht. Anderen 
Ueberlieferungen nach sollen im 16. und 17. Jahrhundert 
die reformierten Walliser auf diesem Wege nach Grin- 
delwald gepilgert sein, um dort ihre Ehen zu schliessen 
und ihre Kinder taufen zu lassen, wie die katholischen 
Bemer Grindel walds zu denselben Zwecken den gleichen 
W'eg in umgekehrter Richtung nach Fiesch benatzt 
hätten. Aehnlichen Ueberlieferungen begegnen wir noch 
in andern kleinen Querthälern n. der Rhone, besonders 
im Lenker- und Lötschenthal. Es ist nach neueren For- 
schungen nicht wahrscheinlich, dass diese Angaben un- 
beschränkten Glauben verdienen. Im Gemeindehaus von 
Fiesch hat man bis 1871 einen Käse aufbewahrt, der im 
Jahre 1600 fabriziert worden sein und aus einer nachher 
von vorrückendem Eis zerstörten Alpweide im obersten 
Thalabschnitt gestammt haben soll. 

FIE880 (Kt. Tessin, Bez. Leventina, Gem. Prato). 
970 m. Dorf, mitten in Wiesen und Tannenwäldern schön 
gelegen, am rechten Ufer des Tessin und an der Strasse 
Airolo-Biasca. Station Rodi-Fiesso der Gotthardbahn. 
Telegraph. 34 Häuser, 148 kathol. Ew. Viehzucht. Fabri- 
kation von und Handel mit Fettkäse. Fremden Industrie ; 
Sommerfrische für italienische Familien und Durchgangs- 
station für Touristen auf dem Wege über den Campo- 
lungo ins Val Maggia. 

FIEUDO (ALPE DI) (Kt. Tessin, Bez. Leventina, 
Gem. Airolo). 1850-2480 m. Alpweide, am Eingang ins 
Val Bedretto, am S.-Hang der Fibbia (St. Gotthard). Im 
Sommer mit 75 Kühen bezogen. Ausgezeichneter Fett- 

FIEZ (Kt. Waadt, Bez. Grandson). 522 m. Gem. und 
Dorf, auf der vom Arnon entwässerten Molassehochfläche 
zwischen Neuenburgersee und Jurafuss, nahe dem linken 
Ufer des Flusses, an der Strasse Grandson-Mauborget-Val 
de Travers und 2,8 km nw. der Station Grandson der Linie 
Lausanne-Neuenburg. Postbureau, Telephon; Postwagen 
Grandson-Villars-Burquin, Grandson-VuittebGeuf und, im 
Sommer, Grandson-Mauborget. Gemeinde: 50 Häuser, 399 
reform. Ew. Bildet zusammen mit Fontaines, Grande- 
vent, Novalles, Vugelles la Mothe, Villars-Burquin, Mau- 
borget und einem Teil von Vaugondry eine gemeinsame 
Kirchgemeinde. In Villars-Burquin Kirche und Pfarrer 
für Villars-Burquin, Mauborget, Vaugondry und die zur 
Kirchgemeinde Champagne gehörigen Zivilgemeinden 
Fontanezier und Romairon. Acker- und etwas Weinbau. 
Sägen, Mühlen. Zur Gemeinde Fiez gehört auch noch 
eine am W.-Hang des Chasseron gelegene Enklave in 
Neuenburger Gebiet mit mehreren Sennbergen. Römische 
Ruinen. Alte Siedelung, unter der Berner Oberhoheit 
Hauptort eines alle benachbarten Gemeinden umfassen- 
den Verwaltungskreises, der als solcher erst 1844 aufge- 
löst worden ist. 885: Figiacum; 1028: Fie. 

FIEZ-PITTET (Kt. Waadt, Bez. und Gem. Grandson). 
440 m. Gruppe von 5 Häusern, am Fuss eines mit Reben 



FIG 



FIL 



103 



bestandenen Hanges, 200 m w. vom Weiler Les Tuileries 
und 1,7 km sw. der Station Grandson der Linie Lausanne- 
Neuenburg. 2i reform. Ew. Aeitere Siedelung als Les Tui- 
leries, die einst Fiez-Pittet Dessous geheissen baben. 

FIGA8CIAN (MONTE) (Kt. Wallis, Bez. Goms). Gip- 
fel. S. den Art. Albrunhorn. 

FIQINO (Kt. Tessin, Bez. Lugano, Gem. Barbengo). 
296 m. Weiler, 20 m über dem Ufer des W.-Armes des 
Luganersees, gegenüber dem italienischen Dorf Brusim- 
piano, an der Strasse Lugano-Grancia-Morcote und 7 km 
sw. Lugano. Postablage; Postwagen Lu^ano-Figino. 20 
Häuser, 94 kathol. Ew. Ackerbau und Fischerei. Starke 
periodische Auswanderung in die übrigen Kantone der 
bchweiz. 

FIGIONE (Kt. Tessin, Bez. Leventina, Gem. Rossura). 
1000 m. Weiler, am Weg Faido-Rossura, 400 m nw. Ros- 
sura und 2,5 km ö. der Station Faido der Gotthardbahn. 
10 Häuser, 37 kathol. Ew. Alpwirtschaft. Butter u. Käse. 

FIGLI8BERQ (Kt. Luzern, Amt Sursee, Gem. Nott- 
wiD. 698 m. Gruppe von 6 Häusern, am Nottwilerberg 
und 2,5 km sw. der Station Nottwil der Linie Luzern- 
Olten. 20 kathol. Ew. Landwirtschaft. 

FIL, FEIL, FO IL. Häufig vorkommende Bezeichnung 
für spitze Gipfel und Gräte; die erst- 
genannte Form besonders in der ita- 
lienischen Schweiz und im Engadin, 
die übrigen beiden Formen im roma- 
nischen Gebiet gebräuchlich. Vom lat. 
filum = Schneide, Grat. 

FILA88E(TfeTE DE) (Kt. Waadt, 
Bez. Aigle). 2165 m. Rasen bewachsener 
Buckel, in dem vom Pas de' Cheville 
überschrittenen Kamm zwischen den 
Gruppen des Grand Muveran und der 
Diablerets; gehört noch zum Waadt- 
länder Anteil am Alpweidengebiet von 
Anzeindaz. Schöne Aussicht auf das 
Thal der Derborence, 1 V« Stunden über 
den Hütten von Anzeindaz. An seinem 
Hang die sog. Combe de Filasse, ein 
kleines Thälcnen im Nummulitenkalk. 

FILD (Kt. St. Gallen, Bez. und Gem. 
Sargans). Weiler. S. den Art. Vild. 

FILDER (Kt. Appenzell L R., Gem. 
Schwendi). 1632 m. Kleine Alpwetde 
mit 3 Hütten, am sehr steilen N.-Hang 
des Schäfler und 4,5 km sw. über 
Schwendi. Da hier auf eine Fläche von 
45 ha der Höhenunterschied 450 m be- 
trägt, ist die Alpweide häufigen Erdrut- 
schuDgen und Lawinenschlägen aus- 
gesetzt und wird wohl mit der Zeit 
ganz verwüstet sein, wenn nicht bald — kostspielige — 
Yerbauungsarbeiten an Hand genommen werden. 

FILDERICH (Kt. Bern, Amtsbez. Nieder Simmen- 
Ihal, Gem. Diemtigen). 1320 m. Alphütten, am Filde- 
richbach und am W.-Fuss der Männlitluh, 15 km s. 
Diemtigen. 

FILDERICHBACH (Kt. Bern, Amtsbez. Nieder Sim- 
menthal). Bach ; entspringt mit zwei Quellarmen am W.- 
Hang des Erbethorns in 2100 m und am S.-Hang des 
W^annenspitz in 2200 m. entwässert das kleine, in den 
Flysch der Niesenzone eingeschnittene Schwendenthai, 
nimmt von links den Grimmibach und von rechts den 
Gürbsbach auf, durchfliesst das malerische Thal von Zwi- 
schenflüh, erhält dann von links den Nauenbach und 
mündet nach 18 km langem Lauf in der Richtung nach 
NW. und NO. in 825 m in den Kirel, einen Nebenbach 
zur Simme. Grösster der verschiedenen Bäche des Diem- 
tigthales. 

FILDERN (MITTLER, OBER und UNTER) (Kt. 
und Amt Luzern, Gem. Ebikon). 440-426 m. 4 Häuser^ am 
rechten Ufer des Ron und 1,3 km nö. der Station Ebikon 
der Linie Zürich- Rotkreuz-Luzern. 29 kathol. Ew. Acker- 
und Obstbau, Viehzucht. Fildern ein Kollektivum von 
Feld, Gefilde. 

FILET (Kt. Wallis, Bez. Ost Raron). 785 m. Gemeinde, 
über dem rechten Ufer der Rhone. 1,5 km nö. Morel und 
von dieser Gemeinde z. T. durch den Tiefenbach geschie- 
den. UmfasstdreiSiedelungsgruppen: Filet, Gifrisch und 



Halten; zusammen: 15 Häuser, 120 kathol. Ew. Kirchge- 
meinde Morel. Weiler Filet am Maultierweg Mörel-Bet- 
ten-Eggishom. Nördl. über der Terrasse von Filet liegt die 
Hochterrasse von Goppisberg. 

FILISTORFENES (Kt. Freibur^, Bez. Greierz). 1184- 
1600 m. Alpweide und Wildbach ; dieser bildet efnen der 
Quellarme der Görine, der vom Gipfel der Berra (nahe 
beim Signal] aus 1600 m Höhe abstei^ und nach 3,5 km 
langem Lauf durch tiefe Schluchten sich mit dem andern, 
an Wassermenge geringern Quellarm der Gerine ver- 
einigt. Von der Quelle zur Mündung beträgt das Gefälle 
11 6 V. 

FILISUR (Kt. Graubünden, Bez. Albula, Kreis Ber- 
gün). 1040 m. Gem. und Pfarrdorf, am rechten Ufer der 
Albula und an der Albulastrasse. Station der künftigen 
Albulabahn (Thusis-St. Moritz). Die Sektion Thusis-Fili- 
sur der Bahnlinie hat eine Maximalsteigung von 2,5%, 
die Sektion Filisur-St. Moritz eine solche von 3,5%. Post- 
ablage, Telegraph. Gemeinde, mit Jennisberg : 76 Häuser, 
644 Ew. deutscher, italienischer und romanischer Zunge, 
wovon 372 Katholiken. Dorf: 68 Häuser, 602 Ew. Alpwirt- 
schaft. Beim neuen Friedhof hat man einen Bronzeham- 
mer und ein Gussstück aus demselben Metall gefunden. 




Filisur mit dem Schafberg. 

Eine grosse Anzahl von im Ober Engadmer Stil gehal- 
tenen Häusern ist mit sehr bemerkenswerten alten Male- 
reien geschmückt. 

FILISWEID (Kt. St. Gallen, Bez. Gossau, Gem. Wald- 
kirch). 700 m. Gruppe von 6 Häusern, 1 km s. Waldkirch 
und o,3 km nö. der Station Arnegg der Linie Sulgen- 
Gossau. 80 kathol. Ew. Armenhaus der Gemeinde Wald- 
kirch. Ackerbau und Viehzucht. Stickerei. 

FILLARHORN, FILLARKUPPE, QRAN FIL- 
LAR oder auch FULLARHORN (Kt. Wallis, Bez. Visp). 
3679 m (auf der italienischen Karte 3680 m). Gipfel, von 
der Schweizerseite aus wenig sichtbar, in dem die Gruppe 
des Monte Rosa mit dem Strahlhorn verbindenden Weiss- 
torkamm, auf der Landesgrenze gegen Italien. Vom ita- 
lienischen Macugnaga aus sehr schön sichtbar. Besteigung 
von der auf der Zermalter Seite stehenden Bötempshütte 
des S. A. G. aus in 4 Stunden leicht zu bewerkstelligen ; 
schwierig von italienischer Seite aus, wo sie von Macug- 
naga über die Alpe de Fillar und den Fillargletscher 11 
Stunden erfordert. 

FILLARHORN (KLEIN), PICCOLO FILLAR od. 
FULLAR (Kt. Wallis, Bez. Visp). Gipfel; nach der itali- 
enischen Generalstabskarte unmittelbar s. des Gran Fil- 
lar (Weisstorkamm) gelegen und 3616 m hoch. Kann bei 
der Besteigung des Gran Fillar mitbesucht werden. Auf 
der Siegfried karte nicht verzeichnet. 

FILLAR JOCH (Kt. Wallis, Bez. Visp). Passübercanff ; 
nach der italienischen Generalstabskarte 3485 m noch. 



104 



FIL 



FIN 



auf der Siesfriedkarte ohne Namen und Kote, von Iwan 
von Tschudi irrtümlich Jazzipass ^eheissen. Wird jetzt 
von Kennern alpiner Topographie mit dem Alt Weisstor 
identifiziert. S. diesen Art. 

FILI.E DIEU (I.A) (Kt. Freiburg, Bez. Glane, Gem. 
Romont). 694 m. Nonnenkloster, am linken Ufer der Gläne, 
mitten in sumpfiger Gegend ; 1,5 km nö. der Station Romont 
der Linie Bern-Freiburg-Lausanne.Telephon. Zwei Häuser, 
77 kathol. Ew. Altertümliche Klosterkirche, der h. Jung- 
frau geweiht, 1345 vom Bischof von Angers eingesegnet. 
Im 13. Jahrhundert zogen sich Julielte, Pernette und Cecile, 
drei Töchter von Haymeric, Herrn von Villa (Saint Pierre), 
in ein am Ufer der Gläne abseits stehendes Gebäude zu- 
rück, um hier ihr Leben in beschaulicher Einsamkeit ab- 
zuschliessen. Das Haus 1268 von Jean deCossonay, Bischof 
von Lausanne, zum Kloster des Ordens der Zisterzien- 
serinnen erhoben und Pille Dieu benannt. Bald flössen 
der neuen Stiftung Schenkungen zu, besonders von Seiten 
von Isabelle de Chälons; 1350 von Papst Klemens VI. der 
damaligen Priorin Jacquette de Billens der Titel einer 
Aebtissin verliehen ; das Kloster 1463 von der Stadt Romont 
in ihr Bürgerrecht aufgenommen und mit verschiedenen 
Rechten und Freiheiten begabt. Im 15. Jahrhundert mit 
Ausnahme der Kirche durch Feuer zerstört, dann in zwei 
verschiedenen Bauperioden wieder auf^^ebaut. Stand zu- 
erst unter der Gerichtshoheit der Abtei Hautcrest, dann 
1593-1848 unter derjenigen des Klosters Hauterive. Heute 




Klotier Fille Dieu u. Romont, von Nordosten, 

haben die Nonnen das Recht, sich ihren geistlichen 
Schutzherrn selbst zu wählen. 

FILLINAZ (Kt. Wallis, Bez. Monthey, Gem. Val d'II- 
liez). 836 m. Gruppe von 4 Häusern mit Kapelle, am linken 
Ufer der Vi^ze^ nahe dem Pont de Crettex und 500 m nö. 
vom Dorf Val d'IUiez. 20 kathol. Ew. 

FILLI8TORF oder FILLI8DORF (Kt. Freiburg, 
Bez. Sense, Gem. Düdingen). 638 m. Gruppe von 7 Häusern, 
am N.-Hang einer fruchtbaren Anhöhe; 3,5 km nö. Dü- 
dingen. Haltestelle der Linie Bem-Freiburg-Lausanne. 
Telephon. 54 kathol. Ew. deutscher Zunge. Kirchgemeinde 
Schmitten. Viehzucht und Milchwirtschaft, Getreide-, 
Kartoffel- und Runkelrübenbau. Die Familie derer von 
Filiistorf gehörte zum Freiburger Patriziat; 14 Träger 
dieses Namens, worunter der Pannerherr von Freiburg, 
fanden 1339 in der Schlacht von Laupen ihren Tod. 

FII.I.UNQ (Kt. Graubünden, Bez. Vorderrhein). 3082 
m. Kurzer und steiler Felsgrat, in der Gruppe des Pii Me- 
del ; zweigt von der Fuorcla de Lavaz nach S. ab, auf 
drei Seiten vom grossen Medelsergletscher umpanzert; 
9 km so. Disentis und 2 km n. vom Piz Medel. 

FILZBACH (Kt. Glarus). 712m. Gem. u. Dorf; amFuss 
des Neuenkamm ; in einem vom Filzbach in die 200 m über 
dem linken Ufer des Walensees gelegene Terrasse gegra- 
benen kleinen Thal, an der Strasse Mollis-Mühlehorn und 
1 V4 Stunden w. der Station Mühlehorn der Linie Rap- 
perswil-Wesen-Sargans. Postablage, Telephon ; im Som- 
mer Postwagen nach Mühlehorn. Gemeinde, mit Alter : 
91 Häuser, 407 reform. Ew.; Dorf: 47 Häuser, 203 Ew. 
Kirchgemeinde Obstalden, Wiesenbau und Viehzucht. 
Etwas Seidenweberei und Holzhandel. Hat sich seit eini- 



gen Jahren zum klimatischen Kurort entwickelt und wird 
von den die malerische Strasse über den Kerenzerbers^ be- 
gehenden Touristen oft besucht. Schöne Aussicht auf den 
W^alensee. 

FIMBERFERNER (Kt. Graubünden, Bez. Inn). 
Gletscher. S. den Art. Fenga (Vadret da). 

FIMBERPA88 oder CUOLMEN FENGA (Kt. 
Graubünden, Bez. Inn). 2612 m. Passubergang, zwischen 
den zwei Kämmen des Callcugns im N. und des Spi d'ür- 
sanna im S. ; verbindet das Val Fenga oder Fimberlhal 
mit dem Val Chöglias. 

FIMBERTHAL (Kt. Graubünden, Bez. Inn). S. den 
Art. Fenga (Val). 

FIMMELSBERG (Kt. Thurgau, Bez. Weinfelden, 
Gem. AmlikonJ. 565 m. Weiler, 4 km sw. der Station Mär- 
stetten der Linie Winterthur-Frauenfeld-Romanshorn und 
2,2 km sw. Amiikon. Postablage. 16 Häuser, 90 kathol. 
und reform. Ew. Kirchgemeinde Leutmerken. Wiesen- 
bau, Viehzucht u. Milchwirtschaft. 300 m w. vom W^eiler 
zwei Weier, in denen Hechte und Schleihen gefangen 
werden. 

FIN u. FINAGE. Zwei in der französischen Schweiz 
stark verbreitete, sehr alte Bezeichnungen für ein Grenz- 
gebiet, vom lat. fini^ (im Sinne eines Landstriches, sel- 
tener als Grenzlinie selbst angewendet). Bildet in Ver- 
bindung mit einem Eigennamen die Bezeichnung für 
einige Weiler und zahlreiche Gewanne und Fluren. So 
laj^en z. B. im 9. u. 10. Jahrhundert die 
Dörfer £cublens, Mezery, Renens, Chailly 
und Mornez in der « ßn des Runinges » : 
in fines Buningoruni, Im Kanton Frei- 
burg wird mit dem Ausdruck « Fin » 
meist ein grösseres oder kleineres Stück 
Land (eine Flur) bezeichnet, auf dem 
für sich wieder besonders benannte Sie- 
delungen stehen. Die Mehrzahl der Dör- 
fer hat hier ihre « Fins » ; es giebt Fins 
dessus, dessous, devant, derriere, d'a- 
mont, d'avau, du Jordil, du Mont, du 
Motty, du Päquier, du Pont u. s. w. 

FIN CHATEAU (POINTE DE) 
(Kt. Waadt, Bez. Nyon). 1559 m. Be- 
waldeter Felskamm, nw. über dem 
kleinen Alpweidenthälchen von Le 
Vuarne, in der Gruppe der Dole (W^aadt- 
länder Jura);-1 Stunde wsw. über Saint 
Cergues. 

FIN DE CHAI.lfeRE (I.A> (Kt. 
Bern, Amtsbez. und Gem. Münster). 
550 m. Gruppe von 10 Meierhöfen, zwischen Münster, 
La Verrerie und Perreütte und im Winkel zwischen der 
Vereinigung des Baches von Chaliere mit der Birs. 68 
kathol. Ew. 

FIN DE DOM HUGON (LA) (Kt. Freiburg. Bez. 
Greierz, Gem. Galmis). 1015 m. Schöne Alpweide mit 
Hütte, am N.-Hang der Dent de Brenleire, im Thal des 
Rio du Grand Mont und 4,5 km so. über Galmis (Char- 
mey). 

FIN DE VAUD (LA) (Kt. Freiburg, Bez. Glane, Gem. 
MosselJ^. 827 m. Gruppe von 5 Häusern, 700 m nö. Mossel 
und 1,0 km so. der Station Vauderens der Linie Bern- 
Freiburg-Lausanne. 35 kathol. Ew. Kirchgemeinde Pro- 
masens. Viehzucht und Milchwirtschaft. 

FIN DESSOUS (LA) (Kt. Freiburg, Bez. Greierz, 
Gem. La Roche). 680 m. Gruppe von 6 Häusern, am linken 
Ufer der Serbache. 2 km sw. La Roche und 11 km nnö. 
der Stalion Bulle der Linie Romont-BuUe. 31 kathol. Ew. 
Viehzucht und Milchwirtschaft. Strohflechterei. 

FIN DU MARAIS (LA) (Kt. Freiburg, Bez. Greierz, 
Gem. Säles). Teil des Dorfes Sales. S. diesen Art. 

FIN DU PUBLOZ (LA) (Kt. Freiburg, Bez. Saane, 
Gem. Matran). 615 m. Gruppe von 3 Häusern, nahe dem 
linken Ufer der Gläne und 1 km sw. der Station Matran 
der Linie Bern-Freiburg- Lausanne. 24 kathol. Ew. Vieh- 
zucht, Getreide- und Kartoffelbau. 

FIN DU TECK (LA) (Kt. Bern, Amtsbez. Freibergen, 
Gem. Epauvillers). 874 m. Gruppe von Meierhöfen, im ö. 
Abschnitt des Glos du Doubs und 4 km sw. der Station 
Saint Ursanne der Linie Delsberff-Delle. Mit den Bauern 
höfen Le Peca zusammen : 14 Häuser, 74 kathol. Ew" 



FIN 



FIN 



105 



französischer Zange. Mehr und mehr besuchte Sommer- 
frische. Einstiges Lehen des Bistums Basel, im 14. Jahr- 
hundert Eigentum der Herzoge von Teck. 

FINAGE DU COINAT (Kt. Bern, Amtsbez. Freiber- 

fen, Gem. Les Breuleuz). Wiesen und Weiden. S. den 
rt. CoiNAT (FiNAGE DU). 

FINDE1.ENA1.P oder FINDE1.NALP (Kt. Wallis, 




Findeien u. Triftgietscher. 

Bez. \i8p, Gem. Zermatt). 2100 m. Alpweide mit vielen 
Hütten, m einem auf das rechte Ufer der Yisp ausmün- 
denden Thälchen, 1 km über Zermatt. Das von O.-W. 
ziehende Thal wird vom Findelenbach entwässert, der 
dem etwa die Hälfte des Thaies bedeckenden Findelen- 
gletscher entfliesst. Die Findelenalp liegt am rechten Sei- 
tengehänge und steigt von den Hütten von Findelen bis 
in SüOO m Höhe auf, wohin nur noch Ziegen und Schafe 
zu ziehen vermögen. Am linken Seitengehänge des Thäl- 
chens bis hinauf zu den grossen Hochflächen des RifTel- 
bergs dunkle W^älder. Hier einer der schönsten Arvenbe- 
stände des Wallis. Auf der Findelenalp sommern 53 Milch- 
kühe und zahlreiche Häupter Kleinviehes. Die Milch wird 
an die grossen Gasthöfe der Gegend verkauft. Der Rog- 
genbau steigt hier bis zu der ausserordentlichen Höhe 
von 2100 m an. In der zweiten Hälfte August werden die 
Felder bestellt, worauf sich die junge Saat bis zur Zeit 
des beständigen Schnees genügend entwickelt, um den 
langen Winter überdauern zu können. Gegen Ende März 
pflegt dann der Bauer den auf seinen Feldern liegenden 
Schnee mit Erde zu überstreuen, um ihn schneller zum 
Schmelzen zu bringen ; im Laufe des April schwindet die 
Schneedecke, in der zweiten Hälfte des Juli blüht der 
Roggen und kann gegen Ende August geschnitten werden. 
Das Feld wird darauf ein Jahr brach Hegen gelassen. 
Dieser Roggenbau in Findelen rückt die auf Berghaus' 
Physikal. Atlas verzeichnete Getreidegrenze für den Rog- 
gen von 1500 auf 2100 m hinauf. (Vergl. Pittard, Eug. 
.4 propos de la distribution en allitude dans les Alpes 
in Le Globe, Geneve 1896). Am Eingang ins Findelenthal, 
bei Vorderwald, eine Haltestelle der neuen Gornergrat- 
bahn (Zermatt-Gornergrat). Findelen, früher Finden, 
vom lat. fenile = Heustadel. 

FINDELENBACH (Kt. Wallis, Bez. Visp). 2158-1660 
m. Bach ; entspringt dem Findelengletscher, durchüiesst 
die Findelenalp und den Weiler Winkelmatten u. mündet 
nach 3,5 km langem Lauf von O.-W. 700 m sw. Zermatt 
von rechts in die Visp. 

FINDELENQ1.ETSCHER (Kt. Wallis, Bez. Vis[)). 
3512-2158 m. Gletscher; 10 km lang, im obern Abschnitt 
durchschnittlich 3 km und unten 1 km breit; beginnt am 
Schwarzberg Weisstor, hat sein Nährprebiel in den von 
der Cima di Jazzi, vom Stockhorn und Strahlhorn nieder- 
steigenden Firnfeldern und erhält als bedeutendsten Ne- 
l>enarm den Adlergletscher. Benannt nach der das untere 



Stück des Thaies bedeckenden Findelenalp. Wird von den 
Kurgästen von Zermatt häufig besucht, besonders auf dem 
Wege von der RifTelalp über das Gasthaus Findelen und 
den Grünsee. Am linken Ufer hat man in den Gletscher 
eine künstliche Eishöhle eingehauen. Eine Stunde von der 
RifleUlp entfernt. Kann vom Grünsee oder vom Wirts- 
haus Fluhalp aus gequert und muss bei der Besteigung 
des Schwarzberg Weisstor von der Fluh- 
alp aus der Länge nach begangen wer- 
den. 

FINE1.EN (Kt. Wallis, Bez. Visp;. 
Im 13. und zu Beginn des 14. Jahr- 
hunderts üblicher Name für Findelen. 
S. diesen Art. 

FINE8CH8 (Kt. Graubünden, Bez. 
Plessur). %22 m. Wenig bedeutender 
Gipfel, 1 km n. vom Parpaner W^eiss- 
horn (2781 und 2828 m) und 3 km ö. 
über Parpan. Zwischen dem Fineschs 
und dem Weisshorn führt das Urden 
Fürkli von Parpan über die Urdenalp 
nach Arosa und Tschiertschen (im 
Schanfigg). 
J FINE8TRA DI BALME (Kt. Wal- 

-^ I lis, Bez. Entremont). Italienische Be- 
zeichnung für die Fen£:tre de Bagnes. 
S. diesen Art. 

FINQER (Kt. Wallis, Bez. Ost Ra- 
ren, Gem. Ritsch). 1420 m. Alpweide 
mit zahlreichen zerstreut gelegenen 
Hütten, auf einer Terrasse links über 
der Massaschlucht, 1 km n. vom Dorf 
BiUch. 

FINQE8 (Kt. Wallis, Bez. und Gem. 
Leuk). Weiler. S. den Art. Pfin. 
FINQE8 (FOR^T oder BOI8 DE) (Kt. Wallis. Bez. 
Leuk, Gem. Leuk u. Salgesch ; Bez. Siders, Gem. Siders). 
Grosse Waldung. S. den Art. Pfinwald. 

FINQLE8 (Kt. Wallis, Bez. Saint Maurice). 652 m. So 
heissen auf der Siegfried karte die grünen Grasbänder an 
den Felswänden sw. über Saint Maurice. Vom lat. cingulas 




Brücke der Oornergratbahn Aber den Findelenbach. 

= französ. sangles, cingles, im Dialekt fingles = deutsch 
Bänder. Identisch mit den riginen, die der Rigi ihren 
Namen gegeben haben. 



106 



FIN 



FIN 



FINHAUT od. FIN8HAUT8 (Kt. Wallis, Bez. Saint 
Maurice). 1200-1350 m mitll. Höhe. Gemeinde, am linken 




Findelengletscher, vom Gugel aus. 

Seitengehange des Trientthales, an der von Vernayaz nach 
Le Chätelard aufsteigenden und dort sich mit der grossen 
Poststrasse Martinach -Chamonix verein ig'enden Strasse, 
10 km SSW. über der Station Vernayaz der Simplonbahn. 
Postbureau, Telegraph, Telephon. Der Bau einer Eisen- 
bahn Martinach-Salvan-Finhaut-Le Chätelard-Chamonix 
ist gesichert u. wird in Bälde in Angriff genommen wer- 
den. Die (iemeinde Einbaut liegt an den untern Hängen 
der Gebirgsstöcke der Barmaz, Rebarmaz, des Fontana- 
bran und Beloiseau (deren obere, z. T. unproduktive Ge- 
hängestufen zur Gemeinde Salvan gehören) und umfasst 
— auf dem Plateau von Einbaut — die "Weiler Götz oder 
Einhaut (mit Pfarrkirche in 1252 m), La Ville und Leamont 
und — im Thal der Eau Noire nahe der Landesgrenze — 
die Weiler Getroz und Le Chätelard. Zusammen 101 Häu- 
ser, 433 kathol. Ew., von denen etwa 300 sich auf die 
vielen über das ganze Plateau zerstreuten kleinen Häuser- 
gruppen, Hütten, Gasthöfe und Pensionen verteilen. Elek- 



den Siedelungsgruppen stehen, ist der am besten ange- 
baute Abschnitt der ganzen malerischen Gegend und liegt 
gegenüber dem sehr bekannten Ueber- 
gang über die Töte Noire, der vom un- 
tern Rhonethal nach Chamonix und ins 
Eaucigny führt. Seitdem dieser Weg 
zu einer Fahrstrasse ausgebaut worden, 
hat sich Einhaut zu einer wichtigen 
alpinen Fremdenstation entwickelt. Kir- 
che dem h. Sebastian geweiht, dessen 
Namensfest alljährlich am 20. Januar 
feierlich begangen wird. Nahe der Kir- 
che Spuren des ehemaligen Dorfes Crest, 
das cfer Ueberlieferung nach von sei- 
nen Bewohnern im 16. Jahrhundert in- 
folge einer verheerenden Pestseuche 
verlassen worden sein soll. Der Name 
Einhaut erscheint als Eignoux, Fignaux, 
Fignol, Efignaz zum erstenmal in Ur- 
kunden vom Jahr 1242 ; 1294 : Einyaux. 
Die Geschichte der Gemeinde ist mit 
derjenigen der Gemeinde Salvan eng 
verknüpft, der sie übrigens bis 1649 
angegliedert war und mit der zusammen 
sie bis zum Ende des alten Regime ein 
515 vom König Sigismund von Burgund 
der Abtei Saint Maurice verliehenes Le- 
hen bildete. Dieses Lehen umfasste die 
sogen. Landschaft Autanelle (Vernayaz 
und das Thal von Salvan) mit verschie- 
denen Neben ländereien ; es wurde zu 
Beginn des 12. Jahrhunderts der Abtei 
von den Herren von Allinges streitig gemacht, um 
1138 jener zu verbleiben. Die endgiltige Teilung der 
Bürgergüter zwischen Einhaut und Salvan ist erst 1874 
erfoTj^t. Einbaut kirchlich 1648 von Salvan abgetrennt, 
heutige Kirche 1737 erbaut. In geologischer Hinsicht 
liegt Einhaut ungefähr am nw. Ende der zwischen 
die metamorphen Schiefer eingeklemmten Karbonmulde, 
die von Salvan bis Barberine reicht. Dir krystallinen 
Schiefer, aus denen oberhalb des Dorfes die Stöcke des 
Beloiseau und der Rebarmaz aufgebaut sind, werden 
von einer vom Col de la Gueulaz über Eenestral bis La 
Creuse reichenden Granitzone unterbrochen. Vergl. Go- 
quoz, Louis. Eist, et descr. de Salvan- Fins Hauts. Lau- 
sanne. [18.. I. — Coquoz, Louis. Autour de Salvan. Lau- 
. [18..]. — Guide et legendes de Salvan. 




FiDhaut, von Süden (T^le Noire) aus. 

trisches Licht. Alp Wirtschaft. Holzflösserei. Eremden- 
industrie. Früher zahlreiche Gemsjäger. Schiessverein. 
Die^ Terrasse, auf der die den Weiler Einhaut bilden- 



FINIVE (Q1.ACIER DE LA} (Kt. Wallis, Bez. Saint 
Maurice). Kleiner Gletscher, am NO.-Hang der Pointe de 
la Einive (Kette der Tour Sallieres] ; seine Schmelzwasser 
gehen zur Eau Noire, einem der Quell- 
arme des Trient. 

FINIVE (POINTE DE LA) (Kt. 
Wallis, Bez. Saint Maurice). 2877 m. 
Gipfel, in der von der Tour Sallieres 
zum Buet ziehenden Kette, zwischen 
dem Cheval Blanc u. der Pointe de 
Tanneverge. Besteigung von der Schulz- 
hütte Barberine des S. A. C. aus in 4 
Stunden unschwierig, zum erstenmal 
1883 ausgeführt. Heisst auch Pointe de 
la Feniva oder Pointe de Prat Riond. 
Auf der Siegfried karte unbenannt. 

FINKENBACH (Kt. St. Gallen, 
Bez. Tablat, Gem. Häggenswil). 545 m. 
Gruppe von 3 Häusern, am S.-Ufer des 
Einkenbacherweiers, 7 km so. der Sta- 
tion Amriswil der Linie Winterthur- 
Frauenfeld-Romanshorn u. 1,3 km w. 
Häggenswil. Telephon. 19 kathol. Ew. 
Ackerbau und Viehzucht. Stickerei als 
Hausindustrie. 

FINKENBACHERWEIER (Kt. St. 
Gallen, Bez. Tablat, Gem. Häggenswil). 
544 m. Weier, 500 m ö. vom rechten 
Ufer der Sitter und 1,2 km w. Häggens- 
wil. 17 ha gross. 
FINKEN8TEIQ (Kt. St. Gallen, Bez. Tablat, Gem. 
Muolen). 500 m. Weiler, 900 m s. Muolen und 5 km so. 
der Station Amriswil der Linie Winterthur - Frauenfeld- 



FIN 



FIN 



107 



Romanshorn. 12 Häuser, 91 kathol. Ew. Landwirtschaft. 
Stickerei als Hausindustrie. 

FINNE1.ENA1.P (Kt. Wallis, Bez. 
Visp, Gem. Staldenried). 2050 m. Alp- 
weide mit Hütten, von Wald umrahmt, 
am Fuss des W^eissengrat, am rechten 
Ufer der Saaser Visp und 2 km nö. 
über Eisten. 

FINNEN (Kt. Wallis, Bez. Brig, 
Gem. Brigerbad). 1423 m. Zahlreiche 
eng geschaarte Hütten, auf einer ganz 
von Wald umrahmten Terrasse und 
links über dem Tobel des Baltschieder- 
baches; 2,5 km nw. über Brigerbad. 
1275 : Funnona ; 1360 : Funnun. 

FIN8HAUT8 (Kt. Wallis, Bez. 
Saint Maurice). Gemeinde. S. den Art. 

FiNHAUT. 

FINSTERAARFIRN (Kt. Bern, 
Amtsbez. Interlaken). 3400-2700 m. Firn- 
feld, eines der beiden Nährgebiete des 
Finsteraargletschers ; beginnt am Fins- 
teraarjoch u. steifft zwischen dem SO.- 
Ende der Strahleg^^hömer und dem 
Gebirgsstock des Fmsteraarhoms auf 
eine Länge von 2,5 km und mit einer 
mittlem Breite von 1 km ab. Im un- 
tern Teil stark zerklüftet. Muss bei der 
Besteigung des Finsteraarhorns von 
der Grimsel oder dem Pavillon Dollftis 
aus der Länge nach begangen werden. 

FIN8TERAARQLET8CHER (Kt. Bern, Amtsbez. 
Interlaken). 2700-2460 m. Grosser Gletscher ; entsteht aus 
der Vereinigung von Strahleggfirn und Finsteraarfim, 
die ihm die zu Eis umgeformten Schneemassen der Lau- 
teraai^ und Strahlegghörner , des Finsteraar-, Studer-, 
Oberaai^, Grüner- und Scheuch zerhorns zuführen. 3,6 km 
lang und im Mittel 1,1 km breit. Vereinigt sich seinerseits 
wieder mit dem Lauteraargletscher zum mächtigen Unter- 
aargletscher. Auf der Moräne beim Zusammen fluss von 
Finsteraar- und Lauteraargletscher das einstige Hotel des 
Neuchätelois. 

FIN8TERAARHORN (Kt. Bern, Amtsbez. Interlaken 
uDd Kt. Wallis, Bez. Brig). 4275 m. Höchster Punkt der 
Finsteraarhorngruppe und Hauptffipfel der Berner Alpen ; 
steigt finster und drohend zwischen dem Walliser Fie- 
scherfirn, Studertirn, Finsteraarfim und Grindelwald- 
gletscher auf. Der Gipfel getrennt vom Agassizhom (3^ 
m) durch das Agassizjoch (3850 m), 
vom Studerhorn (3637 m) durch das 
Ober Studerjoch (ca. 3400 m) u. vom 
Finsteraarrothom (3549 m) durch den 
Rothornsattel oder die Gemsenlücke 
(3370 m). Von den Bernern und W^alli- 
sem seiner dunkeln Felsmassen wegen 
früher Schvsrarzhorn geheissen. Erste 
Besteigung 1812 durch die von Dr. Rud. 
Meyer aus Aarau geworbenen Führer 
Arnold Abbühl aus Melchthal und die 
beiden Walliser Alois Volker und Josef 
Bortes (Dr. Meyer selbst erreichte die 
Spitze nicht). Diese erste Karawane 
nahm den heute seiner ausserordentli- 
chen Schwierigkeiten nur selten noch 
begangenen Weg über den Studerfirn 
und den SW.-Grat. Mit Unrecht ist be- 
hauptet worden, dass sich diese ersten 
Pioniere geirrt und statt des Finsteraar- 
horns den benachbarten Altmann (3482 
m) erstiegen hätten. Den zweiten Ver- 
such unternahm 1828, also erst 16 Jahre 
später, der Solothumer Naturforscher 
Franz Josef Hugi, der auf dem heute 
allgemein üblichen Weg über den Hugi- 
sattel und den W.-Grat bis zu 67 m un- 
ter der eigentlichen Spitze gelangte ; 
erst 1829 erreichte derselbe Hugi mit 
den Führern Jakob Leuthold und Johannes Währen die 
Spitze. Dann folgte als dritter 1842 der Basler Student 
Job. Sulger mit den Führem Joh. Jaun aus Meiringen, 



Andreas Abplanalp aus dem Hasle und Heinrich Lorenz 
aus W^assen (Uri). Ueber die Einzelheiten der [Bestei- 




Finsteraarhorn, von S&dosten (Vorder Oalmihorn) aas. 



gungsgeschichte des Finsteraarhorns vcrgl. Gottlieb Stu- 
der : lieber Eis und Schnee. Zweite verbess. Aufl., von 
A. Wäber und H. Dübi. Bd. L Bern, 1896. 

Die Aussicht vom Finsteraarhorn ist eine der Bedeutung 
dieses Hochgipfels entsprechend ausgedehnte und gross- 
artige und auch in allen Einzelheiten von vollendeter 
Pracht. Neuestens hat S. Simon im Jahrlmch des S. A. C. 
(1901/92) das von ihm aufgenommene und farbig ausge- 
führte Panorama des Gipfels veröffentlicht. Heute wird 
das Finsteraarhorn häufig bestiegen, und oft treffen am 
gleichen Tag und zur selben Stunde auf dem Gipfel 
mehrere Partien zusammen. Anstiegsrouten : von der 
Oberaarjochhütte des S. A. C. aus über Gemsenlücke 
und Hugisattel (4089 m) in 6 Vt Stunden ; von der Kon- 
kordiahütte des S. C. A. und dem Gasthof Konkordia 
aus über die Grünhornlücke und den Hugisattel in 7 
Stunden ; von der Schwarzegghütte des S. A. C. aus über 




Oipfelgrat des Finsteraarhorns, vom Hugisattel aus. 



Finsteraarjoch Agassizjoch und Hugisattel in 9 Stunden. 

FIN8TERAARHORNQRUPPE(Kt.Bernu.Wallis). 

Unter dieser Bezeichnung versteht man den ganzen ö. 



108 



FIN 



FIN 



Abschnitt der Berner Alpen zwischen Gemmi und Grim- 
sel. Die Einteilung der Berner Alpen in zwei orographi- 
sche Gruppen rechtfertigt sich durch ihren von einander 
verschiedenen geologischen Bau und ihren grossen Unter- 
schied an landschaftlichem Charakter und Bedeutung. 
Der w. Abschnitt der Berner Alpen ist vorwiegend Kalk- 
gebirge; die Kammlinie erreicht hier nirgends 4000 m, 
die Seitenketten steigen rasch zum Miltelland ab, und 
Firn- und Eisfelder sind nur schwach entwickelt. Im Ge- 

Sensatz dazu zeichnet sich die Finsteraarhomgruppe aus 
urch ihr — wenigstens in den höchsten Teilen — aus 
krystallinen Schiefern aufgebautes Felsgerüste, durch die 
grosse Anzahl von 4000 m Hohe übersteigenden Spitzen 
und durch ihre grossartigen Firn- und Gletscherbildun- 
gen, die im ganzen Alpengebirge ihres Gleichen nicht 
wieder finden. 

Die Finsteraarhomgruppe wird begrenzt : im N. von der 
Aare und vom Brienzer- und Thunersee ; im W. von der 
Kander, dem Gemmipass und der Dala ; im S. und SO. 
von der Rhone; im 0. und NO. vom Grimselpass u. vom 
Oberlauf der Aare. Nach N. schliessen sich an sie an die 
Emmengruppe, nach NO. die Aa- u. Dammagruppe, nach 
SO. die Gruppe des Monte Leone, nach S. die Matterhom- 
gruppe, nach w. die Wildhorn- und Simmengruppe. Ge- 
samtfläche 1900 km*. Die Langsachse, von der Grimsel 
zur Gemmi, misst nahezu 55 km, die Querachse, von Brig 
bis Interlaken, 42 km. Die Höhenunterschiede innerhalb 
der Gruppe bewegen sich zwischen 560 m (Ufer des Thu- 
nersees) und 4275 m (Gipfel des Finsteraarhoms). Die 
Kammlinie der Gruppe, die zugleich die Grenze zwischen 
den Kantonen Bern und Wallis bildet, scheidet d^s Ein- 
zugsgebiet der Aare von dem der Rhone, mit Ausnahme 
der Strecke zwischen Balmhorn und Jungfrau, wo die 
Wasserscheide (der auch hier die politische Grenze folgt) 
etwas nach S. übergreift. Es sendet somit die S.-Flanke 
der Gruppe ihre Wasser zur Rhone, die N. -Flanke zur 
Aare. Hauptzuflüsse zur Rhone sind hier, von O.-W. ge- 
zählt, der Fiescherbach, die Massa, Lonza und Dala ; zur 
Aare gehen der Reichenbach, beide Lütschinen, der Kien- 
bach und die Kander. Eine von SW.-NO. verlaufende 
Linie trennt die Finsteraarhomgruppe wieder in zwei 
Abschnitte. Diese durch eine Reihe von Elinsenkungen ge- 
kennzeichnete Scheide beginnt bei Kandersteg, geht 
durch das OeschinenthaK über das Hohtürli, die Seßnen- 
furgge, durch das Sefinenlhal, über Murren, Grosse und 
Kleine Scheideerg und folgt dem Lauf des Reichenbaches 
bis zu seiner Vereinigung mit der Aare. 

Die beiden durch diese Linie abgegrenzten Abschnitte 
unterscheiden sich voneinander wieder sowohl durch 
ihren geologischen Aufbau als ihren landschaftlichen 
Charakter. Die s. Hälfte besteht vorwiegend aus krystal- 
linen Schiefern und bildet ein einziges Meer von Eis und 
Firn, das durch mächtige Felsmauern gegliedert und von 
riesenhaften Spitzen überragt ist ; die n. Hälfte gehört den 
sedimentären Formationen an und weist weniger gross- 
artigen landschaftlichen Charakter auf, ihre Berggipfel 
sind nicht so schrofl* gegliedert und ihre 3000 m nicht 
erreichenden Höhen lassen die Ausbildung von Gletschern 
nicht zu. 

i4. Die s. Hälfte der Finsteraarhomgruppe stellt weniger 
eine Kette, d. h. eine lineare Folge von Bergen dar, als 
vielmehr ein ganzes Gebirgsmassiv, das nach 0. an Breite 
und Höhe stets zunimmt und in dem es auf den ersten 
Blick schwierig erscheint, eine zentrale Achse und davon 
abgehende Seitenzweige zu unterscheiden. Die Massen- 
zunahme ist eine derartige, dass dieser nach 0. gelegene 
Teil der Gruppe zum bedeutendsten Hochgebirgskomplex 
nicht nur der Alpen sondern von ganz Europa wird. Dazu 
stempeln ihn nicht die absolute Höhe seiner Gipfel, wohl 
aber die Grosszügigkeit seiner Formenentwicklung und 
die mächtige Ausbildung Peines Eispanzers. Im Grossen ge- 
nommen zieht die Kammlinie dieser s. Hälfte der Finster- 
aarhomgruppe in der Richtung von SW.-NO. Doch ist der 
orographi^che Bau dieses Abschnittes ein derart verwickel- 
ter, dass wir genötigt sind, davon vor dem Beginn der 
Einzelschilderung einen allgemeinen Ueberblick zu geben 
u. den Gang unserer Beschreibung zu erklären. Im Zentrum 
der Gruppe erhebt sich ein beinahe allseitig geschlosse- 
ner, weiter Ring von Hochgebirgsmauern, der nur nach 
S. zu geöfi'net erscheint und hier dem Grossen Aletsch- 



gletscher den Austritt gestattet. Im W. schliessen Bich ao 
diesen Ring drei untereinander parallele, vom SW.-NO. 
streichende Ketten an, deren mittlere nahe dem W.-Ende 
der Gruppe vom Gebirgsstock des Balmhorns seinen Aus- 
gang nimmt; nach 0. sendet der zentrale Ring die Kette 
des Finsteraarhoms aus, die sich bald in sehr schwieri^r 
zu überschauender Weise verzweigt; die Bergmassen dö. 
vom Ring endlich zeigen ein vom Sichreckhorn abgehendes 
wirres Durcheinander von Ketten. Unsere EinzeMarslel- 
lung wird die Reihenfolge von W.-O. und von S.-N. inne- 
halten. 

Unsere s. Hälfte der Finsteraarhomgruppe beginnt im 
W. mit der Gebirgsmasse des Balmhorns, die mit ihren 
Vorbergen und Ausläufern — den Plattenhöraem (2859 
m), dem Grossen und Kleinen Rinderhorn (3457 u. 3007 
m), der Alteis (3636 m), dem Ober Tatlishom und Tatlis- 
horn (2966 und 2505 m) — über der Gemmi (2329 m) und 
der ihr nach N. vorgelagerten, etwa 8 km langen Einsen- 
kung aufragt. Das Ganze beherrschen die zwei Eisspitzen 
des eigentlichen Balmhorns (3676 und 3711 m). Von den 
Eisfeldern dieser Masse nennen wir den zwischen Rinder- 
horn u. Alteis nach NW. absteigenden Schwarzgletscher. 
Während der Hauptkörper der Balmhornmasse sw. über 
dem vom Oberlauf der Kander durchflossenen merkwür- 
digen Gasternthai sich aufbaut, zweigt sich von ihr nach 
S. eine kurze Ketle ab, die den untern Teil des wilden 
Lötschenthales im W. begleitet und als bemerkenswertes- 
ten Gipfel das als prachtvoller Aussichtspunkt oft erstie- 
gene Torrenthorn (3003 m) trägt. 

Oestlich vom Balmhorn wird die orographische Gliede- 
rung reicher ; sie lässt sich deutlich in drei untereinander 
parallel von SW.-NO. streichende Ketten auflösen : die 
Kette des Bietschhorns im S., die Kette der Blümlisalp 
im N. und, in der Mitte zwischen beiden, die Kette des 
Petersgrates. Die erstgenannte gehört ausschliesslich dem 
Einzugsgebiet der Rhone an, die andere sendet ihre Was- 
ser zur Aare, und die dritte bildet die Wasserscheide 
zwischen den beiden Flüssen. Bietschhornkette und Pe- 
tersgral schliessen sich im 0. an den den Ursprung des 
Grossen Aletschgletschers umrahmenden mächtigen Ge- 
birgs- und Eiszirkus an, während die Kette der Blümlisalp 
mit abnehmender Höhe gegen das obere Lauterbrunnen- 
thal streicht und als dessen W.-Wand endigt. 

Die Bietschhornkette beginnt bei Gampel im Rhonethal. 
Ihre beiderseitigen Gehänge sind nicht symmetrisch aus- 
gebildet, da der das Lötschenthal im S. überragende N.- 
Hang steil zum linken Ufer der Lonza abfällt, während 
vom S.-Hang fünf untereinander parallele Seilenzweige 
ausgehen, die rasch an Höhe abnehmend zur Rhoneebene 
sich senken und zwischen sich Raum für eine Reihe von 
tief eingeschnittenen Furchen lassen : das Ijollitbal, 
Rietschthal, Baltschiederthul, Gredetschthal undTieflhal. 
Von Gampel steigt die Kette des Bietschhorns allmählig 
an bis zu einer ganzen Folge von Felsgipfeln, den Leg- 
hörnern (2840 und 2913 m), dem Strahlhorn (3460 m), 
Hohgleifen (3280 m), Wilerhorn (3311 m ; sendet die ersle 
der genannten Seitenketten aus), Schwarzhora (3132 m) 
und Schaf berg (3170 m), von denen die vier letzten zu 
einem Teil vergletschert sind. Dann steigt als mächtige 
Pyramide das Bietschhorn (3953 m) in die Lüfte, dem im 
N. das Kleine Bietschhorn (3348 m) vorgelagert ist. Das 
Bietschhorn und seine Vorberge senden zwei grosse Glet- 
scher zu Thal, den Bietschgletscher nach SW. und den 
dem weiten Firngebiet nö. vom Hauptgipfel entsprin- 
genden Baltschiedergletscher nach S. Vom Bietschnom 
zweigen sich nach 0. ein kurzer mit dem Stockhorn (3229 
m) endigender Felskamm und nach S. die zweite der er- 
wähnten Seiten ketten ab, die als Hauptgipfel das Thier- 
egghorn (3086 m), Kmtighorn (3013 m) und die Hohe 
Egg (3070 m) trägt. Jenseits vom Bietschhorn folgt in der 
Hauptkette der lange Eisgrat des Elwerrück, aus dem 
einige Felsinseln auftauchen und der am Breitlauihorn 
(3663 m) endigt, das nach S. mitten durch die weiten Fim- 
gebiete des Baltschiedergletschers eine lange, mit dem 
Jägihorn (3416 m) endigende Felszunge vorschiebt. 

Nö. vom Breitlauihorn steht das Breithom (3783 m), das 
über einen Felskamm nach SO. mit der grossartigen Py- 
ramide des Gross Nesthoms (3820 m) verbunden ist. An 
diesem letztem vereinigen sicn die drei übrigen s. Seiten- 
zweige der Bietschhornkette, von denen der dritte und 




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FIN 



109 



vierte unmittelbar mit dem Hauptkörper verknüpft sind, 
während der fünfte blos eine vom vierten ausgehende 
Abzweigung niedrigeren Ranges vorstellt. Von den Gipfel- 
punkten der dritten Seitenkette nennen wir das Fäsch- 
hom (3214 m), Rotlauihom ^3155 m] und Gredetschhörnli 
(3662 m) ; von denen der vierten aas bedeutende Unter- 
bächhorn (3517 m), dann das Gisighorn (3182 m) und 
Foggenhorn (2578 m). Am Unterbächhorn entspringt der 
letzte Seitenzweig, der über den Hohstock (3175 m) bis 
zum Sparrhorn (3026 m) zuerst nach zieht, hier nach 
S. abbiegt u. die Schlucht der dem Grossen Aletsch- 
gletscher entspringenden Massa im W. begleitet. 

Nach dem breithorn folgen als Fortsetzung der Bietsch- 
hornkette der lange Kamm des Beichgrates (3254 m), 
dann das Schienhorn (3807 m), Distelhorn (3748 m) und 
das schon zu dem den Grossen Aletschgletscher umrah- 
menden Gebirgsring gehörige Sattelhorn (3745 m). Das 
Schienhorn sendet zwischen Beichfirn und Ober Aletsch- 

fletscher einen mit dem Thurberg (3030 m) endigenden 
elskamm nach S. aus. 

Ueber die Bietschhom kette und ihre Verästelungen 
fuhren eine Reihe von Pässen, die das Lötschenthal mit 
den Thälern der S.-Flanke oder diese Thäler selbst mit- 
einander verbinden. Von solchen, die die Hauptkettc über- 
schreiten, nennen wir (von W.-O. zählend) das Kastler- 
joch (ca. 3100 m), Wilerjoch (3078 m), Bietschjoch (ca. 3100 
mj, Baltschiederjoch (ca. 3250 m) u. den Beichpass (3136 
m). Alle sind Gletscherpässe, die nur von geübten Berg- 
steigern begangen werden können. 

Die zweite Hauptkette, die des Petersgrates, ist von der 
Balmhommasse durch den kleinen Lötschengletscher u. 
den vom Gasternthai zum Lötschenthal hinüberleitenden 
Lötschenpass (2695 m) geschieden. Während der S.-Hang 
der Kette zum tief eingeschnittenen Lötschenthal absteigt, 
ist die ihren N.-Hang begleitende Senke weit weniger 
scharf ausgesprochen und in ihrem mittlem Abschnitt 
mit Firn und Gletschern aufgefüllt (Kanderfirn, Tschin- 
ffelfirn, Breithornglelscher). Die Kette beginnt über dem 
Lötschenpass mit dem Schilthorn oder Hockenhorn (3297 
in), dem das Sackhorn (3218 m), Birghorn (3216 m) und 
der etwa 5 km lange geradlinige Eiskamm des Peters- 
grates folgen (sinkt nirgends unter 3175 m). Beide Hänge 
(les Petersgrates werden von einer einzigen zusammen- 
hängenden Eisdecke umhüllt, die im S. als Telligletscher, 
Ausser Thalgletscher und Inner Thalgletscher und im N. 
als Kanderfirn bezeichnet wird. Am O.-Ende des Peters- 

§rates steigt mitten aus den rings lagernden Eismassen 
as Tschingelhorn (3581 m) auf, aas nach NW. zur Blüm- 
lisalp einen den Kanderfirn vom Tschingelfim trennenden, 
die Felsinsel des Mutthoms (3041 m) tragenden und die 
Wasserscheide zwischen Kander und Weisser Lütschine 
bildenden Eiskamm aussendet. Darüber führt zwischen 
Mntthom und Blümlisalp der Tschingelpass (2824 m). 
Nach dem Tschingelhorn setzt sich die Kette fort mit dem 
Breithorn (3779 m), ihrer höchsten Spitze, u. dem Gross- 
hom (3765 m) und verknüpft sich am Mittaghorn (3895 m) 
mit dem Gebirgsring des Grossen Aletschgletschers. In 
dieser ganzen langen Kette ist nur ein einziger Passüber- 
gang, die zwischen Tschingelhorn und Breithorn einge- 
schnittene Wetterlücke (3159 m), zu nennen. 

Die Kette der Blümlisalp beginnt im W. mit den zwi- 
schen Gastern- und Oeschinenthal aufragenden Felsbas- 
tionen der Fisistöcke (2947 m), setzt sich über die mit 
ihren Eishängen den Oeschinensee beherrschende Doppel- 
pyramide des Doldenhorns (3474 und 3647 m) fort und 
verknüpft sich am Fründenhorn f3367 m) mit dem pracht- 
vollen Gebirgsstock der Blümlisalp. Diese besteht aus sie- 
ben in einer Doppclreihe angeordneten Spitzen : dem 
Oeschinenhorn ^3490 m), Blümlisalphorn (3669 m), der 
Weissen Frau (3661 m) und dem Morgenhorn (3629 m) in 
der s., die Hauptachse der Kette fortsetzenden Reihe, u. 
dem Blümlisalp Rothorn (3300 m), Blümlisaljpstock (3219 m) 
u. der Wilden Frau (3259 m) in der n., vom oeschinenhorn 
abzweigenden u. rings von Eismassen umpanzerten Reihe. 
Der S.-Hang der ganzen Blümlisalpkette bildet eine gross- 
artige Felsenmauer, während dem weniger steilen N.-Hang 
weite Eisfelder auflagern. Oestl. der Blümlisalp schneidet 
die tiefe Scharte der Gamchilücke (2833 m) in den Kamm 
ein, der von da als wildzerrissener Grat bis zur kühnen 
Spitze des Gspaltenhoms (3437 m) zieht und dann über 



den Tschingelgrat u. einige 
weniger bemerkenswerte 
Gipfel allmählig zur Weis- 
sen Lütschine ansteigt. Das 
Gspaltenhom schiebt nach 
N. die von ihm durch eine 
tiefe Scharte abgetrennte 
Pyramide der Büttlassen 
(3197 m) vor. Zwei der Er- 
wähnung würdige Glet- 
scherpässe führen über die 
Kette der Blümlisalp : das 
zwischen Doldenhorn u. 
Fründenhorn eingeschnit- 
tene Fründenjoch (3001 m) 
und die das Lauterbrun- 
nenthal mit dem Kienthal 
verbindende Gamchilücke 
(2833 m). 

Der zentrale Ring der 
Finsteraarhorngruppe hat 
die Gestalt einer unregel- 
mässigen Ellipse, deren 
etwa 12 km lange grosse 
Achse der Hauptrichtung 
der ganzen Gruppe folgend 
von SW.-NO. orientiert 
ist. Das 'Innere dieses rie- 
senhaften Amphitheaters 
fällen ungeheure Firn- und 
Eisfelder völlig aus, die 
hier und da durch Fels- 
kämme gegliedert erschei- 
nen und alle auf die grosse 
Lücke zusammenfliessen, 
durch die der Grosse 
Aletschgletscher seinen 
Ausweg nach SW. findet. 
Als mächtige Torhüter ste- 
hen hier im W. das Drei- 
eckhorn (3822 m) und im 
0. der Kamm (3870 m), 
von deren erstgenanntem 
aus eine mit dem Olmen- 
horn (3318 m) endigende 
Kette längs dem rechten 
Ufer des obem Grossen 

Aletschgletschers nach 
SSO. zieht. W. vom Drei- 
eckhorn besteht die Ring- 
mauer zunächst aus einem 
sich zur dreieckigen Pyra- 
mide des Aletschhorns (4182 
m) hebenden Eisgrat. Von 
hier zweigt nach S. eine 
Felszunge ab, die sich in 
der Folge in zwei Aesle 
teilt und zusammen mit 
der eben genannten Kette 
des Olmennorns den Mitt- 
ler Aletsch- oder Olmen- 
gletscher, einen rechtssei- 
tigen Zuüuss zum Gros- 
sen Aletschgletscher, ein- 
schliesst. Dieser s. Ast des 
Aletschhorns bildet mit der 
Bietschhornkette und mit 
dem von dieser ausgehen- 
den Zweig des Grossen 
Nesthorns ein zweites, dem 
zentralen Ring im SW. an- 
gegliedertes Felsenamphi- 
theater, das in seinem In- 
nern die Firnmassen birgt, 
die den ebenfalls von rechts 
auf den Grossen Aletsch- 
gletscher ausmündenden 
Ober Aletschgletscher näh- 
ren. Die Ringmauer des 
grossen zentralen Zirkus 



110 



FIN 



FIN 



setzt sich nach NW. zum Sattelhorn (3745 m) fort, an 
das sich die schon beschriebene Bietschhomkette an- 
schliesst, senkt sich zur Lötschenlücke (3204 m) u. zieht 
über den Anengrat (höchster Punkt in 3681 m) zum Mit- 
taghorn (3895 m), dem Schlussglied der Kette des Peters- 
grates. Die ö. Abschnitte der Ketten des Bietschhoms 
und Petersgrates bilden mit dem Anengrat zusammen die 
Umrandung eines dem Hauptring angegliederten zweiten 
Firn- u. Gletschergebietes, dessen Eismassen sich schliess- 
lich alle zum Lötschengletscher vereinigen. Vom Mittag- 
horn an biegt die Kammlinie des Hauptringes nach NO. 
aus und trägt der Reihe nach die Ebnefluh (3964 m), das 
Gletscherhorn (3982 m) und die Jungfrau (4166 m), die 
westlichste Spitze des über der Kleinen Scheidegg auf- 
ragenden Dreigestirns Ei^er, Mönch und Jungfrau. Am 
Mönch (4105 m) wendet sich die Umrandung des zentra- 
len Zirkus nach 0., während der den Eij|[er ?3975 m) tra- 
§ende Wall die Linie Jungfrau - Mönch in der Richtunff 
er Tangente nach NO. fortsetzt und mit dem Felsgipfel 
des Hörnli (2706 m] über dem Unter Grindelwaldglet- 
scher abbricht. Der Eiskamm des Fieschergrates, der vom 
Mönch an den zentralen Bing nach 0. fortsetzt, endigt an 
den in der Richtung des Kammes hintereinander liegen- 
den zwei Spitzen des Gross Fiescherhoms (4049 m) und 
Hinter Fiescherhoms (4020 m), sendet aber vorher noch 
eine Felszunge nach NO., die das Klein Fiescherhorn oder 
Ochs (1^905 m) und das Grindelwalder Grünhorn (3121 m) 
tragt und den weiten Grindelwalder Fieschergletscher 
auf der rechten Seite umwallt (links die Ausläufer des 
Eiger). Vom oben genannten Mittaghom bis zum Hinter 
Fiescherhorn bildet die Kammlinie des zentralen Ringes 
die Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten der 
Rhone und Aare. Verfolgen wir vom Hinter ?'iescher- 
hom aus die Hauptkammlinie weiter, so sehen wir sie 
bald nach S. ablenken, über das Klein Grünhorn (3927 m), 
Gross Grünhorn (4047 m) und Grüneckhorn (3869 m) zie- 
hen und endlich an der Felspyramide des Kamm (3870 
m) ihren Abschluss fmden. Wie schon bemerkt, stehen 
Kamm und Dreieckhom gleich riesigen Torpfeilem links 
und rechts vom Abfluss des Grossen Aletschgletschers aus 
dem zentralen Fimffebiet. An den Kamm schliessen sich 
nach S. noch die Walliser Fiescherhörner an, die in den 
rinfi^sum vergletscherten Gipfeln des Schönbühlhorns 
(38d4 m) und des Gross und Klein Wannehorns (3905 
und 3717 m) ihre bedeutendsten Höhen erreichen. End- 
lich müssen wir noch des etwa 15 km lancen Felskammes 
gedenken, der vom Klein Wanuehom nacn S. abzweigend 
das linke Ufer des Grossen Aletschgletschers begleitet und 
auf dieser Strecke durch die Lücke des berühmten Mär- 
jelensees (2367 m) unterbrochen ist, um sich jenseits von 
Neuem zu heben, im weltbekannten Aussicntsberg des 
Eggishorns 2934 m zu erreichen und schliesslich in brei- 
ten Alp weiden terrassen zur Rhone niederzusteigen. 

Eine Reihe von meist ausserordentlich schwierig zu be- 
gehenden Gletscherpässen unterbricht die Umfassungs- 
mauer des zentralen Fimgebietes. Wir nennen sie in der 
gleichen Reihenfolge, die wir bei der Aufzählung der Gip- 
fel beobachtet haben : die Lötschenlücke (3204 m), führt 
ins Lötschenthal : das Ebnefluhjoch (3750 m), zwischen 
Mittaghom und Ebnefluh ; das Lauitor ^3700 m), zwischen 
Gletscherhorn und Jungfrau, führt nacn Lauterbmnnen ; 
das Jungfraujoch (3470 m), zwischen Jungfrau u. Mönch, 
führt nach Lauterbrunnen ; das Mönchjoch (3618 m), führt 
nach Grindelwald ; die Grünhomlücke (3305 m), s. vom 
Grünhorn, führt zum Walliser Fieschergletscher ; endlich, 
zwischen Mönch und Eiger, das Eigerjoch (3619 m). 

Das Hinter Fiescherhorn ist der Ausgangspunkt der 
Finsteraarhom kette im engern Sinne, die zuerst über 
einen Eis- und Felskamm zum Agassizhom (3956 m) nach 
0. zieht, dann nach SO. umbiegt, sich zum Affassizjoch 
(3850 m) senkt und endlich zur gewaltigen steilen Pyra- 
mide des Finsteraarhoms (4275 m) sich aufschwingt. Das 
Finsteraarhom hat der ganzen mächtigen Gebirgsgruppe 
seinen Namen gegeben und steigt dem Matterhom ähnlich 
aus den ringsum um etwa 1000 m tiefer gelegenen Fim- 
gebieten mit derart steilen Felswänden zum Himmel auf, 
aass der Schnee an ihnen kaum zu haften vermag. Wäh- 
rend das Finsteraarhom nach SO. zwischen Walliser 
Fiescherfim und Studerfim den mit dem Rothom (3549 
m) endigenden Felssporn vorschiebt, streicht die Kamm- 



linie der Hauptkette nach 0. fort, trägt über einem Eis- 
grat das Studerhorn (3637 m) und erreicht das Ober Aar- 
horn (3642 m), an dem sich die Kette in zwei, den Ober 
Aargletscher zwischen sich einschliessende Arme spaltet. 
Der die Wasserscheide zwischen Rhone und Aare fort- 
setzende S.-Arm zieht zunächst auf eine kurze Strecke 
direkt südlich, biegt dann aber plötzlich nach 0. ab und 
endigt mit abnehmender Höhe über der Grimsel. Von sei- 
nen Gipfeln mögen genannt werden das Rothom (3458 m), 
Löffelhorn (3098 m) und das Gross und Klein Sidelhom 
(2881 und 2766 m). Nach S. lösen sich von diesem Arm in 
beinahe rechtem Winkel eine Reihe von Seitenzweigen 
ab, die kleine, von zur Rhone gehenden Wildbächen ent- 
wässerte Querthäler unter sich einsch Hessen. Der west- 
lichste dieser Seitenzweige geht vom Rothom aus und 
spaltet sich selbst bald wieder in einen das linke Ufer des 
Walliser Fiescherfirns besleitenden. das Hinter u. Vorder 
Galmihom (3482 und 3524 m) und das schöne Wasenhom 
(3457 m) tragenden W.-Zweig und einen O.-Zweig. Der 
andere vom Ober Aarhorn sich lösende Arm begleitet das 
linke Ufer des Unter Aargletschers u. das rechte des Ober 
Aargletschers; er zieht über das Grunerhorn (3510 m) 
zum Scheucbzerhorn (3471 m), das den Felssporn des 
Escherhorns (3080 in) nach N. zum Unter Aargletscher 
vorschiebt, biegt allmählig nach 0. um und steigt über 
den Tierberg (3202 m), den Hinter Zinkenstock (3042 m) 
und Vorder Zinkenstock (2922 m) bis zur Vereinigung der 
beiden dem Ober und Unter Aargletscher entspringen- 
den Quellbäche der Aare ab. 

Die Kette des Finsteraarhoms wird ausser vom Agassiz- 
joch noch vom Fiescherjoch (ca. 3600 m ; zwischen Hinter 
Fiescherhorn und Klein Fiescherhorn), Studerjoch (3428 
m) und Ober Aarjoch (3233 m) überschritten. 

Der ganze nö. Abschnitt der s. Hälfte der Finsteraar- 
horngruppe bildet sozusagen eine eigene Gebirgsmasse, 
die man nach ihrem höchsten Punkt die Schreckhom- 
gruppe nennen kann. Von den eben beschriebenen Ge- 
bieten trennt sie eine im Zickzack verlaufende, aber im 
Ganzen doch der Richtung SO.-NW. folgende Senke, die 
nur durch den die Strahlegghömer mit der Kette des 
PMnsteraarhorns verbindenden Sattel des Finsteraarjoches 
(3390 m) unterbrochen erscheint. Dieser Sattel ist das ein- 
zige Verbindun^glied der Schreckhorngruppe mit den 
übrigen Abschnitten der Finsteraarhomgmppe. N. vom 
Finsteraarjoch wird die eben genannte Senke von dem 
seine Schmelzwasser zur Schwarzen Lütschine sendenden 
Unter Grindelwaldgletscher, s. davon von dem gewunde- 
nen Finsteraargletscher und dem ihn fortsetzenden Unter 
Aar^letscher erfüllt. Die Gruppe des Schreckhoms gehört 
in ihrer Gesamtheit zum Einzugsgebiet der Aare. Ihr 
westlichster Abschnitt besteht aus einer von SO.-NW. 
ziehenden Kette, die im S. mit der steilwandigen P^- 
mide des Abschwung (3143 m) beginnt und in der riesigen 
Schartenmauer der Lauteraarhömer sich fortsetzt. Deren 
höchster Gipfel, das Lauteraarhom (4043 m), schiebt nach 
W. einen Fels- und Eisgrat vor, der sich am Strahlegg- 
pass (3351 m) nach S. wendet, unter dem Namen Mittel- 
ffrat oder Strahlegghömer (3482 m) parallel zur Kette der 
Lauteraarhömer streicht und mit der Nassen Strahlegg 
(3488 m) endigt. In der Hauptkette folgen auf die Lauter- 
aarhömer das Gross und Klein Schreckhom (4060 und 
3497 m), die beide mit ihren dunkeln Felsabstürzen die 
beiden Grindelwaldgletscher überragen und von denen 
das Gross Schreckhorn der höchste Gipfel dieses ö. Ab- 
schnittes der Finsteraarhomgruppe ist. Mit dem Metten- 
berg (2996 m) fällt diese Hauptkette zum Grindelwald ab. 
Von dem zwischen beiden Schreckhömem stehenden 
Nässihom (3749 m) zweigt nach NO. ein Eisgrat aus, über 
dessen tiefsten Punkt der Lauteraarsattel (3156 m) fuhrt 
und der sich jenseits davon in zwei Arme spaltet. Der S.- 
Arm streicht zunächst auf etwa 4 km Länge nach SO., 
trä^t als bedeutende Gipfel das Ankenbälli (3605 m) und 
Ewigschneehorn (3331 m), wendet sich dann über das 
Hubelhorn (3256 m) und den Kamm der Hühnerstöcke 
(3348 m) nach 0. und endigt mit dem Bächlistock (3270 
m). Hier neue Spaltung in drei weitere Zweite, deren 
(von S. an gezählt) erster und zweiter nur kurz sind, nach 
0. ziehen, den Bächligletscher zwischen sich einschlies- 
sen und am Aarelauf abbrechen. Der erste (rechtes Ufer 
des Bächligletschers) trägt das Brandlammhom (3115 m). 



FIN 



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111 



die Branberghömer (2984 m) a. den Juchlistock (2586 m), 
der zweite (linkes Ufer des Bachiigletschers) den Diamant- 
stock (2800 m) und Aelplistock (2895 m). Der dritte der 
vom Bächlistock ausstrahlenden Zweige ist etwa 12 km 
lang, geht der Aare nahezu parallel nach N^rägt das 
Hühnerthälihorn (3181 m), das Ritzlihorn (3282 m), den 
langen Kamm der Galiauistöcke (2894 m), das Bettlerhom 
(2lS m) und findet über der Einmündung des Urbaches 
in die Aare seinen Abschluss. 

Der nach N. orientierte zweite Arm der jenseits des 
Lauteraarsattels sich vollziehenden Spaltung hebt sich 
zunächst zum Berglistock (3657 m), senkt sich darauf 
zum Berglijoch (3441 m) und geht wiederum in zwei 
Kämmen auseinander, deren einer die stolze Gruppe der 
Wetterhömer trägt und deren anderer sich am Kenfen- 
hom mit der das Urbachthal im W. begleitenden Kette 
verknüpft (während die gegenüberliegende Seitenmauer 
dieses Thaies von den schon erwähnten Gallauihörnern 
gebildet wird). Die Masse der Wetterhörner besteht aus 
drei in der Richtung nach NW. aufeinander folgenden 
Gebirgsstöcken, dem Rosen hom (3691 m), Mittel hörn 
(3708 mj und "Wetlerhorn (3703 m), welch' letzteres seiner- 
seits wieder einen im Wellhorn (3196 m) gipfelnden 
Kamm nach NO. vorschiebt. Wetter- und Wellhorn 
scheiden mit ihren drohenden Felswänden die Grosse 
Scheidegg im W. von dem Rosenlauigletscher im 0. 
Beide Gehängeflanken der Wetterhömer sind mit mach- 
tigen Firnfeldem umpanzert, die auf der einen Seite den 
Ober Grindelwaldgletscher, auf der andern den Rosen- 
lauigletscher zu Thal senden. 

Der vom Berglijoch nach NO. ausstreichende zweite 
Kamm bildet einen Schnee- und Eisgrat mit einigen auf- 
gesetzten Felsspitzen und trennt den Rosenlaui- vom 
Gauligletscher. in seiner Mitte ist in ihn die wenig tiefe 
Scharte der Wetterlimmi (3182 m) eingeschnitten ; an 
seinem O.-Ende verwächst er, wie bereits bemerkt, mit 
der das Urtmchthal auf der linken Seite bogenförmig be- 
gleitenden Kette, die im S. mit dem felsigen Teilengrat 
(2824 ro) beginnt, im Hangendffletscherhorn (3294 m) ih- 
ren höchsten Gipfel hat, mit aer dreieckigen Pyramide 
des Renfenhorns (3272 m) weit nach W. ausbiegt und 
dann über Dossenhom (3140 m), Gstellihorn (2857 m), 
die Engelhömer (2783 m), die Hohjägiburg (2641 m) und 
Jägiburg (2500 m) nach NO. zieht, um schliesslich unter 
das Aarethal zu tauchen. 

B. Die nördliche Hälfte der Finsteraarhomgruppe un- 
terscheidet sich von der eben beschriebenen südlichen 
sowohl in ihrem landschaftlichen Charakter wie in ih- 
rem geologischen Aufbau (der später eingehend behan- 
delt werden wird) ganz wesenthch. Keiner ihrer Gipfel 
erreicht 3000 m, woraus folgt, dass mit ganz unbedeuten- 
den Ausnahmen auch keine Gletscher und Firnfelder 
sich ausbilden können. Bezeichnend für das Ganze ist 
dessen Zusammensetzung aus zahlreichen, nach allen 
Richtangen hin streichenden kleinen Felsketten, die 
teils isoliert für sich bleiben ^ teils wieder miteinander 
verschmeUen und die einer Emteilung nach grossen Zü- 
gen ziemliche Schwierigkeiten entgegensetzen. Diese n. 
Hälfte der Finsteraarhomgruppe Kann in ein Dreieck 
zusam menge fasst werden, dessen von S.-N. laufende 
Grundlinie der nahezu gerade Lauf der Kander bildet 
und dessen nach 0. gerichtete scharfe Spitze in den 
Winkel zwischen Reichenbach und Aare zu liegen 
kommt. Eine Reihe von Querthälern durchschneidet das 
so umgrenzte Gebiet ; ihr bedeutendstes ist das der Lüt- 
schine, das sich aus dem von S. herkommenden Lauter- 
bmnnenthal und dem von herabsteigenden Lütschi- 
nenthal im engern Sinne oder dem Grindelwald 
zusammensetzt. Daneben verdient auch noch das Kien- 
thal, ein linksseitiger Ast des Kanderthales, genannt zu 
werden. Unsere Beschreibung gliedern wir der Ueber- 
sichtlichkeit wegen nach diesen Thalfurchen, derart, dass 
wir zuerst das Gebiet zwischen der Kander und dem 
Kienthal, dann dasjenige zwischen Kienthal und Lauter- 
bruonenthal, darauf die zwischen beiden Lütschinen 
(lauterbninnenthal und Grindelwald) sich erhebende 
Bergmasse und endlich das ganze Stück ö. der Schwar- 
zen Lötschine als Einheiten betrachten werden. 

Zwischen dem Lauf der Kander und dem Kienthal er- 
nebt sich eine der Form nach einem liegenden T zu 



vergleichende Gebirgsmasse. Der horizontale Ast dieses 
T streicht über dem Oeschinenthal von W.-O. und be- 
ginnt im W. mit der trotzigen Pyramide der Birre 
(2511 m), um über das Zahlershorn (2745 m) die Wittwe 
oder das Dündenhorn (2865 m) zu erreichen, das im 
Schnittpunkt der beiden Aeste des T liegt und zugleich 
die höchste Spitze dieses Gebietes ist. Auf der anderen 
Seite des Dündenhorns setzt sich der horizontale Balken 
dieses T mit einem am Hohtürli (2707 m) endigenden 
Felskamm fort. Der nach N. zu gerichtete vertikale Ast 
des T trägt in seiner Mitte das Aermighorn (2745 m) und 
sendet einige wenig wichtige Verzweigungen nach 0. 
aus. Parallel mit dem vertikalen Balken des T streicht 
im selben Gebiet eine weitere, kleine Kette, die im Gie- 
senengrat (2379 m) gipfelt und im N. mit dem Gerihom 
(2132 m) abschliesst. 

Wir kommen zum Teilstück zwischen Kienthal und 
dem Thal der Weissen Lütschine (Lauterbrunnenthal). 
Hier fallt uns zunächst im S. ein halbkreisförmiger, 
nach N. zu konkaver Gebirgsbogen auf. Am Schilthorn 
(2973 m), dem höchsten Gipfel der gesamten N.- Hälfte 
der Finsteraarhomgruppe, vereinigen sich von NW. und 
NO. her die beiden Bogenstücke dieses Hufeisens. Der 
NW .-Arm springt zunächst mit der Kilchfluh (2B34 m) 
nach innen vor, erreicht dann das Gross Hundhom 
(2932 m) und begleitet als langer felsiger Kamm die rechte 
Seite des Kienthaies; der NO.- Arm streicht über den 
Schwarzgrat, setzt sich im Schwarzbirg (2758 m) fort und 
endigt breit zwischen Sausbach und Weisser Lütschine. 
Dieser Halbkreis umfasst, wie schon bemerkt, nur den 
8. Abschnitt des Gebietes zwischen Kienbach und Weis- 
ser Lütschine ; die übrige Hälfte erfüllen eine Reihe von 
mehr vereinzelt stehenden kleinen Gebirgsstöcken. Deren 
bedeutendster ist der sternförmige Stock des Morgen- 
berghorns (2251 m], dessen drei Strahlen mit unter sich 
nahezu gleichen Winkeln nach NW., SO. und NO. aus- 
zweigen. Der NW.-Strahl, der kürzeste und niedrigste 
der drei, bildet den rechtsseitiffen Abschluss des zum 
Kienthal ausmündenden Suldthales. Der SO.-Strahl senkt 
sich vom zentralen Morgenberghom an zunächst zu dem 
vom Suldthal ins Saxptenthal hinüberführenden Pass des 
Tanzbödeli (1880 m) und steigt dann über die Schwal- 
memhörner bis zu seinem Gipfelpunkt, dem Höchst 
Schwalmern (2727 m), stetig an, um hier seinerseits sich 
nach drei Seiten zu verzweigen : nach SW. mit dem im 
Mittel 2500 m hohen, über dem Bochtenbach (Zulluss 
zum Kienbach) endigenden felsigen Schwalmerngrat, 
nach S. mit einem das Hohganthom (2776 m) tragenden 
und am Drettenhom (2806 m) mit einer kleinen, der In- 
nenseite des bereits beschrieoenen Hufeisens vorgelager- 
ten Kette im rechten Winkel verschmelzenden Kamm 
und endlich mit einem vom Höchst Schwalmern nach 0. 
abgehenden, an den Lobhörnern (2523 und 2570 m) nach 
N. umbiegenden und die Sulegg (2412 m) und den Bel- 
lenhöchst (2094 m) tragenden Ast, der nach 0. noch ei- 
nige kleine Ausläufer entsendet und zusammen mit dem 
SO.- und NO.-Strahl des Morgen horns das reizende Saxe- 
tenthal einschliesst. Der NO.-Strahl des Sternes ist ein 
etwa 8 km langer steiniger Kamm der zuerst Leissigen- 
grat (2035 m), oann Därligengrat (1822 m) helsst, an Höhe 
beständig abnimmt, über der kleinen Alluvionsebene des 
Bödeli endigt und das Saxetenthal vom Thunersee 
trennt. Im Reichen Gebiet können noch zwei zwischen 
Suld- und Kienthal von SW.-NO. streichende kleine Ket- 
ten erwähnt werden, deren südliche im Dreispitz 
(2522 m) ffipfelt und über rasenbestandene Rücken einer- 
seits mit dem schon genannten Schwalmerngrat, anderer- 
seits mit der nördlichen der beiden kleinen Ketten, der 
im Wetterlattehorn (2011 m) gipfelnden Standfluh, ver- 
schmilzt. 

In dem von den beiden Armen der Lütschine und 
der Kleinen Scheidegg umschlossenen Raum erhebt 
sich ein Berggebiet, das ebenfalls mit einem drei- 
strahligen Stern verglichen werden kann. Vom Mit- 
telpunkt, dem berühmten Aussichtsberg des Männlichen 
(2345 m), zweigt der Hauptstrahl dem Thal der Weis- 
sen Lütschine parallel nach S. aus, trägt den Tschug- 
gen (2523 m) und das Lauberhorn (2475 m) und senkt 
sich schliesslich zur kleinen Scheidegg (2066 m) ab. 

Die beiden andern, viel weniger wichtigen Strahlen 



119 



FIN 



FIN 



liegen mit einander beinahe in einer geraden Linie, ste- 
hen beide senkrecht auf den S. -Strahl und begleiten eine 
Strecke weit das Thal der Schwarzen Lütschine im S. 

Die letzte Unterabteilung der n. Hälfte der Finsteraar- 
horngruppe wird begrenzt von der Schwarzen Lutschine, 
der Grossen Scheide^g, dem Reichenbach, der Aare und 
dem Brienzersee. Hier herrscht Parallelstruktur von 
kleinen SW.-NO. streichenden Ketten vor, die im allge- 
meinen als ziemlich breite Rücken ausgebildet sind und 
zwischen denen nur wenig tiefe und stellenweise durch 
Querketlen wieder gegliederte Thalfurchen sich Anden. 
An Länge und Höhe die wichtigste dieser kleinen Paral- 
lelkelten ist die südlichste, die des Faulhorns. Sie be- 
ginnt im W. mit dem Kamm der Winteregg (2570 m), 
setzt sich über das Faulhorn (2683 m) nach 0. im Fels- 
kamm des Hinterbir^ bis zum Schwarzhorn (2930 m) 
fort, biegt hier auf eme kurze Strecke bis zum Wild- 
gerst (^92 m) scharf nach N. ab, geht dann bis zur 
Garzenscheer (2618 m) wieder in die allgemeine NO.- 
RichtuDg über und spaltet sich hier in einen S.-Ast mit 
den Schöniwanghörnern (2448 m) und dem Tchingel- 
horn (2324 m) und einen mit dem Wandelhom (2306 m) 
abschliessendfen NO.-Ast. Das Faulhorn selbst sendet 
nach S. den kurzen Kamm des Simelihorns (2752 m) und 
des Rötihorns (2759 m] und einen mit dem sogleich noch 
zu nennenden Schwaohorn sich verknüpfenden N.-Grat 
aus. Die zweite der Parallelkelten ö. der Schwarzen Lüt- 
schine beginnt im W. mit dem Schilthorn (1822 m), 
streicht, der Winlereg^ parallel und von ihr oiurch das 
schmale aber wenig liefe Weitthal getrennt, über das 
Stellihom (2080 m) und die Sägishörner (2427 m) zum 
Schwabhorn (2376 m), nimmt dann bis zum Einschnitt 
des Giessbaches an Höhe beträchtlich ab und setzt sich 
jenseits desselben mit einer Reihe von Felsgipfeln 
(Tschingel 2245 m, Axalphorn 2327 m und Oltschikopf 
2238 m) bis zur Aare fort, zu der sie in terrassierten 
Felswänden abbricht. Die Felsgruppe des Gummihorns 
(2101 m) mit dem berühmten Aussichtspunkt der Schi- 
nigen Platte (1970 in) bezeichnet den Ausgangspunkt 
der dritten Parallelkette, die sich über Laucherhorn (2235 
m), Schrännigrat (2278 m), Lägerhorn (2297 m), Furgge- 
horn (2172 m), Bättenalpburff (2133 m) und Litschenburg 
(2116 m) zieht und im Winkel zwischen Giessbach und 
Brienzersee in eine Reihe von breiten Rasen- und W^ald- 
rücken auflöst. Der NW.- Hang dieser Kette steigt sanft 
zum Brienzersee ab, nach SO. ist pie mit der vorherge- 
henden durch die zwei kurzen Seitenäste von der Schränni 
zu den Sägishörnern und von der Bättenalpburg zum 
Schwabhorn verknüpft. 

Von den zahlreichen im Gebiet der Finsteraarhom- 
ffruppe tätigen Forschern haben zu ihrer Kenntnis am 
Meisten beigetragen Franz Josef Hugi, Arnold Escher 
von der Linth, Bernhard Studer, Karl Vogt, Louis Agas- 
siz, Eduard Desor, JohnTyndall, Dollfus-Ausset, Edmund 
von Fellenberg u. A. Ihren Bemühungen ist es zu ver- 
danken, dass die Gruppe des Finsteraarhorns, zusam- 
men mit derjenigen des Matterhorns, ein Hauptziel des 
Fremdenstroms geworden ist, dessen gefahrvolle Hoch- 
gebirge die Alpinisten und dessen bald ernste und er- 
schreckende, bald liebliche und malerische Landschaft 
die Sommerfrischler aus aller Herren Ländern anziehen. 
Die bald bis an den Fuss der Gemmi ihre Fortsetzung 
findende Thunersee- und Simmenthalbahn (Frutigen- 
Spiez-Erlenbach-Zweisimmen), die durch die Linie über 
die Kleine Scheidegg mit einander verbundenen Bahnen 
nach Grindelwald und Lauterbrunnen, die Drahtseilbahn 
Lauterbrunnen-Mürren und die Jungfraubahn seslatten 
den Reisenden das mühelose Eindringen bis ins Herz der 
Hochgebirge oder doch zum mindesten bis an den Fuss 
der dieses ^anze Gebiet beherrschenden Bergriesen. Dazu 
kommen die zahllosen guten Gasthöfe, die auch ihrerseits 
den Weltruf des Bemer Oberlandes mit begründet ha- 
ben. Endlich haben der Schweizerische Alpenklub und 
Privatinitiaiive mitten im Gipfel- und Kirngebiet der 
Finsteraarhorngruppe zahlreiche Schutzhüllen geschaf- 
fen, die dessen Erforschung nach allen Richtungen hin 
ungemein erleichtern. Es sind dies : die Doldenhorn hülle, 
iwb von den Führern von Kandersteg erbaut; Blümlis- 
alp- oder Hohtürlihütte (2760 m)^ Ausgangspunkt für 
Hochtouren im Gebiet der Blümlisalp ; Mutthornhütte 



(ca 2900 m); Nest- oder Bietschhutle (2573 m), am Fuss 
des Bietschnorns, dem Gasthof Ried gehörend; Ober- 
aletschhütte (2650 m), am linken Ufer des Oberaletsch- 
gletschers ; Konkordiahütte (2870 m), am Fuss des Kamm 
und am linken Ufer des Grossen Aletschgletschers ; 
Rotthalhütte (2764 m), am Fuss der Jungfrau und am 
rechten Ufer des Rotthalgletschers ; Guggihütte, am Fuss 
des Mönch und am rechten Ufer des Guggigletschers ; 
Berglihütte (3299 m), auf einem aus dem Grindelwalder 
Fieschergletscher aufragenden Felssporn ; SchwarzegK- 
hütte (2500 m), am Fuss des Schreckhoms und am rech- 
ten Ufer des Unter Grindel waldgletschers ; Gleckstein- 
hütte (2345 m), auf einem Felsrücken über dem rechten 
Ufer des Ober Grindefwaldgletschers ; DossenhuUe 
(2750 m), nahe dem linken Ufer des Rosenlauigletschers ; 
Oberaarjoch hütte (3180 m), auf der Passhöhe des Ober- 
aarjoches ; Oberaargletscher hütte (2258 m), vor der Front 
des Oberaargletschers ; der Pavillon Dollfus (^)93 m), am 
linken Ufer des Unteraargletschers, heute Eigentum des 
S. A. C. Dieser Liste mag noch eine Reihe von Gasthöfen 
beigefügt werden, die mitten im Hochgebirgsgebiet hoch 
genug gelegen sind, um gleich den Hütten als Ausgangs- 
punkte für Hochtouren dienen zu können : die Gasthofe 
Schwarenbach (2067 m) und Wildstrubel (2329 m), beide 
an der Gemmi; das Hotel Jungfrau (2193 m), am Hang 
des Eggishorns; Hotel Beialp (2137 m), am Fuss des 
Sparrhoms und hoch über dem Grossen Aletschgletscher; 
Grimselhospiz (1875 m) ; Hotel Bellevue (2064 mj, an der 
Kleinen Scheidegg, Standquartier für die Besteigung des 
Eiffer; u. a. 

Diese Hütten und Gasthöfe und die erfahrenen und 
tüchtigen Führer des Berner Oberlandes und Lötschen- 
thales gestatten eine Masse von Hochgipfeltouren in der 
Gruppe des Finsteraarhorns: Wetterhorn, Jungfrau, 
Mönch, Eiger, Finsteraarhorn, Mittelhorn, Schreckhör- 
ner, Lauterbrunnen Breithorn, Hockenhorn, Balmhom, 
Blümlisalp u. a. werden jedes Jahr erklettert; andere 
Gipfel, die weniger hoch sind und keine Schwierigkeiten 
bieten, erhalten während der schönen Jahreszeit täglich 
Besuch. Diese dem eigentlichen Herzen des Hochgebir- 
ges im N. und S. vorcelagerten Gipfel zweiter Ordnung 
bieten prachtvolle Gelegenheit, die um das Finsteraar- 
horn aufragende Schaar von Spitzen und das dazwischen 
gebettete Chaos von Gletschern und Firnfeldem aus 
nächster Nähe zu bewundern. Die berühmtesten dieser 
Aussichtspunkte sind Faulhorn, Männlichen, Schilthorn, 
Sulegg, Lauberhorn, RÖtihorn, Klein Sidelhorn, Torrent- 
horn u. a., denen man als nicht weniger berühmt noch 
die am Hang des Gummihorns liegende Terrasse der 
Schinigen Platte beifügen muss, auf die man heute ver- 
mittels einer Zahnradbahn bequem gelangen kann. 

Die mächtige Verbreilerung des mittlem und östlichen 
Abschnittes der Finsteraarhorn^ppe gestaltet dieses 
Gebiet der Alpen zu einem für die Ausbildung von Firn- 
feldem und öletschern ausserordentlich geeigneten Ein- 
zugsbecken. Deshalb enthält unsere orographische Gruppe 
des Finsteraarhorns auch die grössten Eismassen von 
Ranz Europa (die arktischen Gebiete des Erdteiles natür- 
lich ausgenommen). Der ausgedehnteste aller dieser Eis- 
ströme ist der Grosse Aletschgletscher, der 24 km lang 
ist, eine Fläche von 103 km' bedeckt und dessen unge- 
heures Einzugsgebiet den von uns früher beschriebenen 
zentralen Zirkus der Finsteraarhorn^uppeumfasst. Dann 
lassen sich nennen der mit dem Fiescnerfim zusammen 
14 km lange Walliser Fieschergletscher, der mit dem 
Unteraargletscher, seiner Fortsetzung, zusammen 12 km 
lange Finsteraargletscher, der Ober Aletschgletscher und 
Unter Grindel waldgletscher mit je 8 km Länge etc. Die 
Gesamtfläche der Firn- und Gletscherffebiete in der 
Gruppe des Finsteraarhorns kann auf 500 km* beziffert 
werden. Es gibt hier 16 Gletscher erster Ordnung (Thal- 
cletscher) und über 100 Gletscher zweiter Ordnung 
(Hängegletscher etc.). Der Druck der Ungeheuern Eis- 
massen lasst in unserem Gebiet die Gletscher sehr tief 
in die Thäler heruntersteigen, tiefer als sonst irgendwo 
in unsern Breiten. So hat z. B. der Grindelwaldglelscher 
vor seiner jetzigen Rückzugsperiode einst bis in etwa 
900 m hinuntergereicht, d. h. bis in die Zone der Kirsch- 
bäume. Das untere Ende des Grossen Aletschgletschers 
liegt in 1353 m, des Walliser Fieschergletschers in 



FIN 



FIN 



HS 



1500 m, des RosenlauigleUchera ebenfalls in etwa 1500 m, 
des Oberaargletschers in 1877 m. Endlich sei noch be- 
tont, dass die ersten wissenschaftlichen Beobachtungen 
über Gletscher im Gebiet der Finsteraarhorngruppe, und 
bier besonders am Unteraargletscher angestellt worden 
sind, zuerst von Franz Josef Hugi, dann von einer gan- 
zen Schaar von Schweizer Gelehrten wie Louis Agassiz, 
Eduard Desor, Cesar Nicole t, Karl Vogt, Bernhard Slu- 
der u. a., und endlich von Ausländem wie Charles Mar- 
tins, James Forbes, Dollfus- Ausset, John Tyndall u. a. 

Wenn wir die Resultate unserer Wanderung durch 
die Finsteraarhorngruppe noch einmal zusammenfassen 
wollen, so ergeben sich als charakteristische Hauptzüge 
zunächst die ungeheure Entwicklung ihrer Firn- und Eis- 
gebiete und dann ihr komplexer orographischer Aufbau, 
der die Erkennung einer zentralen Achse mit davon aus- 
gebenden Seitenzweigen zu einer so ausserordentlich 
schwierigen Aufgabe gestaltet. 

Geologie, Die geologischen Verhältnisse • der S.-Hälfte 
der Finsteraarhorngruppe sind hauptsächlich von Em- 
manuel V. Fellenberg und Armin Baltzer untersucht wor- 
den. Von besonderem Interesse ist hier die unmittelbare 
Ueberlagerung der Gneise durch die Jurakalke und die 
daraus sich ergebende Kontaktzone zwischen diesen bei- 
den Formationen mit ihren eigentum liehen Dislokations- 
erscheinungen. Diese Kontaktzone lässt sich auf der N.- 
Seite der Gruppe an Jungfrau, Mönch, Eiger, Wetter- und 
Wellhom verfolgen ; sie beginnt über Lauterbrunnen und 
setzt sich nach 0. zu bis weit ausserhalb die Grenzen der 



an dessen N.-Hängen aber hier und da Granite und Ver- 
rucanofetzen anstehen. Grünliche oder rosarote Granite 
finden sich auch im obersten Abschnitt des Gastemthales 
zwischen Alpetligletscher und dem Fuss des Balmhorns. 
Die Kette der Blümlisa Ip besteht aus mächtig entwickel- 
ten Juraschichten (Dogger und Lias), die nach N. fallen 
und unter denen mancherorts Dolomite und Verrucano 
zu Tage anstehen. Auch die Gruppe des Balmhorns ge- 
hört in ihren Gesteinen der Hauptsache nach den Schich- 
ten des untern und mittleren Jura an, die wiederum auf 
den Quarzsandsteinen des Verrucano ruhen. Zwei der 
Vorberge des Balmhorns endlich, das Klein Hinderhorn 
und Tatlishom, sind Ueberreste von Kreide- und Jura- 
falten. 

Die n. Hälfte der Finsteraarhorngruppe besteht (im Ge- 
gensatz zu der vorwiegend krystallinen S. - Hälhe) der 
Hauptsache nach aus Sedimentgesteinen der sekunaären 
Formationsgruppe. An den Grenzen trifft man aber auch 
hier und da, besonders im nw. Abschnitt, auf tertiäre 
Schichten. Die Thalböden sind, wie überall, mit Gebilden 
quaternären Alters (Alluvionen, Sturzschutt, Tuffen etc.) 
überführt. Hier herrschen Absätze der mittlem Jurazeit 
vor, und aus Juragestein besteht auch die grosse Mehrzahl 
aller Gipfel. Im Abschnitt zwischen Kander und Kienthal 
tritt auch Lias (Sin^murien) auf, der mit dem Dogger zu- 
sammen die kurze Kette der Wiltwe aufbaut ; der an die 
Wittwe im rechten Winkel anschliessende Ast gehört da- 
gegen der Kreide (Neocom und Urcon) an. Nach N., wo 
alle diese Ketten sich beträchtlicn absenken, tauchen 






Hgst^naarß^ihäm 






Uvib^rd 







fiMfi Eüm. V. Feitenberg. 



Geologisches Querprofii durch die Finsteraarhurngruppe. 



Go. Graue oder grQoe Oneise : Oao. Aug;eDgnei8e; Orgn. GrauitiBche Gneise; Gl. Glimmerschiefer; Scgn. Sericitgneise; Scvgn. 
' GrOne Oneise, wechsellagernd mit grOnen Schiefern; Sa. Amphibolite und Araphibolsohiefer. 



Grappe, d. h. bis an die Reuss auf eine Länge von etwa 
00 km fort. Die beiden Formationen, Kalk und Gneis, 
haben vereinigt sehr wechselvolle Faltenbiegungen erlit- 
ten. Die Falten sind an manchen Stellen schief; es er- 
scheinen dann die Juraschichten oft in Form eines Keiles 
lief in die Gneise hineingepresst, oder es werden die 
Sedimentgesteine von den Gneisen überlagert (wie am 
Wetterhom, Mönch und an der Jungfrau). Am Gstellihorn, 
im Hintergrund des Urbachthales und an andern Orten 
wiederholen sich die Falten mehrmals, wodurch Gneise 
und Kalke einander gegenseitig vielfach ablösen und ganz 
ineinander geknetet erscheinen, die ursprünglich noch 
vorhandenen Faltenumbiegungen sind später durch die 
Tätigkeit von Erosion und Verwitterung abgetragen wor- 
den, so dass man jetzt nur noch entweder Reste von 
Kalkfalten isoliert mitten in Gneisen oder vereinzelte 
Gneisfetzen mitten in Kalkschichten (Gipfel des Mönch 
und Gstellihorns) antritft. Das Finsteraarhorn massiv ist 
nicht symmetrisch gebaut (vergl. das geolog. Querprofil). 
Es besteht zum grössten Teil, namentlich in den zentralen 
Abschnitten, aus krystallinen Gesteinsarten : Gneis, mehr 
oder weniger schiefrig, übergehend in Augengneis, Gra- 
nilgneis oder Protogin (Hühnerstöcke , ßächlislöcke , 
Brurfberghörner, JucKlistöcke, Hühnerthälihörn'er), in 
Serizitgneis (Ritzlihorn) oder auch in Amphiboigneis 
(Finsteraarhorn, Grünhorn, Oberaarhom). An die Gneise 
schliesst sich nach S. eine beinahe bis zur Rhone rei- 
chende breite Zone von Casanoaschiefern an, die an 
einigen Stellen wieder Uebergänge in Gneis zeigen. Dieser 
Zone von Casannaschiefern gehören an das Lötschenthal, 
die Bietschhornkette (mit Ausnahme der aus Amphibol- 
schiefem aufgebauten höchsten Teile) und der Pclersgrat, 



Jura und Kreide unter eine beträchtliche Decke von eocä- 
nem Flysch und Nummulitenkalk. — Zwischen Kienbach 
und Lütschine besteht das Hufeisen des Schilthorns mit 
allen seinen Verzweigungen und dem dazwischen gelege- 
nen Gebiet aus unterem und oberem Jura, der nach N. 
von einer Kreidezone (ürgon u. Berrias) überlagert wird, 
die noch weiter n. ihrerseits wieder unter den Flysch 
taucht. — Im Dreieck zwischen beiden Lütschinen« des- 
sen Mittelpunkt der Männlichen ist, herrschen durchaus 
Juraschichten (unlerer und oberer Dogger) vor, mit Aus- 
nahme eines s. über Grindelwald hinziehenden Flysch- 
bandes. — Die {gleichen Verhältnisse treden wir auch 
überall ö. der Lutschine, wo die ganze Reihe der durch 
Oxfordmulden von einander getrennten und durch die 
Erosion an den Umbie^ungsstellen abgetragenen Dogger- 
gewölbe nach N. überliegt. Immerhin zeigen sich in der 
dem Brienzersee nachstgelegenen Kette auch Kreidereste 
(Berrias) und längs des Reichenbaches ein langes Band 
von Flysch und Nummulitenkalk. Für Einzelheiten vergl. 
Baltzer, Armin. Der median, Kontakt von Gneis und Kalk 
im Berner Oberland^ sowie Fellenberg, Edmund v., und 
Casimir Mcesch. Geolog. Beschr, des westl. Teiles des 
Aarniassivs.., (beide in den Beiträgen zur geolog. Karte 
der Schweiz. Lieferung 20 und 21). Bern, 1880 und 
1893. für. Emil Andr^.] 

Flora. Die Finsteraarhorngruppe bildet in botanischer 
Hinsicht dank ihrem topographischen Bau, der bedeuten- 
den Höhe ihrer Gipfel und der petrographischen Zusam- 
mensetzung ihrer zu einem Teil krystallinen Gesteinsarten 
ein vom westlichen Oberland deutlich geschiedenes Ge- 
biet für sich. Der die beiden Gebirgsgruppen orosraphisch 
scheidende Pass der Gerami bildet auch die Grenzlinie 

GEOGR. LEX. 52 — II — 8 



il4 



FIN 



FIN 



zwischen den beiden Floren. Immerhin ist aber diese 
Querscheide weniger scharf ausgeprägt , als diejenige, 
welche durch die Kammlinie zwischen den Einzugsjgebie- 
ten von Aare und Rhone als Längsscheide gekennzeichnet 
ist. Der Unterschied in den floristischen Erscheinungen 
zwischen N.- und S.-Seite der (irupi>e wird um so auffal- 
lender, je tiefer man thalwärts absteigt. Hermann Christ 
hat schon bemerkt, dass die Hochalpen des Hemer Ober- 
landes für die Ausbreitung der Mehrzahl der südlichen 
Typen der reichen Walliser Flora eine unüberwindliche 
Schranke gebildet zu haben scheinen. So wie man nach 
Ueberschreitung der Gemmi oder Grimsel die Walliser 
Seite der Gebirgsgruppe erreicht hat, nimmt man mit Er- 
staunen einen plötzlichen Wechsel im Charakter u. Reich- 
tum der Flora wahr. Doch ist in Wirklichkeit das seltene 
Auftreten von südlichen Typen auf der N. -Seite weniger 
eine Folge der orographischen Mauer, als vielmehr der 
zu beiden Seiten der Kammlinie von einander vollständig 
verschiedenen klimatischen Verhältnisse. Es sind aber 
trotz allem dennoch eine Reihe von südlichen Arten auf 
dem W^eg über die Passlücken nach N. gelangt u. haben 
sich hier erfolgreich zu behaupten vermocht. So findet 
man auf dem Plateau der Gemmi Anemone baldensis^ 
Ranunculus pamassifolius, VUcaria alpina^ Crepis pyg- 
maea, Alsine laricifolia, Oxutropis lapponica etc. : am 
N.-Hang des Lötschenpasses Oxytropis lapponica^ Salix 

Slauca, Potentilla frigida, Phyteuma Schekchzeri; am 
[.-Hang der Grimsel Saluc glauca und S. myrsinites, 
Androsace tonientosa, Pinguicula grandiflora, Potenlilla 
frigida, Phaca alpina. Andere für die Walliser Flora 
charakteristische Arten, wie z. B. Ranunculus pyrenaeus, 
Sedum alpestre, Saxifraga niuscoides und S. Seguieri, 
Achillea nana etc. finden sich an isolierten Standorten 
des n. Gebirgsabfalles. 

Nordseite. Im östlichen Abschnitt der Finsteraarhorn- 
gruppe, besonders im Ober Hasle und in dem oroffra- 
phisch schon der Dammagruppe zugehöri|[en Gadmentnal, 
zeigt sich der Einfluss des Föhns auf die Flora im Vor- 
kommen mehrerer südlichen Elemente der insubrischen 
Flora, wie z. B. des Polygonum alpinwm (Guttannen), 
der schönen Saxifraga cotyledon, einer Zierde der Fels- 
wände der zentralen und südlichen Alpen, der zusammen 
mit Woodsia ilvensis bei Lauterbrunnen wachsenden Be- 
tonica Jacquini etc. « Dass der Föhn, der gerade die Ost- 
flanke des Hemer Oberlandes mit ungeheurer Kraft be- 
streicht, an diesem südlichen Charakter ihrer Flora den 
grössten Anteil hat, ist unzweifelhaft. Sowohl seine wär- 
mende und aufhellende Hauptwirkung, als seine regen- : 
spendende Nachwirkung ist in diesen Thälem bedeuten- 
der als irgendwo : ihre Niederschlagsmenge ist durchaus 
die der Sudalpen, sie übersteigt 200 cm und erreicht im 
obersten Aarthal (Grimsel 22d cm) den zweithöchsten in 
unsern Alpen beobachteten Wert. » (H. Christ : Pflanzen- 
leben der Schweiz. 2. Ausg. S. 372). 

Diesen insubrischen Arten fugen vnr als solche der zen- 
tralen und östlichen Alpen noch bei Rumex nivalis, 5a- 
xifraga aphylla und Priniula iniegrifolia. Auch die von 
uns für die Kette des Faulhorns (s. diesen Art.} genann- 
ten Arten finden sich mit nur wenigen Ausnahmen auf 
verschiedene Standorte im übrigen Teil der Finsteraar- 
horngruppe verteilt. Wenn man jene Liste mit den hier 
schon genannten und sogleich noch anzuführenden Ar- 
ten ergänzt, so erhält man ein ziemlich vollständiges 
Verzeichnis der auf der N. -Seite der Finsteraarhorngruppe 
wachsenden interessanten Florenelemente. Erwähnens- 
wert sind für die N.-Seite der Gebirgsgruppe femer: 
Viola palustris und Drosera longifolia (Grimsel), Viola 
lutea (bei Murren häufig), Sp^gularia campestris (von 
Guttannen bis Grimsel); Trifolium rubens (Lütschenthal),' 
T, Thalii und T. badium.; Phaca alpina und Ph. astra- 
galina (Umgebung von Grindelwald) ; Oxytropis Halleri 
(Gadmen) und O. cyanea (Rosenlaui und Hintergrund des 
Lauterbrunnenthaies) ; Coronilla vaginalis (Fuss des Wet- 
terhoms bei Grindelwald); Geum replans, Agrimonia 
odorata (Innertkirchen), Potenlilla dubia und P. frigida, 
Dryas octopetala (Fuss des Grindel waldgletschers), Sor- 
bus chamaemespilus (Kleine Scheidegg, Rosenlaui etc.) ; 
Sedum villosum, S. atratum und S. annuum; Semper- 
vivum Mettenianum (bei Innertkirchen und Wengen) ; 
Saxifraga cotyledon, S. caesia^ S. oppositifolia, S. ma- 



cropetala, S, aspera, S, stellaris, S, cuneifolia, S, mus- 
coides (Unteraargletscher), S. exarata, S, Seguieri (Grin- 
delwalder Eismeer, Eiger, Aargletscher) und S. androsa- 
cea; Laserpitiumpanax (Grimsel, Guttannen, Umgebang 
von Grindelwald gegen das Faulhoin zu), Adenostyies 
leucophylla (Rotthal bis Jungfrau); Achillea atraUL, A, 
nana n, A. moschata: Chrysanthemum coronopifcUium 
(Sulegg, Rosenlaui), Ämica montcma (Handeck bu Aar- 
gletscher, Kleine Scheidegg, Wenf^en, Murren etc.), 
Saussurea alpina (Gipfel des Männlichen). Crepis pyg- 
maea (Lammerengletscherj. In den Grindel walderberven 
nennt Christener zahlreiche bemerkenswerte Habichts- 
kräuter, wie z. B. Hieracium glanduliferum, H, Gaudini, 
H, scorzoneraefolium, ü. befmense, n. glaucum, U, Jac- 
quini, H. Trachselianum, H. caesium, ß, pseudo-porrec- 
tum, H, gothicum,, H. perfoliaium, H. valdepilosum., H. 
albidum (Uandeck bis Grimsel), etc. Ferner Orobanche 
salviae (Lauterbrunnen), PUmtago fuscecens (Lämmem- 
alp), Phyteuma Hallen, Pirola uniflora; Gentiana ni- 
valis und G. obtusifolia; Pedicularis rostrala un^ P. 
recutita; Salix helvetica, S. glauca, S. myrsinites, S. 
retusa etc. Monokotylen : Sparganium minimum (Grosse 
Scheidegg, Wengemalp, Spitalboden auf der Grimsel), 
Orchis pallens (Grindelwalder Alpen), Chamaeorchis al- 
pina (beim Eigergletscher), AHium, fallax (Innertkirchen, 
Wenden), Heleocharis pauciflora (Rosenlaui); Carex 
pauctflora (Handeck, Gnmsel), C. Laggeri (Grimsel), C. 
leponna (Grimsel), C. irrigua (Grosse Scheidegg, Grim- 
sel), C. ustulata (bei Rosenlaui), die seltene C. sparsiflora 
(Schwabhorn ; einziger Standort der Schweiz neben dem 
Ober Engadin), C tenuis (Grindelwalder Alpen); Poa 
hybrida (Grimsel), Festuca varia (Wengemalp). Für 
weitere Einzelheiten verweisen wir auf Prof. L. Fischers 
Verzeichnis der Gef&sspflanzen des Berner Oberlandes. 
Bern 1862 ; mit zwei Supplementen 1875 und 1889. 

In der Waldzone treffen wir hauptsächlich die Weiss- 
tanne und Fichte, beide meist in gemischten Beständen. 
Die Fichte steigt hoch auf, geht aber doch nicht über 
1800-1900 m. Nur ausnahmsweise stehen hier und da 
noch bis auf 2000 m und darüber vereinzelte und ver- 
kümmerte Exemplare. Im Schatten dieser Waldungen 
gedeiht an den feuchtesten Stellen der Thäler die Mehr- 
zahl unserer Orchideen : Herminium monorchis (auf feuch- 
ten Wiesen, zwischen Wilderswil und Zweilütschinen 
häufig), Epipogium aphyllum (am Weg auf die Schinige 
Platte), Lxstera cordata (Murren, Trachsellauenen, Ober 
Hasle, bei der Handeck etc.), Goodyera repens (an tro- 
ckeneren Standorten, z. B. bei Wengen, Rosenlaui), Co- 
rallorrhiza innata (Wenjjemalp, Trachsellaue||en etch 
Malaxis monophylla (beim Staubbach und Giessbach), 
Cypripedilum calceolus (bei Wengen und Rosenlaui). Die 
Buche bildet reine oder, in den tiefem Lagen der Thäler, 
gemischte Bestände und steigt kaum höher als bis 1300 m 
an. Die Waldföhre kommt auf der N.-Seite der Gruppe 
nirgends in grossem Beständen vor, während die Berg- 
föhre im Ober Hasle häufig angetroffen wird und in ein- 
zelnen isolierten Gruppen noch bis nahe an 1900 m ge- 
deiht. Auch vereinzelte Arvengruppen lassen sich da und 
dort noch entdecken ;• oberhalb der Kleinen Scheidegg 
lassen noch einige alte Stümpfe die einstige grössere Ver^ 
breitung dieses Baumes erkennen. Einzelne Exemplare 
der Arve steigen in der Umgebung der Aargletscher bis 
über 2000 m an. Sie findet sich im ö. Abschnitt des Ober- 
landes noch häufiger als in den Thälem der Simme und 
Kander, wo sie zu einer recht seltenen Erscheinung ge- 
worden ist. Auch die Eibe ist nicht mehr stark vertreten 
und stockt u. a. noch im Kienthal und Lütschenthal. In- 
teressante Pflanzenarten der Bergregion sind : Clematis 
vitalba (Hasle), Aquilegia alpina, Delphinium eUUum 
(Schwarzhom , Murren etc.) , Aconitum, paniculatum 
(Schilthom', Ober Hasle etc.), Berberis vulgaris (Sichel- 
lauenen; auf Gneis), Papaver alpinum (Gadmenthal), 
Inipatiens noli tahgere (Ober Hasle), etc. 

Südseite. Wie sich zwischen den Floren der N. -Flan- 
ken von Wildhorn- und Finsteraarhorngruppe ein Unter- 
schied zeigt, so auch zwischen denen der S.-Flanken 
dieser Gruppen. Doch finden sich im S. eine j^rosse 
Anzahl der für die ö. Hälfte der Kette charakteristischen 
Arten auch an dem der w. Hälfte angehörenden, z. T. aus 
krystallinen Felsarten aufgebauten Mont FuUy. Solche 



FIN 



FIN 



il5 



beiden Hälften der S. -Flanke gemeinsame Typen sind 

inach dem CatcUogue de la flore valaisanne von Henri 
accard) z. B. Aquilegia alpiruij Coronaria flos JovUy 
Geraniuni rivularcj Ädenoatyles leucophylla, Phaca aU 
pina^ Sedum annuum u. S, alpestre; Saxifraga asperay 
S, cupera v. brvoideM, S, exarata und S. cuUcenaens ; 
Bupieurum tteUcUum, Erigeron Schleicheriy Achillea 
nana und A. moschcUay Centaurea rhaponticüm, Hypo- 
chaerit uniflora, Veronica bellidioide$, Empetrum nig- 
rum^ Juncus trifiduM u. /. Jacquinij Silene valesia, Cam- 
pantUa cenUia etc. In der Bergregion zwischen den 
Schluchten der Massa und dem Fiescherthal trifft man 
noch einifle der für das zentrale Wallis charakteristischen 
Arien, wie Astragalus exscapua, Centaurea axillaris, 
Campanula excita, Linaria ttalica, Euphrasia Christa 
and G€Uium pedemantanum, das bis über Deisch noch 
blüht. Die O.-Hälfte der Kette, im Goms, hat dagegen eine 
an Arten arme Flora ; die grosse Mehrzahl der alpinen 
Typen der Penninischen Alpen fehlt hier, und es bietet 
am diesen zu trockenen Rücken und Halden die Pflanzen- 
decke oft eine ermüdende Einförmigkeit. Sie besteht der 
Hauptsache nach aus nur wenigen Arten, die oft ganze 
grosse Flächen ausschliesslich bedecken : Leantodon py- 
renaicus^ Amica niontana, Trifolium alpinum, Veronica 
bellidioides, Gentiana obtusifolia. Auch die nivale und 
subnivale Flora ist hier eine kümmerliche, wie dies Henri 
Jaccard nachgewiesen hat Er safft darüber : « Man findet 
hierauf den Schuttfeldem u. an aen Felsen kein Thlaspi. 
keine Achillea, keine Androsace, keine Artemisia und 
keine Draba ; nur Saxifraga cupera v. bryoides, Primula 
viscosa und Phyteuma hemiapnaericum grüssen den Bo- 
taniker. Auf den obersten Rasenflächen besteht der ganze 
Pflanzenteppich aus nicht mehr als etwa 10 Arten : Vero- 
nica cUpina, Gnaphalium supinunij Gentiana bavarica, 
Cardaminealpina, SibbaldiaprocumbenSj Oxyria digyna, 
Sahx herbacea und einigen andern. » Bios im Münster- 
thale stösst man noch auf einige gute Arten, die in den 
benachbarten Gebieten selten sind oder ganz fehlen, wie 
z. B. Campanula excisa^ Primula longiftora^ Phaca al- 
jpina und Ph, frigida, Saxifraga cotyledon, Androsace 
tmbricata. 

Grossen Florenreichtum weisen dagegen die Umge- 
bungen der Furka, des Gries- und Nufenenpasses, sowie 
der Grimsel auf, wo sich die klaasische Fundstelle der 
Maienwand findet, die wir im Artikel Goms des näheren 
besprechen werden. 

Zahlreiche Forscher — Lindt, E. v. Fellenberg, A. Escher 
▼. der Linth u. A. — haben ihre Aufmerksamkeit der ni- 
Talen Flora der Finsteraarhomgruppe geschenkt und die 
obere Verbreitungsgrenze der verschiedenen Arten fest- 
gestellt. Am Wetterhom hat man den Leontodon pyre- 
naicus noch über 3000 m beobachtet, und ebenso hoch 
steigen Campanula cenisia, Poa alpina und Androsace 
hetveiica an. Androsace glacialis ist am Oberaarhorn noch 
bei 3500 m gefunden worden. Auf dem Gaulipass (3274 m) 
kann man folgende neun Arten pflücken : Poa laxa^ Chry- 
santhemum alpinum^ Androsace glacialis, Gentiana oa- 
varica^ Ranunculus glacialis, Silene acauliSy Saxifraga 
oppositifolia und S. muscoides, Potentilla grandiflora. 
Am Ewigschneehom hat man in etwa 3400 m Poa laxa 
und Androsace imbricata gesammelt, am Oberaarhorn in 
derselben Höhe Androsace qlticialis, A. helvetica und A. 
obtusifolia, Ranunculus glacialis^ Draba carinthuica, 
Saxifraga oppositifolia , Artemisia spicata, Achillea 
maschata und Linaria alpina. Am S.-Hang des Finster- 
aarhoms wachsen in 3350 m noch Poa laxa, Linaria al- 
pina, Draba frigida, Silene acaulis, Saxifraga aspera 
V. brynides und S. muscoides, in 4000 m (nach Lindt] 
noch Saxifraga aspera v, bryoides, S. muscoides und 
Achillea atrata; ganz nahe dem Gipfel, in 4270, hat man 
im Monat September noch ein kleines Polster von blühen- 
dem Ranunculus gUicialis angetroffen. An der Jungfrau 
hat E. V. Feüenberg in einer Höhe von 3000 m notiert 
Thlaspi rotundifolium, Hutchinsia alpina, Gaya sim- 
plex, Erigeron uniflorus, Artemisia mutellina und A. 
sptcata, ferner 300-400 m höher noch Silene acaulis und 
Saxifraga oppositifolia. Im Uebrigen ist die oberste 
Grenze, bis zu welcher die nivalen Typen aufsteigen, eine 
sehr wechselnde, da sie hauptsächlich vom Vorhanden- 
sein von Humus abhängt und mehr vom Schnee als von 



der Höhenlage beding wird. Jeder für einige Wochen 
im Sommer schneefreie Fleck kann die Ansiedelung einer 
nivalen Florula gestatten. (Or. Paul Jaccard.) 

FINSTERAARJOCH (Kt. Bern, Amtsbez. Interlaken 
u. Ober Hasle). Ca. 3340 m. Gletscherpass, in der Gruppe 
des Finsteraarhorns ; führt über den während der ersten 
Hälfte des 19. Jahrhunderts Mittelgrat geheissenen Eis- 
und Felskamm zwischen Agassizhorn (3^ m) und Gross 
Lauteraarhom (4043 m) und verbindet den Unter Grindel- 
waldgletscher mit dem Finsteraarfim, einem der zwei 
Nähr^ebiete des Finsteraargletschers. Grossartiger und 
der vielen Eisfalle we^en sehr schwieriger Hochalpen- 
übergang, dem die leichtere Traversierung der benach- 
barten Strahlegg (3351 m) meist vorgezogen wird. Erfor- 
dert von Grindel wald bis zur Grimsel 14 Stunden und 
wird meist derart ausgeführt, dass man ie einmal in der 
Schwarzegghütte (5 Stunden über Grindelwald) und im 
Pavillon DoUfus (auf der Seite gegen die Grimsel) über- 
nachtet. Zum erstenmal 1826 vom Alpinisten VS^agner aus 
Hessen-Kassel mit den Schäfern Peter Baumann und 
Ulrich Witwer überschritten, die den Weg über die da- 
mals schon als gangbar bekannte Strahlegg verfehlt hatten 
und nach vielen Mühen und Gefahren erst am andern 
Morgen um 2 Uhr auf der Grimsel anlangten. Dieser erste 
Uebergang scheint dann in Vergessenheit geraten zu sein, 
so dass der berühmte Führer Christian Almer seine 1^2 
vollzogene Bezwingung des Joches stets als die erste an- 
gesehen hatte. 
^FINSTERAARROTHORN (Kt. Wallis, Bez. Brig). 
3o49 m. Hochgipfel, so. Vorberg des Finsteraarhorns, von 
diesem durch die Gemsenlücke oder den Rothornsattel 
(ca. 8360 m) getrennt. An seinem N.-Fuss das Rotloch, das 
den Touristen vor der Erbauung der Konkordia- u. Ober- 
aarjochhütte oft zur Unterkunft gedient hatte. Ziemlich 
selten bestiegen, kann von der Oberaarjochhütte aus in 
2 Vt Stunden erreicht werden. 

FIN8TKRBACH (OBER u. UNTER) (Kt. Zürich, 
Bez. Hinwil, Gem. Wald). 685 und 636 m. Zwei Gruppen 
von zusammen 5 Häusern, am Hang über dem recnten 
Ufer der Jona und 1 km nw. der Station Wald der Töss- 
thalbahn. 27 reform. Ew. 

FINSTERHENNEN (Kt. Bern, Amtsbez. Erlach). 449 
m. Gem. und Dorf, an Rand des Grossen Mooses und am 
Hang der dieses im N. begleitenden Moränenzüge, an der 
Strasse Aarberg-Ins und o km nö. der Station Müntsche- 
mier der direkten Linie Bem-Neuenburg. Telephon : Post- 
wagen Aarberff-Ins. 65 Häuser, 347 reform. Ew. Kirch- 
gemeinde Siselen. Ackerbau u. Viehzucht. An den Hügeln 
etwas Reben. Die Siedelung erscheint urkundlich 1263 als 
Apud pinguenx gallinam, 

FINSTERSEE (Kt. Zug, Gem. Menzingen). 772 m. 
Weiler, am NW.-Fuss des Gottschalkenbergs und am SO.- 
Hang des Hochplateaus von Menzingen, 4 km sw. Men- 
zingen und 6,5 km sw. der Station Samstagern der Linie 
Wädenswil-Einsiedeln. Postablage, Telephon ; Postwagen 
Schindellegi-Menzingen. 11 Häuser, 68 kathol. Ew. Acker- 
bau, Viehzucht, Holzhandel. Seidenindustrie. Am Hang 
des Gk>ttschalkenbergs ein längst nicht mehr ausgebeutetes 
Flöz von Molassekohlen. Am Gibel und bei Black ie ein 
kleiner Steinbruch auf Molasse. Schöne Kirche, 1868 ge- 
weiht. 1232 kam Vinstirse durch Tausch vom Kloster En- 
gelberg an das Kloster Kappel. 

FINSTERSTOCK (Kt. Uri). 2750 m. Breiter Gipfel, 
in dem kurzen Kamm, der von den Muttenhörnern nach 
NO. auszweigt und die Garschenalp von der Muttenalp 
trennt ; 3 km ö. über der Furkapasshöhe. 

FINSTERTEI.LI (Kt. Wallis, Bez. West Raron, Gem. 
Ferden). 1417 m. Hütten, im Lötschenthal, längs dem 
rechten Ufer der Lonza zerstreut gelegen, zwischen dieser 
und dem Durchbruch des Faldumbaches und 1,5 km s. 
Ferden. 

FINSTERTHOEI-EN (Kt. Aargau, Bez. Zofingen, 
Gem. Oftringen). 500 m. 6 am N.-Hang des Bühnenbergs 
zerstreut gelegene Häuser, 3 km nÖ. der Station Zofingen 
der Linie Luzem-Olten und 2,5 km so. Oftringen. 50 re- 
form. Ew. Kirchgemeinde Zofingen. Wiesenbau und Vieh- 
zucht. 

FINSTERWAI.D (Kt. Luzern, Amt und Gem. Entle- 
buch). 1079 m. Weiler, am rechtsseitigen Hang des Entle- 
buch, in sumpfiger Gegend, 5 km so. der Station Entle- 



il6 



FIO 



FIS 



buch der Linie Bern - Luzern. 13 Häuser, 94 kathol. Ew. 
Ackerbau und Viehzucht. 

FIODEYRE (Kt. Waadt, Bez. Aigle. Gem. Ormont 
Dessous). 1020 m. Einige oberhalb der Strasse nach Le 
Söpey zerstreut gelegene Hätten, nö. über Le S^pey. Hier 
setzt die 1895 neu erbaute Strasse des Ormontstnales auf 
einer Eisen brücke über eine vielfachen Rutsch ungen un- 
terworfene Combe. 

FIONNAY, FIONNEY oder FIONNIN (Kt. Wallis, 
Bez. Entremont, Gem. Bagnes). 1497 m. Maiensasse und 
alpiner Kurort, im Mittelpunkt des Val de Bagnes und 10 
km so. über Le Chäble. im Sommer Postablage und Tele- 
phon. Gasthöfe und Pensionen. Exkursionszentrum für 
Touren im Gebiet des Corbassieregletschers, der Gebirgs- 
stöcke des Grand Combin, der Rosa Blanche u. des Grand 
Mont Fort, der Thäler und Passübergänge von Louvie, 
Le Crdt etc. Obwohl die Lage der Alpweide Fionnay au 
sich schon eine prachtige ist (landschaftlich liebliche 
Punkte und schöne Walddngen), haben die Begründer 
von Fionnay als Kurort keine Kosten gescheut, um sie 
für Fremde noch anziehender zu ffeblalten. So ist durch 
Ablenkung des die Alpe de Sevreu durchiliessenden Wild- 
baches hier ein 3(X) m hoch senkrecht herabstürzender 
Wasserfall geschalfen worden, der in einen ebenfalls 
künstlich angelegten, von Steinblöcken und Tannen um- 
rahmten See abmesst. Nicht ständig bewohnt. Vor 1890 
kaum bekannt. Heisst bei allen Bauern des Val de Bagnes 
stets Fionnin ; die auch auf den Karten eingebürgerte 
Form Fionnay ist nur konventionnel und keineswegs 
richtig. 

FIORA (Kt. Tessin, Bez. Valle Maggia, Gem. Bignasco). 
600-784 m. Gruppe von 17 beinahe das sanze Jahr hin- 
durch bewohnten Hütten, am rechten Ufer der Maggia 
und am NW.-Fuss des Sasso Bello; 1,5 km n. Bignasco. 

FIORA (Kt. Uri). Gem. und Dorf. S. den Art. FlCelen. 

FIORERA (PIZZO) (Kt. Tessin, Bez. Valle Maggia). 
2921 m (auf der italieniscnen Karte Bedriolhom geheis- 
sen und mit 2920 m kotiert). Gipfel, in der Kette zwischen 
Maggia- und Formazzalhal, auf der Landesgrenze gegen 
Italien und 47t Stunden über Bignasco im Maggiatlial. 

FIORINA (PAS80) (Kt. Tessin, Bez. Valle Maggia). 
2654 m. Passübergang, zwischen Pizzo Fiorina u. Kastel- 
horn ; führt vom Val Fiorina steil in den obersten Winkel 
des Thaies der Tosa (Formazzathal) zum Fischsee u. von 
da auf den San Giacomopass einer-, zu den Tosafällen u. 
nach Fruttwald andererseits. Auch Bocchetta di Val Mag- 
gia geheissen. 

FIORINA (PIZZO) (Kt. Tessin, Bez. Valle Maggia). 
2926 m (auf der italieniscben Karte 2924 m). Gipfel, im 
Bergstock des Basodino, zwischen Maggia- u. Formazza- 
thal; n. über der Bocchetta di Val Maggia oder dem Passo 
Fiorina, von dem aus er in einer Stunde ziemlich leicht 
bestiegen werden kann. 

FIORINA <VAL) (Kt. Tessin, Bez. Valle Maggia). 2654 
bis 1800 ra. Seitenarm des obern Val Bavona ; steigt vom 
Passo Fiorina zwischen Cavagnoli- und Cavergnogletdcher 
auf eine Länge von 5 km nach ONO. ab und trägt in sei- 
nem untern Abschnitt die Alpe Robici. 

FIRNA1.PE1.IQLET8CHER (Kt. Obwalden). 2650 
bis 2105 m. Gletscher, am NO.-Hang des Titlis und N.- 
Hang des Grassen ; über ihn führt der Wef? zum Wenden- 
joch, das zum Weudengletscher und weiterhin zur Wen- 
denalp leitet. 

FIRNBTÖCKLI (Kt. u. Bez. Schwyz). 1709 m. Fels- 
terrasse, am Hang des Klingenstocks und 1 km nw. unter 
diesem Gipfel; 2 Icm s. über dem am Fuss des Frohnalp- 
Stocks gelegenen Kurhaus Stoss und am Fussweg von da 
auf den Klingenstock. 

FIRRENHORN (Kt. Wallis, Bez. Goms). 3280 m. 
Gipfel, so. Vorberpr des Hinter Galmihorns (3482 m), im 
Geoirgsstock des Oberaarrothoms u. zwischen Bächithal 
und Münsterthal : 6 Stunden nw. über Reckingen im Ober 
Wallis. 

FIRREN1.0CKE (Kt. Wallis, Bez. Goms). 3247 m. 
Passübergangy wenig bekannt und begangen ; führt vom 
Bächithal über den Bächigletscher zum Münstergletscher 
und ins Münsterthal. 

FIRST. In der deutschen Schweiz häufig vorkom- 
mende Bezeichnung für einen schmalen, dachnrstartigen 
Bergrücken, Kamm oder Grat. 



FIRST (Kt. Bern, Amtsbez. Frutigen). 2560 m. Gipfel, 
in der Kette zwischen Kander- und EngsUigenthal ; 4 V, 
Stunden onö. über Adelboden und 4 Stunden nw. über 
Kandersteg. Besteigung ohne Schwierigkeiten. Prachtvolle 
Aussicht auf Doldenhom, Blümlisalp und Balmhom, 'so- 
wie ins Kanderthal. 

FIRST (Kt. Bern, Amtsbez. Fruti^^en). 2412 m. Fels- 
gipfel, im Bergstock des Dreispitz, zwischen Kienthal und 
buldthal und w. über der Lattreienalp, nach welcher der 
NO.-Ausläufer des First den Namen Lattreien First (2132 
m) erhalten hat. Dieser ist leicht zu besteigen, wird aber 
nur seilen besucht. 

Fl R ST (Kt. Luzern, Amt Willisau, Gero. Willisau Land). 
716 m. Gruppe von 3 Häusern, auf einer Anhöhe im obern 
Mühlethal und 4,5 km sw. der Station Willisau der Linie 
Lun^enthal-Wolhusen. 40 kathol. Ew. Kirchgemeinde 
Willisau. Ackerbau. Hornvieh- und Schweinezucht. 

FIRST (Kt. Obwalden, Gem. Alpnach). 1686 m. Gipfel, 
nö. Vorberg des das Schlieren- vom Entlenthal trennen- 
den Schlierengrates; 8 km nw. über Samen. 

FIRST (Kt. Schwyz. Bez. Höfe, Gem. Feusisberc). 590 
m. Gruppe von 5 Häusern, an der Strasse Pfäftikon-Schin- 
dellegi, 1 km w. Feuslsberff und 2,7 km nö. der Station 
Schindellegi der Linie Wadenswil-Einsiedeln. 42 kathol. 
Ew. Acker- und Obstbau, Viehzucht. 

FIRST (Kt. Schwyz, Bez. March). 1923 und 1919 m. 
Doppelgipfel, in der vom Fluhberg nach S. abzweigenden 
und mit dem Schwarzstock zum Pragelpass abbrechen- 
den Kette, 1 km vom Fluhberg oder Diethelm. 

FIRST (Kt. u. Bez. Schwyz). 2341 m. Gipfelgrat des 
breiten Wasserbergs, zwischen Huri- und Bisitnal und 
4 km so. über dem Dorf Muotathal. 

FIRST (Kt. u. Bez. Schwyz). 2149 u. 2116 m. Doppel- 
giplliger Kamm, sw. Ausläufer des Kirchbergs, zwischen 
Glatten- u. Karrenalp und ö. über dem obern Bisithal; 12 
km so. über dem Dorf Muotathal. 

FIRST (Kt. Zürich, Bez. Pfäftikon, Gem. Ulnau). 681 
m. Weiler, auf einer Hochtläche mit prachtvoller Aussicht 
auf die Alpen, 3 km nö. Hlnau u. 4 km so. der Station 
Kemptthal der Linie Zürich-Winterthur: Telephon. 18 
Häuser, 89 reform. Ew. 

FIRST, LATTREIEN (Kt. Bern, Amtsbez. Frutigeo). 
2132 m. Gipfel, nö. Vorberg des First (2412 m), der sich 
mit dem Dreispitz (2424, 2d22 u. 2434 m) zwischen Suld- 
u. Kienthal erhebt. Nw. über der Lattreienalp. Schiebt 
als Ausläufer seinerseits wieder das Littlihorn (ca. ^ßOO 
m) nach N. vor. Von der Lattreienalp aus leicht zii be- 
steigen, aber ohne besonderes Interesse. 

FIRSTHAI.DEN (Kt. Aargau, Bez. Zurzach). 480 m. 
Anhöhe, zwischen Ober Endingen und Würenlos. Trigo- 
nometrisches Signal. Schöner Aussichtspunkt. 

FIRTIQQRATLI (Kt. Uri). 1895 m. Kleine Scharte, 
zwischen dem Dieppen (2226 m) und Dübistock (2061 ro), 
in der Kette zwischen Riemenstalden- u. Schächenthal u. 
2 km s. über Riemenstalden. 

FIRZSTOCK(Kt. Glarus). 1929 m. Stark zugespitzter 
Gipfel, ö. über der Meerenalp und durch diese vom 
Mürtschenstock getrennt, 2 km ö. vom Stock. Fällt nach 
S. und 0. in Felswänden ab, während sich von W. her 
die Alp Firzstock bis auf die Spitze des Firzstockes hinauf- 
zieht. 

FISCHBACH (Kt. Aargau, Bez. Bremgarten, Gemr 
Fischbach-Göslikon). 383 m. Dorf, nahe dem linken Ufer 
der Reuss, an der Strasse Bremgarten-Mellingen und 3,5 
km nw. der Station Bremgarten der Linie Wohlen-Brem- 
garten. Postablage ; Postwagen Bremgarten-Mellingen. 36 
Häuser, 259 kathol. Ew. Eigene Kirchgemeinde. Ackerbau, 
Viehzucht u. Milchwirtschaft. Strohflechterei. Die Mauern 
des so^. Heidenkellers sollen römischen Ursprungs sein. 
Bei Fischbach-Göslikon siegten im Toggenburgerkrieg 
am 26. Mai 1712 die Berner unter General Tschamer 
über 5000 Luzerner und Freiämtler unter General Son- 
nenberg. Dieser in einem mit Stauden bewachsenen 
Gelände geschlagenen sog. Staudenschlacht folgte die 
Uebergabe von Bremgarten an die beiden Städte Zürich 
und Bern. 

FISCHBACH (Kt. Bern, Amtsbez. Signau, Gem. Rö- 
tenbach). 800 m. Fünf im kleinen Fischbachgraben am 
linken Ufer des Rötenbachs zerstreut gelegene Häuser, an 
der Strasse Eggiwil-Rölenbach, 10 km s. der Station Sig- 



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117 



nau der Linie Bern-Luzern und 1,8 km nö. des Dorfes 
Rötenbach. 32 reform. Ew. Käserei. 

FISCHBACH (Kt. Bern, Amtsbez. Thun, 
Gem. Ober Langenegg). 945 m. Gruppe von 
6 Häusern, an der Strasse Rötenbach- 
Schwarzeneffg und 9,5 km nö. der Sta- 
tion StefßsDurg der elektrischen Bahn 
Burgdorf-Thun. 39 reform. Ew. 

FISCHBACH (Kt. Luzern, Amt Willi- 
sau). 635 m. Gem. u. Dorf im obern Ab- 
schnitt des Thaies der Roth, an der Strasse 
Altbüron-Zell und 2,5 km nw. der Station 
Zell der Linie Langentbal-Wolhusen. Post- 
ablage, Telephon ; Postwagen Zel 1- Fisch- 
bach -Altbüron-Melchnau. Gemeinde, mit 
Leimbätz, Reiferswil, Schlempen, Mett- 
menegg und Schönentüel : 80 Häuser, 676 
kathol. Ew. ; Dorf : 17 Häuser, 111 Ew. 
Rirchffemeinden Grossdietwil und Zell. 
Ackerbau, Viehzucht und Milchwirtschaft 
Zwei Käsereien. 

FISCHBACH (Kt. Schwyz, Bez. Ein- 
siedeln). Einer der Quellbäche des Ricken- 
baches, durchfliesst ein 6 km ö. Einsiedeln 
gelegenes grösstenteils bewaldetes Thälchen 
und steigt auf eine Länge von 2,5 km in 
sw. Richtung von 1600-930 m ab. Ein 
das Thälchen aufwärts führender Fussweg 
verbindet Willerzeil über die Rinderegg mit der March. 

FiSCHBACH (Kt. Thurgau, Bez. Steckborn, Gem. 
Raperswilen). 597 m. Weiler, am S.-Hang des See- 
rückens ; 1,2 km nö. Rafxerswilen u. 5,5 km sw. der Sta- 
tion Ermatingen der Linie Konstanz-Etzwilen-Schaffhau- 
sen. 12 Häuser, 71 kathol. u. reform. Ew. Kirchgemeinden 
Homburg u. Wigoltingen. Wiesen- u. Obstbau. Käserei. 

FiSCHBACH (Kt. Zürich, Bez. Dielsdorf). Bach ; 
entspringt 800 m nw. Nieder Steinmaur in 464 m Höhe, 
durchiliesst Nieder Steinmaur und die Sümpfe links von 
der Glatt und mündet in diese nach 5 km langem Lauf 
von SW.-NO. etwas oberhalb Oberhöri in 411 m. Nimmt 
von rechts den Rötzbach mit Telli-u. Haslibach auf. 

FISCHBACHEN (OBER und UNTER) (Kt. Bern, 
Amtsbez. Schwarzen bürg. Gem. Rüschegg). 1500-1200 m. 
Alpweiden mit 12 zerstreut gelegenen Hütten, aut Hinter 
der Egg am SW.-Hang der Schüpfenfluh« vom Dürren- 
tannenbach entwässert : 6 km s. über Ruschegg. 

FISCHENBACH (Kt. Luzern, Amt Entlebuch u. Lu- 
xem). Bach ; entspringt in 1190 m am N.-Hang des Schaf- 
bergs, fliesst der Reihe nach von 0.-W.,S.-N. u. nach NO. 
u. mündet nach 7 km langem Lauf 800 m so. Fambühlbad 
in 560 m in den Rümligbach. Nimmt zahlreiche kleine 
Nebenadem auf. 

FISCHENBACH <MITTI.ER, OBER und UN- 
TER) (Kt. Luzern, Amt Entlebuch, Gem. 
Wertenstein). 670-615 m. 14 zwischen dem 
Fischenbach u. Rümligbach zerstreut gele- 
gene Häuser ; 4,8 km so. Wertenstein und 
5,5 km sw. der Station Malters der Linie 
Bem-Luzem. 60 kathol. Ew. Kirchgemeinde 
Malters. Wiesenbau. Holzhandel. 

FISCHENRIED (Kl. St. Gallen, Bez. 
See, Gem. Jona). 495 m. Gruppe von 5 Häu- 
sern, 2 km nw. Jona und 2,ö km n. der 
Station Rapperswil der Linien Zürich-Rap- 

ferswil. 25 kathol. Ew. Kirchgemeinde Buss- 
irch. Ackerbau und Viehzucht. 
FISCHENTHAL(Kt. Zürich, Bez. Hin- 
wil). 751 m. Gem. und Pfarrdorf, in einem 
kleinen linksseitigen Nebenthäichen zum 
Tössthal, an der Strasse Winterthur-Wald 
und 7 km nö. Hinwil. Station der Töss- 
thalbahn. Postbureau, Telegraph, Telephon. 
Die Gemeinde Fischenthal ist hinsichtlich 
ihrer Fläche (3014 ha) die grösste im Kan- 
ton Zürich. Sie ist im obern Abschnitt des 
TÖssthales zwischen 680 m und 1295 m 
(Schnebelhorn) gelegen und umfasst die 
höchstgelegenen Teile des Zürcher Oberlandes, 
manchen Stellen mit subalpiner Pflanzendecke 



I düngen am Tössstock sind Staatseigentum des Kantons 
I Zürich. Die Tössthalbahn (Winlerthur-Wald) hat auf 




Fisohenthal mit dem HOrnli. 

Boden der Gemeinde Fischenthal die drei Stationen 
Steg, Fischenthal und Gibswil. Gemeinde, mit Boden, 
Fucnsloch , Steg , Bödmen , Burffhalden , Heinsberg, 
Schmittenbach, Ober und Unter Mühlebach, Gibswil, 
Hörnli, Lenzen, Esch, Rohr, Auruti, Fistel, Hinter und 
Vorder Slrahlegg : 397 Häuser, 2052 Ew., wovon 1929 
Reform.: Dorf Fischenthal (auch Oberhof geheissen) : 23 
Häuser, 155 Ew. Viehzucht. Starke industrielle Tätigkeit : 
10 Fabriken, worunter 3 Stickereien und 3 Baumwoll- 
spinnereien. 878 : Fiskinestal ; alemannische Siedelung. 
Teil der Herrschaft Grüningen, mit welcher sie 1408 durcn 
Kauf an die Stadt Zürich kam. Auf dem Schlosskopf, 200 
m links über der Töss, stand einst eine feste Burg. 

FISCHERRIED (Kt. Bern, Amtsbez. Thun, Gem. 
Uetendorf). Früherer Name für Eichberg. S. diesen Art. 

FISCHHAUSEN (Kt. St. Gallen, Bez. Gaster, Gem. 
Kaltbrunn). 425 m. Gruppe von 22 Häusern, an der 
Strasse Uznach- Wesen , 2 km so. der Station Uznach der 
Linie Rapperswil-Wesen-Sargans und 1,5 km nw. Kalt- 
brunn. 148 kathol. Ew. Acker- u. Obstbau, Pferdezucht, 
Käsereien. Schieferbrüche. 

FISCHINQEN (Kt. Thurgau, Bez. Münchwilen). 620 
m. Gem. u. Pfarrdorf, im S.-Zipfel des Kantons, im engen 
obern Murgthal, zwischen Thur und Töss und 6 km s. 
der Station Sirnach der Linie Winterthur-Sl. Gallen. 




An 
und 



subalpinem landschaftlichen Charakter. Die grossen Wal- 



Fischingen von SQdeD. 

Strassen nach Kirch berg und Mühlrüti im Toggen bürg 
und nach Au und Stemenberg im Tössthal. Postbureau- 
Telegraph, Telephon; Postwagen Sirnach -Dussnang, 



118 



FIS 



FIS 



Fischingen. Gemeinde, die Dörfer u. Weiler Au, Buhwil, 
Dussnang , Wies , Oberwangen , Anwil , Grub , Matt , 




Inneres der Klotlerkirche Fischingen. 

Sonnenbof, Tannegff, Bemhardsriet, Hamberg, Hatters- 
wil, Schürten und Vofelsang inbegriflen : Jw9 Häuser, 
2570 zur Mehrzahl kathol. Ew. ; Dorf: 42 Häuser, 543 Ew. 
Grosse Kirchgemeinde. Alpweiden, Wiesen und Wälder ; 
Holzhandel. Bienenzucht. Stickerei. Beizende Landschaft 
mit schön bewaldeten Höhenzügen. Angenehme Sommer- 
frische. Auf Otteneffg schöne Aussicht. Etwas über dem 
Dorf, am Fuss des Homli, das ehemalige Kloster Fischin- 
gen, heute Waisenhaus mit etwa 240 Zöglingen. Es ist ein 
massiv viereckiges Gebäude mit einer 1^5 erbauten Klos- 
terkirche, deren Inneres prächtig geschmückt ist und die 
eine ausgezeichnete Orgel enthält. Chorgitter, Altare, 
Kanzel und Orgel sind alle von seltener Pracht. In einem 
Seitenchor die Totengruft der h. Idda von Toggenburg, 
die einst von Wallfahrern viel besucht wurde. Das Bene- 
diktinerkloster Fischingen, um das herum sich später das 
Dorf ansiedelte, wurde um 1035 gegründet. Viele Schen- 
kungen von Seiten des Bischofes Ulrich von Konstanz und 
verschiedener anderer geistlichen und weltlichen Her- 
ren sicherten ihm grossen Reichtum und ausgedehnten 
Landbesitz (Dussnang, Affeltrangen, St. Margrethen,Krill- 
berg, Bettwiesen, Balterswil, Bichelsee). Das Andenken 
an das Leben und die Leiden der h. Idda führten ihm 
Tausende von Pilgern zu, die zu Ehren der Heiligen 
gerne ihr Scherfchen entrichteten. Idda von Toggenburff 
war die Gemahlin des Grafen Heinrich v. Toggenburg una 
starb 1197 nach furchtbaren Qualen, die der Unschuldi- 
gen ihr eifersüchtiger Gatte auferlegt hatte. Im histori- 
schen Museum zu Basel befindet sich eine Glasmalerei mit 
der Ansicht des Klosters Fischingen und der Darstellung 
der wichtigsten Abschnitte aus der Legende von der h. 
Idda. 

Nach der das Kloster in Asche lebenden Feuersbrunst 
des Jahres 1138 ordnete Bischof Ulrich II. von Konstanz 
die beiden Mönche Gebino und Waltram aus dem Kloster 
Petershausen zur Neueinrichtung des Klosters Fischin- 
gen ab. Tussnang und Oberwangen, die bis dahin Eigen- 
tum von Petershausen gewesen waren, gingen nun an 
Fischingen über, das 1326 auch noch die Kirchenhoheit 
über Sirnach und später über Herrschaft und Schloss 
TanneR(^ erlangte. Von den Grafen von Toggenburg wurde 
als Scnirmvoj^ des Klosters der jeweilige Burgvogt auf 
Tannegg bestimmt. Zur Zeit der Einführung der Refor- 
mation ginff die Mehrzahl der Mönche zusammen mit dem 
Abt zur Lehre Zwingiis über, und das Kloster leerte sich. 
Der 1540 vom Abt von St. Gallen hierher gesandte Abt 
Marx Schenkli, ein energischer Mann, stellte das Kloster 
wieder her, warb ihm neue Insassen und führte die Be- 
völkerung der Umgebungen wieder dem alten Glauben zu. 
Durch weise Verwaltung blühte das Kloster bald wieder 
auf und erwarb sich die Herrschaften Lommis, Spieg:el- 
berg und Wildem. Der letzte Abt, Franciscus, zog sich 



nach der Aufhebung des Klosters 1848 auf das Schloss 

Bettwiesen zurück, lieat aber in der Klosterkirche zu 

Fischingen begraben. Vergl. Kuhn, Kd. Thurgovia 

1 Sacra,.. 3 Bde. Frauenfeld 1869-1883. — Pupikofer, 
3. k, Geschichte des Thurgaus. 2. Ausg. 2 Bde. 
Frauenfeld 1886-1889. Kornmeier. Geschichte der 
Pfarrei Fischingen, 
FI8CHINGERSACH(Kt. Aarffau, Bez. Rhein- 
- ' felden). Bach ; entspringt am N.-Hang des Thier- 
steinberges in 640 m, durchfliesst die Dörfer Schup- 
fart und Ober Mumpf und mündet nach 6 km lan- 
gem Lauf von SO.-NW. bei Nieder Mumpf in 2fö 
m in den Rhein. 

FISCHRAIN (Kt. u. Amtsbez. Bern, Gem. Bol- 
ligen). 545 m. Gruppe von 5 Bauernhöfen, am rech- 
ten Ufer der Worblen, 2 km nw. Bolligen u. 3 km 
s. der Station Zollikofen der Linie Olten-Bem. 59 
reform. Ew. Landwirtschaft. Ein Teil der Bewoh- 
ner arbeitet auch in der eidgenössischen Pulver- 
fabrik und in andern industriellen Betrieben. 

FISIBACH (Kt. Aargau u. Zürich). Bach; ent- 
snringt im Kanton Zürich am O.-Han^ der Efo^ in 
5ä0 m, durchfliesst das Dorf Bachs, tritt bei Ha|[e- 
len auf den Kanton Aargau über, bieet aus der bis- 
herigen NW.-Richtung nach N. ab, durchfliesst 
Dorf und Bad Fisibach und mündet 1,5 km weiter 
nördlich nach 9 km langem Lauf in 340 m von 
links in den Rhein. 
FISIBACH (Kt. Aargau, Bez. Zurzach). 378 m. Gem. 
und Dorf, am Fisibach, an der Strasse Baden-Kaiserstuhl 
und 1,5 km w. der Station Kaiserstuhl der Linie Basel- 
Koblenz-Schaffhausen. Postablage. 45 Häuser, 246 kathol. 
Ew. Kirchgemeinde Kaiserstuhl. Acker- und Weinbau, 
Viehzucht. Refugium mit Graben und Wall. 

FISIBACHS (Kt. Zürich, Bez. Oielsdorf, Gem. Bachs). 
Südl. Abschnitt des Dorfes Bachs, auch Alt Bachs geheis- 
sen. S. den Art. Bachs. 

FISISTOCK (Kt. Bern, Amtobez. Frutigen). Felsgrat, 
nw. Ausläufer des Doldenhoms, so. über der Fisialp und 
über Kandersteg. Trägt den Inner Fisistock ^2947 m), sw. 
über dem kleinen Biberggletscher und nw. üoer dem (auf 
der Siegfried karte unbenannten) Faulengletscher, und 
den (auf der Siefrfried karte ebenfalls unbezeichneten) Vor- 
der Fisistock (ätO m). Der Inner Fisistock kann vom 
Gasterenthal aus über den Faulengletscher bestiegen wer- 
den. Der Oeschinensee ist durch einen vom Fisistock 
herabgekommenen Bergsturz aufgedämmt worden, zwi- 
schen dessen Schuttmassen auch aas kleine Blauseeli von 
Kandersteg noch eingebettet liegt. Der Fisistock be- 
steht aus Nummulitensandsteinen, mit denen rote oder 
ffrüne Schiefer wechsellagem und unter denen Untere 
Kreide ansteht. Diese baut zusammen mit Juraschichten 
den Gipfel des Doldenhoms auf. Das Ganze bildet eine 
Reihe von übereinander liegenden Falten. Der geologi- 
sche Bau der Gruppe der Doldenhömer zusammen mit 
dem des Fisistocks ist vom Gasterenthal aus wunderschön 
zu erkennen. Vergl. das geolog. Querprofil beim Art. DoL- 

DENHORN. 

FISITENBACH (Kt. Uri und Glarus). Kleiner Bach; 
entspringt am NO.-Hang des Gemsfayrenstocks in 2020 m, 
durcnfliesst von SW.-NO. auf eine Lange von 2,5 km die 
Fisitenalp, tritt auf Glamer Boden über, erhält den Na- 
men Schräjenbach, stürzt sich mit prächtigem Fall ins 
Thal der Linth und mündet nach 4,5 km langem Gesamt- 
lauf etwas unterhalb vom Hotel Tödi im Thierfehd in 790 
m von links in die Linth. 

FiSITENPASS (Kt. Uri). 2040 m. Passübergang, 
auch wohl Fismetenpass geheissen; verbindet die nö. 
unter dem Gemsfayrenstock liegende Fisitenalp über den 
vom Gemsfayrenstock nach NO. zum Kammerstock zie- 
henden Grat mit den Hütten von Gemsfayer u. Orihalden 
am S.-Gehänge des Umerbodens. Dient etwa als direkter 
Uebergang von der Claridahütte des S. A. G. nach dem 
Urnerboden und umgekehrt. 

FISLISBACH (Kt. Aargau, Bez. Baden). 445 m. 
Gem. und Pfarrdorf, auf geschützter Hochfläche, an der 
Strasse Baden-Mellingen und 1,5 km s. der Station Dätt- 
wil der Linie Aarau-Suhr-Wettingen. Postbureau, Tele- 
phon. Postwagen Bremgarten-Dättwil. 103 Häuser, 676 
kathol. Ew. Ackerbau und Viehzucht. Oestlich vom Dorr 



ns 



¥UE 



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hat man römische Mauerreste und Ziegel aafig;edeckt. Grä- 
ber mit SlLeleten. 
FI8METENPA88 (Kt. Uri). Passübergang. S. den 

Art FiSITENPASS. 

FISTCL (Kt. Zürich, Bez. Hinwil, Gem. Fischenthal). 
755 m. Weiler, im Tössthal, 200 m ö. der Strasse Winter- 
thur-Wald und 1 km s. der Station Fischenthal der Töss- 
thalbahn. 18 Häuser, 97 reform. Ew. 

FITTCRNALP (KOH und OCHSCN) (Kt. Glarus, 
Gein. EnRi und MaU). 1240-2400 m. Zwei grosse Alpwei- 
den, am S.- und SW.-Hang des Gulderstocics, 2-3 Stun- 
den ö. über Engi. Zwei Hätten und mehrere Stadel. 

FIUMCGNA (VAL) (Kt. Tessin, Bez. Locamo). 2300- 
920 m. Linksseitiges Neoenthal zum Obern Yal OuQer- 
none ; beginnt am S.-Hang des Pizzo Molinera und steigt 
im Boffen zuerst nach SO., dann nach SW. auf eine Länge 
von 5 km ab, um 1,5 km nw. Vergeletto ins Val Onsee- 
none auszumünden. Heisst im untern Abschnitt Yal della 
CaiBana. 

Fives (BOI8 DK) (Kt. Waadt, Bez. Orbe. Gem. Affiez 
und Bretonnieres). 520-i640 m. Grosser Wald, über dem 
rechten Ufer der Orbe, zwischen Agiez und Bretonnieres. 
Steigt an steilem und felsigem Hang bis zum Flusslauf ab, 
der hier (zwischen Les Cl^es und Orbe) sehr tief einge- 
schnitten ist. Endigt im W. an einem kleinen Tobel und 
setzt sich nach 0. unter dem Namen Bois de Ch^nes und 
nach S. unter verschiedenen Namen fort. Unter dem Bois 
de Chönes Hegen die Tuffgrotte von Agiez und, am andern 
Flussufer, die von Montcnerand. Im Kanton Waadt be- 
zeichnet man mit five die Rottanne oder Fichte, während 
die Weisstanne la vuargne heisst. 

FIZER (Kt. Bern, Amtsbez. Frutigen). 2548 m. Gipfel, 
nw. Ausläufer des vom Wildstrübel nach 
NW. auszweigenden Ammertengrates. 
Er hebt sich mit seinen z. T. mit Käsen 
bestandenen Felshängen nw. über der 
Engstligenalp und endigt nach N. mit 
einem Rasenkamm, der das Thälchen 
des Geilsbaches vom Engligstenthal 
trennt. 

FLA ACM (Kt. Zürich. Bez. Andelfin- 
eD).360m. Gem.u. Pfarrdorf, am N.-Fuss 
des Ircbel u. am S.-Rand der grossen 
von der Thur vor ihrer Mündung in den 
Rhein durchflossenen Ebene, an der Strasse Dorf-Rafi 
ond 7,5 km nw. der Station Henggart der Linie Zürich- 
Winterthur-Schaflhausen. Postbureau, Telegraph, Tele- 

ghon. Postwagen Hengffart-Rüdlinffen und nach Rafz. 
emeinde, mit Schollenberg: 172 Hauser, 852 Ew., wovon 
12 Katholiken: Dorf: 105 Häuser, 826 Ew. Acker- und 
Weinbau, Viehzucht. Spinnerei mit 6000 Spindeln. Bei 
der untern Mühle römische Siedelung. Aus der Bronze- 
zeit stammt der vereinzelt gebliebene Fund einer gut er- 
haltenen Bronzestatuette des Merkur. 1044 : Flacha. Hatte 
im Mittelalter sein eigenes Edelgeschlecht : 1120 werden 
Bertold, Rudolf und Lütold von Flach genannt. Auf dem 
Mühlberg, nahe der untern Mühle, stand ehemals eine 
mit Graben versehene Borg, 1586 c uffen Bürgli > geheis- 
sen. Die 1602 in der Ebene n. vom Dorf erbaute Burg ist 
heute in einen grossen Bauernhof umgewandelt. 1094 
kaufte die Stadt Zürich die Gerichtshoheit über Flaach 
einer Schaffhauser Patrizierfamilie ab und gliederte den 
Ort dem Ennem Amt ihrer Landvogtei Andelfingen an. 

FLACHI8MATT (Kt. Freiburg, Bez. Sense, Gem. 
Plafleien). 875 m. Gruppe von 6 Häusern, am N.-Fuss des 
Schweinsbergs, 2 km s. Plaffeien und 15 km so. vom 
Bahnhof Freihurg. 22 kathol. Ew. deutscher Zunge. Vieh- 
zucht und Milchwirtschaft. 

FLACHS (NIEDCR) (Kt. Zürich, Bez. und Gem. 
Bülach). Weiler. S. den Art Niederfiaghs. 

FLACHS (OBER) (Kt. Aargau, Bez. Brugg). Gem. u. 
Dorf. S. den Art. Oberflachs. 

FLiCSCH (Kt. Graubünden, Bez. Unter Landquart, 
Kreis Maienfeld). 530 m. Gem. und Pfarrdorf, am S.-Fuss 
des Fläscherbergs u. nahe dem rechten Ufer des Rhein ; 
3,2 km nw. der Station Maienfeld der Linie Sarpns-Cbur. 
Postablage, Telephon. Gemeinde, mit einem Teil der Luzi- 
8teiff:81 Häuser, 383 Ew., wovon 21 Katholiken; Dorf: 
73 Häuser, 321 Ew. Weinbau mit geschätztem Ertrag, 
Viehzucht. Nahe dem Dorf die Ueberreste des ehema- 




ligen Fläscherbades und die Stalaktitengrotte des Flä- 
scherloches. 1525 führte ein Prädikant aus Zürich (viel- 
leicht Bürkli oder Bolt geheissen) in Fläsch die Reforma- 
tion ein. Das Dorf 1622 und 1822 durch Feuer zerstört. 
Auf der Luzisteig hat man ein Steinbeil und Bronze- 
nadeln gefunden. Heimat des Geschlechtes Anhom, dem 
Bartholomäus Anhom (+1640), der Verfasser einer ge- 
schätzten Chronik des SO jährigen Krieges, angehörte. 
891 : Fassia. 

FLiCSCHBCRG (Kt. und Bez.- Schwvz). 2074 m. Gip- 
fel, über dem O.-Hang des obem Sihlthales und w. hinter 
dem Klönthal ; 3,5 km n. über dem Pragelpass. Schöne, 
auf allen Seiten steil abfallende Spitze, die aber den 
Kamm nur wenig überragt. Am O.-Fuss führt der Schwein- 
alppass vom Klönthal ins Wäggithal. 

FLiCSCHCRALP oder 8ARINA (Kt. Graubünden, 
Bez. Unter Landquart. Kreis Maienfeld, Gem. Fläsch). 
1824 m. Alpweide mit Uruppe von 4 Hütten, am SO.-Hang 
des Gleckhorns und 5^ Stunden nö. über Fläsch. 

FLiCSCHCRBCRG (Kt. Graubünden, Bez. Unter 
Landquart). Kurzer mehrgipfliger Kamm, w. Fortsetzung 
des Rätikon und von diesem durch die Einsattelung der 
Luzisteig (692 m) getrennt ; streicht von SO.-NW. und 
fällt mit steilen Wänden zu dem seinen Fuss unmittelbar 
bespühlenden Rhein ab, so dass zwischen Fluss und Berg 
kaum Platz für einen Fussweg bleibt. Gegen die Luzi- 
steig zu ist der Hang sanfter und zu einem grossen Teil 
mit Wald bestanden. Der Fläscherberg ist in die Fes- 
tungsanla|[en der Luzisteig mit einbezogen und trägt auf 
seinem Rucken einige Blockhäuser, die mit der Luzisteig 
selbst durch eine kleine Militärstrasse verbunden sind. 
Auf den Fläscherberg führen ausserdem noch ein zweiter, 
fu/vw ffsfv 

, l:5000O 

Geologisoher Qaerschnitt durch den Fläiicherberg. 

Ne. Neooom ; Be. Berrias (unterttt Kreide); M. Mtlm ; D. Dogger ; F. Verwerfungen. 

von Klein Mels bei Balzers im Fürstentum Lichtenstein, 
und ein dritter, von Fläsch ausgehender Weg. Dieser letz- 
tere vrindet sich durch eine Sturzschuttrinne längs den 
Felsen des SW.-Hanges in die Höhe. Höchste Spitze der 
Guschaspitz (1105 m); äusserster nw. Punkt gegen den 
Rhein zu das Ellhom (761 m), das von dem Körper des 
Bergzuges durch ein steil nach NW. absteigendes Thäl- 
chen getrennt ist. Der Fläscherberg besteht aus einer 
Reihe von überliegenden Jura- und Neocom falten und ist 
die Fortsetzung der grossen Glamer Ueberschiebung 
längs der Zone, wo diese unter die Klippen des Rätikon 
taucht. Sein Bau lässt erkennen, dass er einst über den 
Gonzen mit der Kette der Churfirsten verbunden gewesen 
ist und ein Mittelglied zwischen diesen und dem (Calanda 
bildet. 

FLiCSCHERTHAL oder RADAUFI8 (Kt. Grau- 
bünden, Bez. Unter Landquart). Aloenthal, im Rätikon, 
zwischen Falknis und Grauspitz im N. und Gleckhorn im 
S., steigt mit schwachem GefUle gegen das Thal der Mai- 
enfelderalpen ab. 2 km lang. Im untern Abschnitt, so. 
unter dem Gleckhorn, die Fläscheralp oder Sarinaalp, 
im obern Abschnitt die Radauflsalp, der Oberstafel der 
Fläscheralp. Im Thal drei kleine Seen : Ober-, Mittler- u. 
Untersee, ois zu welch' letzterem (19(H m) die letzten 
Bäume, einige verkümmerte Lärchen, hinaufreichen. Nach 
der Volksüberlieferung soll der Obersee von unergründ- 
licher Tiefe sein. Eine einst in ihn gefellene Kuhglocke 
soll im Kath|irinenbrünneli bei Balzers (am N.-Fuss der 
Luzisteig) wieder zu Tage gekommen sein. W. über dem 
Obersee führt das Fläscherförkli (2247 m) steil nach Mai- 
enfeld und Fläsch herunter. Ein weit weniger beschwer- 
licher Alpw^ creht von Jenins aus nach NO., erreicht 
den Kamm (2039 m) und steigt zu den Hütten von Bad 
(1960 m) und Sarina (1824 m) ab, um von da zu den obem 
Alpweiden im Fläscherthal sich fortzusetzen. 

FLiCSCHLlHÖHK (Kt. Schwyz, Bez. March). 1372 



120 



FLJE 



FLE 



m. Leichter und angenehmer Uebergang vom Hinter 
Wäggithal ins Sihlthal und nach Einsiedeln. Fuhrt un- 
mittelbar n. vom Fluhberg über einen 
mit Rasen bestandenen und z. T. t>e- 
v^ldeten Rücken. Schöne Aussicht auf 
den Fluhberg. 

FLiCSCHSeCLI (Kt. Uri). 1818 m. 
Kleiner Weier, hoch oben am N. -Ge- 
hänge des Schächenthals ; auf dem 
Rücken, der das Gebiet der Grumberge 
vom Schächen- und Gruonthal trennt. 
In der Nähe noch andere solcher klei- 
nen Wasserbecken. 

FLiCSSLE (Kt. St. Gallen, Bez. 
Werdenberg, Gem. Sevelenl. Südl. Ab- 
schnitt des Dorfes Sevelen. S. diesen Art. 

FLiETSTOCK (Kt. Schwyz). 2404 m. NW.-Ecke des 
Kirchbergs, im Gebiet der Karrenalp und Glattenalp. S. 
den Art. Kirchberg. 

FLAMATT (Kl. Freiburg, Bez. Sense, Gem. Uebers- 
torf und Wünnenwil). 535 m. Wohlhabendes Dorf, an der 
Mündung des Tafernabaches in die Sense und am linken 
Ufer dieser letzteren, 3 km nö. Wünnenwil. Station der 
Linie Bern-Freiburg. Postbureau, Telegraph, Telephon; 
Postwagen nach Laupen und Schwarzen bürg. 39 Häuser, 
267 kalhol. und reform. Ew. deutscher Zunge. Getreide-, 
Kartoffel- und Obstbau, Viehzucht und Milchwirtschaft. 
Mühlen, Sägen ; Mehlhandel. 

FLANCMAYEN (Kt. Wallis, Bez. Hörens, Gem. 
Evolene). 1663 m. Maiensässe, auf einer schiefen Terrasse 
über dem linken Ufer der Borgne, am Hang eines Vor- 
berges des Pic d'Arzinol und 2 km nw. fivolene. Die thal- 
aufwärts schauende Terrasse gestattet eine schöne Aus- 
sicht auf den Gebirgsstock der Dent de Veisivi und in die 
Gombe de Ferpecle. 

FLANC8 (CRfeTA tS) (Kt. Wallis, Bez. Hörens, 
Gem. Saint Martin und Hörömence). Häusergruppe. S. 
den Art. CRfiTA fes Flancs. 

FLAWIL (Kt. St. Gallen, Bez. Unter Toggenburg). 
613 m. Gem. und grosses Pfarrdorf, Hauptort des Bezirkes 
Unter Toggenburg, am linken Ufer der Glatt, in schö- 
ner und an Obstbäumen reicher Landschaft, an der 
Strasse Wil-St. Oallen. Ausgangspunkt von Strassen nach 
Degersheim, ins Toggenburg und Appenzellerland. Sta- 
tion der Linie Winterthur-St. Gallen. Postbureau, Tele- 
graph, Telephon; Postwagen Mogelsberg-Flawil-Brunna- 
dern. Die sehr ausgedehnte Gemeinde umfasst ausser 
dem Dorf Flawil noch die Weiler und 
Häusergruppen Alterswil, Grobenents- 
wil, Langenentswil, Ransberg, Sägen, 
Städeli, Ober und Unter Botsberg, In- 
zenbühl, Wiesenthal, Burgau, Ober- 
glatt, Egg und Riedern. Zusammen : 776 
Häuser, 4873 Ew., wovon 3200 Refor- 
mierte; Dorf: 536 Häuser, 3457 Ew. 
Buchdruckereien ; zwei Zeitungen. Rege 
industrielle Tätigkeit: Eine grosse 
Stickerei, Jacquardwebereien u. Bunt- 
webereien. Daneben Viehzucht, Garten- 
und Obstbau. Obstbauschule. Schönes 
Gemeindehaus mit Turm, der eine 
schöne Rundsicht auf die umgebende 
Landschaft bietet. Auf einer Anhohe das 
Gemeindekrankenhaus, ebenfalls mit 
schöner Aussicht auf den Säntis. Im w. 
Abschnitt des Dorfes die 1844-1848 er- 
baute katholische Kirche, im Weiler 
Oberglatt die reformierte Kirche. Eine 
neue reform. Kirche soll demnächst 
auch im Dorf selbst erstellt werden. 
Das neue Viertel beim Bahnhof besteht 
zumeist aus steinernen Gebäuden, wäh- 
rend im Dorfe selbst noch der Holzbau 
im Toggen burger Stil vorherrscht. Im 
Toggenburgerkrieg kämpften die damals 
noch der Ortschaft Oberglatt zugeteilten 
Bürger von Flawil tapfer gegen den Abt 
von St. Gallen. Am 7. August 1838 tagte in Flawil eine 
von 8000-10000 Bürgern aus den ö. Kantonen der Schweiz 
besuchte Volksversammlung, um gegen das anmassende 



Auftreten des französischen Botschafters Herzogs von 
Montebello und gegen die Haltung der Tagsatzung Pro- 




Flawil von Westen. 

test zu erheben und die Revision der Bundesverfassung 
zu verlangen. Die von der Versammlung beschlossene 
und der Tagsatzung überreichte Resolution blieb aber 
ohne Erfolg. Flawil war von jeher der Vorort der Refor- 
mierten des Unter Toggen burgs. 858: Flacwilare; 907: 
Vlacwi lare. 

FLECKEN JfKt. Appenzell A. R., Bez. Mittclland, 
Gem. Speicher). 900 m. 2 Häuser, 500 m nö. Speicher und 
6 km 80. der Station St. Kiden der Linie St. Galien-Roi^ 
schach. 25 reform. Ew. Viehzucht. Stickerei. Armenhaos 
der Gemeinde Speicher. 

FLECKEN (Kt. St. Gallen, Bez. Ober To^genburg, 
Gem. Kappel). 820 m. Gruppe von 7 Häusern, im Stein- 
thal; 2,3 km so. der Station Ebnat-Kappel der Toggen- 
burgerbahn. 36 reform. Ew. 

FLECKENHAUSEN (Kt. Aargan, Bez. Zofingen. 
Gem. Rothrist). 414 m. 28 Häuser, am linken Ufer der 
Wiffger, zwischen dieser und der Pfaffnem; 1,5 km s. 
Aarourg und 2,3 km ö. der Station Rothrist der Linie 
Olten-Bern. 229 reform. Ew. Wiesenbau und Viehzucht. 
Fabrikation von Verbandstoff. Zement- und Baukonstruk- 
tionswaarenfabri k . 

FLECKI8TOCK (Kt. Uri). 3418 m. Hauptgipfel der 
das Meienthal vom Voralpthal trennenden und über das 
Sustenjoch mit dem Sustenhorn sich verknüpfenden 
Kette ; an seinem O.-Hang der Kartigelfim, am N.- und 
W.-Han^ der Rütifirn, die beide zum grossen Wallen bühl- 
firn gehören. Der Fleckistock zeigt sich von der einen Seite 
aus als kühne und mächtige Pyramide, von der andern 
aus als elegante Spitze und ragt über einem in hohen 
Felswänden abstürzenden mächtigen Sockel auf. Gleicht 




Fleckistock, vom Kartigelfirn aas. 

in manchen Beziehungen dem Finsteraarhorn. Zum ers- 
tenmal 1864 bestiei^en ; blieb aber bis 1890 wenig bekannt. 
Heute eines der beliebtesten Ziele im Exkursionsgebiet der 



FLE 



FLE 



121 



Voralphülte und besonders von Klubisten aus Zürich 
häufig besucht. Wird auch Spitzliberg genannt. 

FLEM (Kt. Graubündeo, Bez. Im Boden). Gem. und 
Dorf. S. den Art. FuMs. 

FLEM (IL) (Kt. Graubünden, Bez. Im Boden). Wild- 
bach. S. den Art. Flimserbach. 

FLENDRUZ (Kt. Waadt, Bez. Pays d'Enhaut, Gem. 
Rougemont). 990 m. Kleines Dorf, am linken Ufer des 
Baches Flendruz und an der Strasse ChAteau d*C£x-Rougc- 
mont-Saanen; 5,5 km onö. Chäteau d'CEx. Postbureau, 
Telephon. 27 Häuser, 180 reform. Ew. Landwirtschaft. 
Ursprünglich bezeichnete man mit dem Namen Flendruz 
die beiden ö. und w. an Rougemont vorbeitliessenden 
Wildbäche, dann ging diese Bezeichnung auch auf die 
dazwischen gelegene beträchtliche Strecke Landes über, 
die 1115 (damals Flandru geschrieben) vom Grafen von 
Greierz dem Priorat Rougemont zu Eigen gegeben wurde. 
Heute heisst Flendruz nur noch der beim Dorfe Flendruz 
vorbeifliessende und hier zwei grosse Sägen treibende 
Wildbach, während der andere als Ruisseau des Fenils 
oder Grischbach bekannt ist. Der Name des Baches ist 
dann auf das am Ausgang seiner Schlucht malerisch ge- 
legene Dorf übertragen worden. Dieses einst zusammen 
mit G^rignoz und dem kleinen Thale von Vertchamp Eigen- 
tum der Herren von Montsalvens ; 1337 erlangten die Be- 
wohner die völlig freie Verfügung über ihr im Weiler 
selbst, in La Mocausa, im Thal von Vertchamp und zu bei- 
den Ufern der Saane gelegenen Güter. Diese Ausnahms- 
stellung wurde von den Grafen von Greierz bestätigt und 
später auch von Bern nicht angetastet. Ein altes Gebäude 
heisst heute noch allgemein Le Couvent und scheint eine 
ehemalige Filiale des Klosters Rougemout gewesen zu sein. 
FLENDRUZ (RUISSEAU DE) (Kt. Waadt, F.ez. 
Pays d'Enhaut). Wildbach ; entsteht aus dem am SO.- 
Fass der Dent de Combettaz entspringenden Bach von 
La Manche und dem Bach von Lcs Siemes Picats, der in 
den Wiesen von Mocausa am Fuss der Dent de Brenleire 
entspringt und das Thälchen von Vertchamp entwässert. 
Der eigentliche Bach Flendruz ist nur 2 km lang und 
mündet beim Dorf Flendruz in 950 m in die Saane. 

FLE R DEN (Kt. Graubänden, Bez. Heinzenberg, Kreis 
Thnsis). 1245 m. (Jem. und kleines Pfarrdorf, am Hein- 
zenberg, 3 km wnw. der Station Thusis der Rätischen 
Bahn (Chur-Thusis). Postablage, Telephon. 25 Häuser, 
109 reform. Ew. zumeist deutscher Zunge. Alpwirtschaft. 
Schönes Dorf mit Steinhäusern. W^ird mehr und mehr 
der deutschen Sprache zurückgewonnen. 1156: Flirden. 
FLERSCH (Kt. Graubünden, Bez. Ober Landquart, 
Kreis Küblis, Gem. Saas). 1252 m. Alpweide mit etwa 20 
Hätten, am SW.-Hang des Rätschennorns und 1,5 km 
ö. über Saas. 

FLCSCHENHORN (Kt. Wallis, Bez. GomsK 3004 m. 
Giprel, nw. Vorberg des Cherbadung, so. über Binn im 
Binnenthal. Wird von Binn aus zuwei- 
len über Fieschenthal und Halbelfjoch 
in 5 Stunden bestiegen. 

FLESS (AVA DA) (Kt. Graubün- 
den, Bez. Inn). Wildbacn; entspringt 
am Flesspass in 2450 m, entwässert das 
Val Fless und mündet nach 6 km lan- 
gem Lauf 4 km w. oberhalb Süs in 
1810 m von rechts in die (vom Flüela- 
pass herkommende n. dem Inn zuflies- 
sende) Susasca. 

FLESS (PIZ) (Kt. Graubünden, Bez. 
Inn). 3023 m. Schöner (jipfel, zwischen 
Val Saglains und Val Fless und links 
ober diesem, sw. vom Piz Linard. Leicht 
zu besteigen, schöne Aussicht. Wird 
aber seiner bekannteren Nachbarn (Piz 
Linard, Weisshom etc.) wegen nur sel- 
ten besucht. 

FLESS (VAORET> (Kt. Graubün- 
Hen, Bez Inn), 2900-2700 m. Kleiner 
Gletscher, am W.-Hang des Piz Fless, 
hinter dem obern Val Fless und so. vom 
Flesspass. 

FLESS (VAL) (Kt. Graubänden, Bez. Inn). Rechts- 
seitiger Nebenarm des bei Süs in Unter Engadin ausmün- 
denden Flüelathales. Beginnt am Flesspass (2452 m). 



heisst im obersten Abschnitt (oberhalb der letzten Alp- 
hütten) Val Torta und steigt im Bogen zuerst nach S. und 
dann nach SW. ab. Steht über den Flesspass mit dem 
Süser- und Vereinathal und über den Jöri- Flesspass (2507 
m) mit dem Vereinathal in Verbindung. Der Weg über 
diesen letzteren steigt von der Thalmitte aus nach \V. zu 
den schönen Jöriseen auf und führt dann nach N. durch 
das Jörithal ins Vereinathal. Beide Pässe werden wie auch 
der Vereinapass seit der Erstellung der Vereinahütte des 
S. A. C. ziemlich oft begangen. Dagegen erhalten die das 
Thal umrahmenden Gipfel wegen der Nähe der bekann- 
teren und höheren Spitzen des Piz Linard, der Platten- 
hörner, des Weisshorns, Pischahorns etc. nur wenig Be- 
such. Der über den Jöriseen aufsteigende Rossthälispilz 
(2933 m) und der so. über dem Flesspass stehende Piz 
Fless (3023 m) würden ihrer leichten Zugänglichkeit und 
ihrer schönen Aussicht auf die Silvrettagruppe wegen 
grössere Beachtung von Seiten der Touristen verdienen. 

FLESSPASS (Kt. Graubünden, Bez. Inn). 2452 m. 
Passübergang, hinten über dem Val Fless und zwischen 
Piz Fless, Platten hörnern und Gemsspitz. Verbindet das 
Unter Engadin über das Flüelathal und Val Fless mit dem 
Süscrlhal u. Vereinathal (Seltenarm des Prätigau). W'ird 
von Touristen oft begangen. Spielt in der orographlschen 
Einteilung der Graubündner Alpen eine gewisse Rolle, 
da einige Gelehrte über ihn die Grenze zwischen Albula- 
und Silvretta massiv ziehen (während andere diese beiden 
Gruppen durch den Flüelapass voneinander abgrenzen). 

FLETSCHHORN (Kt. Wallis, Bez. Visp). 4001 m. 
Gipfel, in der Gebirgsgruppe des Fletschhorns, über der 
Simplonstrasse und Nacnhar des Laquinhorns. Heisst 
auch (so auf der Siegfriedkarle) Rossbodenhorn. Ueber 
den W.-Hang und den N.-Grat verhältnismässig leicht 
zu erreichen ; zum erstenmal 1854 vom Fletschjoch aus 
bestiegen. 

FLETSCHHORNGLETSCHER (Kt. Wallis, Bez. 
Brig). 3673-2485 m. Kleiner Gletscher; steigt vom Fletsch- 
joch, am O.-Hangder Fleschhomgruppe, zwischen Fletsch- 
hom und Laquinhorn ab. 1,8 km lang und im Maximum 
900 m breit. Sendet seine Schmelzwasser zum Laquin- 
bach, dem grössten Quellarm der Doveria. 

FLETSCHHORNGRUPPE (Kt. Wallis, Bez. Visp). 
Hochffebirgsgruppe ; zwischen Simelipass, Sirwoltenpass, 
Simplonstrasse, Z wischbergen pass und Saasthal. Be- 
nannt nach dem doppelgiptli^en Fletschhorn oder Ross- 
bodenhorn, dem beträchtlichsten Gebirgsstock der 
Gruppe. Die Gruppe steht ganz auf Schweizerboden, 
obwohl über sie die Wasserscheide zwischen den Ein- 
zugsgebieten der Rhone und des Po hinwegzieht. Um- 
fasst, von N.-S. gezählt, folgende Einzelgipfel : Sirwolten- 
horn oder Schilthorn (2848 m), Rauthorn (3269 m) mit 
Griesserhorn (2843 m) und Weissboden (2619 m) als nö. 
Vorbergen, Sengkuppe (3625 m; auf der Siegfriedkarte 




Fletsch- and'Laqnioboro, von Saas- Fee aus. 

unbenannt), Fletschhorn oder Rossbodenhorn (4001 m), 
Laquinhorn oder Süd Fletschhorn (4005 m) und Weiss- 
mies (4031 in). Pässe: Rossbodenpass (ca 3300 m) z^i- 



122 



FLE 



FLE 



sehen Rauthora und Sengkuppe, Fletschjoch (3673 m) 
zwischen Fletschhom und Laquinhorn, Laquinjocn 





FleUchhorn, von der Simplonstravse aus. 

^97 m) zwischen Laquinhom und Weissmies und 
Zwischbergenpass zwischen Weissmies und der daran 
sich anscnliessenden Gruppe des Portjengrates. Vom 
Triflhorn (3401 m), dem wsw. Vorberg des Weissmies, 
zweigt nach 0. eme kurze Kette aus mit Thälihom 
(3485 m), Thäliioch (ca 3250 m), Tossenhorn oder Sie- 
benfluhhom (3270 m), Schienhorn (2998 m), Schien- 
hornpass (ca 2750 m) und Balmhorn (2885 m). Vom 
Fletschhorn im engern Sinne gehen 4 Kämme aus : ein 
SW.-Kamm mit Inner Rothorn (3441 m) und Jägihör- 
nem (3213-3350 m) ; ein O.-Kamm mit Sibelenfluh- 
Rothom (3115 m), Hitzinensattel (2550 m) und Wängen- 
horn (2602 ra) ; ein NO.-Grat mit BreiÜaub (3342-2576 m) 
und Bodmerhorn (2403 m) ; ein 1,5 km nnw. des Gipfels 
vom zentralen Kamm abgehender W.-Kamm mit Aeusser 
Rothorn (3156 m). Die Wasser der O.-Flanke der Gruppe 
sammeln sich zur Doveria (einem Zufluss der italieni- 
schen Tosa), die der W.-Flanke zur Saaser Visp und die 
des NW.-Endes zum Gamserbach (Zufluss zur Rhone). 
Die Fletschhomgruppe besteht aus schieferigen Gneisen, 
denen oft Granate und Amphibolschiefer eingelagert 
sind und die nach SW. einfallen. 
Nach N. steht dieses Gneismassiv über 
den Simplonpass mit dem Gneismassiv 
der Zone Wasenhorn-Bortelhom in 
Verbindung, während das SO.-Ende 
des Massives sich nach 0. zu fortsetzt 
und beide Seitengehänge des Val 
Bognanco bildet. Damit umschliesst 
dieses Gneismassiv in einem Kreisbo- 
gen die Hochgebirgsgruppe des Monte 
Leone. Am N.-Hanff^ unterhalb des zen- 
tralen Kammes, liegen drei kleine 
Hängegletscher, von deren einem im 
März 1901 die mächtige Eislawine 
niedergebrochen ist, deren Trümmer- 
massen bis in die Nähe des Dorfes 
Simpeln geworfen worden sind. Vergl. 
den Art. Rossboden. 

FLETSCH JOCH (Kt. Wallis, Bez. 
Brig und Visp). 3673 m. Passübergang, 
zwischen Fletschhom oder Rossboden- 
hom und Laquinhom, mitten im zen- 
tralen Kamm der Fletschhomgruppe; 
verbindet Saas über den Grossen Trift- 
gletscher und den Fletschhornglet- 
scher mit dem Simplon. Einer der 
gefahrlichsten und schwierigsten Uebergänge der Hoch-" 
alpen, der höchst wahrscheinlich nur einmal begangen j 
worden ist, nämlich 1863 von F. W. Jacomb und G.' 



Ghater, deren Aufsties vom Dorfe Simpeln bis zur Pas«- 
höhe 13 Stunden erforderte, während sie von da in 3 
weitem Stunden Saas-Fee erreichten. 
FLEURIER (Kt. Neuenbürg, Bez. 
Val de Travers). 748 m. 
Gem. und Pfarrdorf, im 
obem Abschnitt des Val de 
Travers; am Zusammenfluss 
der drei Flüsse Areuse, But- 
tes und Fleurier und in der 
von diesen aufgeschütteten 
Alluvionsebene telegen , 38 
km WSW. Neuenburg und 9 km von der 
Grenze gegen Frankreich entfernt. Sta- 
tion der Lokalbahn Travers-Buttes und 
Travers-Saint Sulpice. Postbureau, Te- 
le^ph, Telephon : Postwagen nach 
Sainte Groix, La Cöte aux F^s und 
Boveresse (Station der Linie Neuen- 
burg -Pontarlier). Gemeinde, mit Les 
Raisses: 354 Häuser, 3746 Ew., wovon 
400 Katholiken ; Dorf : 300 Häuser, 
3673 Ew. Hauptbeschäftigung der Be- 
wohner ist die Uhrenindustrie, die ihre 
Fabrikate besonders nach England, Spa- 
nien, Aegypten und China versenciet. 
Die nur paarweise zum Verkauf kom- 
menden chinesischen Uhren werden 
in Fleurier schon seit dem Jahre i890 
hergestellt. Fabriken für Uhrzeiger, 
-schalen und -Spiralen. Daneben noch 4 Fabriken zur 
Herstellung von Absinth und andern Likören und eine 
grosse Zündhölzchenfabrik. Eidgenössisches Kontrolbu- 
reau für Gold- und Silberwaaren. In Fleurier werden 
jährlich etwa 93000 silberne und 7000 goldene Uhren 
fertiggestellt. Früher bildeten Spitzen- und Handschuh- 
fabrikation noch eine bedeutende Einnahmequelle. Dage- 
gen ist hier der Landbau nie von grosser Wichtigkeit 
gewesen. Drei Schulhäuser. Sekundärschule mit Lehrer- 
seminar und Abteilung zur Ausbildung von Kindergärt- 
nerinnen. Zwei Bibliotheken, eine Unrenmacher^ und 
Mechanikerschule (1874 eröffnet), ein naturhistorisches 
Museum fl859 eröffnet). Das 1865 eingerichtete Kranken- 
haus verrügt über ein Kapital von 255 000 Fr. Fleurier 
als eigene reform. Kirchgemeinde 1710 von Mötiers abge- 
trennt; Kirche 1743 erbaut und 1822 um^baut, Glocken- 
turm 1900 vollendet. Kapelle -der unabhängigen evange- 
lischen Gemeinschaft seit 1892, katholische Kapelle seit 
1856. Katholische Kirchgemeinde seit 1865. Gas und elek- 
trisches Licht, Trinkwasser im Ueberfluss. Gesundes 
Klima und malerische Landschaft lassen Fleurier sich 



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Fleurier von SQdostea. 

mehr und mehr zur Fremdenstation entwickeln. Der 
mittlere Barometerstand beträgt 698 mm, die jährliche 
Regenmenge 114 mm. Die geschichtliche Entwickelung 



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128 



von Flearier häD(^ eng mit derjenigen von Mötiers zu- 
sammen. Urkundlich zum erstenmal 1284 genannt. Der 




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Flenrier. 

Aufschwung des Dorfes datiert aber erst aus unseren 
Zeiten, wie dies seine Bevölkerungszunahme zeigt: 1758: 
448 Ew.;1837: 1001 Ew.; 1855: 2095 Ew.; 1874: 3048 
Ew. Hier wohnte der Oberst Ludwig Denzler (1806-1860), 
der die den royalistischen Aufstand von 1856 niederschla- 

Senden republikanischen Truppen geführt hat. Heimat 
es ausgezeichneten Botanikers und Paläontologen L^ 
Lesquereux (1806-1889) und des Malers und Schriftstel- 
lers Fritz Berthoud (1812-1890). Vergl. FleuHer et le Val 
de Travers; guide illustre.., Neuch. [1899]. — Quartier- 
La-Tente, Ed. Le cant. de Neuchdtel.. I : Le Val de 
Travers. Neuch. 1897. 4". 

FLEURICR (LE) (Kt. Neuenburg, Bez. Val de Tra- 
vers). Bach; entspringt im Weier von La Baisse in 
760 m, durchfliesst das Dorf Fleurier und mundet nach 
2 km langem Lauf von S.-N. in 744 m von rechts in die 
Areuse. 

FLEURY (PR6> (Kt. Waadt, Bez. Aigle). 2491 m. 
Gipfel, in der von der Petite Dent de Morcles nach NO. 
abzweigenden und die Thälchen von Nant und Javemaz 
trennenden Kette der Martinets. Der Gipfel zu oberst zu 
einer Rasenterrasse abgeflacht. Von Les Plans de Fre- 
ni^res aus in 3 7« Stunden leicht zu erreichen. Schöne 
Aussicht ins Rhonethal. 

FLEX (Kt. Graubünden, Bez. Albula, Gem. Sur). 
1900-2200 m. Alpweiden mit im Sommer bezogenen Hüt- 
ten, am W.-Hang des Piz da Cucarnegl und in zwei 
kleinen rechtsseitigen Aesten des Thaies der Julia (Ober- 
halbstcin) ; 2 km ö. über Sur. Drei Gruppen von Hütten : 
Las Cuorts, Tgad*meer und St. Roch (hier eine Kapelle). 

FLEX (CIMA DA) (Kt. Graubünden, Bez. Albula und 
Maloja). 3287 m. Gipfel, in der Gruppe des Piz d'Err ; 
überragt mit seinen stolzen Felsabstürzen die Terrasse 
von Flex, ö. Mühlen im Oberhalbstein. Steht nach 0. 
mit dem Piz Pienogl (3336 m), nach N. mit dem Piz del- 
las Calderas und nach S. mit dem Piz d*Agnelli über 
drei gangbare Felskämme in Verbindung. 

FLI oder FLY (Kt. St. Gallen, Bez. Gaster, Gem. 
Amden und Wesen). 440 m. Weiler, an der Mündung des 
Flibaches in den Walensee und auf dem von dem Bach 
aufeeschütteten Delta, an der Bergstrasse Wesen-Amden 
und 1,5 km nö. der Station Wesen der Linie Rappers- 
wil- Wesen-Sargans. Telephon. 8 Häuser, 60 kathol. Ew. 



Kirchgemeinde Wesen. Ackerbau und Viehzucht. Som- 
merfrische. 

FLIANA (PIZ) (Kt. Graubunden. Bez. Inn). 3284 m. 
Gipfel, einer der schönsten und höchsten der Silvretta- 
gruppe, 2 km s. vom Piz Buin und von ihm durch den 
Gletscher von Plan Hai getrennt, nw. über Guarda im 
Unter Engadin. Von ihm zweigt die das Val Lavinuoz 
vom Val Tuoi trennende und mit dem Piz Chapisun 
(2934 m) über Lavin endigende Kette ab. Sehr scnöne 
Aussicht auf die Silvrettagruppe und im Besondern auf 
seine Nachbarn Piz Linard, Verstanklahom und Piz 
Buin. Wird wegen seiner isolierten Lage abseits der 
Touristenstrassen nur selten besucht. 

FLIBACH oder FLYBACH (Kt. St. Gallen, Bez. 
Gaster). 1680-420 m. Wildbach ; entspringt am Speer, 
steigt längs der Kontaktzone zwischen tertiärer Nagel fluh 
und eocänem Flysch nach N. ab und mündet nach 5,5 km 
lanffem Lauf zwischen Wesen und dem Weiler Fli in den 
Walensee, in den er ein grosses Delta hinausgebaut hat. 
Sein Bett voller mächtiger Felsblöcke Der so oft schon 
grossen Schaden anrichtende gefährliche Wildbach wird 

Gegenwärtig gründlich verbaut. Durch das Flytobel steigt 
er von Wesen auf den Speer führende Fussweg auf. 

FLIDAKÖPF (Kt. St. Gallen, Bez. Werdenberg). 
1647 m. Kleiner Felskopf, in der Kette des Alvier und in 
dem von der Gauschla oder Kammegg nach 0. abzwei- 
genden Kamm ; föllt nach S. mit senkrechten Felswänden 
ab und senkt sich nach N. sanft zur Schaneralp. 2 km 
über Oberschan und 4 km über Sevelen im Rheinthal. 

PLIEGENBERG (Kt. Schwyz, Bez. und Gem. Einsie- 
deln). 987 m. Neun zwischen dem rechten Ufer des Gross- 
bachs und der Strasse Einsiedeln-Iberg zerstreut geleffene 
Häuser ; 4,5 km so. der Station Einsiedeln der Linie Wä- 
denswil-Einsiedeln. 62 kathol. Ew. Kirchgemeinde Gross 
(Filiale von Einsiedeln). Acker- und Kartoffelbau, Vieh- 
zucht und -handel. Seidenweberei. 

FLIEGENBERG (Kt. Schwyz, Bez March, Gem. Al- 
tendorf). 570 m. 10 an der Strasse von Altendorf über den 
Etzel nach Einsiedeln zerstreut gelegene Häuser, 3 km 
sÖ. der Station Pfäfükon der Linie Zürich-Wädenswil- 
Glarus und 2,2 km sw. Altendorf. 44 kathol. Ew. Acker- 
und Obstbau, Viehzucht. Seidenweberei. 

FLIEGENSPITZ (Kt. St. Gallen. Bez. Gaster). 1707 
m. Begk*aster Gipfel, in dem vom Leistkamm über den 
Gulmen zum Mattstock ziehenden und die Mulde von 
Amden vom Toggenburg trennenden Rücken. 1,5 km nw. 
vom Leistkamm, vom Fliegenspitz steigen nach SW. zum 
Walensee der Beerenbach und nach NO. ins Toggenburg 
der Leistbach ab. 

FLIM8, romanisch Flem (Kt. Graubünden, Bez. Im Bo- 
den, Kreis Trins). 1102 m. Gem. und Pfarrdorf, auf einer 
Terrasse am S.-russ des Flimserstein u. an der Strasse 
Chur-Hanz ; 9,5 km nö. über Manz. Postbureau, Tele- 
graph, Telephon ; Postwagen Reichenau-Hanz. Gemeinde, 
mit Fidaz, Scheia und den Waldhäusem : 179 Häuser, 
789 reform. Ew. romanischer Zunge; Dorf: 130 Häuser, 
590 Ew. Alpwirtschaft. Stark besuchter Luftkurort. Vier 
Gasthöfe. Nahe bei Flims der Caumasee mit Badanstalt. 
Ausgangspunkt für schöne Bergtouren, besonders über 
den Segnespass nach Elm im Kanton Glarus. 766 : 
Flemme. Das Dorf Flims liegt am Rande des Ungeheuern 
Trümmerfeldes des sog. Bergsturzes von Flims. Die der 
Hauptsache nach aus Malmblöcken bestehenden Sturz- 
trümmer ruhen auf Grundmoräne und sind ihrerseits 
wieder da und dort mit Moränenablagerungen überführt, 
was Prof. Heim in Zürich zu dem Schluss berechtigt hat, 
dass dieser Bergsturz während einer der Interglazialzeiten 
niedergebrochen sei. Die Ausbruchsnische befindet sich 
zwischen Flimserstein und Piz Grisch, von wo aus die 
ganze Masse sich quer über das Thal des Rhein geworfen 
hat, diesen zu einem grossen See von mehr als 100 m 
Tiefe aufstauend. Dieser Stausee ist dann durch die Ge- 
schiebe der einmündenden Wildbäche z. T. wieder aufge- 
füllt und durch die Durchsäffung des Stauwalles allmäh- 
lig entleert worden. Prof. Heim schätzt die Masse des 
Flimser Bergsturzes zu etwa 15000 Millionen m*, was 
dem tausendfachen Volumen des Bergsturzes von Goldau 
entspricht. Vergl. Heim, Alb. Der alte Bergsturz von 
Flims im Jahrbuch des S. A. C. XVIII, 1882-1883. - 
Heim, Alb. Geologie der Hochalpen zwischen Reuss und 



124 



FLl 



FLO 



Rhein fBeitr. zur geolog. Karle der Schweiz, 25). Bern 
1891. Seite 431 ff. 




Flimt mit dem Flimserstein von Süden. 

FLIM8ERBACH, romanisch II Flem (Kt. Graubun- 
den, Be^. Im Boden). Wildbach ; entspringt am Sep^nes- 
pass und Segnesgletscher. steigt nach SO. ab, durchfliesst 
das Dorf Flims und das Trümmerfeld des interglazialen 
Bergsturzes von Flims und mündet durch eine enge 
Schlucht 5 km oberhalb Reichenau von links auf den 
Vorderrhein aus. 16 km lang. Nimmt bei Mulins die vom 
Trinserhom herkommende Ava da Mulins auf. Es ist 
wahrscheinlich, dass die im Trümmerhaufen des Berg- 
sturzes eingebetteten vier kleinen Seen (Laj de Prau Pulte, 
Prau Duleritg, Cauma und Cresta) zum Flimserbach sich 
entwässern, obwohl sie keine oberflächlichen Abflüsse 
zeigen (mit Ausnahme des Laj Prau Pulte, der durch einen 
Bach mit dem Laj Prau Duleritg in Verbindung steht). 
Immerhin sind die 1893 hier angestellten Versuche mit 
färbenden Substanzen in dieser Hinsicht ergebnislos ge- 
blieben. 

FLIM8ER8TEIN (Kt. Graubünden, Bez. Im Boden). 
Breite u. sehr bemerkenswerte Felsmasse, die sich vom 
Trinserhorn nach SO. gegen Flims und Trins zu vor- 
schiebt. Vom Rheinthal aus gesehen erscheint der Flim- 
serstein als machtiger, nach allen Seiten hin mit senk- 
rechten Felswänden abfallender Felsblock. Auf seinem 
Rücken liegt eine 5 km lange u. 1,5-2 km breite Alpwei- 
denterrasse, die nach NW. von 2100-2700 m ansteij^t. Die 
Felsabstürze darunter messen 300-500 und mehr m. Am 
äussersten N.-Ende geht das Plateau in einen schmalen 
Grat über, der sich mit dem Piz Dolf oder Trinserhorn 
(3028 m) verknüpft. Die Alpweidenterrasse ist wasserarm, 
da alles Wasser in Spalten versickert, um am Fuss des 
Bergstockes in Gestalt von zahlreichen Quellen wieder zu 
Tage zu treten. Ist durch eine Anzahl von Fusswegen zu- 
gänglich, die. alle steil aufsteigen und schwierig zu be- 
gehen sind, da sie sich längs dek* vorhandenen Gras- oder 
Felsliänder aufwärts winden. Der einzige gute Weg auf 
den Flimserstein gewinnt durch das Thal des Mulinser- 
bachs oder der Ava da Mulins über die Alp Bargis ( 1550 
m) von 0. her die Höhe des Steins. Besteht der Haupt- 
masse nach aus mittlerem Jura, worüber weiter oben 
Schichten des untern Jura folgen. Wir flnden also auch 
hier, wie überhaupt in dem ganzen Gebiet des S.-Flügels 
der Glarner Doppelfalte, umgekehrte Lagerung der Schich- 
ten. 

FLIM8PITZ (Kt. Graubünden, Bez. Inn). 2933 m. 
Gipfel, Vorberg des Bürkelkopfs, in der Gren/kelte 
zwischen dem schweizerischen Samnaun und dem Öster- 
reichischen Fimberthal, 4 km nnw. über dem Dorf Sam- 
naun. 

FLIN (VAi.) (Kt. Graubünden, Bez. Maloja). 2400- 
1580 m. Kleines Thal, im Ober Kngadin ; steigt mit star- 
kem Gefäll vom Piz d'Esen nach \V. ab und mündet 4 km 



unterhalb Scanfs ins Engadin aus. 3 km lang. Im untern 
Abschnitt dicht bewaldet, weiter ol>en mit Sturztrümmem 
und Schneefeldern bedeckt. 

FLIN8AU (Kt. Bern, Amtsbez. Interla- 
ken. Gem. Gsteig). Ehemalige Ortschaft ; im 
Mittelalter ziemlich bedeutend, 1365 als un- 
mittelbares Lehen des Reiches genannt ; lag 
zwischen Gsteig und Gsteigwiler am O.-Hang 
des Thaies der Lütschine. Vermutlich durch 
einen Bergsturz oder durch Hochwasser zer^ 
stört. 

FLl 8 (Kt. St. Gallen, Bez. Ober Toggen- 
burg, Gem. Wildhaus). 1300-1600 m. AJpweide 
mit Gruppe von Hätten, im Thal der Säntis- 
thur, am S.-Hang des Säntis und 3,3 km n. 
Wildhaus. 

FLCE8CH. Mit diesem Namen bezeichnen 
die Bauern im Kanton Bern einen in den Bo- 
den eingelassenen und mit Holz oder Zement 
ausgekleideten Wasserbehälter. 

FLCE8CH (Kt. Bern, Amtsbez. Aarwan- 
gen, Gem. Rütschelen). 575 m. Weiler, 500 
m. sw. Rütschelen und 2,5 km sw. der Sta- 
tion Lotzwil det* Linie Langenthal-Wolhusen. 
15 Häuser, 133 reform. Ew. Kirchgemeinde 
Lotzwil. Landwirtschaft. 
FL<E8CH (IM) (Kt. Bern, Amtsbez. Thun, 
fl^Gem. Uetendorf). 559 m. Gruppe von 6 Häu- 
sern, nahe dem linken Ufer des Glüt^ch- 
bachs, 400 m so. Uetendorf und 4 km nw. Thun. 50 
reform. Ew. 

FL<E8CHACKEReN (Kt. Bern, Amtsbez. Schwar- 
zenburg. Gem. Guggisberg). 1065 m. Gruppe von 4 Meier- 
höfen, am SW.-Hang des Guggershorns und 1 km sw. 
Guggisberg. 30 reform. Ew. Wiesenbau. 

FLCE8CHENHORN (Kt. Bern, Amtsbez. Ober 
Ilasle). 2329 m. Gipfel, nö. Vorberg des Mährenhorns, 
sw. ül>er dem Thal des Triftwassers und s.über dem ol)em 
Nessenthai. Am NO.-Hang die Flöschenalp. Von Hof (In- 
nertkirchen) aus in 4 Stunden leicht zu erreichen. 

FLON. So heissen zahlreiche Bäche der französischen 
Schweiz ; vom latein. flunxen = Fluss, Bach. Deminu- 
tive : Flonzel und Flonzalet. 

FLON (i-E) (Kt. Freiburg u. Waadt). Bach ; ent- 
springt auf einer sumpflgen Hochfläche s. Les ^casseys und 
8 km s. Romont in 896 m, fliesst längs der Waldungen 
von Roubata, Le Riez und Antimoz, gent unterhalb Bou- 
loz, Porsel, Pont und Oron lä Chätel vorbei, durchfliesst 
Oron la Ville und mündet nach 11 km langem Lauf bei 
ChAtillens in 604 m von rechts in die Broye. Nimmt bei 
Oron le Chätel die Bäche Albaney und Moflon auf 
und treibt die Mühlen von Le Riez, Porsel, Pont de la 
Corbaz. Fliesst bis jenseits Pont auf eine Strecke von 5,5 
km auf Frei burger Boden, bildet dann auf eine Län^e von 
1,5 km die Grenze zwischen Freiburg und Waadt und 
tritt beim Schloss Oron ganz auf diesen Kanton über. 
Sein Gefall beträgt 2,63 %. 

FLON (LE) (Kt. Waadt, Bez. Lausanne). Bach, rechts- 
seitiger Zufluss zum Genfersee ; entspring im s. Jorat, 
1 km n. £palinges u. 6 km nnö. Lausanne imW^ald bei der 
Lokalität Les Sept Fontaines in 820 m und mündet nach 
etwa 11 km langem Lauf 2,6 km sw. Lausanne. Fliesst 
zunächst dem vom Wald von Sauvabelin bestandenen 
Hang entlang, tritt nach weiteren 2 km in die Stadt Lau- 
sanne ein, die er mitten durchzieht und wo er sich auf eine 
Strecke von 2,5 km nach W. wendet, biegt dann beim Vor- 
ort Malley neuerdings nach S. um und behält diese Rich- 
tung auf 1,5 km bis zur Mündung bei. Geht mehrfach 
durch Moränenschutt, hat sich unmittelbar über der 
Stadt sein Belt in anstehender Molasse ausgewaschen, 
durchzieht unterhalb der Stadt eine fruchtbare u. schöne 
Landschaft u. auert kurz vor seiner Mündung in den Ebe- 
nen von Vidy aie einzige flache Gegend an seinem Lauf. 
Nimmt mehrere kleine Zuflüsse auf, deren bedeutendster, 
die Louve, von den Höhen nw. über Lausanne herkommt 
und in der Stadt selbst von rechts mündet. Seinem nur 
weni^ ausgedehnten Einzugsgebiet entspricht die im All- 
gemeinen geringe Wasserführung des Flon. Zeitweise 
kann er aber zum gefahrlichen Wildbach werden und mit 
seinen Hochwassern grossen Schaden anrichten. So z. B. 



FLO 



FLU 



125 



1831, in welchem Jahre neun mit Rettun g8arheiten be- 
schäftigte Männer ertranken, dann wieder 1888 u. 1889. 
Vor Zeiten flössen Flon u. Louve offen durch Lausanne, 
bis die neuere Entwicklung der Stadt deren Eindeckung 
wünschenswert machte. Zuerst kamen 1836-1839 der Ab- 
schnitt des Flon im Zentrum der Stadt und der der Louve 
unter der jetzigen Place de la Hiponne an die Reihe, dann 
folgten seit 1849 neue Arbeiten, die zu verschiedenen 
Malen bis 1874 fortgesetzt wurden. Um die Wiederkehr 
von Verwüstungen, wie der Bach solche 1888 u. 1889 ver- 
ursacht hatte, zu verhindern u. aus andern Gründen hat 
man in neuester Zeit mit finanzieller Beihilfe des Bun- 
des den Flon auch oberhalb u. unterhalb der Sladt und 
dazu auch noch die Louve derart eingedeckt, dass beide 
zusammen jetzt auf eine Strecke von etwa 3 km unlerir- 
disch fliessen. Dazu kommen Kanalisationsarbeiten unter- 
halb der Stadt (gemauerter Ueberfall) und nahe der Mün- 
dung, bei welchem Anlass auch die Brücke von La 
Maladi^re der alten Strasse nach Genf umgebaut worden 
ist. Im Oberlauf trieb der Flon einst mehrere Sägen und 
wurde auch in der Stadt selbst und ihrer Umgebung von 
einer Reihe von Mühlen, Sägen, verschiedenen Fabriken 
und Werkstätten, Gerbereien, etc. ausgenützt. Die Mehrzahl 
dieser Betriebe ist aber der Verbauung und anderer Ursa- 
chen wegen aufgehoben worden. Heute verwenden noch 
eine Giesserei, eine grosse Mühle, eine Chokoladefabrik, 
eine Knochenmühle, zwei Gerbereien etc. die Wasser- 
kraft des Flon. 
FLON (LE) (Kt. Waadt, Bez. Lavaux). Bach. S. den 

Art. FORKSTAY (LE). 

FLON (LE) (Kt. Waadt, Bez. Moudon und Oron). Bach. 
S. den Art. Carouge (le). 

FLON <LE) (Kt. W^aadt, Bez. Payerne}. Bach ; ent- 
sprinist sehr nahe der Kleinen Gläne auf der sumpfigen 
Ebene w. Combremont le Petit (695 m), geht zwischen 
Combremont le Pelit im S. und Combremont le Grand im 
N. durch, tliesst während der letzten 500 m seines Laufes 
auf Freiburger Boden und mündet nach 5 km langem Lauf 
in den Richtung nach NO. und 0. bei Cheiry (557 m) von 
links in die Lembaz (Zufluss zur Broye). 

FLON (LE) oder LA GILLI^RE (Kt. Waadt, Bez. 
Rolle). Bach, entspringt n. Gilly in 770 ni im Hintergrund 
eines kleinen, in den Hang des Weinbaubezirkes der Cote 
eingeschnittenen Tobeis, entwässert dieses, tliesst an Vincy 
QDdfGilly vorbei durch die untern Hänge der Weinberge 
und die Urerebene des Genfersees und mündet in diesen 
von rechts nach 4 km langem Lauf in der Richtung NW.- 

FLON <LE) (Kt. Wallis, Bez. Monthey, Gem. Vouvry). 
1043 m. Gruppe von 8 Häusern, in dem über dem Dorf 
Vouvry in die Rhoneebene ausmündenden kleinen Thal, 
am linken Ufer des Wildbaches Fosseau und am Fuss des 
Täche. 3 km w. der Kirche Vouvry ; an der Verzweigung 
der Wege über den Col de Vernaz und ins Thal von Ta- 
nay. 36 kathol. Ew. 400 m ö. Flon das dieser Häuser- 
gnippe und dem Weiler Vesenand gemeinschaftliche 
Schulhaus. 1281 : le Flon de Miex. 

FLOND (Kt. Graubünden, Bez. Glenner, Kreis Ilanz). 
1075 m. Gem. und Pfarrdorf, auf einer Terrasse am N.- 
Uan^ des Piz Mundaun und ük>er dem rechten Ufer des 
Rhein, 5 km sw. der Station Ilanz der Linie Chur-Ilanz. 
Poslablage. 35 Häuser, 193 reform. Ew. romanischer 
Zunge. Alpwirtschaft. WirkwaarenindusUrie. 

FLORIETTAZ (Kt. Bern u. Waadt). 2208 m. Gipfel, 
auf der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Waadt, 
Vorberg des Arnenhorns. Flyschsandstein und -konglo- 
merat (Flysch de Chaussy). An seinen Hangen die bis 
zum Gipfel hinaufreichencle fette und blumenreiche Alp- 
weide Isenau, von deren Hütten aus der Qerg in einer 
Stunde leicht bestiegen werden kann. Schöne Aussicht 
auf die Berner Alpen. 

FLORI88ANT (Kt. Genf, Linkes Ufer, Gem. Eaux Vi- 
ves u. Plainpalais). 420 m. Vorort von Genf, so. der Sladt, 
nahe dem rechten Ufer der hier am Fuss von hohen 
Steilufern fliessenden Arve. Villenquartier. Haltestelle 
der elektrischen Strassenbalin Genf-Veyrier. Asyl für ge- 
fallene Mädchen. Eisweier für den Schlittschuhsport. 
Zählt zusammen mit Malagnou in 83 Häusern 708 zur 
Mehrzahl reform. Ew. 

FLOSS (Kt. Zürich, Bez. Hinwil, Gem. Wetzikon). 



517 m. Gruppe von 4 Häusern und Fabrik, an der Aa, nn 
der Strasse Uster-Wetzikon und 1,5 km nw. der Station 
Wetzikon der Linie Zürich-Uster-Rapperswil. 29 reform. 
Ew. 

FLOT DE CR^TAZ (LE) (Kt. Waadt, Bez. Aigie). 
Höhenzug. S. den Art. Efflot de Cr£taz. 

FLOT DE VEIGES (LE) (Kt. Waadt, Bez. Aigle); 
Höhenzug. S. den Art. Efflot de Veiges. 

FLOTZ (Kt. St. Gallen, Bez. Neu Toggenburg, Gem. 
W^attwil). 610 m. Gruppe von 8 Häusern, am linken Ufer 
der Thur, 2 km n. Wattwil und 300 m s. der Station 
Lichtensteig der Toggen burger bahn. 47 reform. u. kathol. 
Ew. Viehzucht. Stickerei und Weberei. 

FLUAZ (FIL) (Kt. Graubünden, Bez. Glenner). 2904 
m. Gipfel, letzter Ausläufer der vom Hausstock nach SO. 
abzweigenden und den Meer^ vom Fluazgletscher tren- 
nenden kurzen Kette. S.-Flanke des Tödi. Fällt schroff 
zur Panixeralp ab. 

FLUAZGLETSCHER (Kt. Graubünden, Bez. Glen- 
ner). 2960-2400 m. Mittlei-er und kleinster der drei vom 
Kamm Hnusstock-Ruclii nach SO. zum Panixerpass ab- 
steigenden Gletscher, die durch hohe und schroffe Fels- 
gräte von einander getrennt sind. Seine Nachbarn sind 
der Cavirolas- und Meergletscher. Während ein kurzer 
Vorstoss des Fluazgletschers f^enügen würde, um ihn mit 
dem Cavirolasgletscher zu emem einzigen Eisstroui ver- 
schmelzen zu lassen, könnte eine Veremigung von Cavi- 
rolas- und Meergletscher erst 3 km tiefer unten in 1500- 
1400 m stattfinden. Dass dies einst der l-all war, beweisen 
die im Panixerthal heute noch vorhandenen Reste von 
alten Endmoränen. 

FLUCHTHORN (Kt. Graubünden, Bez. Inn). 3403, 
3402 und 3344 m. Breiterund stark verwitterter Felsstock 
mit drei Hauptspitzen, dem N.rFluchthom (3344 m), S.- 
Fluchthom (3403 m) und Mittler Fluchthom (3402 ni). Ist 
neben dem um 11 m hohem* Piz Linard der bedeutendste 
Gebirgsstock der Silvrettagruppe. Gleich dem Piz Linard 
steht auch das Fluchthorn nicht in der zentralen Haupt- 
kelte der Gruppe, sondern auf einem nach N. davon ab- 
sehenden Seitenast, der das Fimberthal vom Jamthal 
(beide nicht mehr auf Schweizer Boden) von einander 
trennt. Das Fluchthorn ist einer der schönsten und mäch- 
tigsten llochgebirgsstöcke der Bündner Alpen und rings 
von Gletschern uinpanzert (Fluchthornferner im W., Kro- 
nenferner im S., himl»erfemer im 0. und Lareinferner 
im N.), aus denen seine Spitzen und Zinnen einer phan- 
tastischen Festung gleich mächtig aufragen. Wurde lan^e 
Zeit für unzugänglich gehalten, bis dem bekannten Alpi- 
nisten J. J. Weilenmann und seinem Führer Franz Pöll 
nach mehreren fruchtlosen Versuchen 1861 die erste Be- 
steigung f^elanff. Es dauerte dann noch eine Reihe von 
Jahren, bis sich die Scheu vor dem immer noch sehr 
selten besuchten Fluchthorn gelegt halte; heute ist es 
eines der beliebtesten Exkursionsziele in der Silvretta- 
gruppe und wird häufig, auch führerlos, bestiegen. Als 
Ausgangspunkte dienen dazu die Jamthalhütte am W.- 
Fuss und die Heidelbergerhütte am O.-Fues des Gebirffs- 
Stockes, beide Eigentum 4es Deutschen und Oesterreichi- 
schen Alpenvereins. Unter dem Namen der Fluchthorn- 
gruppe verstellt man die zwischen Jamthal u. Fimberthal 
sich nach N. vorschiebende gabelförmige Gebirgsmasse, 
deren Griff das Stück Piz ' Faschalba oder Grenzeggkopf 
— Fluchthorn bildet, während die beiden etwas unglei- 
chen Zinken der Gabel das Lareinthal zwischen sich 
schliessen. Die Landesgrenze folgt dem Griff und dem O.- 
Zinken bis zum Gemshleisspitz (3017 m), von dem sie 
rechtwinklig nach 0. abbiegt, um quer durch das Fimber- 
thal zu den Hergen des Samnaun zu ziehen. Die );anze 
Gruppe des Fluchthorns ist aus krystallinen Gesteinen 
aufgebaut, an die sich aber im 0. und SO. sofort die se- 
dimentären Kalke und Schiefer der Gruppe des Piz Tasna 
und der Samnauneralpen anschliessen. 

FLUCHTHORN (Kt. Wallis, Bez. Visp). 3802 m. Gip- 
fel, nö. Vorberg des Strahlhoms, im Saasgrat zwischen 
den Thälern von Saas und Zermatt. Von Mattmark aus 
über den Allalingletscher zugänglich. Eine sicher ver- 
bur^ite Besteigung des Fluchthorns ist aber nicht bekannt, 
da sich das Interesse der Alpinisten bisher ausschliess- 
lich dem Strahlhom, seinem mächtigen Nachbarn, zu- 
gewandt hat. 



126 



FLU 



FLU 



FLUCK (Kt. Luzern, Amt Sursee, Gem. Sempach). | pass, entwässert das FlüelathaL durchfliesst im Unter- 
650 m. Gruppe von 7 Häusern, am S.-Hang des Eichbergs I lauf eine enge Waldschlucht, bildet hier einen schönen 




Karte d«t Val Fldelt, FlQelapasses n. FlOelathales. 



MjiiCaftferM 



und 4,2 km n. der Station Sempach der Linie Luzern- 
Olten. 22 kathol. Ew. Acker- und Obstbau, Viehzucht. 

FLOCKIGEN (Kt. Bern, AmUbez. Aarwangen, Gem. 
Rohrbachgraben). 730 m. Weiler, 2 km nnö. Dürrenrot 
und 4 km s. der Station Rohrbach der Linie Langenthai- 
Wolhusen. 18 Häuser, 124 reform. Ew. Kirchgemeinde 
Rohrbach. Landwirtschaft. 

FLOE (auf der) (Kt. Wallis, Bez. Brig, Gem. Na- 
ters). Burgruine. S. den Art. FlOh, Auf der. 

FLOEQGEN und UNTER FLOEGGEN (Kt. Lu- 
zern, Amt Willisau, (^m. Altishofen und Nebikon). 500 
m. Zwei Gruppen von zusammen 6 Häusern, am NO.- 
Fuss des Aescnenbergs, je 1,5 km s. Altishofen und sw. 
der Station Nebikon der Linie Luzern-Olten. 51 kathol. 
Ew. Kirchgemeinde Altishofen. Ackei^ u. Obstbau, Vieh- 
zucht. 

FLOELA oder 8U8A8CA (VAL) 
(Kt. Graubünden, Bez. Inn). 2400-143Ö 
m. Thal ; steigt vom Flüelapass nach SO. 
und 0. ab und mündet bei Süs ins Un- 
ter Engadin aus ; Gegenstück zu dem 
ebenfalls am Flüelapass beginnenden, 
aber nach NW. gegen Davos zu abstei- 
fenden FlüelathaL Beide Thäler unge- 
fähr gleich lang, je etwa 11 km ; doch 
ist das Val Flüela reicher verzweigt und 
verfügt daher über ein grösseres Ein- 
zugsgebiet. Es dringt mit dem Val Fless 
nach N. in die Silvrettagruppe und mit 
dem Val Grialetsch nach S. und SW. 
in die Gruppe des Piz Vadret ein. Hier 
entspring am Grialetschgletscher der 
beträchtlichste Quellarm der das Val 
Flüela entwässernden Susasca. Steht 
über das Val Grialetsch und den Gria- 
letschpass mit dem Dürrboden im Disch- 
mathal und über das Val Fless und 
den Flesspass mit dem Vereinathal und 
dem Queligebiet der Landquart in Ver- 
bindung, während der Flüelapass (2388 
m) vom Thalhintergrund aus ins Flüe- 
lathal und nach Davos leitet. Gänzlich 
unbewohntes Hochalpenthal, dessen 
lichte Waldungen sich erst gegen Süs 
zu zu dichteren Gruppen schliessen. 
Arven und Lärchen steigen hier bis 21(X) m und höher an. 

FLOELABACH (Kt. Graubünden, Bez. Ober Land- 
quart). Wildbach ; entspringt in 2388 m auf dem Flüela- 



Fall und mündet bei Davos Dorf in 1564 m von links in 
das ihm an Wasserführung nachstehende Landwasser. 

FLOELABERG (Kt. Graubünden, Bez. Ober Land- 
quart). 2751 m. Schöner terrassierter Alpweidenhang; 
steigt rechts über der Sohle des Flüelathals hoch hinauf 
an bis zu dem vom Pischahom nach W. und WNW. aus- 
zwei^enden Felskamm und trägt die Hüttengruppen 
Höfli, Dörfli, Alpenrose und Enge. 

FLÜELAPASS (Kt. Graubünden, Bez. Ober Land- 
quart und Inn). 2388 m. Passübergans mit guter Post- 
strasse ; führt von Davos Dorf durch aas Flüelathal und 
Val Flüela oder Val Susasca nach Süs im Unter Engadin. 
Wichtig und stark bedangen. Zweithöchster fahrbarer 
Pass der Schweiz (Furka 2436 m) und höchster Grau- 
bündens. Die 1867 erbaute Strasse ist 27,3]km lang und 




Blick vom Vtl Flbela gegen SQs. 

durchgehends 4,2 m breit ; sie hat 454 500 Fr. gekostet. 
Sie ist im Winter häußgem Lawinenfall ausgesetzt, wird 
aber nach Möglichkeit das ganze Jahr hindurch offen 



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FLU 



127 



gehalten, was nach der Fertigstellung der Albulabahn 
nicht mehr der Fall sein wird, da dann der grösste Teil 
des heutigen Waarenverkehrs dem Schienen- 
weg zufallt. Zudem kann die Flüelastrasse 
in landschaftlicher Beziehung mit den Stras- 
sen über den Julier und Albula nicht wettei- 
fern. Doch wird der Flüelapass stets die kür- 
zeste Route ins Unter Engadin und der 
bequemste Zugang zu Hochgebifgstouren im 
Gebiete des Schwarzhoms bleiben. Klima 
rauh; Landschaft wild, baumlos und voller 
Steinschutthalden. Auf der Passhöhe in gross- 
arti^er, vom Schwarzhom und Weisshorn 
bestimmter Landschaft zwei kleine Wasser- 
becken (der milchigtrübe Schottensee und 
der düstere Schwarzsee) und das Hospiz, 
ein einfaches Gasthaus. Postablage. Tele- 
n^ph; Postwagen Davos Platz-Süs-Schuls. 
Ber von der Sektion Davos des S. A. C. er- 
baute Fussweg auf das Schwarzhom zweigt 
i km so. vom Hospiz von der Strasse ab; 
auch das Weisshorn von der Passhöhe aus 
zuganglich. Wenige Schritte so. unterhalb 
der Passhöhe erblickt man in der Ferne das 
Dorf Ardez und Schloss Tarasp im Unter 
Engadin, weiter unten den das Val Gria- 
letsch (Nebenarm des Val Fluela) abschlies- 
senden Grialetschgletscher. Der Weg Davos- 
Süs oder umgekehrt erfordert cute 6 Stun- 
den (3 Vi Stunden Aufstieg und 2 Vt Stun- 
den Abstieg). Beim Hospiz hat man eine 
prächtige Dmzenspitze aus Bronze gefunden. 

FI.OELATHAU (Kt. Graubünden, Bez. Ober Land- 
quart). 3388-1564 m. Höchstes der Seitenthäier des Davos ; 
beginnt am Flüelapass, steigt auf 11 km Länj^e nach NW. 
ab und mündet bei Davos Dorf aus. Vom Fluelabach ent- 
wässert. Am rechten Seitengehänffe und längs der Strasse 
einige Gruppen von Häusern und Hütten : Bedera, Höfli, 
Dörfli, Alpenrose (Gastwirtschaft), Schindelboden. Enge 
und Tschuggen (1941 m ; 7 km über Davos Dorf). Bei 
Enee endigt der Wald, der auch an beiden Seitengehängen 
nicht hoch ansteigt. Einige Arven und Lärchen findet man 
noch vereinzelt bis zu 2000 m und darüber. Von Tschug- 
gen an wird das Thal öde, wild und voller Sturztrümmer, 
die namentlich zwischen Carlimatten und der Passhöhe 
überaus reichlich beide Seitengehänge bekleiden. Ein 



Runsen zerfressen und kann kaum als Alpweide benutzt 
werden, während der etwas weniger steile rechtsseitige 





Scheitel des Fl&elapasses mit dem Hospis u. Scbwtrchoro. 



auch nur einigermassen entwickelter Thalboden ist nicht 
vorhanden. Das ainserordentlich schroffe linke Seiten- 
gehänge ist von Felsbändem durchzogen und stark von 



Fl&elapasshöhe im Winter. 

Hang auf breiten und sonnenreichen Terrassenflächen bis 
zu 2000 m hinauf schöne AJpweiden trägt : Bederaberg u. 
Flüela-> oder Tschug^enberg. Darüber die vom Weisshorn 
(3088 m) nach NW. ziehende Kette zwischen Flüelathal u. 
Vereinathal mit den leicht zugänglichen und oft bestiege- 
nen Spitzen des Pischahorns (2982 m) u. Gorihoms (2^ 
m). Am meisten besucht wird aber das Flüela Schwarz- 
hom (3150 m), der höchste Gipfel der das Flüelathal links 
be|[leitenden Felsmauer, das s. über dem Hospiz auf dör 
Fluela passhöhe stolz aurragt und einer der bekanntesten 
Aussichtsberge Graubündens ist. Die übrigen Spitzen der 
Schwarzhom kette (Braunhorn 2730 m. Sentishorn 2830 m, 
Baslerkopf 2632 n^ und Bühlenberg 2516 m) sind wenig 
bekannt und werden nur selten bestiegen. 
FLOELEN (Kt. Uri). 438 m. Gem. und Pfarrdorf, 
am SO.-Ende des Umersees (Vierwaldstät- 

tersee) und der Axenstrasse. Station der 

Gdtthardbahn und der Dampfboote des 
Vierwaldstättersees. Hafenplatz von Uri. 
Postbureau, Telegraph, Telephon. Ausgangs- 
punkt der Post über Altorf und den Klau- 
senpass nach Linthal, früher auch der Post 
über den Gotthard. Landwirtschaft. Frem- 
denindustrie : Gasthöfe. Eine der wichtig- 
sten Dampfschiffstationen des Sees (Passa- 
gierverkehr 1901 : 237864 Personen). Zwi- 
schen Kirche u. Bahnhof das gut erhaltene 
Schlösschen Rudenz, einst Eigentum der 
Edeln von Attinghausen und von Kudenz. Eid- 
genössisches Sanitätsdepot. 1 km w. vom 
Dorf die kanalisierte Mundung der Reuss, 
der man während der letztvergangenen Jahre 
ein gerades Bett mit stärkerem Fall ge- 
geben hat, um die Anschwemmung eines 
Schuttkegels in den See zu verhüten. Diö 
landschaftliche Lage von Flüelen ist rei- 
zend : a Nach S. öffnet sich das prachtvolle 
Reussthal, und im Hintergruna desselben 
erhebt sich der eisfunkelnde Bristenstock... 
In drohender Nähe, und zwar am andern 
Seeufer, starrt in kolossalen Felswänden 
der Gitschen, dessen Gipfel nur erUiegbar 
zu sein scheint, in den blauen Aether em- 
por ». 1799 Kampf zwischen den Franzo- 
sen und Urnern, bei dem der letzteren Füh- 
rer, der General und Geschichtsschreiber 
Franz Vinzenz Schmid, den Tod fand. Beim Bau des 
Hotels zum Sternen hat man Holzmalereien aus dem 16. 
Jahrhundert aufgedeckt, die heute im schweizerischen 



128 



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Landesmiiseum zu Zürich aufbewahrt werden. Das Dorf 
trägt bei den Tessinern und Italienern den Namen Fiora. 




PlQelen mit dem Briaieostock. 

FLOELI (Kt. Obwalden, Gem. Sachsein). Weiler. S. 
den Art. Flühli. 

FLOGELBERG (OBER und UNTER) (Kt. Aargau, 
Bez. Kulm, Gem. Reinach). 714 und 700 m. Drei am N.- 
Hang des Homberffs vereinzelt stehende Häuser ; %b km 
n. Beinach und l3 km sw. der Station Beinwil der See- 
thalbahn. 22 reform. Ew. Wiesenbau. Stark besuchler 
Aussichtspunkt, Aargauer Bigi geheissen. Hier wurden die 
1847 dem Kanton Aargau zugewiesenen Heimatlosen ein- 
gebürgert. 

FL0GLI8LOH (Kt. Nidwaiden, Gem. Wolfenschies- 
sen). 499 m. Bauernhof, am rechten Ufer der Encelberger 
Aa, 2 km n. der Station Wolfenschiessen der elektrischen 
Bahu Stansstaad-Engelberg. Heimat di>r Edeln von Plug- 
lislo, deren einer, Johann, wegen Gefangennahme eines 
Engelberger Mönches 1412 mit dem Kirchenbann belegt 
worden war, aus dem er erst 1415 wieder entlassen ward. 
Beste einer Burg hat man hier nicht gefunden. 

FlOH, FLUH. Ortsnamen der deutschen Schweiz, in 
Zusammensetzungen häuliff vorkommend ; vom althoch- 
deutschen fluo/i = steiler Hang, Felswand. 

FLOH (Kt. Bern, Amtsbez. Laupen, Gem. Neuenegg). 
570 m. Gruppe von 8 Häusern, 300 m nö. Neuenegg und 
2,5 km nw. der Station Flamatt der Linie Bern-Freiburg. 
58 reform. Ew. 

FLOH (Kt. Solothurn, Amtei Dornegg, Gem. Hofstet- 
ten). Dorf. S. den Art. Flühen. 

FLOH oder FLOE (AUF DER) (Kt. Wallis, Bez. 
Brig, Gem. Naters). Ca. 8Ö0 m. Burgruine, auch ChAteau 
du Hoc, de Saxo oder de Super;*axo geheissen; auf einem 
über der Strasse Brig- Naters gegen die Bhone zu vor- 
springenden Felskopf. Heute sind nur noch ein grosser 
viereckiger Turm ohne Dach und eini((e Ueberreste von 
Wohngebäuden vorhanden. Vor kaum einem Jahrhundert 
diente die Burg dem Zehnten Brig noch als Zeughaus. 
Soll die Heimat der berühmten Familie Supersaxo sein, 
der u. a. der Bischof Walter Supersaxo, der Besieger der 
Savoyarden, und der Politiker Georg Supersaxo angehört 
haben. Schon von Josias Simler in seiner Vallesiae des- 
criptio als Sitz der in der Geschichte seit 1230 (also lange 
vor dem Erscheinen des Geschlechtes Supersaxo) auftre- 
tenden Vitztume (Stallhalter) von Naters genannt. Die Ge- 
schichte der Burg ist noch nicht völlig aufgeklärt u. wird 
oft mit derjenigen der beiden andern alten Burgtürme 
von Naters verquickt. Sicher ist, dass sie zu wiederholten 
Malen der Schauplatz von denkwürdigen Ereignissen war. 
Als 1416 Graf Amadeus VIU. von Savoyen durch das 
Rhonethal Truppen gegen die um Domo d'Üssola kämp- 
fenden Urschweizer senden wollte, überraschten die Wnl- 
liser diese Soldaten auf der Burg Granges beim Mahl, 
führten sie ~ barfuss, im blossen Hemd und je zu Zweien 
aneinander gefesselt — auf die Burg Le Boc und gaben 



sie erst nach sieben monatlicher Gefangenschaft gegeu 
Zahlung eines Lösegeldes von 1443 Goldgulden wieder 
frei. Hier unterzeichnete auch der vom 
Volke belagerte Bischof Wilhelm von 
Raron 1446 die berühmten Nalerser Ar^ 
tikel, eine der ersten der von der Wal- 
liser Demokratie dem bischöflichen 
Stuhl zu Sitten abgenötigten Konzes- 
sionen. Die später von den Bischöfen 
Walter Supersaxo, Adrian L von Ried- 
matten und Jordan restaurierte Burg 
blieb dann bis zum Sturz der alten Eid- 
genossenschaft Sitz eines bischöflichen 
Beamten. 

FLOH (OBER u. UNTER) (Kt. 
Schwyz, Bez. March, Gem. Vorder 
Wäggithal). 877 und 700 m. Zwei Grup- 
pen von 4 Häusern und mehrere am 
O.-Hangder Piiflegg zerstreut i^elegene 
Hütten, nahe dem linken Ufer der 
WägKiihaler An und 4 km nw. der Kir- 
che Vorder Wäggithal. 20 kathol. £w. 
Kirchgemeinde Yorderthal. Viehzucht. 
Mit Siebnen durch einen alten Weg 
verbunden, der schon im Friedensver- 
trag mit Oesterreich vom 19. Juli 1318 
erwähnt ist. 
FLOH (ZUR) (Kt. Wallis, Bez. Visp, 
Gem. Staldenried). 1348 m. Hütten und Stadel, ülier 
dem Hang von Staldenried u. am Fusse der Wälder zer- 
streut gelegen, 1 km so. über dem Dorf Staldenried. 

FLUHBACH (Kt. Bern, Amtsbez. Signau, Gem. Egffi- 
wil). 810 m. Gruppe von 4 Häusern, am rechten Ufer des 
Rötenbachs, 9 km ssö. der Station Signau der Linie Bem- 
Luzern und 2,4 km sw. Eggiwil. 29 reform. Ew. 

FLOHBACH (Kt. Luxem, Amt Willisau). Bach; ent- 
springt 300 m w. Menzberg, fliesst in bewaldetem Tobel 
und mündet nach 3,5 km langem Lauf in der Richtung 
nach N. und SO. in 646 m in die Kleine Fontannen. Bil- 
det auf eine Strecke von 1,5 km die Grenze zwischen den 
Aemtern Willisau und Sursee. 

FLOHEN oder FLOH (Kt.Solothurn, Amtei Dornegg, 
Gem. Hofstetlen). 400 m. Dorf, in einer die kurze Kette 
von Landskron (n. der Blauenkette) durchbrechenden 
Klus, an der Grenze gegen das Elsass und 2 km nw. Hof- 
stetten. Endstation der Birsigthalbahn (Basel - Flühen). 
Postbureau, Telegraph, Telephon. 25 Häuser, 154 kathol. 
Ew. Landwirtschaft; Getreidebau. Steinbrüche. Schon seit 
langer Zeit bekanntes Bad, sehr beliebtes Ausflugsziel der 
Bewohner von Basel. In der Nähe auf dem n. Rauracien- 
kämm die elsassische Veste Landskron und auf dem s. 
Rauracienkamm das Solothurner Kloster Mariastein. 

FLOHENMOHLE (Kt. Solothurn, Amtei Dornegg, 
Gem. Hofstetten). 408 m. Alte Mühle, 1 km nw. Hofstelten 
und 500 m s. der Station Flühen der Birsigthalbahn. Sehr 
bekanntes Ausflugsziel der Basler in pittoresker Land- 
Schaft 

FLOHLEN (Kt. Bern, AmUbez. Trachselwald, Gem. 
Lützelflüh). 666 m. Dorf, nahe dem rechten Ufer der Grü- 
nen, 3 km nö. Lützelflüh und 2 km n. der Station Ramsei 
der Linie Burgdorf-Langnau. 20 Häuser, 142 reform. Ew. 
FLOHLEN (hinter, mittler, ober und 
UNTER) (Kt. Luzern, Amt Willisau, Gem. Luthem). 867 
bis 765 m. Sechs am linken Ufer des Elbachs zerstreut 
gelegene Häuser, 8 km s. der Station Hüswil der Linie 
Langenthal-Wolhusen und 2,5 km nw. Luthern. 52 Ew., 
wovon 32 Katholiken. Ackerbau und Viehzucht. 

FLOHLI (Kl. Freiburg, Bez. Sense, Gem. St. Sylvester). 
875 m. Gruppe von 3 Häusern, nahe dein linken Ufer des 
Aergerenbaches (Gorine), 300 m so. der Kirche St. Syl- 
vester und 12 km so. vom Bahnhof Freiburg. 23 kalhol. 
Ew. deutscher Zunge. Viehzucht u. Milchwirtschaft. Stroh- 
flechlerei. 

FLOhLI (Kl. Luzern, Amt Entlebuch). 894 m. Gem. 
und Pfarrdorf, am rechten Ufer der Waldemme und am 
W.-Fuss der Schwändelifluh, 8 km s. der Station Schüpf- 
heim der Linie Bern - Luzern. Postbureau, Telegraph, 
Telephon; Postwagen nach Schüpfheim. Gemeinde, mit 
Bunihaus, Hirsegg, Hüttlenen, Längenhochwald, Sand- 
boden, Rohrigmoos und Sörenberg: 260 Häuser, 1388 



FLU 



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kathol. Ew. ; Dorf: 55 Häuser, 289 Ew. Viehzucht. Holz- 
und Käsehandel. Seidenweberei, Rosshaarflechterei. Frem- 




Fldhli (Kt. Lusarn) von Nordwesten. 

denindustrie ; bekannter Luftkurort. Unterslutzungskasse. 
Xn der Waldenfime bemerkenswerte Verbauungsarbeiten. 
FI.OHI.1 (Kt. Obwalden, Gem. Sachsein). 748 m. Dorf, 
am Unken Ufer der Melchaa und 2,5 km nö. der Station 
Sachsein der Brünigbahn (Luzern - Brienz). Postbureau, 
Telephon. 16 Häuser, d4 kathol. Ew. Sommerfrische, drei 
Gasthöfe. Viehzucht. In dem heute als Schulhaus dienen- 
den alten Gebäude so. der Kapelle wurde am 21. März 
1417 Bruder Nikiaus von der Flöe geboren, der auch spä- 
ter noch bis zu seinem Rückzug in die Einsiedelei hier 
ein am AVeg zum Ranft stehendes Haus bewohnte. Die 
mit alten Glasmalereien geschmückte Kapelle wurde 1614 




Kapelle zu Flahli (Kt. Obwalden). 

der Ueberlieferung nach an der Stelle erbaut, wo Bruder 
Klaus die Feuersbrunst von Sarnen beschworen hatte und 
nach seinem Tode seiner Frau und zwei Männern erschie- 



nen war. Nach der Chronik des Weissen Buches von 
Sarnen geschah die Pfändung der Ochsen von Arnold 
Anderhalden durch die Knechte des 
Landvogtes in Melchi, am Han(( der 
Melchaa halbwegs zwischen Flühli und 
Dietried. Bruder Klaus und sein Sohn 
Landammann Walter von der Flüe ver- 
machten die Wiesen von Melchi und die 
Einnahmen der Einsiedelei am Ranft 
ihren armen Verwandten und deren 
Nachkommen, unter die heute noch 
jährlich 500-700 Franken Zinsen aus 
diesem Legat verteilt werden. 

FLOHLI (OBER und UNTER) 
(Kt. Schwyz, Bez. March, Gem. Vorder- 
tbal). 785 und 745 m. Gruppe von 9 
Häusern, im Wäggilhal, 300 m n. der 
Kirche Vorderthal und 8,5 km s. der 
Station Siebnen-Wangen der Linie Zü- 
rich -Wädenswil-Glarus. 52 kathol. Ew. 
FLOhN (Kt. Appenzell A. R., Bez. 
Hinterland, Gem. Herisau). 880 m. 
Gruppe von 3 Häusern, am S.-Hang des 
Ramsenburghügels und 2,5 km w. der 
Station Herisau der Appenzellerbahn 
(Winkeln -Herisau -Appenzell). 23 . re- 
form. Ew. Landwirtschaft. 

FLOHN (Kt. und Amtsbez. Bern, 
Gem. Oberbalm). d29 m. Gruppe von 
6 Häusern, 2 km so. Oberbalm und 
14 km s. vom Bahnhof Bern. 50 re- 
form. Ew. Wiesenbau. 

FLOHNEN (AUF DEN) (Kt. Graubünden, Bez. Al- 
bula). 2758 m. Gipfel, s. über dem als Uebergang von 
Stalla nach Juf im Avers häußg begangenen Stallerberg 
und von der Passhöhe aus leicht zu ersteigen ; 4,5 km sw. 
über Stalla im Oberhalbstein. 

FLOHSEEN (Kt. Graubünden, Bez. Hinterrhein). 
2680 m. Zwei kleine Seen, auf der vom Stallerjoch sanft 
nach S. geneigten und über Juf im Avers mit einer Fels- 
wand plötzlich abbrechenden Hochfläche. Entwässern sich 
mit dem Muttenbach und Treienbach zu dem in den Avei- 
ser Rhein mündenden Juferbach. 

FLUGBRUNNEN (Kt. und Amtsbez. Bern, Gem. 
Bolligen). 630 m. Weiler, am S.-Hang der Stockeren, 
900 m ö. Bolli£[en und 4 km nö. der Station Ostermun- 
digen der Linie Bern-Thun. 12 Häuser, 89 reform. Ew. 
Landwirtschaft. 

FLUH oder ROTEN8TÖCKLER (Kt. Bern, Amts- 
bez. Interlaken). 2042 m. Begraster Buckel, im langge- 
zogenen Riedergrat, der sw. Fortsetzung des Brien zerr- 
tes; 4 Vt Stunden über Oberried am Brienzersee. Emer 
der zahlreichen prachtvollen Aussichtsspunkte der den 
Brienzersee im N. begleitenden Kette. 

FLUH (Kt. Graubunden, Bez. Ober Landquart, Kreis 
und Crem. Klosters). 1500 m. Alpweide mit Gruppe von 
12 Hütten, am S.-Hang des Madrishorns und in dem vom 
Schlappinbach entwässerten Thälchen; 3 km n. über 
Klosters. 

FLUH (Kt. St. Gallen, Bez. See, Gem. Jona). 425 m. 
Gruppe von 10 Häusern, in fruchtbarer Landschaft mitten 
in Baumgärten und Weinbergen; 1,5 km n. Rapperswil 
am Zürichsee. 69 kathol. und reform. Ew. Ackerbau und 
Viehzucht. Seidenweberei. Gerberei, Lederriemenfabrik. 
FLUH (Kt. Wallis, Bez. Visn, Gem. St. Nikiaus). 1457 
m. Alpweide mit Gruppe von Hütten, auf einer Terrasse 
am Fuss des Blalthorns und über dem rechten Ufer der 
Zermatter Visp. Fällt mit einer verwitterten Felswand zu 
Thal, von der sich häufig Teile loslösen. Eine nach und 
nach immer tiefer eingreifende Spalte, die ein grosses 
Stück Fels von der Gesamtmasse loslöst, lässt für die Si- 
cherheit des nur 1 km weiter n. gelegenen Dorfes St. Ni- 
kiaus fürchten. 

FLUH (Kt. Zürich, Bez. Pfäffikon, Gem. Bauma). 680 
m. Gruppe von 7 Häusern, auf einer Terrasse über dem 
linken Ufer der Töss und 2 km w. der Station Bauma der 
Tössthalbahn (Winlerthur-Wald). 37 reform. Ew. 

FLUH (IN DER) (Kt Bern, Amtsbez. Burgdorf, Gem. 
Ersigen). 525 m. Weiler, 500 m ö. Ersigen und 2,5 km 
nö. der Station Kirchberg der Linie Burgdorf- Solothum. 

GROGR. LEX. 53 — II — 9 



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11 Häuser, 137 reform. Ew. Kirchgemeinde Kirchberg. 

FLUH (OBCR und UNTER) (Kt. Bern, Amtsbez. 
Aarberg, Gem. Gross Affoltem und Amtsbez. Büren, Gem. 
Wengi). 545 und 512 m. Gruppe von 8 Bauernhöfen, je 
2 km w. Wengi u. nö. Gross AlToltem u. 4 km nö. der 
Station Suberg der Linie Bem-Biel. 34 reform. Ew. 

FLUH (UNTER) (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Hasle, 
Gem. Hasleberg). 902 m. Dorf, am Hasleberg und 2,5 km 
nw. der Station Meiringen der Brünigbahn (Luzem- 
Brienz). 50 Häuser, 225 reform. Ew. 

FLUH (UNTER DER) (Kt. Bern, Amtsbez. Laupen, 
Gem. Mühleberg). 650 m. Gruppe von 6 Häusern, am 0.- 
Fuss des Felsabsturzes des Höhenzuges der Ledi und 2,5 
km nö. der Station Rosshäusem der direkten Linie Bem- 
Neuenburg. 40 reform. Ew. 

FLUHACKER (HINTER, MITTLER und VOR- 
DER) (Kt. Luzem, Amt Sursee, Gem. Wolhusen). 900- 
815 m. Vier Häuser, am Steinhauserberg, 6 km sw. der 
Station Wolhusen der Linie Bem-Luzern. 27 kathol. Ew. 
Ackerbau und Viehzucht. In der Nähe eine Kapelle. 

FLUHALP (Kt. Wallis, Bez. Leuk, Gem. Leukerbad). 
2045 m. Alpweide mit etwa 15 Hütten und Stadeln, am 
linken Hang des obersten Abschnittes des Thaies der Dala, 
zwischen Magenhorn und Rinderhom. Hier sommern 135 
Stuck Gross- und Kleinvieh. Beliebtes Ausflugsziel der 
Kurgäste von Leukerbad. 

FLUHALP (OBER und UNTER) (Kt. Obwalden, 
Gem. Giswil). 1500-1800 m. Schöne Alpweide mit 9 Hüt- 
ten, am SO.-Hang des Giswilerstocks, 4 km sw. über 
Kleintheil und 3 km nw. über Lungern. Hier sommern 
110 Kühe. 

FLUHBERG (Kt. Bern, Amtsbez. Interlaken, Gem. 
Brienz). 570 m. Oestl. Abschnitt des Dorfes Brienz, am 
Brienzersee und 1,5 km ö. der Kirche Brienz. 22 Häuser, 
231 reform. Ew. Hier wohnte der berühmte HolzschniUler 
Fischer. 

FLUHBERG oder FLUHBRIG (Kt. Schwyz, Bez. 
March). 2095 m. Einer der höchsten Bergstöcke im Kanton 
Schwyz, in der Kette zwischen Wäggithal und Sihlthal, 
die im S. mit dem Schwarzstock (^02 m) beginnt und 
über Drus- und Fluhberg im Bogen nach N. und 
NW. bis zum Elzel (1102 m) über dem Zürichsee zieht. 
Bis zum Fluhberg fSÜlt die Kette nach 0. mit hohen 
Stellwänden ab, während der W.-Hang weniger schroff 
ist, aber auch noch oft genug von Felsbändem unter- 
brochen wird. Sie bildet eine nach N. überlieffende 
Falte von typischen Kreideschichten. Fast alle Gipfel 
dieser mit dem Fluhberg im N. abschliessenden S.-Hälfte 
der Kette übersteigen 2000 m. Der Fluhberg fällt nach 
allen Seiten hin, besonders schroff aber gegen N. mit 
Felswänden von mehreren Hundert Metern Hohe ab und 
ist stark von Runsen zerfressen, von denen hier die 
Grosse Siene und die Kleine Siene genannt werden 
mögen. Der Stock ffipfelt mit einer Reihe von Felszacken, 
von denen der mittlere, der Diethelm, mit 2095 m zugleich 
der höchste ist, während von den übrigen einer 2(^ m, 
der Wändlispitz 1973 m und der Turner 2071 m errei- 
chen. N. vom Fluhberg wird die Kette rasch niedriger 
und erhält die Gestalt von abgerundeten Rücken. Unmit- 
telbar n. unter dem Fluhbere verbindet ein Uebergang 
über den Grasrücken der Fläschlihöhe (1372 m) das Hinter 
Wäggithal mit dem Sihlthal. Der Fluhberg (Diethelm) 
kann von den Fläschlihütten (1328 m) aus bestiegen wer- 
den. In den beiden Höhlen des Goldlochs und Silberlochs 
sollen der Volksüberlieferung nach einst Gold- und Sil- 
berklumpen gefunden worden sein. 

FLUHGLETSCHER (Kt. Wallis, Bez. Leuk). 3600- 
2700 m. Kleiner Gletscher, am SO.-Hang des Balmhoms; 
liegt am VJeg auf das Balmhom von Leukerbad aus über 
die Felshänge der Walliser Seite. An seinem Fuss die 
Fluhalp (S. diesen Art.). 

FLUHHOF (Kt. Schwyz, Bez. und Gem. Einsiedeln). 
910 m. Gruppe von 3 Häusern, am O.-Fuss des Hummel- 
beras, am rechten Ufer des hier kanalisierten Steinbachs 
und 5 km so. der Station Einsiedeln der Linie Wädenswil- 
Einsiedeln. 22 kathol. Ew. Filiale Euthal der Pfarrei Ein- 
siedeln. Ackerbau und Viehzucht. Seidenweberei. So. über 
Fluhhof reiche Fundstelle von Fossilien. 

FLUHHORN (Kt. Bern, AmUbez. Ober Simmenthai). 
2141 m. Felsspom, über der zu oberst in der Gemeinde 



Lenk liegenden Alpweide Rätzliberg, nw. Ausläufer des 
WUdstrubel. Kann vom Fluhseeli aus, bis wohin ein 
schmaler und schwindliger Fussweg führt, leicht erstie- 
gen werden. 

FLUHHORN (Kt. Wallis, Bez. Visp). 3318 m. Fels- 
spitze, in der Kette zwischen Rimpfischwänge rVorberg 
des RimpÜschhoms) und Ober Rothorn, die die Täschalp 
von der Findelenalp trennt. Vom Wirtshaus auf der Flah- 
alp aus in 2 Stunden oder von demjenigen auf der Täsch- 
alp aus in 4 Stunden zu erreichen, aoer nur selten besucht 

FLUHHOTTEN (Kt. Luzem, Amt Entlebuch, Gem. 
Fiühli). 1174 m. Gruppe von 4 Häusern, im MarienthaK 
am linken Ufer der Waldemme; 1 km so. Sörenberg. 
8 km ssö. über Fiühli und 18 km s. der Station Schupf- 
heim der Linie Bem-Luzern. 43 kathol. Ew. Alpwirt- 
schaft. 

FLUHSEELI (Kt. Bern, Amtsbez. Ober Simmenlhal). 
2045 m. Kleiner Gebirgssee, auf einer Felsterrasse am 
NW.-Hang des Wildstrubel (3251 m) und ö. unter dem 
Fluhhom (2141 m). Liegt in einer in ein Neocomge wölbe 
eingeschnittenen Senke, die früher als kleines Langstbal 
gegen den Rätzligletscher zu entwässert worden sein 
muss, bis eine von diesem abgelagerte mächtige Ufermo- 
räne das Thal oben abgeschlossen, den reizenden kleinen 
See aufgestaut und den Bach gezwungen hat, seinen We^ 
in schäumenden Fällen über die Felswände oberhalb Rätz- 
liberg (die sog. Sieben Brunnen) zu nehmen. Der Blick 
auf den mit Moos überkleideten Fels wall, der den See 
vom Abgrund trennt, über welchen sein Bach zu Thal 
schiesst, ist prachtvoll. Von der Lenk aus führt ein schwind- 
liger Fussweg in 3Vt Stunden über die Felswände von 
Sieben Brunnen zum Fluhseeli hinauf. 

FLUHWALD (Kt. Appenzell A. R., Bez. Hinterland). 
1000-1522 m. Wald, über dem linken Ufer der Umäsch 
und am S.-Hang des Spitzli, 4 km s. Umäsch. Fläche 
300 ha. 

FLUMENTHAL (Kt. Solothum, Amtei Lebern). 438 
m. Gem. und Pfarrdorf, am linken Ufer der Aare und 
nahe der Einmündung der Siggem ; 500 m s. der Strasse 
Olten-Solothum u. 2,8 km nö. der Station Luterbach der 
Linie Olten-Biel. Postbureau ; Postwaffen Solothum-Nie- 
derbipp. Gemeinde, mit Neuhüsli : 62 Häuser, 483 kathol. 
Ew.; Dorf: 52 Häuser, 374 Ew. Kirche zu St. Peter und 
Paul. Landwirtschaft. Herstellung von G^rtenmöbeln. Die 
Bewohner arbeiten in der Zementfabrik Vigier, der Zellu- 
losefabrik Attisholz und andern benachbarten industriellen 
Betrieben. Fund eines Bronzebeiles; grosse römische 
Siedelung in der Scharlenmatt (nahe der Grenze gegen 
den Kanton Bern). 

FLUM8 (Kt. St. Gallen, Bez. San^ns). 455 m. Gem. 
und grosses Pfarrdorf, zwischen dem Schilzbach und dem 
Seezkanal und am N.-Fuss des Kleinbergs. Station der 
Linie Rapperswil-Wesen-Sargans. Postbureau, Telegraph, 
Telephon. Die Gemeinde Flu ms ist an Fläche die dntt- 
grösste des Kantons und umfasst das Thal des Schiizbachs 
bis zur Grenze gegen Glams, einen Teil der von der Seet 
durchflossenen Ebene und des W. -Hanges der Alvierkette. 
Gemeinde, mit Hoch wiesen, Grossberg (Bühl, Hinterberg, 
Mittelberg u. Vorderberg) und Kleinberg (Klefalau, Por- 
teis und Rutz) : 620 Häuser, 3567 Ew., wovon zum vierten' 
Teil Reformierte; Dorf: 370 Häuser, 2379 Ew. Ackerbau 
und Viehzucht. Flums ist eines der grössten Dörfer des 
Kantons, in dem intensive industrielle Tätigkeit herrscht : 
eine Baumwollspinnerei, mechanische Werkstätten und 
eine Calciumkarbidfabrik. Schöne neu erbaute Kirche, 
Sekundärschule ; mehrere gemeinnützige, kirchliche und 
politische Gesellschaften und Vereine. 766 als Flamen 
bischöflicher Meierhof; 881: Ad Flumina. Im 14. Jahr- 
hundert bestand in Flums ein grosses Eisenwerk mit 
Giesserei und Hammerwerken. Die Herrschaft Flums seit 
1528 Eigentum des Geschlechtes Tschudi aus Glarus, das 
sie dem Bischof von Chur abgekauft hatte. Auf der nahen 
Bur^ Gräplang wohnte der berühmte Geschichtsschreiber 
Aegidius Tschudi. Im 18. Jahrhundert ging Flums an das 
Geschlecht Good aus Mels über. 1764 verursachte eine 
Ueberschwemmung in Dorf und Umgebung grosse Ver- 
heerungen. Bei der Burgruine Gräplang hat man ein 
Bronzebeil gefunden ; römische Ruinen bei Colsersch. 

FLUNTERN (Kt., Bez. und Gem. Zürich, Kreis Zü- 
rich V). Einstige AussenKemeinde der Stadt Zürich, jetzt 



FLU 



FOI 



131 



mit dieser vereiniet und ihrem 5. Yerwaltungskreis an- 
gegliedert. ErstrecKt sich vom Kantonsspital (455 m) bis 
auf die Höhe des Zürichbergs (679 m), an dessen Hang 
sich zahlreiche schöne Aussichtspunkte finden. Kirchge- 
meinde. Am Schmelzberg und beim Polytechnikum hat 
man römische Münzen gefunden ; alemannische Kultus- 
stätte (Betbur). Kommt urkundlich schon 820, also zur 
Zeit Karls des Grossen, als Flobotisreine vor; 1144-1158: 
Fluontrein und Fluntrein. 1253 heisst Fluntem bereits 
ein Dorf oder Vorstadt {villa seu suburbiumj. Eigenes 
Edelgeschlecht, in Grundbüchern ums Jahr 1150 er- 
wähnt; seine kleine Burg stand auf der grossen Spitaler- 
wiese (vor dem Kantonsspital). Die bedeutendsten Grund- 
besitzer auf dem Gebiete von Fluntem waren das 
Chorherrenstift in Zürich, die Abtei zum Frauenmünster 
und das Augustinerkloster in Zürich und endlich die 
freien Leute am Zürichberg. Den Zehnten erhob die 
Propsteikirche in Zürich ; das hohe Gericht war mit der 
städtischen Reichsvogtei verbunden, bis es 1363 an den 
Propst des Chorherrenstiftes zu Zürich überging. Das 
gleiche war ohne Zweifel 'auch mit der niedem Gerichts- 
barkeit der Fall. Mit dem Zehnten hing die Pfarrge- 
nössigkeit Fluntems in die Kirche des zürcherischen 
Chorherrenstiftes zusammen. Auf Boden der Gemeinde 
Fluntem lag das Augustiner Chorherrenstift St. Martin 
auf dem Zurichberg (jetzt Altes Klösterli geheissen), das 
1127 begründet und bei der Reformation 1525 zusammen 
mit allen andern Klöstern im Kanton Zürich aufgehoben 
worden war. Unter den Kriegsereignissen des Jahres 
1799 hatte Fluntem Vieles zu leiden; im Herbst 1802 
wurde es von den Trappen des helvetischen Generals 
Andermatt besetzt, der hier während der Zeit seiner Be- 
schie88ung[ der Stadt Zürich sein Hauptquartier aufschlug. 
1893 zugleich mit den übrigen Aussengemeinden mit der 
Stadt Ärich vereiniget. Vergl. Denzler, J. R. Fluntem, 
die Gemeinde am Zurichberg. Horgen 1858. — Nüsche- 
ler, Am. Ein histor, Gang durch die Nachbargenieinden 
der Stadt Zürich in Salomon Vögelins Werk Das alte 
Zürich. 2. Aufl. 1890 ; mit Karte. — Memorabilia Tigu- 
rina, S. auch den Art. Zürich (Stadt). 

FLUORS (LAS TRAIS) (Kt. Graubünden, Bez. 
Maloia). Reihe von drei Felszähnen, zwischen Piz Ot und 
Piz Padella, w. über Samaden im Ober Engadin und 
4-5 Stunden nw. über Celerina. Beliebtes Exkursionsziel 
für Liebhaber von Kletterpartien. V^ährend die W.-Spitze 
(2957 m) und der zentrale Zahn dem geübten Alpinisten 
keine grossen Schwierigkeiten machen, erfordert die Be- 
steigung der O.-Spitze viel Kaltblütigkeit und Geschick- 
lichkeit. Las Trais Fluors = die drei Blumen. 

FLURINS (Kt Graubünden, Bez. Inn, Kreis Obtasna, 
Gem. Tarasp). 1^6 m. Gmppe von 6 Häusern, auf einer 
Terrasse über dem rechten Ufer des Inn, im Unter En- 
gadin, 4 km 8W. Schuls und am NW.-Fuss des Piz La- 
vetscha. ^ kathol. Ew. romanischer Zunge. Alpwirlschaft. 
FLURLINQENjKt. Zürich, Bez. AndelUngen). 400 m. 
Gem. und Pfarrdorf, am linken Ufer des Rhein und 2,2 
km 8. vom Bahnhof Schaffhausen. Postablage, Telephon. 
Die Gemeinde zieht sich vom W.-Hang des Kohlfirst bis 
zum Rhein und zählt, mit Gründenstrasse, in 108 Häusern 
902 Ew., wovon 172 Katholiken ; Dorf: 103 Häuser, 882 
Ew. Von Bedeutung ist der Weinbau ; daneben auch 
Ackerbau u. Viehzucht. Thonwaaren- und Bindfadenfabrik. 
Bekannt sind die interalazialen Tuffe von Flurlingen, die 
fossile Pflanzen- und Tierreste enthalten (so von Rhino- 
ceros Merkii), Auf der Tafelfläche des Kohlfirst ein ReAi- 
gium mit Wall und Graben. Einige römische Münzen. 
895^96: Flurlingin. 

FLY und FLYBACH (Kt. St. Gallen, Bez. Gaster, 
Gem. Wesen und Amden). S. die Art. Fli und Flibach. 

FHt (PASSO) (Kt. Wallis, Bez. Bng). 2856 m nach 
der italienischen Karte. Passübergang, wenig begangen 
und fast nur von Schmugglern benutzt, zwischen Pizzo 
Fn6 und Pizzo di Avino, zwei so. Vorbergen des Monte 
Leone. Verbindet die Alpweide und das Hotel Veglia (Ita- 
lien) mit Gondo oder Afgaby. Ve^lia-Passhöhe 3 */„ Pass- 
höhe-Gondo 3 ^/^ Stunden. Gneise (Monte Leone-Gneise) 
mit vielen Zeichen einstiger Gletscherwirkun^. Auf 
Schweizerseite unterhalb der Passhöhe drei reizende 
kleine Seen, die, wie auch der am italienischen Hang 
liegende Lago d' Avino, der Glazialerosion ihre Entstehung 



verdanken. Der eine dieser Seen von einer Moränenbarre 
abgeschlossen. 

FNfe (PIZZO> (Kt. Wallis, Bez. Bng). 2932 m. Gipfel, 
so. Vorberg des Monte Leone, ö. über dem Simplonpass 
und zwiscnen Monte Carnera und Monte Leone. Die Ita- 
liener von Veglia geben den Namen des Pizzo Fnö dem 
sonst allgemein Monte Carnera oder Pizzo Valgrande 
J2871 m) geheissenen Gipfel, während die Siegfried karte 
ihn dem Punkte 2932 m beilegt. Vom Passo Fnä aus in 
Vi Stunde leicht zu ersteigen ; ist auch vom Passo de 
Loccia Camera (2802 m ; auf der Siegfriedkarte mit 2740 
m kotiert, aber unbenannt) aus in 35 Minuten erreich- 
bar. Aussicht ohne besonderes Interesse. 

FÖ. Ortsname, in der italienischen Schweiz häufig 
vorkommend ; bedeutet s. v. a. Buche (Fagus). 

F6 (VAL DI) (Kt. Tessin, Bez. Valle Maggia). Nördli- 
cher onerster Arm des Val Salto, eines Seitenthales zum 
Val Maggia, das beim Dorfe Maggia in dieses ausmündet. 
Das Val di Fö steigt vom Pizzo Piancaccia (2358 m) ab 
und ist mehrfach verzweigt. Alp weiden und au den Hän- 
gen etwas Wald. Der obere Abschnitt kahl, mit Sturz- 
trümmern übersät und von Gneiswänden umrahmt. 

FOCHSCNFLUH (Kl. Freiburg, Bez. Greierz). 
1978 m. Gipfel, teilweise mit Rasen bestanden, in der 
Gmppe des Schöpfen spitzes, zwischen Jaunthal und 
Schwarzsee (Lac Domäne). Vom Schwarzsee oder von 
Jaun (Bellegarde) aus über den Col des Neuschels (1580 m) 
in je 3 Stunden zu erreichen. Schöne Aussicht auf die 
Berner Alpen ; selten besucht. 

FOEBBIA (Kt. Tessin, Bez. Locarno). 2104 m. 
Schroffe Felsspitze, in der Kette zwischen Val Verzasca 
und Val d'Agro; 1,5 km n. über Lavertezzo und 4 km so. 
über Brione. 

FOEGLIA (VAL DELLA) (Kt. Graubänden, Bez. 
Inn). 2600-1680 m. Seitenthal des untem Spölthales, steigt 
vom Gebirgsstock des Piz del Diavel rasch nach ONO. ab. 
Im Obern Abschnitt kahl und voller Felstrümmer, weiter 
unten bewaldet. 

FCEHNENBERG (AUSSER, MITTLER u. UN- 
TER) (Kt. Schwyz, Bez. und Gem. Gersau). 1032-863 m. 
19 über dem Vierwaldstättersec an steilem und mit Na- 
gelfluhblöcken übersätem Hang zerstreut gelegene Häu- 
ser, 425 m über dem Seespiegel ; 2 km nö. der Dampf- 
schiffstation Gersau und 5,5 km w. der Station Brunnen 
der Gotthardbahn. 122 kathol. Ew. Alpwirtschaft. 

FCEHRENKOPF (Kt. St. Gallen, Bez. Werdenberg). 
1810 m. Schöner Felskopf, in der Kette des AI vier, 3 km 
sw. über dem Voralpsee. Besteht aus steil aufgerichteten 
Kreideschichten und steht über einen antiklinalen Neo- 
comkamm mit dem Höchst (2028 m) in Verbindung, der 
sich in der Hauptkette zwischen Sichel kämm und Tris- 
tenkolben erhebt. 

FCELLMIS oder FiCLLMIS (Kt. und Bez. Schwyz, 
Gem. Muotathal). 580 m. Dorf, auch Feldmoos oder Vor- 
derbrück geheissen, in schöner Thalebene zu beiden Sei- 
ten der Muota, an der Strasse Schwyz-Muotatbal, 2 km 
w. vom Dorf Muotathal und 10 km so. vom Bahnhof 
Schwyz-Seewen. Postwaj^en Schwyz-Muotathal. 28 Häu- 
ser, 209 kathol. Ew. Brücke über die Muota. Ackerbau 
und Viehzucht. Am 30. September und 1. Oktober 1799 
Kampf zwischen den Franzosen unter Mass^na und den 
Russen unter Suwaroff. 

FCERSTLEN (Kt. Solothurn, Amtei Baisthal, Gem. 
Mümliswil). 650 m. Fünf am rechten Ufer des Ramiswil- 
bachs zerstreut gelegene Häuser; 1,2 km w. Mümliswil 
und 5,5 km nw. der Station Baisthal der Linie Oensin- 
gen-Balsthal. 30 reform, und kathol. Ew. Wiesenbau. 

FCERSTLI oder KLEINFORST (Kt. und Amtsbez. 
Bern, Gem. Bumpliz). 558 m. Gruppe von 4 Häusern, am 
rechten Ufer des Gäbelbachs, 5 km w. Bümpliz und 500 m 
w. der Station Riedbach der direkten Linie Bem-Neuen- 
burg. 43 reform. Ew. 

FOGGENHORN (Kt. Wallis, Bez. ßrig). 2578 m. 
Begraster Gipfel, in der Kette zwischen Gredetschthal 
und Massascnlucht ; Teil der zur Gemeinde Birgisch ge- 
hörenden Alpweide Nessel. 5 V« Stunden über Brig und 
2-3 Stunden über Beialp. 

FOIL COTSCHEN (Kt. Graubünden, Bez. Plessur). 
2457 m. Gipfel, sw. Vorberg des Parpaner Rolhorns 
(2870 m), in der NW.-Wand des die Alp Sanaspans ab- 



482 



FOI 



FOL 



schliessenden FeUenzirkus und 3,5 km so. über Parpan. 
Foil = Grat, Kamm ; Cotschen = rot. 

FOILLEU8AZ (LA) (Kt. Wallis, Bez. Monthey). 
1822 m. Begraster Rücken, in dem von der Pointe de 
Mossettaz nach NO. auszweigenden und das Thälchen 
von Morgins vom Yai d'Illiez trennenden Kette; 1 V, 
Stunden über^ Morgins, beliebtes Ausilugsziel der dorti- 
gen Kurgäste. 

FOIRAU8AZ (LA) (Kt. Waadt, Bez. ßchallens, Mou- 
don und Yverdon). Bach. S. den Art. Foyrausaz (La). 

FOIREU8E8 (LE8) (Kt. Wallis, Bez. Entremont). 
9061 m. Kamm, zwischen Öol d'Annibal und Col de Mou- 
lena, in der vom Mont Velan nach SW. abzweigenden 
und mit dem Mont Mort über dem Hospiz auf dem Gros- 
sen St. Bernhard verschmelzenden Kette. Der verwitterte 
Kamm erhebt sich über der italienischen Combe de Mou- 
lena und dem schweizerischen Thälchen von Perche oder 
Proz. Besteigung ohne besonderes Interesse, kann von 
der Cantine de Proz aus in 4 Stunden leicht ausgeführt 
werden. Auf der Ausgabe 1901 des betr. Siegfried-Blattes 
Pointes de Moulena geheissen. 

FOJORINA (CIMA DI) (Kt. Tessin, Bez. Lugano). 
1812 m. Gipfel, über dem Yal Colla und unmittelbar n. 
vom Monte Torrione (1810 m), auf der 

Landesgrenze gepen Italien« 12 km nö. 

Lugano und 5 Km nw. über der am 
NO. -Ende des Luganersees gelegenen 
Ortschaft Porlezza. 

FOJORINA (PA880) (Kt. Tessin, 
Bez. Lugano). 1716 m. Passübergang, 
nö. unter der Cima di Fojorina und 
s. der Bocchetta di San Bemardo. Auf 
der Landesgrenze eegen Italien. Yerbin- 
det das obere Yal C^lla mit der ita- 
lienischen Alpweide Fojorina. 

FOLDA (VAL) (Kt. Tessin, Bez. 
Leventina). 2030-500 m. Kleiner rechts- 
seitiger Nebenarm zur Leventina (Tes- 
sinthal) ; steift vom Poncione Piategna 
sehr steil nach NO. ab und mündet bei 
Tirolo, 1 km nw. Giomico, aus. Der 
Thalbach biegt beim Austritt aus dem 
Yal Folda im rechten Winkel nach SO. 
ab, nimmt den Bach des benachbarten 
Yal Osadigo auf und mündet erst i km 
unterhalb Giornico in den Tessin. 

FOLERA (PIZZO) (Kt. Tessin, 
Bez. Leventina). 2658 m. Gipfel, Aus- 
läufer des Cristallina und von ihm 
durch das Yal Torta getrennt, 3 km ssö. 
überYilla im Bedrettothal. Fällt nach 
W. mit schroffen Felswänden zur Alpe di Folera ab. 

FOLLAT (MONT) (Kt. Wallis, Bez. Entremont). 
3671 m. Bedeutender (ripfel in der (Gruppe des Combin. 
Auf der Siegfried karte irrtümlich als Petit Combin ver- 
zeichnet. S. den Art. Foülat (Moni). 

FOLLATERRE8 (LE8) (Kt. Wallis, Bez. Martinach, 
Gem. Fully). 593 m. Felskopf« rechts über dem grossen 
Knie der Rhone (gegenüber Martinach. Metamorphische 
(jesteine mit schonen Gletscherschliffen, die vom einsti- 
gen Bhonegletscher herstammen. Dieses Felskap wird 
von dem wenig über der Rhone durchziehenden Fuss- 
weg von Le Roz6 und von dem höher gelegenen Weg 
Branson-Alesses überschritten. Sehr interessante Flora 
und Insektenfauna. Les Follaterres werden von den Bota- 
nikern häufig besucht, die hier schon zu Beginn des 
Frühjahres mehrere seltene und bemerkenswerte Arten 
finden. Im Februar blüht Bulbocodium vernum, ein der 
südUchen Flora angehörendes Liliengewächs; etwas spä- 
ter öffnen sich die ihrer Schönheit wegen so geschätzten 
Blumen der Adonis vemalis und Anemone montana, 
dann Oxytropis pilosa^ Helianthemum salicifolium, 
mehrere Veilchenarten, wie Viola rupcstris, V. Beraudii 
u. a. Nahe Les Follaterres, über Branson, blüht auch 
schon im Februar die äusserst seltene Gagea saxatüis. 
Näheres über die Flora s. im Artikel Wallis. 

FOLLAT8 (LES) (Kt. Wallis, Bez. Entremont). 3371 
und 3130 m. Erster Abschnitt des Grates, der vom Mont 
Foulat nach NO. abzweigt und sich links über dem Mit- 
tellauf des Corbassi^regletschers, nahezu gegenüber der 



Hütte von Panoesiere des S. A. C. erhebt. 1896 zo einem 
Teil begangen. 

FOLLIAZ (Kt. Freiburg, Bez. Gläne, C^em. Yillarim- 
boud). 796 m. Gruppe von 7 Häusern, nahe dem Wald 
Au Bois, 800 m sw. Yillarimboud und 2 km n. der Sta- 
tion Villaz-St. Pierre der Linie Bern-Freiburg-Lausanne. 
38 kathol. Ew. Getreide- und Kartoffelbau, Viehzucht und 
Milchwirtschaft. Schöne Aussicht auf Neuenburger- und 
Murtensee und die Landschaft am Mont Gibloux. 

FOLLIAZ (PLAN)(Kt. Wallis, Bez.. Entremont). Alp- 
weide mit Hütte, am W.-Hang des Mont Catogne (1934 m), 
nahe der Kontaktzone zwischen dem Protoginmassiv und 
den Porphyrschiefern. S. den Art. Catogne (Mont). 

FOLLIERAN (DENT DE) (Kt. Freiburg, Bez. Grei- 
erz). 2332 m. Schroffe und spitze Felspyramide, einer 
der höchsten Gipfel der Freiburger Alpen ; in der Kelle 
der Vanils oder des Vanil Noir, zwischen dem Thal des 
Mot^lon und dem Yal Ion des Morteys (dem oberslen Ab- 
schnitt des Vallon du Rio du Mont). Schwierig zu be- 
steigen und selten besucht; von der Hütte Les Morteys aus, 
die als Nachtquartier dient, in etwa zwei Stunden zu er- 
reichen. Zudem zieht ihr Nachbar, die höhere und dazu 
weit leichter zugängliche Dent de Brenleire, natürlicher- 




Dent de Folliertn« von der Dent de Brealtire ilqs. 



weise die wenigen von Chäteau d*C£x oder Charmey aus 
hierher vordringenden Touristen mehr an. Besteht aus 
obern Jura- und Neocomschichten, die gegen Les Mor- 
teys zu stark überliegen. Am Freiburger Hang kann man 
die ganze Schichtenreihe bis zur Trias ni nun ter verfolgen. 

FOLLIERAN (PETIT) (Kt. Freiburg, Bez. Greierz). 
2134 m. Felszahn, im Grat zwischen Dent de Follieran 
und Le Galero oder Seile des Morteys (2196 m). Selten 
bestiegen, obwohl von Morges aus in 2 Stunden erreichbar. 

FOLLIGEN (Kt. Uri, Gem. Seelisberg). 525 m. Weiler, 
am S.-Hang des Yierwaldstättersees, 1 km nw. Seelisberg 
u. 1 km. sw. über der Dampfschiffstalion Treib. 20 Häuser 
und Ställe, 49 kathol. Ew. Kapelle. Schöne Aussicht auf 
Brunnen, Schwyz, den Yierwaldstättersee und das Um- 
gelände. 

FOLLIU BORNA (Kt. Freiburg, Bez. Gläne). Fels- 
kopf. S. den Art. Borna (Folliü). 

FOLLY, FOLLIU, FOLLIERAN, FOILLEUX, 
FOLLIAUX. So heissen in der französischen Schweiz 
oft Berghänge, Alpweiden, Sonnberge und Siedelungen, 
wo sich ursprünglich Gebüsch oder Gruppen von Laub- 
holzbäumen fanden. Gegensatz zu andern, mit Nadelholz 
bestandenen Lokalitäten. 

FOLLY oder FOULY (LA) (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont). 1597 m. Alpweide mit etwa einem Dutzend Hütten, 
am rechten Ufer tier Dranse de Ferrel, am W.-Fuss des 
Mont de la Folly u. 14 km s. über Orsieres. Schöne 
Aussicht auf den Gletscher und Felsenzirkus La Neuva, 
deren Schmelzwasser hier mit ihren Geschieben den 



FOL 



FON 



133 



Thalboden ^a einem weiten ebenen Plan aufgeschüttet 
haben. Fahntrasse nach Oni^res. Hier biegt das Val 
Ferret aus seiner ursprünglichen NW.-Richtung nach 
NNO. ab. 

FOLLY (LE) (Kt. Waadt, Bez. Vevey). 1734 m. Gipfel, 
w. Yorberg der den Gol de Jaman mit aem Mol^son ver- 
bindenden Kette; l^/« Stunden über Les Avants, Ausflugs- 
ziel der Kurgäste von Montreux und Les Avants. Schöne 
Aussicht auf den Genfersee. Gehört zusammen mit dem 
Mollard zu der kleinen Gruppe von Waldbergen, die sich 
zwischen dem Oberlauf der Veveyse und der Baie de Mon- 
treux erheben. 

FOLLY (BOI8 DU) (Kt. Waadt, Bez. Aigle). 1760 bis 
i960 m. Tannenwald, am SO.-Hang des SW.-Grates des 
Chaussj, unmittelbar über der Terrasse von Chersaulaz ; 
4 km no. über Le S^pey. 

FOLLY oder FOULY (MONT DE LA) (Kt. Wallis, 
Bez. Entremont). 2878 m. Gipfel, in der Kette der £ches- 
settes, zwischen Val Ferret und Combe de LA. Sein fel- 
siger und tief von Runsen zerfressener NW.-Hang fallt 
steil zum Weiler Folly (im Val Ferret) ab, während sein 
sanfterer SO.-Hang mit Alpweiden bestanden ist, die zum 
Alpweidenbezirk von La Vouasse (in der Combe de LA) 
gehören. Besteigung sehr leicht, entweder von Ferret 
aus über den Col du Basset in 3 Stunden oder von den 
Hütten von Tzissettaz fin der Combe de LA) aus in 2Vb 
Stunden. Prachtvolle Aussicht auf die schweizerischen 
und italienischen Flanken des Mont Blanc Massives. 

FOLPOTAT (LEjf (Kt. Bern, Amtsbez. Delsberg, Gem. 
Soulce). 726 m. Zwei Meierhöfe, im obern Abschnitt des 
Thaies von Soulce, 7 km ö. Undervelier und 8 km nw. 
Münster; zwischen der Kette des Mont Vellerat im N. und 
der Montagne de Montier im S. Den gleichen Namen 
legt man auch in weiterem Sinne dem ganzen ö. Abschnitt 
d^ Thaies von Soulce bei, der im N. vom grossen Wald 
des Droit du Folpotat (870 m) und im S. vom Wald des 
Envers du Folpotat (1003 m) abgeschlossen ist. 

FOND DE VAL oder FONDEVAL (Kt. Bern, Amts- 
bez. Freibergen. Gem. Saint Brais). 800 m. Meierhof, in 
der Combe du Tabeillon ; 1,7 km so. Saint Brais. Hier 
die Station Saint Brais der Linie Glovelier-Saignel^gier. 
FONDEI (Kt. Graubünden, Bez. Plessur, Kreis Schan- 
figg. Gem. Langwies). 1300-1968 m. So heisst der rechts- 
seitige Hang des vom Fondeierbach entwässerten Fondeier- 
thales. Mehrere Gruppen von Häusern und Hütten : Blak- 
ten, Meierhof, Strassoerg u. a. 4 km nö. Langwies. Postab- 
lage. Zusammen 35 Häuser, 88 reform. Ew. deutscher 
Zunge. Alp Wirtschaft. 

FONDEIERBACH (Kt. Graubünden, Bez. Plessur). 
Wildbach ; entspringt n. der Weissfluh am Casannapass 
in 2300 m, durchmesst das Fondeiprthal und mündet nach 
8 km langem Lauf in w. und sw. Richtung 1 km. ö. Lang- 
wies in 1400 m in den Sapünerbach. 

FONDEIERTHAL (Kt. Graubünden, Bez. 
Plessur). 2300-1400 m. Rechtsseitiges Neben- 
thal zum Schanfigg; steigt vom Duranna- u. 
Casannapass, über die es mit dem Prätigau 
(Conters und Semeus) verbunden ist, nach 
SW. ab und mündet 1 km oberhalb Langwies 
ins Schanfigg aus. Mit Ausnahme des unters- 
ten engen und steilen Abschnittes weit und 
mit sanften Gehängten, auf denen schöne Alp- 
weiden und zahlreiche, z. T. auch im Winter 
bewohnte Hütten und Weiler liegen. Vom 
Fondeierbach entwässert. Von Lan^ies bis 
zum Weiler Strassberg (1913 m) kleme Fahr- 
strasse, dann eine Strecke weit noch ein ru- 
ter Fussweg. Vom Fondeierthal aus weraen 
Mattlishorn, Kistenstein und Weissfluh ihrer 
schönen Aussicht wegen oft besucht. 

FONDEMENT (AU) (Kt. Waadt, Bez. 
Aigle, Gem. OUon). 870 m. Haus mit Neben- 
gebäuden, im Thal der Gryonne, unterhalb 
Arveyes; als einer der Stolleneingänge des 
Salzbergwerkes von Bex bekannt; 5 km nö. 
Le B^vieux. 5 reform. Ew. Schon im 16. Jahr- 
hundert hatten sich hier die Bewohner von 
Arveyes eine Salzquelle zu Nutze gemacht, zu deron 
besseren und konzentrierteren Fassung dann im Jahre 
1684 der erste Stollen der Salinen getrieben wurde. Dieses 



Unternehmen hatte den gewünschten Erfolg, indem nun 
die Quelle stärker und mit grösserem Salzgehalt hervor- 
brach. Es war dies der erste Versuch zum Abbau der 
Salzlager von Bex. Lias und Trias (Gips). Vergl. den Art. 
Bex. 

FONDEVAL (Kt. Bern, Amtsbez. Freibergen, Gem. 
Saint Brais). Meierhof. Siehe den Art. Fond de Vaj.. 

FOND8 (COMBE DE8) (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont). Kleines Thal. S. den Art. Combe des Fonds. 

FOND8 (GLACIER DE8) (Kt. Wallis, Bez. Saint 
Maurice). 2800-2300 m. Kleiner Gletscher, im obersten 
Abschnitt des kleinen Thaies von Barberine und an den 
letzten Steilhängen des Mont Ruan und der Tour Sal- 
lieres. 300 m lang und im Maximum 1,1 km breit. 

FONGE8 <LE8) (Kt. Bern, Amtsbez. Freiheiten, 
Gem. Les Breuleux). 1045 m. Gruppe von 6 Bauernhöfen, 
am Rand eines lichten Waldes ; 2,5 km sw. Les Breu- 
leux und 1,4 km Ö. Le Peu Chapatte. Postwagen La Fer- 
riere-Les Breuleux. 42 kathol. Ew. Rauhes Klima, 
Boden sehr wenig ergibig. 

FON8 (Kt. Bern, Amtsbez. Burgdorf, Gem. Oberburg). 
600 m. Gruppe von 6 Häusern, 1 km sw. der Station 
Oberburg der Linie Burgdorf-Langnau. 39 reform. Ew. 
Ehemaliges Bad. 

FONT, FONTAINE, FONTANA, FONTANEY, 
FONTANELLE8 etc. Ortsnamen, in der französischen, 
italienischen und romanischen Schweiz sehr häufig vor- 
kommend; vom latein. fonSy /bnt^m = Quelle ; Fontane- 
tum = Ort mit einer oder mehreren Quellen. 

FONT (Kt. Freiburff, Bez. Broye). 465 m. Gem. u. 
schönes Pfarrdorf, am Neuen burgersee; mitten in Wein- 
bergen, Feldern und Wiesen und nahe bei grossen Wal- 
dungen; an der Strasse Yverdon-Estavayer und 2,3 km 
sw. der Station Estavayer der Linie Freiburg-Yverdon. 
Postablage. 39 Häuser, 206 kathol. Ew. Wein-, Getreide-, 
Obst-, Kartoffel- und Tabakbau; Viehzucht. Der Wein 
von Font wird von den Leuten der Gegend sehr geschätzt. 
Von einigen Punkten aus prächtige Aussicht auf den See 
und das Neuenburjzer Ufer. Pfarrkirche zu St. Sulpice. 
Ruine der schon 1011 bestehenden Burg der Herren von 
Font. Von Rudolf III. von Burgund seiner Gemahlin 
Irmengard geschenkt; 1475 von den Freiburgern genom- 
men und zerstört. Von den zwei heute nocn stenenden 
Nebengebäuden der Burg- diente das eine zuerst dem 
Landvogt zur Wohnung und später, unter der Helvetik, 
als Schulhaus. Auf einer Anhöhe über dem See schönes 
Steinkreuz aus dem Ende des 13. Jahrhunderts. Im 10. 
Jahrhundert war Font eine der königlich burgundischen 
Besitzungen jenseits des Jura. Oberherren der Edeln 
von Font waren der Reihe nach die Herren von Gläne, 
die Grafen von Greierz, das durch Heirat in seinen Besitz 
gekommene Geschlecht de Blonay, dann Peter von Sa- 
voyen und seine Nachfolger. Zu Beginn des 14. Jahr- 




Font von SQden. 

hunderts nahmen die Edeln von Font denlNamen der 
Herren von La Meliere an. Nachdem Boniface de la 
Moliere 1520 die Herrschaft Font um den Preis von 



134 



FON 



FON 



17147 Pfunden an die Sladt Freibur^ verkauft hatte, ce- 
staltete es diese zusammen mit ChAtillon und Le Chäbles 
zu einer Landvogtei um, die später mit der von Vuissens 
vereinigt wurde. Am Hafenausgang Schalensteine; Pfahl- 
bau aus der Steinzeit mit zahlreichen Nephritfunden. Bei 
der Pointe du Pilard hat man Statuetten aus Bronze, 
römische Münzen und einige eiserne Gegenstande franki- 
scher Herkunft aufgedeckt. 

FONTAI jfKt.Tessin, Bez. Locamo, Gem. Brionesopra 
Minusio). 1041 m. Alpweide mit Gruppe von 12 im 
Frühjahr und Herbst bezogenen Hütten, im Val Resa, 
3 Stunden nö. über dem Bahnhof Locarno. Der Name 
rührt von den zahlreichen oberhalb der Hütten aus dem 
Felsen sprudelnden kalten Quellen des Wildbaches Na- 
vegna her. 

FONTAINE (LA) (Kt. Waadt, Bez. und Gem. Aigle). 
420 m. Quartier der Stadt Ai^le, am rechten Ufer der 
Grande Eau (während die übrigen Quartiere, Le Bourg, 
Le Cloitre und La Chapelle links des Flusses liegen). 
Benannt nach der am Fuss des Hanges sprudelnden star- 
ken und unversieglichen Quelle Le Croisat. 66 Häuser, 
441 reform. Ew. 

FONTAINE (LA) (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. Or- 
mont Dessus). 1150 m. Alpweide mit Gruppe von Hütten, 
am rechten Ufer der Grande Eau, 500 m vom Postbareau 
Vers r^glise. Sommerfrische. Dem Brauch der weniff 
sesshaften Bevölkerung in den Ormonts entsprechend 
nur zeitweise auf wenige Wochen im Jahr bezogen. Zahl- 
reiche Quellen. 

FONTAINE (LA) (Kt. Wallis, Bez. Martinach, Gem. 
Martinach Combe). 800 m. Dorf, an der Strasse Mar- 
tinach-La Forclaz-Chamonix, zwischen Les Rappes und 
Le Sergnieux; 1,5 km sw. La Croix und 4,5 km sw. der 
Station Martinach der Simplonbahn. 32 Häuser, 122 kathol. 
Ew. Kirchgemeinde Martmach. Ackerbau, Viehzucht u. 
Holzhandel. 

FONTAINE (PR£ DE LA) (Kt. Freiburg, Bez. Grei- 
erz. Gem. Vuadens). Weiler. S. den Art. Chez les Capons. 

FONTAINE A IMOl8E (LA) (Kt. Wallis, Bez. Saint 
Maurice). Ca. 1500 m. Quelle; entspringt einer Fels- 
wand am Weg Salvan-Salanfe, 30 Minuten jenseits Van 
Haut. Beliebte Haltestelle der Touristen. 

FONTAINE ANDR6 (Kt. u. Bez. Neuenburg, Gem. 
La Coudre). 608 m. Landhäuser, Bauernhof und Park- 
anlage, am untern Rand des Chaumontwaldes und über 
dem Weinbaubezirk, 180 m über dem Neuenburgersee u. 
2 km nö. Neuenburg. Reizende landschaftliche Lage. 
Ehemaliges Prämonstratenserkloster, 1143 über einer 
wundertätigen Quelle erbaut, deren Brunnenstube die 
Jahreszahl 1487 trägt. Das Kloster erfreute sich im 13. 
Jahrhundert eines grossen Rufes und reichlich fliessen- 
der Schenkungen : es erhielt 1180 die Kirchenhoheit über 
Cressier, 1190 die Ländereien La Lance, dann die Kirchen- 
hoheit über Meyriez, femer Häuser in Neuenburg, Cres- 
sier und Fontaines. Von den Soldaten von Enguerrand 
de Coucy 1375 geplündert und zerstört, 1444 durch den 
Abt Pierre de Granges wieder aufj^e- 

baut; kam zur Zeit der Reformation j — 

1539 in den Besitz des Staates Neuen- | 
bürg und wurde 1782 von Friedrich dem 
Grossen an den Hauptmann Courant 
verschenkt. Von diesem 1793 an einen 
Herrn Roy verkauft und seit 1825 Ei- 
gentum des Geschlechtes de Perregaux. 
Die Liste der 1143-1539 in Fontaine An- 
dre amtenden 25 Aebte ist uns erhalten 
geblieben. Von den Klostergebäuden 
steht heute wenig mehr als ein Teil 
des Kreuzganges. Unterhalb Fontaine 
Andrö beginnt ein enges Tobel, das 
tiefer unten in das Tobel von Monruz 
übergeht und den Hügelzug Le Mail 
von den Hängen von La Favarge und 
La Coudre trennt. Diese Furche folgt 
einer horizontalen Transversalverschie- 
bung, die unterhalb Fontaine Andrö das 
obere Portland in direkten Kontakt mit 
dem untern Valangien bringt. Weiter unten, bei Mon- 
ruz, stossen auf dieselbe Art der gelbe Fels des Hauteri- 
vien und das obere Urgon unmittelbar zusammen. Vergl. 



Quartier-La-Tente, Ed. Le Canton de Neuchälel. 1. serie 
II: District de Neuchdtel. Neuchätel 1900. 







rjyr' 



Geologischer Querschnitt durch Fontaine Andr6. 

Ml. Molasse; Us. Oberes Urgon; Ui. Unteres Urgon; Ha. Oberes 
Hauterivien; Hi. Unteres Hauterivien; Vs. Oberes Valan- 
gien; Vi. Unteres Valangien: Fb. Purbeck; Po. Portland; 
Km. Kimmeridge. 

FONTAINE AUX ALLEMAND8 (LA) (Kt. W^aadt, 
Bez. La Vall^e, Gem. Le Lieu)* I'I'IO m. Zerstreut gele- 
gene Siedelungen, auf einer Terrasse am SO.-Hang der 
Kette des Mont Risoux, zwischen zwei Waldstreifen ge- 
legen. Mit den Gruppen Les Ordons und Sur Le Cröt zu- 
sammen : 9 Häuser, 43 reform. Ew. 

FONTAINE DE8 iMEULE8 (LA) (Kt. Waadt, 
Bez. Lausanne, Gem. Lausanne und Le Mont). 811 m. So 
heisst die mit schönem ländlichen Brunnen geschmückte 
Kreuzung der Strassen Lausanne-Montherond und Le 
Mont-Chalet ä Gobet ; 5,5 km nnö. Lausanne am W.-Band 
eines Waldes gelegen. Ausflugsziel der Bewohner von 
Lausanne. 

FONTAINE DE880U8 und DE88U8 (Kt. Bern, 



I 



'""^HttS^' 



#;% 



Fontainemelon von SQden. 

Amtebez. Pruntrut, Gem. Charmoille). 680 u. 722 m. Zwei 
Bauernhöfe, in einem engen aber sonnenreicben Hoch- 
thälchen, 500 m s. der Landesgrenze gegen das Elsass ; 



FON 



FON 



135 



2,3 km nö. Charmoille und 1,3 km d. der Strasse Prunt- 
rut-Charmoille-Lützel. 15 katbol. Ew. 

FONTAINE DE880U8 und DE88U8 (Kt. Wallis, 
Bez. Kotremont, Gem. Liddes). 1158 und 1330 m. Zwei 
Gruppen von Siedelungen, am rechten Ufer der Dranse 
d'Entremont und am Fuss des Mont Brül^ und Mont Ro- 
ffneux ; die erstere 2,5 km, die andere 1,7 km n. vom Dorf 
Liddes. Zwischen beiden der Weiler Bive Haute. Fontaine 
Dessus, auf einem Felsspom über der Strassenschlinge 
bei Le Torrent Devant gelegen : 15 Häuser, 44 kathol. Ew. ; 
Fontaine Dessous^ unterhalb der Strasse des Grossen St. 
Bernhard mitten m gut bebauten Feldern gelegen : 9 Häu- 
ser, 43 kathol. Ew. Im Sommer Postwagen Orsidres-St. 
Bernhard. 

FONTAINEMELON (Kt. Neuenburg, Bez. Val de 
Ruz). 870 m. Gem. und Pfarrdorf, an der Strasse Cernier- 
Les Hauts Geneveys, 8 km so. La Chaux de Fonds und 1,5 
km nö. der Station Les Hauts Geneveys der Linie Neuen- 
burg-La Ghaux de Fonds. Postbureau, Telegraph, Tele- 
phon ; Postwagen Cernier-Les Hauts Geneveys. Station der 
im Bau begriffenen Strassenbahn Les Hauts Geneveys- 
Villiers. Gemeinde, zusammen mit einem Teil von Les 
Loges: 61 Häuser, 794 reform. Ew. Kirche, 1902 erbaut. 
Elektrisches Licht ; grosse, 1825 begründete Uhrenfabrik 
mit nahezu 650 Arbeitern. Es ist dies die älteste Uhren- 
fabrik im Val de Huz. 

FONTAINE8 (Kt. Neuenburg, Bez. Val de Huz). 768 
m. Gem. und Pfiai*rdorf, mitten im Val de Huz, an der 
Strasse Valangin-Cemier, 7 km nnw. Neuenbürg und 
2 km so. der Station Les Hauts Geneveys der Linie Neuen- 
burg-La Chaux de Fonds. Postbureau, Telegraph, Tele- 
phon. Postwagen Cemier-Valangin. Gemeinde, zusammen 
mit Les Convers und einem Teil von Les Loges : 71 Häu- 
ser, 634 reform. Ew. : Dorf : 52 Häuser, 533 Ew. Acker- 
bau un4 Industrie. Uhrenmacherei, Käserei, Parketterie. 
Buchdruckerei, druckt 6 kleine Zeitungen. In Les Convers 
Zementfabrik. Alte Siedelung ; 500 m sw. vom Dorf hat 
man Ruinen einer römischen Villa aufgedeckt. Kapelle 
1151 urkundlich erwähnt ; Kirche 1386 erbaut, 1530 um- 
gebaut u. Kirchturm 1686 fertig erstellt. Pfarrei u. Kirche- 
Fontaines durch Breve des Papstes Leo X. 1517 der Pfarr- 
kirche Va- 
langin an-, 
gegliedert. 
Die Einnah- 
men der 
Pfarrei Fon- 
taines be- 
trugen 24 
Goldduka- 
ten. Seit 
1850 katho- 
lische Ka- 
pelle. Fon- 
taines war 
1848-1878 
Hauptort 
des Bezir- 
kes Val de 
Ruz. 

FON- 
TAINE8 
(Kt. Waadt, 
Bez. Grand- 
son).575m. 
Gem. und 
Dorf, am 
O.-Fuss der 
Kette des 
Chasseron, 
an der 
Kreuzung 
der Strassen 
Grandson- 
Val de Tra- 
vers u. On- 
nens-Ballai- 
Station Grandson der Linie 




Kirche von Fontaines (Kt. Neuenbürg). 



ffues und 3,8 km nw. der 

Neuenborg-Lausanne. Postbureau, Telegraph, Telephon ; 

Postwagen Grandson- Villars-Burquin (im Sommer Grand- 



son -Mauborget) und Grandson -VuitteboBuf. 45 Häuser, 
190 reform. Ew. Kirchgemeinde Fiez. Acker- und etwas 
Weinbau. Die Gemeinde reicht mit Sennbergen und 
Waldungen bis zur Kammlinie des Chasseron hinauf. 
Alte Siedelung ; schon zu Beginn des 11. Jahrhunderts in 
einer vom Konig Rudolf Ili. von Burgund zu Gunsten 
des Klosters Romainmdtier ausgestellten Schenkungsur- 
kunde erwähnt. Zur Zeit der Berner Oberhoheit der Ge- 
meinde Fiez zugeteilt 

FONTAINE8 (LE8) (Kt. Bern, Amtsbez. Courtelary, 
Gem. Mont-Tramelan). 1067 m. Weiler, am N.-Hanff der 
Montagne du Droit 2 km sw. Tramelan Dessus. 10 Höfe, 
79 kathol. Ew. 

FONTAINE8 (LE8) (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. 
Ormont Dessous). 1437 m. Grösster Weiler des Pla- 
teaus von Les Mosses, mit 12 an der Strasse Le S4pey- 
Ghäteau d'(£x zerstreut gelegenen Häusern, wenig 
unter dem Passübergang von Les Mosses; 8 km nö. Le 
S^pey und 16,4 km s. Chäteau d'CEx. 39 reform. Ew. 
Hier das Schulhaus Les Mosses und früher das Post- 
bureau Les Mosses. Postwagen Aiele-Ghäteau d'CEx. Hier 
zweigt auch von der Strasse oer zum reizend gele- 
genen und von den Kurgästen der Ormonts und des Pavs 
d'Enhaut oft besuchten Lac Lioson fahrende Fussweg ab. 
Nahe der Strasse eine Reihe von Quellen, worunter eine 
mit besonders starker Wasserführung. 

FONTAINE8 DU MIDI oder DE DOUAY (LE8) 
(Kt. Wallis, Bez. Saint Maurice, Gem. Collonges). Felsen- 
zirkus mit zahlreichen Wasserfällen, am Fussweg Plex- 
Arbignon (Albinen). Fossile Pflanzen des Karbon. 

FONTAINT6 {TtTWL DE) (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont). 2722 m. Felskopf, sw. Vorberg des Pic de Dronaz 
(2953 m) ; nö. über dem das Hospiz auf dem Grossen St. 
Bernhard mit dem Val Ferret verbindenden Col de Fe- 
ndtre. Von der Passhöhe aus in 20 Minuten leicht zu er- 
reichen ; schöne Aussicht auf die schweizerische Flanke 
des Mont Blanc Massives. 

FONTANA (Kt. Graubänden, Bez. Inn, Kreis Obtasna, 
Crem. Tarasp). 1414 m. Grösste Siedelung der Gemeinde 
Tarasp, auf einer Terrasse über dem rechten Ufer des 
Inn, 4 km sw. Schuls. Postwagen des Engadin. 22 Häuser, 
101 kathol. Ew. deutscher Zunge. Hier die Pfarrkirche der 
Gemeinde. Alpwirtschaft. 

FONTANA (Kt. Tessin, Bez. Leventina, Gem. Airolo). 
1260 m. Kleines Bergdorf mit Holzhäusern, im Val Be- 
dretto, am rechten Ufer des Tessin und 4 km wsw. der 
Station Airolo der Gotthardbahn. Postablage. 26 Häuser, 
118 kathol. Ew. Alpwirtschaft. Die Männer wandern als 
Kellner nach Frankreich und als Bauernknechte nach 
Nordamerika periodisch aus. 

FONTANA (Kt Tessin, Bez. Lugano, Gem. Calprino). 
Dorf. S. den Art. Paradiso-Fontana. 

FONTANA (Kt. Tessin, Bez. Riviera, Gem. Biasca). 
1353 m. Alpweide mit Gruppe von 16 im Frühjahr und 
Herbst bezogenen Hütten, im Val Pontirone, am Weg 
über die Bocchetta Borgeno und 3 Stunden nö. über 
Biasca. Kapelle. Butter und Käse. 

FONTANA (Kt. Tessin, Bez. Valle Maggia, Gem. Ca- 
vergno). 660 m. Weiler, im Val Bavona, am linken Ufer 
der Bavona und 4 km nw. Caver^o. Etwa 20 im Frühjahr 
und Herbst (hier und da bis Weihnachten) bezogene Hüt- 
ten. Butter uud Käse. 

FONTANA (Kt. Wallis, Bez. und Gem. Conthey). 951 
m. Fortsetzung des Dorfes Daillon und etwa 100 m nw. 
über diesem. 20 Häuser, 164 kathol. Ew. Kirchgemeinde 
Conthey-Saint Söverin. Vergl. den Art. Daillon. 

FONTANA (ALP) (Kt. Tessin, Bez. Valle Maggia, 
Gem. Prato Valle Maggia). 1480-2400 m. Grosse u. schone 
Alpweide mit einigen Gruppen von Hütten, am O.-Hang 
des Pizzo Ruscada, im Val Prato und 4 Stunden nö. über 
Prato. Hier sömmem 50 Kühe und 150 Ziegen. Ausge- 
zeichneter Fettkäse, «c paglia » genannt. 

FONTANA (FUORCLA D'ALP) (Kt. Graubün- 
den, Bez. Albula und Maloja). Ca. 2650 m. Wichtiger 
Passübergang, zwischen Piz Forun und dem vom Piz 
Kesch herabsteigenden Porchabellagletscher ; führt von 
Bergan an der Albulastrasse durch das Val Tuors ins Val 
Fontanna-Sulsanna u. nach Capeila (unterhalb Scanfs) ins 
Engadin hinüber. Von Touristen stark begangen. Haupt- 
weg von Bergün aus zu der 200-300 m ö. von der Passhohe 



136 



FON 



FON 



am Gletscherrand auf einer Anhöhe stehenden Keschhütte 
(2fö1 m) des S. A. C, dem Fusspunkt für die Besteigung 
des Piz kesch und einer Reihe von weitern Gipfeln. 

FONTANA (PIZZO) (Kt. Graubänden, Bez. Bernina). 
2806 m. Wenig hervortretender Gipfel, über dem W.- 
Hang des Thaies von Puschlav ; auf der Landesgrenze 
gegen Italien und 3 km über dem Puschlaversee. 

FONTANA MARTINA (Kt. Tessin, Bez. Locamo, 
Gem. Ronco). 367 m. Unbewohnter Weiler, etwa 50 m 
über dem rechten Ufer des Langensees, am O.-Fuss 
des Pizzo Leone und 700 m sw. Ronco. Prachtvolle Aus- 
sicht auf den obem Langensee. Kapelle. Die einstigen 
Bewohner sind alle nach Paris und Florenz ausgewandert. 

FONTANA MERLA, deutsch AMSELguELLE (Kt. 
Graubünden, Bez. Maloia, Kreis Ober Engadin). 1720 m. 
Quelle ; entspringt auf der Grenze zwischen Bevers und 
Ponte-Campovasto, 2 km nö. Bevers und 2 km sw. Ponte 
im Walde ob der Strasse des Engadin. Das Gebiet ober- 
halb Fontana Merla, umfassend die Gemeinden Sils, Sil- 
vaplana, St. Moritz, Celerina. Pontresina, Samaden und 
Bevers heisst Sur oder Ob Fontana Merla, das Gebiet 
von hier abwärts mit den Gemeinden Ponte-Campovasto, 
Madulein, Zuoz und Scanfs Sot oder Unter Fontana Merla. 
Es bildete diese Bezeichnung, die urkundlich zuerst 1338 
vorkommt, anfänglich wohl nur einen geographischen 
Begriff, bis 1438 die Markgenossenschaft des Ober Enga- 
din sich in die beiden Gemeinden Ob und Unter Fontana 
Merla trennte, die nach und nach immer grössere Kom- 
petenzen an sich zogen, bis wieder nach 100 Jahren (1538) 
die Aufteilung des ganzen Ober Engadin in die gegen- 
wärtig noch bestehenden 11 politischen Gemeinden er- 
folgte, womit Ob und Unter Fontana Merla ihre seit 100 
Jahren besessene politische Bedeutung fast ganz ver- 
loren. Heute sind diese Bezeichnungen wieder nur noch 
geographische Begriffe. Vergl. Meuli, Ant. Die Entste- 
hung der autonomen Gemeinden im Ober Engadin. Ghur 
1902. 

FONTANABRAN (COL DE) (Kt. Wallis, Bez. Saint 
Maurice). Ca. 2580 m. Passübergang, zwischen Pointe de 
Fontanabran und Bei Oiseau ; auf der Siegfriedkarte un- 
benannt, nö. von dem dort verzeichneten Punkt 2611 m. 
Verbindet in 2 Vi Stunden die Hütten von Fenestral mit 
denen von Barberine. 

FONTANABRAN (POINTE DE) (Kt. Wallis, Bez. 
Saint Maurice). 2697 m. Hauptgipfel der von der Tour Sal- 
lieres nach S. auszweigenden und die beiden Thäler der 
Barberine oder Eau Noire und des Triege (zweier Zu- 
tlüsse zum Trient) voneinander trennenden Kette. Steigt 
zwischen den Alpweiden Barberine, fimaney und Fenes- 
tral auf und gestaltet dank seiner Lage einen prachtvol- 
len Hundblick auf den Felsenzirkus zwischen Tour Sal- 
lieres und Pointe de Finive im Vordergrund und auf die 
Berneralpen, die Gruppen des Weisshoms, Matterhorns 
und Grand Combin, sowie auf das Mont Blanc Massiv im 
Hintergrund. Besteigung entweder von der Barberine- 
hütte des S. A. C. aus in 2 V, Stunden, oder von den Hüt- 
ten von fimaney oder direkt von Salvan aus in je 6 Stun- 
den oder endlich von Einbaut aus in 4 Stunden. Zusammen 
mit dem Luisin und der Tour Salli^res bevorzugtes Aus- 
Üuffsziel dieses Hochgebirgswinkels. Gehört zu der kry- 
staTlinen Zone der Aiguilles Rouges, die sich bis zum 
Salantin fortsetzt. 

FONTANALBA (Kt. Tessin, Bez. Valle Maggia, Gem. 
Fusio). 1446 m. Alpweide mit Gruppe von etwa 15 im 
Frühjahr und Herbst bezogenen Hütten und Stadeln, im 
obem Abschnitt des Val Lavizzara, zwischen der Maggia 
und einem ihr von links zukommenden kleinen Neben- 
lluss ; 1 km n. Fusio. Butter und Käse. 

FONTANALLE8 (Kt. Freiburg, Bez. Saane, Gem. 
Arconciel). 700 m. Gruppe von 4 Häusern, über dem 
rechten Ufer der Saane, 700 m n. Arconciel (Ergenzach) 
und 11 km s. Freiburg. 23 kathol. Ew. Futter- und Kar- 
tofTelbau. Viehzucht. 

FONTANEDO (Kt. Tessin. Bez. Locamo, Gem. Lo- 
carno, Minusio und Mergoscia). 700 m. Gruppe von 6 
Häusern, auf einem Berevorsprung mitten in Weinber- 
gen ; 1,5 km von der HaTtestelle Reazzino der Linie Lo- 
carno-Bellinzona der Gotthardbahn. Je nach der Jahres- 
zeit 20-30 kathol. Ew., ausschliesslich Familien aus 
Lavertezzo (Val Verzasca). Jede Familie bezahlt der Kirch- 



gemeinde Cugnasco jährlich 5'/« Franken Kirchensteuer, 
ist aber zur heimatlichen Pfarrei Laverlezzo kirchgenös- 
sig. Weinbau und Viehzucht. Starke Auswanderung nach 
Califomien. 

FONTANELLA (Kt. Tessin, Bez. Lugano). 1800-800 
m. Oberer Abschnitt des Val Magliasina, das am Monte 
Gradicioli (s. Vorberg des Monte Tamaro) beginnt und 
2,5 km ö. Ponte Tresa auf den Luganersee ausmündet 

FONTANELLA (Kt. Tessin, Bez. Mendrisio. Gem. 
Morbio Inferiore). 3^ m. Gruppe von 8 Häusern, mit- 
ten in Weinbergen schön gelegen, 2 km n. der Station 
Chiasso der Gotthardbahn (Chiasso-Lugano-Bellinzona)u. 
1,2 km so. Morbio. Postwagen Chiasso-Morbio Inferiore. 
59 kathol. Ew. Acker- und Weinbau. Die männlichen Be- 
wohner wandern als Maurer periodisch in die übrigen 
Teile der Schweiz aus. KalkstPinbruch. Schöne Aussicht. 

FONTANELLA (Kt. Tess^in, Bez. Valle Maggia, Gem. 
Campo). 1578 m. Alpweide mit Gruppe von Hätten, im 
obem Abschnitt des Val Campo, 2 km sw. Campo. Einige 
Familien aus Campo hüten hier beinahe das ganze Jahr 
hindurch die Heerden. Butter und Käse. Ausgezeich- 
nete Quelle (fontanella). 

FONTANELLATE (Kt. Tessin, Bez. Valle Maggia, 
Gem. Cavergno). 760 m. Gruppe von 8 im Juni und Sep- 
tember bewohnten Hütten, im Val Bavona, am O.-Fuss 
des Pizzo di Sologna und 8,5 km nw. Cavergno. Kapelle. 

FONTANELLE (Kt. Wallis, Bez. Entremont, Gem. 
Bagnes). Weiler. S. den Art. Fonteneixe. 

FONTANELLE (ALPE DI) (Kt. Tessin, Bez. Bel- 
linzona. Gem. Isone). 920-1760 m. Alpweide, im Val Ca- 
neggio, am W.-Hang des Monte Camoghe und 5 Stunden 
nö. über der Station Rivera-Bironico der Gotthardbahn 
(Bellinzona-Lugano-Chiasso). Wird mit ISO Kühen und 
70 Ziegen bezogen. Butter, Fett- und Halbfettkäse. 

FONTANELLE8 (COL DE8) (Kt. Wallis, Bez. 
Conthey). Ca. 2100 m. Bequem zu begehender Passüber- 
gang, im Kamm zwischen Mont Gond und Six Bond ; ver- 
bindet die Maiensässe von Conthey durch das Thal der 
Morge mit dem am linken Gehänge des Thaies der Lizeme 
hinziehenden Chemin Neuf. Neocomschiefer und Malm- 
kalke. 

FONTANEY (Kt. Wallis, Bez. Martinach, Gem. (St- 
rahles). 1250 m. Maiensässe mit etwa 20 Hätten und Sta- 
deln, am W.-Ende der schiefen Hochfläche zwischen den 
Thälern der Printze und Fare, 2 km nö. vom Dorf Is^ra- 
bles. 

FONTANEZIER (Kt. Waadt, Bez. Grandson). 828 m. 
Gem. und kleines Dorf, am S.-Hang des Mont Aubert und 
5,5 km nnö. der Station Grandson der Linie Neuenburg- 
Lausanne. Strasse nach Villars - Burauin und weiterhin 
nach Grandson und Champagne. 23 Häuser, 108 reform. 
Ew. Kirchgemeinde Champagne. Ackerbau ; Wälder und 
Sennberge. 

FONTANIX (Kt. St. Gallen, Bez. Sargans, Gem. Vil- 
ters). 640 m. Gruppe von 7 Häusern, am Fehrbach, 3 km 
nw. Vilters u. 3,5 Km sw. der Station Sargans der Linien 
St. Gallen-Sargans -Chur und Zürich - Sargans - Chur. 21 
kathol. Ew. Kirchgemeinde Wangs. Viehzucht. 

FONTANNAZ BION (Kt. Waadt, Bez. Moudon, Gem. 
Thierrens). 772 m. Gruppe von 7 Häusern, im n. Abschoitt 
des .lordt, nahe Payerne, an der Strasse Thierrens - Cugy 
und 600 m nö. Thierrens. 27 reform. Ew. 

FONTANNAZ DAVID (Kt. Waadt, Bez. Vevey,Gem. 
Blonay). Ca. 1200 m. Grosser erratischer Block aus roter 
Nagelttuh, wie sie bei Outre Rhone im Wallis ansteht ; 
nahe den Bains de TAlliaz. 

FONTANNAZ 8EULAZ (Kt. Waadt, Bez. Aigle, 
Gem. Bex). 797 m. Gruppe von 6 Häusern, über dem 
rechten Ufer der Gryonne, am Weg Les Ven^resses de 
Frenieres-Les Posses, nahe einer Haltestelle der elektri- 
schen Strassenbahn Bex - Gryon - Villars und 10 Minuten 
unterhalb Les Posses. 25 reform. Ew. Landwirtschaft. 
Trias, mit Erratikum überführt. 

FONTANNE (GROSSE) (Kt. Luzem. Amt Entle- 
buch). Fluss ; entspringt s. uncl ö. vom Napf mit einer 
Reihe von Quellarmen (Bäche des Egelshorns und Ahorn- 
bodens, von Rathausen, Goldbach), fliesst zunächst nach 
NO., dann nach N., nimmt bei Stegplatz in 605 m von 
links die Kleine Fontanne auf, wendet sich neuerdings 
nach NO. und mündet etwa 1 km nach der Vereinigung der 



FON 



FOP 



137 



beiden Fontannen 2,7 km s. Wolhusen und 1,7 km nnö. 
Doppleschwand in 595 m von links in die Kleine Emme. 
Heisst auch Schüpfer Fontanne. Bei Stegplatz über- 
brückt. 

FONTANNE (KLEINE) (Kt. Luzern, Amt Entle- 
buch). Bach ; entspringt nahe dem Napf an der Stächelegg 
(IdOO m), fliesst nach NO., nimmt von links den Krau- 
chenbach auf, biegt aach 0. ab, erhält eine Reihe von 
weitem Neben buchen (deren grösster der vom Menzberg 
herabkommende Flühbach ist) und mündet nach 10 km 
langem Lauf bei Stegplatz in 605 m von links in die 
Grosse Fontanne. Fliegst in en(?em und oft tief zwischen 
hohe Felswände eingesenktem Thal. Heisst auch Bomoo- 
ser Fontanne. 

FONTANNEN (Kt. Luzern, Amt Entlebuch, Gem. 
Bomoos u. Schüpfheim). 700-950 m. 16 am rechten Ufer 
der Grossen Fontanne zerstreut gelegene Häuser; 3,5 km 
nw. der Station Schüpfheim der Linie Bern-Luzern. Tele- 

§hon. Eigener Schulkreis. 78 kathol. Ew. Kirchgemeinde 
thüpfheim. Wiesenbau. Sägen. 

FONTANNEN (Kt. Luzem, Amt Sursee, Gem. Wol- 
husen). 620 m. 22 am linken Ufer der Kleinen Fontanne 
zerstreut gelegene Häuser ; 4,5 km sw. der Station Wol- 
husen der Linie Bern-Luzern. 127 kathol. Ew. Kirchge- 
meinde Doppleschwand. Ackerbau und Viehzucht. Holz- 
flösserei. Wirtshaus. Schöne Aussicht auf Menzberg und 
den Napf. 

FONTANNEN (Kt. Obwalden, Gem. Giswil). Alp- 
weide mit Hätten in 1684 m, im obern Abschnitt des Ma- 
rienthaies, in dem einer der Quellarme der Kleinen Emme 
entspringt ; am SW.-Hang des Giswilerstocks. 

FONTANNEY (Kt. Waadt, Bez. u. Gem. Aigle). 540 m. 
Weiler, in geschützter und malerischer Lage, über der 
Strasse Aigle-Les Ormonts und 2,3 km ö. über der Station 
Aigle der Simplonbahn. Postbureau ; Postwagen Aigle-Le 
i^pey-Chäteau d'CEx-Saanen. 14 Häuser, 76 reform. Ew. 
Weinbau. Herstellung von Bienenkörben. 

FONTANNEY (CA8CADE8 DE) (Kt. Waadt, Bez. 
und Gem. Aigle). 560-440 m. Beizende Fälle, zwischen 
Aigle und dem Weiler Fontanney. läncs der Strasse nach 
den Ormonts. Das Sammelgebiet der 70 m über Fontanney 
entspringenden Wasser liegt in den Wäldern auf der 
Hochfläche von Leysin und am SO.-Hang der Tours d'Ai 
überhaupt (nicht aber, wie oft behauptet wird, im Lac d'Ai 
selbst). Dunkle Kalke des untern Lias. Die (Quellen zum 
Teil für die Trinkwasserversorgung von Aigle gefasst. 
Prachtvoll kaltes Wasser. 

FONTANOL (Kt. Graubünden, Bez. Moesa, Kreis Ca- 
lanca, Gem. Busen). 750 m. Gruppe von 9 Häusern, nahe 
dem rechten Ufer der Calancasca, 700 m s. Busen und 12 
km nö. der Station Castione der Gotthardbahn. 44 kathol. 
Ew. italienischer Zunge. Kapelle. Landwirtschaft. Periodi- 
sche Auswanderung. 

FONTANOUX (EN) (Kt. Freiburff, Bez. Greierz,Gem. 
Ilcharlens). 725 m. Gruppe von 8 Häusern ; 1,3 km so. 
Echarlens und 3,5 km nö. der Station Bulle der Linie Bo- 
mont-BuUe. 38 kalhol. Ew Futter- u. Karlofl'elbau. Vieh- 
zucht. Strohflechterei. 

FONTANY (D£fIL£ DE) (Kt. Wallis, Bez. Saint 
Maurice). 870460 m. Kleine Schlucht, längs welcher die 
Strasse Vemayaz-Salvan ansteigt und die von einem klei- 
nen Bach durchflössen wird ; unterhalb Salvan. Schiefer- 
brnche, von den Bewohnern von Salvan abgebaut. Die 
Schlucht in eine zwischen zwei Verzweigungen des kry- 
stallinen Massives der Aiguilles Bouges eingeklemmte 
spitze Karbonmulde eingeschnitten. Am SO.-Hang mäch- 
tige Bänke von Karbonnageliluh, am NW.-Hang Wechsel- 
lagerung von Karbonnageliluh und -schiefern. Nahe der 
Strasse nach Salvan hat man in verschiedenen Höhen 
versucht, den durch Thonschiefer stark verunreinigten An- 
thrazit abzubauen. 

FONTAUNA (VAL) (Kt. Graubünden, Bez. Maloja). 
2400-2198 m. Oberer Abschnitt des Val Suläanna ; beginnt 
an der Vereinigung des von N. kommenden Sertigthnl- 
chens und des von S. kommenden Val del TschüveT und 
steigt auf eine Länse von 3 km von SW.-NO. ab. Im N. 
vom Knhalphorn überragt. 

FONTENAI8 (Kt. Bern, Amtebez. Pruntrut). 465 m. 
Gem. und Pfarrdorf, nur 1,2 km s. Pruntrut u. gleichsam 
ein Vorort dieser Stadt ; in reizender kleiner Klus, die 



von dem der Allaine von links zufliessenden Bac Avoine 
entwässert wird. Postbureau, Telephon ; Postwagen Prunt- 
rut-Fonlenals-Villars. Gemeinde, mit dem Dorf Villars 
und einigen vereinzelten Bauernhöfen : 182 Häuser, 1248 
Ew., wovon 1102 Katholiken und 121 Reformierte; Dorf: 
131 Häuser, 940 Ew. Uhrenfabrik. Ackerbau, Käserei. Die 
obern Jurakalke werden abgebaut und als gute Bausteine 
verwendet. Vollständige Hochdruckwassenersorgung mit 
Hydranten. Elektrisches Licht. Benannt nach den zahl- 
reichen mitten im Dorf und in dessen Umgebungen ent- 
springenden Quellen, deren eine noch drei öffentliche 
Brunnen in Pruntrut speist. Erscheint in den Urkunden 
seit 1148 als Fonteneis; 1179: Fontenel ; 1332: Fonthe- 
nay; 1389: Fontenoiz. Während des 30jährigen Krieges 
zu wiederholten Malen geplündert und in Asche gelegt. 
Das vom Arzt Faber erbaute Schloss mit zwei Erklürm- 
chen stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Mitten 
im alten Friedhof die zu Beginn des 18. Jahrhunderts 
erbaute Pfarrkirche zu St. Peter und Paul. Die, Kirch- 

f gemeinde umfasst die beiden Dörfer Fontenais und Vil- 
ars. 

FONTENELLE (Kt. Wallis, Bez. Entremont, Gem. 
Bagnes). 1040 m. Weiler, auf einem Felsbuckel am Hang 
von MMi^re, über dem Dorf Meiere und über dem rech- 
ten Ufer der Dranse ; rings von fetten- Wiesen u. schönen 
Gärten umgeben, in einer der sonnigsten Lagen des Val 
de Bagnes ; 1 km n. Le Chäble. 15 Häuser, 102 kalhol. Ew. 
Heisst wohl auch unrichtig Fontanelle und hat seinen 
Namen von einer Beihe von ergibigen Quellen, die w. vom 
Weiler entspringen und nichts anderes sein sollen, als 
das wieder zu Tage tretende Wasser eines 500 m höher 
oben auf den Maiensässen von Creux (1 km n. Verbier) in 
einem Trichter verschwindenden Baches. 

FONTENETTE8 DE880U8 u. DE88U8 (LE8) 
(Kt. Neuenburg, Bez. Le Locle, Gem. La Br^vine). 1211 u. 
1245 m. Drei Bauernhöfe, 5 km sw. La Br^vine. 22 reform. 
Ew. Schöne Sennberge; Viehzucht. 

FONTNA8, FONTNAU8 oder FUNTNA8 (Kt. 
St. Gallen, Bez. Werdenberg, Gem. Wartau). 545 m. Dorf, 
in schöner bergumrahmter Landschaft; 2,5 km nw. der 
Station Trühbach der Linie Borschach-Sargans. 23 Häu- 
ser, 126 reform. Ew. Kirchgemeinde Gretschins. Acker- 
bau und Viehzucht. Stickerei und Weberei. Kapelle des 
h. Erasmus. Dorf und Kapelle am 7. Oktober 1816 durch 
Feuer zerstört, seither aber wieder aufgebaut. Die Burg 
Fontnas liegt schon längst in Trümmern. 

FOOALP (OBER u. UNTER) (Kt. St. Gallen, Bez. 
Sargans, Gem. Mels). 1800-2000 m. Grosse Alpweide mit 

2 Hütten, im obern Weisstannenthal, am Fooalpbach, 17 
km sw. über Mels. Wird vom Weg über den Foopass 
(Mels-Elm) durchschnitten. 

FOOALPBACH (Kt. St. Gallen, Bez. Sargans). 2190- 
1300 m. Bach, einer der Quellarme der Seez ; entspringt 
selbst wieder mit mehreren Quellen am N.-Hang der 
Sardonagruppe, fliesst in tiefem Tobel längs dem O.-Rand 
der Unter und Ober Fooalp und vereinigt sich pach 5,5 
km langem Lauf b'M der Alp Uqler Siez mit dem von Ober 
Siez kommenden Bach zu der das Weisstannenthal ent- 

FOOPA88 (kt. Glarus und St. Gallen). 2229 m Pass- 
übergang, zwischen Baminstock (2445 m) und Foöstöckli 
(2536 m), n. vom Gebirgsstock der Sardona. Verbindet 
Elm durch das Weisstannenthal mit Mels. Von Elm aus 
steigt ein guter Fussweg sanft über Haminalp zur Pass- 
höhe an, um dann steiler zur Ober Fooalp und in n. Bich- 
tung zur Unter Siezalp abzusteigen und der Seez bis 
Weisstannen zu folgen, von wo ein guter Fahrweg von 11 
km Lange nach Mels bei Sargans führt. Elm-Passhöhe 

3 '/„ Passhöhe- Weisstannen 2 Vt Stunden. 
F008T0CK und FOÖSTÖCKLI (Kt. Glarus und 

St. Gallen). 2610 und 2536 m. Zwei Gipfel, zwischen Foo- 
pass und Biesetenpass, in der vom Saurenstock nach W. 
auszwcigenden Kette. Beide miteinander durch einen 
kurzen Grat verbunden. Wie in dieser Gegend öberdll er- 
scheint auch an der Basis dieser beiden Gipfel eocäner 
Flysch mit Bänken von Nummulitenkalk, auf die eine, 
hier steil zum Weisstannenthal abbrechende Kappe aus 
Verrucano überschoben ist. 

FOPPA- Bomanischer Ortsname Graubündens ; vom 
latein. fovea = Grube, Wanne. 



438 



FOP 



FOR 



FOPPA (Kt. Graubünden, Bez. Albula, Kreis Oberhalb- 
stein, Gem. Salux). 2015 m. Alpweide mit Gruppe von 18 
Hütten, am O.-Hang des Piz Curvdr, in einem linksseiti- 
gen Nebenarm zum Thal der Julia und 5 km sw. über 
Salux. 

FOPPA od. GRUOB (Kt. Graubünden, Bez. Glenner). 
Gebiet des heutigen Verwaltunffskreises Ilanz. Einstiges 
Hochgericht Banz und Gruob, das iBich bis Waltensburg 
erstreckte und die heutigen Kreise Banz und Buis um- 
fasste. H%ute wird unter dem Namen Foppa oder Gruob 
meist nur noch die Landschaft um Banz verstanden. 
Foppa, Gruob = Grube, weil die G^end hier ringsum 
abgeschlossen und gleichsam in die Gebirge eingesenkt 
erscheint. 

FOPPA (Kt. Graubitnden, Bez. Im Boden, Kreis Trins, 
Gem. Flims). 1440 m. Alpweide mit Gruppe von etwa 15 
Hütten und Stadeln, am Sw.-Fuss des Flimser Steins und 
2 km nw. Flims. 

FOPPA (Kt. Tessin, Bez. Blenio, Gem. Leontica). 1515 
m. Alpweide mit Gruppe von 14 im Frühjahr und Herbst 
bezogene^ Hütten, am SO.-Hang des Pizzo Molare und 
2,5 km nw. über Leontica. Butter und Käse. 

FOPPA (ALPE) (Kt. Tessin, Bez. Lugano, Gem. Bi- 
vera). 1200-1650 m. Alpweide mit Gruppe von 6 Hütten u. 
Stadeln, im kleinen Val Luna, am NO. - Hang des Monte 
Tamaro und 3 Stunden über der Station Bivera-Bironico 
der Gotthardbahn. Butter und Käse. 

FOPPA8TEIN (Kt. Graubünden, Bez. Im Boden). 
1135 m. Sw. Felsecke des Calanda, 2 km nnö. über Ta- 
mins und am Weg über den Kunkelspass. 

FOPPERHORN (Kt. Graubünden, Bez. Hinterrhein). 
2715 m. Gipfel, Vorberg des Mazzerspitz, 1 km n. über 
Juf, dem obersten "Weiler im Avers. 

FOPPIANA (ALPE DI) (Kt. Tessin, Bez. Locamo, 
Gem. Vogorno). 1220-1760 m. Alpweide mit Gruppe von 
10 Hütten, am W.-Han^ des Sassarien te und 2,5 km so. 
über Vogorno. Wird mit 20 Kühen u. 60 Ziegen bezogen. 
Butter und Käse. Während der letztvergangenen Jahre 
sind hier bemerkenswerte Aufforstungen vorgenommen 
worden. 

FORA (PIZ) (Kt. Graubünden, Bez. Maloja). 3370 m. 
Einer der Hauptgipfel im w. Abschnitt des Berninamas- 
sives ; schöne dreieckige Eispyramide : am W.-Hang der 
Fedozgletscher und am NO. -Hang der Fexgletscher. 
Fällt nach S. mit senkrechter Felswand zum italieni«- 
schen Val Malenco ab. Mit dem Piz Fora verknüpft sich 
die kurze Kette des Piz Güz, die das Val Fedoz vom Val 
Fex trennt. 

FORAL (Kt. Graubünden, Bez. Plessur, Gem. Chur). 
667 m. Gruppe von 4 Häusern, am Fuss des Pizokelbergs 
und -walds, 2 km sw. vom Bahnhof Chur. 47 reform. Ew. 
Etwas weiter n. Erziehunj^sanstalt Foral für arme Kinder 
in eigenem, schmuckem Gebäude, mit 40 Zöglingen (meist 
Waisen). 

FORAZ (PIZ) (Kt. Graubünden, Bez. Inn). 3094 m. 
Verwitterter Felsgipfel mit zahlreichen Bunsen, in der 
das Ofenpassthal vom Scarlthal ti*ennenden Kette des Piz 
Tavrü. Fällt nach allen Seiten in steilen Felswänden ab 
und ist ringsum in mächtige Schutthalden eingehüllt, die 
als wahre Trümmerströme zu Thal steigen. Vom Piz 
Foraz strahlen drei Thäler aus : Val Foraz (Nebenarm des 
Scarlthales), Val Nüglia plebenarm des Ofenpassthaies) 
und Val Plavna (Nebenarm des Unter Engadin). 

FORAZ (VAL) (Kt. Graubünden, Bez. Inn). Rechts- 
seitiger Nebenarm zum Scarlthal, en^ und fast der ganzen 
Länffe nach schluchtartig eingeschnitten. Vereinigt sich 
bei der Alp Minger Dadora (1715 m) mit dem Val Minger, 
das 2.5 km unterhalb des Dorfes Scarl ins Scarlthal aus- 
mündet. 

FORBE8 (AIGUILLE) (Kt. Wallis, Bez. Entremont). 
3483 m. Spitze, n. Vorberg der Aiguille du Chardonnet, in 
der Saleinazgruppe (Mont Blanc Massiv) ; zwischen Fend- 
tre du Tour und Aiguille du Chardonnet und über der 
Vereinigung der Gletscher von Saleinaz und Le Tour. Be- 
steigung entweder von der Saleinazhülte des S. A. C. aus 
in 3 Vi Stunden, oder von der Ornyhütte aus über Col du 
Tour und Glacier du Tour in 4 Vt Stunden. Benannt nach 
dem berühmten englischen Naturforscher James David 
Forbes, dem ersten wissenschaftlichen Erforscher dieser 
Gebirgsregionen. 



FORBI8CH (PIZ) (Kt. Graubünden, Bez. Albala). 
3258 m. Einer der stolzesten und mächtigsten Gipfel in 
der Gruppe des Piz Platta und zugleich Hauptgipfel des 
grossartigen Felskammes zwischen Val da Faller und Val 
Öurtins, über dem W.-Hang des Oberhalbstein. FäUt mit 
mächtigen Felswänden zu den beiden erstgenannten lliä- 
lern, namentlich zum Val Curtins (einem der beiden 
obern Arme des Val Nandro) ab. Der Gipfel durch eine 
schmale Scharte (ca. 3070 m) in zwei Spitzen gespalten, 
was ihm von Weitem das Aussehen einer Gabel (Foiv 
bisch) gibt. 

FORCARELLA D'ALBEGLIAu. FORCARELLA 
Di LAGO (Kt. Tessin, Bez. Blenio und Biviera). Zwei 
selten begangene Passübergänge, mit schlechten und stei- 
nigen Fusswegen. Der erste (2114 m) fuhrt hoch oben am 
linksseitigen Hang des 3 km oberhalb Biasca ins Val Ble- 
nio ausmündenden Val Pontirone über einen nach N. 
vorspringenden Felssporn von Alpweide zu Alpweide. Der 
andere (2265 m) verbindet das Val Pontirone nach W. di- 
rekt mit dem Tessinthal und Biasca. indem er den S.- 
Fuss des Pizzo Mottone und einen kleinen See umgeht. 
Der Aufstieg zur Forcarella di Lago vom Val Pontirone 
her geht über breite Basenhän^e und ist nicht beschwer- 
lich, während der sehr steile Anstieg nach Biasca durch 
die hier zahlreichen Felsbänder zu lästigen und immer 
noch gefährlichen Umwegen zwingt. 

FORCELETTE (LE) (Kt. Graubänden, Bez. Maloja). 
2546 m. Verwitterte Scharte, in dem vom Piz CacciabeJla 
(2973 m) nach W. auszweigenden und über Bondo endi- 
genden Kamm ; 5 km ö. über Bondo und 3 km s. über 
Vico Soprano. 

FORCELLA (Kt. Tessin und Wallis). 2851 m. Gega- 
belte Spitze, im W.-Abschnltt des Gotthardmassives, un- 
mittelbar w. über dem Gerenpass (2702 m), der vom obern 
Bedrettothal ins Gerenthal (Nebenarm des obern Rhone- 
thals) hinüberfuhrt ; 3 km nö. vom Nufenenpass (2440 m). 
Wie alle Gipfel dieses Teiles des Gotthardmassives wenig 
bekannt und nur selten besucht. 

FORCELLA ^VAL) (Kt. Graubünden, Bez. Maloja). 
2406-1090 m. Kleines rechtsseitiges Nebenthal zum Ber- 

Sell : steigt zwischen Pizzo Campo im W. und dem Stock 
es Pizzo Lizzone im NO. auf eine Länge von 3 km nach 
SO. ab und mündet bei Botticcio auf das Bergeil aus. 

FORCELLINA (Kt. Graubünden, Bez. Hinterrhem 
und Maloja). 2673 m. Passübergan^, seit einigen Jahren 
stark begangen ; 2 km w. vom Septimer, den er mit dem 
Avers verbindet. Von dem 6 km oberhalb Cresta im Avers 
gelegenen Juf aus steigt der Weff zuerst langsam an, 
um dann bis unter die Fuorcla di Valletta steiler zu 
werden und endlich in neuerdings sanfter Steigung die 
Passhöhe zu gewinnen, von wo der Abstieg zum Septi- 
mer ein leichter ist. Cresta-Septimer 3 Vs Stunden. Die 
Mehrzahl der Touristen geht vom Septimer aus über die 
Fuorcla di Lunghino noch bis Maloja. Einer der schöns- 
ten Uebergänge in den Alpen Graubündens, für den 
Geologen und Botaniker gleich reich an Interesse. 

FORCELLINA (PIZZO DELLA) (Kt. Graubünden, 
Bez. Hinterrhein und Maloja). 3023 m. Schöne Gipfelpy- 
ramide, i km s. über dem Passübergang der Forcelhna 
und von deren Passhöhe aus leicht zu besteigen. An sei- 
nem O.-Hang beginnt das Val Turba, nach dem er auch 
wohl Pizzo Turba heisst. 

FORCH (Kt. Zürich, Bez. Meilen, Gem. Käsnacht u. 
Bez. Uster, Gem. Maur). 690 m. Bergübergang über den 
breiten Bücken des Zürichbergs, von den Strassen Zü- 
rich-Egg und Küsnacht-Maur überschritten und sehr 
stark begangen. Auf der Passhöhe ein alter Gasthof mit 
Gruppe von 8 weitern Häusern. 51 reform Ew. Post- 
ablage, Telephon. Postwagen Zürich-Egg. 

FORCHAUX (Kt. Freiburg, Bez. Saane, Gem. Trey- 
vaux). 756 m. Gruppe von 6 Häusern, 2 km nw. Treyvaux 
und 13 km s. Freiburg. 58 kathol. Ew. Futter- und Kar- 
totTelbau, Viehzucht, Strohüechterei. 

FORCHETTA D'AVRONA (Kt. Wallis, Bez. Brig). 
Passübergang. S. den Art. Furggenbaumpäss. 

FORCHEX (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. OUon). 
745 m. Weiler, über dem rechten Ufer der Gryonne und 
etwas unter der Strasse Ollon-Huömoz-Ch^si^res, ge^n- 
über dem Eingang zur Salzmine Le Bouillet (Sahnen 
von Bex). 14 Häuser, 52 reform. Ew. Kirchgemeinde Hu^ 



FOR 



FOR 



139 



moz. Landwirtschaft. Trias (Gips) und Lias. Gleiche Ety- 
mologie wie FuRKA. S. diesen Art. 

FORCHIR (LA) (Kt. Wallis, Bez. Mar- 
tinach, Gem. Riddes). Flecken. S. Four- 
tHY (La). 

FORCHY (Kt. Waadt, Bez. Aubonne, 
Gem. MoUens). 730 m. Gruppe von 14 Häu- 
sern, 8w. vor MollenSf an der Strasse 
Biere-Montricher. 70 reforra. Ew. 

FORCLAZ (LA) (Kt. Waadt, ßez.Aigle, 
Gem. Ormont Dessous). 1260 m. Kleines 
Dorf, über dem linken Ufer der Grande 
£au und am N.-Fuss des Chamossaire ; 2,4 
km 8Ö. über Le S^pey und mit diesem 
durch einen schlechten Weg verbunden ; 
4,4 km w. über Vers TEglise, dem Siede- 
lungsmiltelpunkt der Gemeinde Ormont 
Dessus. Das|Dorf wird in Bälde mit den 
übrigen Ortschaften des Thaies durch eine 
Strasse verbunden sein, die von derjenigen 
nach Ormonl Dessus bei Le Rosex abzwei- 
gen und die Grande Eau bei La Gal^saz 
überschreiten wird. Postablage. 24 Häu- 
ser, 108 reform. Ew. Gasthaus. Das Dorf 
besteht (aus Holzhäusern, unter denen sich einige in 
architektonischer Beziehung höchst bemerkenswerte 
Hauten befinden. Prof. Ernst Gladbach {Der Schweizer 
Uolzstyl. 3. Aufi. Zürich 1897. 4») beschreibt das hier 
stehende, 1671 erbaute Haus von Jean Tille als eines der 
reinsten Beispiele des Berner Stiles vom 17. Jahrhun- 
dert in Wort und Bild auf das (jenaueste. Dieser Berner 
Oberländerstil *war in dem damals unter Berner Ober- 
hoheit stehenden Thal der Ormonts weit verbreitet. Ei- 
gentum der Bewohner von La Forclaz ist die weite Alp- 



begangen, die meist von der Ramberthütte aus über die 
Frete de Sailles in 1 Vs Stunden zur Passhöhe aufsteigen, 





La Forclas mit den Tours d'AI. 

weide von Perche, auf die sie im August ihr Vieh treiben. 
Gleiche Etymologie wie Furka. S. diesen Art. 

FORCLAZ (LA) (Kt. Wallis, Bez. Herens, C^em. £vo- 
lenej. 1748 m. Weiler, auf einer Terrasse ö. über dem 
Dorf Les Haud^res und dem Eingang in die Combe de 
Ferpecle und zwischen den beiden Wildbächen der 
Hocnthälchen von Brdonna und Zatö. 12 Häuser. 76 ka- 
thol. Ew. Kapelle. Schöne Aussicht. ^Z« Stunden über Les 
Haud^res. 

FORCLAZ (COL DE LA) (Kt. Wallis, Bez. Con- 
they). 2561 m. Passübergang, zwischen Tdte aux Veillon 
{3SSö m ; Gruppe des Grand Muveran) und Dent de 
Chamosenze (2i27 m ; ö. Vorberg des Grand Muveran). 
Verbindet das Thal der Lizerne über den Vallon de Derbon 
mit dem Vallon de Chamosenze. Wird besonders von 
Gemsjägern und hier und da auch von einigen Touristen 



Passhöhe des Gol de la Forclaz (über Martinach), von Westen. 



um von da in weiteren 1 Vi Stunden den Lac de Derbo- 
rence zu erreichen. 

FORCLAZ (COL DE LA) (Kl. Wallis, Bez. Marti- 
nach). 1523 m. Passübergang mit Fahrstrasse, zwischen 
Moni Arpille und Pointe Ronde (Vorberg der Trient- 
gruppe); verbindet Martinach über Trient und Töte 
Noire mit Le Chätelard, wo die Strasse in die französi- 
sche Route Le Chätelard-Argentiere-Chamonix übergeht. 
Im Sommer von zahlreichen Touristen begangen, die 
sich von Martinach nach Chamoniz oder umgekehrt be- 

feben. Bahnhof Martinach-Passhöhe 
Stunden, Passhöhe-Dorf Trient (wo 
von der grossen Strasse nach Le Chä- 
telard der Weg über den Col de Balme 
abzweigt) Vi Stunde. Auf der Pass- 
höhe selbst und etwas unterhalb dieser 
(auf der Seite gegen Trient) je ein 
Gasthaus. Sommerfrische. Postablage, 
Telegraph. Baraken für die Aufsta- 
pelung des einst am Trient^letscher 
ffebrochenen Eises, das auf gutem 
We^ (heute reizender Spazierweg) in 
kleinen von Maultieren gezogenen Wa- 
gen vom Gletscher 5 km weit bis zur 
Passhöhe transportiert wurde. Heute 
hat diese Eisgewinnung wie auch die 
am Saleinazgletscher auf||[ehört. Von 
der wenig über der Passhohef gelege- 
nen Hochlläche aus prachtvolle Aus- 
sicht auf die Grup{>e der Aiguilles du 
Tour und den Glacier des urands ei- 
nerseits, das Rhonethal, Bietschhorn 
und Balmhom andererseits. Der Pass 
früher etwa auch Col du Trient ge- 
heissen, welcher Name heute einem 
andern Uebergang beigelegt wird. Den 
Fahrpostdienst zwischen Martinach u. 
Chamonix über den Col de la Forclaz 
besorgt eine schweizerisch-französi- 
sche Gesellschaft. Pass und Thal bis 
Martinach Combe in eine Juramulde eingeschnitten, die 
zwischen die krystallinen Massive des Mont Blanc und 
Mont Arpille eingekeilt ist. 

FORCLAZ (DENT DE LA) (Kt. Wallis, Bez. Con- 
they). So heisst zuweilen auch die Dent de Chamosenze. 
S. diesen Art. 

FORCLAZ (GLACIER DE LA) (Kt. Wallis, Bez. 
Conthey). Miniaturgletscher, am SW.-Hang der Töte aux 
Veillon (Walliser Flanke des Grand Muveran, Waadtlän- 
der Hochalpen). Sein S.-Rand lehnt sich an den Col de 
la Forclaz an; der Gletscherbach bildet kurz nach sei- 
nem Austritt den ganz kleinen Lac de la Forclaz 
(2500 m). 

FORCLAZ (RUI88EAU DE LA) (Kl. Waadt, Bez. 
Aigle, Gem. Ormont Dessous). Bach ; entspringt in den 
Waldungen von Coussy in etwa 1500 m, wird wahr- 



140 



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scheinlich von einem unterirdisch abfliessenden Teil der 
Wasser des Lac de Ghavonnes gespiesen; durchfliesst 
das Dorf La Forclaz und mündet oberhalb des von der 
Burgruine Aigremont beherrschten Engpasses in 960 m 
von links in die Grande Eau. Ein Teil der Quellen von 
Coussy ist gefasst und versorgt die Gasthöfe von Feydey 
(Leysin) mit Trinkwasser. 

FORCLETTA (PAS DE) (Kt. Wallis, Bez. Siders). 
2886 m. Passübergang, zwischen Boc de Budri (3080 m) 
und dem höchsten Punkt des Grates von La Barneuza 
(3047 m)^ in der Kette zwischen Eifisch- und Turtman- 
thal. Leicht und angenehm zu begehen. Aussicht trotz 
ihrer räumlichen Beschränktheit sehr schön. 

FORCOLA (PA880 DELLA) (Kt. Graubänden, 
Bez. Moesa). 2217 m. Passübergang, hinten über dem Val 
Forcola, s. unter dem Pizzo della Forcola. Verbindet So- 
azza (615 m) im Misox mit Chiavenna (332 m) in 7 Stun- 
den. Trotz der starken Höhendifferenzen wird der Pass 
als kürzester Weg zwischen dem zentralen Misox und 
Chiavenna schon seit langer Zeit häufig begangen. 

FORCOLA (PIZZO DELLA) (Kt. Graubnnden, Bez. 
Moesa). 2590 m. Gipfel, in der Grenzkette zwischen dem 
i launischen Val San Giacomo und dem schweizerischen 
Misox, hinten über dem Val Forcola und unmittelbar n. 
über dem Passo della Forcola, von dessen Scheitel aus 
er leicht bestiegen werden kann. 

FORCOLA (VAL) (Kt. Gnmbünden. Bez. Moesa). 
Linksseitiges Nebenthal zum Misox; steigt nach NW. 
und W. ab, bildet im untern Abschnitt eine enge Wald- 
schlucht und mündet 1 km s. Soazza aus. 7 km lang. 
Bis zur Alpe de Corneja (1820 m) hinauf bewaldet, dann 
mit magern Alpweiden bestanden und mit Trümmern 
von Sturzschutt überführt. Die das Thal umrahmenden 
Gipfel bleiben alle unter 3000 m und sind nur wenig be- 
kannt ; ihr höchster ist der Pizzn Pombi mit 2971 m. 

FORCOLACCIA (Kt. Tessin, Bez. Valle Maggia). Ca. 
2550 m. Einschartung, zwischen Wandfluhhom (2860 m) 
und Hirelihom (2781 m), hinten über dem Val Calneggia 
(einem Seitenthal des Val Bavona). Verbindet Bignasco 
im Val Maggia mit Andermatten im Val Formazza in sie- 
ben Stunden und wird nur etwa von Jägern begangen. 
Pfadlos. 

FORCORELLA (PIANO DELLA) (Kt. Tessin, 
Bez. Lugano). 1504 m. Kleine Senke in der Grenzkette 
gegen Italien, die vom Monte Boglia (bei Lugano) nach 
NO. gegen den Passo di San Lucio zieht; hinten über 
dem Val Colla, 2 km von dem in derselben Kette stehen- 
den Monte Torrione (1810 m) und 13 km nö. Lugano. 

FORCORELLA (PIZZO) (Kt. Tessin, Bez. Bellin- 
zona). 1690 m. Gipfel, über den Monti de Carasso, 3V, 
Stunden w. über Bellinzona ; zwischen Val Sementina 
und Val Gorduno. Schöne Aussicht auf die Landschaft 
um Bellinzona, den Langensee, einen Teil des Luganer- 
sees undauf die Mesolcina. Gneis und Glimmerschiefer. 

FOREL (Kt. Freiburg, Bez. Broye). 473 m. Gem. und 
Dorf, am rechten Ufer des Neuenburgersees, 5 km nö. 
der Station Estavayer der Linie Frei bürg- Yverdon. Tele- 
phon. Gemeinde, mit Aux Planches : 37 Häuser, 183 ka- 
thol. Ew.; Dorf: 28 Häuser, 140 Ew. Kirchgemeinde 
Estavayer le Lac. Getreide-, Tabak- und Kartoffelbau, 
Viehzucht und Milchwirtschaft. Kapelle zu St. Gorgon. 
Ehemalige HerrschaCl, zuletzt Eigentum der aus Forcl 
stammenden Freiburger Patrizierfamilie Griset Pfahlbau 
aus der Steinzeit, mit sehr merkwürdigen Funden. 

FOREL (Kt. Waadt, Bez. Lavaux). 680-800 m. Ge- 
meinde mit zerstreuten Siedelungen, auf einem grossen 
Plateau des südlichen Jorat, das den obern Abschnitt des 
Bezirkes Lavaux, d. h. die Gemeinden Forel, Savigny und 
Puidoux umfasst. Gemeinde Forel wird von den Strassen- 
Zügen Lausanne-Oron, Cully-Grandvaux-PaMzieux und 
Vevey-Moudon durchzogen. Telephon; Postwagen Lau- 
sanne-Belmont-Forel (Comes de Cferf) und nach Chexbres. 
Gemeinde teilt sich in 4 Abschnitte : Les Comes de Cerf, 
Le Grenet» Le Planoz und Le Pont de Pierre. Zusammen : 
183 Häuser, 1053 reform. Ew. Kirchgemeinde Savigny. 
Grösste Häusergruppen der Weiler Les Comes de Cerf, 
wo auch eine Kircne steht. Die Gemeinde grenzt im N. 
an das Bois du Grand Jorat, einen der höchst gelegenen 
Teile des Jorat, und begreift im S. einen Teil des Mont 
Ck>urze und der Torfmoore von Gourze in sich. Wiesen, 



Aecker, Wald. Im 12. und 13. Jahrhundert gehörten die 
Ländereien von Forel den Herren von Palezieux, nach 
deren finanziellem Zusammenbruch sie um 1296 an Lud- 
wig von Savoyen, Herrn der Waadt, übergingen, um von 
diesem nach einer das Land bös verwüstenden Fehde mit 
dem Bistum Lausanne schon im Jahr 1300 an dessen Bi- 
schof Guillaume de Champvent verkauft zu werden. Zu- 
sammen mit den übrigen Gemeinden des Kreises Cally 
bis 1824 der grossen ehemaligen Gemeinde Villette xoge- 
teilt. 

FOREL (Kt. Waadt, Bez. Lavaux, Gem. Forel). 723 m. 
Gruppe von 3 Häusern, 1 km sw. Les Comes de Cerf und 
200 m seitlich der Strasse Cully-Grandvaux-Pal^zieux. 
Postablage. 19 reform. Ew. Landwirtschaft Säge. 

FOREL (Kt. Waadt, Bez. Moudon). Gem., am W.- 
Hang des Thaies der Brove, im n. Jorat. Umfasst zwei 
Weiler und einige Bauernhöfe, die alle nahe der Strasse 
Yvonand-Lucens stehen : Forel Dessous (674 m) 2,5 km 
nw. der Station Lucensder Linie Lausanne-Payeme-Lyss : 
10 Häuser, 76 reform. Ew. und Forel Dessus (698 m), 
400 m nw. von jenem. Gemeinde als Ganzes: 30 Häuser, 
195 reform. Ew. Kirchgemeinde Courtilles. Landwirt- 
schaft. Einst eigene kleine Herrschaft, als Lehen Ludwigs 
von Savoyen von Girard de Dizy verwaltet. Unter der Böt- 
ner Oberhoheit der Burgvogtei Moudon zugeteilt; zu 
Ende des 18. Jahrhunderts Eigentum des Geschlechtes 
Bergier. 

FOREL (BOI8 DE) (Kt. Waadt, Bez. Orbe). 660-785 
m. Wald, am O.-Fuss des Jura, zwischen den Dörfern 
Homainmötier und Croy im S. und Bretonni^res im N. 
Links über dem Lauf des Nozon und der Bahnlinie Lau- 
sanne-Pontarlier. 1,7 km lang und im Mittel 1 km breit. 

FORENWALD oder VORENWALD (Kt Lnzern, 
Amt Sursee, Gem. Eich). 700 m. Grappe von 4 Häusern, 
2 km nw. Eich und 7 km nw. der Station Sempach der 
Linie Luzern-Olten. 33 kathol. Ew. Acker- und Obstbau. 
Viehzucht. 

FORE8TAY (LE> oder LE FLON (Kt. Waadt, Bez. 
Lavaux). 657-375 m. Bach; natürlicher Ausfluss des Lac 
de Bret. Verlässt den See an seinem O.-Ufer, fliesst zu- 
nächst nach N. und dann nach S., geht an Puidoux vor- 
bei, bildet vom Weiler Le Genevrez an eine Beihe von 
Krümmungen, lässt Chexbres links liegen, durchfliesst 
unterhalb der Station Chexbres die Ebene von Le Vemey 
und mündet nach 7 km langem Lauf kurz nach dem Dorfe 
Hivaz von rechts in den Grenfersee. Heisst im Unterlauf 
meist Flon und hat hier so grosses Gefälle, dass er mehr- 
mals Wasserfälle bildet. Vor der Benutzung der Wasser 
des Lac de Bret für die industriellen Zwecke der Stadt 
Lausanne und für die Trinkwasserversorgung von Morges 
war der Forestay der einzige Ausfluss des Sees, heute ist 
er es nur noch bei sehr hohem Wasserstand desselben. 
Mehrere Nebenbäche, so der vom W.-Hang des Mont 
P^lerin herabkommende Bach von Puidoux. Säge bei 
Puidoux, in Chexbres und Rivaz je eine Mühle. 

FOR ET (LA) (Kt. Genf, Linkes Ufer, Gem. Jussy). 
503 m. Bauernhof, auf einer Lichtung mitten in grossem 
Eichenwald, nahe der Grenze gegen Frankreich, 11 km 
onö. Genf und 2,6 km von der Station Jussy der elektri- 
schen Strassenbahn Genf-Jussy. Während die s. Hälfte 
des Waldes ebenfalls den Namen La Foröt trägt, heisst 
die n. Hälfte Les Grands Bois. Gesamtfläche des Waldes 
ca. 575 ha. 

FORtr (LA) (Kt. Wallis, Bez. Martinach, Gem. 
Fully). Dorf. S. den Art. Fory. 

FORtr (A LA) (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. Bex). 
513 m. Weiler, im Kreis Fenalet, zwischen der Gryönne 
und dem Avancen, nahe der Strasse Bex-Le Bövieux-Les 
Devens, in einem Thälchen n. der Hügel von Montet nnd 
3,2 km nö. Bex. 13 Häuser, 60 reform. Ew. Wein- und 
Ackerbau 

F0R£T (CHALET DE LA) (Kt. Wallis, Bez. Mon- 
they. Gem. Saint Gingolph). 383 m. Wirtshaus, auf einer 
klemen Halbinsel im Genfersee, 600 m w. der Eisenbahn- 
und Dampfschifi'station Le Bouveret und 3 km ö. des 
Dorfes Samt Gingolph und der Grenze gegen Frankreich. 
So benannt nach dem darüber stehenden prachtvollen 
Kastanienwald. Sehr beliebtes Ausflugsziel. Hier vtrird in 
Bälde ein grosser Gasthof erbaut werden. 

FOR&T NOIRE (LA) (Kt. Freiburg, Bez. Greierz). 



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85O-1420 m. Grosser und schöner Wald, über dem rechten 
Ufer der Saane vom Durchbruch bei LaTinebis zum Tor 
rent bei Lessoc ziehend. 3,5 km lang und im Maximum- 

1 km breit. Deckt den ganzen W.- und N.-Hang des Mont 
Culand und zerfallt in die drei Abschnitte Gresally, Cam- 
bille und For^t Noire im engeren Sinn. 

FORGE (LA^ (Kt. Neuenburg, Bez. Le Locle, Gem. 
La Chaux du Milieu). 1070 m. Gruppe von 8 Häusern, 
500 m^nö. La Chaux du Milieu, an der Strasse La Br^- 
vine-Le Locle und 5,5 km sw. vom Bahnhof Le Locle. 
57 reform. Ew. Viehzucht. Uhrenindustrie. Fabriken für 
Handwerkszeug, Ketten und Uhrenschnecken. 

FORGE8 D'UNDERVELIER (LE8) (Kt. Bern, 
Amtsbez. Münster, Gem. Undervelier). Giesserei. S. den 
Art. Underveljer (Forces d'). 

I^'ORIBACH (Kt. Obwalden, Gem. Kerns und Samen). 
S. den Art. Voribach. 

FORIMANGUEIRE8 (Kt. Freiburg, Bez. Saane, 
Gem. Lossy-Formangueires). 585 m. Gruppe von 7 Häu- 
sern, am rechten Ufer der Sonnaz, 1 km so. Lossy und 

2 km nö. der Station Belfaux der Linie Freiburg- Yverdon. 
59 kathol. Ew. Kirchgemeinde Belfaux. Getreide- und 
Kartoflelbau, Viehzucht und Milchwirtschaft. 

FORMAZZOLO (MONTE DI) (Kt. Tessin, Bez. 
Valle Maggia). 2395 m. Felsspitze, etwas ö. vor der die 
Landesgrenze gegen Italien bildenden Kette des Basodino, 
hinten über dem Val Calnegffia, einem Nebenarm des 
Yal Bavona. 5,5 km ssö. vom Basodino. 

FORMAZZORA (Kt. Tessin, Bez. Leventina, Gem. 
Bedretto). 1620-2400 m. Alpweide mit 5 Hätten, im Val 
Bedretto, am Fusswe^ über den San Giacomo Pass und 
4 Stunden aber Airolo. Eigentum der Gemeinden Faido 
und Mairengo. Wird mit 150 Kuben und 120 Ziegen be- 
zogen. Pro Jahr werden hier im Durchschnitt 64 Meter- 
zentner Fettkäse hergestellt. 

FORMAZZORA (PA880> (Kt. Tessin, Bez. Valle 
Maggia). Zwei einander benachoarte und parallel verlau- 
fende Passäbergänße, als w. und ö. Formazzorapass von 
einander unterschieden und 2900, bezw. 2800 m hoch. 
Jener zwischen Marchhorn und Pizzo di Formazzora, die- 
ser zwischen Pizzo di Formazzora und Poncione Gran- 
dinagia. Beide verbinden San Carlo im Val Maggia mit 
AlKAcqua im Val Bedretto in je 5-6 Stunden. Hier und da 
von den Einheimischen und den wenigen Touristen be- 
gangen, die sich in die vom Fremdenstrom vernachlässigte 
Gruppe des Basodino verirren. 

FORMAZZORA (PIZZO DI) (Kt. Tessin, Bez. Valle 
Maggia). 2923 m. Gipfel, in der die Landesgrenze gegen 
Italien bildenden Kette des Basodino, zwi- 
schen den beiden Pässen von Formazzora, 
von wo aus er in wenigen Minuten zu- 
gänglich ist. Besteiffung erfordert von San 
Carlo im Mafigiathal oder von Air Acqua 
im Bedrettotnal aus je etwa 4 Stunden. 

FORMIGHERA (Kt. Tessin, Bez. Lo- 
camo, Gem. Gerra). 773 m. Gruppe von 10 
Häusern, am rechten Ufer der Verzasca, an 
der Strasse Brione-Frwco und 4jD0 m *s. 
Gerra. Im Frühjahr und Herbst je 42 Ew. 
Viehzucht. Auswanderung nach Californien. 

FORNACE (Kt. Tessin, Bez. Lugano, 
Gem. Noranco). 322 m. Zieffelei und Back- 
steinfabrik, im Pian Scairok), 300 m ö. No- 
ranco und 3 km sw. vom Bahnhof Lugano. 
Telephon. 4 Häuser. Je nach der Jahreszeit 
30-180 kathol. Arbeiter. Kirchgemeinde San 
Pietro Pambio. Grosse Lehmgruben. 

FORNACI (Kt. Tessin, Bez. Lugano, 
Gem. Caslano). 275 m. Kalkbrüche und 
Kalkbrennereien, am Luganersee, am N.- 
Fuss des Sassalto, 200 m s. Caslano. Für die 
Herstellung von gebranntem Kalk vorzüglich 
geeigneter Stein. Die Kalköfen früher weit 
bedeutender. 

FORNACI (Kt. Tessin, Bez. Mendrisio, 
Gem. Balema). 274 m. Ziegelei, Backstein- 
fabrik und grosse Lehmgruben, 500 m nw. 
der Station Baierna der Linie Bellinzona-Lugano-Chiasso 
der Golthardbahn. 10 Häuser, 100 kathol. Ew., wovon 60 
Arbeiter. 



FORNALE (BOCCHETTA DEL) (Kt. Tessin, Bez. 
Locamo). 2020 m. Passübergang, auf der Landesgrenze 
gegen Italien, zwischen Monte Gridone im 0. und den 
Rocce del Gridone im W. ; verbindet Palagnedra im Cen- 
tovalli mit Cavaglio im italienischen Val Cannobina. 

FORNASETTE (Kt. Tessin, Bez. Lugano, Gem. 
Monteggio). 297 m. Gruppe von 6 Häusern, an der Landes- 
grenze geffen Italien, an der Strasse Ponte Tresa-Luino, 
2 km w. oer Station Cremenaga der Linie Ponte Tresa- 
Luino und 1,5 km sw. Montecgio. 26 kathol. Ew. Kirch- 
gemeinde Sessa. Ziegelei. Zollamt. 

FORNfe (Kt. Tessin, Bez« Lugano, Gem. Sigirino). 
904 m. Alpweide mit Gruppe von 25 im Frühjahr und 
Herbst bezogenen Hütten, im Val Buja (einem kleinen 
Nebenarm der Valle Cusello), 1 km w. Sigirino und zwei 
Stunden nw. der Station Taverne der Linie Bellinzona- 
Lugano-Chiasso der Gotthardbahn. Butter und Käse. 

FORNEI (BOCCA DI) (Kt. Graubünden u. Tessin). 
2879 m. Einschartung, zwischen Cima Fornei und Piz 
Cassimoi, in der Adulasruppe ; verbindet das Val Carasina 
mit dem Thal des Valser Rhein. Schmal und vereist, 
wenig begangen. 

FORNEI (CIMA)(Kt. Tessin, Bez. Blenio). 3056 m. 
Gipfel, in der Adulagruppe ; in der vom Rheinwaldhorn 
nach N. auszweigenden kette und 4 km von ihm entfernt, 
n. vom Piz Jut (3128 m) und s. vom Piz Cassimoi (3126 m), 
von welchem ihn die Bocca di Fornei trennt. 

FORNEI (GHIACCIAJO DI) (Kt. Tessin, Bez. Ble- 
nio). 2810-2520 m. Kleiner Gletscher, sw. der Cima For^ 
nei und der Bocca di Fornei und w. vom Piz Jut. Sendet 
seine Schmelzwasser zum Wildbach des Val Carasina, 
der bei Olivone in den Brenno mün4et. 

FORNET DE880U8 (Kt. Bern, AmUbez. Münster, 
Gem. Chätelat). 981 m. Gruppe von 8 Häusern, 1 km ö. 
Fornet Dessus, an der Strasse Bellelay-La Joux. 51 reform. 
Ew. Viehzucht, Käserei. 

FORNET DESSUS (Kt. Bern, Amtsbez. Münster, 
Gem. La Joux). 977 m. Weiler, an der Strasse Bellelay- 
La Joux-Saulcy-Glovelier, 2 km ö. La Joux und 2 km n. 
Bellelay. Postablage, Telephon ; Postwaffen Glovelier^Bel- 
lelay. 24 Häuser, 148 kathol. Ew. Ackerbau u. Viehzucht. 

FORNO, FORCELLA (Kt. Graubünden, Bez. Ma- 
loja). 3087 m. Hoher Gletscherpass, s. vom Monte del Forno 
und über der Fornohütte, auf der Landesgrenze gegen 
Italien ; führt nach 0. ins italienische Val Malenco. Wird 
des bequemeren benachbarten Passo del Muretto wegen 
nur selten begangen. 



iga 



FORNO (GHIACCIAJO DEL) (Kt. Graubünden, 




Zunge des Fornogletschers, von Norden. 

Bez. Maloja). 3300-2050 m. Grosster Gletscher im Gebirgs- 
stock Albigna-Monte della Disgrazia (w. Abschnitt des Ber- 
ninamassives), zugleich grosster Gletscher Graubündens 



442 



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überhaupt. 8 km lang, Zunge 600-800 m breit; sanft und i ra. Einer der höchsten Gipfel des Kantons Tessin^ im Ge- 
gleichmassig geneigt, wenig zerklüftet und leicht zu be- I birgsstock des Pizzo Campo Tencia, von diesem nach 0, 




Monte del Forno, vom Cavlocciosee aas. 

gehen. Ringsum steht ein grossartiger Kranz von Eis- 
spitzen : Piz Bacone (3249 m), Cima di Cantone (3360 m), 
Cima di Castello (3400 m), Pizzi Torrone (3270, 3194 und 
3333 m), Monte Sissone (3554 m), Cima di Ros8o(337i m) 
und Monte del Forno (3219 m). Vom Maloja (1817 m) aus 
durch Val Muretto und über den Cavlocciosee in etwas 
mehr als einer Stunde leicht zu erreichen. Bis zur Forno- 
hütte 1 Vt Stunden. 

FORNO (MONTE DEL) (Kt. Graubünden, Bez. Ma- 
loja). 3219 m. Gipfel, im Berninamassiv, ö. über dem 
Fornogletscher und in der kurzen Kette zwischen diesem 
und dem Passo del Muretto, s. vom Pizzo dei Rossi und 
auf der Landesgrenze gegen Italien. 7-8 Stunden so. über 
r^dsflccis 

FORNO (PIANO) (Kt. Tessin, Bez. Leventina). 2140 
m. Gipfel, bis zu oberst mit Wald bestanden, der Haupt- 
kette rechts über der Leventina vorgelagert, über dem 




FornohQtte u. oberster Foroogletscher, von Norden 



Dorf Personico und zwischen dem Val Marcri und Val 
d'Ambra. 6 km w. über Biasca. 

FORNO (PIZZO) (Kt. Tessin, Bez. Leventina). 2909 



zwischen Val Piumogna und Val Chironico 
vorgeschoben; 8-9 Stunden wnw. über dem 
Dorf Chironico. Beide Gehänge wenig steil, 
aber von 2200 m an aufwärts felsig und z. 
T. mit Schutthalden bedeckt. Selten bestie- 
gen. 

FORNOHÜTTE (Kt. Graubünden, Bez. 
Maloja). 2561 m. Schutzhütte, von einigen 
Freunden des Hochgebirges 1889 erbaut; sw. 
unter dem Monte del Forno und über dem 
Fornogletscher. Ausgangspunkt für eine 
grosse Anzahl von herrlichen Hochgebirgs- 
touren. 

FORNY (Kt. Wallis, Bez. Entremont, 
Gem. Liddes). 1200 m. Gruppe von 6 Häu- 
sern, am linken Ufer der Dranse d'Entre- 
mont, am Fuss des Waldes von Montatuay a. 
2,5 km nw. Liddes. 23 kathol. Ew. 

FORNY8 (LE8 GR08 und I.E8 PE- 
TiT8) (Kt. Freiburg, Bez. Greierz, Gem. 
Charmey). 900-1000 m. Schöne Alpweide mit 
5 Hütten, im Thal der Jaun und am Eingang 
eines kleinen Seitenthaies, das im NW. von 
den Dents Vertes und im SO. von den Vanels 
de Raveyres überragt ist; 3,5 km so. Char- 
mey (Galmis). Schöne Quellen, zusammen 
mit denen von Bonne Fontaine für die 
Wasserversorgung der Stadt Bulle ange- 
kauft. 
FOROGLiO (Kt. Tessin, Bez. Valle Maggia, Gem. Ca- 
vergno). 674 m. Gruppe von 10 im Frühjahr und Herbst 
bezogenen Hütten, im Val Bavona und am Eingang ins 
Val Calneggia, 5 km nw. Cavergiio. Ausgezeichnete But- 
ter. Schöner Wasserfall. Von hier aus fuhren durch das 
Val Calneffgia die Forcolaccia (2525 m) und der Passo di 
Cazzola (2413 m) ins italienische Formazzathal hinüber. 
FORON (LE) (Kt. Genf). Bach ; entspringt am N.- 
Hang der Voirons (Hoch Savoyen) in etwa 850 m, nimmt 
von links eine Heihe von ebenfalls an den Voirons ent- 
springenden Nebenbächen auf und mündet nach ^ km 
langem Lauf in 395 m von rechts in die Arve. Fliesst im 
oberen und mittleren Abschnitt seines Laufes auf eine 
Länge von 16 km auf französischem Boden und bildet 
dann mit seinem rechten Ufer während der übrigen 7 km 
die Landesgrenze gegen Frankreich. 13 Brücken, wovon 
5 auf die Strecke längs der Grenze entfallen. Eine Eisen- 
bahnbrücke. 

FORREN (Kt. Appenzell L H., Gem. 
Schwendi). 820 m. Sennberge und 13 zer- 
streut gelegene Häuser, über dem linken 
Ufer der Sitter, 1 km so. vom Flecken 
Appenzell und 2,5 km nnw. der Kirche 
Schwendi. 98 kathol. Ew. Vieh-, beson- 
ders Schweinezucht: Handel mit Käl- 
bern. Stickerei. Torr- und Sandgruben. 
Die Forren sind Gemeindegut, von wel- 
chem jeder Grundeigentümer des Fle- 
ckens Appenzell und Umgebung, dessen 
Vermögen die Summe von 2100 Franken 
übersteigt, ein Stück Kulturland zum 
eigenen Anbau beanspruchen kann. Die 
armem Bürger haben den gleichen An- 
spruch auf das Hied bei Appenzell. S. 
(Ten Art. Hied. 

FORRENBERG (Kt. Zürich, Bez. 
Winterthur, Gem. Seuzach). 470 m . Gruppe 
von 5 Häusern, am N. -Hang des Lindbei^ 
und 1,5 km sw. der Station Seuzach der 
Linie Winterthur - Etzwilen - Singen. 22 
reform. Ew. 

FORRENMOOS (Kt. Zürich, Bez. 

Horgen, Gem. Hinel). 690 m. Gruppe von 

7 Hausern, 2 km nö. der Station Sihlj 

bruggder Linie Zürich-Thalwil-Zug u. 1,5 

km nnw. der Kirche Hirzel. 28 ref. Ew. 

FORRY (Kt. Freiburg, Bez. Saane, Gem. Freiburg). 

Weiler. Auf der Siegfried karte fälschlich so geheissen. ö. 

den Art. ToRRY. 



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FOR8CHEI.I.A (Kt. Graubdnden, Bez. Albula). 2258 
m. N.-EDde der Kette des Piz Scalotta und der vom Stal- 
lerberg bis Mühlen reichenden Monti dils Laiets, ö. vom 
Piz Platta. 

FORST und FOR8T8EELI (Kt. Appenzell I. R., 
Gem. Röti). 1273 und 1204 m. Einige Alphütten u. kleiner 
See, am O.-Hang des Fähnerenspitz, im Schartwald, 8 km 
so. über Appenzell. Quellsee des Freienbacherbaches. 

FORST (Kt. Bern, Amtsbez. Aarwangen, Gem. Thun- 
stetten). 520 m. Dorf, 2 km s. der Station Büzberg der 
Linie Bem-Olten und 1,2 km sw. der Kirche Thunstetten. 
49 Häuser, 310 reform. Ew. Landwirtschaft. Käserei. 

FORST (DER) (Kt. Bern, Amtsbez. Bern u. Launen). 
Eine der ^rössten Waldungen des schweizerischen BTittel- 
landes ; nimmt den zentralen Teil des von den Thälem 
der Aare, Saane und Sense umgrenzten Plateaus ein. Die 
rund 1200 ha des Forstes im engeren Sinne verteilen sich 
auf die Gebiete der Gemeinden Neuenegg, Mühleberg, 
Bümpliz und Köniz. Der Boden des Waldes ist leicht 

gewellt, 
seine Höhe 
schwankt 
zwischen 
580 und 660 
m. Einige 
Thalgraben 
durchfur- 
chen die 
randlichen 
Partien. Eis- 
zeitlicher 
Rhonefflet- 
scherscnutt 
bedeckt die 
Molasse an 
sehr vielen 
Stellen. Ne- 
ben der Rot- 
tanne bildet 
auch die 
Buche an- 
sehnliche 
Bestände. 
Dieser 
Wald ist 
eine alte 
Staatsdo- 
mäne der 
Stadt Bern 
gewesen. In 
der Hand- 
veste von 
1218 erteilt 
Friedrich 
IL den Bur- 
Rem Berns das Nutzungsrecht im Forstwald, der auf 
Reichsboden lag. 1310 erwarb die Stadt die |i^nze Land- 
schaft im Winkel der drei Flü^e zugleich mit dem Forst 
und 1339 behauptete sie diese Erwerbung in der Schlacht 
von Laupen, die aber nicht am. westlichen Saum des Fors- 
tes, wo jetzt das Denkmal steht, sondern noch näher ge- 
f^en Laupen hin, bei Widen, zur entscheidenden Entwick- 
ung kam. 1803 ^in^ der Wald nach längeren Verhand- 
lungen in den Besitz der bemischen Burserschafl über. 
Noch heule bildet er den Hauptbestandteil der bürgerli- 
chen Forsten. 

FOR8T (Kt. Bern, Amtsbez. Thun). 655 m. Gem. und 
Weiler, am W.-Hangder Höhen zwischen Aare- u. Gurbe- 
thal, an der Strasse Thierachem- Watten wil und 1,5 km 
8ö. der Station Watten wil der Gürbethalbahn (Bem-Wat- 
tenwil-Thun). Telephon. Gemeinde, mit Breiten : 49 Häu- 
ser, 297 reform. Ew. ; Weiler: 9 Häuser, 09 Ew. Kirchge- 
meinde Amsoldingen. Landwirtschaft. Schöne Aussicht 
auf Stockhom kette und Gürbethal. Nahe dem Weiler zwei 
Brücken über die Gürbe. 

FOR8T (Kt. St. Gallen, Bez. Ober Rheinthal, Gem. 
Altstätten). 490 m. Gruppe von 3 Häusern, auf einer mit 

ßiten Reben und Obstbäumen bestandenen sonnigen 
öhe, 400 m s. Altstatten und 1,8 km w. der Station Alt- 
stätten der Linie Rorschach-Sargans. 56 reform. u. kathol. 




Wasserfall b«i Foroglio. 



Ew. Wiesen-, Wein- und Obstbau, Viehzucht. Stickerei. 
Vor Kurzem restaurierte Kapelle. Schöne Aussicht ins 
Rheinthal. 

FOR8T (Kt. St. Gallen, Bez. Werdenberg, Gem.Grabs). 
630 m. 20 am O.-Hang des Grabserbergs zerstreut gele- 
gene Häuser, 1 km w. Grabs und 4,5 km nw. der Station 
Buchs der Linie Rorschach - Sargans. 104 reform. Ew. 
Ackerbau und Viehzucht. 

FOR8T (HINTER) (Kt. St. Gallen, Bez. Ober Rhein- 
thal, Gem. Altstätten und Eichberg). Gemeindefraktion. 
S. den Art. Hinterforst. 

FORST (OBER u. UNTER) (Kt. Aargau, Bez. Rhein- 
felden). 280-340 m. Grosser Wald, am linken Ufer des 
Rhein, zwischen diesem und der Bahnlinie Brugg- Basel, 

3 km nö. Möhlin. 850 ha. 

FORSTBACH (Kt. Obwalden). Kleiner Bach; ent- 
springt auf der Schwänder Allmend in 1730 m, nimmt von 
links den Steinibach auf und mündet nach 5 km langem 
Lauf in der Richtung SO. 1,5 km sw. Ober Wilen in 472 
m in den Sarnersee. 

FORSTBERG (Kt. und Bez. Schwyz). 2219 m. Schö- 
ner Gipfel, im Bergstock des Drusbergs und 1,5 km wsw. 
von diesem, hinten über dem Thal der Stillen Waag und 

4 km nö. über dem Dorf Muotathal. Fällt nach allen Sei- 
ten, besonders aber nach S. zum Muotathal steil ab. An 
seinen Hängen wechseln Fels- u. Rasenbänder u. Schutt- 
halden miteinander ab. 

FORSTEGG (Kt. St. Gallen, Bez. Werdenberff, Gem. 
Sennwald). 445 m. Gruppe von 5 Häusern, am N.-Fuss 
des Hügels, auf dem das Schloss Forstegg steht, an der 
Strasse Salez- Sennwald und 1 km nw. der Station Salez 
der Linie Rorschach-Sargans. Telephon. 37 reform. Ew. 
Ackerbau und Viehzucht. Armenhaus. Heilbad. 

FORSTEGG (SCHLOSS) (Kt. St. Gallen, Bez. Wer- 
denberg, Gem. Sennwald). 473 m. Burgruine, auf einer 
Anhöhe 700 m nw. der Station Salez der Linie Rorschach- 
Sargans. Von Heinrich von Sax zum Schutz gegen die 
Ueberfälle Hu|fos II. von Montfort 1206 erbaut, später Ei- 
gentum der Ritter von Hohensax. dann der hier residie- 
renden zürcherischen Landvöffte aer Herrschaft Hohensax. 
Kam 1803 an den Staat St. Gallen, der das Schloss 1817 an 
einen Privatmann verkaufte. 

FORSTEN (Kt. St. Gallen, Bez. Gaster, Gem. Schän- 
nis). 438 m. Gruppe von 7 Häusern , an der Strasse 
Schännis - Kaltbrunn und 3,5 km n. der Station Schännis 
der Linie Rapperswil - Wesen - Sarsans. 42 kathol. Ew. 
Kirchgemeinde Maseltrangen. Ackeroau und Viehzucht. 

FORSTHAUS SIHLWALD (Kt. Zürich, Bez. und 
Gem. Horgen). Häusergruppe. S. den Art. Sihlwaj^d. 

FORSTSEELI (Kt. Appenzell I. R., Gem. Rüti). Klei- 
ner See. S. den Art. Forst (Kt. Appenzell). 

FORT (BEAU) (Kt. Wallis, Bez. Entremont). 3054 m. 
Gipfel, sw. Vorberg aer Grande Aiguille des Maisons Blan- 
ches, in der Gruppe des Grand Combin, zwischen den 
Thälem von Bagnes und Entremont. Felsspom ohne be- 
sonderes Interesse, von dem 3 Stunden uoer Bourg St. 
Pierre ffelegenen ehemaligen Schutzhaus La Grande 
Penna oder Les Maisons Blanches aus in einer Stunde zu 
erreichen. 

FORT (COL DU MONT) (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont). 3026 m. Passübergang, zwischen Mont Fort und 
Petit Mont Fort : übereister plateauförmiger Einschnitt. 
Fionnav im Val ae Bagnes-Passhöhe 5 Stunden, Passhöhe- 
Val de Nendaz-Sitten 5 Stunden. Wenig begangen, da die 
Touristen den leichter zu traversierenden benachbarten 
Col de Louvie vorziehen. 

FORT (MONT) (Kt. Wallis, Bez. Ck)nthey u. Entre- 
mont). 3330 m. Gipfel, in der Kette des Mont Pleureur, 
zwiscnen den Thälem von Ba^es, Nendaz und Hör^- 
mence ; steigt als kühne Pyramide zwischen Bagnes und 
dem Val de Cleuson auf und sendet drei Gräte aus : einen 
SO.-Grat, der den Petit Mont Fort (2938 m) trägt und am 
Col de Louvie endigt ; einen NNW.-Grat, der den Bec des 
Etagnes (3211 m) trägt und dessen Ende, die Crdte de 
TAi^etta, das Val de Cleuson vom Val de Tortin trennt ; 
einen SW.-Grat. der sich bald in zwei Arme teilt, dessen 
einer den Bec d'Aget (2983 m), Bec des Roxes (32^ m) u. 
Bec Termin (3052 m) und dessen anderer die Monts de 
Sion (3047 und 2940 m), den Col de la Chaux und den 
Mont GeU oder die Becca de la Grande Joum^ (3028 m) 



144 



FOR 



FOÜ 



irdft. Zwei von diesem letzteren auszweigende, znr Dent 
de Nendnz und zum Mont Chemin ziehende kleine Ketten 
rechnet man nicht mehr zum Gebircsstock des Mont Fort. 
Von Fionnay aus in 4, vom Col du Mont Fort aus in V4 
Stunden ziemlich leicht zugänglich. Prachtvolle Aussicht, 
besonders auf die Gruppe des Grand Combin. Der zentrale 
Gipfel besteht aus drei einzelnen Spitzen, die durch kurze 
Eiskämme mit einander verbunden sind. 

FORT (PETIT MONT) (Kt. Wallis, Bez. Conthey u. 
Eutremont). 2938 m. Gipfel, so. Vorberg des Mont Fort 
und von diesem durch den Col du Mont Fort geschieden ; 
vom Col de Louvie aus in ^/^ Stunden leicht zu ersteigen. 
Gipfel besteht aus zwei deutlich von einander getrennten 
Spitzen. 

FORT (PRAZ DE) (Kt. Wallis, Bez. Entremont, Gem. 
Orsietes). Weiler. S. den Art. Praz de Fort. 

FORTERE88E (LA) (Kt. Wallis, Bez. Monthey und 
St. Maurice). 3116 m. Gipfel, eine der Spitien der Dent du 
Midi, zwischen dem Val d'lUiez und dem Thal des Trient ; 
von der Cime de TEst durch den Col de ia Cime de l'Est 
getrennt und mit der Cath^drale üt>er die Aiguille Delez 
durch einen schwierig zu begehenden Grat verbunden. 
Zum erstenmal 1870 durch £. Javelle, den bekannten 
Schi) derer der Hochgebirgswelt der Alpen, und Oberhau- 
ser bestiegen. Die Haute Cime und Forteresse sind die 
zwei am wenigsten schwierig zu erkletternden Spitzen 
der Gruppe der Dent du Midi. Von Salanfe aus, wo ge- 
wöhnlich Nachtquartier genommen wird, in 5 Stunden 
zu erreichen. 

FORTEZZA (Kt. Graubänden, Bez. Maloja). 3365 m. 
Eis- und Felsgrat, über den Eismassen des Vadret de Pers 
und dem obern Abschnitt des Morteratschgletschers und 
zwischen diesen beiden. Steigt über der isla Persa terras- 
senförmig nach S. bis zur Fuorcia Bellavista an. Ueber 
die Fortezza führt einer der begangensten Touristen wege 
von der Bovalhütte und dem Diavolezzapass Aach dem Piz 
licrnina und seinen ö. Nachbarn, der Crast'Agüzza, dem 
Piz Zupo, der Bellavista und dem Piz Palü. 

FORTINO (Kt. Graubünden, Bez. Bernina, Kreis und 
Gem. Puschlav). 970 m. Burgruine, über dem rechten 
Ufer des Puschlaversees, an der Strasse i^uschlav-Tirano 
und 5 km so. Puschlav. 

FORTUNE (LA) (Kt. Freiburg, Bez. Gläne , Gem. 
Chavannes sous Orsonnens). 692 m. Weiler, 1 km sw. 
Chavannes sous Orsonnens und 1,5 km ö. der Station Vil- 
laz-St. Pierre der Linie Freiburg-Lausanne. 12 Häuser, 60 
kathol. Ew. Kirchgemeinde Orsonnens. Getreide- u. Kar- 
toflelbau. Viehzucht u. Milchwirtschaft. 

FORTUNE (A LA) (Kt. Freiburg, Bez. Gläne, Gem. 
Villariaz). Häusergruppe, vor dem SO.-Ende des Dorfes 
V1LI.ARIAZ. S. diesen Art. 

FORTUNEI (ALPE DI) (Kt. Tessin, Bez. Leventina, 
Gem. Airolo). 2050-2900 m. Eine der höchstgelegenen Alp- 
weiden des lUntons Tessin, ö. über der Gotthardstrasse 
und 1-2 Stunden nö. über dem Gasthaus Prosa auf der 
Passhöhe. Wird mit 60 Kühen und 30 Ziegen bezogen. 
Ausgezeichneter Fettkäse. 

FORTUNO (Kt. Wallis, Bez. Harens, Gem. Ayent). 
1025 m. Weiler, n. Fortsetzung des Dorfes Saint Romain, 
der grössten Siedelung der Gemeinde Ayent. 16 zu beiden 
Seiten des Weges zum Rawilpass aufgereihte Häuser und 
Stadel, 500 m von der Pfarrkirche entfernt. 116 kathol. 
Ew. 

FORUN (PIZ) (Kt. Graubünden, Bez. Albula). 3051 m. 
Felsgipfel, im Stock des Piz Kesch und 4 km nnw. von 
diesem ; zwischen Piz Kcsch und Porchabellagletscher 
einerseits und Piz Forun andererseits die Fuorcia d'Alp 
Fontana. Der Piz Forun ist der zentrale Stock einer klei- 
nen Gebirgsgruppe, die zwischen Val Tuors im W. und 
Val Fontana im 0. aufsteigt und im N. durch die breite 
Senke der Lais da Raveis-ch begrenzt wird. Von der am 
Rand des Porchabellagletschers stehenden Keschhütte des 
S. A. C. aus in einer Stunde leicht zu erreichen. 

FORT oder LA F0R£T (Kt. Wallis, Bez. Martinach, 
Gem. FuUy). 475 m. Dorf, den grössten Teil des Jahres 
unbewohnt, am Fuss des grossen und schönen Weinbau- 
bezirkes von Les Claires oder La Combe d'Enfer, 4(X) m 
w. vom Dorf Fully (Vers r£glise). Besteht aus etwa 50 Heb- 
häuschen und Weinpressen, Eigentum der Bewohner des 
Bezirkes Entremont, denen der grösste Teil dieser Wein- 



I berge gehört. Wenn zur Fastnacht und zur Zeit der Wein- 
lese die Besitzer hierher kommen und dann jedes Häus- 
chen mehrere Haushaltungen zugleich beherbergt, entfaltet 
sich in diesem sonst so stillen Winkel ein fröhliches und 
reges Leben. 

F08AN0 (Kt. Tessin, Bez. Locamo, Gem. Vira-Gam- 
barogno). 350 m. Weiler, 800 m s. Vira und 3 km sv9. der 
Station Ma^adino der Zufahrtslinie Luino-Bellinzona der 
Golthardbahn. 19 Häuser, 74 kathol. Ew. Acker- u. Wein- 
bau, Vieh- und Seidenraupenzucht. 

F08EN (Kt. St. Gallen, Bez. Ober Toggenburg, Gem. 
Krummenau). 1090 m. Gruppe von 6 Häusern, in einem 
kleinen rechtsseitigen Nebenthal zum Toggenburg, 6 km 
ö. der Station Ebnat-Kappel der Toggenburgerbahn und 
1,5 km nö. Krummenau. 37 reform. Ew. Wiesenbau ond 
Viehzucht. 

F088 (8UR IL) (Kt. Graubünden, Bez. Inn). 2325 m. 
Tief eingeschniltene Senke, zwischen den Bergstöcken 
des Piz Tavrü und Piz Pisoc ; verbindet das Val Plavna 
mit dem Val Mingdr und weiterhin mit dem ScarlthaJ. 
6 km WSW. über bcarl. 

F088ADA (p0880 DI) (Kt. Tessin, Bez. Bellin- 
zona). 1200 m. Käsen bestanden er Bücken, zwischen Val 
di Fossada und seinem w. Nachbarn, dem Val di Ras- 
cada ; 4,5 km ö. über Sanf Antonio. Einige Hütten. 

F088ADA (VAL DI) (Kt. Tessin, Bez. Bellinzona). 
1800-900. Rechtsseitiges Nebenthal zum Val Morobbia, das 
selbst wieder 2 km unterhalb Bellinzona auf das Thal des 
Tessin ausmündet. Das Val di Fossada steigt vom Passo 
di San Jorio nach SW. ab und vereinigt sich 3,5 km unter- 
halb der Passhöhe mit dem Val Morobbia. Hütte in 1461 
m. Durch Val Morobbia und Val di Fossada führt der Weg 
über den sehr bekannten und stark begangenen Passo di 
San Jorio. 

F088ARD (Kt. Genf, Linkes Ufer, Gem. Thönei). 
402 m. Weiler, am rechten Ufer des zur Arve gehenden 
Foron, 4 km so. Genf und 1 km onö. der Station ViUette 
der elektrischen Strassenbahn Genf-Veyrier. Telephon. 
14 Häuser, 59 kathol. Ew. 

F088ARD <EN) (Kt. Freiburg, Bez. Greierz, Gem. 
Pont Ia Ville). 808 m. Gruppe von 3 Häusern; 2,5 km 
nnö. Pont Ia Ville und 14,5 km nnö. der Station Bulle der 
Linie Bulle-Romont. 19 kathol. Ew. Futterbau und Vieh- 
zucht. 

F088AUX (LE) (Kt. Wallis, Bez. Monthey, Gem. 
Vouvry). Wildbach ; entspringt ö. unter dem von Vouyry 
nach ChAtcl d'Abondance fuhrenden Pas de Vernaz in 1377 
m und mündet nach 6 km langem Lauf nach O. 700 m 
nö. Vouvry in 382 m von links in die Rhone. Nimmt die 
unterirdisch abfliessenden Wasser des Lac deTaneyaof. Auf 
seinem Schuttkegel, rechts vom heutigen Flussbett, steht 
das Dorf Vouvry. 

FOT (PIZ) (Kt. Graubünden, Bez. Inn). 2595 m. Wenig 
bemerkenswerter Gipfel, s. vor dem Piz Mondin, 5 km n. 
über Schieins im Unter Engadin und 5-6 Stunden nw. 
über Martinsbrück. 

FOUQfeRE|FIOUG£REod.FLOGfeRE(LA),auch 
EN FIAUG^RE geheissen(Kt.Waadt,Bez.Morges,Gem. 
Yens). 639 m. Gruppe von 2 Häusern, nahe dem linken 
Ufer des Boiron, der Strasse Saint Prex-Ballens und der 
zwischen Yens und Ballens gelegenen Waldungen ; 2,3 km 
nw. Yens. 19 reform. Ew. Kirchg^emeinde Saint Livres 
und Yens. 200 m sw. davon am Boiron eine Mühle. 

FOULAT oder FOULAZ (MONT) (Kt. Wallis, Bez. 
Entremont). 3671 m. Eisdom, in der Gruppe des Grand 
Combin, zwischen den Thälern von Bagnes u. Entremont. 
Wird von den Landleuten im Val d*Entremont auch wohl 
Dent du Midi geheissen. Besteijpung ohne grosse Schwie- 
rigkeiten, von der Panossicrehütte aus sw. um den Com- 
bin de Corbassi^re herum oder über diesen Gipfel selbst 
in etwa 4 Stunden zu bewerkstelligen. Der Mont Foulat 
auf der Siegfriedkarte irrtümlich Petit Combin geheissen, 
welcher Name dem genauer Combin de Boveyre geheis- 
senen Gipfel 3649 m zukommt. 

FOULAT8 (LE8) (Kt. Wallis, Bez. Entremont). Gip- 
fel. S. den Art. Folläts (Les). 

FOULAZ (LA) (Kt. Waadt, Bez. Orbe, Gem. Croy). 
Hüusergruppe. S. den Art. Foule (La). 

FOULAZ (MONT) (Kt. Wallis, Bez. Entremont). Gip- 
fel. S. den Art. Foulat (Mont). 



FOÜ 



FOÜ 



145 



FOULE (LA) (Kt. Bern, Amtsbez. und Gem. Münster). 
Schöne kleine Klus, die die Antiklinale zweiter Ordnung 
der Verrerie de Moutier durchschneidet; Höhle u. Strom- 
quelle, die zur Zeit der Schneeschmelze als starker Wild- 
bäch aus den Felsen hervorbricht. 

FOULE (LA) (Kt. Neuenbürg, ßez. Boudry, Gem. Gor- 
gier). 460 m. Oelmühle und Ofenrabrik, am Bach von 
Uiez le Bart, 500 m n. vom Weiler Chez le Bart u. 1 km 
ö. der Station Saint Aubin-Gorgier der Linie Neuenburg- 
Yverdon. Ehemalige Uanfmühle. 

FOULE (LA) (Kt. Neuenburg, Bez. und Gem. Le 
Locle). Quartier der Stadt Le Locle. S. diesen Art. 

FOULE (LA) (Kt. Waadt, Bez. Cossonay, Gem. La 
Sarraz). 475 m. Gruppe von 6 Häusern, nahe dem linken 
Ufer der Venoge, an der Strasse Lausanne- Orbe u. 500 m 
SSW. La Sarraz. 75 reform. Ew. 

FOULE oder FOULAZ (LA) (Kt. Waadt, Bez. Orbe, 
Gem. Croy^. 617 m. Gruppe von 4 Häusern, am rechten 
Ufer des Nozon etwas oberhalb des Wasserfalles Le Dard, 
900 m s. der Station Croy der Linie Lausanne-Pontarlier. 
20 reform. Ew. Säge, Mühle, Feilenhauerei. 

FOULE (VIEILLE) (Kt.Waadt, Bez. u. Gem. Payerne). 
Häusergruppe. S. den Art. Vieille Foule. 

FOULET8 (LE8) (Kt. Neuenburg, Bez. und Gem. La 
Chaux de Fonds). 1022 m. Thälchen mit 
einigen Meierhofen,2 km nö. der Halte- 
stelle Les £platures der Linie La Chaux 
de Fonds-Le Locle und 2,^ km sw. La 
Chaux de Fonds. Id Häuser, 75 reform. 
Ew. Viehzucht. Argovien-Combe, Fort- 
setzung derjenigen .von ^ Entre deux 
Monts. Längs des NW. -Randes der 
Combe von Les Foulets eine Reihe von 
Trichtern femposieux), durch die bei 
normalem Wasserstand die z. T. torfi- 
gen Wasser des Thälchens ablliessen. 
FOULY (LA) (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont). Maiensässe. S. den Art. Fotly 
(U). 

FOULY (MONT DE LA) (Kt. Wal- 
lis, Bez. Entremout). Gipfel. S. den Art. 
FoLLY (Munt de la). 

FOUNEX (Kt. Waadt, Bez. Nyon). 
400 m. Gem. und Dorf, nahe dem Ufer 
des Genfersees und der Strasse Lau- 
sanne-Genf, an der Strasse Cöligny-Cop- 
pet, 2 km n. Coppet und 6,8 km ssw. 
Nyon. Haltestelle der Linie Lausanne- 
Genf. Telephon. Gem., mit dem Weiler 
Le Chataign^riaz : 76 Häuser, 374 zur 
Mehrzahl reform. Ew. ; Dorf: 42 Häu- 
ser, 186 Ew. Reformierte Kirchgemeinde 
Comrougny. Katholische Kapelle. Acker- 
und Weinbau. Das Dorf bis 17Ö8 Teil 
der Baronie Coppet. 1224: Fosnai; 1251 : Founai. Unter 
der über dem Steilufer des Sees bis zum Dorf hinauf 
ziehenden Moräne steht Molasse der aquitanischen Stufe 
an. 

FOUR (GROTTE OV) (Kt. Neuenburg, Bez. u. Gem. 
Boudry). 535 m. Höhle (Mume), unter einer aus Schich- 
ten des untern Valangien bestehenden, überhängenden 
Felswand, in den Gorges de TAreuse und 30 m über dem 
linken Ufer des Flusses; 1,8 km nw. der Station Boudry 
der Linie Neuenburg - Lausanne. Vorhistorische Kultus- 
und Opferstätte aus gallischer Zeit. Vergl. Desor, Ed. La 
caveme ou bäume du Four im Musee Neuchdtc.lois. 
1871. 

FOUR (PLAN DU> (Kt. Waadt, Bez. Aicle, Gem. 01- 
lon). 1600 m. Kleine Alpweidenterrasse mit 4 Hütten, am 
^.-Hang der Chaux Ronde oder des Signal de Conche und 
am rechtsseitigen Gehänge des Thaies der Gryonne. 1 '/, 
Standen nö. über Villars. Abteilung der Alpweiden von 
Charmet; wird im Juni und September bezogen. 

FOURCHAUX (LA) (Kt. Bern, Amtsbez. Courtelary, 
Gem. St. Immer). Häusergruppe, mit grossem Bauernhof 
und Gasthaus, 8üO m w. St. immer. 17 kathol. Ew. Sehr 
bemerkenswert sind die hier am Fuss des Sonnenbergs 
unter den Portlandschichten anstehenden Schichten des 
Purbeck. 
FOURCHE. Ortsname; bezeichnet gewöhnlich einen 



Passüberffang oder eine Senke zwischen zwei Gipfeln. S. 
den Art. Furka. 

FOURCHE {COL DE LA) (Kt. Uri u. Wallis). Ehe- 
maliger französischer Name für den Passubergang der 
Furka. S. diesen Art. 

FOURCHE (COL DE LA) (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont). Ca. 3400 m. Passubergang, zwischen der Petite 
Fourche u. der Fourchette, in der Trientgruppe (schwei- 
zerischer Abschnitt des Mont Blanc Massives). Zum ersten- 
mal 1892 überschritten ; ziemlich schwierig zu begehen, 
Saleinazhütte- Passhöhe 5 Stunden und Passhöhe- Fenötre 
de Saleinaz eine Stunde. 

FOURCHE (LA GRANDE) (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont). 3610 m. Höchster Gipfel der Trientgruppe im en- 
geren Sinne (schweizerischer Abschnitt des Mont Blanc 
Massives], auf dem Granitkamm zwischen den Gletschern 
von Salemaz u. Le Tour. Bildet einen eigentlichen Berg- 
stock, der im SW. von der Fenötre du Tour, im N. vom 
Col du Tour und im NO. von der Fenötre de Saleinaz be- 
grenzt ist u. mit einer Reihe von Spitzen aufragt : Grande 
Fourche (zentraler Hauptgipfel) und Petite Fourche (3507 
m), zwischen beiden der Col des Fourches (3434 m); La 
Fourchette (ca. 3410 m), von der Petite Fourche durch 
den Col de la Petite Fourche (ca. 3400 m) getrennt ; Col 




Die Grande Poorche von Stkdwesten. 

Blanc (3402 m) und Töte Blanche (3430 m). Der zentrale 
Gipfel der Grande Fourche wird häufig bestiegen ; ent- 
weder von der Saleinazhütte aus über steile, aber nicht 
sehr schwierige Felswände in 3 Stunden, oder von der 
Ornyhülte aus über die obern t^'imfelder des Gletschers 
von Le Tour in 6'/, Stunden. Zum erstenmal 1878 be- 
zwungen. Umfassende Aussicht, besonders schön für die 
näher gelegenen Hochgebirgsgebiete. Der Name Fourche 
(den Ausdrücken Furka, Forca, Forcola, Forclaz entspre- 
chend) wird von den Gebirgsbewohnern zunächst für einen 
von zwei Bergspilzen überragten Passübergang gebraucht 
und ursprünglich wohl der heute als Fenötre de Saleinaz 
bekannten Scharte beigelegt worden sein, worauf er — 
ebenfalls einem alten Brauch entsprechend — auch auf 
die betreffenden Gipfel selbst übertragen wurde. 

FOURCHE (LA PETITE) (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont). 3507 m. Gipfel, in der Trientgruppe (schweizeri- 
scher Abschnitt des Mont Blanc Massives) ; über den Glet- 
schern von LeTour, Saleinaz und Trient; von der Grande 
Fourche (3610 m; durch den Cal des Fourches (3434 m) 
getrennt. Zum erstenmal 1876 bestiegen ; bietet keine be- 
sonderen Schwierißkeiten, von der Ornyhütte aus in 3 
Stunden und von der Saleinazhütte aus in 4 Stunden zu 
erreichen. Wird der Nähe der beiden Hütten und der 
grossartigen Nahsicht wegen oft besucht. 

FOURCHES (LES) (Kt. Waadt, Bez. Nyon, Gem. 
GEOGR. LEX. 54 — II — 10 



146 



FOU 



PRA 



GreDs). 480 m. Gruppe von 7 Häusern, mit Möhlc und 
Säge, an der zum Genfersee fliessenden Asse, am Weg 
Grens-Trölex und 1 km n. Grens. 30 reform. Ew. Kirch- 
gemeinde Gingins. 

FOURCHE8 (COL DES) (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont). 3434 m. Passübergang, zwischen Grande und 
Petite Fourche, in der Trient^ppe (schweizerischer Ab- 
schnitt des Mont Blanc Massives). Zum erstenmal 1850 
vom englischen Naturforscher Forbes mit zwei Führern 
besucht, die aber den Abstieg über den Saleinazgletscher 
nicht wagten; erst 18Ö5 unter Ueberwindung namhafter 
Schwierigkeiten ganz überschritten. Verbindet den Gla- 
cier du Tour mit dem Glacier de Saleinaz. 

FOURCHETTE (LA) (Kt. Wallis, Bez. Entremont). 
3410 m. Gipfel, im Gebirgsstock der Grande Fourche, 
Trientgruppe (schweizerischer Abschnitt des Moni Blanc 
Massives); auf der Siegfriedkarte unbenannt, 1895 von 
Besteigem so benannt. Zum erstenmal 1881 besucht. 

FOURCHON (COL DU) (Kt. Wallis, Bez. Entre- 
mont). Ca. 2600 m. Scharte, zwischen den verwitterten 
Felsmassen des Mont Fourchon und der Aiguille de Le- 
sache, auf der Landesgrenze eegen Italien ; verbindet das 
schweizerische Val Ferret üoer das Thälchen des Ban 
d'Arrey mit der italienischen Alpe d'Ardifarco (im Thal 
des Grossen St. Bernhard). Ist im Hochsommer nicht 
schwierig zu begehen ; wird von Touristen kaum über- 
schritten, während er ein beliebter Uebergang für die 
Schmuggler ist. Ferret-Passhöhe 3Vt» Passhöne - Saint 
Hemy 2V, Stunden. Benannt nach dem unmittelbar nö. 
über ihm aufsteigenden Mont Fourchon. 

FOURCHON (MONT)(Kt. Wallis, Bez. Entremont). 
2900 m (2903 m auf der italienischen Karte). Gipfel, auf 
der Grenze zwischen der Schweiz und Italien, w. über 
dem Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard, zwischen 
dem schweizerischen Val Ferret und dem italienischen 
Thal des Grossen St. Bernhard und onö. vom Grand 
Golliaz. Auf der älteren Ausgabe der Siegfriedkarte 
Mont Fourchons geheissen; früher Le Pain de Su- 
cre genannt, welche Bezeichnung heute auf eine im 
OSO.-Grat des Mont Fourchon stehende und vom Hospiz 
auf dem Grossen St. Bernhard aus sehr ^ut sichtbare 
Felspyramide beschränkt bleibt. Der schweizerische oder 
NW.-Hang des Gipfels heisst bei den Landleuten Les 
Vans (auf der älteren Ausgabe der Siegfriedkarte irrtüm- 
lich Les Vents d*Aglo geschrieben), unter welcher Bezeich- 
nung die französisch sprechenden Gebirgsbewohner immer 
solche Felshänge verstehen, an denen magere und den 
Wildheuem noch zugängliche Rasenbänder vorhanden 
sind. Besteigung des Mont Fourchon sehr leicht, erfor- 
dert von der Passhöhe des das Hospiz auf dem Grossen 
St. Bernhard mit dem Val Ferret verbindenden Col de 
Fendtre aus nur eine halbe Stunde. Prachtvolle Aussicht 
auf die Gruppe des Mont Dolent und des Tal^fre. Gleiche 
Etymologie wie Fourche. S. diesen Art. 

FOURCHY oder FORCHIR (LA) (Kt. Wallis, Bez. 
Martinach, Crem. Riddes). 492 m. Aussenquartier des 
Hauptdorfes der (jemeinde Riddes, zwischen den Allu- 
vionen der Fare und den weiten Sümpfen w. Riddes ge- 
legen ; steht an der alten Strasse und war einst die 
zentrale Siedelung der Gemeinde Riddes. In La Four^ 
chy die Pfarrkirche. Römische Münzen und andere 
Funde. 

FOURQNON (Kt. Wallis, Bez. Saint Maurice, Gem. 
Dor^naz). 840 m. Schieferbrüche, am SW.-Hang des 
Diabley, am Weg Dor^naz-Alesse und IVt Stunden nw. 
Dor^naz. Karbonschichten. 

FOURNOUTZ oder FOURNOUT8E (Kt. Wallis, 
Bez. Entremont, Gem. Bourg St. Pierre). 2130 m. Som- 
merweide mit etwa 10 Hütten, unter der Gr^te du Pei u. 
der Becca Colinta, links von der Ausmündung der Combe 
des Planards und 4 km «»w. über Bourg St. Pierre. 

FOUR8 (AUX) (Kt. Wallis, Bez. Monthey, Gem. 
Vionnaz). 1185 m. Maiensässe mit etwa 10 zerstreut ge- 
legenen Hütten, im oberen Abschnitt des Thaies desAvan- 
i^on und über dem rechten Ufer dieses Flusses, am Weg 
zum Gol de la Groix; 3,5 km w. Vionnaz und 2 km w. 
Revereulaz. 

FOUX '(LE8 8EX DU) (Kt. Wallis, Bez. Sitten). 
2566 m. Felsmasse, onö. Voroerg des Sanetschhoms oder 
Mont Brun, 1 km n. über der Passhöhe des Sanetsch 



(La Grande Croix) und unmittelbar über der Walliser 
Sanetschalp oder Alpe de S^nin. 

FOYRAU8AZ oder FOIRAU8AZ (LA) (Kt. Waadt, 
Bez. Echallens, Moudon u. Yverdon). Bach, im n. Jorat; 
entspring nö. Fey in 640 m, geht zwischen den Dorfern 
Rueyres im W. und Bercher im 0. durch, bildet auf eine 
grosse Strecke seines Laufes die Grenze zwischen den 
Bezirken £challens, Moudon und Yverdon, flieset im un- 
tern Abschnitt durch ein tiefes Waldtobel und mündet 
nach 4,5' km langem Lauf in nördl. Richtung unterhalb 
Oppens (525 m) von rechts in den Sauteruz (Einzugsgebiet 
der Mentue). Treibt eine Mühle. 

FRACHE (TORRENT de LA) (Kt. Wallis, Bez. 
Monthey). 2900-^60 m. Wildbach ; entspringt dem kleinen 
Glacier de Soix und einem am Fuss des Doi^ (einer der 
W. -Spitzen der Gruppe der Dent du Midi) j^lefi^nen 
Miniatursee, fliesst durch ein rasch fallendes Tobei, bil- 
det nahe der Mündung eine Reihe von sehr schönen 
Wasserföllen und vereinigt sich nach 3 km langem Lauf 
in der Richtung SO.-NW. beinahe gegenüber dem Wild- 
bach Chavalet von rechts mit der Vidze. 

FRiCSCHELS» französisch Frasses (Kt. Frei bürg. 
Bez. See). 455 m. Gem. und schönes Dorf, auf einer An- 
höhe am Rand des Grossen Mooses, an der Strasse Aar- 
berg-Kerzers (Chietres) und 2,5 km nnö. des Dorfes Ker- 
zers. Station der Linie Lausanne-Payeme-Lyss. Postablage, 
Telephon. 51 Häuser. 2d5 reform. Ew. Kirchgemeinde 
Kerzers. Getreide-, Kartoffel-, Gemüse- und Weinbau. 
Viehzucht und Milchwirtschaft. Hier besass 1228 der 
Orden der Deutschritter ein Hospiz u. Ordenshaus. 1228: 
Frescin. 

FRAG8TEIN(RUINE) (Kt. Graubünden, Bez. Unter- 
Landquart, Kreis und C^m. Seewis). 600 m. Burgruine, 
in der Klus über dem rechten Ufer der Land^uart, 3 km 
so. Malans und 2,5 km sw. Grüsch. Zuerst Eigentum der 
Edeln von Aspermont, dann (durch Erbschaft) der Grafen 
von To|]^genburg. Die Ueberlieferung erzahlt, dass der 
letzte Eigentümer der Burg von einem jungen Landmano, 
dessen Braut er verführt hatte, getötet und dass die Burg 
bei diesem Anlass vom Volk zerstört worden sei. 

FRAID'AIGUE (Kt. Waadt, Bez. Morges, Bez. Saint 
Prex). 385 m. Schönes Landgut, am Genfersee und an 
der Strasse Lausanne-Genf, 1 km nnö. Saint Prex und 
3,5 km sw. Morges. Vom Grafen d'Oyen ums Jahr 1830 
erbaute Villa im Stile einer gotischen Kapelle. Am See- 
ufer und auf der Uferbank steht Molasse an. 

FRAKMÜNT. Ehemaliger Name des Pilatus. S. 
diesen Art. 

FRAKMÜNT (Kt. Nidwaiden, Gem. Hergiswil). 
1309 m. Alpweide mit 4 Hütten, am Fuss des Klimsen- 
horns (Pilatus) und an der Quelle des Stein ibaches, 3 
Stunden sw. über Hergiswil. Korporationseigentum. Hier 
wachsen Alpenrose, Pirola unißora, Veronica niontana 
u. a. Arten. 

FRAKMÜNT (Kt. Obwalden, Gem. Alpnach). 1531 m. 
Alpweide mit Gruppe von 4 Hütten, am S.-Fuss desTom-. 
lishoms (Pilatus) und am Meisibach, 4-5 Stunden nw. 
über Alpnachstaad. 

FRANC CA8TEL (Kt. Waadt, Bez. Grandson, Gem. 
Sainte Groix). 1066 m. Burgruine, beinahe ganz ver- 
schwunden; nahe dem Col des ftroits, an der Strasse 
von Sainte Groix über Noirvaux ins Val de Travers, 500 m 
ö. La Chaux und n. über Sainte Groix. Von Huffues de 
Chälons-Arlay, Herrn v. Jougne, zu Beginn des 14. Jahr- 
hunderts erbaut und von den Bewohnern von Sainte Croix 
unter Beihilfe von Berner Truppen 1536 zerstört. Nach- 
grabungen haben einen Teil der Grundmauern biosgelegt, 

FRANCHE8 MONTAGNE8 (LES) deutsch Frei- 
BFRGEN. Amtsbezirk der Kantons Bern. Haupt- 
ort Saignel^gier. 17 politijüche Gemeinden : 
Le Bömont, Les Bois, Les Breuleux, La Chaux, 
Les En/ers, ßpauvillers, ^piquerez, Gou- 
mois, Montfaucon, Montravergier, Muriaux, 
Le Noirmont, Peuchapatte, Les Pommerats, 
Saignelögier, Saint Brais und Soubey. Sie^ 
ben ivom Staate anerkannte und zwei 
nicht anerkannte katholische Kirchgemeinden. Die Re- 
formierten gehören einer Unterabteilung der Kirch- 
gemeinde Pruntrut-Freibergen an, deren Pfarrer in 
Saignel^gier wohnt. Fläche : 18810 ha. 10511 Ew. in 




PR\ 



PRA 



147 



1489 Häusern und 2097 Haashaltungen ; 9795 Katholiken , 
705 Refopmierte (zahlreiche Wiedertäufer); 9800 Ew. 
französischer^ 572 deutscher und 150 italienischer Zunge. 
56 Ew. anf einen km'. Dieser im Berner Jura gelegene 
Amtsbezirk grenzt im NW. an Frankreich (Departement du 
Doubs), im N. an den Amtsbezirk Pruntrut, im SO. u. S. 
an die Amtsbezirke Delsberg, Münster u. Courtelary und an 
den Kanton Neuenbur(|; (Bezirk La Ghaux de Fonds). Die 
Franches Montagnes bilden eine weite, im Mittel 1000 m 
hoch gelegene Hochfläche zwischen dem Sonnenberg im 
SO. und dem Doubs im NW. Zum Amtsbezirk gehört 
auch noch der grössere Teil des jenseits der tiefen 
Schluchten des Doubs geleffenen Glos du Doubs. 

Das Gebiet der Francnes Montagnes im engeren Sinne 
besteht aus zwei breiten Thalfürchen, oder besser aus 
zwei Längssenken, die 



oder den Mühlen am Doubs herstellen. Auf dem Plateau 
der Franches Montagnes selbst sickert alles Wasser in 
den Boden ein, sammelt sich in unterirdischen Rinnen 
und fliesst dann zum Doubs, zur Schüss und Sorne ab. 
Charakteristisch für die Landschaft sind hier die zahl- 
reichen Dolinen (emposieux), d. h. mitten in den Wiesen 
und Weiden gelegene und beinahe stets von Tannen um- 
rahmte natürliche Abflusstrichter. Das einzige nennens- 
werte stehende Gewässer des Amtsbezirkes, der 7,86 ha 
Fläche umfassende Weier von La Teure (n. vom Moulin 
de ia Gruy^re), liegt in einem z. T. mit Tannenwald be- 
standenen Torfmoor, treibt eine Mühle u. Säge u. lässt 
sein Wasser dann plötzlich in einer neben der Strasse Tra- 
melan - Saignel^er sich öffnenden Doline verschwinden. 
Das Plateau der Franches Montagnes liegt zu hoch, um 



von SW.-NO. ziehen, 
vertorft und an man- 
chen Stellen stark 
sumpfig sind und kei- 
nen oberflächlichen 
Wasserlauf aufwei- 
sen. Der ersten dieser 
Senken folgt ihrer 
ganzen Länge nach 
die schöne Strasse 
von La Ghaux de 
Fonds über La Fer- 
nere (IWO m), Les 
Bois (1087 m), Le 
Noirmont (1005 m), 
Muriaux (%2 m), Sai- 

Siel^er (962 m), 
ontfaucon (1006 in) 
and Saint Brais (975 
m) nach La Roche 
(888 m). Im NW. be- 
gleiten diese Senke 
eine Reihe von bald 
bewaldeten, bald fel- 
sigen Höhen, die bei 
Les Bois 1055 m, n. 
Le Noirmont 1084 m, 
mit den senkrechten 
Felswänden der Som- 
mötres (Burgruine 
Spi^elberg) 1083 m, 
D. Saignel^ier 1073 
m und Ö. Saint Brais 
1066 m erreichen. Die- 
se Kämme, die eine 
weite Femsicht auf 
die Freigrafschaft u. 
auf Jura und Alpen 
bieten , fallen steil 
zum Doubs ab, längs 
welchem sich eine 
grosse Anzahl von 
sehr schönen und 
malerischen Land - 
schiftsbildern aufrei- 
hen. Eine andere Reihe von Hügeln bejgleitet die Senke 
im SO. ; ihre jorrösste Höhe erreichen sie mit 1083 m nö. 
Peachapatte. Zwischen diesen Kämmen und dem Son- 
nenberg im S. ist die zweite, weniger bedeutende Längs- 
farche eingesenkt, deren sw. Abschnitt den Namen La 
Chaux d'Abel trägt und der die Strasse von La Fernere 
über Les Breuleux (1042 m), La Chaux (1035 m) und Les 
Genevez (1028 m) nach Bellelay folgt. 

Der einzige Flusslauf des Amtsbezirkes ist der Doubs, 
der von Biaufond bis Le Glairbief ganz auf französischem 
Boden fliesst, dann in die Schweiz eintritt und den Glos 
du Doubs von den Freibergen scheidet. Er nimmt eine 
RTosse Anzahl von Bächlein auf, die oft in reizenden Fällen 
sich über die steilen Gehänge der Doubschluchten hinunter- 
stürzen und stellenweise (so z. B. in den Gorges de Rond 
Tiourd) von einem üppigen Pflanzenkleid umgrünt sind. 
Diesen Seitentobeln fol^n eine Reihe von äusserst steilen 
Fusswegen und selbst einige Strassen, die die Verbindung 
der Hochfläche der Freibergen mit den Flussübergängen 




Y.Attinger * 



Amtsbezirk Freibergen. 



dem Anbau einen ergibigen Boden bieten zu können ; der 
weitaus grösste Teil dieser Flächen ist mit Tannenwal- 
dungen und grossen Sennbergen bestanden, und nur aus- 
nahmsweise sieht man hier und da einen Acker oder Gär- 
ten. Die einzelnen Sennberge oder Bergweiden, auf denen 
stellenweise etwa auch sehr lichte Waldungen von hun- 
dertjährigen Tannen stehen, sind immer dfurch Mauern 
von lose angehäuften Steinen von einander getrennt. An 
sehr geschätzten Lagen geben Getreide, Pflaumen-, Apfel- 
und Birnbäume noch zufriedenstellenden Ertrag, die Ge- 
müse sind sehr zart und schmackhaft. Zur Sommers- 
zeit sind die Tage trocken und heiss, die Nächte dagegen 
frisch oder sogar kalt; während des 6-7 Monate andau- 
ernden Winters fallt viel Schnee und sinkt die Temperatur 
bis zu — 30* C. Nebel sind dagegen selten. Es ist also das 
Klima dieser Hochflächen im Ganzen ein durchaus ge- 
sundes und für die Entwicklung von klimatischen Kur- 
orten günstiges. Einst litt die ganze Landschaft im Som- 
mer an Mangel von gutem Trinkwasser; heute versehen 



148 



FRA 



FRA 



die läng^ dem Lauf des Doubs aufgereihten Wasser- und 
Elektrizitätswerke alle Ortschaften nicht nur mit Licht 
und Kraft, sondern auch mit reichlichem und pitem Was- 
ser, das von den in halber Höhe an den Gehängen des 
Doubsthales sprudelnden Quellen stammt und durch 
mächtige Maschinenanlagen in die über den einzelnen 
Dörfern gelegenen Reservoire hinaufgehoben wird. Auf 
diese Art besitzt jetzt jedes einzelne Dorf der Franches 
Montagnes seine eigene Hochdruckwasserversorgung mit 
Hydranten und einem alle Häuser versehenden Leitungs- 
netz. 
Der Boden des Amtsbezirkes verteilt sich auf 
Aecker und Gärten 1181 ha 

Wiesen und Baumgärten 6991 )> 
Sennberge 2394 » 

Wälder 5254 » 

Unproduktives Land 2990 » 

Total 18810 ha 

Vom angebauten Boden sind bepflanzt mit 

Getreide 853 ha 

Hackfrüchte 266 » 

Anderen Kulturen 62 » 



Total 1181 ha 
Die Obstbäume verteilen sich auf eine Fläche von 7783 
ha. Im Jahre 1888 zählte man 5853 Apfel-, 3928 Qirn-, 2761 
Kirsch-, 5432 Pflaumen-, 478 Nussbaume, 521 Spaliere u. 
Zwergobstbäume und 13 Quittenbäume. 

Die Haupterwerbsquellen der Bevölkerung sind Vieh- 
zucht u. Landwirtschaft. Die Viehstatistik ergibt folgende 
Zahlen : 

1886 1896 1901 
Hornvieh . . 6768 6990 7146 
Pferde . . . 1680 1438 1896 
Schweine . . 1717 2680 2821 
Schafe ... 795 774 521 
Ziegen ... 454 620 538 
Bienenstöcke . 638 970 933 
Im Doubs fön^ man ausgezeichnete Lachsforellen. Das 
jagdbare Wild nimmt an Zahl sichtlich ab ; Wolf, Bär u. 
Luchs sind schon seit langer Zeit verschwunden. 

Seit der BetriebseröfTnung der Bahnlinie nach La Chaux 
de Fonds hat die Uhrenindustrie einen beträchtlichen Auf- 
schwung genommen. Lebhafter Holzhandel ; doch haben 
die einst so berühmten Sägen und Mühlen am Doubs seit 
dem Bau von Dampfbetrieben ihre frührer so ausgedehnte 
Kundschaft verloren. Ueberhaupt wird die vor Kurzem 
noch so weltabgeschiedene und einsame Hochfläche von 
den am Doubs in Betrieb stehenden Elektrizitätswerken 
aus gänzlich um^taltet, und Les Bois, Le Noirmont, Les 
Breuleux und Saignel^gier haben sich zu grossen, schönen 
und wohlhabenden Dörfern durchaus modernen Charak- 
ters entwickelt. In Saignel^er Bezirksspital und Waisen- 
haus, beide von Schwestern der Charit^ geleitet; femer 
eine Sparkasse, ein eidgenössisches Kontrolamt für Gold- 
und Silberwaren und eine Sekundärschule. Sitz der Be- 
zirksbehörden und des Bezirksgerichtes ebenfalls in Sai- 
gnel^er. Hier auch eine Pferdezuchtgenossenschaft, die 
bereits schöne Erfolge erzielt hat. 

Dem Verkehr dienen im Amtsbezirk Freibergen die 
Strasse La Chaux de Fonds-La Ferri^re-Saignel^ier-Saint 
Brais-La Roche (mit Abzweigung nach Pruntrut, Saint 
Ursanne und Glovelier), die den Bezirk von SW.-NO. 
seiner ganzen Länge nach durchzieht, und die diese Haupt- 
ader des Verkehrs kreuzenden Querstrassen Tramelan- 
Saignel^ier-Goumois, Tramelan -Les Breuleux- Le Noir- 
mont, La Goule-Charmauvillers und Montfaucon-Soubey- 
Saint Ursanne. Dank der glücklichen Initiative der 
Zollverwaltung hat der Bund an Stelle des das Schweizer 
Ufer des Doubs zu einem Teil begleitenden schauderhaf- 
ten einstigen Fusspfades während der Jahre 1900-1902 
einen g^ten Weg erstellen lassen, der von Clairbief dem 
Fluss bis oberhalb des Moulin de la Mort folgt. Ueber den 
Doubs führen bei La Goule und bei Goumois zwei Brücken 
aus Stein und Eisen. Neben diesen grossen Adern des Ver- 
kehrs sind noch die von St. Immer und Courtelary aus auf 
die Hochfläche der Franches Montagnes hinaufl'ünrenden 
Wege und die zahlreichen malerischen Fusspfade zu nen- 
nen, die zum Doubs hinuntersteigen. Ihr nekanntester 
führt von Les Bois zum alten Moulin de la Mort, wo er 



den Doubs kreuzt, um jenseits entweder zu den £clielles 
de la Mort oder zum Refirain weiter zu ziehen. Der Be- 
zirkshauptort Saiffnel^ier ist mit La Chaux de. Fonds 
durch eme schmalspurige Lokalbahn und mit Glovelier 
durch eine normalspurige Bahnlinie verbunden. 

Die Franches Montagnes, früher zu einem Teil als Mon- 
tagnes des Bois oder Montanes du Faucon bekannt, leiten 
ihren Namen von dem Freiheitsbrief her, den Imer von 
Ramstein, Bischof von Basel, am 17. November 1384 den 
Bewohnern und allen künftigen Ansiedlem der Montagnes 
du Faucon ausstellte. Diese für die damalige Zeit ausseror- 
dentlich weit gehenden Freiheitsrechte zogen eine grosse 
Anzahl von Kolonisten an, die die weitausffedehnten Wal- 
dunffen rodeten und sich hier eine feste Heimat schufen. 
Im Jahre 1555 schlössen die Freiberse ihrem Oberherm, 
dem Bischof, zum Trotz ein Burgrecht mit der Stadt Ba- 
sel, das vom Fürstbischof Christoph von Blarer 1585 wie- 
der rückgängig gemacht werden konnte. Dank der bestän- 
digen Fürsorge der Fürstbischöfe erfreuten sich die 
Franches Montagnes stets einer grossen Summe von 
Freiheitsrechten, bis sie 1793 gegen den allgemeinen 
Willen ihrer ganzen Bevölkerung unter französische Obei^ 
herrschaft kamen. Das Wappen der Franches Montagnes 
ist dasselbe wie das der Herren von Spiegel berg oder 
Mireval (yergl. den Art. Muriaux), nämlich ein goldener 
Schild mit sechs roten Bergen, je drei zusammen, und 
einem silbernen, schwarz umrahmten und aufgestellten 
Spiegel. 

FRANEX (Kt. Freiburg, Bez. Broye). 582 m. Gem. und 
Dorf, am linken Ufer der Petite Gläne, am S.-Fuss der 
die Tour de la Möllere tragenden Felswand und 6 km sw. 
der Station Cugy der Linie Freiburg- Yverdon. 19 Häuser, 
115 kathol. Ew. Kirchgemeinde Murist. Getreidebau, 
Viehzucht und Milchwirtschaft. Mühle und Säge. Kapelle 
zum h. Nikolaus, mit den kunstvoll gehauenen Standbil- 
dern der 12 Apostel. 1242 : Frasnei. 

FRANKRUTI (Kt. St. Gallen, Bez. Rorschach, Gem. 
Berg). 472 m. Gruppe von 3 Häusern, auf einer mit Obst- 
bäumen bestandenen Anhöhe, 700 m nö. Berg und 3 km 
sw. der Station Arbon der Linie Rorschach-Romanshom. 
24 kathol. Ew. Ackerbau und Viehzucht. 

FRANQUEMONT (RUINE8 DE) (Kt. Bern,Amt3- 
bez. Freibergen, Gem. Goumois). 671 m. Ruine einer einst 
weitberühmten Burg, auf einem Felskamm zwischen der 
kleinen Hochfläche von Beifond und dem Doubs; 1,3 km 
s. Goumois und 4,2 km w. Saignel^er. Die 1305 von 
Gauthier de Montfaucon erbaute Burg wurde später Sitz 
der Herrschaft Franquemont, eines Lehens der Bischöfe 
von Basel, das Goumois, Montbaron, Gourgouton, Vaute- 
naivre und Beifond umfasste. Erste Inhaber die Grafen 
von Fenis - Neuchätel, dann die Grafen von Mömpelgard 
(Montb^liard). Zur Zeit der Burffunderkriege Hess der Bi- 
schof von Basel unter Mithilfe der Eidgenossen die Burg 
Franquemont belagern und erstürmen, worauf die ganze 
Herrschaft unbeschranktes Eigentum des Bigtums ward 
und als solches auch im Frieden von Zürich anerkannt 
wurde. Infolgedessen musste 1481 der Graf von Mömpel- 
gard auf seine sämtlichen Rechte an der Herrschaft ver- 
zichten. Das Bistum verlieh diape dann 1537 um die 
Summe von 900 Goldgulden an den Gesandten Kaiser 
Karls V. bei den Eidgenossen, Nikolaus von Gillev, der 
in Anerkennunff seiner guten Dienste vom Kaiser 15ä8 die 
Umwandlung der Herrschaft in eine Reichsbaronie er- 
langte. Der neue Herr schlug eigene Münze, obwohl ihm 
dieses Recht immer strittig gemacht wurde. Sein Wappen 
war ein aufrecht stehender, entwurzelter Baum. Als 1594 
der Graf von Mömpelgard den verarmten Kindern von 
Nikolaus von Gilley die Baronie heimlich wieder abkaufte, 
bestritt der Bischof von Basel die Giltigkeit des Kaufes 
und strengte einen Rechtsstreit an, der erst 1658 damit 
endigte, dass sich die Grafen von Mömpelgard als Vasallen 
des Bischofes anerkennen mussten. Während der Dauer 
dieser Streitigkeiten wurde in der Herrschaft Franque- 
mont ^egen den Willen ihrer Bewohner die Reformation 
eingeführt, die dann aber — es sei dies gleich hier be- 
merkt — zur Zeit der Eroberung der Frei grafsc halt Bur- 
eund durch Ludwig XIV. wieder gänzlich durch den alten 
Glauben ersetzt worden ist. Um den fortdauernden Hän- 
deln mit seinem Vasallen ein Ende zu machen, Hess der 
Bischof die Burg 1677 vollständig zerstören (nachdem 



PRA 



FRA 



149 



schon 1636 die Schweden ihr Dach in Feuer hatten auf- 
ffehen lassen). Im Vertrag von Versailles zwischen dem 
König Ludwig XVI. von Frankreich und dem Bischof von 
Basel, Friedrich v. Wangen, trat dieser 1780 den ganzen 
links des Doubs gelegenen Abschnitt der einstigen Herr- 
schaft Franquemont an Frankreich ab, während das 
rechtsufrige Gebiet dem Bistum verblieb und später an 
den Kanton Bern überging. Vom mächtigen Burgturm 
stehen heute nur Qoch einige wenige, von grünem Pflan- 
zenwuchs umsponnene Mauerreste« die bei den Land- 
leuten der Gegend sehr wohl bekannt sind. Franquemont 
z= Franche Mont, nach den Franches Montagnes so be- 
nannt. Vergl. Trouillat, G., et L. Vautrey. Monuments de 
Ihist, de Vancien eveche de Bdle. Vol. II. Porrentruy, 
\S5Q. — Plantet, A., et Jeanney. Essai sur les monnaies 
du comte de Bourgogne. Lons le Saunier, 1855. — Almor 
n(ich histor. de Besangon et de la Franche ComtS pour 
Vannee il85. Besangon 1785. — Rott, Ed. Histoire de la 
representation dipioniat, de la France auprks des cant. 
suisses. Vol. I. Bern 1900. 

FRANZI (Kt. Tessin, Bez. Valle Maggia, Gem. Geren- 
tino). 870 m. Weiler, am Eingang ins Val Campo, am lin- 
ken Ufer der Rovana und 800 m s. der Kirche von Geren- 
tino. Die starke, Auswanderung der Bewohner nach Au- 
stralien 1865-70 hat den Weiler entvölkert; seine Häuser 
zerfallen, und in den sechs noch benutzbaren Ställen 
werden heute blos noch einige wenige Kühe und Ziegen 
gehalten. 

FRA8CO (Kt. Tessin, Bez. Locarno). 873 m. Gem. u. 
Pfarrdorf, zu beiden Seiten der Verzasca, am Eingang ins 
Val d'Efra und 24 km n. Locarno. Postablage; Postwagen 
Locarno - SoDogno. Gemeinde, mit Cantone und Gortas- 
ciolo: 91 Häuser. 345 kathol. Ew. ; Dorf: 54 Häuser, 209 
Ew. Weinbaa, Viehzucht. Starke Auswanderung nach 
Califomien. Frasco hat noch einige alte Häuser ohne Ka- 
min ; der Feaerherd liegt mitten in der Küche, die zu- 
gleich auch als Ess- und Schlafzimmer und als Hühnerhof 
dient. Die 18G8 abgetragene Kirche barg Wandmalereien. 
Schöner ^Vasserfall. 

FRA8INONE (Kt. Wallis, Bez. Brig). Italienischer 
Name für den Alpiengletscher- und -pass. S. diesen 
Art. 

FRA8NACHT (Kt. Thurgau, Bez. und Gem. Arbon). 
419 m. Gemeindeabteilung und Dorf, 500 m vom Boden- 
see and 3 km so. der Station Egnach der Linie Rorschach- 
Romanshom. Postablage, (i^meindefraktion, mit Feilen, 
Kratzern, Speiserlehn, Stachen und Steineloh : 109 Häu- 
ser, 652 zur Mehrzahl reform. Ew. ; Dorf: 32 Häuser, 173 
Ew. Wiesen-, Obst- u. Gemüsebau, Viehzucht u. Milchwirt- 
schaft. Bad. Stein mit römischer Inschrift, wahrschein- 
lich aus Arbor Felix (Arbon) stammend. 
FRA88E, FRA88ERAN,FRA8- 
818, FRACHY, FRACHAY8 etc. 
Ortsnamen ; in den Waadtländer, Frei- 
burger und Savoyer Alpen häußg an- 
zatreffen; von den alten Ausdrücken 
frasse. fraisse, fralche, fr^he für neu- 
französisch frdnA = Esche (Fraxinus). 
Diese alten Wortformen in einiffen 
Teilen Frankreichs heute noch allge- 
mein gebräuchlich. 

FRA88e (Kt. Waadt, Bez. Aigle, 
Gem. Gryon). 1300, 1477 und 1500 m. 
Zerstreut gelegene Hütten, Vi Stunde 
nö. über Gryon, nahe dem von Gryon 
längs dem linken Ufer der Grvonne 
xom Col de la Croix führenden Weg. 

FRA88E (LA) (Kt. Waadt, Bez. 
Pays d'Enhaut, Gem. Chäteau d*CEx). 
980 m. Weiler, am rechten Ufer des 
Baches Tenasse und am Eingang in den 
Vallon des Meirils, 500 m w. Chäteau 
d*(Ex. 16 Häuser, 136 reform. Ew. Gast- 
höfe und Pensionen. 

FRA88E (LA) (Kt. Waadt, Bez. 
Pavs d'Enhaut, Gem. Rossini^re). 920- 
990 m. Weiler, ö. Abschnitt des Dorfes 
Hossini^re, längs dem linken Ufer des Wildbaches von 
Les Chevalets geleffen, 200 m vom Dorf. 21 Häuser, 90 
reform. Ew. Ackeroau und Viehzucht. 



FRA88E (LA) (Kt. Waadt, Bez. Orbe, Gem. Vallorbe). 
Zwei Gruppen von zusammen 6 Häusern, nahe der Landes- 
grenze gegen Frankreich : La Frasse Dessus (890 m), am 
O.-Fuss des Mont d'Or und 1,8 km n. Vallorbe ; La Frasse 
Dessous (867 m), auf einer Terrasse zwischen Mont d'Or 
u. Orbe, 300 m ö. La Frasse Dessus. Zusammen 26 ref.Ew. 

FRA88E (LA) (Kt. Waadt, Bez. La Vall^e, Gem. Le 
Lieu)' 1115 m. Gruppe von 8 Häusern, auf einer Terrasse 
am SO.-Hang der Kette des Mont Risoux, von Wald um- 
rahmt; 1,3 km nnw. der Station Le Lieu der Linie Val- 
lorbe-Le Pont-Le Brassus. 51 reform. Ew. 

FR A88E (LA) (Kt. Wallis, Bez. Siders, Gem. St. Jean). 
1230 m. Gruppe von 11 Häusern und Ställen, in der Ge- 
meindefraktion Les Mayoux am linken Ufer der Navizance 
gelegen, im Eifischthal, 1 km so. Painsec und 14 km s. der 
Station Siders der Simplonbahn. 86 kathol. Ew. Kirchge- 
meinde Vissoye. 

FRA88E (RUI88EAU DE LA) (Kt. Waadt, Bez. 
Pays d'Enhaut). Bach. S. den Art. Tenasse. 

FRA88E8 (Kt. Freiburg, Bez. Broye). 485 m. Gem. 
und Dorf, an der Strasse Payerne-Estavayer und 3 km nw. 
der Station Cugy der Linie Freiburg- Yverdon. 20 Häuser, 
122 kathol. Ew. Kirchgemeinde Montet. Getreide-, Kar- 
toffel- und Gemüsebau. Viehzucht und Milchwirtschaft. 
1142 : Fraces. 

FRA88E8 (Kt. Freiburg, Bez. See). Gem. und Dorf. 
S. den Art. Fraeschels. 

FRA88E8 (LE8) (Kt. Freiburg, Bez. Greierz, Gem. 
Albeuvej. 1200 m. Einige Hütten, am SO.-Hang des Vanil 
Blanc; 2,2 km sw. über Albeuve. 

FRA88E8 (LE8) (Kt. Waadt, Bez. Aigle, Gem. Or- 
mont Dessous). 900-10(X) m. 2 Häuser und zerstreut gele- 
gene Hütten, unterhalb Le Cergnat, zwischen den Stras- 
sen Aigle -Le Söpey und Le Söpey-Leysin, 1 km sw. Le 
Söpey. 11 reform. Ew. Alpwirtschaft. 

FRA88E8 (LE8) (Kt. Waadt, Bez. Pays d'Enhaut, 
Gem. Rossiniere). 900-1000 m. Einige Hütten und Stadel, 
am linken Ufer des Torrent de TOndine, an den Hängen 
der Aiguille du Culand ; V4 Stunde nö. vom Weiler Cuves. 

FRA880NAYAZ (Kt. Wallis, Bez. Monthey, C^m. Val 
d'Uliez). 1186 m. 5 auf einer Terrasse über dem rechten 
Ufer der Vi^ze zerstreut gelegene Häuser, rechts über der 
Ausmündung des Wildbaches La Fräche und 2 km s. vom 
Dorf Val dllliez. 20 kathol. Ew. In der Nähe eine Reihe 
von schönen Wasserfällen der Fräche. 

FRATZE8 (LE8) (Kt. Wallis, Bez. Martinach, C^em. 
Martinach Combe). 1233 m. Maiensässe und 5 Häuser, an 
der Strasse Marti nach-La Forclaz u. 7 km sw. der Station 
Martinach der Simplonbahn. 22 kathol. Ew. 

FRAU (DIE) (Kt. Bern, Amtsbez. Frutigen). So heisst 




Weisse Frau and BlQmlisalphorn, vom HohtQrli aus. 

bei den Bewohnern des Kienthaies der Bergstock der 
Blümlisalp im engeren Sinne, d. h. der Kamm mit den 
drei Hauptgipfeln der Blümlisalpgruppe: Blümiisalphorn 



150 



FRA 



FBA 



m), Weisse Frau (3661 m) und Morgenberghorn 
(3629 m). S. diese Art. 

FRAU (WEISSE) (Kt. Bern, Amte- 
bez. Fruticen). 3661 m. Einer der drei 
Hauptgipfel aer Gruppe der Blümlis- 
alp, von den Bewohnern des Kientha- 
les auch Frauenhorn ^eheissen ; über 
dem obersten Abschnitt des Kander- 
thales, das sich als Gasterenthal s. 
um den Bergstock herum fortsetzt; 
so. über dem Kienthal, ö. über dem 
Oeschinenthal, n. und nö. über dem 
Grossen Kanderfirn (im obersten Gas- 
terenthal). Fällt nach NW. und NO. 
in Schnee- und Eishängen ab und bil- 
det nach SO. eine hohe und dunkle, 
nur durch ein Fimband gegliederte 
Felswand. Sein N.- und NW. -Grat 
trägt als Vorberge die Wilde Frau, den 
Blümlisalpstock und das Blümiisalp- 
rothorn. Zum erstenmal 1862 von 
Edm. V. Fellenberg und Dr. Alb. Roth 
erstiegen, heute ziemlich oft besucht ; 
Besteigung erfordert von der Frauen- 
balmhütte des S. A. C. aus 3-4 Stunden. 

FRAU (WEISSE) (Kt. St. Gallen, 
Bez. Werdenberg). 2060 m. Gipfel, n. 
Vorher^ des Gamsbergs, in der Kette 
des AI vier, 3 km s. über dem Voralp- 
see und 7 km wsw. über Werden- 
berg. Steigt mit steilen Felshängen 
rings aus grünen Alp weiden auf. 

FRAU (wilde) (Kt. Bern. Amts- 
bez. Frutigen). 3259 m. Gipfel, nnw. 
Vorberg der Weissen Frau, einer der 
Spitzen der Blümlisalp. Schon vor 
vielen Jahren durch Gemsjäger erklet- 
tert, von Touristen zum erstenmal 
1869 erstiegen. Von der auf dem Hoh- 
türliffrat stehenden Frauenbalmhütte 
des S. A. C. aus in 1 Vt Stunden ohne 
grosse Schwierigkeiten zu erreiclien. 

FRAUBRUNNEN. AMTSBEZIRK 
des Kantons Bern. Fläche 12090 ha. 
Umfasst hauptsächlich das Gebiet zwi- 
schen dem Thale des Lyssbaches und 
der unteren Emme j erstreckt sich vom 
Grauholz im S. bis an den Limpach 
im N. Im NO. ragt er über die Emme 
hinaus, im NW. gehört zu ihm noch 
die Enklave von Ruppelsried. Grenzt 
im 0. an den Amtsbezirk Burgdorf, 
im S. an den Amtsbezirk Bern, im W. 
an den Amtsbezirk Aarberff und den 
Kanton Solothurn und im N. an den 
Kanton Solothurn. 

Der Boden kann in zwei Teile eingeteilt werden. Der 
kleinere nö. Teil bildet ein Stück des tiefen und ganz 
nachen, breiten Thalbodens der Emme. Seine Höhe bleibt 
unter 500 m. Dieser Alluvial boden ist erst in neuerer 
Zeit ausgibig kultiviert worden. Noch umfasst er viel 
sumpfige Strecken. Zu beiden Seiten der Emme liegen 
hier ausgedehnte Waldungen. Die Emme ist durchwegs 
eingedämmt und die Zuflüsse (wie die Urtenen und der 
Limpach) sind in Kanälen herangeleitet. Der Schachen 
(Ueberschwemmungsgebiet) ist von Kanälen durchzogen, 
welche die Wasserkraft des rasch dahinfliessenden Flusses 
den industriellen Ortschaften zuleiten. Der grössere sw. 
Teil liegt durchschnittlich fast 100 m höher (500-600 m) 
und bildet ein welliges Plateau, das sich im S. an die 
Höhenzüge des Frienisberges und des Grauholz anlehnt. 
Zwei tiefere Furchen durchziehen dasselbe: die eine 
(Lyssbachthal) zieht vom Aarethal, die andere vom Em- 
menthal herauf, und beide stehen bei der Thalwasser- 
scheide des Moosseedorfsees mit einander in Verbindung. 
In diese zwei Furchen hat man die von Bern nach N. 
ziehenden Eisenbahnen, Bern-Biel und Bern-Hindel- 
bank-Burgdorf, verlegt. Der Boden ist in diesem Gebiete 
von mächtigen Moränendecken und Hügeln aus der Eis- 
zeit bedeckt. Er ist sehr fruchtbar. Ueppige Wiesenthäler, 



weite Komäcker und viele, meist kleine Waldparzellen. 
Die kleinen Bache sind reich an Forellen und Krebsen, 




Aintsbesirk Fraobrannen. 






der Moosseedorfsee auch an Hechten. Der Bezirk zahlt 
13434 Ew. in 1819 Häusern und 2720 Haushaltungen ; 
13236 Reformierte, 192 Katholiken. Auf einen km« 
entfallen 111 Ew. Die Bevölkerung ist fast ausnahmslos 
deutsch und reformiert und sehr stabil, weil meist dem 
landwirtschaftlichen Erwerb zugetan. Der Bezirk umfasst 
28, also eine relativ grosse Zahl von politischen Gemeinden : 
Bätterkinden, Ballmoos, Bangerten, Büren zum Hof, 
Deisswil, Diemerswil, Ezelkofen. Fraubrnnnen, Grafen- 
ried, Iffwil, Jegenstorf. Limpach, Mattstetten, Messen- 
Scheunen, Moosseedorf, Mülchi, Münchenbuchsee, Bfunch- 
ringen, Oberscheunen, Ruppelsried, Schalunen, Urtenen, 
Utzenstorf, Wiggiswil, Wiler, Zauggenried, Zihlebach n. 
Zuzwil. Die grössten dieser Gemeinc&n sind Münchenbuch- 
see mit 2088, Utzenstorf mit 1843 und Bätterkinden mit 
1401 Ew., die kleinsten Messen-Scheunen und Oberschea- 
nen mit 54, resp. 42 Ew. 

Die Landwirtschaft dieses Amtes steht seit alters im 
Rufe hoher Blüte. Der produktive Boden verteilt sich wie 
folgt: * • 



Aecker 
Wiesen 
Wald 
Gärten 


5760,8 ha 

2443,2 » 

3196,0 » 

126,6 » 


Total 


115^,6 ha 



PRA 



FRA 



454 



Die Viehstatistik ergibt folgende Zahlen 





188S 


1896 


1901 


Hornvieh 


7670 


8048 


^64 


Pferde 


970 


987 


1110 


Schweine 


3724 


4892 


5229 


Schafe 


756 


m 


371 


Ziegen 


1848 


1943 


1670 


Bienenstöcke 


1585 


1298 


1452 




Den Amtsbezirk berühren an seiner Peripherie die drei 
Eisenbahnlinien Bern-Biel, Bem-Burgdorf u. Solo- 
tbarn- Burgdorf. Während ihn nur eine einzige 
Staatsstrasse erster Klasse (Olten-Bern) durchzieht, 
ist er mit einem gut entwickelten Netz von Stras- 
sen zweiter Klasse versehen. 
FRAUBRUNNEN (Kt. Bern, Amtebez. Frau- 
brunnen). 497 m. Gem. u. Dorf, Haupt- 
ort des Amtsbezirkes ffleichen Namens; 
liegt da wo die Lanastrasse Bern-So- 
lothum den w. Rand des untern Em- 
menthales erreicht ; 2,5 km sw. der Sta- 
tion AefQiffen der Linie Solothum-Burg- 
dorf und 16 km nnö. Bern. Postbureau, 
Telegraph, Telephon: Postwagen nach 
Aefliigen, Limpach und Schönhühl (Station der 
Linie Olten-Bern). 68 Häuser, 456 reform. Ew. 
Kirchgemeinde Grafenried. Kleines aber stattli- 
ches Dorf. Der w. Teil des Gemeindegebietes ist ßehr 
fruchtbar (Korn und Wiesen), im Aufschwem- 
mungsgebiet des Thaies der Emme breiten sich 
das drainierte und vom kanalisierten Urtenenbach 
dorchflossene Fraubrunnenmoos und eine grosse 
Waldung aus. 

In den stark renovierten Gebäuden des ehemali- 
Ren Frauenklosters Fon$ beatm Marim (daher der 
Name Fraubrunnen) ist jetzt der Sitz der Amtsbehör^ 
den. Der grosse Ga&Oiof zum Löwrn mit seinen Stalluni^en 
miiTj^^rtan dk^ Z<mI, wu Fpiiubrunnen ein wichti^ier Rulie- 
pufitt des Stra9s<fnverb«;hrs war, Es wanl zu einem Orte 
von Bedeutunj^ dufch ()ie Stiftung: ile.n Frauen-Zistei'zit'ii- 
lerkloiaters von aeiten der Brüder [lartmann der Aeltere u. 




t(fy0t JÄ. 



ümg«buiigea von Priuhruniien, 



Hartmann der .Inngi-re von Küiiir^ fiS46). Von iler Rpfor- 
TOiitiün an w?ir Fpjuibrunm'n Sit« berniacher l^indvo^ljt\ 
An zwei Waffentaten von sehr ungleichem Ausgange, die 



hier stattfanden, erinnern bescheidene Denkmäler. Den 
Sieg der Berner über die Gugler (1374) meldet am Orte 
des Kampfes selbst folgende, aus dem Jahre 1529 stam- 
mende Inschrift: In dem jar, als man zalt von cristus ge- 
hurt dusend drühundert sübeziq vier jor^ erschlugen die 
heren von bem die engelschen nie uf sant johans tag zu 
wina^ht. 4 km nö. Frauenbrunnen stehen neben den 
Häusern « Bei der Linde » zwei in ihrer äussern Form 
übereinstimmende Denksteine. Der eine feiert in lateini- 




Denksteine bei Fraabrunnen. 

sehen u. deutschen Versen wiederum den Gufflersieg, der 
andere meldet die blutige Niederlage, welche hier am 
5. März 1798 die Berner, eher in Verwirrung ffebracht als 
verstärkt durch eine ungeordnete SchaarLanasturms, im 
Kampfe gegen die Armee Schauenburgs erlitten. Hier 
fanden auch über 30 Frauen und Jun^ranen den Helden- 
tod. Grabhügel im Rüdligenwald. Römische Münzfünde 
im Kemenried. 

FRAUCHWIL (Kt. Bern, Amtsbez. Aarberg, Gem. 
Rappers wil). 520 m. Dorf, im obern Abschnitt des Lim- 
pachthales, 1 km nw. Rapperswil und 4 km nö. der Sta- 
tion Schupfen der Linie Bern-Biel. 29 Häuser, 167 reform. 
Ew. Wiesen- und Getreidebau. 

FRAUENFELD. BEZIRK des Kantons Thurgau. Fläche 
13210,6 ha. Umfasst den w. Abschnitt des Kantons und 
lieft im sog. Unterthurgau zum weitaus grössten Teil 
linKS von der Thur ; bildet ein Dreieck, dessen Grundlinie 
im N. von Eschikofen bis Neunforn-Ossingen reicht und 
dessen Spitze im S. am Haselberg bei Maischhausen 
liegt. Wird bearenzt im N. vom Bezirk Steckborn, im 0. 
von den Bezirken Weinfelden und Münchwilen, im. S. 
vom Bezirk Münchwilen, im W. und SW. vom Kanton 
Zürich. Der Boden des Bezirkes ist hügelig mit Ausnahme 
des ziemlich zentralen Abschnittes, wo eme 10 km lange 
und 2,5 km breite Ebene (z. T. Exerzier- u. Schiessplatz 
für Artillerie) sich findet. Die Gehänge über dem recnten 
Ufer der Thur sind mit Weinbergen bepflanzt, die ge- 
schätzte Produkte (Karthäuser und Iselisnerger) liefern; 
links von der Thur erheben sich zwischen Eschikofen und 
Frauenfeld hinter der Ebene der mit dunkeln Tannen- 
wäldern bestandene langgestreckte Wellenberg, dessen S.- 
und W. -Hänge ebenfalls z. T. Reben tragen. Die höchs- 
ten Punkte im Bezirk sind der Stähelibuck (657 m) bei 
Frauenfeld, der Bausei (560 m) bei Gerlikon, die Burg, 
der Haselberg (825 m), Immenberg, das Schloss Sonnen- 
berg (653-710 m). Der tiefste Punkt mit 377 m liefft in der 
das linke Ufer der Thur begleitenden Ebene. Mehrere 
Thalfurchen durchziehen den Bezirk : Thal der Thür 

iEschikofen-Uesslingen-Neunforn). der Murg, des Thun- 
laches (zwischen Immenberg und Wellenberg) und der 
Lützelmurg (Maischhausen-Aadorf-Mazinffen). 

Bezirkshauptort ist die Stadt Frauenfeld. Der Bezirk 
gliedert sich in vier Kreise und zehn politische Ge- 
meinden : Kreis Mazingen mit Aadorf, Mazingen und 
Stettfurt; Kreis Frauenfeld mit Frauenfeld und Gach- 



152 



FRA 



FRA 



nang; Kreis UessÜDgen mit Neunforn und UessHngen; 
Kreis Tliundorf mit Feiben, Hüttlingen und Thundorf. 




Amtsgebäude in Fraubrannen. 

Man zählt 150 grössere und kleinere Ortschaften. Die 
eidgenössische Vollcszählung vom 1. Dezember 1900 hat 
für den Bezirk eine Gesamtbevölkerung von 16 675 Ew. 



meindebürger des Bezirkes, 96^ andere Schweizerbürger 
u. 1792 Ausländer, 3753 Haushaltungen in 2816 Häusern. 
Zirka 7700 Ew. wohnen in Fraueofeld und 
Umgebung. Es ist nicht mehr die Landwirt- 
schaft die Hauptbeschäftigung der Bewohner 
des Bezirkes. Etwa 2300 Personen treiben Land- 
wirtschaft, 2700 arbeiten in industriellen Be- 
trieben, 800 widmen, sich dem Handel, der 
Verwaltung und dem Unterricht. Industrielle 
Mittelpunkte sind Frauenfeld und Aadorf. Zahl- 
reiche Arbeiter wohnen ausserhalb der Ortschaf- 
ten, in denen sie ihren täglichen Verdienst fin- 
den. Stickereien in Aadorf, Frauenfeld, Thun- 
dorf. Feiben, Gachnang und Mazingen; mecba- 
niscne Webereien in Frauenfeld, Mazingen und 
Aadorf; Zwirnereien in Frauenfeld; Spinnerei 
u. Färberei in Aadorf; mechanische Werk stal- 
ten, Maschinenfabriken, Schuh- und Kleiderfa- 
briken etc. in Frauenfeld. 

Die Thur hat bei Frauenfeld bei gewöhnlichem 
Wasserstand eine Breite von 70 m ; bei Hoch- 
wasser kann sie an der Mündung der Murg die 
doppelte Breite erreichen. Beide Flüsse können 
bei Gewittern oder anhaltendem Regen zu vei^ 
derblichen V^ildbächen anschwellen. Grosse Ueber- 
schwemmung 1876. Seilher hat man durch Korrektions- 
arbeiten (Kanalisation und Uferdämme) den Flüssen ein 




*SSS Q -a 

Ischenberg o 6 6n 



/bppersmM ^i^^^ 



1:150 000. 



yAtiin^ersc 



Beairk Fraoenfeld. 



ergeben. Nach Ermittelung der thurgauischen [Staats- 1 festes Bett zugewiesen und damit ein grosses Stück Land, 
kanzlei zählt der Bezirk 12108 Reformierte, 4665 Katho- das heute den feuchten Bodenverhältnissen entsprechend 
liken und 40 Ew. verschiedener Konfession; 5395 Ge- ' angebaut ist, vor den Ueberschwemmungen gesichert. 




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co 



FRA 



FRA 



153 



1896 


1901 


7543 


7384 


463 


640 


2130 


2146 


1319 


1132 


110 


98 


702 


1501 



Der Boden verteilt sich wie folgt : 

Wald 3469,37 ha 

Reben 453,13 i 

Allmend 105,00 » 

Aecker und Wiesen 9010,00 » 
Unproduktiver Boden 173,10 » 
Total 13210,60 ha 
Von der gesamten Bodenfläche umfassen Wiesen 38,75%, 
Aecker 25,6%, Sumpfland 4,5%, Wald 26,8%, Rehen 
3.5%, Allmend 0,85%. Der Bezirk Frauenfeld ist mit Be- 
ruff auf Waldfläche der dritte, W^iesenfläche der sechste, 
Ackerfläche der siebente des Kantons. Waldreich sind 
besonders die Gemeinden und Dörfer Thundorf, Well- 
hausen, Hüttlingen, Frauenfeld, Hüben, Mazingen; reich 
an Reben Uesslingen, Gachnang, Neunforn, Stettfurt, 
Thundorf, Frauenfeld und Langdorf. Die Rebe scheint 
trotz ihres geschätzten Ertrages die Widerstandsfähigkeit 
gegen ihre zahlreichen Feinde (tierische und pflanzliche 
Parasiten) eingebusst zu haben. Der Bezirk zählt 12,42 
Obstbäume auf eine ha Kulturland und 8,34 Obstbäume 
auf eine ha Boden überhaupt, d. h. also im Ganzen 
110135 Obstbäume (7,6 auf einen Bewohner). Im Jahre 
1890 verteilten sich die verschiedenen Kulturen wie folgt: 
Getreide 52,08%; Kartofl'eln , Runkelrüben, Rüben 
19,35%; Kunstfutter 27,04?/; Verschiedenes (Bohnen, 
Käfen, Gemüse) 1,53 J^. 
Die Viehstatistik ergibt folgende Zahlen : 

1886 

Hornvieh 6419 

Pferde 378 

Schweine 1533 

Ziegen 1155 

Schafe 116 

Bienenstöcke 1389 

Den Bezirk durchziehen die drei Eisenbahnlinien Win- 
terthur- Frauenfeld -Romanshorn, Win- 
terthur-Wil-St. Gallen und die Stras- 
senbahn Frauenfeld - Wil, femer eine 
RTOsse Anzahl von Strassen, die vom 
Mittelpunkt Frauenfeld aus nach Wein- 
felden, Wil, Winterthur, SchafThausen, 
Steckborn und Stein ziehen. Die Thur 
ist fünfmal überbrückt, davon einmal 
von der Eisenbahn. Bezirksspital in 
Frauenfeld. 
FRAUENFELD (Kt. Thurgau, Bez. 
Frauenfeld). 402440 m. Ge- 
meinde und kleine Stadt, 
Hauptstadt des Kantons 
Thurgau und des Bezirkes 
Frauenfeld. 47'' 33' 32" n. 
Br. und 6° 33' 44" ö. L. von 
Paris (8*» 53' 49" ö. L. von 
Greenwich). Liegt unweit 
der Grenze gegen den Kanton Zürich, am Unterlauf 
und zu beiden Ufern der Murg 2,5 km s. von der 
Einmündung derselben in die Thur und da, wo die 
Murg aus dem von ihr durchbrochenen Wellenberg 
und Gerlikonerberg (Bausei) heraustritt. Die zwei 
Bahnhöfe (Linie WinJerthur-Frauenfeld- Romanshorn 
und Strassenbahn Frauenfeld -Wil) sind mit einander 
durch eine Strasse von 5-6% Steigung verbunden. Post- 
bureau, Telegraph, Telephon ; Postwagen nach Stamm- 
heim, Obemeunforn, Lustdorf. Gemeinde, mit Ober 
und Unter Herten, Horgenhach, Erzenholz, Osterhal- 
den. Hüben, Bühl, Murkart, Neuhausen, Kurzdorf, 
Langdorf und Oberkirch : 891 Häuser, 7835 Ew., wovon 
5571 Reformierte, 2230 Katholiken und 34 Andere. 1901 
zählte die Stadt zusammen mit den Vororten Langdorf 
und Kurzdorf 866, ohne diese 565 Gebäude, wovon 685, 
bezw. 461 Wohnhäuser. Stadt mit Langdorf und Kurz- 
dorf: 6825 Ew. ; Stadt allein : 4629 Ew., wovon 3170 Re- 
formierte, 1429 Katholiken und 30 Andere. Die sehr 
ausgedehnte reformierte Kirchgemeinde umfasst ausser 
der Stadt noch Horgenbach, Kurzdorf, Hüben, Langdopf 
und Herten ; der katholischen Kirchgemeinde Frauen feld 
sind sogar noch Feiben und Wellhausen zugeteilt. Oest- 
lich der Stadt, in Oberkirch, die älteste, in romanischem 
Stil gehaltene Kirche ; s. der Stadl, über der Murg, das 
Klösterli, ein ehemaliges Kapuzinerkloster, das heute dem 



katholischen Jugendunterricht und als Priesterwohnung 
eingeräumt ist. 

Die Bewohner Frauenfelds betätigen sich zur grossen 
Mehrzahl in Industrie und Handwerk. 1901 beschäftigte 
jene etwa 1150 Personen ; sie kann aber zu Zeiten gehäuf- 
ter Aufträge bis zu 1700 Personen Arbeit geben. Am wich- 
tigsten ist die Eisenindustrie (Maschinenfabrik, mechani- 
sche Werkstätten), die 546 Arbeiter beschäftigt; daneben 
sind zu nennen eine Schuhwaarenfabrik mit 400 Arbeitern, 
drei Buchdruckereien ; ie eine grosse Buchhandlung. 
Gerberei, Schnupftabakfabrik, Teigwaaren-, Wichse-, 
Fettwaarenfabrik, Färberei und Säge; 2 Bau- und Kunst- 
schlossereien, 2 Weisswaarenfabriken, 5 Baugeschäfte, 
2 Konstruktionswerkstätten, 2 Bierbrauereien und 1 Ge- 
schäftsbücherfabrik. Die Mehrzahl der Fabriken hat Dampf- 
betrieb, während die übrigen die Wasserkraft der Murg 
oder beides benutzen. Die Stick waarenindustrie ist von 
untergeordneter Bedeutung. Landwirte zählt man nur we- 
nig; die nicht in den Fabriken tätige Bevölkerung widmet 
sich den verschiedenen Handwerken, dem Handel, Unter- 
richt und den freien Berufsarten. Der günstigen Lage 
Frauenfelds an der Kreuzung einer Reihe von Haupt- und 
Nebenstrassen entsprechend ist der Handel in stetigem Auf- 
schwung be^ifl'en ; an erster Stelle steht in dieser Hinsicht 
der auch die Bewohner aller umliegenden Ortschaften 
bedienende Kleinhandel. Zahlreiche Märkte und Messen.. 
Besondere Anziehungskraft übt der Klausmarkt (am ersten 
Montag und Dienstag im Dezember) aus. In guten Jahren 
nimmt die Obstausfuhr, d. h. die Spedition auf dem Bahn- 
hof gewaltige Dimensionen an. Im Uebrigen Import von 
Weinen, Pferden, Stroh. Grosse Kohlenagenturen. 

Die Altstadt steht auf einer Molasseterrasse über dem 
rechten Ufer der Murg, 14-17 m über dem Wasserspiegel 
und am w. Fuss des Wellenbergs (mit Front gegen 
NW.), während die neuen Quartiere sich auf leicht an- 





Fraaenfeld : Gesamtansicht von SQdwesten. 

steigendem Gelände gegen 0. und S. hin ziehen. Im NW. 
fallt die Terrasse der Oberstadt steil zu der 10-14 m tie- 
fer liegenden Unterstadt (407 m) ab, in welcher Bahnhof, 
Kasernen- und Sclilachthausanlagen sich befinden. Die 
Oberstadt steht über die um 7% fallende Schlossbrücke 
mit der Er^aten-Vorstadt, dem Quartier am linken Ufer 
der Murg, in Verbindung. Hier steict das Gelände wieder 
langsam an und bietet schöne und trockene Plätze für 
Neubauten. Ca. 70 Häuser und Villen und ein grosser Spi- 
tal sind hier im Verlauf der Iptzten zehn Jahre aus dem 
Boden gewachsen. Die grösste Längenentwicklung der , 
Ortschaft beträgt in der Richtunff O.-W. 2,5 km, die 
grösste Breite in der Richtung N.-S. 1,2 km. n. und 
nw. von Frauenfeld breitet sich eine grosse Ebene aus, die 
von eintönigen geradlinigen Strassen durchzogen wird ; 
dagegen bieten die Hügel auf dem rechten Thurufer, so- 
wie am n. und nö. Horizont der Seerücken und die 
Homburger Höhe den Wohnungsinhabern auf der Front- 
seite der Ortschaft einen in Form und Bekleidung herz- 
erfreuenüen Anblick. Abwechslungsreicher sind die nächs- 
ten Umgebungen der Stadt nach O. und S., wo die mit 
Weinbergen, Bauernhöfen und Weilern geschmückten 
Hänge des Wellenbergs ansteigen ; weiterhin liegen Baum- 
gärten, Wiesen und die Waldrücken des Rügerholz, Stä- 
helibuck, Oberholz und Schollenholz. Aussichtspunkte in 
der Nähe der Stadt sind das Plättli auf dem Wellenberg, 



154 



FRA 



PRA 



das Rüfferholz und der Stahelibuck. Von den beiden letz- 
tern scnöner Ueberblick über das Thal der Murg, zahl- 




Frauenreld : Katholitehe Kirche mit Urogebuog. 

reiche subalpine Gipfel und die Kette der Alpen vom 
Glämisch bis Säntis. 

Die a Altstadt », das Frauenfeld der früheren Zeiten, ist 
sehr regelmässig angelegt und bildet (exkl. Wall und 
Graben) ein Rechteck von 120 m Breite und 250 m Lange, 
längs dessen Aussenseiten die Häuserreihen stehen. Das 
Innere schneiden seiner ganzen Länge nach zwei breite 
Strassen und die schmale Mittelgasse, die ihrerseits wieder 
von zwei Querstrassen gekret^zt werden. Durch drei Tore 
(das untere, obere und Holdertor) stand einst die Altstadt 
mit der Aussenwell in Verbindung. Wälle, Gräben, Tore 
und Türme sind verschwunden, und an das Rechteck 
haben sich in der Folge drei Vorstädte angegliedert : längs 
der Strasse nach Winterthur die Ergaten-Vorstadt, nach 
NO. gegen Langdorf die Erchingervorstadt und in der 
Richtung auf Thundorf die Engel vorstadt. An der Strasse 
nach SchafThausen dehnt sich Kurzdorf und an derjenigen 
nach Konstanz Langdorf aus. 

An bemerkenswerten Bauwerken besitzt Frauenfeld am 
Schlossplatz (dem Hauptplatz der Stadt) das alte Schloss 
mit mächtigem, viele Jahrhunderte altem Turm. Seine 
aus unbehauenen, wahrscheinlich einst vom Säntisglet- 
scher hierher verfrachteten Felsblöcken aufgeführten 
Mauern sind an der Basis 3 m und in der Hone 1,3 m 
stark. Er steht auf einem Felsspom 17 m (Spitze 34 m) 
über der Murg. Ebenfalls am Schlossplatz, dem Schloss 
gegenüber, steht das geschmackvolle und markige Post- 
ffebäude, eine der Zierden von Frauenfeld. Unweit des 
Schlosses das in seinem Innern reich verzierte städtische 
Rathaus, Eigentum der Bürgergemeinde ; der hohe und 
elegante Saal, zugleich auch Sitzungssaal des Grossen 
Rates des Kantons Thurgau, hat prachtvolle 
Glasmalereien, deren eine — die Gründung 
der Stadt darstellend — im Jahr 1891 in 
Konstanz um den Preis von 4000 Fr. ange- 
kauft worden ist. Bis 1897 hatte die Ober^ 
Stadt mit dem Bahnhof auf direktem Wege 
nur für Fussgänger eine Verbindung (Trep- 
pen) ; seither hat man mit Beihilfe von öffent- 
lichen und privaten Geldbeiträgen eine neue 
Strasse mit 11 % Steigung und 9 m hohen 
Stützmauern aus Beton an den Felsenrain 
angelegt. Das Regierungsgebäude enthält 

Sunkto Baustil nichts Luxuriöses, ist aber 
eswegen nicht minder ansprechend: in dem- 
selben sind auch der Saal und die Kanzleien 
des Obergerichts sowie die 42000 Bände 
zählende Kantonsbibliothek untergebracht. 
Dieses wie die Schulhäuser stehen an der 
Oberen Promenade, einer schönen Allee von 
Kastanienbäumen. In der Ergaten-Vorstadt 
der 1895 erbaute Bezirksspital mit etwa 40 
Betten, in dem 1900 531 Kranke verpflegt wor- 
den sind. Die sehr einfachen beiden Kirchen (reformierte 
und katholische) besitzen je eine gute neue Orgel. Von 
öffentlichen Gebäuden können ferner noch genannt wer- 



den die Kaserne mit ihren weitläufiffen Stall- und Reit- 
schulanlagen, die drei Zeughäuser, das Gebäude der Hy- 
pothekenbank, die Kantonalbank, Kantons- 
schule, die stadtische Turnhalle und das 
kantonale chemische Laboratorium. Der Waf- 
fenplatz Frauenfeld dient besonders der Ai^ 
tillerie, und seine Kasernen fassen 1000 Mann 
und 600 Pferde. Im hintern Gebäude der 
Kantonsschule ein historisches und natur- 
historisches Museum. Endlich erwähnen wir 
noch einige Brunnen mit allegorischen Fi- 
guren. 

Mit Aussahme der neuesten Bauten entbeh- 
ren die Privathäuser Frauenleids der künst- 
lerischen Architektonik ; dafür sind sie aber 
wohnlich, sauber und ffeschmackvoU. Gärten 
hat man überall, wo dies möglich war, an- 
gelest, besonders in den Aussenquartieren. 
Sie bekunden die Freude der Bewohner an 
der Natur. Einige Villen sind sogar von sel- 
ten schönen Parkanlagen umgeben. Darf 
man aus der an den Strassen und öffent- 
lichen Plätzen, den Wohnhäusern and in 
den Wohnungen herrschenden Reinlich- 
keit und Sorge auf den Bildungsgrad einer Bevölkerung 
schiiessen, so muss man Frauenfeld in dieser Hin- 
sicht einen ersten Rang zuweisen. Man hat die alten 
Strassen umgebaut und neue angelegt, die Wasserversorg- 
ung mit Hydranten eingerichtet, Aozugskanäle geöffnet, 
ein Gaswerk und Schlachthaus erbaut und eine Bad- 
anstalt sowie gut unterhaltene Anlagen und Promenaden 
geschaffen. Besonderer Sorge erfreut sich auch das öffent- 
liche Gesundheitswesen. Schon lange plant man den Bau 
eines an der Thur zu errichtenden Elektrizitätswerkes 
(die Murg kann für diesen Zweck nicht in Betracht kom- 
men). Das Schulwesen ist von der Klein kinderschüle bis 
hinauf zur Stufe der Handels-, Berufs- und Fortbil- 
dungsklassen ausgezeichnet organisiert. Die Kantonsschule 
umfasst ein humanistisches Gymnasium und eine den 
Realfächern dienende Industrieschul«. Die Stadt liefert 
Kindern bedürftiger Eltern kostenlos die benötigten Schul- 
materialien. Die Uebemahme von kostspieligen Unter- 
nehmungen wird der Stadt Frauenfeld dadurch erleich- 
tert, dass Vs der gesamten Gemeindeabgaben von der hier 
bestehenden und ein Kapital von 24 Millionen Franken 
versteuernden Hypothekenbank getragen werden. 

Frauenfeld erfreut sich eines gemässigten Klimas mit 
vorherrschenden W.-Winden. Nebel treten verhältnis- 
mässig oft auf. Im Frühjahr steht das Wiedererwachen 
des pflanzlichen Lebens dem der Gegenden am Ufer des 
Bodensees um 14 Tage nach. Die Schneedecke verschwin- 
det gewöhnlich rasch wieder, und auch lan^ndauemde 
Kälteperioden sind selten — zum grossen Leidwesen der 
Freunde des Schlittschuhsportes, für die 2 km s. vor der 
Stadt ein eigener Eisweier eingerichtet worden ist. Ein 




Fraoenfeld : Kantonsschalquartier. 

reges Leben verleihen der Stadt die Kasemenanlagen und 
die Kantonsschule. Diese zählte im Schuljahr 1900-1901 
22 Lehrer und 277 Schüler, wovon 69 auf das Gymnasium 



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und 206 auf die Industrieschule entfielen. Kadettenlcorps 
mit Musik. Als eidgenössischer Waifenplatz für Artillerie 




Frauenfeld : Industrieqaartier. 

sieht Frauenfeld vom Februar bis in den Oktober hinein 
Wiederholungskurse, Rekruten- und Offizierbildungs- 
schulen der Artillerie und hier und da auch Wiederho- 
langskurse für Infanterie und Kavallerie sich ununter- 
brochen folgen. Im Winter wird die Kasernenküche als 



Sappenanstalt benätzt. 
Frauenfeld z€ 



zeichnet sich durch ein intensives geselliges 
Leben aus und bietet seinen Bewohnern zahlreiche Ge- 
legenheiten zur Unterhaltung und Belehrung : Konzerte, 
volkstumliche und wissenschaftliche Vortrage, Theater. 
Die Zahl der Konzerte ist ungesund gross. Wenn auch 
Fraaenfeld nicht das geographische Zentrum des Kantons 
ist, so darf es doch als dessen geistiger Mittelpunkt ange- 
sprochen werden, wo sich die Kantonsschule und die ge- 
samte kantonale Verwaltung, die Kantonsbibliothek und 
zahlreiche andere Sammlungen, der Sitz der kantonalen 
geschichts- und naturforschenden Gesellschaft etc. befin- 
den. Der Bewohner Frauenfelds ist von Natur aus gesellig 
und heiteren Gemütes. Die Fastnacht wird lebhaft gefeiert 
ond gibt hie und da Anlass zur Abhaltung von historischen 
und humoristischen Umzügen. Am fronlichsten geht es 
aber her am Berchtolds- oder Bertelistajs, dem 
dritten Montag im Januar, an dem sich die 
Stadtbürger 2ur gemeinsamen Rechnungs- 
abnahme zu versammeln pflegen. Tagsüber 
treiben dann die Kinder mancherlei ergötzli- 
chen Maskeoscherz, und abends halten die 
Erwachsenen zwei grosse Bankette ab, das 
eine für die Gemeindebürger im Rathaus, 
das andere für die Niedergelassenen in der 
MUitarkantine, wobei Reden, Musik- und 
Gesangvorträge in bunter Reihe miteinander 
abwechseln. Gross ist auch die Zahl der den 
verschiedensten Zwecken dienenden Vereine 
und Gesellschaften (mehr als 70) : Beruf und 
Wissenschaft, Kunst, Sport, Politik etc. — 
Alles ist vertreten. Am zahlreichsten (über 
10) sind Gesang- und Musikvereine, dann 
folgen Tum- und Schiessvereine, dann be- 
rufliche Vereinigungen, philanthropische 
Gesellschaften und Unterstützungsvereine, 
sportliche Klubs, wissenschaftliche und re- 
ligiöse Gesellschaften. 

Frauenfeld ist die Heimat, der Geburtsort 
oder auch die Wohnstätte einer grossen An- 
zahl von hervorragenden Männern : des Ar- 
menfreundes Biscnof Nikolaus II. von Kon- 
stanz ; des Historikers und Polemikers De- 
kan Kaspar L^ng; des 1733 geborenen be- 
rühmten Medaillenstechers Johann Kaspar Mörikofer; 
der Landammänner Morell u. Anderwert; des schweizeri- 
schen Gesandten in Paris Dr. J. Q. Kern, dem die Stadt 



in Anerkennung seiner Verdienste um die Begründung 
der Kantonsschule das Ehrenbürgerrecht verliehen hat; 
des ersten Präsidenten des schweizerischen 
Schulrates Dr. Kappeier; des Arztes Dr. 
Kappeier : der Bundesräte F. An der wert u. 
Dr. Deucher; des abessinischen Staatsmi- 
nisters Ingenieur Alfred Ilg ; des Geschichts- 
schreibers J. A. Pupikofer; des Verlegers 
und Buchdruckereibesitzers Dr. J. Huber ; 
des weitbekannten Arztes und geschätzten 
Reiseschriftstellers Dr. E. Hafller etc. 

Geschichte. Die Gegend von Frauenfeld 
wurde von den Alemannen um die Jahre 
400-700 besiedelt. Aus den Urkunden, deren 
älteste vom Jahr 860 datiert, ergibt sich, 
dass damals das ganze Gelände von Frauen- 
feld und Umgebung dem nach seinem Be- 
sitzer, dem vornehmen Alemannen Erich so 
genannten Hof Erichingen zugehörte. Daher 
auch die noch heute vorkommenden Namen 
Erchinger Vorstadt (nö. Vorstadt von Frauen- 
feld), Langenerchingen für den heutigen 
Vorort Lanffdorf und Kurzenerchingen für 
Kurzdorf. Nachdem der Thurgau in den 
Besitz der Frankenköni^e übergegangen 
war, schenkte Karl der Dicke 888 den Hof 
Erchingen als stetes Besitztum dem 724 
gegründeten Kloster Reichenau im Untersee, 
dem dieses Gebiet denn auch bis zum Jahr 1803 (Loskauf 
durch den Kanton) verblieb. Doch war das Eigentumsrecht 
des Abtes am Hofe Erchingen kein unbeschränktes, da er 
selbst wieder unter der Reichshoheit und später unter der 
Hoheit der Herzoge von Oesterreich stand, die ihre Rechte 
(hohe und niedere Gerichtsbarkeit, Vogtsteuer, Mann- 
Bchaftsrecht) durch einen Reichsvogt, bezw. Landgrafen 
(zugleich Schirmvogt des Klosters) ausüben Hessen. Da- 
gegen bezog der Amtmann des Stiftes Reichenau Grund- 
zinse, Zehnten und Gefalle. 1460 ging die Oberherrschaft 
an die Eidgenossen über. 

Es gab bei dem Hofe Erchingen noch ein besonderes, 
durch Reutung des Waldes gewonnenes Stück Feld, das 
Separateigentum « Unserer lieben Frau », der Schutzpa- 
tronin von Reichenau, war und dieser zu Ehren Vrowan- 
veld oder Frowenveld hiess. Später ging dann dieser Name 
auf den auf dem « Frauen-Felde » erbauten alten Turm, 
auf das Schloss und die Stadt über. Aus der Bauart dieses 
Turmes lässt sich schliessen, dass er seine Entstehung 
der ersten Zeit des Burgenbaues, d. h. der Zeit des Bur- 
gen- und Städtegründers König Heinrichs I. (917-926) ver- 




Frauenfeld : Schlossplatz. 

dankt und gegen die Ueberfalle der räuberiscnen Hunnen 
Zuflucht bieten sollte. Die um 1080 erfolgte Erweiterung 
dieses ursprünglichen Burgfriedes zum Doppelturm und 



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die Erbauung der Turm wohn ung des Schlosses wurde voq 
dem Abt der Reichenau mit dem Grafen von Kiburff, dem 

damaligen 
Schirmvogt 
des Klosters, 
gemeinsam 
vorgenom- 
men. Es war 
die Zeit der 
grossen Par- 
teiung im 
Reiche , wo 
es galt, aus 
dem Stütz- 

Bunkt an der 
[urff eine 
möglichst 
feste Stel- 
lung zu ma- 
chen. Die An- 
lage einer ei- 
gentlichen 
befestigten 
Stadt rührt 
aber erst aus 
der Zeit um 
1260 her, da 
Graf Hart- 
mann der 
Aeltere von 
Kiburg Inha- 
ber der Land- 




Pranenfeld t Schloss. 



grafschaft Thurgau und Schutzvogt der Reichenau war. 
Die gefahrvollen Zeiten des Interregnums veranlassten 
viele Hörige und Edelleute der Umgebung (so z. B. 
die Edeln von Wellenberg, von Strass, von Bonstet- 
ten, von Wiesendangen, von Gachnang), der Einladung 
des Grafen von Kiburg zu folgen und sich in der Stadt 
niederzulassen, wo sie eine Bürgerwehr einrichteten. 
Daraufhin ordneten der Abt und die Kiburger die Ange- 
legenheiten der neuen Stadt und teilten sich in die Rechte. 
Dem Abt verblieben die Grundherrschaft und die Rechte 
der Hörigkeit und Leibeigenschaft über die unfreien Bui^ 
^er, während dem Grafen die Vogtei und die Verfugung 
über die feldtüchtige Mannschaft zukamen. Schon vom 
Jahre 1100 an halten die Kiburger das Schloss als ihr un- 
beschränktes Eigentum betrachtet. 

Diese bestallten in Frauenfeld einen Untervogt als Vor- 
stand des Gerichtes und der Stadiverwaltung und als 
Anführer der Mannschaft, sowie einen Hofmeister als 
Verwalter der Lehen. So kam es, dass im Wappenschilde 
von Frauenfeld sich der Löwe von Kiburg und die 
Frau von Reichenau vereinigten. Diese führt den Löwen 
an goldener Kette. Es ist diese Erklärung des Wappens 
wahrscheinlicher als die von der Sage überlieferte, wonach 
die Gründung von Schloss und Stadt Frauenfeld dem Lie- 
besabenteuer eines Ritters von Sehen (Seen bei Winter- 
thur) mit einer Tochter aus dem Hause Kiburg zuzu- 
schreiben wäre. Man begegnet den einzelnen Episoden 
dieser Liebesgeschichte vielfach auf gemalten Fenster- 
scheiben. 

Als die Grafschaft Kiburg sich an den Grafen Rudolf 
von Habsburg vererbte, Hess dieser den Thurgau durch 
Hermann von Bonstetten als Vizelandgraf verwalten (1275), 
während er auf der Burg in Frauenfeld als Untervogt 
und Hofmeister Jakob von Frauenfeld, seinen tapfern 
Mitkämpfer gegen den Abt von St. Gallen und Regen Wil, 
einsetzte. Rudolfs Sohn Albrecht von Oesterreich verlieh 
der Stadt Frauenfeld grosse Freiheiten, weshalb auch 
ihre Bürger treu zu Oesterreich hielten und auf dessen 
Seite bei Sempach, Näfels und am Stoss tapfer gegen die 
Eidgenossen kämpften. Bei Näfels verloren sie 40 Mann 
und ihr Panner, das in der Kirche von Schwyz aufge- 
hängt wurde. 1407 belagerten die Appenzeller die Stadt 
ohne Erfolg. Als Herzog Friedrich von Oesterreich 1415 
zusammen mit dem Papst Johannes vom Konzil zu Kon- 
stanz und dem von diesem erwählten Papst Martin V. in 
Acht und Bann erklärt wurde, blieben ihm Rat und Bürger 
Frauenfelds treu, bis sie — von Oesterreich im Stich ge- 
lassen -- sich gezwungen sahen, dem Reich unter Zu- 



sicherung ihrer städtischen Freiheiten und Rechte den 
Treueid zu leisten. Schon zwei Jahre später (1417) ver- 
pfändete der allezeit geld bedürftige König Sigmund die 
Vogtei über Frauenfeld um 1500 Gulden an die Stadt 
Konstanz, welchen Anlass die Burgerschaft benutzte, um 
sich noch mehr Freiheiten und Rechte zu sichern. 1442 
trat Konstanz die Vogtei über Frauenfeld wieder an 
Oesterreich ab. (Nun folgt die Zeit des alten Zürichkrie- 
ges, während welcher Erzherzog Albrecht von Oesterreich 
die Stadt Frauenfeld noch stärker befestigte und 1445 den 
Ansassen gleiche Rechte mit den Stadtbürgern verlieh. 
Als die Frauenfelder sich der Mannschaft des eifrigen 
österreichischen Parteigängers Hans v. Rechberg ange- 
schlossen und mit dieser zusammen mehrere Streifzäge 
gegen das den Eidgenossen gewogene Stadtchen Wil un- 
ternommen hatten, zogen 800 Eidgenossen in den Thurgau 
und gegen Frauenfeld, verbrannten die Dörfer in dessen 
Umgebung, schlugen die sich ihnen entgegenstellenden 
Frauenfelder zurück und nahmen ihnen neuerding^s ihr 
Panner ab, das in der Kirche von Schwyz, dem bei Nä- 
fels schon erbeuteten zur Seite niedergelegt wurde. Nach 
dem Frieden von 1446 besuchte Herzog Amrecht mit sei- 
ner Gemahlin 1449 die ihm treu gebliebene Stadt Frauen- 
feld in Begleitung eines glänzenden Gefolges (800 Pferde). 
Er teilte den Bürgern mit, dass er diese Lande seinemVetter 
Herzogs igmund abgetreten habe. 1458 verschrieb Sigmund 
die Stadt seiner aus dem Geschlechte der Stuart stammen- 
den Gemahlin Eleonore zum lebenslänglichen Eigentum. 
Im folgenden Jahr versuchte eine unter der Führung von 
Albert von Sax stehende Schar aus Rapperswil vergeb- 
lich, Frauenfeld mit List zu nehmen. Als 1460 Sigmund 
mit dem Papst Pius II. in Zerwürfnis geriet, forderte die- 
ser die Eidgenossen zum Kampfe gegen den Herzog anf, 
die die Gelegenheit zur Ausdehnung der Grenze ihres 
Gebietes bis zum Rhein und Bodensee benutzten. Die 
ganze Landgrafschaft Thurgau und die Stadt Frauenfeld 
gingen für Oesterreich verloren; Frauenfeld ergab sich 
und schwur den Eidgenossen Treue und Gehorsam unter 
der Bedingung, dass ihm seine alten Freiheiten, Satz- 
ungen und Gewohnheiten (vorbehalten die Rechte des 
Gotteshauses Reichenau) durch Brief und Siegel zugesi- 
chert bleiben sollten. So war der Thurgau zum Unter- 
tanenland der VII alten Orte Zürich, Luzern, Uri, Schwyz, 
Unterwaiden, Glarus und Zug geworden, die eine Land- 
vogtei-Regierung mit einem alle zwei Jahre wechselnden 
Vogt an der Spitze einsetzten. Längere Zeit hindurch 
hatten diese Landvögte keinen festen Sitz im Thurgau ; 
sie reisten nur hinaus beim Amtsantritt zur Abnahme der 
Huldigungen und wann die Unterbeamten Rechnung ab- 
legen mussten. Wichtige Angelegenheiten wurden von 
den Landvögten vor die Tagsatzung gebracht. 

Im Februar 1499 versammelten sich die eidgenössischen 
Sendboten in Frauenfeld, um von da aus den aus Anlass 
des Schwabenkrieges im Felde stehenden Hauptleuten 
ihre Befehle zukommen zu lassen. Das unter Jakob Fehr 
stehende Fähnlein von Frauenfeld stand zusammen mit 
der übrigen Mannschaft des Thurgau s bei Schwaderloo 
und bei anderen Gelegenheiten derart treu zur Seite der 




Frftuenfeld : RegieruDgsgebAude. 

Eidgenossen, dass die Tagsatzung nachher der Stadt Frau- 
enfeld zwei der eroberten Kanonen schenkte. Bei Marig- 
nano stritten die Frauenfelder unter Hans von Gryffenberg, 



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genannt Wehrli, und erhielten als Anerkennung von 
Kardinal Schinner, dem päpstlichen Legaten in der 




Fraueofeld : Hauptpost. 

Schweiz, die Erlaubnis, neben ihrem gewöhnlichen Wap- 
pen noch das Bild des Gekreuzigten in der Fahne zu 
fuhren. Zur Zeit der Reformation trat die Mehrzahl der 
Frauenfelder trotz strenger Drohungen von Seiten der 
katholischen Orte auf Seite Zürichs und nahm den neuen 
Glauben an. 1530 grosse Kirchensynode in Frauenfeld 
unter Zwin^lis Leitung. 1531 verlor Frauenfeld in der 
Schlacht bei Kappel den Sohn seines Schultheissen, den 
hochgeachteten Abt von Kappel Wolfgang Joner, genannt 
Rüepplin. Durch den Landfrieden von 1712 erhielten die 
Anhänger beider Konfessionen gleiche Rechte und freie 
ReligionsauBübung. Im selben Jahre wurde Frauenfeld 
an Stelle von Baden zum standieen Sitz der Tagsatzung 
bestimmt. So sah nun die Stadt alljährlich für einige Zeit 
ein buntes und bewegtes Treiben in ihren Mauern, wie 
jeweils auch beim Aufzug der Landvögte, die seit etwa 
1554 ihre Residenz in dem (von den Eidgenossen um 526 
Gulden den Herren von Landenberg abgekauflen) Schlosse 
zu Frauenfeld hatten. 

Im Zeitraum von 17 Jahren wurde die Ortschaft zwei- 
mal schrecklich durch Feuer heimgesucht. Der Brand 
vom 19. Juli 1771 zerstörte 64 Wohnhäuser nebst der 
katholischen Kirche (blos 12 Häuser blieben verschont), 
und am 24. Oktober 1788 brannten 33 Häuser nebst dem 
Rathaus nieder. Tatkräftige Beweise der Teilnahme aus 
der ganzen Schweiz nnd dem Auslande linderten die Not 
der unglücklichen Bewohner. Jetzt erhielt die Stadt ihre 
gesenwärtige Bauart und Gestalt. 

Nun folgen die grossen Ereisnisse in der Geschichte 
von Frauenfeld. Das Jahr 1798 Brachte mit der französi- 
schen Invasion in der Schweiz, mit der Einheitsverfassung 
und den Revolutionsbewegungen dem Thurgau die Be- 
freiung von dem Joche der Untertanenschaft und die Ab- 
schaffung der landvögtlioiien Regierung. Um Hauptort 
des neuen Kantons zu werden bezw. zu bleiben, hatte 
Frauenfeld bei den französischen Machthabem gegenüber 
Weinfelden bedeutende Anstrengungen zu machen. Am 
^. Mai 1799 schlugen die französischen Truppen unter 
Oudinot und Soult unter Mithilfe der vom Generaladju- 
tanten Weber geführten 6000 Schweizer der helvetischen 
Legion die vereinigten österreichischen Armeen des Erz- 
herzogs Karl und des Generals Hotze bei Frauenfeld in 
Flucht, bei welcher Gele^^enheit General Weber, von einer 
Kartätschenkugel ffetroflen, Ael (die Stelle heute durch ein 
einfaches Denkmal aus Granit an der Strasse nach Hüben 
bezeichnet). Als aber die Oesterreicher schon am folgen- 
den Tage mit neuen Kräften wieder anrückten, fanden es 
die französischen Führer für gut, die Stadt Frauen feld in 
der Nacht auf den 25. Mai zu räumen und sich in ihre 
frühere Stellung bei Zürich zurückzuziehen. Da die Oe- 
sterreicher Frauenfeld im Verdacht hatten, die Franzosen 
unterstutzt zu haben, drohten sie mit Zusammenschiessen 
der Stadt, Hessen es aber bei etwa 20 hineingeworfenen 
Kuffeln bewenden. Zur Erinnerung an diesen verhängnis- 
vollen 25. Mai hat man später einige dieser Kanonenku- 



f:eln in die Mauern der beiden Kirchen eingesetzt. Hierauf 
blgten Einquartierung und Brandschatzung durch die 
Oesterreicher und nach der zweiten Schlacht hei Zürich 
wieder Besetzung durch die Franzosen.