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Full text of "Symbolik und Mythologie der alten Völker, besonders der Griechen"

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SYMBOLIK 

UND 

MYTHOLOGIE 

DER ALTEN VÖLKER 
BESONDERS DER GRIECHEN 

vo, 
Dr. FRIEDRICH CREUZER 

FROFESSOR DER ALTEN LITERATUR ZU HEIDELBERG. 




.cqa 

i«iq 



V 

V 



INHALT DES ZWEITEN THEILS. 



Seit« 



Viertes Capitel. Ton den Religionen de» vor- 
deren und mittleren Asiens. 



S. 1. 



2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
lt. 
12. 
13. 
14. 
15. 

16. 

17. 
18. 

19. 
«0. 

2t. 



f. 23. 



Allgemeine Uebersicht und Einleitung (Port« 
pflanzung Aegyptiecherund Asiatischer My- 
then und Symbole) __ ... 3 

Ein Blick auf Vorder- und Mittelasien ... 10 

Religion der Phönicier . . 12 

Phönicischc Kosmogonie . .......... 17 

Fortsetzung ..... ........... 18 

Dienst der U>ania (Mylitta, AnaTtis) j 23 

Deus Lunus und Venus ....... 31 

Cybele und Attis 36 

Portsetzung .. . . ... . 48, 

Fortsetzung .... _._.>.__.--- 58 

Syrische Gottheiten 6l 

Portsetzung .... . .... 69 

Baalsdienv. . ...... . 85 

Thammuz. Adonisfeier. Priapus ' 91 

Apollo, Artemis, Ilitbyia, Hecate u. s. w. in 

ihrer Abkunft aus dem Orient .... 112 

Fortsetzung (Apollo Lycius) 136 

Abaris , eine Idee .... -. 142 

.Zusammenh.mjf indem Vorder- und Mittelasia- 
tischen Cultus . .... . 1)6 

Die Cretensischeu Letoiden 148 

Fortsetzung .... ...... ...... 167 

Die Amazonen ...... .............. 171 

Artemis ..... . .- 176 

Fortsetzung ..: . i$2 



IV 

Seit 9 

|. 24. Herculet ......... 202 

f. 25. Fortsetzung 217 

4. 26. Fortsetzung (Hercules und die Cercopen) .... 224 

§. 27. Fortsetzung ........ .... 230 

f. 28. Fortsetzung 213 

Anhang; «um vierten Capitel. Ton der Re- 
ligion Carthago's. 

§. 1. Libysche Religionselemente .- 26t 

Religion der C arthager. $.2. Vorerinnerung 261 

f. 3. Grundrifs der Carthagischen Religion ..... 266 

5. 4. Fortsetzung . 275 

Fünftes Capitel. Von dem Ursprünge der Grie- 
chischen Religionsinstitute. 

5. 1. „ 282 

♦. 2. (Zamolxis) 293 

Sechstes Capitel. Von der ältesten Religion 
der Griechen , oder vom Pelasgiscbcn Dienst 
auf Lemnos und Samolhrace. Zugleich ei- 
nige Beispiele bildlicher Culturgeschichte 
Griechenlands. 

f,. 1 302 

i. 2. - 310 

§, 3. (Samothrace) .... .. ........ . 316 

*. 4. (Fortsttzuog) 33* 

S. 5. (Fortsetzung) . ...... 3J7 

* 6. (Zusatz, ... - - 363 

f. 7. Jdsion , Trophonius , die AloYdcn und JVlolio- 

niden ... ...._-....-- .... 377 

$. S. Aesculapius, Telrsphorus, Hjigiea, die Heil- 

goitheiten .. ..............'. - 39t 

§. 9. Fortsetzung ...... . 395 

J. 10. Fortsetzung . 412 

Siebentes Capitel. Homerus und Hesiodus. 

f. 1. Einleitung 4l7 




s.s 



V 

Seita 

Hesiodeische Theatonie ....... 4lS 

ctzting 427 

Verhältnis des Home rus und Hesrudus zur Reli- 
ligion ihrer Allvater und zu der ihrer Zeit» 
genossen . 4i2 

Kurzer Abrifs des Glaubens und Wissens der 

Homerischen Menschen .... ..» 452 



Achtes CapiteJ. Ucbersicht der Griechischen 
Götter. 

Zeus. $. 1. Einlritun? und Uebcrsiclit ....... 464 

!■ 2. Arcadischer, DoduniUscher und Crelensiscber 

Zeus 466 

\ 3. Zeus der Prksterlehre * -- 483 

S. 4. Zeus als RechtsqueJle und Rechtskörper .... 498 

«. 5. Zeus als himmlischer Vater, als Hausvater _. 515 

I. 6. Fortsetzung 523 

.'. Der Zeus des Phidias als Hellenischer König 
und Gott - Valer» — Die Olympischen 

Spiele _ 527 

f. 8. Zeus der Olympische und Panhellenische .. 532 
4, 9. Zeus der vergötterte Mensch — System de« 

Euhemetus . *_. 539 

$.10. Jnppiler der Italischen Völker 544 

I. litte — Juno Ü6 

i. 12. Fortsetzung 569 

4.13. Fortsetzung 5S0 

;. Poseidon — Neptunus . 5<»3 

— Mars _ 610 

4. 16. Aphrodite — Venus 613 

4. i7. Hermes — Mercuriui . f>i7 

. Ilestia — Vi-hia 622 

4. 19. Pallas- Athen« - Minerva 6<0 

4.21. Phallus, Pallas, Palladiuni und das Gericht 

beim Palladium 663 

rzuitg 682 

4, . niciseker Zwtig des Pallasdienstes in Höo* 

titn und amieiwärts 696 

4.24. Minerva Itonia . ... 712 



« 


25. 


». 


26. 


%. 


27. 


*. 


28. 


s. 


29. 


$. 


30. 


s. 


31. 


i. 


32. 



VI 

feit» 

Das Attische Geschlecht der Lichtkinder 724 

Athene - Hephgstobule oder Minerva die Hei« 

lende (Medica) - 735 

Minerva - Ergane oder die Künstlerin 744 

Minerva Coryphasia , Coria und die Coryban- 
ten , oder die aus Juppiters Haupte geborne 

reine und reinigende Jungfrau -.— 753 

Minerva A\ea oder die ätherische ZuBucht — 771 
Minerva Pronäa und Pronöa, oder Tempel- 
wache und Vorsehung > 790 

Ideen Ober Minerva Oberhaupt 799 

Darstellungen der Minerva zn Athen. Die Pan- 

athenäen . 806 

§.33. Minerva in Rom - 814 

Neuntes Capitel. Alt -Italische Religionen. 

1. Einleitung - 819 

2. Betrachtung der alt-Italischen Religion Oberhaupt t>33 

3. Religion der Etrusker .......... — ........ 836 

4. Die Gottheiten der Etrusker (Laren) . 844 

5. Von den Penaten 870 

6. Janus ..*. 879 

7. Fortsetzung ......... .... . s% 

8. Fortsetzung ..... . 904 

9. Fortsetzung - 9»9 

10 Der Gott Mantus 919 

11. Der Gott Tages - 925 

12. Die Augurien .. . ... 935 

13. Die Theorie von den Blitzen ...... 942 

14. Ein Blick auf die Culte einiger andern Völker 
des alten Italiens ...... 962 

15. Religion der Latiner (Römer) - 969 

1. 16. Die Salischen Priester - -. 9S0 

>7. Allgemeine Betrachtung derReligionen des alten 

Italiens - 991 

f. 18. Die Palilien und Rom die ewige Stadt &6 



SYMBOLIK und MYTHOLOGIE 



ZWEITER THEIL 



.. »• 



Viertes Capitei. 

Von Jeu Religionen des vorderen un 
mittleren Asiens. 



$. 



i. 



Allgemeine Ccbersicht und Einleitung. 

lUnzung Acgyptisclier und Asiatischer Mythen und 
Symbole.) 

Isis sucht den verlornen Gemahl in Byhlus (s. TheSI 1. 

pag. cIm«. < »b sie ihn in der I'apyru&staude (iv ßvß\q) 

gebucht und gefunden '), fragen wir nicht, Genug , die 
icicr und Syrer eigneten sich den Acgyptisrheu 

Colt xu. Die Sage vvufste von dem Papycusltupfe zu 

!en , der allein li< ]i bei dir Adonisfeier von Aegyp- 

icr das Meer zu ihnen herüber schwamm, und 

! 'hüuicische Stadt verewigte die Isis auf ihren 51"ui- 

Das heifst mit andern Worten , diese Mittel - 

■ nd Vorderasiaten hatten Gottesdienst und Gottheiten, 



za vermnshrt , XumiAegypt. p. 136 Werden 

• I Mviluib Überhaupt uiifl die Bedeutnnf ä«T Pflan- 

uc rvn Mythenkreise besonders kennt, 

n.iibung des gelehrten Mannes der Am 
mcrk.**mkeii wlirrli^ finden l > luigens vergleiche man 
das oben im |,Thi p. Z6i. Bemerkte, 
f) L'icianusde Dea Syr. J "in. *X. p. ifO Bip. Eck hei 
Ducir. nuin. vett. T. 11 1. p. .»5y. 



die inUauptbcgrifTcn und Haupfbildrrn den genannten 
AegyplUc-hen ähr.li'<h Maren, so dafs sie veranlagt wur- 
den, das. was dorn benachbarten Volke angehörte, mit 
ihren einheimischen Gottheiten zu identilicircn Dies 
führt uns zu der Frage : welches sind diese Ideen, und 
Welche Grundbegriffe dieser Mittel - und Vorderasiati- 
schen Religionen sind den Aegvptischen so verwandt, 
dafs. sie damit migcKwungcn verbunden werden könnten? 
Oder in umgekehrter Frage: wir 1 verhalten siel» die Ac- 
gyjitischcn höchsten Wesen: Athor , Neith , Isis und 
Osiris, zu jener Astaruih, Mylilla, Aliita, Baal und 
Baltis, uijd wie die Namen jener Syrisch- Phönicischen 
und Arabischen Gottheiten alle heifSen mögen ? 

Zn\ orderst tritt in diesen Religionen ein Jtnaiisnius 
der Geschlechter in den verehrten Wesen hervor, mit 
allen dahin gehörigen Bestimmungen. Es ist ein Sonnen- 
gott als aclives Prineipiiim, al^ himmlischer Herrscher, 
a!s machtiger starker Bcsaanier. Ihm zur Seite die Mond- 
göttin , als weibliches Prineip, als Empfängerin; daher 
auch mitunter als befruchtete Erde gedacht. 

Zweitens wird jener Gesehleehudnalismus in diesen 
Culten nicht selten in Eine Person gelegt« die dadurch 
M annweib (doo'SS'd&qXi^) wild , oder ein W ciliinann, 
je nachdem dieses oder jenes Geschlecht vurwaltel. Hier- 
her gehört der aus Assyrien und Syrien abstammende und 
auf Cypern verehrte alte '\q>i£Ödi% o $ A ) ; hierher auch 
d r von Phrygiern vereinte 'ASvyöovi, 4 ). 



cber die Abstammung s. dh Fbuptstclle Herodot. T. 105* 
ülur die VorstelNingMrl Heinrich lirrniaphrndiioiuni 
lies el BftliSMf Mecl. IM. Ucbrij»en9 wird Weiler hin 
4 hfCtrej vun ihm brmrrkl werden. 

■ v. Der Nunc- ist tweifelbaftj aber die Acnde- 
klniasttifl i&xercfrl. Min. |» U-J8. ist zu gr- 

_■ u s k i de \itlg< Lycaon. Opuscc. p. bi. 



Dritten*. "Wie nun jenes Doppelgeschlecht oft in 

I'eison vereinigt erscheint, so verschwindet hin* 

v.i« der auch bei der Zweiheil der Perlenen die «ine der- 

•i inanclim.ni im Volhsdienste. Sie tritt in den Hin- 

ind zurucU , nml es wird oft blu* das weibliche 

ciptum gefeiertt doeh «<ft mit helleren odei dunh- 

leren Beziehungen auf ein iniinnliehcs. — Wie nun der- 

pleicb« n Cntte, ei I in die Reihe der Griechischen 

Throgonic , sich mehr und mehr verändern lassen mufs- 
ten, und darüber ihre alte IJerleulsunlteit haußg gang 
eis»büT»tcn , davon wird in der Folge bei diesen einzel- 
nen Gottheiten seihst die Hede seyn. 

Uter blichen wir auf Aegyptcn ssurüch , und fragen, 
wie sich diese Asiatischen Grundbegriffe und Combina- 
11 xu den genannten grofsen Gottheiten jenes Lan- 
des verhalten. Merhen wir vorerst auf die Meinen, 
:i wir ihre Beihe durchlaufen: Moloch, Adun, Bei 
(Baal), Haitis, Uelsamen (Ovaria), Astarte (Aslorolh), 
Ita, Alitta, Lilith, Ma, Ammar, Mitra *), und wie 
sie «He heifsen mögen, so bietet uns dies den ersten Vcr- 
gltn lit dar. Wir wollen hier nicht dabei ver- 

ri . «Ms mehrere dieser Namen mit den Namen hei- 
•fn de* oberen Asiens zusammenfallen '■). Auch 
«ollen v nicht wiederholen, was neulich ein 

sprarhgeltrbrtcr Forscher erinnert hat, d.ifs mehrere 
inen aus l'hüuicischer Tradition durch Celtibc- 



dje Hauplsfclle des Uerodolus F. 13t. verbunden mit 

>t lili-n US de Dii Syniugma II. Wenn 

den dort 'AXirra aus llerod«n. IJ1, S. in 

idern will, io widersprechen slh H« lenj nur 

Icem.Hjuchlaul haus. 

Var. LtCt. zur ar«^< 

< B. die Merodouische Mi'rj«, wovon vnr schon hin- 
länglich ii ihett. 



rische Colonien selbst bis in den Norden von Euro] 
hin fortgepflanzt worden seyn konnten ■'j. Es ist bi 
Hos unser Zwcch , auf diu Haupt begriffe aufmei ksam 
machen , die in diesen Asiatischen dütternamen eine Vor« 
gleicbnng mit den AeejetfrArt zulassen. Es treten 
hauptsächlich drei Ideen hervor : die der Nacht und 
was damit im bleibenden Sprachgebrauch , selbst bei 
Griechischen Dichtern noch, zusammenlallt , des Mon- 
des; die Idee der Herrschalt und. die der M ut t er 
und <j e b ah re ri n. Alle diese Beziehungen Ündet) sii 
in den Priester- und Naliitnalgottheiieu Aegyptens wi< 
der. 'Wie <»ft auf Osiris. und nachher auf Serapis als 
den grofsen Herrscher und Konig , so wie auf Isis 
die lionigltche Herrscherin hingewiesen werde , bedai 
heiner besonderen Bemerkung. Auch ist dieser ße{ 
unter die allgemeinen zu rechnen , die sich in den im 
steil Nationalculleu finden. Dafs aber, wie oben (Tb. 
p im)) bemerkt wurden, jenes oberste Wesen der Ae- 
gyptischen Pi icstertheologic, Athor, höchst« ahrschein- 
lich Nacht heilst , verdient eben so wohl Aufmerhsai 
heit, als dafil in dem Namen Isis der Grundbegriff dt 
Folie gefunden wurde: so um man in dem Aegypt 
■eben Nanii-n de* Planeten Mars: 'Ecitmo-i, die Bedet 
tun^ des Eesaamers fand 6 ). Besonders bemerken] 
werili ist aber die Nachricht des Plularcbus *>), dal 



7) Verjl. P, F.. Mallers nrHiqnarische Untersuchung Ü\ 
die olinwrit Tonil«' m gefundenen goldenen Hörner p.65i 

S) Hug (ober den Mythos dir .die n Volker p. 130. vergl.90.) 
llndrt ii-ijoRrn in itiesejn Namen ein hlofces Bpiwort des 
..ut ei ..H, <lt in Arabisch * Koptischen 
dirrcbl Urheber der Dürre, der Ausirock- 
nuns, \ ergt« auch J.iMon»ki Voce. AegypK. p. "I. 

f0 1> UM, tt Osiri'f. p. 374, p. 51t W ytirnb. vcr^l. 3W?. y. 
&üü &r\. mu JaMouski's Eilauicrung iu den Voce. p. 15t. 






Isis bei den Aegyptiern bestimmt einen Namen führte, 
Worte! und Bedeutung mit jenem dritten Punkte 
zusamnrnli iiTt. Sie hiefs Mwi'^, die Mutter; womit 
noch dir andere Bemerkung desselben Schriftstellers zu 
i ist, dal* bei demselben Volke auch der Mond 
W e I ttnu tt er führte. Jlier bedarf es doch 
hl keiner ausführlichen Deduction, nm die ParalJeleti 
RSCttJitweisea , die sich hier ron belbbt darbieten. Von 
selbst wird ein Jeder an die I J hry»ische Mot erinnert, die 
man i •'. üit als die grofsc Mutler, als die gute 

Mutter 10m Gebirge bezeichnete, an jene Mylitta 
litt« , an jene Lilith und rei^teipfli, an die magna 
11 alle die Mittel- und Vol derasiatischen 
es en , «..bei der Betriff der Mutter vorherrscht, 
der denn düich die Griechischen Religionen bis nach 
Laitum und bis KB jener N a t io der Ardeaten fortgepflanzt 
wurden. 

Nun müssen wir noch der Grundhegriffe und ihrer 

Combinationen gedenken. Wir bemerkten oben, wie, 

nach dem Zeugnifs der ältesten Denkmale, in dem Ae- 

hen Nationaldienste Isis zuerst als grofse Gottin 

ririll , X I 'siiis noch als menschlicher Wohl- 



l'tber oTe Pfcrjrgische M<5 s. Fragmin. Nisiorr. prr. an~ 

I ; kommt es uns darauf an , das Mi yt, 

! r, beim AeschylusSnpplio. Si<0. BS^ScnQfs. 

i • Bemerkung 211 Theoeriti Adoniaz. 

. B. C. ?.u bemerken. Die N'at io (oder Nascio?) 

kannt, de N. D. III. IS. pag, 569 

\usg. , wo *ir auch einige Nachweisungen gege- 

J .jbrn. Wir werden in dem Capite] von den Kabi- 

irn, worunter auch ein B-iix?f90( und eine s^Ni(«t «■< 

wflnV werden, d. !. E&rzeuger und eine grolao 

Muii' llrung , die Znega ßa»airilievi 

• • Aegyptiscben Sprache verbucht bat, diese 

Brgi. 1 liiidtn. 



tbäter im Hintergründe jenes ölten Tempelcultus st< 
und wie darauf Osiris , nach vollendetem Leiden 
Twde auf Erden für die Menschheit, die höchste El 
mit dem weiblichen Golierwesen im öffentlichen Cull 
theill. Also: ein alliuahlig »ich bildender Dualismus 
getrennten Pcim-iumi , und das weibliche iViiicipiiim 
erst vorherrschend. 

Sodann liennt ja auch die Aegyplische Festfeier 
nüintlichen Dienste jenen Dualismus , der sich in all 

11 Mittel- und Voi de! -asiatischen Cullcn findet, 
wie der Syrer und Phünicier bei seinem Thammuzfe 
und der Phrygier bei der Cybelcnfeier zwei wesentlu 
1 heile bat, eine Klageperiode, mit allen Zeichen 
Trauer um den verlornen Gott, und Freudentage, m 
dem Wiederfinden des Gottes, eben so ist ja jenes Vt 
lieren und Wiederfinden und deren Ausdruck , Trai 
und Freude, die Grundlage der öffentlichen Osirisfeier 
(s. Ib. I. p. 277 11.) 

Aber aneb jene specielle Beziehung , die in das 
weibliche Wesen , neben den passiven , auch active, 
männliche Uralte legt, war der Aegyptischen Religion 
it. Nach riiitavrlius "') vereinigte sich Osiris 
im Fiiihling mit dem Momlu, befruchtete um, und die- 
ser »erbreitete alsd.inn die Fruchtbarkeit durch die Luft, 
befruchtete die zeugenden Keime, weiche die gesammte 
Vegetation in Tbätiglteit versetzten (s. Tb. I. p.289. 390.). 
Dieselbe Vorstellung hatten auch die Perser, wenigstens 
nach dem Zendivcsta ,) ). liier erscheint also, wie in 
der Aegyptischen Isis, der Mond in einem doppelten 
Ycihaltnifs , in einem passiven zum besaatnenden Stier 
oder zuv sehuMi^erndeu Sonne, und in einem activt 



Isid. et Osiri-f. p. 36S. 

11; S, . Hl. I. p. 7-lÜ. 






mpfangendm und geschwängerten Erde ^). DaP» 

ei» Doppel verein nun der Reim zu einer dreifachen 

gegeben war, wollen wir vorläufig blos mit 

m Woi Je bemerken : Zop man den BegriffdesMänn- 

, so war ein Deus mas als herrschender 

Natui*öU gegelu o , in entgegengesetaten Felle eine All- 

romicr , • tarbeherrachertn und Beschlielserin. 

I rbindung beider Eigenschaften in Einem Wesen 

enra-ie a >drogynische Vorstellungen und Attribute 13 ), 



1 .her die Vor.h-rasialischfn Ideen von einem Deus Lu- 
gui (o Alijv) aufMUnzen (vergl. die Vorstellung auf un- 
serer'l'aftJ III. nr.2, worauf wir zurückkommen werden) 
und julero Denkmalen. Die Dea Luna als eigene Gott- 
heit V B in die spateste Zeit auf Inschriften vor, 
i. B. auf einer neulich zu Mainz gefundenen vom Jahre 
276 nach Christi Geburt, welche Lehne in einer gründ- 
»handlnng Ober das alte Mainz im Rheinischen 
Archiv von Vogt und Wciizel II. p. 139. zuerst bekannt 
gemacht hat. 

JJ) Diese Verbindung oder Verschmelzung des männlichen 

weiblichen Princips in Einer Person wurde aufser 

Anderem , was wir im Verfolg bemerken werden, auch 

durc I anschaulich gemacht. Sie wurde oft durch 

-tlbe Wort .uigedeuif-t mittelst einer angehUtig- 

j. So schufen Bich die Phönicier aus Baal oder 

Bt ne weibliche Gottheit Baaloih, Baaltis, 

^ 1 1 * e. Euscbiua in dir Praepar. Evang. I. 10. p. 38. 

r. cd. Colon, gedenkt derselben mit der Bemerkung, 

!i U i <> ne ( A<iu v-4 ) hitfc; und auf Münzen 

irklich Spuren ; vergl. Vaillantnumism. 

Ion. et munieip. pa;. 1 10. Ferner veränderte 

hdem man d.is mannliche oder weibliche YVe» 

sollte, hu tji leehischen nur den Artikel. 

tri dtn L\N. roü hätk und - •. or - y 

1'hManf. s. v. nnd Beyer zu Seiden de Diis Sy- 

rschiedenen Erklärungen der Aus. 

ad Rcman. XI. 4, wo ry B&ak 



10 

und wir finden liier Hermaphroditen auf ähnliche W< 
wie wir dieselben hrreit» in andern Religionen des All 
thums ( s. oben Th. L p. i/ji. 5cß ff.) gefunden habet 
wobei wir jedoch die Bemerkung beifügen, dafs jei 
im Hermaphioditus niedergelegten höheren Thcolo{ 
meni'ii vnn Allgenugsamheit u. s. wv, die lieh auch 
den Chaldnisckun und andern Asiatischen Kosmogonien 
wiederfinden , in dein Volksdienste de* vordei 
und mittleren Asiens die niedere Bedeutung einer Vei 
hin düng der acliven und passiven Zeugung! 
kraft, physisch gefafsl, beigelegt wurde. 



§. 2. 

Ein Blick auf Mittel* und Vorderasien, 

Die Religionen des oberen und minieren Asiens 
fanden früh in den vorderen Landern dieses KvdtheHs 
Eingang. Vorderasien, Syrien, Jndn'a und f'honicicn 
mit inbegriffen, war die alte Heer- und Dandetsstrafse 
der herrschenden hrnteren Völker und ult auf längere 
Znt ihre >Vohnung mid HofUger. Erat machten die 
Assyrer diese Lander zum Ziel ihrer kiiegerischcn 
ternehmungen, und schleppten ganze \ ölker oder d 
deren Edelste in die oberen Länder weg. Dann wurd 
mit dem Wechsel der Herrschaft in Ober- und Witt 

:, unter den Assyrern, Babylenicrn , Medern 
Persern , Cofontfttefl aus jenen Gegenden herunter 
bracht, und mit ihnen Obei asiatische oder, wie man 
nannte* Assyrische, Medische Sitten und Glaubens!« 
»ih n. Es folgte die Persische Oberherrschaft, und 



, gehören aber nicht hierher. — Unfc auch die Grit 
' jti aelie in ihrim 'Aty&r«( (ttovOB ««iier unici 
und ii'i.Jeiu Benennungen aus dirstni kreise jener bitte 
folgte, if.' 



11 



trapenhöfe mit zahlreichen Heeren liefson »Ich ordent- 
lich in Ulcinasien nieder. Endlich geschah die grofse 

• ,t her, es folgten die auffange Zeit 
ischen König&dynasiieu, und, mit ihrem 
mg, die Standquartiere Römischer Beere in KLcin- 
•nen, Suien und in der Nachbarschaft. D.izu kamen 
i allen Zeiten her die mannigfaltigen Einflüsse des 
\Tettfcandfla , der durch diese Länder verschiedene 
hatte, sowohl vom Enphrat her, aus den Ebenen 
ictis, als auch von den Caucasischen Hochländern 
Armenien und durch die andern nördlichen Pro- 
vinzen. Hier in Yurderasien war der grofse Markt auf« 
geschlagen für den Asiatischen Sklavenhandel , wie für 
die Assyrischen, Babylonischen und somit seihst auch 
die Indischen Waai en , und die Phünicicr-hatlen die- 
sen Wellhandel gegründet. 

Daher jene Vielheit und Mischung der Sprachen, 

die : u Anfang des zwölften Buchs in Kleinasien 

hweiset. Daher auch die Vielheit der Religionen 

tlte, die sich hier so wunderbar und seltsam in 

rerwebten. Gleichwohl zieht ein grofser 

■cn durch dieses ganze Gewehe durch, der, im Prte- 

ie im Yolhsdienst , den näheren Orient mit 

dem ferneren, Phünicicn, Jonien , Lydien u.a. w. mit 

issyrien zusammenknüpft. Diesen, der 

jndlage nach und im AYesentlicheu , Einen grofsen 

icnst der Vorder- und Mittelasiaten wollen wir 

nun zunächst überblicken. Die Hauptsätze der inneren 

Betrachtung haben wir in Verbindung mit Aegyptischen 

Rcligtonsbegriflcn im nächst vorhergehenden Paragra- 

chickl. Hier sind nun noch die Haupt- 

>es 'i heil* von Asien historisch und gleichsam 

an Ort und Stelle selbst zu bemerken. 



*. 3. 

Religion der Phönicier. 

Zuerst Phönicien, d. h. im weiteren Sinne 
den Alten : Alles Land von den Syrischen Engpä'i 
(Pylae) bis nach Pctusium in Aegypten hinab; im en; 
ren Sinne dagegen» im Süden bis zum Berge Can 
und zur Siadt Ptolemais. Seine Bewohner wanderte 
vom rothen Meere her (Herodot. I. i. VII. 8t). ), 
heilst, nach der sichersten Auslegung, Tom Persische 
Meerbusen über den Euphrat und über den sogenannt« 
Assyrischen , wahrscheinlich Serbonidischen See ,4 ) 



11) Sir-iho XI. p. Ulli Aimet. p 46» sqq. Tisch, cf. Posld« 
nii Ktliqq. p 1 12 M). ed. Baku. Justin. XV III. 3. I( 
uUgp mich hier einige llaupi&ielJeu Uher die erst« 
AN . hnsitze und mtchherigen Wanderungen dtr Phönicit 
anzuführen. Das Ausführlichere muis den llerodotei 
sehen Abhandlung » vorbehalten bleiben. Hier nur not 
einigt N'achwrisuiigen fllr diejenigen Leser, die weiin 
Belehrung suchen: Bochart Geogr. sacra part. II. car 
4i. Faber in i!ir ßibliolh. Ilagana nuv. Class. V. 1. 
46 sqq. p. t»5. verbunden mit Gastier dt Phoenicum n 
vigaii. p. '(."i. ( jiii Orpheus) und Scböuemann de Ge< 
graph- Argoiiauit. p. 2\. Rei der Bestimmung des erst« 
Wohncüsefl macht bekanntlich der Ausdruck: Er] 
t h r 1 iscl»f I Meer Schwierigkeit , und man fragte , 
die »hm Sidonier am Persischen Meerbuse 
gewohnt hatten [In rüi Tlt%n*$ *£X*p Strjho u. a. O. 
Einen andern, vidleicbl alteren Namen lurdies.cn M». r 
hüten gewinn« n wir jenl ans dem Itinerarium Alexandt 
§. HO. Meriinlani lfit7. td. M.tio : n lp$a (Indin) vero ex« 
trinsecus ubiqne Oceano muuitur , interfluo mari II ip» 
palo (cod. Hipallo; aber s. Plin. II. .\. VI. 2i. pag. 327 
.in.), cujus sinus Persas includit." Dieses 
Hippalische Meer oder vielmehr einen Busen desselben, 
I hit,clii'ii, hat man min In i den WohlM 

dtr lUetten Phötiiei«r vennulhticb *u denken — ein Snn. 






<ja» »chtnale gebirgige Küstenland ein, das vom Mittel- 
bespüJl wird, und das ihnen in grauer Vorzeit 
«hon Anlufi gab, den ferneren Occident mit dem cm- 
legeiwu-u ftlorgeulande ani' ihren grofsen Handelasugen 
ImOiicnt konnten sie früher als \i«le 
andere >iiiliei die P.eli^H>ii3«eisilieil aus der Quelle schö- 
pfe*. Ducii reira'tb »lue Kosmogonie und Göttcrlehrc 
ii Verwandtschaft mit der Aegvpti- 
und Cbalüäischen, In Betreff der Nachrichten 
a vntil wir aher noch übler l.crathen, als selbst bei 
it lioiinlen Mir doch noch mehrere Grie- 
nachv. SckrifXaiellcr befragen, zum Tb eil aus ziemlich 
Zeit ; hier aber Holst Alles aus einer einzigen, 
aoeh dazu gett übten (Quelle M). Der Referent stellt an 



'i d<r Piiürocls^hen Religion noch 2U weiteren For- 
»cliungtn und Schlusbtu I (ihren katin. 

Ii) Hit mach Hefte sich auch die Verwandtschaft der Ebrü i- 

i n und PhöniciBchen oder Kananilisclun 

Sprache, di«f nach den neueren Untersuchungen , beson- 

>on bellertnann [Versuch iriner Erklärung der l'n- 

suchen Stellen im Poenulusdes Plautus, drei Programme, 

Berlin 1608, vergl. besonders I. p. 5 s<\i\. und HJ. p. 5 

ttf.) „ vielmehr l'Qr eine und die sei he aufgegeben 

ichier erklären , wenn man annimmt , dafs 

Stationen, EbrUer und Phonicier , ursprünglich 

. n Volk gewesen seyen (vergl. Bt Hermann I. 9t), 

welches am Pcrfi^ehen Meerbusen , am Euuhrat , in 

Mesopotamien und Chahlaa gewohnt, und zu dem auch 

Abraham gehört haue. So haben wir weder nöihtg, Wan- 

\brahan13 oder seiner Vorfahren aus Arabien 

nach L'r oder ChaldJta, noch der Phonicier aus Chaldaa 

. Arabien und so Tort anzunehmen. S. Belkrmann 

f. p. 10, di r dies unentschieden lUist , und Beck Anleit. 

tj& der WellGeach- I. 1. p. 2JS. Vergl. auch 

iLe vorhergehende Anmerkung. 

Quellen fOr die Phönicische Religion und Symbolik 



aay i 

und 



die Spitze der Phonicischen Historie V) einen göttliches? 
Gesetzgeber und Geschicht&chreihcr : Tauut (TotocvTOs), 
denselben, den die Aegypiier Thofh und Heimes nen- 
nen. Dieser steht dem Pbümcischen Kronos (wie die 
Griechen diesen höchsten Landesgott der Phoniere nen- 
nen) elicn so zm- Seite, wie in AcgVpTen Tboth (Hermes | 
dem Osim; er stellt .'<k eine verkörperte Intel 
neben dem ins Fleisch gekommenen greisen Voll 
Als Kronos noch Süden zog, so überlief« er dem ! 
die Heuerling des Aegyplischcn Landes. Dieser, 
Erfinder aller Schrift und Wissenschaft, Hofs das Ge« 
von den sieben Kindern des Sydek , den I'abiren , 
von ihrem Bruder Ashlepins auf heiligen Tafeln nieder- 
schreiben. Der erste Phönicier,, der es empfing, via* 
der Sohn Thabions. Dieser gab jener heiligen Geschieht C 
der VorucU eine allegorische Deutung, überlieferte itp 
den Propheten und Vorstehern der Mysterien, die sie in 
ähnlicher Bedeutung ei Marien und fortpflanzten. So 
kam sie an Isiris, der zum Phonicischen Alphabet noch 
drei Buchstaben erfand. Aus den Hüllen der Allegon» 
zogen lange nachher der Gott Sin mo - Bei und die 
tin Thuro jene heilige Geschichte nieder ans Licht In 
\i-r, \nn denen sie zulet/t die menschlichen Geschiel 
Schreiber Moehus , The« dolus und H) psil.rates empfingt 
Dies» i so fortgepflanzten alteu Weisheit des Taaut 



sind jo/t durch die seit rini^r Zeil herausgegebenen und 
genau btsi luit ht-m n l J !. n i a i s C I) c i\ Münzen bs- 
tli ntend urim lul worden. S. llilkinuan flemei ku:ii;in 

ührr Phönicische uiul Punisehe Mensen, Herlin \$\2 — 
1M6. tier Stücke, worin in Allem 70 Ml'mzen beschrie- 
ben und erklärt sind. Die vollständige Literatur giebt 
Beck a. ». <J. p 255. an. 

17) Eus«-b. Piatpar. Evang. L y. p. 31 sq. 10. p. i4. 

cd. Colon. 






i5 



meto uud Sanchuniathon (d.i. Freund der Wahrheit), 
•Hl Benins iit Phünieien , den aufinerhsamsteii Flcifs, 
»obci 1 1 vit Pi des Unterrichts des Priesters Jerambalus 
lOtrfreoea hatte. Die Frucht seiner Bemühungen war 
dir Historie der Vorzeit, die er in einem grolsen Werhe 

I in tu hohes Lnb legt der Griechische 
cfxcr Philo aus Byblus dem Originalweihe des 

Baocbuniathon bei, das er in neun Bücher cingetheilt 
if«, und der Griechische Philosoph Porphj rias brauchte 
richten als Waffe gegen da» Christen* 
ihun t au» dessen viertem Buche gegen die Christen sie 
endlich der gelehrte Eusebius (Pracpar. Evang. lib. I. 
10.) tum entgegengesetzten Zwecke mittheilt; so 
AtCi eit er*t durch die vierie Hand uns im Besitze der 
Trümmer rhonicischer Mythologie und Urgeschichte be- 
finden. S.-uichuniathon lebte gegen ie5u Jahre vor Chr. 
Gel». die spätere Uebertragong seine« Werhes 

ini Grifchisehc muffte ni mchen Zug verändern, und 
Philo als l «b« rsetzer konnte sich auch eigenmächtig 
«Mnche \ c ngen erlaubt haben; wenigstens mofabe, 

tr »<>hl Einiges in einem andern Sinne auflassen, Ware 

II demselben pragmatisirenden Geiste er- 
grifTrn , wie manche Griechen, z. B. der Miletier Diony- 

Llb dotus »on Sicilien in andern Thcilen der alten 

Kphobigie , so hönnte ein guter Theil der histoiischen 

lung , die durch die ganze PhÜmcische Kosmogonie 

lit'Lt , Hein von ihm herrühren. Dagegen ist iie- 

le» Andere der Art dun alt- orientalischen Traditionen 

«o ähnlich . als daf* es für späteren Zusatz gelten könnte. 

. tiaupt ist unter solchen Umständen die grofse Ver- 

•rhiedmheit in der Wüidigung jener Fragmente sehr 

h. Und diese Divergenz hünnlc in der '1 bat 

•ath nicht grof»er gedacht werden. Während Grotius 

in ihnen eine grolse Einstimmung mit der 

Hoseischcn Lrkuude linden , sehen Gumberland und 



Mosheitu in dem Ganzen blos eine absichtliche Empfel 
lung der Aegvptiscben und Phönieischen Idololatti« 
und man will überall nur spätere Stoische Sätze lindei 
mit Phünicischen Namen ausgeschmückt ,s ). Zur UnU 
Stützung der ersteren Meinung wurde die L'ebercinstii 
iming oder Athntichheit mit biblischen Namen benul 
und in jenem Mochus , der, nach der Sage, vor det 
Trojanischen Kriege schon die alte "Weisheit der Phon 
cicr niederschrieb , erltannte man den F.brüischen Gi 
schichtschreibci Mo;>es ,y ). 



18) Dje Momente dieses Streites giebt in der Kürze Fabrt- 
cius (Riblioth. gr. I. pag. 222 ed. Hades.) und dtrjje« 
lehrte Beck in den Anmerkungen daselbst und in dt 
Anleit. zur Kenntn. d. Weltgesch. I. t. p. 2i6 f. 

19) Da der Name jenes allen Phönieischen Historikers bal 
'SlXot,, bald Mbjx c ' i bald Mser^a; heiH-'t , so wählte man, 

um die Identität mit Mose:» zu erweisen, die letzt 
.Schreibart, welche jedoch auch Andere vorzogen , dii 
nur au einen Phon i eise hen M«nn und Namen dacl 
teu ; s. Mnsheim zu Cudwnrth Systema im» II. Tom. 
p. l4. Doch vtrmuihet PabricilM zum Sextus Fmpir. 
62t. mit gutem Grunde, dafs diese Schreibung ihren Vi 
Sprung jener Hypotn«-se silhst zu verdanken hahe , ur 
hl die allrnthal'x-n von den besseren HaodachrnV 
bestätigte Form t&&%c% vor. Dieser Mnclius wird v< 
der) Alien (TztcbucJce dd Strafe« XVI. Tom* Vf. p. da 
Erfinder der Atomistik genannt. Dies halle der Stoikf 
PoMdtmius !>• li.tupH'i (s Pi^idonii Khodii It» liijtiins «lue 
trione pjiy «77 J»q. t •' . li.ike) , und zum l heil auch de« 
we^en pochten einige Neu. t« in dem ganzen Phöni 
S>st'in wie et IragapettUriBoh bei Euer bhis steht, en 
bli't- distische Aiuini^fik. Mosheim a. a. O. 

möchte d.tgeg« n drn Ge"«chichr*chreir»er V ml dti 

Philosophen liebet tut zwei varachirdene Person ' 

ten Es i>i ül>rr gar nirh: im Geiste d» ,- früheren Alfei 
tlium- , <i<iH Geschäft des Ge>«chicht*chfeibers von d« 
Rtligiunslcbre und Philosophie zu trenucn. Jene Kosi 



•7 



i. 4. 

Phon I eise he Kosmogonie. 

Lei dieser G< si h * \\c der 
■in 1,1'inu ii , hui einerseits den 
hen, iii dem 9ie geschrieben und aufge« 
- ils den Grad ihrer Authenbcität, 
den ■ iilc haben Können, zu bestimmen* 

lies Werl erscheint diese Kosmogonie in 
\\ « rl , das zuerst von der hoch- 
gedacht und gesprochen worden, 
von den grofsen Planetengottern 
Mvtluili geschrieben ilurch die niederen Gott- 
i l> jmiI die Erde s t c- • - 1 , aber auch hier erst 
um der höheren Gable bleibt, bis 
e» tolJrnd» unter die .Menseben kommt. Also eine ab- 
ation des Gesetzes, so wie die Goltbeit 
lieihe von Incai nationen sich den Menseben 
iien so werden die Indischen Yeda's erst 
Fleisch gekommenen Brabma aus der lifm- 
. den menschlichen J>ialect übersetzt. — 
• Inhalt jener Kosmogonie betrifft, wer 
*ird »ybl in der Art, >\ie wir sie haben, die reine 
Je vi lesen glauben? Aber die Grundlage, die 
H«uj>tideen 2°) haben die gelehrtesten Forscher auch der 



jonitti enthielten die ganze älteste Weltaiisicht in jeglicher 

Be*»eliunj;. — $ancliuni*thon oder Sanchontaihon (i-«Y- 

11, \>, i2ü. und daselbht Ca&aubo- 

td. Sciiwtighi schrieb nacii dtm lYxi des 

Ei ' t dae Pl.ilo in muri Bücher (heilte. 

iiiMiu. p. «oi cd Hhotr. nennt, was icli 

uerkt linde, nur acht. Es niufs also in 

; Stellen eiu Fehler liegen. 

10) Die» ist Heyne*« Meinung in der deutschen Ueber- 
; Abhandlung der Akademie der Inschriften l. 

II. 



neuesten Zeit für all, für ursprünglich Fhönicisch 
halten. Darauf leitete sie schon der Geist ilcr Moaaisf hi 
Genesis, mehr aber uoeh die Aufmct 'baamkett auf <li 
Kosinogonien anderer \üll.er, besoiubis ,Jer Aegtpti« 
Chaldäcr, so weit auch diese noch in Fi iigmenten übet 
liefert sind. Seitdem hat die Auffindung Indischer ui 
Persischer Religionsurkunden noch mehr \ ci gleich nn-s 
punkte dargeboten , mul iii.se \erglenhung lallt durcl 
aus zu Gtiuslcn der Grundideen der Phümcisrher 
Thet rie bei Kuscbitis und Itamas'cius aus. Dadurch hi 
sich die IJehrreinsiimirmcg dieser Vurdcrasiatiscl h 
»ferne mit den Gberaaiatiachen Religionen, und, , \>, 
die v est nllithslen I' unkte bt ti i 1 T t , dir r inheit d\ r nivi lii 
sehen Anschauungen der alten ludier, Peraer, Acgvi 
ticr, Diünitier und anderer Yüluer **) bewahret. 

$. 5. 
Fortsetzung. 

Ein genaues Eingehen ins Ein/.clne dieser weit am 
gesponnenen Phütiicischen Kosrnngmtie würde una zi 
■weit von unseim Ziele entfernen. Wir heben nur einigt 
Momente aus , welche mit dem allgemeinen (■ u 1 t u 
Vorder- und Mittelasiens zusammenhangen, unc 
auf die Griechische Religion und Myst'*rie 
einwirken, (hionos, das Verlangen (*fföoc&) un ^ dj 
Nebel (ojit'^Äij) sind die drei obersten I'rincipien alli 



p. 2i0 ff., wo die jrewagferen Ideen von Alignot und Al 
deren vorsichtig barichtigt «rnini. 

21) Resultat der rbett so gelehrten alü feaialiaehen Unter 
Buchungen von Cl 6 i r e s m der Myiheng e&chicbte d( 
Asiatischen Welt Ji. p. 46 1. 

22) J>. Seh clllng über die Gottheiten von Samothrace 
li. 5» ff. 



«9 

e n.i< li den Sidnniern; sodann entstanden ans der 
Yermiicbang \<.n Pothoi und Homichle: der Aelhci* und 
j»u t und ?us diesen wieder eis Ky -"'). Bei Eusehius 
wird der geisiige Hauch (der erste Odem, xoKitiu) 
und die Uroacbt (tlüuv) als der Anfang aller Dings ge- 
setzt **). Auch Iicntit diese Urkunde: uwt, den Ur- 



23) Ditnasciog de principiia , in J. Chr. Wolf Anecdot. sr. 
iJi sq. Man vergl. nitcli Gutbrrlet de diia Cabi« 

, P o I e n i Supplement, zum The« ns Aruiqq. 

im. II. p. SrO Ich lese beim Oauuscius 
Mari vergl. dort p. 260. 

ii Praepar. riv.mg. I. tO p. 33 sq Die Worte d*»r 
dasr-lhsl |> .14. B. so: ätrl Jjv-/ y =•■. 
M dvtuovf *m ywatnit, uürcü L,ixj, nZrt 
A/wval KUJ II .:-... - !; , cvtoi 

Nach Bochart i&i hc-rrt vox mit dei, die 
■ aus Gottes Munde, ^" 2'""p. Ui,s wilie dem 
Knohc - verihe (Honover) des Ztndavesta st In b ha lieb, 
H ed in der Urkunde Bdxu durch das Wort vbun , die 
Nacht, ei klart wird, so schlügt derselbe Gelehrte de. 
Cotuan. Phoenicc. II. 2. p. 706.) vor, Baavr zu schrei- 
ben. In dieser Nacht hatten wir mithin dasselbe f.'riu- 
Aegyptisehen Religionen durch Athor (s. Tb. L 
I die*e Und die Asiatischen, wie auch die Grie« 
n und Römischen , durch ßuto, Leto , Ltiionu be- 
pag. H&2 f. Not. 153.). .Ftiie ken- 
nen aber auch ein wv»uf*J und ein ««^aS*; , ein Piincip Luft, 
mofonischtn Potenzen (s. ebendaselbst). 
r»es hat also seine be stlltigendcu Vcrgltkhungspunkte, 
wenn gleich in der Phänicischeu Kosraogonie die Aerule- 
run<d'-sB >chart Manchen etwas zu gewagt vorkommen will, 
■reil Bcua dem irra der Genesis (I. 2. wüst , leer) ühn- 
Aber dii -"-', Nacht, beim Eusebiu» steht 
doch bestimmt «ls Erklärung von Bü.j.j in der Urkunde, 
jherlasven wir die Verglt ichungt-n dieser und 
ähnlicher Koamogonien mit der biblischen Ivilli^ Andern, 
da wir die Ebrtisch« Religion in imsern Kreis nieht mit 
begreifen« Wer einen der neuesten Verbuche der Ar: 



22 



Die Chaldaische Iinsmognnie nach Bcrostis 
greift ron mehreren Seilen in diese Phuiticische Gott 
geschichic ein. Dort stehen oben an Bei und Uamoroc 
ncLst einer Reihe anderer Gottheiten. Die eine Hai 
der Ion Bei zerschnittenen llatnoroca bildet den lli 
mel , die andere die Erde. Aus Bels eigenem Blute ent 
steht da» Menschengeschlecht. Darauf: Vertrcibu 
der Finsternifs, Scheidung der Erde und des Himm 
und Anordnung der Welt, ferner neue Menschen; 
hurt aus dem Blute einrs andern Gottes, der sich sei 
aufopferte, und zugleich Oannes, der amphibialisc 
Fischmensch , der aus dem rothen Meere aufsteigt u 
id Babylon Gesetz und Weisheit lehrt. 

Hier wie dort also eine Stufenfolge von Baalii 
In Ph-iiiicicn ein Bei -Uranus, Bel-Bronus, Bel-Zet 
und ihnen als weih liebe Wesen zugeordnet : Ga< 
Aetarte, Raalti* (Dione); daneben MeUtaith und die 
carn iri n der Sonnet Adon (Adonis), und dann 
andern Wesen: die sieben Kabiren mit ihrem achti 
Bruder Es m nn (Asklepiu») und die Fischgottheiten : 
B.ibv! >"ien < 'Kinnes, in Phütiieten Dagon und Derccl 
Voran sich dann die Syrische Atergatis auschlicfst , o« 
womit sie identisch ist. Diese Wesen bemächtiget 
nun gröfslenlheüs in Vorder- und Mittelasien des öfT'ei 
lieben Cullns, als allgemein verehrte Tempelg«~iier , 
1 i. -»her ;mch /.um 1 heil daneben noch ihre besonder« 
heiligen Oertcr t wo sie sieh gleichsam häuslich niedei 
gM.issen ; so As! arte ndt ihrem Adon in Byblus, M< 
Itarth in 'l'yrus, Dagon in Azotus, Derceto in Joppe ui 
so weiter , wie wir im Verfolg sehen werden. Jcdoi 



2", S dir Fragmente von des Hcrosus Ch.iMStscher G« 
lebte bei Syucellus, JosrphiM »nJ lius«*bins , i 

W-ike <lr rmeiriatione tempor. Gcncv. 162 
Vei i B. Gr. _\J\ . p. l~i sqq. 



in dieser ganzen Götterschanr ist selbst nach dem herr- 
schenden \ olliscuit ein Grundgedanke erkennbar, der 
-rfhen Sabäisnuis und in der einfachsten Naturansicht 
1 1 i m m e I s k ö n i g (Bei, Baal) und H i m m e I s - 
Königin (Baaltis, Oi'pavio), Sonne und Mund. 
Beide aber wieder auch auf Erden der grofse ßesaamei 
ngerin und Mutter. Da wir diese 
Grundbegriffe oben entwickelt haben, so verweilen wir 
rr nicht dabei, sondern fragen jezt nach 'dem ver- 
lieh en Stammsitze dieses Baalsdienstes 
und naeh seinen Formen unter den Mittel- und Yor- 
deniuti>cheii Völkern ^). 



§. 6. 

1 1 der Urania ( M y 1 i t t a , A n a i t i s ). 

fi II <■ i odotu s (T. »o5.) war der älteste Tempel 
a der /.u Ascalnn in Syrien, Wenn wir, wie 
»ten ergeben wird, die Derceto unter dieser Cra- 
läfst sich diese Nachricht mit andern 
:en und dieses Geschichtschreibers selbst 
n , daf» man nirgends früher als hier der 
»cia, als Fischtreib, einen ordentlichen Tempcldienst 
ulttts der Himmelskönigin selbst stamm- 
te Ht1 ii her, aus dein alten Caucasischen Sa- 
ie Assyrer , sagt derselbe Historiher ( t. 



cinjfdruclite Münze von Malaga in dcrSamm- 
U Munter «eigi eiiu-n Kithir, vitl 
rsten dei kalnrtn, nm de niUai>im<T, 
and auf u Q Seite den Stern (Stern de» Astarie)- 



i3i.) , nennen die Aphrodite Urania Mylitta, die Ara- 
ber Alittft ( \ 1 r 1 a t steht dafür hb. III tt.) , die Perser 
Mitra. » Wir halcn diese Stellt' schon oben (Tb. I. 
Buch IL Cs|}. Hl. <j. Q. p.-aoj behandelt und gezeigt, 
daft dieselbe den einfachen Sirui enthalt, d a fs meh- 
rere Asiatische V ö I k e r der Vorzeit ein u n «1 
d a s s e I h e w f i b I i c h e i\ a l u r p r i n c i p i u in u n 1 c t 
v e r s c h i e d e n e n Namen verehrten. Von der 
Persischen Mitia, die hier hauptsächlich An st oft gab, 
haben wir gleichfalls dort ausführlicher gehandelt. 

Ueppiger , als in Persieu, nar der Dienst dieser 
Göilin hei dem sinnlichen Volhe von Babylon. Her 
wollüstige Tribut, den das weibliche Geschlecht dort 
in Tempel der grofsen Mylitta brachte, wo j-^de Baby- 
ltniierin wenigstens Einmal in ihrem Lehen sich jedem 
Wählenden preisgeben mufste (Ilerodot. I. 199.). ist 
allgemein bekannt. Hier sehen wir durch die Macht 
einer fanatischen Religion die ehernen Schränken durch« 
brochen , die sonst die Asiatische strenge Sit tc* unerbitt- 
lich um die Frauen zog. Wir sehen den Fremden zu- 
gleich auf eine, besonders dort sehr auffallende Weise 
begünstigt. Mit der Verbreitung jener Beligion vei brei- 
tete sich auch dieser sinnliche Charakter. Hemdotus 
sah auf Cypern an mehreren Orten dieselben Opfer der 
Ueppigheit , und auch ron andern Tempeln dieser Gott- 
heit wissen wir dasselbe. 

Hierher gehört der Cult der Armenischen AnaYtis 
CAvalsn;), Sie kommt auch unter den Namen \Avü^ J "), 
'Ava-'io. und Ain; vor, vielleicht von der Gegend, wo sio 
verehrt wurde. Was den tarnen selber betrifft, so ha- 



2?) Pluf. Arinxenc. cap. 27. pag. 1025. c, Vfl Jedoell Coray 
und Clavjer 'AvsTtw, Hefa (Spt-ciinen ad Timol. p. 2. 3.) 
rir* Jestn wolle u. 



b anderwärts (Commontt- llerodntt. P. I. 
f. s^l' emerlit. v. Hammer nämlich 

>-. des Or. IM. III. p.i7*>.) leitet denselben 
en Vnahid, dem Mareen des Wo 

!>cn Genius , der mit «einer Leier 

1 Sphären leitet. D Vckerbtad dagegen 

1 fieval. Ii.ilitislü etc. n«»m ibi-.}, indem Bf 

Irmens Alex. Protrcpt. V. p. "»7. und Mustath. 

Pcrieg. vs. 8)5, wo eine '\tp^oi Ltt, T«. 

>*u und eine I <t > a tu vorkommt , und auf das Phö- 

jlvut beruft, behauptet, der wahre Name, 

h in den Stellen der Alten mehr oder 

iirupl sey, und die wahre Schreibari sey Ta. 

rt{ (wofür Bocbart mit unrecht "A »• a ix ic gesetzt 

•1 l'anat, einer Asiatischen Göttin, die man 

IhM mit Venus, b:dd mit Diana oder Minerva verglichen 

■ab« der Name Abedtanat in einer Phönici- 

m Griechischen 'A <»t t u 1 .1 oJpo{ ent- 

•prttlie. Man kunne auch dos Aegyp tische NHI0 ver- 

enn man den Artikel vorsetze (die Barm- 

»lad bemerht aber Silveshc 

loornal d. Sav. Juillet 1817. p. ^3q.), tlafs die 

135 nngczwcii'< Planeten Venus Anahid 

odw ml , dafa der Name A na'itis am na* 

-cm Persischen Namen hergeleitet 

l's T a n n ii i s bei Clemens von Alcxandria wohl 

sey, und dafs, wenn man auch 

iminiin^ des Phünicischen und Acgy prischen 

wsfcl annehmen könne, die Aegyptische Neith mehr 

[inerva CA&i}»a) als mit der Diana 

ibt 7.h haben scheine. Vergl. auch Zoß*- 

idll. beransgeg. Ton Welcher , p. 101. Lescns- 

i>er den Mythus dieser Persischen 

Anahid, Ursprung nach Indien verlegt wird, 

macht v. Hammer in den Jahrbb. der Literat. 181O. I. 



36 

p, 98 fr'. Man vergleiche auch noch den TzschucUc 
Strahl» Tum, IV. p. /17B- und Turn. VI. p. «2 f j. 

Dieser Götiin w«r eine große Landschaft rewidm 
und auf diesen Tempelgüurn arbeiteten Selaven u 
Sclavinnen in grofser Anzahl, die als Leiheigene di 
Gottheit angesehen wurden und deswegen heilige Sclavt 
(Itqo&ovXoi) hüTsen. Eine reiche, angesehene Priest 
schalt war im Genüsse tles Ertrags dieser Güter. 
Tempel seihst entsprach dem Heiehihumeseiner Besorge 
Mit fffoftei Prachl war hier Alles aufgeboten, «in d 
Religion einen blendenden Glanz zu gehen, und ei 
ßnldene Bildsaule der Göttin wurde noch hei dem P 
thisclien Zuge des Antonius die Beute der Römisch 
Krieger (Plin. H. N. XXXIII. 4. 24. Vol. II. p. 619 H 
dnin. * v ). Auch hier hatte die Wollust ihren Sitz au 
lagen, Di* Vornehmsten des Landes lieferten i 
J <"« litci 1 in den Tempel, wo sie sich lange preisgab 
und nachher hei der Kuckltehr ins väterliche Haus de» 
eher NI&nneT fanden. Ks hatten die Armenier von ihr« 
OiirrhiTicn , den Medern, Irüh Mediache Sitte an 
nooimen. Auch hatten sie früh Verkehr mit A 
und Persien. Ihr Land war eine der giöfsesten IIa 
tlclsstrafseii . auf der schon der alte Phö'nicier Güter n 
ßelavcn ans dem oberen Asien bezog. Der Zusatnme 
llnl's vnii Fremden und der offene Markt an den Holt 
Festen vermehrt* durch den reichen Tribut der Andac! 



%)j Aurea Ktifaa prima omninm ntillä inaniiatc, et anteqii 
ex acte ah<|ua ilto mmlo liem , holoapbyraton . n 
Aaafttdia posiU dicirur — n u m i n e Ulis s>tntil> 
I« Wso von gediegenem Golde an I ni 

loiiil war tiirsr Rilnsanlc , ferner sf-hr alt und bochvrr 
ebr» — charakrcrinii-iche Züge orienidlihc'.in IV.tclit d 
R» litjiositit. Lin Wiftwofi eines Veteranen, oai um V 

1 Gelegenheit erzählt, ist ein eben so spre- 
chender Bcweit. der damaligen Römischen Ehvolitit. 



i 



2 7 

den Reichthum der Göttin. Hier in Armenien hatte sie 
einen ihrer liauptsitzc, und von hier aus wurde durch 
den lebhaften Verkehr ihr Dienst und Name, in viele 
irulct icn verbreitet ^°). Der Zusammenhang 

mit der Persischen Naturgottin 31 ) zeigt 
tich ii «ner beroerhenswerthen Nachricht des Chaldäi- 
chichtschrcibers Berosns (apüd Clement. Alex. 
i : Der Bönig Arlaxeixes Mne- 
. hcil\t es dort, der zuerst der Anaitischen Aphro- 
i Susa , I wiiil Elibatana eine Bildsäule er- 

ging den Persern , den Bewohnern von 
mascus und Sardes in der Verehrung dieser 
mit seinem Beispiele voran. Es wird dieses Fac- 
tum i i ingefuhrt, dafs aueli die Perser, 
*priin«lich einen reineren Cultus gehabt, späterhin 
in Idololatrie verfallen seyen. Mit jener 
i \achricht des Herodotus verglichen, giebt diese 
Stelle ru der Vernmihung Grund, dafs Artaxerxcs jezt 
iben öffentlichen Tempel- und Bilderdienst 
•Vf alten Assyrischen Göttin einführte, und zwar mit 
!>t»ten und in der Art, wie mau dieses Wesen 
(Milien verehrte. Diese form ward jezt einVolbs- 
: in den Persischen Provinzen; die Mitra Mar von 
„enstand der geheimen Religion der Ma- 
jnd der im Magismus erzogenen Bcgentendynastie. 
r Armenische Gullus wurzelte in vielen Ländern 
ä , namentlich in den beiden Städten Komana 
in Otppadocien und im Pontus 32 ). Der 



Hjuptstclle bei Str.ibo XV. p. So6. A. mit den ße- 

' mjjen von Heyne «Je Sacerdotio ComanensS, in 

<J«n Nov. Con c. JScient. Gotting. XV I. p. Il7sq. 

1 >. hat diesen Zusammenhang beson- 
;efuhrt und nachgewiesen. 

I »i« beiden Komana [rä Kejxavs) in Cappadocien und im 



28 

Dienst in» Cappadoc'ischcn Komana war der b< 
Die Stielt la;^ in den tiefen Gebirgsthälern des Antitau 
und war von Kataoniern bewohnt. Auch hier ein Tc« 
pel mit weitla'uftigen Landereien und mit mehr als sec 
tausend llieroduleii , die iiir den Priester arbeiten , 
im Hange K« nächst nach dem Honig, durch dir ^t-isiÜ 
f.t-Malt dis gense Volk nick seinem Willen lenkt. 
Leibeigenschaft war in Cappadoeicn von alten Zi 
zw Hanse; nur allein der Konig und eine Zahl von a 
1 -en Dynasten «raren Herren des Grundes und Bodei 
Die Andacht dieser Grofsen bereicherte durch Gesehen 
Und Vermächtnisse den Tempel mit Land und Lcol 
und su bildete »ich hier ein Yeihällnifs, dem der En 
päischen Geistlichkeil im Mittelalter sehr ähnlich. !»• 
kamen , wie es scheint, auch hier reiche Geschenke v 
den an dieser Stfafse torbeüsiehenden Kaufieulen. Au 
hier finden wir alle Anzeigen eines oTgiastischen Diei 
su-s. Es wird bestimmt eine Schaar von Begeister- 
ten (^£"fji<v | erwähnt« d. h. fanatische Mann« 
und Krauen , die sich an Festtagen einer heiligen Rase 
rei überlassen und darin die ausschweifendsten Din« 
thun ■*•). Das Bild der Göttin halte verniuthlich mehrev 



Pontus bezeichnet Strähn genau lib.XTI. p.J35 
V. p. |6 k<i<| . eil. Tisch, und p. 5S7. p. 139 «q. 
her diese Priesterachaften mufe Heyne dt- Sacerdt 
man. p. tut srjq. verglichen werden. 

^3) lind von Hierod-ilen (*xt rö tob fepfalktm — vit 

bo a, a O.J. S. darüber unfern ersten Theil pag. 2; 
not. Id. 

3|) Zu Aphaku ("Alf**») auf dem Li!>anon hatte 

nus, srrloha daher *A $ t9 &rn f 'Atpanhn hrfs, einen alir 

.in Dienst. In der Einöde der donigf n Wuldei 
sich t in See, m den nun ;illrrlri Geethcaie, zum Tlu 
♦ehr kobtbare, warf. Was davon oben schwamm, wai 



*9 

die den Griechen zu verschiedenen Yerglei- 
. mit der Minerva (PlutaechiS. 
<; ) , mit der ' ybele, mit der Lima. Ilr- 
cilenischc Witz ; g, die A< hu- 

. rti'niis Taurica iru erklären. Jeast mußte 
ea aushelfen, der roil seiner Schwe- 
lm Gottesdienst der Diana aus der Scy- 
turiea hierher verpflanzt haben sollte. Slrabo 
Hunianisehe Göttin "!■'., (Belli «na). 
Griechen als Iicgleitcrin cU-s Ans 
In vm Hoiiirvus. Amli hatlc die Griechii 

llt. Es hamen die Hriegbtänze 
buij-.il au den testen der bewaffneten Dötiin, 

za l'.oniAii.i aullühren sah, Sn nar die Benennung Bcl- 
lelir begreif lieh. lb»s Wahre an der Sache ist, 
er Dienst der alten Oberai :i Natur- 

tin unter diesen Bergvölkern einen kriegerischen 
1 enommen halle, vielleicht znm Thcil aus 

ichei << i Sitte Dir bewaffnete 

A p h .i Cjthere , von der Pausanias (III. a3. 

.. hätte den Griechen an kriegerif 



eben, was untersank, als der Gott- 
Btit angenehm ; und diest- r Unterschied aufsei e sich dort, 
iUc rii.m ? wunderbar, ohne EiuHufs der physischen 
Bf>ct..itK iibcit der hineingeworfenen Körper ( s. Zosimi 
H>i. I, c*p. 5S ). Auf ähnliche Weise et fuhren auch «lie 
ijrener hier Ihren b I u nden Lnifr^ar.sc 

II. vefgh van CappeMe Disput. iu- Zcnohii l*al- 
I. Drr Tempil ward nachher aufBe- 
S Grofsen gänzlich zerctörl , und d< r 
;<»r( aufgehoben. Bei dieser GrhgenheiL 
rn wir, daß der Dienst sebr üppi^ . und 

sogar von unnatürlichen Lastern und zwar tut beiden Ge- 
rn nicht frei geblieben war (h *ooniis Mist, rc« 
I. Taurin. und besonders Kusebiu* de 
Jaudd. tuiutant, Oral, cap. S. p. 0/" ejusd, edit.j. 



3o 




Urania im Angcdeuhen erhalten hönnen j aber Stra 
unter Römern lebend , deutete natürlich nach der 
geläufigeren Idee der Cell mm. Auch bei der Epl 
Göttin hatten sich im alteren Dienste mit dem Amazuni 
geroige aus derselben Quelle der W;itleiuanss u :d ki 
gotische Attribute erhalten ü ). 

Auch im Fontusb.itte die Assyrische Mylitta 
Tempel- Zu Komana ganz auf dieselbe Weise >v it 
Cappadocien , woher man die Stiftung dicker Toehl 
hirche ableitete. Auch liier der Priester ennücbsl t>. 
dem Honig, auch hier Tetnpelsclaven , Fanatiker 
jedes Jahr zweimal eine Processiou, wobei der Pries 
das Diadem tragt (Strabu XII. p. 8jj. [p. 557] p. 
Tzsch. *>). 

Nicht anders in dem Pontischcn Zela , nur dafs 
Göttin hier wieder Anailis hiefü, und die Verehrung 
zwei andern Gottheiten theille , mit dem Amanus um 
Anandatus (Stfübo XIV. p. 1066. [p. 733.] \ ol. VI. 



35) Ob auch die Phönicische Astaroth etwas von Hie? 
kriegerischen Charakter gehabt habe , da man in ilti 
Tempel, nach I Samuel. XXXI. tu. , einen Harnis* 
aufhing, lasse ich unent.<cliieih'n. llosrnmüllcr ( 
und neues Morgenland 111. pag, iiy seq. nr, 539.) hot 
dieser Stelle Mehreres Qh*r die Allgemeinheit der 
im Ahcrthum in den Tempeln die Kübtung der erle| 
Feinde, als den Göttern geweiht, aufzuhängen, b* 
bracht; und wer wtilV nicht , dal:» man in fa<>t allrn Tel 
peln , neben andern IVeitigeaettcnken. auch \\ atiVn auf« 
anhttngen püVgte '! 

36) Die Wort« ci»s Strähn n. a. O. lauten so: ►«» ^ 

y.arä ri, ■ ib»]Jux irvyyj* 

beiden Ausgange jAbrlich* wobei vermuthheh das Ihld dei 

igen ward , fielen wahi 
Iipt, wn» ander\*art>», in f*6W»6M Jahrespei 
inuthlicb in den 1 1 Q 




j. Txicl». o . \f. p. 779. [p. 5ia.] Vol. IV. p. 478 
Tascb. 1 1. Persische Namen, wi«J nian sa^te. In dem 
Amanus , der auch Omanui heifst, will Boehart ((> 

p. CT?.) die Sonne finden. Also auch hier wiedev 
alte Sabaische Zweihcit ; und der hohe Amunus 
er, als strahlender Sonnenherg, bei diesen sei- 
nen Anwohuern eben so in die Reihe der Götter, wie 
der strahlende Libanon in der i'hö'nicischen Uosmog/onie 
dt» Sanchuuiathon. 

*• 7- 
Deus Lunus und Venus. 

Es wurde oben (II. p.8f.) bemerkt, dai's der Morgen- 
de* und namentlich der Perser auch die männliche 



irVn Tsschucke aus einer Parallelstrfle nnd .ms derM >s« 
Lauer Bandschi - gi< bt, 

3$) I. "/t der Lesart des T^chucke, welcher aus den 

U Handschi ■ ■ -> Riehr. Die andere, die 

• isauboDUfl im Texte Mand : , hol Wo» die 

Auctorittlt der Vatieanlachen Handschrift Mir i>ich. Ich 

will hier nichts Weiter sat;en; aber vielleicht dient iul- 

1 1c Parallele datu, weitere Yergleichunxen au versu» 

in der Chronographie p. d9. bringt Ml 

insus und Apollodorus (s. dessen Fragmin, pa;. 4ß? 

Ur n A nn e d o 1 * der i ba Id 1 <■ r bei s -'. 

Man Mein, dal» Arm« dein-, hier ein l'iadieatdes 
Osunes ist. Bekanntlich wufste die Cbnldflisclie Kosmo* 
fonie von sieben Thjermeiuichen , «reich« «hl Gesets» 
Reber in Babylon autgrirtien aeyo sollten, worunter Ua;i- 
itr» der erste «rar. Die Aehnlichk» 11 mit den Indischen 
Avatara'a, wo Wiacbnu unter verschiede neu 'I 'hieihirinen 
-cbeint , I- nahe. — Nir.ibo .i ■ O. nennt <ix:t\ 

<J 11 mu» und Auandatus Persische Götui' oder Genien 



Kraft des M on d e s vergatterte, und von ihm als von 
dem Befruchter der Eide Dies gab zum bilde 

uiul Cullus des Lunus AnJsTs '). Nun Mar durch gauz 
\ .•! dciMMen , in Albanien, in Phrygien und, wie es 
scbcinl , bis nach Syrien hin, die Beltgiori eines üuttca 
Mtljl (Mensis) verbreitet*! Heine du Saccrd. t.oman. 
]>. 134 sqq.). Sein berühmte^« r JViupel war £11 liabiia im 
PontttS, einem Meriten , der nachher zur Stadt erwuchs 
und Diouulis, nachher Sebasiu . endlich Neo«-l»aesareei 
hiefs. Auch hier halte der Tcmne! ein gruJses» Gebiet] 
dessen Ertrag de;r Pitfester erhielt ! hier ward der Gott 
anter dem Namen Pbarnacei verehrt i und die Panischen 
e schwuren bei ilim den theuersleii Eid ( Stiaho 
XII. p. l'.r>. Tum. V. p. taÖ Tzscb. ). Leber die bild- 
liche Darstellung diese« Wesens giebt es wenig altera 
Zeugnisse. Bessere Hülfe leisten die Asiatischen Slidle- 
inul liünigsniiinzeii. Sie Steigen einen Jüngling, oder 
dessen Brustbild, mit Phrygischer Mütze, zuweilen mit 
entblufatem Hupfe ty , mit dem halben Murde darauf 



39) Aehnliche 'Vorstellungen Baden sich in den Orpbischrn 
Hymnen, wo, mit deutlicher Anspielung auf orientalische 
Vorsti Illingen , der Mond Mannweib genannt wird _; z. ß. 
I \. <h) Vi. 4. «11 es von der Mine M-;;* ) helfet : 
S)ifXw( t> kjI SfCiijVj und \I.II, (41) vs. 4. uu dasselbe 
von der Mise (M*eJj) gesagt wird. 

4ü) So »n irasrrm Bilderhefte a/if der Münze des Amicchus 
J piphsnes Taftl III. nr. 2. So auch ant r'hünicisciieii 
^JUo^t ii der V6JllUOttd als Sin voll» und dukwangigeg 
IkJenseheagesiehl 1 von vorn, mit ofifenem Munde und 
luzrauahängriirdcr Zunge , ohne llaait; >. Bf Hermann Be* 
iiitrl.1.. über l'höuicische MUttzrn II. pag. 16 h\ nr. J7. 
AU Jüngling , dureb die zwei IIuhrt de* Jmlhi 11 Muml. j, 

•alehe Kber den Schultern hervorragen, eharahteririrtj 
finden wir Ihn such tn «»ei Abbildungen bei Hin Mythe» 

log. iiildcib. i. p. üb. b!j. beißt war auch der Mond bei 




über der Schulter ; zinveilen die blufse Bittre in« 
ilfc tftaei halben Mondes. In der Sprache der Nu- 
!st dieses Wesen Ltinus. Sirabo selbst 
enthaiben jenen Vorderasiatischen M>;v als 
Mond, Zeit des Haitis (.'.lYual'a ward der Gott 

lopotamien »cnlui (Spartiaa ?n 

. - ) ). Dagegen will nünLenlond jenen 

Mensis n Lunus so unterschieden Vliesen* dafs 

»chiedene \\ esen angesehen wer- 
den tollen. IC» ist allerdings von Bedeutung, die \ee- 
-denen Beziehungen abzusondern , unter denen Men« 
»i* and Lun i h\ werden. Die personificirtfl Zeit- 

gedacht , gehurt in die Gasse jener 
legritTc, die in allen alten Religionen des Orients hen- 
I)..it wurde auch das Sonnenjahr eleu so per- 
in den Persischen Zendhüchem als Daclicra. 
als b"in , Sem J welehc Bedeutung sieh dem 
Uclcarih. oder dem Phünicisch - Aegyptischea 
theilt hatte. Aher da jene Zettperioden 
■ nne und nach dem Monde reguiiit wurden., 
die man als Tages- und Nachtgestirne und als die (Quelle 



Uro Volkssuimmen Phöniciscber Anvrrwnndtschait da» 
i * eiblich er Sc hün li e i i ; die Beweise git-bt Mu^ 
GL lyihua u. s. w. p. ny. 

41) Auch st der Kabiren in dieser Mesopoianmchcn 

.cht Gutberlet { in Polcni I besanr. I. p. 845 sq.) 

;n«en au bewei.en , n3n PhÖiiicischenKa-* 

Kabireomuuzen i>t auch der lullte 

^d mchrenthcils anzutreffen, und der Lunusdieaat 

scheint hier und viel; rwlltis < maa denkt i*n die 

Y<< ira) inii den Kabiren Zusajninenhang 

gehabt tu haben« — Die oben angefUhrta Allhandlung 

von Le blond mr le Uieu [.unus Mehl in den 

Mfin, de l'Academie des luscript. Tum. XLII. und Jen« 

I« p. Jbii 

U. 5 



H 

Blies Segens nnd Gedeihen» verehrte, so mufsie , 
I>atur der Sache nach, eins, Mas dem einen Idecnhi 
angehört, auch bald in den andern herübergezogen \s 
den» Sobald man Mir Sonne und zum Monde beti 
achtet man auch auf ihre Perioden. Beides llief»t at 
einer der ältesten Quellen des Gottesdienstes, und gc 
hört dein inneren Asien an. Mag daher auch bei dt 
uralten Phrygiern dieser Monatscuttus steh sehr froh tii 
den, su ist es doch sicherer, ihn aus dem geniein»chai 
liehen östlicheren Valerlande alles Sabäismus hetzuit 
ten , als einzig, wie Lcblond ihut , aus Phrvgien. 

In diese Reihe gehört auch der Dens Venus od< 
'A<pp63tfn<; , von Welchem uns ein zwar spater Schril 
steller, der jedoch hier einen gelehrten älteren Forscht 
als Zeugen auffuhrt , Nachrieht gieLt *)♦' « Pollcniemqi 
Deum Venercm, so heif*t es dort, non Do am. Si 
Dtim eliam hujus est Cypri baibatum corpore, sed veM 
muliebti, cum seeptro ac statura viii. Et putant eandt 
marem ac fueminam esse. Aristophancs eam *A<p»»ooV 
appcllat. Lerinus ctiam sie ait : Venercm igitur almt 
adorans, sire foemina sive mas est, ita uti alma noctilu< 
est. Philochorns quoque in jitthide , t andern o/Jit 
esse fwutttt Nam et ei sacrißeium Jacere vires cm 
vestc muliebti , midieres cum viri, r/tiod eadem et MM 
existimatur et foemina. » Von dieser festlichen Frauer 
tracht der Männer sollen sich, nach einigen Auslegen 
in den biblischen Urkunden Spuren linden , besondei 
im fünften Buch Moses **). Es wird aber diese Vct 



42) Macrobius Saiurnat. 111. 8. und Philocbori Fragmm. 
«ysq. cd. Siebeiis , wo auch Larcher angefahrt wird, d< 
diese Stelle völlig ver&ndtrt haben wil*. 

43) Deuteronom. XXII. 5. „Ein Weih so" nicht Mannsg« 
rdth< tragen, und ein Mann soll nicht Weiht. rkUider ai 



35 



»eehttlung der Meldung bei der Festfe'er susdi 'iicltl.ch 
in Symbol der androgynischen Natur des geleierten 
Wesens angegeben. Ferner kann uns die von Philoeho* 
l . . rn Schi iftstclter Ober d;«* Sltere Attica — und 
wir Aeg*; ü nicM «li*s älteste Athen — angege- 

hene Idee des Motides **) an Acgyplen erinnern , worauf 
•«cfc Andete bestimmt hinweisen. lJcnn dort herrschten 
•Anhebe androgynische Voi Stellungen von Mond und 
Sonne, die in Herakles und Setup hucrates niedergelegt 
ttren. Mit Itczug darauf bemerkt Job. Laur. Lydus de 



tbun. u Dort Fanden Schon die »liieren Interpreten eins 
Anspielung auf da» der A&mrorh von den Männern und 
- (n.jn erinnere sich an die Begriff« vom Ae- 
,chcn"E^rw<rt 1 s. oben p, 6.) von den Frauen gefeierte 
vergl. J. II. Lirsiim.^ in <Jcr Sylv. theolog. symbol» 
M'hreres gehen nun die verschiedenen Erklärer 
in KosenmQllcrs altem und neuem Morgentand B. 11. nr. 
4ü4. p. 3|ü s q, t v»o auch das angeführte Zeugnifs drs Ma- 
nichi unbeachtet gelassen worden ist. — Achn« 
liehe Zuge werden im Verfolg noch bemerkt werden, 
wie beim Dienste der Cybele , deren Priester auch wühl 
FriUtdklcider hei l'cstaufzügen anlegten. 

44) Auch d«n Mond JFU hren die Münzen von Alben; s. 
Ka selie LcXlCOtl univers. iti mint. |. pag. 1212. — Oh 
nun aus diesem Ideenkreise Jener «topp*lge»lalttic SJjfier 
i cerops, womit der Allische Mythus, nach seiner 
Art. tu willkQhrlich dichterisch spielte, erklHrt werden 
mOaae , und ob auch hier die sich so oft aufdringende 
ellung wiederkehre, ci .. 1 '•* der ersie Hrligiumdc. hier 
I m Gölte analog gebildet we.ro* , und folglich hier Ce-* 
cropa als erster Pflanzer jenem gToiVea Aegypli- 
n Hesaamer ähnlich , dieses Alles wollen wir lieber 
rt als beantworten. Das nur fügen wir noch bei, 
unter mehreren Abbildungen des Cecrops derselbe 
auf Athenischen Münzen auch mit zwei Gesicht« in , mit 
einem banden und uubariigeu , erscheint ; s. Rasche a. 
a. ü. p. liMOsq. 



36 

incnss. peg. 93. nach Nicomachus, Mo er von Heralil 
als der Sonne, spricht, *dafs bei den Mysterien 
Herakles die Männer rYanenkleidor angelegt haben, 
nämlich die £1 /« . tndt Uralt aus der winterlichen Rai 
licit anfange, weich ku werden (arc d>; »4 ä)pt6xr, 
t>7^ xutu ^auiüva ÜQ-^uuivov xov üJTt^uarixüv xöxov 
Xvrca&at). Und »war feierten sie dies Fest im Fr 
linge» ''). 

Von der Ueppigkcit dieses Mondsdienstcs ^i'lit 
Strabo einen Begriff. Er beschreibt uns die Priest 
anstatt zu Antichia ad Pisidiam (in Phrygien). Dort w 
bei dem Heiligthum des Men Arcäus (M^io; *Ap*a: 
eine grofse Menge von Hierodulcn unic hallen, und w 
läaftige Grundstücke waren sein Eigcntbum *). 

J. 8. 
Cybele und Attis. 

Aber auf den Pbrygischen Bergen erweckte dei>cll 
Naturgeist einen andern Dienst, der die ganze alte \\ 
in Anspruch nahm, und in der Metropole der Welt, 
-ler groftofl Borna . seinen Silz aufschlug. Pessin 
unter allen war die auserwählte Stätte, an der das 
Himmelsbild sich niederliefs, und der deutelnde Giiei 
suchte noch im gefallenen Steine den Namen 
heiligen Ortes. 

Nun wetteifern die Berge längs Phrygiens und 
diens (ii.in/.en hin, um der guten Mutter toi 
Berge ihren Namen zu geben. Sic verschmähet beim 



45) Man vergleiche die Kupfcrl.ifcl II. nr. 1. nrbst der Er* 




ard Dindymn; , Pessinns , Berecyr 
ben ihr Prädic3fe ; aber Cyhelus 4r ) allein git-hr ihr 
den allgemeinsten Namen, der ihren Utihm unter die 
MJbte&bfcnden Griechen trügt. Die Phrygier dankten 
este Volh (irr Erde ( Ifcrodot. II. 2.), und 
*o all iric sie muhte dann auch dieser IJergdienst 
doch diese Bcrgmötter Ria (Mo) das ihr 
hu in dumpfer Thicrhcit zu menschlicher 

inf^ehoben. 
der stolze Grieche läfst erst im sieben und 
»icbzj-stcn Jahre der Attischen Acre (d. i. 597 vor Tro- 
pft Zcrftlörun^) , unter dem Könige F.rielithonius , sdas 
Bild der Güttcrmuttcr auf Cybeloe (e* KvßiXoig ) er- 
icheinen , und den Phrygier Hyagnis zu Gelang die Flöte 
•od die Phrrgische Weise erfinden » > ). 

Gleichuohl roufs jenes Hochgebirge für den Stamm. 

eines der wertgreifendsten Culte gelten, dem bald 

ganz Vorderasien anhangt, den die reichsten Stüdtc, 

bm\rna, Magnesia und andere, auf ihren Münzen vii - 

im, und die die weltbeherrschen don Römer neben 

wenigen anderen in ihrem Staate durch die bedeutend. 

- "Treckte auszeichnen (Llpianus post Cod. Theo- 

dt>*. p. uo.). 

"Was melden nun Grieclien und Rum er von dieser 
Phnßischen lteligion ? Auch hier fanden sie Institute 
der Vorxeit, den beschriebenen ähnlich, oder doch das 






4?) fcw2*>«{, KvßtXXa, KJßiXa , s. Hemsterlinis ad Lucijni 
Jod. Vocal. Tom. I. p. 308 sq. Bip. p. 90 ed. I fernst, und 
Ober diese Oertlichkeiten, so wie Ober die Schreibung 
dieser Namen Strabo XII. p. 567 fin. p. 182. und daselbst 
Twchucke. Leber die andern Namen und Beinamen vgl, 
Moser au Nonni Dionys. p. 229 sq. 

4S) Marmora Oxoniensia Epach. 10. vergl, Marsh am Canon, 
Chron. p. 135. 



Andenken an sie. Die große Handelsstadt Pessinm an« 
gab ein reiches Tempelgebiet , und im Genufs seiner 
Früchte lebten Priester , die ehemals sogar Könige *»• 
i cn ; also hier noch mehr selbst als in l'omana, Z 
Kabira. Freilich war zn August us Zeit diese alte Pix« 
stei macht gesunken. Doch hatten noch nicht lange hrr 
die Pergamenischen Könige den Tempel zu Pessinus mit 
einem, so alter Heiligkeit würdigen Glänze neu aul'goha 
und Porticos von Marmor umgaben ihn (Strabo TL 
p. 56 7 . T. V, p. iÖ« Tescb.) ->«). Auch die Priestersch 
blieb an den Ilauptorten ein sehr zahlreiches Person 
und zu Cotyäum in Phrygien hatte man namentlich ein 
Oberpricster, dessen Amt die Münzen verewigten (F 
lieh "l'eiitamen nuramor. p. 3'jo.). 

Der grolsen Gybele ist Attis 5°) zugesellt , und 
dieses Verhältnifs dreht sich der ganze heilige Dien 
Das Verschwinden und Wiederfinden des Attis bestirnt 
in dieser Religion , wie in ähnliehen Vergötterungen d 
Natur, die zwei wesentlichen Festperioden, Mit d 
Frühlingsanfang hegann das Fest. Ein Trauertag, d 
31. März, eröffnete das Ganze. An diesem Tage hi 
man die Pinie (pinus) pdei fruchtbare Fichte ab , 
deren Mitte das Bild des Attis aufgehängt war, und t 
pflanzte (Rn Baum in den Tempel der Göttin. Dir 
Tag und diese symbolische Handlung bezeichnete 
durch, den Spruch : Ariior intrat 51 ). 



49) Er war drr Gfltfermutter geweiht, die hier Agdisti 
("Ay6ta-r,^) genannt ward. Strabo a. a. O. 

Sti) Attis , "Arrt; % oder Attcs ,'Arr$; , nach Laconischer Aul 
spräche. S. über die verschiedenen Formen dieses IV 
tes Hemsieihuis und Graeviu« zu Lucianiis Tom. II. 
2*3. JX. p. 3SJ. Calullus und Andere neuntn ihn An 

it) Plin. II. N. XVI. 10. sect. tS. Arnobius adv. gent. 
p. 71. & auch baj.uecroix Rechet cheti tic 1.1t p. 



59 

Aach im Dienste der Syrischen Göttin zu Hicrapolis, 
. wie weiterhin bemerkt werden wird, in Vielem 
feiern ( ultus glich, brachte man im Frühlinge Bäume 
in den Vorhof ihres Tempel« and verbrannte sie (Lu- 
)o* de Dea Svria Tom. IX. p. 136 Bip.). 
Der zweite Tag war der Tag der Hurner. Es wurde 
in Einem fort mit Hörnern gehlasen. Von einer ähn- 
lichen Sitte lesen wir in der Geschichte der Israeliten. 
1d Phrygien war es das heilige Mondsborn t das, schon 
in seiner gekrümmten Gestalt symbolisch, durch seinen 
schweren dumpfen Ton *-') dem Sinne dieses düsteren, 
erwartungsvollen Tages eine glcichraäfsige Haltung gab. 
Mit dem dritten Tage war Attis gefunden , und der 
Jubel über diesen Fund rifs die lange zurückgehaltene 
Magnetkraft über alle Schranken hinaus und trieb sie 
dem Gipfel der Freude zu fanatischer Wuth und 
blutigen Handlungen. Der rauschende Ton der Cymbcln 
und Handpauken, der Pfeifen und Hörnet , begleitete 
die enthusiastischen Tänze der bewaffneten Priester ü ), 
die n:it Kien fackeln in der Hand, mit zerstreutem Haar 
und wildem Geschrei durch Berg und Thal rannten und 
ihre Anne und Füfse verwundeten 5 *), Unter anderen 



der, was den wahren Ursprung diricr Sitte bttrifTt, die- 
selben mit Recht aut> «lern Mythus von Usiris und Ty- 
phon herleitet. 

des Ouintilianus de musica HL p. 147. vergl, Hem- 
sterhuis ad Lucian. II. p. 281. 

i&) Leber dit Tanze zu Ehren der Götter finden »ich ei- 
bige Angahen bei Rofeemnuller altes und nejjrs Morgen- 
land Bd. II. nr. J2y. p. tK tr. zu II. Mos. XV. 20. und 
Bd. IV. nr. Klb. p. 4«. Ebendaselbst Bd. II. pag. 22 f. 
wird auch Über die hei diesen Tanzen üblichen Hand pau- 
ken Liniges gesagt. 

£)) Ein Gleiches hören wir von den Verehrern des Baal in 






_ 




feierlichen 

geschah die Verstümmelung , wodurch diese i 
Eunuchen wurden. Arhnlichc Vorgänge im Syrische 
Cultus und anderwärts bemerken die Alten. Das Manu» 
lieke wurde ai»4attfi wirklich vurangeli agen , statt d.<f* 
nian sonst den symbolischen Phallus in der Proccssion 
yornntrug. Diese Gast ratio n selbst hatte eine bildliche 
Beziehung auf die im Winter erstorbene Production der 
Natur. Dafs immer alle Cybclen priest er castiiit w.i 
ren | mochte sich nicht erweisen lassen. In Rom scheu 
nur der Archiga litis Castrat gewesen zu scyu, und dies 
laxere Observanz mag auch wühl früher hie und da stat 
gefunden haben 55 ). Wer vermag bei dem Fana 
aller Asiaten das Maafs ihrer religiösen Gefühle w 
deren Wirkungen zu bestimmen? Von diesen gutt« 
dienstlichen Kegeln und Gebrauchen hatten die Priest« 
<ler Cvhcle vetsehiedene Namen. Ihre ältere und al 
mciiierc Benennung scheint Gy beben gewesen seu »eyi 
Womit man begeisterte Priester der Cybebc bezeichnet 
wollte ^J. \ on den Wallen tanzen, die sie der Gotüi 



Sam.irij , f. Kim. XVIII. 2S. „Und sie riefen laut m 
i 1 1 z e t c n sich mit Messern und Pfrieirn 
nach ihrer Weise, bis dafs ihr Blut hei nach ging. 
Bei Ko*>enmu)ler (altes und neues Morgenland Bd. II 
11 r. 6!9< p. lf*? fT.) linden sich zu dieser Stelle noch einij 
nähere Angaben über dies« im Alterthume verbreitt 
Bitte , die sich bis in die neueren Zeiten im Orient erual 
ten hat. Denn Türkische Derwische und Perser jdlegt 
noch heut zu Tage bei gewissen feierlichen Gelegenheit« 
i« h auf ahnliche Weise selber zu verletzen. 

55) Vergl. Saintecroix Recherche« etc. T. I. p. 82. 

56) K So bitte schon der Komiker Cratinus di< 
enthusiastischen Priester genannt ( s. Photii Lex. s. v. 
wo auch Simomdcs citirt wird; vergl. Ruhnken. ad Tu 
pag. 10 sq.), so wie die Göttin Ku/i^n, Kujü.JA^ 




1 hirfs; 5. ffesych. IT. p. 361 sq. und daselbst Al- 

i-clier «um AriHcreon XIII. 1. Etile Her- 

tlung d B Wortes >-on *•. uvpc';, gekrümmt, 

:.«•• fcustathius ad Odyss. II. t fj p. 7<i Ba&il. Wer 

von <:■ lllteit, satter, oder auch von einer andern 

n s« y , «erde KJii; ic; genannt, aber auch ff«« 

l{iO *, f öd*xo<; f ( i^.ii/.:ij; ( ßa-Ja*, tu- 

j und tpA«5iu'v. Altis ist Sabus und Bacchus« hat 

ich Siierjttiibuie , und heilet auf einer Inschrift: M i - 

notautus; s. Fayne K. night Symbol. Lang. $. y6. 

: i. 

>lrabo X. p. 710 sqq. Almel. Vergl. Böttiger Vorlesi. 

aber die Kun^tmythologie p. 51, 55. — Die Phrygische 

hat ihre mythischen Künstlernamen, Hyaguis, 

Olympus , welchen die Phrygische Tonweise 

mythisch beigelegt wird; vergl. Aristotd. Polit. VII I. 5. 

und Forkels Geschichte der Musik I. p. il4. JbtptBe 

ix das Wort . womit man diesen rauschenden Cyheien* 

dienst nebst Tanz und Musik bezeichnete; und nachher 

•ach die Täuschungen der Pieberphantasie und des 

Wahnsinnes , worin man laute Töne zu hören glaubt ; 

Luhnken zum Timaus p. 163. S. auch Saintecroix Re* 

lies etc. T. I. p. 80, wo Silvestre de Sacy bthaup«. 

■iafb dieses Wort stets den Begriff einer UbernaiUr- 

liehen Bewegung , einer göttlichen Begeisterung , sie f-ey 

wahr oder verstellt, in sich schließe, wodurch der 

Menftch ganz aufser Stand gesetzt sey, Herr seiner cige-. 

Handlungen und Bewegungen zu seyn. 



Namen : Knrcttn , sogar die Erklärung f«"r eine in 
sen Religionen sehr gewöhnliche Sitte : Die Cvbcli 
priester zogen bei Fcstaufzügeu auch wohl Frauen! 
«r an 5S ). Dieses war eben so wohl Factum , als 
"sie »ich castrirten. Heide» hatte im Wesentlichen auf 
denselben Sinn ; worüber wir oben schon das Nöthi« 
bemerkt haben. Ah er dafs aie deswegen Kuren 
hiefvcn , weil a ie als M n d ch e n (Kdpai, Kordon) einh 
gingen, das war eine Griechische Deutelei, die jedot 
das Verdienst, hat, einen charakteristischen Zug di 
Cultus in der Erinnerung festgehalten zu haben — 
Bemerkung , die wir oft bei aolchen Etymologien 
machen veranlagt werden. Sie selbst haben häufig ni 
den geringsten Werlh , aber was aie veranlagte , 
aie in Erinnerung bringen , ist oft eine schätzbare Sp 
einer alten Idee oder Sitte. Als Castraten wurden i 
in der Sprache des oberen Phrygiens TdkXot (Galli 
genannt. Mag dieser Name aber auch ursprünglich ga 
local gewesen seyn ( Einige leiten ihn von dem l'hiy 
sehen Flusse Gallus her) , so bezeichnete er doch na 
her ganz allgemein die entmannten Priester der Cybel 
und dann auch anderer Gottheilen. Ihre orgiastisc 
Festhymnen hiefsen GalliamLen, deren schweres eigen« 
Metrum, wovon wir im Caiullus und einigen Andc 



SS) |. oben Th. II. p. 34 ff. 

i9) Nach Thomas Magister in fidboqk* war r&Aaf e^ Ritl 
nischea Wort (vergl. Te Wattrs Zusaize zu Jablons 
üpuxcc. <lc lin?. Lycaon. p. WS.). Es war nachher gl 
gleichbedeutend ini» Kü 1*3:1, a. Phoiii Lex. gr. s.v. K. 
Euslatliiui» ad Otlyss. IV. VS. Uft p. 166 Rasil., nachd« 
er ßd^ttvy reden, angeführt hat, sagt hierauf: H 
tc/ i'vjvT.u t6j ■LliY.üv (nicht reden können) ßdfla*, 
>ctAc; , )MUe4f*tMii i -a-ro; , yaAAc;, v.uri r:jj vttXctow^ ' 



45 

Jungen besitzen, ilcm religiösen Inhalte cnt- 
ich (Muretus Lommcniau in Catull. T. II. p. 810 ed. 



» Dj tch hier der gewöhnlichen Vorstellun* gefolgt bin, 
wonach jene _>;»llcn oder freiwillige Eunuchen wirklich« 
Frtester der Cybele gewesen , so darf ich einen Wider« 
h nicht übergehen, den dagegen ein gründlicher 
erhoben bat. Vnn Dale (Dispert, de AiuiqnitC. 
•li.l). p. l39s<|<|. und p. 7 l JJ »q. Amstel. 1702.) 
»acht iu beweisen, «lafs die Priester und PriesTerinnen 
der Cybele verheirnthet gewesen. Sie hätten Taurnboli 
oder auch Taurobolini geheilsen. Jene (Jähen hingegen 
mBsae man sich als fanatische Laien denken , die iiu De* 
laafs der Andacht und Ekstase sich selbst ver&iNm« 
Indien, um sich so ganz und garder Welt zu rntschla- 
iiid dem religiösen Leben zu widmen. Es kommt 
ei hauptsächlich auf eine Stelle des Herodianus an. 
Dieser crvählt (I. 11. 7. p. 436 sqq. ed. Irmisch,): h 5t 
r/ vlkat f*.i'j «l'f-V«; tu^.yiu^cv ixi rtv 
Vt'svrt, cisp oj t>jv -'- v , V* u:r ' v c ' 

u Hier tadelt nun van Dale den Po- 
litianns wegen der L'ebersetzung : a quo etiam evirali dcae 
fc-ce ■ cognominantur (, nnmen habent) , denn 

bezeichne blos Personen, die sich der 
Gottheit widmeten und zueigneten: Deae sicri oder 
iirnti. Dagegen sprechen nun die Sprachbemerkun- 
gen , die Irmisch (a. a. O. p. 437 sq.) im Ueberflufs ge- 
sammelt hat, wonach bei andern Schriftstellern häufig, 
insbesondere aber beim Herodianus, jene Formel einen 
»^entbehr n Printer bezeichnet. loh will über die Haupt- 
frage nicht entscheiden. Möchte aber van Dale seine Vor- 
•trllunc von dem Cybelendicnste zu 6ehr aus Nachrich- 
ten geschöpft haben, die von d*m nicht in Rom sprechen? 
— Lnd schliefst eheliches Leben einen solchen Fanatis- 
mus aus, wodurch freilich dessen Naturzweck zerstört 
wird , zumal bei der glUhrnden Phantasie der Asiaten ? — 
Auch hat Ruhnkerjiu* zum Tim au* p. 10. kein Bedenken 
<en , die Gallen sacerdotes man is deum zu uen - 
Auch kommen in der von ihm angeführten Stelle 



Mit der Verbreitung dieses Cybelendienstes wurden 
auch diese Priesterschaften genauer in Griechenland be- 
kannt , aber nicht gerade von der besten Seite. In einem 
ärmlichen Aufzuge zogen sie auf einem Esel im Lande 
herum, und sammelten an den 'Murren Geld im Kamen 
ihrer Göttin, wovon man sie Melragyrten 61 ) nannte. 
Dunh niedrige Denkart und oft durch die häf&lichston 
Laster in-Üi* !;t , norden sie Gegenstand grofser Vevai 
tung , wie man aus den Iledeu des Demosthenes sieht, 
wo di» \ erbindong mit diesen Leuten als ein ehrenrüh- 
riger Vorwurf gilt« Lies dauerte auch durch die Komi- 
sche Periode fort, wie man aus Lucianus und andern 
Schriftstellern sieht. Doch müasen diese terminirenden 
Bettelpriest ei um jenen privilegirten Gallen (so nannte 
man [est auch wohl alle Cvbelenpiicslei* ohne Beziehana 
auf Castratiun) genau unterschieden werden. Letzter» 
waren nach den zwüü'Talelgesetzcn im Kölnischen Staate 



des Manetho Apolelesmm. VI. 297- 539. wenigstens jene 
B Itelpriesler * die in den Landern herumzogen, als Eu« 
nuciun vor. 

6*1) IM «jr f ay ü^.rai , auch wohl Myvayüfrat, d. i. bet- 
trlh.ifie Mond:» priester oder Bettelpriester 
des Mn'y oder drr M.*fv>j. üas Geschäft heilst dyei^uv 
5>u< , daher der allgemeinere Name ayü ^rat für üet« 
telpritster verschiedener Gottheiten , der Artemis ( He- 
roriot. IV. ji. ), drr I*is oder der Gdltermuller, 
daher M »r pcfv J^tu t ; vtrgl. Kuhnkeniiis zum Timaeus 
p. '0 !>q. und Purüoni Adversaria p. 129. p- 10i* ed. Lips. 
Düse Melragyrten werden in der Griechischen Komödie 
ui.ter den Auswürfen der Menschheit sehr charakteristisch 
aufgeführt. Antiphanes beim Athenäti* sagt in seinem 
Misoponeros 

— — — fjurd ye, v*i Ata 

«j; fBfTQqrfof reZv-cu, t -rok'J rot yig aü yivo^ 

ffUtft nVTW tsut' fTriv. 

(Athen. V, p, «26. p. <J7l Schweigt.) 



»erkannt (Cicero de Legg. IT. 9. und daselbst die Aus- 
leger). 

In diesem Kleinasiatischen Diensie tritt also Sprtich- 

iprcchen , magisches Formelwesen , Orgiasmus , Be- 

uLwörungcn und dergl. bedeutend hervor; es herrscht 

Mo n d «> d 1 e n st und Mo n dss u ch t, vic dies selb 4 - t in 

den Vmien der Scliamanen dort liegt. Iienn ein solcher 

ih rter hiefs in den dortigen Sprachen bald oadoq, 

bald fJezxjfo^ , ßvfiu!;, daAaxxr,c ; Worter, die 

mm 7 heil Bezeichnungen der dortigen Gottheiten selbst 

lind, tbeils die ausschweifende Festraserei und das or- 

giastischc Wesen bezeichnen, theils aber, «ic bestimmt 

, . das orgastische. Getose, das f'or- 

nelude Gemurmel ausdrücken ' ')• Endlich ward auch 

dasGeU'-e , Lärmen und das furchtbare Wesen wieder in 

die Gottheiten Kurockrerlegt , und es spielt dieses noch 

in den Griechisch Asiatischen Vorstellungen und Manien 

durch « 1% ie in der *A ^ t e jt 1 4 x t Ä a «V e 1 v >'; , 8 Is dem 

Um und seine schädlichen Einllüsse üiilserndcn 

nde , in dem alten axoropaivfi. Lud der Mond in 

edenen Phasen, in seinen Aph- und l'eri- 

1 und in den Verfinsterungen, die er jeweilig cr- 

. erschien dem lebhaften Morgenländer gar mao- 

nichi*Itig und Maid Keim ganzer Mythenfamilien, Man 

denke nur an Bubattii und Tithrambo, an die turchihare 

und die böse Lilith, die den Jüdischen Kindbct- 

irnnnen so gefährlich war. Doch es genüge uns hier 

diesen Mythenhreis blos angedeutet zu haben, da uir 

unten bei der Ephesischen Artemis und ihrer Mutter La« 

tona nochmals darauf zurückkommen werden. 



»1 ii 

aeii 
bei 



6S) S. Jjblonskidr ling. Lycaon. Ojmscc III. paff. 113. Eu- 
blatli. ad Odyss. II. 16. p. 76. und IV. 2'VJ. p 166. wcklu 
Sielle wir schon in der Note ^!» angeführt haben. 



46 



Fortsetzung. 

So sehen wir diesen Phrygischen Dienst Si 
fl.enland und in Rom Eingang linden. Griechen ui 
llömcr gaben sich nun auch über 6einen Sinn llrrh« 
schalt in zahlreichen Mythen, freilich von sehr rerschi 
denem Geist und Gehalt. Da dieser auffallende Cull 
die Aufmerksamkeit der benachbarten Jonier errej 
die unter allen Griechen am frühesten historische Wei 
schlichen, so gaben sie auch vorzüglich Beriebt dar« 
Andrerseits waren auch die Poeien geschäftig, 
du-se trugen hauptsächlich dazu bei, die Rliea de« I I 
tensich- Griechischen Göltersystems mit der Phrvgisel 
Gvbele zu verschmelzen, welches dann bleibende J 
Avard bis auf den Elegiher Ilei mesianax und auf die 
mischen Dichter Lucrctius und Catullus, ja bis auf A| 
pulejus und seine Zeitgenossen herab ; nur dafs 
jezt wieder anfing, das bedeutsame der vcrschicdci 
Milben hervoi zuheben. Arn willkommensten wären ur 
die allen Jonischen Logographen, die uns ein hei' 
sehe» Phrygische Sagen liefern Könnten. Dan 
war der Lydier Xanthus gewesen vor Herodotiis sc! 
Jener nmfste dieser Landcsrcliglon in seiner Lydiscl 
Landesgeschichtc um so mehr Aufmerksamkeit widi 
weil, nach uraller Sitte der Vorwelt, die den Könij 
gern Götternamen gab , auch in den Indischen Regent« 
dynastien der Name Atys verewigt war. Ich habe 
dcrwä'rts (Fragmm. Uistoucc. graecc. anlirjuiss. p. i. 
wahrscheinlirh gemacht, dafs wir glücklicherweise 
Diodorus und bei Pausanias , welche einige wenige 
then als national-rhrygiscli anführen, noch die Peru 
de» alten Xanlhu fibtt diese Iicligiun seiner Väter lcs< 
Kur freilich Diodorus war am wenigsten der Mann, 
rade immer das Alte und Nationale herauszufinden üi 



47 

iq würdigen. Bei ihm ist die Sage schon zn einer präg- 
mttitirenden Historie eines Königshauses ausgesponnen. 
Et wird erzählt , vtie einst der Phrygische König Rfion 
die ron seiner Gemahlin Dindymcne geborne Tochter 
•of drm wilden Gebirge Crbelus habe aussetzen lassen, 
»ic diese darauf , wunderbar durch Thiere ernährt, zu 
der guten Mutter vom Berge herangewachsen, «eichen 
Namen aie durch Erfindung von Pfeifen und Trommeln 
■ad Arzneien Rlr Menschen und Vieh verdient j wie ihr 

.er Diener Marsyss ihre beständige Keuschheit he- 

*»hr? , wh- hingegen ilire Schwangerschaft vom Altis bei 

tkrer Ruchkehr in den väterlichen Pallast, auf des cr- 

eimten Vaters Befehl , diesem ihrem Geliebten den Tod 

i , v« ie sie darauf , im Uchcrmaafs ihres Schmer- 

ru'tt ihrem getreuen Marsyas die Flucht ergriffen, 
bt» nach \ysa hin, WO sie beim Dionysos den Apollo 
fanden , der d?n Marsyas im musikalischen Wettstreite 
besiegt und mit grausamem Tode bestraft, die Cybele 
hingegen lieb gewinnt und mit ihr bis ins Hyperboreer- 
Iand hinaufzieht; wie mittlerweile das verlassene Phry« 
g:'en Hnngersnoth betroffen, bis die Einwohner , auf des 
Orakels Geheis, das Bild des Atlis begruben, und auf 
Midas Veranstaltung ihm zu Pessinus einen Gottesdienst 
■nordneten ( Diodor. III. 58 sij.), — Manche Züge der 
alten Naturverehrung sind in dieser Erzählung nicht zu 
I , z. B. oVr frühe Bergdienst dieses uralten 
Hirtenvolkes, das seine höchsten Gottheiten als Wohi- 
thater seiner Heerdcn denkt und als Erfinder der Hirten« 
pfeife. So steht nämlich Attis , als Papas (Uunaq , nach 
Bühviii&cher Sprache), der Bergmutter Ma zur Seile, 
die auch die Heerdenmutter heifsen kann, da dasselbe 
Wort im Phrygischen ein Schaaf bedeutet ( M« s. Hc- 
ttchiut t. v.) Auch das ausdrücklich bemerkte Cülibat 
des ganz der Musik ergebenen Wunderwesens Marsyas 
i»t bedeutend, und erinnert an die Ehelosigkeit der Prie- 



48 

■ter anch in alten einfachen Naturreligionen (s. I. p. 600.). 
Auch di< Einführung des Apollo und der Streit der Flöte mit 
dein Saitenspiel ist bedeutend, so wie der Zug nach des 
Hyperborcerlande , worin der Zusammenhang dea Cybe- 
lendienstes mit den Caucasischen Ländern und der Gang, 
den er genommen , so wie sein orgastischer Geist deut- 
lich nachgewiesen ist. Wir werden darauf unten so» 
ruckkommen. Aber der physische Mittelpunkt diese« 
Phrygischen Glaubens tritt in jener Erzählung gar nicht 
hervor , oder ist vom Diodorus nicht beachtet worden. 
Dieses Wesentliche ist hingegen in folgender Phrygi- 
schen Nationalsage beim Pausanias (Achaic. 17.) gerettet. 
Sic lautet so : Zeus läfst im Schlafe seinen Saamen auf 
die Erde fliefsen j daraus entsieht nach einiger Zeit en 
Dämon von doppeltem Geschlecht. Sie nennen ihn A g- 
distis 6i ). Die Götter verabscheuen ihn und schneide! 
ihm das Männliche ab , woraus ein Mandelbaum erwächst 
Als dessen Früchte gereift waren, 6teckt die Tochter 
des Flusses Sangarius M ) eine davon in ihren Busen; 
die Frucht verschwindet und das Mädchen wird schwan* 
ger und gebiert einen Sohn , Attes , den es aussetzt} 
aber, von einer Ziege ernährt, wird er ein Knabe von 
göttlicher Schönheit, der die Liebe der Agdistis entzündet* 



63) "A 7a < ;tt/;, s. Hesycliius s. v. und daselbst Alberli. Ii*s 
Strabo X. pag. '569. ist richtig 'AyStVr/v verbessert. Di* 
IM11 ygier redeten auch von einem androgyniseben Gott* 
'Aisayseu; , s. llcsych. vergl. Jablonski de ling. Lycaor*«" 
p. 6-1 cd. Tt Water. Vergl. auch Arnobius adver«, gen*- 
V. 4. ibiq. inUrprr. Tom. II. p. 273 sqq. ed. Orellü iu*** 
desselben Append. ad Arnob. p. SS. 

64) 1 z'/Y^fio; oder Hu.yJ%tc$ t s. Ilesych. Vol. IL pagT* 
1135 Alb. Scholiast. Apollon. Rhod. II. 722. Jablons** 
de ling. Lycaon. p. 75. und Xanthus Lydius in den HisW 
ricc. antiqq. Fragmin, p. 173. Das Mädchen heißt bei 
Diodorus Nana. 




hi er mannhafter geworden, soll er der Tochter des 

.11. Schon stimmt man das ' 

die ihn liebende fcgdistis hinzukommt 

und den d macht. Er ui d d< ent- 

mttiit .elbst; aber auf die Bit ;rsc That 

\-distis verleibet Zens jedem I heile vom 

> Attea ewige Unverwesliehheit. — Dieser alte 

ud nun von Pi eicn in einigen Zügen anders 

i det, b«- sii-- Ni imcsiunax ( bei Pausr-.uiss I. | ) : 

in llä'mling uf die Weit gekommen, und 

habe ihn ums Leben gebracht. Dieser letzte 

Zag. «rodnrcfa man die an sich wahre \ erwandlsehait 

nie di lytbu» andeutete, kommt in ro*h 

_vu von litis vor. Im i Ainobius (adterstls 
i entmannt Diunysus den Altis , de^en 
latajdelbaum verwandelt wird, 
sehen wii schon das Hin überspielen der b-»^c in die 
ilerien von Ceres 6i ) und P.acchus. Beach> 
Vrn*v cbeint die andere kurz zuvor (p, 1O8.) be- 

rührte Sage run dem Riesenstcine Agdus in PhrygieAj 
ilion und Pjrrba durch den W urf die ersten 
hervorgebracht haben 6 ''). Freilich ist auch 
ischv Tbcogonie damit verwebt, doch 
sieb du Spur darin, dafs die Hochgebirge Phry- 
n Erinnerung für einender«. 



n Jem Flosse S laz »öch ein Hei- 

l'.^il 'bewohn« 

r«cti . i l- t Xanthun beim Schob Apottoft. u. a. (J. 

s. Üb Frjjmn», a. a. O. Das Epitheton tfti* hat drr Pa- 
nicJn. K» gebort mber hierher, 
drni-, Bergdienst w«r in dicken Landen vorherr- 
?kJ. 

66) &. Tb. I. j>. 775. wo des ähnlichen Mythus von detn Berge 
rplu» gedacht ist. 
IL i 



5o 



IHK 



Ansiedlunaspunkte der Vot lerasiaten galt , die sofm 
auf ihren Bergeii der großen Natnrgottin opferten. 

Zur Auliindunf der Grundidee jener Gottheit 
ihres Dienst ei ist v« r Allem Aufmerksamkeit auf die wc 
scnllirben Gebtinuhe und auf die HaunK) mbole nöthij 
htlieb tagen wir- die wesentlichen. J>enn, ^vi 
hon mit Einmischung de« Cietensiseii« 
tln.* von dt > Hhea ward Vieles verändert, und *na'W 
hin i-t Cyhefe •! 1 1 h Votir.i^tnig so > ieter 8» inhole 
ihr f-'ar y.u einer Art von Pü.iiheuni geworden. 
vn b. B. das überladene Cybelenbild in c!< 

mliing der Familie Qrsini hei Gronuv (in Tbl 
Antin<j. Graecc. Tom. VII. pag. i\&\.). Doli sie Kt 
über der Thurmkrone noch eine mit Sonne und M< 
bezeichnete Mutze, da in älteren Bildwerken di« 
turgotlheiten nur einen Schleier über das Hinterhaupt 
haben, sodann über die ganze Figur den weiten , vei 
hüllenden, mit Lotusblumen tci zierten Mantel au»g( 
breitet j den Zodiecm über dt 1 Schultern; in der cü 
Hand Pfeile oder Blitze, in der andern da» Si 
den Schlangeustab neben der Handtromraci ; auf c'er 
rechten Arme Fache! und Bugen und Bilder von allerlt 
Thicien, Löwe, Eher, Vogel, Schildkröte und EiJecl 
»e, und daueben zur Seite am Thrunc die gtwöbaliettj 
zwei Löwen 6 "). Dieser Srncretismus &pä:er Bildnei 
gehet mit dem Alles vermischenden 51>thus später« 
Poeten Hand in Hand. Fhilosrphische Henker rouls 
eist das gediegene Goldkorn alter Religion aus der po< 
tischen Sageuilulh wieder herausgew innen und auf di 
Einbell ans diesem Vieles den BJick hinlenken. La is 
ülier in diesem S\ -mbuli-nkreise als wesentlich uutl ui 
sprünglich zu achten das Doppelgeschlecht , die Berat 



6?; Man vergleiche hiermit die Darstellung ele ur 

Anis auf unserer Tafel II. nr, 2. JirLlarunj p. i7. 



.'vi männlichen Theile , vuc auch des Männlichen 
<irs Gi liebten Untreue, ferrer die Unverweslich- 
keil )• (»ergliedea, die Pinie ifhd dir Mandclhanm 
nclnt dem Löuenpaare und der Thurmhrunc anl dem 
Haupt o der thronenden Göttin. Mehrere von dien 
■d auch blo« diesem Fhrygischen Nalurdieuste 
h G m i i c h. 
dere, z. B. das Bild des Ebers , den Granatapfel 
«.«.w.. thcilt er mit anderen ähnlichen. Natürlich ist 
las Allgemeine, auf physischem Grunde Oberhaupt 
»ende teichter zi fa*sen, als was dem Fhrvgier na- 
|»<inrll anschürte, dessen Lebenskreis wir , au« Mangel 
am Nachrichten , nicht so genau hennen. Daher muftte 
fcier gerade manche Deutung nrifalingen ; woKm ■• Di 
Varro (hei Augustinus de Civil. Dt i VIF. e/|.) 
und um Lucretius (II. 604 sq<|.) beliebte Erklärung des 
1 npaars gehört, dafs darunter die Zähmung auch 
der > itur und das Urbarmachen auch de* 
rauh« lens verstanden werde. — Vielmehr sollte 
man denken , dafs der Löwe mit seinem heifsen Blute, 
dieser Honig der Thiere , das natürlichste Attribut der 
Natur war, die mit ihrer Feuerkraft Alles 
und Alles, was lebt, bändigt. Vielleicht 
b andere Deutung nicht glücklicher, nach der man 
in dem Sitzen der Göttin und in dem Fiaume zum Sitzen 
ie Beziehung auf das Buhen der Erde im 
Mittelpunkte der Welt , nach alter Vorstellung suchte <*) ; 



63 > J. Fr. Gronnv vertheidigte deswegen tue Lesart s e d i b u 9 
im LucrtiiuM \\. 601. s. tieshtti ÜbaefvaticiQea |>. Jib ed» 
Plafnrr , mit Beziehung nuf die angerührte Stelle dr* 
\jrro: quod sedea finganmr circa eam , citni omni« mo- 
:<ir non moveri UrrrHiij), Liest man dalUr subli- 
mem, so gitbt die Stell«* den in obtger Utheretizung 
ausgedruckten Sinn. In j'-nem, Varronischen : u cum 



5* 

oder auf das Schweben der Fi du in dem freien Li 

tuume : 

y Weifdien snn^rn von ihr d*e allen Dichter 

Fi li in Jeu Hohen lilhre mit Löwen betpaattl *ie 

WaR' ii , 

webend hing' flu Räume der Lull der irdische- Rod« 

I anen sie so, und es könne die Erd' auf der Im dt nie 

fuföi n. M 

Aber auch ohne diese Deutungen war ja Cybeft 
grolse Mutier, geboren auf den ewigen fc3tgegr:'i 
Bergen und thronend auf ihnen, segcnvoll herabblick« 
auf die niedere Lide und zumal auf das ibeure I In 
gierjand , und das Sitzen der Cybcie ist wohj mehr ai 
einer Kunstlcrsitle abzuleiten, nach welcher die matron« 
artigen höchsten Göttinnen in anstandiger Y\ ürde mehr« 
t eds sitzend vorgestellt wurden. Wa* nun die gcschlecr 
liehe Sjmbolili in diesem Mytbenkt eise betrifft, so 
lnu wir uns am Anfange des zweiten Theils über d( 
Itegritl de» Androgynisehen in diesen physischen S*l 
zur Genüge erklärt, und werden Lei den liacchiscl 



omnia tnoveantur ciica eam (lerranO "on möveri" 
inuihe ich Griechische Wörtapielerei mit dun \i 
Ki>3kj/3ij und nit߻s (cubus) , welches Weit auch v< 
festen Ruhen aul dem Mittelpunkte ( Lennep E 
». v. *ußo$) und dann tüi Festigkeit Oberhaupt f 
ward. E t w a a Wahres lag aber auch hierbei zum Grur 
Ucber djs Wort «Jj:; miils man jezl des gelehrten 
Pougens Spccimen du Tresor desOrig'mes de I.« bnj 
Franchise p. 264 — 2b7. nachsehen. I-lr findet den ori« 
tauschen Ursprung <tei Wortes nicht un 
„ Die älteste VorMcllung der Cybcie war ein rundi 
oder v i er c c k ig te r S i e i ii. Dafs die nad 
kannte AMnlilting der Cybele nicht viel .'ilter a) 
er donische Eroberung von Asien ist, beweiset 
J'olge Kleinnsiutischer Stadttmünzcn." Fayne ! 
»ymbol. Lang. $. 42. p. ii. 



s 



tcrien noch einmal darauf zurückkommen müssen. 
»o uenig iiann die Keziehung der Castrati >n auf 
die gehrmmte Vegetation im Winter, nach dem Bishe- 
rigen . Schwierigkeit haben. Hiernach wird die Sonne 
in ihrer Winterbahn zur südlichen (unteren) Hemisphäre 
erkannten ja die Allen schon — Maciob. Sa- 
I. 91. — den Attis) ihrer Zcngungshraft beraubt, 
und rmplangt sie, mit der Rückkehr zu der oberen, 
iKirum ist Attis, alt Incarnation der Sonne, 
»eib*t der erste Gallus und heifit auch so, und seine 
wenigstens der Archigallus , feiern durch 
. I tmnnnung diesen Stand seiner Erniedrigung, 

•ch die Folge seiner Untreue gegen die Geliebte 
er nach dem Götterspruch kein Glied des 
untergehen, darum feiert er mit der Rückkehr 
prwclt und mit wieder gewonnener iManneskraft 
ahr auf» Neue seine Vermahlung mit Cybele. 
lerkehr und diese neugewonnene Kraft ward 
dann dir Anlafs r.u allen Aeufcerungen der wildesten 
«ine an diesem wilden Feste, die Lucrctius ueH'lich 
beschreibt (II. 618 srjq.) : 

„l'juLtn donnern von Schlugen der Hand, da rauschen 

die hohlen 
Miheln darein, und es droht «t <s CJ > um rausthnmiger 

Uuiucr , 
die Gemlhhor stachelt mit Pbrygischea Weisen die 

ifi , 
a auch schwingen sie an , die Zeichen verheeren« 

den Grimme«. M 

ie wunderbarr Metamorphose der Mandel , so 

i icbtcnr.apfen , versetzt uns ganz in den Kreis 

naiv phantasirender Vorwelt, die in 

Mi rn der Zeugung die nächste und aulfal- 

*te Aebnlichhcr mit den Orgauen derselben suchte, 

mc jene das Helldunkel 




sch'au wählende Lüsternheit. Gewifs war auch 
Ahnung des in einander fließenden L'ebcrgangs dr 
verschiedenen Naturreiche dabei , so dafs hier in 
IM .Tide l. die zum l'mnben aufreift« der Vcgclabili: 
Anfingspuukl aufgegriffen ist, 60 \tie in manchen all« 
Anbethen J' c aus Pflanzen erwachsenden und in 
Pflanzen sich verlierenden Thiergestallen. In jent 
"\\ icdci finden (erpr<ru) des Attes halte aber dies» 
Cult , vie es scheint, ganz besonders den Punkt ei-fal 
da die Sonne gegen die Frühlingsnachtgleiche , nach % 
Ansiehr, wieder der Oberwelt nahetc, und zugleich 
mit die Itraft der Natur in der eben hervorbrechend« 
Vegetation. Dies geht schon aus der Wahl dei 1 i | 
periode hervor, und auch Porphyrius , ein Vorderasii 
und in diesen Religionen aufgewachsen, sah in Attis 
frische I t der hervorbrechenden FrühlingsbJ 

men (beim Fusehins Praepar Eräug. III. n. p. iiosc 
Diese zu enge BlegfirSnlteng dieses Phrygischen Andi 
gyn beruht auf einer Hypothese, nach der sich dies« 
Philosoph mehrere alte NaturgöLtcr in eine succrssii 
Reihe brachte , so dafs z, B. an den Attis zunächst Ade 
nia sieh anschlof», als das Symbol der reifen Frücl 
und Pllanzen (s. ebendaselbst) ; aber et^M WabrM 
halt, vtie ölu-r so auch hier, die systematische Ausd« 
tung immer, Dafür sprechen alle oben angeführten F< 
gebrauche. Audi die Anhänger des astronomische 
Systems führen auf denselben Punkt zurück, nenn 
gleich nun wieder [aden einzelnen Zug des Mythus 
den Sternen zu lesen glauben. Die Löwen der Cyhel 
sagen sie, haben ihren Ursprung vom Löwen am 
mcl, in welchem Zeichen die Sonne* (Attis) ihr IL 
Neben dem Himmeisstrome »'Sangarius) weidet 
1 spella), die den ausgesetzten Sohn der Fh 
touhler, den Attil, in seiner Kindheit genährt hat (I 
puis Oi -ig ine de tous lc» eultes Tora. 2V. p. a3o sen/ 



55 

In»* t such in «liesera S»N*tem ein Tb eil der 

riffm; denn wie natürlich wäre«, dafs der 
•cht» flu! Keinen bergen die 
hiifcn in den Sferngrupj»en wird» r 

in den Lünen oder jen« ««M- 
e, die seinen Göttern so nichtige 
iiegelet» n und noch leisteten. — Ganz an- 

r sannen dir Griechen, die, Arie be- 
treu, die Pbrygtsche Rergmutler frühzeitig mit der 
Leo r..'.i!tniiultor Rhca zusammenschmolzen. Je 
fcülr; ( ybele in der Reihe der Vorderasiatischen RulU 
gioaawr»eu stand, desto geschickter ward sie zu dieser 
Verwandlung, die auch von der andern Seite dadurch 
ward, dui's die Rhca bei den Griechen ziem- 
lich in Vergetsenheil gerathen war. Will man auch 
nicht gerade, nie Zoega thut, annehmen, daf« dadurch 
erst der BegritI' der Rbea zur allumfassenden Mutter 
. zur fiuchtbaren Erde, erweitert worden sey , so 
ward doch dadurch eine Vermengung mit dir Demeter 
Torbereitet , die jedoch nicht so lange fortgesetzt wurde, 
als die der Cybele, Rliea und G;ia, zumal da die Deme- 
ter duich die Attischen Mysterien im alten Besitzstände 
Rechte und Aemter geschützt war. So wurden 
alan die dunkelen Göttinnen Rhca und Gäa last immer 
i der grofsen Mutter begriffen ( und wiewotü 
rlie 1 heogonie ihnen ihre FMä'txe angewiesen 
itie, und eigene Altare und Attribute ihnen EU Theil 
'worden waren , so wurde doch in der Theorie fast im- 
saer dal, was der Cybele angehörte, auf sie übergetra- 
gen Basftirü. I. j». 48.). 

Wer w«id dieses Vereinigen und Vermischen tadeln 
wollen, nenn es nur aus recht ernstlich gemeinter An- 
dacht herflofs ? Die Sabaziichen Mysterien , die, wie 
wir unten zeigen werden, hier, auf Phrygischem Hoden, 
1, wurden nun fortan die Schule solcher höheren 



■r Nal 

bildet 



ingi 



Ansichten diese» alten Gottesdienstes. Die Mutter Erc 
des alten Phrygischen Glaubens ward nun in philo 
tebei Betrat htung die Natur und Atys die Zeugunj 
l des gn.fsen Demiargen, welche , at 

ut um den Gc»sirnen, sich im Schootse dei 
verbreitet, um sie nach den Urformen (Ideen) zu 
So nimmt der platunisirendc Kaiser Julianus (Oral, 
p. 3:6 — 32a.) jene Cybelo und jenen Altis des uralt« 

. giervolhes , und in gleichem Sinne der ebenfal 
jH.-umnsi lie Süllustius (de Diis et Mundu cap. 4. p c: 
cd. Gal« ) , der die Geburt des Attes am Flusse Galli 
auf das feuchte Element bezieht, so wie seine Liebe 
einer Nymphe auf das Ilerahhommcn der Schö'pfm 
kraft in die subluDarUche leuchte Sphäre, und so nein 
die Ideen verfolgt, die wir in dem ihnen eigenen ' 
des Bacchisehen Kreises unten vollständig nachweist 
weiden. In anderer Beziehung, und mehr als Teil) 
wiid Cybcle i" dem nntut philosophischen Gedichte 
LucreHiül (II. r >»)- ) vorgestellt , wovon wir oben eini| 
Beispiele gegeben nahen, aber die ganze Darstellet 
verdic ii gele.en xu werden. Die Verbindung des Cvl 
tischen Dienstes mit den Sab;izicn liegt auch in den 

eben Gedichten am 'IV.gc, wo die Gesctilcbte d« 
l'er.-ophone und die Wundergeburt des Sabaziu 
f er webt wird, uu die JÜppa , des Bacchus Amme, 
i!i:n auf dem Indischen Tmuius Zusammenkünfte feiert 
und ( \lule, ftla reine ligüttin, des PrologODUs I oi . hw 
beifst. In diese Ideenreihe gehört dann auch die 
Schreibung Cybelc beim Appuli jus (Lib. XI. 

-'■i lea, ed. Oudendorp. ) von ihrem eigenen Y\e>t 
maciti tu — icriiin parens, elenicn- 

torura oruuium doiniua, seculoium progeniea iuilialis, 



Ol 




irpbetHyn Argonaut. 22. Unten beim 

Aüouia wtid noch ein I'hdobopheui der Alt vorkomn 




5 7 

inmma numinum, »egina Manium , pi ima coelitum, Deo* 
imune facJoü unilormis: quae coeli luroiitiosa 
Culmina, maris salubria tlamina, infcrorum deplorata 
nutibus mcis dispenso. Cujus numcn unicum, 
aahii cie , 1 ilu rario, nomine multijugo totus 

«n bis. Me primigcnii I'hryges Pessi- 
ftaniicini nn min auf Daum M a t r c m ; hinc Auto- 
\ ttici t ociopiam Minervam; iflinc fluetuantcs 
hiarn Vcnircm; Crctes sagitliferi Dietynnnam 
Ihatuoi ; Siooll trilingues slygiam Proserpinam; Eleusinü 
. I einem; Junonem alii, Bcllonam alii, 
imnosiam Uli; er, qui nascenüs tlei 
• anlihus illiistrantur radiis Aethiopes, Ariique 
prucserpie doclrinae pollentes Aegyptii, cerimoniis ine 
riis colcnles appellant vero nomine Reginam Isidcm. » 
• ler&elbe Synci etismus , den -»vir oben im über- 
ladenen Bildwerke nachgewiesen haben. Et «ar noth- 
" t'nn die mundig gewordene Vernunft ihre 
Hechte behaupten tollte, er war ehrwürdig bei solchen, 
ir Einheit des göttlichen Wesens Beruhigung 
sachten. Auch hatte diese Einigung verschiedener We- 
•m in so «eil ihren historischen (iiund , als Keiner jener 
»eben Naturdienste so arm an Begriffen und so in- 
. L-Hcsen , dalli sich in ihm nicht gleich und ur- 
Ahnung des Inendlichen geregt 
laben Der Historiker eilrnt diesem Syncretis- 

»o», und in so weit mit Recht , als er der Forschung die 
sieht benimmt und ihren Blich verwirrt. Aber 
d*»e* der größeren Mühe sollle doch nicht un- 

j;cn das acht religiöse und vernünftige 
Am lieh in jener Einigung liund thut. ^F>ei- 
lica kalte sie zum 'I heil auch unreine Bewegunsgründe, 

trentisrau* entarteter Griechen 

•»J 1. • i der einfache fromme Dienst der va- 

ioa lächerlich geworden, oder in üppigem 



Fanatismus, der, wie in den Prodacten aller Land« 
s«» in ihren Religionsgehrätichcn nur n.-ue Reizungen 
eines schwelgerischen Genu**es suchte. Hiermit werfet 
vir einen Blieb auf das Schicksal des CvbclcndiensU 
in Griechenland und Rom. 



Q. 10. 

Fortsetzung. 

Die Vermählung mit dem Dienste der Rhea wai 
Bcbon zum öfteren von uns bemerkt. Noch näher la 
die Samolhracischen Institute , und wir dürfen uns dah 
nicht wundern, dafs auch in diese Mysterien aus d 
Phrygischen Naturdienste Manches herübergenora 
wurde, zumal da die Religionen dieser Uüstenländ 
und Inseln Vurderasiens und Europa's so manche his 
rischc Berührungen, hatten. Nicht weniger wurde Cyb 
mit der Italischen Ops zusammengestellt, seitdem dies 
Phrygisrhe Cultus nach Italien durchgedrungen «j 
Dort dachte mau sich unter der Ops die fruchtbare Ei 
nährcrin der Menschen. So fiel der Begriff der Cybele 
bald ntit dieser Vorstellung zusammen , und diese letz- 
tere Gattin erhielt die Vesta zur Tochter {Macroh. Sa- 
lurnal. I. 10.). De» 6taatshluge Römer gestattete frem- 
den Religionen den Eingang in seinem Staate. Selbst 
Versammlungen religiöser Art erlaubte er ihren Anhän- 
gern; und so honnteu Chaldäer (wie man sie nannte), 
Magier, Aeayptier und andere Glaubensgenossen selbst 
den anfallendsten und anstößigsten Gebräuehen nach« 
hangen , ohne darin von den Römischen Oberherren 
beeinträchtigt zu werden , selbst wenn sie in wesent- 
lichen Stächen den Römischen Gesetzen zuwider handel- 
ten, wie u gart* bestimmt bei vielen dieser Re- 
ligionsdiencr in Betreff der Ehegesetze der Fall war. 
Selbst spater» als diese pantheisliuhe Toleranz politisch 







&9 

i scheinen konnte, vermochte der mächtige 

neu dem August us ertheiltcn Ratb, die 

fremden Religionen zu 'erbieten (*. Dio Cassius Hb. LH- 

3Mt 1 > derung zu bewirken. Rmn war und blieb 

Duldung gel Doch früher schon war dio 

Römischen \ f>11*e aufs ehrenvollste ausge« 

ei worJen, oder rielmehr, man hat'.e es politisch 

gefunden, Vorderasien eines seiner heiligsten 

i r zu berauben. Im Jahre der Stadt b!\-] (vor 

■ nie feierliche Gesandschaft an den 

•las die alte vom Himmel gefallene Bildsäule 

is ab, und st. -die sie in Rom auf t wo der 

llt der Magna Mater, ein Tempel erbauet und 

in Frühling ein jahrliches Fest, Megalesia, gefeiert 

wird, wobei die Abwaschung der Magna Mater eine 

• ar "'). Späterhin, besonders in dem 

tu Jahrhundert narh Christi Geburt, lteimten aus 

r Wurzel verschiedene Gebrauche auf, zumal nach 

der i i Vermischung mit andern Gülten. Jezt 

litst m*n i'i Sein iftstellet u und auf Inschriften viel von 

erhaltenen Taurobolien (Tauroboliura, auch Tauropo- 

liuni) . f» man Reinigungen auf gewisse Jahre er- 

tl wobei das Wesentliche war, dafs der zu 



Ensebü Praepar. Kvang. VI. K. verjjl. Cornel, vanByn- 

IjdcL de cuttu rcligionis peregrinae apud vett. R.o- 

£44 seijq, wo bewiesen wird, dafs unter den 

ikjij-» illickae b« im Marcianus I. i. pr. ff. de Colleg. 

et corpprih. keine religiösen Zusammenkünfte zu ver» 

XXIX. l(J seqq. OviJ. Fast. IV. 36l. vergt, mit 

t. und den Auslesern daselbst. — So sehen wir auf 

r IToiivsra in den Scullure tutte dtl Campidogliu Üis-. 

irib. 5. ihv. XXI V*. Cp. 1-7.) die Göltermutter auf einem 

sitzend , welches von einer Priesterin geführt 

.i J. 



Billigende in einer Grube das Blut eines, auf einem 
darüber gelegten breltcrnen Gerüste geopferten Stieres 
auf seinen Leib hct-abtrüpfcln lief*} s. z. B. die Inschrift 
Lei G ruter oa Thesaur. Iuscript. T. I. p. $o a wo ein sol- 
ches Taurobulium vorkommt, mit Anführung eines Pon- 
tifex. perpetuus Antonianus und eines Archigallua Julia- 
mis 7J ). Ui.ich Beispiele der Art liefern die Sammlungen 
der Inschriften in giofscr Menge. Eben so ofl wird det 
Criobolien «»der Widdcrupfer gedacht , die zu Ehren des 
Atys gesehalien, wie mau die Taurubolien der Cybelc 
weihete, die aber hierin mit der Diana Taun»pulos oft 
vermischt ward. Auch die Criobulien werden häufig auf 
Inschriften gefunden, z. B. bei Gruterus I. p. 27. 7J ) ; 
mehrerer Stellen nicht zu gedenken. 

Dieser neue Eifer im Dienste der Phrygisehen Gott- 
heiten gab auch der Kunst neuen Antrieb ( und mehrere 
ihrer Werke rühren erst aus dieser Periode her, z. B. 
der Altar in der Villa Albani, der auf der einen Seite 
die gtufse Mutter mit dem Atys zeigt, und dessen Rück- 
seite das Taurobulium und Criubolium andeutet» nach 
der Inschrift erst aus dein Jahre Chr. ao5, aber in Hin- 
sicht der Ueuntniis das reichste von allen Monumenten 



72) S. Samtecroix Rechcrches Jmr lex Myst. T. 1. p. 95. 96. 
Daher die Redensarten : Taniolmlium excipere, per- 
eipere, aaelpere und fteere Mtf Inechrifteti , in* 

iChen dj« Aumnlickr : Trtiiicihulium Populi und pu- 
bltcum und Hie Titelt TauroboJi , Tauf obolini * 'lauio- 
bului öder da* synonyme Taurobohati ; a. van Uale 
ud Marmnra amiqua p«ig. 7 s<ii|. 2i. 28. 33i '10 sqq. uml 
p. i[) sqq. 

73) Daher auf einer Inschrift bei fluinrsius CJass. I. nr. CSl. 
Sacerd. iSJjtr. D. M, l. lit Altini Pnpuü itom.ini. Ucbrr 

nnutn-r und Ober bieten Aui-> d«*j> Itr'ivni- 
sclit- 1) Volkes mufe nun den van Udle ad Marmora 
aniii] j. p. J7 J sqq, nachsehen. 



6i 

des Culius dieser Wesen •"')• Fwj die schönste Bild-. Info 

'ic in» Museo Pio Clementino ( s. T. 1. nr. 40.). 

;nen häufiger Bildwerlie t11.1l Erwäh« 

i uliu* vor, wie die Werbe von LchhcJ, 

Rftithu und Andern Beigen. Auch linden sieh M-höne ge- 

:cae Stein* 7 ) i>us diesem mythischen Kreise. 

f. ... 

Syrische Gottheiten. 

t der Cybcle halle sehr viele Beruh- 
1! dem i ti litis der Syrischen Güttin. 
: Namen bezeichnet man gewöhnlich dieses 
1, .Ijs in der Syria Euphratensis zu Mabog (nach 
t- Benennung), oder nach der Landessprache 
zu LimiWe . späterhin llieropoüs genannt, seinen Sitz 
hatte. Auch hier hatte man heilige Last raten (Galli), 
, wobei sich die Andächtigen unter 
ig und Flötenion und Aulführung wilder 
blutig :. eilselten, ja selbst, in der Aus- 
schweifung restlicher Tollheit, vor den Augen des Vol- 
les llmtd an ihren eigenen Leih legten, und sich des 
Männlichen beraubten. Daneben werden hier fanatische 
erwähnt, deren leidenschaftliche Liehe gerade 
günstigt , so wie diese hinvieder jene 
er brünstig litbcu "*). Die Priesterschaft war auch 



s*ch Zotga's Unheil in den Bassirilievi I, nr. t3. 14. 
bähen dat. Relief auf der ersten .Seite des Altars bei- 
zten lassen auf unserer Tafel If. nr. 2. s. die Erklärung 
p.ij. 17. it. ti. und dam jezt Zotiga's Abhandll. IV. 13. 
p. 157. herautigeg. von Weleker. 

U 'nckelinann Descript, d. p. gr. d. cah. de 
-■ lilichtegiolls Ausualil I. nr. 16. i7. 

',€) LuLunus dt Dea S}ria sc ct. 83, 43. St) sq. Tom. JX. Bip. 



hier sehr zahlreich; mehr u]s drcihundeit Priester 
Lucianus, oder wer der Verfasser dieser Schrift sej 
mag, bei einem Opfer beschäftigt. Sie hatten weif 
Kleider an und Hüte gegen die Simne auf ihren RuM 
An ihrer Spitze stand ein Obei priesler , der seine Wfif 
ein Jahr lang behielt, und durch I'urpurlileid im 
änfserUeh kenntlich war ( Lnctanus 1. I. aect, i^). 
Zufb.G vieler Fremden aus Pliönicien, Arabien, Ral 
Ion, Assyrien und Hücinnsien, die sehr oft Gcschet 
Lrachten, vermehrte auch hier den Reichlhum des Ti 
pels (secl. 10.). Da nun noch einige and, re da 
stitute an den Phrygischen Cultus erinnerten, z. D. 
hier gewöhnliche Fischvciehrung und dort das Ges« 
das den Priestern glcichfidU Enthaltung von Fiscl 
vorschrieb, mehrerer anderer Parallelen nicht zu 
denken , so dürfen wir uns nicht wunder«, wenn es »j 
te" hin Leute gab, die beide Gottheiten für völlig ein« 
hielten (sect. i r f.). Diese Meinung hat auch in der Itil 
nerei Eingang gefunden , wie die Münzen von Hierapt 
zeigen, auf denen die Syrische Gottin auf einem Tlirc 
zwischen zwei Löwen erscheint ( Frölich Tentam. in 
pag. ?56.). Der Verfasser der Schrift Über die Svrist 
Göttin nennt diese belianntlich Ilcre oder J u n o , 
schreibt aber ihre Bildsäule so, dafs man wohl sieht, 
waren damals die Eigenschaften verschiedener Nat 
gottheiten zusammengehaut"!. «Im Gnnv.en ist sie, 
zählt er, die Wahrheit zu sagen, unfehlbar Jun 
sie hat doch Etwas von Minerven und Apl.roditen , 
Selcncn und Bheeu, von Dianen, von «Irr Nemesis 
und Von den I'arcen. In der einen Hand hält sie einen 
Sceptcr , in der andern einen Spinnrocken ; auf dem 
Haupte trügt sie einen Thurm, und ist mit Strahlen 
umgehen. Auch ist sie mit dem Gürtel geschmückt, 
welcher sonst der Venus Urania ausschließlich eigen 



63 



An einem andern Orte (»eck. i/i) unterscheidet 
i Hicrapolis ausdrücklich von der Phö- 
lerceto , welche letztere als Fischweib abge- 
bildet war. dagegen sc? jene gana Weil 

arh hat man nun die Syrische Göttin von jenen 
ädert, die mit Fischtheilcn gebildet wur- 
oimtei hat Swlmasius (Exercitt. Plin. p./|o/5. A.) 
t*wVn der Alargali* und der mit ihr identischen Per- 
lte und der Syrischen Gültin einen Unterschied 
L 

e dagegen wollen lieber Astarte, Atergatis 
cr.d die Svrischc Göttin, als Weiher ohne Fischtheile, 
ehmen, und dagegen die Dercelo allein als 
uoh gi llen lassen * 3 ). 

i diesem Vcrhä'ltnifs Mar zu ichen, darf nicht 

Lucianus ausgegangen werden, wenn er uns 

- er zu seiner Zeit, d. i. sehr spat, in Ver- 

tiu mir dein Ursprung dieserReligionswesen , sah; 

•n es sind die Zeugnisse anderer gelehrter For- 

ror Lucianus und vorzüglich die der ältesten 

ler zu beachten. Nun sagt zuvorderst Strabo 

iadtr iierncrhenswerthen Stelle, wo er von den Vcriin- 

derongen spricht , welche ausländische Namen so häufig 

•o erleiden pflegen "') : man habe auch die Athara 



77) Lotion, sect. 32. nBch Wieland p. 326. 

ff) Scbauback ad Eratosth. Catasterism. cap. 33. 

VI. p. 1132 Almel. T. VT. P . 465 Tasch. Strabo fahrt 
a. a. O. beispielsweise au: 'Ara^y*«}» Si ?>v 'ASi^r/* A*(. 
ntmm i* a*~ l{ aaAii". Casauhonus hatte hier 'ArSi~ 

?4* {fanden, weil es Syrisch sey , und man an dir Asta« 
die Bibel (B. d. Richter cap. 2.) brzeichne, 
denken müsse. Tisch ucke bat jedoch aus JIand*chrincn 
'Aia,*» wieder hergestellt ; worin Gfi r re t» mit ihm tu« 
momtniiiinml. Mach ihm sajjt Strabo : Atarjaie, Athara 



('Aöapav) Atargatis {Wxapyuxiv oder 'Axapyaxfa) ge-, 
nannt ; Ctesias nenne sie Derceto (Aepxexrf)). Hier spricht . 
also der kenntnisreiche Strabo geradezu für die Identität 
der drei Wesen Alhara , Atargatis und Derceto. Da 
aber Schaubach a. a. O. den Salmasius deswegen tadelt, 
weil er zu viel auf Strabo's Zeugnifs gebaut habe« wel- 
cher letztere doch den Ctcsias mifs verstanden haben 
müsse , so bemerken wir, dafs nach Hesychius in 'Avtjav- 
yd~r, schon der alte Xanthus, der Lydier, die Athara mit 
dem Namen Atargatis bezeichnet hatte M ) ; um so weniger 



und Derceto sind nur verschiedene Namen einer und 
derselben Gottheit. Int ersten Namen findet er Arta-gai 
d. i. der grofse Fisch; dagegen im Namen Artarte 
(Astareh) : derSt<rn, das grofse Ges'irn , der Mond. 
Aus brieflicher Nachricht. — Wer auf Etymologien au*« < 
gehen wollte , könnte an das Ägyptische d£-dgz erinncra.* 
womit die Getreideart Doura bezeichnet ward, so i 
eine Speise, aus diesem Mt-hle und aus Milch- bereitet j 
(Uesych. I. p. 124 Albeni. Sturz de dial. Alexandr. p,. SaVj 
und besonders Jahlonski. Voce. Aegyptt. pag. Jl — ib.}.\ 
AMann wüidc die Göttin Athara zu einer Getreidegt« ' 
herin (i'"aJ, wie Citren hiefs) werden, und sich der Itil* 
nahein. Aber Athara oder Atargatis ist Fischweib. 
Isis aber nicht. Mithin haben beide unmittelbar nicht! 
mit einander zu thun , und es mag dieses als eine ProbtV 
gellen, wie trüglich der Weg bloßer Naraendeulung ftk. 
der Mythologie ist. Aber wo Begriff und Name Bwr 
sammensiimmen , da haben wir Grund zu vergleiche*^ 
Darum darf man in der Athara allerdings die Aegyptiscbar 
Athor (oder die Ur-Isis) suchen, denn diese ist der* 
Abgrund, welcher Licht und Wasser verschlingt (8.T&.L- 
p. 5J0. Not. 302.). 

80) Hesych. 'ArraylStf (man lese 'ArrapyaÄij, «.Albert! 
ad h. I. et'. Heyne de Sacerdot. Coroan. pag. 108.) 'AÄsf* 
to^u tw 2iv£*. Dieser Lydier Xanthus hatte wahrtcheia* 
lieh ausführlich von dieser Gottheit gehandelt, e. Atht* " 
nlius VIII. d7. cf. Fragmin, historr. grr. p. 183« 



65 

lurfcnwir zweifeln , dafs Ctetfa« wirklich so geschrieben 

iben läfst. Mithin haben wir 
. <lafs Athara der aräpritiiglicne 
: (]<•! Syrer war, der aber durch ^ cr- 
.■> Dialecls in den iVuneu Atargatis um- 
Wir übergehen die sehr rerschie- 
i über den Ursprung und die Bcdeu- 
tuflg «liest* \ und bemerken, uas zu unsern 

wesentlich ist, daTs Lei allen drei Namen, 
, Atee gatis, da wir sie nach 
> ;•)% Bc eichurin^cn Eines Wesens er- 
ii einer ursprünglichen Verschif- 
ft s nicht die Bede seyn kann. Mit 
uneii verband man die Idee der feuchten, 
!<-!i . frtichihiiren lüde, und des befruchteten 
eod kni wieder befruchtenden Mondes M ). In Betreff 
! I d u u g e n und dei Attribute der S\ tischen 
.11 Göttin iun linken jedoch schon früh 
!«.:. Tempeln Verschiedenheiten gewe- 
iliis zu Byblus (Buseb. P. E. I. 10.) 
: niemals Fischlheile , sondern näherte 
bolik mehr der Aegyptischen 
b tiie Mythen Beugen, die, wie bereits 
rkt Mulden, gar sehr mit dem Üsirismythus ssusam- 
I ' : ilt nach dem Sanchuniatbun bei 

1 i is» (Praep. I \. I. io. \>. 30.) von der Sidonischcn 
Diese setzte sich, heilst es dort, zuerst 



j kommt der Vollmond, «Jas himmlische Bild der 
ru .'in Müikcii ab ein volle« 
beng«bichi vur j s. Bellt rmann iiemerkk. 
IL |>. 26 Vi. zu nr. S7. 

I. B. <ltr Könige (I. Samuelii) VII. 4. in der 

die l \\ im B. tf>r Richter 

It. 1.*- ersetzen; &. BiH Thes. I. paj. 7-i. 



66 

das Stierhaupt als Kopfschmuck auf, da sie die Et 
durchwanderte; auch weihete sie einen vom Himmel 
fallenen Stern nach Tims. Also hier ganz und gar 
Phönicisehe Isis mit der Kuhhaut und mit Sternen , 
wir sie ohen , auf Gemmen und nach Zeugnissen 
Alten, in Aeg\pten oaebge niesen haben s ). Hier 
nichts von FischÜtejIep. Dagegen 'die Phßniciscbc 
celo , die Lucianos (de D.S. §. l!\. T. IX. pag. 96 L»i| 
sali, war ein Weih, dessen Gestalt von den Htiften 
siel» in einen Fisch endigte. Mir wissen aus and« 



2il. Sie heilst verschiedentlich in «1er Rib^l eine G< 
heil derSidonicr , womit auch Lucianos de D. Syr. 
Übereinstimmt , welcher von einem grofsen Tempel 
Astarte zu Sidnn spricht. Aber aucli den Aegypiiern 
Philistern wird sie beigelegt, s. Seiden de DÜ8 
Syniugm. II. 2. und che Additamm. pag. 28-i. Lieber 
Bjaltis (Haitis) s. oben p. 9. not. 13. 

v. Hammer in den Fundgruben des Orients Bd. 
paf. Vf$, leitet Astarte aus dem Persischen Astai 
Stern, her. Ueber Ascherah l 71 "]^??) sehe man die 
'Uni 11 Lniersuchungrn von Gesenius im Ikbr. (iandv 
terb. p..7£ ff. , aus welchen es sich ergiebt , dafs die ui 
diesem Namen vorkommende Göttin die Astai te 
Astarit mit dem Stier bannte erhall eine 

lie Erläuterung aus einem der heiligen Bücher dei 
hier oder Jobnnni.schi isti n , dem Buche Adams, wie 
haifst ( ff. Stellae Nasaraeorum Aeones , ex sacro Ktr 
codice , Dissert. praes. Norberg — p. p. OlofSvanai 
Scanns , Lund lbll.). In jenem Buche nämlich b* 
der Mond Schüret, welches Zusammengesetz: 
*^C laurus und 5£t d e u s , wonach also das , was 

m a. a. O. sagt: „die A statte setzte auf ihr Haupt 
Z< ichen der königlichen Würde, den Sl i e rk op f" , 

\.i;iumi des Mondes bezeichnet ist. Man 
damit auch die in drr vorigen Note erwähnten Dj 
hingen auf Münzen \ » 1 Luiden. 

S3) Vergl. 1. B. Th. I. | - und 4£>4. 



litten bestimmt, dafs Derceto in dieser Form . -n 

u Phniiinen norden ist (s, Graeviui ad 

l. I. T. IX. p. S8o liip. M ). Von der au Ascalon 

. wii , nach Ctcsias, im Verfolg das INöthige bc« 

mer',.- ü. >un kannten die Alten , nach Strabo*s Ver« 

ng, die At c r galis als einerlei Wesen mit dieser 

Iglich ohne Zweifel auch als Fischweib. 

e der neueste- gelehrte Erhlärer des Erato- 

Slhenct (*. oben) um so weniger zweifeln sollen, da ja 

ftetun altere Gescbicbtschr eiber und selbst der alte Ly- 

«i- \lbt-n. VIII. 37.) ganz bestimmte Mythen 

Iwiiringcii . die auf die Fisehforra anspielen , und ira 

hen Kchnlichkeit mit dor vom Ctcsias erzählten 

Derceto haben. Ja Xanlhus nennt aus- 

,cb den Sohn dieser Alerg&tii 'L/Svq (Fisch). 

■ nit mit Bestimmtheit aus dem Bisherigen 

. während die Göttinnen von By- 

l»lu". on ursprünglich schon nach Acgyptischer 

feilt winden, zu Joppe. Ascalon, 

(tu Orten die I* ischioiii» in jenen äl- 

Ici n vorherrschte. 

gen wir nun. wie ward die Syrische Göttin 

SB Btnbi ce vorgestellt, so antwortet, wie wir oben 

nus : als Weib und nicht als Fisch- 

"»rsbo hingegen (XVI. pag. io85.) sagt indirect 

heil. 

In ischen Stadt Bambvcc , bemerkt er, die 

■seht ipolis heilst, verehren sie die Sy- 

lin, dieAtargalis. — liier führt also die Göttin 



Mj A RierkwQrdfgen um! alten Münze drr Phönici- 

i\ mit Phönici'cher Schrift rrkennt Bf Her-» 

BSim (üher l'lu.m izrn II. St. nr. 26. p. tisqq.) 

tleiebfolls die D e r er t o , auf ähnliche Wt ist- dargestellt. 

M*n vergl. ebendaselbst die Müuzcn nr. 2y. 30. 31. 32. 



Ton Hierapolis einen Namen , der offenbar der Fis< 
form zugeeignet \*ar, und auch diese Nachricht 
Strabo au» älteren Zeugen. Ctesias (bei Ei 
Gatast. cap. 3ö. ) refraetxl gerades* die Dercet« m 

Bambycc oder Hierapolis. >"\ ie ist nun dieser Widt 
streit g««en Lueianus aufzulösen ? Durch Luterscb« 
düng der v ei s cli ie d en e n Perioden de?. Dil 
stes diesi i G 5ttin von Hierapolis. Zuerst geborte 
de» Fischgöttinnen, Dafür spricht Alles; nicht blos 
e, die der Mvilius zum Theil dahin verlegt, s« 
dein auch alte Gebräuche» die im Hicrapolitaiiiscl 
Tempel noch zu Lueianus Zeit beibehalten waren 
dos Wanertragen in den heiligen Schlund, die heilii 
Fische, die man neben dem Tempel fitterle , das Yei 
des Fischessens und dergl. Jene Göttin von bambi 
■war also urspi ünglich Atergatis, d. b. eine Gottin 
Fischthcilcn. A r t c in i d o r u s im Traumbuche ( Oii 
roerit. 1. o. ) kennt auch das Verbot des Fi sei 
unter den Verehrern Phönicisch- Syrischer Gottheit 
]>iij. Bieg die erste Periode des llierapolilaniscl 
Dienstes heil'scn. In der zweiten Kam die I i > !•! 
des Temprlidnls aufser Gebrauch t und dadurch D04 
es Sehr Aehnlichheit bekommen mit andern Gö'tiii 
z.B. mit der von Sidon, wiewohl wir darüber ni( 
Bestimmtes sagen hönnen. 

Es folgte die weitere Veränderung dieser Tc 
pelsymbotik , und die Göttin von Hierapolis ward 
wie wir oben aalten , eine Art von Panthenol, in 
chem sehr verschiedenartige Symbole und Attribute vi 

t waren 5$ ). Abu mit dem Angedenken an 



Si) \\ u man denn späterhin die Cybele, Rhea und die 
im V. Hi -clion in Inschriften idtnüficiite; wo 

i. H. jene \\ ■ iterDcor w in , Mater 



69 

:vn Tempel , «las auch damals nocli nicht erlosch, 
Mratonicc bereits den ganx neuen gebaut hatte, er- 
sieh auch die Erinnerungen an <li-n alten Glauben 
und an die alten Bilder, unter denen diese Göttin zuerst 
leutti w .1 



§. I?. 

D r t s e t z u n g. 

:er den Syrischen Priesterinslitaten war auch die 

g der Fische und das ^ erbot ihre» Genusses 

»nfTallend. Die Alten bemcrlien diese Sitte zuweilen als 

et«** allen Syrern Gemeinschaftliches; z. B. Xenophon 

( . <j. < iecro de N. I>. III. 1 j. p. 5t|6 uns. Ausg. 

und Mehrere. Nach andern Zeugnissen war dies jedoch 

cor gewissen Secten dieses Vollfs gemein. Mehrere 

ms v ) , und aus der oben angefurten 

| 'eniitliirus wissen wir, dafs dies mit der 

g der Astarte zusammenhing. Ohne Zweilei 

n wohl zwischen Priestern und iNichlpriestcrn 

ied i und wenn das Volk überhaupt die in 

ItmpelKMchen genährten Fische für heilig und un- 

. hielt , so war doch wohl der Priester nur 

ireh das strengere Gebot gebunden , keine Fische über- 



i-rnrm oben bemerkten Bilde , in der Sammlung der 
Familie Orsiui , gehören. 

Ä) Port. Aslron. II. 'M : „Itaque Syri complifrcs pisces 
iiatit . et eorum simulacra inaurata pro diis pena- 
colunt.* D*l* hier comptures mit Syri und nicht 
. eu verbinden i*i . beweist unter andern auch 
► ns Alex. Protrept. p, 25. p. 35 Pot- 
- 



70 



haupt zu essen i7 ). Auch die Tauben waren dem Syrer 



J 
87) Ueber den Syrischen Fischdienst vergl. man noch Diodor, 
II. 4. Porphyrius de Abstin. 11. 6t. IV. 15. wo ein Zrng« 
nifs des Komikers Menander angeführt ist. Dafs die 
Aegyptischen Priester keine Fische afsen, wissen wie 
aus Herodotus II. 37. und Plutdrch. de Isid. pag. 353. O. 
Auch dieses spricht für die obige Annahme. Doch waren 
die Aegyptischen Ideen dabei von denen der Syrer ziem« 
lieh verschieden , nach nationeller Mythologie und Phy-» 
sik. Der Fisch war Symbol des Hasses, Clein. Strom. 
V. 7. Das hing mit der Geschichte des Osiri* zusammen 
(vergl. Th. I. p. 262 J. Uebrigens verdient , was Mnaseat 
beim Athetiäus VIII. 37. erzählt, dafs die Priester der 
Atergatis di*> Fische, welche sie der Göttin Atergatis ab 
Opfer dargebracht hätten, selbst gegessen, wohl nur als 
Verlall der Priesierregel bemerkt zu werden. Dafs aook 
die Pytha goreer, die Lehrjünger der Aegyptischen 
Priester, keine Fische afsen , weil sie ein Natursymbol 
des Sti lisch weig ens seyen (daher auch fAXcn;, 
Stimmlose, St u m m e genannt) , und dafs der »*af«t 
und vielleicht auch einige andere Fische einen Laut von 
sich gaben, bemerkt, theils aus Aristoteles, theils aot 
Athetiäus, Eusfathius ad Odyes. XII. vs. 252. p. 486 Basti. 
Denn heiliges Schwuren ist Gebot und Satzung fQr den 
Lehrling der Weisheit. Nach Sickler (die Hiero- ' 
glyphcn im Mythus des Aesculap pag. 15.) bedeutet der t 
Fisch als Hieroglyphe Vermehrung, Zunahme, . 
Wachsthum, Keichthum, in welcher Bedeutimf 
sie in vielen Monumenten der alten Kunst erscheine. 

Ueber den Taubendienst der Syrer hat Broeckhuis 
zum Tibullus I. 8. < v al. 7.) 18. mehrere Stellen der Alten 
nachgewiesen. Bei den Persern waren die weifsen Tan* 
ben unrein , und wurden als aussatzig und der Sonne ver- 
balst aus dem Laude ausgetrieben ( Herodot. I. 135.).— 
Hätten wir mehrere bestimmte Züge der Art, so würden 
wir genauer wissen , welche nationeile Modifikationen 
- dieser alte Asiatische Naturdienst unter den verschiedenen 
\ölkern er.hu lt. Vielleicht blieb diese Syrische Form 
dtn Persern überhaupt fremd. 



7* 

es lieiner besonderen Zeugnisse bedarf, 
da in der angeführten Steilen auch diese Sitte 

bcraerVt i*| <s \. Bestimmt Missen wir aus Philo bei Eu- 

. Fv. I. 6.), daf« man in Ascalon 1 
Tauben afs , welches Hyginus (fab. 197.) auf ganz. Syrien 
aafcdchr! . und dabei bemerkt, dafl sie dort für göttlich 
gehahm werden. 

An diese Fcliginnsgebraucbe Knüpfen sich mehrere 
e den Ursprung dieser Fisch- und Tauben- 
cr bald hie« bin bald doriiiin verlegen. Es sind 7.11m 
Tbeil nur ganz kurze Vollvssagen , die von dem Ur- 
sprünge der heiligen Bilder und Ca'rimonien Rechenschaft 
geben, zum 'I'hcil ausführliche Fr-Mahlungen. Dort am 
Kupbrat erzählte man sieb <on einem l.v, das einst vom 
el in diesen Strom herabgefallen. Fische trugen 
CS an. tauben brüteten es aus, und daraus ging 



auch Saintecroix Krchcrches etc. Tom. Tl. p. 113. 
vesirr de Sacy bemerkt hierbei in einer Note, dafs 
di«r*e Achtu die 'l'auben sich auch unter den Mu- 

erhuluu habe, und vorzüglich zu Mekka. 
Drnn die Sitte, die 'Tauben, welche um das lleiligthum 
dieser Stadt sich aufhalten, zu ehren, sey wohl alleren 
- und lange vor der Gründung der .VIohaimne-> 
> Religion üblich gewesen. Spuren einer .ihn- 
Üchrn Sitte bei dem Tempel zu Jerusalem schienen in 
der Bibel enthalten au seynj s. dessen Arabische Chre- 
m. Hl- p. 76. Noch Mehreren über diese 
mancher, besonders orientalischer Völker, die Vö- 
lle 'l'auben , die auf Tempeln nisten, 
nicht zu verjagen noch zu tödten , sondern ihnen eine 
te und ungestörte VVohnstÜlte hier zu lassen, giebt 
je*t RoMnmQller Altes und neues Morgen I. Bd. IV. p, :<i. 
■■■). «0 er vorzüglich «tu Cbräer und Araber eri 

I der A 1 ll o r oder der l 1 -. 
cht die Taube heilig; s. Th. I. der Symbol, p. 521. 



die Venus hervor M ). Zn Banihyrc miTste man 
einst in dein dortigen See ein greiser Fisch fcirhtbar gt 
worden. Er halte die Ucrccto gereitet, die Nachts 
den See gefallen war. Es war dies niemand anders al 
die Syrische Göttin seilst. Von diesem Fische stamm« 
die zwei anderen Fische her, die. Wie er, verehrt \u 
den, und unter die Sterne versetzt sind, wo der groi 
die Urne des Wassermanns austrinkt 9o ). . Der Evdier 
wufste die Sache wieder anders. Einer ihrer Landsletite, 
Mopsus , hatte einst den Frevel der grausamen Königin 
Atergatis bestrait, indem er sie mit ihrem Sohne Icbtlvys 
(Fisch) in dem See bei Ascalon versenkte, wo sie von 
den Fischen gefressen ward (Mnaseas und Xanthus heim 
Athenäns VIII. 3-j. ). Nach Ascalon verlegt nun auch 
der ausführlichere Mythus des Clesias heim Diodorus 
(II. 4 seqq.) die Scene dieser Begebenheiten. In der 
JNähe der Syrischen Stadt Ascalon* an einem See, ver- 
ehrte man eine Göttin l»erceto, die als Fisch weih be- 
schrieben wird. Aphrodite, von dieser Göttin beleidigt, 
entzündet in ihr eine heifse Liehe zu einem jungen 
schönen Priester, mit dem sie eine Tochter erzeugt. 
Aus Schaam darüber lödtet sie den Jüngling, und Wifst 
das Kind in einer Einöde im Gebirge aussetzen ; sie selbst 
stürzt sich in den See und wird in einen Fisch verwan- 
delt. Daher die Syrer keine Fische essen , und dieso 



8°) fly?inus fal>. 197. Cäsar Germanien* cap. 20. Theon ad 
Aratum 13t. Audi das Ey der Helena sollte aus dem 
Monde herabgefallen tejnä (Neokles von Kroton btim 
EnetAfbiuf ad Odyss. XI. vs. 29S, pag, 437 Basti, aus 
Aihciiüus). 

90) Eratosthenrs Catastrr. cap. 3S. aus Ctesias, auf des- 
sen Auctoriiat auch Hyginu* Poet. Astronom. II. -it. ( s, 
daselbst die Ausleger; die Sag« anführt, aber, sonderbar, 
6tatt der Derccto die Isis nennt. 




75 

TMere göttlich rcrehren. Dis ausgesetzte Kind wird im 
r anderbar ran Tauben ernährt, bis ein Ht 

es an Hindesstatt annimmt, 

; i dorn Syrischen Namen der Taube , den 

tu's heiltet. Piese Semiraniis erwachst 

in von wunderbarer Schönheit, wird mit 

Wenn rn Statthalter des \*syrischen Königs M- 

und endlich . nach aufserordenllichen 

i, von diesem Regenten selbst zur Gemahlin 

• hnnpft sich schon Assyrische Me- 

mit der 8y ri s c b e n zusammen. Beide I\nmen 

m gebraucht, und Semiramis hatte 

ien geherrscht 9I ). Aber nach einer an- 

ie man diesem Mythus gab , wurden 

ilen der Amazonen damit in Verbin- 

icht. Je« ghna nämlich, der in Ascalon 

lir.irnis erzeugt hatte, war, wie 

der Sohn der Amazonentiönigin 

Fi, su d Iramis also vom Stamme der 

war. 
In die*e Reihe der Fischgötter gehurt auch der Ra- 

i. Der Chalda'er Berosui 

• Geschichte ausführlich erzählt; und was wir 

■MW wissen . beruht gröfctentheils auf den Auszügen, 

dorus i Minib (s. dessen Fragmin, p. 

Mevn.) und Alesander Polyhistor daraus mit- 

1 'innrs, ein Ungeheuer mit zwei Fufsen , übri- 

;anz Fisch, nur daTs die McnschcnfuTsc aus 

ichwonzc hervortraten, tauchte jeden Morgen 



in Julio Caes. cap. 22. wo die vielfach besttliigte 
trttrii in Syria , nun auch von Wolf in den Text aufge- 
ao*m r i'ie Sajje vom Kaystros s. Casaubo« 

cu- Noten 7.tt dieser Stelle. 



_ 



aus dem rothen Meere auf, kam nach Babylon und Ich 
(denn bei aller Fischgeslalt hatte er eine incnschU 
Stimme). Er brachte den Menschen Gesetze, lehrte 
nützliche Gewerbe« Itünsle, Astronomie und alle üb 
gen Wissenschaften. Bessere Sitte und bürgerliche Or 
nung war sein Werk. Auch die Geschichte der alt 
:i heilen, des Belus und der Onmrra ( Hamoroct 
wufsten sie durch ihn. Jeden Abend kehrte dieses Vf 
derwesen in das Meer zurück, um am and> ■» n 
mit neuer Weisheil da« Volk zu segnen ' H ). Andere 
gegtfa reden, nach demselben Berosus , von vier Oann 
die in verschiedenen Perioden als Lehrer und Wohlt 
tri erschienen, jeder halb Mensch und halb Fisch, 
sogar noch vor der r'Juth " iy ). Dieser letztere lii 
Odacon ('XliYaxov) , und Seiden zweifelt nicht , daf* 
derselbe Dagon sey , den man zu Asdod oder Azntus 
Palästina verehrte. Es wird nämlich in den Buche 
Samuels (1. ( ;*|>. V. (.) eines Götzen Dagon (Ady 
gedacht, in der Geschichte \on der Bnndeslade. \) 
\\iid von ihm als von einem männlichen Wesen gered 

aus Fisch und Mensch zusammengesetzt war 
welchem der Fisch den unteren '1 heil bildete, die 
ren 1 heile aber menschlich waren. Auch PI 
ßyhlus nennt ihn einen Gott. Doch wird das Geschle 

[zweifelhaft, weil er auch wieder mit weiblichem Arti 
toi kommt , wenn man dies nicht etwa aus der in die 
9 



ift) Helladi.is bei Phothll pag. 874. Dort heifst dn9 We« 
'Alf;, wofür aber Seal ige r 'Sldwtfi , wie es sonst heifst. 
schreiben rftlb; vergl. Meurskis ad Helladii Chreslc 
p. 24. und beiden de Diis Syr. II. 3. p. 263 s<\<\. 

93) Diese Erscheinungen des Oanncs erinnern an die Tnd 
6chrn Avatar*8, in deren erstem VVi sehn u al 
aus der Tiefe das Gesetzbuch heraufholt; s. Th. 1. p.: 
601. 602. vergl. 647. und oben Tbl. II. p. 22. 



i-mcn so gewohnlichen androgvnischcn Natur clor 

■ iten herleiten will. Als Göttin gedacht, wäre er 

mit Derccto und Atergatta identisch. Philo'* Erklärung, 

der ilin Iitwv, Getreidegott, nennt, hat vielen Wider- 

b gefunden, weil »ich die Fischform dauit nicht 

tl, Sidon (SiuW) dagegen würde auch 

n (nach Isidor. Origg. I. •); doch lasse 

lochten die Anhänger des astronomischen 

Pen) aus der Verhindung, In welcher die 

Jungfrau am Himmel. ilsAehrenleserin, mit den Fischen 

mg des Philo, die die Fischgöirin 

efreidegöttin stempelt , rechtfertigen (I>u- 

ifl als Fcbcrsichr dieser Ideenreihe, worin das 

Ä«r und der Fisch in die Ciasse der göttlichen Wesen. 

Dali nun diese Form , unter der die Naturgott- 

i jenen Völkern erschienen, iu Etwas auch nach 

l hinüber spielt , und in manchen Attributen der 

Ajibmilite sichtbar wird, wurde theils oben berührt, 

«erden wir darauf zurückkommen müssen. 11c- 

^t auch ausdrücklich , dafs von Asca- 

Dienst der Aphrodite nach Cypern und nach 

rerptlanzt worden. In Ascalon aber war die 

ursprünglich Fischweib. 

.mz im Geiste des Alterthums , das, was es 
il und Attribut, durch Mythus und Gebräuche 
auch durch bedeutende Name n zu ver- 
ewigen. Mithin werden auch jene Fisch- und Tauben- 
tibciten entsprechende Namen gehabt haben. Es wäre 
•"»Cn&cben, dafu die Alten uns hierüber mehr gesagt 
Ätn. Aber wir haben diese Mythen fast einzig nur 
■•ck ron den Griechen , die alles Fremde so gern auf 
$0M BpTacbe zurückführten. Daher auch hier so 
*»ekt* t zum Theil lächerliche Erklärungen von Anti- 



7° 

pater bei Athenäus nnd Andern, welche wir billig nicht 
berücksichtigen. Desto dankenswerther sind dir Hrmü- 
hungen neuerer Sprachst scher , wenn sie auch nicht 
immer GewifVheit geben. Nach ihnen ist nun zuvörderst 
der Name de» Dago n (Aajwr), wenn er Getreidcgoit ist, 
von Ungan, Getreide, abzuleiten, wahrscheinlicher 
aber, als der Name eines Fischgottes, von jH (Dag) 
Fisch **). Dieses ist zugleich das Grundwort, woraus 
die Namen der Fischweiher Deiccto und Atcrgatis abge- 
leitet werden müssen. Der letztere , der so verschieden 
geschrieben wird, Atergalis ('Axfip^ atiw ) , Atargatis 
('Araji^-riTt^ , 'AtotPy'ocTT;;) t Adargatis, Argatis, Ara- 
this, Artaga u. s. w. '^) , ist nach jener Herlcitung zu- 
sammengesetzt ans Addir (TIS) grofs, herrlich 
und Dag ( y] ) Fisch , und bezeichnet mithin den gütt- 



yi) So auch rtcllrrinann Ober Phönicische Münzen IT. Stock 
Bertin tSilV nr. "S. p. 15. in der Note, welcher D a po n 
erklärt aus J~ » Fisch, mit der Intensiven Anhangsylb« 
on (wie 7. B. in Amnu , L'.ljrni H. s. w.) , also Ady m 
»•oyVA Dazu passe auch die Fisehgestalt, die nach 
I. Samuel« V. 1 — 5. demselben zuzutheilen sey. Vrrtrl. 
auch Geaeni hebr. I. pag. ist. ibiq. laudd. nebst 

dem Etymolog. Gtidiau. ed, Sturz, p. M\t>. Nach Sickler 
(die Hieroglyphen etc. p. 75.) liefse sich die Hieroglyphe 
des Dagon (J^H) vorzüglich durch die F.ironomasie des 
Wortes 37 > Fisch, mit HTT , vermehren, ver- 
vielfältigen, wachsen, zunehmen, auflösen. 
Vergl. auch ebenda», p. 6(3. 

95) Jene andern Formen , Asthara, Asrara , Ailura, führen 
wir absichtlich nicht wieder an , weil wir diese Nninen , so 
wenig als die Göttin Astarie , für einerlei mit Atergatig 
hallen. Nach Seiden nämlich (II. 3. p. 266 sq. cf. Ad- 
ditainm. p.2S7.) ist Atergalis die Muttrr Derceto , Astarte 
hingegen ist die Tochter Serairamis ; jene das Fischweib, 
diese das Taubenweib. 



77 

v '). Per andere Name DeTCetO 
i ^ t um eine abgekürzte F'orm, und durch 
\ orschlagssylbe entstanden. Denn 
imm< ie Wurzelsylbe Da^ , Deg und Gad, I 

zur Bedeutung der f isehyottheit. jene 
V uizfl>ij[ii' erscheint auch in dem IS amen jenes See- 
ungebeur Ki}t6) , da» Persetil überwand, und 

( 11. N. V. cap. 14.) nach Joppe, also 
dfs Seeweihes Derceto , versetzt ^). 
• freilich einem ganz andern Yolkerstamme 
•uwgcliüitMi , als dieser war, der hier am Euphrat und 
«• 'I e vui Fischen und Fischkuttern kniete, 

also — wer mag in dieser dämmernden Or- 
den ? — auch hier i'i diesem Kam- 
pfe mii dem Secv\eibe eine Spur urallen Seiten}.., 

na- vielleichl in der oben berührten 

1 11 Tauben aus dem Lande der rei- 

iiener unter den Persern 95s ). — Dafs die 

rischen ihren Kamen yon den Tauben 

lwbe, sagt Diodurus bestimmt; Hesychius bemerlit poch 

Wttinuuiei , dafs dieser Name Bergtaube bedeute; 



(die Hieroglyphe 11 etc, p. ?1. 75.) schreibt H; 

Adergad, von "HN grofs, müchthi i>eyn 

und "'* G las m Seht ige G 1 li c k a d.i. «in« 

g t und vermehrende G I U c k sg 6 1 1 i n , 

irzUgticu durcli die I*" i s c h g e s t a 1 1 (r. oben p, 67.) 

, weit und reich machende Göttin bu-« 

ivercL>. lir erkennt diese Göttin uueh In der 

Gud <"U) des W , 11 , wo die L\\ diesen Na- 

■ rklän n versuchten. \\ ir lassen diese 

liihtingeu auf sieb beruhen. 

ST) Seid en de Diis Syr. a. a. O. V ossi us de Idololatr. I. 
Symbol. I. Buch 11. Cap. III. 5- «• 



und auch dafür hat man auf verschiedene Art dielfclegt 
aus den morgenländischen Sprachen gegeben. ?v.uh llo- 
chart (Chan. II. 740.) bezeichnet Seriniamiu oder Semi- 
ramin im Syrischen die Bergtau he. Der Gemahl dos 
T<Mihen>veibes, Kinns., endlich soll gleichfalls von dem 
Syrischen K un6< die Fische am Himmel, seinen Aa- 
nten haben (Dupuis III. 62J.>. Zu dieser astronomischen 
Ausdeutung der ganzen Fuchreligian nimmt man noch 
die sehr bernerhi nswci ihe Sage zu Hülfe, die Lueia- 
nus f/1; ) zu Hierapotis hörte: Es scy nämlich Deucalion 
der erste Gründer des dortigen Tempels. Er habe ihn 
an den Schlund gebaut, worin sich das Gewässer der 
grofsen Fiath verlaufen. Hier liahe sicJi Deucalion mah 
seiner wunderbaren Rettung zuerst niedergelassen, und 
hier habe ei zur Here gebetet und ihr Altäre und Tempel 
ei richtet. Zum Andenken an diese Begebenheit he »baeh- 
teten die Hieiapolitaner und die herum wohnenden > «»1- 
Iter ,txi ) die Sitte, alle Jahre zweimal Wssser aus dem 
Meere in diesen Tempel zu tragen, und es in eine kleine 
Klul't zu giefseu , die man noch zu Lucianus Zeit den 
Fremden zeigte. — Dieses sind die Fäden, woraus der 
Scharfsinn folgende ganz, astronomische Erklärung zu- 
samiuengewebt hat: In diesen Syrischen Mythen - sagt 
man , ist ollenbar zwischen Deucalion , dem Dienste 
der Derceto und der Fischverehrung dieselbe Yciliin- 
dung gehnüpfi , die sich am Himmel zwischen dem Was- 
sermann, Deucalion (welchen letzteren die Alten nach 
Hyginus in das Zeichen des Wassermanns setzten) und 
dem Australisch Hndet , der die Fluth des Wassermanns 




yj) d. Uea Sj . §. 13, T. IX. p, US Bip. 

100) Lucianus nennt ganz Syrien, Arnbitn und die jenseits 

des Knnlir.it wi>}iiicud«u (wÄM 

T3J Eli 



79 

I austrinkt. Aach ist das Himmelszeichen des Austrat. 
Ott der Erhöhung der Veno«, so wie der 
n welchen neb cli«> Plejaden beenden, da« Haus 
der tat. Hier wird die Eivm.dngie einiget Grie- 

chen : I is Peleius ( Jit'Atiuc ), wilde l'.tcbc, b( 

pulet j hui ungleicb die Sage aufzuklaren, welche das 
I >«i ceto) zur Muttci 
und der folgende Mythus vom Minna, 
de« mahle, wird mit den zwei Z-.diacal- 

(tischen N u ii w in Zusammenhang gebracht , so wie end- 
lich die Ideen von jenen Fisch- und GctrcidegüLleru, 
Dagon undSiton, durch die Verbindung erläutert «er- 
den. M !"• (Oaggim) mit der Jungfrau, 
d. i. de« Erntegöttin des Thierhreises , erscheinen* Auch, 
hmensch Oannea erhall aus den 
Bedentang : Es ist wieder der Apstrelnaehi 
ewohnern von Babylon aus dem rot heg Heere 
«igen schien, und den zu ei jährlichen ftoletitien 
rorausging, den» Sommersolstitium durch seinen Abend - 
Auf- und Untergang und dem Winteraol StlllU in durch 
u tteiiacalaufgang (Dupuis III. btq IV ^83.). 

elebrte Ausleger des Eratoathenea ernennt 
in jenem Wunder nensehen < Kmncs den VVasser- 
injnii , der in einer uralten orientalischen Sphäre als ein 
solche monstrum ahgehildet gewesen, wie ihn die 

hreibt. Nachher hahen de Grie- 
acfeguelichc Doppelgestall in die /.«ei Bilder 
rmanna und des Fisches liacli 

:ast. p. iiq.). Wer wird in dieser Ideo 
ii glücklichen Blick in die Natur alter Symi»<»- 
Bt erken n e n , die, erst roh und widerstrebend, durch 
den feinsinnigen Griechen gemildert ward ? Auch spre- 
chen die grotesken Gestalten dafür, die das alte Acgyp- 
Sphäre liebte, wie die Thierbreiee voa 
einen Jeden auf dus sinnlichste übe« zeugen 






können. Poch liegen gewiCs in diesem Mythenhrcii 
Daupteüt lilu !> alt«- Ei innerungen au* der U rgea c li i e hl 
u u s i' i u s Geschlechts, Die Astronomie mau z*- 1 
auch biec manches. R&thsc] losen, aber alle lö&ct 
wils nicht. Wenigstens bleibt bei jenen Erläuterung! 
dfeDttpnis von dem Zodi&cus entlehnt, manch« 
unbeantwortet, wenn man auch übersehen wollte, i 
die Verbindung der Urania mit dem 1'auLensymbol 
die sehr künstliche Etymologie eines später douteliu 
Griechen bewerkstelligt werden mufste. Ihv Si 
zu der Verehrung der Tauben liegt weit näher in 
einlachen Bemerkung, die bereits Apollodorus in seim 
a i i lornen Schrill v o n d e n G ö t le r n gemacht ha' 
«die Taube sey vuii Ahns her der Aphrodite gi 
<u der Ueppighcit dieses Thiercs. x Diese Bemi 
iliil der ganze Orient durch BeiitC Bruttattben , 
che «las natürliche Bild der Zeugung der thieiisi 
ine und lolgliek jener Assyrischen Irania, als 
ignis lern tun und geuetrix oder der Alles beleben» 
Mutter, war. Jene Semit ama war diese Tai 
Nichl nur war jene unter den erwärmenden Flügeln *< 
1 'aulii'ii erhalten und ernährt worden, sonch 
einem andern Mythus ,w ) , war sie auch endlich seil 
als Taube aufgeflogen, Sie hatte auch , ■wollte man wi 
Ben, zu 1 hren des Fischweibes Derceto, ihrer Mntl 
den Tempel zu Mabug gestiftet (Lucian. 1. I.), und 
alte Bild . neben dem neuen aufgestellt , das man alle, 
•zweimal zum ^ atsei luden mit ans Meer hinabnahm, *s 
weil et eine Taube auf den Schultern hatte, \on 1 
eui' die Seniirainis bezogen (Lucian. 1. 1. §. 33. p. 1 18.). 



IUI; beimScholtasleudea Apolloniutf III. 5j3. verg!. I 
p, i;»u «,.!. Heyne. 

. .. SO. Lucian. j. i. a. O. J. l-l. Tom.!! 
I 



öl 

brt dieser Gottesdienst, wenn vir ihm folgen, 

)»t auf »einen Sinn, wozu, wie wir glauben, lehon 

kicland in der S< hlnfsanmeikung gnr Ucbcrsctzung de»' 

eii Schul: einen glücklichen Schritt dadurch 

gotlw, i'b er verschiedene Epoehen -des J em^el s 

fcu llicripolis unterschieden, und auf den früheren Ur- 

*|""' esten Heiligthums zu Mabog oulnierksam 

wrbt hat. 

diesen Assyrischen, Syrischen und Phonici- 
Kischen , Fischgottern und Fischj 
Ite historische Sätze und eine Jahr« sn'jysik 
le, aufgefafst \<.m Standpunkte jener ! 

h ausgedrückt. Die Indische Mvthologie 
«inh v.-lchc Incarnationen des Wischnu als Fisch, 
und dcigl. , womit verschiedene grofse 
'den bezeichnet werden, an die »ich die 
Zeit, d. i. die historischen Mythen anschlies- 
•en ' hta weniger als lachet lieh, sondern viel- 

er dfm Gei&te des Ganzen gemüls , ist daher auch 
V«?nnuthung des grufscn Gerhard Vossius '''i, dafli 
dem Simma, wie bindirus der» Pilegerater der Sc- 
wuü» nennt . ein Nachkomme und Nainenserhe de» 
.iteis Sem bezeichnet seyn mochte; und diese 
übe stammt eben so wohl wie die Noahs- 
en Fluth her. Jener ])i ncalion von 
rapnlia ist dieser Koah, und die Wastcrgösae in die 
lehnen das Ende i\l'v ersten IVri 
drr »och die Fischgottheiten ai Hie Erde er- 

•er aus den Wassern, und vom Seeweibe 
u d die 'I'anlietiiM'itiji Semiramis gehuren. 
i die Babylonischen Cannes als die 
p*i»cn Amphibndwescn , die aus dem Meere die Gesetz- 



I) Vgl. 1 h. I. p.57i. 101 <T. und da.uunuere Tafel XXV. nr.1. 
(ig. et progr. Idololair. 1.23. p.pOed. Anistclod. 1663. 



83 

buch er heraufholen , so nie ans der Tiefe der Gew 
der Indische Fischgolt die heiligen Veda's heraafbr 
ftoran sich dann mit Mnus und Semiramis die hii 
sehen Perioden der Staat engrunder and Ernbcrci 
schUefsen. Nachdem sich die Elemente nieder ges 
den, wird auch Yolk und Staat get heilt und geor 
Doch rielleicht gehören die Tier Cannes, die Fiscl 
ner , mit dem Dagon in die frühere Yorwclt nnd i 
ftosmogonie selbst zurück. Einen versetzt der M 
bestimmt hinter die Fluth hinaus. Auf jeden Fall 1 
wir in diesem Kreise von Sjmbolen, Gebrauchet 
Mythen alte Erinnerungen der Torzeit, die den I 
bezeichnen , wo sich Erdepochen und die Sundflut] 
der öltet len Welthistorie verbinden. Hiermit 1 
aber gewöhnlich die Jahresperioden parallel. De 
gyptier z. B. lä'fst sein grofses sklerisches Jahr jed 
mit dem ^rofsen \V eltbrande hcschliefscn ; aber 
die alljährliche trockene Zeit, in der die Erde nacl 
Wasserstrome des Mit lechzt , ist ihm ein kleiner "* 
brand, und ward in dem Cyclus der kleinen Jahre 
so dargestellt (s. oben Th. I p. 370.). So mochtei 
puch in dem 'l'empel zu Hierapolis durch das \Vi 
tragen, durch das Hin- und Hertragen des Bilde 
Taubenguttin , und in andern Tempeln durch a 
dramatische Handlungen die Jahresperioden : ßege 
Brutzeit und dergl. angedeutet seyn 10$ ). Die festl 
Processionen mit dem Osirisbilde und mit dem des 
nis wollten nichts anders sagen. In allen solchen 



105) In Lycien tj.tb es auch Fisch prop beten, Pi 
die aus dem Ei>cln inen gewisser Fische (of<f*5v, (pj 
«•^cTiitvv) Orakel gaben; s. darOber Eustaih. ad < 
XII. 252. pag 4S6. 23. welcher sie tyiSvopavrtti; 
Ut her einige dieser Fischarten vergl. Aristoteles II. . 
12. (II. p. 26K Schneid.) und besonders über die let 
Bemerkungen Uuitmanus ur. 27. p. 104-111 imLcxilo 



i lind die grofsen kosmischen Perioden zugleich 
dir l rbilder der kleineren Jahreszeiten , und Leide strah- 
\bbilde aus dem Mythus hervor. 

durch den Phallusdienst ist diese Syrische 

( m Dienste des Osiris verwandt. In Uiera- 

i-"li> sab man die Phallen in dem Vorhi.fe des Tempel» 

*an (von 180, ja nach einer andern, 

uplen Lesart gar von 1U00 FuTs m ) ,' und 

die uns deutlich z< igen, vi ie nahe ver- 

1 Begriff dieser Syrischen Göttin der üppigen 

I >.n war. Also auch hier jener wilde 

mut , den wir zu Cornana und zu Zela f'an- 

» oinl der die ilim anhängenden Völker wie ein reis- 

njs allen Gränzen treibt. Es sollte nicht 

.ien, dafs, nach der Yolkssage von Mabng, 

mtul Zuge atts dem Aelhh>piei lande (d.h. 

aus Indien her) jenen Phallusdienst mit allem 

n^c des sinnlichsten Luxus gestiftet hatte. Dieser 

liehen \ ülker begegnet von Osten her 

ditche sei] 

den feurigen, wilden Schiwadienst nach 

phrat hinziehen und dort Wurzel fassen, und 

en, die gnnz den Assyrischen und Sy- 

Rtti lieh sind : Schiwa als Taube (Capot- Eswara) 
<l>. Taubin (Capot -Esi) sind die Anpflanzet* 
Ben Religion, die in Indien von dem Schiwa 
Dieser Schiwa oder Mahadewa, 
wnrrr dem Namen Lileswara, vermählt sich mir dvr Se- 
j, als Lüesvtari, zu AscahsUn (A&calon). Eben 



d t s ? r |>,i §. 2$. Tom 1K. p. 1 13 Bjp., wo 
iuu • hn liehen l.tsart r^>ii*cff<< 

<» Pufs Citren ; t'.Jnitiius vrrbes^eit 
tuv, d. i. itü tu'.-. 

Vergl. 'in. I. p. 2i/o, 57S. 



•o erinnern die Namen Anayasa an die Armenische Atjj 
und Mahabhaga an die grofse Göttin von Mabog o< 
Hierapolis (Güires Mythengesch. II. p. 6r5.). Hicrns< 
stimmten also Assyrische und Indische Sagen znsarnim 
um dem Milden Naturdienste, der in dem üppigen Bo< 
■von Mittel- und Vorderasien so gewaltig wucherte, eint 
Oberasiatischen Ursprung zuzusichern. 

J. ne Erinnerungen an die Urgeschichte der Ei 
und der bürgerlichen Ordnung hat auch die Lildn 
in manchen Symbolen verewigt. Wie, nach der S 
der Griechen bei Lucianus, Deucalion in Syrien aus 
Arche steigt, und in Mabog den älteslen Tempel gr 
det, in welchem Seinirama , d«s Seewerbes Tochter , i 
Uildsä'ule hat, oder wie in dem Indischen M\thus 
Stifter der neuen, wideren Religion , Schiwa, als Capi 
Eswara und Taubcngolt, um sich mit der Taubcngött 
Capot-Esi zu Vermählen, aus der Arche steigt, die 
durch die Gewässer getragen; so sehen wir mih 
den T.aist rmünzen von Ascalon eine Gütlin, hervo 
tend aus dem Yoidcrtheile eines Schiffes , mit der Thu 
hrone auf dem Kopfe, in der rechten Hand eine L 
die oben in einem Kreuze endigt, und auf dem J 
der Münze einerseits eine Taube, andrerseits einen 
tar. Hier also die ans dem Schilfe hervortretende 
miramis , wie schon der gelehrte Echhel richtig ged 
tet (D. N.T. III. pag. /j4|5.). Dieselbe Semirama 
die Münzen derselben Stadt hei VatHent ' USi ). 

Das wolluslige Gyprus nahm in seine Mwlenlu 
aus Ascalon mit der Taubengöttin auch die Phalli 
herüber. Dort waren also auch jene konischen Stei 
jene Spitzsaulcn eingeführt , welche in Asien und 



108) "Wir thcilrn die Cnpic einer solchen Münze auf unn 
M.iiil MI. nr. 6. mit, wozujezt die Erklärung p.23. ni 
zusc heu ht. 



85 



ftplcn den Sonnen - und Lingamsdienst in gigantischer 

Form achten. Hiermit ist nun auch in den Aphro- 

dltiichcn Reli häufig die Tauhe verbunden, wie 

nach neuerlich der kenntnifsreiche Lenz in seiner 

Abhandlung über die Göttin von Paphos und Baphotnet 

•'hrerem erwiesen, wozu auf den beigefügten Ku« 

fein auch die He« eise aus Antiken geliefert sind. 

geben unten die eine Seite einer Cyprischen Münze, 

die unter einem leichten Tcmpeigebalfe einen solchen 

« darstellt, aufweichen zwei Tauben zufliege». Da- 

ebeo die Leuchter als das Zeichen nächtlicher Orgien ttw ). 

§. i3. 

Baalsdienst. 

Diesem Pballusdienste huldigte auch der Moabiter 

and A er in seinem Baal-Peor (BetX^tywip) , 

dessen die Bibel gedenht, z. B. Num. XXV. 3. 5. Mag 

nun auch ein heiliger Berg im Muabiterlande diesem 

:n den Namen gegeben haben, oder welche Her- 

leitungen sonst beliebt «erden mögen : alle laufen ara 

juf Piiapismus hinaus. Phallopboiien waren es 

«;lich . wodurch dos hethürte Yolli seinen Gott zu 

icben sachte. Wenn Seiden, im Widerspruche 

i diese Annahme, den Baat-Peor vielmehr als Herr- 

iclu-r der Unterwelt, dem man Todtenopfer gebracht 

, angesehen wissen will, so Kann ihm dies in seiner 

ganren Ausdehnung eingeräumt werden, ohne dafs da- 

durch der Hauptsatz auch nur das Geringste von seiner 

WaKrheil l. Ks wird unten bewiesen werden, 

onj der alte Jonier Heraclitus klagte schon darüber, 

man gerade dem Gott des Todtenreiches zu Ehren, 



Tafel IH. m. 7. gleichfalls nach Vaiitant, und 

LiUaruog p. *J. 



in nächtlichen Orgien und unter Yortraguug de» PI 
Ins, testlich rasete 1t0 ), und von uralten Zeiten Ix 
ward der Phallus auf Grüber geslt'lt. Auch in der Tu 
ligion der Asiatischen Urania ist diese Ideenreihe 
fremd «»)• 

Ts ist nicht nnsere Absicht, nun auch die übrigen Bai 
oder Bels durchzugehen, und von jenem Bet>. <edotj 
(Beelzebub *' 2 ) der Ebionitcr oder ron Bcl-g»< 
der Syrer zu handeln , unter welchem letzteren der Mol 
gedacht wurde als Vorsteher der , den zufälligen Bewe 
guogeo unterworfenen, suhlunarischen Rurpcr; mit 
eine Fortuna in astrologischer und horoscopischc 
Bedeutung 1,v ). In diese Reihe gehurt auch Bcclzt 



110) Beim Clemens Alexandr. p. 22. p. 30 Potter. 

ltl) lieber Baal- Peor s. Elymolog. magn. s. ^. 

>t Uen de D. Syr. I. C3p. 5. und Boyer Additam. p. 233 

: auch Biel Thetaur. s. v, ßuHp. Hiermit verbind 
man die Untersuchungen in the clas&ical Journal Vol. VII 
nr. MV. p, 2$d. und Vol. VIH. nr. XVI. p. 2<o Bqq, 

112) Man rrklärt diesen Namen Baal -Se buh (H. Könij 
1.2.) als den PI ie g e njo 1 1 , der die Fliegen und 
daraus entstehende Pest »bwebre , womit man dtn Jup 
piler «' - , d. i. der Fliegenabwchrend» 
welcher 211 Elis. im Peloponnes verehrt wurde ( Pausar 
Elidc. 1. 14.), vergleicht. Nach Andern wares ein Schiuif 
namc, den die Israeliten dieser Gottheit, welche v< 
ihren Verehrern Baal -Samen d.i. Gott des II i 
rarls genannt worden, beigelegt Italien; s. Rosenmull« 
Altes und neues Morgenland Bd. II. nr. 630. pag. 210. 
Einen toiebtn •luppiterskopf als Mücke 2eigt 
Gemme , die auf unserer Tafel V. nr. 3. copin i»t, *. 
Eik'urung p. 1<I. und Sickler die Hieroglyphen im M) 
des Aeaculap p. 73. 

113) Mncrob, Saiurnil. I. 19. pag. 307 Rip. Luna WjCT» *1« 
corporum piuesul est, quae fortuitorum vanci 
t*urur. 




piion, *orun * • inen Slernengott verstehen, 

cm Norden vorstand, also ähnlich jenem Sterren- 
, des Zcndavesta '•'); Andere den Tham- 
■o*. Ina dfssi man sich auch gegen Mitter- 

nacht richlrie. Diese Proben können allein schon be- 
wein unlicl und ungewifs besonders dieser Thril 
Religionen ist. Das Chaldnische Baal, da» 
Hol und das PI he Adon Maren be- 
i if Kamen für König und Herr, die 
irdem Flaueren , bald vorzugsweise der Sonne 
r I». i-c!i j wtnJt'n. Daher 
den» iitiung jener Gottheiten bald von einem 
l?<d oder fiel schlechthin geredet wird , wie z. B. cht 
Mannt««» Idol der Sidonier (». 0. I. B. d. Kon. XVI 3i.) 
. und wie nach Scrvius auch im Panischen 
»I den Ki onus und die Sonne bezeichnete 115 ). Auch 
> fo Spltcbe der Phrygier, ja sogar nach Italien hin- 
nd, kommen diese allgemeinen Götternamen 
* or Jene nannten BaU^v einen König " 6 ) , und eben 
»o die T Inir • it in Grofsgriechcnland , auf deren -Münzen 
M,r K ntlesdtanstliche Symbole linden. Zuwci- 
■** Utile man die nähere Ortsbestimmung hinzu , wie 
■• B. Baal- De r y t h . Herrscher vonBcryth, wie man 
• <.it der Phb'ntcier nannte, der Beryth er- 
baten sollte (Steph. Byz. in ?'.i\>. So hiefs ei auch 
, if. der Richter IX. <»6.). So auch 
•»*•»!• T ha res , (rcrmuthlicb) der Herrscher von Tar- 
,u »j aal' mehreren Phönicischen Münzen , s. Beliermann 



Huitdchesch nr, II. p. 60. und XIII. pagi 
li. Ausg. 
'jrii. Aencid. 1. 646. 7£>. und Munter die Religion 
hager p. 8 ff. 

■ ■( hatte Aehchylus gebraucht; 8. Eu- 
L ad Ody«. XIX. |.. 6S0. inir. Uasit. 



urc 



BemerVk. über Phonic. Münzen I. St. p. h tl. Oder 
Griechen verbinden Bei mit einem Namen aus ib 
Göttersystem , wie dort Herodotus (I. 181.) den Teraj 
de* grofi.cn ßab) Ionischen Gottes den Tempel »1 « o .. B 
Xor nennt. Dahin gehören auch der Ma lach bei (M<J 
Xdxßijktx,) und Aglibes (AyXi^wXo^) der Palnn 
s. van Cappelie Disputat. de Zenubia Palmyr. Aug 
p. 8 und g. ibifjue taudd. Ueber den Juppxtcr Bei 
habe ich in dun Mek'leniatt. Part. I. p. 19. nut. i'| 
rere NsoHweisangen gegeben. 

Aehnlich werden jene La res (Herren, Koni 
der Etruricr genannt, und die nähere Bezeichnung d 
einen Zusatz des Personal- Namens : Lar- Tolumni 
Lar- Porsennn und dcrgl. bemethlich gemacht. Dassel 
gilt von jener Melechs- oder Molochsreihe. Dieser Na 
bezeichnet eben 60 allgemein König und Herr, wie 
ner , wozu ebenfalls zuweilen nähere Bestimmung 
kommen durch Ana-Melech, Adra-Melech ,l ") und d 
In dieser Classe tritt jener Gott der Ammoniter horr 
der in der Bibel (Actor. VII. 43.) nur Moloch scblee 
hin genannt, den atten Erklären» zufolge ein Sonn 
id ,1 war, unter ähnlicher Gestalt, wie sonst, besonder 
in Ae^vpjen, mit einem Kalbshopfe, den an der Stir 
ein glänzender Stein schmückte ,1S ). 

Hierher gehören noch mehrere allgemeine Gott 
namen unter jenen ^ öllieru, z. B. jener Ma rn a s (Her 
unter welchem Namen die Bewohner von Gaza in Pali 
stina einen Gott verehrten, den die Griechen mit ih 



117) !$*?£ (II. B. der König. XVII, 21.), welchem 
phareni r, wie die Phfluicier dem Moloch, ihrt 
dir opferten} s, SfcUrr die Hieroglyphen etc. p. 71. 

1 1S) V.rcl. Munter die Rclijj. der Carthager p. II f£ und R< 
ii(il!cr Alles und neues Morgenl. Bd. li. nr. 3. 
IM ff zu lli. .Mos. XV III. n. 



89 

ichen Zros identificirtcn , und dem noch in der 

llaiserzctt die Platonischen Theologen, so nie 

lien Isis von Philä und dein Esmun von 

, an dem Feste des Neumondes Hymnen san- 

'nter den spccielJeren Namen sind die Succolh- 
loth. norin man die Plcjiden erltennen will, in der 
It^ion dei Samariter nicht weniger bedeutend gewesen, 
wuj-v ron den Plejaden in dem JBacchischen 
reise der Griechen ^J. Dort, in Samaria , ver- 



die charakteristische Stelle des Marinus in Vita 

ip. 19. p. 46 Fabr. p. 16 Boissonad. (mit der Note 

! r zum V arro erkannte in der Nachricht des 

-prumts von Byzanz (in Vä^ , wo diest-r Mamas auch 

nie Quelle Cretensisch*i* Religion , von Pa- 

'hönicien her. lieberjene Namen Bei u.s. w. 

.. l'rolegomm. pag. 23 sqq. und Syu- 

[in. II. cap. 1. Hyde de rdig. vett. Pers. p. 117. Ha« 

A-u'iscjien Magazin IV, pag, 295 \\. Dainascius 

i, Pannen id. (cod. Monac. nr. 5. fot. S4f 

redet \on «iner Hieroglyphe , die den Zeus der 

itaer dargestellt habe, l-.h habe die ganze Stelle in 

meutalt. Herodod, Part. |, pag. 344. , miige-theiU. 

rofung des Mamas lesen wir bei cint»in alten 

( ' Mama , o Jupiter , o l)ü immorlales." 

findet sich ein Gesiiindnife der Heiden: 

larnas victus a Christo est 4 * ( s. den Sahnasitis zu den 

lg, p. 2IC E. und die genannten Aus- 

.ra Marinus a. a. O.J. 

fach Gesenkte ( Ilcbr. Wörierb. p. 7 l J0.) , dem auch 

r (die Hieroglyphen etc. p. 73.) folgt, waren Suc- 

oth-Bcnoth II. Köni ? . XVII. 30. (IrtHTTtaB d. i. 

Ifltten 4er Töch ter) kleine Hatten oder Zelte , in 

dl die babylonischen Madchen der Myliita zu 

cn. Vergl. Arnos V. 27. „ihr trüget 

»tu, euren König"; oder : „ihr trüget 

d.sZelteures Molochs" (C=-^ I 11 -? *$ =$***'> 






9* 

ehrte auch die Tön den As*yrern aus Fersien dahin t< 
pllan/je Ci.lonie der Cuthaer , nach vaterländische 
Hiiiommcn, das Feuer unter dem Namen Nergi 
Sein Symbol war in diesem Cuthäischcn Dienste 
Habn ,21 ). Vielleicht -wurde deswegen auch ein 
in dem Syrischen Tempel tra Mabog zu Wabrsagehün»! 
ioebl ( I.ucianus de D. Syr. sect. 48. welche St< 
den Autlegern so viele Mühe gemacht hat) — eine 
muthung, die uir jedoch nicht für mehr geben wc 



im* 



wo man (nach RosenmOlt-T Altes und neues Morgen 
BiJ. IV*. nr. 1H)7. p. J06.) mit vieler Wahrscheinlic 
verrouthet , dafs der Moloch und andere heidnische 
beittn , welche die Israeliten in der Wüste mit sich 
ten , von gewissen Männern in dazu verfertigten Gf hä 
" tl £^C* hfim. au ^ ** cn Schultern getragen, oder in bedeckten W 

^\^Q 'gefahren wurden, so wie die Heiden ihre Götter bei fe 

Jw/Lchtn Umgingen und öffentlichen Aufzügen anffQb 
\ OD dieser "Sitte , die Bilder der Gotter unfer kleinen 
I i * f [ ten und in verdeckten Sannen zu tragen, welche 

Recht den 4ecypiiern zugeschrieben wird («. Th. I. 

%Ljm\l]fr\}--\ J ^vmbol. pn?. 2 «M f. > , führt hierauf Rose nmülhr I a. 
viele Beispiele von vt rschiedenen Völkern des AI 
iluims an, unter amlr in am •> von Galliern und Gcnna 
« vergb Mosers OsnabrücLiSche Geschichte f. p. 57 f. 

inten vielleicht unter jenen Succolh Bc 
II. Käuig \\ 11. AO. auch solche kleine trag ha ■ 
fchau»c mit dem Bilde der Mxhtia gemeint seyn. Et 
Aphnliclieti sind auch die silbernen Tempel der G 
Diana gewesen, du- in Rphesus verkault wurden: 8. 
rpr. MX. 2l. vergl. auch Munter die Rdig. der Caith 
p. -iS. und dort besonders die Note 40. 

t:i) fcW II. König XVII. 30. Gesenius (Hcbr. Wo. 
pjg. 75*.) bemerkt, daf» die Rabbinen es für eine V 
»etzung aus ^>S"V} (T h a r 11 e g o I ) II a b n hielten, 
dabei jenem Goüe die Gestalt eines Hal.nes andichteten. 
De andere Erklärung, die ihn für den A nerge 
Kiitgsjott aussiebt, lumuit auch Sickler j. ft. Ü 



I 



Ol 



iimen Kinnen : Auf einem Denkmale 

in Comosarye Ton Tannen, aus der Zeit 

lexanders, glaubt Hüler in dem Worte 

ipy«» denselben Fenergott Nergal zu erkennen. Ent- 

>*as »ich von ^fTTotfia in derselben In- 

■ behaupten läfsl. Folglich hatte auch in Taurien 

; gefunden , so wie mehrere bei Pha- 

•fundene Inschriften gedenken *«). Dies führt 

un» in da* Vaterland der Astarte , nach Phuuicien zu- 

Stadt Byblus die merkwürdige Feier 

die ihrer Liebe zum Adon gewidmet war. 

§. I »- 
Uanmuz. Adonisfcier. Priapus. 

Im Propheten Ezcchicl ( "\'1II. i4-) lesen wir die 

1 im] er führete mich hinein zum Thor, an 

Hause, das gegen Mitternacht stehet; und 

»itli« da tafsen Weiber, die weineten über den Tham- 

tnub.'» pfach verschiedenen Erklärungen sind 

litbtUten und besten Ausleger, meines Wissens, auf 

einiger Alten zurückgekommen , daf« jener 



r le monument de Ja Rc ine Comosan'e , Peters- 
bourj im?5. vergl.Heynr de Socerdot. Comau, Nov.Com- 
Soc. Göttin?. \Vl. p. 12S. 

lotiski Voce. Aegypft. pag. <353. und die 
Sii'He , besonders Hieronymus , vergl. 
Sym.lf. cap. 11. und Deyling de Hctu 
y. 10 sqq. Zu der Erläuterung der 
in den antiquarischen Versuchen 
schltuharen Beitrag gegeben. S, 
iX lUcherches sur los mystercs du Paga- 
ll, p. 101 Cndlicli lese man noch über 
erungen , welche in RoSenmül- 
IU Morgenland Rd. IV. nr. 10 i7. pag. 
i.r ilauptstclle des Ezechiel gegeben werden« 



9* 

Tbammuz (PHD kein anderer als der Phon lei- 
te he Adon sey. Der Name Wujiuoic. oder ®aur£ ist 
entweder Aegyptisch oder Ebräiscb iL *). Der Prophet 
beschreibt in jener Stelle ein jährliches Kfa gefest der 
Frauen. Sie safsen Nachts vor ihren Häusern , weinten 
und sahen unverwandt nach einem Punkte im Norden 
hin. Man nannte diesen Zeitpunkt den Tod und die Auf- 
erstehung des Thammuz. Es war ein Solstitialfest, und 
fiel in den von dem Gotte benannten Monat Thamrauz, 
d. i. gegen das Ende unseres Junius. In dpi selben Stelle 
kurz zuvor redet Ezcchiel von Festen, die in Höhlen 
geleiert wurden, an deren Wanden allerlei Idole ange- 
bracht waren , denen die abgefallenen Israeliten Weih- 
rauch opferten. Also hier Spuren von einem Troglo- 
d>lendienste, wie jener , der, nachdei Meinung Einiger, 



12 i) Silvestre de Sacy zu St. Croix a. a. O. p. 10). sage, man 
könne zwar nicht zweifeln , dafs dieser Name allgemein 
in Syrien verbreitet gewesen aey , weil er der Name eines 
der Munal« des Jahres geworden ; jedoch sey es nicht 
im wahrscheinlich , daffl Th a in m n z eine fremde Gottlieit 
gewesen sey, deren Verehrung und Benennung die Phö- 

i und Syrier angenommen , die sie aber in ihrer Spra- 
che Adon oder Adonni d. i. Herr genannt hauen. 
Weiterhin (p. 102.), bei der auffallenden Uebereinslimiuung 
des Adonis - und Otsiri^dieustes , erklärt er sich dahin, 
dsfe der Dienst des Thammuz oder Adonis ursprünglich 
aus Aegynten gekommen, und selbst der Name Tham- 
7 >i7. der Ägyptischen Sprache angehöre. Hug (über den 
Muhusder alten Welt p. 87.) Sagt, d*r Name Thamuz 
komme von dem Syrischen und Pbönicischen MoMl 
Thamuz, dir die Sommersonnenwende bezeichne. Allein 
hiermit wären wir um nicht viel weiter, da es doch wahr- 
scheinlicher ist , dafs der Monat von dem Gotte als der 
Gott von jenem seinen Namen erhielt. Verschiedene 
Erklärungen djestfl Namens giebt auch G-rtenius Hebr. 

lerh. p. Ü19. 



98 

kiopfel her nach OlrerSgyptcn und so weiterhin 

•i • i ili ii seyn «oll. Zu jenem Zweige der alten 
BeUgionen gehört Wenigstens der Dienst des Adon, der 
toiuO»iri»e*ieiistc ja nur in einigenlNebenzügen verschie- 
den »ar. So wie er hier unter den Israeliten als 'J ham- 
Msdienst ! m niden, eben so weit vet breiteton 

sich inch die A . die in ganz Griechenland Anhän- 

ger finden. Nächst dem Feste in Byblus kennen wir 
»her I eier zu Athen, zu Aniiocbia am Orontei 

tndm Alexandria in Aegypten etwas genauer. 

mofs zuvor ein Einwurf beseitigt weiden, den 
nicht gebannt zu haben scheint: Corsini 
\uici II. 207 sqq.) leugnet die Identität des Ado- 
oi» und des Thammuz, weil die Adonien zu Athen im 
Mon*t Munyrbiou oder Thargelion , d. i. so ziemlich im 
April oder Mai, zur Zeit des Neumonde», gefeiert wur- 
den, nenn da» Heer wieder offen war 125 ). Dort w» 
et ilto oflenhar Aequinoctialleste ; im Orient hingegen 
ii sie im Sommersolstitium. Auch sey es , fährt 
Coriim fort, in Allen, wie die angeführten Stellen 
«igten, ein blofses Trauerfest, eine Tudlenfeier gewe» 
**n, im Mnrgenlande hingegen habe es zwei Theile ge- 
a»ll t Tage der Trauer nnd Tage der Freude. 

Aus dem Allem schliefst nun der genannte Gelehrte, 
n/s die Athenischen und Cyprischen Adonien mit dem 
Tn&mmuzfeste derChaldä'er gar nichts gemein haben und 
gänzlich davon zu unterscheiden soven. 

Ich weifs nicht, ob die erste Einwendung , von der 
Zeit des Festes hergenommen iüi ) , sich durch die ailge- 



ti$) PliKarclii Alcihisd. cap. 13. pag. 200 Francof. und KieiAfl 
c i|». |3. p. 532. 

126» Gegen diesen Einwurf insbesondere (wie Überhaupt ge- 
gen die Ansiebt Corsini's) erklärt sich auch jeit Silveatlt 
■cy am oben a. O. p. 102. mit der allgtmeincn Be- 



meine Besmerhung aufläsen läTst , dafs diese Verschie- 
denheit der Festperiode von dem verschiedenen Jahres- 
anfänge ursprünglich herrühren konnte. Fing man näm- 
lich das Jahr mit dem Wintersolstitiuiu an , so fiel der 
Vierte Monat (der zu diesem Gottesdienste benimmt ge- 
wesen zu sein scheint) in den Frühling, mithin ward 
das Fest ein Aerjuinoctialfest ; fing man aber das Jahr 
mit dem Frühlinge an, so fiel der vierte Monat in das 
Ende des Junius {s. Uupuis Orig. IV. p. 180 sqq.). Der 
andere Einwurf Kann theils durch die von Meursius , -' 1 ') 
angeführten Stellen gehoben werden , worin von den 
Adonien im Allgemeinen und ohne Ausnah- 
me als von einem Trauer- und Freudenfeste 
geredet wird, theils dadurch, dafs sich auch in den 
Athenischen Adonien Mehrere« findet, z. B. die Adonis- 
gärten , das auf ein Freudenfest Bezug zu Jiuben 
scheint. Dafs Corsini sagt, die Abfahrt des A'lcibiade» 
und Nicias am Feste der Adonien halte nicht als un- 
glücklich gedeutet werden können, wenn ein Freuden- 
fest darauf gefolgt wäre, beweiset, meiner Ansicht nach, 
nichts. Jene Feldherren segelten einmal am Todestage 
des Adnnis ab, das war dem Yollte zu jener Deutung An« 
lafs genug. Bei Angurten ^alt immer der Moment. 

In jedem Betracht lieferte dieses Phonicischc Fest 
den Griechischen Dichtern einen sehr poetischen Stoff. 



meiUung , dafs alle Feste der Aegyptitr, wie er verum« 
the , an bestimmte fcuocheu eitles Sonneiijuhres , ( 
dem JliiJisch'-n , gebunden waren. Sie konnten alsdann 
1 1 1 ■'izt und so beweglich { t , mobiles" ) werden, wenn 
man das vage Jahr zulief* , und die Volker, welche diese 
Feste annahmen , konntet) sie dann auf dtu Munal ihres 
Jahres festsetzen, in wt-k'hen Sit fielen. 

127) Graecia fer. in Gronov. Thesaur. Amiytj. Graecc. VII. 

p. 708 sq. 



95 

Sic benntSten ihn auch. Der cyclhtche Töet Panyasis 

Uu- diesen Morbus bearbeitet . Sappho halle den Ado- 

i J.inus. besungen (Paasanies !X. 2g. p. 89 

d< r Gegenstand mehrerer Dramen ge- 

\ir aus den Anlührungen bei Athenaus 

1 Adonis des Antiphancs , des Komikers 

Pltlu, dci Tyrannen Dionysius des jüngeren ( vergl. 

B^t itique pa- yh. not.) genannt werden, und 

in dem schönen Festgesangc des Theocritus 

em ankufiiidiges Denkmal dieses Gottesdienstes vor, 

Wichen Behandlungen nicht zu 

|edrn|tcn, bis auf Ovidius und die späteren herab. Die- 

•*« '■ en und nümisehen Dichtern ist nun natür- 

n von Bvblus , welche Philo, der Ueber- 

»fixer de» Phünicischen Sauchtiiiiathnn , Baalxiq ( Eu- 

«b. J. 10, p. SV>. D.) d. i. die Gattin des Baal (Kronus) 

;, und deren Nationalnamen Astarte noch Cicero 

anführt'*), keine andere als Aphrodite oder Venus. 

Jener orientalische Adonai , Herr, aber ward mit einer 

leichteren Aenderung "AJuvi:. Doch verehrten 

tot Cyprier, die diesen Dienst wohl sehr (ruh aufnah- 

•w, unter dein Namen "AeYwric den Osiris , nach der 

"Wierliang des Stephanus von Byzanz (in 'Auubi. 

< .elegenheit bemerkt wird, Adonis sey ein 
Acgtptisther Gutt, den sieh die Phünicier, wie die Cy- 
jeeignet halten. Damascius erzählt uns beim 
Stüdai (in 'H|>««'o-xu.) ■ die Alexandriner haben den Osi- 
ri» and Adonis in Kinem Idole zugleich angebetet , nach 
*»*T mystischen A ereinignng beider Wesen. Altes dies 
läuft, nie bemerkt , aul die ursprüngliche Einheit der 
des Adouis- und des Osirisdienstcs hinaus '-''j. 



|JS) d< Nal. Deor. III- 23. und ineine Anmerkung daselbst 
W) Aach Hug (über deu Mythus u. s. w. p. SS ff.) halt die 



9^ 

Ueber Cyprus harnen die Adamen in den Peloponnes, 
und namentlich, wie wir aus Pausanias wissen , nach 
Argos. Die Laeonier nannten den Colt fUalq oder Kv- 
pts * iü ). Man bat letztere Form vorziehen , und darin 
eine Uebcrselzung des Phünieischcn Adon, Herr, fin- 
den wollen; mit wenig Wahrscheinlichkeit , wie schon 
Cuper im Hatpocrates (p. 114.) bemerkte, leb wundere 
mich , dafs man das Lei Hcsychius gleich daneben ste- 
hende "kv%voq , Licht, übersehen bat, zumal da die alten 
Darier den Adunis 'Ära nannten , welches man von 'Aw;, 
das Frühroth, herleitete ,i1 ), und da ja auch Bacchus, 
in Begriff und Cult den Adonis so na! berührend , 9a- 
vöq y Li cht, hiefs ,JJ ). So wie Licht und Licht» 
messe dem Adonai, dem Herrn des Sonnenlichtes, 
einen Namen gab, so die in seinem Gottesdienste ge- 
bräuchliche Flöte einen andern. Man nannte dun Gott 
auch Gin gras (Viyyp&s) von der Phönicischen und 
Carischeti Trauerflöte ,y ). Auch hier scheint der Ac- 
gyptier wieder Anspruch auf den Gott zu machen mit 
seiner kleinen Flöte, die er y^y^n^oj nannte. Docli 
möchte vii'kaijoc, die richtigere Schreibart seyn. Bei den 
Pergä'ern in Pamphylieu gab die Flöte dem Adunis noch 
einen andern Namen, ; A ( jw^, (llcsych. s. v.), wie auch 



jjanze Adonisfeier für Aegyptischen Ursprungs, so wie 
hüvtstre de Sacy (zu Siiintectöix a. a. O. T. II. p. 105.), 
der an die Ucbereinstimmuog dieser Mythen von Oairfi 
und Adonis in ihren H.uipizUgcn cniini.it. 






130) Hesych. II. p 266. 387 ed. Alberii. 

131) Etymolog, magn. s. v. p. 117. 33. p. 106 ed. Ups. 

132) Lexicon rhetor, mscr. in Ruhnken's Zusätzen zum He- 
sych. *. v. ßixyoi- 

133) Pollux Ouoinast. IV. cap. 10. sect.76. s. Symbol. Tb.I. 
pag. 351. 









rer dieses Instrument Abuba nannten «^). Diese 
, göttliche ^ wen nach Liedern und CäremonlcA 
10 nennen , wodurch man sie \ crhei i -lichte , greift durch 
•llc tlft- Religionen dnrchj und jener Linus, den man 
nili'u dem Adun besang, ist eben so benannt worden, 
' piere von den unzähligen Namen der Demeter, 
iderei Gottheiten Keinen andern An- 
i Der gwn/. spule Martianus Capella (II. 43.) 
fi«bt «n» den 01 »enl aliselu-n Kamen jenes Phö\mcischen 
ch am urkundlichsten wieder, indem er ihn 
■"* 'oHetKler langer Svlbe Byblius Adon nennt (Bur- 
jatin. J. p. ;> ). 

Wie ii. dem Namen des Adonai, so auch in den Mj- 

'nco ton ihm ! I, j Grieche seine hergebrachten 

'•mnen. Doch sind nirgends die Grund- 

*>'§e nieset Glaubens ganz vermischt Die ältere Form 

cht beträchtlich von den späteren ah. 

Aphrodite verbirgt aus besorglicher Eifersucht ihren 

ms, den Sohn des Assyrischen Königs 

IMM ( to nannte ihn auch Antimat hus) , noch ein Karte» 

in einem Kästelten und tragt ihn zu des Ais Gattin 

.hone. Diese behält aber das anvertraute theure 

[h r Streit darüber Kommt \or den Zeus, dessen 

,1 dahin entscheidet) daf* Aphrodite und 

Frnscrpina, jode ein Drittel des Jahres hindurch, den 

t« beftilzen solle; d;is dritte Drittel ist in seine 

Wohl gestellt. Er sehenlu es der Aphrodite und 

tcruedt aiht Monate bei ihr, vier in der Unterwelt* So 



tfl) Sal o) asius de liiiR. Hellenist, p. 4l«/. Andere leiten je» 
doch ii;-s Wort aus dein Chaldiiischen her, ui welcher 
Sprache ts die Aehn bezeichnete. Nach dem 

Scbolia>U'i) des Theocritus III. 48. war aber Adonik die 
(fctreulejaat. Vcrgl. das weiter unlcn Bemerkte. 

II- 7 



•ans Panyas'9 13; ). Wahrscheinlich war in dieser Slge 
gai nicht von einem blutigen Tode des Gottes die Red«. 
Sie erhielt verschiedene Wendungen : z. B. dwfs die 
C;. 1 1 in p r> Schiedsrichter in in jenem Streite gewesen, d»d 
das Jahr in zwei Hälften zwischen beiden Göttinnen ge« 
theilt wurde lw ). Nach Oviditis (Metam. X. scjfl scqrj.) 
erzeugt Myrrha (Smyrna), Tochter des Gyprischi 
nigs Cinyras, nus einer durch den Neid der Aphrodite 
entzündeten Liehe, mit ihrem eigenen Vater den Ada* 
nts , der, nachdem die vcrzwcii'lungsvollc Motter »° 
einen Myrrhcnbaum verwandelt Morden , Liebling der 
Aphrodite wird, ober auch eben dadurch Nebenbuhler 
des Ares. Dieser sendet einen Eber im Gebir 
dessen Zahn Adonis auf der Jagd fällt, tuch dieser 
Mythos erlitt verschiedene Modilieaiionen, die wir über- 
gehen. Nur die ganz neue Wendung verdient bemerkt 
zu werden. Phanocles hatte in seinem Gedichte, dtC 
Eroten, gesungen : Dionysus habe den Adonis geraol 
— Der Eber scheint in dieser Mythenreihe v 
In den Sagen ganz entfernter Völker stirbt der II« 
des Sonnenfcstes dureh des Ebers Zahn. Bei den S 
niesen ist es ein Riese, in den Eber verwandelt, der 
iogesgott Sommona -Coden lüdtet . und auch 

■uiin.M isi :lie Sage läfst den Olhin durch einen El 
verwunden '*). Auch die Phßmcische Sprache hl 



13J) Apollodorus Bibl. |I[. ti. 4. und daselbst Heyne. 

1J6) Hygin. pocl. Astronom. II. 7. ibiq. luicrprr. 

U7 i Pluiarcli. Sympos. IV, 5. vergt. Kuhnken. Epist. 
II. f- 40 iq. 

US) Gcnelun wird im Rolandsüede und Hagen in dro Ni 
lunge-u gebunden und umgebracht. Genehm h*t 
Rolani , uml H«gen /um Sigfrit dasscllie V'eihttl 
dtr Eber zum Adonis und 'I'yphon zum Osiris. 
dessen Untreue iprttohwörtUeh geworden, und der 



99 

lieiem Eber snnen eigenen Namen gegeben. Er hzeft 
Ipha, i Wilde und grausame ,JV ). 

nun der Oricnl die Geschichte seine* 

lllttllgottm? Das Pest bitte, wie benu-ilü , zwei \<e- 

tenibchc 'J heile. In der Todtenieier beging man das 

Tenehwinden des Gottes (d-tpotvicroof) , das Freudenfest 

rin Wiederfinden (trpeaic). Heide folgten 

nntnittelbar auf einander, aber, wie es scheint, nicht 

äVrill in derselben Ordnung. Zu Byhlüs ging die Tod- 

tenfi n (Lueianns de 1). Syr, sect. 6 sqq.); zu 

-AJfiirult-ia aber, und \ ei muthlieh auch seil Athen, das 

Frwdrnfest (Thcoerit. XV. i 3i IT.). Die erstere war 

«n ftabres Leicuenfcst , mit allen bei Todten gewühu- 



nem Namen und Wesen »ach mit Dich , Teufel , 'I'yphon 
MMlScbiwa /urammen hängt, wird nach der WihVina Saga 
Kap. .*?"■. von Atrbraad i-i der Schlacht r,atödt«t, die teui- 
i Liedn Ului ibn sind verloren Als der Eher dem 
' l in das Blut ausgesogen , so fielen Tropfen 
auf die Erde', aus denrn im folgenden Frühjahr Blumen 
ii. Hat die Erwähnung dt r bliilnasst n Blumen bei 
|| Ermordung damit Zusammenhang (Nib. L. v. 
9&&S. 4.O0S.)? Lud werden darum Hagen und sein Ge- 
i I.i.i. m verglichen? (das. v. SiyS. 7ü5y.), 
Mo n e. 

Lfxicon inedit. in der Bi- 
. 6üJ. nr. 5. Wenn ts dort gleich 
darauf in Einem Odem weg wieder licif>t: „auch den 
Osiris haben die Byhtier Alpha genannt* , so weifs mau 
auf den ersten Blick nicht, was man s ig. n >od : Osiria -» 
Adonis also gleichnamig mit dem l.her , der ihn schlug? 
— Die Auflösung findet sich aber leicht, wenn man vor-, 
her lieset : die Phönicier hatten den U c h s e n ko p f Al- 
pha genannt j welches Mch auf die alle Form des ersten 
Boehsubefl im Alphabet bezieht. Das S t i e r- Symbol 
drs Osiris kannten aber die Byblier wohl. Abo hier 
abermals OtMrtsbtUter in Byblus. 



100 

liehen Gebräuchen. Die Frauen überliefen sich 
ausschweifendsten Klagen um dm verlornen Gott 
rta<>u.<k nannte in an diese» WehMagen , Aristoph. Lj 
siatr. 387.). Zu Byblu* muTsten sie sich an diesem Ti 
ihr Haar abteheeren lassen, oder dalür ihre 1 
im Tempel zum Opfer bringen (Lucianus a. a. O.). 
Alcxandtia erschienen sie blas mit aufgelöstem Hai 
mit Trauergewanden, die gürtellos herabilossen , ur 
mit allen sonstigen Zeichen der höchsten Traurigk« 
Die dabei, unter Begleitung von Flöten, gesungen« 
Klagelieder hiefsen 'AtfoovuTfia und bei den Mai yandinei 
in Hlcinastcn 'Aioivtfiautdni; W). Man stellte das Bild 
Ailnnis auf einer Bahre aus. Im königlichen Pallaste 
Alciandria , wo Arsinoe, die Gemahlin Ptolemäus de 
Zweiten oder Philadel phus, das Fest im grofsartigst 
Styl und mit aller königlichen Pracht feierte, lag 
Leichnam auf einem colossalen Katafalk ( Bu 

.tungen p. 127.), und so Mar dort Alles in höhen 
Maafsstabe gehalten. Diese \ t. i schiedenheit zeigte sie 
natürlich auch in den Adnnisbilde 111 seihst, nach St< 
und Form. Zu Kvhlus endigten sich die Klagen und 
Jammern mit einer Bestattung des Adon ' '•) , wobei al 
bfli Begräbnissen übliche Gebräuche verrichtet wurd< 
Das dabei gewöhnliche Todrcnopter nannten dicGricc 



1 ■«») Pollux OnonuM. IV« 7. Die Ausleger 211 di 

billigen jedoch dttS \\ ort und lesen: irtfuiiuo^ 
;;;, l ii « : aiiö^. 

lil) I litri mit bangen nun die Vorstellungen von der Vi 
rpilymbia zusammen. Ich verweise in der Kürze auf 
WM E. ' v > . V ifteooti zu dem Basrelief im Museo Pio I 
Dieni. Tom. IV. tav.35 darüber bemerkt Int. Die 
mis bei des Adoni» Gr«bt sdenkmal ist auf UnSercf T» 
XXWII. gegeben , wozu die Erklärung pjg. 2t. zu ft 
gkiclien brti 
- 



101 



fy<* (Lucianus 1. 1. Hesychius 8. Ka9.). Zu Alexnn- 
man am Tage, der nach dem Freudenfeste 
h Morgens das Bild des Gottes in einem feiei- 
, wobei sich die Königin selbst befand, 
leer hinab, und versenhte es in die Wellen, wö- 
be den Aegyptiera geläufige Vorstellung von dem 
• f eis einen feindseligen Gölte t zum, Grunde lag "-)• 
lern Geprange des Alexandrinischen Freudeni'estea 
ien *ir uns ans dem trefflichen Mimus des Theocrit 
ischaulichste Vorstellung. Wir heben die Stelle 
:m Bubebette des Adonis und den dabei angebrach- 
»holen und Verzierungen aus: 

, Neben ihm Riebt anmmhig, was hoch auf dein Baume 

gereifet : 
ihm auch Lusigartcben , in siibergcflochtenen 
Körben 

liegt; auch Syrergedlift in goldenen Kruglein; 
Auch des Gebackenen viel , was Prau'n in der Pfanne 

gebil 
s Mehl mit der Blumen verschiedener Würze 

sieb mengend ; 
sie mit lauterem Oele gelrttnkt , und der Süfhe des 

Honigs, 
les erscheint wie GefiUgel und wandelndes Leben um 

jenen. 
rrünrnde Laubgewölbe, vom zartesten DiMe beschattet, 
lauete man, und oben als Kindereben liieren Broten. 
Aul meerpurpurnem Glänze der Teppiche (sanfter wie 

Schlummer 
it sie die Saraische Stadt, und u.r Milelos ht 

wohnet) 
r ard ein Lager gedeckt , und dabei dein schönen Adoni» 
Dort halt Kypris die Ruh und hier der schöne Ad«»-. 



ms 1 



,4i ). 



eoerit. XV. 132 sqq. ibiq. Schobest. Uener jene Ae» 
gyptische Ansicht s. Tb. I. der Symbolik p. 3i9. 
.heoerit. XV. 112 ff. nach Voft. 



102 

"Wenn anch in den Umgebungen dieses Prunl:U t ;< 
Manches als blos willltiihrliche und oft sofaUig« \ « 
rung betrachtet werden mufs, so waren doch auch Alti 
butc dabei, die als wesentliche Symbole mit der < 
idee dieses Gottesdienstes zusammenhingen. Jene Tiu! 
und P röchle, jenes Geflügel und Gewönne waren sii 
liehe, BHder des Einflusses der Sonne auf Vegetation ui 
physisches Lehen, ftumal in dein warmfeuchten Ae 
und in den üpp-gen Thälern Syriens. Honig aber w« 
den wir unten in Griechischen Festen der Naturgott 
wiederfinden, besonders solcher, die auch dem TodW 
reiche angehören. Besonders bedeutsam für den Sit 
des Festes sind die Adonisgärten (xjJtoi 'Ao'uvio'o^) J< 
Sie waren \crmutblicli ein in diesem Gottesdienste öl 
all gebräuchliches Symbol; zu Athen und Alexandt 
wenigstens gewila. Es waren irdene Gefa'fse (/oi«j*j 
)'aoT()i'<), auch wohl silberne Körbe, mit Erde an« 
füllt, in die man gegen die Zeit der Adonisfeier \N 
Fenchel , Lattich ***) und etwa einige andere Sämei 



l"J4j Die II.Mip». frtle über die Adonisgärten ist Plato ira 
lint- p*g. 27b. B. (pag. 644 iq. eü. Ikindorf.), woau 
Hei in kj -. j>. 202. und der Scholiast des Rulinkenius p. 
iiscIhumIicu ist, welcher des Euripides Mtlanippe hi'. 
bei anlUhrt. Uebrr die Körbe, Gefäße und Gärten vi 
die ..uslcjtcr des Tbeocriius t, |. und Bast lenre 
p. 15-<. Leber die sprichwörtlichen Anführungen vrr 
raflglich Wyuenbacb zu Plmarch. <Ir s. N. V. p. 

I>> r G*g*nsaiz: ,,"A3ww3»; xiJtsuv *jt 3*v3{a.v T 
'K * i r< I von Eustatlüus ad Ody:>s. XI. pag. 11 

und von der Budocia im Violarium (s. v.) berUbit. ' 
auch Satatecroik Recherches etc. Tom. II. pag. 11" 

edit. 

iii) Drr \.<\ ti ich , wegen seiner nachtheiligcn Wtikung « 
«k'.s männliche Vermögen , war im Adonisdien»ie ge 
bräuchlich; vergl. Callimachus beim Athenaus iL cap.! 



, die in starker , Auch wohl künsmclicr Wurme in- 
nerhalb ncht Tagen ihre grünen Gräser über den Boden 
hervortrieben. Also schnelles Aufkeimen, frische« 
Grünen , aber eben so schnelles Weihen war die dabei 
beabsichtigte Erinnerung. Diese Saat war ein Symbol 
und t\ir sehen sie bei Theocritus 
neben i 1 mklager des Adonis stehen. In gleichem 

ich auch PJato im Phädrus darüber, wo 
er ■ de« schnellen Aufblühen» dieser Pflan- 

zung, aber auch des toi übergehen Jen Zweckes fest- 
ii g gedenkt. Daher war dieses Sym- 
bol in » Gricchenvolhes zu einem Sinn- 
jche geworden, dessen sich seit Plato's und Euripides 
Anspielungen bis in die späteste Zeit herab die Schrift- 
enten , um eine kurzdauernde Augonlust und 
ähnliche Gedanken 7.11 bezeichnen, wie ron den Ausle- 
gern bereits zur Genüge bemerkt worden ist. IJeach- 
:h ist der eben fo sprichwortliche Gegensalz: 
urae des Tantalus»; so daft man also mit den 
des Adonis und mit des Tantal u» Uaumen die 
Freude bald entschwundener Hoffnung und die 
iaal immer wiederkehrender and immer ge- 
ichler Hoffnung glücklich bezeichnete. Von der 
er Pflanzen gehen nun die Griechischen Poeten, 
diesen Mythus zum Theil als ein civ tische» Mahrchen 
• i'en . einen neuen mythischen Grund an. So 
. H. Aphrodite dem Adonis ein Lager aus Lattich 



p. 267 Schwenk, und daselbst Casaubonus. D^TsJcr 
li eine Aduuische Pflanze war, und ein To dien - 
i biefil • darauf »pielen die Alien öfter» m. Daher 

auch der Name dieser Pflanze 'Aäav^i; *) 9*>t*5a£i So 
iu 'Aättv. p, 102 Alberli gelesen «erden ; 

nnd so }iat auch das Pragm. Etymolog* inscr. Ltideus. 

unter diesen Worte. 



eitel haben nnd dergl. mehr. I>en wa' 
iebt uns Athcnäus ( II. cap. <Jo. pag. 69. I». c. d. 
k/..rc 1 \'i. 1 durch folgende Bemerkung au« Je« 
einiger Naturforscher; dafs der Genufs des I.itiichsi 
laeblheilige Wirkung auf die Zeugtmgskraft 

nt wir also nieder in die phtsi»che Ideen 1 
rockgeführt werden, woraus der ganze Mrthus und 1 
In* dieset Wesens offenbar erwachsen ist. 

Den Mittelpunkt des Adonismythus babea 
die Alten gezeigt durch die einfache Bemerken«, 
die obere Hemisphäre durch Aphrodite bezeichnet 
die untere durch Proserpina. Wenn also die 
Adoni», zu den sechs unteren Zeichen des Thi< 
geht, so beiludet sie sich im Reiche der Fi 
nach der Ruckkehr zu den oberen im Reiche der Xt 
Daher jener Rathschlufs des Zeus: Adonis solle 
Göttinnen zugehören (Macr<,b. Saturn. I. St.), 
•agte man in Aegvptcn : Osiris, nachdem er der 
durch den Tod geraubt worden , liege in den Armen 
Nephthys (Plutarch. de Ibid. p. 469 sq. Wyttenb.). 
Abweichungen jener Sage in Betreff' des Drittels 
der Hallte des Jahres erMären sich eben so leicht 
agronomischen Verhältnissen. Der Eber, der den 
nistüdtet, ist der Winter, dessen natürliches Bild 
rauhe, hornige Eber ist, der seine Nahrung 
Winterfrucht nimmt ( Macrob. Saturn. 1. 1.). Di 
hingegen ( Origine dt- tous les Cultes III. pag. 
legt dem ganzen Mythus zwar auch einen asironomisti 
jedoch wesentlich verschiedenen Sinn unter. Hu 
Astarle der Planet Venus , und er füfst das Ganze 
Die Sonne kam alle Jahre in die obere Hemisphäre 
den CegrilT'en der Alten, wenn sie in den Stier eint 
Der Stier ist der Ort der Erhöhung des Mondes und 
Haus des Planeten Venus. Im Herbste kam sie in 
untere Hemisphäre, wenn sie das Zeichen der Wa 



io5 




▼ erlief», welche* das andere Hau» dieses Planeten ist. 
Mithin gehören die Glänzen des Sonnenlaufes (des Ado- 
dem Planeten Venus ebenfalls an. Dalier der my- 
thische Ausdruck von der Vermählung de* \dnnis mit 
Aphrodite. Yetlnfst die Sonne die obere Hemi- 
sphäre , »o geht sie in den Seorpiun. Dieser ist das Hau» 
de» Ares (Mars), und hat den I'.rvniantisehen Eber zum 
Paranatcllon. Daher der Mythus: Murs habe den Eber 
gesendet, durch dessen Zahn Adonis starb. Jede dieser 
Auflegungen , auch die , wonach AlUrie mit der Stier- 
haut auf dem Hupfe als Mond gedeutet wird (Dupuis 
III. p. $71.) , geht im Wesentlichen immer von derselben 
Grundidee aus, und weiset die Identität des Osiris mit 

tdem Adonis, welche ja, nach der ausdrücklichen Ver- 
de» Lucianus (de D. Syr. seet. 7.) , die Byblier 
selbst anerkannten. Wir haben uns darüber bereits 
oben ('Vh. II. §. 1. p. 3 ff.) erklärt, und wollen hier nur 
noch bemerken, in welchem Sinne der Phünicier und 
Aegyptier jenen Grundgedanken in der Adonäs- 
feicr aufgefaßt hat. Auch hierüber geben uns die 
Alten Auf»chfufs. Zwar sind es erst spätere Schriftstel- 
ler, die bestimmter darüber sprechen, aber sie sprechen 
doch gan» im Geiste der alten Festfeier und Festattrtbiile. 
Auch durfte früherhin keine deutliehe Erklärung gege- 
ben werden , weil diese Ideen Inhalt eigener Mysterien 
waren, wie wir au» Suidas (in Atayvüiuar) bestimmt 
wissen (». darüber eine Anmerkung weiter unten). Ge- 
rade »o ätifaert sich Ammianus Marcel linus (XIX. 1.) 
darüber, wenn er die nähere Bedeutung de» Adonis mit 
folgenden Worten giebt : « quod simulacrum aliqund 
esse (rugura adultarum religiunes mysticae docent». 
liier «lieselbe Ausdeutung, die wir oben p. 5d« im 
hnittc vom Atlis au* dem Porphyrins mitgetbeilt 
haben, der ebenfalls in der Reihe dieser Pflanzengötter 
«Arn Adonis die gereifte Saat nannte. Allgemeiner 



Iü6 

aber , mmd gesrüs swefc «ehr i« Totalsinne der 
Idee T#a Adonis, faftf 4er gelehrte Scholizst 
critns ( QX .*&,) diese-» We«a als die Getrei* 
nberbaopt . die« wenn rie sechs Monate in der 
verborgen pewevn, hinwieder an das Licht der Ol 
weh komm* ' haben also im Adonis eiie Soi 

incarnatioo , die sich hauptsächlich im Verhältnif* 
Leidens zeigt, and einerseits astronomisch c 
sei bezeichnet, dem, nach der Ansicht der Alten, 
Sonne unterworfen ist, andrerseits tellurisch die Hl 
morp' ••<--n. die das Saamenkcrn bis zur Reife 
Bogeher baL Mithin ist hier zwar ein Sonnengott 
dacht, such in seiner Macht and Kraft; aber hauptsi 
lieh doch in seinen Passionen, Es ist ein Mann wei 
jedoch mit Präpondcranz des Männlichen, oder in 
l hat igen Aeufscrung. So haben anch die Orphiker 
Idee ergrifien , so wie sie im Allgemeinen heran Lt wai 
jene Bedeutung orientalischer Religionsbegriffe 
aufzufrischen , die dem Griechen schon lange fremd 
worden waren. Sie nennen den Adonis xotf *ai 
Knabe und Mädchen zugleich (Ilvmn. Orph. L\ 
Dieses suchte man in einem updc Aoyoc wieder aufs 
auszudeuten , den ins Ptolemüus Hephästion beim 
tius (s. Hisloriac poet. scriptor. pag. 3o6 ed. Gale) 



i46) Beim Johannes dem Lydier p. SS. wirJ Adonis cal« 
riech «I» der Monat Mai genommen , als Frühling , 
vom Sommer (Mars) vernichtet wird , und zwar vom! 
(Ares; unter der Gestalt des Schweins , welches 
heißer Natur sey; darauf agrarisch nach Andern 
Adonis sey die Frucht (Getreide), Ares das Schi 
Dirses Thier «ey den FeldfrDchten verderblich , der 
hingegen sey ihnen günstig, und erhalte sie. Dei 
bringt p. 92. Folgendes bei: Am zweiten April habe 
der Aphrodite wilde Schweine geopfert zum Andenken 
den Tod des Adonis durch ein solches Thier. 



107 

ulten hat. Adonis, licifst es, war Androgyn, der 

m Apollo den Dienst de« Weibes geleistet hat, der 

irodite aber den de» Mannes. 

An diese IdeenreÜMJ gränzt nun zu allernächst die 

et der Proserpina, wie sie in den Eleusinien ge» 

jen war. und tum Theal die der Eibera in den Bac- 

ischen Mysterien. W ir werden im Abschnitte von der 

ehcimlebre das Nähere bemerlien, Vor- 

Uulig nur dies ,<i7 ). Dort balle man , was hier 

ichtrag jeat bei dieser Umarbeitung auch noch, 
'olgr udes , w'o»u mir eine AeutVerung Zogga's Anlaf» 
lb(. Dieser Gelehrte sapt im Eingang seiner Abhand- 
ig ül Aeon ( p. lJii der Abhanrlll. herau:>g. von 
clck.tr;: „ Alle» dieses trifft , wenn ich nicht irre, in 
r Sarcn auf dieser Tutel vorbestellten Figur zu* 
mieti , die Einige, ohne zu wissen warum, 
>c, nicht viel besser begründet, Mithras 
mtti." — Darauf bemerke ich : Es war ein historischer 
rharitleu, den Aeon, den Sohn des G o 1 1 es 
■ fien so wühl Ü siris als auch Adonis 
nennen. Phoiius in der Bihlioih. p. 10J0. und SuiddS 
I. I. p. 5.50. und Vol. II. p. 68 Küster.: cjtw $t£y,w ri 
toZ Ai'wvo; üt3 ra-j 0jsG vurrvxßpwo» t c 
(am andern Orte Sv 'AA«~.) irrtpafSa» '"O c t % i v 
:3 , «aru. pjernift (tu; aAtjSöjj tydsut an 
«weiten Stelle) 9im»^wüw. Es gab also ein mystisches 
>gma, welches den t Isiria und Adonis als d a s G e s e t z 
r in der Zeit sich entwickelnden S c h ö - 
'unjujiim. Dies hing mit der physischen Vorsul- 
lmen , die das Ahtrthum vom Monde hatte; 
gehört auch Attis in diese Reihe. Dies will 
neuen Zeugnifs belegen : Damascius mscr. 
cod. Monac. fol. 286. nach der Abschrift vom Herrn 
>f. Kopp in München ) : — «tiV/Vea -r$.o$ ri ir^wrcv ?^c/xiv 
t*« *t*i 9ukayet$, ort tibi Sta fj uTtprk'pa t*sv Ta£«j r*/; 
iJffccaufvei , roü es f'*>j; cctxsc/jifj T^eicrdfuvot Kar tbii- 
e *A tt i$ < y r ^ ff * X >j v a < a k ü5 >j /* t v 1, A *j r * f 
Y* vv, y rov * ci/Ttüj fjfovTi vai rs» 



io8 

mit dem Männlichen als Weibliches Tcreinigl i*t , in eir 



fcmi 



ifici 



die d; 



Besonderen potenti 
Persephone, ganz dieselben Schicksale nie Adonts 
leiflct. In den. Liberalien war dtiher der andr 
sehe Genius eine ständige Brdle , die den gö'illich 
Androgyn des alten Morgenlandes im Angcdenkrn 
halten sollte. Irren wir nicht, so entspricht jenen 
griffen vom Adonis auch die ganze Fcstfoier. 
sie zu Byblns , zu Alexandria und selbst zu Alben 
ging. Symbole aus dem Pflanzenreiche walteten 
vor, wenn man bei einigen andern Sonnenfesten 
animalische Attribute wählte. Auch regt sich im wih 
ren Koi-ybantendiensto mehr die frische Kraft des Phl 
gischen Bergvolkes. Es war ein Männerfest, und 
Odem der starken Mä'nnerbrust erfüllte am Tran ort; 
das Mondshorn mit dumpfen schweren Tönen ; am Ff 
dentage aber aufwerte sich die zügellose Mannesbral 
blutigen Tbaien. Im den I'hönicischcn Gingras weini 
Weiber zu dem Tone der von ihm benannten FK 
Dort dient die Fichte, der rauhe Baum der Berge, 
phallischcn Andeutungen ; hier ist der gewfirzi- 
menduft, die weichere Baumfrncht, das hangende Uli 
der Pflanzen , das aufgelüsetc Haar der Frauen und 
gesenkte Haupt des verblichenen Lieblings , das gew 
Bild der vollen Höhe der Sonne, aber auch ihre« 
absteigens vom Gipfel, ihres Dahinschwinden* ond 
Sterbens. Dies ist ohngefähr der Eindruck, den eil 
Adonische Festgesänge Griechischer Dichter auf 
machen. Euphorion in seinem Hyacinthus (beim 
maus Hephästion p. 3o6.) hatte von Adonis gesunj 



m A i WVIV jJfl>H!fl(V «V O T 6 £ ff *) T i ; • Cll TU 9CA 

$tcv; xap' "Of(p«7 t« xd nie S«eufyci;. Mithin war Ailis 
Adonts und der mit ihm ganz verwandte Osiris als 
nation höherer Wesen D e in i u r g in mysteriöser Lei 



109 



vlus habe dessen Wunden abgewaschen. In 

lben Klageton stimmt auch Theocritus an mehreren 

»o »einer A<U>nm/.usen ein, noch weicher aber ist 

cante Gesang des Inhalts von Uion gehalten. GlücU- 

Itcfsen sich einige seiner Gedanken an den dieser 

r eigenen Dilderkreis an, z. B. in den Worten (Idyl. 

ii. c!i \ ofi) : 

- cn vergeufat nicht minder Idafia, als dem Adonis 

Bin« entrinnt; und alles erwuchst in der Erde zu Blumen; 

erzeugt sein ßlul , ihr Thrünenergufs Anemonen.** 

der tiefe Klageton (ebendaselbst v. 3o ff.) : 

:b'.Jn wir Kypris zu schaun, als du noch lebtest, 

Adonis; 
es schwand die Gestalt mit Adonis der Kypria , 

weh ! weh! 
Gthirgcn entlönt und den Waldungen weh um 

Adorno : 
Strom wehklagt den unendlichen Gram Aphro- 
ditu's." 

ic cigentlicfte Vaterstadt dieses Phönicischen We- 

us , lag an dem gleichnamigen Flusse Adonis, 

er (z. B. Nonnus Dionysiaca III. vs. 109. 

e4. II.« • 1 • • 1 . in der lli u^t stelle von der Assyrischen 

Joit heilst) in dieser Beziehung an« 

Nach Lucianus (de D. Syr. sect, 8.) hatte dieser 

durch ei Hache Erscheinung noch zu dem 

aTode des Adonis Anlafs gegeben. 

Jahr zu einer ge-uissen Zeit ward er roth gefärbt, 

te selbst das Meer, in das er sieb ergofs , eine 

l,e weit '*). In diesen Tagen, sagte das Volk 



rsc Erscheinung bestätigt noch Maundrell (Reise 

i'O nach JeiUbaltm p. ii. in l'aulus S.umnluug 

17.) als Augenzeuge. Er leitet das Pha« 

uik einer Art Minium oder rother Erde her. 



HO 

Ton Byblus , ist A Junis auf dem Libanon (wo dieser 
Flufs entspringt) vom Eberszahne getödtct norden. Mit- 
veranlassender Umstand, dafs das Fest diese Erklärung 
und Wendung erhielt, konnte wohl bierin liegen, so 
wie in einigen historischen Umständen , worauf Zoega 
(de Obcliscis p. 4>5.) die ganze Erklärung dieses Dien- 
stes zu bauen versucht hat; aber der eigentliche Grund 
dieses, den Aegypticrn wie den . Phöniciern gemeinschaft- 
lichen, allgemeinen Sounenfestcs war gewifs eins so we- 
nig wie das andere i '' 7 ). 

Der traurige Grundton der Adonien widerstrebte 
den Griechen , deren Feste, mit Ausnahme eines und 
des andern ebenfalls auslandist hon, srimnvllich heiter wa- 
ren» Dieses Frauen fest nun hie also wohl in Griechen- 
land manche Schwierigkeit linden, ehe es allgemeineren 
Eingang gewann. Einen schätzbaren Beitrag zur ältesten 
Geschichte der Rcligionssccteii liefert uns der Scholiast 
zum Theocritus { Idyl. V. 9i< vergl. Ilesych. Suidas in 
oiSlv iepnv) : Herakles sah zu Dium in Macedonicn einen 
Haufen Volks , der so eben Ton der Adoniäfeier zurück- 
kam , und aufseile unwillig: * Ein solches Heiligthnm 
kenn' ich so wenig , wie einen Adonis unter den Göttern. » 

Das uar Herakles, des Pei'seus Nachkömmling, wel- 
chen letzteren wir oben schon als Bekämpfet Phö'nici- 
scher Guuheiten kennen lernten, und unten als Bestreiter 
des Indisch - Aegyptischcn llionysua kennen lernen wer- 
den ,5ü ). Hier liegen also Spuren einer in Griechenland 



welche , durch Regengüsse losgewaschen , mit dem Flusse 
sich mische. Er halt den Flui* Ibrahim ßnssa fllr den 
Adonis der Allen , und nicht , wie andere Geographen, 
den Flufs Lycus oder Canis , auch Nahor Kclp genai 
(p. 35. p, 4S.). 

149) Vergl. Th. I. B. H, Cap. I. §. 5. 

150) Vergl. auch I. Th. der Symb. p. 605 ff. 



11 1 

ren Religion, die, angemessener der alt- Helleni- 
schen JMannc*>k:a<t und Nüchternheit , jene auslandischen. 
Orgien \ Der Tvtische Herakles hingegen 

war drni Byblier ■ belVeondl 

Gerade jene V der Adontea begünstigte die 

l'epp- .lith. Wenigstens in der Art, wie su 

I ist begangen ward, glich diese Astarte 

jener wollüstigen Mylittn von Babylon vollkommen. Da» 

ker dürfen wir uns nicht wundern, d.nfs auch Priapus 

sogar in jenen Adonismythus eilgreift. Bekanntlich gab 

man diesem Lainpsuccnischen Phallusgotte verschiedene 

Aeltern (a. Diodor. IV. 6. and daselbst Wesseling), 

wobei wir weiter nicht verweilen wollen. Nach einem 

Mithus aber, den wir hier berühren müssen, hatte er 

folgenden Ursprung: Dionysua beschielt die Aphrodite» 

i darauf nach Indien. In seiner Abwesenheit 

verro.ihit tiu sich dem Adonis, und aus dieser Doppclehe 

entsteht der büfsliche Priapus 551 ). Mag auch, was hier 

nicht unter sucht werden kann , der gelehrte Strabo ,52 ) 



151) Scboliast. Anollon. Rbod. I. 932. (coli. Schob Paris, p. 
und damit im Wesentlichen übereinstimmend 

Bkianum macr. Bfblioth. Leiden*, in 'Aßagv. 

ic den Dionysus «; «jv MijSnojv ziehen läfst, 
ii*i t nach Indien. ( E&s ist disselbe tiu Excerpt aus dem 
Kfiapßas p. 2 sub. , woBerkclius 
od St» ph [i 6. au» dem Schob Apollon. tt\ tijv 

'Jtinay* lestn will.) Die Geburt erfolgte zu Lampsacus; 
vergl. auch Etymolog, magn. s. v. und Biblimh. crit. II. 

anias, der (Boeot. cap. St.) auch von dem 
Bönitichen Priapus redet, nennt den Lainpsjcencr nur 
des Bacchus und der Venus Sohn. Leber den Priapus 
Verjlticbc man noch besonders Luciamis Deoi-r. Diatl. 
Will. Tom. II. pag. 79 Bip. und daselbst Hemsterhuis 
p. A21 *(\i\. 

XIII. p. B7S B. AImcl. Tom. V. p. 280T«ch. 



119 

den Priapua mit Grund einen neuen Gott nennen, imi 
bleibt diese Sage i:i so fern bedeutend, als wir darin 
Vermischung der Phonicischen Religionen mit dein 
Oberasien herstammenden Lingamsdienste des Sei 
eben so entschieden ei hl.icl.cn , als Mir sie oben in 
auf die Syrische Religion der Atergatis und Senw 
erkannten :vJ ), Jener Pi iapus wird nun fortan als die« 
barer Dämon der Aphrodite zugesellt , oder vielim'hf 
ein ganzes Priapisches Dümonengelolge, dessen einzeln* 
Glieder uns die alten Komiker in den bedeutsamen Nl 
men T» ebon , Conisalus, Orthanes, Lordon (Dordon) 
C)bdasus und Pyrges ,5i ) aufbehalten haben. 

§. i5. 

Apollo, Artemis, Ilithyia, Hecate u. s.w. 
in ihrer Abkunft aus dem Orient 

Auch eine A r t ein is P i i a p i u a kennt das Allel 
thum. Sie halte im Pontus ihren Dienst , wo übe?! 
viele üppige Zweige des Cultus wucherten (Plulfti 



153) Nach Sicklrr ( Kadnius I. Abth. Hildburghausen 
p. CX.) scheint Priapua nur ein anden r aus den Mj 
rien ru Lamnsucus entlehnter und bekannt | 
Name jenes großen Paii im i*f£« \iy»i der Griechis 
und Aegyptischen Mysterien (des Erbauers um 
nertj s. ebendas. p. CIX.) au seyn, was auch <l 
Piiapns, d.i. Fruchte rzeugungs kraft, Prucl 
vilerkrift (von "HB Frucht, 2*t Vater, »y 

timmt angebe. Hug über den Mythus eic. p. 9t f. 
klart ibn auf ähnliche Weise ans dem Phimicischen : 
Vater der Baum fruchte. 

154) S. Hesychius II. p. 3l4. p. 77S ed. Alberti ibiq. Tntei 
Athenaeus X. cap. 58. ibiq. Interprr. Ks ist auf ur 
Tafel XLV1I1. nr. 1. die Abbildung eines Priapua 
gefugt. 



1 lj 

LacuU. cap. 10 fin. pag. 499. F.). Aber on den Namen 

t sich di^egen auch eine ganz neue 

Reibe ' Ideen, die von Oberasien her 

vtrpi icht blos in Vorderasien, sondern auch in 

und auf den Inseln Eingang fanden, und 

icn ganz anderen Cultus begrün« 

csentlich verschieden von dem wilden INatur- 

Syrischen und Assyrischen Gottheiten. 

len E [i h c s n s zum Standpunkt, um die- 
ses ncoc Gebiet zu ühei blicken. Die grofse Göttin 
dasei! l reichen Stoff zu dieser Betrachtung dir. 

Epltcsu* scheint schon in der Vorzeit eine bedeutende 
gewesen zu seyn. Ihr altes Verhältniis mit ilein 
Morgenlande ( von hier aus gingen die Cai awanen nach 
dem Juhen Asien), so wie ihre vorthetlhafte Lage, Ut 
!>, an dem von den Cilhianisthen Hohen herahshö- 
menden Kayster, der sich hier ins Miltelmecr ei 
nnd an seiner Mündung einen Haien bildete, trug ohne 
u dieser frühen ßlüthe der Stadt sehr viel bei. 
och Straho 15S ) hennt sie als den wichtigsten Handels- 
Ton ganz Kleinasien. Auch blieb sie unter den 
i Hhe die eiste unter den dvei Hauptstädten des 
\siens und später das Haupt dieser ganzen 
»vinz. Wichtiger für uns, als dieser politi« 
Rang, ist ihre religiöse Bedeutung. Seit den Ute- 
n war sie ein Hauptpunkt jenes merkwürdigen 
nverhehrs zwischen dem Orient und der Welt der 
en. Sie war und blieb, wie sie hiefs, die grofse 
be Metropole der Religionen ; fftferst IJcwabrerin 
der heiligsten Idole, das die Alten Limiten, und 
hung dea Christentbums der Aufenthaltsort 
testen Apostel, der hier eine grofse Ce- 



ti*) XIV. p. 
II 



p.iii 

8 



i »4 

meine stiftete. Seitdem blieb ihr lange das Vorrecht, 
der Sitz eines Patriarchen zu seyn , und das Angeden-» 
Iten an jenen ersten heiligen Theologen crhal t sich 
noch jezt unter den Trümmern der alten Stadt in dem 
Namen des Fleckens Aja-soluk {'Aytotaoi-Xorx, s. Lau her 
Table geugraph. und ( handler's Reisen in lUeina&ien 
(Leipzig .776) p. i65 ff.). Von dem l'rsprnnge des äl- 
testen Gottesdienstes von Ephcsns enthalten die Griechi- 
schen Mythen manche Erinnerung. Ephcsus war eine 
Hauptniederlassung der hier herum angepflanzten .Ioni- 
schen Colome, die auch der Gegend den neuen Namen. 
Jonien inilt heilte. Ein Lusthain ;un Kayster war die 
älteste Ortygia, die als Gutlei wiege die Sage verherr- 
liehte und später nach Dclos und ueiterhin verpflanzte 
(Gallimach. llynin. Del. 37. und daselbst Spanheim). 
May&tros, Sohn der Amazone Pentbesilea, derselbe, der 
mit Derceto, der Meergöttin, die Semiramis erzeugt, 
hatte auch dem Heros Ephesus das Dascyn gegeben, 
hatte mit dem Autochthouen desus das älteste Heilig- 
ihum hier, in dem Lande der barbarischen Carer und 
Lcleger, gegründet, und den hier Schutz suchenden 
Amazonen die Wohnung um den Tempel gelassen (I*au- 
san. VII. 2.). Ein anderer Mwhus pries die Amazonen 
selbst als erste Stiftet innen des Heiligthums. Ein dritter 
ledete von einem siebenmaligen Tempelhau, d.h. der 
Dienst verlor sich in dunkle Vorzeit, man wui&te nicht 
mehr wie all er war. Gleichwohl tri • 1 auch aus diesen 
Mythen einige Züge hervor, die wir im voraus festhalten 
wollen. Zuvörderst sehen wir die alte Ephesisthe Göttin 
durch Hayslros in einige Verbindung mit der Syrischen 
Secgöuin Dercctu gesetzt. "N\ir stellen damit die bitte« 
tische Kacniichl zusammen, ddfs das ganze Ephesus ur- 
sprünglich aui* Meeresboden b and (llerodot. IL in.), 
der durch Schlanimanhäuluugen des Kaystcr aus einer 
allen ttucht sich zu diesem Elufsthal erhoben hatte. 



i.5 

Daher auch , bei Erbauung des ersten bekannten Tem- 
pel* durch Chersiphron, um den Grund zu befestigen, 
jene Kunstanstalten iiütlng wurden, deren die Allen ,5<s ), 
mit grolscr Auszeichnung ihres Ki Finders Theodorus von 
Samoi, gedenken ,57 ). Endlich liegen in der Sage von 
den Amazonen, die als Erbauerinnen mehrerer Joiii- 
cr Städte, z. B. Smyrna's, genannt werden, Spuren 
H Religionswanderungcn, die wir unten weiter ver- 
folgen werden. 

Die nächste Frage , wer denn die grofse Gultin von 
E[ bei as sej, kann niebt anders als durch einen Ue- 
berb J ic b des ganzen Kreises beantwot tet werden, 
der »ich mit diesem Cult in dem Vaterlande der Religiö- 
sen crotlnet. Es vereinigen sich im Ephesüchen Gottes- 
dienste augenscheinlich Medisch- Persische, Ae- 
gvptische, Libysche, Scythische uud Creten- 
niche Elemente. 

Merken wir also zuerst auf das Medisch Persische, 
oder auf die Züge der Religionsideen aus Ober- 
asien her. 

Wenn ich Oberasien sage, so bezeichne ich da« 
mit den ursprünglichen Sitz dieser Religion. Die nächste 



U6> Pin. H. N. XXXVI. cap. 14. $, 2t. pag. 740 Hartluin. 
veigl. Sirabo XIV. Toni V. p. 531 Tzsch. p. 534 ibid. 
Dirjjcn. Latrt. II. §. 10>. 

137) Uclwr das Schicksal dieses ' ApTajuusr/cv , woran ganz Asien 
22<i Jahre gebaut halle, so wie über seine Bedeutung in 
«er Geschichte der Jüdischen Architectur vergl. For- 
ster in den Memoir. de la Societ. d. Amit]. de Cissel I. 
p. 156. und eine Vorlesung von Hirt in der Sammlung 
Abhandll. der Berliner Akademie der Wissenschaften, 
berühmteren Tempel verschlang ein ürd- 
n , woiin die christlichen Vater /um Thril das Vor« 
brnvoin Untergange desHcidcnthuro* sahen (Clemens 
Alex. Pfotrepl. p. 44.). 



1)6 



Verpflanzung geschah von den Küstenländern de» «eh 
zen Meeres her. Davon zeugt die im Ephesitcher 
so häufige Erwähnung clor A mazonen ' is wj 

ilie eisten Hjaerbore^rinnen , die die erste Kunde 
diesem Glauben des Morgenlandes gebracht, und 
grofsen Epheterin das älteste Sclmitzbild , i 
ten. So singt wenigstens Callimachus in dun sebd 
Festhymnus 1J9 ) auf die Diana: 

„FJiom.ils wetbeten 'fir die krieg* rischen Amazonen 
Auch an EpheSos Ufer zum herrlichen Denkmal 

Bildniis 
UnttT dem Schalten dir Eiche.** — 

Aber den Nachhall eines ungleich filteren llvmnns h; 
uns Hcrodotus und Pausauias in einigen unschätzbl 
Fragmenten alter Tradition aufbehalten, wovon vtr 
Wesentliche nitinetlen «ollen. Von Lvciea im 
liehen Kleinasien her, aus einer Niederlassung Apoll 
scher Religion » harn , an der Spitze einer Vi -ieslen 
nie, Ölen ('&*,£*), und licfs sich auf der Insel D< 
nieder. Er, der älteste Sänger, so weh die Gri< 
■wissen, aller als l'amphus und Orpheus selbst, hra 
mit der Religion, die er hierher verpflanzte, auch 
Geschichte ihres Ursprungs, die der Inhalt »im HyOU 
Ward, womit man unter dramatischen Aufzogen 
Tänzen an den buhen Festen die Landesgotlluiten tcr 



iS8) Ks kann inline Absicht nicht Sern, den Amazonenmytl 
ScHmI hier auslllhrlich m erörtern) Zml-m, was 
über zu dtn Fragmenten des liecatäus von Milet pag, ! 
vliii nur bemerkt worden, vergleiche man je 
G in h t r im Wörterbuch zum Ht'buf dt r Aeslh« i.k 
beigebracht hat, womit nun noch M i I I in zu den |'< 
lures de Vase» anlicjues 1. ur. 61. Verbunden 
muf's. 



1J£) 237 nach Ahlwardl. 



1 ! 



fcrrrlichle. F> sang die Geburt fies Apollo und der Ar- 
der lueifsenden Leto die Hyperboreerin 
estanden habe (Paiv^n. I. lö. IX. 
einem Dclischen Festgcsange der Sängerin 
• war dieser J'i iest erpoet Oten seihst ein Hyperboreer 

i r er ein Fremdling aus deui 
Linde der Lycier. Jene Uilhyia bezeichnet die erste 
:.*-rerpllanzung aus dem Nordosten her, wovon 
ichricht hatten. Die weiteren Züge meU 
Delischen Tradition ilerodotas (IV. 
cjji Mi? dem zweiten Zuge kamen, so rühmten 

tlheiten Artemis und Apollo seihst 
«■•dem Hrperboreerlande , um hei ihnen bu wohnen, 
»od in Begleitung derselben die heiligen Jungfrauen 
Auch sie wurden in dem Tempel- 
mo» des Ölen verherrlicht, und durch heilige Ge- 
Anden Itcnerhalten. Nicht weniger der dritte 
n Deliern zwei andere Jungfrauen, Laodice 
und Hyperoche, zuführte , die in Begleitung von fünf 
nnen, welche man von der Ueberbringung 
aben Perpheren 1M ) (auch Amallojihoren nnd 
reo) nannte. An diese drei Züge schliefst sieh 
nn die bekannte Ergahiung von der Uebersendung 



-r ntnnt Callimacbus Del. 292. 'Enattfpf} auch 
fcejUII tr noch tide dritte Jungfrau Ac£«u ^Loxo;. •- 

nn ilessttben Namens, tf t*r Joniscli 
und et 'wohnlich Ott/; hitl»; cf. Suanlieiin ad (VI- 




1 I< 



der heiligen Gaben, die, in Garben eingewickelt 
den Hyperboreern her ein Volk nach dem andern 
nach Delos beförderte. Ilithyia kam also mit dem erst 
Zuge, und Ölen Ul ihr erster Sünger. Was batte A'i 
von seiner grofsen Göttin zu rühmen gewufst ? Siesey de 
Eros Mutter (Fausan. IX. 57.). Eine bedeutende, inhal 
reiche Nachricht. Diese Jlilh)ia war die erste Geba 
rerin. So hennt sie auch der Homeridische Hymnus 
den Apollo. Dort ist sie die hülf reiche Hyperboreer in. 
lieb durch das Geschenk eines neun Ellen langen goldene 
Bandes überreden läfst, der hreifsenden Leto beizuste 
(vers. 97.). Sie ist die gute Spinnerin (tvXn 
■wie Ölen sie auch genannt in dem ihr geweiheten Hym- 
nus (Fausan. V1H. »i.) T der zugleich von ihr gerühmt 
hatte, dafs sie alter sey als selbst Krunus, und dieselbe 
Person mit der Göttin des Schicksals (Pepromene). Si< 
ist also auch die erste Spinnerin und Peprom enr. 
Ihr galten daher auch die mit den Haarlochen umwunde- 
nen Spindeln, welche die Delischen Madchen vor ihrer 
Hochzeit auf das Grab ihrer Hyperboreischen Dienerin- 
nen niederlegten (Herodot. IV. 34-). Wir behalten un» 
V(»r, die Ideen von Spinnen und Weben, die man nur 
in Beziehung auf die Farcen zu denken pflegt, unten ia 
Bezug auf grofsc weibliche >'aturgnttheiten weiter 
verfolgen, und verweisen vorläufig unsere Leser auf 
waa»wir über diese Allegorie, wonach aus dcrnsel 
Grundbegriffe Venus, Diana, Proserpina und Mine 
Wc b i" i n n en heifsen , in den Homerischen Brie 
p. 3a fl". gesagt haben 16 -). Hier bemerken wir nur 



162) Euslathins ad IluiL TIT. p 297 ßasil. macht sebon d*i 
■ufmerksmu , atft bei I J i>iii« r nicht blofs Heroinm 
{•wfi j/KtLy), sondern auch höhere \S , 

trn (Tt-,ü rwv 9*vrt\an) ureben , wie solches die ( 
kelg«. Auf eine ahuJiche allegorische Weise fafslen 



>«9 

bedeutenden Zug, dafs dieses Amt der Hyperboreischen 

nu'lirere, auf die Artemis übergetragen 

Kbvv auf welche Artemis? Des Zeus und der 

Pertephone Tochter. Das ist die erste Artemis, 

das i»t die , die den geflügelten Eros geboten hat w ). 



Allf-n auch diu Webender Pentlnpe ( s. Homer. 
Briete |» 3S.) , ja seihst der \anie Tlivtko-r^ bezeich- 
nete ein» Weberin, da er entweder herzuleiten ist von 
-V* y o p e r a r i t e x t n r a e t e n u i , ein 
dünnes, feines Gewebe bereiten, oder von 
» «jv len Einschlag* fa den jm Gewebe 

• affassen. So eiklürt auch tUr Scholiast mscr. des 
i. falatin. nr. 45. 2u Odyss. IV. 7'J7. den Nainen dir 
PeneJjbpe : w«f<2 tö tci'itvbn ra Aü»to;, vorher habe 
tic 'A*ti£Ü*ii oder 'Avi^k/j geheißten« Eusiatliius ad Odyss. 
II. loS sqq. p. si. ij sq. Basil. führt eine Erklärung au, 
welche das Weben der Penelope (der Philosophie) alle» 
gotisch auf die S y n t h e s i 8 und Analjail im philoso- 
phischen Denken bezog. Ob nun gleich die späte Aus- 
deutung Griechischer Sophisten in jener Erklärung bei 
BostSthiua Niemand verkennen wird, so ist damit das 
wirkliche Dascyn einer Stelle im Moments, 
i in ttn fatal ial i s c lies Weben ( ein Weben , das 
r tiu Schickaal entscheiden .soll.) vorkommt, nicht im 
mmdcsii ii erschOtten. In so fern das Weben der Pene- 
pa mit iiiKiii Zt'itriui me in Verbindung gesetzt wild, 
kann es mit dem W «. ben verglichen weiden, wovon unten 
iiii vierten B.i»de die Kede seyn wird. 

Auch in den alt- Italischen und E t r u r i s c h e n 
Mvil .11 Isi diese Allegorie sichtbar. So war die Krau des 
alleren 1 arquinius , Gaja Cflcilia , eine gute Webe rin, 
aber auch eint Zauberin; s. Niebuhr Rom. Grsch. 
J. p. 2t2. und den daselbst angeführten Pt-btus s. v, prae- 
via und Proclus de notuinibb. in Gothofiedi Auetorr. 
L. L. p. I4(W. 

a6J> S. Cicero d* Nat. Deor. III. 23. und meine Anmerkung 
Itlbat p. 017. 



Hier also schon Verwebung der alten Hyperboreerlehre 
mit dem gewöhnlichen Göttersysteme der Griechen, Da- 
her fällt auch diese Artemis wieder mit ihrer Mutter, 
der Persephone , zusammen. Man lese das bedeutende 
Scholion zu Pindar*s erster Nemeisebon Ode und das 
dort aufbehaltene Fragment des Callimachua aus der 
Hecale ( Callimacb. Frngmm. Bcntlei nr. 48. T. I. p. 43a 
« «1 Ernesli). •— Hier «eben wir also die Ideen Ilithvia, 
Artemis, Persephone, in Bezug auf jene bedeutsame 
Spinnerei, einander gegenseitig durchdringen. Wird 
man nun n >ch sagen, wenn vir in der Geheimlehre die 
Proserpina, die Libera, als die grofse , erste Webe- 
rin Stil Stellen Platonischer Philosophen als Orphisch 
nachweisen werden : das ist Alles falsches Vorgeben my- 
stischer Deutle? 1 Hie ihre eigenen Gedanlien dem allen 
Orpheus aufhefteten? Hier, in dieser von Dclos her 
durch lleindotus, Calliinachus , Cicero, Pausanias fort- 
laufenden Ttadilion der alten Priesterlehre des Ölen, 
haben wir einen Prüfstein, dessen Probe einen Jeden, 
der vorurlheil&frei sehen will, überzeugen bann , dafs 
die alten Vülher in ihrem heiligsten Besitzthum , in ih- 
rem Religionsglauben , heine solche Neuerungen und 
Verfälschungen zuließen, als man, um jene Meinung 
von dem späten Ursprünge Orphischer und ähnlicher 
Sülze zu stützen , annehmen innfs. Es tritt also jene 
Ilithyia aus dem hellen Kreise der Griechischen Olynv- 
pie rinnen in die Hvperboreische Nacht zuruett. Sic ist 
die Urnacht selbst, aus der alle Dinge geboren sin'l, 
vor Alietl aber Eros, wie auch Parmenides, Hesiodus 
und Andere Acm alten Ölen nachgesungen haben i6i ). 
Dieser ist der gro&fl EiuigM der stielenden Elemente, 




ohne den keine Harmonie und Weltordnung möglich ist. 

»eine Mutter ist dtt eiste Nackt und dasselbe Wesen 

mit di ptischeu Athor, der daher auch die Maus 

ic uir oben bemerkt haben ; Lato (Latona), 

und Mutter * <'■■ Apollo und Artemis, hat die 

na zum heiligen Thiere. Alhor aber »tauch 

im der Taube (s. 'Jh. I. p.Ssi.). Ebenso 

tc in diesen Asiatischen Religionen die älteste Se- 

iibengültin) ein kosmogonisches Wesen seyn. 

-n ichkrasen sich nun ganz natürlich die Begriffe 

i Förderung der Geburt, die man jener 

egte. Wegen dieser Wohltbal hatte ibr jene 

'•ngesaudtscbaft die heiligen Gaben nach 

- icht wollte man auch diese Hülfe 

iraen l pis andeuten, womit sie der 

ig, Upingos, belegte. Die Göttin und ihre 

im gemeinschaftlich , nach einer hau« 

vorkommenden Namengemeinscliaft , wodurch im 

Aherthume der Priester mit seinem Gotte, den er ja oft 

lirte, in nähere Verbindung trat. 

-entliehe Bedeutung dieses Namens wuTsten die 

t mehr; sb suchten ihn aber durch die 

^cu sich anzueignen. Hiernach wurde 

de Hyperboreerin Opis mit der ah- Italischen 

•|»s zusammenfallen (Spanheim ad Callimacb. 

;.). Vielleicht war dies selbst der älteste 

tiu. Wenigstens Gallimacnus 

und lliopo den ersten Tenipeldienst 

liten. Doch darauf kommt $•• viel niclit au. Ge- 

seit undenklichen Zeiten auch nach Ephe- 

ien (das waren ja die 

b ) mit d ion der grofson Gebähre- 

und M mmen Maren. Sie ist also selbst 

Sie ist dieselLc, *lie mit dem ersten 

war, deren ältester Gottesdienst in 



Efthesus gegründet ward, ein Dienst, der, getreuer 
andci e , selbst bis in die späteste Zeit herab die ursprüi 
liehe Idee der ersten Mutter U6 ) , der gl ■> 
ter, die Alles was lebt ans Liebt bringt, in bleiben« 
Attributen und im Tempelbilde selbst erhielt 
wahrte. Sie ist endlich dieselbe Ililhyia , die aus dt 
Hvporboieei lande her der gebührenden Leto nach dt 
heiligen Eilande Delus zu Hülfe geeilt vtar , wo man at 
den alten Hymnus, den Ölen auf diese Helferin gedic 
tet, bei den Opfern sang 1ö/ ). 

So tritt also im Mythos, wie im Geiste und Cham 
ter, tlee Ephcsische Dienst als der ältere hervor, 
dem sieh auf die bemerkte Art der v«n Delos in 
Verehrung dieses Einen Unsmngoniscfien Wesen* v< 
einigt; nur mit dem Unterschiede, duf» dort die ne« 
Mutter mit ihren Göltet bindern die öffentliche It 
in Besitz nahm, wahrend man zu Ephesus im 'NN 
liehen fortdauernd bei dem Allen blieb. Der Asiate. 
perboreer wie Carer und Leleger, der zuerst ihr opfei 
hatte ohne Zweifel auch ihr den alten rechten 
gegeben. Der Jouiscbc Hellene nannte sie hier wie d> 
in seiner Sprache. Da hiefs sie ihm die Kommend« 
*EX*v£b& oder EiAe&vta. Das war sie ihm. Sie war il 
aus Nordosten gekommen. Sie war es auch, ohi 
die kein Wesen zur Geburt kam ** 7 )> 1" so w eit hat 



%6S) Varro <h- E L. IV. 10. p. 12 Gothoired. gesellt die* 
den Crtlnr«n bei, nennt sie- Ops muter (Mutter) und 
klart ^i^■ fQf die ernährende Erde; s. meine Aninnk. 
Cic. (U \ I). III. 22. pag. 60-1. und vergl. Payne Kni 
loci- into tbe nyiuboL lang. §. jS, p. 27 Sq. 

166) Pdtiv.in. I. t«. vergl. Balliger Ililhyia oder die I 
p. \5 ff. 

^'jeb hieß sit- B«Ao?f"a, welches Wort im Lexicon 
calctm Uffottil in appendice ad Esmolol;. Uuduti. p.< 



Ia5 

also etwas Wahres gesagt. Den eigentlichen Ur- 
sprung de» Wortes müssen wir natürlich in den Sprachen 
le» Orients suchen. Hier zeigen uns die Iterndoleische 
!»litta und Alxlat den rechten Weg; und ganz uuge- 
-wungen führen uns die Worter n*? 1 ? Lailah (l\acht) 
■J^l jalad (gebabren) auf die U mach t oder auf 
< b 3 h 1 eri n zurück m ). Ohne Zweifel war das- 
selbe \> e*en als Brimo auch in einem Orphischen Ge- 
»esungen worden, worauf der "Verfasser der Ar- 
iin 17. Vers anspielt : 
«Auch der gewaltigen Bruno Geburt. " — 
.lach diese Brimo war wolil , wie der ganze Zusammen- 
hang Tcrmuthen lafst, noch im alten höheren Sinne eines 
fcotmogomschen Urweseus genommen worden. 

Zugleich aber treten wir mit den beiden Namen 
Alttat und Brimo in einen neuen Kreis von Ideen ein, 
die sich früh mit dem Begriffe jener Gottheit verbunden 



erklart wird durch * tiXs<Sji<i' ßclä$ ya$ ri; ul&Tvae, wvo;*a- 
1 htivrw « fyp-jTa ri; niStva^. Die SteU 

I etwas veidorlv u , giebt uns einen neuen Na* 
n für jene kosmugonische VV c h c in ti 1 1 e r. 

165) Die letzte llerleiluug hat mehr Beifall gtlunden, als die 

IdeO »lt.- Diis Syri« SyntagUV !'• £■•!>• •• p- '75 

— \mMel. vergl. Le Clerc xu I It^'iodi 'I'lieogon. 

921. Auch Wcsseliruj XU Diodor. lib. V. cap< 73. spricht 

,, L j 1 n a i .-> t die i\ a c !i t u ( xa< A>j-rtil 

italhiufl Rdnx bestimmt zur Erklärung von 

p. 722. 4y. ed. Basü. Ebenderselbe tu 

II. 1. p. 22. \ * - - 1/0; 9 ' knl^an \4yrrm , tovrtvrt 

■-, w. Hierauf fahrt er ?.um Beweise des Sophoeles 

v». 95. an , zu welcher Stelle auch ßrunk den 

ithius anführt. Vergl. pug. 197 ed. Erfurdt. SieUler 

p. LXIIf.) leitet Aifru/ ab von DlV , verhüllen, 

•0 dati cb die Verhüllte, Verschleierte be. 



124 I 

I 

haben müssen. Nacht, Mond und ihre Phantom« uad < 
Schrecknisse gränzen so nahe an einander, wie anf (kr 
andern beite Gebüit und Geburtswehen und oft der G#» 
bohrenden Tod. Das sind die Punkte , um welche rid \ 
diese neue Ideenreihe herumdreht. Zuvörderst der Orieat : 
liennt Ton alten Zeiten her in fortlaufender TradittM 
auch eine peinigende AHlat, eine furchtbare böse Ltlitt, l 
die Angst und Schmerzen bringt, und mit schreckhafte* 
Zauber die lireifsenden heimsucht. Auch Humen», 
wenn rr gleich, nach seiner Götterlehre, die Uithjia 
nach Greta versetzt 169 ) , weifs doch auch tob mehrerea 
Schmerzen bringenden Ilithyien (liias XI. 269 ff. nack 
Vofs) : 

„Wie der Gebährerin Seele der Pfeil des Schmers«! 

durchdringet 
Herb und scharf, den gesandt hartringende fiileifhyen, 
Sic der Hcre Töchter , von bitteren Wehen begleitet.' 

Alle diese Vorstellungen gingen nun auch auf tüft 
alte Briiiwi rber. Ihr Name besagte dies schon; sie wir 
dem Griechen üi» 1 um, <!i<- lasiende Schwere , voa 0£it% 
ßpföta % und zugleich, durch die natürliche Verwandt* 
Schaft von .im um. ln-mo, die Lärmende, welche schrccV 
haft die Nachte durchi anseht. Bekannter war sie in die» 
ser Bedeutung alsllecate. Auch dieser Name, UN 
so viele, ward miinnlich als Pradicat ("Exa-cof) dal 
Apollo beigelegt und weiblich* der Artemis. Ursprung! 
lieh war diese Iltratc Keine andere als jene Brimo selbst* 
'F.y.'tvr, nittclile sie heilsen entweder als Femnirkendej 
uder als KuUVrncnde und Fluchahwcndende (s. Yofsi* 
den iN'ovv. Aclt. Soc. Latin. Jenensis von Eichslädt I- ]**» 
3fV"5 IT.). Man brachte der Hccate Siihuopfcr. Es wäre* 
häusliche Lustrationen, am dreißigsten jedes Monats ver» 
auslohet. Wesentlich dabei waren Eier und junge Hundt 



ibj) Ü«!y;S. XIX. 1S8. vcrgl. Strabo X. p. 730. (.76.) 



ia5 



itcn alsDampfopfir. Die Ueberbleibsel desThieres 

v>us man sonst dargekracht hatte, Minden mit mch- 

.vtuatoii auf die Kreuzwege gelegt. Das nannte 

irino Leute und Cvnikrr herfielen ; welche Gier ig l.eir hei 
\lten oft als Beweis iiul'serster Armut h «»tief *\ii-dcr- 
«l'ilnt wiid (s. die Note eon Ilcinsteihuis 
tuLucian. Dialogg. Mortt. II. p. 3ou Bip ). Hunde waren 
: lit-cale beilige '1 liier; schon Euripides hatte den 
. ,ust der Hecate genannt, und auch Dcitltmale 
diese Gottheit mit inem Hunde Bttfdem Sei" 
den tie lieLs&uhosen scheint. Hier vermischen aich äit 
Attribute der Hecate mit denen der f \bele. der man 
ebenfalls Hunde veihele; s. Cuper im llarpocrateß psg. 
it)6 **\. m<» iiu Bildwerk dieser Art wohl erläutert i 



Ueber dos Attribut der II u nd e in Absiebt der Scyl- 
la, Hecate u. s. w. s. Euatathius ad Odyss. M S5 seq. 
p. 477 ir.fr. und p t7S >>uur. ed. Ba-.il. Uebe/ die Hun- 
de, welch« der Hecate beigegeben, tuicl ibr auch ge- 
opfert wurden, gilbt Heindorf zu Horasrnn Satyran (I. 8. 
VS. 35.) p, 181. einige Data. Wir haben scholl im ersten* 
Th. p. 424. «VS9. 752. mehrfach vom Symbol des Hundes, 
d.r (.(. i) und Persien so bedeutend hervortritt, 

gesprochen, und fügen hier noch folgende- .inte 

Datum bti. In Samaria nämlich verehrten die A*aer, 
nach II. B. d. Kon. XVII. ti. eine Gottheit , '•""- ( N i b- 
ch»s ;, welches Wen t die Ausleget fQr I j i u i o r , den 
Bellenden (vielleicht eine Art A n u hi s ) nehmen und 
dabei angeben, dafs dieses Idol die Gestalt eines Hundes 
gebäht habe. Und von dieser Verehrung des Hundes 
sollen sich noch bis auf die neuesten Zeiten Spuren er-, 
haben haben. „ 1'nwcit Berytus fauds'u h auf einem hohen 
Berge die Bildsäule eines grofsen Hunde«, welche als 
Schutzgottheit der Gegend angesehen wurde, und durch 
ein v» i nschallcndes Gebell die umliegende G'-irend hei 
herannahenden Gefahren warnte. Diebes Hild war r.acli- 
mal» in das Meer geworfen worden j von ihm hatte noch 



der angrenzende Flufs seinen Namen." S. Gesenius Hebr. 
Wörterb. p. 672 f. , der in diesen Angaben besonders den 
eigenen Untersticbemgen von Iken Über den Golt Nfbcbal, 
so wie der Erzählung von Thevenot gefolgt isi. Vergl. 
auch öickler a. a. ü. pag. 7$ sq. Aus Gründen , die ich 
in den Commetitatt. Herodou. I. p. 216. gegeben, können 
diese Gottheiten dir AvSer, Nibchaz und Tha thak, zu 
den Laren gerechnet werden. 

171) Der am Ende des §. beigefügte Holzschnitt zeigt eine 
solche Hecate als Matrone, mit drei Gesichtern und 
einem Hunde, den sie an den Vorderfüfsen schwebend 
h.ilt , nach Paciaudt Monuinm. Pelopnna. Vol. II. p. 1S9. 
■Olli l!x2. b. die Erklärung der Abbildungen p. 51. 



J2Ö 

Oder die Göttin ward selbst mit einem Hundskopfe ge- 
bildet (Hcsyi h. in ayakita 'E* ). Vielleicht war das ihre 
ältere mystische Gestalt. Sie gehörte nämlich zu den Gott- 
beiten , die man im Geheimdienste von Samothracieir ver- 
ehrte. Dort in der ZcryntLischen Höhle opferte man ihr 
Hunde. Besonders in Aegina waren ihre Mysterien herr- 
schend. Man schrieb sie dem Orpheus zu. Dort sah man 
auch mehrere Bilder von ihr, ein Schnitzbild von Myron's 
Hand, mit Einem Gesicht, aber andere Bilder der He- 
cate mit drei Gesichtern schrieb man dem berühmten 
Alcamenes gn (Pausan. II. 3o.) ,71 ). So suchten Griechi- 
sche Künstler die grofse Ejandesgöttin zu verherrlichen. 
IViclit weniger verherrlichte sie di" alte Priesterpoesie. 
Ob die bekannte Stelle von der Macht der Hecate in der 
Hesiodeischen Theogonie (loa — 5a) als ein Ergufs eines 
Orphischen Sängers zu betrachten sey, lassen Mir auf 
sich beruhen ; so viel scheint gewifa, dafs die Geheim- 
lehre auch hier den alten orientalischen Begriff von der 
Urnacht als der Mutter aller Dinge fortgepflanzt haben 
wird. Hiermit verbanden sich andere Vorstellungen, 
die aus der Bedeutung des dreifach wechselnden Mondes 
her vergingen. So wie sie Urgrund der Dinge war, so 



. I2 7 

hcint sie auch als ihre Regiererin. Es ist nichts auf 
leu , im Himmel oder im Meere, und in dem Verkehr 
der Menschen zu gedenken, <las nicht ihrer Macht und 
.eitung unterworfen sry. So erscheint sie bei Hesiodus, 
nach einer nns natürlichen Exposition des L'rprincip's 
und tn der Weise, wie jener grollen Lililli und Brimo 
»chon iu uralter Pi iesterlehre gedacht worden war '"*). 

Pr, jener furchtbaren Macht der Hecate entfernt 
sieh audi der Begiill jener Upia nicht sehr, die man in 
der Scjrthi-uhen Taurica verehrte. Kur scheint dort die 
L-rgcfctalt vorgehenscht zu liahen. Es war die Stier- 
gütlsn , im S l i e r 1 a n d e. ii jeder Hinsicht hiefs sie 
TarponuXi/c. Ein blutiger Dienst war ihr angeordnet, 

»und sie dürst.te nicht weniger nach Menschenblut , als 
jener katb» Uö]»f j^e Moloch der Ammouiter. Wilderes 
Volk, wilderer Dienst. Vielleicht gab es hier weniger 
Mysterien, die an manchen Orten priesterlich wirksam 
die alte strenge Sitte milderten. Noch in der Verpflan- 
zong nach Sparta behauptete diese Scythenretigion ihren 
Charakter. Die Lacedämonier hatten ihre Upis, so sag- 
ten »ie , dorther, und schon bei der Einweihung des 
'tesdienstes war Raserei, Mord und Todschlag die erste 
Wirkung gewesen; und wenn man eu Sparta dieser Tau« 
riet in auch nur anfangs Menschen schlachtete, so mulste 
•piteihin d<»eh von den Rüchen der gegeißelten Jüng- 
linge Menschenblut iliefsen. Der erste Anblick des Bildes 



172) Hiernach erklart Sickler (Kaduius pag. LXIV.) Necate 
nach dem Ebriiscben 7\irvn ( Hecbbsdah») oder rr.r.s, 
(Aecbd.iiirth) als die jrrofse Vereiniger in dergesamin- 
len Ordnung der Dinge, und andrerseits seihst als die 
grcilV.e Vereinte, die Alles umFafrt; such sey sie. der- 
selben Semitischen Wortbedeutung zufolge die Minzige 
und Erste <"~i{<). Es genügt uns solche Verniiiihiingen 
kOrzlicb anzuzeigen, und das Urthtil den Leiern zu über- 



halte die, dye sich ihm näherten, rasend gemacht ,:% ). 
Also ein grausenhaftes Scheusal von ldul mit magischer 
Kraft. Vielleicht hatte es, aus dem Stierlande gesendet, 
einen Stierhopf. Wi€ dem aber auch sey , ich mochte 
mich nicht gern von der Hinneigung auf das Stiersymbol 
entfernen, die der gelehrte Apollodurus (Fragmm. p. 4oa 
Heyn.) durch die Worte giclit, diese Artemis habe Tau- 
poTioXo*; geheifsen , weil sie in Stirrgestalt die Erde um- 
wandele. Das ist eine fihnliche Nachricht als die uns 
Philochorus mitthcilt : Es habe auch Leto auf ein» m 
Stiere die Länder duichssugen, bis sie sich endlich zu 
Buchetiou in Epirui niedergelassen '" ). Das ist derSlier- 
tveg, den alte jNaturgoltheiteu von Morgen nach Abend 
gewandelt waren; wfi' «erden unten einen' andern , einen 
Wolfsweg nach Südwesten , nachweisen können. Auf 
diesem Stierpfade kommt bald der grolle Saamenträ'ger 



17*) VeefJi Paus.in. Lacon. cap. 16., wo diese; Scythischf 
Diana Orthia genannt wird. Dieser Diana Onhia 
3/5) gedenkt auch NicolflUH L> tm jsc» nus j S. dessen Fra;;g. 
p, t .'«. und die Suppletniu. p. Hl ed. Ortlli. Ich habe in 
den Commentart. Herodott; Pait. I. C.<p. IF. §. 01. p. 244 
s«pj. von dem Geiste dieser Lacedamunischtn Religums- 
uwtige nusfliln licher gikamfi it. 

174) S. Ktym.jlüf. in^gn. p. 210. 3.J Sylb, p. 1<'t Uns. In der 
Sammlung der Fragmente des Philnchnrus wird von den 
Herausgeben) dasselbe Fragment aus Suidas antgi fuhrt 
(p. <Jb.) , ohne riafc jedoch auf die bt-mcrkeiiswerthe \ i- 
r'iante in derStdle deaSuidas und in der desEtymol. niaen. 
(da* Bberbaupi mir lit-il.lnfig um einer andern Sache willen 
angeführt wird ) aufmerksam gemacht wj\i. Bei Smdas 
Dltmlich keifst es — tp^ffi '■ -3m- ii>i 

73 t»jv ('• y :-l -lv AtUKtf/Ute» 

vec ''-■■ ; im Eiymologicum magtium dagegen: — 

iii tö ri-v Aijt«; J|toi Ötfiiv f . s. w. Also nicht 

blos der Leto, sondern auch der Thcmis wird der 
bu e r beigegeben. 



Ar, 



JI9 

Abudad mit Segen über die Länder von Osten her, bald 
*e , fürchterliche Kali 1 " 5 ), der man als Lakschtni, 
flhawant und Allmutter, als Gattin des grofscn Maha- 
dewa | die Kuh heiligte ; an deren Altären aber auch 
unter wilder kriegerischer Musik , ahnlich vermuthlich 
jener Scythischen auf launca , Menschenopfer fielen. 
Sie als Bbawani ist die grofse Erhalterin aller Dinge, de- 
ren Saamen sie beim VVeltbrande in ihre l'iirmutter 
birgt tur neuen ^Vicdcrgeburt ; aber sie ist auch die 
furchtbare Todesgöttin zugleich 1 " 6 ). Diese Ideenver- 
Limlong ton Tod und Leben ist vielen alten Religionen 
pcmpjn. Ausgebildet Herden wir sie unten in den Mj- 
» Dionysos wiederfinden. 

Auch Thracien hatte sich diesen alten Monds- und 
I.tchtcultus zugeeignet, und, wie es scheint, anfänglich 
uier Form. Wenigstens berichtet Ilerodotus» 
dafs die Tbracischen und Päonischeu Frauen Erstltngs- 
£«ben, in Garben gebunden, ihrer königlichen Artemis 
ßetAtle so darbrachten , wie man sie nach Dolos Bd sen- 
le MV. 33.). Das waren noch Spuren von all- 
Thraciaeher linderer Sitte , die späterhin der Wildheit 
Platz machen muffte. Die Göttin hiefs dort Dendis 
[Biv8i<i und BtvJftia, s. ltuhnhen. ad Tim. pag. (yt. und 
r Index in Palacphat.). Dieser Name und die Feste 



HS) mit welcher ilccate (rfie&trif) vertan ili ist. So 
bringt Clearchus beim Athenäu» VI. p. 2$t>. p. 4»J ed. 
Schweighaus, mit raofeWAe/ den Namen rgiiSct in 
Verbindung, indem fr von gewissen niederträchtigen 
Zofen an den Griechischen Höfen sagt: -r/^vert payt. 

, TUUfOXÖkot tUU T f / 6 i I Tivii Uj TM •*{£$ 

-tu» iyfvt 

176) Jones über Indiens Gotiheiren , in den Asiat. AbbandIL, 
I. p. SU. P^nllinus System. Brahman. p. 60. S. Tu. I: 
der Symbol, p. 6o3. 

"• 9 




Sieiel Namens verbreiteten sieh "weit, selbst bis nach 
Atticn hinunter 1 *") ; und in Bithynien , wo überhaupt 
viele religiöse Verwandtschaft mit den Europaischen 
Küstenländern gegenüber war, hatte man einen von die- 
ser Gottheit benannten Monat irs ). Von Thracien so* 
lieft auch eine Sage, die der Homeridischc Hymnus auf 
Apollo berührt , das Delphische lleiligthum gründen, 
das Andere von Detos herleiteten , und selbst zum 'l'hcil 
von jenem alten Priestertanger Ölen (Pausan. X. 5.), 
der ja des Phobus erster Prophet (■n^djxo^ *t>oifiaio n^o* 
(pütac) heifst. Ohne auf diese Mythen weiter zu achten, 
finden wir es doch, um des \ erfolg» willen henierkcns- 
wotth, dafs die Alten auch die Apollinische Religio 
nach Thracien verpflanzen, wovon sich in einem Zwei; 
der Orphischen Institute unten weitere Spuren zei$ 
Werden. 

In welcher Gestalt Ilithyia aus dem Hvperborec 
lande nach Detos gekommen war, wissen wir nie! 
Latona kam von dorther dahin als YV ü I f i n. Ai *il 
bat uns diesen Mythus aufbehalten ,79 ). Das Volk glaubt 



177) In Mnnychiuin hatte die Gültin unter diesem Xai 
einen Tempel t und in Pyr3t us wurden ihr zu Ehren Fe 
üf'&iSti*) gefeiert, zu welchen aufser Anderem fei 1 
liehe Aufzüge und Wettspiele gehörten j s. die cl 
Stetre in Plato*» Republik, am Anfange, womit die 
gaben von As( pag. HS. und besonder* jug. diu. zu vi 
bindr-u sind. 

1*8) Der Monat, den die LacedJmonier 'A^rit.-.;; nannti 
liicfs bti den Bithyniern Br.ctbx'tsi : s. Fabricii Menologi« 
p. 61. und Jablon^ki de ling. Lycann. p. 112. ( Opus 
Tom. II(. wo jedoch Bniwn geschrieben ist.) 

179) Aristotelis Hist. Animal. Vf. 35. (cnp. 2*J. pag. 312 
N Imeid.) Die Sacbe wird verschieden errihlu Ai 
tele« sitgl : alle Wölfe werfrn, der Sae,e imi-I> , in 
Tagen im Jahre; der mythische Gruud davon s»ey dieaei 



131 

14er Wolf bringe üTvulf Tage und zwölf Nachte in Ge- 
burtsnoth zu (Aeltan. H. A. IV". 4-)* Eben so lange, er- 
klärte es nun, brauchte Leto, um als Wölfin (zu dieser 
Verwandlung batte der Zorn derllere sie genü'lhigt) aus 
dem Hrperborecrlantle nach Delos zu kommen. In jenen 
Gesenden, woher Latona als Wölfin kam, erzfihlte mau 
»och dem Herodotus (IV. io5.) von Wolfmenschen, 
die alle Jabr auf ein Paar Tage YVolisgestalt annahmen. 
Aach Plinius ( H. N. VUI. 3$. coli. 22.) gedenkt ihrer, 
glaubt aber dabei so wenig an Zauberei als Herodotus. 



sie die Latona in WolfefjestaU aus Furcht vor der 
Juno in eben $0 viel Tagen aus dem Lande der Hyperbo- 
reer auf die Insel Delos gebracht haben. AntigonuS Ca- 
rystius und Andere haben diese Legenden aus Aristoteles 
emlehnt (s. Schneider! Annott. ad 1. 1. p. 52t, und Beck- 
mann zum Antigonus 61. p. tll.). Besondere Aufmerk- 
samkeit verdient der Mythus beim Antoninus Überaus 
eap. XXXV. png. 2.17 Fijq. Verbeyk: Latona hat auf der 
In*?l Asteria (Delos) den Apollo und die Artemis ge- 
boren , und kommt nun nach Lycien , um tum Flusse 
X a n t h n s zu gehen. Vorher will sie aber ihre Kinder 
hi der Quelle Meliie «raschen« Rinderhirten verhindern 
sie daran. Nun gesellen sich Wölfe schmeichelnd zu 
ihr und geleiten sie zum Xasthus hin. Daher bekommt 
tits Land Trimilis den Namen Lycia (Atm/s) u. s. w. 
AVer hierbei auf die Bedeutung der Namen : Sternen- 
« 1 1 a n d , goldgelber F I u 1's u. s. w, merkt , und i\it-> 
mit den t«j£$ /;-/-■; beim Herodotus II. 22. vergleicht, wo- 
nach zwei Wölfe den Priester mit verbundenen Augen 
zum Tempel der Ceres führen (vergl. Commentnit. !!>•- 

t. p. 418 sq<|.) , der wird wohl einsehen , dal» in die- 
sen Mythen von ehr Latona bald kos h bald ca- 
JtnJ.irisch die Gegensätze von Finsternis und Licht, von 
dunkeler und heller Jahreszeit, von Urnacht und von 
ien Lichtern des Himmels (Sonne, Mond and Sterne), 

n die Form der Sage umgewandelt wordi n , eine 
Form, die aus alten Frllhlingsfesten und scenischeu Dar« 
»Übungen ganz natürlich hervorging. 






l32 

Vielleicht hatte die»e$age, die noch hie und da tintcr 
dem Vullie lebt, mit jenem Mythus beim Aristoteles Eine 
<)uelle. Die physische Meinung stellt Aristoteles als 
Volhswabu dar, aber die mythische Erklärung be- 
ruhete auf uralten Vorstellungen. Der AYolf und die 
"\\ üJiin erinnerte den Menschen der Vorwelt an Latona 
und ihre Kinder, den Griechen nicht blos, sondern auch 
den Aegyptier. Der Aegyptier Danaus dachte gleich an, 
Apollo , als er den Wolf in die Heerde Kühe einfallen 
a*»h, Gelauor infste dem Dnnaus das Argivische Reich 
abtreten, und letzterer erbaute zum ewigen Gedachtnifs 
an das Wolfszeichen dem Apollo Eycius einen Tem- 
pel ,s0 ). üeber den Grund des Beinamens A&uioq oder 
Avxeuh; stritt man in Betreff Apollos eben so sehr, als 
in Beziehung auf Artemis, die man ebenfalls Avxtfa 
nannte W). Von dem Exegelen zu Trüzene konnte der 
Fragende Tansanias nichts erfahren. Dafür gießt er uns 
zwei eigene \ eimuthungen * die wieder auf obigen My- 
thus zut tiehfuhrrn, entweder heifse sie von den Wolfen 
so, oder säe habe diesen Namen bei den Amazonen ge- 
habt (CdnnTit. it.). In ein viel weiteres Feld tun Wi- 
muthungen haben «ich scholl die alten Ausleger bei Er- 
klärung des Apollo 7.vxr < yevii<; in dem Gebete des Lycier 
Pandarus bei llomcrus (lliad. IT. 101.) verloren, und 
noch streitet man darüber, ob dort blos an Apollo den 
Eycier zu denken sey , oder an eine andere Bedeutung 
dieses vieldeutigen Beiwortes. Eyeien selbst nannten 



180) Tansanias Corituh. 19. Die ältesten Münzen von Ar^os 
zeigt n den Wolf, andere von derselben Si.uh zugleich 
*I* n mit Lorbeer bekränzten Kopf des Apollo Lycius, bei 
Pellerin Recueil T. I. p). 20, nr. 1. 4. 

151) Die Hanpisfelleu der Alien über diesen Beinamen habe 
ich schon in nie tuen Meletemin. I. p. MK angefühlt. 




i33 

E'ie unter den Alten schon ««) das Wolfsland, 
■illtfl Namen von den Wollen (*.i»xoic) her- 

rt wissen (s. oben). Aus Allem geht indessen her- 
dafis die Griechen alte Begriffe, und Bilder eines 
ii»en rieü^ionszweiges an jenes Thier angeknüpft 
ihrer Gewohnheit suchten sie sich aus 
'von Rechenschaft au geben. Die \ uc- 
lun«|«ng Wolf und Sonne (Sonnengott) war, wie wir 
in werden , den Griechen von Aufsen gege- 
Nun {.lichten sie diese Ideenverhindung auch in 
uach/.uw eis>en. Da warXvxo; der Wolf, 
die Sonne, und Xi-x»; das anbrechende 
enlicht; daher auch dir älteste Name dos Son- 
ics ni Griechischer Sprache die WoH'sbalin, 
Uacrob. Saturnsl. I. i~) ,M ). Auch von der 



Ifc) S. Anlonin. Liberal, cap. XXXV. aus Menecrates Ly- 
BQchern , und daselbst Munker und Verheyk. 

IStaih. ad Odyas. XIV. 161. p. 538. 4i sqq. kv*4\ 
mg 9i » a i v v * i iviaurj; 1 w '- «W< 

lartniii wa^if^tvSltf ( ver^l. Apollan. Lex. 
in ^ p. 4 11 ed. Tollii ) • 

■ uCr-^rn J f 4 d -i 7 o* ; A y * tu v , a>/^/;.> 

a*< ^-.enf/cuj^aiv rey^ tri 

v.ji ArfVuctvij le-TPf*?; k, A> lun. Hist. Anim. 
. 6. u. HO. , wo jedoch Schneider die Stelle des Kusu* 
nicht anfuhrt. VergL Odyaa. f io6. £' 16t. und da- 
die Schohrn , ferner meine Coinrn* -matt. Hero- 
II. P. I. Cap. Kl. §. 2$. p. 420 sq. uud was ich noch 
unten anführen werde. — liier will ich nur iuf 
durchaus hieroglyphischen Charakter dieser mytbi« 
Kcbtn Autdetttung der Alten aufmerksam machen. Das 
Lr brifrt Wnlfsfurth, wnl die Tage desselben 
kw>n& ui ainander hingen , so wie die iVolfe, wenn, 
aber cint.i r. stunden r'luls schwimmen, einer Jen au- 



Namens Verwandtschaft des Wolfs und der Sonne wufst« 
man Rechenschaft zu gehen, indem man an den Fcuur- 



dern am Schweife fassen. TJas Jahr ist dieser Flufs , und 
die Wölfe (jene Thiere des Zwielichts , der Finsternifit 
und dem Lichte angehörig; s. weiter unten) sind die au« 
Nacht und Tag bestehenden Zeitabschnitte (Tage ge- 
nannt), Halten wir den Gedanken fett, data Müsse Jjbre 
bezeichnen ( z. B. der Nil, s. oben Th. I. p. 2?ü.) , fer- 
ner dafs "Wölfe am J ahresfeSle den Priester durchs Dun« 
kel in den Tempel der Isis führen (s. vorher), so wird 
wohl sehr begreiflich weiden , dafs jene Erklärung in c a - 
le n darischen Hieroglyphenbilde in ihren Ur-» 
«prung hatte; und man braucht nur die alt - Aegyptischcn 
Kcujpuiren anzusehen, um sich davon zu überzeugen. 
Aber auch die Sprache behauptete dabei ihre Rechte. 
Au'r«? und Av'/ij, Wolf und Licht, waren nun ein- 
mal in Griechischer und vielleicht in mehreren auder% 
Sprachen verwandt. Ich bemerke dieses absichtlich, weil 
Payne Knight im Inq. IntO the symboL lang. $. lij. p 1>7. 
zwar Mebrercs beibringt , was tino richtige Ansicht dic- 
ht s Bildes verrath (und wie dankenswert!! ist Dooh sein 
Beilrag aus der Münzkunde: z. B. auf einer Münze von 
Cartha auf der Insel Ceos erscheint der V ordtrleib einet 
"Wolfs mit Strahlen umgehen , die von einem Mittelpunkte 
nach verschiedenen, leiten gehe"). Aber warum ereifert 
sich derselbe scharfsinnige Gelehrte §. 102. p. 77. über 
diejenigen Mythologeu, die den Apollo hjvaflwifi deswegtn 
se> heifsen lassen , weil er in Lycien geboren sey ? Frei« 
heb h.<t «r darin Recht, wenn er sagt: es bezeichne viel- 
mehr den Vutcr des Lichts; aber die Mythologen 
hüben auch Recht, wenn sie dabei an Lycien denken. 
Denn Lycien ist ja das Lieh ll and so gut wie das 
Wolfs) and, und letzteres in demselben. Sinne. Der 
Wolf erschien ja dem Hortia- Apollo als Helfer aus dem 
linsuren Anitriiihes (Diodor, I. 88. Davon tiiüen weitn). 
Ja in Lyciens alte'ii Tempeln war grwifs der Wolf als 
So n n e n t h i e r und J a h r c S z a h I e r abgebildet — eben 
to wohl wie eben dort erweislich Bogen und Leier 
iolariscUe Hieroglyphen waren (davon im Verfolg). — 



blicu dieses Thieres erinnerte < Plin. H. N. XI. 87. 55. 

J. I. p. 6iq Harduin.). Auch diese Etymologie liümil.e 

durch da» gemeinschaftliche Slammwort Xirxöcj >vei f s , 

womit auch das Lateinische Jux \ et wandt ist 4 gerechifcr- 

ei Jen (Lennep. Etymolog, gr. L pag. 385.). Es ist 

»ber die» zu unserer Absicht eben so wenig nülhig, als 

Rtitcre Untersuchung, ob der Homerische Apollo 

von Lycicn oder ron dem Morgenlicbte, "kvxt* t 

»In Nimen habe. Dafs die Verbindung Wolf nnd 

ineagott h cit eine uralte war, ist nicht Hypothese 

odtr Etymologie , sondern beruht auf deutlichen , unhe- 

^mlbiren Zeugnissen des Altcrlhums. Ehe WUT diesen 

Bfl nachgehen, müssen vir zuvor einen Blick auf 

und Greta uerfen. 






Mochten wir doch endlich die naive, aber tiefsinnig« 
liildertprache der Vorteil treuherzig nehmen lernen. Sie 
uns nun Mittelpunkte der ersten Anschauung 
as uns daun die abweichendsten Legenden nur nls 



i36 



Au* Lycien, sahen wir, kam der älteste bekannt« 
Priester, der von Apollo und Artemis um] Ilrthvia Nacl 
rieht gegeben, Olcn, Was für Einflüsse hatte desset 
Vaterland erfahren? Zuyöiderst von Cre^a her in altei 
Zeit. Ein Mythus bei Diodorus. (V. .06.) läfst gar sch( 
vor der Fluth ein<jn Teichinen Lycus sich in Lycien ai 
Xanlhus ansiedeln und dem Lyciscb.cn Apollo den erst« 
Tempel bauen. Wäre an dieser Sage etwas Historisches 
so wäre ein Phünicischer Pflanzer von Crela oder Rlu 
dus her, wo diese Teichinen safsen , einer der frühen 
Stifter Lycisch,er Religion. Heller sind folgende Nach- 
richten des Herodotus (I, 1 7 3 . VII. 92. ), Savpcdon wird 
von seinem Bruder Minos aus Greta vertrieben , und an 
der Spitze einer Colonie von Termilen ging er in das 
Land der Milyer oder Solyincr ( so hiefs damalsWuch 
Lyeien), Bei ihm fand sich ein anderer Flüchtling ein 
auch ein Lycus. Er war aus Alben, der Sohn Pindidu 
des Zweiten, und sein Bruder Aegeus halte ihn vertrieben 
(Herodot. 1.1. Apollndor. III. i5. (>.). Dieser Lycus gab 
nun dem Volk und Land der Termilen den tarnen Lycier 
und Lyeien. Da diese neue Colomsii ung von Crelu ühs, 
wil* die von Athen in die Regierun^szeil de* Minus und, 
Argcus, folglich gegen das Jahr i35| vor Chr. Geb. uii(| 
mitbin nach Orpheus Gehurt fallt, so mufsle damals 
die Auswanderung des Ölen, voran»geset^t , daf;» dgMtrt 
Zeitalter über Orpheus zurück geht, bereits geschehen 
M-Yii. Sie fällt vielmehr /.wischen die Ankunft des ersten 
und zweiten Lycus. Uer Wolfs- und Sounendienst war 



verschiedene Radien eines allen gemeinsamen Ccntnim» 
erscheinen. Gewisse natürliche Eigenschaft« ri def Vl'olhi, 

iretweren seie Bild sur calendutischca llitro^lyuhe uug- 
lich bcfun<l( n werden konnte, sind im \ ertoljj , beim Ac? 
jp-rnisehcn llurus- Auollo , berankt. 



i57 



ha Vaterlande des Ölen bekannt ; ehe noch der um ehe 
Wolf, 'hener, dessen Namen in den des WulU- 

Uodcs umwandelte. Aber ganz, gewifs erhielt und be- 
fragte et- steh dort durch dteGreter, jene alten Sonncn- 
•i , die j « von Phünicicn und Aegyplen her diesen 
ftfKgiontzweig Früh erhalten hatten ; und der zweite 
n ja ans dein damals noch gauz ngvplisirtcn 
Atbcn. Doch unmittelbar und zunächst kamen diese zwei 
aus Hellenischen Ländern. Wir fragen 

Erat nur ntch Asiatischem Dienst, und wollen 
iwltbrr erot in das Hellenisch- Cretische Gottersvstem 
El werfen. Vergleichen wir nun die ältesten 
•ehten von dem durch Ölen zu Dclos eingerichteten 
it dem, was wir bei andern Schriftstellern 
f09 der Verehrung des Patareischen Apollo lesen , so 
♦ s lehr wahrscheinlich, dafs in Lycicn von den 
ftlte^tcti Zeilen her aus Oberasiatischer Religion eine 
Tergfeichungsweisc sehr reine Verehrung des Apollo 
und der Arteniis eingeführt gewesen ist. Ohne Zweifei 
jene ll'-prrhorecriiinen nicht Opferthiere, oder 
; ferfleUch in ihren heiligen Garben oder Korben 
Oelos gebracht und geschickt, sondern Erstlings. 
• und etwa heilige Kuchen und dergleichen unblu- 
tige Guben (man lese die Anmerkung von Spanheioj und 
na zu Callimach. Del. q83.). Auch ha.te Ari- 
'' 'fies in der Republik der Delier erzählt, zu Dein» 

Kden Apollo auf einem unblutigen Altare 
fcli Opfergaben von Weizen, Gerste, Rüchen vereint, 
Ur «l nur an diesem Altare habe Pythagoras geopfert ,w ). 
•''«er Altar heifilt ausdrüchlich der älteste, oder der 
pmU der frommen (Porphyr, de Abstiii. IL p. 172.). 
vir die Schrift der Pyihagorcerin Theano: von 



. VIII. $. 13. Clemens Alex. Strom, 
p. s>itt Pou. 



der Frömmigkeit , noch, wahrscheinlich würden wir 
mehr von diesem ältesten, reinen Dienste des Apollo 
wissen. Jezt müssen wir die dürftigen Nachrichten ein- 
zeln zusammen lesen , die um so spärlicher ausfallen, 
je älter er war. Dahin gehören einige Züge vom Apollo's- 
dienste zu Delphi, wo auch von Kuchen und Weihrauch 
in den heiligen Iiürbcn die Rede ist (Aclian. V. H. XI. 5.). 
In diesen ldccnkrcU mag auch das alte Delphische Tera- 
pelchcn gehören , das die Bienen aus Wachs und Federn 
kunstreich bereitet haben sollen, und das auf Apollos 
Geheifa als Geschenk den Bjrberboreern zugeschickt 
ward (Pausan. X. 5.). Die Bienen waren ein reine« 
Thier, das sich nicht auf die den alten Priestern und 
IMhagorecrn verhafsten Bohnen setzte, ein nüchternes 
Thier, daher man auch die nüchternen Tranhopfer 
(dl h, die ohne Wein) mit Honig darbrachte (Porphyr, 
de antro Nyntph. cap. ig. p. 19.). Und so erhielten sich 
unter den Griechen hie und da Sputen eines älteren 
Obera*iatiscTicn Opfcrdieustes. Ich nenne ihn Asiatisch, 
nicht bios des Hvperboreischen Ursprungs wegen , son- 
dern weil sich in Lycien, in dem Vaterlande des allen 
reinen ApollodiencrsOlen , fortdauernd bewerkenawertho 
Anzeigen der«,eJben reinen Religion erhalten haben. 
Davon jezt einige Worte. Alexander Pul)bistor (dessen 
Auetoritat ein gelehrter Mann in der Bibliolheca critica 
II. ü. 114. hinlänglich gegen Metners gerechtfertigt hat) 
erzählt uns von den Opfergaben, die mau zu Patarn *), 
jenem ältesten Sitze Apollinischer Religion, der Gottheit 
darbrachte. Es waren Qpferkucben in Gestalt von 



*) Die Bedeutung dieser Hauptstadt Lyciens , welche später 
Arsuioc Lyciae hieß (Strähn XV. p, 666.), ist noch aus 
»ehr ausebulichen Ueberreslen ttnil Inschriften ersichtlich, 
wovon neulich Beanfort :n seinem Werke : Karamaiuc, 
London l8i7. die Beschreibung gegeben, 



Bogen. Lei» und von Pfeilen (Stephamis Byz. In U.a.- 

ta»>u, VCfgL Euslalh. adDioms. Pcricg- vs. iau. p. i35 

n. 1697.). Aehnliche Guben brachten'die 

ihrem Apollo au gewissen Frühlings - und 

■rbfcifriten (s. die Zeugnisse des Menceles und Gratet 
im Suiilus in ütaxoitov und tiptuiuvr;'). Die ausführ- 
rachtung und die Kritik des Textes dieser 
«nd einiger anderer Stellen behalte ich einer andern Ge- 
i. Hier mache ich nur von dem Unbcstrcit- 
fc*rc: h 4 Diese selbigen Früchte- und Kuchen« 

r brachte man auch der Sonne und den Hören 
s 1. 1.). Ebenso legte mau Stierhuchen (Kuchen 
VtoBSraergestalt, ßovq) aufdie Altäre des Apollo, der 
kcate, derLuna (Hcinstcrhuis ad Lucian. 
-;. 4>> Bip.). Mondlormigc Kuchen weihete man 
■h der Lima, und dergleichen Beispiele finden 
*'fh mt liiere. Aus Allem diesem geht hervor, dafs die 
ii Gebräuche alter reinerer Religion, 
die «3fr I.vcier Ölen nach Delos und vielleicht selbst 
cht hatte, hier im Mutterlande selbst 
■ iilaue« nd erhallen haben. Daher in der Stelle 
'lato'* 31 mos p. 3i5. wo vcm Menschenopfern die 
ledeist, ganz uustreilig statt Lvcien, iv xjj Atixoti« , zu 
in Arcadien, ge'esen werden mufs. Dort waren 
benopfer gebracht worden; und darauf führen 
«ch die Handschriften (s. Büchb in Piatonis Mino cm 

man nun weiter, was war der Sinn dieser von 
trn Schriftstellern so auszeichnend bemerkten Ge« 
< • , und irM mithin die Grundidee 'dieser Asiatisch- 
en Apollosreligion? so antworte ich: eine äl- 
Forzn reineren S o n n c n d icn s te s. Defs- 
en wir aber nicht wegwerfen, was als histo- 
chc Spur älterer Localrcligioncn verschiedentlich he* 
worden ist. In diesem Sinne erinnert man an 



i4o 

Lycicn als das Schnlzcnland. ü ie r* aueh Homems hennt. 
"V.iiiiilich ist au« Ii Apollo hier Sehüi/. , und die Kuchen 
ala Bogen und Pfeile gestaltet erltlären sich von selbst. 
Lben so hatte der uralte AmycLiist he Apollo in Laco- 
nien Helm, Bogen und Lanze. Alan lagt) das ist alte« 
Costam und Spur aller Bewaffnung (Heyne Anliquarr. 
Aufputze I. 73. mit Beziehung aur' l'ausan. 111. iÖ. 19A; 
eben dahin liann man den sogenannten Assyrischen Apollo 
mit Harnisch und Blumenstrauß (Macrob. Sat. 1. 17) 
Und mehrere andere Attribute und Vorstellungen de« 
Apollo ziehen. YVir sind nicht der Meinung, jedem ge- 
meinsten Solymer oder Lycier, der in seinen Bergen auf 
Jagd ausging , jene richtige Erkenntnifs des Wesens 
und Ursprungs seiner Lnndcsreligion beizulegen. Dieser 
Lvcisehe Jäger mag sieh immer seinen (iott auch als 
.luger gedacht haben. \»r das wollen wir sagen, jener 
Priester, der aus dem hohen Morgenlande jenen Dienst 
zuerst null Lycicn verpflanzt hatte, und die Nachfol- 
ger In seinem Lehramte, so wie Ölen , der nun als neuer 
Pflapser nach Delos ging, diese trnftlea ein Mehrere* 
von dem Ursprünge und dem Inhalte dieser alten Licht- 
religion. Jene Atlribuic , dem Gemeinsten vom Ynlhe 
aus 6 ein cm Kreise erklärbar, hallen iiir sie eilten hö- 
heren Sinn, eine Beziehung aul Licht ,5S ) und Sonne. 



1SJ) Eustathr.is zu Odyss. XX. 156 sqq. ( p. 727. 3S. sqq. td f 
Hasil.) , via d.is Volk von Ifhiika cl.is Fest des Ncumoq- 
d e s. feiert, htiiuiLi dffyisi, diese.| Festtag sey dem Apollo 
beilig , dt i. df rSoaoc, welche die Urheberin des Neu- 
mondes «y , indem sie alsdann mit de m Monde in Con» 
junciion trete fveeppfe yfy , so lauten Seine eigenen Worte, 
m^ßtga, ut; tpptjStp, 'Arä'/.'/ »vj; »an t Mtn iri iv {A/iu, t*t 
y,'r,:; :r'.k*y>jLt, moidwv ftfRwt&TH 1$ s*A>jpg}« Daher, fahrt 
er fort, werde auch der gotlgeliebte Llysscs »ehr ejilck- 
lich und zur guten Stunde , wenn aufseihall) die Fcsrge» 
briiuehe sdniiiuiicii beendigt styn wurden, mit d«m Mo« 
g e u seine Feinde angnifiu , am Feste des Böge 



1,1 

te» schlit f=>c ich ,ns vielen Spuren, deren Verfolgung 
Slofl zu einer eigenen Abhandlung liefern könnte. Hier 
-ühreieh nur das zunächst Vorliegende. Zuerst kommt 
Erwähnung jener Opf ergaben immer sehr bedeutsam 
die freier vor, jenes alteSimhol sideriseher Verhältnisse. 
Sodann wird dieses Fest ganz mit denselben Gebräuchen 
. Patarn in J.\cien anderwärts ausdrücklich bald 
Apullosfcst , bald Sonnen fest genannt. Auch die 
>ri«>den im Friihlinge und Herbste scheinen diese 
Annahme zu liestätigen ; mehr aber noch der Inhalt der 
bei diesen Festen gesungenen Lieder, worin gan« deut- 
liche Bitten um Jahressegen, um gedeihliche Witterung 
•od reiche Gaben an Früchten und dergh vorkommen, 
h wird das Attribut des Bogens zuweilen mit der 
Fackel in Bildwerken Asiatischer Natnrgottheiten ver- 
bunden gefunden, und zwar so, dal's die Fackel , das 
alte Attribut der Ililhyia und anderer Lichtgotthcitee, 



■chatten Apollo ( avtoe, tj.tr a nt;c u r;7c »x-fr-7; rru 
. t * q i i : ^ f >• k rotoTtv 'Av 8 X-kv vot), — Hier 
ist einmal der hau, dafe Apulln Bogenschütze 
war , weil er die Sonne war; sodann der andere, 
dafs d i b i n d u n g btider Ideen i tri a 1 1 i v l i g i ü - 

sen Glauben und Fostgebrauche lag, vortreff- 
lich fesigehii1t«-n und dargelhan. So haben auch schon 
die Allen den Bo ge n des Abart* und des Apollo ge-> 

nrrt. Der Rrdnf-r Lycurgus ijegen den Mencsächmus 
sagt (ap. Nonnum in Gregor. Naaiauz. Orat, funebr. in 
ßjiil. magn. ia iminenMeletcmm. P. I. p. 76."): „.Abarif 
war Apollo's Diener. Er empfing den Pfeil und die 
Gabe der Weissagung vnn dem Gotle. Und so nahm 
Abarls dm Pfeil als Symhnl des Apollo (dpnn dküer 
Golt ist Hogro^chöue — n^irif^ ) f mid zog uahisagriij 
inganHI i - herum." Hiermit hangt die Attache «'f*- 

jusamnirn ; verjjl. Schob Arisioph. Rqnii. vs.722. 
uml Stulln- r<ww) und ' — Um hier kein* 

rbrechung zu machen, will ich meine Ideen roin 
Abarit gleich zunächst besonder» vorlegen. 



Über den Bogen gelegt Ist (man sehe z. B. das Bild der 
Syrischen Gültm in GronoTJi Thesanr. antiqq. Grr. YII. 
/j?i.). Geradeso siebt man auf einer Silbermünze von 
Olympus in Lycien vorne «Jen mit Lorbeer bekränzten 
Kopf des Apollo, auf dei Kehrseite eine Leier von 
drei Saiten und daneben eine Kockel (s. Pellcrin Re- 
cueil II. pl. 69. nr. 7.). Endlich braueben ja alte Schrift- 
steller, z. II. der Jonier HcracKtus, wie wir unten \\üv/.- 
lich zeigen werden, Bogen und Leier offenbar in rinn 
höheren hosmischen Bedeutung, und dieser, wie Pytha- 
goras, der am reinen Altäre des Apollo zu Delphi opferte, 
waren doch, ohne Frage, mit deren Ursprung und mit 
dem höheren priesterlichen System dieser Asiatischen 
Religionen wohl bekannt. 

$. 1-. 
A b a r i s , eine Idee. 

Bei dieser Gelegenheit wird es passend Heyn , mit 
Einigem des Mythus von Abaris zu gedenken. Wir 
übergeben die verschiedenen Angaben über Bein Zeit- 
alter* und berühren nur die Ilauptsngcn von ihm hiirz- 
licb 16rt ). Hiernach war er ein Hyperboreer, kam 
aus dem H\pcrboreerlandc zu den Griechen, und kehrte 
hierauf von diesen wieder zu den Hyperboreern zurück. 
Er umkreiset Hellas mit einem Pfeile, er ist Diener und 
Priester des Hy pe r b o r c is c h e n oder des G r i echi* 
sehen Apollo, und empfangt von diesem Gotte einen 



186) Die Quellen finden sich bei Fabiicios Bibl. Gr. Vol. I. 
p. il sq. ed. Ilailes. und in meinen Noten zu Nonni Ndr- 
rat. 2U. (\kb tt'iiun. P, I. p, 76.) nachgewiesen. Es be- 
darf wohl kaum der Bemerkung, djfs es meine Absicht 
hier nicht \*l , diese Sage in ihre verschiedenen Wendun- 
gen zu verfolgen. Einige Gedanken über die Ilaupuiige 
und Bilder dieses Mythus will ich, zur Erläuterung der 
yl^oi7;nischcn R.Ugiun, in *hcr Küric vortragen. 



»45 

Wundergaben und Weissagung. Auf diesem 
c fliegt er durch die Luft ,H7 ) , er wird v.uiu Luf't- 
mndler, er ist ein Begeisterter, er 

dichtet Beschwörungen (inotiai w ) % Weihe» und Sühn- 
liei bl Oralicl , du Met eine Theogonie, und bc- 

»_-it des Flusses Hcbrus , so wie die An- 
kunft Apollo'», dessen Diener er ja ist» im Hypcrbo- 
reerlande. Er macht aus Pelups Gebeinen den Athenern 
ein Palladium , ein rettendes Gnadenbild, er vertreibt 
Pest, Seuche, L'nge^itter und alles Uebel , er weissagt 
rmd hilft so den von Pest und Hunger heimgesuchten 
Griechen. Dies sind die Hauptzüge einer Sage « die die 
Terwhicdensten Meinungen und Ausdeutungen der Ge- 

I bluten erfahren hat. Ohne uns hierauf weiter einzulas- 
sen . folgen Mir folgender Angabe, die sich glücklicher- 
weise in der Hialmarsaga 1W ) erhalten hat: «Von Grie- 
nland harnen Abor und Samolis mit manchen treff- 
lichen M.iunetn, wurden sogleich wohl aufgenommen, 
ihr Vv und Diener wurde Heise von Güsisvallr. I 

Abart* wäre demnach ein Nordischer Druide, und 
da* Ilfperboreerland wären die Hebriden ,91 ); die Drui- 
den, n lxis aber sind mit den Pythagoreern ver- 
wandt indei Lehre und haben sie aus derselben Quelle iy -). 



H7) Wobei der treuherzige Herodotus seinen Zweifel nicht 
nnu-nl rücken kann (IV. d6.). 

latnbhch. \ it. Pythagor. p. 228 cd. Kust. 
-rnnd. p. 70 Htimlorf. 
•pgtblutf der Kjmpa daler fol. VI. 1. 
15") Vergl. in> Freien Bande der nachgelassenen Werk« To- 

>c)uchie »1er Druiden. 
192'; 5. übt n , nc1>*t Ori*eni* philosnph. Cap. 2. pasj. S22 ed. 
de ta Km . L^t-»t-r Zamolxis habe ich tip.i^es Ini-rln i Ge- 
mcrki zu Herodoi. IV, 9S. in den Commenutt. 
tieroJcu. I. p, 17U Nqq. 



«44 

So gehurt also diese Sage — in die Nordischen Religionen 
^es Apollo und in jenen Sagenkreis , "wohin Hcrodottts 
die II\pcrboreiscben Theorien oder Opfcrgesandtschaf- 
tt.i, die von Norden her nach Udos kamen , verlegt 
(». IV. 33 — 36. und Symbol. II. p, 117. und im ^ er- 
folg). Apollo ist der am siebenten Tage Gehörne, dem 
das Fest des siebenten Tages z.ti Sparta gilt 1?3 ) ; er ist 
Apollo fc^ÄonaftTa«;, oder auch i^ilf^iajevr.c (Plutarch. 
Quacst. Sympos. VIII. 1. 2. p. q5H ed. YVyiicnb.), und 
die sieben Wochengüttcr Her ersten Skandinavischen 
Iieligion sind noch die sieben Elemente der Runenschrift 
(Gürres MylKengesch. pog, 57'f .). In denn I>i ielnechsc), 
der unter den Namen Abaris und Pylhagoras aufgeführt 
wird, liommt der Satz unlcr andern vor, d a fs das 
A n g r dorn Feuer verwandt sey — t»>v ofphuXuov 
ÖLVu).aynv tlvat TiÖTtvpL (Trodus inPJat, Tim. III. p. 1 4 1 .). 
Ferner wird von Abaris erzählt , er habe seine Orabet 
niedergeschrieben — avyy\}dlai nri-^ %f)r t (Tfttr£$ 19 '). Da- 
her haben Einige bei seinem magischen Pfeile an eine 
Wiinscbelrulhc denken "wollen, Fassen wir diese ver- 
schiedenen Angaben zusammen , so möchte sich vielleicht 
folgendes Resultat ergeben : I\ unen sind guten Tbeiis 
Pfeile (Pfeilschriften ***) , Runen aber rinnen auch 
und fliefscn, vife die Zeit und vtie die Wochentage, 
6ie fliefsen und rinnen aufnnd ab, vom Nord nach dein' 
Sud und vom Süd nach dem Nord, sie fliegen, wie 



lyj) H«>rodnt. VI. 57. eonf, Vakkenaer de Aristobulo Ju( 
$. i7. p. 13 — 16. 

Ii>4) 8. Apollouii llist. comm^nlit. cap. 4. und ober das zi 
hiebt! Folgende Bayle im Diciioim. 8. v. ALmiis. 

195) Die Beweise linden sich in den RuneiUnftbi , z. B. in 
Antiquatiske Annaler , Kiobenhave ist". I. Bd. Tnl>. IV". 
fig. t, 3, II. Bd. l.llft. T«b. I. III. Bd. I. Uft. T.b. Ufa 
fig. 2. 






1/p 

der grofse Zeitmesser— die Sonne; sie fliegen den 
iern zu auf dem Strome der Zeit, auf der Bahn der 
Prie*ier und Propheten ; *ie sind der Pfeil des Mundes» 
-.er wunden und sind scharf, aber sie heilen auch, 
gleich der Sonne; der Sonnenpfeil (der Sonnenstrahl) 
lödlet und heilet. Sie, sind das Sehen und der Seher, 
da» Auge stehet, weil es sonnenfeurig i^t ; die Sonne 
schreibt in ihren Himmelsbahnen die Liivpcn mit der 
Sterncnschrift , wie Hermes - Sirius , der himmlische 
Schreiber in Acgypten (Th. I. p. 3Hi.). Das ist ihr Ge- 
schalt in siebin Wochentagen. Durch sie ist der Sonnen- 
priester und Sonnenprophet Seher und Schreiber. 
Seine Elemente sind sieben an der Zahl. Der Schreibe« 

I lliegt wie der Sonncnpfcil , er flicht längs dem 

me Bebras, er lliegt mit der siebentheiligen Zeit, 
er fliegt auf und ab den ^ ölkeru «u (wie der Pfeil das 

•bare Sinnbild der abwärts fliefsenden Melle ist). 
Er bringt Lehre, Heilung, Halb, Trost und Lieht» Mit 
Einem Wort« : der P fei J f a hier Abart« ist Huiia, 
Scher — Schreiber — Prophet und Heiland, aber auch 
Schrill und Heilung. Die Rune ist das Vehikel der Ka- 
Icnderkunde , At zneihunde , der Weissagung, des Be- 
ten* und des Besehe ö'rens. So steht Abaris in der Grie- 
chrn wie in der Germanen Sa^e als eine sprechende 
Rune des alten Lichtdienstes der ersten Kirche, die 
Jländer gemeinsam uml'afste. Und so 
»ird es vielleicht auch deutlicher v warum auf dem alten 
Dresden, den Apollo und Hercules vorstel- 
lend, der ['feil oder der Köcher, wie iniin glaubt, auf 
eine so ausgezeichnete Weise geweihet und befestigt wird i 
s. AugnsTeum 1. Bd, nr. 5 — 7. 

Fassen wir Alles zusammen, 60 wäre Abaris einePer- 
tentfication der Schrift, der in der Schrift enthaltenen 
. der Wirkung dieser Lehre und Weisheit, und end- 
icitung von Schrift und Weisheit au» den 

10 



bischen Ländern her, sowohl unter den Griechen 
intet" den Scjthen. 






§. 18. 



Auch von andern Seiten bestätigt sich ein fortdau- 
ernder Zusammenhang, welcher- ^orderasien mit den 
oberen Ländern in diesem Cultus verband. Als in dem 
Persischen Kriege die Bewohner von Delos sich auf die 
benachbarten Inseln flüchteten, ließ» ihnen der Persische 
Feldherr Datis durch einen Herold verkündigen : Warum 
fliehet Ihr heiligen Männer, und heget eine so böse Mei- 
nung von mir? Ich selber denke noch so, und auch 
der grolse Honig hat mir befohlen, das Land zu schonen, 
wo die zwei Götter geboren sind, und nicht 
minder dessen Bewohner. Worauf nicht nur Delos mit 
seinen Heitiglhiiracrn und Einwohnern verschont, son- 
dern auch ein Banchopfer von dreihundert Talenten, 
Weihrauch den Gottheiten zu Ehren dort geopfert ward 
( Ilerodot. VI. <)*?•)• Derselbe Ausdruck : wo die zwei 
Gölter geboren sind, Immmt nochmals in dem Axiochus 
des sogenannten Sucraliliers Aeschines vor (sect. 19.), 
w<j der Magier Gobryas zugleich von ehernen Tafeln 
spricht, die mit OpU aus dem Lande der ILperborcer 
gekommen ieven s aus denen er zuglaich seine Beschrei- 
bung der Unterwelt und des Schicksals der Seelen mit- 
theilt. Auf dies letzte legen wir weniger Gewicht, als 
auf das öffentliche Anerkennen der zwei Gottheiten im 
Namen eines Persischen Honigs. Auch Ephesus mit s» i- 
nem Tempel soll eine gleiche Schonung erfahren haben 
(Brissonius de reg» Pers. II. sect. 32.). Weiterhin gehen 
die Nachrichten von Fortpflanzung Oberasialischer He- 
ligion gar nicht aus. In dem bemerhcnswerlhen Fra> 
Btent des Tragiker« Diogenes, der zur Zeit der dreifsi 
Tyrannen zu Athen seine Stücke gab, verehren Baclri- 

| d. h. Oberasiatische) Mädchen gemeinschaftlich mit 



.4; 

den Töchtern Lydiens die Tmolische d. i. die Lydische 
.is (Athenäus \IV. cap. 38. Tom. V. pag. 3u6 sq. 

ScWc .)■ * n diete Zahl dis aus. der Fremde her- 

i btCfl Aiicniisdiensles gehört auch die Diana Bo- 

Iine auf Lvduchen Münzen» deren Namen man Yer- 
ich aus dem Griechischen zu erklären gesucht hat 
ihel I>. N. V. tili p. i»i.). Unter den sogenannten 
Persischen Lydiern nicht blos , sondern in mehreren 
Iten von Rltinasicu gab es Persische Dadgah's oder 
icrtcnipel " ). Bei einem derselben kommen Künste 
der Malier vor, die ohne Feuer liulz auf dem Altar an- 
t Kündeten. Man lese die charakteristische Erzählung des 
Pa«. i V. 27.). An einigen Orten, wie z.B. zu 

saren , gab man der Diana ganz bestimmt das 
die J'» isische (Diodor, V. 77. ibiq. Messe« 
ling.) i* 7 ). Das Alles l»if»t sieh nun aus den hier gegrün- 
n Roflagern der Satrapen und andern Ursachen be- 
- greifen , die Mir oben berührt haben. Dafs aber auch 
1 liehen Landern fortdauernd eine weibliche. 
Gl 1 rd, die Griechen und Römer nicht 

ander« als Artemis und Diana zu bezeichnen mrfrten, 

Ii.isct die Erzählung des Plutarchus im Leben des 
Lucitllus (cap. a4- p. 507.). Das Romische Heer trieft, 
it, auf die heiligen Rühe der Persischen Ar- 
■ *• , die von den Barbaren jenseits des Euphrat 
koch verehrt wird. 
\l% i diesen zahlreichen Spuren des orientalischen 
ieser ganzen Götterfamilie müssen die Namen 
vorzüglich Aufmerksamkeit erregen, welche in der Ge- 
schlecht stafel derselben beim llesiodus und Apollodorus 



136) nvp«rj«7<tj Strabo XV. p. 10f,5 Almcl. T. VI. p. 2.4 
Tiscb. 

Vergl. Ch.mller Reise nach Kleintsitn (Leipzig 1776) 
p. 3 



i48 



theits an die Caucasischen Küstenländer ilicils an Persien 
erinnern. Sowohl in der HeäiodeischenTheogonie (4ooff.) 
als bei Apoltmjurus (I. 2. .j. ) erzeugt der S<ihn de* 
liraiius und der Gü'a , Guus , mit der Phübe die Leto, 
Apollo's und der Arteniis Mutter, sodann Asteria, die 
mit Perses die Hecate erzeugt. Eben so bemerhens- 
werth ist die Hesiudcische Genealogie des Sol und der 
Luna : 



Tbia _ Hyperion 

(Uranide) (Uranide) 

Perseis. Sol. Luna. 'Hu^ (Aurora) 




Circe Aeetes w Idjia 

I 
Medea. 



M c m n o n , Emathion 
(Aethiopier) 

'Hd>i erzeugt ferner 
mit Cephalus 

I 
Phaethon, den 

Venus rauht. 



: 



Beim Anblick dieser Tutel sieht man sich in eine Lmg 
bung von orientalischen Namen und in die Magierfamilie 
der Colclüschcn Medea versetzt. Diese Erwähnung Ile- 
siodeibcher Theogonie iiihrt uns nach Creta zurück, wo 
ja dieses Gälteisystein seinen ältesten Sitz Latte. Wir 
1 11 also aueh auf die (irefensischen Latoiden einen 
blid 



V). !•>. 






Hierbei bann ieh kurser se\n. E9 werden nun alle 

jene («öuer, deren Abkunft aus Oberasien , nach bisher 

In. nebten Sagen, angegeben ward, in das Götter- 

gescblecht drs ZetU und der Here aufgenommen. 



" 



*49 

dem Qeiue dieses Göitersvstems singt Hcsiodus in der 
Tbcogooie tf)n AT. nach Vofs) : 

„Lcto gebar den Apollon, und Artemis froh des Ge- 
schosses , 
linde vom holdesten Wuchs vor den sämmtlichen 

l Unionen , 
L*fo gesellt in Liebe dem Donnerer Zeus Kronion. 
• r erknlir nun Here zuletzt als blUhenrle Gattin; 
bar die Hebe, mit Eileithya und Ares." 

Ilithyia bat daher auch bei Hörnet us (Od ;ss. XIX. 
188.) auf Creta ihren Site: 

)ort in Amnisos Strom, wo der Eileithya Geklüft ist.* 

Pausanias (I. 18. §.5.), nachdem er der Hyperborcischcn 
»ia auf Delos gedacht hat , die der lu tilgenden Lcto 
so Hülfe kam, spricht auch von dieser Cretensischen 
tergenealogic, wodurch Ilithyia die Tochter der Hero 
«1. Ich verweile um so weniger bei dieser Mythen- 
reihe, da die Bedeutung des genealogischen Vcrhältnis- 
Ili von Zeus und Here, als dem grofsen Gülterpaare 
und dem grofsen Vorbilde jeder Ehe des Altrrthumg, 
»o wie die daran geknüpfte Idee der liehe, als der ret- 
i^frau, und Ilithyia, der Gebährenn , von einem 
andern AJtei thmnsforscher zur Genüge entwickelt wor- 
den. K*ch Cretischem System erscheint nun Ilithyia 
fortan im Gefolge ihrer Mutter, die den hülfreichett 
Beistand der Tochter den Kreifsenden gewähret oder 
weigert. Andrerseits giebt die Liebe des Zeus zur Leto 
und die Eifersucht der Here zu der ganzen Reihe von 
Mythen Anlafs , wodurch das Deltsche Gütlci paar mit 
dem Gottergeschlecht von Zeus und Here in Verbindung 
gesetzt ward. Natürlich werden nun auch die La toi' den 
im Charakter des Cretischen Berg- und Jagdvolkcs ge- 
nommen: Apollo als Bogcnscin'it/.e und Artemis als J> 
rin (xm , .1. Aber auch andere Frädtcate erhält nun 






Apollo in diesem Vcrhältnifs zum Zeus. Er wird 
dessen Oraheldeuter und Prophet (Aeschvl. Eumatt. 
anderer Beziehungen nicht zu gedenhen "*). Ar tri 
die an den Küsten des Fontus und unter den Sotbc 
wie ihre Dienerinnen , die Amazonen, eine unbarmh« 
zige, blutdürstige Iviicgerin gewesen «ar, wird hier 
Creta zur schönen, aber spröden Dorisehen Jungfn 
Dieses Ideal schwebte dem Homerus und Hesiodus 
ihren Dichtungen vor, und auch die Sprache di 
Creter gib der Artemis in diesem Sinne einen Nanu 
BptTu , die süfse , nannte man sie, oder gewöhnlich 
Tofiapxtc , die siifsc Jungfrau ; wozu noch de 
lichste Localname bam : AiKTvprct , ?on dem 1)j< 
sehen Berge auf Creta's westlicher Seite. Dort späht 
sie in weite Ferne dem "Wilde nach, dort erlegte sie 
furchtsame Hindin. Daher wieder näher bezeichne! 
Jagdprä'dicale bei Callimachus und andern Dichten 
Der fabelnde Grieche gflb in neuen Mythen auch da?« 
Rechenschalt. Brilotnartis war eine Cretiscf. 
in der Artemis Gefolge. Tochter des Zeus und der 
me. Der Herrscher der Insel» Minus, veifo! 
Liebe, und endlich rettet sie sich nur durch einen Spi 
ins Meer vom Dictynnaiachen Berge herab. Und 
spielt der Griechische W itz weifer mit dem <N.Tmen Di 
tynna. Fischernetze ( dir.tva ) solleu die Fallende auf» 
gefangen haben und Ulm gl. (Spanheim ad Callim. 



tl< S) Man vergleiche nur «les Nicelas von Serrae "■ 
unter dem Artikel Apollo in unsern Mcleu-ir 
p. dO pq, mit den dort gegebenen Nathweisungtn. 
i|. i. w. S 
ern M» l> umm. I. p. IH sq. und d*tn die 
BewcifcateHen. Man vergleiche jezt noch C. A. L. Pc« 
tnitienu in Aetchyh Again. carni. epod. prim. p. 
i 



131 



sq. und die Anfuhrungen bei Fischer ad PaTaephat.). 
ndotus dagegen lafst den Dienst dieser Dictynna aus 
M herüberkommen. Samische Emigranten erbauen 
itti Creta die Stadt Cydonia, und gründen dort den Tem- 
üieser Gottheit (III. 59.) Zwischen dieser Brito- 
a und der Cretischen Artemis trat dasselbe 
1, wie zwischen der Asiatischen Upis und 
der Hyperboreer. Charakter und Wesen der 
vmnhe war Tom Charakter der Göttin , der 
digte und die sie festlich darstellte, nicht trenn- 
r. Hier spröde Jägerin, dort harte, kriegerische 
iotzone. So t heilten Dienerin und Göttin einen alten 
ideristischen Namen, Britomartis Dictynna. Doch 
tuen unterschied man verschiedene Begriffe und Be- 
lügen dieser Gottheit durch Unterscheidung dieser 
'icn Namen. So rufen z. B, die Bewohner von 
auf Greta in einer Bundesacte mit den Opunlicrn, 
dem Cret : schen Zeus und andern Göttern , die 
temis, den Ares, die Aphrodite, Demeter und die 
uritoroartis an (Ckishull Antiquit. Asialic. p. i36.\ 
rung dieser Dictynna verbreitete sich auch 
iTiirts, und auch in der Cretischen Jägerin wollte 
die andern Begriffe der C ich f I» r i n g er i n > der 
Cebn rtsb el fe r in oder Ililhyia niclit untergeben las- 
•en, Bald leitete man den Namen von dein Strahlen- 
Reifen (oVxEtr) des Mondes her 200 ) , bald gab man auch 



300) Ctc. de Nat. Deor. II. 27. p. 3t7 sq. unserer Autgabe: 
„Itaque, ut apud Graccos Dianam , eamqne Luciferam, 
sie apud nostros Junonem Lucinam in pnriendo invncailt. 
Qua« eadem Diana omnivaga dicirur, non .1 vi'iunilo, 
sed qnod in Septem numcraiur lanquam vagantibuB 
iini (Moser liefst aus handschriftlichen Spuren: 
ict inn a) dieta, quia n o ctu quasi il i ein rll'u-r ■ 
et. Adhibetur atitem ad parlus, qnod ii inalurescant 
Septem nonnunquam, aut , ut plerumquc, novem 



ltm.ie cursibus: qui quja mensa spatin conficiuiit, nun- 
ses noniinantur. ' 4 Jene Worte: Dictinna — d lern 
fcfffcerel werden aus dem Griechischen des Cornutug 
de .V.u. Dcor. p. 2j0 ed. Gal. verständlich: Amrrjiv 5' aJ- 
t>Jv ktyüvfi iii to ßd/).§i'j ifj^c r.-i; üv.rJvx^ ' i ix f i v *yäp tJ 
ßlkXsi'j, Nehmen wir Juno Lucina, llilhyia und Diana 
als Persotlificntionetl des Mondes, dessen Bild die Frauen 
als Aimiltt trugen, weil sie von diesem Gestirn die Be- 
förderung der Geburt erwarteten, so haben wir den phy- 
sischen Gi und dieser verschiedenen Vorstellungen. Vergl. 
nucU Payne Knigbt tymbol. Long. §. l4ü. p. 110. 

20t) S. Cicero de N. D. III. 2.S, neh.st unserer Note, p. 616. 
Denn dieser Apollo ist wohl mit den Crefensischen Ku- 
reten in Verbindung zu bringen , deren Tänze , so wie 
der Apollinischen Musik, der dort angeführte Sirubo (X. 
,10. pag. i6b — 172 Tzach.) erwähnt. Auch werden häufig 
die CorybaiHen mit den Kureten in Verbindung genannt, 
und Proclus nennt sie die Vorsteher der Reinheit 
( «g ucravScu •»% naSa^o n/rox, ) , ganz auf ähnliche Weise ,, 
wie den Apollo, dessen Streit mit Juppiter um die Ober-« 
herrsihafi der Insel ohne Zweifel auf dieselben Creten-* 
tischen Weihen und Mysterien zu beziehen ist. 



der Dictynna das Geschäft der Geburtshelferin , und ge- 
sellte ihr in Bildwerken kleine Kinder zu ( s. Spanheim 
ad CaJlirn. Dian. 2»>4 srjrr. und daselbst die Cretensische 
Kaisermünzc, mit der Jägerin. und dem halben Monde 
einerseits und andrerseits mit der auf dernDictjnnäischen 
Berge sitzendeu Kindermutter Dictynna). Auch in Bei- 
namen und Genealogien des Apollo erinnerte man 
eine Veiliinduti- Creta's mit Asien (s, über diese Verbi 
düng Heyne Exeurs. V. zu Virgil. Aen. III. 101.). Hie 
her gehörte der in Creta geborne Apollo, der Sohn d 
Corybas, der mit Juppiter, dem Cretenser, selbst u 
die Oberherrschaft dieser Insel gestritten a)l ). 

Nach Aegyplen aber weiset in diesen Religionen 
Mein ei es hin. Die grofse Göttin von Ephesus erscheint 




53 



unter ihren hieroglyphischen Decken als Mumie, und 

jener erste Stifter des alten Apollodienstes zu Argos, 

D»n»us, kam als Colonitt aus dem oberen Ägypten. Er 

«nWte den heiligen Dienst zu Ehren des Apollo, der 

Volf zur guten Stunde geschickt hotte. Denn 

dies. he Wolf ward nun das Symbol, das ihm 

»H Gottwcichen die Herrschaft von Argos gab. Ge« 

nit 10 erschienen einst die Wölfe hülfreich den Aegyp- 

tls die Aethiopier von Süden her sie drängten. 

1'" >tand dieser Thiere gelang es ihnen, die 

über Elephantiue hinunter zurückzutreiben, 

vmi nun bauet eu die Geretteten zum ewigen Gedachtnifs 

die V (Eycopolis) in Oberä'gypten. Auch Osi» 

n in >\ olfsgcstalt seinem Sohne Doms, der 

w Jen Krieg gegen Typhon zog , als hülfreicher Be- 

icflüutr aus dem finsteren Amenthes; And ein ispi'-.Xdyoq 

diese Epiphanie Aufschlufs 202 ). Wüfsten wir 

<fcn ganzen luhalt und die Erklärung dieser Priestersage 

1 »o wurden wir gewifs in den Begriff des Apollo 

klarer sehen. Danaus kam aus Chemmis inOber- 

tt, und gerade in dortiger Gegend war dieser My- 

Ton dem Wolfsosiris entstanden ; in der Nacbbar- 

ift lag die alte Wolfsstadt. So viel ist sicher, dafs 

Aegrpten schon die Begriffe Apollo und Wolfsgott 

rbunden wurden. Ob nun der Mittelbegrifl dabei der 

Schutzes war, vom Wolf, als einem Schutzthicr, 

Zoega (Numi Aegypt. Imper. p. 70.) meint m3 ) y oder 



Ä>:> Diodor. I. 88. Synes. d« pravid. I. 115. Euseb. Praep. 
£v. I. pag. 50. Vieles darüber hat Zoega de Obelisci* 
». 307. beigebracht ; s. Symbol. Th. I. p. 408. Note 166. 
rergl. ibid. p. 478 und 264. 

Siebe oben Tb. I. p. 408. und Th. II. p. 133. not. 183. 

Weil nimlich dieses wilde reifsende Thier gewöhnlich 

Nachtzeit seine Höhlen zu verlassen und auf Raub 



•54 

ob der Grieche schon in der Aegyptischen Sprache 
in Aegyptischer Religion einen reellen Grand vorft 
die Ideen Wolf (Hi-xoc) und Licht, Morgenlicl 
(\ia)]) mit einander zu verbinden, mochte sich voi 
schwerlich zu voller Evidenz bringen lassen. In *j 
ren Aegyptischen Monumenten ist dieser letzte Idcrnj 
sichtbarJich anerkannt , wie auch Zoega nachweil 
Aber nicht sowohl deswegen mochte ich diese I'.r; 
für alt und ursprünglich halten , als vielmehr dai 
weil schon Hcruduius (II. i44«) den Horus bestir 
Apollo nennt. Nun steht aber der Wolf nicht blos 
jenem gewifs alten iipb$ Xöyoq dem Ho ras zur 
sondern auch in einer Reihe von Aegyptischen Muni 
ist er ihm als bleibendes Attribut beigesellt. Wenn 
ferner weifs , in Vielehen Beziehungen andere 
andern Gottheiten von den Aegyptiern beigegeben 
den , z. R. die Maus der Athor * 0i ) , die Spitzmaus 



anstehend umherzuschweifen , bei Tagesanbruch hi* 
geger. wieder in seine Hohlen zurückzugehen plkjT, »•] 
erkannten die Alten in ihm ein dem Orcus odrr 
Unterwelt verwandtes Thier, das nur hei nächtlich« 
Schatten aus jenem den .Sonnenstrahlen undurchdrir 
heben Dunkel sich der Oberwelt nähere. Daher 
er ihnen ein Symbol der Verkündigung des Uebar 
aus der Ober- in die Unterwelt, der Rote der Obi 
und Unterwelt, und sie bezeichneten durch ihn 
wohl das tägliche, als auch das jährliche El 
scheinen und Schwinden des Lichtes (>it 
oben kwaßa$ pag, 133.)« Darum endlich war er il 
ein Bild des Wechsels von Lehen und Tod, 
der Ober- und Unterwelt. Die Beweise sehe tut* 
am angef. Orte. — Eben dieser Beweise wegen drücke 
ich mich jezt über diese Lichtbilder positiver in diesen 
Zusätzen zur zweiten Ausgabe au», als ich oben in 
Texte zu thun befugt war. 

204) S. Th. I. der Symbol, p. 520. 



55 



Dato in Anspielung auf Blindheit und Nacht, welches 
ibot ja auch der Apollo Smintheus der Trojaner - 1 ' 5 ) 
hilte. ingleichen dem Anuhis der Hund wegen der Spür- 
iraft und Ahnung i 7 er gl. Th. I. p.ig, J28.) ; so wäre es 
ganz in der Oenhart der alten Aegyplter, dafs sie ihrem 
js , al* Sonnengott, auch den Wolf beifügten; mag' 
der iiieres, wie die Griechen deute- 

ten, oder der Umstand, dal's der Wolf, wie der Hund, 
Miadc Jungen wirft (Aristotel. II. A. VI. 35. cap. 29. p. 
3i9 Schneid.) oder sonst Etwas ( s. die vorhergehende 
Anmrrk. und oben 1h. II. §. i5. am Ende, mit der An- 
merk.) die erste Veranlassung «evn. 

1 aber das Verbal tnäfs des Asiatisch- Hellenischen 
Apollo «um A ägyptischen Hornsgans aufzufassen, werfen 
wir einen Hliek auf die sämmtliehen Licht - und Son- 
nen w es cn der Aegyptier. In diesem Systeme steht 
«b f -n an Kneph , das L t licht. Es schliefst daran Phlhas 
phästus , Vulcanus), das Urfcuer , der erste Odem, 
ann die Sonne, von der Isis zu Sais geburen. Darauf 
die Sonnenincarnationen: Horus (Arucris) , Har- 
poerates , Sem (Herakles) 2Q/j ). Aus diesem System von 
Licht- und Sonnengöttern, welche theils einander nn- 
eordnet sind, theils zugeordnet in Bezug auf das 
Sonnen jähr, wird uns Vieles deutlich im Hellenischen 
ein des Apollo und Helius. Man erinnere sich der 
verschiedenen Wesen dieser Art: Hyperion, Helius, 
Apollo. Zuvörderst spricht der Aegyptier von seiner 
Sonne im ( item gerade so, dafs das Pradicat 

r ion der Inbegriff ihrer Eigenschaften ist. Sie 
ist ihm auch die Hochwaudclndc , sie stehet ihm auch 



flG5) Itijd. A. vs. 39. mit den Auslegern, wozu Tzetz. Ex- 
es. in liiod, p. pf>. kommt. Vergl, auch Orph. IJymn. 
XXXIV. (33.) vs. 4. und Pausati. X. 12. 3. 

S. I. Th. der Symbol, p. 290 fT. 432. 



hoch auf dem Scheitelpunkte des Himmels. Der Vater 
des Helm* war, nacli der Priesterlehre bei JVIanetho, 
Phthaa (Vulcanus). Letzterer regierte in der hi&to- 
risch* ausgedrückten Mythologie Kuetst über 
Aegypten , und sein Sohn Helius folgte ihm ( T. Th. p. 
43a.). Dies ist der dritte Sol , de» Vulcanus Sohn, bei 
Cicero (de Nat. D. III. fti.). Dieser Sol ist derselbe, 
den die Athener als Apollo rcarptöos verehrten. Deim 
Cicero (de N, D. III. 33. a3.) ist er der älteste von 
den vier Apnllen , die dort genannt werden ^° 7 ). Er 
heilst der Sohn des Vulcanus und der Minerva. Das 
war jene zur Neith potcnzir\e Isis von Sai's, von der 
wir in der Tempclinschrift lesen , dafs sie Gebähreria 
der Sonne war a>s ). Die Athener, Colonisten von SaTs 
seit Cccrops, blieben bei manchen von ihren Stadtgott- 
heiten der Religion der Saiter, ihrer Väter, getreu. 
So wie daher die Neith von Sa'i's als Athene die höbe 
Schutzgöttin der Stadt der Cecropiden ward, und wie diese 
dem Hephästus eine vorzügliche Verehrung widmeten, 
so ernannten sie den Sohn dieses Götterpaares zum 
Schirimo^t ihrer Stadt. Das wufsten schon die ältesten 
Geschichtschreiber» nach Ciceru'a Versicherung. Wir 
haben noch die Zeugnisse des Plato > des Aristoteles 
und Demosthencs vor uns 209 ). Dafs die stolzen Cecro- 
piden ihren ausländischen Zuwachs zu verdecken sachten, 



S07) Wir verwaisen in RetrefF dieses Apollo varp^ot, un- 
sere Leser auf das zu den Stellen des Cicero Bemerkte , 
p. $95, 3fJ9. 6ti. unserer Ausgabe. Vergl. auch der 
Symbol. I. Th. p. 45i. 

JOS) S. Symbol. I. p.i30. und daselbst Note 325. die bekannte 
Inschrift zu SaVs, wozu Proclus ( in Piatonis Tim. p. 30.} 

hinzusetzt: ?v iyvu xtfpiröi» «tskov, iAi«; iyivsro. 

209) C f. Clemens Prot re p t. pag. i. und Me u rsi u s Athenae 
Atticae II. 12. 



i57 



kann man sich leicht vorstellen. Zu diesen Bemühungen 

gehörte vorzüglich auch das Bestreben , alte Aegyptische 
igionen möglichst zu nationalisircn , und von ihrer 
•Vtunlt neue Mythen zu ersinnen. Gleichwohl blieb 

dem F/umchls volle» der wahre Ursprung nicht verborgen. 

Auch erhielt die Geheiralehre Manches im Angedenken» 
Weisen nun öffentlich nicht geständig war. So haben 
*ir i. B. ein Zeugnifs des Geschichtschreibers Phüocho- 
m t im dessen Atthis, dafs Apollo in diesen Religionen 
die Sonne war ^ ,0 ). 

man nun, w ie llerodotus ZU der Versicherung 

laa, der Aegyptische Horus, des Osiris Sohn, sey der 

o tif r Hellenen , da man durch dieSa'itisehe Colonie 

dri facrops einen Apollo als Sühn des Phthas in Grte- 

diitcbcfleligioii eingelührt hatte, so läfst sich der Grund 

di»oo auf den ersten Blich entdecken. Der Grieche 

fcaUceiuen sehr menschlichen Apollo in der Volksreligion, 

tmen Apollo, der bald zürnt, bald über seine l'einde 

trinmpltirt, bald hinwieder aus dem Kreise der Olympier 

laen die Heeide weidet; mit Einem Worte, einen 

Apollo im blande der Erhöhung und der Erniedrigung. 

*» solcher war nicht jener Saitische Sonnengott, 

*o» den höchsten Potenzen hervorgebracht, und Aegyp» 

I Wenigstens scheint den Sohn des Phlhas nicht so 

aschlich gefafst zu haben. Mithin konnte dieser 

der a II gemeine Hellenische Apollu seyn. Aber 

, der Gott der vollen, glühenden Sonne, und 



110) Etymolog, m. p. 7ü8. p.69ßTJpß. Photii Lex. p.443. und 
\*> , vergl. Philochori Fragmin, p. 11 ed. 
ti Sieheiis. ObPhilochorus oder die ahm Athener 
»ell>«t Jen Apollo al» Sonne nahmen ( beide Satze liegen 
in den , angeführten Stellen vor), frage ich hierum so 
r, -Li das l">he Alter dieses Glauben« viele andere 
H'wun- bat. 



i58 



daher der schöne, der lockige Mortis , welcher jczt vor 
Typhon flieht , jezt als furchtbarer Rächer deines Vaters 
auftritt, dann im Siegsgefühle zornig selbst der Mutter 
Isis dat Diadem ron> Kopfe reifst 2n ), hur?: dieser ins Fleisch 
geborne Sonnengott war in der Uebcrzeugtmg des Grie- 
chen sein Apollo. Und ganz gewifs war diese Ansicht 
richtig. Es halten zwei Aegvptische Sonnengötter zur 
Bildung eines zveifackenHellenischenApollo beigetragen; 
jener HeJius des Aegyplischen Piiestei Systems halte dem 
Apollo iiaxprSot; von Athen das Daseyn gegeben. Dieser 
Iloius des Aegyptiscbcu Volksglaubens hatte grofsen An- 
theil an dem andern Apollo der Griechischen Völker, 

Line ähnliche Sonneninc arnation kennt Phönicie 
Sydyk, der ganz identisch ist mit dem Aegyp tischen 
Phthas ( Uephästua) , zeugte neben den sieben Kabiren 
noch einen achten Sohn, Esuuin, Gewöhnlich wird 
dieser letztere Aesculap genannt ( Euseb. Praep. Ev. I. 
10.); aber die Beschreibung von ihm führt auf den 
Grundbegriff : Feuer, llimnielswürme , Lebensquelle. 
Auf jeden Fall ist er ein Feuer- und Sonnengott und 
Lebengeber ( Daraascius Vit. Isidor. ap. Phot. Cod. 242.). 
Seine mythische Geschichte zeigt ihn auch ganz als das- 
selbe Wesen , was die Phrygier Atlis nannten. Die 
Phönicier erzählen, ihre Gattin Aslronoe habe den Es- 
mun geliebt, und ihn mit ihrer Leidenschaft heftig 
"verfolgt. Der geängsiigtc Jüngling entmannt sich endlich 
seihst, und Astronoe verleiht ihm die Unsterblichkeit. 
Daher fortan Phonieren t besonders Beryth , seinen 
Dienst beging. Vielleicht war dieser Mythus oder ein 
ähnlicher der vermittelnde Punkt, worin man die 
Idee des Sohnes von Phthas ( Vulcanus) und die 
des Apollo vereinigte. Der Phönicier, dessen 



210 Plutarch, de I&id. p, 356. s. Tfa. I. p. 264. 276. 



i5g 

»tca Psosanias ( Acbaic. c. a3.) anführt , erklärt ge- 

W, eeine Landsleute hielten den Apollo , wie die 

ttBen, für den Vater de» Aesculap, und deutet dieses 

li «o : Apollo sey die Sonne, die durch ihren 

Jahreslsuf di L . Luft gesund mache ; diese den Menschen 

Untren erspi iefslicbe Luft sey Asclepius 2,z ). Wie 

'och seyn mag: Cadmus scheint einen Sonnengott 

^po'lömit nach Griechenland gebracht zu hahen, Oa- 

,r «prechen die bedeutendsten Züge der Religion des 

Apollo »u Theben in Büotien 2tJ ). Hierauf 

mehr als auf die Vermuthung, dafs der Ismo« 

Ho kein anderer als der Es mit ni sc he sey. 

ii'J,u»en diese Herleitung mit der Griechischen , die 

Allwissenden (von i'o^f« ) erinnert, auf ihrem 

s beruhen. Hingegen die Daphnephorien 7 die 



»ick I er, die Hieroglyphen in dem Mythus des Aesculap 
K) p. 9. 1o. d«utet dies bo: Apollo sey 
ie Sonne, das Urprincip aller Lebenserhaltung, weiche 
mit Heilkraft das GewUsser des Huchgebirgs schwängert; 
Aesculap ius sey die vorzüglich in warmsjjrudrlnden 
Quellen sich Bufserndf Gesundueitsluft oder Heil« 
Jaft, die eben von dc-r Sonne ausgehe und mit dem Ge-» 
rasser der Hochgebirge sich verbinde. — Payne Knight 
rmboL lang. £. 1 «0. p. 110. sagt: Apollo und Diana sind 
rheber plötzlichen Todes gedacht. Beide schicken 
Krankheit, gewähren aber auch Heilung; und dieweil 
Krankheit Mutter der Arzneikunde ist, so ward Apollo 
tytbisch als Vater des Aesculapius vorgestellt. Mir 
t der Inhalt dessen, was I'ausanias berichtet , so 
itütlich, dafs ich keinen Grund linde, mich nach neuen 
Jlrungen umzusehen. 

genüge mir hier mit Einem Worte an die Kadineischen 
-.taben (Kaä/^/a y^^.<<iTu) im Tempel des Fsmeni* 
»cn Apollo m Hieben zu erinnern ( Herodot. V. 5y.). 
erung dieser hochwichtigen Nachricht nuds ich 
iierodoteischen AbbandlL vorbehalten. 



die Thebaner alle neun Jahre dem Apollo feierten , w*. 
ren nichts anders als ein alles Sonnenfest. Es hatte vwi 
dem Lorbeer seinen Namen, der, mit Oliv, 
und Blumen umgeben , von dein schönsten Knaben 
Stadt aus einem der allen edlen Häuser in dem feierlict 
Aufzuge getragen ward. Auf die Spitze einet mit 
beerzweigen und Blumen umwundeneu Oelzweigs stel 
man eine eiserne Kugel , an welcher andere kl 
geln herabhingen. Unter diesen hing in der Mitte en 
Bügel zwischen purpurfarbenen Kränzen, Kleiner alt 
oben auf der Spitze ruhende Bügel. Das Ganze war 
einem purpurfarbigen Schleier unterbunden. lue ol 
Bügel stellte die Sonne vor , die senkrecht gerade dl 
unter hängende kleine den Mond, die übrigen die PI 
mMen und einige andere Sterne , die Kränze , deren 
waren, den jährlichen Sonnenlauf. Der Zag ging 
den Tempel des Ismenischen Apollo, welchem man de 
Hymnen sang. Das Fest, Mein) auch vielleicht eini 
Nebenzüge nach und nach verändert wurden, wir i> 
Wesentlichen sehr alt. Das zeigt die Sage, dafs t< 
Herakles, des Am ph.it ryons Sohn, Daphnephorus 
wegen iu ). Dieser Attische und Bootische Apollo schein 



2i4) Pansan. IX. 10. Prodi Chreslora. p. 98P. p.3«7. adeal 
rltphae-stioni* ed. Gaisford. Dieser Apollo hieft ai 
J i>ü-tc;. Die Anwohner am Flusse Gtdaxius in Böc 
l$laublen nHmlicJi , dafs der Gott ihren Heerdcn M 
liebst Hufs verleihe, Plutarchus ■**;-« roü ^ y 
p. 409. Vol. IV. p. 67i ed. Wyttenb. Diesem Apol 
meint Meursius Graec . feriat. p. 63 , h.ibe das Fest 
l.'ixiü zu Athen gegolten, wobei man einen Brri 
Gerstenmehl und Milch kochte. Aber aus einem Lcxic 
rhtloricum (bei Ruhnken. Auctar. ad Hesych. 1. 
und jezt in Bekker's Anecdott. graecc. I. p. 22^.) lei 
wir, dafs es au Ehren der GöUeriuulter gefeiert 
-<* (eben so bei Ilesych.; aber Ruhnkeniu» 



i6i 

*eg ans Aegypten und Phonicien über Samothrace 
Kimmen zu haben. Dort werden wir den Phthas 
:h*i bedeutend finden. Am h das symbolische Zweige- 
st tu Ismenischen Feste findet sich in den dortigen 
cn wieder. Bestimmter aber erinnert der mit der 
?r*ürile bekleidete heilige Knabe daran 215 ). Da» 



»isforil schreiben richtiger liier TatA^a.} io%7*i 'ASjjvvjov 

ipoilo hirfs xeug erqi^ot, und wegen dieser Eigenschaft 

sllte auch der Lorbeer ( ij Idtynt) den Beinamen namp* 

haben, weil er die Geliebte dieses Gottes gewesen. 

•nschat't des «toufOTpetp««* habe aber Apollo 

9) s. Eustalh. adOdyss. XIX. 86. p. 6S3 Basil. 

cf. Suidas l(. p. 350 Kust. wo aber nach Schneider 

iierbucb Kov%tDzk*fi corrigirt werden mufs ( dort 

lr3t;t auch Schneider tine Meinung von jenem Beiworte des 

»rhecr* vor, scheint aber die Suite des Eusuthms 

. ht zu kennen. Vergl. such Hgen nd Hymn. Homer. 

nöü. C. F. Baehrii observ. ad Plut. ArtaXerx. in Creu- 

Idetemm. III. p. 39.). Man virgl. aber Zonarae 

•xicon p. jus, und daselbst Tltloiann, der wohl richtig 

•merkt, tlaf's heim Suidas und Zonaras kobvS«Ju"| ver- 

rt weich n mute. S. den von ihm nngelührten Ety- 

tnolo^ns m. p. 276. p. 25() Lips. ferner p. S9t. p. 274. 

t die Stelle des IJesychius IT- pag. 323 

Uab \>t eine fremde Geilheit (ein 

oder 1*&*tg% im Gegensatz gegen die $ici fa- 

■'-<• iJie Alhenienstr nahmen mimlich inehrrre fremde 

»ottfceiicn förmlich hei sich auf; S, Hemsterhtiis ad 

b Lp. 1694.). Dafs jene fremde Gottheit KofuSaAÄ« 

in vom Lorheer den Namen hatte, sagt uns rhsvehinB 

'. (das W'urt fehlt in der nenesten Ausgabe de$ 

rhuchs : aber rr.^t Plutarchus giebt un« 

licht darüber. Er erzählt Sympns. III. y. p- 681 

Apollo habe zwei Ammen gehabt: dieWahr- 

nt und die Korythalea (n)» 'AJkfiuax kvi jtjv Ko£i>SdXtttu>) t 

1 1 



Jf>2 

fst derselbe Camillns, dessen \;imr P]iöi>ici«cli ist (Kc 
fir^, KaiYpt'Xo«.), der in Samolhrace, wie in Ltruiien. ir 
1» 11 in und Griechenland , als Ministrant im Dienste 
grofVen ISalurgötler rrscheinl, und ein puer patrii 
und matrimus seyn mtiCstc. Wil" werden unten dai 
eurücbliomtnen. 

Nach diesen Vorbemerkungen ist es sehr bc: 
lieh, wie auch in den Orpfiisi-hen Systemen ein Hein 
\>>iltommt, und daneben Apollo doch g,mz notoi 
Sonne dargestellt wird. In den Gedichten, die wir nnl 
Orpheus Warnen noch Italien t gehören der Nebel 
rillte und dreiunddreifsigste Hymnus hierher, ingl 
das achtundnwanzig6te Fragment , womit man die d« 
(p. 487 ed. Herrn.) von Gesner angefühlte Verstellen 
des Proclus vergleichen bann, dafs in Orpbischer I i ! 
Apollo mit der Sonne Eins sey - {f> ). Aus Aegvptiscl 
und Phünicischer Prieslerlehre hatten die Orphiscl 
Schulen in ihrem Phanes Apollo, Helius, Her.ihles 
s. w. die ganze Reihe der Licht- und Sonnrnu esen 
genommen, die wir oben nachgewiesen haben. 



das heif*t die Wahrbeil und dir Nymphe Dapltne, 
rhrs eben synonym mit Korythalen i>t. — Was hat al 
nie Nymphe des Lorbeer» mit der der Wahrheit remeie 
Darauf dient zur Antwort , dafs nach einem Glanlien 
Alten das Kauen der Lorbeerblätter die Kraft def W 
sagong und der Poesie wecke und befördere, s. Cas.nd 
ad Theo ph rast. Charact. XV f. p. 175 sq. ed. I 
(veigl. od Aihenaeum \t. p. 140. in Animadrersi 
& hwgh. Sslmasiu* ad Solin. p. hl);* ) Dalier Wahrs»| 
und Porten '< hiefsen, Tzetz. ad l.ycophr. 

smdr. vs. 6. p. 472 ed. Müller. So tritt also die IV •! 
sagerin neben Ute Wahrheit als Amme des Apollo. 
21h) So Itielt Orpheus (nach Aeschyhia in F.rato.oh. cata;tt 
p. 2't. p. iy Schnull. ) den IUI ms Idr den höchsten 
und nannte ihn Apollo. Vergl. such Siebeiis ad l'hih 
trag mm. p. 'ji. 



i65 

Gerade dem Ismenischcn Apollo wurden auch Brand- 
opfer gebracht , wobei man aus der Oplerftamme weis- 
sagte, auf dieselbe Weise wie zu Olympia bei den Opfern 
de* Zeus 2l7 ). Dieser Begriff des weissagenden Gottes 
geht hier und anderwärts ganz natürlich aus dem des 
Himmeisfeuers* des Sonnengottes hervor, der sich im 
Apollo wie im Zeus vereinigt. Ilaher auch Zeus, wie 
oben bcmeil.t wurde, der Seher in die Zukunft, und 
Apollo sein Prophet. In den Tempeln des Apollo war 
h dieser selbst der Seher. Jch habe oben schon 
■>-edeutet T dafs ich die Verbindung des Begriffs Son- 
>tt und Gott der Musih , Besitzer der J.yra , aus 
■ m alten Symbol herleite, wodurch man frühzeitig 
i he Hitlnung und Harmonie durch die Leier an- 
habe. Davon wird unten das Nähere vorhom- 
<:n so wenig zweifle ich, dafs im allen Sab:iis- 
Olnrasicns die Pyromantie ein Haupltheil des Got- 
Irtdtcnstes war. Es ist hier nicht der Ort, dieses weiter 
r.u verfolgen. Nur das Einzige bemerhe ich: In den 
db Gebern wird deutlich davon geredet. Da heifst es 
. : das Feuer schenkt die Hunde der Zukunft, 
»sen^chaft und liebliche Hede ( Izcschne 
II. 67.}. Hier waren also die wesentlichen Eigenschaften 

Iric* Apollo aus der alten Feuer- und Sonnenidee darge- 
stellt. Davon bat sich selbst in einem Namen des Apollo 
eize Spur erhalten, wenn grofse Altt-rlhumsfoi scher 
Uten. Hcrmias bei Athenaus (IV. 32.) redet 
•1 Apollo Com ans (Kopatoc) , dem man in dem 
tis, nebst der Yesta und einigen 
■ttheiten , unter besonderen Cäümonien einen 
eigenen Dienst feierte. Aus Amimanus .Mai xclliuus (Will. 



roilot. Vlir. 134. Philocliorui betna Scholuttea dea 
OeJip. Tyr. 20. (*. Puilocbori Fragmiu. ed. 
wL p. 101.), 



i6i 

ft. &4'.) ^'«»»f« "wir, dafs es ein orientalischer Apollo 
war, dessen Bildsäule unter dorn Kaiser Julianus nach 
Rom in den Tempel des Palalinischcn Apollo verpflanzt 
ward. Hierin erkannte Scatigcr (zum Catullus pag. Qfo.) 
den orientalischen Ramcn der Sonne HSn» oder rich- 
ligeir Vossius (de Idol id. p. 1 35.) das Feuer als das ewig 
anbelungswerthe Svmbul des «Iten Persischen Sabäismus. 
Die A usleger der Zctidbüclicr bestätigen diese Ei Klärung 
durch die Bemerkung, dafs die Griechen das Persische 
H durch ihr X uder K ausdrucken , und folglich unter 
ihrem Kwpttfbf sehr wohl den II in der Parsen verste- 
hen Iionnten , der, nach Slrabo. mit Anandatiis gemein- 
schaftlich im Ponlischcn Gappadocien verehrt Avard (s. 
Anhang zum Zendarestn II. 3. pag. (>ß. nr. 144« Dyde 
flachtS sii- h in diesem Ilimi den Bcr^ott Amanus , wo- 
gegen aber die Eiklar er der Zendbücher Erinnerungen 
machten. Vielleicht lafst sieh beides vereinigen, s. oben 
H. p. 3i»), Dieselben erlicmuii hierin eine abgeleitete 
Fi»rm des alt- Persischen Guirus des ignis niOSCulus und 
hmina 2ls ) , und zugleich der Sonne und des Mundes. 
Das wären folglich die zwei Gölter, deren Gebuitssiatte 
au Ephesus und Peius die Perser verschonten. Dem scy 
nun wie ihm wolle: die gnnze Summe der Nachrichten 
•von der Abstammung eines Zweiges des Apollo- und 
Ailrniibtlienkles aus Oberasien und der bekannte Geiit 
des allen Magismus machen es sehr wahrscheinlich , dofs 
die Pelasger durch Thracien her schon die Idee eines 
l'euer-, Sonnen- und "Weissagungsgoltes aus jenen Ge- 
genden erholten haben. Die Idee der Weissagung knüpfte 
sich im Apollo einerseits, wie bemerkt, an die Pyrc< 
oder Dadgah's selbst an, andrerseits harnen nun von Ae- 
gvpttn und Phünicien die Begriffe vom Phlhas , Svdyli, 



SlS) VerJ|l. I. Th dtr Symbolik p. 731* 



i65 



» Gottheiten dos Fr df e «eis und dos Lich- 
in <l> i t e v n i fs , hin/.u; örtliche Erschei- 

ne, wie der merkwürdige Schlund 
rlpbi am Fufso des Parnassus mit seinen berau- 
' insUii und dergl. So war es natürlich, dafs 
len T haften Griechenlands, die die VVeis- 

an die Gottheit des Apoilo recht fest geknüpft 
i« die Eigenschaft des Sonnengottes all mäht ig 
in den Hintergrund trat, und dafs sie in Helius, 
gleichfalls aus der Sonncntaicl Aegyptcns und 
»alten halten, desto heller hervorleuchtete. 
Ai xueiliunde , die, mit der Son- 
n» kpolto ursprünglich vereinigt) nun auch ihreu 
Vorsteher erhielt- So war denn jezt an vielen 
> des öH'entlicheu Apollodicnstes dieser La- 
blos als Gott der Bugenkundc, Musik und 
briagtin^ gedacht und verehrt; und so traf, et denn 
Wir Wenige Stellen abrechnen, wo die ur- 
{liehe l'jce durchschimmert ) vor die Phantasie der 
»ger , nameiitlieh des Homerus, der in seinen 
igen einzig bemüht ist, jeden Götterbegriff 
i- Schönheit dem Menschlichen zu nähern. Hie- 
lomensrh. poetischen Geist und Inhalt Apollinische« 
iginn hat Vol's in seinen mythologischen ßr i «■ - 
wohl herausgehoben. Die Nachrichten des 
ron dem Gottesdienste und den Kunstwerken 
und an andern Hauptsitzen des ötfentliohen 
•«■laiigen zur Genüge, dal» man damals an den 
;cn eit»en vom Apollo und von der Artemis 
iedenen Helius und Selene verehrte und bildete. 
se tun l'ausanias Lliaca 1. can. it. §.3. und II. 34. 
sn erwähnen. Ich halte diesen Kegriff 
in Apollo und von der Artemis nicht für den ältesten 
od ursprünglichen, sondern für einen periodischen 
mg der Poesie über den Iahalt älterer Sab ai sc hon 



iGG 



Pricsrerlchrc. Jene ältere Lehre , welcher 
«lie Pelasgcr und Hellenen einzig gehuldigt hat 
virlue auch durch dieses poetische Zeitalter hriidu 
manchen Spuren fort. So erkläre ich mir die Etinn 
rangen Ton Jintlmann (über die philosophische Deiitu 
der Griechischen Gottheiten p. b" ff.) : wie es dm.» N 
mc, dafs dem HcÜus und der Sctene licin li.inptlcst 
Griechenland gefeiert worden , und dafs die Hell 
nicht Lei ihnen, wohl aber bei Apollo zu schworen |»fl( 
ten und dergl. mehr. Jene Feste und jene Eid 
waren nämlich schon durch die vorhomerisebe PrieM 
Schaft bestimmt, und es konnte daian nicht leücbl ci 
geändert werden. 

Nach dieser meiner Vorstellung der Ap 
Religionen betrachte ich nun auch die ganze DoMf 
reibe der Philosophen und anderer Scliriftstelb 
Hörnern» von Pherecydes und Heraclitus an bis zuniK 
scr Julianus und noch weiter herab, nicht als nr 
Yereinigungsvcrsiickc , um die Ideen Apollo, Art 
und Sonne und Mond in Einklang zu bringen . 
als wirkliche Wiederherstellung nltestcr Priestcrlchrr. 

Her Umfang vorliegender Aufgabe erlaubt mir tut 
ins Einzelne des ApolJodicnstcs einzugehen, und 
auch von Patara, Ton Delos besonders zn reden, ir 
eben von dem pan- hellenischen Orahelinstitute zu 
phi, von dem alten Priesterhause der Hranchiden 
Gebiete von Müctus und Hcm Orahel daselbst , das 
eine Pflanzung von Delphi erscheint, ingleichen 
dem Tempel und dem Dienste zu Clarus in Jonien 
zu Gnnion In dem Lande der Aeolier mit ihren char 
teristisehen Sagen von der Manto, von Mopsus und 
andern alten Apollnsprophcten, mehrerer anderer Sitte 
dieses wichtigen Zweiges Hellenischer Rel 
einmal zu erwähnen. Den Namen des Gottes i 
wir mit einigen Worten berühren. Es ist bekannt, 



i6j 

die Griechen allen ihren Geist und Scharfsinn aufboten, 
um men ' \n<>'KLi,tv ;his ihrer Sprache su entriJth- 

seln. Es ist aber nuefe behannl, wie wenig Hcifall diese 
llculelviert verdit nin. Dienst u:id !\ame Mar in uralter 
5 eU»geizcit unter den Griechen au» dem Itlorgenkmdi- 
angenommen und nationalisirt ; in so weit bannten m'o 

I fliesen Namen den ihrigen nennen, zumal da altere 
Formen, wie das Oetiscbe 'Afit'Xio? für Sonne ( s. Hc- 
i« unter diesem "Worte und daselbst die Ausleger)» 
de« sllmähligen lebergang «eigen, Die Wurzel gehört, 
wach «1er Meinung der Orientalisten, dem Morgenlande 
an (Seiden de Düs Svris II. i. pag. \i\\ s<].) , und ist in 
Bei, liel , wie für Apollo, bo auch für "IUtus aulzusu- 
«b 

§. 0.0. 

Aach die Ephcserin weiset in manchen ihrer Attri- 
bute und Eigenschaften nach At|vptcn hin. Wenn es 
jemals milbig ist» den schon oben (l. p. 20,0 ff. he* 
sonders p. cq5. ) bemerhien Grumltrieb der orientali- 
schen Religionen vor Augen zu haben, so ist das hier 
iei Kall. Das alte Morgenland und Aegypten lösete im 
sen Menkcn von Einer Hauptgottheit verschiedene 
Eigenschaften los , persontficirte sie bald besonders und 
gab ihnen als eigenen Göttern ihre eigenen Mythen, bald 
legte es das Abgesonderte wieder in das Grundwesen 
zurück, und vereinigte, was zuvor als getrennt betrat h- 
lei war, aufs Neue wieder. JJics gilt besonders bei der 



<Tt9) Rr»(frcn Namen leitet Sickler (die Hieroglyphen im 
Mythus des Aesculap p. 7.) ab von ?-ß trennen , unten» 
fcluiJcn, absondern, und von ]i&< Kraft j letzteren von 

'II ir\n , hell, licht machen, und von »y !. 
also: dar Lieh tjj Ott, welcher Tares- und Jatt« 
res a b s c h ii i It« btttiuimt. 



Aegyptischen Tithrambo und Bubastis. Zuvorderst zei- 
gen sich folgende Verhältnisse der Aegyptischen weib- 
lichen Wesen: Athor, die Urnacht in der Tiefe der 
Wellen und Zeiten (vergl. Th, I. p. 5ig..). Buto, die 
eweite Nacht, eigentlich die dunkele , feuchte, nährende 
Euft unter dem Monde. Daher bald Nacht der Erde, 
bald Mond selber. Neith, der weibliche Aether (ignis 
feinina) über deru Monde. Isis der Oceanus, das Ur- 
wasser, au* dem die Sonne geboren ist und die Sterne 
ernährt werden, nach Aegyplischer, von Heraclilus und 
einigen Stoikern adoptirttr Lehre. Diese Isis, in hö- 
herer Potenz, wie man sieht, fällt oft ganz mit andern 
■weiblichen Wesen zusammen, z. B. mit der SaViisc.hcn 
Neith (b. oben). Als Urwasser gedacht wird sie hinwie- 
der ganz zur Assyrischen Dercclo und zur Urania vor» 
Ascalon. Buhastis d. i. die EntbSöfserin des Gesichts, 
Gcsichtsverwandlerin , der scheinende und wech- 
selnde Mond. Endlich Tithrambo oder Am ho, 
d. h. der Mond in »einem dreifachen Stand und Einllufs, 
besonders im f u r c h t b a r e n E i n f 1 u f s , der Pllanzen, 
Thiere und Menschen beherrschende Mond, der zerrüt- 
tende, Ii rwahn und Raserei , Krankheit, Tod und Trauer 
bringende Mond 2:i '). Es ist die zürnende Göttin. Da* 



$20) Diese Beziehungen hatten auch die Griechen aufgefaßt , 
z. B. in dein Prädjcat der Artemis, ntkaitiv^. Dies 
sagt Eustathius aü Odyss. XIV. 457. (p. 557 ßasil.). Er 
redet dort von der Verfinsterung des Mondes in der Son- 
nennähe (im Perilulio) und setzt hinzu (. lin. R.): *■, 
T6iavr>j <rs}.Y[>Y) Stä tjjv ir^.c; y f ktov c-yjobt; v.o.) rev dt\ i fMTttß 
■«■fil t& ra<jayw&i?Ttp'j • ort *«' ** kalt tvij *vfüa$ irrrjn vj 
*JLfrqui t o ieri'j >; c-s/ij'vij. Daraufsagt er weiter unten , 
dafs in der Numerischen Stelle a. a. ü. Einige itxbt(. 
fj.tjjeiu (statt on6Tea>jyia l gelesen hatten, wufür die Atliktr 
und Dorier c*.c sagten, von c*6ro<i und ^*a» 

ip*p) und von t*dva (pf- 1 ?) Mond, und also eigentlich 






169 

»er bald 1 bestimmt zürnende Isis genannt, bald auch 
mit der Bubastis, als wechselndem Monde, identificirt, 
ichen mit der furchtbaren Todesgnttin Thermuthis. 
GMr ijöitei tafel nun die Ilanptbezeich- 
nun»en wieder hervortreten , die oben nach Asiatischen 
Milben dieses Kreises nachgewiesen wurden, sieht Jeder 
auf den ersten Blick, und es wurde zum Theil schon 
bcnrrl.L Diese Athor ist jene hosxnogonische Ditbvia de» 
Ol«, his, Dcrccto der Syrer und Assyrer u. s. w. Dies 
auch die Griechen frühzeitig. Ilcrodotus, 
em Grundsätze , fast alle Hellenische Gotthei- 
ten m» Acgyptcn herzuleiten , denlit sich nun auch so 
das Geschlecht der LatoTden : Buto ist Aijto» (Latona), 
ftubastis ist - A pT£ui{ (Diana) (II. 137. i56.). Auch 
den Zwiespalt zwischen den Aegypticrn und Hellenen 
die Mutter der Bubastis - Artemis hatte bereit« 
Aeirhylu» ausgeglichen. Er hatte die Artemis Tochter der 
mannt (Herodot. 1. 1. Paaiao. Arcad. 37. §.3.), 
1 , denn den Acgyptiern Maren Horus und 
Bubasli» der Isis Binder, und Buto war die sie rettende 
•nd nährende Amme (rergl. I. pag. 262.); wahrend der 
■Cmcbende Mythus der Griechen die Lcto zur Mutter 
ow Apollo und der Artemis machte. Man sieht, dafs in 
Griechenland die Oberasiatische Genealogie der Deli- 
'chen lhmncn von Ölen die Oberhand gewonnen halte, 
flül hingegen war, vcrmulhlich aus einem leqbi 
1 worin man den Dionysus als Gemahl der Isis 
•"nnle — man weift ja, wie sehr Acsehvlus die Lehre 
*& Mysterien in seinen Tragödien brauchte — ), der 
'.ien Genealogie gefolgt } wonach Bubastis Toch- 



Dorisch r* » , dafür aber gcbr.luchlicbrr bei Do- 

riern und Atlikern rinor&fAatva. lieber vcrgl. 

mau auch die in unsera MHeicuitn, I. p. 28. angeilhrten 
Melle« und Symboh II. p. ü. 



tri- der Isis war. Ans dem EcgrifTc der his ging »n» 
Vieles auf die Buhastis über , was sich lerner dei 
mis mitiTicüle , und umnebeln t. Wir beben einige U 
züge aus: Isis suchte den Körper des Osiris, und | 
sich mit Jagdhunden und dem hundeköpfigen Am 
(Plutarch. de Isid. p. 356. vergl. Symbol. Tb. I. n 
Also Isis, nie Artemis , mit Jagdhunden umgeben. Ai 
als Mondgoltin schmilzt Bubastis mit Isis in mnni 
Beziehung zu Einem Wesen zusammen. Buhastis h; 
zwar in der Stadt gleichen Namens die Balze als ei« 
ihümtiehcs Thier (worüber sich die Griechen wü 
einen eigenen Mythus von der bei der Geburt dei 
Lies geschäftigen und Von der lliihvia in eine Hatte od 
Wiesel verhandelten Galinthias ausgesonnen hatten 
«». Antonio. Libcr. an. und daselbst Muni. er über yt 
das Wiesel , aber auch die Balze); aber als u: 
Mond Mar sie auch wieder Eins mit der zürnenden 
und hatte Hunde im Gefolge. Auch war sie ja el 
beine andere als jene furchtbare Bruno und als dii 
hüph'ge liecale, die mit Hundcgcbcll die Nächte dur< 
stürmt. Sie war die Mr>ij, die, wie das Griechische 
Deutung an die Hand gab, gartet schiebt --' , ) , dci 
der m onds t'i e h l i g macht •--'). Daher man Frauen 
sonders, mit Y\ et ber krank heilen vom Munde heil 



Sil) Nonni Dkmys. XLIV. vs. 227. p. 1152. coli. IWat. 
A. P. 454« mit Jtn Auslesern. 

222) S. oben Note 220. Hin her gehören auch die - 
^"'•ei oder lunattei de?» \. '['. , worüber Hugo 
imjs Matth, IV. 2i. nachzulesen ist, welcher an grdac 
Orte auch über die v«f*^e'Atjxrpi, lymphatid ui 
fxovi^cufjci gesprochen hat , mit Verweisung auf Ml 
cap. XVII. 15. Utber die rjf*ip&»f*T©i vergl. man an 
Ast zu PlatO'S Pbaedrus p. 260. und zu der Ut bt l 
des l'laton. Pbildrus und des (Ja?.rin.ihls p. 257. 
Ptutarcü. V. Ansiid. 11. in der Mitte. 



>7» 

lucht , im Griechischen bald Tom Monde behaftete 

Är.raff^.'xot;;) nannte, bald von der Artemis ge- 

ffene (Wi*Tttu3o(i\r;TOvs ; Macroh. Saturn. I. 17.). 

In dirser Eigenschaft fallt Bubastis - Artemis ganz mit 

«ler (urchtli.-ii en Ttthrambo, mit der schwer ahndenden 

nesis und mit der Todcsgottin Thormuihis zusammen. 

Jodt/ch nicht blos Plagen, luanl» halle Menstruation 

ttfid andere Uebel sind das Werl« dieser Titbrärabo- Bri- 

mo und A 1 tt-mis- Bubastis; Mondsucht und lirwalm zu 

tsradra ist nicht ihre einzige Freude t sondern sieh er- 
rnd und gnädig herabscheinend leiten sie .freundlich 
die Fracht in der Mutter Schoojs durch den Kreislauf 
der Monden, und bringen sie wohlgexeitigt /.um Tages- 
licht und Leben. Also Bubastis - Brimo- Artemis ist hin- 
Nieder Ilithyia Lucina *), Daher denn auch die Ae- 
g^ptisciie Stadt der Ilithyia nahe bei der Leto- Stadt in 
Ihebais \a^ (Sirabo XVII. p. 56».). 

So zeigt uns also diese Acgyptbehc Güüeriafcl in 
dickem Frauenchor lauter corielate Begriffe mit jenen 
n des oberen Asiens, mit der ersten Nacht , mit 
ItvtfliOffoniseheu Brirae , mit der bösen Mali und 
.(rohen Lililh, mit Aiilat , dem Monde, und der 
1 in aus der Finster nifs, Ilithyia. Hiermit 
lichten wir zur vcrscbleicr ten Mumicngötliu nach Enhc- 
•u» zurück. 

§. dl. 

A m a b o 11 e n. 

Amazonen hatten, nach einer Sage, ihr ältestes 
Bild geweiht. Auch bei Callimacho« werden von den 
Pricstcrinnen kriegerische Tänze um das Bild her auf- 



*) Von Lucini leiten Mehrere Lima nb ; Andere von Aou- 

, lie I I . £ I an zend. S. ilit Amnerkk. au Cic. d. N- 

1). II. C7 p. n7 u. p, 7SS meiner Ausg. uud daselbst auch 

:-« erta über ä o I mid A p o 1 1 o. 



172 

geführt. Mir bemerkten oben, dafs die Hanptplätze 
dieser Küste, Cyrae, Myrina, Smyrna und. andere, die- 
sem mythischen Frauen voJhe angeschrieben »erden. 
Ihr erster poetischer Hauptsitz ist der I* Juls Thermodon 
in Capnaducien , dann der Landstrich zwischen dem 
schwarzen und Caspischen Meere und das Caucasisehe 
Hochland ( Ilerodot. 1 V. im lOffi DiodOT. IL 4> srjq.). 
Aber auch Libyen , nach dem äufsersten Westen hin, 
hennt seine Amazonen , die der Milesier Dionysius ( bei 
Diodor, 1. 1 ) die älteren nennt, und deren lkursehilt 
er bis über Ephcsus und ganz Vorderasien sieh ausdeh- 
nen labt. Es kann, wie gesagt, unsere Absicht nicht 
6evn, in das Einzelne dieser in alter und neuer Zeh viel 
liehandeltcn und viel bezweifelten Sage einzugehen. Ein 
Paar Züge heben wir aus, in muthmafsiieher Beziehung 
auf diesen Ephcsischen Ileligionsdienst. Begeistert!! 
Erauenchore haben wir oben in Comann , Mabog und 
anderwärts im Dienste der Asiatischen Naturgüliin ge- 
funden« Zu Ephesus erscheinen die Amazonen im älte- 
sten Cultus gerade so. Sie harnen vom schwarzen Meere 
und vom Cauca&us her. In jenen Ländern herrscht bi» 
auf den heutigen Tag eine fanalische Verehrung de» 
Mondes, Koch jesl heilst in Thercassischcr Sprache 
der Mond Maza. Konnte nicht das Wort diesen Ur- 
sprung haben i Ities bejaht Sprengel in der Apologie 
des Hippocratcs (II, pag. 5yj.) a *). Auch die Libysche 



?2J) Zur Hauptstella de aqnis, aere et locis VI. 90. p. S5 sq. 
ed. Corav : riv is+iiv o- m^iv z>jv. fc^ww naAiown yJc 

ß%a.y[ts'si -rar <•.< 7-^j AryiJv y>. i\ ro ir^ipl/e; txBi&gvttt. Ich will 
nicht ausschreiben, was Coray in den Annierkk. zu dieser 
Stelle |HtR. 2Ü\. gesammelt lut. Daher die Lateinische 
Benennung u n 1 in a m m i a e , wie diese Lesart denn jezt 
durclr die kürzlich, edinen Texte des lünerarium Atexandri 



. 7 5 

Amamncnsagc deutet auf Mondsdienst hin. Die hci- 
% ..II .um kriegerischen Volke verschonte Stadt heilst 
die Mondssladt (Diodor. III. 53.). Aber der niv- 
ß< rieht von der Brust, die sie verstümmelten 
i ti und uac."c. und dorgl.), odeT <li. sie den Hindern 
entxogcn , ist hei den Griechen zu bleibend, zu durch« 
., als ii.l> nicht ein wesentlicher Zug darin ver- 
liefen sollte. Sollte nicht die Idee der Abstinenz 
dadurch angedeutet seyn , der begeisterte Mondsdiene- 
kiiIi Buweilcn übergaben? Im Phrygischen Cul- 
lu* lernten Mir einen solchen Abstinenten an dem der 
MusiJ. hingegebenen Marsyas k-micn, der niclil Satyr 
»*r in diesem Sinne. Wir sahen auch die fanatische! 
uen kii Alnbog durch seltsame Neigung am meisten 
.11 n Eunuchen hingezogen. Auch Ephesus halle \on 
leine Eunuchen. Jene Priester der großen 
itin d4>rt , Mcgabyzen genannt, mit Persischem Wa- 
rn , waren heilige Caslraten , nach Strähn m ). Aehn- 
h»hf Bpuren vom Dodoniischeu Dienste zeigen gleiche 
ntsagung hei beiden Geschlechtern. Jene 
| Tö^tovpot ) werden auch zuweilen Eunuchen 
it , und in den schwarzen oder wilden Tauben zu 



I der Res gestae AlexanüVi III. $. 96 ^ i*jbgel. 

bcii,tiigt wird. Die verschiedenen ^ ersuche , den 

Nmirn Amazonen aus Sprüche und Sacht zu ei klären, 

bai jezt Charles Pougens im Spec. du ue-or des origin. d. 

'.iic. p. 56 — 64. mit grofser Reletenheft tusam« 

[esteltt. Er selbst findet die Erklärung von I 

er Aufmerksamkeit werlh. Hiernach wäre i»n K«l« 

mukischen Aeineizaine eine gesunde , starke Prau , eine 

heroische Prau. Aus Gründen, die in der ganzen 

obigen Beweisführung liegen, knm iofa mich »OB 'Irr 

hi trennen , dji* alte symbolisch - religiös*) 

Gebrauche kriegerischer Volker zu der ganten Ainaia- 

nrnsjgc die erste Vei anljstnng gt^gtben haben. 

1) XIV. c*p. p. "50 A Almcl. X. V. p. 530 Tuen. 



MC 

tri 

3 

ut 



Dodona, die ab heilige Prophetinnen Antworten gaben, 
wollten Einige von den Alten nur das hieiogljphtsche 
Bild Ten \V i 1 1 W cd sehen , die , jede neue Heirath ver 
obscheuend , sich einzig dem Dndunaisclien Gotte gewi 
met hallen (Intcrprr. grr. ad Iliad. XVI. 233.). Bei He 
apollo ist schwarze Taube Hieroglyphe der jede neue 
Verbindung verschmähenden Wiltwe. Nach Arisiotele 
Bist. Anim. IX. 7. und Aelianus de Aninial. HI. 44« '* 
die 'I'arx«, die wilde Taube, Bild dieser Gaitcntreue 
und höchsten Reinheit* Andere Tanhenai t< n bir.d Sym- 
bol der Fruchtbarkeit (s. oben). Historische; Begehen- 
keilen fanden die meislen Allen und Neuen in dem Anin- 
zoiicnmythtis» Nach den eben berührten Spuren lägen 
Nachrichten von Naturdieust darin, Worin ja die Ent- 
haltsamkeit , tlieil* periodisch, thetls auf Lebenszeit , so 
häufig vrtrliommt. Bas llriegei isehc ist Gharahter niau- 
cher Religion der VortveU; in ^ erliindung mit jener 
1 ■Entziehung der Brust mag auch der Sinu vom Umtausch 
der Geschlechts Verhältnisse darin liegen, da Manne r 
Fr au rn kl ei der anzogen, v,ie oben bemerkt, und 
oft auch Weibliches litten 2<i5 ). Bas letztere geschieht 



225) Hier, wie öfter, trifft Payne Knickt, dem diese Symbolik 
ii'i bekannt wjf , aufdemsrlbea Wtge mit mir zusammen. 
12r gedenkt (. Inq. inio tlic symbob Lauj;. §. 50. pjg. 88») 
der lferma|ihroiJitii.clien Frcya der Sc and in<* vier, und 
nicht den Grund der Ainazonenfabd in symbolischen 
Tempelhildcm, In den Grotten zu Ebphanl«* bei Hom- 
b.iy Butte sich, fibrl er fort, eine otftuhar sy mboUscbe 
Gestalt ganz *>o gebildet, wie die Amazonen des Griechi- 
mIhii Mythus beschriebe« werden : mit einer »ehr vollen 
Weiherbrust mit" der rechten Seite und ohne Hrust 
der linken ( Jutbuhr's Reisen II. lab. \ I.;. Nun v 
muthrt er, die Bildner hallen durch die \ erbindunjj d 
Adclirn Manuabrust und der volbn bei \ or ttt itinlt 11 YVci- 
berbrUSt in Einem Körper die Vereinigung der zweien Ge- 
schlechter in Einer l'ctton andeuten wolltn. 



Un 

:;: 

der 



Uh t mit 



i 7 5 

im Sonnendienste, wodmcli der Sonn e n gn tt als 
Androgyn verherrlicht ward. Im AT o n d s«l i e ti <v t o 
■iiftl« llnifti r|<ii I innen m ä ti n I ich es Thu n , durch 
1 1 " f> u Bg und Kr i e g a 8 b u n g , dar M o n d s - 
Her m n ji !i r odit ferehrt worden. Darum ftctlltefaCQ 
die Amazonen hei Diodurus (HL -ji. s^q.) auch mit dem 
Sonnenkönig Horus eben so willig Freundschaft, als 



harten die Erbauer jener ahen GrntfcnteuipeT irgend eine 
• V olk.sgottheii bezeichnen wollen, und eine s-iKlie 

li habe vcrmuthlich den Griechen den ersten B-. 

trifl von einer Am.17.ane gegeben. In einer schönen Ama« 

. figur 7u Landsriowne llmise ».ehe inan noch den 

androgynischen Charakter mit vif hm Ausdruck d.irge- 

, obachon der Künstler jene Verunstaltung dereinen 
Jtrust vermieden habe. — So weit P. K night. Wenn ich 

nun ein Zusammentreffen mit meinen VorptelJungen 
finde , so meine ich damit den hlos symbolischen 
der Sage, Die eigentliche I<ire der Amazone ist 
mir »her nicht sowohl das A i> d r o g y n i s c h e , als viel- 
mehr das absichtlich Männliche. Die Amazone^war 
eine vinro in einem kriegerischen GeMimdieiisie j so 
wie der Eunuch (Gallon, Combabos und d- tgl.) in dem- 
selben j-iderisciien Orgiasmus das Weibische im Manne 
liecteuf*am darzustellen suchte. Die Amazonen waren 
rl»m martialische Hierodulen , und wenn die natürlichen 
iherudulrn durch Hinopferung ihrer JngrndblUihe Son- 
nen - und Mondtgdtter als die gro/sen ReMsantr der 
Kerfe verherrlichen wollten, so war diese kriegerisch* 
Jungfranenscbaar dazu da, durch Verrichtung auf die 
Mütterlichkeit und durch Streitfertigkrtt darzutbun] so« 
wohl daf» jene ßaalim und Astaroth periodisch uut'inchlhar 
sind , als dafs sie die finsteren Milchte der Nacht und 
des Winters bekämpfen. — Die oben mitgetheilte Nach- 
von den Religionsgebräuchen su Aphaka auf drin 
Libanon lafst uns nicht zweifeln , riafa dicSi r Qeschleohtt- 
Wecbarl auch in Handhinict n ausgeartet ist , wodurch der 
Mann zum Weibe und das Weib zum Manne gemacht 
wird. 



174 



Podona, die als heilige Prophetinnen Antworten g*b< 
wollten Einige vfm den Alten nur das JiicroglyphUcli 
üild von Witt wen sehen, die, jene neue H> 
abscheuend , sich einzig dem Doäonäischen Gottc gci 
rnet bitten (Interprr. grr. ad Iliad. XVI. s3S.). Cei lb 
apollo ist schwarze Taube Hieroglyphe der jede m 
Verbindung verschmähenden Wittwe. Nach Aristotel 
llfst. Anim. IX. 7, und Aelianus de Animal. III. ]]. 
die «l'aTTa, die wilde Taube T Uild dieser Guttculrcue 
und höchsten Reinheit. Andere Taubenarten sind Si 
hol der Fruchtbarkeit (s. oben). Historische ■ 
heilen fanden die meisten Allen und Neuen in de 
zouenmylhns« Noch den eben berührten Sparen 
Nachrichten von Nattirdienst darin, worin ja die Li 
halis.miheit , ihcih periodisch, iheils auf Lehens; 
häutig Torhommt. Das Kriegerische ist Charahter nn 
eher Religion Jcr Vorwelt; in >crbindung mit Jim 
J.ut/.iehung der Brust mag auch der Sinn vom Uintaoi 
der Geschlechtsverhä'ltnisse darin liegen, da Mann» 
Frau en h I ei der anzogen, «ie oben bemcibt, m 
oft auch Weibliches litten 3U5 ). Das letztere gesehit 



2^5) liier, wie öfier , trifTi P.iyne Kuight, dem dies« Syni 
^)\c' bekannt wji, uufdt iii:»rlbenH tgi mit mirsu&aaM 
Lt yidcnki ( |nq, into ihe gyinbol. Laug. Jj. iü. pjg 
dtr llcrm»|ihri>dilibciien Freya der Scandinavicr , 
fuebt ihn Grund der Aina/oncnljln.l in sytubo 
Tempelbildern. In den Grmun zu Klrphantt 
Iwy linde bich , fahrt er fort, eine oHVubar s\nilj 
.,lt gam su gebildet, wie die Ahi.uihm n «!<--> Gl 
»cht-n Mythus beschrieben werden: mii t'invr4ehr 
\\ iberbruSt auf der rechten Seile und «jlme. Rr 
der li.iLcn ( Niebuh r's Reisen II. lab. \ I Nm ver- 

muthrt er, die Bildner hallen durch di« Verhiu I 
i\a iiubiust und der volh n hervcrti 

Jjrii., Körper die Verewigung dei 1 

schlechter in Emcr Person andeuten uollta. Ili* 



IUI 



i 7 S 

Sonnendienste, wodurch der Sonnengott als 
Irogtfl verherrlicht ward. Im M o n d sd ie n s t e 
durch der hmien m iin nl ic K es Th u n , durch 
ung tiiu\ Kriegs o hu ng, der M <» n »1 s - 
Itphrodit verehrt werden. Darum schliefen 
iznnen hei Diodorus (III. 53. srjq.*) auch mit dem 
cokönig lloi us eben so willig Freundschaft, als 



■1 für F.rbaiiT jener alten GrottentenipeT irgend eine 
Volksgoitheil bezeichnen wollen, und eine t»»lche 
he vermitthlich <len Griechen den ersten B^« 
riS' von einer Amazone gegeben. In einer schönen Aiiu- 
:ur tu Laiulsdowne Hnuse »«ehe man noch den 
idrogyn lachen Charakter mit vielem Aufdruck darge- 
>chon ilcr Künstler jene Verunstaltung dereinen 
nirden habe. — So weit P. Knit>ht. W«mi ich 
inu nun ein Zusammentreffen mit meinen Vorstellungen 
meine ich d;miit den blos symbolischen 
»eist der Sage. Die eigentliche Jtlee der Amazone ist 
er nicht sowohl das Androgynische, als viel- 
mehr das absichtlich Männliche. Die Amazone war 
nne v i r a % o in einem kriegerischen Gestirndienste; so 
wie der Eunuch (Gallmt, Comhabns und d< igl.) in dem- 
tvlhen »Wertoclten Ürgiusmus das Weibische im Manne 
"(»am darzustellen suchte, Ute Amazonen wjren 
eben marri.ih-.ch*- flterodiilen , und wenn die mitürhchm 
idulen ilurch Uinupferung ihrer JiigrndhlUlhe Son- 
nen ■ und Mond*j{'Jttt r als die grolsen Besanmcr der 
Ertl» vcrherrlichrn wollten , so war diese kriegerische 
.lungfrAfienüchaar dazu da , durch Verlieht ung auf di* 
nkeit und durch Sfrcitftr ti-k« it darzuihun, So- 
rte Baalim und Astaroth periodisch unfruchtbar 
ind , als dafs sie die finsteren Machte i\er Nacht und 
n Winters bekämpfen. — Die oben mitgetheiUe Nach- 
von den Ktlipionsgebräuciten ?u Apbaka auf dein 
1 >ns nicht zweifeln , dafs dieser Geschh-clits- 
■x-1 auch in Handlungen ausgeartet ist , wodurch der 
Mann zum Weibe und das Weib unu M^nne gemacht 
wird. 



176 

sie die Mondsslndt gern Terschoncn 22r >). Auch Pcrseos, 
der Danaide, aus dem Hause der Sonnenverehrer, des- 
sen Tempel man dem Herodotus (IL c/i.) im Sonnenlande 
in der Stielt Chc-umis zeigte, setzte die Kriege der Anw 
zonen gegen die Gorgoncn in Libyen iort. 

$• >9- 
Artemis. 

Das älttste Bild der Göttin zu Fphcsus xruv ein Hirn« 
melsljild (AtoTieTfcu). und die Beliehner dtr Stadt legten 
einen grofsen YVerth darauf, im Besitze desselben za 
Bern 2 ^) , nicht geringeren als die Fessinuiitier auf das 
himmlische Idol ihrer grofsen Cr bei e. Ueber die nähere 
Beschaffenheit fehlt es an bestimmten Nachrichten. Na* 
lürlieh theiilc es mit ähnlichen Bildern den allgemeinen 
Charakter des hoch AllerlhÖMilichen. Amli, aus Mün- 
zen zu schließen, die uns oft die Ephesiscbe Göttin als 
einen LlnlVcn Tronh mit Hopf' und Fiifsen zeigen , i%ar 
es riclleicht blofs eine solche Heime. Dies schlief«! 
aber gewifs bedeutsame Attribute nicht aus, die wohl 
ursprünglich dabei angebracht Waren. 

Auch die sogenannten verua oder Stäbe, wodurcl 
die Leiden aasgebreiteten Arme des Idols an den Boden 
oder an die Basis befestigt sind, Vorüber Lucas Holstein 
einen .eigenen Brief geschrieben bat, mögen mit zu die- 
sem allen Charakter des Bildes geboren. Zu dem Lr- 



226) Wir erinnern hier beiläufig an das Indische Epos voi 
Krieg»* der Mondskinder, Maiuubfearaia % *>. Th. I. p •> 
und an d'-n Ran»,ij«ti , <lt r die Tlirnen d«-s Ilama .mis d< 
Geschlechic der Sonnenlunder besingt, s. ebendaselbst. 

227) Acior. XIX. 35. cf. Grotius ad h. I., auch Henricns V'a- 
lesius ad Soaomen, (litt, eeetea. üb. IL aap. 5. und He«*« 

rrn's und Tvchsen's Hihlioili. der alten Liier, und Kunst 
rar. X. und daselbst v. Meyer p. 1 ff. 



i 7 7 

»runglicben und Wesentlichen ist, nach Plinius (H. N. 
X\I. 99.) i auch die Wahl des Ebenholzes mi rech- 
nen, wofür seltener, wie es scheint, dos Holz des Wein- 
stocks und der Ceder (\ itrurio« IL o.) gewählt wurde, 

Die ichwarse Fsyhe war deren den Grundbegriff 
diese« ganzen Wesens gegeben , und noch späterhin 
sehen mir eine Mohrengöttin -■ Ä ) unter den bierogljnben- 
reichen Hüllen rohen -'-'). Schon Xenophoo (Anabas. 
V 3. *i) gedenkt eines goldenen Hildes, welches man 
an die Steile des alten hölzernen gesetzt holte. Dos völ- 
lig ausgebildete Idol ist, vie mehrere der Art, ein I J an- 
t heu in oder ein Aggregat der mannigfaltigsten Attribute, 
gleich jener FClIe mythischer Züge, die Mir bisher in 
den Religionen Oberasiens, Scythicns, Aegrpteni nrul 
Libyens nachzuweisen gesucht haben. Die Griechen, 
nach ihrer Weise , deconrpo nieten die Exuberuna dt-r 
heil, nie in ihren Mythen, so mich in der 
dneret. Durch die Mannigfaltigkeit via Attributen, 
die sie unter die verschiedenen Artemisbildcr einzeln 
reriheilten, wird uns wiedergegeben, uns in der Göttin 
Ton Ephesus frühzeitig vereinigt gedacht war. Aber so 
wie jene Jonier hei ihier Ankunft auf dieser jKuVe 
diese ura I le lletigion und dos 11 im ine 1 s b i 1 d , worauf 



dem Dresdner Bilde, s Beckers Augusteum 
I. nr. 1*. und sonst. J J..r's die Gattin, menschlich 
ge*lallrt, nur 11, Ylumiend» , worauf die 

f h i e Tische n Attribute angebracht sind, wie itart 

niebl vi I In. Daulr 

spricht auch die Stelle des Pausacias (Anic c. t8 5.5. ) 5 wo 

er vun de« Ath nel redet, die die Bilder tltr 

I liiliyia bis zu den füfstn hetab bedeckten. 

Hierzu vergleiche man das unten, nach de la Chausse, 

|ebene Bild Taftl III. nr. 4, womit man Jn Übrigen 

Darstellungen bti Menetrier inGronovii Thesäur. antiqq. 

c. Tom. VII. p.iR. JMi sqq. und Museum Pio - Clc-» 

roeniinuin I. nr. 32. retbinden kann, 

H. 12 



78 






sie sich bezog, nicht zu hclleni&ircn gewagt hatten 
hatten auch fortan die Griechen, neben ihren i 
Artcuiishildrrn , Idole der Epheserin nach der For 
dieser PantJtea , und dieser Ephesische Cullus verb 
tetc sich durch die ausgewanderten Phocaer bis 
dem westlichsten Europa hin. Mit Recht konnte als« 
so weit jener Goldschmidt in der Apostelgeschichte 
über den ganzen Weltpreis verbreitete Verehrung sei 
Göttin rühmen. 

Beim Uebet blich der einzelnen Attribute dieses 
eben Bildes erscheint auf dem hinterwärts verschtei 
ten Kopfe die Thurmkrone, welche für den alten Lj 
6chen Kopfputz zu halten ist, wenn Zoega Recht 
der dies in einer gelehrten Anmerkung (zu Bassiril 
I. 01.) auch in Bezug auf die Phrygische Cvbele 
Weisen sucht. Beide Göttinnen aber gehören in 
sein Sinne Lullen an. Auf Münzen hat die Ephc*< 
auch wohl den (alathiis , den man bald für den 
Leberrest eines Saulencapilh'ls angesehen hat, bald 
liger für einen Modius als das bekannte Bild der Fru< 
barkeit. Die Brüste, wovon die Göttin bekanntlich 
cexnq oder inultimammia hiefs (s. des heiligen 
ronymns Pracfat. zu seinem Commentar über den 
Pauli an die Fpheser), sind fast immer Thierbi 
l cln'i- ihiten sieht man oft ^cx\ halben Mund. Unter 
nen theils Köpfe von bekannten Thicren , von Lui 
Hüben, Hirschen, daneben Dienen und den Se< 
theib symbolische Tbicrcompusitionen : Panthi 
mit Hörnern und Klugein, Löwen- u\n\ litgei hüpfe 
weiblit -hen Krusten, sodann die Fahclthicre, Gl 
Drachen; auch arnheskenartige Formen , z. B. auf 
Dresdner Itilde , Figuren mit Fli'geln ohne Füfse, 
gleichen Sphinxe und die Perlenschnur mit dem Em 
pns von Früchten und Blumen, unter den ülumen b«- 
kontlers Ch)sauihcmum und Rusen. 



*79 

Bekanntlich ging Menetrier auf eine bestimmte Er- 
klärung jedes einzelnen Attributs aus. Glücklich, mit 
sie befriedigend leisten könnte. Ohne sichere Data 
konnte Manches willliührlich gedeutet scheinen, z.B. die 
; Uirsehköpfe aufdic vier Monclsvcrändcrungcn *), die 
Löwen auf den Stand der Sonne im Löwen, wenn gleich 
Beide«, nach astronomischer Ansicht des Hildes, für 
wahrscheinlich gelten kann ; Anderes ganz unglück- 
lich, wie B. B. : dafs der Scehrebs als Baublhier die 
JagdgCuin bezeichne. Bei den Löwen konnte jemand 
«och hier wieder zunächst an den Hünig der Thiere, die- 
»r* aJte Bild der llcrrscherkraft , denken. Becht wie die 
ti>: •"tlin aus dem hohen Orient erschien Artemis 

auf dem Rasten des typte! us. Sie hatte Flügel und lei* 
an der einen Hand einen Parde] , an der andern 
einen Löwen (Pausan. V. 19. §. 1.). "Vieles ist an sich klar, 
x. B. die Iu'ihc, da wir die heiligen Kühe der Persischen 
Artemis bereits kennen, da wir die Verbindung des 
Stier* mit dem Monde und mit der Artemis xavpoTioXo^ 
wissen, nicht zn gedenken der Verwandtschaft mit der 
AegyptUchen Isis. Dieses Stiersymbol erscheint aurh 
auf einer seltenen Münze von Augustus. Dort schreitet 

Diana tauropolos üher einen liegenden Stier hinweg 
(». die Abbildung und Erklärung hei Spanheim ad Calli- 
sn*tlt. |i |56. > Der Hirsch war gleichfalls der Griechi- 
*i hen Artemis zugesellt. Die nahe liegende Bedeutung 
drr oben beim Cretischen Mythenkreise 

bei Hurt heilst sie tXXo<^nvoc, weil sie die jungen 

I Hirsche jagt. In der opt*chen Güitcrgesthichte kämpft 
•) Die vier allegorischen Hirsche auf der Esche Vj:Jrasil wer» 
den von einigen Erklarem f'er Brfrfa nuf die vier Winde 
belogen , *. in der Kürze Nyerup« IVflfierb. der Scand - 
nav. p, 128. Auf jeden F«ll sind btide Dichlun- 

jen aus Liuer Quelle geflossen. 



sie als Hirsch mit dem Giganten Typhon. Ein Bild, das 
die Kunst fortgepflanzt hat. Ais Beispiel kann die unten 
beigefügle Gemme der Stoschischen Sammlung (s. Tab. 
II« nr. 5.) dienen. Auch als Luna soll ihr der Hirsch zu- 
gesellt seyn. Die Naturgeschichte der Alten erhühete 
dieses Thier durch den Glauben seines langen Lebens zu 
einem Symbole der Ewigkeit, wie besonders Raisermun- 
zen zeigen (s. Spanheim ad Callim. Dian. p. 25 1.). Wel- 
che Beziehung der Hirsch zur Epheserin aber auch ha- 
ben mag, ihr dem gewöhnlichen Ephesischen ähnliches 
Bild, übrigens weniger symbolcnrcich, erscheint zuwei- 
len mit zwei Hirschen zur Seite. (So bei Gronov und 
Menetrier p. 3()i. So ferner findet sich in den Basreliefs 
-vom Tempel des Apollo zu Phigalia Apollo und Diana 
auf einem Wagen, der von zwei Hirschen gezogen 
wird; s. die Abbildung auf uns. Tafel LI. nr. i. und die 
Erklärung p, i(M. Die Fabelt hiere weisen uns eben 
so wohl nach Aegypten als nach Oberasien hin. Beim 
Anblick einiger dieser Bilder mag man wohl der Itac* 
trierinnen gedenken, die auf dem Lvdischen Tmulus 
die Persische Artemis verehrten. Wer will nach dem 
Obigen zweifeln, dafs Medien und Pcrsien zu diesem 
Bilderkreise beigetragen haben? Aegypten gewifs nicht 
weniger; wenn auch die Schwarze des Angesichts und 
dei übrigen enthüllten 'Miede nicht bestimmt an das 
schwarze Aegvptiervolk erinnern sollte, so doch wohl 
die Sphinx , die der Tpheser wie der Pamphyüer so häu- 
fig seiner Artemis beilegte (wie die UOnsen '* i Pellerin 
Bee. II. pl. 71. nr. 11. niil dun Kopie der Artemis Per- 
gäa **) neben einer Sphinx und su manche Diauenbildcr 




WO) 'jLm Perga in Pjmpbvlien halte nämlich Artemis ein« 
alten und berühmten Tempel. Strabo XIV. 2. pag. 667. 
p. 67t Ttscbi — tc t?: (Ifwofo; 'AfrH^iiat <*;«>, n 
iffjfH '■ trat — also mit religiösen Jahres- 

/c»un; ja nicht blos dits : auch eine Freistätte (Asyl) 






ton rphcsus beweisen), und mehrerei Andere. Bei dem 
-, diesem gewöhnlichen Attribut der Ephesi- 
n. werden unsere Leser desäen eingedenk 
•eja* wts oben über die mythische Verwandtschaft der- 
ben Derccto gesagt worden) und 
*■» HerndofHs, über den Boden von Ebbest» berichtet, 
tler toi mal* .Meeresgrund gewesen. Dieses Symbol greift. 
rt ' ■ <iie älteste Hosmogonic zurück. Pausanias sah, 
™>J»tia in Arcadien eine Fischgöttin, von der man 
{ *ul&to, ob sie Artemis oder Eurynomc zu nennen 
'taj. cap. 4*> §«4«). Die Einwoh.er erklärten Eury« 
Greinen Beinamen ihrer Artemis. Diese Euryno- 
die Gattin des alten Schlangengottes, der noch 
us and den Titanen die Welt beherrschte (Apol- 
Mud. I. 5o3. ). Auch beifst eine Eurynome des 
und der Tethys Tochter (Hcsiodi Theogon. 337. 
w y<A ) , Das waren Andeutungen der Geburt der 
aus dem Wasser \ und die Artemis -Eurynomc war 



Iiatte dieser Tempel nach seinen Vorrechten , so gut wie 
<i Ephesus. Dies besagen die Inschriften, z. B. 
_ uiv '"AtuAov lki.lv. So war also auch das 
JWuL.ur.ii ( die Tcmpelbesorgungi) für die l'trgüer ein 
!iii|, worin sie mit andern Kleinasialischen Städten 
ilihle der Gröfse ihrer Diana prunkten, s. die Be- 
bet van Dale ad Marmora antiqq. p. 311 s<j. Noch 
aaf Münzen der Römischen Kaiserzeit kommt <lx se Diana 
*ergi,t vor, z. B. auf einer mit dem Hilde des Nerva 
jeira Harduin zu Plin. II. \. lib. V. cap. 27. — Bei Ca- 
Stabala In Cappadocicn ward eine Diana Pirasia (FJ 
verehrt. Hier, sagte man, gingen Priesterinnen mit blos- 
sen Füfsen über glühende Kohlen (Straho \1». pag. .537. 
pag. 27 Tzsch.). W itder ein Zug von fanatischem Rtli- 
gionsditnslc. Hierher verlegten Einige die Begebenheit 
des Orestes mit der Diana Taqropolofi , und deuteten den 
Namen Perasia aus Griechischer Sprache (Strabo a.a. O.). 
Andere halten ihn für Cappadocisch (Jablonskj de ling. 
Lycaoo. p. iiO ed. Te VVaier.), 



i8a 

in diesen» Sinne die polenzirte Isis, oder da» p«w 
ficiite Urgewässer. Man hat auch den Scehiebs auf i 
Kopie der Isis finden uollen, als Symbol des l'cucl 
Elements, und zugleich als mystisches Bild der Seel 
Wanderung in die feuchte suhl unarische Sphäre (s. 
Goens ad Porphyr, de antro Nymph. cap. 6.) 2 ' 1 ). Eine 
dere Bedeutung , die der Hafen g t> 1 1 in (kiuivixiq) 
kann ursprünglich von der am Hafen thronenden E[ 
serin auf die Artemis der Griechen allgemein ühertra 
worden seyn Mit diesem Ante und Namen kommt 
temis mehrmals vor. Dahin üic-ht man auch die Mut 
der Bruttier, die auf der einen i-eite den Kopf . 
tin mit dem Seekrebs, und daneben die Wasserscbfar 
auf der ordern den Seekrehs allein darstellt. Eine 



231) Auch für ein Bild der Klugheit und Vorsicht 
der Seekrebs ausgegeben, dm wir daher auf Hm Mür 
so vieler Seestädte , Inseln und Strandörtci in Phonk 
Jonien , Aeöhtn unJ Grofögricchenl.md finden; *, 
lermaim Bemtrkk. Über Phönic. Münzen IV. p. 11. 

832) Auch tyayeffMowi, Nun kommen aber auch noch ar 
Epitheta vor: h^vata ( Pausan. Corinlh. VII.), 
(Laconic. XXIII.), /'/fvJ; (Lacon. II. VI]. Messen. 
XXXI.). Hierbei mufis an Aijuvjj gedacht werden , und 
zeigen sich nun ?.wei Erkliirungsarttu ; tutweder dsfs 
triuis in sumpfigen Oertern , an Seen , vorzüglich V rr 
ward , oder dafs Ai;xw^ hier , wie Öfter , das Meer bcJ 
nete , und man dabei also an den aus dt in Meere auf] 
henden Mond dachte , also eine ähnliche Volksanschat 
von dieser Artemis hatte , wie von der Aphrodite. 
Herrn ione kennt Pausanias einen Tempel der Ver 
wozu er die Epitheta Aijmv'u Tlo-sria fügt (Corinlh.XW^ 
ün.). Dies vertragt sich wieder mit dem Begriff 
Beschützerin der Seehafen, wie ich hier 
Diana genommen habe. Jene andern Begriffe , die 
bi/ieirn tiicht widerfprech. n , hat mein Freund, 
Dr. i. A* L. Feder, scharfsinnig angedeutet m 
Commcntatio in Acschyli Agam. carm.cpod« prira. p. 



dieser Münze habe ich unten (Tab. V. nr. 7.) nach He- 
ger beifügen lassen. 

Die Biene iv$ ) , welche aus dem Leihe des verwe- 
senden Stiers der wunderliebende Aegypticr durch eine 
physikalische Metamorphose hervorlocktc, und die da- 
her die Sliergeborne hiefs , wie sie der Kleriker rhilc- 
ta* nennt, sie, die noch bestimmter ein anderer Aegyp- 
ti^eher l>..et Archelaus «der verwesenden lluh geflügelte 
Kinder:- genannt***), und welche so einer Fülle von 
Mythen den Ursprung gegeben, ist auch der Ephcsischcn 
Artemis fast bestandig beigesellet. Ohne Zweifel in 
mehr als Einem Sinne. Zunächst ganz local und histo- 
risch. Die Musen hatten in der Gestalt von liienen 
jenen Joniern von Attica's Küste den Seeweg nach Asien 
gewiesen, und waren ihnen in die neue Heimaih am 
Flusse Meles eben so treue Führer gewesen, wie dort 
den ChaJcidenscrn die Tauben auf der tieberfahrt. nach 

na (Philostrati Iconn. IL ß. pag. 0i3 Olear.). Dieses 
Ercignifs verewigten die Jonier auf ihren Münzen. Wir 
haben (Tab. 111. nr. 5.) ein uraltes Stück dieser Gattung, 
wie Schreibart und die vier Vertiefungen auf der Hehrseile 
»eigen, nach PeUeria mitgetheilt 2Vj ). Sodann hiefs ja 

h der Mond, als Vorsteher und Princip der Zcu-» 
gang, Biene (ueXioo-ot). Ueberhaupt verband man 
mit der Biene die Idee von erster, unschuldiger, reiner 

irung, deren Erfindung man einer Nymphe Melissa 
(Biene) beilegte (s. Mnascas ap. Schuliast. Pindari Fv- 



213) S. I. Th. der Symbol, p. 492 sq. 

234) 8. das Fragment des Philetas bei Antigens Carj 

cap. 23. vergl. Philctae Coi Fragmji. f. 6J ed. Kayser. 
YiigU. Georg. JV. 28t. und daselbs uii* Aublrger. 

2i$) Auch auf dem nach de ia Chaussr. gegebenen Bil i 

Diana von Ephcsus (Tnfcl III. nr,4 .) erblickt man unten 
an den Fuf.cn die 13 i e n e n. 



thia IV. »06.). Von Honig sollten im Unschuldssta 
des heidnischen Paradieses die ersten Menschen gel 
baben , ganz hingegeben dem reinsten Gottesdienst 
Diese ersten Pi iestei innen , Melissen, wie die Bii 
genannt, hatten auch den Fruchtbau, als ds 
Nahrung, den Völkern gewiesen. "Wie natürlich 
seh int demnach die Biene mit der guten grofsen N 
mutter in Verbindung. Dieses Attribut mag auf Art 
insgemein übergegangen seyn, und so wäre die Dies 
neben dem Dianenkopf auf Münzen von Neapel eben 
begrcillich, wie neben der Aehre auf Münzen von Mi 
]■< uinii». Beidemal denht Win ekel murin ( Alleg« 
583 neueste Ausg.) an Namensymbolik, Wie dem 
icj : erste Nahrung und reiner Gottesdienst war die« 
Idee, die m *n mit der Biene verband, daher denn P 
siei innen, in Eriunerung an ihre Heiligkeit, M 
genannt wurden; mit besondern Beziehungen die P 
sterinnen einiger Gottheiten. Um hier beim Vurlie 
den zu bleiben, so nennt Piiularus (Pylh. IV. 106.) 
Pvthiscl.c Priesterin: Biene von Delphos. So war al 
dieses reine, merkwürdige TMer vom Alterthum a 
sehen , ein Bild der wichtigsten Verhältnisse des Lei 
zu seyn , und selbst der Geht imlchre diente es «o e 
sinnvollen Ausdruck. Die reine, nüchterne Biene 
lafst ihre llcimath und siedelt sich in einem neuen S 
an. Darum war sie bei den Alten Symbul eiiu 
ganz allgemein (Aeliau. Iiist. Anim. üb. V. cap. 1 
auch in der Fremde vergifst sie nicht das Val 
i>. > ielleicbt wollten jene Anführer der J>> 
Colonte, die durch so manche, besonders religiöse B»r 
mit drr Vaterstadt Athen in Verbindung blieben ( 

.f doch z. B. wie die Mutterstadt ihre Apstu 
und '1 hesmophorien fort u. s. w), durch die Biene 
den Münzen von Ephcsu» auch dieses andeuten, 
dem auch sev : die Biene, venn gleich ausfliegend, 



i85 



die Heimath nicht , und liebet die Rüchhehr (<pi\d- 
»i). Sie, das reine, nüchterne Geschöpf, 
trd daher ein bedeutsame* Symbol der Seele , die zwar 
ius de» Gütlerwohnung in diese niedere Welt durch die 
• igt, aber bienieden ein gerechtes, heili- 
l'ührcl , und zur baldigen Rückkehr in höhere 
e i erhält (Puiphytius de antro Nymph. 
19. p. ig od. Rhoer.). Diese Rückkehr ist durch 
. rmittclt. In der Pi iesterlchre mag aucli diese 
ng der Biene als Attribut der Göttin von Ephe- 
gt worden seyn, da sie hier ohne Zweifel als 
in des Lebens und des Todes, als Führerin der 
n, gedacht seyn mufste, und da sie hier der De- 
wid iVrsepbone, deren besonderes Attribut die 
^nc in «heßer Beziehung ist, so nahe verwandt gewor- 

Boeh wir gehen vom Nächsten aus, wie etwa auch 

da* Vulli diese Religion lassen honnte. Jene schwarze 

, iahend in der Tiefe, unter den Mumienhüllen, 

*»« konnte üie den Asiaten anders seyn, als eben die 

lil in allen climaüschen Begriffen des Orients, wo 

au, Er<[uickung der Pflanzen, Thiere und 

Mentclien in eine einzige liebliche Vorstellung zusam- 

nienfliefsen { Damit ist dann zugleich auch der Mond 

ioeni milden Lichte gedacht. Nacht und Tochter 
clit sind hiernach gleichsam identische Ideen , zü- 
rn»! in deiste des Morgenlä'nders , der sich alle einzelne 

eiten nur immer als Evolution aus Einem Ilaupt- 
ott zu denken pflegt, der dann was getrennt war in 

uedenen Combiuationen wieder in sich aufnimmt. 
)er Grieche trennte schon mehr und bleibender. Ihm 






S36) Einige andere symbolische Beiiefaunsjen werde ich noch 
im vierten Bande erläutern (vergl. pag. 4ll der ersten 
Attsg.)* 



86 



war vermnthl ich bald Nacht und Tochter der Nacht 
in der Ephcsiscben Religion etwas ganz Verschiedenes. 
Pausanias (X. c.38. $3.) erzählt uns, dafs man imt.phe- 
Aschen Artemisium auf einer steinernen Balustrade das 
Bild der Nacht von der Hand des alten Saniischcn Künst- 
lers Rhöcns sah. Die Epbesische Artemis war also jezt 
schon blos als Tochter der alten Nacht gekannt. Die- 
ses Absondern und Trennen ging bei den vielguttiscb.cn 
Griechen mit jedem neuen Poem natürlich immer weiter. 
Doch blieb die Erinnerung an die alte Einheit in so fern, 
dafs man doch immer der Einen Artemis die vielen aus 
dem alten Nachf begriff entwickelten Aemtcr gab, und 
sie dadurch zu einer vielnamigen (Tfokvüvvpoc,) Gottheit 
machte. Auch hat die poetische Sprache der Griechen 
in mancher Bedeutung des Wortes vd'*, z. B. für Mond, 
so zu sagen willenlos die ursprüngliche Einheit bewahrt. 
In den Jonischen Mythen von Ephesus wird nun ein Hain 
am Kaystcr die GcburKvstälte , wo Leto den Apollo und 
die Artemis zur Welt bringt. Nun singt Alcman weiter 
von der Erse ("Epax?) , die Zeus mit der Selene gezeugt 
habe 23! '). So war also nun auch der Thau zur mythi- 
schen Person geworden. Der Anlafs zu dieser Genea- 
logie war aber schon in der Persischen Idee von d 
zwei Göttern gegeben, die als männliches und wei 
liehe» Feuer aus der höheren Gottheit emaniren. Achn- 



Ä37) S. Plutarcb. Quaest. Nat. XXIV. pag. 918. A. pag. 7tl 
W y ttenb : t>jv i % o <r o v c *AA*f«Jv A<b(, Svycrrfpa wu <t*A£ *j 

A/*; Sjya«f sfira r%tQ}v häj "Et\ava% Hat,. 

Plutarchus wendet diese Worte des Dichters öfter an. Ai 
angefahrten Orte fügt er folgende Aubdeutung bei: Jup« 
piter sey die Luft, welche , vom Monde befeuchtet t alt 
Thau niederschlage. Vergl. Fragmenta Alcinanis Lyrici 
»r. XLVH. p. 57 ed. Weleker. mit dessen Anmerk. 



187 

chet zeigte «li<* Aegyptiscbe Sonnentafel. Nur clafs der 
•rient kein« solche Uhren und Acmter seinen emanir- 
•ttern verlieh , keine so individuelle Persönlichkeit, 
ic die lernndärcn Wesen von dem Urwesen, als ihrer 
JutUe, »uf immer trennten, wie der Grieche in seinen 
in und in seinem Epos that. Ohne Zweifel 
»»t; !>lee des Mondes als Princip der Frucht- 

btddl ganz dualistisch räch zuei Geschlechtern gefafst. 
Diettn Mond, den Empfänger des vom Sonnensiier 
•udlidseoden Heimes und als Geber an die Eide, ken- 
nen wir aus den Zcndbichern 21S ). Der alte Sahiier 
dacht«« »ich geviifs die Ephe&ische Mondgöttin in gewis- 
sen Sinuc als androgynisches Wesen. Das ist auch noch 
in jener Selcne , der Fruchtbriitgerin (<ptpi- 
iciia Orphiker (Ilymn. IX. [ö] 5). Hierher 
»*£ auch manche Andeutung von Bildwerken gehören, 
B. die rohe Vorstellung der Artemis auf einer 
e , wobei Sonne, Mond und Aehren zu beiden 
film fischeinen (s. unsere Tafel 111. nr. 3u). Ob das 
cz auf dem Kopfe dieser Figur so zu nehmen ist, 
man es beim Thoth -Hermes , bei der Isis, beim 
tfipis nimmt , W8ge ich nicht zu entscheiden. Dort 
itlit man es auf den Durchschnitt der Ekliptik mit 
wi> Ai in den Vequinoclicn 23v ). Für diese Er- 

U'rung könnte der Zodiacus sprechen , den man auf 
i Halstuch der Artemis Ephesia im Mttseo Pio Cle- 
tino (I. 3a.) sieht. Jener Punkt in den IS achtgleichen 
t zugleich den Uebergang aus einer Welt in 



e, nach der Lehre von der Seel 
unten bei den Baccbischen My 



enwanuerun 
sterien eine 



s e - 



j. I. der Symbol, pag. 716. vergl. 2S9. 290. und II. 
» S. Th. I. der Symbol, p. 512 fl". 



88 



nauere Aufmerksamkeit widmen müssen. Hat, wie ich 
vermuihc, die Biene in der Ephesischcn Pricsterlchre 
dieselbe Beziehung gehabt, so sehen wir in diesem Kreuz 
ein neues Symbol der Regentin über Leben und Tod. 
Vielleicht liegen in den Schlangen , die Artemis bei 
Pausanias (Arcad. 37. §.2.) neben der Fackel in der Hand 
hat, ähnliche Anspielungen auF wechselndes Leben und 
dergl. Bei Vaillant (Numisrnat. Import, p. 192.) hat ein 
Hermentronli der Göttin den Schlaugenstab und einen 
Zweig neben sich. 

Die Idee einer hermaphrodilischen Artemis konnte 
aber ganz begreiflich in dieser Belägion von Ephesus 
niemals eigentlich hervortreten , da ja nach ursprüng- 
lichem Betriff aus der Mutter Nacht ein männliche« 
und ein weibliches Licht geboren war. Das waren 
die zwei Götter, fO» denen die Perser so bedeutend 
sprachen , als sie Delos verschonten. Das weibliche 
Licht war, nach herrschender Vorstellung, den Epho- 
sern anheim gefallen* Daher auch fortan im dortigen 
Arlemisium das ewige Licht unterhalten ward. Die erste 
Lehre von den zwei Lichtern hatte Her Hymnendichter 
Olcn gewifs noch sehr im alten Sinn und Tone gesun- 
gen. Besser als der anlhropomorphistische Hörnern» 
hatte er das Lieht , aus, in, und durch Nacht geboren, 
erkannt, Mond genannt im gemeinen Glauben, aber im 
höheren Priesterglauben und Priestergesang als das 
milde, helfende Irrlicht gedacht, ah llithyia, die alle 
Dinge ans Lieht bringt, die den Eros gebiert, der das 
Streitende einigt, und seine Flügel über den geordne- 
ten Cosinus schwingt. In diesem Tone sangen nun die 
Orphihcr achter Schule fort. Jezt erblickte man im 
grofsen Weltspiegel ein in tausend und tausend Strahlen 
gebrochenes Licht. Jezt erkannte man in der Epheserin 
die grofse und gute Mutter, die sich am bunten Farben- 
spiele der unzähligen Naturen freuet; man erkannte 







189 

ihr die N a t u r , wie die Unterschriften nachheriger Bild- 
en die Epbcsisehe Göttin ausdrücklich nennen : 

(.bei Boi&sard Topogr. Rom. Pari. IV. Tal). nR,). In 
denselben Geiste redeten auch die Pjthagoreer, diese 
nrtea OrphiUvr j euch ihnen war die Natur uiciXa, 
tt»o),i;, die bunte, die in» Wiederschein von tausend Ge- 
aUlten prangende ^ lf ) , -während Sophocles die sternen- 
lit aloltj vi'4 poetisch schün bezeichnete -''). 
I tUr nur die prangende Mutter, sondern auch die 
stiller war die Epheserin, sie war die Aatur , als 
grvl«<? \\ ellsuime , Ttavr^ö(poq und TiStyrds, wie sie bei 
dan Orphikern heilst (X. [9] 12.), als Mutter, die, ihre 
Arm« »oibj'eilend , die Minder an ihrer Brust aufnimmt* 
gltube ich , wird das Ausbreiten der Arme an vielen 
Bildern dieser Göttin am natürlichsten verstanden. Wo 
man »on der strengen Mumienform auf diese Weis« ab- 
wich, Ug wohl dieser von Manchen bezweifelte Cedanb« 
•Bin Grunde. 

K Jedermann sieht, dafs diese Mondsgöliin und Nähr- 
te r fast in allen Beziehungen und Attributen Yenua- 
nii heifsen \ann. Wirklich wird sie auch in einer 
■tauschen Uebersetzung der Polyglotte, bei Actor. 
- mit dem der Venus -sonst beigelegten Namen über- 
U Auch Hydc (de reüg. vett. Pers. pag. 93 seq.) I«e- 
*«rU aus orientalischen Schriftstellern, dafs sie den Dia- 
aeafempel zu Ephesus den Vcnustempel nennen. Dachte 
aun den Mond in seiner besaamenden Kraft, in sei- 
■er Zeugungskraft (wie schon der treffliche Gerhard 



•HO) So bei Nicomachns in seinen arithmetischen Theolagu^ 
mmrn p. 24. p. 22 gq. Abi verjrl, Guevii Lee«, tlcfciod. 
C*p. W JJ. p. >9. p. S91 ed. Lo 

S4l> 1 >J. und da »c IL kl ^.rfurdt. p. 1J>7. 



igo 

Vossius de Orlg. Idofol. L. II. c. 27. p. 222 b. ed. Amstel. 
166O. fol. bemerkt); so hatte man die Aphrodite, die 
Asiatische Venus Urania , und in so weit nannton die 
Griechen jene Assyrische (lüttin ganz recht Selene, 
Mond. Hingegen die Idee des Mo udli ch te s (und na* 
türlich dann auch der Liclilbrinjcrin in jedem Sinne) 
scheint ursprünglich oder doch sehr früh mit dem Na- 
men "A^Tffii^ zusammen gefallen ssu seyn. Was dies für 
ein Name ist ? das ist hier eben so schwer zu sagen , wie 
bei so vielen Götternnmen, Aus einer allerdings bemer- 
kenswerthen Stelle des Clemens Alex. (Strom. I. pag. 
384 Pott.), wo gesagt wird, Artemis sey als Phrygierin 
so benannt worden, will Jablonski (de ling. Lycaon. 
p. 60.) den Namen für Phrygischen Ursprungs halten t 
und vergleicht den Phrygischen Künigsnamen 'ApTapag 
bei Xenophon (Cyrop. II. 1, 5. ^'). Die Griechen woll- 
ten es bekanntlich auch hier wieder besser Hiuscn aus 
ihrer eigenen Sprache: tio heifse Artemis, sagten sie, 
weil sie die Menschen gesund (afxeuiat) mache. Dar- 
über mag ich kein Wort weiter verlieren. Ich bemer- 
ke nur, dals Griechen und Romer gerade in ihrer Ar- 
temis und Diana am meisten beflissen waren, die Idee 
Licht und Lichlb ringung durch Prädicate (wie 
epwcr<7>öpo$, in welcher Eigenschaft sie auch eigenen Tera- 
peldicnst hatte, Pausan. Messen. 3i. §. ft.) , so wie dureb 
Bilder mit Fackeln und dcrgl. (s. Pausan. Arcad. 37. §. a. 
vcrgl. die Münzen bei Spanheim ad Callim. üian. p. 169.) 
hervorzuheben. Vielleicht ist auch die Artemis Xtvxotypvvij 



Melder im Cadmus p. XC. f rklärt Artemis aus dem Se- 
mitischen 1? (Ar) Feind und N-2(tam.*) unrein, die 
Feindin derUnreinheit, desSch mutze», des 
Dunkels, der In keusch he it. Vergl. auch die 
Griecfiihchen Etymologien in Dato'» Cralylus pag. ')0G. b. 
p, 7H IKind. 



*9* 

to Magnesia am Mäander '">*) hierherzuziehen. Dies ist 
mir wenigstens eben so wahrscheinlich , ah wenn dieser 
Beiname von dem alten Namen der Insel Tencdos, Leö- 
cophns, erklärt wird. Auch Festgesänge, die doch 
immer der alten kirchlichen Dogmatil! am* getreue- 
aten bleiben müssen, wie z. B. das Carmen secitlare des 
Horalius , zeichnen diese Idee durch Prädicate, wie 
lucidum codi decus und dergleichen, vorzüglich 
aus. Es ist zwar nicht zu leugnen, dafs Herc im Sami- 
■chea und Cretischen Dienste auch frühzeitig zur hel- 
fenden Lucina ward, aber das geschah doch nur durch 
die Aufnahme der Asiatischen Ililhyia- Artemis in den 
Tempcldienst von Samos , wo sie nun der^rofsen Natio- 
nalgOttin Herc sehr ähnlich ward (s. Spanheim ad Callira. 
p. 333.1, und dnreh Einführung in das Cretensist-he Got- 
tergeschlecht des Zeus. Nun mochte unter den sÜmmt- 
lichrn W esen des Asiatischen Srtbäismus gerade in der 
Armenischen An&itil und in der Ephesischcn Cöllin der 
Begriff Licht und Lichtbringung durch Symbole 
und Lehre am meisten hervorgehoben sevn. Dies ver- 
•nlafste vielleicht jene Jonischen Colonisten zu Ephcsus, 
diese Wesen zuerst Artemis zu nennen. Bei jener Ar- 
menierin schwankte man nachher oft zwischen Urania 
nnd Artemis, bei der Epheserin dagegen blieb dieser 
letztere Name unter den Hellenen ohne Widerspruch, 
herrschend. 

Jene Lichlbringerin war, wie zum öfteren von uns 
bemerkt worden, schon in der ersten Idee die Geburten 
fordernde Ilithyia. Die Beinamen Ao^ia und Lucina er- 



tfc) atrabo XtV. p.^. </ja. C. Almü. T. V. pag. 57o Tisch. 

J. XIII. P . 1,0t Almct. T. V. P . 362 Tisch., wo die 

I Leucophrys, A«v w<pf vj , vorkommt, Conon Nar- 

rat. :s. p, N ed. Gott. uml'l'2etz. Schal, in Lycophr. Vol. 

5\'J Malier.) vcrjl, Paus*«. I. 26. J. 4. 



hielten jene BegrifTsverwandtschaft bei Griechen und 
Römern im Andenken. Die ägyptisii enden Athener hat- 
ten 'indessen in ihrem zu den FüTsen herab Ledechten 
Schnitzhilde der Iltthvia (Pausan. Altic. I. 18. §.5.) ein ge- 
treueres Symbol der Licht- und Lebenbringciin aus dem 
Vaterlande der alten Nacht and aus den Grottentctnpeln 
Oberägyptens und Aclhlopicns. Die Idee der strengen, 
jungfräulichen Artemis haben schon andere Mythologen 
aus dem Begriffe der Scythischcn Amazone und der da- 
mit zusammenhängenden Vorstellung der Cretischen 
spröden Brito glücklich abgeleitet. Nach unserer obigen 
Vermuthung ist aber auch den Ephesischen Amazonen, 
als Hierodulen einer Mouds-gütlin gedacht, die Sitte der 
Abstinenz nicht fremd. 

§. 23. 
Der Eine Strahl des gelheilten Lichtes hatte sich in 
Bei- Apollo männlich personificirt. Dieser gehörte be- 
sonders dem Lichtlaii de Lvcien und der alten Tatara an. 
Die aus der Nacht leuchtende Schwesterllammc zu Ephe- 
sus konnte sich nicht ganz trennen von d»m Bruder- 
lichte. Die Nachlmitttei- sollte ja hier die Leiden Lieh« 
ter geboren haben. So wollte der Lvdische Mythus ; 
und auch zu Ephesus hatte Apollo seinen Dienst. Einen 
Apollo von der Hand des gruben Mjron, den Antonius 
der Stadt gerauht, stellte ihr, durch einen Traum erin- 
nert, der religiösere Auguslus wieder zu *^). Wie auf 
Dclos , so hatten hier die beiden Lichter, das des Tages 
und der Nacht, ihre üflentliche Religion, welcher hier 
ganz Asien und dort zunächst die Eidgenossenschaft der 
Junier, dann auch andere Hellenen huldigten. Natürlich 
zündeten nicht alle den Licbtgöttern eine gleiche Flami 



tVtj Pliuius H, N. XXXIV. 19. 3 ed. Bip. p, 651 ed. Hard. 



l 9 5 

i; reineres Fcoer die Reineren, ein sehr irdisches und 
uerielles die Kinder des Fleisches, die dort in der 
poiielgescnichte sehr eigennützig für ihre grofse Ar- 
temis eifern. Des alten Ölen priesterliche Hymnen wa- 
rn gtftifs von einem besseren Lichtgeiste eingegeben, 
»arrat. Orpheus Schule, ich meine die, zu der 
ilngoras bekannte, desgleichen. Letzteier hatte 
m leinen Altare zu Detus geopfert, und in die- 
Sinrit' wer auch Heraclitus der Ephesier ein 
Diener rles reinen Feuers. Er legte als ein frommes 
-•eine Bücher über die Natur im Tempel dergrofsen 
r Vaterstadt nieder (Diogen. Laert. IX. 6.). 
icbslÜcken seines Buchs schimmert allenthal- 
1 f n eine heuer- und Lichttheorie hindurch. Was ihm 
<J'| Orient und Aegypten in der Religion seines Vater- 
dargeboten , was er aus eigenem, dort so erleich- 
tertem VetliL-hr mit dem Morgenlnnde geschöpft hatte, 
üraug er mit Griechischem, scharfem Geiste , be- 
kundete es durch eigenes tiefes Denken , brachte es in 
»Irmatisthrn Zusammenhang, und machte et fruchtbar 
in \ olk , besunders für seine Mitbürger in ihrem 
i- freien Gemeinwesen. Aus sich hat er also \ ie- 
genommen. Aber dal» er Alles aus sich genomine:), 
*J» er im strengsten Sinne Erfinder seiner Lehre sey, 
< nicht zu glauben. Noch nie hat ein menschlicher 
ei»t aus sich allein geschöpft, und Heraclitus so wenig 
»Orpheus, Pythagoras , Plato können Erfinder in 
icsem Sinne heifsen. Heraclitus geht sichtbar Ton 
t lehre nnd von Symbolen dieser Lichtrcligiuneu 

Hier nur einige Worte über den Abslrabl des hü- 
ten Alagismus in der Religion der Artemis und de» 
»oliv. Die Feindschaft i^t nach ihm der Grund 
r endlichen Dinge. Das Licht ibt der Satz, ,dcn 
der Eins in sich und älter als die Zweiheit ist, 
II. i3 



*9i 

gesetzt hat. Ohne Absicht des Schöpfers folgt der Gc 
g c n s a t z dem Satze , d. h. die F i n s l c r n i f s folgt dem 
Lichte, wie der Schalten der Person. Heraclitus hat 
dasselbe zum Hauptsatz in seinem System gemacht. 
Er nennt den Streit den Vater aller Dinge (-roXepuc -na- 
t»,(i 7if^T^v), und legt ihm noch andere Friidicate bei, 
als Herrschet , Honig und dergleichen k ' 1 '). Auch weiter 
fafst er die Gegensatze gerade so, wie z.U. Aufgang, 
INiedergang , Tag, Nacht. Das ist jene Dissonanz 
des Universums, die hinwieder mit sich überein- 
stimmt, wie die Harmonie des Bogen s und der Lyra. 
Su laf>t der Arzt Erviimachus in der bekannten Stelle 
in Plato'a Gastmahl (n. 187. A. p.do^ Beklier) den Hera- 
clitus dieses sein Principium ausdrücken. Erging, wie 
die Perser, vom Gegensatz als dem Grund der Dinge 
aus. Die Einigung derselben, Welt genannt, besteht 
durch die Yeischien'rr.heit , wie die Wirhung des Bogcns 
einzig gedacht weiden bann durch Gegensat» (An- und 
Abspannung) und die harmonischen Töne der Lvra nur 
durch verschiedene Saiten { naklvxovo; äpuovia). In 
dieser Lehre von dem durch die Einheit ausgeglichenen 
Gegensätze tritt auch die Ansicht hervor, dafs der Tod 
selbst se>n müsse, welche Heraclitus von verschiedenen 
Seiten darstellt. Unter andern mufs auch hier der Bogen 
jlnu zum Bilde dienen , wobei das Griechische Wort ßtts, 
beides für Bogen und Lehen gehraucht, nur verschieden 
betont, zu statten kommt 2 '' 1 ). Da heifst es dann : «Be- 
deutet doch des Bogcns Name Leben* sein Geschäft aber 



2)5) Phtarch. de Tsid. p. 3?0. p. 517 Wyiienb. vergl. die Aus 
leger zu Lucian. Je ccuiscfibeudu bislor, Tom. IV. p. 47 
Hip. S. i h. I. p. 70Ü f. 

216) Leber d.is Syothol des Bogen s vrrgl. auch dl 
i. Mb p. tj?i f. not. Ij. BrmeriUci 



'). Dsfs nun in allen diesen und andern Ge- 
, oft his 7.u wörtlicher Uebei einstimmung , 
sehe Lehre liege, ibvon kann sich Jeder über- 
:i , der nur den Einen Plutarchus oder Strabo zu 
1 en sich die Mühe nehmen will. Die Beweise im 
i werden bei einer andern Gelegenheit gegeben 
■ ... [)afa fliese Sätze in die Ephesische Priester- 
enommen worden Maren, wäre schon aus 
en Zusammenhange der Artemisischen. 
, mii ileni Feuerdienste Oberasiens wahrschein- 
lich. Es kommt hinzu, dafs die Priester der Göttin zu 
n Ursprungs waren. Wenigstens weif» 
bgelchric Tib. Ilemstei huis (zu Luciani Ti- 
• g. 3Ö3 Bip.) nicht anders, als dafs ihr Name 
. 'i hein Griechischer, sondern ein in den höhe- 
rer Stimmen sehr gewöhnlicher Marne gewesen« 
h-supt war Ephesus der Ort, wo die Einsichten 
de» Orients mit der Philosophie und Mythologie der 
Ken sich vielseitig vermischten. Freilich war die- 
selbe Stadt auch eine wahre Ollirin magischer Künste 
ist Bungen, Bekanntlich wies darauf schon die 
wörtliche Itedensait : Ephesische Hieroglyphen 
ieoia) hin. In diesem Sinne kommen sie 
i I n der Alten vor, z. li. in den Versen des 

Aoaxilas bei Athenaus (XU. 70. p. 53y Schweigh.), wo 




die K|«lic&ist:tten Charaktere, in ledernen Beuteln getra- 
gen , zu den komischen Zügen der ganzen Darstellung 
gehören. Beliannt ist aber auch, dafs man von solchen 
Ausgeburten des Betrugs eine Anzahl von Formeln de* 
eigentlichen reinen Alogismus, unterschied. Als solche 
werden folgende sechs genannt, die augenscheinlich mit 
den Asiatischen Grundideen des Apollo- und A»'iemis- 
dicnslcs zusammenhangen ^'") : «oxiov, Finstcrnif* , xa- 
väoxtov, Licht, Xiij, Erde, Ttxpä4, Jahr, Sauvafieitx '., 
Sonne, nioiov, das Wahre. — Es wäre überflüssig, 
ausdrücklich zeigen zu wollen , dals an diesen Formeln 
derselbe Gegensatz hervortritt, den die Persische und 
Herncliteische Lehre als den Grund aller endlichen Dinge 
oufgelafsl hatte, und dals er zugleich mit dem Asiati- 
schen Sonnendiensl in Zusammenhang gebracht ist. Auch 
die ganze Feuerlehre des Ephcsischen Philosophen ist 
ja in Princip und Folgerungen Magismus, so wie sein 
Satz von der Gehurt der Gülter aus Feuer (Aiigustiii. 
de Givit. Ilei VI. 5.), was durch Vergleichung im Ein- 
zelnen sich über allen Widerspruch erheben liifst* So 
trill auch d<»s Feuer oder» wie es 80 weilen genannt wird* 
Jlephaslos '■*» v ) beim lleraclitus in derselben Bedeutung 
hervor, wie jener erste Odem, jenes Urfeuer Phtha» 
in dem Priestersystem der Aegypticr. Noch Mehrere* 
erinnert bestimmt an Acgyptische (Quelle, z. U. seine 



Z4S) S. die Hauplstelle bei Hesychius in *$»*. Y v .*'auar. und de- 

seitist die Auslegt-r, vergh Plutarch. Sympos. VII. 5. und 

Clemens Air x and r. Siroin. V. p. 368. AoMV^icycJf wird 

Stttbo X. p. i7J. T, IV. pag. 21t Tzscb.) unter den 

Idaischen Daeiylen aufgeführt. Man vergl. auch Phom 

und Euatarlj. 



j.<x. gr« unter oen Worten *v 

m, XIX. 247. p. 6y-i Basj 



7f c 



ßl'j) Israelit. Allcg. 11=, in. p. -16K ed. Gal. p. i 16 ed. Schow 
vergl. Mdrcianu* Cjjj< IL p. £1 Orot. 



»97 

Sonnen- da er das Sonnenfenw aus dem Meere 

l.ifst (Stobaei I'.clug. I. c6. p. 5e'i Heer,), 

Mo Mir »ieder an die Isis denken müssen, die im Pi in- 

logma ganz anders «ischcint, als im VolllSfffaftbcn 1 
:indin des feindlichen Meeres , dort als Ur- 
»MUT nnd Gebä'hrerin der Sonne (s. Th. 1. pag. Süg.) ; 
mithin jener t.osmogonischen Eurynume verwandt, diu 
in gewissen Beziehungen zur Artemis ward, d.h. zum 
Lieble aus der feuchten, dunkclen Tide des Oecan. 

Liebt und Sonne, Sonnen- und Mondgotthciten und 
zuletzt die Planetenbahnen, sodann auch andere sidrti- 

i. Verhältnisse wurden thcils dnreb Rogen und Pfeile, 
dann durch die Lyra in diesen Religionen versinnlicht. 
JUan Weift, was Acgypten von seinem Sonnencolossus 

»nun erzählte, der bei Sonnenaufgang Tone hören 
lief*, einer zerrissenen Saite der Citbara oder Lyra 
ahnlich 33 °). Darum hatte auch jener Aegyptische Thoth- 
Hermcs die dreisaitige Citbara des Apollo zur vier- bis 
»iebonsaitigen Lyra vervollkommnet 'S'), während eine 
andere Hellenische Sage die ganze Reihe der F.rlindun- 
gen dem Einen Apollo vindicirtc. Auch die Rhodier • i5 -), 
diese eifrigen Sonnenverehrer, die dem grofsen Ta 
gettirn und Ilimmclsköuig die Colonen errichteten, 
Feierten ihm auch musikalische Spiele, peftoreftfem ge- 
nannt * ). Zu Delos feierten die Jonier von Alters bdt 



«») $. Tausan. |. fc. §. 2. u. des LTh. der Symbol. IL Buch 
Cap. I. $. Id. 

2$t) Spanheim ad Callim. Del. 253. und dessen Remarques 
*<i den Cesars dt Julien p. 117, desgleichen 1". msterhtthl 
ad Lucian. IL u. 271 Bip. und Forkel Gesch. '1er Miüik 

Afheaaeuj XIII. p. 561 e. p. £7 Scliw. 'I-'Jö.;. 91 (t\ 

.ni über tiie musikalischen Wettstreite der Alteu in 
dtr N. Bihl. ikr schön. Wusenich, VII. 1. ao. 



musikidische Wettstreite an den Festen der grofsen 
Gottheiten daselbst ( Thucyd. III. 104.). Auch Delphi, 
der Sit'/, des Apollo, kannte diese Art der Festleicr , und 
die Pythischen Spiele waren ein Haupimiitclpunkt Hel- 
lenischer Citharöden 25i ). Dem Delphischen Drerfuf« wird 
ein musikalisches Instrument verglichen (Athen. XIV. p. 
637. p. 3ia Schwgh. Hesych. in TptoxJ', und daselbst die 
Ausleger p. 1418 Alb.). Welchen vielseitigen Gebrauch 
nun Pythagoreer und Orphiher von der Lyra , als einem 
kosmischen Symbol, gemacht haben, kann hier nickt 
erörtert werden. Auch wollen wir jezt die historische 
Verwandtschaft Orphischer und Heractiteischer Lehren 
nicht hei obren. 

Es bleibe also auch dahin gestellt, oh das Bild des 
Kros, der nach abgeschossenem Pfeile den Bogen nie- 
derlegt und die Lyra ergreift (Pausanias 11. 27. tj. 3. sah 
es in einem Gebäude zu Epidaurus), den Satz des Py- 
tbagoras von der YVcllharmnnie verstntilichen sollte, 
wie Winchclmann { Dcscvipt. de pierr. grav. de C. de 
Stosch. pag. 1 f'i.) es schön und sinnreich erklärt. Aber 
das müssen wir, nach Allem bisherigen, glauben, dafs 
es niehl Zufall ist, wenn Ueraclitus der F.phesier, um 
das Principium seiner Philosophie, das Dogma von dem 
Gegensatz als dem Grund a 1 1 e r D i n g e , von 
der hosmischen Harmonie durch Dissonansc, 
von Licht und Finslemifs, Tod und Leben, 
kurz und trriVend , wie er es liebte, hinzustellen, ge- 
rade Dogen und Lvra zu seinen hclldunkelcn Bildern 
wiiiifie. Aus den Lichttheorien des Orients hatte er den 
Inhalt seiner Lebreit genommen, von dorther pahtn er 
auch seine Bilder. Diese Bilder, waren sie ihm nicht 
nahe genug gelegt? In den Tenipelsymbolcn von Patar.-t, 



250 Vo-I. Straho IX. p. 64S Almelov. Tom. III. pag. 503 
T?!^h. Murijr 



»99 

rttn T Dolos sah er ja bald Dogen und Lyra 

utiden, wie >\ir sie noch hin und nieder 
in »untolien Anspielungen der Poeten *) verbunden 
sah er f innren und Fackel, dieses natürliche 
Lichtgöttct' , bedeutsam übereinander ge- 
i er jenen Lebens bogen (wie ihn auch 

Phönissen iio8. anspielend nahm ) , je- 
nen Bogen des Gottes himmlischer Feuerkraft, der bald 
■ahlen als wirksame Pfeile sendet, bald Todes. 
Pest, oder den jezt gespannten, jezt geh"« 

• seien Bogen der bindenden und lösenden Lichtgöttin 
ia. Sie >var ja, nie zum öfteren bemerkt ist, die 
reriu des Eros oder der Wellharmonie, niese Sätze 
; i lehre und Lphesiseher M agier Eormcln, diese 
mbole der :.!tcn Licht- und Feuertempel Vorderasiens, 
diese Mythen und Festh) mnen des Priestersä'ngers Ölen 
durchdrang der tiefsinnige Philosoph von Lphcsus mit 
ioem scharfen« tiefen Geiste, und erweiterte sie zu 
cm Systeme von Philotophemen , nicht dialcdisch, 
iieb dem späteren Plato vorbehalten, sondern p*ic- 
,ieh , bedeutsam und im Cbarahler des Delphischen 
• igs, der, wie Jleraclilus selbst sagt , «nicht — redet, 
?il \crbirgt, sondern andeutet.» Ob nun dieser Ho- 
j acutus einen Znroastcr geschrieben, nie spätere Zeugen 
llen, oder nicht, bleibt sehr gleichgültig. Es ist gc- 
tg f dafs er Zoroastrisch philosophirt hat, dafs er gc* 
lehrt hat , wie der alte grofsc Lichtlebrcr Zerelhoschlro, 
der Stern i de». — So viel vorjezt zur Priester- 

k lehre dieses Obefastatitchcn Sabäismus. 
u noch eini • Worte zu den unten beigefügten 
Apollinischen Münzen. Die eine (s. Tab. V. nr. 6.) ist 



vconbronsCaseandra p.l4sst*i>h. und 
ils'l'l und discIbstdieSchulien p. 875. und Aunicrkk. 



200 



von der Grofsgricchischen Stadt Croton, und wegen des 
ersten Buchstabs, womit dieser Name angedeutet ist, 
paläo^raphisch bemerkensnciih. Die Stadt hiefs auch 
Zacynthus , worüber Echhel SylL I. pag. 9. zu dieser 
Münze ein Mehre res bemerkt. Croton halte einen Tem- 
pel des Pythischen Apollo , wie wir aus Jamhlichus im 
Leben des Pythagoras (cap. 9.) , dieses eitrigen Apollio- 
dieners, wissen. Auf diesen Dienst bezieht sich nun der 
Dreifufs, den die Münze zeigt. Es war ein uraltes 
Symbol des Orakel gebenden Gottes, das man auch, 
wie die dreisaitige Lyra, auf die drei Jahreszeiten des 
ältesten Calenders bezog 2S5 ). Dem sey wie ihm wollt-, 
der Tripus ist häufig in dieser Religion unter den sym- 
bolischen Geräthen, wie auch die verschiedentlich da- 
mit verbundenen Attribute von Greif und dergl. zeigen 
(vergl. z. B. Musee Napoleon Toni. IV. pl. i3 sn,q.). Die 
Diota neben dem Dreilufs auf unserer .Münze kann auf 
blofse Trankopfer gehen , sie kann aber auch andere 
Beziehungen haben , z. B. auf Dionysus, der oft als Mit- 
besitzer des Delphischen Dreifufscs genannt wird. In 



255) Die Heiligkeit derjenigen Gefafsc , die man Drrifüfse 
(rf-TCö.-;) nannte, und wovon seit Homer in ujlcn Grie- 
chischen Schriftstellern Spuren vorkommen , soll sich 
auch bei andern Nationen , namentlich bei den Chine- 
sen, von Alters her finden. Diese erweisen ihnen die 
höchste Ehre und bezeichneten ein solches Gel.tfs mit 
dem Namen Genius, Geist. Daraus unter andern will 
Hager auf eine alte Verwandtschaft der Griechischen 
und (Chinesischen Religionen, schließen; b. dessen Pan 
theon Chinois (Paris isoy) ch.jp. 12. 

Endlich vergleiche man auch unsere Tafel XL[. nebst 
der Erklärung p. Zy, wo Apollo mit Hercules um den 
Dreilufs, welcher ihm von Letzteren geraubt worden,, im 
Streite begrifP-n ist . Wir werden wtilcr unten noch 
mal darauf zurückkommen. 



.. 



II 

; 



201 

diesen Kreis geholt auch eine andere Münze 25 ^) , die 
Mf der einen Seite eine mit Helm , Dogen und Pfeil be- 
waffnete Figur, die in der einen Hand einen Eaumast 

r ein junges Bäumchcn hält, auf der andern eine 
Aehrc mit einer Grille darauf darstellt. Die Münze ist, 
chrift zei^t, vun Metapontum in Grofogrie- 
rhenlar.d. Diese Stadt hat nicht Tun- den Dionysos Dcn- 
auf ihrem Gelde (s. Dionysos p. ?./|6.) , son- 
dern auch den Hermes, dem weder der Heim, noch die 
Achre fremd hl ^ 7 ). — Aber es li.iiin heinein Zweifel 
unterliegen, dafs wir hier einen Apollo sehen , und 

r in recht altem Asiatischem Co&tume. Zuvöiderst 
ist dieser Gott den Münzen von Metapontum nicht gänz- 
lich fremd, obwohl nicht sehr häufig (*>. Rasche l.cxic. 

nnm. HI. pag. 619.'). Sodann spricht Alles, Bogen, 
Pfeil und die Achre auf der Kehrseite, gan» fpcciell da- 
lüi. Es ist ein Apollo alten Stylt, wie der Amyclnische, 
der auch Helm und Bogen trug, ingleichcn der gehar- 
nischte Apollo der Assyrer mit dem Blumenstraiife in 
tler Hand. Die Aehrc auf der andern Seite dr-utel auf 
die grofff Fruchtbarkeit, wegen welcher das Gebiet der 
Metnpr.ntiner hochberühmt war. Nach alter Sitte halle 
»ie daher eine goldene Saat (%<>voovv Sipos) oder Achren 
ofcopfer dem Apollo nach Delphi geschieht (Strabo 
"\ I. pag. 264 Almel.). Man sieht also hier die nahe Be- 

hung der Aehre auf den gegenüber stehenden Gott. 
Statt der Grille kommen auf der Mctapuntinischen Aehre 
zuweilen Bienen (vergl. oben pag. i83.), auch Fliegen 
vor. Die Grille kann bald als ein Bild der Mittagshitzo 
betrachtet werden ( ?sicandri Theriac. 38o.), bald eine 



856) S. unsere Tab. II f. nr. 9. Diese Silbermünze ist in der 
Sammlung des Herrn Geht iinei.uhs vonGerning zu Frank* 
fürt am Main. 

25?) s. Wmekelrnanns Gesch. der K. I. p. 134. und Allegorie 
> neueste Dresd. Ausg. 



202 

Anspielung Itaf Mysterien enthalten (s. f. Th. pag. ii9.), 
^\ o*n der tkfitl elbegriff vielleicht in der ütli e» »sehen Eeich- 
ligkcii dieses fnsekti und in einigen Hebbeln n \ 

langen liegt, die Anaorooii in dem bekannten Liedc l \'i. 
l6 H.) berührt. Bier machte ich am liebsten an die 
Stelle des PJutarchtis Sympos, VIH. p. -'•.-. t^, denken, 
der die Gicaden ÄJ heilig und musikalisch nennt , ganz 
einstimmig mit Anacrcon. Der dem Gott der Musik 
geweinetea Garbe oder Aebrc konnte did schicklichsten 
diese! Musik und Gesang liebende Geschöpf beigefügt 
meiden. 

Hercules. 
Hercules, der Unüberwindliche, ist mit dem un- 
besiegten Sol-Milhras manmgf.iJlig verwandt. Einer wie 
der Andere heif*t Ochsem '.-«über. Milhras- Persoi <**) 
wie der PerseVde Herakles verknüpfen die Asiatische 
liclidcni uihe mit der Acgyplischen. Nur beim Letzteren 
ist Alles dies entschiedener , und beruht auf der AoctOt 
riiat der ältesten Griechischen Genealogen, Er stammt 
vom Vater und Mutter aus Aegypten her, und als Nach- 
komme des Peiscus ist er ein lieltde, Dies bezeugte 
die Stammtafel von diesem Sühne des Amphitryon und 
der Alcmena. Doch Amphytrions Gestalt hatte dem Ilö- 



2iS) Cicaden sind die poetischen t irrty i i, die d*ft9*t 
sind die loctitue. lieber den Gesang der Erstem s. 
Iliad. III. 151. Pausan. Eluc. II. 6. £.2. Bios die Mann- 
chen singen, Aristoiel. Mist. Anim. V, 30. Plin. U. N. 
XI. 2h. ($1. XI. 32.). Die natürlichen Eigenschaften die- 
ses InstVis lUhricn auf verschiedene symbolische \ 
Stellungen. Ucber entere H. Lthki-'s Naiuigesch. I. p. 488 
und Gütiiug. Magaz. der H'issensch. IV. 1. pag. 145. — 
Auch vergl. man die schöne Dichtung in Plaio's Pliädr 
j. 2'ii, e. scq<|. p. 293 Ihindf. 
8Sp) 5, üben Cap. III. $. 13. p. 76y ff. besonders p. 7»7. 



2C>5 

nig der Götter und Menschen nur zur Eltllle gedient, 
»ii er den Herakles zeugte , der dadurch unmittelbar 
•n die Reibe der großen Götter angefügt ward. So wies 
*ucn der Hellenische Mythus noch ferner und näher auF 
göttliche Abkunft hin. Im Uebrigen jedoch wie 
. h war der Griechische HeraMcs dem Acgvpli- 
ftchen ! >% as die vaterländischen llcrahlcen von dem 
i.line sangen , wufste Herodottis wohl. War doch 
:ner Oheim Panyaais als Dichter einer solchen 
berühmt geworden, neben Pisandcr und vielen An- 
der» :W0 ). Alle diese hatten den Ahnherrn Hellenischer 
ilengeschlechler , zum Huhme des Vaterlandes, ficht 
Hellenisch verherrlicht. Das war des Dichters Siehe. 

Herodotus , der Gcschichlforscber, voll von diesem 
I.ohc des vaterländischen Helden, kommt nach Aegypten, 
und hier wie in I vi ms und auf 'I'hasus findet er einen 
ganz anderen Herakles. Kein Versuch will gelingen, 
wodurch er den Griechenmythus mit Aegyptis eher Religion 
7-u vereinigen sith bemüht. Da thnt denn der iinheian« 
gene , treue Forscher, mit einer Vorhitie an die Gunst 
der vaterländischen Gottheiten den w uhIge|>u'H'ien Aus- 
spruch , übereinstimmend mit seinem ganzen Svsieme : 
nicht in Hellas, sondern in Aegypten »er der Name Jle- 
lea ui sprünglich einheimisch; wie in Vielem, so auch 
liier ermangele der Griechische Mythus gehöriger Be- 



ICO) Ueber die Herakfeen und Ihre Verfasser s. Fabricii B. 
Gr. I. p. ,<yo ed. Harles, besonder« Heyne ad ApoJIo- 
»i.irum p. 132. 112 seqq. und Excnrsus H. ad Virgil. Ae- 
ii id. I- und Bibliothek rler alten Lit. und K. H. p. 75 ff. 

Stelle des Herodotus steht II. Ai ff. Die Htichcr des 
Fliltarclius «{< '\lir>>- .. (dt teuer seihst im Leben drs 

■< us cap. M. p. 72. Leopold, gedenkt, vgl. Plutarchi 
Fragmm. X. p. *<»' Wytt. ) sind verloren. Das Wenige 
Vna Ueberbleibscln davon werden wir gelegentlich bc* 



gn'indung , an d diejenigen Hellenen thälen am besten, 
die dem Herakles einmal als Heros Tudtenopfer brach* 
ten , zugleich aber auch, als dem Olympischen , die Ehre 
eines Golfes erwiesen. Hiernach haben also die Grie- 
eben vermulhlich eine alte Gottheit .ies Orients mensch- 
lich aul'gefaA*t, und in ihrem Geiste zu einem Ideal 
siegreicher Heldctikraf't ausgebildet M,i ). Wie dies ge- 
schehen können, wollen wir jezt mit Wenigem unter- 
suchen. 

Des Herakles Ahnherr, Perseus, genofs zu Chem- 
inis in Oberägypten besondere Ehre. Er hatte seinen 
I empel und seine Bildsäule dort , und man feierte ihm 
gymmsche Spiele. Auch verherrlichte er die Vaterstadt 
seiner Yorüftcrn durch jeweiliges Erscheinen im dortigen 
Tempel. Alsdann fand man seinen zuei Ellen grofsen 
Schuh, ein sicheres Zeichen eines frnchtbaien Jahres. 
Die*" Epiphanie rrwiederten die danhbaren Chemmttcr 
durch die Feier jener Spiele ( Hcrodot. II. q\. s. Sym- 
bolik 1. Th. p, 3er) f. vergl. 7^3. 47 1 -)- ^ as waren also 
J cstspiclc aar Erinnerung an periodisch wiederkeh- 
renden Jahressegen. Zu Olympia in Griechen- 
land nannte man unter den Stiftern der grofsen cycli- 
schen Spiele vorzüglich den Per» eitlen Herakles 
(vergl. Th. I, pag. 336.). Von diesem Letzteren wußten 
die Priester in der Aegypttschcn Thehc mehr zu er- 
zählen. Einst halte er den Zeus A nun ("Aporv) sehen 
wollen. Dieser weigerte es. Herakles hielt mit Bitten 
an. Da schlachtete Armin einen Widder, setzte det>sen 



26t) Diese Vermischung orientalischer Allegorien von einem 
Sonnengott? mit den Sagen von einem Griechischen Stamm- 
lielden Herakles erkennt auch Paync Knifchi (Mmbol. L.ui^. 
$. 130. p. 10t.) an, und macht Mcmerknngcn in Betreff 
der (iomeriftthen Vorstellungen dieses Menschen He- 
rakles. 



ao5 

Kopf ai. umhüllte sich mit dem Fell und zeigte 

»ich so dem sehnsuchtsvollen Heroldes. Seitdem opfert 
die Thebäer keine Widder , nur Einen schlachten sie 
i am Ammonsfeste , behängen das Hild des Gottes 
mit der Haut» und führen des Herakles P»ild au diesem 
Schauspiel hinzu (Berodot. II. 42. und 1. Th. pag, $')•*.). 
h dem Obigen (J. p. 5oy. öeG.) bedarf es keiner wei- 
teren Aufführung, dals Wir hier die Beschreibung eines 
bauchen Frühlingsfustes lesen. Amun oder Amunui, 
inon» der Widder, eröffnete das Aegyptische Jahr, 
und war das Zeichen de« anbrechenden Fiiihli 
Sem- Herakles- vai die volle Fn'ihlingssonnc, die rolle 
•tesUraft, Hie sein Aegjplischer Name hielt. I>< t 
Widder war mithin das Beiden gemeinschaftliche 55*i« 
- Verbindung stellten die Aegyptischen Thier- 
se symbolisch dar , wie jezt noch die ß c ni h i n i s c h e 
Isistafel bezeugt. Ihre. Bilderreihe wird mit dem bei- 
>« Widder eröffnet. Neben ihm steht ein Jüngling, 
in der einen Hand eine Lanze, in der andern einen Ab- 
haltend nder vielmehr dem Widder darreichend. 
Das t*t HerabJes, der vor dem Zeus- Ammen erscheint, 
! tirn Widdergott anblickt. Der Vogel in seiner Hand 
nix , jenes Svmhol der grofsen Periode, an deren 
W »e«l« -Ics neue Jahr erinnert; also sehr natür- 

lich ist dem Sem uder Frühiingsgott der Phönix in die 
Hand gegeben (Jablonski Interpret, tabulae Isiacae. 
Opusec. II. p. 237 seqq. b. I. Th. p. 44o-)- Ueber diese 
Hieroglyphen gab jener Priestermythus der Thebäer 
Aufschluß, oder vielmehr er war nur eine andere Art 
Ton Ausdruck dafür. 

In der Reihe der Evolutionen Aegyptischer Gott- 
heiten gehörte Sem-Herakles in' die zweite Ord- 



2M) Hierzu die Stoschische Gemme, worauf Zeus niil dem 
W iiiiitrkijif, den Bliu iu der Hund ; auf der Tab. V. n«. * 



nnng der zwölfe (s. t. p. ziß. !>6o.). Die hLslorisirrn- 
dcti Thcbncr setzten ihn nicht weniger als 17000 Jahre 
Tor ihren Honig Amasis (Ilerodot. IL 43.)» wahrend je- 
ner Hellenische , nach unserer Rechnung, wenigstens 
5oo Jahre nach der Ankunft des Erzvaters Jacob in Ae- 
g\pten fällt. In der Königsreihe gehört jener gleichfalls 
in die zweilo Classe , unter die Halbgötter , welche über 
Aegvpten herrschten, und nimmt im Gänsen die drei- 
zehnte Stelle ein (Syncellus pag. /ji. b.). I*ie men- !•- 
liehen Könige erhielten durch Namen sein And. 
und jener Scmphucratcs , wie schon mehrmals k 
unter den Königen des Eratosthcnes , erinnert an UM), 
den J'Yühtingsgott im Widderzeichen. So war der 
lafs , dm Herakles historisch zu nehmen, schon in 
Aegvpten gegeben. Aber auch die Ausbildung äei IJer- 
culesideals gehört im Wesentlichen Aegvpten und dein 

übrigen Orient an. Wir liabe/i schon oben (Th I. pag. 
aoe. 5 1 7 fr.) gesehen, wie in diesen GuUerevstttftonefl 
die ernannte Potenz immer zu ihrer Quelle zurückst tebt, 
und dos woraus sie entsprungen in sich selber darzu« 
Stellen sacht f urd wie insbesondere Sein - Herakles liier 
durchaus, wie Osiris, als eine Ausgiofsung höherer Göt- 
ter erscheint (I. Th. pag. 36t.). Phthas, Arnim, Sem, 
Osiris, llurus verhalten sich in dieser Reihe ohngebihr 
so zu einander. Aniun stiebt und lallt in den Phthas, 
als das erste Lebensfeuer, zurück. Aman der glän- 
zende (das ist sein Name) stellt in sich den Phthas dar. 
So auch die seeundären Potenzen. Osiris, Ton 'Micha 
ausgegangen, aus der grofsen Kneph - und Ammonsstadt, 
ist Kneph und Amnion im Abbilde. Er ist der gute, der 
starke Gott, wie beide. Dem groben Vater strebt der 
würdige Sohn nach. Hoi us kennt kein anderes Vorbild 
als den Vater. Sein Bacher zu seyn, und ihm ein Tod- 
lenopfer durch Tiphons Fall in den Amcnlhcs hinab zu 
senden , ist lein einziger Gedanke. Dar am kennt er 



207 

•ach gegen diesen keine Barmherzigkeit, und ermordet 
im Rachgefubl selbst die gegen den Feind zu weich hur- 
t;igc Mutter Isis. Darum tritt 'nun der nähere Gott da- 
her», nimmt den Muttermorder Fleisch und Fett, 
-*»* von der Mutter kommt, und läTst ihm Ulut und 
Mark, was vom Vater ist. Dm war der Inhalt dos ityi{ 
. auf den Plutarchus (de lsid. p. 333. D.) anspielt, 
und den uns ein Fragment nus dessen Werken vollstän- 
diger äiil behalten hat Ä3 ). Gerade so verzehrte dort auf 
dem Oeta die Feuerllunime am Herakles nur das, was 
erbliche» von der Mutter an sieh halle. Das Himm- 
lische, was des Vaters war, ging mit zum Olymp luu- 
- S ci u ii e ii i n c a r u a t i o n e n , die sich am 
L n d e in ihre Quelle wieder auflösen. So steht 
nun auch im Symbol und Mythus von Theba jener Sem 
inun liebend gegenüber. Er will des Vaters st rah- 
knfa Antlitz sehen. Ursprünglich freilich eine astro- 
nomische Hieroglyphe : der junge Fruhlfagsgott blickt 
<n Vater zurück; aber eine Hieroglyphe, in 
er der heim der Grundideen des Griechischen lie- 



J6J) Fragmpntum Plularchi, London 1773. exMuseo Brftann. 
' Ii. lyrwhitt, undjezt in WjUtubachs Sammlung der 
Oper« Morall. Vol. X, p. 702. 

161) Thtocrit. XXIV. 8t. Lucian. Hermotim. $. 7. p. 10. 

I \ . Bip. — ,,Aehnbcbe Bedeutung hat Otuides Tod. 

JJil Oiachen frafsen nur Seht Fleisch, der goldne IKir- 

nisch, dt-n er vom Zwcrgerikonig Elherich erhalten, 

L2tc ihn vor gänzlicher Vernichtung. Nif mit sind 

-i Widder zu vergleichen, die er und seine Gäste 

afsen, die Heine aber sorgfältig aufhoben, weil die Böcke 

dr« andern Tags wieder lebendig wurden. Dieses iheil- 

«eise Zcrsiöriwtrdcn und Wiederleben findet sich auch 

in der Vulkssage, s. Grimm teutsche Sagen I. S. 79, 

w Jche sogar mit dem Leichnam des Ostris zusammen- 

ualZ von Mo /tt. 



rahlcs liegt. Eben so geht auch Pevscus vor ilim des 
Vaters Zeus Bahn. Nach Lihvn» unc] Ai gyplen führet 
sein Weg, in das alte Land des Bolus , und der Fufslritt 
seiner Sandalen hinterlafst, wenn er erscheint, Segen 
und Fruchtbarkeit. Sem- Herakles ist ein neuer Perseu». 
Darum ist auch sein Fiif>tapfe, im reisen Lei den Scy- 
then eingedrücht , gerade so grofs, wie der Schuh des 
Pcrscus zu Chemmis (Herodot. IV. da. und oben I. TL. 
pag. 3o() f. 47 1 ')- Auch Herakles Sohn, Sardus, giebt 
noch der Fufstapfcninsel Sardo oder Sardinien den Na- 
men (Pausan. Phoc. 17. §.2.). InElisaber sollte Hercu- 
les seihst das Olympische {Stadium nach dem llaafse sei- 
nes FufstnpJens bestimmt haben. Sein Fufa sollte in 
geradem Verhä'ltnifs gröfser als der gewöhnliche Manns- 
fufs seyn . wie das Olympische Stadium grüfser war als 
die übrigen Stadien Griechisther Städte (Plularch. ap. 
Gell. N. A. I. j. und in den Fragmin. X. p. 867 sq. Wyt* 
tenb.). Zu Olympia hatte Heicules auch mit Juppiur 
gerungen, und sich dadurch den Namen Pulamon ge- 
wonnen (9. oben I. pag. ü3o f.). Nach dem angeführten 
Aegyptischen Mythus treibt den Herakles eine aufstt t- 
Lende heimsucht zum Anbliche des grofseren Vaters 
Bei- Ammon hin; in seiner G o t le sh ra ft strahlt dessen 
Wesen ab, und darum heilst er bedeutsam des Zeus 
Auge. Ja er tauchte sich so ganz ein in dessen Gott- 
heit, ward so ganz von ihr eingenommen und verschlun- 
gen, dafb er zum ewigen anfange] ose» "Wesen selbst 
ward (Macrub. Saturn. 1. ao.). Wir werden im Verfolg 
sehen , dafs eine der Orphischen Schulen in diesem Sinne 
den Herakles in ihrer Kosmogonie aufgefalsl hatte. 

Aber zunächst und allgemeiner dachte Aegvpten in 
seinem Sem die Kraft Gottes, sichtbar zuroiderst in 
neu erstiegener Frühlingsbahn , nach (Jeherwindung des 
winterlichen Dunkels (vergl. I. p. 36i. 27g.). Darum 
ist er einerseits dem schweigenden, lahmen liarpoerates 



209 

noch zngesellt, dem Gotte des scheidenden Winters; 

I anders aber freudig sehnend zugewandt dem neu erglän- 
zenden Lichte des strahlenden Ainun, selbst erglänzend 
in herrlicher Sonnenliraft. Mit dem gewonnenen Gipfel 
der Frühlingsgleiche ist das ganze Jahr wieder gewonnen. 
Daher ist Sem- Herakles die Sonne durch und durch 
( Micro b. 1. I.). Darum fährt er herum mit dem Sonnen- 
schiffe (Plutareh. de lsid. p. 367. p. 5o6 Wrttenb.). Da- 
her ist er der Heldenlriuler durch alle Zeichen, der 
grofae, mächtige Kämpfer mit allen Tliieren des ganzen 
Kreises. Es ist die stets ringende und endlich im- 
mer siegende, unsterbliche Kraft 2,/> ). Darum 
auch den Phönix, das Unterpfand des ewigen Sieges 
und des wirdcYhehrendcn grofsen Jahres. 

So herrlich «st das Ziel. Aber che Herakles im 
Flammentode, dem Phönix gleich, zum ewigen Vater 
aufzeigt, che die Gotteshraft zur Gottheit selbst sich 
^erkläret durch und durch, innerhalb der Helden- 
liibn des grofsen Kriegs!. ampfes giebt es Vieles zu be- 
stehen ; da ist Berg und Thal , und wir sehen ihn steigen 
uihen 2< ' /r '). Auch davon wufs.te das Auinmiisland, 
Thebais und Libyen , viel zu berichten , woraus hernach 
iechen , mit llinzuthun bedeutender Stammsagen, 

fti) Ich weide weiter unten noch eine merkwürdige Stelle 
aus Proclus zu l i luto's Gorgiaü beibringen. Hier sey nur 
bemerkt, dafti die Siuik«.r dum Ibieuhs vorzugsweise die 
ifdrktrefTi-ndc, schlagende und thtilende Kraft fW rAaptti« 
mfa xjt'i lij.-iriK-^j) beilegten (Phuarch. de lsid. p. i>05 Wytt.)» 
womit allerdings die ursprüngliche Anschauung drs Alles 
durchdringenden und alle Zeichen des Sonneujahres be- 
■deuneaden Sun Herakles übereinstimmt. Darum be- 
stimmt er auch mit seinen f u fs t a p l'c n die Haha der 
Olympischen Solstitinlapiele (s. vorher). 

J66) Wir «tiiiii<:ni mit an die Mythen von Autilu* und Bubi-» 
bfcn (1. t_.ip. HJ. §, y »'.). 

II. i\ 



2IO 

ihr nationclle* Ilerat.lcsitlt.il sinnlich anschnallen und mir 
■chÖnev Haltung poetisch herausgebildet haben : 

Im J'Yfiliphr erblichte Sem den Vater Amun, und 
Legann damit den Hcldenhampf (J. p.'ig. 279.). Zu der- 
selben Zeit feierte Aegypten auch ein Erntefest. Die 
Jungfrau mit den Aehren ist in alt- Aegyplischen Sphä- 
ren das Bild davon. Der Sonnenkraft d. i. dem Herab f CS 
■ward das Fest gefeiert , dann stellte man den Cilathus 
mit Achrcn auf. So auf der ßembinischeu Tafel (vergl. 
Jablonshi de terra Gosen j>. 221.). 

Der Fortgang durch den 1 hierhrcis bringt den Sem- 
Hcrahles in manche Gefahr , wovon die physischen My~ 
tuen Nachricht geben. Im Lichte dieser, letzteren ge- 
sehen erscheinen, wie bereits oben (I. pag. 36 1 f.) bc- 
merht wuide, Hercules und Osiris einander rihnli 
I l.iliir» gehört dei' Zug durch Libyens Wüsten. Wie sein 
Ahniieü l'erscits bekämpft er Libyens wildes Geschlecht. 
In diesem Kample gingen ihm einst die Pfeile aus. Er 
ftinjkt auf die Jlniee nieder, betet zu dem Vater Ammon, 
der sodann Steine regnen la'fsf , die der Uniecnde Hera- 
gegen .seine feinde als Wallen braucht ( Scholiast. 
1 i'haenom. p. »4 cd. Oxon.). Wieder eine my- 
thische Erklärung einer astronomischen Hieroglyphe, 
deren natürlicher Sinn vor Augen liegt. Die gegen die 
Ifehen Zeichen hinabsinkende und allmählig ahneh- 
Ate n de Sonne war durch das Bild des hnieenden Sem 
(Hercules i n g e n 1 c u I u s) , der seine l'feile ver- 
schossen, vorgestellt worden 2i '). Nach einer andern 
Sage erschien in einer andern Noth derselbe W idder dem 
vom r>urst gequälten llcr.il.lcs hülfrcich. Kr stieg am 
dt in S.aide her Vor und scharrte ihm mit dein Fulse eine 



i XXXV. in dem bf ig. 

liililtnitllL- ; dei bi«ll neigend« Heren- 



31 1 

.quelle auf (Statins in Thcbaid. TIT. \~,h. ibirj. In- 
lerprr.j. J-.incn noch toodli bareren MytHlM von de» 
Hcrctde* Tnde, welchen Elldo*US erzählt, laben Avir 

• ben I. TJi. p. 36i II. angeführt. 

Hirter Sem - Herakles der Aegyptier, der sich von 

ms in die Nachbarländer verbreitete (s, Jh. F. 

II. Cap. I. §. 10.) , führt uns zum Herakles der 

PliGnicier hinüber. Uns war der alte JVJelliarth ron 

1'hbs, den die I'liüm'cische Kosmogonie von Dema- 

Jem Halbbruder des Kronus, erzeugen Jafst (s. 



• 



p. 21. 



nebst Munter di<* Rcüff« der Carthager 



-"■"). Dieser Melkarth war der Stadtgott und 

• der grofaen Tj rus , der mit dem Waehs- 

elben bald ein allgemeiner Bundesgott der 

clien Eidgenossen ward , und dessen Dienst der 

Seefahrer bis in die ferne \\ estw clt tcrpllanzte, 

im Angesichte des grufsen Occan , zu Gades , in 

das ewige Liebt brannte, eben so, wie 

. «lein Altäre seines grufsen Vaters. Es 

rOO Andern bemerkt, dafs der Mvlhus d.-s 

m diesen Seefahrten der weit segelnden I'bü- 

nianelicn Z'tg aligeborgt, oder doch damit colo- 

it ( vergl. Heere n's Ideen über die Politik u. s. w. 

— 53.). Nach Bocharts Erklärung bezeich- 
•in Name Mt Ajta ( j$o.: im Phünicischen selbst einen 
künig. Seiden hingegen fafst den Namen al Ige- 



ln der Archafolnpi« or Miseellaneous Tracts rel.it. ta 
-rr, London i7-f>. Volum. 11 1. p. 985 «qq. (Oboer- 
s on ihc r.ainbndRe Altars) ist ein Aliar abgebildet 
mir lobender Intchrit't: 'HpacxAsi Tvfi'o» Aiabw^a 

Ihc Insd. he ich soeben, hat auch Welcker 

ii Bonn erschienenen Programm nütge-. 
gedruckt igt. 



212 



meiner und erlilart ihn: den starken Kon ig (Je D. 
Um. I. 6 vergl. Bochart Geogr. s. IL i. a.); v eiche* 
letzlere freiJich mit der Bedeutung des Acgyptischen 
Sem mehr zusammenstimmt. Der !\ame Malika, den 
de»' Gctt bei den Bewohnern von Amaihus führte , be- 
zeichnet auch den Kon ig (s. Hesych. in MuXixa und 
dasei bsl die Ausleger). 

Auch Herodotus (IL 44) entdeckte zwischen beiden 
die gröfseste Aehnlichheit. Die Priester versicherten 
ihn, der Tempel ihres Melharth sey mit ihrer Stadt zu- 
gleich vor b3oo Jahren gebaut. Das war «-760 Jahre 
vor Christi Geburt ( Volney Supplem. a I'Herodot. de 
Larcher I. tab. 2.). Auch einen Thasischen Herakles 
verehrten die Tyricr; und die Phonicier hatten auf der 
Insel Thasus 166 Jahre vor der Geburt des Gikchischen 
Amphitryoniden, d. i. i55o Jahre tor Chr. Geb. (Hero- 
dot. a.a.O. und daselbst Larcher) dem greisen Melharth 
einen Tempel gestiftet. Der Griechische , so viel jün- 
gere Herakles (nach unserer Acre 1884 vor Chr. Geb.), 
und in Vielem so ganz anders als der von Thcl-a , Tyru« 
und Thasus, forderte also in Hellas, das war das Re- 
sultat um Herodot's Forschung, einen doppelten Dienst: 
ihliehen dem Heros, Gölterdicnst dem Olympisehen 
Gott , iu v*ie ei ursprünglich auch in seinem Yaterjande 
Aegypteu verrichtet ward 2f,tJ ). 



itlilich 



26y) In Griechenland scheinrn die Phönkirr, und vennu 

MM li die Cwthdgfi f krin licdt-nkni gefunden zu haben 

dt-n Thebjiui dm He vak-let als ilirrii Nationatgptt 

Ml verebten, Wir babea davon den Beweift in einer 

ben gefundenen Inschrift hei Wheler Voyage t. 

AI, in MreJclier die Gilde der Lyrischen Kaufleute un 

Schiffer dem Patron für seine ihr ei zeigten VY ohlihjten 

Lob und j.'iliilicii riiif goldene Krone bei dem Opfer, das 

■am Meerjoit gebracht ward, anerkennt, auch bescblicfsi 



: 

nd 



blickt, 



2l5 

Per Tyrfeche Mclech- Herakles war ganz wie der 

kebfti$che Hei - Herakles gedacht. Stadtkönig oder 

raft , wie man erklären will , war auch hiev 

Dctro.ition der Sonne. Auch hier war er die 

ende 1 r ü h l in g s sonn c ♦ die warmen Regen 

odet und die Saaten herrorlockt. Daher auch hier 

Tischgotl und Freudengeber (Nonni Dionys, 

418. ro ). Aber auch die gehemmte und gebrochene 



in Bild im Tempel des Herakles aufzustellen« Zusatz 
. nt er. 

Hercules, als gemeinschaftlicher Sclvutzgott von Tyms 
'»ei'if nColonien, deren Mach! j.i hauptsächlich .itifdem 
übte, ward dadurch auch zum Handels- 
[Ott, worauf der Griechische ftame 'H (/«*>.?; , abgelei- 
aus dem Bbrfiiachen '3^*3 cireuitor, mercator, 
taten könnte, So Munter (Kel. der Carthager p. 43.), 
'Ogcgen sich jedoch bemerken litfse, dafs anter V^n 
der Li U Ter durch die Sonnenbahn ver- 
1 werden könne, so wie auch Andere ?3^H als 
n Sonnengott -J - .- ^ « u- -j deuten ( vergl. Th. I. pag. 3.15. 
Sickler (Kadmus p. CXUI.) erklärt den He- 
ikles aus dein Semitischen für: die wandernde Hel- 
oder Gotte 8 - Kraft: vcn;l. jedoch auch die 
e p. CXW III, wo er noch andere Etymologien 
Kl. Bellermann schreibt A rohl es ( I. 22. H(. 5. 
}. Hercules, als Handelsgott , winde dann iden- 
i6ch seyn mit Hermes o der Mcrcur, und so 
•.vir ihn auch , wie den alten Herines der Griechen, 
linkischen Münzen abgebildet, mit einem starken 
Stab ( caduceus ) und andern Symbolen und Attri- 
ilen des Herines. S. Bellermann Bemerkk. über l*hö- 
MOnien etc. I. Stück p. 25. Da dieser Mercur hei 
: n Poniem Sumes geheißen haben soll, so wttre dies 
■rrtelbe Name mit dem Acgyptischen Som ( s. M Unter 
*. O. p. 56. .Note 66.). In eine ähnliche Verbindung 
n auch die Römer den Hercules mii Mercur ge- 
shl zu haben, insofern nainlicb die auf einmal reich 



3l4 

Sonnenkraft hatte Phonieren in bedeutsamen : Symbolen 
versinnlicht , wovon wir ein recht sprechendes ausheben 



Gewordenen dem Hercules, als r-kovroüry; , eben so, wie 
dein Mercur, Opfer brachten. Dafs die rt.omexr.den Her- 
cules, eben so wie dieTyricr/als Freuden- und Glücks«, 
geber nahmen, zeigeh viele Stellen der Alten, worin de» 
Opfers, polluctum genannt, Erwaiuiung geschiebt. Es 
pflegten nämlich die Römer vou dem gewonnenen Reich« 
thum den zehnten Theil dem Hercules zu opfern; so wie 
(narh Uiodor. Sic. XX. 14.) die Cartl.agcr dem Tyri- 
sehen Hercules aiy.lhrig den zehnten Theil der Staatsein- 
künfte zu schicken pflegten. Die Stellen der Römischen 
Schriftsteller, welche hiervon sprechen, giebt Heindorf 
zu Horazenti Satir. II. 6. 12. p. 362. Vielleicht rauf* aber 
in Betreff der Runter auch daran gedacht werden , dafs 
im System der Salier und Jfontifices Hercules ein und 
derselbe Gott mit Mars war, nach Varro's Zeugnifs beim 
Macrohius Saturn-:!. III. 12. p. 33 Bip.— Dafs der Car» 
thagische Hercules auch zugleich Kriegsgott war, 
könnte mau aus einer Stelle des Bischof« von Chartre», 
Joh. v. Salisburv (gestorben 1182 p. Chr.) schliefscn, 
welche die Nachricht enthalt, dafs die nach der Schlacht 
bei Canntt aufgelesenen goldenen Ringe in zwei Scheffeln 
nach Carthago geschickt und dort zu einem Schilde als 
Siegesgeschenk für den Mars, den Schutzgott Li- 
byens, verwendet wurden; s. Polycratic. HI. p. 179 ed. 
Jo. Maire, Lugdun. 163£). 8. Freilich erwähnt weder 
Liviub (XXIII. 12), noch L'linius (II. N. XXXIH. 1), 
noch irgend ein anderer uns bekannter alterer Geschicht- 
schreibtr dieses ITmstaudes , und so würde das Ganze 
selir zweifelhaft und ungewiß* seyn , wenn wir nicht wüfs- 
teil, dafa jener gelehrte Bischof noch manche alte Werke 
gekannt , die jetzt verloren gegangen sind , wie z. R. die 
Bficher des Cicero de republica , Varro's Satira iNJenip-» 
pea, auch den Fronto, den kürzlich Majo entdeckt b«tt; 
s. Polycrat. VII f. p. 573. 6ot. Heeren Gesch. des Studiums 
der elastischen Literatur I. p. 20A. Diese letztere Be- 
merkung verdanke ich der gütigen Mittheilung meines 
Freundes, des Htirn Bischofs Munter. 



2l5 



wnltrn. ! bd ihre Götterbilder in Zeilen ge- 

meiner Kolk fesselten, damit sie nielit weichen sollten, 
habe ich oben (I. p. i us Beispielen gezeigt. Die 

r fesselten auch ihren nfclharth, aber eicht zur 
t, 5Mm!i'in sie hielten ihn fast immer ge- 
,r. Data diese* Götterbild dem Aegyptischen gana 
■ . • •:- itbt sich aus dem Bisherigen; auch s.T^t 
itaa < kchaic. cap. 5.) ausdrücklich. Dieter He- 
rakles hatte also so «miß den Gehrauch seiner Füfse, 
als sein Vater Zeus -Amnion , ehe ßie diesem letzteren 
■'neu ihm, bericlitct Eudoxus ^ x ) , die 

tel■ITK'!lgc1vachf.cn , du um hielt er sich vor 
verborgen 1 bis Isis sie trennte urid ibn geben 
|>.is u.ii- der Besicht bare Amun, der nicht erschei- 
. will y und sich dem Sem endlich als \> *t zei^t. 

uar Amun der hinkende : Amnion - 1 <os. 

su« Geburt hennt die Griecl tbel 

hmen Zeus OT ). Wie dieser Zeus zu Theba , so 
nahm ei Theba'tsche Herakles an <\vm Fehl des 

hinkenden YYintergoJtcs Theil. Darum hiefs er dm 
Aegyptiei n auch in dieser Ue; Seropbucraie», 

. JTcrcoles - ITörpocratcs (rergl. I. p. r.77- •-»;). I'^s 
war also auch der fast immer gefesselte Heikartti von 

de so fesselten die Italischen Völker fetU 
Jahr bil in t]vn sehnten Monat ihren Saturnus. Vw 
: laceus gest.. -iiherzig , er wisse den Grün« 

dieier sonderbaren Sine nicht. Apollodorua hatte in 
Schrift von den Gottheiten folgende Erklärung 



'lufirch. de fs'd. p. SiO Wylt, T)\& philosophische 

A 1 . wonach der in sich verschlösse ne cniHichc 

lirn wäre, der durch Bewegung (£* > 

sk -Tisch offenbare, mag auf einem andern Sund • 

Wahrheit behaupten. 

IX. 21. 



2l6 



gegeben : Saturnus ist mit wollenen Fufshinden zehn 
Monate gebunden, weil das Embryo mit weichen Banden 
der Natur bis zum zehnten Monat hin im Mutterschoof'se 
gefesselt liegt (Macrob. Saturn. I. 8. vergl. Apollodori 
Fragmni»,, p. 4«3.). Dafs diese Deutung ganz richtig ist, 
kann bezweifelt werden. Aus dem richtigen Standpunkte 
alter Jahrcshierc-glyphih ist sie gewifs aufgefafst. Man 
fesselte den Saturnus, man lüsete ihn an seinem Feste 
im Deccmber. So lüsete und fesselte man mehrere grofse 
Jahres^otter aus naiver alter Gewohnheit, die znr Yer- 
tinnlichung von Begriffen immer die nächsten Wege 
Wühlt. Natürlich kun,nle die symbolische Sitte des Fes- 
sel ns und Lösens, sobald man einmal gehemmten 
oder g e 1 ö rderten Sonnenlauf, geschwächte 
oder ge stär Ute Kraft, ihtmit bezeichnet hatte, in 
verschiedenen Hcligioncn etwas verschieden gefafst wer- 
den. Immer blieb dieselbe Grundidee* Noch sind Spu- 
ren in Bildwerken von dieser sonderbaren Symbolik auf- 
behalten. Freitich hat man auf diesen alten Sinn dabei 
selten geachtet. Die Gemmen verdienen hier Aufmerk- 
samkeit , die, so wie die Münzen , der allen naiven Art 
getreuer bleiben, aU andere Kunsidi-nktuulc» Als Bei- 
spiel verweise ich auf tlas Bild im Muscu Napoleon (Nr. 
56. Supplcin. B.). Die Figur auf dieser Gemme ist sicht- 
bar an denFülstn gefesselt, und das beigelügte Sonnen- 
attribut läfst übst' den Sinn keinen Zweifel übrig. Nach- 
her ersannen die Griechen Ausdeutungen nach ihrei 
Weise. Man fesselte Statuen, sagten sie» denen 
Bimst Leben und Bewegung gegeben hatte (vergl. über 
diese Griechische Wendung die Beweisstellen in 
Jacobs gehaltvoller Rede über den Reichlhum der 
Griechen an plastischen Kunstwerken p. |7.). Nachdem 
Bisherig«) erkenne ich auch hierin nur Umdeutung mor- 
genlüudisi lier Gebräuche» die die Griechen nicht f er- 
standen, oder nicht 50 WOlileB. um ihrem Scharf. 



a 1 7 

Ehre «u bereiten, etwas Neues erdacht zu ha- 

•merlinng, die sich dem aufmerksamen 

Pachter besonders im Kreise der Herahleen auf- 

§. 25. 

Fortsetzung. 

'weifcl lustcn die Tyrier ihren gefesselten 

rta an gewissen Jahresfesten eben so wohl, uie 

ici ihren Amun lösten , und das Bild ihres 

Kimm Bilde gegenüber stellten. Reste alter Reli- 

tn rem Aegypten her. Keinen andern Ursprung 

<»!< Ii jene Lösung des Italischen Suturnus zur Zeit 

menwende. Der befreite grofse Jahresgott losete 

finen Saturn&lien auch die Sklaven, die sich während 

Gedaclunifstagc altgemeiner Wohlthaten auch 

faftoMthätigen Gefühls der Freiheit erfreueten. Einen 

Sprechenden Gebrauch ganz ähnlicher Art, wie die alten 

»turnalien waren, führt Euttathius ^) (stu Odyss. XX. 

- 5, 6 sqq. ed. Basti.) von einer Cretensi- 

n S t ü d t an. Nämlich zu Cydonia auf freta vra- 

! wisse herkömmliche Feste, an welchen alle Frei» 



Deutscher Sage theilt mein Freund Monc hierbei 
uii Beil rag mit: Auch Wo If d ieterich wird ge- 
n vom Riciienweib Br rille mit Kk-men, aber 
e& einen Regen kommen, der die Riemen löste, 
i Üwerg setzte ihm die Nebelkappe auf, und zeigte 
unfein Schwert, d.is Rerille in einem Steine verhör- 
en. AchnISch dem Herakles, dem Ainmon Steine reg- 
utn ihn zu retten. 

>icse Stelle ist ans dem 3ten Ruche des F.phorus Histo- 
»cn ap. Athfn. VI. \>. 26i Schwgh., weicht ich jedoch 
in der Sammlung der Fragmente des Ephorus von Marx 
licht finde. 



2l8 

geborene diese Stadt verliefsen , und die Sklaven gänz- 
lich Meister von Allem waren («avTB» xparovat) , and 
sogar das Recht hatten , die Freien , denen sie etwa auf- 
' stiefuen, zu schlagen (xal xvptoi, ^aoTtyorvTc's elai tot<j 
t?.eräcf>t>vc). Gerade so war der Aegyptiache Herali I es 
ein Befreier der Knechte. Flüchtete sich ein Sklave in 
seinen Tempel bei Canobus , und Hcfs die heiligen Zei- 
chen auf seine Haut eingraben , so war er dem Gölte zum 
Eig'enlhum gegeben ; keine menschliche Hand durfte 
ferner an ihn rühren (Hcrodot. II. n3.). 

Auch Thasus verehrte in seinem Herakles den Be- 
freier und Heiland. Er hatte die Thasier von der Gewalt 
der Tyrannen gelöset, und das freie Eiland verherrlichte 
ihn fortan als o*g>t>;j) auf seinen Münzen. ' Das waren 
bürgerliche Wohlthaten, die mit den natürlichen zusam- 
menfielen. Die au» dem Kerher der Unterwelt beFreiete 
Sonne bringt mit gelösetcr neuer Kraft die Gottesgaben 
des Jahres in Fülle. Wie sie Leben und nene Nahrnng 
bringt, So bringt sie auch Freiheit, sie selbst, die Be» 
freicte. Diese Ideenreihe zieht durch das ganze Ge- 
schlecht der Beliden und Persiden hindurch. 'Wie Per- 
seus der Belidc, dort aus dem hellen Sonnenlande, die 
Fesseln der Andromeda loset und das Ungethüm be- 
kämpft, so bestraft der Perside Herakles die Treiber 
der Völker imd die harten Herren. Auch der Attische 
Herakles Thescus ward noeb als' ein Trost der Sklaven 
nnd als Beschützer jedes Schwächeren gegen den unge- 
rechten Starken gedacht- (Plutarchi Vit. Thes. cap. 36.). 
Dafs diese Vergünstigungen ursprunglich m^t Jahres- 
festen , der Frühlingsgleiche oder Wintersonnenwende, 
zusammenhingen , leidet ,. nach dem Obigen , keinen 
Zweifel. Auch die Religion von Thasus bestätigt es. 
Dort verehrte man auch den Ammonischcn Dionysus; 
undpauf derselben Münze, die uns den Heiland Herakles 
mit der Keule zeigt, sehen wir auch die mit Enhcu be- 



219 

NftaiIHMysitsbuAte mit dem Ammonshorn am Ilinte*- 
:id also die beiden Ammonssobao, die, ih- 
leu aufglänzenden Vater 
ht und Freiheit über die Vülher bringen 2:j ). 

Per Tim si sc he Heralilcs g< hörte üu den I d u i s cb e n 
X»»ci»len , oder zu den allen kosmischen Potenzen 



tzen zu schliefscn , hatte sieb diese RHi- 
Vou Thasus weit ruch Norden hinauf in <i 

jener Münze 

s;ud nach Eck hei l). N. V. I f. p. 51. 

l'hcil um )ührs 

•jrpmjjr. Uiei r Herakles greif« auch in 

Qtfllajchen Dienst hinüber. I enbach zu 

Orpheus Argonaut. vs..5. Anl.ift. ha.itc,jcne Münze mit- 

Whrikn. I;j der neuesten Ausgab»; Unit :,ic. Hemster- 

an PulluX i». 101 feit, womit Span- 

Anin de usu et (>»-. Nuui. I. p. ■]!-;. zu vergleichen ist. 

!ben halvc icli Huicl ilung des 

IlTrn Ueheimer<uhs vuii Gerniug vor mir \ach 

nomubt. IX. 0. Sh hatten diu) Miinicn dieser 

Inet auch ti *<-• Inschrift U^o^v. Di- Ausleger haben da- 

- efirrigirt. Allein nach Slephanus von By- 

,, gehörte Perscus in Jas. Geschlechts^ 

r (i t> Thassus. Ich möchte also nichts andern, 

i lesen. Dies gelegentlich, da wir doch des 

cn mulstcn. Sonst können in diesem cn- 

e klitsche Bemerkungen selten Platz finden. 

Wenn \*\r übrigens den Versicherungen einiger Alien gh-ui- 

:, so wurde t rst von den Herakleendichtern, 

**»*a n d e r und Andern, dem Hercules die Keule hei-. 

f<l«*t (Slr.uSo V. y. pag. 6vS. j.a^. 16 Tzsch. Athen. XI I. 

P't.. S\S, pjg. 4oi seq. Schweigh.). Payne Knight (syni- 

>. 130. p 101.) will auf den ältesten Münzen 

Apollinische Attribute diesem Phüniciseh- 

Itiacben Hercules betgelegt sehen. Üb der alte 

llerculehkeule car nicht gekaunl ha- 

'nein entscheiden. Die Sculpturen in der 

bebois lassen das Gegcntheil vcrtautheii. 



der Pelasgischen Religion. So hntlcn ihn auch die Or- 
phihcr genannt, und so hannte man ihn in Bootien, 
welches Land viel Phönicisches und Acgyptisches über- 
kommen hatte. Es Maren ja die Begleiter des Cadmus, 
da sie die Europa suchten t Stifter des Ueiligthums zu 
Thasus geworden ( Hcrodot. 11. 4»-)i und so war denn 
auch im Tempel der Ceres von Myhalessus in Bo'otien 
Hcrables dienendes Wesen, oder Cadmus, Camillus. Er 
schlltifs, so erzählte sich das Volk, jeden Abend den 
Tempel zu und am Morgen -nieder auf. Allerlei Obst, 
zu den Füfsen der Bildsäule gelegt, erhielt sich da» 
ganze Jahr Irisch (Pausan. Boeotic. cap. 37. §. 5. vergl. 
Arcad. 3t« §. 1.). So war hier die Religion der Demeter, 
als der Geberin der Früchte,, mit der des Herakles ver- 
mahlt. Ihn selbst sehen wir ja auf allen Denkmalen mit 
drei Acpfeln in der Hand, woher auch »ein Beiname 
M/;X(ov nnd E£fitÄo<; kommt ^'). Auch das war Acgyp- 
tische und Phiinici&chc Vorstellung. Es ist der Jahres- 
gi»tt mit den drei Aepfehl als dem Sinnbilds der alten 
drei Jahreszeiten ^ 7 ). Dar 09 wulste auch ein anderer 



276) So erscheint Herakles mit den drei Aepfeln in der Hand 
aul einer Grahlampe bei Bellori Part H. fin. und auch 
Ml! isciien Münzen seben wir bedeutungivoll diese 
drei Aepttl ( s. die Taf. 11. nr. i.). Ueber den Beinamen 
s. upsern Dionysos I. p. HS seqq. Vorläufig bemerken 
wir noch, dsü injeimn Beiwort t "."^5; cioer der Schl le- 
^t I zu den rlespcrideugärun licjgti 

277) nämlich des- Frühlings, Sommer» und Winters. 
S, Diodor. 8fc, I. Iti ffi 2f>. Dnfc der Herbst in dem 

innier 1 inbegriffen war, beweist Jabloriski imc Isistafel, 
OptftCd II, p, 230. Diese Bedeutung der Aepfr.'l zeigt 
Joh. Lydus de mens*, p. [>2 , «Itr hierin den Nicowachus 
«xcerpirtp. Auch Symbole der Sonne waren die Ae- 

1, daher gewisse Trabanten der Persischen Köniee, 
1000 der Zahl nac.'i , au: ihren &Ukb»n goldene Aepfel 



r»«. r »«i 



391 

Mulms zu erzählen. Herakles hatte einst dem Apollo 
den heiligen Dreifufs geraubt. Die alteren Künstler be- 
handelten diesen Mvihus mit Liebe, wie zahlreiche Gem- 
men und Reliefs beweisen; unter Andern die eine Seite 
de* merkwürdigen Candclaberfufses zu Dresden (Bechers 
Aaeosteum I. nr. V). Hier ging die Idee des Sonnen- 
gottes zugleich in die des Propheten über. Auch er er- 
te Orakel , wie der Widdergolt , sein Vater , zu 
Ammonium (Taclt. Annal. XII. a3.). Auch darum rau!>t 
er dem Apollo den Dreifufs , und am Altare des Wahr- 
hiaraits sah man Heiahles neben Zeus und 
Apollo al gebildet OT ). Lauter Ueberhlcihsel alter Pelas- 
gucher Religion aus orientalischem Erbe. Daher ver- 
»cW<hete auch die fortgeschrittene Ilunsi , die es mit 
den ht-'Ucii Olympiern zu thun hatte, diese Jahrcsgütlcr 
dunller Vorzeit, und selbst auf Thasus nahm man jezt 
■ Itcn HeraMes den neuen Sohn des Amphi- 
D in die Verehrung auf {Pausan. F.liac. c. e4. §- 7). 
In die Religion der Uläischen Dactylen theilte sieh 
g i e n und Phönicien. Dieser Idäus Herakles 
• eiden gemeinschaftlich. Auch hatte er in Phüni- 
md in diesen Gegenden Kleinasisns einen und den- 



irugen, Mykofyopot oder die Aepfelirager genannt. 
f. Athtnaeus XII. p. 51 't b. p. 4iu Schweigh. und ebcnd.is. 
j> S3Q e. p. 504 Schwgh. und daraus Eustath. ad Odyss. 
XIX. 350. p. b^S B.isil. Vergl. auch Brissonius de reg. 
■r. princ. p. 2?0 ed. Leder). 

n. Atiic. cap. 34. §. 2. Ich habe nach einem anti- 
ken Vapejiycmälde l>ei Millingen auf der Tafel XLI. des 
Bildern« lies eine solche Darstellung abbilden lassen, wo 
-culrs mit Apollo wegen des geraubten Dreifufses im 
Sirene begriffen ist; s. auch die Erkliruns p«£, 2p. Dafs 
auf dt n ältesten Münzen von Thfttttis Hrrcule« mit Apollo 
gemefatMimt Aunuute haue, wurde l.urz vurher von mir 
b«n 



224 

Fortsetzung. 

(Hercules und die Cercopen.) 

Aehnliche Ideen sind in dem Hercules Sand ob 
(XdvSav) der Lydier niedergelegt * wie ich schon obet 
(I. Tb. p. 346 f.) zu bemerken Gelegenheit hatte. In Ly* 
dien ist es gleichfalls, wo Hercules als Melamprgus dk 
Cercopen, die Affendämonen , bändigt, dienstbar 
macht, und dann mit sich führt, wie der Indische Ha« 
numat seine Affenschaar. Ich habe oben, bei Entwicke» 
lung der Indischen Religionen , auf dies» Verbindung 
aufmerksam gemacht (s. I. Th. p. 610 ff. **), and leg* 
hier noch einige nähere Data nieder aa ). Es werdes 



8S&) Aufser Aegypten und Indien scheint auch an der Norf* 
kQste von Africa, vielleicht auch in Carthago selber, 
Verehrung der Affen statt gefunden zu haben; so tcf. 
muthet Munter, die Religion der Carlhager, paj*. 76. 

283) Die (Quellen zu diesem Mythus sind, aufser den ha Li 
Th. p. 61 f. angefahrten, Diodorus Sicul. IV. .11. Tom. I. 
p. 267 ed. YVesseling. Suidas s. v. xt^iuv-r-t und dazu Rai» 
nesii Observv. inSuid. p. 136. und Toup. cur. nov. iaSwt 
p. 803 sq.. ed. Lips. Zoiiaras in Lex. s. v. K*>.x«rr#i, paf 
US6 ed. Tiumann. coli, Etymol. nugn. I. p. 459 cd- M* 
Harpocrat. s. v. K* v .k. Paulis Com. Myihol. II. p. SSeii 
Gen. Den in den Fragin m. bistotr. grr. amiquias. p. *Ä 
— 183. angerührten wichtigen Stellen des Strabo XU. P» 
86y. XIII. »31. füge ich jetzt noch bei : Müller za ars 
Schollen der Tzctzes zum Lycophron v*. 688 und ISA «• 
auch Ciavier zum ApoHodorua 11. 6. 3. p. 300 — 302 seiner 
Ausgabe. 

Lieber die Verbindung der Cercopen mit Herakles arf 
ahnliche Weise und in ähnlicher Art , wie dem Bacchu* 
die Satyrn zugesellt werden , s. unter Andern Flutarca« 
^wi uv r/, b.jw<. $.L etc. Toni. I. P. II. eap. IS. p. 23 

W'yltcnb. — Kudiioh über die Affenart , K^,vy- genannt, 



aa5 

ich der Cercopen Ton Einigen zwei Bruder genannt, 
icmon {" Axjiojv) und P a s s a 1 u s (llüao u&ot,). A ndere 
nennen den einen Candulus, den anderen Atlas — - 
>*men , welche f wie der ihrer Mutter Memnonit 
(Nfepravtc)) unwillkührlich an den Himmel und an side- 
risehe. astronomische Verhältnisse erinnern. 

Nach Diodorus wohnten die Cercopen in der Nähe 

von Ephesus, verwüsteten und plünderten dus ganze 

Land umher eben damals, als Hercules in den Armen 

der Orophale, in weibischer Dienstbarkeit und Unter- 

-,heit lebte. Zwar hatte sie ihre Mutter Memnoni* 

.ermahnt, sich zu mäfsigen und 6ich nur vor dem Melam- 

ptgos xu hüten; allein demungeachtet setzten sie ihre 

(.•innren luvt, bis endlich Omphale gereizt dem 

Hercules (Melampygus) befahl sie zu züchtigen. Dieser 

iübrte sie dann alsbald gefesselt der Orophale zu. Eine 

•>ge versetzt die Cercopen auf die Cainpanicn 

gegenüber liegenden Inseln. Dort war einst Juppiter — 

so lautet die Legende — im Kriege mit den Titanen und 

mit der Veitreibung seines Vaters Saturnus begriffen, 

hingekommen , und hatte bei dem Volke der Ariraer, 

welche» die Insel Inaiime bewohnte, Hülfe gesucht. Sic 

versprachen Hülfe; allein wie sie das Geld, wofür er 

sie gedungen , empfangen hatten , verlachten sie ihn. 

Da verwandelte sie der erzürnte Juppiter in Allen (ttc 



s. besonders Aristoteles Mist. Amin. If. 2. und daselbst 
Schneider Tom. II. p.ig. 74 sqq. Joft. Lydus de mens». 
pag. 38. 1U2 s(.j<|. — Aus dem Inhalt diese« Mythus wird 
man schon errniben, daf« ihr» die Griechischen Komiker 
nicht vernachlässigt haben werrten. Wirklich lernen mit 
•US Alhtnitus die HlgMtfnrte des Mubulus kennen Ca. lib. X. 




»»;xois) — oder: in Steine — and vnn dieser Zeit an 
hiefsen die Inseln Inarime und Prochyte : die Pithe- 
kusen (Lltdijxovoeu) d. i. A ffe n e i 1 a n d e. 

Also eine gedopp . !te Meldung, weiche die Cerc<>- 
pen bald nath Kleinasien , bald nach den darch vulcani- 
sche Ausbrüche bekannten Eilanden Campaniens ver- 
setzt. Betrachten wir zuvorderst den Namen HtSj^oüa-ai, 
so fehlt es uns hier nicht on vielfachen Nachrichten und 
Deutungen der Alten, Da hiefs Inarime oder Eaarimi 
dasselbe, was tl&r t xovarai , weil ja Affen dorthin verwie- 
aen waren, welche die Griechen «pp tva c d. i, die \ a s . 
losen, Knariiis, nannten. Andere leiteten gar den 
Namen von A eneas (Acnarius) ah, weicher auf der 
Flucht von Troja h%>r mit seinen Schiften geankert sej 
Andere denken gar nicht an die Allen, sondern an RH 
hoq , Fafs, und vielleicht nicht so ganz mit Unrecht, 
wie man auf den ersten Blick zu glauben versucht sej 
möchte. Wird nicht auch in Aegypten Osiris von Tj 
phrm in den Kasten eingeschlossen und den Nil lnn.il 
gesendet? Und in Aegvptischen und Indischen Vorstel- 
lungen befinden wir uns hier. Wie jener in den Kasten 
eingeschlossene Osiris die matte, schwache Wintersonne 
ist , welche sich nicht ermannen kann und dem winter- 
lichen Dunkel unterliegt , so sehen wir , wie schon obei 
bemerkt , in diesem Lydischen Herakles die schwächt 
Surine zur Zeit des Wintersolstttiums , die der Erd« 
gleichsam den Küchen zukehrt , die luv die Erde dunkel 
ist, die von Hinten Schwarze (Melampvgus). Dei 
Sonnengott hat die Kraft verloren, er hat sich de» Weibern 
zugewendet, trägt weihliche Kleidung, und führt in dei 
Annen der Omphale ein dienstbares , knechtisches, aber 
auch üppiges, schwelgerisches Leben. Diese Zeit der 
Dienstbarkeit und Schwache des Herakles isj die \Vin- 
terpertode; und so lange Herakles in dieser Dienstbar- 
keil lebt, haufsen umher die Corcopcn, d. i. eben 






22' 



cne bestimmten Zeitpcrtodcn , Zeitmesser, wodurch die 
rerachiedenen Stände des Wintersolstitiums bezeichnet 
Verden. Allein alsbald ist die Knechtschaft zu Endo, 
die Sonne ermannt sich wieder von ihrer Schwäche, sie 
wird wieder zur kraftvollen Frühlingssonne, welche das 
ihr entgegenstehende Ungethilm siegreich beltämpft und 
damiedcrwii ft. Die winterliche Zeit geht zu Ende; He- 
raklc* bändigt und unterwirft sich die Cer- 
copen, d. i. mit der kraftig wirkenden Sonne des Früh- 
ling* schwindet der Winter, dessen verschiedene Stände 
und Perioden in den Cercnpcn als Personen bvpostasirt 
waren. So Mären also in jenem Mythus solarischc Vcr- 
inderungen angedeutet. In Aegypten sahen wir eben 
deawegen verschiedene AfTenarten als heilig verehrt, 
und in den Tempeln mit grofser Sorgfalt genährt (sieh. 
oben I. Th. pag. S'jA. ) , wobei wir schon an lunarische 
Verhältnisse erinnert haben. Auch die kauernden Affen 
in den Aegyptischen Thierkrcisen und andern Reliefs 
können hier in Betracht kommen (s. I. Th. p. 3o8. 4^6). 
Den Indischen Aficndienst habe ich gleichfalls oben (l. Th. 
p. 6oö IT.) nachgewiesen. 

Arhnliche Beziehungen, als die genannten, lafst 
uns auch die andere Sage, welche den Juppiter mit den 
copen in Verbindung setzt, entdecken. Wenn näm- 
lich unter Juppiter überhaupt die Kraft verstanden wer- 
den kann, welche alles Uugethüm, alles Dunkel , alles 
dem Licht und der Wcltordnung Widerstrebende sieg- 
?i bekämpft und sieh unterwirft, sr> wären die Cer- 
copen (diese winterlichen Zeitpet ioden ) , welche sich 
dem Juppiter (als das höchste und reinste Sonnenlicht 
gedacht) gewissermafsen entgegenstellen, etwa wie seine 
übrigen Widersacher, die Titanen u.i.w. zu betrachten. 
Endlich möchte in der vulcanischen Natur jener 
Affcnci lande (der Pithccusen) noch eine andere 
Seite des Mythus hervortreten. Denn da in gewisser 



Beziehung Herakles die ringende und kämpfende Feuer* 
kraft, aol arisch m *) und tellurtsch genommen , ist» so 
könnte er in letzterer Beziehung auch als dasjenige rin- 
gende und kämpfende Leben der Erde betrachtet wor- 
den seyn , das auf eine noch jefct nicht ganz erklärbare 
Weise sich vulcanisch nufsert, und sich bisweilen auch 
durch Feuerergüsse , Eruptionen und dergl. kund giebt, 
so können unter den Cercopen auch die mit solchen Aus- 
brüchen verbundenen Aschenauswürfe und dergl, mein, 
wodurch das Sonnenlicht und der Feuerglanz verdun- 
kelt, verfinstert, der Tag zur Nacht gemacht wird, an- 
gedeutet worden seyn. 




Wer sich auf Yolksphantasic und Volkssprache ver- 
steht, für den bedarf es 4e& Folgenden nicht. Aber uns 
derer willen, die alle Mythen in deutlichen Worten 
erklärt haben wellen ,, füge ich noch Einiges hinzu , und 
sulli« es auch nur da«u dienen, dafs sie sehen, nie jenen 
Vulksanschauungen gar oft ein sehr bestimmter Begriff 
kon Grunde liegt. Der Affe Cynoccphalus war dem 
Aegyptier heilig , weil er an ihm eine mit den Monds- 
pbasen regelmässig eintretende Menstruation und Blind- 
heit zu bemerken glaubte. Der Geyer (Weihe, milvius) 
war, nach der Volkssage, von der Sonnenwende an 
lahm» und verbarg sich in Klüfte (Plin. H. H. XXVII. 
10,). Das waren calendarische Thicre , und wurden da- 
durch stehende Typen der ältesten Priestercalender , die 
durchaus hieroglyphisch und zoographisch (d. h. die mit 
ThietbiJdern und andern natürlichen Bildern geschrieben) 



28-1) Macrob. Salurnal. I. 20. p. 309 B!p. : Sed nee Hercules 
a substantia solis abest ; quippe Hercules eu e»l solis 
potestas, cjuae hum.mu generi v i r l u te tu ad nimiii- 
tutlincm praestat Deorum. 



22g 

MNt Diese Hieroglyphen, wurden dem Yolke ausge- 
iei. Atis dieser» Deutungen entstehen Legenden. Eine 
il l.igende vom Aetna her kennen wir: Juppiter 
le die Palicischcn Götter erzeugt (doos Palicos), 
nacLdem er «.ich in einen Geyer verwandelt hatte ( f.le- 
jnesU. Homil. Yl. i3.). Vulcan , der Aetnäischc Feuer« 
goit, gehörte zu diesen tellurischen Gottern, deren 
Wesen es ist, jeast als Feuer- oder Wasserströme her- 
vorzubrechen, jezt wieder zu erlöschen. Die Legende 
will sagen : die ewig waltende Naturkraft (Juppiter), in 
der Erden Tiefe (in der Kluft) batd gebunden (labm) f 
bald fici . erzeugt aus sich jene vufeamachen Phänomene, 
die demselben Gesetze des Wechsels unterliegen, und 
die der Grieche ebendeswegen als Götter naXixot nannte, 
weil das hin und her, das Gehen und Kommen zu 
i Wesen gehört. 80 ist also auch der palicische. 
Vulcanoa bald in »einer Erdhöhle verschlossen , bald 
bricht er in Feuer- oder Wasserströmen gewaltig und 
furchtbar wieder hervor (Man sehe die örtlichen Belege, 
die ich aus den Alten öl. er die Cegendcn um den Aetna 
ber gegeben habe zum Ctc. de N. D. pag. 60t seqq.). — 
Wie nun das Italische Yolk Jahre und Monale nach 
Bechern zählte (davon unten bei der Römischen Religion) 
— eben so «rohl konnte es auch nach Fassern zählen ; 
und wenn die Gnadensonne des Jahres und der befruch- 
tende Landefstrom im Kasten verschlossen und als gött- 
licher Leichnam beigesetzt wird, so konnten doch, wohl 
auch jene Thiorgötter , dio heiligen MondsafTen , in Fäs- 
ser kriechen , oder mit ihren Köpfen vorwitzig in Fässer 
hineinblicken, d.h. sie konnten blind, verfinstert wer- 
den. "Wenn Hercules, die ringende Sonne, mit seiner 
schwarzen Kehrseite den Monaten und Tagen den Reichen 
zuwendet, dann werden die Monden und Tage matt, 
finster , dann ersterben sie. Becher und Urnen hatten 
in den alten bildlichen Calendula gestanden. Sie waren 



die Maafse für den Zeitenstrom des Jahres, und wenn 
Hercules (der S u nn ensch il fei ) in einem Becher 
(wie der M)thus sagt) znr Sonneninsel Erytbia steuert, 
bo begleiten ihn die neckenden Ccrcopen (dieFafsaffen), 
aber neckend und berauscht stürzen sie auch wohl in die 
Fastet hinab, ertrinken oder erstarren als Steine; d.h. die 
winterlichen Monate gehen in den winterlichen YVa6scrllu- 
then unter , und die vegelirende Kraft der Erde seheint 
zum harten Steine zu werden. Aber eben als Steine und zur 
teil mischen Schwerkraft herabgesunken rächen sie sich 
wieder , diese tückischen Cercopen, und wenn im heilau f- 
lodernden Erdfeuer der Vulcanc die Gotteskraft aufstrebt, 
dann verdunkeln sie als Steine und Aschenhaulen die 
Feuergütler auf den vulcanischen Eilanden. 

So spielt der calendarische Mythus doppelsinnig, 
wie er liebt, und darum erkenne ich in ihm doppelte 
Cercopen : sidciische nls Wintertage und YVirilcrmotiate, 
und lellurisehe als Erdkräfte, die den vulcanischen Gott- 
heiten neckend zur Seite stehen. Den Hercules in Ge- 
sellschaft der Cercopen zeigt uns ein schönes RetiW in 
der Villa Albani (bei Zoegn Bassirilievi Tavol. LXX. 
vergl. Tavol. LXX II. und LXlX.), — Wer die Gestal- 
tung und Gruppirung sieht , kann vielleicht seinen 
künstlerischen Sinn befriedigt finden. Wer aber den 
neben dem ruhenden Hercules in die Urne hinabbliri.cn- 
den Satyr i.etrachlet, der kann, wenn er will, ein Meh- 
re» darin sehen — nämlich einen blassen IS'acIi&cbcin 
jener alten Calcndemrncn und Calendcraffen. 



§• »7- 
Fortsetaung. 

In Lvdien ferner erzeugte Herakles mit einer 
Tin den Stammvater einer neuen HGr»igsd\nistie. Viel- 
leicht war jene Omphule selbst die SkUun, wie sieb 





n3i 

M» einigen Spuren bei Herndotus veroiulhcn läfst 2S5 ). 

I« jedem Falle ist es im Sinne des ganzen Mythus, cafs 

Shiavin von Herahles , tlein Shlavengotte , zur 

Stammmutier eines Königshauses wird. Das Mar also 

du z-teitr Geschlecht der Sonncnr.inder auf Lydiens 

■one. DieAtyadcn führten wenigstens auch einen 

Atys, wie der Phrygisch-Lvdischc Sonnengott genannt, 

als ibren Ahnherrn auf. Die neue Dynastie, die auch 

einen Del unter sich hat , nannte sich die der Herabliden, 

oder vielmehr Handaulidcsi , wenn lleiycbius (in K«V&) 

I hat, wonach die Lydier don Herakles Kiuidaul'rs 

'en. Ein Handaules ist bestimmt der letzte Honig 

dieser lleibc. Seinem Ahnherrn gleich fiel auch er in 

igen der >Vciberlist , und noch unglücklicher 

titrier er dadm rh Tluiwi und Leben. Auch ohne aufser- 

lliche Zuthaten, womit andere Fabeln diese liege« 

l'cnK«.iten sebmücken (man erinnere sieb dea magischen 

^ritigcs), zieht doch auch in der Frr.ählung des 11c- 

rodutus eis mythische! laden durch die&es ganze Ge- 

i lit. Seihst das letzte Schicksal desselben ist daran 

Hätte der König Mcles den Löwen, den ihm 

Ucischltiferin geboren, um ganz Saldos hci'uni- 

ragen , ao wäre , narh der Weiisager Sprech , die 

»ladt nicht in des C-vnii llhnde gefallen (Herodul. f. U4-)- 

Also ein llönigslöwe, von einer Magd im HeralJi* 

denh;. ii-n. Der Löwe blieb fortan ein heilige» 

Zeichen Jüdischer Röntge, and unter den Weihgeschen- 

ien , die Crtfattl in den Apollotcmpcl nach Delphi slif- 

st gerade ein goldeuei Löwe da« ausgezeichnetste 



885) L 7 und 91. und daselbst die Ausleger, nebst Heyne zum 
Apoliodoma pa£. 1*0. Ohservv. Eine ganz vrrschitrh ne 
on Herakles und Omphale liest man bei 
i.uusdc Dcer. Nat. 32, p, 222. in üalei Opus». 
Üi n vcrgl. auch Eudocia in \ iolar. p. 2l8. 



»32 

Stück (Herodot. T. 5o.). Das war das uralte Symbol des 
sieghaften, stallten Sonnengottes, ihres Ahnherrn -*"). 
Wie Herakles die Knechte befreicte , und mit einer 
Magd im eigenen Dienstjahre de.» Stammhalter Ly- 
discher Dynasten zeugte , so gebar eine Magd dieses 
Hauses einen Heran) esld wen &"). Das war der Schirm- 
vogt von Lydiens Hauptstadt, und darum trug man in 
feierlichem Um gange den L6wen um ihre Mauern. Sie 
selbst, die Königs s ladt Sardis, war ja die Jahresstadt, 
und durch den Namen schon dem grof*en Regenten des 
Jahres t Herakles, geweihet. Das sagt uns selbst ein 
Bürger der Stadt, der alte Lydier Xantbus. Sardis 
(£apd<v), berichtet er (beim Johannes Lydus de metiss. 
p. 4^.), biefs in der alten Lyderspracbe das Jahr (sieb. 
I. Tb. p. 348 f.). Also eineLydifeche Herculcs&iadl, wie 
die greise Tbebä in Aegypten eine Ammcnsstadt, wie 
Babylon die grof»e Beistadt, wie EUbatana mit ihren 
sieben farbigen Mauern eine alte Planetenstadt. — So 
suchte die Vorwelt aller Orten den sichtbaren Himmel 
mit seinem glänzenden Heere auf Erden abzubilden, 
und die Hunmel&m ächte unter die Gewaltigen der Erde 
eu versetzen. Auch Persien, wober der Eroberer 
ton Satdcs, der lichtstrahlende Kboresch (Cyrus) , harn, 
hatte seine grofse Sonnenstadt (%. I, Tu, p. 60,0. M ). 



286) S. Symbol Th. I. p. 508 f. Kupferet klarung p. 35. 

(87) Auch Wolfdieterich hatte einen Löwen , der sein Kämpf- 
et »ofs war, und den er der Sidrat sehr anempfahl, diu 
ihn auch pflegte wie ihr Kind. Anmerkung von ÄIo ti e. 

388) Den Löwen als Attribut des He reu Fes will Paync K night 
Inq. iiito the symbol. lang. §. MO. pag. 101. schon in der 
Phönicischen Vorstellung von diesem Gotie finden. Wie 
dem nber auch sey , in Lyrischer Sage sreht dieser Kan- 
dauks als ein Abkömmling und Namcmrägcr des Hercu«. 
)cs jm JLö weezeiuhen. Dieses Reichen des Thier-» 



»33 



Spätere Geschichtschreibcr nennen auch einen Per- 

cb«o Herakles : Sandes (Zdj<5>;^; Yossius de Idolo- 

sieh. I. Th, pag. 35o.). Ob dies der grufse 

■< lunischid selber ist, mögen Andere untersuchen. 

>"'l iit gewifa, last in jedem Zuge linden wir da» 

U de* Herakles in Dscheniscbids Geschichte wieder. 

" Inhalt ar, die grofse Parsenstadt (Per&epolis), 

a,1 <\ fand er in der Erde den Sonnenbecher, von 

el » der Orient so viel zu erzählen weif* , der in den 

'«tielfr Völker als Wunder- und Zauberkelch vor.. 

»«int, als Symbol des Firmaments und der Sphäre, 

f «a Enrater Joseph bis auf Alexander herab; derselbe 

&cAfr, in welchem Herakles die AVunderfahrt nach 

r Sonneninsel Ervthia unternimmt. Auch Dscheir,- 

hat vom Sonncnglanz seinen Namen a9 ). "NA io 

kies des Zeus Auye heilst, so heifst er das Au;;e 

hmuzd. Er, wie Herakles, ist der grofse Zc*- 

Er spaltet mit dem goldenen Dolche die Erde« 






ta 



m'ses steht als vorlelztes Sommerzeichen mit dem Wa?— 

<ne geradezu in Opposition. Gygesaher, verwandt 

inii Ogygcs, ist im Zeichen des Wassermanns. So wie 

nun in der Lydischen Sage Gygcs den Kandautes lödi.rt, 

nti auf devsen Thron steigt, so steht der Wassermann 
den Sphären dem Löwen gerade gegenüber. Wer die 
wunderbaren Zöge kennt, womit jene Lydjsche Hau ige-. 
bte bei Plato ( de Legg. II. 3. p. 359. p. 37 /Ist.) 
erscheint, der wird , zumal nach allem bisher Bemerk« 
l?n | keinen Augenblick verkennen, dafs auch dieses Er- 
cignifc der flerakliden Lydiens in siderisclien Farben n pielt, 
und von alten Calenderhieroglyphen Zuthaten erhalten 
hat. Diese Seite der Sage , so wie die übrigen mehr pro-, 
saiüchen , habe ich in den Briefen Über Homer an Her« 
mann p. 103 ff. berührt. 

S9> Herbelot Bibl. orient. T. II. p. 132, Wir haben scIki» 
aen I. Th. p. 670 f. hiervon geredet. 






Unter ihm war aiicu die goldene Zeit. ET empfang das 
Gesetz O« mrnzds von Homo (lleomo), dem Beinen» 
«lein Geber »lies Guten , dem Lichlgjanz durch und durch, 
dem ei sien Diener von Ormuzd. Von diesem ward 
Dschcmschid berufen. Er soJI das Gesetz den Menschen 
bringen; wozu er mit der Bedingung einwilligt, daf» 
unter seiner Regierung weder hoher noch brennender 
Wind, noch Tod , noch Aller, noch unordentliche Lei- 
denschaften seyen. Das ward ihm bewilligt* Da ward 
3 ran das Segensland- Wasser ergofs sich in Strumen, 
Menschen und Thiere mehrten sich, und diese lernten 
moii ihm die Feruers anbeten, um derentwillen die Welt 
{ ICXB&cttf i^t. Und Dschcmschid bauete den Ver, diesen 
J ^11 liehen und grofsen Ort, wohin er die Heime des 
1 lehena von Menschen , Hunden und Yogflii , Bäumen 
i id Glanzfeuern brachte. Da war hein Feind, der i 
3 insteru schlich, heinc Armulh, l.cin Tyrann -8°). 
S d und mit mehreren Zügen Ausgemalt, sieht das Bild 
i! ?s Dschein^chid in ah reisischen Monumenten vor uns. 
A lieh er ist die ringende Gottcskraft im Luhldicnstc, 
uiod steht dem Princip der Finstcrnifs , wogegen e 
1. implt, gerade so gegenüber, wie Herakles. Diese 
dum Typhon, jener den Dews des Ahrimsns. Wie je 
HCl", sij wird auch dieser mitunter in die Finsternifs 
vci'uichclt (vergl. I. Th. p. 67J. unten). So liirbcn die 
De RS die Hand des Dschcmschid schwarz, und verwun- 
den sie, wovon er »ich durch den Urin des heiligen Stie- 
res reinigt (Bundehcsch 3a.). Ja er vermählt sich mit 



im 
IM 



I 




£H"i) Vendidad Fargard II. zu Anfang. Desebne 9. vcrgl. An- 
hang IM. t. nag, &5. Auch den Griechen isi »liest; Mt-e 
einer goldeuen Zeit mii Segen und Fülle in allen Dingen, 
als Fo I ge, der moralischen Eigenschaft tu t i- 
nes König*« j riefet trriml. Man lese die Beschreibung 
du Utäyssec MX. 1C& lt. — u4. 







einer Tochter der Dcws, und eine Parserwage versetzt 
lulle. So neigt auch er, der Sonnenlvönig, 
gleich dein Herahlcs , zum Irrthum und zur Finsternils 
»ich hin ( Izeschne II. 9.). Doch, 60 wie jener in Ac- 
gvptcns und Phoniciens Mythen, so lebt Dschemschid 
den Sagen der Perser. Er regierte 6» 6 Jahre, und 
d 716 Jahre alt, und man betet zu seinem Ferner 
Er, der grolle Held, ist der Stammvater 
der Helden, der Ilajanidcn '&?). Mithin zeigt die 
Persische Sage uns in Dschemschid gerade eine solche 
Kämpfende GoUesItral't , wie Aegypten in seinem Sem - 
Herakles. liier Aman, Del , Perscus, Herahlcs. Dort 
Ormuzd , Mithra, Heomo , Dscljcmseliid. Beide Stamm- 
Täler und Vorbilder von grolscn Künigsgeschlechteru : 
Dschemschid von den Majaniden ( Acbnmeniden) , und 
würdig wieder anhebend inGustasp und Hhorcsch (Gyrua); 
Herakles Ahnherr von einer Thebaiterreihe in Aegypten 



S9l) Wolfdieterich lebt 503 Jahre unrj zeugt 56 Kinder, die 
alle bis auf den Hugdielerich sterben, der 450 Jahre alt 
Sein Enkel Dietnur lebt 3i0 Jahre, und von des- 
>übn Dieterich weift die Sage gar nicht , dafs er ge- 
ben sey , sondern er habe ein Gelübde gebrochen, 
worauf ihn eiu unreines Ruf», welches der Teufel war, 
berührte und mit Tort nahm in die Wüste R u in cn e y , 
wo er mit Drachen streiten muß bis an den jüngsten Tag. 
Gott wird ihm aber aus der Pein helfen, denn tr sieht 
ihm mit seiner Stärke bei. Eizels Hofhaltung Sir. IUI — 
lii. Auch Hilttbram wird nach der Wilkina-Saga K..3S2, 
zweihundert Jahre alt, darum beifet er in leutschen Lie- 
dern immer der Alte. Vom Otnit heifst es , er habe mit 
Riesen und Zwergen gekämpft , und sey von dem Schwe- 
. Iip.-ilm so schwarz geworden , dafs ihn seine eigencFrau 
aicht mehr kannte, Awnerkung ton Alane. 

f9C) S. v. Müllers Werke , Ucbcrsichi dtr Geschichte Per» 
•uns VUI. p. 22i. und Symbol. I. Tb. tu a. Q. 



«36 



und von den Kandaulidcn in Lydien und so weiter durch 
grofse Künigsgcsehleohier vieler Nationen. 

In dieser Gegend »piek auch die HeraUce mit der 
Sage vom Lityerses oder Lyticrses 29 *). Dieser Sohn de» 
Midas bewirthete zu CeU'nä in Phrygicn gastfrei alte 
Fremdlinge, die er nach der Mahlzweit zwang, ihm Ge- 
treide schneiden zu helfen. Gegen Abend schnitt er 
ihnen die Hüpfe ab , und verbarg die Leichname in den 
Garben, bis Hercules harn, den Unhold tüdtcte, und 
seinen Leichnam in den Flufs Mäander warf. — Name 
und Handlung scheinen auch hier eine physische Grund- 
lage des Mythus errathen zu lassen. Wer die Krse 
('Epa»; oder *E»*a};) in den Mythen von Atlica hennt, wird 
vielleicht auch in diesem Lytierses eine Art von Typhoa 
oder Uobigus erblichen, der den Thau und die heilsame 
JSühlung verzehrt, dein Leben der Mensehen verderbr 
Jicb wird, und der von einer heilsamen Sonne (Iltncules) 
gehändigt stirbt. — Aber wie dem auch seyn nir.j; : der 
Name Lityerses blieb im Liede dei - Schnitter ständig , wie 
im Klagliede der Name Jaleroos , in den Hymnen Julos 
( Sehol, Tfococrit. a. a. O.) ; und diese Scene mit dem 
Hercules ward ein Gegenstand satyriseher Dramen, wo- 
von wir noch ßrurhstiiche besitzen. — Eine" ähnlichen 
Unhold in den Weinbergen, Namens Sylcus 29 '), sollte 
Hercules um dieselbe Zeit erschlagen haben« 




*y3) Aihenaeus X. p. 415. b. p. 16 sq. Schwgh. Surd. in Atn 
rn^tr. mit Reinesii Observv. p. 155 ed. Müller. Schotust. 
Theoorit. Idyll. X. vs.4t. Anonymus (vielleicht Phlegon 
Trallisnus) in llecrcns und Tycbsens Bibl. der alten Lit. 
und K, VII. p.9«qq. Jnedd. Eichslädt de drauiat. grae» 
eorr. com. »M\r. p. 16 sq. 125 sq. 151 sqq. 

ßp4) Apollodur. II. 6. 3. pag*. 205 Heyn. Conon. N^rrat. 
e»p. 17. 



1*7 

Auch Indien hatte seinen Herakles. Er hiefs 
Dorsanes ( &op<rdrr,i , Hcsycb. **). Die Bedeutung 
de» Namens ist unbekannt. Schreibt man mit Albert! 
>ancs, so wäre er der Fette. Demselben Gelehrten 
fiel der Name Dusares ein , womit man den Dionysus in 
Arabien bezeichnete. Alsdann hatten wir Mieder einen 
Haus- und Stadtgott, nie indem grolscn Melkarih 
▼onTyrus. Nicht sicherer sind die Indischen Sagen , die 
«tos freilich zunächst erst durch eine sehr unreine Quelle, 
durch die Keuchte ziemlich spater Griechen , auflicfscn. 
Doch kündigen auch sie sich , so scheint es , als mythi- 
sche Erklärungen alter Jahrescyclen und festlicher Ge- 
brauch'- eines Sonnendienstes an. Herakles harn, fabelt 
Hegasthenes 296 ), gerade so, wie die Thebancr ihn ver- 
ehren , auch nach Indien, zeugte dort viele Sühne und 
ei'> fe Tochter Pandaa, der er ein grofses Reich 

UnterJief». Nachdem er die ganze Erde durchzogen, 
fand er aus dem Grunde des Meeres einen Frauenschnuii'b 
ron Perlen, die in jenen Gewässern, den Bienen gleich, 
eine Honigin haben, und sich wie diese in Einem Staate 
zusammen halten. Mit diesem Schmucke verherrlichte 
er die Königin, seine Tochter. Als er keinen würdigen 
Gemahl für sie fand, und doch selbst vor seinem nahen 
Ende nueh ilrrc Minder sehen wollte, so machte er sie 
mannbar in ihrem siebenten Jahre, und zeugte seihst 
mit ihr den Stammvater der Indischen Könige. — Ohne 
Zweifel alte Symbole, Sinnsprüche und Fcstgcbräuche, 
in eine mythische Historie ausgespounen. 



Ktf) Sollte hier nicht an einen Zusammenhang mit Desa- 
Ilteronymus A«u/Si; übersetzt; s. oben II. |». 
£22.) tu denken seyn ? Uebrigens ist Über Dnrsaucs das 
im I. TU. p. 6t0. Gesagte nachzusehen. 

ft%) S. An um [udica cap. 8. p. v»rgl. Philostrati Vit. Apol- 
lo«. III. 16. und d.»db«t UUar. 



a38 



Der kosmische Satz Ton der Perlenrcihc, die an 
Einer Perlenhönigin hängen, kann nach dem, Mas oben 
(F. Th, p. rj8.) au» dem Bhagnvalgcla beigebracht worden 
ist, kaum wohl zweifelhaft bleiben. Auch Weiberregv. 
ment mit allen daran geknüpften Begriffen kennen nir 
zunächst von Lydien her, und die Mannbarheit im sie- 
benten Jahre gehört ganz geuifs in denselben Idoenkreis 
von Sonnencyclen , eben so viohl als das Dienstjahr oder 
die drei Dienst jähre des Sonnengottes in Lydien. Lnd- 
-!ch sowie Lydien, aufser den Atyaden , seine Knndau- 
liden hatte , so hatten Indische Königshäuser nicht nur 
den Dionysus, sondern auch den Herakles zum Sl<nniii- 
▼ater. 



Auch in der Westwelt w ~) breitete sich die Heia 
kleisehe Religion nach allen Seiten aus. Zunächst durch 
die GoJonien der Phönicier. Dort anf Afrieas Lüste 
zollte Carthago, die Tochterstadt , dem Beschirmer von 
Tyru» , der Mutterstadt, jährliche Zehntem, und so weit 
sich der Carlhagcr Colonicn erstreckten, so weit betete 
man zum grofseo Mclkarth. Auch Spaniens Völker hui- 



. 



197) Payne Knight (jymbol. lang. §. «36. pae. 105.) trifft mit 
meiner Ansicht von der Grundlage der Heraklee wiidcr 
zusammen, wt-nn er den Mythus, wonach Bacchus im 
Osten seine Kri<gszuge beendigt, Hercules aber im Wt* 
sten , so fafst : Im Ersteren ist die niielutiebe Sonnenbuh 
bezeichnet, deren Ziel erreicht ist, wenn die Sonne v 
Otiten aus dem Ocean aufsteigt; im Letzteren die Taget« 
sonne , wenn sie dieselbe Grenze der zwei Hemisphären 
im Westen überschreitet. Zum Versiandnifs dieser sola-, 
risr.hcn Ansicht der Herakleen habe ich durch Beiftguä| 
der Tafel XXXV unseres Bilderheffs dem Leser eine Hei- 
hülfe zu geben gesucht. Es bedarf aber wohl k«um des 
Zusatzes, dafs aus diesen Grundanschmningen vom Her- 
cules sich noch andere herausgebildet , auch wieder an- 
dere aus Stammsagen sich daneben ungeheizt haben. 



e« 






im, so weit Phünicischer and Cartbagische» Ein- 
reichte (vcrgl. den folgenden Abschnitt). Nicht 
diu Einlange zum Ocean hatte er seine Säulen ge- 
nue» , soruli'in er unternahm auch vteite Seexiige auf 
aselben. Andrerseits überschritt er die Pyrenäen 
nid er und sein Geschlecht gründeten Ale- 
(iüsus und andere Städte in Gallien und in den 
lern der W estweit - 98 ). fticht nnr in die- 
OrumJtone, sondern auch in bestimmten einzelnen 
i tet der occidentalischc Mythus dem de» 
ilandes. Dals der Sonnenbecber , worin HetaUles 



felPBttle er noch im dritten Jahrhundert nach Chr. Geb. 
O.Jiien, wie die Münxm besagen, unter dem Kamen 
lf ICUle a Deusoniensis angebetet , einem N.tiiu n, 
»flehen Munter '.die R.elig. der Carthager |>ag. 54.) ohne 
ichlnutehd mit jenem D es a n a n s (s. oben 
f>- 2M.) h.'.lt. Utbrigens wird Hercules auch für dm 
St^mmvjtcr der Celten ungegeben; denn mit der Celtine 
Wie er < •». P.irjhenii Erot. cap. 10. p. n/i ed. Legranr',.) 
^"Celms erzeugt. Andere hingegen fabelten, Her- 
nahe mit der Asterope, einer Tochter des Alias, 
'hnt- , den l b e r und C el t us, erxeugt; s. die neu 
S'frndenen Stücke des Dionvsius von Halicarnaft XIV.?. 
V-^til. Mediolan. "AAAc* ii & 'JIf*MJl«ave Mal ' A sr t n f » - 

Hieraus mufs das Etymologicum magn. vet> 

•« rden p. 502. p. 456 Ups. Ktk-r^ ti-ri toj KeArcJ, 

-ii £rtpoT>j4 t7)% "ArAavro^ thyarpli. Lies 

" n > was auch besser in die ganze Allegorie vom 

pafSI. M.,n vergl. was ich oben (I.Th. p, 361,1 

na gesagt habe; und dieselbe Verwechselung 

; beim Apollodorns p. HS, vgl. daselbst die Scrt- 

"^c Note voo Heyne. Diodorns (V. 34.) erzflblt die- 

;ir»t aber den Namen von der Stammmuttrr 

ii nennt er auch Galatis [Y v *-^) , wovon 

**in andere Sagen gab; verjl. Wesschng daselbst 



nach Erythia über den Occau fahrt , eben so wohl 
Dscheraschidsbccher heifsen hann, wurde bereits 
merkt. So liefsen sich viele harmonirende Zü^e 
mein, z.B. wie unter Dschcmschids Herrschaft kc 
Fäulnifs war , so Jaulen auch die hölzernen Säulen 
uralten Hcralilcsterapcls zu Gades nickt. Auch in 
Dienste manche tlebereinstimmung, z.B. da« Abschcar 
der Haare und dergh (s. Siliua Ital. 111. s8 sqq.). 
kannte der Römer den siegenden Herakles zugleich 
Gesundheitsgeber, gleich dem Persischen Dsc 
schid und dem Sem von Aegyplen (Job.Lydu* de 
p. <>t.). Auch Sühne, aus der Gotteshrafl HeraUtl 
zeugt, wollte Rom unter seinen Bürgern hal 
Hcldengeschlecbt der Fahier knüpfte seinen Stammbau 
an ihn, und leitete seinen Ursprung von Fahiu« 
den Heraktes mit einer Nymphe Fabia erzeugt |l 
(Plutarchi Fab. Max. cap. i.). Auch legten die Lai 
sehen Tölker , wie die Lydier, dem starken Gottc 
schläferinnen zu: Faula und Acca Larentia , die, 
Herakles in seinem Tempel beschlafen, nach Einiges 
grofsen Stadtgr iinders Romulus Amme gewesen war 
Also auch hier, wie im üppigen Lydien, sinnlicher 
des grufsen kämpfenden Sonnengottes. Aber auch 
dasselbe genealogische Bestreben , Helden und R 



299) S. den Geschichtschreiber Macer bei Maorob. Si 
I. 10. verjjl. Augustinus de Civit. D. V|. 7. Lnttr i 
Römischen Fragen des Plutarchus (LX. p. 27*. p. 
Wyitenb.) kommt auch die vor: warum die Pra 
Hercules zwei Altäre ( in Rom ) habe, nichts von 
Opferjjaben, die auf dem gröfseren dargebracht 
anrühren oder kosten. In den Antworten wird nun 
Carmenta gedacht , die einst beim Opfer zu spJt jjek 
men sey. Darauf wird eine gltiche Vertpltl j 
naricr erwähnt , und endlich wird der Mythus vom t 
wände der Dejauira angefühlt. 



* 1 1 



Sonn enh indem zu machen. Aber welcher Sonne ? 

Der den grofsen Kreis durchkämpfenden Sonne , der 

au*dau wie jeden Tag, so jedes Jahr aus 

>>«ch* und Finsteraifc wiederkehrenden siegreichen, seg- 

inr. Das war die alt»* Idee des Orients: die 

Iev. lioit, als erstes Licht und Urfeuer gedacht, 

\«ie kann sie sich anders offenbaren, als im Sonnen- 
' Daher denn die Sonnengötter , »tt« Ormuzd, 
emanirt : Mit h ras, Hei, Am im und An- 
dt--. hl die Halbgötter: Horo, Dschem- 

schid . Noras, I'crsens, Herakles, und daran die Kö- 
und Helden geknüpft, als menschliche AhLitder 
Urbilder und der Heroen : Guslasp, Kho- 
ris und die übrigen grofaen The- 
Atich die Lydcr : Agron» Meles , Kandaules, 
»elLst in den Norden hinauf, » L 1 *- Srvfhischen Kifnige, 
Bercules mit der geheiinniffvollen Ki/hidna erzeugt 
IV. 9 sfjrj.) u. s. w, — snmmtlich Söhne der 
len und siegenden Gotteskrafl ! Zu dieser letz- 
Jdec führt nun die ganz, natürliche Ansicht des 
Snn n i; n ) ah i t* s. Was ist die Sonne in ihrer Jakres- 
> i is. als ein Held im Kampfe? Die I'insteinifs 
Ut ihr Gegner: Ahriman, Typhon und die hosen Schlan- 
gen und andere Ungeheuer, die sie senden. Das sind 
die winterlichen Zeichen, wodurch die Sonne gehen 
auf». Die andern Zeichen des Kreises liefern die übri- 
gen Bilder. Festgebräuche stellen, bald im Hctdenspiele 
§*w (.hemmis und Olympia, bald in Fesseln zu Tyros, im 
Frauenkreise zu Sardcs, den jezt siegenden, jezt unter- 
liegenden Kreishämpfer dar. Am Endo sinkt immer die 
Fesset Ton den starken Gliedern , der Gipfel wird wieder 
gewonnen, und der Held strahlt aufs neue Licht , "Wärme 

-a 

Im 



n herab. 



Es war also in der Reihe der Sonneniucarnationen 
leine dera kriegerischen Geiste energischer Volker so 

II. 16 



angeeiguei, als eben diese. Keine auch so sittlich 
im edelsten Sinne des Worte*. Keine so sehr gemacht, 
Königen und Vorstehern der Völker zum Vorbilde zu 
dienen. Das Grundwcscu der Herrscher mufs aus Gott 
seyn , daher ist Sera- Herakles des Ammon. Zeus Sohn ; 
aber am Loos der Menschheit mfissen sie Thcil nehmen, 
darum ist er Halbgott. So nehmen sie ae den Leiden 
und Schwächen der Sterblichkeit Theil. Gottesliraft be- 
währt sieh nur im Kampfe. Daher der Orient d 
Halbgöttern und den ihnen nachstrebt onigeo das 

böse widerstrebende Princip in den Ahriui.'uiscben und 
T> phonischen Mächten gegenüber stellt, dem Dschcm 
den bösen l)ew, dem Gustasp den Afraaiab u. s. w. 
Vom Sonnenjahre und seinen Festperioden gehet auch 
alle bürgerliche Ordnung aus. Daher Sem » Hui-ahli-s, 
&o wie Dächern, nicht blos der Jahresan Tanger , sondern 
auch der Ein »heiler der Zeit und Jahresgott selbst, 
der ordnend und wallend durch alle Zeiten im Sonnen- 
schi iTe Fahrt. Mit Einem Wort, es ist Kein vollendete- 
res Königsidcal auszudenken, als den Völkern der Vor- 
zeit in dem kämpfenden und leidenden, geprüften und 
gereiften , endlieh obsiegenden , starken und linden le- 
genreichen Sonnengotte durch alte Religion gegeben 
war J0 °). Darum »teilten sie auch diese Personifieatinn 
am häufigsten an die Spitze ihrer königlichen Geschlechts« 
registcr. Sollten sich nun die Griechen, die, wi 



300) So sagt Proclus (Commentar. mscr. in Plalon. Gorg.' 
fjjv ovy ToA/rti'av t>jv ifirtfttJ$MMMV tcü ßtov luu rijj ys;vj?tw 
uwtdaut t/^nm nakoüin • rwHvf wm nai rl ifAumov r tift a ii 
Ali rci *m q 4? avt ^l Tikfjraic-* offa) *■> reit, lenrapibi; intern 
»tc^tutg, avri xa-r>fyaiVf'o';iro -öv cncrtrAv r.u yJJi.i-j ßhf KM 
Aenrjv iv >}f-*f9i " ***■ lv <*■'■';-",'■ * u *£ ar » l fr- Ich habe 
diebe Stelle zum Theil schon zum t.'iccro de Nat. Deor. 
III. 16. p. 551. angeführt, nebst einigen andern gleichfalls 
hierher gehörigen , welche dort nachzulesen lind 






24* 

ir gesehen , auch diesem Tyrischen Gott unter sich 

ngang gestatteten , von dem religiösen Denken der 

übrigen Well gleichsam abgewendet , und durch eigene 

Eii einen besonderen Herahlcs ersonnen haben? 

Nach DBBerra Hauptsätze, dafs Pclasger und Hellenen 

den Inhalt der Religionen meist aus der Fremde er- 
hielten , ist dies schon zora voraus unwahrscheinlich, 

und ein Wich auf die noch vorhandenen Execrpte alter 

Herab! ecn bann jeden Unbefangenen vom Gcgentheil 

Überzeugen 301 ). 

Fortsetzung. 

Hier kundigt den kämpfenden Lichtgott schon 
hwere Geburt seiner Mutter Alcmcne an. Ililhvia, 
selbst Licht aus der Nacht, sitzt mit verschränkten Hän- 
den am Feuerheerd, und die starke* Mutter rängt in Ge- 
Wtsnolh , bis endlich die List der Galinlhias oder Hi- 
* 1o, i* , wie sie bei Fausauias hei fit, der Kreidenden 
Höfe gewährt 302 ). Nach alten Vorstellungen, scheint 



1) Alles hier Gesagte von dem heraklf isclien Vorbild und 
Ursprung der Königsgeschlechier gilt in allen Beziehung 
geu auch für das (einsehe und nordische Alter« Inno. Die 
Sonnenheldt-n der Sage sind das Vorbild der Könige, be- 
sonders der teutschen Kaiser, überhaupt eines jeden Men- 
schen gewesen. Man erinnere sich nur an die Namen 
Gibelinen , Weifen , Ainalungcn , und wie die nordischen 
Kömgsgeschlechter auf die Nibelungen und dun Sigurth. 
zurückgehen, darüber geben die Stammtafeln Pe rings - 
kjold's zur Wilkina Saga No. IV. und VI. wie auch 
Bjürner's zu den Kampa dater No. IL III. IV. den 
anschaulichsten Beweis, yinmerkung von Motte, 

flOS) Nicander bei Antonin. Lib. cap. 2°, und Pausan. Pho- 
cic. cap. II. 



es, hemmte Höre die Geburt des Haftgottes, indem 

sie die Ililhvieu entfernte. So singt schon Hörnerne { Iliad. 
WX. 119.). In den Griechischen Herakleen ist nun 
Her e jene feindselige Macht , weit he dem Sohne der 
Alcmene hartnäckig gegem'ibcrti itt , und, vidrni sie ihn 
verfolgt und todtlich hasset, zugleich Veranlassung 
wird, seine Gotteskraft glorreich zu offenbaren. Daher 
gab ihm das Orakel Jen Namen 'H|t«xX •; , iril er 
durch die Here ("Hpa) Ruhm (xXt'ov) gewinnen sollte •* n ). 
Auch hier zeigt die neue Etymologie eines a!t<-.> , ver- 
jnuthlieh orientalischen -*') Namens den Grundbegriff, 



303) Diodor. IV. 10. Schol. vc(us ad Pindar. Olymp. VI. 
115. Eben so beweiset Macrobius Saturn«!. I. 20. 
au» derselben Etymologie, dafs Hercules die Sonne sey : 
„et re vera fiercuttm solcm esse vel ex nomine cLn>i. 
Heracles enim , quid nlitid est, nisi heran id est aeris, 
cleos iil sai gloria: quae porro alia aeris gloria t'-t, 

m.-j folii ilbunuiatio , cujus recesou , profuadiUtc Spiritus 

oeculitur [♦ ri' l*r .• t kiil " 

304) Denn das Lateinische Hercules führt vielmehr auf 
'Hfu*v)itfc, ( Ltnncp. Etymolog. 1. gr. p. 2-ii). Auch 
könnte der Name 'IlfaKAij; auf das Ebräische ?3^1J1 
hindeuten (5. Munter die Kel. der Carth. p. ii. und oben 
p. 213.). Ueberhaupt scheint die allere Form , wie wir 
aus den Eruriiclien Denkmalen (s. Lanzi Sasgio di ling. 
E'.iusc« Vol, II. pag. 20h Srqq.) und aus der Römisches 
Eidesformel schütten können, Ercle gewesen au seyn. 
Auf unserer Taft-1 LVM. nr. 3, nach einer Etrurjschen 
l J atera , steht der Name Hercole geschrieben. Ich 
kann hierbei die Erklärung zweier Gelehrten nicht Über- 
gehen , welche 'H^x^; uns dein Griechischen erklären. 
Hermann sogt im dritten Brief über Homer an mich p, 20 : 
„So erschien, was wahrscheinlich eine der ältesten Alle- 
gorien war , die Tugend als der Ruhmerwcrber, 
'Hj-äx)!«; , S; ijpiTo xA«'^, Die Tugend ist unsterblich, aber 
die Person peht unter (OdysS. XI. <jü2 und 60i.)< M Ge- 
wn »ehr imlend und ganz im Sinne dta lange nicht genug 



m der Grieche sich bei jenem Kampfe mit einem feind- 
eten Wesen dachte. Dafs gerade aber Here hier die 
»teile des I \ phon und Uew einnimmt, Lalle, nach der 
i Analogie dieser Ideenreihe, in physischen 
langen seinen Grund; nicht weniger die andere 
htuu^, daft Tal las als freundliche Macht thm hülf- 
oitc steht. Wäre es unsere Absicht» ganz in 
io dieser Hcraltlesmytben einzugehen , so 
wir nicht dabei stehen bleiben, die Here aU 



pwBntigtcn Macrobius , nur dafs dieser den physischen 
.1 ich auch fufse , als Giuudlage seut , Sa* 
niriml. I. iO, p.30'J Bip. : „ '[nippe Hercules ea estsolis 
polcsla» . quae bumano generi virtutem ad similitudi- 
nem prjcst.il Deorum. " Payne Knight ( symboL lang. 
MO. pag. 101.) geht , wie icli immer gethan t Von dt-r 
rnfeligion aus», und sagt vom Hercules : „nnd bis 
k oam« , which, according to ihe mosi j>roh;i[)le 
• lo^ie , fcignifies the g I o r i 1 i e r o t t h e parib, is 
peculurly applicable tu ihe Sun, ll Dieser Geleime denkt 
also an >\.j und >••:;. ül> ich ntm gleich eiueti orientali- 
schen Ursprung des Namens zu behaupten geneigter bin, 
rill toli doch gelegentlich bemerken, dafs auch diese 
lit mit der gewöhnlichen , wonach Hercules der 
erJien lieber der Juno hiefs, sich in Einklang bringen 
fst , da Einige die Juno als Erde nahmen ( Flu laicht 
ragmn». pag. 757 Wyttenb, 7^ }*h wr/v >j "H^), Alle 
u »e Auslebten sind notb wendige Folgerungen ;ms 
rner orientalischen Grundanschanung der Mee des Her. 
jIc* , die im Laufe der Zeil sich bilden mußten, — 
)er Grundbegriff des Aegyptisch - Pbönioiscbfo Halb* 
warvon den Giiechen in der Genealogie vcm AI* 
c j 11 s , des Perseus Sohn' und .unphiiryon» V'jter, und 
dem Namen 'AAh<3>j;, Sohn der Starke, riclilig 
ifgtlaf->t. Auch andere HerUiüingeu des Namen* 'lifo- 
tt$$ sagten , wenn sie gleich an t-ich verwerflich sind , et» 
»as Wahres, z. B. die des Nicomachus , der an den 
.Zertheiler der Zeit erinnert < s. meinen Dionysuf 
142 aqqO. 



3 46 

als untere Luft dem Fe u er h i mrael Zeus gegenüber 
2ti stellen, sondern, so V ie. Herakles selbst in jedem 
Sinne G*jtteskraft war, und dem gemSTa mehrere Bedeu- 
tungen erhielt, so würden wir auch die Idee des Wider- 
standes gegen diese Kraft, in mannigfaltigerer Bedeutung 
nachweisen können. Dasselbe gi2t auch von der mit 
Zeus einverstandenen Tochter Pallas. Dafs Zeus in 
Amphitryons Gestalt die Atcmenc umarmt, hat 
den bedeutungsvollen Sinn, dafs giofsc Naturen nur dem 
Leibe nach den Sterblichen gleichen, während ihr We- 
sen ans Gott ist. Doch hat ohne Zweifel der Orient 
schon mit seinen Göttern im Fleisch diese höhere Idee 
verbunden. Der oben nachgewiesene .Mythus, wie der 
Halbgott liorns , zur Strafe seines Mutlermordes, Alles 
dessen beraubt ward , was er von der Mutter hatte, läfst 
dies schon vermulhen. Die Ermordung des Linus, 
den Herakles mit der Cithara erschlug', gehört vermut- 
lich auch in den Aegyp tisch - Phönici&chcu Kreis. In 
Aegyptcn sang man ein Traucrlied Maneros w welches 
Hciodntus auf den Linus bezieht ■**). Dort halte Mane- 
ros die Astronomie und andere Wissenschaften gelehrt 
( Hesych. in M«v.)< In Byblus war er der Königssohn, 
der vor Schrecken statu, weil ihn Isis grimmig ange- 
blicht hatte (Plutareh. de Isid. p. 357.). Das war also 
die Körnende Isis Tilhrambo. Seitdem sang man auf ihn 
ein Traucrlied , und man nannte ihn Erfinder der Musik 
(s. I. TL a. a. O.). Auch in Hellas nufste man von einem 
Linus , der Muse Urania Sohn , den Apollo erschlagen 
bitte { l'itusau. Phocie. aq.) und von einem Licde seines 
ISamrus. Die Aegyptier hatten auch einen zornigen 
Ileral.lrs, wie Wir unten sehen werden. In Böoticn, 
nachdem einmal Herakles als Halbgott der späteren Mci 



3o5) II. 79. vergl. L Th. pag. 4i6 ff. und die Homer. Briefe 

pag. irt« 



a 4Ä 

■cbengrscMclite nahe gerückt war , unterschied man den 
jüngeren Linus, dos Herakles Lehrer, von jenern atlc- 
ten , der Urania Sohn. — Dunkle Mythen, voimuili- 
hch Hüllen alter astronomischer Sätze aus drni Ster- 
Dendienste, welcher auch einen Hercules mit dem 9ter- 
iicnklcide (äcrpo^ixav) kennt ( ESunni Dionrt, XI,. 
.). Die Mutter Urania, die Feindschaft 
•s i s , des Apollo und des Herakles, der Tod- 
„ mit der Leier vollbracht , scheinen auf sideri- 
Uuaih htm! ;»!i<- Orphische Lehiezn führen, wohin 
»uili der Herakles v.i;s-getcs -W) gehört. Vielleicht ist 
Scctcnkriog verschiedener Sonnendicncr an- 
gedeutet. Dann würde Herakles den sanften Linus in 
drrr.srlltcn Sinne erschlagen, tu welchem er den weichen 
is aus der Gßtterzahl wirft. Mehr all schwache 
'Jihung vcrslattel bis jezt dieser Mythus nicht, da 
die Untersuchungen über den Namen Mancros und Linus 
*o Tcr^chiedcnc ricsultnte gehen , und aus I'lntarchus 
mlttbar ist, dafs das Alteilhum schon verschiedene Lr- 
mgen hatte. 

Herakles am S ch c id c w ege , nach der sinnvollen 

ing aus den Hören des Prodicus hei Xenophnn 

(Vcmorah. II. i. 21 H]<] ) , reihet sich leichter und ent- 

whiedeiier dem orientalischen Begriffe der nicht blus 

Widerstand bekämpften ^ sondern auch durch 

Wohlleben t ersuchten Golteskraft au. Amh F.ury- 



306) Den Aegypti.ch - Phttnicischen Sonnpn^on. <!cr tli Son- 
nengott julIi emGott der Musen war, kannten *lic- Homer 
als Hrrc igele». Ihm baitete FuJvius zu It in 

einen Tempel nach der AetoUschen Bxpedkion j s. tilack- 
wtll Memoire ofih« couri of Angtastni V. p. 5S. Zusatz 
VOn AI Unter. — Ich brauch«-' hier nur an ilen Ae{jy|i- 
ien Lichtgot t M cm nun, <ten Vate r der Musui, 
*u erinntr«; s. 1 h. I. Duch 1). C»p. L §. 18. 



*4fl 

stheus, der feindselige Mrnuh. mit seine« Fnl« 
heit und Feigheit, steht in den Grieciuscben li 
wie die Ut-ws und Typhon, m ie Afrasiab und iihnli« 
seeundäre Wesen, dem Dschemschid und Gustasp, 
dem Herakles gegenüber. Die zvölf Dienstjahre, 
«wülf Hauptarbeiten - , ° 7 ) T worin die meisten Mythen ül 
einstimmen [die Behrimpfuug des Neroäischen Lowi 
Lernriischei» Hydra M >) , des Erymantischcn Ebers; 
Hirschfang;, die Verjagung der Suraphalischtn V- 
die Reinigung des Augiasstalles ; der Sticriun: 
Rauh der Russe des Hiomodcs ; die Erbeulung dt_-s VVi 
geliä'iigs der Amazone; der Raub der Geryonsrinder; 



übt 



307) Ueber diese zwölf Hauptarbeiten und über d. 
arbeiirn des Hercules sehe man den Hyginus ( t'^b. 
im I XXXI.) nach , der sie in der Kürze erz.ti 

308) S. unsere Tafel LVÜ. nr. 3. Ueber die Fabel s. 
die Schob Hestod. Theogon. pag. 257 , wo sich auch 
doppelte Ansicht findet; die physische, wonach die Hr 
das verderbliche Wasser wäre, oder der feuchte 
dtrschtag der wässerigen Dünste aus der Luft , 
Gesundheil schadtn, und die ethische, wonach die 
kdpfire Hydra »las prrsonificirte Böse wäre, das, so si 
es vertilgt «erden soll, doch immer sein Haupt 
erbebt. Uebrigens war es nicht immer ein vieJköpl 
gt s Ungeheuer. Die Griechischen D neu 
x r.:i !Un|, von neun und nachher von mehrere', 
geredet; s. die Ausleger zum Hy| n. fab. XXX. pjg. 
«d. Siav. und Heyne ad Apollodor. p. I J5. Auf Griec 

» n Münzen erscheint die Hydra mit sieben Köf 
^nbeim de iis.et pratst. numm. p. 230.), und so at 
b il einer Gemme im Mus. Florent. Tom. I. tab. S7 
Bei Marinte ist eine Gemme abgebildet (T. II. pst 
tab. 75.), wo Hercules drei Köpfe der Hydra opfert, 
eben so viele sind auf unserer patera sichtbar. Auf 
Reli-f hingegen (s. unsere Tafel XXXVI. nr. 3.) tiUl 
wir arbt Kopfp f und gerade so viel« werden 
nobius Proverb. Centur. VI. 20. beigelegt. 



»M 

di* Aepfef pflücken in den TTe*peridengärten ; rlcrHinab- 
ü den Hades und die Rückkehr mit dem Cerherus] 
weisen nun schon in Zahl und Art auf den groften Ar- 
beiter im Thierkreise hin 3W ). In diese Bildrrrvihe ge- 
hurt auch die dreifach verlängerte Nacht der Eneugong 
des U »s, gehören die sieben Nachte, in denen er 

die fünfzig Töchter des Thcspius hcschlafr, und die zwei 
and fünfzig Sühne, die er mit ihnen zeugt 3:0 ). Dahin 
en die l'hönicischcn Sdiilfersagen von der rothen 
isonneninsci Lrvthia ( V r ofs Weltbünde d. Alten 



hat elf Dienstmannen, die ihm getreu sind 

'i den 'l'od , aber hei seinen Brüdern in harter Ge- 
liat'i gehalten sind. LH" Jahre inufs er kämpfend 
durchziehen und mit Riesen, Halden nrnl Dra- 
chen Mrtitcn, che er im zwölften Jahre sein« Dienst- 

nen erlösen kann. Aber erjrergilsl *\c niemals j ganz 
eigentümlich ist et» seiner Sage, daß er überall und im- 
mer an die Befreiung setner Dtenstmauuen denkt, wo- 
durch sich der ursprüngliche Gang des Liedes sehr gut 
erkennen tatst , dafs es eine aliteutsche IJeraklee in Bc«. 
»uj; auf den Thierkreis gewesen. Sein Urajenke) Diete- 
tieb von Bern hat ah standigen Gegensatz den Kaiser 

i r i c h , Ermenricli, welches der persische A h - 
riman i»t , und dessen zween böse Kathgrber Sihich 
und Rihstein ebenfalls mythisch sind. Sibich erinnert 
dem Wort nach an die persischen Dews, so wie an 
Schiwa und T y p h o n , und ist mit T e u f e I , Z a u - 

, Dieb, tief, stumm, taub u. s. w. und mit 
all diesen Lnholdsworlern verwandt. Darum heifst er 
auch der Ungetreue, hingegen Berchtung (der 
Glänzende) von Meran, Wolfdieterichs Lehrmeister, 
der getreueste Mann auf der Welt heilst, dessen Gleich- 
bedeutung mit Hiltebrant, Dieterichs Lehrmeister, schon 
die Brüder Grimm bewiesen haben. Die beiden alte- 

leutechen Gedichte u. s. w. S. 69. simtierkung von 

•t e. 



»10) Apollodor. IL 4. 9. Diodor. IV. 29. ibiq. Wettel. 



2DO 



p. 2i.) ; die Sonnenrinder des Geryon , noron Stesicno* 
vus in der Geryonis gesungen , und die alten Logogi 
jihcu Pherecydes und Hecaiaas in den G< 
viel zu erzählen gewufst 3tl ); euch vermutlich di 
Isncn Mythen rotn Heiakies Melamp ^. ohen 

pag. 22JJ (V.) und von seinem Beinamen Kynosa 
vrcifse Hund (Tzctz. ad Lycophr. 91. Pausan. I. 
Black dem Grundbegriffe dieses Halbgottes , den um alte 
Zeugen geliefert haben , können vir mit einei 
Gewißheit glauben, daft diesem Tdecnhreise jem- " 
angehören , renn vir auch nicht im Stande sind, jaden 
einzeln zu erklären 3,J ), Dazu würde auch Rath verdec, 






311) Pherecyd. p. 109 cd. Sturz, und Historicc. graecc. •»• 
tiqq. frajinm. I. p. 50 seqq. Nach Hernjrnn ist G?r\ ■>» 
l l . I i'niln, vntj -,^-«v, fjhulari) der i^rcikö; 
Fahler von Schiflermahrchrn , und also eine Art • 
Fjip..i i-i männlicher Gestalt. Ich denke an 7^0; um!--.--. 
d.is Alter; Und Geryon ist sonach der Alicun NiedergaaM 
| 1 Lande Iberien) ; und weil Geryon von den Alte 

d< n JkVinter gehalten ward, so erklare .ich de 
i vom Hercules , der Geryons Rinder raubt , so: die 
1 idhliagtsonne gewinnt dein alternden Winter im Lan 
der Finstcrnifs die neuen Jahreszeiten ab. Drei an der 
Zahl waren sie. nach alter Jahreszahlung , beim 
kopfigen Winter (Geryon) verborgen. Die Frtlr 
sonne hat sie aus Iberien wieder zurückgebracht j s. un- 
sere Bride über Homerus und flesiodns pag. 176 — I 
Uttd dazu jrzt die Tafel XL. im Bilderhefte, mit den 
merkungen dazu p. 2S. 

312) Unlrr die Nebenarbeiten des Hercules Erhört 
Bekämpfung der Centauren ( Apollodor. II. 5, 3 siq 
Unter diesen werden Nessus, Eurytion und andere 
seine Gegner genannt , auch Dexamenus. In der 
rung der Bild«. r p, 2<J. habe ich einige Nacbwrisungen ge- 
geben , ura die verschiedenen Erzilhlungsan. n diese* Mj« 
lang kenntlich zu machen. Es halte verschiedene Tr»- 



3 )l 



i'tcns Hieroglyphen lesbar wurden, und wenn 
hären alter Astronomie besäfsen. Einer der 



lien dieses Inhalts gegeben, und so ist tlie Erzählung 
latOrliclt verändert worden. Hei Sophoclrs in 'Jen Tra- 
linerinnrn lernen wir die Dejanira als des OenensToch- 
?r und de» He-rcules Frau kennen (vs. 4o6 seqq.). Den 
itauren Dexamenus lernen wir aus dem Seholiasten 
ichus (Del. i02.) kennen. Es hatte also eine 
den Inhalts gegeben : Hercules lüdtet den C.en«. 
turen Dexamenus , der sich der Dtjanira bemächtigt 
J )»s »jr auf den Theatern vorgestellt worden, und 
lalcr haben danach Gemälde gemacht. Ein Aehn Liehet 
Kbrcihl uns der .jüngere Philo&lratiis ( leon. IV. pag. 
■S sq. Olear.). Gewöhnlich sind die Vitsc ngimalde C«i« 
en 5' 1' h i 9cenen und gröfserer Malereien. Ein solches 
' ild stellt uns die Tafel LIV. unseres Bildcrhefls 
(vcrgl. die Erklärung p. £<h). — Die Beant- 
»rtung der Prag« ; welche Allegorien diesen Ccniauren- 
kmpt'ii im Allgemeinen zom Grunde liegen mögen» 
rurcie uns hier zu weit führen, ]\ur die folgende Idee 
i\l\ ich hier miuheilen : Payne Knight (syrobnl. Lang. 
115. «ler in Pferd und Pferd menschen das Bild 

les Wassers sieht und im Hercules mit mir die. Sonne, 
will auch im Kampfe derCcntaurcn die Bedeutung finden: 
Es sey die austrocknende Kraft der Sonnenstrahlen , die, 
indem sie auf die Sümpfe wirken , dvii physischen Procefs 
der Faulnif.i , aber ebemladureh neue Kürperhildungen 
veranlassen. Für den vorliegenden Fall lafst sich davon 
besonders Anwendung machen. Bura , jene durch Erd- 
beben in den Meeresgrund versunkene Stadt in Achaia 
Partium. VII. 25. 5. pag. 333 Fac.) » war 1ler Schauplatz 
ieser That. Dort verehrte man den Hercules Bural'cus 
las.). Dort war der Weideplatz des Dexamenus 
»voro ßoizruTf, ; Callimach. Ded. 102. und daselbst 
;r Scholiast). Dort war also Oeneus, der Mann des 
r t ns , in seinen Pflanzungen von den Kofsmenschen, 
:n Bildern der wdden Wellen und Morasie, bedrohet 
irdet. Er konnte den Cenutireu nicht zum Eidam 
ibro wollen. Hercules, welcher kurz zuvor den Strom 



sprechendsten Züge im Herakleischen Mythus ist sein 
Hinabgang in den Ha das. Dafs diese Begebenheit 
vielfältig ausgeschmückt war, iäf&t sich leicht denken. 
Das Heraufholen des Cerbcrus (Anollodor. II 5 fin.) 
möchte ich aber nicht für Zusatz oder INebensachc hal- 
ten. Der Hund der Unterwelt war gar zu wesentlich, 
ebenso bedeutend als der Wolf, des Amenthr* Wach- 
ler , bei <l^u Acgypticrn (s. I. Th. p. 408.). Auch darin 
liegen alle Bilder, die wir anderwärts zu bei «'ihren Ge- 
legenheit hatten. Hier nur das Eine, dafs schon der 
Begriff II und nnd Diener in Beziehung auf die Un«. 
tei\\< It (Hluhnltenii Epist. crit, f. pag. 177.) sich als Ae- 
gv[»M>cli erweisen liefse , wenn wir beim Einzelnen ver- 
weilen kannten. Denn gerade in dieser Arbeit hiefs er, 
nach acht Aegyptischem Sinne, Charopi 3a }% wenn Mir 



Achrlons überwinden mtiftte , um die Drjanira , des Oe- 
neus 1 achter , zu ijcw innen (s. Philostralus a. a. O. d.i. 
Harcuti -. der im Dienste des Wcinpflaiuers die wilden 
V hitheu bändigte) , besteht auch zum zweitenmal siegreich 
uVn Kampf gegen den Sohn der Wolke , den Wassermann 
Drxaiiiemis. Hercules, die Sonnen kraft , ist der Liebling 
dts Wt-iutnannes und seiner Tochter. 

3U> Die Beziehung aufXflgWf liegt nahe,- s. oben Th. I. p. 
4 17. «428. — Dafs Hercules auch gestorben und wieder 
aufgeweckt seyn soll, habe ich oben (1. p. 36t f.) erör- 
tert , und zwar aus orientalischen Mythen, Den Ueber« 
gang zu diesem sterblichen Hercules der Griechischen 
Religion (»eben wir in der Vorstellung von den Kieiiidsia- 
tischen idüern. „ Der dritte Hercules, sagt Cicero (de 
N- D. III. 16.), gehört zu den Idaischon Dactylen ; ihm 
bringen sieTodtcnopfer. ** An diesem Dienste hatte Grie- 
chenland und Italien Theil genommen. Auf einer alt- 
Italischen patera sehen wir den Hercules hingestreckt 
liegen , daneben dei Name Erkle und x*ueat( , d. i. x oc "t 
den Trankopfern f ü r die Tod t e n , s. meine An» 
merk, zu Cio. a. a. O. p. 5S5. und den dort abgeführt« 
Leiui im Ssgj. di lirig. Elrusc. II. p. 206 sqq. 



253 

gleich in andern Beziehungen zugeben, dafs dieses Wort 
und das verwandle %a[>on6± zuweilen eine bestimmte 
Farbe bezeichnen mag. Jezt bemerkeich noch, dafs er 
am;h eine Tochter (haropos hinterließt (Plntnrch.de 
lstd. pag. 36j.). Also der Freudige und d'e Freu- 
dige in Bezug auf die Unterwelt. Dahin gehört auch 
der U a m p f in i t dem IIa des selbst. Ob ihn Hera- 
kles Lei Pvlus gekämpft hatte, oiler 

„unitn am 'Ihm der Todten" 
(*ieAristarchns den Homerus fluid. V. 3»;-. \ erstanden 
hatte), thut nichts zur Hauptsache. Eurlpidei hat den 
Sinn des Mythus in alter Einfalt gel'flfst, wenn er in der 
Alcestis (XXIV. 846 seqq.) den Halbgott mit dein Tode 
(Bäraro;) kämpfen Ihfst (so auch /ädere; s. Heyne ad 
Homer. 1. I.). Herakles in dieser Eigenschaft ist eben 
Eins mit Mithras , der im Dienste des Orrnu/.d seihst 
den Hades zu nicht« macht. Dieser ' leg -wird vom Sol 
MTlctDS alljährlich gewonnen > tind herrlicher am Schlüsse 
des grof- n Welt Jahres <!1 ). 

Aber der de«» Tod bezwingt, niufs doch finsterem 
Irrwahn unterliegen, und zwar zu wiederholten malen. 
In einer Haserei wirft er seine drei von der Megara ge- 
borenen Kinder mit denen seines Bruders Iphiclei ins 
Feuer (Apcllodor. II. 4. »»•)• F*.in anderin.il mordet er 
grausam seinen Freund und Gast Iphitus ,fi ). Das ist 
^»chem t dessen Hand von den bösen Dews geschwärzt 



314) b. I. Th. p. 707. 708. 745. 76t f. 796 ff. - „So kämpft 
Wolfdieterich am Ende seines Lehens Nachts mit den 
Seekn aller derer, die er je im Leben erschlagen. Es 
ist ein Geisterkampf, ein Kampf mit den Unterirdischen, 
wie d«r des Hercules. 11 Zusatz von Mone. 

3li) Diodor. IV. 11 sq. vergl. Apoilodor. a. a. O. und das. 
Heyne, Vom Epieharmus hatte man einen 'H^bhAj-j v-tzf«. 
<pefe«i Fabric. Bibl. gr. IL p. 300 Maries. 



vir«], oder der sich etn andermal von ihnen bethüren 
Jofst. Hoch im Vaterlai.de der Heraklet'schen Religion 
selbst kennt man, wie oben bemerkt, zürnende und pe- 
riodisch rasende Naturgottheiten. Ja bestimmt einen 
furchtbaren, schrecklichen Herakles hatte Aegyplen. Er 
Liefs Maceris dort und in Libyen, welches gelehrte 
Sprachforscher (Cochart Geogr. s. pag. Ü71.) durch den 
S eh rc Uli c li e ii erklären. Noch in der Unterwelt ist 
sein Schalten seil rechlich , und die (ihrigen fliehen vor 
ihm (Odyss. XI. 601 sqcj.). Die Bcthörung des Dschem 
durch die Tochlcr der Dews ist oben erwähnt worden. 
Wie Salotno , so hat auch dieser Heros in den Sagen der 
Perser grofse Flecken. Aber es sind auch nur einzelne 
periodische Flechen (vcrgl. oben I. p. 671.). Der ewfgfl 
Preis der Nachwelt bleibt den verklärten Wesen doch. 
Nicht anders ist es mit Heraides im Hause der Lvdischcn 
Omphale. Alle uiesc Mythen sind alte Bilder aus dem 
Sonnenkreise und alte Allegorien periodischer Störun- 
gen des ge«ü"hnlichcu Naturlaufcs , wie oben bei di 
Apollinischen Religionen nachgewiesen worden. Abi 
auch derOiient ergriff darin die siulitiic, die praktische 
Seite. So ist der Weibersklave Herakles ein warnend* 
Beispiel für Monarchen. Und hat wohl eine der vielen 
Griechischen Herahleen einen ernsteren und fruchtba- 
reren Wink gegeben, als die mythische Geschichte der 
Lydier giebl, wenn sie gerade der llerahlidendynastie 
in der Person des durch Wciberschönheit bethörten 
Handaules durch Weibesrache den Untergang bereitet? 
Der dienstbar gewesene Herakles ist, wie bemerkt, 
auch der Dienenden Trost und Stolz. Er ist der Skla- 
vengott. Dafs auch davon der Orient schon die prak- 
tische Anwendung gefunden, wer mag dies nach d< 
Bisherigen bezweifeln ? Dabin gehört auch der bedeu- 
tende Zug , dafs Herakles einst an dem blutigen Alt« 
des Königs Busiris als Opfer fallen sollte (Herodot. 



2 55 

und daselbst die Ausleger)- Eri der sonst den Tod 
nitlii fürchtete, hatte die Furcht eine« solchen Tode« 
neclit. Darum ist er denn auch der Reiniger der 
e vom Menschenbilde. So erschicr.i er seihst den 
willen Sahinem in Italien. Sie hatten, einem Orakel 
bisher Menschen (<pü-vt^ ) geopfert. Jczt liam 
Herakles und setzte , nach hesserer Auslegung des Ora- 
kels, welches ffjiöxa, Lichter, verstoneten , einen rei- 
neren Feuerdienst ein (Oionys. Halic. I. i4< Sieph. Dys. 
leoiy.). Eine Sage, die, zusammengcutimmen mit 
andern, sehr[bemerhenswerlh als ein Factum alter Reli- 
gjatOgetfchtchte ist. Auch hier alte Itmipl't sich das Sitt- 
lichere an den HerakleTscheu Cultus an. In diesem To- 
tofoinnc seines Lebens, als Kampfer und Abwehrer des 
ßöien, führte der Halbgott den Beinamen txoq. 

Sein herrlicher Flammentod auf dem Ott« ist ricl- 
Wcht auch Dtir mythische Ausdeutung Aegyptischsr 
m giofsen Wrltbrande und vom Anlange des 
: Cyclus nach demselben ( daher der Phönix in sei- 
end ajuf der Isistafel, i. oben II. p. soS-). Auch 
•o diese Hieroglyphe legte der Acgyplischo IViester ge- 
*>fi (dafür spricht der Inhalt der ganzen Religion dieses 
»ollies) den Sinn der ethischen Läuterung und Yerlilä- 
rnng. Das war nun der Olympische Herahlcs, der Hebe 
Gemahl (Aputltidor. II. 7. 7.), dem man Güttcrchrc er- 
weisen konnte , wie der Perser zum Feruer seines ver- 
warten Dschemschid betete. So wie Herakles der höhe- 
^Q Sonnenpotenz Apollo huldigt , da er bei ihr Orahel 
"°lt , und sich seine Laufbahn von ihr vorzeichnen läfst 
' M'ollodor. U. h. a.), so wird mit dem Feuertode, der 
■Bei Sterbliche an ihm vernichtet, die Aufnahme in den 
*eucr H reis des Yattu» möglich, und die Sehnsucht 
,e *Schauens, wovon die Thcbaische Legende aus- 



^fci.auf 



immer 



gestillt. 



Ich hotte die nur hier vorgestechten Grunzen über* 
schreiten müssen, wenn ich alle Züge dieses formen- 
roiehen Mythus berühren «reiten. Die bisherige Verfol- 
gung des Grundl'ddens kann genügen , um die Wahrheit 
des Salzes zu »eigen , den Porphyrius theoretisch auf- 
stellt, wenn er den Herakles die Sonne nennt, und 
»eine zwölf Arbeiten die Bahn derselben durch die zwölf 
Zeichen des Zodiacus (Porphyr, ap. Euseb. Pracp. Er. 
111. 11.). Kbeii BO richtig hat Macrobius (Saiurn. I. 20. 
s. oben 11. pag. 2"JÖ.) diesen Grundbegriff und dessen 
unmittelbare ethische Folgerun gen in den Worten 
auflieferst : « Siul r»ec Hercules a suhstautta solis alienus 
est. Ouippc Hercules ea etl solis potestas , quae hu- 
niano generi virtutem »d simililudiuem praeslot Ileoruni. » 
I.s war Verkörperung einer Grundidee des allen Sabhis- 
mus. Das Licht , aus Gott ins Fleisch geboren, sollte 
in der Sterblichkeit den Golt abstrahlen. So weit noch 
g*T nichts Historisches. Run wurden Honige in dieser 
Lirhtreli^ien erzogen , und die Sonnciiincnrnatiun ward 
ihnen als Vorbild vorgehalten. Mit neuen ISamen wur- 
den sie dem elhrScIitn Sounendicnste geweihet , um] d.' 
\ durch gedeihet zu Lichtem der Völker. Watben un« 
Wehren, wie die ewige Sonne, war ihr Gesetz. Di* 
neuen Namen erhielten es im Andenken: Semphucrates, 
Khoresch , Kandnules und wie sie alle heifsen mochten. 
Heilige Symbole blieben in Tempeln , in Sprache ui 
Sage sinnliche Zeichen , und der Sonnenspiegel Dschem- 
stbid war durch den ganzen Orient zugleich ein ethi- 
scher Fürstenspiegel. Jene Dorischen Volker, die aus 
Nordgriechen I and her in die reicheren Gauen des Pelo- 
pounes einbrechen , trugen die Erinnerung an einen 
grofsen Stamnfurstcn in ihrt Geschtechtssagen. Die 
Ansprüche auf den Peloponne* '. .den dadurch geltend 
gemacht, daf» man ihn aus dem alten Hause von Tirynth 
abstammen liels. Dort, wie in den ßöoti*chen Thcbä, 



war jus orientalische* Tradition die göttliche Son- 
nen Uralt hüh verehrt worden, Jczt, nachdem grofso 

^:tenll ; ^Nser in Sparta und in andern Staaten des Pe- 
loponnes von 'jenen Eroberern gestiftet wurden , ward 
der alt« Gott in der historischen Giiechcnsnge nationali- 
»irt , und zahlreiche Sänger wetteiferten in Ucrakleem 
lade so erzählten und sangen noch zu Cyrus des Jün- 
geren Zeit die Perser von ihrem älteren giofsen Kho- 
rescb (Xcnoph. Cyrop. I. 2. 1.). So ward jener Sern- 
Melkaith , den die alteren Mythen und Poeme nach dun 
Hellenischen Grundtrieb aus den Sagen des Orients poc- 
tisch ausgebildet halten, immer Hellenischer, Dorischer. 
Dieses nicht blos ganz menschlich, sondern auch 
ganz Griechisch gefaf»tc Wesen, Herakles genannt, be- 
n>it fcich der Phantasie des Griechen - und Reimer« 

Volkes so , dafs es im öffentlichen Colin« jenen hohen 
S«»nncn - und Jahresgott, der höheren Vorstellungen 
nicht einmal zu gedenken , fast ganz auslöschte. Und 
so mopsten denn am Ende freilich , nachdem das Abbild 
in Tielem dem Urbild unähulich geworden, Philosophen 
and Historiker der Alten eine Mehrheit von Herakien 
anerkennen 3,Ä ). 

In diesem rein poetischen Sinne der Hellenen hat 
Butt mann (über den Mythus des Herakles, Berlin 
1810.) diesen Fabelkreis als Allegorie aufgefafst. Es 
•wundert mich, dafs er es verschmähte, bis zur Quelle 
zurückzugehen , zumal da er die historische Erklärung 
solcher Mythen so gründlich widerlegt. Nach eigener 
l ebersengnng und nach Anleitung dc9 treuen und ge- 
lehrten Herodotua habe ich Letzteres vorgezogen. Da- 
bei roufstc es im Einzelnen von den Butlniannischen 



3|6) S. Cicero de N. D. TU. 16. p. 551 f. unserer Aussähe, 

*o «las in den Noten Bemerkta nachzulesen ist. 
II. in 



Begriffen sehr abweichende Resultate geben. Doch 
Menn der Weg nach dein Orient, dem Yatcrlaude des 
höheren Snbäismus, offen bleibt — und das ist ja , Ter« 
stehe ich ihn recht, auch Liuttmanns Meinung — so la'fst 
sich auch bei einzelnen Abweichungen unter Wahrheits- 
liebenden Vereinigung hoffen. 

Min R Cichblich auf alle Incarnationen, die 
wir bisher durchlaufen haben , zeigt uns im Wesent- 
lichen Einen Haupibcgriff : Jede ist Ausilufs aus eim-t 
höheren Putenz , und jede wird iu dieOuellc, wovon sie 
ausgegangen, wiederaufgenommen. Allenthalben offen- 
bart sich auch dos göttliche Wesen hauptsächlich in der 
Sonne, und die Epiphanie ist nichts anders als Ent- 
Ifiebelang des Sonucniahrcs. Hierun lutünft sich der 
didanhe aller W.>hkhaten , die der Mensch der Natur 
^erdanht. Auch ging vom Somienjahr alle Zcircinthei- 
lung und biii 'gerliche Ordnung aus. Daher jeder dieser 
Sonnengötter seinem > ollic das verkörperte Jahr, Jah- 
resnnhlthat , Jahresregent und großer König ist; eben, 
dadurch aber auch natürliches Vorbild und, genealogisch 
gefafst, Sl.iiuinherr der nationalen Königsrcifie. Zwar 
ibt in jeden einzelnen Cult das hürpei liehe Sonnenjahr 
in einem verschiedenen Moment ergriffen, der dann im 
Festgebrauch, in Lied, Gebet, bymbul ui»J MmIius yo 
herrscht. Doch bricht der Grundbegriff allenlbalbc 
Mieder hervor , und hnfipft zwischen den einzelnen Son 
nengöltern vert-chiedene Verwandtschaften. So ist z. 
der l'brygische Atys zuuä'chst zwar die unreife, scliwa- 
< h»- Sonnt, und daher auch erster Gallos, Eunuch, der 
]'\ Mische Aduu aber die überreife, ermattende Sumic 
nach der Sonnenwende; aber wie viele Verwandtschaft 
zeigt sich gleichwohl nicht zwischen Beiden und zugleic 
mit dem PhöuicUchen Esmun ! Mithrus ist zunächst de 
grofte Besaamei , die eröffnende und zeugende Son 
und das ätherische Liebesfeuer; Herakles abirr die starb 




2jg 

und ordnende, eintheüeude Sonne, die ernannte Gottes- 
le aber sind in Begriff und Namen der un- 
überwindlichen Sonne als kämpfende Jahresgötter 
im>i-<t verwandt. Ilorus - Apollo ist, wie auch der Ae- 
gyp ame sagt, eigentlich die schone Sonne, der 

^ott in Tollem Jugendglanz, aber Herakles, 
tler ringende Gott, greift auch nach dem Dreilul's, theilt 
J a b r und Wo istagung mit ihm , und wird zuletzt der 

;; jungen, schönen Hebe zugesellt, Und so zieht 
sich «in verwandtschaftliche! Band /'urch alle diese We- 
sen, das hie im Symbol und Festgebrauch, und selbst 
in der höheren Steigerung ihre» Begriffs durch die My- 
sterien unter einander verbindet. In Betred' des Letz- 
teren dai t man nur an die Milhriaca erinnere , die sich 
in Vorderasien mit dem Dienste des At\s ur.d der < - 
I« und durch die Sabazicn mit dem Gült des Dionv-us 

sfiQpltcn. Hier ist jeder dieser Götter aus eineni 
Führer der Sonne durch den Jahresltreis zum Seelcn- 

rer, zum Herrn des Lebens und des Todes er- 
höh 



Jeder dieser Götter hatte auf Erd en seine Beprä- 
aten , und gab Bönif,sgeschlechtern oft in langer 
Zeitfolge Vorbild und Namen. Atys hatte, wie wir sa- 
hen, in Lydien seine Al)aden, Milhras halte Gesetz- 
geber in Acthiopien zum Abbilde, die Bels in Babylon 
hatten den Bei des Himmels zum Vorbilde, Ormuzd, 
der Lichtgott, ward in Dscheroschid und nachher in der 
ganzen Itajanidcnrcihe abgestrahlt. Der Hcrahtiden v»ar 
i üfiie Zahl, in Aegypten, Lydien, Hellas und Ita- 
lien, jener sogenannten Indischen und Sc\thischcn gar 
einmal zu gedenhen. Wollten doch auch noch in 
der neuen Welt PeruVKönigc SonncnliinJcr seyn. Auch 
die Bacrhiaden von Corinth Maren Herahliden. Doch in 
diesen Stamm muffte Hcral.lcs sich mit eiuem Bacchis 



U'ji> 



theilen 317 ). Auch der Böotische Stadt hünig M eli her- 
tes (Melharth) War von Bacchus Amme, Ino, geboren. 
So nahm der I riumphirende Gott, Tun Indien her, 
mben dem kämpf enden Gott in der Büotischen Thebii 
Platz, das verhör peile , schallende Freudenjahr 
nebcu dem unüberwindlichen Jahre der Sonne. 
Jedoch vom Jubclhönig Diunysus bann erst im Verfolg 
gehandelt werden, liier bemerken >\ir nur , daft auch 
ilin llcrodotus iu einer der llauplstellcn über die Asia- 
tischen Gollheilcn (III. 0.) durch den Namen Urotal 
an die ganze Beilie der Licht- und Sonnengötter 
anltnüplt, wovon jener entlehnt ist (s. YVessel. ». a. O.). 
So hiefs Dtonysus bei den Arabern. Dieselben nannten 
ihn Dusares d. i. ihren Haus- und Landes hünig 
(Hesych. s. v. ihiq, Intcrprr.). Auch die Jonier verein - 

Das wollte der 
unter welchem Dardauus 
ihn nach Jonien gebracht hatte (Arislotel. Polit. III. 10. 
pag. 1 «s 6 ed. Schneider.), und den die Mcgarcr in dem 
Stifter ihres freien, jährigen Wahl regiments und in einem 
IK-ioendcohmalc fortpflanzten (Pausan. Afüe. ca: 
§. 3.). Das Bild jenes Acsymnus- Diunysus hatte Darda- 
uus vom Zeus oder vom Herakles emp langen (Pausan. 
Achaic. cap. io,. §. 3 sq.). Also auch hier ein aus höhe- 
rer Gottheit emanirter Herrgott. Alle drei Herakles, 
als Idäischer Dactylus, Dionysus und Dardauus , führen 
uns vom Phrygischen Ida zu Jen Religionen vuu Car- 
thago und von Samothrace hinüber. 



ten ihn als König und Wahlherrn 
Käme Acsyninctes sagen 



3l7) Vergl, Diotlor. Fragmin. \ I- Toni. II. pa^. 635. und 
selbst Wessiliug. Pausan. IL 4. V. 17. und dastlbbl 
Ausleger. 



>nhang zum vierten Capitel. 

der Religion C a r L li a g o ' s. 



§. .. 

ifcyschc Reli;;i«nselcmente. 

)r wir nun zur IJeirnchtung der Carthagisch-Pt*. 
iRcliginn übergehm, müssen wir noch mit Einem 
le der Libyschen Heli^ion oder der Religion der 
Heben Küste Africa's, welche von der Phönieischen 
ßftfl der Carthager wohl fcu unterscheiden iat , ge- 
31A ). Nach der Hatiptstclle dos llcrodotus IV. 
. die Elemente dieses Libyschen Cultus Sonne 
und, deren Verehrung unter alten Libyern llerr- 
sey ; die um den Tritousseo wohnenden verehr- 
ich den T r i t o n und Poseidon, und vorzüglich 
hone, welche hier Tpi royivtiot hiefs (s. Heyne 
llodor. I. jiüg. 397.), weil sie am See Triton , wie 
ye meldete, gehören war 3l1 ). liier er-. 



ch die Carlhnger, odi r vielmehr Carlhajo'g 

• r, die , 1, gc wisset Localgattheiten , die 

bei ibri •• Ankunft an dvr Libyschen kiiste vorfanden, 

lleligion auTgcuommen , hr-.i sich wohl schwei- 

1. Und einu solche Verschmelzung von Car- 

. und Libyschen religiösen Iure» m niste um so 

, iIj l'lioimier und Libyer sich an 

uneben Onm zu Kineni Volke vereinigten, Liby- 

genannl , welche tlornz mit den Worten 

te rp« Poenus l>< zeichnet; ?. Miltner die Rel. der 

1 p. 67. Bebsi tit >s< :. schriftlichen Zusätzen. 

b scheint Dinnysus od< r H.icchus dort verehrt wor- 
lic-n ^u btyn , »1a Eustüthius mr Odyss. X. 3, p. HH supr. 




scheint die hriegerUche Jungfrau zuerst , mit dem Zie- 
genfell oder der Aegide ausgerüstet ; und hierin liegt 
gcwifs eine Wurzel des ganzen Athenischen Dienste» 
der Pallas Athene, worauf auch Herodotus hinzu» 
deuten Geheint, wenn er den Ursprung der Griechischen 
Palladien und Acgiden nach Libyen verlegt (IV. 189.); 
womit jedoch nicht gesagt seyn soll , dafs diese Libysche 
Jungfrau die feine, ausgebildete Athene, die auf der 
Acropolis zu Athen verehrt wurde, gewesen sey. Der 
Schild dieser Libyschen liriegsgültin war das wilde Zie- 
gcnfcll, und die Gazelle das ihr geweihete Thier; so wie 
denn daher überhaupt Gazellen feile zur kriegerischen 
Tracht der Libyer gehörten ; und Fluten aus Gazellen- 
Imochen oder Lotusschalmeien, die Attribute dieser Mi- 
nerva, ertönten in ihren Tempeln (s. Kayscr ad Phi- 



BasiI. riner Sladf des DJnnysns in Libyen gedenkt: if 
ir»{/i r»Jv Aifli'ifv trexat rt^artvo'jrat Atovt/ffou w£Xn> intä% 
t/sjtynii r;-j axJtpV J£fU&tJV iü; jUfdrtrrzyuJWfft Diese 
Sage von einer B.icchns?ladl, die von ihrer Stelle weicht, 
l.ii-i vf.rscbiedone Erklärungen 7ti. Einmal könnte Jemand 
an die .Zelle von Nomaden denken , die, wenn sie heute 
an einem Llgerplatx nrg^ii^chc Feste begehen, morgen 
wieder wo anders sind j oder es könnten die Libyschen 
Onscn verstanden werden, welche von herrlichen FrUch 
ten ( DinnyM!sä|)feln , |jujA«t AftioVsu) prangend, in d 
proTsr-n W ÜSta l> iebt verfehlt werden können; oder tn 
lieh könnte vielleicht ein Caravuueimiylhus dat unter lie 
gen, womit jene Meteorphanoinene der Wüste bezeich- 
net wurden, die, der Kala Margana zur See ahnlich, al- 
Jfrlei wunderliche LuJigebitJe votf Hluern , Schlössern, 
Feuer u. dergi. vor Augen stellen. Dort in Libyen sollte 
auch Bacchus ein Ungrhenr r mit fünfzig Köpfen , Campe 
(Ka-in;) genannt, erlegt haben iDmilor. IlL "1. Nonni 
Dionys. XVIII. vs. 232.). Ueber diesen letzteren Mythus 
bibe ich r.ti Cicero de N. D. 1IL 23. p. 620. mehrere Be- 
merkungen niedergelegt. 



ir* 



t 




.-^mm. p 
sehen OpKa ("O/j-a, ''Oyxa)^ welche durch. Cadmus 
nach Theben in Bö-tien gebracht <x ) und dort verehrt 
wurde, nicht unähnlich gen esen seyn. Auch dort war 
rauschende , lärmende Flöte — vielleicht durch die 
Phönicier mit dieser Göttin und ihrem Cultus dorthin 
yerpflanzt — das herrschende Instrument, dessen Töne 
in den Tempeln und bei Festen zu Ehren der Göttin er- 
schallten. Freilich verwarfen die feineren Athener 
nachher die Flöte •*-'), nnd wählten dafür das sanftere 
und anständigere Sftitünspicl. Aufser dieser lärmenden 
TempelmusiU hatten sie in ihren Tempeln ein Geschrei 
(6Ä ein Freuden- und Trauer- oder Klage- 

icbrei, wie es in vielen Tempeln des Altei thums 
choll , und welches nach Herodots Meinung (IV. »89.) 
Ver zuerst statt gefunden 32? ). Nach diesem Allem müs- 
sen wir wohl in diesem Libyschen Cultus einerseits einen 
Baalsdienst, rohen Sabäismus und Orgias- 
tnos, wie wir ihn zum Thcil schon in Vorder3sien ge- 
sehen haben, danchen aber auch andrerseits Erd- und 
Wasser etil t u s cihennen. 



S. Pausan. Hopntic. cap. 12. In Theben ward auch nach 
ihr ein Thor das ünkSischc gtnannt. 

I) S. Büttiger über die Erfindung der Flöte» im Attischen 
Museum I. 2. p. 3i[/ t\ Mehrcres hiervon in der Folge. 

Vtm den Schlachlop fern bemerkt Herodolus IV. 18S, dafs 
ihnen br im Sehlachten der Kopf aufwart« gebo- 
'4 t n verde. 



Religion de» Carthagei 



$. a. 

Vorerinnernng. 

Hier mufs vor Allem der Umstand berücksichtigt 
■werden, dafs die ganze Literatur Carthagos verloren ge* 
gangen ist. Mag auch gleich dieselbe im Ganzen weni- 
ger bedeutend und veikältnifsmäfsig weniger zahlreich 
genesen seyn , als bei andern gebildeten Völkern des 
Alterthums ^) , indem der Geist und die Thaitig- 
lteit dieses Volkes mehr auf das Praktische und auf 
Handelsiutercssen gerichtet war , so ist und bleibt 
doch immer dieser Verlust sehr empfindlich, da wir 
uns jezt theils aus den Nachrichten ihrer Feinde , der 
Homer, theils aus den spärlich zerstreuten Notizen bei 
Griechischen und andern Schriftstellern , zum Tb eil 
aus ganz spater Zeit, ein freilich unvollständiges Bild 
des alten Carthago zusammenstellen müssen. Den wich- 
tigsten Dienst leisten uns aber die Münzen , welche in 
beträchtlicher Anzahl in Afiica , Spanien, auf den In&eln 



323) Dü!s Hie Römer im eroberten Carlhago Bibliotheken 
gefunden, bezeugt Cicero de Orat. I, Sie schenkten sie 
den einheimischen Numidischen Fürsten, und behalten 
nur Mjgo'o Bücher von der Landwirthschafl, Pliu.H.N. 
Will, j. Juba, welcher viele Werke schrieb, tnt- 
lehnte Seine Nachrichten zum Tbcil aus Carthagischen 
Schriften. Ainmiau. Marccllin. XXII. 15. Auch Philo- 
sophen aus Griechenland hielten sich inCarthago auf und 
gaben Unterricht. Jambltchus nennt mehrere Pylhago« 
s. r.ilineii Bibl. Gr. p. 826 Ilarles.), einen Stoiker, 
h riltua, und Andere. Einen Akademiker, den berühm- 
ten r.hionuchus , führen mehrere Zeugnisse der Alten 
als einen Cjitüd;; cr an. 4us MürUcrs sc/iriftliche/t S^. 
sätzen. 



m : 

ten 

:«- 



*65 



des Mittel meers und anJcrwäi ts gefunden worden, und 
auch gräfstentaeila mit einiger Schrift versehen sind, In« 
scriptionen sind weniger vorhanden Sii ). Dazu Kommen 
noch einige Verse im Pöuulus des Plautua , wo ein Pu- 
aier aultritt und in seiner Landessprache redet. Man 
»ehe hierüber : Bei I er ma n n Versuch einer Erklärung; 



der 



.!< 



unischen Stellen im Pünulas de» Flautus, in drei 

rammen i Berlin i8o8. Derselbe hat auch zu einer 

Erklärung der vorhandenen Phonicischcn und Punischcn 

Münzen in vier Stücken (Berlin 1812 — 1816.), worin 

er bereits siebenzig Münzen beschrieben und erläutert 

hat, den Anfang gemacht. Die übrige Literatur über 

Phunicische und Punische Münzen, Inschriften u. dergl. 

findet sich ebendaselbst 1. St. pag. 3i — 3:j. angegeben. 

biegen verschiedenen Schriften ist das noch neulich er- 

i.ene "Werk des Prälaten Onorato Brcs; Malta an- 

tica ii co* muoumenti c coli' istaria, Roma 1816. 

4. heizuf'_ 

Es genügt mir hier um so mehr eine kurze Andeu- 
t&jg ,]fi' in dieser Religion vorherrschenden Personi- 
nen und Gebräuche , da die Schrift von Munter: 
l'ie Religion der Cartha ger , Ropr-nhngcn »816. 
WO Lesern dieser Symbolik nicht unbekannt ist. Sie 
,v iul nächstens in einer neuen vermehrten Ausgabe er- 
•cheinen. Der würdige Verfasser hat mich durch einige 
n *i«l«.chrift liehe Miltheilnngen in den Stand gesetzt, von 
1 neuen Zusätzen schon jezt Gebrauch machen za 
Wnncn. Man wird erwarten, d.tfs ich hauptsächlich ihn 
*um l uhrer wählte. 



*2)) FUil-rrnnnn Bemerkt. Über Phöuic. und Pnn. Münzen 
I. St. paz. 32. zahlt in Allem fünf und vierzig Phönicische 
und Punische Inschriften. Die verschiedenen Münzen 
mögen sich auf einige hundert belaufen. 



2CG 



f. 3. 

Grundrifs der Carthagischcn Religion. 

Wenn also gleich unsere Kenntnils der Religion de* 
alten Cartbago aus den angegebenen Gründen »ehr man- 
gelhaft und unvollständig seyn mufs, so können wir doch 
mit ziemlicher Bestimmtheit behaupten, dafs , wie die 
Sprache im Ganzen Phonicisch war, auch die Religion 
mit der des Mutterlandes im Wesentlichen übereinstimmte, 
und gleich jener Sternen- und Feuerdienst war; 
womit jedoch mancherlei Verschiedenheiten, die in lo- 
calen und andern Verbältnissen ihren Grund haben, 
nicht ausgeschlossen sind (s. Munter a. a. O. p. 5. 6. 8.). 

Auch hier finden wir dieselben allgemeinen Namen 
für die Gottheilen: Elim,£ljonim und Fljonoth, 
Baal und Baal a ih , Mclech und Malcath, Don 
(Adon). Insbesondere aber verehrten die Carthager 
die Sonne, als das erste Princip der Natur , als die er- 
zeugende Kraft, unter dem Namen Baal 525 ) oder Mo- 



325) Eine alle Phünicische MUnze bei Dutcns und Payne 
Knight , welche die Inschrift Baal Thurz hat, zeigt 
einen Gntt, wie den Griechischen Juppiier, auf dessen 
Thron ein Orhstnkopf erscheint. P. K night erinnert an 
Pluturchi Sylla cap, 17: ©ei? yif « ♦«Vihh "■>!'■> ßoü* **- 
Xeuctl „denn die Phönicirr nennen die Kuh Tb o r" , und 
vergleicht den Thor der Scan d ina v ie r, der auch 
vom Stier seinen Namen führte, und dessen Bild zu Up- 
«ala einen Stierkopf hatie ; s. Inq. into Ült symbol. lang, 
f. 31. p. 22. Uebrigens sehe man über den Carlhagischen 
Baal Munter a.a.O. p. 8 fT. Ebenderselbe p.8. macht am 
«ms Augustinus und Eusebius mit einem andern Namen 
dtetea Gollcs bekaniit: Beclsamen, d. i. Herr; e. 
Bellermnnn üIjt die Punischen Fragmente etc. H. p. 26. 
Minerva Belisama aus einer Kölnischen Inschrift 
bei Seiden de Diis Syrb png. 171. führt clyenfrllö .VjUnter 
in pnjr. dt. 



\fi1 









lorh — nUo einen Sonnengott, beklier seine Tempel 
and Bildsäulen Latte, in denen er auf Stalten« V 

stellt and verehrt wurde, wie der Moloch der Ca- 
nanitischen Stämme, von dem uns die biblischen Urkun- 
den Nachricht geben. Er wurde mit solcher Scheu zu 
Carlliago verehrt , dafs man seinen Namen liaum auszu- 
sprechen wagte 32A ). Gewöhnlich nannte man ihn blos 
den Alten oder Ewigen (s. Munter p. 10.), während 
die Griechen ihn IC pöj'05, die Römer Saturnus nann- 
ten- Hiermit bann man noch die Stelle des Job. Lydus 
de raenss. cnp. 9. p&g. a5. verbi:iden, welcher erzählt, 
dafs die Aegyptier und Chaldäer den sieheDten Tag dem 
Phä'non (QaLvovxi) geheiligt, mit welchem Namen sie 
das höchste Gestirn bezeichneten ; die Griechen halten 
es Kpdi'o; gei.annt (xotö j: i v S toXoyiav , setzt er 
hinzu), der Etymologie nach sey es Aietxo^c , d. i. der 
in Jahren volle: — olortl itkri(>r t *cu piaxbv ixtür, 
«i'ii fov uaxQaLt; va. Durch diese Stelle erhalt auch 
Cicero (de Nat. D. II. 20. pag. ?B5.) Licht , wo er sagt, 
daf» der Tlancl Saturn von den Griechen Q>alv<av ge- 
nannt werde. Sollte nicht dieser PhSnon mit dem Dia- 
nes oder I'henes der Orphihcr , welches man als den 
Ewigen, Aeltcren deutet, und demnach auch mit 
dem Carlhagischen Gott , der unter ähnlichem Namen 
-verehrt ward , für einen und denselben Gott zu nehmen 
sejn ^) ? 




Diesem Baal, als Sonnengott, waren, wie ander- 
Ti.jits, die Rosse geheiligt, deren Blut auch wohl an 
seinen Altären üiefsen mochte (s. Munter p. i3. Not. 24.). 
Von anderu Beziehungen des Bosses s. unten Not. 3.'»i. 
Zu den dem Somiengotte geheiligten Thieren scheinen 
überdies noch die Elepbanten gehurt zu haben, in 
so fern sie nämlich auch in Verbindung mit dem Dienste 
des Juppiter Amrnon gestanden haben ; denn die Münzen 
des Bönigs Juba Ton Mauretanien zeigen den Amnions« 
Kopf auf der einen und den EJcphanten auf der andern 
Seite; s, Eckhel Doctr. N. V. IV. p. i5/|. &). 



andern 



328) Dafs die Elepbanten religiöse Tbiere waren, die Sonne 
und Mond anbeteten, und sich beim N umändern einem 
Maureianisclienttus.se reinigten, sind Behauptungen, die 
»ich bei Aelianus Hist. Anim. VII» 4-i, Plutarchus de soU 
lertia anim. p. 972. Plinius VIII. I, aus einer Schritt de« 
Königs Juba rinden. Auf Lyc- eben KönigsrriUnzcn von 
Antiochns I. sehen wir einen D r e i fu fs neben den Ele- 
p li a n 1 1 n k» p l'e ; &. Cuper de elephaniia in nuniij oh« 
viis p. 6J. Diese Verbindung deutet auf etwas Religiöses 
hin, wenn gleich Eckhel D. N. V. III. p. 2t0. die i - 
piianten auf den Münzen des Antiocbus Soter von dem 
Ni'j;e herleiten will, den dieser König «lurch sie Ober die 
Gallier erhielt. Im AegypiiscbenThierdicnste findet sieb 
von Elepbanten keine Spur; erst später unter den Ptolc- 
maern fingt die Mauplbcklüduiig der Königinnen mitExu- 
v»eja von Elepbanten an. In Indien hingegen waren sie 
Gegenstand der Verehrung und Symbol der AVtislieit und 
Kliißhttt; daher der Gott G a n esa stets den Elepbanten- 
kupf fübrl (s. Symbol, f. Tb. p. 5S6. 612. 647.). Dafs in 
Libyen die Elephaiitcn lebe geachtet wurden , beweiset 
der Umstand, dafd dia auf der Jagd getödteten prachtig 
und unter Abtttngung von Hymnen begraben wurden; s. 
Kl ..> iigini leett. ami<i<|. pag. !0:6. Dicht« man sich viel- 
Itticbt die Jagd und das Begraben des Thieres als ein 
Ppfer« der Gottheit dargebracht '.' Aofeardem ist es auch 
bekannt , dafs der Elepbantenkopf das Wahrzeichen von 



3C9 

r ragen "wir nun weiter nach der äufscren Gestalt, 
10 war das Bild des Carthagischen Baal oder Moli rh 
wahrscheinlich «lern Molochsbilde der Cananiter \ülli£ 
«linlich, zumal da tlic Nachricht de; Rabbi nen von die- 
sem Bilde mit der Beschreibung, welche Diodorus von 
der Statue dts ECronos zu Carthago giebt , in der Haupt- 
sacbe übereinstimmt. Sic war Tun Metall, in gebückter 
Stellung, mit ausgestreckten und erhobenen Händen, 
inwendig bohl und durch einen unten angebrachten Ofen 
glühend gemacht. In die Hände legte man die BS)K1 Opfer 
bestimmten Kinder, welche so in den Feuerschlund bin. 
abrollten (s. Munter p. ic). Späterhin jedoch, als die 
»ger in nähere Verbindung mit den Griechen ha- 
mag auch jener Baal steh gewissermaßen mehr 
dem Griechischen Apollo befreundet haben , und ihm 
nicht blos in der Verehrung und dem Cultus, sondern 
auch in der äufscren Form und Gestalt näher getreten 
Uja **), 

In dem Römischen Carthago, das dieselben alten 
:-, nur in umgeänderten Formen und Namen, an- 



Africa war, und dafs auf Aegyptischrn imi Komischen 
Münzin der Genius von Africa mir eioer KlephaHienlianc 
bedeckt vorbestellt wird (s. unsere Tafel VI. nr. 6.). Jn 
Carthago waren die Elephauten nichts weniger als fremd, 
sie wurden häufig in den Kriegen gebraucht; und wir ha- 
l-.n noch kleine mit einzelnen Elrurisclun Bflohataben 
bezeichnete Münzvn , auf deren einen Seile ein \egei- 
kopf, auf der andern ein Etephant, mit einer Glocke am 
Halse — vermulhlich der Anführer , o wf9tf^*fj*ti>ti , lho- 
dor. Sic. XVIII. 11. — stehet < Eckhel D. N. V. I. p.«5.), 
und von denen man glauben möchte, daft sie während 
der FeldzUgfl Hannibals in Italien geschlagen sind. — 
fstcnlhcils aus den handschriftiiüitn SSusätZtn von 
Munter. 
M9) L'cber die Identität des Griechischen Apollo mit Baal s. 
Munter p. 26. 27. und dKs Zusaue am Ende des Bucht« 



betete , trat an die Stelle des PhÖnieiseLen Baal der 
Römische S a t u r n u s , und fand hier , wiejeuer, seinen 
Tempel und seinen Dienst. Sogar Menschenopfer sollen 
ihm, nach der alten Sitte, noch in der Stille gefallen 
seyn (s. Munter p. 23 (f.). Auch in den Nachbarstädten 
Catthago's lassen sich Sporen einer Verehrung des S 
lurnus entdecken , wie eine von Shaw in Mestura , d 
alten Civitas II Tuggensis, gefundene Inschrift zeigt; 
dessen Reise Tom. I. p. 225. 

Diesem Sonnengotte, dem himmlischen Herrscher 
und Bcsaamer , steht zur Seite, als die andere Hatint- 
gotlheit, ein weihliches Wesen , das empfangende Prin- 
cip der Natur, eine Uiuiinclsho nigin , wie wir sie unter 
den verschiedensten Namen in allen Asiatischen Religio« 
nen hisher gefunden haben, und welche hier wahrschein- 
lich den Namen Astarte oder Astaroth, wie in Ca- 
paan und Phönicien , führte ( s. Munter pag. 27 ff. und 
Beliurmann BemerUh. u. s. w. II. pag. 26 ff.). Ueber die 
Astarte der Phöuicier s. oben II. p. 61 ff. Die Iden- 
tität mit der Venus Urania oder Dea coelestis, so wie 
mit der Göttin von Paphos, liegt rahe. Darum bewie- 
sen auch die Carl hager in Sieilien der Erycinischen Ve- 
nus grofse Ehrfurcht, und begünstigten ihren Dienst 
(Diodor. Sic. IV. 83. p. 3jo Wessch). 

Dafs sie ferner eine und dieselbe Gottheit mit der 
Lacinischen Juno gewesen, erhellt unter Anderm aus 
dem Umstände, dafs Dionysius den von ihm geraubten 
hosibaien Schleier der Juno I acinia zu Croton für hun- 
dert und zwanzig Talente an die Carthager verkaufte, 
die ihn ohne Zweifel ihrer Astarte , welche sie für dasselbe 
Wesen, als die Lacinische Juno hielten, schenkten*). 

Dies ist wahrscheinlich die Gottheit (Saluov Ko^»:- 
«JoytW), welche im Tractat zwischen Hannihal und dem 



en 



*) Aus Münters hamtecbrifdicuar Mittheilung. 




2 7 l 

König Philipp von Macedonien (Polyb. XU. q. Schwgh.) 
Turkommt, und auch dieselbe, welche die Rumer hei 
der Belagerung von Carthago, der alten Sitte gemä'fs, 
» lieh evocitten (Macruh. III. q.) , wiewohl dieselben 
den Namen des Genius von Carthago nicht gcwufflt, auch 
I wohl iür ein Wesen männlichen Geschlechts gehal- 
habt-n, wenn er nämlich anders der Jüngling in 
tttfeher Gestalt, derEugclist, der dem Ilannibal beim 
Anlange seines Feld/.uges im Traume erschien (vergl. 
ius XXL 22.). Diese Himmelskönigin , die sich auch 
«ler Römischen ColoniaUtadt von Carthago behaup- 
tete **) , und nach welcher Cujus Gracchus die Colonie, 
welche er eben dahin geführt hatte, Junonia nann- 
ward in \iclen Tempeln sau Carlhago , an der 
Afi icanischen Küste, in Mulla und andern Inseln dea 
Miltclmeers, auch in Spanien >*&) verehrt, und ihr Dienst 
mar mit ähnlichen Ausschweifungen verbunden, wie der 
Dienst der üppigen Mvlitta zu Babylon, der Venus Ura- 
nia in Crpern , und anderwärts. Ks erhielt sich aber 
dieser Cultus im Römischen Carthago w ), wo, wie ich 



33o> Macrob. I. 15. Seiden de Diis Syr. p. 218. 

33t) S. Solinus cap. 20. Tlutarch. in Ca}. Gracch. cap. XI. 

332) Elaen Tempel derHere in der Nabe von Gades, auf 

■ t Insel, fuhrt Srabo III. cap. 3. p. 4i.5. an. 
533) Dort hatte sie grolle , prachtvolle Tempel , und genofs 
er ausgebreiteten Verehrung. Unter dem Namen Juno 
war sie deu Römern am bekanntesten ; doch kommen. 
jeils bei den alten Schriftstellern , thcils auf Insel. rifun 
lach verschiedene andere Nainen vor , als: Coelestis 
Dea oder Virgo, Vcsli, Invicta Coelestis, 
Minerva Belisama (s, oben \ule 325.) , Venus 
Coelestis oder auch Diana Coelestis, Code- 
st«* Saliuensis und dergl. mehr : s. Munter p. 30 f. 
»nd dessen handschiifiliche Zusätze. Ebenderselbe p. 35. 



2J2 

tchon bemerkt , überhaupt der alt- Puniache Aberglaube 
erneuert und eifrig fortgesetzt n.ud, durch die Kaiser- 
periode hindurch bis auf die Zeiten Augustius, der an 
vielen Stellen sich aufs heftigste gegen diese Tempel- 
unzucht und gegen das dadurch herrschend werdende 
Sitten verderbnifs erklärt. Ucber die l.unstvorstf Hin- 
gen dieser Güttin fehlen uns die Nachrichten. Auf spä- 
teren Münzen des Kaisers Severus sehen wir sie, fast 
wie Cybele, mit der Mauerkrone geschmückt, den Blitz 
in der Rechten , den Scepter in der Linken haltend, 
wie sie auf dem Sonnenlöwen über einen Wasserstrom 
dahineilt M ). 



spricht ausführlicher von der ihr «u Ehren begangenen 
Trinpclunzucht; wozu ich noch Folgendes aus seinen 
handschrifilicbi-n Zusätzen herfuge : „Auch in Italien fin- 
d. n wir Spuren eines solchen unzüchtigen Dienstes. Die 
LncrtT hauen, als sie von Anaxilaos, dem Tyrannen 
von Rhrgimn, und seinem Sohne Leophron , Tyrannen 
von Zankle, bedringt wurden (SchoL Find. Pyth. [1. 34. 
Justin. XXI. 3.), das Gelübde gethan , ihre Jungfrauen, 
falls sie von der Belagerung befreit würden, am Fe*te 
der Venus preis zu grbrn ( ibid. nebst l'indar. Schol. 
l'yth. 11. dS.); ein Gelübde, zu dessen Erfüllung sie lange 
nachher der jüngere Diouysius von Syracus zwang; sieh. 
Strabo VI. Micali III. p. 8)1. Dafs Spuren solcher Un- 
zucht noch in Asien vorhanden sind , ztigt Volney Voyage 
en Syre et en fcgypte ff. p. t-J.9. und Micali a. a. O.* 4 — 
L'cbtr den üppigen und au.-^chwtil'enden Dienst der My- 
litta zu Babylon s. oben II. p. 24. 

334) S. Munter p. 3.1 , welcher eine solche Münze als Titel- 
vignette initgetheilt hat. Der Frauenkopf mit der Mauer- 
krone und einem Füllhorn am Halse auf Phönicischen 
Münzen scheint auch hierher zu gehören; ». Hellermann 
a. a. O. IV. pag. 14. Die Phönicische Astarie mit dem 
Sticrhauple sähen wir oben (ff. p. 66. Not. S2.). — Der 
weibliche mit einem Schleier, auch mit dem Diademe ge«. 
schmückte Kopf auf den Münzen von Malta und Gaula 



275 

Itir bSenste Stelle nntcr den Carthagischen Landes- 

riten nimmt nun Melharth M ') . der Stadt hönig 

ii- Hei «Lies — ein, welcher hier, nach der Grnnd- 

:1er Sonne Lauf, zum Circuit ot (Seefahrer) 

ior (Handelsmann) wird , wie das Hin .ische 

esagi («.oben II. p. 2i3.). Erbleibt 

iahei der Sonnengott, und jährlich eündete 

einen Scheiterhaufen an, woraus man einen 

Awriulbteigen liePs — den Phüni-v. Es ist der Vogel 

der Flug der Zeil), und der Scheiterhaufen 

des sieh selbst verzehrenden und sieh selbst 

wart 1 erneuernden Sonnenjahres (s. üben Th. 1. p. 443. 



wahrscheinlich auch diese Göttin vor; s. Torre- 
Mcil. \ ei. Nuini Tab. u 2. Einige identificiren sie 

IJfmz mit der Isis,, und grben ihr auf Aegyptische Weise 
Linie zum Kopfsxhmucke ( s. ebenda*, und in 
Munters Antiquar, Abhandll. T«F. I. 5- 6), War aber 
Malta in späterer Zeit dm Carthagem uiilenvor« 
»Igt doch nicht daraus , dafs auch in der Haupt« 
stade Asidiic und Isis in Bin Wesen verschmolzen wurde. 
El k< »es mir auf Malta durch den Ein flu fc Ae-< 

: Religionen grifft der Fall seyn. [Letzleres 
lo Bres in dei oben angeführten Schrift, 
und will dort Alles ans den Phiinicischim Urkunden er- 
n, sucht auch die lange Herrschaft der Phönicier 
beweisen.] — Ueberhaupt aber sind 
Abbildungen «iile verschieden, und zum Theil grXcisirtj 
daher »ich aus ihnen nichts mit Wahrscheinlichkeit Über 
die Gestalt des Bildes in Carthago abnehjntn Lifst. — 
Auch mit einem Krebs kommt A.stJite v.r auf Mün- 
zen dtr Malus« r. El ist über der Kulis das Zeichen 
livi; Macrnb. Saturn«!. I. 17. 21. is. oben 
II. p. 15*1.). Ein Krebs am Kreuze ward cht nd.itrlbst im 
Jjhr< fanden; s. Bres «. a. O. p. »76. 177. Aus 

.'schriftlichen Zusätzen von AJ Unter. 
s. Monier p. 42 ff. Wir haben von ihm schon oben II. 
p. 211 tT. gesprochen. 

II. 18 



und IL p. an 5..). Daher nuch der Griechische Herculee 
den herrlichen Flammentod auf dem Oeta stirbt, und 
daher auch der Phönix auf seine r Hand (s. oben II. Tli. 
p. *2o<).). Bei diesem Feste , das in der Hauptstadt wahr» 
scheinlich zu Anfang des Frühjahrs gefeiert wurde , hx- 
men Gesandtschaften (Theorien) aller Carthagischeo. 
CoJonien , die hier dem g ruften Nalionalgolte huldigten, 
und ihm ihre Gaben darbrachten. Er war demnach der 
Bundesgolt des Punisehcn föderativ«) slema , er war 
der Slrahlenpunht der gemeinschaftlichen Opfer ( sacia 
communia) aller Punier, und sein ewiges Licht brannte 
in allen Tempeln Africa's bis an das Gestade des Atlan- 
tischen Occans. So hatte er seine Tempel zu Gades, 
zn Malta, wo bedeutende Ueberreste den grofsen Um- 
fang dieses Tempels nuch je/.t beurkunden. Nach den 
Beschreibungen waren es an letzterem Orte culosaale 
Suh&lructionen ; woraus auch ihr hohes Ytterlhurn üher- 
aus wahrscheinlich wird. Es sind dieselben zum I heil 
noch voihamlen ( s. Bre$ a.a.O. pag. t44i Niederstadl 
und Andere i * r '). Uebngens erhielt sich der Dienst 



336) Vom Tempel zu Gades handelt G. Peringa*: D 
teniuto llercuiis Gitdiiauo, in Schltgers Dietettl« vario- 

runi de nmicpiiliitihus saeris ei piofauis f.iscirulns , lielui- 
eiad. \742. Er haue vierhundert Schritt« im Lmfauge, 
«od w.tr so grofs als die Insel , worauf er slmid ( Philo- 
st rat. Vit. Apollon. V. 5.). Suabo III. 5. pajr. 458 sn/|. 
ineilii denselben naher. Dlfil der Tempel des Göl- 
te! keine Bildsäule halle, bemerkt Phitoslralus 
ausdrücklich, und jfiebi uns dadurch den rechten Sin 
der hiulle des Filius Ital, HI. Ju: 

Srd nulU cfligic» tiiaaLurave D0t4 Deonnn 
IMaieiUt? lucum N »aCTO impWcre timurr. 
Ob viellt- ictH ein HltyJill, wie im '1 • mpt-l EU Emosu , die 
bielle di» Götterbildes vertat ( Htrodum. V 4.) , nd 

ob man es dort für iniiiüihig geballte , <\m lcu< I 
W ellauge in menschliche! Gtsiall abiubiideu , ode 




: 

i 

:r wb 



•es Herahles, so wie der des Baal und der Astarte, in 
dem Römischen Carthago , und dauerte dort, so wie im 
übrigen Africa, bil gegen das Zeilalter Coustantius fort 
(s. Munter p. 53. ). 



Fortset zun 



Dieser Melliarth gehurt gewiTs auch in die Reihe 
der Cabiren oder Patä'hen (Horte, Beschützer), 
d. b. elementarische Kräfte, Feuer, Wasser, Erde, aber 
auch Steine und Stcrnenliräfte , gewöhnlich sieben an 
der Zahl, und als der achte Esmun, der HeilgoTt, 
Aesculnpius. Diese Gottheiten führten sie in Zwerg- 
gestalt und als heilige Krüge, als Gnadenbilder auf ihrea 
Schiften mit sich herum; undPunier, Phüuieiei haben 



vielleicht das heilige auf seinem Altar ewig lodernd« 
Feuer ( Silius Ital. III. 2!>.) als das Symbol der Gottheit 
' angebetet ward, oder endlich ob es b!o.s eine Folge de» 
hohen Aherthums von Gades war, daß der Tempel kein 
Götterbild halle , vermag ich nicht M entscheiden. Die 
Abbildungen des G.iditanischen Htrcules auf den Muti- 
gen des Punischen und Komischen Gades mulsten dem- 
nach die gewöhnlichen V urstellungen von ihm eiithatttiij 
wenn nicht die Sache vielmehr SO zustimmenhangt , daf9, 
da mit dem uralten Phömcischen Hercules zugleich auch 
< nach Philosirat. Vit. Auollon. V. t.) der Thebanijch« 
dort angebetet ward , welcher j^eine Sfjtii»-ri hatte, dieses 
letzteren Bild es ist, welches mit den sputeten Mlln/en 
erscheint. Wann aber dieser Dienst angelangen, möchte 
eine schwer zu beantwortende Frage seyn. Aulser die- 
sem Trmpel erwähnen die Alten noch einesTemprls des 
S a t OrD Uf und der Her« in Gades ( B, oben ) , woraus 
Sich eine völlige Uebere insiimmung des Göt'et\ticnsti t» 
von Gades in der Verehrung der drei grofsen Gottheiten 
Baal, Astarie und Melkanh mit dem zu Carthago ergäbe. 
jiu* MUnters fchriftlichvn Zusulzcrt. 



276 

,v»li da* lleifigthum der Cabiren zuSamothraee gestiftet. 
lieber den Dienst der Cabiren, auch Palalien genannt, 
so wie übet ihre .-öifsere Form, habe ich mich im Abschnitt 
über die ältesten Religionen der Griechen anf Lciunos, 
Sinn ihrace u.s.w. ausführlicher erklärt , und innfs meine 
Le«er einstweilen hierauf vcr'w eisen , indem ich den Ge- 
gemtand nicht gern trennen wollte. Der achte Cahir, 
Esnion oder Aesculapius, fand, wie in Fhönicien, so 
in (..rlhago seine \eiehrung, indem er nie Apollo als 
eine Sonnt nincaruation betrachtet ward. Doch nln-r 
diesen Punkt und über das V'ei haltnifs dieses Acsrula- 
pius natu < .1 ieclu^chen Apullo weide ich in dein ; mann- 
ten Abs hnilt das Notlüge bemerken. Jn Cartbago biefs 
er vielleicht, wie bei den PbSniciern, alsffeilgi it Pü.oai 
und auch ihm wurden dort Heilkräfte beige* 
Er Maul hoch geehrt in ganz Alriea bis zu den Zeiten 
der Römer, und der Heilungen und Wunderkuren müs- 
sen in seinem Tempel viele geschehen seyn. Aller 
Wahrscheinlichkeit nach haben die Carthager auch der 
lern pe I seh 1 a I gekannt, welchen die abgotterisek 

hatten (Jesaias LXV. /».), und zwar ohne Zweifel 
von den Cananilern und Phöniciern. Von dem lleili« 
thum des Aesculapius in Cartbago ist bei mehreren Allen 
die Rede; es stand in der Rurg, war von grofsem Um- 
fang und sehr lest. Duft wurde der Dienst mit vielen 
Feierlichkeiten und sonstigen Gebräuchen begangen, de- 
ren mauche an den Dienst des Apollo zu Theben und an 
die SamotliiiiciM lien Weihen uns erinnern. In dem Rö- 
mischen Cartbago ei hielt sich fortwährend des Aesculap 
Verehrung, und in »einem Tempel pllegten nach Grii 
chischer Sitte die Aerzte sich zu versammeln, yorl« 
■ungen , >i 01 träge und dergl. zu hallen *&). 



337; Die Beweise zu dem bisher Gesagten ^iebt Munter a. 
O. p. 57 — 60. Einige seht ittliche Zu&uue d 
sers habe ich dankbar benutzt. 



erfaß- 



277 

^sen Cabiren gehören ohne Zweifel auch Hie 
Dioiearen, die man auf Phönicischen Münzen antrifft 
(s. Bei (ermann Bemcrhli. IV. p. Q.) als schätzen de Horte 
auf «lern unsicheren Meere, ferner der Kleine Bär 
, ursa minor), welcher, wie wir bestimmt 
aus Vi tu« wissen, den Phöniciern zum Leitslcrn auf 
der See diente, nach welchem sie sich richteten ). 

In den späteren Zeiten wurde aus Stcilicn her dio 
■rehrang der Ceres und Proserpina eingeführt 
r p, 67 f.) ; denn als Getreideländer waren diese 
CarthagUch- Africanischen Provinzen besonders in den 
Späteren Römischen Zeiten , wo manche Senatoren Fel- 
der und Ländereien im Umfange von mehreren Meilen 

thfiit , indem sie oft den Bedürfnis« 
Italiens und vorzüglich Rom» abhalfen. 

Heroen und Heroinen, die Öffentlich verehrt 
wurden, gab es gleichfalls in Carthago. Unter ihnen 
war ssuerst liido oder Elisa, der Sage nach die Stif- 
te« in üartbago's, welche man noch auf Römischen Mün- 
zen dieser Provinzen mit dein Sceptcr in der Hand sieht, 
hl hat auch Anna, ihre Schwester, göttliche 
Ehre genossen (Munter pag. 68 ff.) Von der Anna Pe- 
reuua wird im Verfolg bei der Religion der Römer ge- 
handelt werden. 

Ferner gehört hierher der Sardinische Heros Jo- 
liut, des Hercules Sohn ^ 9 ) , 60 wie die beidcu Phi. 



338) S. Aratus vs. 3°. nach Cicero's Ueb^rsetzung , de Nat. 
Deor. II, 41 : 

— — parva Crnosura 
Hac fidunt duce nocturna Phocnicet in altu. 
Man vergleiche das in unserer Ausg. p. 372 sqq. au dieser 
Stelle Beigebrachte. 

339) Diesen Jolaus glaubt Monier ( in den schriftlichen Zu- 
sätzen) auf einer von Bdlennann (Beraerkk, u. s. v, 11 L. 



37 8 

laeni, »wei Bruder, die, der Volhssage nach« für 
\ .iterlandes Grofse gestorben waren (Munter p. - 

Auch Genien scheint das alte Carthago getan 
ku haben. So ist in den Punischen Fragmenten im PU*> 
tu» iVi ) d>e Rede von einem grofsen Geiste (magna» 
spirilus) der Gottheiten und von ihrer Fürsehung; und 
von einem Verstorbenen wird dort gesagt : « er iat Ter. 
sammelt mit der Sehaar derjenigen, deren Wohnung 
im Lichte ist» — vielleicht in den St er ne n chö ren, 
wie die Samothracische Inschrift sagt (vergl. Munter 
Antiquar. Abltandll. pag. 23|.). Geister mögen aoei 
'die Gespenster oder Erscheinungen genesen seyn , wel- 
che die Carthager sihen, als sie vor Agrigent die Gri. 
her der Todten entweiht hatten — vielleicht die i» 
ihrer Ruhe gestörten Manen (s. Diodor. Sic« 
XIII. U6. Tom. II. p. 610 Wesseh). 

Aher im Wesentlichen war doch der Punische 
rakter hart, finster und treulos (vergl. Munter p. 93 
Das wilde Meer war des Carthagers eigentliches 
ment, als dessen Zeichen das Pferd galt. Ilarum 
das wilde Rufs der Dido gegeben, und blieb auf de« 



pa?. 4. und Titdblatt) milgetheilten und beschriebe«** 
Münze 7.11 sehen , wenn anders die von Letzterem gej»* 
bene Erklärung: "15 " 1^3 " T3S d.i. Zähe«, Köflif 
oder Herrscher von Sardinien, richtig sey. 
Steht nlimlich auf der einen Seite eine ujekte ml 
Figur, mit einem Pfeil in der Hand, vor einem 
welche — auf rinn- Sardinischen Münre — »icb v 
den Jolaus, «Un Sardiniscben Lande sheros, deuten liefK, 
der viefkirht hier seinem Vater, dem großen Mi 
ein U^itr bringt, 

31m Poenul. V. 1. 4. 5. 6. vergl. Brllermann Ober dir Pn»* 
■) Pragmtulc u. s. w. I. öt, p. iQ. und Müuter «. «♦ 
O. p. 81 if. 



*79 

'irihnguchen Münzen fortdauernd **'). Es verehrten 
Mar die Cartliager Juppiter, den Ber a iher (Zei>c 
jr\alo<i M2 ), aber ihre Beratbacblagtingen und fUlhs* 



3)1) S. Rasche Lex. in Carihag. und Rellermann Bemerkk. 
Ober PhÖnic. Münzen HI. pag. !7. IV. p. S>. Aber «Jas 
Pterd war auch ein kriegerisches T hier, im Ge- 
gensatz ge'^en den Stier , das Symbol der agrarischen 
Cultur. Denn als die Phönicier Carlhago gründeten — 
so enrählt Servius zu Virgil. Arn, [, 4 «1 so/1- — grub man 
auf Geheis eines Orakels , und fand zuerst einen Stier- 
Dit-s ijrfiel nicht; denn der Stier, biefs es , ist 
immer am Joche. Man grub von neuem, und Tand einen 
Pferdekopf. Dies gefiel ; denn das Pferd ist ein k rie- 
chesThier, es wird unterjocht, aber nicht auf »in* 
tner ; auch zieht es mit dem Stier an demselben Pfluge. 
Daher ward das Land fruchtbar wegen des Stirrzeichens, 

Ikiiegerisch wegen des Pferdezeichens; s. auch Eusuibius 
zur Ody<s. I. 174: „ die Schiffe sind die Rosse des Meers 
bAoj)*, und Pindar. Pyth. IV. 2y — 32, vergl. 
M linier die Kelig. der Carthager p.64. Auch der Sonne 
waren die Rosse, wie ich schon oben erinnert, heilig, 
im I ihr Blut Hofs bei den B'alsfesten ; s. Munter p. 13. 
Note 24. Derselbe hat mir handschriftlich noch folgen- 
des miiget heilt : „Hierher gehört unstreitig die Nach- 
richt bei Strabo , dafs die Gadiianer kleine Schiffer gehabt 
luhen, die sie Pferde nannten, von dem Bilde auf ihrem 
Schnabel} *. Lib. IL cap. 9. p. 263. und IL p. 68. vergl. 
mit Eckhel Catal. musei Caesarci I. Tab. V. nr. 7. 8. 
Allein diese zwei Münzen sind aller Wahrscheinlichkeit 
nach Cilicische , auch hat nr. 7. einen Widderkopf. — 
Pfrrdsköpfe, so wie auch Widderköpfe finden sich an den 
Schiffsschnäbeln auf Cilico - Phönicischen Münzen; sieh. 
Eckhel U. N. V. III. p. 4|1. — Es blieb aber das Pferd 
da* Wahl zeichen Carthago's bis in die Vandjlische Pe- 
riode, und selbst unier christlicher Regierung blieb der 
Pferdekopf auf denMuuzen. M 



_ 



Appian. Punic. pag HL vergl. Munter a. «. O. p. 69. 
i'oie U. 



2«.J 

Sitzungen hielten sie, die finstern Pr.nier, bei Nacbl 

itt de» S tu., riüch - . H lal.lfs, war auch ihr Siadt- 
gott (Melkarth); aber das Licht lodert« blutig, das I 
blieb nicht rein, sondern \tard durch Meuschenblnt ver- 
unreinigt . und alljährlich lielen dem Hercules, so wie 
dem gmften Baal, in Carthago selbst blutige Menschen- 
opfer ' ). Aber auch sonst und allenthalben, wo Punier 
hnust-'Un, wmdrn, besonders bei laTstl «mlonllichen 
Fällen, wie zur Zeit grofser Noth , Pest und dergl., 
Menschen und darunter Kinder den Göttern geopfert) 
und Kinder auf ähnliche Weise, wie nach den biblischen 
Urkunden bei den Cananitischen Stammen , dem Moloch- 
Rfooot in die glühenden Arme geworfen. Munter hat 
sich im §. 5. seiner Schritt mit Ausliilulii lilieit über 
dies« Mcnschenoplcr verbreitet, deren AbschaiTung der 
edle Gelo von Syracus den Carlhagern bekanntlich zu 



3<f, Die Beweise giebt Munter p. 60. Note 83, 

3 14) S. Münfer p. 17. 46. und der dort angeführte Porphyrii 
bei Etaatfa Praep. Kv. IV i6j ouS" r> h; y W ■> tcü K.cv«» 

iravr»i uvSfaiTsS.rcÜTrv, d))ä y.uru. »ff i'eisv T 'j < i **5 " o • 
fxfuoü y^dftv /utvij'u»^, ifMpuAtev in a< • i p 
r^J: ß9i*rJ%. Jjafs dein Hercules jährlich Menschen ge- 
opfert wurden, sagt Plinius II. \ XXXVI. c. 5 : sdqnei 
(sc lb reu lein Poem o m u i h u s annis humanü si 
erifieav cruui victimä. Auch Eu*ebJus Orat. 
laud. C«>u«.rantini c. 1J. hemerkt , dafö die Opfer in Ph< 
nicirn jährlich geschahen; ob aber durchs Loos die un- 
glückii • ).. ii StohlaaBtopfc{ datn au. gewählt worden, ist 
unjjtwif^. — Auch andere von Phünicien abstammende 
otltr mit ihnen verbundene Völker hauen solche jährliche 
Opfer; sn z. B. auf Cyptrn zu Salamis wurde dt- 1 Agrau- 
los , nachher dem Diomcdes zu Lhren ein Ephebe unter 
einigen merkwürdigen < ariinuiiii n geopfert , eben »o hei 
den Rhodium dem Kronos (Baal) alljährlich am 0. Mai; 
9. tyrillusc. Juliati. IV. p. 129. s. auch p. 128. Sc/tri/i- 
Rc.her Zusatz von Munter* 



2bl 



ncr Friedcnsbedingung machte. Aehnliche Versuche 

»ige Griechen in Carthago selbst gemacht 

ben, Allein nicht* de*t<» weniger kehrte die alto 

inici wieder zurück, und erhielt sieh im Rö~ 

fürt und fort, so dafs sich noch zu 

-I ■■- dritten Jahrhunderts nach Christi Geb. Spu- 

ibcses Dienstes iinden, wahrscheinlich aber nur im 

(g, Munter pag. 24.). i'cun alle Menschenopfer 

tirhrm um das Jahr 655 a. u. c. verboten worden 

H N. XXX. 1.), ein Verbot , welches aber immer 

Virelon wurde (Plm. H. N. XXXVIII. i.)j da- 

drian es von neuem einschärfe ( s. Porphyr, de 

Ü. pag. 3oa cd Rhoer.). Derselbe verbot auch 

1 «I ( Fabricius zum 8c\i. Empirie. 111. i\. 

>. Durch Alles dieses ward aber dem Unwesen 

cht gana gesteuert, und selbst in Rom soll noch 

[agabulus Knaben geopfert und Magie damit 

crliuiiden haben. 




D 



'a Griechenland der Mittelpunkt dieser Erörterung ist, 
»o entsteht die vorbereitende Frage , woher die religiöse 
ErLenntnifs und der Cultus der Griechen ihren Ursprung 
genommen, flaupturlmndc v.u ihrer Beantwortung bleibt 
immer Herodotus , der mit unverkennbarer YVahiheils- 
liebe in relativ aller Zeit eigene Untersuchungen darüber 
angestellt hatte , deren Resultate im zweiten Buch sei- 
ner Geschichte Capitel 48 — 58. vcrgl. mit Cap. Zj3. 81. 
j^5 f. vorliegen ; wobei jedoch die Ansichten anderer 
Forscher, z.B. des Strabo im sechszehnten Buch p. 1 iu5 
Almel. nicht aus der Acht zu lassen sind. 

Aegvptcn ist nach der Ueberzeugung des Hero- 
dutus das \alcrland der «übrigsten Religionsgehrä'uchc; 
von dorther haben die Hellenen die meisten ihrer Tem- 
pclgottheilen empfangen , und von ihnen hoben sie den 
heiligen Dienst gröfstcntbeils gelernt (II. 5o — 58. '). 



i) Wenn sich gegen den Ursprung der Griechischen Kunst, 
so wie auch der Mythologie aus Acgypten noch Winekel» 
mann in dtr Gesch. d. alt. K. I. pnif, 14 — 19 der neuen 
Ausg. eiklttne, mit Beisiimmunq der Deutschen Heraus- 
geber und Kea's , so müssen jezt diese Saue durch dia 
rulle der Entdeckungen, die in neueren Zeiten, beson- 



2 83 









Dafs diese Meinung im Alterthumc gmfsen Eingang ge- 
funden un<1 lehr verbreitet gewesen, leidet keinen Zwei- 
fel- Die l'eherein Stimmung der biblischen Urkunden in. 
der Nachricht vom hohen Alterthum Aegyptischer Reli- 
unstitate zeigen die Beweise bei Spencer de Lcgg. 
Hcbr. rituail. II. Diss. I. Sect. a. 

Die A n t i t hesi s giebt Plutarchui in der Haupt' 
•teile de malign. Herodot. p. 8^7. D. B. Allein abge- 
sehen ron der polemischen Absicht dieser ganzen Schrift 

D Mir, ob die hier aufgeführten Dichterauetoritaten 
auch geeiguet sind , den Vater der Geschichte zu wider- 
legen, und ob auch die übrigen Gegengründe historisch 
«»lässig sind? Schon die Erinnerung an den Inhalt an- 
derer Schriften des Plutarchus lälVl uns Manches zu be- 
denken übrig. — Aber andrerseits darf hierbei auch 
nicht vergessen werden, dafs llcrodutus Vieles au« !><•- 
donäischer Priestersage schöpfte, und dafs diese Pric« 
•terschaft gerade ein Interesse hatte, Hellas so viel als 
möglich zu tigyptisiren ( vergl. He e r en s wohl durch- 
dachte Erinnerungen in den Ideen über die Politik u. 

II. p. 463.). Doch weiset Herodotus , wie wir un- 



durch das grofse Französische Werk , auf uns g-e« 
kommen sind, völlig umgeändert und berichtigt werden, 
wie solches schon aus dem Capilr) über die Heligiuneu 
Argypiens im i.Th. p. 2i0 ff. zur Genüge erhellt ; man 
vergleiche z. B. nur p. 410. 411. 428 , wo die auffallende 
Verwandtschaft, ja fast völlige Gleichheit der Ansichten 
uod Mythen beider Völker vom Todienreicbe beiührt 
ist. W*s den Ursprung der Griechischen Kunst aus 
Aegyptt u betrifft , so lifgt diese fragt nicht in tit -nu Kreise 
unsere« Werkes, und wir wollen darum dieselbe hier 
nicht weiter untersuchen, zumal da noch neuerlich ein 
geistvoller ScbrifUtctler sich über diesen Gegenstand ver- 

t hat j s. Seh o rn über die Studien der GrianhisokeA 
r ;. 1. p. ili— 10t. 



a84 

tcn sehen werden, aoeh noch andere Wege, *• 

legyptischen , für die religiöse B 
Im. rl nach. Zunächst verweilen wir noch bei den», 
gyptischen. 

Zuvörderst bemerken wir die A rsr i v i sehe Col 
nie aus Acgyptcn ; und wenn gleich die altc*ten St« 
Ton den Inachiden , von der I<>, Epaphua u *, n. i.t 
in das Dunkel der Geschichte fallen, j..' ii 

:cn von Danaus viel mehr Bestimmt! ■ 
Cbemmiter brachte höhere Cultur und Bildung, 
des l.urles, so wie auch Gottesdienst unii 
bni'iche ifl die damals noch öden, wilden < 
Argot. W 's letzteres betrifft, su brauche ich nur 
die Lernten, ein altes Pest, das sich « t \\ «in - 
Ackerbau bezog, und lür dessen Stifter Danau* in 
Sage ausgegeben wird, zu erinnern < l'n izonius in 
Origg. Aegvptt. Ca>. XVI. p. ii"].); und die v t 
p t> 1 . wo di*'«ier Aegypiische Colonist mit seinen Kind« 
ans Land gestiegen war, blieben ein denkuüi 
in der lebendigen Sage der Argiver (l'ausan. C01 
38. §. 4 ■). 

Auch die Sage der Megarenter kennt als Ar 
Vorfahren den gleichfalls Acgyptischen Lei ex (Pi 
Attie. 39. 5.). 

Ferner sind hier zu beachten die Thracische w] 
Samnthracische Colonie, die Sagen von 0' 
und andern Lehrern, welche als Zöglinge Aegypi 
Priester »afge fuhrt «erden (Diodor. Sicul. I. 9a — 
S. auch Berodolus II. 81. (coli. ib. 53.), wo er get 
die Identität dessen ausspricht, was die ' >» 
Orphisch und A egypt isch nannten. Ich wen 
diittcn Bande auf diese Stelle wieder zurückkommen 



2) Vergl. I. Th. p. 2S4. Note t6. und über die Eumc 
den ebenda», p. 182. 



i85 



bioser Ansiebt nun steht nicht nur der allgemeinere 
Hauch tnl^re^en, welche Thiacien als d >s ruhe 
vorstellen, sondern auch hisu.i i-chc \n- 
Hauptstelle aus der Anhis des A deotjon 
rar. H ist. VIII. 6. mit Peritonitis Vn merkt 
tndrot. Fragmin, ed. Lenz et Sicheb's pag, »17. 
Seh. Hast mscr. des Aiistid. zu 1. p. iiJI JeMi. 
^t ) von der Uii'-iiltur der Europäischen 
-«•n und n »inen t lieb dei Thracier, und von den 
1 der vergeblich Oi phischen Weisheit. Diese 
ptungen hingen mit der Frage Von der Herkunft 
• -chlechts zusammen, wobei sich eine 
Ptrthti von Solchen bildete, die die ältesten Reiigions- 
üutitute den Attibern vindiciren t und namentlich die 
1 mein aus Thracien hergeleitet wissen wollten. 
ichen wir aber diese Meinung mit der HciWotei- 
iCaeti ht (,11. Oi.) von dem religiösen Unterrichte^ 

\ bener von den Peiasgern empfangen hallen, 
tehber auf Samolhrace wohnten ; erinnern wir uns 
1 an die Sagen von dem alten Dienste der Musen 
wovon unten im Capilel vom Dionysos und 
von der Demeter ein Mehreres — so bleibt immer Thra- 
und 8:imothrace einer der ältesten Sitze auslnndi- 
Rcligionen , die von da aus südwärts zu den Hel- 
rtgcpilanzt wurden, wenn auch die Herleitung 
l>ozeichnung des Gottesdienstes: Qo^O'ttC.iaj 
Ton den Thraciem (H'»;x«v) mehr für eine Erfindung 
laminaiüter zu halten ist, indem dieses Wort von 
ipfenTone des halblauten Getcns (&pitlV, &g 
»einen Ursprung hat, womit sich nachher der Begriff 
des abergläubischen Formelwesens im Gottesdienste ver- 
band T ). 



S) S. Tib. Hemsterhuis in Lennep. Etymolog, ling. gr. paj. 
8iÖ seq. und die Ausleger zur Epist. Jacob. 1. 26. 27. 




a86 

Altische Colonie. Hier ist nun schon All« 
entschiedener, wenn gleich über die Art, wie der 
sammenhang der Attischen Cultur mit der Aegvptiscl 
ku erklären seyn möchte, unter den grufsesten Histt 
Kern Zwiespalt herrschte. Man lese die inhaltsrcic 
Stelle des Proclus in Piaton. Tim. pag. 3o , wo die 
schiedenen Meinungen des Theopompus, des Gallist 
nei und des Phangdemus aufgeführt werden •). 1 
Attica tritt unter mehreren andern der Name de« St 
ters Cecrops hervor, der in der Nation« 
bleibenden Dichtertradition das Bild der A> 
Attischen Cultur geworden war, bald so, bald an« 



Hiermit vergleiche man die Resultate, die aus der Abhi« 
Jung des Levesque zum dritten Hände seiner Uebt ■ 
des Thucydides : Troisieuie Excursion sur l'orif ine 

(enfriouale des Grecs prouvele jur quelquestmes de 1« 
opinions et de leurs praliques rtligicuses p. 278 »qq. 
vorgehen möcht<u. 

4) Die beiden letzteren Geschichfscbreiber haften die 
von den Athenern abstammen , Theopotopas rja| 
nannte »üe Aih«ner Beisitzer zu SaYs <<- 
tenbach zu Jablontki Opuscc. III p. iy ed. l'c IV j 
Charax aber behauptete (einstimmig mit den Acj 
tiern , s. Diodur. II. 26.), die Athener leyen Coluo 
von den Saiicrn , und 1-f*'? sey der A*-gy^.tixr 
der Athene , deren Aegyntische Ahktinft man auch 
dt tu Symbol des Crocodils zu beweisen suchte, 
diese Göttin auf der Acrqpulis hatte; sieh, dt 
mscr. zu Aristides Panath. T. I. p. HS , dessen Exet 
mir W'yltenbach mitgetbeilt bat. Wie übrigens ji 
nurigen des Thenpompus und der übrigen 
Schreiber zu nehmen t,>nd , bedarf keiner weiteren 9* m 
merkung. — Jezt seht man auch Tzeizae Sehol. *ii 
pliirm. v*. 11. Tum. I. p. 3SS. ibiq. Muller, i 
ad Phatiüdiiiu Fragmm. p.3*qq. womit meine Vlelt 
1. pag. 63 sq. zu vergleichen sind , wo ich jco«, Stell« «b* 
ungedruckten Scholiasleii luitgeihcilt habe. 






287 

ausgescbm Hellt, doch so, dafs die historische Grundlage 
IStoblich blieb (s. die Nachweisungen bei Menrsius 
de Ht-jjno Alhenar. üb. I. cap. 8. de Fortuna Athenar. 
C*p. ». und Wvttenbach ad Piutarcb. de S. N. V. p. 36.). 
Endlich die PelasgiseheColonie in Thesproria 
und die i» idonäische Priesterniederlassung (Heiodot. 11. 
&4 %t[<\. s. oben I. 'Ib. p. 193.)» 

bliiftlicb müssen wir noch der Meinung eines 
neueren Französischen Gelehrten 5 ) gedenken, wonach 
die Annahme, daU die Aegyptier selbst so zahlreiche 
Cnlonien gegründet haben , als man ihnen gemeiniglich 
beilegt, nicht wahrscheinlich wrire, Sie hafsten und 
verabscheneten das Mittelmeer, und reich, civilisirt und 
abergläubisch, waren nie an ihren vaterländischen Boden 
•ehr anhänglich. Aber vrrinuthlich sind verschiedene 
en stamme, die in und um Acgyptcn streiften, 
und ifovon sich ein Theil fünfhundert lauft im Besitze 

roTsetten 'J'heils von Aegjpten hielt, und die vom 
Vater des berühmten Sesostris, Ameaopiiis, in reli- 
giösem Fanatismus mit Feuer und Schwert verfolgt 
wurden. Eben dieselben Verfolgungen scheu 
neu auch zur Colonisirung mehrerer lJistricte Grie- 
chenlands Veranlassung gegeben zu haben; und wenn 
»an erwägt, dafs damals die 1 sra eli t e n , auch Hir- 
ten» tarn rae, in Aegvpten waren, so könne es wohl 

, dafs etwas F a c t tsch e s zum Grunde liege (falls 
der Brief des Honigs Arcus von Lacedämun an den Ho- 
henpriester Onias beim Josephus acht sev ) , dafs die 
Ebräcr und Laccd« monier ge m einschalt li- 



kS) Mr. du Bois- Aymrf in Notice sur le srjour des Helireux 
en Egy\>m; in der Descript. de Tbl^ypte Livr. fll. An- 
nioir. Tun». I. y>. JOi. Hierum vergleiche man 
auch das , »ai los in meinen Cuitiineniatl. Ht-ruduit. P. I. 
geaagt h.ibr. 



eben Ursprungs srycn. Aus dem langen Aufenthalte 
dieser Hirtcnstiimme in und um Acgypten lasse sich auch 
die Aehnlichkeit der Sil tcnaller dieser Hir- 
ten mit den Acgyptischen und Phunicischcn 
Sitten erklären. 

Diese gewif* nur in sehr elngescht .niibtem Sini 
richtige Hypothese hat Ftauiil - Rnehette (HhvtOire d« 
retabUssfnit.Mil des Culonies Grce*jucs I. Uuch l\. Cai 
]>. 60 II.) dahin Meiler auszubilden vei sucht T rtafs er di< 
■\\ .■nidcrun^en nach Griechenland nicht den Aegypiiert 
selber, sundet n den Phünieisehcn Hirten 1 . önigen , Hyk- 

sns genannt, zuschreibt. Diese, welche am sahlretcii» 
fiten in Njcderfigypten wohnten, Kogen sich, vom alten 
Herrscherslamtne gedrängt , zum Tl. eil nach Westci 
und siedelten sieh in der Gegend der Kleinen Syrlc ai 
von >w> aus sie nach Griechenland übersetzten, und hit 
den Dienst des Prscidi 11 , welcher den Lib)ern vorzog 
lieh eigen war, ciiilübrtcn. 



In der neuesten Zeit ist wiederholt ein Zweifle 
andern Acgyptischen Ursprünge der niehresleu 
G ri ec h isc ben Götter erhoben wurden, den ichhiei 
nicht übergeben darf. Der Annahme, sagt man. dal 
die Gottheiten Griechenlands, oder, nie Herodotna II. 
5o. sich ausdi iicltl , auch die ^ a ni e n der meisten Grie« 
chuchen Gülter aus Aegvpten herrühren, w iderspii'bt 
Alles. WM wir von Aeg> p tischen und Griechischen Gütter- 
namt'ii wissen ; di-nn sie lauten ja ganz und gar verschieden, 
Zuvtjrder»! möchte hierauf mit Recht er wieder! wer- 
den Können: Untere Henntnifa der alt- Acgyptischen 
Sprache sey höchst unvollkommen , und wir keiineten 
vielleicht gerade die Acg>ptischen Gölternamen nicht, 
die von den eisten Priestci colonien nach Hellas sind her- 
übergebracht wurden ; denn es ist ganz in der Art der 



a8 9 

orientalische» Voller, tlafs sie wichtigen Dingen «nd 

> rutthtiten , na i ;i 
hungcn , unter denen sie sie de«; her , eine 
Menge von Namen : Unsere bisherige Ueber> 

sieht der alten Religion ea Lat davon uei- 

apb Pert , und der A <n rnet 

i Jii •|iU- 

i und Umstände aufraerhi an wirblig 

« r Untersuchung sind, bisher doch noch nidit 
beachtet wurden. 

n.lstamm und die Mehrzahl der ältesten Be- 
rnds halte (wie »ich aus AJIcm und 
sei' Qerodota Bericht ergiebt) eine vun der Ae- 

\ t- 1 sc h i e d e i» •.- Abkunft and Sprache, 
fuhrung det legypti sehen Gottheiten In Griechen- 
■ auden nun den Priestern ilrci Wege offen J Ent- 
r sie gaben den Ägyptischen Gott mit seinem 
Acgyptischen Hauptnamcri, oder sie suchten denjei 

hen Namen auf, der sich am bequemsten in 

rieehischen (PelasgUchen) Formen fugte, od. 

Cbene'/.ien den Haupt betriff des tischen Gottes 

• Sprache. Dafs tte jemals gu- 

möchte bezweifelt werden motten. In der 

Leu Stiftungslegende liegt so viel am Tage, 

daf» den dortigen Pelasgern die Sprache der Thehtitchen 

nuen sehr unverständlich vorkam ").. \> ie 

»ebner ferne rfort den Griechen das Schreiben 

men v ^ie von einem Aegyptier in seiner Sprache 

■trttprechen borten, sieht man noch ans dem Beispiel 

de» Aristides, der, nl> er *on einem AegyptUcbcn Pue- 



lot. If. A7. Mahn in der Darstellung der i.exicoijra- 

p*y. lo4. schliefet daraus, daftdU l'JicLui. 

mt -ki Griechischen k«' keine 

Atboftchacit hau«. 



2<jl> 

»ter den Namen Canobui in acht Acgyptischer Form aus- 
sprechen hörte , sich nicht getraute , den Namen Gric- 
chisch getreu wie. 'der zu gehen, sondern sich he: 
die Bedeutung Griechisch anzuführen , mit dem Zi 
satz : «es sey ehe u Acgyptisch und schwer zu sehr« 
Lcn» 7 ). Eben dieses Beispiel führt uns zu dem zweite 
Wege, den man milden Acgyptischen Götternamen 
Griechenland eingeschlagen hat; man bat sie nämlich 
lange vei Sttdei l , bis sie sich Griechisch schreiben lies- 
Ben« Aul' diese Weise i\atte schon lange vor Aristidcs 
der Grieche Kävuißoq schreiben und aussprechen ge- 
lernt s ). Zuweilen mochten dtbei gvofse Freiheiten 
statt finden«, wie zum Beispiel geschehen seyn mufs, 
Wenn der Ileroduteische I'iCnig Püeron (fl^cJ»') nichts 
anders als Pharao oder vielmehr gemein Aegyptisch 
Phouro, Thebai'tisch Pharro oder Parro ist ; ). hieses 
Beispiel hanu auch gelegentlich zum Beweise dienen, 
wie allgemeinere Begriffe zuweilen von den Griechen 
iridividu.ilisirt worden sind; auch in Götternanicn , wenn 
es ricluig ist, dais Phthas (*££•<*$), Name des \u!canus, 
Aegypiiseb Gott überhaupt bedeutete 10 ). Noch mufs 
Lei diesen Schwierigkeiten nicht vergesse n weiden, djl* 
die Griechen ziemlich früh die Schi -eibung von der Reih- 
ten zur Llnlcen vcilitl'sen , und dadurch sich von der 
Schreibart der Acgvptier, die noch zu llcrodots Zeit 



7; Alyv+rm ei mci fti . Aristidil Oratt. T. III. 

i>, oob. 1. U. p. ttoJcbn. 

8; Vergl. oben Tb. 1. p. 52i. 524. 

0) fkrodot. II. cap. lll. vergl. die Ausleger und Jabloneki 
Voce. Acgypu. p. 61 S *q. 

10; Silvestre de Sucy Leitre sur l'inscript. de Rosette pag. 28. 

und bchclling die Gottb. von Samuthrace p. 0». 



2.j l 

dabei Llieben (llcrcdot. II. Vi.) , weif er entfernen mu fi- 
ten. Aber wenn auch dies nicht Tom Pelasjmcben Zeit- 
»her gilt, so waren doch der andern Schwierigkeiten 
so viele, dafs wir gewifs nicht irren, nenn wir anneh- 
men , dafs die Lehrer der allen Griechen 
die A »g y pt i s eh e n Qotternamen in e Ii r e n t heil §- 
iio haben. Und dit s ist der drille Weg, den 

wir oben angegeben» haben. So hehameu die Griechen 
also, uro nur Ein Beispiel zu gehen, den Begriff des 
Atnun unter dein Namen Zeus (Zufrc, Herodur. II. 
dieses Verfahren nun Hegel war, dafür 
töricht eine bockst nteihwüi dige Stelle des Philo im 
ii» (p. ii3. a. p. i5-j cd. Betther.), die ich hier bei- 
fugen will : ft Dies Wenige mufs ich aber der Erzählung 

* noch vorausschicken : Wundert Euch nicht, wenn Ihr 

* zum oi'tern Griechische Namen der Miehtgriechcn ha- 
aren werdet. Ihr sollt die Ursache davon erfahren. Als 
«Solon darauf bedacht war, jene Erzählung (von der 
«Insel Atlantis) in seinen Gedichten anzuwenden, und 
«lieh nach der Bedeutung der Manien erkundigle, so 

* fand er, dafs die Aegyptier, die diese Geschichten uie- 

* de» geschrieben , jene Namen in ihre Sprache überge- 
« tragen hatten. Da erfafste er selber den Sinn 
«eines jeden Namens, trug ihn in unsere 
«Sprache über, und schrieb ihn nieder.» Könnten 
wir diese Stelle für ganz historisch gelten lassen, so 
dürften wir uns gar nicht wundern, wenn die Aegypti- 
schen Priester ihre Götternamen in Griechische um- 
setzten , da hie ja darin nur einer alten Gewohnheit folg- 
ten, wonach sie es früher mit freunden Namen auch so 
in ihrer Sprache gemacht hatten, Aber dem scy wie 

i wolle, so viel bleibt gewifs, dafs da* U e b e r s e t z e n 

'en Welt sehr herrschende Sitte war, oder 

vielmehr oft eine U na Ute, wenn man dabei an die l'.e- 

t des Thilo von LvUn» und an die Aicvaudi wuschen 



39 a 

Uebersetzer der Bibel denkt ,1 ). Der allgemeine Satz, 
der ans diesen ErSl terungen hervorgeht , ist nuu höchst 
wichtig« n rid schneidet eine Menge von Etymologie 
Er soll uns hier zu unserm Schlüsse führen. Er lautet 
tu : Sinti die Aegyptische» Götternamen in Griechenland 
jinluentheils übersetzt wurden, so mups die Stelle He- 
rndois , wovon wir ausgingen (II. 5o.) : «last alle Na« 
« men der Götter sind aus Aegyptcn nach Hellas gehom- 
« nicn » . gröCstentheils von übersetzten >. h m en ver- 
standen werden, d. h. , so dai's die Aegyptischen Lehrer 
jener ältesten Griechen aus der ganzen Summe von Be- 
griffen , die bei jede.' ihrer Gottheiten gedacht wurden, 
denjenigen heraushoben « der lür die Pelasger am ver- 
ständlichsten und eindringlichsten war, und ihn auch in 
die Sprache ihrer Lehrlinge übersetzten 12 ). Hieraus 
ergiebt sich dann die natürliche Folgerung, daß 
Unähnlichticit der Aegyplischen und der Griechi 
(ii'ttctnaraen g e gen die von allen Seiten unterstützte 
Annahme, dafs die meisten Gottheiten aus Aegypten zu 
den Griechen gekommen sind, keinen Beneis al>_ 
kann. 

11) Vcrgl. die gehaltreiche Anmerkung Valckenaers zu He- 
rodot. II. cjp. 143, der dort auch an die Steile des Plato 
erinnert. 

12) Für diese Meiern psychose religiöser Begriffe liefert auch 
die neuere Keligionsgrschichte manche Belege. So nr 
z. B. in eine Chinesische Mythologie , zusammengetragen 
von 1'hu und von C'liiujj (woraus the Chinese glesm I 
Englischer Sprache Auszüge giebt), unser evangelische 
Bericht von Christus aufgenommen. Hier sind die Name 
zum Theil , wie Jesus, Maria u. a. , so umgcinode 1 
d.ils sie ein gant Chinesisches Ansehen haben , (In 
sind sie Übersetzt und in die Anschauung« t de» 
Sei» aufgenommen. So heifst der Kugel Gabriel . 
der unteren Götter, Mari.t ; die Kaiserin d 
Himmels u. s. w. 



Aber, wi" bemerkt, auch andere Wege, aufser 
dem Aegypiischen , weiset die oben angeführte Haupt- 
urhumU nach. Vorerst unterscheidet sie bestimmt den 
■««brachen Dienst des Poseidon von den übrigen au» 
Aegypten hergeleiteten Gottheiten ( Herodot. II. 5o.)j 
; die Sagen von dem Libyschen Ammonium (sieh, 
cbendas.) und von der Libyschen Pallas (IV. 180 seq. 
Tergl. Apollodur. I. 3. 6. und daselbst Heyne) verbun- 
verdeu müssen , worauf wir unten fcuriiehkommen 
«erden. 

Auch Phonicien kennt der Vater der Geschichte 

als eines der Stammländer Griechischer Religion, Vom 

tntlS und von denen , die sich mit ihm in 

tien nieder! iefsen , »oll, nach seiner Meinung , der 

Seher ülelampus religiösen Dienst erlernt haben (II. 4q.). 

Allein eben über diesen Cadmus lierrschteii schon im 

Altei tlium die verschiedensten Meinungen 1 und inshe- 

ie über die Frage, ob er aus Aegypten oder aus 

i nach Böoiien gelti.unmcn sey , wie Mir unter 

us der Sielte des Pausanias über die Mineria 

>. hen ; s. Boeotic. cap. 1?.. Hier wird im- Pliö- 

ieden , in L'ebereinsliminung mit der »o 

ehen rten Stelle des Hcrndotns, wahrend Andere 

auch d lonie , so wie die des Hanaus, aus Ae 

er einwandein liefsen ( s. die Stellen bei Phptiui 
LIV. aui I- dessen Ecl 

\ , 1"» Bip.). Und auch Bootien bannte A 

tischen Ctiltus ( s. JablonsUi \i>cr seq.). 

Inf ersuchung 
. Fragmin.- histt.grr. autiquiss. p. 35 sqq. 



, ^vie man lesen muH« ; 
u Kuripid. i'butiüiS. y 725 mj. In: 
res ijjrub. 



waren ä«c «rück», wor« 
Gbei auch von andern Seiten herCultur nnd Gottesdienst 
den Griechen eugeffihrt wurde, Nun t » it t hier wieder 
die Sa^e mit sehr unbestimmten und »i' Identigen Namen 

dazwischen. Pelasgisch, hivrteo wu oben, «ar auf 
Samolhrace ein alter, bestimmt vom Aegyntisehrn un- 
terschiedener Dienst (Herodot. II 5i.). Die Unler&u- 
chung von der Wanderung der religiösen F.rhenutnif» 
zu den Griechen ist mithin abhängig von der Unteren« 
cnung ül»er die Y\ anderungen der Pelasger selbst , so 
wie über den Sinn dieser so allgemeinen Benennung 
(womit bekanntlich d'C gesammte Yoi helletusche Periode 
bezeichnet wird), Über die, nach zuverlässigen Onel- 
Icn , ur.terscbcidbarcn Pelasgisehen Stumme und ihre 
Verschiedenen Wohnsitze j Vorfrage», nozti L a r c he r 
im achten Capitcl seiner Chronologie einen gelehrten 
Beie ben bat. 

'Hierher gehören nun die. Srtmothracischcn Mythen 
von Dar da nun bei Dinnvs. Haticarn. Archa 
6il srj. und Andern. Dardanas, sn erzählten sie, hatte 
von Samothraeien aus Troaa besetzt , Mar aber aus I 

eloiumen ( s. den sechsten Kxcms von Herne za 
YirgU. Arn. III. p. /fb"6 * r j ). Hierzu ltommcn noch die 
n vom Corinlhua, ron dem Uebergang Arcadit 

Pelasger nach Italien, und \i>n diu Tyi iberischen Po- 
üi , ihren Nie^crlassnugei) in Attica und ihrer Vcr- 
tretbnng ron dort (Yergl. Prägern, historr. graecc. antt- 
quiss. p. 'fi. und I .. •>'. In r a. a. O. p. o'|b* sqrj.) auf Lern* 
nos und ander« Inseln dieser Gegend , und ihrer neuen 
Verbreitung r.m dort «iu*. — In diesen 8a-<«;n vom I);ir- 
d*in;s sind alte Krinnci Igen aus der Yornr. 
ph ischen Periode sufhebtrilon und vom Zusa 
m c ii ii a r. • e Vorderasiatischer, Samothr 
silier nud Et r ti ri a t h e r (iiltur; Eiinnernn^ 
die iu diesem mythischen Dunkel sich nicht mein- zur 



<hen Klarheit erheben lassen, so selir auch die 
testen Forscher nnler den Griechen ,, wie das 
e Buch der Hämischen Archäologie des Dlonysius 
*on Haliearnafs und Strabo's hchanntc Untersuchungen 
über die Cureten u. s. w. zeigen, sich diese Frluuterung 
angelegen seyn licfsen. — Bestimmter hingegrn sind 
andere Nachrichten von dem Zusammenhange Vorder- 
asiatischer Vulkor mit den Europäischen, und toü dem 
gegenseitigen Finilufs ihrer Bildung und Religion. Wir 
nein hier, um ein Ueispiel zu geben, an die Wan- 
derung der Brigter oder Phrygier, einer Macedonisch« 
7 hrutist heu Völkerschaft, nach Kleinasien hinüber (», 
tiweisungcn in den Fragmin, histt. grr. antiquiss. 
pag. 170.) und an die Sagen von der Niederlassung des 
Phrvgiers Pol ups iu Griechenland ( l'ausan. Corinlh. 

Auch S cy l h ischc Elemente werden in der Grie- 
chi?tinn Religion nachgewiesen. Aber wie weitschichtig 
ist nicht auch dieser Name Scythien, worunter so viel 
graphisch Unbekanntes zusammengefaßt wurde. Wir 
loern hier nur an einige Zuge» die auf nordöstliche 
V. anderung gewisser Erliiidungen und Erkenntnisse zu 
1 Griechen schlicfsen lassen ,/) ). Die inhaltsreichen 
JA)'' n Prometheus führen auf den Caucasiscben 

t tsprnng verschiedener Hellenischer Bildungsz vrcige. 
Dienst der Artemis in der Sr> (bischen Taurica vi ei- 
set gleichfalls diesen ^ eg T»n Nordosten her, und die 
Ge*chenhe, welche, noch einer Piiestnrsage zu Ut'los, 
die loreer durch das Scvtbenland bis zum Adria- 

ben Golf, dann hei über nach liodona, und so weitet 
nach Delos sendeten (Herodot, I\ i' sqq.), m>" 
v <M samintlich auf attcu Erinnerungen an den Anihcit 



14) Verfcl. OuwarmY Über das Vorhomer:sche Zuullcr, Pc-> 
icrabun tbiy. p. 14. i-i. 



396 

beruhen , den der Norden an der Enlvrildernhg GnV» 
chrnlauds hatte. Was nun von Asiatischen Elementes 
noch weif er in den Griechischen Cultus ühergeganges 
seyn m«j' , so wie die Frage, was ans Indien, Per» 
sie» u'nd überhaupt aux dem höheren Asien W» 
hierher fortgepflanzt worden, davon wird unten ndA 
weiter zu handeln Gelegenheit, seyn , da überdies in de« 
bereits Gesagten schon manches hierzu Gehörige erläu- 
tert tvortien isl 15 ). 

So viel bleibt gewifs, es war hein Volk in Griechen- 
land, das nicht alle Ursache gehabt hätte, seine Wi «• 
Z,ivia zu leiern. Die Athener, sonst so sehr auf die 
einheimische Religion der Väter stolz, feierten sie! *• 
wie mehrere andere Bewohner Griechischer Städte (fc 
z.U. Pdusan. Aehaic. VII. 27.). Ja, es war diel eis 
feierliches Fest in dem Panhellenischen Heiiiglhune n 
Delphi "). 

Bei allen diesen Einflüssen, die der Griechisch* 
Geist, wie überhaupt, so auch im religiösen Denken, 
aus der Fremde erhielt, behauptete er gleichwohl seines 
eigen thümlichen Charahtcr. So wenig es der rrifr 
sterschaft zu Dodona gelang, Hellas zu ägyptisiren, ebei 
so wenig konnten die anderen Elemente ausländische! 
Gultur das nationale Gepräge auslöschen , das der Grit 



15) Im Allgemeinen aber will ich jezt meine Leser auf A 
fiuchtb.ucn Lnfrsucliui.yi.n ües g« lehrten und geistn-ichd 
Ritter in der Vorhalle Europäischer Völker 1 
geschieh ten vor ilerodonu um d «s n K a u k a 
sus und an den Gestaden des l'ontus, Btri 
1Ü*0. verwcibin. 

16} S. Mcti^iu", Castellan. und Johnston. in Gronov. Th« 
säur. A. Gr. VII. p. 671. 791 und 873. vergl. Hcsvcli. '. 
p. i(V't A!h. und ciascih.-t die Ausleger, uud Casauhuni 
und ScJnvei^:i.i.iser zum Alhenä'i» IX. 13. Vol. V. p*> 

der Auinudverss. 



*97 

bms nud Cultns I c 1 iielt. A T. cht« auch 
intrste P schiedenai 

MjtL-ri unlei den Griechen Eingang ge*tätteit, 1 
.'i s.it* doch auch in ihre; Heli»ion Griechen. 
in Absicht auf d 

iten unterschieden werderi. Vor* 

irnr wild jenei &rund( rieh immer, den wir 

hon nennen vollen, jener Hang zum an- 

sehen Gencah gistren , i!«t sich später 

ii Güirer^eltliichlcn äulsoiTo i ;dier jene 

stersagen >, wie <lic HerodoreU 

sebe Ton ftamothrace (II. >»-), mochten wohl <ltn (ha- 

ler Kürze an sich tragen. Erst mit 

•iden Heldensage ward unter den 1' 

nicht mehr priest erlichen Sffnger Alle» menschlicher. 

hen Heligionsgeschiehten hiefsen dann in dem 

[ltisir enden Dudona'er Erfindungen von 

heut und gestern hör, und erfuhren die Her.ibuür- 

der Piieslrrseliaficii ( llerodnt. II. tq'i.). NVii 

auf «Iio hemerltenswerth« Stelle des Hcfodo* 

rlonierus und Hesiwdus *l\c l t linder 

der II eil cnischen TheogonSe (ofr jreöf ff<x»T£C &<o« 

annt werden. Man rergl eiche ülirr- 

selbst II. (ii. ( s. meine Comrnentt. lierod 

p. .' I Pinto 'lim. j». K. ( i C. ed. I'ranrnf. ( vergl. 

oben) mit den hemer hungert d< \0. und 

Ju»imus utartyr Cohortat. d Graea - Scct. i3. p. 16 ed. 

Wer die \ i ngen jf 

iroten Zeugnisses Kennen lernen will, der Vergleiche 

Hei meine r»ernerl v m: -i in dm Hmin 

[>. ii, 27. und d lic Note; lUohOuwäroif 

1 hoint tische Zeitalter j». 11. 
Ans »lern Bisbertgen ergiebt sieh die an mittel bare 
Inr den Fortgang unserer Uebersichf. : im 
de« dienst der Griechen, Gtruslier und Rümei in 



»einen 



Ilaupl 



moi 



M'.tPn 7.11 I8S3C 



'1 ausgehen , und nicht minder einen Blick auf ilie 
Heliginnen Indiens, I'ersiens, l'hnnieiens und Klein- 
a-.ifns werfe n , woran sieh dann die Grundlinien der Lehre 

' n alteren Culien nml TheegOniea Griechenlands» 
11 rd sofort die Uebcrsjeht der helleren Tcmpelgoltheiten 



nun anschließen mögen. 



linsen 



Nachträglich mögen hifr noch einige Bemerkungen 
Cboi -el d'*s Zamolxis. welche in den Kreis der 

&t->ihischrn Religionen gehurt, ihre Stelle linden, lle- 
rodoUis nämlich (iVi «p. 0.0 > erzählt von dem Glauben 
I .• n an tfnstei hiirhkeit , und wie sie vermeinten, 
es gehe der Abgeschiedene hin zu dem Gott (oder Geint) 
ZamoKis (intpa Za/to?.£iv- Äotippa), s, Und dieweil die 
«Thracicr, fahrt er fort, eine so schlechte und ruhe 
«Lebensart führeten, so hauetc sich dieser Zamolxis, 
n)<r die Jonische Lebensweise kannte , und mildere 

te als man bei den Thraciern antrifft, weil er mit 
«den Hellenen umgegangen und mit einem der herrlich- 
«sfen Weisen der Hellenen, dem Pylhagoras, einen 
«Saal, mo er die Ersten der Bürger bewirthete. und 
«heim Mahle lehrcte er sie, dafs weder er seiher, 
«noch seine Gaste, noch ihre Nachkommen 
« ;\ u f ewige Zeiten jemals sterben wurden, 
(»Andern sie würden an einen Ort kommen, 
* t W o es ihnen wohl seyn würde immer und 
IDttifc Wi 1 aber das Bcsagle that und also 

«sprach, Hefa er t-ir h eine »Vuhnung machen unter der 

.!e, iijo! 1* Wohnung fertig war, vcisihwanJ 

mt von den Thr.iebrii , und stieg hinab in seine Wob- 
ei nfig unter der Li de, und lebte äatelbftl drei Jahre; 
und bejammerten ihn, wie einen 
«Tod^eo« Aber im yi< bre erschien er nieder 



2 0<> 

»er den Thrsclcm, und eo glaubten sie an da», wai 
«ihnen ZamoKis gesagt. So halte er es gemacht, sagen 
«sie ( cap. 96.). "Was mich betrifft, «o will ich zwar 
. ihn und über die Wohnung unter der Erde ge- 
ulo nicht ungläubig seyn, ich habe aber auch Keinen 
* rechten Glauben daran. Doch scheinet mir, d 0. 1'e 
siT Z a m o I x i 8 viele Jahre vor dem P y - 
nhapora« gclrht. fs mag nun einen Men« 
«»dien Zamulxis gegeben haben, oder es mag 
1 e \ olksgottheit der Geten seyn : genug 
II un ihm» *"). 

Lud dieser Ausspruch des Taters der Geschichte ist 
gewifs unparteiisch und wahr. Die Lehre der 4)i"eU:a- 
forldaucr und der Unsterblichkeit des menschlichen 
Geistes war bei den Hellenen an die LJacchischeu Mvsle- 
li.'it geknüpft, deren sehr alie Ilauntsitze in Thracien 
n»ren, durch Orpheus in früher Vorsei t dahin gelangt, 
liier aus aher mögen sich dieselben auch nordwärts 
in die Niederungen der Donau und in die Sitze der so- 
genannten Scylhen Verbreitet haben; und es wäre Za- 
molxis in diesem Sinne ein Orphiker üU nennen, wieder 
spätere Pythagoras. Denn beide schöpften aus derselben 
altor Acgyptischer UeberHeferuug, die an ihrer 
Spitze den Namen Orpheus ir^i, beide empfingen hier 
die Lehre von der SeelenunstcrMicMteit, und pflanzten 



I") Kustarhitis zu Odyss. TX. 65. p. 33J. I. 3 spqq. et!. Basti. , 
wo er über Tudtenjehr Suche und Geiaterlehre (ij 
der Alten Mehreren bemerkt, spriclw aucli vom Z..m.»l- 
XiS (nlgetidi rni.ilWn : H- <ci "yrCv Ken zri ZauiX£r&^ t, 

m.in lese IlvBaycfov \ ys- 
■ , i'3'»cv (i IVrii kj» tvutytjvrc jti ton; rtSvtwvw 
-'> S'tavraf r«S iTiiv. .tc;. S. meine I Icrodoteischen Ab- 
lioihill. p. I7f. Porphyr. Vit. Pyihagor. cap. 14. Jain- 
blich. Vit. Pyih, eap. M. 



5oo 

dieselbe in scenischen Darstellungen und Mythen , deren 
höherer Sinn nur dem Eingeweihelen bekannt war, auf 
die Nachwelt fort. — Vom Zamolxis erzählt Heüanicu», 
er habe den in Thracien wohnenden Gcten die Weihe* 
gezeigt L *) ; und zwar hat er dies gethan in Hohlen, 
in Grotten — ich erinnere nur an die »um heiliges 
Gebrauch and zu Weihen bestimmten unterirdischen 
Grotten Indiens und Aegyptens, ferner, was uns noch 
näher liegt , an die Hohlen , die Moser in den Westphä- 
lischen Gegenden , die Thorlacius diesseits und jenseits 
der Ohtsee gefunden und beschrieben hat ,9 ); Grotten, 
in denen wohl höhere Erkenntnisse in mimischen Dar- 
Stellungen mitgetheilt, und somit, nach der Alten Art, 
geheime neligionsgebränche, die an jene höheren Erkennt- 
nisse geknüpft waren, von den Druiden verrichtet worden 
seyn mögen. Und so hätten wir auch hier Spuren eine» 
Zusammenhangs alt- Aeg) ptischer Beligionselemente 
mit Druidischen, Ccltiscben und Scythischen Lehren. 
Von der iWithrasgrotte habe ich im I. Tb. p. 747 ff. ge- 
sprochen. 

Es ist aber, meldet die Sage weiter, Zamnlxis auf 
drei Jahre verschwunden : d. i. er hat ein dreijähriges 
Unstcrhlichhcitslest (TpieTjjp/s) angeordnet. So hält 
Älyeerinus, d. i. der Hube gebende und Fromme (Mepje- 



18) brim Etymolog, inagn. 8. v. 7.u^o)~i^ ; 7.uuo)Zi$ rcAerdt 
na r f'Bf.i'£s JVra*5 tc«; *v &ca.v.f_. Man merk«» hier auf 
den Ausdruck y.art'asi~ t , der hier auch mil Bezug auf 
«ct-iiisclie Darstellung gebraucht ist. S. auch I. Tb. der 
Symbol, p. 12. und meine Herodolt i.schen Abhandlungen 
a. a. O. 

19) S. Zofcsja de oheliscc. pag. 279 seqq. Moser vermischte 
Schritten II, pag. 215 (F. 277. Thorlacius populäre Auf- 
saut, das Criechischß, Römische und Nordische Alter- 
thiim betrifft, nd p. 250 IT". Die näheren Angaben finden 
sich iu meinen Comtuentatt. üerodott. P. I. p. 171 sq. 



3o( 

! i. tranrjuülii*, i . wie Zotige des X.-men 

i Acgypten sich sechs Jahre hei Ltchtersc] 

unter der Erde aal", er, der Mann, dessen Tochter in 

der Kuh begroben lie^t , welche Jedesmal am Soiiiieiilestc 

an des Tageslicht geführt wird ( ilerodot. II. i3s. ii'.). 

enthalten demnach diese und ähnliche Mythen des 

. rlhums nichts weiter als: rine mimische |);«i-- 
«tcllung der Lnstcrblichhcitslehre und des 

ottes von der Seelen Fortdauer I s c c ni • 
»che Mysterien). Betrachten wir nun naher den 

nen Zamulxis < Z«u.i?.^t s ) , d.i. das Büren Tel 1% 
so hätten wir in ihm eben einen I'ronhetcu mit dem 

i enfell - '), wie imSilcnus, dem Lehrer und Pro- 
pbelen mit dem Lux- oder Rehfeil, der auch im Buscn- 
garlen von I'ieria dun relativen M erth dieses uml J4 

Völker lehrt (wovon unten im lll. i weile). 
Dt* sind irieterische Uustcrbliclihcitsfeste, wo Silee.us, 
der Lehrer, oder der Satyr, drei Hemer d. i. drei 
Becher und drei Zeilen geigt (Zoega I.as-ir. ni .8aT)t 
I>enu nach Stieren und StierhSraern werden dii 

t, und da* Stier- und Gazellcnhorn , der älteste 
Zrinhbechei uml das naturliche Calenderbild der i'euch- 
eit und der V\ einleite, wird in alter liic >>- 
gh uhensprache bu einem Hörne des Heils; wie denn 
hinw i e d er die bei Tondcrn in Jütland (im hohen Scyth» ■<- 
lande) ^elundtneu goldenen Hörnet mit beuu )l IfcfMWeV- 
then Hieroglyphen bedeckt sind. 



SO) Der Name Zanvdxis oder Zalmoxis ward verschieden 
t: von <xa^«;, pellis uraina , im ThracUchcu, 
weil er als Knabe ein ß ii r enfell getragen. Nach An- 
dern bedeutete 41 einen Fremden ( peregrinus ) ; nach 
Andern wieiler hiefs er Thaies, und ward von den 
Tbraotern als Hercules verehrt. 



5oa 



Sechstes Capitel. 

Von der ältesten Religion der Griechen, o<le 
vom Pelasgischen Dienst auf Lemous ui 
Samolhracc. Zugleich einige Beispiele bii< 
lieber Cuhurgeschkhle Griechenlands. 



5. «• 

M-Jic Religionen der Aegjplier und Phonicier ite 
mit Phrvgien zunächst in genauem Zusammen 
Herakles* wie wir malten, lalst sich als Dactjlu» auf' 
riiiv-ischcn hla nieder, und auch Ksinun- Atle», je« 
entmannte Sonnengott, scheint diese Völker retH 
verbinden] so wie hinnieder die Religion des I 
sehen Ida und der benachbarten Küstenländer na<hw« 
]k I» mit der fon Samolhrace und den (iränzläiulern 
•ammeahangt. Letztere war Pelasgisch. Mithin 
hin vir hiermit zu dem ältesten Cultus dt 
Griechen ii bc r. 

I m den lda gedenken wir nicht lange zu ve 
Die dortige lleligion lag schon zu Straho's Zeit in 
tiefen Dunkel. Dasselbe gilt zwar auch gewissci 
von den Samothracischen Instituten; doch treten 
bestimmtere Zt'ge und mehrere Thatsachtn 
l tbcihaupt mit drm Eintritt in diese alten Tempel, 
dergrofken \A egscheide zw ischen Asten unJEiimpi,« 
man sich in einen verwirrenden Zauberkrei» von Mi 
verletzt, worin sieh guten Theils «1 
ihren Priestern theiloa. Da hat Phivgien seine l< 



3o5 






•eben Pactvlen und Corybanien, letztere gemeinschaft» 
lieh ni'u bamothiiice, dieses auch seine Cabiien und <,<>i : s y 
I.emnoft seine Cai einen (die Hintier nicht .•imuut v.u rech- 
nen ) , fthodus und da* Nachbarland seine Tclrhincn, 
Creia seine Curelen, ui.J wie die Namen alle heifsen 
znö'gn h in allen, 10 weit die wenn an Lieltlspu» 

ttD Vermutliutig geben« \iei Gcuieiuscliafiliehes, gebaut 
au t gewisse Grundbegriffe. 

Weilen wir wenigstens auf das Nächste einen Blich. 
Schon in dem alten Gedichte Phoronis war der Ida'i- 
icbcn Ilaciylen gedacht worden ( Scholiast. Apollon. 

I. 1129.). Gewüs Maren es dergleichen Poeme haupt- 
sächlich . die jenes Sagenge wirre geknüpft halten, das 
d< m Strubo so viele, zum Theil fruchtlose lachte. 

wahr, was doch nicht zu läugnen steht, d;«fs darin 
Erinnerungen aufbehalten sind an die Verpflanzung 
Phönicucbcr und Aegyptischer Religionen und (,n hin- 
unter die rohen Stamme der Pelasgischen Griechen , bu 
ist wohl , beim Untergänge der Phünicischcn Liicritur, 
eine Rrlteimtnifs des Einseinen Bieter Mythen ond 
Gebrauche Kaum jemals zu hoffen, wenn auch von Ae- 
£)ptens Denhmalen und aus Obcrasiatischen Uflmn.Jen 
noch manche Auf Mai -ung dafür gewonnen werden könnic. 
Jene Gedichte haben die Griechischen l.ogngraphen ex- 
cerpirt, und in den Bruchstücken dieser Auszüge finden 
wir noch jtzt die sparsamen Notizen. So spricht z. B. 
Pherecydcs von zwanzig rechten Idaischen Dactylen und 
von zwei und dreißig linken. Sie sind Söhne der Mutter 
Ida, Bearbeiter des Eisens, Jongleurs (Schamanen) und 
Zaul> Bcholiast. Apollon. a. a. O.). Hellanicus 

dagegen vtufVle, dafs die rechten den Zauber auflosten, 
den die linken knüpften. Auch einzelne Namen werden 

int, Celmis, Acnion, Dainuanieneus , Herakles und 
b«l«ii>iiuiis. Bei mancher innerer AeknliobUeit alt - (ire- 
ttsetei und Phrygi scher lleligionen uud bei der Gleich« 




5*4 

heit der Bergnamen Ida , auf Crcta Und in Phrvgien, 
>mh ilcn häufig diese Idaer vei 'Wechselt , und was von 
dem einen galt, von den andern aus r 
wir oben bei Pausanias den Hercules unter d< 
Dactylen gefunden, auch gesehen, wie dessen Cultus 
rot Phouicien nach Jörnen, Lydien in;d in die Nachbar- 
SChflfi Sich verbreitete« In einer andern Steile 
I, « ip. 7. $• 4<) er/ihlt er uns . wie die Einer den btil- 
ter ihrer Olympischen Spiele , Hcrahlcs, mit seinen Ge- 
rten rai.uius, I'pimedes. Jasion und Idas vom C 1 e - 
tischt :i Ida her in ihren Tempelhain zu Olympia U 
inen 'eisen. Jene zum Tbeii ausländische Namen, v.ie 
< , . ,:-, 11. 5. w. , haben viele Versuche der Entrathscluug 
ii.ldst: wobei ich um so weniger verweile, da die 
l'c sultaie nicht sonderlich zu lohnen scheinen, und die 
Schreibung derselben durch die CopUteu sehr verdür- 
ben ist (s. Tzschucke zu Siraho X. o. ?.\^. vergl. Sturz 
ad Flu? er. d. 1' r »«»um. pag, IJ7.). Wichtiger sind uns 
einige Zeugnisse aller Historiker , z.H. dt-* Ephorus •), 
dafs die Maischen 1 1 n c 1 y len von dem Berge Ida in Phrv- 
b i e n iliten Namen und dort ihren Sit/, hatten. Dazu 
hemmt die zweit« hemerhenswerthe Nachricht , daf» ein 
Jiiand in den Wäldern dieses Gebirges ihnen die Elisen« 
minen zeigte, die in seinem Sehoofse verborgen wei 
(Clemens Strom. I. pag. 4 3o 0i *' ül " s sie das Eisen und 
Kupfererz zuerst zu bearbeiten verstariden. Die Epoche 
dieser Erfindung setzte die I'nrische Chronik unter die 
Regierung des Athenischen Königs Pandion, d. i. 1, 
fov Christi Geburt (Marmor. Oxon. Epoeh. 11.). Gerade 
50 wejrden auch jene Teich inen beschrieben. A\ 
äie wurden zuerst des Eisens machtig , auch sie waren 



I) liciin Dioder. V. 61. s. thtflelbsl die Übrigen Xachweism 

1 Vnti V\ «SaClllljJi Vfclgl. Epliori fc'l i»£nilll. p. i?0 !><. 



3o5 

»il)cr*r , und Terf^rtigten die ersten Götterbilder -*). 
ist auch der Raine gewisser. Griechische Grarama- 



. Sic. V.55. Sirabo XIV. p. <>66. Tom. V. p.60t$f|. 

I/Nrii. Vom Athenäum \»ir.| eine Te Ic hin fsebe Ge« 

»chichte, TikymiY* Broj-ia, angeführt (VII. p. 2m 

f- 3ü Schweigt), ). IWan wul'ste aber nicht nu.hr, oh Te- 

!8 oder Epimcnides von t* reta oder ein Anderer 

l tifjiber sey. Pabrfc-iiiB in der Bibl. Gr. Völ F. pag. 

Maries. hielt «lic-rs G«. «licht flir ein und dasselbe mit 

unter Epimenides Namen angeführten TheogonJe 

[) hr»e Grund , wie Heinrich glaulu im Kpimenides von. 

^eta 5, VII. p. 131.). — So ist hier die Sage selbst bis 

e Schreiber verdunkelt. Desto begieriger müssen 

jciit 11 Lichtstrahl achten, der aus diesem Dunkel 

•^"«rbric-ht. Hierher scheint mir die Anfuhrung des 

is a. a. O. 2u gehören, Er iheilt a is dem r«-~ 

11 Buche Folgendes niii: „Die Delphine und die 

J,> I pili seyen heilige Fische. Letzterer £ey ein eroij- 

'^sThier, vreil auch er, wie die Venus, ans des Uimiius 

iIu *«i entstanden." Ich werde im Verfolg vom Delphin 

:, i tnehr Bpreehea. Hier nur «lies: Der Schlauch, 

"' Aeoltii mit den darin verschlossenen Winden dem 

' Ä »scb jjegt heu , ward für verzaubert geliahen und ans 

*■*" Delphinenhaut verferttgi ( Euslalh. ad Odyss. X. 

-1] ). Hieraus lernen wir Folgendes , dafs 

«■Iten Griechen d«-m Begriffe nach, wenn auch 

Dicht nach «lern Worte, Recht hatten, «nm 

'* *>«i den Tclchinen an ihr Zauberwort St'kynv dachten 

* oben I.Th. p. 177. Not. 307. In Sicyons alten Ge- 

•^'«-»gitn stfbt ein Thelxion einem Teichin zur Seite, 

und Sfcyon liicfs vordem TtXyiviui Apollodor. H. p. 11t 

*?**» Scaliger ad Euseb. Chron. p. 16, u.\ Sodann int 

hur tmln-r bischdienst hervor , aber auch uralte Weis« 

k, terci aus der Fisch e v , namentlich gewisser 

arten, Thun und Lassen, wozu im Mittel- 

rotere besonders die Delphine gehören. Auf Inseln und 

Ktaenlladern thun solche Kenntnisse und Ertahrunj 

k0( h, und wer sie versteht , wer den Sturm aus dis DeL 

pnm* Erscheinungen zu prophezeien venmg. der i^c ein 



11. 



20 



5o6 



tilier erhlJtren iLn durch Zauberer, welches Bochart 
(Geograph, saer, I. 7. pog. 3?i.) aus den orientalischen 



Zauberer. Auf Crcta , Cypern und Rhodus finden \\\ 
aber gerade die Teichinen (Strabo a. a. U. Meursii Crtta 
I. -1. Cyprus I. 6. llhodus I. 4 V . In den Telchliu u 
sind also die Incunabetn der S c h i f f a her per- 
sonificirt, denn auch Eisen und E: z , dessen Bear« 
b« ilung sie erfunden (Strabo a. a. U.) , sind untrlaf-liche 
Bedingungen dazu. Nun (reim die roheU Seemänner tivn 
Ackerbauern entgegen. Die Teichinen , hei/st es, li.»l- 
den Apis erschlagen (Apollodor. I. 7. 6. II, 1. 6.); sie 
bähen feich auch gegen den Bacchus aulgt lehnt f tlimem 
Orat. IX. 4. pa£, i6ö Wernsiloi f.) ; sie gleiten Sty>j:sche 
Wasser und Schwekl aus, und verdarben Thiere und 
Pflanzen (Strabo a. 4. O.). Hier erscheinen sie nun 
•1 b<m ganz als|rliysisclic Potenzen, als dir schäd- 
lichen Einflüsse der See und des Abgrund* auf vegetabi- 
Ih-ches und animalisches Leben. Diese Einflüsse waren 
übermtfehtig und herrschend in den alten Perioden der 
Flulh , ab die Gewässer noch auf «1 in CA rn in « In und 
Küsten stagnirten. Davon bähen die Stftungsle 
von llhodus die Erinnerung erhallen: Erst müssen die 
von Sicyon herüber gekommenen Telchitien von diesem 
Eilande verschwinden , ehe die Hetiaden ( die Sonnen- 
kinder) kommen (Strabo a. a. O. p, t>02 sq.); oder, wie 
ein anderer Mythus sagt, Sol (Melius) mußte erst die 
Insel austrocknen, ehe seine Frau Rhodos die Sonnen- 
kinder daselbst gebühren konnte { Pindar. Olymp. VII. 
100 sqq. Diodor. V. 56 verg'l. meine Anmeik. ^u Cic. de 
N. D. IM. 2\. pag. S&6 seqq.). Früher walteten dort die 
Teichinen , neun an dt r Zahl (Strabo X. p. 202 Tzsch.). 
Sie schmiedeten dem Kronos die Sichel , womit er den 
Lianus entmannete (Stnibo a. a. O.). Aus seinem Blute 
entsprungen stieg Aphrodite ans den Meereswogen em- 
por und mit ihr, aus gleichem Blute geboren , der Pom- 
ji Ins (w»p*tlae) , dt r Geleiilisch , der die Schiffe begleitet, 
und der Liebe besonders zugtthan ist (Athenaus a.a. O.). 
— So werden also die Tctcbinen bis an den Anfang der 
Zeilen zurückversetzt, und ihre Geschichte würde einer 



»oy 

chen bestätigt. Leser: wir alle diese Zuge zusam« 
, so Ififst fcich so viel mit Sicherheit veimulhen i 



Wies 



Tbeogonie gar nicht fremd seyn (s. ohcn). Sie wurden 
auch von Einigen mii der Rhea und mit dem Juppiter iit 
•nduns: gebracht (Sti'abo X. p. 202s.n,.Tzsch.). Wie 
licfa ;iber auch damit verhalle , so viel ist gewiß: in 
Ttlchineu haben wir eine mythisch« IVrsonitication 
en, was In Küstenländern und Mit Inseln die 
ivilisutjon hinderte, förderte und sie beredete : Erz wird 
iJsm , Schilf i künde und Ltebesiränke und dergl., von 
ptonfrtischi : n Pflaniern tfen halbwilden Pelasgern gauckeU 
»fi utid gebeimnifcvoH überliefert. Dato aber Minder- 
• fs und Förderung des MeiischeftgtUcks denselben 
'«en zugleich beigelegt wird, an diese Voistcllungsart 
schon alles Hi.sberige, namentlich die Religion 
Moudsdiener und die Anbetung der Liliih , gewohnt 
*«n. Ich will aber noch einigt' hesiiminle Zü^e zar 
'»rukteris.uk df-r 'i'clcliitien selbst beibringen. Sie heis» 
tu eben so wohl kunstreiche und wuhtthtiiige Dämonen, 
'w *4ubf lisohe , bösartige und achre lsUchtige. Daher 
,uc h Stobäus gerade in dem Capilel vom Neide d.is be- 
W'kenswerthe F-agment des NicoMUa ober die Teich i- 
p " "lidbeilt (Stob. Serm. XXXV'IIL p, 406. und daraus 
" rn l. Damtsc. Fragmin, p. 146 Orell. vergl. Berater ad 
l ' Cl pliron, I. p. 7>. Jacob« ad Anthol. gr. IL 2. p. 177. 
nid Valckenaer ad Co Hirn. Elegg. Fragmin, p.i?. 
B «J.)< J-J die Griechischen Sprachforscher waren 
'"St zweifelhaft, ob sie die Etymologie des Namens 
lern Erzschmelxen oder vom Zaubern her» 
* e o »ollien ( s. den Anikel im Hesyckius iL p*g. m63 






Alb. 



vergl. ferner Fhutii L. gr. p. 123. und dazu Schleus- 



■■tf Cor. noviss. p. 4i8. und Animadvv. p. 10J. und Zo- 

naf " ^. gr. p> I7l6\*h Daher auch der Name Teichinert 

'itige und schadeivfi ob* Menschen Dber- 

""pt Rbetgetragen wurde. Auch bezeichneten die Gric- 

nnd widerspenstige Menschen mit dem 

i; nrler ri)yj?t\-.-.T}t, ( Hesych. a. a. O. 

! Kust.), und eine mit Geschick und 

'""hg te böpe '1 hat wird weiblich wieder 



So! 

wir hbben in jenen Namen und Mythen das 
an die Bildner der rohen Fclasgischen Menschheit, 
ihr neuen Culius und die Kunst der Bearbeiten 
Lille brachten. Beide BegiilVe hinget!*, mic sitli vsi 
hin ergeben wird, vermuthlich zusammen. Die gi 



mit demselben Worte «Jjj/s der Verwünschung 
CLibanii MavaAfa i'-i rci iv ä<^v, v. VnJ, III. p. 3i4l 
Und die«« Teichinen weiheten auch zuerst ein Su 
der % A£rvü Tsr^:-.;^ H. i. dir Athene der Hexe \i 
Nicol. Damasc. a. a O ). Diei darf uns nicht 
denn in den Keligionrn dc*r Seevolker konuiit 
Minerva Gorgo [ Tc^w ) vor ( Palac phaius XJ 
und daselbst Fischer p«g. 136.1, Mit dem ihest 
dium war es nicht anders. Solche Gnadenluldrr 
Segen und Finch im Glauben der Ultestvn \. 
die kie verfertigen und weihen, sind eben dadur 
Tausendkünstler bald angebetet , bald gtlürcbtet 
gescheut. Dies ist der wahre ß« griff jener Erat 
und Zauberer. Sie schmelzen die harten Metalle, 
brechen die Schranken der Natur, wie man w3 
melzen die iierzrQ der Menschen, und hengt 
widerMi Midi den \\ Ulm der Menschen und m 
Darum darf e6 uns nicht wundern , wenn die Tel 
hinwiederum in den Kreis dir allen Natiu -ouhvitt 
ihrer heiligen Diener aufgenommen wurden , und 
sie hie und da ganz so erscheinen, wie die C ;»birtn 
So wird ein böser Geist, der im Wasser hauset umi 
lauert , Sintes (£*vrw;, lor/;") genannt (Zonar, LeJ 
16-iiO. und daselbst Tittmanu) , und denselben Nim» 
ren nie Lemnier und die Priester, die don uma 
die Teichinen auf Rbodua : Waffenschmiede u. 
< iiellanici Pragmm. p. 142 Sturz.). Daher wird 
wahrscheinlich, dafc, wie schon früher vermmfcc 
{ Sturz «d Pherecyd. p. lib ), die Namen d 
bnnten, Cureten , tdäische DactyU-n , Siniier noil 
chnien nur nach Ort und Sprache verschiedene 
minien manischer Priester und Bildner . 
sehen und Griechischen Men3chhi.it sind. 



3o9 

himmlischen Kräfte , die nie v B, waren aU Pia- 

Wolter auch der Metalle Herrscher, und sie, ihre 
Diener, indem sie sie gewältigten, arbeiteten auch da- 
durch ii» ihrem Dienste. Gott und Goltesdiener waren 
llische Potenzen. Daher sie auch so häufig die Na- 
der [heilten. \Y.ilI»Mitänze versinnlichten 
die Planetenbahnen und die Tänze der himmlischen 
Machte. In Einem mythischen Zage ist vielleicht der 
rstand dieser Religionen gegen andere Cutte auf- 
Ichincn, heilst es hei Oiodorus (I.I.), 
haben den Apis erschlagen. Vernuithlich Kampf dieser 
Rhodischcn Religionspllanzer gegen Acgvptischen 'J 'hier- 
dienst. Jene Idaischen Finger waren nicht hlos ge- 
schieht, Erz zu bearbeiten, sie verstanden auch Heil- 
ter zu lesen , Wunden zu heilen, Arzneien zu be- 
Namen Jasiun und Päonius , wovon der 
erste nicht hlos in Crelo, sondern auch auf Samuthrace 
st war, scheinen darauf* zu führen. Ob das Wort 
• "ij-ii Xu>. , womit nion einen Kräuter- und Gcsundhcits- 
ichnete, auch damit zusammenhängt , mag ich 
nicht entscheiden. Saiutccroix (Recherche* surles my- 
»ter. da Pagau. I. ]>. 6u sq. see. ed.) scheint darin eine 
nlherc Beziehung zu suchen, die ich nitht linden har.n. 
so wenig Kanu ich ihm beistimmen, wenn er dort 
(p. fö.) nur wegen des Ilegrifls der Star he den Her- 
isrhen Dactylcn vertetel glaubt. Viel* 
r, dichte ich, wäre hieran JUi etiles als tiltuiische 
■ n, als Urheber von F.rdwäl nie und 
■ n Heilquellen, liurz als nalieu Verwandten des 
Afsculapius und als Gesundheitsgeber (s. oben). Doch 
hriehten versetzen ja den lleraliles in den 
le '» der Phoi üegyp tischen Gottheiten von Sa- 

''hiace. Wir gehen ihnen nach, um durch ihre 

^ , '' l, • die Grundbegriffe dtr Cabirischen Religion 
7U ctiWsL! 




5io 



$. a. 



In Aegvpten liieTs Herakles Gigon (Tl t 
sych. I. p. B3o. ibiq. Inlcrprt'.). Ich habe an einer 
dem Orte (Uionysua l. p. 1 36.) mich über die vci 
denc Schreibung und Deutung dieses Nnmens 
Welche Etymologie Beii'dil linde, immer kommen 
lilärungen heraus , die den Hercules unter die »ll 
Cutter von Phünicien und Samothtacc stt 
Gestärkte, der T ä n z e r ^ der T i s c h g o 1 1 — » 
sind Begriffe, die diesem i*!ytbenkreise wesi 
gehören. Ah Rci gen a ni ü hre r schliefst ei 
der an die Chöre der Uactylcn und Corybanten »■• 
Tischgott wird er in allen Religionen vei 
nach die fortgeschrittene Kunst der Griechen gef 
darin, den Herakles eTtirpairiZtoi; mit dem IU 
der Hand dai zustellen. Ein Werk des grofsen Lj 
war in dieser Art berühmt. Auch die alten S 
ler reden von mehreren ähnlichen Ilunslwet 
den Bemerkungen im Uionrsus trage ich hier die N* 
richten des Aristides (Oratio in llerculem p. 3" 
nach, der von Statuen dieser Art redet, so wie L" 
nus im Gastmahl (Tom. IX. pag. 56 Bip.) mehrerer' 
nta'Mc dieses Inhalts gedenkt, Ueber noch vorhji 
tfunstuerke dieser Cla&se viufs man Visconti ( 
Museum Pio- Clement. Tum. V. pag. 27. b.) und Mil 
(Mur.uxnens incditi Tom. i. pl. 2j.) nachlesen, 
scheint, d«f9 auch die Sagen von den He' 
KU Hon, F'in.-.rii und Putilii genannt (Liviuf I 

eie V01 Stellungen vom alten Hercules 
hören. 

Tiscligott war auch jener Phönicische 
karth - Herakles , der grofte Beschirmer, 
haben die Griechischen Schriftsteller Spuren c; 
Sie nennen ihn Euphrades (d<r gute Sprecher, gol 
B.ubgebcr), und erklären dies durch HuTuixo* i^IIc 



a. O. ). Dadurch wird rr einer der Phönici*ehen 
^otsgütt.r und Hotte. Patäken (rraxatxoi) d. i. 
H'i' ), wie JJochnrt erklärte, hicfsen jene 
deren Bilder die Phonicier auf den Vorder- 
ii ■*) ihrer Schifte , zum Schur/, auf dem unsicheren 
, mit sich herum rührten. Herodottis, in der un- 
Note angeführten Hauptstelle , beschreibt 
l'hünicischcn Wesen als Zwerggcstnllen , und es 
eben so harter Vcrstofa gegen den Zusammenhang, 
■ diese Beschreibung steht, als gegen den all- 
Den Griechischen Sprachgebrauch , Wenn Gulherlet 
er bekannten Schrift über die Cabiren das nvy- 
iit&ooq des Geschichtschreibers durch starken 
in erklären will. Vielmehr als Pvgmaen waren 
tbildet. Dafür sprechen zahlreiche Spuren auf 
lalen und in den Schrillen der Alten. Eben so 
;, scheint es, hatten sie bauchige und sphärische 
Alt irdene, mitunter güldene Krüge, und 
jd ein Kopf darauf gesetzt war, als Kruggüllcr, 
der Phonicier wahrscheinlich eben so wohl 
Erinnerung an alle gute Gaben auf seine Tische, 
er sie in der Eigenschaft der Horte auf den Schiften 

mfübrte. 
.Mit diesen i'atäken vergleicht der genannte llisto- 



I) Verj»1. Homerische Brirfe p. 192. 

ils Zierrathe .in den llinlerthellrn. Letztere Mei- 

! t aus einer unrichtigen und auch von Suidas 

im mn Lesart in der Stelle des Herodoiu* flf. 

I, Ruhnkenius de tulela et insign. paviuni opui.ee. 

> sqq.). Di* Ki lege für einige der nachfolgenden 

saue ulu-r diese Gottheiten wiederhole ich htir, der 

.Qrie wegen, nicht. Sie sind im Dtony&Uti p. 131 tic(j(i. 

rgc! 

h. I. p. 550 - 5J2. 



3l2 



riher die Aegyptischen Gahiren. Von diesen mt 
wir das Nöthige bemerken, ehe wir auf den alten Dien 
der Pelasgcr auf Samothracc zurückblicken ho« 
Jene hatten zu Memphis in dem Tempel des Phthas 
Sitz, der ihnen auch in der äußeren Bildung gleich 
T »*>tt war es, wo der Perserkönig Cambvses diese 
schöpfe uralter Göttersymbqlik unter grofsem ■ 
rei brennen liefs. Diese Aegyptischen Zwergcalit 
■werden dort Söhne des Hephästus genannt. Kali 
mufs hier der grofse Phthas des Aegyptischc: 
gedacht werden , in welchem er als Vater a 1 1 e r gl 
sen Gottheiten vorkommt (s. oben I. p. 52q»). 
ist der ewige Wellhauch , der Alles tragt und bind 
und aus dessen Schoofs auch die Götter geboren werd 
Er giebt auch den Cabiren das Daseyn. V 
diese ? Es ist fast nicht zu bezweifeln , dafs der 
gyptier sich darunter auch die sieben Planeten d*c 
und , ihnen den Phthas als Vater beigesellend , 
Acht zahl von grofsen Potenzen in ihnen verehr 
In dem Tempel des Plilhas zu Memphis haben wir i 
ihre Bilder angcl rollen. Auch in der Stadt Caiiobi 
nahe bei Alcvaucli ia, zeigen sich weiterhin bemerk 
werlhe Spuren von einem Dienste dieser alten , - r 
guten Gatter. Dort, wo jener Sero« Heral.lcs ci 
Tempel hatte, ward ein mystischer Hrnggott . 
gewöhnlich genannt. Gegenstand eines eifrigen, bi 
die Bümische Periode fortgepflanzten Gotteüditn« 
der sich besonders in der Religion des Serapis als 
Form behauptete, und bei den alten Symbolen de> 
fafses, der Schlange und dergl. stehen blieb (s. I. 
p. 3 14. vergl. 5a'i tl.). 

Jezt haben wir den Uebcrgang der Gabiren i» 
L'neligkm der Griechen nachzuweisen. Di 
waren die Vermittler und L ehurhringer. 
sind ganz die Ae^vptischciJ. Wie sie sich der I 



5i5 



sehen Kosmogonie anreihen , ist oben (II. p. 20. ftl 

| bemerkt worden. Sie heißen Sohne des Sy- 
■ lcr Sydyk, der mit dem Phthas der Aegyplier Eins 
Audi ihrer sind sieben, und in Esmuii (A. ■ 
pius) wird ihnen «ler achte beigefügt. Der Nemo] 
i*t aus Acgvplischcr Sprache selbst, als der ach te erkl.'ir 
Jen, wahrend Damasctui beim Phutius (cod. CCXLM. 
ihn als Lebenswänne deutet Wie dem auch sey: 
hier wie dort scheint man die Planeten darunter ver- 
standen kii haben , denen in.ni bald eine höchste Potenz-, 
in Phthas, bald eine andere, aber verwandte, wie 
Aeseulapius , zugesellte. Von der Verehrung der Cabi- 
reo in Carthago habe ich oben ( Anhang zum vierten 
. $. ». p. 37J.) gesprochen. 

Es spielt aber der Name Cabiren auch nach dem 
obri'cn Asien und vielleicht selbst bis nach Indien fort. 
LchlÜcli rede ich nur von einem Naraenspiele , weil 
nach den bis jezt vorhandenen Daten noch wenig Reel- 
les darauf gebaut weiden kann. Alter weil jene Spuren 
doch liünftig weiter rühren können , wiU ich ihrer mit 
n gedenken. t>«fs nie Pontische Stadt Cabira 
aei wirklichen Verbindung mit jenen Cabiren steht, 
lifst sich wohl nicht b In. Auch wurde oheo (II. 

33.) bemerkt, w'w man selbst in Mesopotamien fene 
n gesucht und gefunden hat. Daranf hat ein 
Brei Schriftsteller die Verrouthung gegründet, sie 
t'n \ <m tb'in l.baldaischcn Flusse Chnbar (Chabora 
beim Ptolem ms) ihren Namen (sieh, Ditmar vom Zu- 
* % ,s o<le < ieiib und Mesopotamien* p. 

mderer Gelehrter will, nach -Samen und P.egrifF, 

,ra Persischen Spuren der Cabiren finden. Es seyen 

ls t.abiiim, starke Maoner. Hierin liege 

<1,e Bedeutung der Metallurgie nnd der Bewaffnung. 

tu ' n eben so wohl jene starken Schmiedegötler de 



1 

! 



* tt, c«niachcn Lemnos , als die ältesten bewaffneten 



lee 

Hcl- 



S 1 1 

den. Nach (1er Persischen Fetierreligion waren die 
Schmiede unrein, weil sie das Feuer entvielhclen. Da- 
her dort der verächtliche Begriff, der mit «lern W T oite 
Ghchr Verbanden worden, und bis auf den heutigen 
7'flg im Orient fortdauere ( Foucher sur la religion de» 
Perses, in den Memoir. de l'Acadcmie des Inscriptt. T, 
WIX. vcrgl. Anhang zum Zendavesta I. a. p. 217. 6 ). 
Mithin A\iiie, iKiih dieser Ansicht, die Bearbeitung der 
Metalle, die unter den rohen Pelasgcrn jenen Feuer- 
Iwinsllern göttliche Verehrung zusicherte, im Feuerlande 
der Parsi Anlafs zu tiefer Entwürdigung geworden. 
Vielleicht war der Name Cabiren bei den fndiern ge- 
achteter. Doch wir wollen und können vorläufig nichts 
mehr leisten, .' !s mit Einem Wort auf die Sonderbar- 
keit aufme«kbani machen , ihifs einet der Indischen Bhngts, 
«I. i. einer von jenen reinen Wisehnudienein , die durch. 
außerordentliche Bufsübungen und beschauliches Leben 
zur Würde der ttäinuiirn sich hinaufiäutern , und wovon 
der Indische Mythus in den Pdrana's ganz aufserordent- 
Jii he Dinge zu erzählen weiTs, Cabir heilst: ein voll- 
endeter Weiser, der im Calivug lebt, und diesem Zeit 
aUcr ein Musfei bild von jeglicher Art Virtuosität ist (s 
de Polier Mythologie des liulous T. II. p. 3ii sqq.). 

IK-is Wort Cabir scheint sieh in dem Maltesische 
Dialecl , der doch wohl ein Ueberbieibsel der alt-Pu- 
nischen Sprache seyn dürfte, erballen zu haben. Denn 
hier kommt das Wort Itibir Ouitboi vor. Mein 
1 leund Munter, der mir diese Angabe milgetheilt liar, 
sieht dies als einen .Nebenbeweis an, dafs die Cabiren, 
den Carthagern bekannt waren (s. oben Anhang zui 



6) Jrdoch wird in der alt- Persischen Sage der Schmitt 
Gi<) zum Befreier ttines Volkes, und s*in Schurzfell 
wird vuii Vi -ritiuu zum rlcicuspnnier geweiht \ s. ubett 



Tli. 1. 



67i. 









vierten C*p. <*. 4. pag . 37*» ). Fr verweist, was jcn< 
Puul.t betrifft, nul .M."iju5 Speeimen JinguftePunieae p.21. 
und auf Agius de Soldanis dl t* ] I a lingua Punica piesente- 
-.itata d'a M.ihess. p. »67. Auch der Maltesische 
} im h Marghand dag c I G h i r , <1. i. fuhr zu die- 
sem Grofsen, nämlich Teufel (wie Agius ihn iiber- 
», scheine die Vermutbnng A dafs Gbir der Name 
einer heidnischen Gottheit bei den Maltesen] war» noch 
mehr zu bestätigen. Dafs aber nuf Malta die Gabiren 
worden, sey so gut als gewifs. Die .Münzen des 
hbarten Gaulo» stellten 6ic ja in ihrer acht Aegyp 
en Gestalt vor. 
Denn in derThat, es ist rathsamer, die nähere Vcrbi 
düng ssu verfolgen, als an jenen schwachen Fäden das Ent- 
»•ste anzuknüpfen. Mag es also sich auch hier bewahr« 
i» , d. . Is die Grundideen jener alten Pelasgerrcligion 
im allgemeineren früheren Sabäisxnus des Morgenlandea 
ihreM nrxel haben : sanz gewifs waren es doch zunächst 
die Aegyptier und Phönieier, die nach Griechischen In- 
seln und Hfotenländei n ihr System dieser Religion ver- 
pflanzten. Jene Pelasger nahmen diese Gottheiten als 
P$«, mächtige \Vesen auf, wie der häufig vor- 
me &foi fifj-äXoi und ßelbst in den Augu- 
ii der Römer die Benennung DU potes (po- 
» Varro de I». E. IV. 10. p. 16 ed. Seal, mit dessen 
»•U p, 25.) zu erkennen giebt. Bei diesen Umständen 
»*l auch unter den verschiedenen Etymologien bisher dic- 
c iiii die wahrscheinlichste gehalten worden , die das 
^ '" 1 Cabi r e n von D , l 1 32 1 potenies, die mächtigen 
(*«PgL Grotius zu Matth. IV*. 2.^.), herleitet. Eine an- 
■**■ Etymologie hat neulich Sehe Hing (über die Gott- 
: run Samothraee p. 107 \V.) vorgetragen. Er er- 
1! 'it den Namt'D : D^HFI (Cliabcrim) socii, von ""QH 
Co *»sociavit sc (Judic. XX. 11.), und nimmt das 
Wurbch - Römische D ii co nsen t es, Dii compli 



■ 



I 




5.6 

ces, für eine Uebersetzong dieses Wortes "). — Hier- 
mit kehren wir nach Europa zurück und zu jenen An- 
fangen Griechischer Religion , wovon vrir hei unserer 

ganzen Betrachtung (•« ohen I p. 4 ff. und II. p. a88ff.) 

ausgegangen sind, 

§. 3. 

Die Peinsger halten, nach Herodotuet (II. 5i.), die 
Orgien auf Samothrace gestiftet. Ucber diese Insel 
hatte der Perieget Polemon ein eigenes Buch geschrie- 
ben (Athen. IX. p. 372. Vol. III. p. 'Sj'i Schvvgh.), des- 
sen Besitz uns, wegen der so nolhtgen Kenntnifs urt- 
Jielier Anlässe, grofsen Nutzen leisten Konnte. Jezt 
müssen wir uns mit fragmentarischen Nachrichten Au- 
derer behelfen. So viel ist gewifs, und noch neuerlich 
hat dies der gelehrte Graf Choiseul Goul'hYr im zweiten 
'J 'heile seiner bchannten ReiseLescbreibung hemerbt, 
dafs jene Inseln und Küstenländer grofse Naturrevolu- 
tionen erfahren hatten. Der Muiehbruch des Punti 
lebte noch in der Erinnerung der Griechen fort. Der 
l'niergang der Inseln bei Lemnos war Inhalt einer Pro- 
pheeeiong geworden (Hcrodot. VII. 6.), und von der 
lange vci s( hHutiiJcnen Insel Chrjse, berühmt, durch 
Phüoctets luifsgeschich (Paasan. Aread. cap. 33.), hat 
1 iKoisen] Guulfier hei Lemnos noch die Spuren gefunden. 
So zogen also ganz natürliche Anlässe in diesen Inseln 
der Peiasg« r jene mächtige Planetcnschaar vom Himmel 
herab , um im Grunde der Erde und in der Tiefe des 
Meeres su wichen , um durch die Winde die Fluth zu 
beherrschen , und durch Feuer die Metalle zu bän- 



7; Derfiflb-» ( dit GoMh. vnn Samo(brace p. 95. ) bringt Ka- 
ßtt^oif t. Lia --. ■, Kifl&koi mit onterm tleutpchen Kobold 
in Vul>in<Jiing. Uebiigims £tebt er a. a. O. noch einige 
bemerke nswtrihe Daia. 









^), Aber ganz gewifs hatten schon Aegyptier, l'hö- 
■: und KJeina*iaten im Begriffe dieser Gottheiten die 
tellurische Macht mit der sideriachen verknöpft. Der 
gliche Ida war auch ein Feuerberg alter dötterj 
Sinope und die Gegend verehrte platonische Hre'fte. 
duiiher sollte ja der gewaltige Erdgott Serapis gebracht 
Morden ii 

Der Cultor« ästend oder vielmehr die Barbarei jener 
Pclosger , so wie die oben bemerkte Sprarharinuth ge- 
stattete wohl zunächst deinen andern Vortrag jener Re- 
nsichren , als in Acgvptischer oder Phönicischer 
Sprache. Wer jenen Unterricht empfing, erlernte da- 
mit gewifs auch die Sprache derer, die ihn gaben. Die 
eröTaeren und lauger bestehenden Niederlassungen der 
Phoui f Samolluace und den benachbarten Inseln 

i es ohnehin wahrscheinlich , dafs man früh dort 
oicisch redete. Mithin ist mir Munters Yermuthung 
(in der üben angeführten Abhandlung) sehr wahrschein- 
lich, dafs erst nachher in diesen Gutlesdienst die Grie- 
chische Sprache eingeführt ward*). Dies konnte verinuth- 
nicht ohne Ein Huf» auf die ItegrilTe selbst abgehen, 
wenn gleich die Grundideen (das ist der Geist solcher 
Religionen) im Wesentlichen dieselben blieben. Aufser- 
dom hatte dieser Geheimdienst gewifs eben so wob) 
seine Abstufungen , nie jedes Mysterium seine I • I ade hat. 
Auch daraus lä'fst sich die grofsc Verschiedenheit der 
Angaben ron jenen Gottheiten begreifeu. 



amcntlich da» Eisen. Hierauf besieht sich ein. 
fclaiung , die unter mehreren anJirn it*S Al.ertlmni vuti 
der Begattung des Ares und der Aphrodite {(Jdyss. V III. 
2<»6 stpj.) |Sb. Eustaihius zur angtfDbl ten Stella; thcilt 
dieselbe mit p. 310. 1. 40 Basti. 
'} Diese Sütce der erstr n Ausgabe diese* Werks wird der 
unterrichtete Leser nun selbst n.icli unserer neuen L'n» 
tersuchun;, oben 11. p.2&S — 292. zu würdigen wissen* 



5id 

Unter allen scheint mir die des FI 
(beim Straho X. p. 483. p. aoo, ed. Tzsch.) die 
henswertheste ; nicht nur vegen des rclftli 
dieses Zeugen, sondern weil sie niit Aegypti« 
Stellungen so gut übereinstimmt. Nach ihm sii 
Liren Sühne des Hephäst us und der Cabira, de« 
Tochter. Es sind ihrer drei Manner und «) »t-i 
( Cabiridische Nymphen ) , sie wohnen auf Li > 
Imbros und in den Städten von Ttoas. IL 



9) p. 152. in der Sammlung von Stura. Dort sind die ( 
gen Notizen über die Schriftsteller gegeben, 
den Dionysus pag. 150- verbinden kann, ] 
auch bemerkt, dafy die Griechen eben so 
als KaJt^ci sagten, und dals sie auch von einer' 
hiofifa sprachen , was hin und wieder durch 
Abschreiber verwischt worden ist. — Wenn 
Munter ( a. a ü. p. d6.) nur drei Cabir< 
kommen, und den Diener n \on Hrn Plir 

Imizuselzeu llftt , so kann ich nicht ! 
acht G'Uu-i zweiter Ordnung, woraus die < 
Zweifel hervorgegangen sind, kennt il rodotus st 
alte Gottheiten Aegypttns (s, oben I. Th. p. 5tS. 
Hermes- Cadmilus aber erscheint ja im U 
rade so, wie auf äamoihr.ice als dienendes V\ 
weniger hat SaintecroiX ( Rechet ches snr Ic*. 
Pagan. T. I. p. 40 sec. edit.) Recht, wenn < 
thracische Religion s p \i t e r mit Acgyptiscl er und 
nictscher sich vermischen laTst. D.inn mußten die 
kannten Leute (aSSh) beim Scholiasten des Apolloniu 
917.) Tuehr Gewicht haben, als L'hei Um 

Acusilaus und andere tehr alte gelehrte G 
Doch gesetzt auch, die Z,weiwahl (wie \ 
die älteste Form dieser Lehre, so sind e* im inet 
Aegyptisch - Phönicische Wesen ( al> mannlkb« 
»eibliche Potenzen ) , wie unten dem lieber v» 
tergl. auch Schelling über die Gottheiten vor 
pag. 10 J. 



10 



grhcimnifsroil. Auch der ältere Acusilaus scheint dieses 
« ^ehannt zu haben (g. ebendaselbst). Wenigsten» 
lunnt er die Cabira als des Ncphnstus Fi au, auch drei 
Cabiren und Cahiridischc Nymphen. Hier haben wii 
ganz die Aegvptische und Phönicische Acht. Zwar 
spricht Berodutus nichts von einer Frau des Phthas, 
als (abirenmutter, und nach anderen Spuren ist dort 
>..n sieben riarieten mit einer achten Potenz die liede, 
die bald I'hthas, bald tsmun heilst : und auch den letz* 
leren nennen die Alten ohne Erwähnung einer Frau, 
die Cabiren gebaren hübe. Darauf hann geantwortet 
den: Wir haben von jenen Aegyptuch« Phönirischen 
i nur ganfli hurze Notizen; die A r t , wie die Ge- 
nealogie gedacht ist , bleibt uns unbekannt. Immer 
kennte also auch dort eine Cahirenmuttcr Vorkommen, 
mdrerseita \ d-nhe man sich Jenen Phihas 

und Sldvli in höherem Sinne, als Erzeuger aus sich 
selb?.! und als Mannneib (wie ihn Aegypt -i bannte)* 
und gehe m«n auch immerzu, dafs *\ic Pherervdische 
Vorstellung schon belfcnisirl si-v ; gleichwohl hann der 
HauptbegriiV jener A ah t zahl ?on Cabiren und Cahirinnen 
von den Pclasgern aul behalten norden teyn. wonach 
sie Ktierst große Plane tengötter und Himmels* 
in ch te waren , bald in dieser, bald in jener Cumbina- 
n gedacht , und , nach einer ganz natürlichen ldeen- 
folge , zugleich grofse Gewalten der Atmosphäre, der 
.c und des Meeres. Unter jene Combi naiioncn ge- 
hörte ohne Zweilei auch die, dafs bald eine Zweihcit, 
bald eine Vierzahl, bald eine D reih eil hervortrat, 
die n verdunkelte- urxl Dieust und Lehre ganz 

oder in höheren M^.teriengraden in Anspruch nahm. 
Aber auch jede ein/.elne Combine ÜOfl und Zahl ward 
hat wahrscheinlich htr sich wieder in verschiedenem 
Sinne, nach verschiedenen Lehravatomen genommen, 
io mochten i. D die Vier« bald vier trrolse Planeten- 



330 



gütter seyn , hehl die vier Klemmte , bald höchste dc- 
miurgische Potenzen. Die Zwei, die wir als Himmel 
und Erde kennen lernen, hatten vielleicht eben so noch 
andere Bedeutungen u. s. w. 

Dafs wir einige Hauptsätze urkundlich wissen, vei- 
danhen wir den Griechischen Erhlärern der Argonautica 
des Ap.llonius ( üb. 1 <<•-.). ]><>rt (Heilt uns dei 
schicbtschreiber Mnaseas selbst die eigeothümlkben 
men einer Tri. <s mit, wozu denn noch ein Untergott als 
vierte Person lmmmt. Jene Potenzen keifsen Axieros, 
Axiuliei s< s . Axiokersa , und der Untergott Casmilus. 
Wie die Griechen späterhin diese Wesen nahmen, wer- 
den wir unten sehen. Aus orientalischer Sprachforschung 
ergeben sich folgende sehr wahrscheinliche Erklärungen : 
Axieros ('A^Uftat;) heilst im Aegypiischen magnipotens, 
der (irofse. Mächtige, und es war niemand anders 
darunter gedürbtj als der mächtige P h t h a s oder lle- 
jthästus J "). Die zweite Person Axiokcrsos ('A^to- 
ztf'ffo«;) heifst niagnus ioeeundator , der grofae fic- 
saamer. Eb ist*Apr^, Mars, der als Planet im Aegvp- 
tischen Hertosi ("Ki-twoi) hiels, welches Cedrenus ( Hi- 
stor. p. i34») gerade so et 1; Li it. Die Idee des grofsen 
Fruchlbiinyers war in der Aegyplisehcn Lehre mit dem 
Planeten Msirs verbunden (vcrgl. oben IL p. 6.). Axi 
kersa (\\$töxe\>oo ) ist magna foeeundatrix, Sic ist 
diesem System als E r it c h t b r in g e i i ji und 'AtppoJtTij 
(Venus.) dem Axiokersos zugesellt. Zu dieser Trias 
kommt eine vierte Person hm/u unter dem Namen Cas- 
milus (K.a.Tue> <k |. Auch dafür glaubte Zocga im Ae- 
gvptiscbcn die Erklärung zu linden, und deutete: pe 
i'e e.t e sapiens, der All weise. tJockai t dachte 1 1 >> 



10) Nach Zofcga de obeliscc. p. 220. Bassini. 1. p. 0. v«rgL 
Munter Erklärung u. s. w. p. 30.- jezt in drn antiqnar. 
AbhamllL p.l«AJlF. t:wd JuLlonski Voce, Aegypftt p. 71 Sq. 



321 

/&O-0p (Cowniel), 'Welche* im Ebräischen einen 
Diener Gottes bedeutet. Der Begrifl ist diesen Vor- 
stellungen Tom dienenden Unter gölte ganz ent- 
sprechend. Auch hat neuerlich Munter, mit Bemerkung 
der Identität der Phöniciscben und alt - Ehräischen Spra- 
che , dieser letzteren Erklärung den Vorzug gegeben. 

< »riechen schreiben dieses Wort verschieden: Kä- 
p.Xüw, KaouiXos", KarVuiXu; und selbst Käüpo*. Die 
Bedeutung, was auch der Ursprung sey, bleibt unge- 
sweifelt. Es ist die einer dienenden Potenz, die 
im Ltrwrischen Hermes - Camillus. und im Etiuriscu- 
Buniischen Opferlinaben Camillus sich getreu geblieben 
ist, durch die Bacchischcn NY'ciben hindurch, von jenem 
njlhischen Cadmus her, der in Plumicien, Samoihrace 
und Bootien als der et ste Diener der grofsen Götter 

beint >i). 



llj Ich habe absichtlich den Tf xt d*r ersten Ausgabe hier- 
bei unverändert gelassen, veeil ich in den Anmerkungen 
und Zusätzen von den bedeutendsten tiiuercn Ansichten 
da Wesentliche mitlhetle» will. So hat , um vom Vor- 
liegenden zu reden, Schclling nndere Eiklarungtn dieser 
vier Samothracischen Gottheiten aus dem Ebräischen, 
und zwar seiner Ansicht dieser ganzen Leine gemafs, 
gegeben. Ich werde darauf »och unten in der fcurtfa 
Darlegung des Systems diese» Gelehrten zurückkommen. 
Hier bemerke ich nur kürzlich Folgendes: Ihm ist Axie» 
ros die Ceres , als erstes Principiuin , mit dem Begriffe 
der Sehnsucht. Bei den Name» Axiokersos und 
Axiokcrsa erkennt er in Kersa den Namen CercS 
iul.1) einer andern iWundart , von 3ftn aravit , das aber 
auch zugleich xuubern heißt: also Zauberer und 
Zauberin, De in iurg.an (s. p. 16, 17. 63 t. 67 — 73.). 
Was endlich die vierte Gottheit , Cadmilus (Kj'v.i'ci) be- 
, so widerspricht er der Behauptung von Hochart, 
und erklatt «Im Namen gaflS einfach, wie er glaubt, 
durch -*< "^"l von *Ö1p prior, antecedens, d. i. einer, 
der voi Gült Steht, IKiuld, Bote, Vet künder 

II. 21 



5l2 

Fragen wir nach der Bedeutung jener groftcn Tr 
so kündigt sich auf den ersten Blick alte Bliest« 
esoterischen Charakters an. Es sind lauter 
kosmogonische Potenzen, und das Ganze ist I 



Göltet , oder der das Angesicht Gottes siel 

minister dei (s. pag. 75 ff). Ich bin im Texte rnebr 
Erklärung aus dem Aegyptischen gefolgt. Wenn 
ling sich Über die Sucht beschwert, Alles jus den» j 
gyptischen erklären zu wollen , so bemerkt dojjcj;« 
ter (in den schriftlichen ZusiUzcn zu pag. 56 der 
Carthago's) , dafs solche Versuche hier, wo von Clb 
die R"de ist , im rechten Orte sind, da das Z' 
Tn'lüts von ihrem Tempel in Memphis (III. 
Symb. t. Th. p. 530.), die Beschreibung ihrer Gf 
denselben, und die vielen Aegyptischen M 
sowohl in den Sculptureu an den Friesen der Ter 
auch in kleinen Idolen aus gebrannter Erde , die 
halten haben , uns doch wohl erlauben , die N 
Ryptischer Götter mit Hülfe der Landessprache Wi 
ren , oder wenigstens eine Erklärung derselben tu 
suchen. Bei dreien, fahrt er fort , ist rs doci 
einen urisern Begriffen von der Samothracischen rle> 
angemessenen Sinn zu finden ; und wenn der •• 
to; noch nicht auf eine befriedigende Weise aus Armi 

i Ihm bat eniräthselt werden können , tol^t At 
Etwas gejjcn die Richtigkeit der Deutung Jener 
Vm\ u.ituin sollten die [Miönicier nicht A>. 
U-rnamen eben Po ijnt , als die Götter st 1 1 ■ s t uni«r 

aomniea haben? Wissen wir, wie frohe die 
1IH..LI den Dienst der Cabiren kennen lernten , ufld 
weit ku damals hinter den Aegyptiern zurückstanden,! 
ren Cultitr :>:ch in die Nacht der Vorzeit verliert? (1 
unten Note IS.). — Mit diesem 
sehen Weihen und mit dein CumilluS dei \ 
dem B*^>.lle nach völli? überein der M c i j 
Cabbatib'en. Schelling in der Note 72« pag. 76 
naher untersucht , und mehrere Xachwvtgusgta rn«r> 
gegeben, worunter auch Liscmnuiger'* entdeckt** Ji 
tbum II. p. 3DS. 



3*3 



lische* Dogma von der Welthamionie. Zuvorderst jener 
A\inri- Hepha'stos erscheint hier ganz in der Bedeutung 
de« Aegrptiscben Phthas. Er ist die erste Kraft» der 
erste Odem , aus dem die wehzeugende Zweiheit her- 
vorgebt. Er ist also der Vater der gröfsesten Götter. 
Daher können auch die Cabiien eben so gut Hephä'ste 
("H'fatcTOt) heifsen ; wovon sich bei den Griechen Spu- 
rhalten haben (Pholii Lex. gr. in KaH .). Sie sind 
Kinder und aus seinem Wesen hervorgegangen. 
Auch in der Iheogonie schimmert der alte Begriff «oa 
ibra durch ; ihn hat Here ohne Zutbun eines Mannes 
geboren (llesiod. Theog. 927.), oder, wenn auch Zeus 
sein Vafer ist ( üdvss. VIII. 119.) und Hcre die Mutter, 
ti ü diese doch seihst den lahmen , ungestalteten 
Sühn ins .Meer herab, 110 ihn die See gut 1 inn e n The- 
d Eurynome in ihrer Wassergrolte bergen ( lliad. 
I. 3o,5.). Beim /.«eilen Sturz aus dem Olymp neh- 
ihn die Sintier auf Lemnos auf ( lliad. I- 5go.). 
'•r Aegyptiseho Begriffe vom Beugenden Feuer, 
der zeugenden Warme der Sonne , wie nachden- 
kende Hellenen wufslen , die auch das Hinken aus des 
Feuers Natur oder aus der schiefen Sonnenbahn zu er. 
tiUien suchten (dies zeigen die Excerpte bei Job. Lydus 
de mens*, p. io5.). Freilich mufste der alte Phthas, so 
lieh der Griechische Mythus einmal seiner he «nach* 
kalte, in eine Mehrzahl von Personen sich zerlegen, 
und einfügen lassen in mehrere Genealogien. Da war 
der eiste Vulcanus Sohn des Colus und der Uemera, der 
zweite, Phthas, des Nilus Sohn, der dritte, der Lern- 
iier f des Juppiter Sohn, wozu dann der vierte, der 
6ieilische , kommt u ). 



12; Cicero de N. D. III. 22. nebst meinen Remf tktingen z<\ 
dieser Stelle p.5<ySsiiq. Jo. Lydus de mens*. |>. 105. Btim 
Letzteren mufs in den Woritt» vom Leninschen tlfpliä- 
afns Kjcv.äav corrigiu werden. dlfdoeh nennt , *lc ul\ 



5a4 

Unter dem hohen Walten jene» Axiuri vernen» 
•eine Emanationen , die zwei andern Machte, «las 
Zeagangswerk. Die Samothracische Lehre g 
Axiohersos(Mars) die Axiohersa (Venus) zui ordenfh 
Gattin — eine Y orstelltmg , die die alte Hiidnci 
behalten hat. Immer stellte sie Mars und Venus in I> 
peln , wie in Lectisternicn zusammen. In ihm lr 
»uog ei zeugten Mars und Venu» die Hanoonia. 
StTeit mit der Einigung gegattet bringt du* IfaH 
Ordnung hervor. Das mir kein anderer S»tr. •>!*' 
des Empedncles von vtlxo^ und von tier q-i'ß.ia ; und' 
der Jonicr llcraelitus durch seinen prägnanten Spr*e 
* der Streit ist aller Dinge Vater v , ausgedn 
das halte jene Priesteriehre von Samothroce in «he 
'J heomvthie nipder^rlegt ,3 ). Das Dogma gl 
in die Orphische Theologie über , und von hiei 
Itatucn es jene Philosophen , die es bis in die späte 
Schulen weiter fortpflanzten, wie die Stellen des 
tarchus (de Isid. p. 370.) , des Ileraclides (Allegor. 
mcr. p. 206 Schow.) uud des Pxuclus ( in Piatun. 
p. i.'i~.) /.eigen. 

Wahrend die grofsen Gottheiten wirlien, und 
Wahlordnung der Welt, die Harmonia, erzeugen, 
eine vierte Person als Diener geschalt ig. I 

, bei der Umarmung des Axiokcrso» und der 
lnuBa, triff wieder jener Gigon hervor. Wir 
ihn schon i»ls den freudigen Tischgott oder alt 
i .i 11 z e r. Hier, als Ministrant (äidxovot,) des Bc 
mers Axiohersos , wird er der Lacher und Sp< 
red ne r genannt (Cyrillus Lex. inscr. inTifop 



mm Cicero p. 600, bemerkt habe, der — li 

sein vt-r -lümmelte AmpeJiut, auch den Vulctn einen 

des Saiurnui. 

13) Veigl. meine Briefe über Homer und Hesiod p. tfiP. 



ad Odjrsr, XX. p. 1880 fm. vergl. meinen Dionysus 
.). Er beifsf dort ein aphrodisischer Dümon, der 
lars bei der Umarmung der Venus förderlich war. 
llt Mysterien haben solche scherzende Minialrantcn. 

ien jene Hauhn und Jambe, un J die Dionysieu 
ten Siienus , aller bedeutsamen Ironie stets hei- 

r. Wenn die H^rmonia geboren wird, wenn 

it nnd Einigung 1(i ) der Krst'te den herrlichen 

ans der Tiefe wirken, und das Gesetz der Srhön- 

icr der grof&eJI Ordnung waltet, dann spiegelt 

;r Dc-miurgus wohlgefällig im gelungenen Weihe, 

lick erheitert sich, und das Frohlocken der guten 



Justathius zur Odyssee VIII. 2J$6 sqq, p .110. 1.3t sqq. 

1. Busil. fuhrt Über jenen Mythus im Ibminus des Etil* 

leg Meinung so an: «t»f 4 Euit*5sk/^ ibl£*$sv «v; «ff 

ri httttn i yrfv««r/v, luv 7*n vßiAr'<2$ f*iv vu" 

tTjt, 'Atp fo iir >ft, ttai tc-j ' A f s ; f*'£»s t3»buvtu.v cc*ff 

roG Ö! vd'zov;, 17 f H Si^ixov hjffit, OVTtvv • »f ? 

. alr/B« t . e 3<ii rcj 'fltpztWo'j c uiQacjtTii , v.7/ 

üv n-v 'A^rc^f-rs-v, a'AAä -//i' v .tuv rj retour^ At.'- 

5 tfrr'p put«) 7f.f>ui;. Man vergleiche Empedoctis 

Fragmin, vs. 203 sqq. p. 522 ed. Sturz, und dessen Note 

Eustathius ahor fahrt nach den oben auRgesr.brie- 

snen Worirn unmittelbar fort: f*ö v.a i xß^aßxj*f^ 

urii räv eu^ttviarv y 'AvpfcSi'r* v.n r>; trat 
rrwv vf^A/a >taJ avas-ic • «jA<eu yz^ ^pa^/v tyyuc ouffa v.^i ■ 
'Ä*^«7 Ltiv tov Bvoavdv tüy.^-iti-rz, , Mi&wfft li - 
i s. Julian! Orat. IV. p. 150. B. Spanh. Oar- 
< ill Eu*talhius noch eine Erklärung vom astro- 
seh e n Siandpnnktc mit, wie nicht umiger vor und 
Ansichten derer unter den Alten, die, vom 
liirend , in der Fabel der ganzen Odys- 
•** t rungsgrund dieses Mythus suchten , wie 

* R. Mi darin eine vorläufige Andeutung der Bestrafung 
W Brtiei durch Ulysses zu suchen sey und dergl. Jede 
Auslegungen ist wahr , w i e j e d e r G r u n d m y - 
1 in der Totalität verschiedener 
"Wilunitn vollendet ist. 



SiG 



Götter verkündigt die Vollendung de« groften Sei 
fun^swerhs. Hier, bei der Hepha&teischen S 
(TTQir,~ri$ r,fp<xifrxo rtvxro.) , liei^t «1er »ruf?« fr'rol 
und Lacher Gigon. Wer war er? Den 
der Aegyptische Herakles , $.n beifst Dionvsus, s 
auch ein Aethiopischtr König genanu 
in rV/tift.;, vcrgl. Slppbiin. By«, in r^eno.). \i 
es eine Incarnttion au*, dem Göttcr*ystera 
gvpu-n und Aclhiopien her; ein dem grof>en I 
Hertriäi (Mars) beigegebener Ministrant. Mit Einem 1 
r* isi der Saraothrac.ische Casinilus. Dort v 
Folgendes von ihm : Jlcnhästos - Axiuri hatte ihn 
mit der Cahira, des Proteus und der Ancb 
trr, ersscagt. So genealoglsiren Pherc-cnde*« m4 
hUus in den oben angeführten Stellen. Zunächst 
ttii ihn die Giiochen Hermes. So erklärt I 
rus (SchoL Apollon. 1. 0,17) ganz im Geiste der A« 
tischen Lehre. Dort hüben vir diesen als di> 
Jicirte Intelligenz und mithin als den natürti 
Diener der schaffenden Götter kennen gel 
dient und hilft, in erster Ordnung, dem ho« 
Sei öpfer Phihas , wie er dem Bei Hronos der PI 
dient, und der Baallia znr Seite steht. I-.r dii 
weiterer Unterordnung, dem Osiris nnd der 
wandelt zu ischeu IJimmel und Erde auf uud 
die vermittelnde Gottheit. Fr war der g< 
Gadmilus. Dafs er unter den Saroothraeischen 
verschiedene Namen , aiifVer diesem, hatte, zeigt 
andern ^rin dortiger Titel: Imbromns, von der 
eifidu-.: Insel imbnis (Sti-pb. Byz. in M 

gyptitr gesellten ihn auch dei Luna (Bubestis) au, 
nach andern) Ausdruck : Hermes hatte im Monde 
Sit/. (Pintarcn. de Isid. pag. ibj.). I>cr Luua 

• 1 1 als Saa m e nt r ä'g 
frucht baren M u tter. Darauf spielte ein 






5^7 

an: Herrn« wollte der ßubastis-Lana Gewalt anthun. 
Da verwandelte sie ihr Angesicht , und erschien fürch- 
lerlich als zürnende Brimo. Das ist der Hermes itby- 
phalHcos, «cufns obscoentns excitata natura traditur, 
<|uod adtpcctu Proserpinac coramolus sit» (Cicero de 
N. D. 111. ?.?.. vergl. Etymolog, magn. in Bpi(i<»>). Ich 
habe neulich zur Ciccronischcn Stelle (p. 604 s«]q.) eine 
Reibe von Zeugnissen gesammelt , worauf ich mich hier 
der Kurze wegen beziehen mufft. Hier wollen wir nur 
jene« Veihältnifs von Mcrcurius und Proserpina und die 
dadurch angedeutete n Ideen verfolgen, wie letztere in 
jenen Zeugnissen vorliegen. Da fafste nun vorerst Plu- 
tirchus (de J'ac. in orb. tun. p. q43 B. de Isid. p. 367 D.) 
;em itpbs'Xüyoq den Hermes als solarisches Principe 
oder als Sonneninti'll igen/. , und die. Prosevpina als Mond, 
in der Art, dafs die am Monde sichtbare Hegel und Ge- 
setzmä'fsiglieit als Folge der Conjunttion des Mercur mit 
dem Monde vorgestellt wird. Was der Mond thut , ver- 
räth Vernunft und Gesetz. Dieses Gesetz bat er , an 
sich dunhcl und gesetzlos» erst vom Hermes, als dem 
Sonnengenius , empfangen. Porphyrius (»p. Fus?!». Pr. 
I v. III. p. 114 Colon.) verbindet gleichfalls den Mercur 
mit der Sonne und die Proaerpina mit dem Monde, fnl'sr 
aber jene Verbindung des Hermes ithypballicus mit <i 1 
Proserpina Buna nun schon weiter so, dafs jener die 
männliche Kraft, die besaamende Kraft , aher auch die 
Intelligenz bezeichnet. Er tbeilt der Proserpina nicht 
allein die Befruchtung mit, sondern auch den Bildnngs- 
Ifieb und das Bildungsgesetz ( ant^nxmoi, küjoc, ) ; und 
dadurch, dafs sie das Gesetz empfängt und in sich ein- 
bildet, wird es nun ein gemeinsames Gesetz {aiv^fxoi; 
Xöfoc,). Plotinus (p. 39».) nimmt den iEpb$ Xöyoc noch 
•iseller. Ihm ist Hermes itbyphallicus die Idee, 
Form (eldoc) ; Proserpina Luna die M a te r ie (^ irtp<x 
1. Jene allein, sagt er, ist fruchtbar; diese ist 



unfruchtbar. Milhin imifs Hermes (als personifictrte 
Form) immer männlich kräftig zum Zeugen aufgelegt 
sinn , weil sonst die Materie in die ihr an^eborne Form- 
letigheit zurücksinken würde. Auch davon enthielt der 
Mvlhus sehon die Andeutung. Als Meiern- sich der Luna 
näherte» so entrüstete sie sich, und suchte sich durch 
die Flucht zu entziehen. Das war die zornige Proser- 
pina-brimo (B^ip , Elymol. magn. Tzetz. ad Lycophr 
vs. 6o,8.) , womit die Allen die dem Monde angehöre 
Halte und Finsternifs und die der Materie eigene Form» 
losigbeit und Neigung zum Ungeregelten , bis sie von de 
Form überwältigt wird, andeuten wollten. Beide, 
Vereinigung gedacht, stellten nun die dem Monde und 
der Materie zu 'J heil gewordene Besaamung und Bildung 
dar, oder den Befruchtung*- und Bildungatrieb, in so 
weit er endlich von dem bewältigten Theile realisirt 
wird, das ingcncrirle Gesetz. F&fsle man in die- 
ser mystischen Ehe den weiblichen Theil als Aphrodite« 
und personificirte man diese Ehe selbst durch die Ein- 
lioit des Leibes, so entstand die Idee des 'E^uae^riAiTnj, 
welche Idee nun auch Mieder ph\sisch und ideal gefafst 
ward. Nach der physischen Ansi-.bt war Aphrodite 
Empfängerin und Bildnerin des Saamens; ideal war sie 
Empfängerin des männlichen Gesetzes ; sie bildete das 
empfangene Gesetz in der Wirklichkeit aus. Herrn«] 
dihff m.ii il.ihir ein alles Symbol der Ehe. Es hii 
in seiner Capeilc zu Alben die Wittwen den Todteaä 
hranz auf ( Vlciphron. Hl. 3". p. 119 Wegner.), womit 
Tcrmutbiit h bezeichnet werden sollte, nunmehr sey die 
Ehe, wovon der mannweibliche Genius das Bild war, 



aufgelöst. 






liier erscheint eine Seite des Hermes durchaus 
wie sie Scbelling unter den Samothracischen Gottheiten 
telu richtig aufgefafst hat, nämlich: « als das Natur und 
Geister weit vermittelnde Wesen » (p. 28.) , und der ?on 



(ilhyphallicus - 
larischcs Piineip ) 



329 

•ns entwickelte Itpbs Xöynq kann dazu als Bestätigung 
und Ergänzung dienen. Genealogisch stellt sich du« 

.-.e su : 

Coelus w Terra = Ceres 

| ( 's. Dea, Di», &r,ili « ) 
Mereurius w Proscrpina 

(lunarischcsPrincip oder 
Ädeipa, nach Einigen des 
Oceanus, Tochter ; Pau- 
san. 1. 38. 7.) 
E I e u s i * iid'o« 
(oder Bonus Evcntus, Prorenlus). 

Ph«lli«che Svmbole und Gebräuche fanden also in den 
Religionen von Samolhrace Pitts, Denn auch Herodo- 
tos (11. 5i.) sagt, SaCs jpner Hermes ithvphalltcus in den 
Samoihiacischcn Mysterien seine Erklärung erhalle. 
Auch noch Büotien wurden diese Bilder und Gebrauche 
ton dorther verbreitet; was man dort einem M ystago« 

Melh«*pus zuschrieb, und mit dem Diensie der Ceres 

idung setzle < Pausan. Messen, c. 1. §.5. Boeot. 

«5. §. 6.). Aus vorliegendem Beispiele veimulhen wir, 

djf» man ihnen in der Cabirenlchrc /um J'heil einen 

nojotschcn Sinn unterlegte, mit Beziehung auf lu- 
narUche Kräfte. 



15) Von dieser Verbindung (ab es wieder einen it^s Mf;. 
Juppitrr (wofür Andere Cofdu* setzten) hatte die einem 
Widder genommenen Teslikeln »ler Ceres in den Schuois 
jtwnrfrn, und sie damit befruchtet (Clem. Alex« Cohort. 
p. ti Pottcr.), d. h. der Himnul hat im W idderrcichen, 
im Irülijahre, die Erde befruchtet. Aus Herodotus (II. 
5\.) Mfiaaen Wir f dafs diese beiligafl AlleRorirn , die den 
Hermes angehen , in den Samoihracisc-fren Weihen erkürt 
wurden; und der Widder, dieses «lern Mercur eigenthum-. 
Thier, kommt auf den Münzen von Samotbrac» 
v ir (a. Bckbel D. N. V. H. pjg. 52. und Paync thüght 
sjmbol. lang. $. 200. p, |6J.). 



35o 

So pflanzte sich von Samothvsre aus jene alle G3t- 
tei lehre zu den Griechen fort. In den Tempeln blieb 
noch lange viel Alles, und selbst das Epos konnte die 
ursprünglichen Zuge nicht verwischen. Das Cadmeische 
UouliVn behielt besonders noch Vieles bei, wie die Ce- 
res Cabiria zeigt, wovon nachher das Nöthige bemerkt 
Herden soll, so mich die Venus alten Stritt «Von 
«Irr Venus, erzahlt Tansanias ( Boeot. 16. §. 2.), haben 
die Thr baner so alte Scbnitzbilder , dal's *ie glauben, 
llarruonia habe sie der Göttin geweiht, und erzählen 
dabei, sie wüten aus den hölzernen Schiffsschnäbeln des 
Cadinus verfertigt.» Auch jene mystische Genesis 
schimmert noch im Epos durch; aber sonderbar — mehr 
bei Homerus als bei Hesiodus, der doch sonst das ältere 
Itedoutsame wieder etwas hervorsticht. Doch gab man 
auch von diesem Vcrhältntis, nach welchem Ares nur 
der Buhle , Ilephastos aber der Gemahl der Aphrodite 
ist, eine pbvs'iM h>- Ijl.lhiur:^, nämlich diese : Aphrodite 
ist der schöne Lichtschein des Feuers (des Feuers Diu me, 
dibu< 7iT|joi). aber auch dei -Glanz der metallenen Hunst- 
arbeiten des Hephiisto*. Mitbin ist Aphrodite dem He- 
pb.'istos eng verbun.len ( seine G a 1 1 i n ). Da das Eisen 
( Aics ) aber am wenigsten Glanz und Schönheit zeigt, 
(andern nur in einem geringen Grade gelallt, so ist 
Ares der Aphrodite nur heimlich beigesellt, und ent- 
r«ir*l ihr nur verstohlen Etwas von Ihren Beizen (Flu- 
stalhius zur Odyss. VNI. 266. p. 3oo. 1. /|o sqq. Basil.). 
Hesiodus nennt zwar acht Samutbrscisch Ap'u'odite die 
Gattin des Ares ( Theogon. u23. vcrgl. o/p-)» gedenkt 
aber ihrer Verbindung mit Hcphästos im:bt, dessen Gat- 
tin er Aglaia nnmt. In der lliE.de bat Uephästus die 
Charit zur Frau (Will. 3Ü2.) ,f ) , welche doch in der 



16) 5. Jlug Über de» Mythus u. s. w. p. 251. 



Sfti 

0«Tvfsec A phrodite hetfst. Dies veranlafstc die Cho- 
riz.jnten, beide Frziihlungeii verschiedenen \ erfassern 
Buzuschrcihen (Heyne ad lliad. XVIII. Afo.). Werfen 
%»ir nun einen Blick uuf das Mährchen des Sängers l>e- 
iixtdocTis in der Odyssee (VIII. »66 IT. i7 ) , so entdecken 
unter der leichtfertigen IltiJle noch immer viele lleste 
rr ernsthafter Lehre. Ilephästos, der das ehehreehc- 
rüche Paar Ares und Aphrodite in verborgenen unsicht- 
Bfl Hetzen langt und unbeweglich fest halt, ist noch. 
"ier der grofse Feuergott Axturi, der Allmächtige, 
-einem Odem Alles was lebt und selbst die hohen 
schattenden Potenzen tragt und bewältigt halt. Her spä- 
hende und verrätherische Helios hönnle auch vielleicht 
au HeraMes als Sonnenincarnation erinnern , der in 
i>ten als Gigon höheren Mächten dient. Audi Po- 
seidon, der den gefesselten Ares losbitlei, ist noch 
licdeutcnd. Ganz bestimmt aber erscheint Hermes, der 
h naiven Spafg die unsterblichen Götter lachen nacht, 
als jener lustige Scherzredner Gigon, als hei- 
Casroilus, und, nach dem Inhalt seiner Scherze zu 
den, als Hermes ithyphnllicus. Hern Dcmodocus 
hatten ohne Zweifel andere Anden nachgesungen. Da 
wurden andere Symbole weiter episirt und mythisch ver- 
anddt. Eine Spur ist noch übrig in der Geschichte von 
jenem kosmischen Seh ich sa I »bände. Et ist das 
Baisband, das Hephastot aus Hafs gegen die Frucht 
Ehebruchs, Ilarmonia, verfertigt, worin er allen 
I n^Iiickssaamen gelegt hatte, und das allen seinen Besitze- 
rinnen , der Uarmunia, Friphyle, Jorasla, Semele und. 
i, verderblich ward (Apollodor. 1. 9. i3.) — Sagen 
uten Thebanischcn Königshauses von Samothiace 
hei , ein reicher Sloll für die Tragiker, wie Suphuclei 



-. die oben in der Nute 14. angeführten Stellen des Kni- 
jn.doclts und Julianus. 



55a 

Eripbyte zeigte, and für die Dichter derThebaYden , nie 
vir noch aus dem spaten Statins sehen (II. 373.). L'ebri- 
gcnt> Ionen wir die Snmotliracische Venus auch noch in 
einer andern Oomb'nafion kennen. Planta* (ILN. XXXVI. 
4. -.) spricht vun der \ enus, von deniPothos und Phac- 
thon. die Scopas abbildete, und die in Samothrace hoch 
verehrt würden; vielleicht Mar dies Lehre einer der Or- 
phischen Schulen. Auf jeden Fall ■war wohl Pbaethon 
kein anderer als der Licht Ininger Axieros, Venus, Axio- 
hersa , und Pol hos war der dienende Dämon Eros (Amor), 
wie ihn auch Plalo hennt ,s >. 



18) Vergl. auch Saintrrroix Recherche! e»c Tom. F. p.42?q, 
sec.cd., welcher gleichfalls den Phaethon für Axieros, 
die Venus für die Axiokersa und den Pothos oder 
Cupido fttr den jungen C a d m i 1 a s nimmt. Silvcstre de 
Sacy bemerkt zu dieser Stell? , dafa freilich nach einer 
\ ttgleicbmig ch?S Plinius mit Pausanias (Attic. 43. §. 6, 
welcher versichert, die Statuen des 't\.w; , quqa% und wlffafg 
von des Scopas Hand verfertigt, gesehen zu haben) die- 
selben Statuen ohne Zweifel zu verstehen seyen , wiewohl 
es schwer seyn mochte, die verschiedenen Namen in 
UtbereilMlimmung au bringen. Die Verbindung des Po» 
thns mit dun <',«•; de« Pausanias , die ich angenommen, 
Bndet er weniger zulassig , weil Porhos der einzige von 
beiden Schriftstellern zugleich angeführte Name sey. — 
Auch Scbe-Iliug { Über die Gollh, von SdUiolhi . Note hJ. 
p. 60 If.) widerspricht der Ansicht von Saintecroix , wie- 
wohl hiuwirdernm Sacy die von Schelling vernichten 
orientalischen Etymologien für die Worte Axieros, Axio- 
kersos, Axiokersa und Cadmilns um so weniger netflau 
li li findet, als in den drei ersten offenbar ein Persische! 
Wort, das man mit Unrecht für einen Theil des Namens 
Assueris gewöhnlich betracht* , mit enthalten aey^ Nicht 
weniger glocklich aeyen die Etymologien, die Zoöga und 
Müntrr aus der Koptischen Sprache versucht hatten. 
Ohne hielt eine bestimmte Meinung über einen Gegen* 
Stand, de» K nicht hinreichend untersucht habe, zu er« 



$. 4- 

Aufeer jenen grofscn acht Mächten an d dieser Vier- 
ealil ist auch Ton einer Trias in den Sauicthiacischen 
Hysterien die Bede. Zwei Corybanten, auch Ca- 
ll iren genannt, so lautet der ttph± Xöfoi , ersehlugen 
ihren Bruder. Sie wiebelten seinen Kopf in einen pur- 
purnen Schleier, nachdem sie dessen Schläfe mit einem 
Kranz umwunden hatten, fegten ihn aut einen ehernen 
: dd und begruben ihn am Fufse des Berges Olympus. 
Die Vorsteher der Mysterien H'ufsien zum Theil noch 
mehr zu eiznhlen. Die beiden Brudermörder legten 
das Zcugiingsglicd des Erschlagenen in eine Kiste nnd 
trugen sie nach Tyrrhenien (Clemens Protrepl. p. i5 stj. 
Potter.). Der erschlagene dritte Bruder , deutete man, 
▼»ar D i o n y s u s. l>ie Bewohner von Thessalonich be- 
teten mit blutigen Händen zu ihm, zum Audenhen sei- 

blutigen Todes (Julius Firmicus de errore profana- 
ruRi telisienum cap. ia.). In jenem Mythus erscheint 
er als dritte Potenz, als Incarnution , mit dem Schichsal 
des Osiris. Darüber ein Mehreres im Verfolg. Ohne 
Zweifel war er hier als (.adrnjlus , als dienender Golt ge- 
dacht, so nie »Xr ihn in den Ceresmysterien als den Ge- 
nius der Demeter kennen lernen werden. Auch hennt 
ihn Cicero n ) unter den Cabircn , als Sohn des Cabirus, 



lau heu , glaubt er jedoch in der Anwendung , die Sainfe- 
croix von den Gottheiten des Piinius macht, viel Will« 
ktthrlichea gefunden zu haben. Vielleicht wäre es rich- 
tiger , vom den durch Scopas dargestellten Gottheiten den 
jungt n Cadmilus auszuscbliclksn, und die .Namen des IMi- 
und Pausaiiias auf Axieres, Ax.iokerj>os und Axio- 
kersa anzuwenden. 

19) dp Ntt. Deor. DI. 2t. p.587. und 23. p. 6f8 uns. Ausg. 
In nV» ei lle nannt Cicero (nach HemstefhuBius 

\ Litcascrung) aU die drei traun Aojtoea oder Triigu*- 



wie auch unter den Attischen Anares oder Tritopatoren. 
Ihm zu Ehren, sajt er, werden Cabirische Feste becftM» 
Mcht weniger hoch stellen ihn Andere. Sie sag- 
ten : Zeus i»t der erste Cabirus und Dionvsus der zweite 
(Schol. Apullon. I. 917.)* Diese zwei nannte man die 
alten Cabiren. 

Von der Zweiheit Cabirischer Wesen ist ein 
Mehrere! zusagen. Dals auch diese Coonbioatioa uralt 
v. nr. läfat sich nicht bezweifeln. Aber wer waren denn 
die zwei? Was die Griechen zum Thcil darauf antwor- 
teten, haben wir so eben gehört. Es fielen noch meh- 
rere Antworten und sehr verschiedene. Nach Römischer 
YulUsmeinung zu Varro's Zeit sollten es eben jene J)i <■-- 
euren seui, d.i. jenes bewaffnete Bruderpaar, die der 
Homer auch bei «»ich als hilfreiche Mitstreiter kennen 
gelernt hatte bei verschiedenen Gelegenheiten und am 
Hegiflischen See. Das laugnet aber Varro geradezu 
(de L. L. IV. 10.). Der Widerspruch ist dieses gelehr- 
ten Mannes würdig. Alte Cabiren auf Samothrace 
sollen doch, wie wir wissen, Aegyptischcj Wesen 
sevn. Nun halten aber die Aegyptier die Dioscurcn 
nicht unter ihren Gottern , bannten auch ihre Namen 
nicht So verMt-hert Herodotos (II. j3.) ausdrücklich. 
Das heifst mit andern Worten so viel : Wenn von allen 



loreu , Sohne des Zeus, des ältesten Königs und der 
Proserpiua, den Zagreus, E u Im I c u s und DI OBJ« 
I n - ; s. «Ids daselbst Bemerkte. In der .indem Melle 
töricht Cicero von einem Uionysus, und rw«r 
fi-i'ii, di in Coline des Juj)pittr und der l J iot>eruina ( s. 
Dü^ ibtus) ; f» 1 uer von einem dritten, einem Sohne des 
C :i h 1 ru 9 (nach Gronuvius Venniii huag , welchem ich 
geMgt bin), Königs von Asien; ■. a. a. Ü. pa{j. 6»s und 
620. in den Noten. — Als die zweiten Dioscnren nennt 
er die böhne des Zeus und der Led« , Cattor und 
Pollux. 



535 



Gottheiten Aegvptens und Samothrace's die» Perle ist, so 
•oll man jene Tyndariden Castor und Pullux verges- 
sen, als menschliche Heroen, als W allen In üdtr , mit 
ihrer menschlichen Bildung und mit ihrer mythischen 
Volksgeschichte. Die- T) ndariden, sagt Sextus vortreff 
lieh (advers. Math. IX. fk b r i-j sq. Fabric), hahen siel 
in die Eine, die die Dioscmen von Alten her ah Güt- 
ler genossen , eingeschlichen. Auf diesem richtigen Ur- 
tlieil können wir fortbauen. Das frühere Alterthum, 
r, naiver Ansicht, dachte «ich die Welt in 
Hemisphären getheilt, unter dem Bilde eines hal- 
es. Die obere Halbkugel, als das Brich de« 
Zeus, ward den DtosCuren sugfAheift! Daher iht 'Maate 
■ Kinder. Daher ihr« mythische : ct ( .r/ij,u« , d.i. 
ihr abwechselndes Lrscheioen nnd Minabsteigen in die 
PC llemisjthare, oder in das Reich des lindes ( Joh. 
s de menss. p. 65. ), und daher der Ursprung des 
ii Mythos Tora Ey der Leda und von ihren mit «lein 
■ine Zeus erzeugten Kindern. Jenes alte Cabiren- 
paar von Samothraee waren eben diese zwei Dioscuren. 
\ arro's ausdrücklicher Versicherung waren dies 
die Römischen Dii potes, die von Sämoihrace 
nach Etrurien gebracht winden, wie wir zunächst an« 
sahen. I's sind diegrofsen Götter, die starhen 
Götter* Aber auch ron ihnen wichen 
Vorstellungen unter einander ftbj nach ge- 
meiner oder höherer Lehre. Dai zeigt Varro selbst. Er 
pennt sie Himmel und Lide, aber auch Leib und 
Seele, ingleicbcn das Feuchte und das Balte. Aber 
auch in holte rem Sinne hatte sie schon das uralte Biie- 
•terdogma gefalsl. — Sclton der alle Creter Epime- 
nidea, der die Geburt der Cureten and Cory hallten be- 
sungen, hatte sie aL männlich und «ei blich vor- 
gestellt und als zwei grofae l.binUehe Potenzen. Der 
muunlii.N Hioacurus war ihm dei Acun , ttt Monas; 



536 

das weibliche Wesen war die Dvas oder die Natur; 
denn aus Einheit und Zweihcit sey alle Thiere und Ser- 
ien zeugende Zahl hervorgegangen ( J. Lydus de menss. 
p. 6*}.). Hier ist ganz unwiderspi ertlich ein Satz, philo- 
sophischer Zahlenlehre an die S.nnothratische Religio* 
angeknüpft. Den Unterschied der zwei Geschlechter 
kennt auch Varro an den zwei alten Cabiren. Sie Ma- 
ren also die ersten Gründe alles Daseyns, sie waren die, 
durch die wir leben und sind. In diesem Sinne identi« 
ßcii le sie der Romer mit seinen Penaten. Sie sind die : 
per quos penitus spiranins. Cassius Hemina (bei Ma- 
crobius Saturn. III. l\.) sagt ganz bestimmt: die Dö'mu 
sehen Penaten seyen keine andere als die Siunothraci- 
seben Güller. Derselbe Begriff lag auch in jenen Tri- 
topatoren oder drei Vätern und Ersten Erzeu- 
gern, wie die Alten sie nannten. 

In Athen hiefsen sie Ana cos «der Anactes, 
Besorger, Vorsteher, I\ egentun *>) , und die 



20J S. was ich jezt nun Cicero de N. D. a. a. O. p. SWS. be- 
merkt habe. *AMtMt ltief»en n&mtich vorzugsweise zu 
Athen die Grltler, welche insbesondere die Sorge rU 
Staats- und iVivaMugr legi nhehen der Athener führt« 
Einigt bezogen dies auf die Unternehmung und da 
gegen Athen , wobei die Dioscuren eine vorzügliche MjI 
und Göle gegen die Bewohner Atbca's gezeigt hatten: 
Tzrtz. ad lliad. p. 69. Daher ihr Tempel tu Athen \ 
tum oder "An'arcjov hiefs, wiewohl letzteres ein gemett 
Sanier Nunc aller Tempel ist, besonders der FJensini 
sehen Gottheiten es. den vierten Th. p. 359 erst. Ausg.). 
Detl NaUMN des Wortes leitet man ( vergl. Spanheini *d 
mach. Myinn. in Jov. 79. und Schilling G<>ttl>. 
ilu. yi{. ;»7.) .ius dem Ehräischen O'P-JV ( AiKiknn, 
V. H. Mos. I. 28.) her j obgleich die Gi n Er- 

klärer such tlir diese* Wort eine l-.unn 1. SU! 

Bprsohe aubSumUteln wissen f von f*«* , oben). Bedi 
irnder iii , dafa eben dieselben in jenem Wort« dt« 



537 

ptltbl , in den* iie unter diesem Namen erscheinen. 
. ebenso, wie im obigen Mulms von den drei Samo- 



ilrtifjclte Bedeutung von $*c$ , fli?,)^^ und c/V.&3«TTcnje, 

>, die bei Cjqero angttubriru Stellen. - Inder 

heu St< Ur von den drei \orvatcm zu Athen 

<nuilich Tiü. Jhletnsirrliuw : Trilopaiorrs, 

rtus, Cuhuh-us , DionyMis Ich habe dieser-Con« 

auch Beifall gegeben , wie viele Andere. Schilt* 

list in den Text >iiij\enoininen. Seitdem ist mir 

Doch eine ander- V ernuithung von einem rneini r Freunde 

'.iiuniiMi , Mf n n I t.ii 1 1 1 V\ v'ir Im Friedrich II 1 1> k in 

lieh schon .anderwärts als Kri- 

iniirl hat, niiU;elliei](. f» h füge seine eigenen 

: „Zugrrus Wim nirgend« ein Triiop.t'or ge- 

.1 , und m in symbulischer Ht- ^1 iU* eines strrbmden 

i> paßt ..iich gar nicht zu dein UegrifFe der Tri« 

inien, worunter sich die Athener nnch Philnchorus 

! Phanodemus ilire Altvordern dachten , ans denen 

ist entsprungen sind. Das sah l lemtderhuis gutg 

,,dai- Worte Tri(np;tireus cm Ttiui|U- 

„lorts und tni um desselben Laut«;» willen «usgeialle« 

1 Wort liege. Dieses nun scheint mir ,. slait Zagreus, 

l 1 |> toi ein us /u styn , welcher ja c hier derStamm- 

hens war und du 1 Binder des E u b u leut (des 

,, andern TriropMton nach Orpheus bei Pau*an. I. !•!. 2. 

beiden wird ein Gott , und zwar Dionysms der 

teuger , 4I3 der dritte beigegeben 4 denn otiue den 

optier wird kein Volk erzeugt. Schlangen , da-. Sinn» 

> Lebens , wurden an den Wagen des Tritopa- 

riptolemus gespannt ( Pausan. VII, m. 2.)} so 

>t wie «ler andere Tritoputor JJionyHi* von Zeus in Schlan- 

^aj-Milbrm und von der N'alurgolliu Persephone erteilet 

,, worden. " — Aber eben dieser Sohn der Pers> phoua 

Zagreue ( s< Symbolik llf. p. .U7 ff. erst. Ausg.), 

kann man einwenden. Auch ist Zagreua wieder aufgelebt 

in fiocin l)ionvsiis (g. ebendaselbst pag. i">* }, — Diese« 

and A ! > noch erinnert werden. IVswegen 

-irfeiunige Coujcctur eines freundet 

'•"• i i ' • . 



I. 



72 



thrncischcn Brüdern, zu erführen', d.h. einer Mar ihnen 
als Camiltus zugeordnet. Dafs sie im Ursprung nnd er- 
sten Begriff identisch m*t den Samn, -{meiern sintl . zeigt 
Alles-. Das wufsten nach Pausania* (Phocic. C6p. i{J. §.3. 
eu Ende) die Einsichtsvolleren iyiicr den Griechen. Man 
achte nur auf den Einen Punkt . dai's hier der drille 
Vater, wie dort der dritte Druder, immer iJimv- 
riis heilst. Darum nannte man sie auch die ersten 
Dioacureil, die dem »weiten Paare, den Tv ltdariden, 
aild dff dritten Reihe, die -wieder aus dreien besteht, 
-vorangestellt werden ( s. Cic. de N. I). III. 91. pag. ÜO7. 
n'tcli der Verbesserung von Tib. llcmstcrhuis ad Eucian. 
> Bip.). Zusammen waren das also wieder acht, 
wie wir zu allererst in Aegvptcn, Phünicien und San 
thracc fanden. Jene drei Vater und R'egcnten hei- 
ter) : Zagreus, Eubuleus und Dionysus (s. die voi her- 
gehende Anmerhung). Im Orphischen Sjstem wurde der 
jüngste, der Ministrant Dionysus, vor den z\\ci Brüdern 
hervorgehoben, und so ha in es denn , dafs dieser let/.tc 
in den Bacchischen Mysterien die Ehren und Aemter der 
beiden anderen an sich rifs. Natürlich nun auch die 
Namen. Obngeacfctel also die drei Vater, einer %\ie 
(|er andere. Sühne des Zeus uml dir PeftCpboafl «arm, 
So redete man dort doch blo* vom Dionysos als Z-i- 
greus ui>d von seinem Ursprung aus der mystischen I In- 
des Schlangengottes Zeus mit der Pertcphone. Nun 
wurde auch Dionysos Eubuleus genannt, Su tritt oft in 
d< n Religionen des Alterthum* ein Wesen, das an einem 
Orte als eine sehr niedere Potenz erscheint, an einem 
andern als die höchste Gottheit hervor. 

Anker den oben bemerkten hohen Begriffen, die 
man sich VOD jenen alten Diosenren gebildet hatte, Mor- 
den sie auch ganz bestimmt als Beherrscher der Winde 
und als Beschirmer zur See gedacht. V\ ie lange sich 
diese alte Vorstellung erhalten hatte, und wie sie all- 



^9 

ti.&hlig auT die Tvndariden überging, die nun auch als 
:cr im Sturme der See, wie im Gel limine! der Schlacht 
iteliannt waren, liefse sich durch viele Stellen der alten 
Dichter beweisen, wenn es n<."ihi£ wäre *'). Xuch dos 
Schiff, welche» den Apostel Paulus von Malta nach Sv- 
s brachte, führte von den Di o teuren Namen am 
(Actor. XXVIII. it.). Auch ihre drei Vätc: 
I Regenten dachten sich die alten Athener als die 
V inde, oder als die Wächter und ttiii.diger der Winde 2i ). 
iren zugleich Feuergölter, und worin sie den Srurm 
gel und die Winde »am Schweigen gebracht, so 

erschienen an der Spitze dir Matten jene Heil verlwin- 

Idcnden Flämmchcn ö ), welche noch heut zu Tage nach 
einem Sturme gewöhnlich auf der Oberfläche der See tr- 
rn , und tun den Schillc. u tkis S.'hhi El m ebener 
Helenenfeuer genannt werden. Es brannten auch 
die Alten den Dioscurcti , wie der Ceres und der Proser«. 
iiina, womit sie verwandt sind, ein Feuer, das nie v ( r- 
v n durfte (Pausan. Arcad. e. t). §. i.L So walteten 



ti) Auch auf Phoriicischen LVTön*e.1 seben wir rte>SmJrS die. 
Di'isciir*-n; s. Heltenuani Beöiefkk. über Panisch* 
fe40nt«n IV. Stück. |». m vergl. Heayoh Vol. I p«g. 1005 
Alt). AtJentsußM — vj< '■-.- ififjcu 

Horat. Caini. I. S. 2: „ Nc tr.ilres Ik-lcnae lucidj sjder« ■* 
mit den Auslegern. 

ß2) LVm«n und Phanodemus ;ip. Said, in T^no-rl-un ; vergl* 
Phanod. Di-mon. et Clitodeud Fragmin, ed. Subclis p. J. 
17. und 13. 

J3) Diodor. IV. 41. p. 286 $q. ibiq. Wcs*-;! besonders Htm- 
M*ttl. ad Di»h T>t <»r. XXVI Tom. iL pas;. Ü2 sq. Rip. 
Vergl. aueb Heirat. Carin. I. 12. 27 sqc|. und daselbM f«*U 

p i!* ed. HeJdrlberg. Hierher gehört »uch der Vi 

D al> Urphiscb bezeichneten Fragment beim Slcbiius 
I I ■ 1. n : 

-av F-n<f>dVnWi 



34o 

»ie über Feuer und Wasser, die als erste Lebet 
icrite in den Hochzeitgcbräuchen der alten H< 
• olie Bedeutung hatten. Der Bräutigam reicht« Ff 
i'iil Wasser der Braut beim Eintritt ins neue IJ< 
fiese Zeichen sollten die Verbindung aul 
;iüs vurbedeutun (Fcstus in aqua). Als I 
ter kannte auch schon das uralte Alben seini 
Koren und Anaces. Ulan betete hei «lur Vn ehelich« 
su ihnen um Kindersegen , und noch heim Lot 
(Gastmahl Tom. IX. p. 6h Bip ) hringt der alte 
nullit), der seinen Sohn verheil aihen will, am 11 
tage in dem ävaxtiov , im Tempel der drei > 
ein Opfer, Unter diesen Umständen dürfe» 
zweifeln, dafs das alte Pelasgervulk den Bildcro 
Ehegütter auch die Krall des Fi uchttjai macht ns 
haben mag. Gerade in den Samolhrachchen ll- 
finden wir ein geheiumifsvolles Bewi hren der lt 
Etwas Aehnliehes bemerkt man in der Hai 
Ehriiischen Erzvater. Bahel , die sieh so i 
Bindern gesehnt hatte, bewahret sehr < 
heimlieh j«. nc 1 her a phi in (Genest» XXM. iu. und' 
deie Stellen - J ). Die Griechischen IcLci&elzcr und 



Das Heiligihum der Dioscuren hieft auch 

rend SoAoftoi \\ ihishölilen bt ?< ichnete. Uuub »urd» 

crti.iH Wort ,iucl» aur nlle Güttertemp« I jn.-ge.li 

Ammouius und daselbst \ ükktiurr p. 

•ychi I. p. lo7l. ibique Albeni und Apollomi Lex. 

nur. |i. 5iy T< II. auch Zonar. Lex. >;r. p, : 

r K s'-l muft auch im Lt-xicun de« Pbotitts p*j 
geschrieben werden Ö *). «V a '» a '' * 8«Jn 

it > f^imt: QebkapaJat — 6ahif*tu ii) r. - 

2S) Pi- hierher ghfl rigrn Stellen mb^t den E»klai 

kl< r die Hieroßb phen im Mythos uVs Artrnbp p. 
au, <*u h bcuitiki, d*u> dic»e II 



34i 






cn dort ganz allgemein Idole uns. Mirhae- 

*elz. II. p. i/|*J.) vermuthet Silene. Die» 

l 1 mit diesen Samothracischcn and 'I hracischen 

; > «olil übereinstimmen. Aurh jener (..»hinsehe 

Casmilus oder Herrn ej ward ja von den Pelasgern als 

Pbaflwagotl gebildet. 

Dies führt uns zu der allgemeinen Frage nach der 
llfaeren Gestalt, unter der man jene alten Golt- 
n darzustellen pflegte. IIa ich mich darüber ander- 
wärt» ( hioiiv*us I. p. iij sqq. p. 166 sn/p) ausführlich 
< i hübe, so schranke ich niirh hier auf das Wesent- 
licliste ein, und fr.ige einige dort nicht voi kommende 
i hangen nach. Die Ägyptischen Cahiren und dio 
i n der Phönicier kannte Herodotu« als Zwcrggüf- 
1er, ohne ZvteÜd miisgc.staltct und dirhlr ibig , WM di» 
n des Cambyses verrä'th , und viele Spuren auf 
«lien Denkmalen errathen lassen (». oben f. p. 53t. und 
den Holzschnitt pag. r j'i-i. ehendas.). Diese Zwergfnrm 
natürlich mit *\vn Gattern seihst in die allen Pelas- 
i Hi ligionen üher. Dafür sprechen bestimmte 
lisse. Z. 11. in Laconien sah man noch spät der- 
en Zwcrgstatuen von Erz , vier an der Zahl, Man 



len, Idole) von menschlicher Gestalt, ja viel, 
l«richi aiu It von menschlicher Gl 6 fs e (?) gewesf-n 
««v.u. I.rsic r« s möchte SUCfa wiiklich nach dm $t< 
dr-r Bibel nicht zu bezweifeln seyn. In diesen Thera|j'mm 
Sieht Sickler die er^te ^pur von Plaslik in Vordera^ietj, 
loch die Israeliten in Ar typten eingewandert waren, 
ic demnach nichl aus Aegypten von ihnen nach Ca- 
naan gebracht worden sey. Utber die Theraphim veri>l. 
i die Gottheiten von Samnlhr. p "5. 
uml ni.in . HeroJutt. I. p, 277, wo ich be- 

meikl habe, dal'b febod frflber d.d>« i au Penaten gedjeht 
»onirn ; und dafli sie auch vielleicht den Laren der Kö- 
rner tnupiochcn hal 



54 a 



nannte sie die Dioscnren o<ler Curybanten und die vier? 
die .Minerva (Pauean. Laeon. cap. a'j. f. .,•)• Sie hatten 
Hole auf ihren Utfpfen , ohne Zwoilcl von ionischer 
Fi im. Das waren also drei nlfe Vater der Laconier, 
mit einer grufsen Mutter, Auch hier vai ürte man in 
den Combinationen. Man redete auch von einet Km ei- 
heit, von z w e i Dioseuren und Hurten. Auch dazu 
ltam die dritte Potenz als Mutter. Ja vielleicht h ..tie 
man auch dort eine Siebenzahl sidcriäclier Wesrrt* 1 
Zeus, Feda , Castor, P»llux , Helena und dazu 1 1 i ■ ■ 
und Fh«"be, des Leuciopta Tochter i, die von den Di ni- 
edren geraubt und geheirathet wurden (Apollodnv. llf. 
jo. 3.). Die letzten Namen spielen in diese Begriffe 
sieht barltcl) hin. In der menschlichen Sage des Sparta- 
nischen Königshauses* Ward aus der Dreizahl das Tvn- 
dariden p <i a r mit der Heroine Helena. So muf&ie 
auch das Symbol sich verändern lassen : Erst harte man 
Halb hu sein oder h a Ib i r i e Eyforr.i als das n.-.tnr- 
liehe Dild der oberen und unfere'rt Hemisphäre ; bald 
neben einander gestellt, und Steine darauf, als Zeichen 
der Planeten- und Feuergötter , die d • Angesicht des 
Zeus, des Vaters, schaiu n , und sein ewiges Feuer 
slr..Mcu; dann eine Hälfte der andern unten augefi 
Eur Bezeichnung des wechselnden [Tnterganga und Auf- 
gangs. So hatte man die voll^ Kvi'oim. Dieses Ey 
hinj« man d*nn in Binden im Tempel auf (so sah es Pau» 
sanias im Tempel der Hilaira>und PhCbe, also im heili- 
gen Hause alter Lichtgotlheiteu in Lac-tiiien, s- Lact 
16. §. i). Dabei ii zahlte man dem Volke das Mn! 
eben vo:n Vy der Leda -') und von ihren Kindern. 



26) Hierher gehören noch mehrere bedeutsame Mythen von 
. Geburt der pio*curcn aus dt in Ey der Leda bei 
Athrnaus M. p. iü. p. 221 Schweigh. verjjl. o»*tn II, 'In. 
/>. 7~\ ti« *ty iijuilich ^»-üuchiet» Fy wiii MouJc In. » - 



543 

Wurde ein Zwtrggott unter das halbe Ey gestellt, 
te es ihn als konischer Hur. So waren jene dr 
mit iK r Mutter gestaltet , nach der ersten Stell 
des genannten Beiseins« hteihei s. Setzte man den Zweig- 
gott darauf, zur Bezeichnung eines |y\Te$)CH§>i das über 
ie und telfuriscke Kräfte waltet, so näherte fcieh das 
)dul jener andern Symboleurcihc , die man Bruggöt- 
ler nennen kann. Auch diese Cnmbinaiiun bannte das 
alle Laconicn ohne Zweifel. Dafür spricht ein bemor- 
fet-nsvrerther Mythus, der jene Spartanischen Tyndaridcn 

»r mit alten üüitcrsyinbolcn des unteren Acgypten» 
zus.»nmienknüpft. Ms ist allbekannt , wie oft die Dios- 
curen Awycläcr heif en. Ein Amtcliicr war und hiefs 
• uch jener Aegyptische Bniggott Cinnbus (Dtonpiu» 
Fefirg. vs, i3.). So wie man jene zwei Männlejn zu Einem 
iu als Brüder gesellte, und auf den Schiffen als 
'ultheiten mit sich führte» so kommt auch ei »n 
dem ullcn .Mythus, als das /.weite Maiinlein mit dein cr- 
i», und mit der Frau ( s dcr Stcucriuaun mit Menelau* 
i mit Helena) nach Acgypten. Also drei Acgyptbch- 
L.aconiscfie Patahen. Caintbus , fahrt die Fabel f«»rt, 
Bfeltf&te in \egypten durch den Bifs dor Schlange ster- 
ben, ward aber daliir als GqII v<M.lnt, und der Kopf 
■ einer Bildsäule auf einen Krug gesetzt, worin Feuer 
und Wasser streitet. Und so exponirle man, nach- 
dem einmal der erste Anstofs dazn gegelten war, iuiiner 
weiter. Lauter Yotltsmährchen und Griechische Aus- 
deutungen aller Phuniciscb- Aegyplischcr Idole, die bald 



gefallen; denn die Frauen im Monde gtbltren Eyrr , wor- 
aus MenAclun hervorgingen, die luuftebnm«] gl 

i , j1> dk ge wohnlichen. — Debet die ■itoftoriseba 
Ansiuln <it r H< loiu als Mondsfrau *. Eustatk, ad Ody*s. 
l\ . 123. i> lü, I. 6 sqq. ed. Baail. 



5-ii 

tnit Krügen mit Schlangen 2r ), bald mit Fe Bf 
cefüTscn und Lampen verbunden, als feurige M 
B'tim Schutz der Seefahrten auf Schiffen mitgefühlt 
den , bald als gute ^ ä h r v ä i e r und N ährmütter 
den Tischen bei der Mahlzeit walteten. 

Wer möchte moM zweifeln, dafs auch Samoti 
und jedes Land. das jene Gottheiten aufnahm, 
jene Idole verschiedener Art mit aufgenommen W 
Bald war ein Krug oder Krupgotf das rohe Gnadw 
;Bald erweichte sich der bauchige Krug zum menicfll* 
Bauche, und au« dem Kruggotte ward ein pygi 
Bauchgolt. Die ^aerxp« Canubut ward zum p**!** 
Silcnus, wenn man Namen und Kunstwörter 
Die Zwergform ward ohne Zweifel aber auch TOljl*^^ 
hä'fslichen Zuthat zuweilen befreit. Alsdann konnte ■ 
aus dein Speer-tragenden Pygmäen allmählich die» 
JiinglingüÜgur eines schönen Dioscurus entwickeln, n| 
den konischen Hut oder Sterncnhut als altei Zei 
trug. Das waren denn die zwei männlichen Figi 
von Bronze, die man , nach Varro, zu Ambracia ( 
Iiiihiusia nach Scaliger's Verbesserung) an die Ti 
als Seil :»zgotler stellte. Auch die Insel Thasos, 
der ersten Sitze dieser alten Religion , hatte helft, 
Krüge, und führte noch lange in bedeutsamer Zwei 
die Urne auf ihren 3!iinzcn ( Hebbel D. N. V. II. 5*1 
Der Cultns von Samothrace war, wie wir oben sab**, 
auch in Troas und der Gegend verbreitet. Gewiß nt 
ren auch die alten Idole einerlei. W ulkten wir ff**i\ 
wie jenes älteste Palfadium gestaltet war, oder w 
jener Zeus Herceus, der nach Truja's Zerstörung <k* 



97) Die Schlange auf dem Rauch einer Diota und danebü 
die SternhUtc der Dioscurt-n knmmen auf LaconUcbti 
Silhennünzen vor. (So dniinol bei Pellerin decacil l 



5j5 



S<»hne de* (".apaneus, Sthpnclns , als YVaflenbcutC zufiel 



r fron 



I.), wie die alten Pennten aus- 
Acneas aus dem Vatethi 



ivt- 



muse 
>limmter darüber sprechen kön- 
nen. DerBescbn nollodor's zufolge mtifs vom 
I Palladium gesagt werden, was Pausanias so oft von alten 
i si;r ( ■/.. B. Achaic. 3t. 11. ) : es war 
\ sonderlich grofs. Auch erscheint es alt 
I Lronb mit geschlossenen Fuften, auf geschnitte- 
nen Steinen und auf einem Urlitf (s. Winckeimauns An- 
zur Gesch. d. K. I. p. 272 neueste Ausg. is ). 
'.leiern (vinis), bissen vir, trug der Held 
diese Götter fort (kycophron. Cassandra 1*66. ), gerade 
wie der Kopf des • cuen Cadmilus in Scbleiern 
dem Phrygischcn Olymp getragen wird, wie mau 
• Hrftgo zu Canobui in Schleiern trug, wie map 
er Pomps die H 11 gel vcrsehleiei h . > ie alte 
11 und Genien eingeschleierl «mden. F.ine alte 
Mt/.e \<>u Sala in Phrygien sei gl einerseits den 
lincr \ ettkopl , auf der andern Srile ein in ein lange« 
1 d r>!§ auf die l'ülse eirgehülUes Kiwibchen. Deut- 
• h«0 aller Saumlhi acischer und Phryjjischer 
Ie (s. Pellet in, der die Müruse zuerst bekannt gemaeht 
bat , llec- 11. ib, 70.) v) y. Litt anderes Datum giebt uns 



Ä8) Wir werden unten , in dem Abschritte von der Minerva, 
Üb Palladium zurlkkkinnimn , und verweisen einst« 
weilen hier nur auf un 3 cr€ 'J\»u.l XXXli. nr. i. vtigl. 
Erklärung p. 51. 

J?) Die Symbole der Droscuren (wie auch die von andern 
Pliönic tischen Gottheiten) rricbeSueq ßbet SchuTcQ auf 
Miin7> 11 vom IM äniciseben Tripolis j s. Mtonael Desoript. 
Mi ilaillfS BllJiqucS U\. p. 3i«». nr. J97. p. 405. nr. 449. 
Audi die beiden Cabtrefl finden wir iu dem heiligen 
h c |i 1 1 k r , «,1b waren sit Mumien , eingewickelt auf dem 



der Gcschicht«ch reiber Tiinnns heim Dionvsio» von He- 
Jiearnafs t Anfifji]. Komm. I. 6-. Cm. p. i^e Hei»k.>. Im 
alten Tempel zu Laviniuni in Latium, crz.ihlt dieser, 
sah man Schlan»enstäbc von Er* und Eisen und 
irdenes Trojanisches Geläfs («ct^cruo* Tjitiüxoi ), 
Letzteres Mar offenbar (ire anderwärts erwiesen w 01 <! 
ein Krug oder eine irdene Lampe; und et» halte also 
dieser Tempel die alten Symbole roher Art beibehalten, 
; rend man zu Rom und anderwärts die Penaten als 
zwei sitzende Jünglinge mit Lanzen bildete. Mithin 
auch in Italien Sparen >on KruggSilern mit Schlangen- 
attributen aus Vorderasiatischer und Samothi -acischer 
Lebet liilemng. Auch Alhen wird »eine alten Tritopa« 
tuien utid Anaces nicht anders gebildet haben. Den 
Heimes ilhyphtillicus hatte es ja zuerst gehabt, Tor allen 
übrigen Hellenischen Städten. A ich im Cercaliscluu 
< < heiindicriatc blieb de* heilige Krug (nX.ij|iW^«>ij ) be- 
d nU'Tid. 

So naiv und gerade deutete die Vorwelt kosmische 
' : ritte uud K a tu rg ott liehen in, : päüt rbin trat Absicht 
und 'IW-hYxion dazwischen. Da bildete sich unter der 
Herrschaft des M\thus natu: lieh eine Kiinstiersitte. Der 
alle Miosen enhut ward bald rund bald spitzer und mutzen» 
ähnlicher , nach verschiedener Vorstellung und Absicht. 
l>a lehien z. B. üb« 1 den üioscurenhiiten die Sterne nie- 
111:1 L *'). Einzelheiten , worüber Munter (a. a. O. p. 1« 



Scbi ff- schnabel sOben , auf einer M flute von Ascalon; 

■ ijtog. Niiinm. veit. Graecc. et Laiiim. NJusei Rtj 
Daiuci, I, p. 34t. Zusatz von Munter. 

SO) So »3Ri Munter, ohne Zweifel als Resuliat einer rrich» 
niuiHbUJaiisctu.11 Utbeisichl. Doch gedenkt Pausani 
(Lrftun. C«p. 24. $. 4 J der Sterne nicht, wo er von alt« 
üwi igMuiucn mit Hlu«-n redet, un«l zu-h ich btmul 
er wisse nicht, ob mc Dtoscurtn oder Corybuuicu Luaü. 



3 i7 

Antirjuarr. Ahhnndll. p. 20s ff.) gute Beobachtungen mit- 

ihcilt. Die Hemisphäre oder der Eyhitt ging von den 

i e ti zu ihren Dienern über, und so trägt ihn Ae- 

iicjs als Retter der alten Götterbilder, auch Ulysses, der 

fk selb»! durch CaLirUche Anmiete gerettet Morden war« 

Der heilige Hut ward nun oft hlos , was er von Anfang 

ewesen seyn konnte, die gegen Wind und 

tcr sc!i fitzende Sibiriern.' i/.e. Doch bevor ich von 

.cn Symbolen spreche, mufs ich noch einer 

Samothracischcn Cahiren gedenken , nach 

durch die Demeter die Verbindung derselben 

len Attischen Eleusinieu deutlich wird. 

§. 5. 

iarh dieser Dai Stellung ist Axioms Demeter oaer 

Axiobcrsa Prrsephone «der Pfoscrpinaj Avto- 

Jicrsos Hades oder Pluto ; Muhe» die alte Bedeutung des 

iis «ils lleiu.es beibehalten wurde, wiewohl auch 

Ansicht der Ministrant W'iedcl bTb Jacchus , d.i. 

a!» Bacchus in der Eigenschaft des Dämon der Cci - 

1 worden zu seyn scheint. Diese* System der Ca- 

eilen Kcligton verbreitete sich weit. Es zeigen siel 

'.'.. Spuren davon zu Tb-uos, in Bonden, bu Crela, 

in "" ii und vorzüglich auch zu Athen. Ein Zweig 

FU'Ubinischen Feier leitete offenbar von dieser 

iiolhraeischeu Lehre seinen Ursprung her. Die Ge- 



D«ma|ü muffte also der Sternlmt nicht wesentlich zum 
•unifi gehören. Auf der unten Tab. II. nr. 4. ( vj»l. 
Et kW rang p.nr. 17.) beigefügten Mlhue haben die b 

am.li keine Steine, Datier taaee ich e» uneniaehie- 
di n , üb *ie Diot euren od« r C aliircu heitiien sollen. Auf 

.hin lV)Qnse von Diu!-.curi3S in Colchrs steht 
diese Uli'«- wiir Sternen nicht h!os d a r tt b G t , sondern 
aueb Jjrauf (bei Pcllerju It. 38. 2,), 



5 18 



schichte der Verhre»tnr£ war in Muhen aufhiwanrt. 
hin« an heiligen tarnen , die wir zum Theil 
Hier tritt wieder ein Brüderpaar bert nr i .lasüm 
danus. Jasi :i Sohn des Zeus und der Plrjade 
lernte die Samothraci&chen Mysterien \ 
Auf der berühmten Hochzeit seiner Schwesl 
Wobei alle Gottheiten < esihenlte brachten, gi 
res leinet' h"hen Schönheit wegen ihn lieb, tun) rj 
mit ihm den Plutus und Corvtn*. Fr seihet aber« 
i die Golter versetzt (Diodnr. V. 48 
Mythus spielt Hörnern» an (Odyss. V »?5.».d«r 
von Zeus deswegen mit dem Blitz erschlagen Ufa 
Hcsiodu» (Theogon. qnt) ) nennt Creta als den 
»er Begehen heit. Andere Sagen veränderten 
verschiedene Züge dieser mystischen Tradition, t* 
hen zum Theil dem Jasion andere Aeltern ond 
Bemerkenswert h ist bei Diodorua (a.a.O.) die 
licht, daf» die Griechen jene liarmonia 1 • 
Ares nannten ii2 ). Dadurch Verden die Cah 
res ond Jasion näher mit jenen kosmogonischtl Fi 
7in . Ares und Aphrodite, verbunden. Jedoch 
in dem Snhne dar PI e ja de Electra ist ein Zug 
sehen Dienstes auf Inhalten. Ein anderer Mvrbus h 
den Jasion mit der Phrygischcn Religion in Verhi 
Nach diesem war er der Cybele Gemahl, 
den Corybas erzeugte. Als Jasion unter die < 
genommen war, gingen Dardanus, Corybas und (.; 
Dach &aien , und stifteten dorl den Dienst der g 
Maltet (Oiodor. a, a. O.). An diese A crbindnni Fb 
rascher und Samoihracischer P.eligion ctinuern m 



31) S. noinr M-letemata P. I. p. 52 SJ. 

82) S. such Nonni Diooya, IM. 373 — 377. und 
oaelbet) \ MI. itx». p. 17*. 



3-i9 

Denkmale , wos»u auch die auf unserer Tafel III. nr. 8. 
I. die Erklärung p. 17.) aus Ceger aufgenommene 
Muu/v vnn The Sftlouicb gehört, die uns auf de." einen 
heile die verschleierte Cyhele, auf der ander. 1 einen 
Ciiliuus mit dein Hammer und mit dem Zodiacal • Stein- 
bocke zeigt. 

Die Verehrung der Cahirischen Ceres war eine der 
heiligsten unter den Griechen. Unter den Stifterinnen 
>»iid eine heilige Jungfrau Clcohöa genannt. Sie hatte 
die Geheimnisse der Demeter roh der Insel Pairos zuerst 
nach Thasos gebracht j und in der Leacbe KU Delphi sah 
man sie gemalt -, Wie SIC auf ihren Huieen einen Resten 
dergleichen man der Demeter zu machen pflegte 
.1. Phucic, cap. iS. §. i.). 1 11 dieser K.rzahlung 
wt der Weg ron Süden nach Norden herauf naehgowie- 
•en, den die Religion der Isis oder Demeter von iegyp* 
trn oder Greta nach Satuolhrace und in die Gegend ge- 
nommen hatte. Auch Varro (a.a.O.) kennt Isis'unter 
den allen grofsen Gottheiten , die er Cnbiren oder Dii 
',. In der Isis von Pharus, als Gebieterin 
iiher Wind und Wellen und als Aufspannerin des Segels, 

.•li die AegVpVfsche Religion bis in» Römische Reiser* 
thuu. lui.il» 1L1-. Angedenken an die den grofsen SchilF- 
gwltein, den Diosduen, st» nahe verwandte < J10 

Ceres (». I. 'J'h. p. 320.), Die Insel Thasos befestigte 
die*e Verwandtschaft bildlich auf ihren Htfineeu. Ich 
habe aul der Tafelt!, nr. 4. (rergl. Erklärung peg. 17.) 
lutli Raym unü Gesner eine dergleichen eopiren lassen. 
Dui t sehen wir einerseits die vet srhleiei te (et es Ca- 
ll iria. mit dem Aehienkianz, andrerseits die Hüpfe der 
Dioecaren mit ihren Hüten, eder die Büsten zweier 
C-il'iren zwischen Zw eigen. Auch »ehüit hl fliese Ideen« 
die Vorstclli/eg der Ceres mit dem linder neben 
dem FCIIhorn, dem Cafathns und den kehren, wie man sie 
Ufiuse von Sardes in Ljrdien au» der ftöuiischca 



55o 



Periode sieht. Es ist die Herrscherin ühcr Land und 
Meer (Spauheim ad Callimaeb. Ccrer. i.). Daher auch 
die Benennung Fortuna - Ceres ( vcrgl. unsere Tafel Vf. 
tir. 10. und die Erklärung p. 3i.). /lieber die Fortuna, 
die aus Samothracicn zu den Etrushern liam , verde ich 
unten bei den Italischen Religionen einige Worte tagen* 
Auch in Buoticn erzählte mau von einem heiligen Blande 
(ohne Zweifel einem ähnlichen Kasten, worin alte Idole 
waren), da* die Ceres dort dem Prometheus, einem 
der Cahiiäer und seinem Sohne Aetnäus in Verwahrung 
bot) halte, Pausnnias ( Boeot. cap. a5. <J. 6.) redet 
sehr geheinmifsvoll von diesem Pfände, und erwählt 
ebendaselbst von dein dortigen Tempe» der Cahlrischen 
Ceres und Proscrpina, welcher allen Ungeweih« teu ver- 

sfen war, spricht darauf von den Schicksalen 
Cabirendienstcs in Büotien, wo ihn Mcthapus, ein Athe- 
ner von Gehurt, eingeführt hatte, ton den Wiederher« 
steilem desselben, Isthmludcs und seiner Frau Pelargt 
und grdenht der schweren Ahndung , die alle diejenige 
getroffen, welche unberufen in den dortigen Tempel SM 
gehen gewagt. Wahnsinn war das Leos einiger S«»h 
ten von Xerxes Heere , und einige Mazedonier von Ali 
anders Armee verloren durch den Blitz ihr Lehen, 
verband sich mil dem Begriff jener dunhien Mächte v« 
Samnlhrace die Vorstellung ungemeiner Heiligkeit und 
furchtbarer .magischer Gcvudt. Jn einem ähnlichen Tone 
sind die Erzählungen von demselben Dienste in Mcsscne 
if hallen. Dorthin hatte Kauhon, aus dem Geschlechte 
der Erde, die Verehrung der grofsen Göttinnen aus 
F.leusis gebracht. Davon wufsten die Lycomeden , die 
heiligen Sänger der Ceres, einen alten Gesang des Mu- 
zins. Ais BelWmator dieser Beligion wird dort Ljrcon, 
des Pondion Sohn , gleichfalls aus A inen, genannt Dem- 
i» dürfen wir nicht zw ei lein , da fr nächst Samothrace 

liäcblicb Athen und Elcusii EUuplsiUe jene 



»Jl 



lasgi sehen Cnlte gewesen sind, von wo sie »ich über 
das übrige Hellas verbleitet haben. 

Allenthnlben , wo sich dieser Gottesdienst findet, 
«eben wir die Priester den Gottheiten verwandt. Durch 
Numeri und durch infserdtdentltche I!i;ifte , so wie durch 
ihr ganzes Thun sind jene in den heiligen Kreis von die- 
sen buianfger ficht. Die Cahiren betfben Hcpbästc, 
die Cabircn pries ter heifsen seihst Cabiren. So ihcilt 
•ich vom BephHsios, als dem höchsten Wesen, die Göt- 
terhraft im "bitten Grade den Priestern mit. So ist's 
mit den» Namen Corybanten nicht minder. AoF Lemnoi 
nannte man die (Sahiren mich Carctnen (linpy.lvm). Mag 
dies nun die Zangen! [Ihrer und SehmicdcgöJter be- 
Mtchncn , oder, wie es wahrscheinlicher ist, Jongleurs 
und Ilopfschultler ( Ka,j«xtvoi , s. Hesych. s. v. und da» 
*elh«t die Ausleger), immer zeigt es die IN.imenglcicbhcit 
der Planeten- und Metallmutter mit ihren ersten Verch- 

Irrrn an. Das beurkundet sicli auch durch mnnchr Eigen- 
namen, wie z. J3. Jnsion unter den Idai-chen Göttern 
und unter den Stiftern des Cabiren d i en s t e s. — 
BulcHe Bemerkungen mufsien den Anhängern des histo- 
rischen Systems, wie Evhemenis, die alle Nattonalgotter 
der Griechen ans einer Vergötterung herleiteten, wo. 
durch dto dankbare Nachwelt grufse Wählt häter der 
Menx-hbeit habe ehren wollen, aufserordenilichen Vor- 
.ub tbun. Ihnen muPstcn natürlich jene Cabiren 

»nirhts anders srvn, als die durch die Glorie der Apo- 
•• verherrlichten Phumctaghen Kiinstlcr, die auf 
I.emnos und Saraothrace die Metalle l|«ti| gewinnen und 
bearbeiten lehrten (vergLobeap II. p. 304. 3t3f.), und 
Somit dir übrigen liünste des Lehens, die an diesen 
grofsen Erfindungen hänge** Das Wahre an der ganzen 
6*< -. wie im ganzen Orient, so auch hier 

Pnester den Gurt festlich repiiisentirte, durch Mas. 
hen, Kleidung und luimibche Handlung, kutz durch cia 



55a 



Festdrama» da» die heilige Geschichte der« 
Augen stellte. Ich werde im Verfolg davon L< 
Pcmmsc gehen (vergl auch Tb. 1. Cap. I. C> 
Hier will ich nur an jene verschiedenen Com 
der Cabirenzahlen ei irinern. F.s liegt garue in dt 
dafs nach jedem System die Priester »»Hl 
Zahl der Got-t Letten entsprach. Davon v 
in den Angaben auch verschiedene Spuren. 1 
heil der GStterpotenzen entspricht Dardanus undJn»( 
auf Samolhrace ; Isthmiades und Polarge zu '1 1 
I'i Mmctlicus und Aelnäus ebendaselbst U, 
su den ersten die Schwester Harmunia hinzu . 
Dreibeil gegeben. Der Gemahl derselben 
die vierte, die dienende Potenz, im ßegril 
So auch im Phrygischen Mythus : Jasiun u 
sles Pj iesferpaar. Darauf verschwindet Jasiotf, 
steht eine Drciznhl von Prieslcrschaft , Dardait 
rjbas uudObelc, da; und so liefse sich dies no< 
Verfolgen. Gang gewifs erschienen auch to bei 
thracischer Festfeicr , je nachdem dieser oder jener! 
des Systems dargestellt ward, jezt zwei Pi 
GÜttcrrcpräeentanten, jizt drei, vier u. s. w. Du- 
Siebenz.ihl führte alsdann otine Zweifel um den ai 
als Phthas oder Ksmun, den Plauetcutanz a»jf. 
Aegyptisehe Priesterschalt bannte ähnliche i 
gen, und von dorther waren sie wohl zu S; 
wie zu Elensis entlehnt. 

Die heilige Sage pflanzte das Alles in Namen 
mythischen Zügen fort, und wie im Festdram.. 
Und Menschliches wunderbar in einander flofs, so 
HMD auch im Mythus oft nicht mehr zu unterscl 
was ursprünglich Name und Geschichte des l'ri< 
und was des Gottes war. Im Idäiscben System 
hetfsl Jnsion (iott, im Samutbracischen 
<l i c ii e r , und der Zusatz luei , ii..|> .. 



355 

aufgenommen worden 1 verknüpft Beides. Wie Jasion, 
der Hcilgott, die Nährmutter und Göttin Ceres heha- 
thet, und den persomltairten Cosmas (diu Weltord- 
nung) als Schwester Harun mia zur Seite hat, wozu der 
Gott Cadmus (Hermes ■*■*), als Ehegemahl von die- 
»er , sich in letzter Wurde des Untergottes gesellt; so 
stand hei festlicher Mimik Jener Gölterhoc^zeit ( lepbq 
jäpo*,) der Priester Jasion der Priester in Ceres 
und Cadmus der Mensch der menschlichen Harmonis 
zur Seite. Daher denn auch die Doppelnamen , die 
im Alterthum von Priestern so oft angegeben verdeu. 
Um Leim Vorliegenden zu bleiben, so wissen wir aus 
dein Logographen Hellaoicus ■*''), dafs Dardanus in Sa« 
mothi.uc amh Polyarchei hiefs, und Jasion, sein 
Bruder, aucli Eetion. 

1 >ie Geschichte der Entstehung und Fortbil- 
dung der Cabinschen Religionen ist nicht so Idar, dafs 
ich es Pur gerathen halte, mit ÜainteCiotx. bestimmt vier 
verschiedene Perioden anzunehmen <&), V ei schiedene 



33) Iz'->/. in r.vcophron. vs. 162. pag. 423 Müller: Ksr5/*<Aos 
o TSj -tij; Ikt«.r,'i; „Kadmiloa sul USotiscb iiV-r Hi-rmes u ( 
Idtni 2Vj. p, <W. - i; to-j KüZuc\> u rd rvy. 

kot^v y±^ tlxt ?iv Kdiftcv. Also K a d m o s Wiir das abge- 
kürzte K j d m i I o s , und das Komische. C a m i I I u s war 
um eii»«* Zusammensiehung anderer An. Vergl. auch 
Payoe Knight luq. inlo ihe symbol. bog. §. 200. p. \6k ; 
dem ich Übrigens, meiner Ansicht nach, darin nicht bei- 
stimme , wenn er behauptet : die Cadmeer in Hö >tien 
hallen nicht so wohl von einem Anführer ihrer Colonie, 
als von ihrer Gottheit diesen Namen überkommen. — 
Sit hatttn ihn von beiden. 

54) Beim Scboliaatcn des Apollonius I. 9t6. Die Pariser 
Scheuen (p. 72.) geben hier &MI 'larftni die Form'Ha , i'u»v. 

35) S. Hecherches sur les myst. du Pag&n. T. I. p. 40 sqq. 
See ed. nebst Schelling die GoUh. v. bauiol.hr. Anmerk. 

II. 25 



354 

Systeme , wie wir sahen , leisen sich 
lieh aber dürfte es ohne neue urkundliche Hülfe gelin- 
gen , rlas cfcroQologSocb« Verhält nifs derselben gegen 
einander mit Sicherheit anzugehen. Anch was wir histo- 
risch wissen . hat grufsen Thrils ein mythisches Gepräge. 
Au» Aristoteles in der Republik der Sannvthracier (heim 
Scholiastcn des Apollomus I. 0.1-. ) ei Tahren wir, dnf* 
die Insel erst Leucosia hiefs, und nachher von Saos Sa- 
mothrace genannt ward. Vielleicht Elle fr die Insel Trüber 
Saos, und der Mann beb am von ihr den Namen. Dal* 
sie diesen Kamen hatte, Wf»t sieh nicht bezweifeln. Da- 
her auch ein dreitansrnd Füfs hoher Berg derselben 
Saoce hiefs (Diodo-r. Sic. V. ca}». 43. und daselbst V 
•eh). Ob jenes die älteste Naincnsfoim dos Landes war, 
oder Samns, das inj Ebraiscben die Hohe bedeuten 
würde ( Munter a. a, O. p. so,, p. iq8 ff'.), wollen wir 
weiter nicht untersuchen. Genug Saos oder Saon, 
gleichnamig mit der jnsel , wird als der erste Gesetzgeher 
ihrer Bewohner genannt ^). Er heiff.t bald des Zeus, 
bald des Hermes Sohn. Man sieht auch hier wieder den 
Priester mit seinen Gottern genealogisch verbtiuden. 
Nun erscheint das Bruderpacr Dardan us und Jasio 
von letzterer als der Reformator und Erweiterer der 
vaterländischen Religion genannt wird. Er erutTnele d 
Fremden den Zutritt zu diesen Weihen, wodurch sie 
zuerst weitere Verbreitung erhielten, Dardanns erfin- 
det das Flofi, und bereitet dadurch den Schiffbau vor. 
Auch brachte er die Schutzgütler der Schiffe zuerst n 
Asien hinüber (Diodor. a. a. O.). Line recht nationale 



112. pa£, 100 ff. , welcher in Satntecroix's Ansteht hiui< 
willkluirlkhe und ut}«ruiesene Vorstellungen triebt j und 
gtwifs nun Tbcil mit großem Recht. 

56; S. auch Schilling a. a. O. Note 1, p. 44 f. 



>» , die nun ihre bellige Insel zum Mittelpunkte «1er 

it machte nnd zur ersten Warbst alte der Gründun- 
gen. Ja, eine recht Tel chi n i sc ii e Sage (s. oben IT« 
p. 3u5 — 3o8.). Nun hört man von Orpheus. Wenigstens die 
Dichter der Ai gonaulica , wie z. ß. Apollonius , setzen 
ihn mit den Ca b irische D Religionen in Verbindung. Er 
war es , der den Argonauten die dortige Einweihung 
Ticth. Schon Acschylus in seinen Cabiren hntte diese 
Sage bearbeitet, und einige Zuge des alten orgastischen 
Dienstes aufgefüllt. Er hatte Jason und seine Gelahrten 
• 1* neJrunheiie auf die Bühne gebracht (Chamäleon bei 
Athtnäns X. cnp. 33. p. 428. p. 68 Sehweigh.). Auch 
einige Bruchstücke jenes Drama beim Flutarchus ( Sym- 
pos. II. 1. p. 368 YVyttcnb.) verrathen diesen Ton und 
Farbe. Dafs an der Sage von Orpheus, als Theil nehmer 
Ctbirischcr Weihen, etwas Historisches war, läfst sich 

iit bezweifeln. Auch von Pvthagoras 9ird noch er- 
zählt, er habe sich zu Imhros und Samothrace einweihen 
und gerade da wird es erzählt, wo von seiner 
< hahmung des Orpheus die Rede ist. Historisch gc- 

1 heifst das Alles nichts ander?, als jene Priester- 
sehnlen Thracienn, die man unter dem Gcsammtnamen 

»heus begreift, emplingen und gaben in Samothrace 
Iterricht. Es fand ein Wechsclvei h.iltnifs statt. Erst 
lernten sie auch dort, wie sie unmittelbar an der Oucllc, 
in Aegypten , lernten, dann gaben sie aus der Fülle ih- 
rer weiter ausgebildeten Dogmen ohne Zweifel Manches, 
gleichsam als Lehrgeld, zurück. 

So ward nun fortan Samothrace, obgleich ein ha- 
fenloses Eiland, von andächtigen Fremden besucht. Der 
Hohepriester empfing, scheint es, die Anlandenden am 
Gestade (Yaler. Flaccus Argonaut. 11. /|35 sqq.). Wie 
die Argonauten , nach der Sage, dort Rettung im Sturme 
gefunden hatten, so versprach sich jeder FOD der Auf- 
nahme in diese Mysterien Sicherheit auf dem unsicheren 



Elemente. Auen gaben die Priester (Anactoteleatae) 
noch andere Segnungen an, vclrhe der Lintriit in die«« 
heilige Gesellschaft gewähre. Wohlfahrt *ei schieden er 
Art, Gesundheit des Leihe» und dergl., das waren die 
Begriffe, welche schon an die Namen der grofsen We- 
sen , wie Jasinn u. s. w. , geknüpft waren, llafs aber 
euch die moralische Besserung, beabsichtigt wurde, daran 
lassen bestimmte Nachrichten nicht zweifeln. Vor der 
Aufnahme ging eine strenge Prüfung und eine förmliche 
Beichte voraus. Sühnopfer und Reinigungen folgten 
sodann. Der Priester , dem dieses Geschält oblag, hiefs 
Coes ,7 ). Er konnte vom Morde lossprechen. Meineid 
ward in diesen Religionen als Tudesverbi teilen betrach- 
tet. Auch timlen sieh merltw 'Erdige Beispiele ^ d.Ts reo 
manchen schweren Mift*eih*tea , z. IS. Mord, in Tempeln 
begangen, nicht losgesprochen ward *), Bondern dafs 
ein alter Samriihracisi In . r Gerichtshof darüber sprach 
und seihst bis auf dea Tod ( s. Li »ms XLV. 5. und da» 
Beispiel bei Saiutccroix Rccherchcs elc. T, 1. p. 49« 5o 
sec. ed.). Es scheint unter den Bewohnern der Insel 
und Nachbarn eine ziemlich häutige Sitte gewesen 



37) Keij; , auch Ko/iji. Mit großer Wahrscheinlichkeit lein 
Bochart (Grogr. sacr p 7J7.) das Wort von y2 (cohen) 
sacerdos her. Die Griechischen Lexicographen haben 
uns mehrere Forint n: KwiAift) Kehr«* und auch das Zeit- 
wort netürSai , welches die Handlung des Versah neflfl be- 
zeichnete, «ufbchaltt-n (Utsjch. t. p. 2Vi sq. 11. p, 174ö 
ed. Albert.). Isa^k Yossius (ad C'aiull, p. 83.) leitet das 
alt •» Lateinische Priester» ort incoharr t tneboare , davon 
ab. Die Hauptstcllen Ober die R< i< hie sind l'lnurcli. 
Apophth. Lacon. j.ae. 2t7. 223 ed. Fiancof. Utber d« 
Meineid S. Suid. in itjL~> aud^yn. 

38) Schelling a a. O. Note 9. p. 48. bemerkt, es liefsen 

-Lande vermuthen , dats uur unverschuldeter 
der Versöhnung fällig gewesen. 



er den 

rn alle 
Mord 



35 7 

aevn, schon in earter Kindheit sich einweihen zu lassen, 
wobei natürlich jene vorbereitende Reinigung und dergN 
Wegfiel. So ward z. B. Philipp von Macetl>nien mit 
seiner nachherigen Gemahlin Olympias auf Samothracfl 
leich eingeweiht, beide noch sehr jung (f'lutarch. in 
Alexandro cap. i init. vergl. Sohelltng a. a. O. p. 5. 4»).). 
Novize, bekränzt mit Oliren/.weigen und gegürtet 
mit einer Purpurhinde (xatvia, Schal. Aputlon. I. q. 7.), 
wurde auf einen Sessel oder Thron gesetzt: olle anwe- 
sende Eingewcibele schlössen einen Kreis um ihn, und, 
indem sie sieh an den Händen l'nlV.ien , führten sie einen 
Kreistanz auf, wobei 11} mnen gesungen wurden. Diese 
Handlung hiefs bpnvoiotf; oder Spono-uöc. Daraufspielt 
Flsto im Euth>demits (pag. 32o Heiednrf.) an, und Dio 
Chrysostomus ( XII. pag. 388 ed. Reish.) redet von dem 
außerordentlichen Eindruck , den diese und andere Ca- 
remonien auf den Novizen machen mußten. Man nennt 
ein eigenes Orphiscbes Gedicht ^ovia^iol. 

Jene Binde (xatvZa) war nun ein heiliges Zeichen 
der Iniiiirten, das man lebenslänglich beibehielt. Aus- 
serdem wird noch eines x^ni^euvov gedacht, worunter 
man sich am wahrscheinlichsten einen Schleier denkt 
( T'seudo- Didvmns ad Riad. L 100. ad Odjss. f. 334.)« 
Jene wurde um den Leib, die&er auf dein Kopfe getra- 
gen "). Von diesem Gebrauch haben sich auf Münzen 
Ton Thessalnnich und Capua unzweideutige Spuren er- 
hallen , die Munter (Antujq. Abhandll. p. 2u5 tV.) nach- 
gewiesen hat ; deosen Yermuthung mir sehr wahrschein- 
lich dünkt , dafs dadurch vielleicht verschiedene Grade 



59) Doch r>3nd Ulysses die ihm von der L**iicothra zur Ret- 
tung dargebotene Knjifbimle um die Brust; Odyss. V. 
3)6. vrrt;). was zur Kriluterunf Apollouius im Lex. Ho* 
mer. p. 4f8Toll. und Heyne zur Ilind. XIV. 184. p. 562. 
über da» v-^öt/x^av bemerken. 



558 

dieser Mysterien bezeichnet waren. Beide -wurden al 
Amutete getragen, denen man wunderbare K rufte , Ret- 
ig in Gefahren zur See, Gewalt über die Gemüther 
der Menschen und dergl. zuschrieb (s. meine Briefe über 
Homer und Besiod p, 3i.). Auch die Farbe war b< 
deutend. Sie scheint von jeher den tcllurischen Potei 
äsen und den Todesgotthciten heilig gewesen zu seyn ; 
und da der spatere Gebrauch dieser Farbe in Acgypten 
nachweislich ganz mit dem in Samothrace übereinstimmt, 
so ist es sehr wahrscheinlich, dafs auch sie , wie andere 
Symbole, Aegyptischen Ursprung halte. Auch zu Mes- 
sene und Sparta war die purpurne Chlamys das heilige 
Rleid der Hioscuren (Pausan. Messen, cap. 37. §. 1.) und 
vielleicht daher fortdauernd das Rriegshleid der Spar- 
taner. Ein itpb$ "knyon; von dem Purpurtuch , worin der 
Kopf des erschlagenen Cadrntlus eingewickelt gewesen, 
gab über diese alte Sitte mythische Auskunft, wie dies 
bei bedeutenden Mysterienzeichen immer der Fall war. 
Uns mag er Anlafs geben, die FurtpJlanzung der heiligen 
Binde in die Bacchischcn Weihen zu bemerken. Der 
Erschlagene war ja Bacchus, und es leidet keinen Zwei 
fei, dafs die Binden, die wir auf Grofsgriecbischcn Va- 
sen so häutig als das Zeichen der Bacchusweihen antref- 
fen, aus dem alten Dienste der Cahiren entlehnt waren. 
Gerade so, wie jener Cabirus auf einer Münze von Thea- 
salonich (in Wilde' 6 Mus. Tab. XVI. nr. 94.), halten die 
Bacchischen Personell in jenen Vaseugemalden 6ebr oft 
diese Binde in den Händen (vergl. unsere Tafel VW. 
WO sie au der Wand hängt). Die Purpurfarbe war auch 
in F.Ifusib und ohne Zweifel waren die Decken 

und < r Fumotpidcn ebenfalls alte Samothra- 

Trachi. l>as DionysiV-hc Gewand war die Cr- 
also orangegelb ( Aristoph. Dan. 46. wovon ich ander- 
so wie über die Purpul decken u. s.w., mehnie 
habtf j s. Dionysus pag. 196 stjq. iiä.). 



35 9 



h diese letztere Farbe im Bacchtschen Dienste ganz an 
ie Stelle der andern gc-ticten war, vill ich nicht eut- 

uch über das Zweige- und Kränzetragen 

>«i 5 wtiothracischen wie Lei IJacchischen Festen niufs 

emerkt Meiden. I>afs die Oel zweige 

i n ein festliches Symbol waren, 

•agen die Alten ausdrücklich. So wird es z.B. bestimmt 

ireten beigelegt (Proclus in Piatori. Polit. p. 377.). 

11 war ^ie SoX'Ko'popla , oder dns Zweigctia^en , ia 
)rphischcn Instituten bekannt. Wenigstens wird in 
angciülu ton Stelle, sowie in der Haupt«tel)e bei 
ens (Stromat. V. p. 673 Pott.) auf den Orpheus Ter- 
ra. Die Mahre alle Bedeutung des Olivenzweig« 
«ntl des Zweigtragens mag aber damals , als Clemens 
schrieb , schon in Vergessenheit gerathen , oder 
etwi nur noch einigen Eingeweihcten bekannt gewesen 
denn er giebt dort, zum Theil nach Diouysius 
läedene Deutungen an 1 von Erinnerung 
erste Nahrung (also Begriffe, die mit der Cultur 
«Je» nolit tiul, n Oelhaums der Minerva zusammenhingen), 
ton dem schnellen Hinwelken des Menschen, der also 
all Rbenbild des Zweiges ist und dergl. In «lieser Or. 
]>l>it>ch- Saraothraeisci'cn Symbolih ward vielleicht auch 
is zuerst als Zweig trager gedacht, wie er aus* 
■njcalicfl heifst (Juliani Opeva p;tg. 34 ed. Spanheim.), 
k» »iel ist gewifs, in den ältestem Bacchusprocessionen 
Wurden Zweite von Wintergrün (x?.i;;»«ti<; , vinca minor 
4nn.J, welche den Weinranken ähnlich sind, getragen 
Plutarch. de cupid. divit. pag. 527. I).). Zweige und 
e waien wesentliche Zeichen jeder Dionysischen 
Strabo (X. p. 168 ed. Tzscb.) nennt das Bäum- 
ten als einen der Züge, worin, nebst GhCJren und 
n «gebrauchen , die Feier der Ceres und des Dio- 
ü bei einstimme. Auch hiervon sind die Griechi- 



5Go 

gehen Vasenmalereien redende Zeugen; and wir dürfen 
nicht zweifeln , dafs der 1 hracisch - Orphische Dienst 
dabei auch den Olivenkranz geheiligt halte, da vermut- 
lich das Haupt de« ermordeten Casmilu», der ja nun kein 
anderer als der Orphische Bacchus war, mit keinem 
andern Krana umwunden wurde. Der Tod des Cadmilus 
war ein Theil der dortigen Feste, so wie ein Haupttheil 
der Oi phischen Lehre. Zur Erinnerung daran verholen 
auch die Priester Eppich mit der Wurzel zu essen, weil 
diese Pilanze aus des Cadmilus Blute entstanden sey 
(Clem. Alex. Protrept. p. 16.). Der wahre Grand davon 
lag in der Beobachtung ihres Einflusses auf die Men- 
struation der Frauen. Dionysus , um zu diesem zurück- 
zukehren, M«r nicht nur der Banmgort («5fev«TpiTi;.,), son- 
dern auch der Bluinengott. Schon die »Ite&te Gncchensage 
versetzte ihn und seine Diener in di« Landschaft Phj Uis, 
ins Blumenland, an das rosen reiche Gfbirge Pangäum und 
in den Roseaffarten des Königs Midas am Bermion im 
alten Thracien und Macedonien ( HerodoL VII. n3. 
A III. i'iH.). Er ;ur nach ursprünglichem Begriff nicht 
nur der Kran | <_• I t e L e o d e ( / r>.<mTei£c*voc , Plin. H. N. 
!. 4.), sondern der duftende Blumenkranz selber; 
d. h. die Grid biaohe S|»rache nannte Gott und Kranz', als 
seine G;il>e und festliche Zierde, mit demselben Namen. 
Nach "Vicander hiefs (foutgOf ein Kranz, nämlich in der Do- 
rischen Mundart (Lcsic. rhetor. mscr. in Auctar. zum He- 
•vcli. von Ruhnhen und in Bckheri Antcdd.gr. p. 22) sq.), 
und die Sicyonier nar.ulcn einen wohlriechenden Blumen- 
lir.uiK t«x^a ( ni>c\ Philctas beim Athenä'us, s. des 

r»m. P.7Ö ed. Harser.). Ganz richtig und ihrer alten 
Muttersprache gemäfs deuteten also nachher Griechische 
Mvthologen ihren Uionvsus- Bacchus als die in Blumen 
und Pllauzen überhaupt wirkende und lebende Kraft 
(Euseb. I'raepa.. I.v. III. p. mo.). Das war wenigstens 
richtige Ansicht Einer Seite von den vielen , worin wir 



36i 



unten das wunderbare Wesen, Dionysos genannt, er- 
blichen neiden. 

\ on der Lehre der Samothracier haben wir nach 
dem Bisherigen kaum nüthig noch besonders zu reden. 
Nur wenige Bemerkungen mögen hier noeh ihre Stelle 
linden. Es sind verschiedene Systeme dieser Dogmen 
nachgewiesen worden, die sich ba'd mehr bald weniger 
dem Griechischen Polytheismus nähern , der durch Eh- 
ren und Aemter eine grölst Zahl von geschlossenen In- 
dividuen als Bewohner seines Olympus schuf. In der 
ursprünglichen Cabirenlehre, worin Axieros als Einheit 
und Quelle der Gölter und Welt obenan steht , ist sieht« 
barlich ein höheres Emanationssystem im acht Aegypti- 
schen Sinne gegeben ; und dieses Hervorgehen und Zu- 

i, hehren aus Einem Wesen und in dasselbe ward ohne 
Zweifel dem Gebildeteren als Grundlehre vorgetragen, 
die freilieb der rohe Pelasger nicht zu fassen im Staude 
war. Ihm gab man dafür eine Beihe von Sterngöttern 
und ihnen entsprechende Bätylieu, Idole von der Ster- 
nenhraft inlluirt und magisch wirksam; ihm auch mufste 
die Naturkraft als Phallushermes sichlbarlich vor die 
Augen treten. Aufser jenem obersten Princip Aiiuri, 
und dem ihm zunächst untergeordneten hosmogonischen 
Wesen Axiokersos und Axiohersa nebst Cadmilus, griff 
die Verehrung der Planeten mit ihrem Führer durch 
alle Zweige dieser alten Beligion hindurch. Auch die 

rnonenlehre ward damit in Verbindung gebracht ; in- 
gleichen der wichtige Satz von Belohnung und Bestra- 
fung nach diesem Leben. Als Beweis dieses Letzteren 
liegt die Inschrift aus dem Hause des Peiresc von Ais 
Tor uns. Zwar ist sie, wie Munter ( pag. 4V) neulieh 
wahrscheinlich gemacht hat, erst aus dem zweiten oder 
dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, und in Gal- 
lien zu Hause. Allein da die darin herrschende Vorstel- 
lung von dem Sphären chore der Frommen so gai.z mit 



5Co 



»chcn Vasenmalereien redende Zeugen; und wir dur 
nicht zweifeln, dafs der 1 hraciseh - Orphische Du 
dabei auch den Olivenkranz geheiligt hatte, da 
lieh das Haupt des ermordeten Casmilus, der ja nun 
arnl.rer als der Orphisrhe Bacchus war, mit kein 
andern Kräng umwunden wurde. Der Tod des 
war ein Theil der dortigen Feste, so wie ein Haupt 
der Orphischen Lehre. Zur Erinnerung daran verbf 
euch die Priester Eppich mit der Wurzel zu M 
diese Pflanze aus des Gadmilus Blute entstanden 
(Clem. Alex. Proirept. p. 16.). Der wahre Gr. 
lag in der Beobachtung ihres Einflusses auf die 
struation der Frauen. Dionysus , um zu dies« 
zukehren , war nicht nur der Baumgott (ttevit^t- 
dcrnauchderBlumengott. Schon die altesio Grioch« 
Tersctzte ihn und seine Diener in die Landschaft Phj 
ins Bluiuenland, an das rosenreiche Gebirge Pangaum 
in den Roaengarten des Ktfnig* Mitlas am Bermioo 
allen Thracicn und Macedonien ( llcrodot. VII. 
A III. »30.). Er war nach ursprünglichem BegrifT 
nur der H r a 11 ■/. e 1 i c b e n d e (<pi"Kt)fJxi(pavoc , Plio. 
XVI. 4-)* sondern der duftende Blumenkranz Bei 
d. h. die Griechische Sprache nannte Gott und Ki .< 
Mine Gabe und festliche Zierde, mit demselhi 
T\flch r hiefs (iotx^oc ein Kranz, nä'mlicb inderl 

rischen Mumlart (Lexic. rhetor. mscr. in Auctar. zum' 
•ych. von Ruhnhen nnj inBekkeriAnecdd.gr. p. -aa4 ! 
inul dieSicyoniernariitt.il einen wohlriechend, 
kränz iax^a ( n*c'i Pltiletas beim Alhenä'us, *. 
Fragmin. p."H ed, Kayser.). Ganz richtig und ihrer 
Muttersprache gemäfs deuteten also nachher Griecbrt 
Mythologcn ihren Dionvsus- riacchus als die 
und Pilauzen überhaupt wirkende und lebende 
(Euseb. Praepa;. Ev. III. p. 110.). Das war wenigi 
richtige Ansicht Einer Seite ron den vielen, w< 



n das wunderbare Wesen, Dionysus genannt, cr- 
,en werden. 

"Von der Lehre der Samothracier haben wir naeh 
Bisherigen lianm nüthig noch besonders zu reden. 
wenige Hemerliungen. mo^en liier noch ihre Stelle 
in. Es sind verschiedene Systeme dieser Dogmen 
gewiesen worden, die sich ba'd mehr bald weniger 
bischen Polytheismus nähern, def durch Eh- 
\emter eine grofse Zahl von geschlossenen In- 
lucn als Bewohner seines Olympus schuf. In der 
rünglicben Cabirenlehre, worin Axieros als Einheit 
Quelle der Götter und Welt obenan steht, ist sicht- 
ich ein höheres Emanationssystem im acht Aegypti- 
n Sinne gegeben; und dieses Hervorgehen und Zu- 
iliehrcn aus Einem Wesen und in dasselbe ward ohne 
ifel dem Gebildeteren als Grundlehre vorgetrogen, 
freilich der rohe Pclasger nicht zu fassen im Staude 
Ihm gab man dafür eine Reihe von Sterngöttern 
ihnen entsprechende Buhlicn, Idole von der Ster- 
«raft influirt und magisch witluam; ihm auch mufste 
Naturhraft als Phallushcrmes sichtbar] ich vor die 
en treten. Aufser jenem obersten Princip Axiuri, 
dem ihm zunächst untergeordneten hosmogonischen 
»en \xiohersos und Axiohersa nebst Cadmilus, griff 
rebrung «1er Planeten mit ihrem Führer durch 
?ige dieser alten Religion hindurch. Auch die 
•1 damit in Verbindung gebracht; in» 
wichtige Satz von Belohnung und ßestra- 
Beweis dies»-> Letzteren 
»e des Peiresc von Aix 
üftch 
i zweiten 
und in ' 



562 

der bekannten ältesten Lehre von Samothrace zusammen, 
stimmt , da sie sich auch durch die Vorstellung der Pj> 
thagoreer , bis auf Cicero und Macrobius ^herab , bewis- 
ret , so dürfen Mir wohl nicht zweifeln , dafs auch diät 
ethische Folgerung aus dem Planetendienst in Jo- 
nen Mysterien alt und herkömmlich war. Es ist eiü 
Griechische Grabschrift auf einen jungen Schiffer, des 
man vermutlich an der Gallischen Küste begraben bitte. 
Die Inschrift enthält un gezweifelte Spuren, dafs er, wie 
so viele seiner Zeitgenossen , auf Samothrace eingeweiht 
war. Jener Satz liegt in den vier leuten Versen ausge- 
drückt, die wir hier mittheilcn m ) : 

„Tn zwei Schaarcn sind aber gesondert die Seelen der 

Todtrn; 

Eine , die nnbiai irret umher auf der Erde ; die lodrt, 

Welche den Reigen beginnt mit den leuchtenden Hin* 

melsgcbtirneu. 

Diesem Heere bin ich gesellt; denn der Gott warBtfh 

Führer."* 

So liefert diese Inschrift einen neuen Beweis von fc> 
weiten Verbreitung und der langen Fortdauer der S* 
xnothrae'schen lieligivnen. Im Gottesdienst des alte* 
Italiens war sie ein Hauptbestandteil. Weit nach W* 
sten ins Land der Gelten hin, wie die Griechen sagen 
(Diodor. IV. 56.), halle sie sich verbreitet. Auf dl* 



40) Nach M Unter a. a. O. p. 8 f. Antiquarr. Abhandll p.i* 
Den Ausdruck Heer von Gestirnen, und ähnliche,* 1 
sich der Bibelsprache nahern, hat er dort wohl erlls** 
p. 43 IT. p. 2)0 ff. In der Behauptung aber, daf* die kl" 
here Vorstellung von der dämonischen Natur des Met» 
sehen sich nic-a mit der Lehre von der Seelenwaudenaf 
vertrage , uiufs ich dem gelehrten Erklarer gerade» «• 
derspreeben. Die weiterhin folgende Darstellung der 0** 
phibchen Theologie wird unzweideutige Beweise vomG** 
^totbfcilc geben. 



363 

Klinischen In*eln fand man Spuren davon (Stfabo IV. 
p. i37 Almel.)- Die well beherrschenden Römer ehrten 
das beilige Eiland durch ErtheUtfng einer Art von Frei- 
heit (l'lin. II. N. IV. 93«)$ der hcldcnmüthige Germani- 
en» hatte sich dort wollen einweihen lassen (Taeil. An- 
na). II. j 4 . vergl. Scbelling a. a. O. p. 5. 4»).)- I'crsunen 

Kaiserlichen Hauses als Cabiren auf Münzen darzu- 
stellen , geborte nun zu den Huldigungen Römischer 

incichelei , während mancher fromme Grieche in die- 
ser ältesten Religion seiner Vater noch immer die Hoff- 
nung der Unsterblichkeit schupfte. 

§. 6. 

Zusatz. 

Da in der von uns schon mehrmals erwähnten Schrift 

über die Gotheiteu von Samothrace , i8i5. der gelehrte 

ich nicht hlus ausführlicher über den Sa- 

molhracischcn Dienst verbreitet , sondern auch über 

hen Punkt in den alteren Religionen Griechenlands 

Aufschlüsse ertheilt hat, so habe ich, um das Ganze 

der Darstellung in den vorhergehenden Paragraphen 

nicht zu unterbrechen, lieber hier nachträglich die 

Häuptlinge dieser Schrift in einem hurzen gedrängten 

Auszuge, mit einigen Bemerkungen begleitet, liefern 

wollen 1 j. 

Es ist ein eigentümlicher Aorzug dieser Abhand- 
lung, dafs der Verfasser einerseits sieh an das Beding- 
I, und den individuellsten Wendungen de» 
Volksglaubens eben so wenig nachzuspüren verschmäht, 
als den einzelnsten und kleinsten Wurzeln der alten 
rächen nachzugraben , während er auf der andern 



4l) Aus Jen Heidelberger Jahrbuchern 1817. nr. 47. mit ei- 
eungen und Veränderungen. 



564 

Seite durch originelle Ansichten und geistreiche Brt 
tungcu uns sowohl historisch als philosophisch auf ei 
so hohen Standpunkt stellt, d.'fs Mir mit ihm da«. AI 
meine der alten Religionen in Ursprung undAbleitu 
wo nicht immer klar einzusehen (wo wird das je zu h 
seyn ?), so doch hie und da, und nicht selten, xu ah 
▼ermögen. Die Verbindung dieser beiden Eigenscli*(i 
des philosophischen Geistes und des philologisch • Li 
rUchen Sinnes und Fleifses , möchten wir bei dieeer 
legenheit denjenigen als Muster vorhalten , die 
neuerlich zum olteni mit Mythologien rein a p» 
gesucht haben. 

Achten wir, so schliefst unser Verfasser, ehr* 
wohl auf Gotter- und Priesfernamen , als auf die Gtm 
ideen des Samothracischen Dienstes, so kündigt er w 
obschon auf Griechischen Inseln einheimisch, ungei« 
feit als Phünicisch an, und führt uns zu dn \< 
thung, dafs hier, wie anderwärts, die Einwohner 
jenige, was sie al> beiliges Institut von Fremden ü 
kommen hatten, auch in Namen und Formeln nicht 
andern wagten, sondern in Phönicischer Sprache bh 
die spatere Zeit herab beibehielten (p. 9. 33. 5i. 91 
Da nun die Phonicische Sprache mit derEbraiacben i 
tisch ist, so bietet letztere die Mittel dar, die Bedeu 
jener Namen des Samolhi -aeischen Personals zu crMa« 1 » 
Ohnehin ist die Nachricht des Mnaseas beim Schob«'** 
des Apoltonius, welche bisher bekanntlich fast allen Ca* 
tersuchungen dieser Religion zu Grunde gelegt word«* 
zu unvollständig und lückenhaft, and mufs ans den F' 
menten des Phöniciers S&uchunratbon in Materie 
Form vervollständigt werden; mit welcher Vrrvoll 
digung dann auch wirklich eiu Versuch gemacht 
(p. 9 f. 38. 82 ff). 

Von diesem Standpunkte Phönicischer und 
scher ReligiousurUundeo erhebt sieb der Verfasser 



365 



allgemeinen Retrachtangen , die wir unter verschiedenen 
Nummern liier lunzlich mittheilen wollen. 

i) Schon in Griechischer GöttcHehre zeigen sich 
Trümmer eines wissensi liaftücheir Systems y das weit 
über den Umkreis hinausgeht, den die älteste, dunh 
schiiftliche Denkmäler bekannte Offenbarung gezugen 
hat, und dafs diese nicht sowohl einen neuen Strom von 
Ecken ntnlfa eröffnet, nl* dm durch eine frühere schon 
eröffneten nur in ein engeres, aber eben darum sichere- 
res Beet eingeschlossen habe (p. 3o.). 

a) Der Griechische Gotterglaube ist auf höhere 
(Quellen als auf A ägyptische und Indische Vorstellungen 
curüclizuftihren , jj er ist der Urquelle näher geschöpft, 
als die che und Indische Götterich re (ebendas.). 

3) Das Griechische Drvolh, die Pelasger, haben 
die Grundbegriffe der Religion in natürlicher Unschuld 
und Frische erhalten. 

4) Wenn Homerus ebenfalls nair und kindlich ein 
Phanlasiespicl einer Götterwelt aufstellte, so geschah das 
unter dem Vorbehalt, dafs der Ernst der Geheirulehre 
Alles wieder in seine wahren Verhältnisse stelle. 

5) Diese Geheimlehre ist von Barbaren zu den Grie- 
chen genommen ; aber nicht gerade eben aus Aegypten. 
Letzteres war theils nur eine Sage Dodnnäischcr Prie- 
ster, theils eigene Prifalmeinuug des Hcrorlolus, der 
die Ebräischen Urltunden nicht bannte ; und ohnehin 
lassen sieb manche Griechische Religionsnanien unge- 
zwungener ans der Ebräischen als aus der Aegyptischen 
Sprache erklären (p. 3i ff. vcrgl. p. 88 ff.). 

6) Es ist aber das Samothracische System nicht in 
CIQer Emanation gegründet, welche Idee in den allen 
Religionen überhaupt unzulässig ist, sondern als eine 
aufsteigende Reihe Tun Wesen, die sich m einem ober- 
sten aullösen (p. 7S ff.). 



366 



Diese aufsteigen Je Reihe gestaltet sich nun , 
Samothracischem System x so : Das Tiefste : Ceres (I 
ger , Sucht) — darauf Proserpina (Grundanfang 
ganzen sichtbaren Natur) — Dionysus (Herr der Geil 
"weit) — Cadmilus über ihm (der die Natur und die 
•terwelt Verbindende , Vermittelnde). — Ueber die 
Allen der gegen die Welt frei stehende Demiurg (Zc 
als überweltliche , höchste Persönlichkeit) (p.28. 8« 
womit dann das Resultat der Untersuchung zusamn 
gestellt werden mufs : die Cabiren waren ein ' 
von Sieben (eine in Jujipitcr als Einheit sich ai 
Siebenzahl) , der gemeinsam vom Niedrigsten zun II' 
sten die Welt hervorbringt, und von unten herauf 
Eingeweiheten zum Höchsten leitet. Der Zweck 
Cabirischen Weihen war, nicht sowohl Aufschlüsse 
die Welt zu erhalten , als sich selbst den höheren 
tern in einem Bande mit andern Eingeweiheten zu 
binden, selbst ein Cabir zu werden. Das Sinnbild 
jenen Götterraih , wie für den Rund der Eine: 
war die verbundene Bewegung der Planeten. 
ren sind die Du consentes und compu'ces dei 
lind Römer; welcher Name jenen Götterbund bezek 
und nur eine Uebersetzung ist von dem 
her im, socii (Jud. XX. ts. 1 1.) , und zwar in d 
dafs Mehrere wie Ein Mann sind ( p 
pag. 100 ff.). 

Mit diesem Götterpysteme hangt nun ein S 
priesterlichen Personalitäten zusammen. In • 
menten des Sanchnniathon wird El-jun den Gabiren 
gesellt. Dieser Name ist aber Name des höchsten G« 
(Genes. XIV. 18.), und nach der Idee, dafs dt 
seines Gottes Namen trägt, ist auch diesci 
Malkisedek , der vollkommene König , und di 
Cabiren sind nur die den Vater verwirklichenden 
zelnen Kralle. Er ist in allen, und sie alle sindSydv 



36; 












«sind also die Cabircn Sühne Sydyhs , und war desselben 
Sydylis (Sadoks) Priester König von Salem, so wäre viel- 
leicht erlaubt zu sagen : jener Mal Ui Seiieli WM der erste 
bekannte Cabir » (p. 82 — 85.), 

In diesen Sühnen Sydyhs haben wir nun auch die 
Dioicuren, denn beide» ist einerlei Name (das Buch So- 
phar übersetzt dun Namen Zeus durch Sedek), und der- 
selbe Name tritt hervor Genes. VI. in den Söhnen 
Gottes, d. i. in den Verehrern des wahren Gottes, 
den Eingeweihelen der ältesten Mysterien. Von Anfang 
an war etwas abgeschlossen nur einem Theil des Men- 
schengeschlechts vertraut» das sicherst allmählig , wie 
von einem Mittelpunkt aus, verbreiten sollte. Und hier- 
in u die Frage: «Ist es nicht auffallend, dafs aller 
höhere und bessereGlaubc gleich anfänglich in Griechen- 
land und sonst unter der Form von Geheimlehren auf- 
t » ? Darauf die v.eitere Genealogie Jener patriar- 
chalischen lleligionsbeltenner in folgender Andeutung: 
«Söhne des höchsten Gottes wurden jene Inhaber der 
ältesten Geheimlcbre, wie die in ihrem Ursprung offen- 
bar menschlichen Zwillinge Dios-Curen wurden, und 
zuletzt selbst unter die Cabiren übergingen. Von die- 
sen höheren Naturen stammen die ersten menschlichen 
Heroen, die Nephilim (Niflungen ? ) , die gewaltig wa- 
ren, so lange sie lebten, und noch in der Unterwelt 
(Niftelheim der altnordischen Mythologie?) greift und 
berühmt sind; s. Es. XIV. cj. Jeder mag suchen, diese 
sonderbaren Anzeigen, so gut er kann, weiter zu ver- 
knüpfen; aber sehr natürlich ist doch, sich nach einer 
Erklärung der so allgemeinen Mysterienform schon in 
den ältesten Zeiten umzusehen v (p. rj6 ff.). 

«Die ersten Gabiren also waren magische oder, be- 
stimmter zu reden, die höheren Götter zur Wirkung 
bringende Kräfte oder Naturen. Doch nicht einzeln, 
nur in ihrer unauflöslichen Folge und Verkettung üben 



368 

«sie den Zauber aus, durch den das Ueberweltliihe m< 
"Wirklichkeit gezogen wird. Nun stehen auch die dar 
*ic zur Offenbarung gebrachten Götter mit ihnen wi» 
in einer magischen Verknüpfung. Die ganze Gabi 
reihe bildet also eine vom Tiefsten bis ins Höchste 
chende Zauberhette. Nämlich alle Cabirtsche \Yt 
sind nur fortschreitende Steigerungen, so dafs die* 
Zahl oder Persönlichkeit in verschiedenen Poter 
wiederkehrt, alle Zahlen demnach auf gewisse, und« 
unsl reitig drei, Grundzahlen zurückkommen i 
100. 4j ). Mit dieser Ansicht hängt dann auch der Tum 



42) Ich glaube meinen Lesern einen Dienst zu e 

wenn ich hier kürzlich bemerke, was neuerlich der tr 
liehe J o in ird, unabhängig von Schelling , gerade 
diesem Cabirischen Kdigionszweige Ober die Spuren i 
Zahlentheorie angedeutet hat. Strähn nämlich | X 
326.) berichtet eine Vorstelhingsart der Alien, 
hundert Idüische Dactylcn auf Creta die Vi 
von neun Cureten waren, wovon ein jeder zehn 
zeugte , welche Idäische Dacnlen genannt worden; 
macht dabei die Bemerkung, dafs die Vorwelt natßr!« 
Gedanken von den Dingen rathselbaft andeutetr , 
die Fabeln mit den Lehren anknüpfte. — Jouu 
le Systeme melrique des anciens Egyptiens p. ül4 
nachdem er auf die inet i i sc h e Bedeutung des Wo 
dixTvAo; aufmerksam gemacht hat, fahrt folgende! 
fort : „II est a croire , que ces nombres de 100, Sit 
apitliques aux Dactvk-s et aux Cureles, ont un sei 
Cache, relatit a de questions naturell« 
comrae Strabon le dünne a entendre , ou bim a de* 
sullau scientifiques. u Darauf sucht er zn zeigtn , 
ersten Bearbeiter des Eisens auf Creta beim Seht 
des Eisens, das sie mit ihren Fingern (iaxriXs 
teten , das Maafs Dactylus beobachteten — ein SU 
ebenfalls Finger genannt, weil der Fiuger br 
Mitafs beim Messen schon gebräuchlich war. D>< 
M*tft, nach der Natur des Fingers aus einer Lange 



3(x, 

i") nnfgcspreebene Sata yinsammcn 

frfihen Mlgemeinhetl magischen Glaubens , v\n 

mit vieler Uelcsenheit and treffenden Bcmcr- 

■n , auch etymologischen (z. B. Zwerge in Begriff 

und W.ii x abgeleitet), durch den ganzen 

m ■!( n Cabiren , üorybantett, Onctylen, 

.mn, I ».''.. l .?, i (xodaXoi) ii. s. w. durchgeführt 

. <}J5 lt.), womit die allgemeine Bemerkung 

zusammc dafs namentlich allen »reih lieben Gott- 

ii der Begriff des Zaubers zum Grunde liege; 

»eh die tiefe Beligionslehre der alten Deutschen 

i urli.iffcn habe, 

W ir bähen manche dieser SJitze mit des Verf. eigenen 

Wi.iifn g< jrhen , weil OS in einer so durchdachten Bnd 

^ durch wohlerwogenen Ausdruck ausgezeichneten Schrift 
in Wort mehr oder weniger, auf eine Wendung, 
to oder so gefafst , gar sehr ankommt, oder , kurz zu 
spreche») , weil auch seihst das feinere Cnloiit der Spra- 
ebf Winke giebt, in welcher proporitoncllen Geltung, 
uarli des Verf. Vbsicht, dieser und jener Gedanke ge- 

tnt'inrnen werden soll. 
Und hiermit glauben wir das hervorgehoben zu ha- 
i , was unseres Bcdünhcns der eigentliche Kern oder 
Mittelpunkt der Ideen des Verf. ist. 
Bevor "wir uns .üier darüber erklären, achten wir 
es für theure Pflicht, auch einige andere Sätze auszu- 
zeichnen, die uns entweder an sich als originell oder 
bcmerlujiswei th vorgekommen, oder welche weitere 
'kussichten enthalten. Wir werden dabei sanz kurz 



zwei Kilrren begehend ( — vo), ward beim Schmieden 
wie hi im T.mzcn beobachtet; und die Idilischen Dnety- 
len, Schmiede und tYaffi Dtlnser zugleich, wurden natür- 
lich wieder Fin ge r genannt. — Istdorns Urigg. p. JSo: 
Dact) Ii inveniores Hteranim et numetoru m. 

2\ 



370 

seyn, und gleich einige Bemerkungen einstreuen, (p.n 
PlntiVs Fabel von der Penia (ArmotK), und dabei 
Aeuf>erun<r , «1 ;> fs er h i e r , wie anderwärt», Dl 
eine schon vorhandene Fabel frei bebst 
del t » und d a Ts der erste Stoffseiner Ersäl 
lung ein Bruchstück alter Lehre i • I 

wird lange dauern , bis diese uns evidente "Wabfi 
Eingang finden wird, am längsten bei denen , die, 
sie selbst blos dialectische Naturen sind, und nicht 
geringste Anlage jiu großartigen altertümlichen Ri 
ginnsanschauungen haben, ihren Plato recht zu ehr 
glauben , wenn sie blos einen logischen Gymnasien ai 
ihm machen.) Hieran schliefsen sich sehr weit iiil 
Betrachtungen über den Begriff der Sehnsucht (*oS 
in alten Religionssystemen , mit llinw eisung auf 
tcllccluelle Zahlentheorie, mit gelehrten NachweUunj 
über einen Hauplfactor in dem alt • Persischen 
Zeruane- akherene (pag. i5. 58 ff. — Hier will ich 
der beipflichten, noch widersprechen, obwohl ich *« 
letzfeien, in so weit als das genannte Wesen d 
religion hein sumtnus deus seyn soll, wichtige Gri 
habe , welche ich aber meinen Herodoteischea 
hingen zu I. i3i. vorbehalten mufs ; denn es hit 
dies unmittelbar mit einer Grundform aller alten 
ginnen , mit der Religion des Mithras, zusamt 
Ich verweise vorläufig jezt auf das, was ich schon od 
im 1. "Ib. p. 701. 783 und 79,5 ff. bemerkt habe, und 
hier nur bei , dafs auch mir hier die grofsartig 
schauung Schillings im Vergleich mit der sehr 
schraubten von Rhode* in der Schrift über Alter 
Werth einiger morgenländischen Urkunden p. 108 
eine erfreuliche Genugtbuung gewährt hat.) — Im 
motbracischen System findet nun der Verfass« 
ms die Ceres und in ihr den Begriff jener Sehnst 
peraonificirt. Sie ist die erste bewegende Kraft, 



staltlose, tüf in Axinkcrsa- Proserpina erst Gestalt an- 
nimmt (p. 16 f. 63 ff). So wie Isis 'Ceres nun die ent- 
zündende Feuerkraft ist, so ist Osiris - Dionysus (Axio- 
nach Samothracischer Lehre die löschende, mil- 
dernde^ aufschließende Feuerkraft, Eri*tder, der den 
Zauber der strengen Proserpina überwindet. Hierbei 
eine gelehrte Ausluhning über Phlha und sodann Üher 

Toii"k, Xfvoüf, llersor, litrsits, Axiokersos , Oser, 
Oair, Osiris, Aesar, als Ein Uruort, worin die Bedeu- 
tung Feuerbändiger , Zauberer , EröfTner der Natur, 
Lehengeber, liege, mit einer Vergleichung der ähnlichen 
Idee des Othin. Hierbei auch der Satz : dafs Dionysus der 
freundliche Hades scy, dafs er die Seelen zu sich nehme, 
d. h. dafs sie aufwärts zu ihm und nicht abwäils zum 
strengen Hades- Pluto gehen , sey Mysterienlehre gewe- 
sen , tttld das Trostreiche derselben habe hauptsächlich 
darin bestanden (p. 17 — ao. 65 — 73.). Obwohl der 
\<ri'axser, wie von seiner Einsicht zu erwarten stand, 

li hier mysteriöse Dogmen und Volhsrorslellungen 
heidet, und im Homerischen Hymnus auf die Cere» 
TS. 4. die alte Lesart mit uns in Schutz, nimmt * so glauben 
«11 doch, dafs sieb das Vei hältnifs zwischen Pluto , Pro- 
serpina und Dionjaus schwerlich su fassen läfst, wieder 
Verf. gethan. Ich mufa mich begnügen , hier nur einige 
Z>\eifelsgründe anzudeuten. Zuvörderst, dafs Dionysus 
unten, unter der Knie ist, hat gewifs in einer uralten 
siebt seinen Grund. So nahm ihn insbesondere schon 
die Religion von Dodona — wir hätten gewünscht, dafs 
diesem fieligionsstwcige etwas mehr Aufmerksamkeit ge- 
schenkt Mörder» Ware« — Da war er der Aiovvaot; x^" 
noi;. Nun sind wir aber weit entfernt , zu behaupten, 
dafs er von Anfang blos als unterirdischer Gott genom- 
men worden wäre. Dies verbietet schon das System der 
« relenser, woselbst, nach mysteriösem Älythua, Diony- 
sus - Zagreus zerrissen ward. Diesem Allem lag, um 



Ö12 



kurz zu scyn , die allgemeine und höhere Vorstellung 
/um Grund«, d;ifs in Dionysos der grofto !\atnrleib, also 
das Oben, Kitten und Unten personificirt war, »»der 
deutlicher, in ihm war Zeus- Juppitcr. als verwirklichte, 
}< ''inenrciclic , bunte ^Yelt gegeben , daher auch von 
Zcu* selber manchmal so geredet wird, als sey er das in 
allen Horin rn , bis zum Geringeren herab, wahr 
I eben, a) Itt ja selbst, nach dem so bedeutsamen 

menschen Hymnus anf die Ceres , Atdoneua der 
Strenge und Uarlc, der mit unerbittlicher Gewalt das 

schuldige zarte Leben der jugendlichen Proserpina 
zu sich hinabreifst. 3) Werden in bcmerhenswerlhcn 
Stellen des Plato , Cratyl. p. 70 Heindf. Phaed" y. \o 
M \lfenb. , nicht dem Dionysus, sondern dem Hades die 
Prndicate der Milde, Gelindigheit, Sanftmufh und Weis- 
heit beigelegt. \\ ir können hier nicht mehr sagen, als 
das Eine, dafs die Vermitlelung dieser divergirenden 
und fast widersprechenden Mythen und Dogmen wohl 
auf einem andern Punkte, als worauf uns der würdige 
\ er£ hier stellt, bewerkstelligt, und in F.iner Idee ztn 
Tollen Verstandnifs gebracht werden müsse. 

Der Verf. geht zur vierten Person des Samothrnci- 
schen Gültercbors über. Es ist Kadmilos, Casmilus, 
Camillus; welcher nicht Diener der übrigen Samothra- 
cischen Gottheiten ist, sondern Yerkündiger einer an- 
dern. Es ist der überwcltliche Gott Zeus, dem er und 
alle übrigen Samothracischen Gottheiten dienen. Nu- 
alle sind weltliche Gottheiten ; er { Zeus) allein ist der 
überzeitliche Gott, der Heu der >>clt. Die übrigen 
alle sind Uephnste, weltliche theurgische Naturen , und 
not nii hten ist HepbäatOS als Einzelwesen im Samothra- 

< heu System aufgestellt. Das gäbe sieb auch dadurch 
-schon kund , dafs Hcphastus in beiuem B/Item unter den 
sieben Planelen und in der Zahl der Wochentage vor- 
kommt, worin doch der Schlüssel aller Göttersysteme 



3:5 

,«?. Auch der Etruseisch -Römische Camillus sey kein 
Ministrant jedes Priesters, sondern des Priesters von 
. r (p. 20 — 27. 7> — 80t)i liier sieht ein Jeder, 
tse \"ii uns ins Kurse zusanimcngcfafst »er- 
den Btuftten ; die Prüfling jedes einzelnen wüide uns sehr 
ii fähren« — Uehci die Idee von Kadnnlos - Hermes 
hnbe M li nlu'ii d.is !\ö|hige kürzlich vorgetragen. Im 
Einnelnen kann ich auch bei diesen Stellen mein grofses 
Wohlgefallen bezeigen, das ich an der tiefsinnigen Ait 
gefunden , wie hier die vielsagenden Pcrsonificationeu 
\ orvrelt behandelt worden sind. Gcuils ist der 
iE \<>n den sieben Planeten urul Wochentagen in 15c- 
auf die ältesten Göttersysteme sein fruchtbar; aber 
wenn -wir den Herodetuf und Andere baren, so führt 
uns dieaer Satz auch nach Aegyptcn, und es war daher 
»ehr consequent vom Verf. gedacht) den Hephaato? als 
.eine Person im SamothracUchen System zu verwer- 
fen - eben weil ei auch den Vordersatz verwarf, als ob 
dir Cabiren au? Aegjpten so (\en Phönuiern gekommen 
Wären. Er nimmt das Gegentheil an. — In Betreff de» 
« 1 1 - Römischen Camillus wollen wir doch eines 
•enden und eines entgegengesetzten Datums ge- 
drnl.cn. Gegen jene Erklärung nämlich lief»e sieh 
doch der allgemeine Ausdi neli des Varro de I. 1. VI. 3. 
anführen, der Camillus ohne weiters durch minister dei 
erklärt. Für die Ansicht dflf Verf. möchte .Manches 
aprechen , was G rupe nde uxore Romana cap. 4. pag. 
- sqq. gesammelt hnt, und besonders die von Rötti- 
in der Schrift über die Ahlobraiuliiiistlte Hochzeit 
elte organische Idee, dafs jede Ehe hei Griechen 
und Romern eine Art von Abbild der ersten Ehe des 
npischen Götterpaars , Juppiler und Juno, war; wo- 
mit der Gebrauch, dafs der impubes puer, also der noch 
unschuldige und zugleich seiner beiden Eltern sich 
noch erfreuende (patriruus und matrimus) Knabe, ein 



j/4 

*c«v natürlicher Vermittler de: Ehesegen» von dem 
himmlischen Ehepaare für die Neuvermählten war, sehr 
naturlich in Verbindung treten würde ' ). 

In Betreff des Coes ( Köij^ , Kt»»>,, ) benutzen w"n 
eine uns durch Priratmittheilung zugekommene Verbes- 
serung des Verfassers. Nämlich nicht als Seher (vi 
Chozek) , wie es pag, 81. heifs»t , sondern als Sühn er, 
OXn oder CH * wie ihn auch Hesychi.is ganz bestimmt 
erklärt, mufs dieser Coes genommen werden; und mit 
dieser Annahme wird erst die Schellingische Darstellung 
des Samothiacischen Systems als ein Ganzes geschlossen. 
Eine ahnliche Verbesserung müssen wir aus einer glei- 
chen IMiit heilung zu p. 89 ff. nachtragen, wo allenthal- 
ben 'tiptxtTia'toi mit dem Spiritus lenis gelesen werden 
mufs, wodurch die dort gegebene Erklärung des Verf. 
noch um einen Grad an Wahrscheinlichkeit wächst. — 
Doch mufs ich nicht nur in Bezug auf diese Worterklä- 
rung aus dem Ehräischcn , sondern in Betreff aller, 
die der Verf. mit so vieler Sprachkenntnif» versuchte, 
die allgemeine Erklärung niederlegen , dafs ich in diesem 
Punkte nicht zu entscheiden nage , sondern das End- 
urtheil darüber den Meistern orientalischer Literatur 
überlasse. 

P«g. 91 f. wird der Bochartacken Erklärung der Pa- 
laeci : i'irmus fuit , Beifall auch aus dem Grunde ge- 
geben, weil sonach in Phönicischer Anschauung die Ca- 
Liren , als vereinigende und befestigende Kräfte, dem 
trennenden , aus einander wollenden Wesen Poseidon 
in einem sehr natürlichen Gegensatze gegenüber treten 
würden. — Uns scheint diese Erklärung um so gründ- 



4i) Man vergleiche den Juba beim Pltitarch. in Romul. c 7. 
imd «I,\selb>t Leopold p. 2S3. und Diouysius Habe. II. 22. 
p. 2bU Reisk. ; in welchen Stellen auch die bemerkten Ge- 
gensäue hervortreten. 



3 7 r 3 

lieber, weil wir sie einmal mit allen Hauptbeinamen 
und Attributen des Poseidon im Einklang finden. Haupt- 
sächlich ist er doch der U nieste, der Er sc hü 1 1 e r e r, 
und auch Proclus zu Ptato's Cratylus (man sehe die Sülle 
in unsein. Meletemm. 1. p.32. not. 3o.) hat im allgemein- 
sten Sinuc den Poseidon als Prineip des Bewegen» für 
Alle gel'.tfst (ntrtov *i*'/;oEC)<i ä'jranu). 

\Y ir brechen hier unsere Bemerkungen über das 
Einzelne ab, um nicht zu wcillüuftig zu «erden» und 
■wt'jl es uns mehr darum zu thun ist, über das Ganze 
odei i'lier die grofse Idee, die alle« diesen Forschungen 
zum Grande liegt, einige Betrachtungen anzustellen. 
Hier wird nun der würdige Verfasser von unserer Seile 
■einen Widerspruch erwarten, wo es sich von den Prin- 
cipien handelt. Drei Hauptsätze sind es, worin wir 
ganz und gar mit einander übereinstimmen, und diese 
Einstimmung ist auch in der Abhandlung mehrmals auf 
eine für mich sehr erfreuliche Weise angedeutet worden : 

1) Das Anerkennen einer reinen GutteserlienntniTs 
in früher Vorzeit, woraus erst nach und nach unter an- 
dem auch die gesammte heidnische Gö'tierlehre entsprun- 
gen ist- — Hierbei mufs ich eben sowohl die p. 3o. aus- 
gesprochene Berichtigung der Ansicht des Gerb. Vossius 
zustimmend bemerken , dafs man nämlich nicht zu ein- 
seitig das Volk Israel als alleinigen Inhaber jener wah- 
reren Gotteslehre denken müsse, als die Vorsicht be- 
loben, womit jener grofse Satz in der Note 0,0. pag. 87. 
bestimmt ist. Wir lassen hier den Vf. selbst sprechen : 
♦ Da übrigens das Dascyn eines solchen Ursystems, das, 
Alter als alle sehril'tliche Denkmäler, die gemeinschaft- 
liche Quelle aller religiösen Lehren und Vorstellungen 
ist , im Text nicht eigentlich behauptet , sondern nur 
als eine Möglichkeit hingestellt wird : »o wird es wohl 
verstattet seyn, dieser Anführung wegen auf künftige, 
nicht einen Theil betreuende, sondern es selbst (das 



5-6 



«Ursvstem) in seiner Ganzheit herzustellen suchende 
Forschungen zu verweisen.» Da auf derselben Stil«» 
auf die Welt alt er verwiesen wird, su haben wir wol 
in diesem Werke jene Forschungen zu erwarten, un 
Niemand wird dieses so lang erwartete Buch mit aufrich- 
tigerer Theilnahme aufnehmen, uls wir selber. 

Der zweite Satz, worin Mir mit dem Verf. über- 
einstimmen, ist eine Folgerung aus jenem, und besteht 
in der l ebri zeugung , dafs in l'.etrefl Griechischer My- 

tlien - und Götterlenren zwar sm förderst Griechische 
Zeugen und Griechische Surachlaute vernommen wor- 
den müssen , dafs aber doch in letzter Instanz der Orient 
(wir wählen absichtlich diesen ganz allgemeinen Aus- 
druck, wie sieh im Verfolg ergeben wird) über Einheit 
und höheren Sinn jeoef Hellenischen Sagen und Lehren 
befragt Vi erden müsse. Hier bin ich in s-> hohem Grade 
mit dem Verf. ein \ erstanden, dals ich sogar nichts 



t 



gegen habe, dafs die Griechischen Quellen über das 
mothracisohe System aus Sauchuniathons Fragmenten 
vervollständigt werden; denn wenn mich früher derviel- 
sebrribende , aber wenigdenkende Meiners ( llist. doctr. 
de vero deu p. 63.) nicht zu der Uebei zeiigung bewegen 
konnte, jene Bruchslücke lür unacht zu halten (s. oben 
IL p. 14 i., wo ich mich an Göries anschlufs, Mythen- 
geseb. der Abiat. >Yelt p. 464.) — so vermag auch jezt 
uoch nicht der geniale und spraehgcl ehrte Payne Kuight 
(Prolegg. ad Humer, p. 411 ed. lluhhöpf.) durch seiu weg- 
werfendes Unheil über jene Fragmente mich auf ande 
Gedanken zu bringen. 

Endlich 3) bin ich ganz des Verlassers Meinung : 
d.»fs Magie und Thcurgie sich schon sehr früh mit den 
religiösen Aeufscrungen der Menschheit verschmolzen 
habcOi Ich hann jezt meine Leser aui* die Ueweise und 
VCrweiieu'i welche ich darüber im ersten 
Theile p. 1O1 tl. und p. 710. niedergelegt, so wie auf 



ht 



ö 7 7 









«las y was ich oben in diesem Theile von den Tclehincn 
prs.a^t h:il»e. — Von mehreren Punkten, worin ich \ oa 
Itrten und geistreichen Schriftsteller abweiche, 
be ich hier um su weniger, da ich, ohne ihn zu 
neu, mehrere seiner Zweifel vor Augen hatte, als 
tch Jon eisten Theit dieser neuen Ausgabe bearbeitete, 
iche besonders das erste Capitel des zweiten 
Buchs i ii 'l'hcils ; und wegen einiger andern Ge- 

genstände die üben ao geführte Anzeige ^'). 

§. 7 . 

J a i i o n , Ti'ophonius, die A l o Y d c n und 
M o I ioniden. 

Wir sind durch unsere bisherigen Untersuchungen 
mit dem durchaus bildlichen Charakter der Griechischen 
i ulturgoschicfctc einige rmafsen bekanntgeworden. Gleich 
r sind uns ja die Planeien und deren 
Henntnifs, die Winde und deren F.inllufs auf die SchilT- 
lahrt, die tellurischen Umwandlungen der Küstenländer 
und endlich das Wesen der Metalle, so nie die Kunst, 
.m Nutzen der Menschheit Eli gebrauchen — alle 
diese I>inge sind uns ja als eben so viele Personen 
yoi Augen getreten. So hat auch der A c ke r b a u seine 
historischen Personificationen. Erst im Ver- 
l »Ig unserer Betrachtungen kann aber von den grofsen 
I i-iitutionen der Cerca tischen und Dionysischen Religion 
die Hede seyn. Vorjezt wollen wir einige kürzere Iliero- 
glrphentafeln dieses Inhalts zu enträ'thseln suchen. Das 
Liter thut sich durch äufserst einfachen Inhalt kund. 
Su lautet die natürliche Satzung: 

Starke, Fleifs und Arbeitsmtith , verbunden mit 
£insiciit f locken hervor die Triebkraft dar Eide, die 



41) lleidclbb. Jahrbb. IS 17. nr. i7. p. 7-19 fl". 





3 7 8 

Kraft, welche den Mangel stillt, den Menschen nährt, 
staih und gesund macht; Ueberflufs au Gotretde ist der 
Stärke und Einsicht Lohn. Dies wird genealogisch so 
gefafst : 

(s. meine Meletemm. I. p. 53.). Es hat , so sagt das dort 
angeführte Scholion Palalinum . Jasion nach der Fluth 
allein die rietreidekörner gefunden. Zur Erinnerung 
an die Fluth aber stellten die allen Athener im Monat 
Anthesterion , der in den Römischen Februar und IKm 
fällt, dem Hermes Chthonius allerlei Saamen in Töpfen 
(^t'xpa^iruvffjrcp^ii'a^), als Sühnopfer tu i die in der Fluth 
umgekommenen , auf, und von diesen Saamcnhnrnern 
durfte nichts genossen werden- Dies war das Fluth- 
fest , das Todtenfest, das Fest der Saamentople und der 
neuen Saaten. Eine ganze Vorveit mufs in den Flutheu 
versinken , um den neuen Geschlechtern Segen zu be- 



te) Im Grunde ist 'Lw.tuv und 'lacro* Ein Name , und atic) 
manche andere Züge weisen auf dicselbea Grundideen 
hin, z.B. Jarons Mutter ist Polymede ( Apollodor. 
I. 9. 16.) oder A leime de (Apollon. [• 233. jhiq. Schal, 
ex Pberecyde) — die Viel kluge, die Geistes- 
starke. Er ackert mit den feuersprühenden Stieren des 
Vulcan einige Morgan Landes um ( Orpbei Argonn. 868. 
Apollon. Argann. Ilf. 4o1.>. Er gehört auch in die Lern- 
nische NfttOlfsbelj woran nicht nur die feuersprühenden 
Vulcani.«chen Stiere, sondern auch die Sage erinnert, 
daf* Jason auf der Rückkehr mit seinen Gefährten auf 
Lenins laudet, und dafs letztere die Leinnierinnen be- 
schlafen. 



3 79 

reiten. Werden die Seelen der Altväter zur Ruhe ge- 
bracht und eingesegnet, so bringen sie den Nachkommen 
den Segen aus der Erde , so werden sie Reichthum gebende 

ist6r {JaiuovE$ nKovcotiorai % Hesiodi Eyy. 122. Plato- 
C «at vi us p. 3o.8. p. 5o Heindi.) und ihre unsichtbaren 

lebStser w ) (s. Theopnmpus und Philochorus in den 
Schollen zu des Aristnphanes Achainer vs, 10-75. vergl. 
die Fragmente des Philochorus p. 86.). — Das ist der 
Mercurius- Hermes, «qui sub terris habetur» 47 ), der 
Bildungstrieb, das ordnende, die Masse durchdringende 
und sie bändigende Princip, die befruchtende Uralt, die 
auch unter der Erde wit kt , das Leben und der Geist 
der Erde. Er heilst auch Tropkonius, d. i. Nähr- 
tnaun , und ist ein Sohn des Valens, d. i. der Stärke. 
Seine Genealogie ist folgende : 

'loyyq (Valens) ^Coronis, Tochter des Phlegyas, 

des Brandraanu», Geliebte 
des Apollo 

'Eutins )i*ovio; 

oder Tpotp&vtoq oder auch E$>uijs eyiuvvioi und i$i/$o~ 
>«o, , welches Alles einerlei ist 48 ). In jenem Worte 



46) Begriffe, worauf auch der Etrurisch - Römische Glaube 
an die Penaten uud die Laren beruht. 

47) Cic. de N. D. ML 22. p. 607 sq.: «alter (sc. Mercurius) 
Valentis et Phoronidis (man lese Coronidis; s. die 
Note p. 607.) filius , is , qui sub ttrris habetur (oder ha- 
bti) , idem Trophonius." Man vergleiche damit das ia 
den Noten von mir Bemerkte. 

S. Etymolog, magn. p. 37t. p. 336 Lips. : cUrcu; i 2 ">'-*' 

Dasselbe im Eiymulog. Gudian. pa?. 20S , 91, Mthrerc* 
habe ich zur oben angeführten Stelle des Cicero p. 607. 
ecsanimclt, d.is ich hier nicht wiederholen will. Hier 
nur noch dies: Data "9-/y\ grammatisch genommen treib- 



HU 

«in 

-vie 



(tiMoi'i 10.) liegt nun "wieder eine doppelte Beziehung 
von &f* und urtn , d.i. bXiav oftXüv^ xtptiwoi, (Eustath. 
zur Ilia< XX. 72.), der sehr Nutzbare. Und hier- 
mit mag auch T ( »<if'jwi'ra; , d.i. der Nahrung vcr. 
hiiiil'cndc, aus Nahrung gewinnende, zusam- 
menhangen i sodann Von kpa , die Erde. Es hnnu 
am h . wie Riemer will , mit ifpcfftafn;, dem Attischen 
Erntekränze, zusammenhängen (Aristoph. Plut. io55. 
mit den Auslegern), welcher im Pyanepsitin oder Octo- 
her mit Liedern geweihet ward; nur darf man alsdann 
nicht vergessen, dafs tiqcoiüvr, auch ein Todtenluanz 
war (Alriphron. ep. Hf. 3j. p. 1 17 Wagner.). — Indem 
andern Gfaineil 'Epi;yStmo£ liegt nun wieder der Begriff 
des Eidmanns. Dieser Erichthonins wird zu eine 
eigenen Wesen, als Sohn der Erde, des Vulcanus u 
der Minerva, zum Erdmanne mit S c h 1 a nge ni'ii Ps 
(II. II. 547. mit den Griechischen Auslegern); so w 
Tvopfaoniut einmal als eigener Genius erscheint , ein 
andermal aber bil Mercur, dem Unterirdischen, zusam- 
menfallt. Jenen halte AtÜOi als Listen Pllutizer u 
Halbgort ve rherrlicht , diesen Büutien. 

\Imi Tmpliunius, wie uns Cicero meldet, ist auch 
Hermes chihonius , die die Todten fühl ende Intelligc 
(Hermes der Scclenlührci ) und ein Sohn der Kraft, 
gerade so wie Jasion der Secleni'ührer durch die Pi'ort 
der Gotter war (wovon im Verfolg das Nähere)^ u 
auch ein Sühn der Kraft heiP^t. Beide aber sind Männer 
der Nähr 11 11 g . i\ a h r v iiter und Heilande. Ea 
hat aber dieser Trophonius noch eine andere Genea- 
logie : 



lieh, Kfaraq aber neutral ist , stört die Personificatton , die 
auf den Grundbegriff sieht, nicht. Man denke nur an 
die Art, wie Sjgd*e$ im Prometheus de» Acschylus auf- 
tritt. 



Sfri 

Ergin us 49 ) ('Epylroi,-, Arbeits - Wehi'«inann) 
I ^^ p ^__^ 

i'huniu» Agamedes 
nrraann der sehr Kluge 

(•. Pausan. IX. 37. Sehol. Aristopli. Nub. 5o8. und da- 

»elbst Spanheim. Aelian. V. II. III. /»5. mit Perizonius 

Anmerh.). B o i « 1 Bruder , Trophoniua und Agamede*, 

en eine merkwürdige Geschichte. Sm sind üainnei- 

dt'S SnnnentempHs , sie bauen dem Apollo zu 

Delphi sein Tempclhaus. Sie hauen dem König Hy- 

us eine Schatzkammer , und durch Klugheit und 

Lut bereichern sie sich seihst , müssen aber endlich 

ie Beute des verschlingenden Abgrundes werden« 

Doch der Eine, Trophoniua, ruft fort und fort als ewige 

Stimme aus der liefe, er ist und bleibt die InteJIigens 

der Eide, llci mes chthonius. Er" buhen sein die Kräfte 

des Abgrundes, wird Juppiter • Trophunius (£et?{ j 

i s. Eies) eh.). Unter my-steriö-e" kder- 

ten Gebräuchen erlheUi er Port und fort denen , die 
tu den Schlund bei Lebadet in Böotien hinabgestiegen 
<I , l\ a 1 h und Hülfe. So wird Tiuplu.nius als Ha- 
des »um guten und weisen Gotle , zum $eü<; uynSuz und 
<^povifio M -wie Piato ( im Phüdon pag. 40 Wyttenb.) den 
Mades nennt; er wird als solcher zum AVeisen , /.um 
au!j'i(TT) t ' s (s. Plato's Cratylus p. 67 lleindf.). 

Auch der König Ilyrieus, dem die Brüder ein 

.lus bauen, tiitt bedeutsam in dieser Mythenreihe 

hervor. In diesem Namen haben wir vielleicht einen 

Zeidler, einen Bienenmann, worauf das Wort 



49) Dieses Geschlecht ?t-hürt nach Orchomenns in Hüolicn, 
der urallen , groflMD und reichen Sintli der Minyer j sieh. 
Pauüan. Bueot. cap. 3). §, i. und cap. 38. $. 6. 



382 

führet - p ). Seine Stadt Lief* Hyria in Bü'otien. "Wie 
dem aber auch scy, in seinen Nachkommen spielen wie- 
der ähnliche Begriffe durch : 

Neptunus w Alcvonc 
Ilyriens s1 ) 

Orion 



Metioche Menippe 
(Co r o nides) 

Den Orion, so lautet der Mythus, tudtet Artemi* (vgl 
meine Meleiemm, I. pag. 5i. 69 sqq.). Nun erzieht di< 
Mutter die zwei Tochter, die Lieblinge der Venus ui 
der Minerva, d.h. beide sind schon und kunstfertig, 
geschickt und erfahren in jeglicher weiblichen Arbeit. 



50) 'Tftfoc, von ufov, uf/ov, der Bienenstock. Wi 
das Mild der Biene mit den Cerealihchen Milchten und 
mit der Seelen Wanderung in Verbindung kommt, 
kann erst in weiteren Betrachtungen deutlich weiden. — 
Hier sey nur bemerkt , dafc die Beraubung der Schatz- 
kammer des Hyrieus ganz drr Herodoteischen Legende 
vom Schatzhause des Pharao Rhampsinitus nachgebildet 
itt, desselben Königs, der in der Unterwelt vo 
der Ceres ein goldenesTuch zum Gesehen 
erhallen hatte ( Herndot. II. 12«. 122.). Beiden 
Fabeln liefen Hieroglyphen der Agricultu 
zum Grunde. 



le 

i 



51) S. Eralosihen. Catastcrism. 23. Nicander beim Antonin. 

Liher. cap. 25. vergl. Apo'lodor, III. 9. pag. 309 Heyn. 

Davon die Stadt Hyria in Böolim , nicht weit von Tai 

. gra. H -siodus in der Herogonie hatte ihrer gedacht; 

lleynli Obss. ad Iliad. II. 496. p. 292. 



335 

Aber es kommt eine Pest. Apollo befiehlt durch zwei 
Jungfranen die Einmischen Götter 52 ) zu versöhnen. Da 
weihen »ich die beiden Töchter des Orion freiwillig dem 
Tode , und nnn erwecken Phersephone und Hades an 
der Stelle ihrer Leiber zwei Cometen aus der Erde , man 
den Jungfrauen einen Tempel , bringt ihnen jähr- 
lich Sühnopl'er, und die Aeolicr nennen sie die Coro- 
nidischen Jungfrauen (Kopravidots Ttap§evQ\\ -, s„ 
Antonin. Liber. I. l. p. »65 bqq. ed. Verh.). Die Haupt- 
begriftc, welche diesen Mythen zu Grunde liegen, sind 
diese: Die Schutzgeister, die nährenden und geuinn- 
gebenden Kräfte der Erde, senden auch Pest und Seu- 
chen; sie geben zwar Reichthum, aber sie fordern 
auch oft das Kostbarste, das Menschenleben in seiner 
Blut he. Furchtbare ßartsierne , schweifende Sterne 
en mit der Pestilenz gleichsam aus der Erde auf; 
Proserpina sendet sie und Pluto, eben die gewaltigen, 
Reicht hnm und ScKatM gebenden Mächte des Abgrundes, 
er, HXoütwk, der Reichthum i sie, <^e^0t(pövri 5j ) , die 
den Jahressegen bringende. Der Segen kommt jedes 
Jahr, Noth und Pestilenz selten. Nur selten lassen die 
guten Götter den Naturlauf stören, und die Töchter 
des Orion, des Sternenmannes, bleiben nicht immer 
furchtbare Cometen , sie nehmen ihren festen Platz und 
ihre Jahresfeier als friedliche Sterne. Orion , als Stern, 
ging im Sommersolstitium auf und im Winiersolstitium 
unter 54) % und brachte beidesmal grofse Stürme ; daher 



52) &Co ro£$ 'Ep<«uv/oLit , beifst es dort, und gleich darauf 
heilscn ebendieselben 9*oi y^Soviot. 

Si) 4 <j)/pouffa t6 a(f iki, toutiVt* tIv tAovtov 5tu tcv *«f- 
Tsv, öto reü ip^iiv ftnfTat, Hesyck. Tom. H. p. 1501. 

i4) Es ist niclu zu Übersehen, daß flyrieus neben Orion 
noch zwei andere Söhne gezeugt bat, nämlich mit der 



584 

Orion selbst zum Sturmwinde personificirl viril (Vh D . 
Aen. I. 3 J5. ). 

Hier sehen wir also die Kräfte der N n t n 
und des Geistes in der Bildersprache der Yuruelt vi-r- 
hürptit, und zu Personen, Intelligenzen und Gölte 
Verden. Ynrerst I'. rdltrnft und Wasserltr.it t 4 
und zwar nls Nahrungsprincip und Bedingung des phv« 
siseben Wohlsryns und der Stärke , und als Scboafi 
der Fülle. Aber auch b) Erd - und Wasserkraft du 
Tiefe als clrmenlarischc Potenzen ; Erinnerungen 
Erdrevolutionen und Fluth. Ferner c) Erdkraft au 
als zieh ende Gew a 1 1 : der Ackermann, der IVährva 
ter , mufs in die Tiefe hinab, und mufs des 'J'odes Beute 
werden. Endlich d) Erdkrni'l, Wassei kiaft , als begei- 
sternde Kraft j einfühlendes Vermögen des Menschen, 
elementarische Prophetie, und Orakeln aus dev Kraft 
der Erddünste 55 ). Und wie hier Trophonius , derNähx- 
man::, als Hermes chthemius aus der Tiefe weissagt, so 
heilst es gleichermafsen vom Jasiun : ihn haben Geres 



:;: 



Nymphe Clonia den Nycteus ( N und Lycus (AJ- 

/:-.); Apollodor. JIL 10. 1. p. ivj sq. Heyne — also einen 
Mann der N ac h t und einen Lichtsahn. Wenn nun 
in einer andern Stelle des Apollodorus III. i. 5. p. 
jener Nycttus der Erdsohn yö XScviu) heilst, M 
die Sparti (die Manner der Saat) heifsen , so wird 
wohl der organische Zusammenhang der Hr-grilFe abhol 
|en , »uil Heyne dieses Pradicat für dir II i nljjlo se *i- 

Ungcifhritu ^u nehmen (Observv. ad I. I. pag. 2i 
p. 273.). 

55) Hierbin gehört auch der E u fi u 1 e u s , der gute Bei 
fber, einer der drei Vater und Horte (Anaccs) von 
Athen; s. Cicero de N. D. IJL 2t. p. 587 , wo ich die 
nöthi^en Nachweisungen gegeben habe ( vergl. oben IL 
p. iJ6 iF.). 




und Proserpina begeistert (Arrianus beim Eustathiu» 
sura Homerus [tag. i5ü:6.). 



Jene tellurischcn und agrarischen Kräfte werden 
aber euch weiter von der einfachen Bildersprache der 
Vorwt-It personificirt, und treten als Riesen und als 
"\V u n de r geb il de auf ; als Riesen in den AI o i den» 
als Wunderhürper und Doppelleiber in den Molioni- 
den. Diese Vorstellungen 1 in -welchen theils alte ter- 
restrische Erinnerungen Ton der Flu th, theils die Be- 
dingungen, unter denen agrarische Cultur in Grie- 
chenland und an den dortigen Küsten erwuchs, theils 
die einfachsten Satzungen der bürgerlichen Ge- 
sellschaft und gesellschaftlichen Moral enthalten sind» 
wollen wir nun weiter verfolgen. 

Zuvorderst: die Idee der A 1 o'id en 56 ) , der Ten ne- 
männer oder der Söhne der Tenne. Sie »teilt sich ge- 
nealogisch so dar : 

Poseidon w Canachc 

Aloeus w Iphimedia , Tochter des Triops 

(oder vielmehr aus j heimlicher Liehe rom Poseidon) 

Otus und Ephi altes 
die Aloi'den. 

Die Männer der Tenne sind also ein Neptrmisches Ge- 
schlecht von mehreren Seiten. Aloeus — 'AXcaerc, der 
3Iann der Tenne **) — ist des Neptun oder Poseidon 



.56) Die Quellen habe ich mr Xllt. Erztlhlung des Xonnua 
p. 83 des ersten Bandes meiner Meletemata genau an- 
gegeben. 

57) »j iXwd »Tenne, aber auch Saatfeld; daher t« 'AijSa, 
Saatfest. 



11. 



a5 



Soli». Er nimmt sich die Iphimedia , 'j<jpi£ito'eia, die 
«ehr l\ luge, zum Weibe; diese aber ist ihm nicht 
sowohl zugethan — ihm. dem Ackerbauer und Erd- 
mannc, als dem Wassergotle. Sie geht fort und fort 
an de» Meere» Ufer, sie buhfet mit dem Herrscher des- 
selben, sie buhlet ihren heiisen Busen mit den hallen 
Wellen seiltet Ffafh (Apollodor. J. 7. p. 46 Heyn.) , bi* 
er sie endljeh beschläft . und sie von ihm die zwei Sühne 
gebiert. Sie heifsen Sahne ÄW Tennemanne» ("AAa>t-itfai) t 
sie treiben auch sein Gtuci'-e; aber sie sind doch ei- 
gentlich Kinder der wilden Wellen, sie sind Riesen* 
te aus dem wilden Wasserreiche , aus der feuchten 
Tiefe , säe sind Söhne des Neptun , wild und vermessen 
(Gellii Noct. Art. XV. 21.). Und vielleicht wollten auch 
ihre IN'.<men das sagen: ''Q.xoq (von i»%f«; , die Ohr etil 
der Vogel der Nacht) und *E<$naX<r>;s , der Angreif 
die drückende Hürde des Riesen , der ängstigende Dänion, 
der Alp, inenbo ( vergl. Homerische Briefe pag. »46 ) 
Sie werden RicscnlciHer , nenn Ellen breit und neun 
lila Pier lang (Odyss. XL 3o4«) i sie wagen auch den 
Kampf £B11 den Göltern, sie ihürrnen Bärge auf, auf den 
Olympus den Ossa und auf den Ossa den Feiion; sie 
ibrdern keck Götterfrauen, Olus die Diana und Ephial- 
tos die Juno , ja sie fesseln den Mars , bis sie sieh end- 
lich selbst aufreiben, oder durch Apollo's und der Ar- 
temis Pfi ile fallen ( llias V. 3H5, nebst den Scholicn). 
\ oi her aber haben 6ie noch Städte gebaut, ■■ R. Ascra 
(Diodor. Sicul. IV. 87.), und haben den Dienst der Mu- 
sen inBöoticn gestiftet, — Wer sieht hier nicht die Erde 
um die Seen und Rüsten UnConflitf mit dem Meere; wer 
lieht nicht tellurische Veränderungen j n den Flafrgebie- 
teri des Pencus und Asopns ? Das sind die wilden!. 
der Urwelt , und ehe diese gebändigt sind, kann die 
Tenne nicht gelullt werden. Der Mann der Tenne 
sendet scineu Wilz vergebens aufj »ein Weib, die 




S8 7 

Krde , buhlet noch immer mit dem Meere , und da$ 
Heer stufst Riesen Ui alle aus 1 Vuleane, die den Tag ver- 
finstern , dii die Luft verbellten, und den Odem der 
Brust versetzen, drückende, finstere Massen 
und K ra f t e. 

Ich Komme auf die Fabel der Molionidcn oder 
Aeloriden, Eurytus und Cteatus. Von ibneu singt 
Numerus Iliad. Will. d». : 

beide nun fuhren gepaart ; der hielt und lenkte die 

Zug» l , 
Lenkte die Zügel niil Macht j un<l der Andere trieb mit 

der Gcifsel "). 

Tiehannllich sahen die bisherigen Alyihologen in diesem 

<us nichts als die Sage von Ztüllingshriidcrn , die, 

einer für den andern »lebend , auf ihrem Kriegswagen 

den Feinden grofsen Schaden getbau 57 ). Dafs sogar 



58; nach Vor«. Im Griechischen Texte selber heilst es: 

ei S" qtf iVjv b,i'jfui • o (Lilv sjatiSsv ijVtcyiUiV 
tfJLTtSäV ividyi\j • o «5' aoS fUtCTffl y.tAf.k'J. 

Die nachfolgende iinlwickehmg dieses Mulms ist aus der 
Homerischen Briefen p, 10y (1*. genommen. 

60) Hermann (über das Wegei) und die Behandlung der My- 
thologie , Leipzig tst.4. s. besonders pag, 55.} hat, mit 
Bestreitung meiner Ansicht, diesen Mythus auf eine , \»ie 
er cjauht, völlig befriedigende Weise so erklärt. Ihm 
ist JMaAio'vij die Kommende. Also können ihre und des 
Neptun Sühne nichts anders als Abkömmlinge von der 
See bedeuten. Acfor, der Gemahl iltr Molioiie , ist der 
<ende , wenn die Ankunft ra I oder H*udcb>- 

w,j;iren verbunden gedacht werden soll. Di** Zwilhng»- 
kinder dieser Ankunft Bind F.urytUS , der, welcher gute 
Gt>chafte macht | wohl, dem die Waaren von 

l*e gut zufntlVu >, und , der, welolu r Etw; 

rrwiilx. Also will der ganze Mythus so viel b 
köiumiinge aus dem Meere j welche W.Mfen hrmgen, 
ei werben bei gutem Geschäftsgänge Reichtbümer« — 



388 

der nüchterne Aristarchus in Jena Homerischen «fuTruo», 
statt des sonstigen ätSv^tdioi.c , einen Doppelleib von 
«wei Köpfen, Tier Acrraen B. ». w. erkannt, und auch 
Hesiodus von Doppel menschen St<fvelg geredet hatte, 
wollte nichts verschlagen. Heyne und einige seiner 
Nachfolger meinten , das sey für das Homerische Zeit- 
alter y.u künstlich. Ehen so künstlich war einigen Alton 
Termuthlich die Dichtung des Lyrikers 11») ins vorge- 
kommen , der diesen heroischen Doppelinann gar aus 
einen» silbernen Ey ( tv ata depyt-pirp) hervorkommen 
liefs ; und da schien es ihnen denn gar nicht künstlich, 
wenn sie aus dem Ey ein vTttp&ov , eine Kammer irn 
Oberstock, machten t£ ). Wenden Mir uns von diesen 
kunstlosen Künstlern üb, und sehen selber nach, so 
macht uns zuerst die Genealogie aufmerksam ; 



Actor 



Molione 



Poseidon 



Eurylus Gleatus 

Die Molionidon haben zwei Väter, den Actor menscl 
liehet Weise und den Gott Neptun , mit dem ihre Muttcf 
gebuhlt hat (wie die Mutter der Aloi'den — der Man« 
ncr der Tenne — Iphidcmia, die sehr Kluge 6< ) , auch 



Mir Sind diese Namen WorterkMrnDgen älterer Hiero» 
gly(ilienljillij«r. Solche Erklärungen , Worte umi Namen 
sind |jiügndi)t, \ ielsagend , wie die Hieroglyphen seilet. 
Man vergleiche ntir den Horapollo , drr aus Liner Hiero- 
glyphe oft viele HdupthegriilV und Haiiptworte, die einen 
inneren Zusamnunhang haben, ableitet. 

CO) IM diesem Sinne halte schon Ch-arclnis in der erotischen 
Geschichte die Gehurt der Helen a und das Ey der Leda 
zu erklären versuch!; Alhtnliu* II*. p.JS. p.£21, wo auch, 
die Verse des Ibycus von den Motioniden stehen. 

61) Wie die Mutter Jasons, des Alnnnts, der die Feueistiere 



58 9 

im Mrerwasser ihren l.ciften F>nsen so lange abkühlt, 
bis Neptun sie heschläi't, wovon sie datin die Aloiden 
gebiert [Apollodor. I. 7. j». 46.], die mit ihren Riesen» 
Ieibcrn alle J.ihre mehr und mehr Morgen Landes be- 
decken , beackern und besetzen). Wir denken auch 
an Eleusis, den alten Heros der Acker- und Hader- 
»ladt, dessen Vater der wilde Meergott Neptunus seyn 
»ollte. Und der Vater der Molioniden» Actor ( w Axtg>p 
— *Axtji), ist sowohl der Mann des Gestades, an dem 
sich die Iti audung des Meeres bliebt, als der Mann des 
zermalmten, gemahlenen Getreides { A^uifre pus äxx^ 
Hesiod. "Ery. v. 3a.). Die Matter Molione ist die Kriegs- 
fraa (uo7Xo^ f jioXo.;). Haber heifsen sie dio Molioni- 
den (MvktovlSat) d. i. I5riegsniänner , oder die Actn- 
riden (*A*To^t«v£), Söhne des Gestades und der stür- 
menden Fluib. Ohne Krieg und Streit wird Ackerboden 
nicht gewonnen, oder doch nicht geschlitzt. Daher kieft 
der eine Sohn Eurvtus, der wohl schützende (iv und 
fioftat M). Er ist ein Schirmer und Hort (afyai), wie 



bandigt, Polymerie und Alcimede — die sehr Kluge — 
heilst , und Jasion?, des Getreidcnianncs , Mutter Phro- 
nia (Qowia) , die Weis e. Man übersehe diese Paralle« 
len nich». 
62) Nach der Analojjie von Suvare; und der bekannten Ae- 
centverSnderung in Eigennamen. Doch würde de-r Haupt- 
bfjriiT M a 11 n des Schutzes auch bei Annahme der 
passiven Bedeutung nur eine andere Wendung erhalten, 
wonach der Ackerbauer rlen Schutz empfangt. Wollte 
man aber an den Namen Bufurfoy, von tnif^i , denken, 
«o wurde sich in dem Namen Eurytus der Mythus dein 
der Aloiden wieder nähern , wir würden ein Lahfniidiiis 
gewinnen; und auch so würde die agrarische Grundidee 
immer bleiben. LJuttmann (im LexHogul I. p. 146.) halt 
die Form "E/jtc; , welche bei den Itteren SehrifuUettern 
stau Evpvr»? vorkommt, für die wahre Namcnifnnu in 
der Tradition des Stammet , dem dieser Heros gehört. 



:::: 



die beiden Horte (äiaxti.) von Athen, die Dioscnren, 
«He u Sparta auch aus dem Ey geboren worden (s. oben 
IL pr»g. 3^2.). Der andere heifst Cteatus, Mann der 
Habe und des Brsitzes, Ackerland und Ackei\i«'h 
(xxtop, res maneipi im ältesten Verstände) ist sein Dieb 
ten und Trachten. Die Fliith muf> erst verlaufen seyn 
und das Meer mufs ordentlich lliefscn (iv pvüv und flvTov 
das Wasser, nach Giävius Verbesserung der Scholi 
zum Resiodns pag. 237.) — ehe bann Ueherllufs und 
"Wohlstand (Efyp«o() nicht hemmen. Wenn das f«Me 
Gestade die Jtuthende Brandung abhalten bann, dann 
Limmrn die Aclicrmänner, Besitz ^mte«|i) und Acher- 
\iih ist ihr Ziel- Ohne Krieg ist bein Besitz, kein 
Acbcrvieh und Acberboden sicher. Wer besitzen will, 
mufs abwehren, mufs wohl schützen und schirmen (ev 
jjüuöfti). Damm hl auch der erste Ackermann, Trip- 
tolcmus , zugleich der erste Kriegsmann (TCTptpficro; 
iv noliut.i) in dem Gebiete der lUderstiidl EJcnsit. Wef 
■ich seines beimischen Bodens versichern will, m 
ein Doppel mensch werden; «wei Hände mufs er ha- 
ben für Schild und Schwert, zwei für die Geifsel un 
für den guten Zfigel (■*« pvTct r ' 3 ) , Io. Dincon. ad Hesi 
8c. p. 21 3.). Ein Leib mufs die doppelten Glieder tra- 
gen, Ein Wille mufs zwei Seelen binden. Darum habe* 
auch die Athener aus Acgypten bebommen einen *1 . > p- 
pcüeibigen Seblangenmaun (Sirpvü xal SpatxovTCJ&iq 
den Cecrops (Hclercmalt. b p. 63.). Er halte auch zw 
Naturen: eine linde und aufrichtige, und eine furcht- 
bare, listige, kluge, tchJangenartige (.Plutarch. de S.N. 
V. p n^. 8i,). Sosoll der Ackermann sevn , schlau unii 
furchtbar gegen die Feinde, linde und gerade gegen die 





s 

11 



63) Auf dem Kricsswogen aber bleiben sie als Actoriden die 
8 -Imr des F h i e r i oder selbst da« Leitseil 




3<)i 

Freunde. Hader und Freundschaft (vt'ntoq und <pt"kl<x) 
sind die Fuetoirn der Welt physisch und moralisch. 
llieriuit fönst alle bürgerlich« Gesellschaft an. 



A e s c u 1 a \> i u s , Tclesphorun, II y g i e a , die 
II ei Igo 1 l h e 1 1 e n. 

Anf den achten Prüder der Cnbiren müssen -wir 
noch einen Blick werfen. Da« ist ja jener Esinun, 
Aejculapius, wie v.ir oben hurten. Diese achte 
Kraft Iiann in der andern Cornbination aber auch die 
erste heifsen. "l'riit nämlich Ph'has, der urspi ünglicho 
Feuergeist, zu den sieben Cnbiren , so ist er Vater und 

lieber der übrigen , und der achte, in so fern er 
noch ungeboren in ihm ruhet, ist in ihm und mit ihm 
der rrste. So nuifs auch jener S e h tu u n von fhemmis 
oder Athitiin (der Schmunsstadt in Oberägypten) ge- 
dacht werden. Denn er ist kein andeitr als Mende* 
(Pan), einer der hohen Götter e r st e r Ordnung, nach 
dortigem System, und die zeugende Naturhraft 
durch und durch (s. oben I. Tb. p. 476 f.). Man hat es 
wahrscheinlich gemacht, dafs letzterer tucll Aegyptisch 
der achte und mit jenem Esmun von Phünicien ein 
und derselbe sey , d. h. als Emanation gedacht, die aus 
ihrer Quelle, Phthas-Sydyk, hervorgetreten, und be- 
sonders gesetzt wird ( a. oben II. p. 22.). Da» war der 
schöne Jüngling von Bcryth , der durch die Zauberkraft 
seiner Schönheit die Astronoe fesselte, jedoch solchen 
Gefühlen fremd die Liebe unerwiedert liefs, und sich 
selbst entmannte ; dafür aber unter die Götter versetzt 
ward (s. oben II. p, i5ü f.). In dieser Wurde hiefs er 
V 2 ia n , Arzt, und es litifst von ihm, er habe in der 
Finstcrnifs ein grofses Teuer angezündet. Hier haben 
wir also wieder eine Götteriucarnation mit den Eigen- 
schaften eines schönen ujid eines geschwächten 



Sonnengottes. In jeder ist er Sonnengöttern verwandt 
die wir bisher ltennen gelernt haben. 

Die Verwandtschaft mit dem Apollo knüfte der Pho> 
»icier durch die zwei Begriffe: heilbringende Sonne 
und von der Sonne erwä'rmteLuft ßi ). Letztere 
var bestimmt jener Esmun-Acsculaplus (s. oben II. p. i5q. 
und Munter H. d. C. p^^.) : Apollo war Vater, Ashlepius 
Sohn. Als der entmannte Gott fällt Esmun ganz mit 
dem Phrygischen Attes zusammen, womit auch historisch 
nachgewiesene Spuren ihn verbinden. Der Landsmann 
Adonis aber ist nur eine andere Wendung derselben 
Idee, so wie der gefesselte Hercules von Tyrus. Er ist 
die geschwächte Sonne des Spätherbstes. In denselben 
Beziehungen fallt er mit Aegyptischcn Gottheiten zusam- 
men, mit llorus im ersten Sinne, im andern mit Harpo- 
erates und folglich auch wieder mil. Sein und mit dem 
Erdgotte Seiapis ( s. oben II. p. 208 f.). Aus Acgypten 
vorzüglich auch ging ein alles Geschlecht von Asklepia- 
den , um sie Griechisch zu benennen , aus. Das war ja 
das Land « der Würze zu guter und schädlicher Mi- 
schung » ; dort ging Helena, die Bereiterin des Zauber- 
tranhs , bei der weisen Polydamna in die Schule (Homer. 
Odyss. IV. 23Ö IT.); und mag auch was HerodoVus (11. 84.) 



: 



64) Von dieser Ansicht einzig und allein scheint Sickler in 
seiner neuesten Schrift; „Die Hieroglyphen im Mythus 
des Aesculopius , Meinungen 181.9.", ausgegangen zu 
seyn. Dortgiebt er nämlich (pag. 60.) den L'i begriff des 
.Aescubpius fnlgetnJ ermaßen an; „die vorzüglich in warm 
„sprudtloden Ouetkn sich äußernde Cthunfllieiuluft oder 
„Htilluft, die von der Sonne ausgehe und mit dem Ge- 
„ wässer der Hochgebirge sich verbinde. u Darum seyen 
auch die Tempel des Aescntaphts theils an warmen, theils 
an andern Heilbädern und Heilquellen angelegt worden. 
Vergt. oben II. p. 159. not. 2i2, wo ich mich auch über 
J\i)ue Jviughi's Erstellung erklärt habe. 



5 9 3 

von den ärztlichen Einrichtungen seiner Bewohner er- 
tälilt nach unstrn begriffen keine hohe Stufe der Aus- 
bildung medicinUchcr Wissenschaft bezeichnen, soviel 
bleibt gewifs, Aegypten dachte sich von jeher seine 
(ruften Katurgotthchen auch als ärztliche Wesen, und 
ichtieb ihnen auch die heilenden Kräfte zu (vergl, I.Th. 
pig. 3q5 f.). Da ward die grofse Landesmutter Isis zur 
bellenden Mutter, und auf Inschriften erscheint sie theils 
•Urin , thuüs dem Scrapis zugesellt , als Isis salutaris 
(Gruterut p. 83. Fabrctt. p. 470. Heincsiu* Cl. 1. nr. 
Port füliret die milde , segnende Isis die HeiL 
schlangen oder Agalhodämonen (vergl. oben I. p. 5o4 f)i 
«üeziiriicide aber sendet die lüdllich vergiftende Schlange 
Himnri liois, die selbst den guten Steuermann ums Leben 
bringt, und von der die Zauberin Helena wieder dal 
Gilt nimmt (Aelian. II. A. XV. i3. aus Nicander). Se- 
f*pis aber, ihr Gemahl, hat zu Cannbus, wo auch des 

los Tempel war , ein hochbet ühmtes Hciligthum, 
Weltbekannt durch Incuhationcn und Wundcrcuren , die, 
'ni Tempel niedergeschrieben und aufbewahrt , eine 
hnga rieihe von religiösen Traditionen und von är/.t- 
Wun Erfahrungen bildeten (Strabo XVI f. p. n53. vgl. 
uionysus I. iC2.)* Wir dürfen nicht zweifeln, dafs 
fl uch der Geheimdienst, der sich in dieser Stadt bis in 
die späte Kaiserzeit erhielt, diese Ideen nach seiner Art 
•ufgcfafsl und fortgepflanzt habe. Da war nun der my- 
'titche Gott Canobus selbst auch in diesem Sinne als 
tybiochus , d. h. als Fuhrer der guten Schlange des 
^gathodamon , und selbst als Agathodumon gedacht (Tgl. 
1 Th. p . 3 l 3. 5o5. f, 2 6f.). 

In Acgypten auch ist der mit Schlangen umwundene 

de Naturkelch zu Hanse , den Isis und Scrapis 
* l| bren, oder der vielmehr das ältere ld«>l dieser Gott- 
heiten selbst ist. Dort auch die heiligen Schlangen, die 
wan als leibhaftige Reprisentanten der Ueilgöller in 



394 

Tempeln füttert. Mit Fonighuchcn (ueXtTOcTxai^) wur- 
den diese Lan des Fe tische genährt, womit man auch die 
Schlangen der Erdhriifte und Todesgottheiten zu füttern 
pllegle. Der Arztgott ist zugleich telTurischc Potenz, 
und ans der Erde Schnnfs sendet er die heilenden Quellen 
herauf 65 ). In dieser Ideenreihe wird nun die neue Ver- 
bindung zwischen Phthas • Svdyfr und Esrnun - Schruun - 
Acscula[iii)s geknüpft, Auch als Erdgult ist Letzterer 
ein Sohn des Evsteren , wie er es als Sonnengott war. 
L'nd so ist denn auch der achte Bruder der Cabii cn sti- 
rem ^ esen nach Eins mit jenem Serapis zu Canobus, 
und so gut wie er Inhaber des SchJangcnkrugs , ja ur- 
sprünglich Schlangenhrtig selber. Wir haben oben einen 
solchen Schlangenlinig mit langer Röhre bemerkt, worauf 
die Fütterung der an einem liaumc aufgei ichleten llcil- 
schlange vorgestellt ist, der die Inschrift 'A^KAHIIIOS 
I i!ir»'t ( s. Dionys. p. 220. vergl. oben Th. I. p. ^17 fiT.). 
Auch war es jeuci alte Becher - und Schlangeniräger 



fcij Hier niflsssa wir auf die eben angeführte Schrift vonSicl 
ler verweisen, welcher auch p. 20 f, sich ülier das Sym- 
bol der Schlange verbreitet. Dafs näintkh die Schlaüj 
»itr H e i i s c h J a n 1» c werde, und eine Beziehung 21 
Heilquelle und zum heilenden Gutt erhalte, erklart d«i 
selbe aus dem l msiande , dafs, besonders in wärmet 
wnd zugleich wasserreichen Ländern , warme Quellen 
di r Lisblingsanfenthalt von Schlangen sind. Sie mulVien 
dem Naturmenschen als die Wächter der Quellen er- 
scheinen, an ihnen fand er den sichersten Leiter zu der 
trolle, die ihm LmdtTUrtg und Heilung versprach und 
fal). Dies, näbfti Indern UrosMtatfen , muffte wohl das 
&cklaqg«nbjld ?um Symbole des verjGngti n Lebens und 
der Gesund behsquelle machen. Aher >dccu»en 

das Gebiet der pru jitrlichcn Arznrikunde nicht aliein 
Mftfassen , «o kann auch aus der Verehrung der KeilqueU 
len nicht der ganze Sinn des Askltpiijehen Schlangen* 
dieusic» abgeleitet werden. 



3 9 5 

Herme* , dem noch bis in die späteste Zeit herab der 
Aegyplier die Hunde der astrologischen Botanik und die 
Bereitung der beilsamen Krüulcrsäftc zuschrieb, wovon 
Mir oben (1. ]>■'<£• i*y't f.) aus einer solchen Schritt eine 
Probe mitgetheiit haben. Das war die verkörperte In- 
lettigeaz des VYcltschupfei's und der erste Casmilus nach 
ibirisehen Religion. Nach allem Bisherigen ist es 
ikbt weniger wahrscheinlich, dafs aueh der alt-Acgyp- 
\rztgott und der Phonicischc Estnun den Cahiren 
UHcmphii und untn Patäken gleich gestaltet war, d.h. 
<bf* man auch ihn als Pygmäen in den Religionen 
Wider Volker bannte. 

§• 9- 
Unter allen diesen Beziehungen und Vorstellungen 
Kt nicht Eine, die sich nicht aurh in Griechenland 
• eisen liefse. Zu Aegium ir Achap waren nicht 
M eit vom alten Tempel der ftithyia des Ashlepius und 
(in llygiea Bildsäulen (Pausan. VII. a3. $. 5.). So wa- 
ren also auch dort die heilenden Gottheiten der alten 
hichtb rin gerin und Geburtshelferin beigesellt. Zu 
litanc im Sicyojiiei lande , wo Titan, der Sonne Bru- 
der, zuerst gewohnt haben sollte, hatte Alcxauor, des 
Machaon Sohn und des Aesculapius Enkel , des letzteren 
Htiligthum gestiftet, wo die Diener des Gottes wohnten. 
Dort sah man seine Bildsäule, deren Stoff, oh Holz 
' "'u Metall, nicht zu erkennen; sowenig als der Mei- 
,te r bebannt war. Man sah vom Bilde nichts als das 
Gesicht und die Enden der Hände und der Füfse, denn 
M *ar mit einem weifsen wollenen Unterkleidc und mit 
C1 «em Mantel bedeckt. Eben so wenig sah man von der 
ebendaselbst befindlichen Bildsäule der Hygiea, weil sie 
m, t Haaren der Frauen bedeckt war, die diese der Gut- 
■ iben , und mit Binden von Babylonischen Stoffen. 
Auch Alcianor und Euamciion haben dort ihre Bild- 



5g6 

saufen. Jener wird nach Sonnenuntergang als Heros 
verehrt; diesem opfert man als einem Gölte. Auch ist 
ein Schnitzbild der Coronis daselbst { Pausan. II. 11 
§. 6 stjij ), Eine inhaltsreiche IVai'hricht , die der Er- 
stühler noch mit der Vermulhung bereichert t dieser 
Euamerion sey derselbe, den die Pcrgaraencr, nach 
einem Orakel, Tel es pli orus t die Epidaurier aber 
Acesius nennen. Hier ist Mehreres zu bemerken: Zu- 
\ orderst der Wo h n o r t des Arztgottes Aesculopiu« ; 
er hauset in der Stadt, die der Sonnenbruder ge- 
stiftet. Er selbst, des Apollo Sohn, von der Coronis, 
des Phle^yas, des Feuermann«, Tochter. So genea- 
Iogisirtc die Arcadisehe und The&salischc Sage , vielleicht 
aus den Lichtreligionen von Nordosten, über den Gau- 
CJSijs , her (Apollodur. 1IE 10. 3.). Er selbst, Aescu- 
l.ipius, hat ein Geschlecht von heilenden Wesen : Ma- 
chaon, Alesauor, den Helfer, Abwehrer. Aber dieser 
Heiland im dritten Grade erscheint nur in der Winde 
des Heros. Zur GöHerchre ist d<i£egen Euamerion (der 
gute Tag und dessen Palron) erhoben. Auch llrgiea , die 
Gesundheit, ward hier verehrt. Und nun merken Mir 
auf ihre Gestaltung. Sie ist mit Weiberhaar bedeckt 
und mit Binden (riXaitüvts M ). Also auch hier wieder 
das llaarscheercn der Frauen im Dienste der Natur- in.il 
Sonnengnil heilen. Daneben das Bild des Acsculapius 
seihst bis unten hin an Händen und Pulten in Ober- und 
Untergewänder eingehüllt. 



66) Es ist die fascia , die Bind? (Qatnua, rfesvefc. in 

/mEvs; T. II. p. HtQ Alberti). Wie übrigens dkse Bin« 
den angebracht waren, kann anf verschiedene Art ge- 
dacht verde* | s. ('uperi Aporheosis Hoinen p. i4j, de*-. 
bLii nommentSf über diese btcüc dem neuisieii^Deuischen 
H< rau*Jt*be* dt» Griechischen Pau^nnui» glitt DienMe 
büitc leiste* können. W \< mifl sich auch die Verhüllung 



397 

Ehe wir nun fragen , iver jener Telesphorus von 
Pergamus sey, müssen wir die Mythen der Epidaurier 
abhören , woher ja Aesculapius erst nach Pergamus ge- 
hrncht aeyn sollte. Dort hatten die Leute drei Ge- 
»chtechtsregister ihre» HeUgolles. Erst war er des Apollo 
uud der Cor 0ni8 Sohn. Das war die orthodoxe Meinung, 
•ich allgemein angenommenem Systeme von zwölf gios- 
*eo Olympiern. Hiernach hatte Coronis, die mit ihrem 
Phlegvas nach EpirJaurus harn , auf dem Berge 
Tiitheum heimlich geboren. Eine Ziege stillt das aus- 
weine Kind. Der llirte Aresthanas, die Ziege suchend, 
findet es. Es geht ein Strahlen^lanz von ihm ins, und 
nun wird der junge Heilgott dem Lande verkündigt. 
N*ch der zweiten Erzählung' erschient Artemis die Co- 
'önis mit dem Pfeile, und auf dem brennenden Scheiter- 
haufen nimmt Hermes das Kind Asklepius von ihr. Auch 
Wrnach ist er des Apollo Sohn , nur ist Ischys (die 
nraft) Apollo'» Nebenbuhler. Nach der dritten Erzäh- 
lung ist Asklepius Sohn des Arsippus und der Arsinoe, 
•wer Tochter des Leucippus und Schwester der Hilalra 
"nd Phöbe (Pausan. II. a6. §. 4>5.). D flS isldenn auch der 
"itte Aesculapius der theoretischen Mytholngen (Cic. de 
«D. IH. a*. p. 614. nebst meinen lieinet Itk.). Nach allen 
™v*tti Mythen ist er ein Sonnen Uind, und wenn also 
»päiere Griechen ihn als Sonne deuten (Job. I.ydus de 
"■cnss. p. 78.), so war das ganz richtig und im ursprüng- 
lichen Sinne gedeutet. Wollte man die orthodoxe Er« 



der Hygiea vortfelle, immer ist an ähnliche fttrafag. Bin» 
den, tu «Jenken, wie Sie auf Sttmothrare gebräuchlich 
waren, mit dem Begriffe der magischen Kraft, die in ih- 
nen lüge. Von Lappen , wie Goldhagen es nimmt , ist 
keine Rede. Leidlich bemerke ich, d .1 1 's mir die Lesart 
des Cod. Moscov. Sn^at x^f'S vorzüglicher als die drtf 
Tixtts scheint , daher »cli ihr fttfoffl bin. 



5g8 

Zählung der Epidaurter auch blos auf Apollo F.i <, n (den 
Arzt) beziehen, so strahlet «loch von Apollo« Knaben 
dem Hirten und auch uns der Sonnenglanz entgegen. 
Nach der zweiten ist es eine Feuergeburt, wie Di«»ny- 
sus , und wird denn dem auf dem Scheiterhaufen geläu- 
terten Sonnenkäinpf'er HeiaUles verwandt. Nach der 
dritten ist Aesculapius des Leucippus, des weifsen 
Rosa es (des Sonnenrnsscs ) Knlul, und Phohc , die 
(j Linzende, und HilaWa (wie Empcdocles den Mond 
nannte 67 ) , sind seine Muhmen. 

Die Arcadier sprachen besonders ron Aesculapius 
dem Knaben. Dort hatte Ceres im Gebiete des Oncus, 
eines Sohnes des Apollo, mit Poseidon das Wundern. fs 
Arion erzeugt, worauf Herakles geritten, und neben 
dem Tempel des Apollo Oncä'us sah m.in das Dilti Aescu- 
laps des Knaben in I? n a b c n g e s t a 1 1- Dort zu Thcl 
pusa , bei den Aicadicrn selbst, hatte ihn des Areas 
Sohn, Autolaus, zuerst gefunden ( Pausan. Arcad. 25. 
§. 5. (y.). Mithin haben wir nun schon auf Griechischem 
Grund und Boden: einen S o n n en- Aesculapius , einen 
Knaben- Aesculapius und einen Aesculapius einge- 
hüllt vom Kopf bis zu den Füfsen. 

Hiernach mag uns der Fpidaurier Euamcrion nach 
Perganius zum Telesphorus leiten. Daf« dieser Letzt« 
zu Pcrgamus und Simrna einen Tempel halte, wisse 
vir hinlänglich aus dem Lobredner aller Asl.lcpiudcn, 
Aristides, welcher zu Smvrna selbst wohnhaft in di 



6?) Vergl. Plularch. de freie in orbe luime Tom. II. Opp. 
p. 920. C. und den 240slcu Vers des Empedocles seit 
(p. 524 Sturz.): 

Woselbst Sturz nachzulesen ist p. 608 f., welcher um« 
»nderm auch die Glosse des Ilesychius anluhrl: 

i) «7 I A i> t tf. 



5i:9 

seiner Reden jenes GÖtlergcschlrcht religiös verherr- 
licht hat. Ins Fiuxclnc des Gottesdienste* vun Kpidauru» 
unJ Pergamus einzugehen , ist eben so «ewig meine Ab- 
liebt, als die Darlegung aller einzelnen mythischen Züge, 
tcher jene Tempel und Religionen hat Si hiil/.e (Histo- 
til nitdicin. p. 120 s<|«].) das ISöthigc beigebracht. Mir 
»t es utn den Grundbegriff des Aesculapius zu thun und 
um sein Ycrhältnifs zu den allen Cauiren der Pclasger. 
ist nun jener T e 1 e s p h o r 11 s derPerga- 
«nener? Darüber befragen wir zuerst die Sprache. 
TiXj(r<pöpoi; ist vorerst der Gen-ifte und der Reifende. 

der vollendende Gott und der vollendete zugleich. 
»s bedarf keiner besonderen Reueise. Räume, die 
*re Fruchte zur Reife bringen, sind SitSpa *e'keot{>6pa, 
Er ist das reifende und das gereifte Jahr, die zeitigende 
Sonne in jedem Sinne, und daher auch die Sonne im 
"»'»absteigen. Das weifs auch der Mythus dieses Rrei- 
lÄj denn wie der gereiften Frucht die Ernte folgt (tov 
*«öÄor TtXta^opii&fi'Toi, xaä' 6'pav lrpvyr,ae, 
Joseph. Ant. Jud. I. 6. 3), so gab der Arcadier der /.ei- 
''neu Frucht Aesculapius die Trygon zur Amme. Oder 

Turteltaube (tpi>7«öi>) i>>t <lic wanne belebende 
Bfuttaubc. Auch bm Aesculapius , nach Allisclier Sage, 
ar " achten Ta^-c der Klcusinien , und lieft sich dort Mri- 
wP". l>a harn er, dir Spate, zu dem Feste des Spat- 
jahret. ICs Maren die großen Klcusinien, ein Herbst - 
ni >d F.rntcfest , wie mehrere Feste ältester RcIL 
Rieser achte Tag war ein neuer Tag des Belli. Weil 
<kr Gott so spat gekommen Mar, so blieb die Freiheit 
f° r lan immer für jeden Spatgebommcncn , sieb noch ftlt- 
°ann J vor dem Schlüsse des Festes, weihen zu lassen. 
Ras war also ein guter Tag, ein Tag, von dem man 
u £ett fcunnte , ihn habe ein guter Tagesgotl, ein Hua« 
ion, gestiftet, oder die Ceres ihm zu Riebe. Da» 
u *r die Ceres Cabiria, die den Jasion, den schönen 



4oo 



Heiland 



Greta , geliebt 



lanü von t,rcta , geliebt , und mit demselben «Im 
Flutus (den fteichthum) erzeugt hatte, die Isis »i»luU 
lis, des Schtangcngoltes Gattin (vergl. oben). Lndauf 
Samothrace , ho man den grofsen Jasion unter de 
GGllern und Götterdienern kannte , versprach man »ich 
ja von der Einweihung Gesundheit der Seele und dtt 
Leibes 6J ), Dort wuTste man wohl auch von einem Ku- 
amerion , von einem Gotte des guten Tages, viclltiiit 
auch selbst des achten Tages, denn dort war ja F.srouo- 
Aesculapius gerade als der achte ins Cabirensy&leM 
eingerückt. In allen (liefen Beziehungen liegen dem 
Wesen Euamerion und Tclesphorus die allgemeinen Be- 
griffe der physischen , ethischen und religiösen Vollen 
düng zu Grunde, sie alle aber schmelzen in die Idee de» 
ärztlichen Heilands zusammen; und auch Ae»c 
lapius hat die Jaao ('laow, Scholiast. Artttoph. Flu 
639.) , die II c i l e n d , zur Tochter. 

Aber die Hei I cn is tisch c Sprach« fuhrt um mit 
dem Worte tiXtaip^o^ in eine ganz andere Idccum 
Wenn es dort heifst ( Deuteron o in. XXIII. 17.). 



ut. 



gege- 
bwohl 



68) In einem Orphischen Fragment hei Stob, Lclogs;. I. 
p. 68 Heer, helfet Aesculap der Beglücker dtiMe 
sehen. So hat wenigsten« Salmasius zu lesen vorgead 
gen : Omi£n r htrifeot 'Ary.Aijrr.cC s'A^c&vr« (statt e ^auiii 
wofür [leeren w^ateinra, Verleiher der Schönheit , gege- 
ben. Hermann hat jedoch die Salmasische Lesart 
zogen iri die Classical Journal Nr. XXXV. p. 2 3 , ob« 
auch so noch eine Harte sein Gefühl stört. Der folgend« 
Vers geht die Hy^iea an: 

Sie ist selbst den Göltern vorzüglich werth wegen ihrer 
lieblichen Gaben. — Ich werde unten zum Schlaf« dieses 
Paragraphen noch einige Belege liefern, dafs Aesculjp 
als Urheber von Glück und Reichthum gedacht 



war. 









Ol 



»oll heine Hure seyn unter den Töchtern Israel, und 
kein Hui er unter den Sühnen Israel , so haben die 
l.W, oder \ielimbr Theodotion , das erstemal TtXtcrqjn- 
poi und das zweitemal Te\i<rx6ptVQQ übersetzt. Wag nun 
in diesem letzten Worte der Begriff eines fanatischen 
Anhängers von Orgien heidnischer Gottheiten liegen, 
solchen , der Bezahlung nimmt, worauf die 
Erklärungen des Etyuiol. mngn. und des Cviillus führen, 

t Hesychius ganz bestimmt durch sein &v8g6yvvo$ 
auf den Begriff eines Mannes, der Weibliches leidet, 
und mithin scheint die Erklärung des Salmasius (de tra- 

en. p. 460,) ganz richtig zu seyn , und auch die 

losch» il'i \ :e bestätigt sie, dafs wir tue/ Männer 

zu denken haben, die in heidnischen Or»Ien den Genufs 

o 

ibrer Jugendbiuthe der Wollust verhauten (vergl. Diel 
Thesaur. unter xs).to<p. Wcttstoin zum IS. T. I. p. 707. 
und Sturz de Dialcct. fllaecd. p. 196 sq.). Wir befinden 
tins also in demselben Kreise alten Gottesdienstes, wie 
zu ttihylon, wo die Frauen im üppigen Dienste der My- 

-1 Geldstücke empfingen. Im Phönicischen Adonis- 

dienste haben wir etwas Aehnliches gesehen. Dort stBnd 

>s Haar oder die Keuschheit auf dem Spiele. 

m Herakles desgleichen , und vielleicht waren die 

uenliaare , neben den Babylonischen Binden zu Ti- 
tane an der Bildsäule der Hygiea , noch Ueberblcibscl 
solcher alten Gebräuche unter den Sicyunischen Frauen. 

ihrscheinlich huldigten also die Männer auch dem 
schönen Härnling der Astronoe durch weibisches Wesen 
und die Frauen durch begehrliche Unzucht. Es ist daher 
zu vermuthen , dafs in Niederägypten und in den be- 
nachbarten Landern auch mit dem Dienste dieser Son- 
jieniiicarnatuin sich ein solcher Begriff von üppiger Hul- 
digung vcibunden halte, welcher sich bei den Helle- 
nisten zu Alexaudi ia iu dem Worte x t\to efiö fo + 
erhielt. 



II. 



26 



402 



Ithrphallica und Orgiasmus waren auch der 
thracischen BeiigHKB Bicbt fremd; und dorthin 
ja jene achte Uralt Esmun, des Sydyk - Ai 

;escn Kreis schliefst er sich aueb an a!» Winter* 
{•Ott, als Gült der gesunkenen Sonne, als Ophi 
der auf dem Sci»r|ii«jii stellt (Jo. Ljdus 
und mithin als tellurisclie Kraft. Tellurischc H 
ja namentlich die Ca!>iren alle. Sie sind 
mächte , die in der Erde schaffen, die verschlossenen 
Feuerkräfte , in Metallen wirksam. Da unten in <irr 
Tiefe pochen sie mit ihren Hämmern, und fordern 
in klüftig, vulcanisch die Erdfeuer und die Metai 
Tage. Sie sind die hinabgesunkenen Gestirne, u«>l '•'*' 
S-inne im Steinbock ist, in dickem IlL-tracht, ihr '/ciclicn, 
nie sie denn auch den Zodiacalsteinboch neben <h'm 
Hammer führen. Esm» n - Acsculapius , als da« Eirnt 
aus der Finsternifs , v»5e er oben hiel's, ist auch in 
fem ihren zugesellt. Unter diese Wesen gehurt a 
jene Ceres, die mit Poseidon, mit dem Bio 
das YVundeiTofs Arion erzeugt". In dieser Umarm» 
wird sie zur Zürnenden (Liyntis), und das Rufs slei| 
hervor aus der Tiefe mit mecrblaucr Malme ( PatisuT' 
Arcad. VIII. 'i'l $. 5.). Also zwei Bosse in diesem 
fealgebteta : das veifse Sonnenrofs und das dunk 
Bofs der Tiel '..■ ; ein Gcgcnsata ton Farbe, der durch 
mehrere IM\ tlu'i.l. reise hindurchzieht, und von de* 
Eicht- und Schattenseite des Jahres auch bisd 
du- Volker übergetragen wird , wie die hellen und d 
kelen Eeute auf den Denkmalen des Sesostrit zeig 
Aihniichcs habe ich oben im E Th. p. 34o. 471. nach' 
gewiesen. 



S 

ireh 

5 



Die tellurischen Kräfte und Todesgottheiten sind 
auch Gottheiten des Schlafe«. Das ist auch Aesculaptut. 
Er giebt Schlaf und Ruhe und eben dadurch auch Gc- 



4o3 

•untlheit (Joh. Lydus p. 78.)- Daher auch Ja» Schlafen 
in seinem Tempel zu Epidatirus ( iyxol^aic , ineubatio ; 
•. Sprengel Gesch. der Medit in I. p. 107 fT'.), Das m ar 
ein Heilschlaf, durch welrhcn der ärztliche Sehlafgott 
die Mittel zur Genesung in Träumen dem Leidenden 
1. Viellricht hirg es damit zusammen, dafs die 
■i:icr jenem Heros Alexanor, dem Knhel Aesculaps, 
Sonnenuntergang seine Gaben brachten 
ü'uisin. II. 11. §. 7.). Es bedarf nach dem Bisherigen 
keiner weiteren Bemerkung , d.\\\ jener ALwen- 
«In Alexanor, w ie der gute Tag Euamerion , einzelne 
-ehalten des Grundwesens Aosculapius selber sind, 
<lic der Griechenmvthus genealogisch Ton dem Stamme 
■^gesondert hatte, ursprünglich also in Phönicien, Ae- 
gipten und Saniolhrace war gewifs jener Esmuu- Jasion, 
r jener alte Asklepios, selbst Krug- oder 
erggott, und auf gcheininifsvolle Weise in Hül- 
len eingewickelt, wie man überhaupt jene magi- 
Idole der Vorwelt gestaltete. Devon liefert obige 
Nachricht des Tansanias über den Tempel zu Titane 
sprechenden Beweis. Dort heifst der eingewickelte 
Gnft ausdrücklich Aosculapius. Eben so spricht die 
•iderc Nachricht vom Aesculapius dem Knaben, in 
ngestalt gebildet. Dergleichen Pygmäenidole, in. 
HuUen eingewickelt, liebte also die Pelasgerreltgion. 
Üan führte sie bei sich, und schrieb ihnen mancherlei 
zu. Ein solches zwergartiges Gnadenbilt? stellte, 
*ie bemerht , gewifs ursprünglich auch den höchsten 
Antgott selber dar. Dessen Kräfte waren im Geiste 
»Itcn Glaubens Mieder decomponirt , und jede für sieh 
'erkö'rpert worden. So bildete sich ein Genienchor um 
genealogisch thcils als deine Frauen, theils als 
luthtcr und Söhne und alsEuhel gedacht: Epione, Lam- 
p^tia, Hygiea, Acgle, PanaCC, Jaso , Janiscon , Ma* 



4o4 

chaon, Alexanor and jener Euamerion, Acesius oder 
Telesphorus 6 '). 

Mittlerweile hatte das Griechische Epos Götterideale 
geschaffen , und die Kunst arbeitete ihm nach. Jeat be- 
hauptete auch in . diesem Kreise Jas Idealische seine 
Rechte; und die Aesculapiusstadt, Epidaurus, mufste 
sein Bild in würdiger Form haben. Der Parier Thrasy« 
medes arbeitete es für den großen Tempel daselbst ans 
Gold und Elfenbein , wie Phidias den Zeus zu Olympia 
gebildet hatte ( Pausan. Corinth. 27. §. 3.). Seitdem 
-ward Juppiter6 Ideal, etwas abgestuft, das Musterbild 
aller' Aesculape. Nun widmete der grofse Praxiteles 
diesem Gotte seine Kräfte , und Cephissodorus , dessen 
Bildsaule des Aesculap Plinius noch in Born sah, scheint 
das Ideal dieses Gottes vollendet zu haben. Es war am 
so mehr zu erwarten , dafs der das Schone liebende 
Grieche bei der Pelasgischen Unbehttlflichheit in Dar- 
stellung des Heilgottes nicht stehen bleiben wurde, da 
er ja aus Phönicischer Mythologie schon einen schone 
Aesculapius kannte 70 ). 



(&) In einer Stelle des Damascius mscr., die ich zum Cic«* 
deN.D. HI. 23. p. 6t4. initg- theilt habe (man verbess«** 
doit: vuwiviov), erscheint Telesphorus deutlich schon * 
seeundäre Potenz in Vergleich mit dem Aesculap. Jes*^ 
wird dort bedürftiger genannt als dieser. Jener fülle i» 
aus, und ergänze das Geschäft der Heilung, welche do* 5 " 
eigentlich das Geschäft des Letzteren sey. Telesphor*^ 
ist der die Genesung vollendende Genius. 

70) Ueber die Ideale des Aesculap bis auf den Künstler C*^ 
phissodorus s. Heyne de Auetorr, formiu. pag. 25. um*- * 
besonders Quatremctv de ^uincy le Jupiter Olymp, f^ 
Sil sqq. und dazu pl. Xjvlll ; womit man noch die Aes""" 
culape im Musee Napoleon I. pl. 46 -» 49. und des^- 
Dresdner in Beckers Augisteuin I. nr. 16. vergleiche. 



4o5 

Weil aber doch die AnrJaqlit der Altgläubigen, die 
Sehnsucht der Kranken, die Dankbarkeit der Genese- 
nen . zumal bei fortdauernder YViiuderlicbe unter dem 
r olke , das bedeutsamere und geheimiiifsvoüere Gna- 
lenbild nicht entbehren wollte, so stellte man eine Per- 
iönification seiner Eigenschaften, einen jener Dämonen, 
neben ihn , in uralter ZwerggesUilt und in mysteriöser 

Verhüllung, Erfinden «ich mehrere Beispiele , dafs in 
den Griechischen Tempeln neben den Ibidem der 
neuen Olympier die alten bedeutenden Svmbulc aufge- 
stellt wurden. .Alan lese nur was Pnusanias (Messen. 32. 
init.1 von der Art über das liierothysion , einen Tempel 
zu Messene, berichtet. Jene nuscrwä'hltc Potenz war 
• Euamerion zu Titane, der zu Epidaurus, wenn 
I'ausanias Recht bat, Acer, ins, und zu Pergamus Te- 
le s p h o r u s hiefs. Darum war er auch Gott und ge- 
nnfs göttliche Ehre. Unter diesem letzten (tarnen ist er 
in der Kunstsprache verewigt , und 10 steht er auf Mün- 
zen und Gemmen bald allein, welches wohl zu bemer- 
ken ist, bald neben Acsculapius . dem Abbilde Juppiters, 
dem bärtigen, schön - kräftigen Henne mit dem Sehlan- 
genstabe, bald neben Hygiea, bald, wiewohl seltener, 
neben beiden 7I ). Seine Knabengestalt und Kleidung 



7t) S. Zorn de Tedesphnro, in numls, ?emmis et inscriptio- 
nibus vetermn, in den Mitetllen, Groning. II. 2. p. 201. 
Leber den Ttlrsphurus auf Mfinzen v*n Nicaa iti Hiiliy- 
nien , wie auf denen von Pe vgamus in Myaten, i^t Rckhel 
D. N. V. D. p. 425 und 46S. nachzulesen. Die Inschrif- 
ten reden ausdrücklich von rinem -«'; T**se$i%o$. Schla- 
ger de Diis serValoribua nr. J3. und Cuper in der Apo* 
rheoais Homeri p. l4S. haben- Abbildungen davon gegeben, 
aber die Charaktere der Schritt sind null serlich. 

upera. a, O. sieh t man auch eine Mün*e von Pn-gamu» 
mit dem Tclesphorus, im Eingang eines Tempels, 



4o6 



machen ihn auf den ersten Blick kenntlich. Es ist ci 
hurzer Mantel mit einer daran befestigten und den Ko 
bedeckenden Mütze oder Haputze. Letzlere hiefs im 
Lateinischen cucullus und der Gallische Ilaputzeumant 
•wohl auch bardocucullus. Ks ist nicht auszusagen , w 
über diesen Teles»phorus und über seine Amtstracht r 
hlofsen Münzliebh^hern und At-rzten gedacht und ge- 
schrieben ist. Man l'.ann Alles in der Kürze Lei Zum 
{[>. bo3 &<]*].) beisammen linden. Begriff und Bildwcik 
gehören, wie bemerkt« dem allen Felasgerdienslc an, 
der Lei den überlieferten Begriffen und Bildern stehen 
blieb. Aus dem alten Zvverggotte , in magische Schleier 
und Binden gesichelt, v»ar dieser kleine Begleiter des 
Aesculapius geworden , und so wurde die ursprüngliche 
Verhüllung in eine Amtstracht Von Kapulzenmanttd um- 
gebildet. Begriffe von Kranhcuhleid , von ärztliche 
Mautcl mochten dazwischen getreten seyn. Das Ur- 
sprüngliche war jenes uqtßfyvov ^ jener Schleier un 
jene Binde von Samothracc. Der dort einweihend 
Gott undDiencr wer auch H e i 1 g o l 1 un d A r z t , Mar 
Jasion und Telesphurus. 

Allenthalben , wo nun die Ashlrpiäden in den Tem- 
peln ihres Vaters und Lehrers lehrten oder heilten, zu 
llegalopolis , Cyrene» Sicyon , Smyrna , Cos, Perga- 
mos, Epidaurus , Nicaa u. s. w. , wurden nun jener As- 
hlepios und seine guten Geister \orzugsweise als die 
Heilgötter, &*oi e«Hricpt{, S4tf den Votivtafeln , auf In- 
schriften, Münzen und Gemmen (s, Zorn pag. 21 1.) g< 
nannt und verherrlicht. Dort pflanzten &ich , neben 
dem gesanftigten Juppiler- Aesculapius , auch noch im- 
mer Spuren des Altertümlichen fort '-). Ganz gewifs 



72) Ucbcr die Darstellungen des Aesculjpius auf alten Denk- 



407 

-waren also noch immer Erinnertingen an die Heilgotter 
AegypteiiR erhalten , und Zorn (pag. 206.) hat «ehr Un- 
recht , wenn er es ganz anstatt halt Jindct, dafs Schulze 
leim Tciesphorus an den alten llarpncratcs gedacht. 
Aesculapius Killt mit dem liarpücratcs eben so wohl zu- 
sammen , als jener Herakles. Alle diuse Wesen standen 
in dieser Beziehung unter der Obhut und Leitung de» 
Vulcanus , als dessen Emanationen in erster oder zwei- 
ler Ordnung. Du von hatten die Heraklcen selbst noch 
Spuren erhalten, z. 1), in dem Mythus, dafs Herakles 
t vom Hcphästos durch die warmen Ouellen bei Pylä 
( 1 he» uiopylä) sey erquickt worden, wie Ibycus gedichtet 
hatte. Nach l'isander war Aihene, die Fcuergöttin , die 
Gmbcrin gewesen (Scholiast. Aristophan. iNub. vs. »047. 
▼s. iu'5o Herrn.). Das waren die Kessel, wie man sie 
dort den Beisenden nannte (Herodot. VII. 176) — 
WuUungen der guten Cutter in der Erde. Dergleichen 
sind auch Aesculapius und die Ashlcpiaden , sie sind 
Geber und Verwalter aller Mischgctafsc und Gnaden- 
guter (k$><xtjj$hdv r.rti ^moj Aristid. Orat. in Ascle- 
piad. pag. 8z. pag. 46 Jebb.). Das bangt wieder, wie 
bemerkt , mit der Vorstellung von dem winterlichen. 
Leben der Erde zusammen. Der Wintergott H.irpucra- 
tes ist ja die hieine Sonne, oder das Sonnchen, wie 
die America nischen Wilden die W r intersonne noch jeet 
nennen, und eben kein anderer als der kleine Tcles- 
pborus ( vergl. I. Th. pag. 277.). Ob nun letzterer 
auch als ach w eige nde r Gott, mit den Fingerspitzen 
der rechten Hand auf dem Munde, abgebildet wor- 
den sey , will ich nicht untersuchen. Der gelehrte Ui- 



roälcrn s. Vinck Amoenit. philo!, medio. p. 26. vergl. 
J. C. G. Ackermann in ünJJingcrs neuem Maga- 
zin fllr Aerzte I. p. 2'.» t. 



4o8 * 

chard Mead (in seiner Abhandlang de namis Smvrnaeii 
in Medicorum honorem percussis, Lond. 1794«) hat dort 
eine Gedächtnifsmünze auf einen Arzt Zeuxis, aas der 
Schule des Herophilus, bekannt gemacht, die den Aei- 
culapius mit jenem mimischen Gest darstellt. Hier liegt 
die Vorschrift der Verschwiegenheit in dem bekannte« 
Eide des Hippocrates natürlich näher , als der Ge- 
danke an Harpocrates, wenn auch die alten Tempelscholca 
der Asklcpiaden dergleichen Vorschriften und symbo- 
lische Züge mit früherer Mvstcrienlehrc , wovon sie tu* 
gegangen Maren, in Verbindung setzen mochten. 

Auch im allgemeinen Volksglauben der Griechen 
waren die ältesten Aerzte eben jene begeisterten Seher. 
Der Gott, der ihnen die Augen in die Zukunft offfit, 
leitet ihren Blick auch auf die Heilkräuter ; und das 
Ohr, für Harmonie der Töne empfänglich, wie die 
Hand, die das Saitenspiel hervorruft, waren wesentliche 
Eigenschaften des Heilkünstlers. Daher ist auch Chiron 
des Asklepios Lehrer ( Apollodor. III. 10. 3.). Das hö- 
here Dogma knüpfte vermuthiieh daran eine andere Ge- 
dankenreihe, wenn wir uns der alten Lichlthcorie erin- 
nern und der Bedeutung der Lyra darin, und wie Ilithyia 
dem Aesculapius, Apollo'sSohn, in Tempeln nahesteht. 
Alte kosmische Begriffe , die auf den Sohn des grofsen 
"Weltgeistes Axiuri gar wohl übergetragen werden konn- 
ten ; denn in diesem Sinne des Weltsystems ward 
gewifs auch Esmun - Asklepios gedacht. Dies konnte 
den Maler Pausias veranlassen, zuEpidaurus, am Wohn- 
orte des Asklepios, den Eros zu bilden, wie er nach 
abgeschossenem Pfeile statt des Bogens die Leier er- 
greift; es konnte mitveranlassendcr Umstand seyn, 
dafs der Arzl Eryximachus den Eros zum Gott der Heil- 
kunde macht, und in dieser Beziehung Bogen und Lvra 
nennt (s. oben II. pag. 194. 198). Endlich konnte die 



4°9 

Leier am Himmel, die nach Varro gegen den ersten No- 
nber mit «1er Sonne aufgellt (Job. Lvdus de mens«. 
p. ic3.) , einen Grund enthalten, dafs die (»riechen den 
Gott der herbstlichen Zeichen, Aesculapius, mit dem 
Inhaber der Lyra * Apollo, in Verbindung setzten, und 
ihm selbst vielleicht die Kunde des Saitenspiels beüeg- 
i. Ohne dabei langer zu verweilen, will ich nur noch 
•feige \ m Stellungen des Volksglauben! dicker Sphäre 
berühren. Der Gesang hatte auch seine heilende Kraft. 
Im Homerus leisen mir ths Beschwörungslied, wodurch 
das Blut der Wunde gestillt wird. Besprechungen und 
Beschwörungen {irtnotSai) waren ein groTser Theil der 
alten Ileillumde, wie wir aus Pindarus (Pyth. III. qi. <)?..) 
und andern Dichtern lernen. Besonders aus dem Pro- 
metheus des Aeschylus bann man sich die Begriffe von 
alter Heilkunde verdeutlichen (vei -gl. B. B. vs. .jfto. und 
daselbst die Ausleger). Auch die Sagen vom alten 
ler Epimcnidcs und dessen Berufung nach Athen, 
■wie die unter seinem Namen angeführten Lieder, geboren 
hierher, ferner die Titel Orphischcr Gedichte und einige 
Znge in dem Orphischcn Argonauten, nebst dem Poem 
von den Steinen u.dgl. Per Arzt und Sänger war auch 
Todtcnhcschuürer. Durch diesen Glauben motivirtc der 
Mythus des Asblepios Schiclisnl. Er la'fst ihn vom Zeus 
mit dem Blitz erschlngen, weil er sogar Todte erweckte. 
Das hatte auch der Seher Polyidns gethan, und die Er- 
weckuug des Glaucus , Minos Sohn, ward bald diesem, 
bald dem Asblepios zugeschrieben. Alan Wulste eine 
ganze Beibe Todtcncrwcchungen des Asblepios zu nen- 
nen. Die letzte war, nach Eratosthenes (Cataster. o.), 
die des Hippoljtus, des Iheseus Sohn, der nachher 
in einem neuen fdeenh reise Symbol der Uusterb- 
lichl.eit ward (Hygin. fab. 49» und daselbst Munchcr und 
iao Siaveren). Bei jener Erweckuug nannte man das 



4 io 



Wundeihrant ßd\t<; als da* Mittel . Eine Schlängelnd 



iden 



ndt 



eck 



Davon 

wufsten auch die Lydier zu erzählen» die den groben 
Aaklepios auf ihren Münzen führten. Heilkrauter wur- 
den überhaupt von den Heilschlangen aufgespürt 
die Schlange Agathodämon war der Asklepindcn erMi 
I • Iwerin (s. Xanthus in den Fragmin, bist, gr. antirjuiii 

Iias Volk, allenthalben unfähig Maafs zu hallen, 
kuldi ;te mm den Schlangen , zumal bei dem überhaupt 
Lüul'^en und auch durch Bacchisehe Weihen verbreite- 
ten Scklangcndienste. Die Beschwörer wurden nun auch 
Schinngenträger, und ao fand dieses Schematiche Gc« 
schlecht unter den Yordcrasiaten und Griechen 
Eingang« Ucberhaupt verknüpfte sich mit dem Acscu» 
lapiusdienste ein Haupttheil des grnfsen magisch» 
fciefi. Die Batylien , die sternhräftigen 
und die geweihelen Binden von Samuthrace her, der 
fiulu nitliciis* 7.xx Canobua und anderwärts wurden fomalt» 
gesinnten Volksglauben festgehalten, und, wie es zu geteba» 
hcnpilegt, in guter und böser Gesinnung empfohlen und 
überliefert. Dergleichen Fanatismus schwärrate d 
lieh auch um die Tempel von Epidaurus und P»i 
^ üii dorther, wie aus Canobua, wurden wohl xa 
jene Amulete gegen Krankheiten gebracht, wie z.B. 
ehe Abracadabra gegen das hemiti itaeum, das d 
pelle dreitägige Fieber (Serenus Samonicus de Ifftü 
cap. 5?,. und daselbst Ackermann p. i5o.), und iknti 
Hinge, die der für fremden Aberglauben so empfangl 
Iromer späterhin nur allzu begierig ergriff. Ji./.t wa 

Afseiilapius und sein verhüllter J e)e>phorns oft bl« l» c 

_ j 
Mittel und Werkzeuge in den Händen der Adepten uP* 

(..tul'.Icr. l'as Bild des gchcimnifsvollen Zwerggolt*" 5 

waid zu wahrsagerischen Künsten gebraucht, und c 1 



4u 

ward Batichredner (lyyaar^-ut.^o^, wir Suidas in rtltarp. 
anführt). Invocationen und Eecannmantie , Becber- 
wuln sagung , mochte je/t unter manchen Asldeptaden 
vorzüglich ausgeübt werden; und so konnte es dann 
kommen, dafs der heilige Seher in der Apocalvpse un- 
ter deu sieben Gemeinden Asiens gerade auf Pergam»is 
den heiter- trüben Blich wirft, weil seine Christen an 
diesem Orte standhaft geblieben , wo doch der Thron des 
Satanas aufgeschlagen seye (Apocal. II. i3); in welchen 
Worten einige Ausleger, vielleicht allzu speciell , eine 
Anspielung auf den Telesphorus haben finden wollen. 
iJen magischen Fanatismus und den Bilderdienst der 
I'ergamener bezeichnen sie gewif* , und folglich auch. 
diese Ashlepischen Religionen. 

So schieden sich zu allen Zeiten, unter den kräf- 
tigen Pelas^ern des alten Samolhrace, wie unter den 
entarteten Bewohnern des spateren Bums und Pergamus, 
die Binder des Fleisches von den Geistlichgesinnten. 
Gleichwie das graue Alterthum schon an magischen Pn- 
u-'i/en und Idolen und Atnuletcn hing, während der 
bessere Mensch in Sainnthrace .sittliche Aufrichtung fand, 
s<i pÜanztcn auch im Zeitalter entarteter Cultur sich die 
höheren Vorstellungen fort. Nach diesen ward auch das 
Religiösere und Sittlichere mit der Idee des allen Htil- 
goltes verbunden. Wie alle jene vom Himmel heran- 
gekommenen Gülter als gute Machte auch die Seele 
wieder von der Erde erlüseu, so waren gewifs auch in 
diesem Siune der alte Jasion und der grofse Acscula- 
pius gedacht; und deswegen hatte also der Erklärer 
des Serenus (Achermann a. a. O. p. a.) die von den mei- 
sten Handschriften bestätigte Lesart , wonach Aescula- 
piu» die Seelen aus den Gräbern in den Himmel zurück- 
führt, zu verwerfen ni< ht nüthig gehabt. Diese Vor- 
stellung ist heinem der grofsen ftaturgöttcr fremd. Es 



4 12 

ist dieselbe Idee , die ich nnten bei der Bacchischen 
Lehre bestimmt nachweisen werde. 



§. 10. 

Aach in die menschliche Geschichte tritt Aesculapiut 
ein, wie Herakles. Schon sein grofscr Vater Sydyk , 
Sedok , scheint alten Königen ron Vorderasien den Na- 
men gegeben zu haben. Wenigstens lesen wir im Euch 
Josua von einem Adoni-Scdck, König zn Jerusalem. 
Der Sohn Acsculapius wird als Tosort hrus in der 
dritten I.hnastie Aegyptischer Könige beim Synccllus 
(p. 5$. c.) , und zwar unter den Memphitern , unmittel- 
bar nach Menes eingeführt Ihm wird in den dort er- 
zählten Sagen die Erfindung der Arzneihunde, der 
Schrcihehunst und anderer hohen Wissenschaften bei* 
gelegt, die andere Mythen dein Thul-Hermes zuschrei- 
ben. Mit diesem letzteren führt er auch in einigen Bü- 
chern des sogenannten Hermes Trismcgistus philosophi- 
srhe Gespräche. In dieser hitloi isirenden Ansicht ist 
stin chronologisches Vcrhältr.ifs zum Griechischen \is- 
enltpitil ohngefahr wie das des Sem zum Ilerahles. Der 
Asklepius der Hellenen ist tausend Jahre jünger ( Mar- 
shom Canon Chrnn. p. 43.). Auch unter den Griechen 
spielen in den Iletdengeschlechtern diese Heiln.imen 
Jmt. Der Anführer des Argunautcnchors snllte nun 
auch Tom Lehrer der Heilkunde Chiron, eben dieser 
Lehre wegen, Jason benannt worden seyn (Pindar, 
Pyth. IV. 311. ibiq. Scholiast.) ; und wenn auch 
JSame des vergötterten Lieblings der Ceres vom Her 
bringen des Saatenrcichthums (ii;n>) hergeleitet 
de ♦• < ) , so fielen doch die Grundbegriffe zusammen, 



ndar. 
der 

rnen. 



7J / Aus seiner Umarmung mit Ceres geht hervor der Riich- 
thuiu , L'luius. Dieser ist , wie dei Vater Jstiofl , ein 



4.5 

an et eben die Ceres Cabiria ist , welche auch die 

Mirilpflau/.cn hervorbringt , und da auch d,< Wort 

lj;t**, im Begriff des Lüsens , des Jessens und Linderns, 

dem Arzte und seinem Geschälte iiuan;) ursprünglich 

den Namen gegeben hat (Foesij Oeconom. Hippocrat. in 

luch von der Bezeichnung des chirurgi- 

tchen Geschalt» (äxtloSou, Lennep. Etymolog, n. 69,) 

bildete man nun Geschlechtsnamen. Der grul'se Vater 

de* Atklepios ivar ja der Arzt I'äan (Ilouai). Dasselbe 

sollte der Name 'AxeVio? sagen , unter welchem man den 

Apollo ku Llis verehrte (1'ausan. V 1 24,). So redeten 

die Phrygicr Hellenischer Zunye ; die alten Attihcr sag- 



Heiland, denn der Reichthum heilet, stillet alle Noth 

, aigt dal Schul, r.iladii. zu 
Ody^s. V. 123. (v. meine Meletenun. I. y>.öi.\ - 
her wird auch die Kleusinische Ceres in einem Orphj- 
sehen Gebete I lymn. XL. 20.) einmal um Reichthum, 
sodann um Gesundheit gtbeien. Und hiermit hängt 
nun juch der Begriff der guten Götter ( i*ts] dy^L'ci } dii 
boni) zusammen. Nämlich die utlurischen Götter sind 
gute Götter, einmal in so fern sie die guten Gaben 
(Nahrung geben ; Sudann aber auch , in so fern sie an« 
Hefe O ra kel senden , R a t h ertheiieu ; endlich hl 
So fern bin uns von den Händen des Leibes erlds< n und 
zur Rübe bringen! In diesem Sinne belfisi der "AS*; bei 
PIjio (, Phado pag. 40 WyOenb.) ein ^uttr Gott, dyaSls 
S. Cicero de N. D. III. 21. p. 671. wo ich p. 673. 
noch einige Hinweisungen gegeben habe , auf Wytten» 
tisch zur Platonischen Strfle p. S06. und auf meine Me< 
Internate I. pag. US. Sodann lese man noch den Diony- 
sus pag. 214. iU. nach. Der Leser vergleiche auch das 
oben ilic Dorische Fragment eines Orphikvrs, 

der den Aesotl.ip preiset (ap. Stob. Eclogg. I. p.6s Hee- 
ren.). Man sieht aus dem eben Bemerkten , dals dieser 
Gott Glück u 11 d R e. i c h r h u m Verleiher heifaen 
kann, und mithin diese Lesart «unstreitig die wahre i»t. 



4»4 



und 



! 



ten dafür vom Arzte 'A*4Vt<op, und so heifst auch ?)ii 
bu» bei« Ltiripides (Schol. minor, in Iliad. \\ 
Nun kommt der Name Acestor in den neiden — 
▼or; auch die Athnrer hatten unter ihren Archo 
■toridrn. Lauter Namengedächtnisse der alten 1 
ui.d ihrer göttlichen Kinder und Kunsterhen. ?s »her er- 
innerte der Mythus tüid Philoctetcs und d. Ace« 
sia. als eines T heil» von Leninoi, a:. das erste Yntc 
lond der Peiasgischen Heilgottheiten. 

Bekanntlich hatten die Romer im Jahr drrSl 
zur Rettung von einer Seuche durch eine feierliche 
•andt -»ehalt die YYundei schlänge von Epidauru» »Miol 
lassen. Inier dem Bude des Gottes , das einst doi 
symedos verfertigt, sollte sie hervorgehrochen seyn, 
auf der Tiberinsel, -wo jezt die Kirche S. Bart« 
steht» hatte sie sich im Schilfe versteckt. Dort »ar 
Gottes Tempel gebaut ( Yaier. Max. I. 8. o.), und 
vollendetere Bild des Gottes von Cephissodoms 
mar ebenfalls den Römern zu 'I heil g .norden. 

Auch sie «tollten ihre Heil man ner h 
nigsten« scheinen dahin die Acilier zu gehoi»". 
lieh auf Münzen der Gens Acuta erscheint eint' 
mit Lorbeer bekränzte Kopf der Salus, andreren* 
weibliche Figur, eine Schlange in der rechten i 
tend , die linke »n eine Säule gelehnt; darunter die 
schritt: M. Acilius. lllvir, Yaletu. Dies hat verschied« 
Erklärungen veranlafst. Nach der einen sollte Äfcfr 
Acilius triumvir valetudinis tuendae , also Mitglied ein' 
Meeücinalcollegiums von drei Personen gewesen so) - 
Da aber kein alter Schriftsteller ein solches Col 
kennt, so dachte Beinesius an die bekannten triunn 
monctales, Ilavercamp au die triumviri sacris aedil 
reficiendis, so dals also dieser Acilius seine Bwi • 
um den Tempel der Salus im Andenken erhalten 



Bai 






4i5 

Nachher hat dieser Gelehrte seine Meinung seihst be- 
richtigt. Auch kommen noch unter dem Kaiser Claudius 
Münzen ror, worauf die Yaletndo oder Salus, welche 
nach Römischer Sprache und bestimmt auf Münzen syno- 
nym sind, mit den Worten M. Acil. II vir, \vr. Uuler 
diesen Umstanden nehmen O r* int, VaiJlftirt und Kchhel 
D.N. V. V. p. inj. eine Namenallegorie an , -wonach die 
Acilier durch jene Valetudo oder H;. gieß auf die Aeho- 
Iichht-it ihres Namens mit dem Griechischen dcttfopai nn- 
gespiell hätten. Freilieh von uxtu vi An 

(Acesii) sich ableiten lassen und keine Al ilie» (Acüii). 
Aber, lä'fst sich antworten, wo es auf göttliche Vei herr- 
lichung alter Geschlechter abgesehen war, worden selbst 
c Hindernisse nicht berücksichtigt. Halten z. B. 
doch jene Fabier, die wir oben ihr Geschlecht an den 
Hercules anknüpfen sahen , Ten ganz etwas Andcrm ihren 
men, vom glücklichen Anbau der Bohnen (l'abae), 
wi« die Lentnler von den Linsen, nach Plinius (II. N. 
XVIII. 3.). Derselbe Schriftsteller giebt jedoch eine an- 
dere Spur des Ursprungs jener Valetudo oder Hygiea 
auf den Münzen des Acilischcn Geschlechts : Es war näm- 
lich , ersaklt er (XXIX. 6. p. 4<)5 cd. Haid.), dem ersten 
Griechischen Arzt Archagathus, der aus dem Peloponnes 
im Jahr der Stadt 535. nach Rom kam , von Siaatswegen 
auf dem Acilischcn Scheidewege (in compito Aciho) 
eine Bude eingeräumt worden. Vielleicht also führten 
deswegen die Acilier seitdem auf ihren Münzen bald 
den Aesculapins, bald die Hygiea oder Valetudo (Mo- 
ii/lli bei Spanheim de Us. et Pr. INum. II. p. i5. und Ha- 
rercamp ad Morelli Thesaur. p. 2 sq. p. 637 sqq.). Im- 
mer bleiben jedoch, auch nach dieser letzten, wahr- 
scheinlichsten Deutung, Heil mann er im alten Rom, 
d. h. Mitglieder eines Geschlechts, da» durch Fortpflan- 
zung Ton Symbolen dieser llcilgottheitea bemüht war, 



4«6 

•ich auf unmittelbare Weite an sie anzuschließen , und 
unter ihren näheren Schutz zu stellen. Also auch hier 
•wieder dasselbe Bestreben des ganzen Allerthums, du 
Menschliche historisch ins Gottliche hinaufzu rücken. 

Ich habe auf der Tafel V. nr. 9. eine Münzseite mit 
dem Aesculapius und Telesphorus mit einem sphärisches 
Gcfäfs , oder einer Kugel neben ersterem , nach Eckhel 
copiren lassen ( vergl. die Erklärung p. 19.). Auf der- 
selben Tafel V. nr. 11. ist, nach Havercamp, yon einer 
Münze im Cabinet der Konigin Christina , die Seite gege- 
ben , die einen Duumvir Acilius neben der Hjgiea aeigt 
(vergl. die Erklärung p. 3i). 



4'7 



Siebentes Capitel. 

HÖHERES und HESIODES. 

Hesiodeisehe 1 heogonie. VcrhallDtf* des Homerus 
und nesiodlifi zur Religion ihrer Allvüier 
und /u der ihrer Zeilgenos^eo. Kurze E eh er- 
sieht der Homerischen Seelen- und (jülKr- 
lenre. 






§. i. 

Einleitung. 

fjeber jenen heiligen Oeriern der Pelasger wölbte «ich 
gleichsam ein dämmernder Himmel, aus dessen blauer 
Höhe die Sierngri'npcn der nltcn Gottheiten hervor- 
traten, in wechselnder Zahl und Verbindung . in schwim- 
menden , unbestimmten Umrissen, vitlfultig sich auf- 
lösend i" einander und endlich zurückkehrend BO dem 
Grund wesen | ans dem sie alle geJlussen. Mit dem Ma- 
ren Epos wird in Griechischer Religion selbst Alle» 
hlarer und entschiedener. Die Gottheiten bekommen 
ihre Ehten und Aemter, und so sind die lullen Olym- 
pier kenntlich und bleibend gesunden und geblattet. — • 
Hesiodus, bemerkten wir schon oben, bildet den Ueber- 
gang. Obwohl er spater gesangen als Bomorfll , so 
schliefst er sich doch in Vielem nieder mehr der alten 
Allegniie und Symbolik an, und entkleidet die Theo» 
xn)lhie. weniger als dieser ihrer ursprünglichen Bc.de.uA- 

iL 27 



4>8 

samketr. Sein Ycrhältnifs zum Homerus, so wie zu den 
Andern, dert-n Werke oder Fragmente als Quellen Hel- 
lenischer Religion gelten, «erden wir, nachdem wir 
toi ber einige H a u p t s ;i ! /. e aus der 'l'hcogotiic dar. 
gelegt und erläutert höhen, folgen lassen , woran sich 
dann die Erörterung d*«s Svstems der Griechi- 
schen Teoipclgüller anreiben mag. 

5. =. 

Hosindeische Theogonie *). 

Als die Gt tinclwesen treten hei Hrsiodtis auf: 
Chaos, Erde, Tartarus und Eros. Die Urkunde 
selbst sagt vs. 1 16 fl. : 

Sit he , vor Allein zuerst ward Chaos j aber nach diesem 
\\ aid die gebixitete Lid' tia ti.iurtiiilir Shz den ge* 

stimmten 



1) Je kurzer ich mich hierbei fassen mute, um so mehr wiJj 
ich für diejenigen , welche sich mit den verschiede- 
nen Voi btfllung>>ji i< n in diesem Krtise bekannt mi- 
dien wollen, im Allgemeinen auf die Abhandlungen 
von de b Barre in den Memoins de l'Acadcmie de» In- 
sei i[*it T.XV1. (deutsch im ersten Bande der vonHeyne 
veranstalteten AbhandH. und Auszüge, Leipzig 17S1. pag. 
169 IT.), auf die gleichaitigen von fauchet ( Memoir. de 
TAc. des Imcr. T. XXXIV », auf Zoega's sechste Ab» 
hiOdltlDI in dtr von YV< kker herausgegebenen S#UUB> 
lunif p.<g 105 ft'. , Hilf dit- er^le dm Hesiodus betreffende 
Abiheibuis; von Sichler* KcdBDUS und auf Hermanns Brief 
an mich \ Ubei d.i.s Weceu und die Behandlung der My» 
thulojjie, Leipzig !8l9.; verwiesen haben L)ip llernun- 
nlschen und meine eigenen Deutungs versuche bilden die 
Grundidee, und mögen friedlieh mit einander abwechseln. 
Wiederholte kritische Erorteiungen über d;is Ganze die- 
ser dunkelet! Urkunde müssen einer andern Zeit vorbe- 
halten bleiben. 



4 »9 

Ewigen , welche bewohnen die IK.lwi des beschneiten 

Olynipnft , 
Tartaros Graun auch im Schonfse des weit umwanderlen 

Erdreichs , 
Eros zugleich, der, geschmückt vor den Ewigen allen 

mit Schönheit , 
Sanft auflösend, den Menschen gesamt und den ewigen 

(ȟiiern 
Blindiget tief im Busen den Geist und hedachtsamen 

Rathschlufs 2 ). 

Ich will versuchen , »las Ycrhältnifs dieser vier Princi- 
pien zu einander, so wie der aus diesen Priecfpicn ab- 
geleiteten , nach dem, was ich weil läuft ige r und mit 
Berücksichtigung; von Hermanns Dbtscrtatio de Mytho- 
logia Graecorutix Dntiquissima (Lipsiae 1817.) in Jen von 
II. rmsnn und mir herausgegebenen Briefen über Ho- 
merus und Hesiodus (Heidelberg 1818.) bemerkt habt?, 
in der Kürze darzulegen. Wenn wir unter Chaos nach 
den Erklärungen der Alten den leeren Raum, sinn- 
lich als Luft und Wasser genommen, die Alles aufneh- 
mende Natur ), wie Plato sagt, zu verstehen haben, 
so ist Tala nicht so wohl die Materie, sondern die 
Erde, wie sie eben derselbe Plato nimmt, und zwar 
als Realgrund der Welt. Denn die rohe, seht" 



2) Nach Vofs p. 87. 

3) In der Wöluspa heifst das Chaos Gap Ginunga, wört- 

lich: der Becher (Rumpf) derG.Ühnung, der gähnende, 
paffende Schlund. Es ist auch nach der Edda das älteste 
Grundwcsen, an das sich die nordische Theogonie reihet. 
K il m p f e r , welches mit den Kabireo eines ist , heifst 
wörtlich ein Diener und Bewahrer des heiligen II e chers. 
Dafi die Helden dieses waren, beweifst der Sagenkreis 
vom heiligen Gral, und es scheint bierin ein Zusammen- 
hang mit den ägyptischen Rruggöttcrn , dem Ey der Leda, 
den Dioskuren - helmen und den Hüten der alten Zwerg- 
gülter statt tu haben. Anmerkung von M. one. 



4*o 



natürliche und acht alteiihfimliche Volhsansiehr , 
narh jedes \t»lk , wenn Tom Ursprünge der Well 
Dinge die frage ist, zuerst von der Erde, ja ni 
Ton der Erde im Allgemeinen , sondern von der Ei 
des Landes, wo es sich findet , ausgeht, steigert di 
der Weiterschende, der Priester , mehr und mehr 
zum Healg raude alles Sevns , -nie die Philosophen 
nachher sprechen. Doch 60 hatte vielleicht kein < 
TorHeßiodus geredet. Ihm war jene Toüa noch die Allti 
gebärende Mutter Erde; und so war zuerst und 
lange Zeit für den Sinn, als Bild für Auge und Phanta- 
sie , das da , was wir im abstraclcn Begriff HeaJgrund 
nennen. Hierhin rechneich den Tempel der Erde mit 
breiter Brust (7»?$ — lnivikT t aiv Evpvaxepyot ), nel» 
eben Pausanias zu Aegä in Achaia (Achaic. XXV. 8.) u\ 
Eben so nennt hier llesioilus die breit b rüstige 
Erde; ein Epitheton, worin das anschauliche Bild eil 
gewaltigen Rie&en- Erdmutter enthalten 
( vergl. oben II. pag. ia-2.). Der Tartarus wäre, w 
wir nach den Alten Chaos, für Luft oder Wasser, 
für Erdenahmen, und beide Wesen vielleicht zur nat 
naturans und naiurata, wenn gleich bildlich, steigert 
denselben Alten vielleicht die der natura natural* an- 
klebende alte Unart, sich tbeilweise immer wieder 
Formlose zu verlieren (*. Homerische Briefe pag. 
— i55.). 

Endlich Eros, dem Tartarus gegenüber, ist 
bewegende und zusammenhaltende Pnucipium 5 ). 
erinnere hierbei an die Rede des Arztes Erviimachus bii 
Plato (Sympos. VI. 3. p. 17Ö Sleph. p. i3 Ast. p. 3üo BckL) 



4) Vofs hat blos Übersetzt: „die gebreitete Eni'*. 

5) Arisloicles Metaphys. 1. 4, emet, ^"< »u»Jwi *•** - 






4*1 

Biid an die oben erwähnten Mythen, die Ölen und Pam- 
phos sangen (11. Th. p. 120.). Bedeutend ist in dieser 
Hinsicht seine Genealogie , wie sie Ibycus und wie sie 
Sappho giebt; s. Pausan. IX. 27. §. 2. Scholiast. Apol- 
lon. III. 26. 

Darauf lesen wir weiter in der Urkunde v». ia3: 

Erebüf ward aus dem Chaos, es ward die dunkele 

Nacht auch. 

Dann aus der Nacht ward A e t Ji e r und Hemera, 

Gritin def Lichtet , 

Welche sie beide gebar von def Kulm* trauter Km* 

pfclngniJi». 

Hier ist Ercbos die massige , lastende Finslei'nifo , unu 
zwar nicht körperlos, sondern als Nebel gedacht , gleich« 
aam ein Itosmugouisch polcnziricr Humeriscbor r pliid- 
te$ , ein Incubo oder Weltalp, umso zu sprechen. Und 
ihm« dem Bedecket- und Yerlinsterer , hätte der alte 
Kosmologe ganz passend die Nr§ , und zwar als Nacht 
gef^fst , zur Gattin beigesellt, und so vielleicht einen 
I iebus und eine Nox , beide als Ehepaare» gedacht. 
"\> enn dann ans dieser Nv4 Act her und Hein er a ge- 
boron Heiden, die Helle und der Tag , so erkennen 
ilir hier dieselbe Grundidee, die in dem \ ci lt,i l tu i l\ von 
Apollo und Diana her Fortritt, welche ursprünglich all 
Sonne und Mund von der Lalona geboren sind '') , d i. 
aus der Dunkelheit ging Licht und Hdle. hervor { Ho- 
mer. Briete p. i35 — »Sy.) 

Ilie Nacht erzeugt hierauf ohne Zutlnin eines Man- 
nes aus sich : das Geschieh, die Ker, den Tod, den 



^o erscheint in Aegypten Alhor, die Nacht, ah Urwesen, 

Lurid dann Tuhomis (der Tag) und Mt-mnon , nls die 7"»i 
Liclflhorta Ac-gypitn*. Auch der Tgg wird ganz he- 
eiimmt unier «It-ti ersten GoUhuUn Acgypteus genannt; 
s. I. Th. p. 2y-*. Mf* 4*i 



/|22 

Schlaf, die Traume 7 ), den Moniös, die Mühsal, 
die Hesperiden , die Ptlncn, die Kcrcn , die IV e - 
wesis, den Betrug, die Liebe, das Alter, die 
Zwietracht. — Es folgen die Kinder der Zwietracht 
(l.i is) : Arbeit, Vergessenheit, Schvermuth, 
Hunger, K r ie gs s ch I ach te n , Gefecht, Mord, 
Männer Vertilgung, Hader, täusche n de W o r - 
te, Gegen worte des Eifers, Ungesetz, Schuld 
und der Eid (»-s. 211 — 23a.). 

Es haben seit Ruhnkenius mehrere Gelehrte und 
noch neulich Hermann sich bestimmen lassen , diese so 
tief gegründete Weltaiisicht, welche mit dem Geschlecht 
der Sacht und der Eris uns gegeben ist, für eine Inter- 
polation zu erklären. Aber, vergessen wir den kosmi- 
schen und allgemein menschlichen Sinn einiger Zöge 
nicht, so wird uns dies vorsichtig machen. Es ist näm- 
lich jeKt dit» Vollendung da, und die Natur kann nun 
durch eigene Kraft das RegelmaTsige hervorbringen. 
Aber tief in ihren dunkclen Gründen bleiben die blin- 
den 'fliehe wirksam. Aus dem Schoofse der Nacht stei- 
gen Zv\iet rächt und zw ieli ächtige Potenzen auf. Die 
Materie, aus der die Welt geworden , liann nicht gana 
vom Aigen lassen. Es ist Alles gut und vollkommen 
geschliffen ; aber gleichwohl kommt das Unheil unmit- 
telbar wieder n;ich der VVcitsehüpfung , und Fluch und 
Unihat bleiben nicht aus. Es sind freilich hier wohl diu 



7) S. Euripid. Ilecub. 70: 

— — — ui rirvta. y/^Buni, 

f.c-rrt tvyon ftjrio Jvjifiii» — 
IWari vergleiche Porsou zu dieser Stelle , der eine Ver- 
letzt mg vorschlägt, wodurch an die Stelle von --- 

tsetZl würde W c/.zrU vJ'z , was vs. Ls. steht, wie wollt 
er noch andere Meilen anfuhrt, wo die Erde als Mut« 
te r der Traume angegeben wird. 



4a5 



«Trümmer verschiedener alt-orientalischer Systeme nach 
und nach zusammengeworfen. So tritt , um nur einige 
gestimmte Erinnerungen zu geben, in den \ i'd't's der 
Indier unter den ersten Aclionen des Ewigen htfrvni 
-uhöplungst rieb , als Maja, d. i. Täuschung, 
Schein, deren Tuchler Caraa die Liebe ist. Ich habe 
im l. Th. pag. 5o3. mli Htnweisung auf die HesiodeiscbQ 
Urkunde mich hierüber erklärt. Eben so wird die Uns- 
mische Uedeuiung der 4>iXoti?5 und v £^i(| der Liebe. 
nl des Streits, woraus Entpedocles seine Weltprin- 
Opien : Trennung und Einigung (vtiy.oc und gW.ra), 
entnommen hatte, nach dem, was ich in den Samnthra- 
)en Mysterien bemerkt habe , den Lesern nieht mehr 
rmd sevn, eben sü wenig als der Hunger, den wie 
Jort nach Scbclling (p. 11 tV. ) so bedeutsam unter den 
rücn Begriffen der Samolhraciscben Lehre in der Be- 
log vmi Sehnen, Schmachten und Sucht erkannt 
Hierher gehört ferner der Tadler Mumui, 
den wir als S'p o 1 1 redner \'iyu>v dort eben so neben 
|MI \\ elt schöpfe! - hin treten sahen, Auch das personi- 
Leiden und Jammern (u'i^c^) können wir nun 
mifs verstehen , da Jammrrlaul der erste Ton der 
aeugebornen Welt, der Grundton der frühesten Bfen- 
icbcoge&chichte ist. Ich erinnere an Eva, die den Tod 
Ih Abel beweint, an Itayamaras, den ersten Menschen 
und Patriarchen in der Persersage, der den edlen Sohn 
Si'imch, welcher in der Llülhe seiner Jahre hingesun- 
ken, betrauert (s. f. Th. p. 670.), an das Klagelied der 
Aegvpticr über den zn früh verstorbenen Maneros (I. Th. 
, welcher sich in dem Linus der Griechen , Apol- 
lo"» Sohne, der gleichfalls als Jüngling sein Lehen ver- 
lor, irieder&picgelt (s, Homer. Br. p, 166 — 171.)» 

In diesen Kreis fallt nun eine Bcihe von bildlichen, 
symbolischen. Darstellungen der Nacht, des Schlafes 
und des Todes, in welchen sich auch die Fortschritte 






4*4 

der Kunst bemerken lassen. Es 2eigt sieh nämlich ei 
gro(Ve Mannigfaltigkeit in den bildlichen Denkmalen, 
t3i<- «>ie versinnlichen . , von den rohe&len Yerisurhen *n, 
wie die Nacht auf d*m Hasten des (i\psclns, bis ia Jen 
gefälligsten und feinsten. Dort uar die iSacht als ein 
Weit» dargestellt, das zwei schlafende Knaben trag, 
eirun Hessen und einen schwarzen, beide mit krummen 
Füllen ( Fausan. V. »ß. und dazu Heyne über den Ka- 
sten des Cypsclus pag. 24» u "d Visconti im Museo Pio- 
Dement. III. pag. 59, wo die irrigen Vorstellungen Lea- 
sings und Herders berichtigt werden). Andere Darstel- 
lungen aus dieser Ideenreihe führen Brouckhuis zum 
'J ibnlhis II. 1. 85., Lessing in der bekannten Schrift t 
wie die Alten den Tod gebildet, und "Winckclmann in 
der Allegorie p.5it) neueste Ausg. an. Daher aucneine 
Menge von poetischen Epitheton der Nacht, die zum 
Tlu-il von Künstlern befolgt wurden , z. B. das nautikt* 
poi- ivi des Aeschylus auf Gemmen, wo die Nacht dk'* 
Stet neuhleid bat (vergl. Schütz zu Prometh. 2$). — 
Der Schlaf ward als schlafender Genius ddrgcsten'i 
stehend, mit umgekehrter Fackel, das Haupt auf 01 ® 
reihte Ha'd gestützt. Beispiele linden sich bei Ood*- nl * 
dorp (Descript. Legati Papcnbroek. nr. 43. p. 74), 
ZofgS BaHttiritvi u. A. Oder man bildete ihn als 
genden Genius und schlafend, daneben zmci MohnkoJ 
die Eidechse „ als ahnendes, vorempfiiidciuK s Thier 
miil'i" sla Eingeberin der Traume, oder weil sie 
fende vor Gefahren warnt, und die Fledermaus (im W* 
seo Fio - 1 lement. IM. nr. l\\. und dazu die Bemerk* 
gen von Viscm!»). Eben so vielleicht sIs schl.ilVnt 
Genital ant eine Fackel gestützt, auf unserer Tafel 
nr. 5. ve»gl. die Erklärung p. ih. Auch sehen wir 
Schlif mit Sihrnetterli- In am Kopfe, denn d? ' 

Seh. ncUerüng war Svmbul des Schlafes (,». oben I. 
p. iuü if ), 







lassen 
'Mte schlafende weibliche Figur, die auf einem aus- 
gebreiteten Löwenfelle ruht, worauf ein weites Tuch. 
liegt, in welches die Unterarme und Beine geschlagen 
sind. Drei Amorinen liegen neben ihr, auch ein Baum« 
zweig, nchst Bogen und Pfeilen. Ist es ein Soninus, 
wie Bellori und Beger meinen? Dagegen spricht unter 
andern die sichtbar hei vor gedrückte weibliche Brust. 
Oder ist es die Nacht, wie Meyer zu V\ iuchelmann's 
Allegorie p. 706. das Bild bezeichnet? Oder ist es ein 
Hermaphrodit , von dem die Kröten sich wie verschüch- 
tert wegwenden und schlafen? Hiernach ist alsdann das 
Löwenfell zu beurtheilen. Nach der letzten Erklärung 
rnufs an die allgemeine Künsllersitte gedacht werden, 
mit dem weichen Körper von Genien, Knaben und 
Mädchen die Löwenhaut tu verbinden ( s. Welcher über 
die Hermaphroditen der alten Kunst, im vierten Bande 
der Studien p. 174. Soo. 20 "}.). Verfolgt man hingegen 
dabei die Idee der Nacht, so waren vielleicht die noch 
dunhelen Benennungen des Löwen yupo-nö^ und ^d^iov 
zu beachten. Ist hier an das kämpf rüstige Thier, mit Be- 
ziehung auf j/apfiij, zu denken, wieEinige glauben, oder 
an eine bestimmte Farbe, oder au andere Beziehungen? 
Und ist alsdann auch die Nachricht des Pausania* von 
dem Bilde des Hvpnos (Schlaf«) zu berücksichtigen , der 
einen Löwen einschläferte (PausaiK II. 10. §. 0,) ? Wir 
wellen hierbei lieber fragen , als entscheiden. — In diese 
Ideenreiho gehören auch die Vorstellungen von der auf- 
und untergehenden Luni , nach den Reliefs auf dem 





Bogen Constanlin's , die wir auf der Tafel VI. n 
haben cupircn lassen ( vergL die obigen Bemerkungen 
I. p. i%.). 

Unter den Kindern der Nacht ist auch Nemesis, 
lieber die Grundidee dieses WeM'ns , so wie »her *cine 
■j •■.Indische Darstellung , ist üben (I. p. 1 3 j IV.) kürzlich 
das Noihigc bemerkt norden, liier erinnere ich hh das 
schöne Bild der mit dem Ellenbogen niesM-ndeu Neme- 
sis im Museo Pio - Clement. (Tom. IL nr. i3.), und be- 
merke, neben der Münze von Smyrna , worauf die !\e- 
meses mit dem Richtscheite selbst erscheinen , die von 
Tripolis , welche das Bild der mit dem Anne messenden 
Nemesis zeigt (s, unsere Tafel IV. nr. 6.). 

In dem bekannten Hymnus des Mesomedes auf die 
Nemesis heilst die Pike (die Gerechtigkeit) ihre Bei- 
sitzerin (napeifyo.). Die älteste, roheste Kun&isymboltk 
Btcflle die Gerechtigkeit als eine schöne Frau dar, die 
einer häfsliehen die Kehle zuschnürt und sie mit einen 
Slabe schlagt. So sab nun H8 auf dem Kasten des Cvp 
selus (Pausan. V. 18, §. t.). 



Auch die Seh aamh af t i gli ei t (Atdiö.) gesellt II 
siodus (Op. et D. 200. vcrgl. Jacobs zum Huiinus des. 
Mesomedes Anlhol. gr. II. pag 3(T.) ger Nemesis bei. 
Lanier treffliche Peisouilicalionen der Kcbonbegrrflf) 
die in jener grduen Idee Nemesis lagen, leh habe <■!» 

auch der 
Art zu gedenken. Wie natürlir-h schön die Giiccben die 



; 




§. 3. 
Fortsctzun 
Die Gala brachte nun aus sich hervor den Ura 



nas, d, i. das Himmelsgewölbe ( pi 



icirt. 



\Y 



es nun weiter heilst, sie habe die Gebirge und den 
'ontus, d. i. das Heer, hervorgebracht, da sie doch 
nachher erst den Ocean gebiert, so finden wir hier of- 
fenbar eine Spur, wie Hesiodus manche ältere Begriffe 
und Ueberlieferungen zwar treulich wiedersieht , sie 
aber nicht ganz mehr verstanden. Die ältere Lehre näm- 
lich war die gewesen , dafs die Erde, ehe sie noch mit 
dem Himmel das Gewässer, den Ocean, geboren, sich 
»elbst ihre Gestalt gebildet habe. Indem Hesiodus dies 
treu aus seinen Vorgängern wiedergieht , sagt er uns, 
tie habe die Berge und das Meer (Jlövru;^ ■ntka.yo$ 
»iju oiJuaxt Si3üv) hervorgebracht. Allein der alte 
Sänger, dem Hesiodus folgte , hatte mit 1Iu*to^ Llos die 
1 it-fe, und zwar als feuchte Tiefe bezeichnet, und 
n <m war der Begriff vollständig : die Erde brachte die 
Hohen und die feuchte Tiefe hervor, und dann erst er- 
äugte sie das grofse Urwasser, das alle Tiefen erfüllt 
u "il AUet umgieht, den Oceanus (s. Homer. Briefe 
P« 18. 46. und daselbst Hermann). Ihn aber erzeugt sie 
>n it dem Himmel, so wie aus derselben Vermischung 
e *oe ganze Reihe von Wesen ( vers. i3i se«pj.) : Hffot, 
*»reios , Hyperion, Japetos , Theia , Rhcia , Theinis , 
Wnemosyne, Phübc, Tcthys und zuletzt den aoautforsch- 
1,, -liin Brunos, den Edelsten unter Allen, EL#oya£ üyxv- 
zr\q — zum Theil Bersonilicatiuiien der Elemente in 
*«*otUcher Mischung, die erst nach und nuch durch <Iie 
€ e g«nseitige Bändigung entgegengesetzter P" »lenzen sich 
in Eintracht und Ordnung um um I heil \ eil.or- 

ßetnngea der Verhältnisse um Sonne, Kond und Ster- 
Uc «, Von denen die Vor weit ihre Zeiteintheiiui>g ent- 



4-8 

leimte; dann Person ificationen der religiösen Ordnun- 
gen, der Sil te und der Salbungen selber. Der Letzte 
ist K^ovoc , der das Beiwort ärxt'AauijTij.; führt, eine 
bildliche Bezeichnung de» in sich selbst zurück- 
gezogenen, verborgenen Gottes, des deus in 
statu ahseundito , de« ungemessenen dunltelen Abgrun- 
des der Zeit , oder in anderer Beziehung de« A bso tu- 
ten im Gegensatz gegen das InleUigible (Uumer. Briefe 
p. i5q - i6>.)- 

INt'iie Zeugungen des Himmels und der Erde sind 
( vs. i3, sqq.j : die Cyclopen 9 ) Brontes t Steropes, 
Arges , ferner die Hecatonchiren ( Ceutimani ) Cot- 
tus, Briareus, der bei Humerus (II. I. 40S sqq ) Aegeoa 
heifit, und Gyges. In diesen zweifachen Driltingsbiü- 



9) lieber den Namen der Cyclopen vergl. Eustathfus zu 
Orfytfi: r 69 p. 2i Basil. und Sturz ad Empt-docL Fiagg. 
P b£\. Lcf <-r die aller/ui&che Bedeutung des Cyclopen 
Polypht m in der Odyssee s. EuMalhtus ad OdysS. p l-iJJ2 
und p 1B&1 , S6 e(j Kotn. , ff rot r Mtcephor Gregor, de 
Enorduis Llixn cap. 2. und dort Colunibiis p i> i , dtr 
du genannte zweite St< Itc de» Eastithiu« nebst andern 
St« ll.n der Alu 11 milij< ilieilt hat. Hiernach ist die Fabel 
von Polyphnn nichts weder als eine Allegorie des ~'-fw; t 
Hin« i- dtr ( jtlopt ein Bild der wilden, ungezügelten 
regellosen 'lii<be und Leidenschaften. Darum hat Q 
auch Bill t.in Auge, weil er, von der Leidenschaft über» 
ujI igl , mein z.vu fach die verschiedenen Momente über- 
legt, sondern alle seine Gedanken und Neigungen nur 
nitijds allrin gerichtet h*t , wozu ihn seine wilde Leiden«. 
sch<tfi unwid« »Mehlich hiureifat. Er wird von U^ses ge- 
blendet, d. i. stine Bemühungen, das Streben seiner 
Lejdenftchaftea ht zwecklos und ohne Erfolg. Die* ist 
die ethische Seite dieses Mythus, neben welcher freilich 
Andrre noch eine andere finden wollten. Ihnen war der 
Cyclope : *j rwu oi/bc/lw *.ab4ffvm»t% t d. i. die Kimichtuog 
der hii.iinliichen Kfirpcr, welche im Kreise geseh« n wer- 
den, wie x. B. der Zodiacus, und ittiagiuflr die Wende 
ziiktl u. s. w. 






Sommer und Winter «ymmctns 
einander gestellt, und wir dürften soinii hier hosmugonisch 
an das Streben der Atmosphäre denhen , sich ins Gleich« 
gewiiht zu setzen. Denn die Cyclosen, B ( i.ii rr,c Don- 
ner, Zztponr,!, V er d it n li el u n g, und * A i>} *> H et- 
terleucliten , sind als die- electrisihrn Etpbisiunen 
der Atmosphäre zu iirlimen, die duch vorKugficti dem 
Sommer angehören. Ihnen entsprechen die Hcra'-nclu- 
Ten , B(.>ia,.f <,i^ , der Iliindei larniige . den schon du' alten 
Mythologen als Winter deuteten (J«>. Lydua de mens». 
p. *#.): zu uefcht-m, ehen als Winter, sieh trirfflich ge- 
sellen die Brüder KÖTTötj, der w ü : h v n d e Sturm« 
* 1 4) d , und r»y>j«;, der Wassermann, als Personi- 
fication der winterlichen Wasserfluth (s. Homer. Briefe 
p. 162 ff. «°). 

Diese, die Cyclopen und Centimanen» seine ältesten 
Sohne , schlufs Uranus bald nach ihrer Geburt in den 
Tartarus ein. Dies erbitterte ihie Mutter Gäaj sie wie- 
gelte dieselben aul', und brachte den Brunos, dem sie 



10) Oh jc'i gleich üben bemerkt habe , dafs ich der Kilrze 
wegen die Vorstellungen Anderer von diesen Dingen 
nichrrmh«. ilh übergeben mufs, su kamt ich Hoch hier 
zwei neue Erklärungsversuche nicht unbemerkt lassen. 
Hermann {über das Wesen der Mythologie pag. hj f.) 
Übersetzt den Kotts^ durch Ferius , von nl-rrw , und ver- 
sieht den Hagel durunter. TC^ ..die andere VormVuyw 
verwirft er» ist ihm Snlcius, g e ( 11 r c h ( e * L.iud, 
B(./a vJ twj Gravinus, der Schnee, so dafs also diese drei 
Riesen den Winier bezeichneten. Ganz audtrs Butt" 
mann (im Lexilogus p. ZiÜ f.). Er lal"*i mit H. niley zu 
Hurat. Od. li. 17. l4. die Mohrejbatl r-'*; oder tV<y^$ un- 
entschieden, ja im aber die Bedeutung der drei Rieben m 
folgenden deutschen Ausdrückt 11 zusammen : Mark« 
wucht, Koppel, Glidmaf*. Wegen acte; verwei- 
aet er aul Üebneidera LtXicon , wo aus l'nliux beigebracht 
wird, d.ifs die Duner den Kopt airra nannten. 




die scharfe Hippe schuf, dahin , den alten Vater de 
ethüms, den Uranus, Wahrend er die Gäa umarme 
v eilte, zu entmannen. Die Erde langt das Blut, 
Meer den verschütteten Saamen auf; aus dem Blute wach- 
sen hervor die Erinnyen, die Giganten und die 
IVIelischen Nymphen, und aus dem Schaume de* 
Meeres , worin des Uranus Zeugungsglicd gefallen * 
Aphrodite (Kythereia, Cythcrea). Und jene Kinde»'-« 
«i 1 1- »ich gegen den Vater erhöhen, nannte der erzürnt* 5 
Uranus mit strafendem Namen Titanen: 

Denn er sprach , ausstreckend die Hand in frevel« 

Leichtsinn 

Hatten sie Grofses verübt, dem cin^i nachfolgte 

Ahndung u ). 

Hiernach stammt dieser Name (TtTfliec , Tirijvec) v 
Ausstrecken der Hand und von der Ahndung ab, 
Ton xaiitn {Ttt'vw), TuaiVra, ich streche aus, strebe, 
ahnde, strafe u» s. W.j s. Lennep. Etymolog, p. -3a sq. 
und daselbst Scheid. Andere leiten ihn ab von T*- 
Taim , die Erde, in alter, vielleicht Thessalischer 
Sprache; Diodor. Sic. III. 57, V. n/>. vergl. mit Schnei- 
ders YVürterb. s. v. — also die Erdensöhne; endlich 
Andere auch vom Phünicäschen tit, lutum, oder t 



ilä- 



titcL- , tiTcti', titcc^i König. — Ich lasse, \ 
Znsammenhanges willen, einige IIermanni*che Erh 
rungen der nächsten mythischen Gcncrdogie folgen , ohne 
sie gerade ganz zu den rneinigeu zu machen. Nach ihm 
eh sie die Streber, Tenduncs. Es waren eitle 
Bestrebungen der zcuguugslusligen Natur, ohne Maafs 
und Ordnung. Darum nahm sie auch Uranus wieder in 
s< inen verbergenden Schoofs zurüch. Was er gezeugt 
li.ttc, war regellos. Endlich legt sich der -wilde Ung 






lj) S, Ucsiod. 154 - 207. nach Voft. 




45 1 

llum. Der regelmäTsige Bildungatrieh gewinnt Oberhand 
in de t Natur. Die Vollendung luimmt , des organuiiendo 
Gesetz hat sich lebendig in cli-L* Natur seihst eingebildet. 
Darum wird der Vollender Kp6in >. 1 ) zuletzt gebmen, 
lud darum ist er es. der den alten Vater des Ungethüm» 
eiiiui.innt. Nun aber (heilt sich auch den Dingen die 
ngsltiaf) mit : die Eide gebiert die Eriunyen , d.i. 
d.e Kcitigerinnen , die Giganton, d. i. die Zeugenden, 
tir,il du- Melischen Nymphen '■), eine Persouification der 
Prncbibafkeit, oder überhaupt bestimmte Anschauungen 
»Oo Wachst h um und Gedeihen der Pflanzen und'Ihure, 
durch lonnenwarme und Wassernahrung (llo- 
iner. Briete p. »64.). 

Unter den symbolischen Vorstellungen und Attribu- 
ten dieses Hronos , der dann mit dem Saturnus in Ein 



12) So Hermann. Wie die Alien zum Theii den Kronos 
genommen haben, davon zunächst unten. 

13) Jene Erklärung der Erinnyen scheint srhr gewagt , da 
der so oft vviedf «kehrende Begriff immer auf »l.is Gebiet 
der finsteren Machte und auf ethische Personiiicalionen 
hinweist. J>ie Melischen Nymphen übersetzte Hermann 
(Homer. Briefe p. 163.): Cicurinae , die Bezähmerinnen. 
Ich habe die im Text angegebene andere Bedeutung aus 
Spuren bei den allen Schriftstellern zusammengetragen, 
und dabei auch an die Esche als Kritgshuize erinnert. 
Wenn nun Hermann (Wesen der Mythologie p. S6.) das 
Bild von einem Baume in diesem Zusammenhange zu 
individuell findet, so inuife ich jezt , was ich damals nicht 
wollte, wirklich an die k o s m o go n isc he Esche Yg- 
drasil und an die ersten Eltern : Eske und Emila nach 
der Edda erinnern. Es ist nieht auszusagen , wie oA in 
den Kosmoconien der Völker an das Individuellste die 
allgemeinsten Satze und Wahrheiten angeknüpft werden. 
Isi denn die Loiushhimc auf dem Berge Mcru und in Ae>- 
gyptens N'ilibat nicht auch eine bestimmte Pflanze, 
und. doch schliefet sie die W e 1 1 9 c h ä p f c r in sich — ! 



43a 



Wesen zusammenschmolz, bemerken wir gewohnlich dea 
Verschleierten Hinterkopf, seltener ganz ohne Schleier, 
ferner die Et bebung der Haken Haud über den Hinter- 
kopf. Tiie Hippe, die bei Hesiodus lang und gezahnt 
erscheint ( z. B. vs. 175. xa^yapodüvra , 17g. ai>7tr;v tte- 
Xwpiui), siebt man auf einer Münze und Lampe als ge- 
zahnte Sichel, oft auch als blofse Sichel. Ferner führt 
er die kreisförmige Schlange und den Herrscherstab 
{vergl. Schlicht egroll zur Dactylioth. Stuscb. T. I. p. 74. 
II. p. 79 stf. und oben I. Th. der Symbol, p. f»<>4 ff. 527 ). 
Die auf unserer Tafel V. nr. 1. (vergl. Erklärung p. i3.) 
aus jenem Werke copirte Gemme zeigt den sitzenden 
Salurnus mit jener Bewegung der linken Hand und mit 
der zur Erde gesenkten bichel. 

Es folgt nun eine Reihe von Schöpfungen in diesem 
fleiche des Kronos ( vs g33 ff.), Pontus , die wasser- 
haltige Tiefe, zeugt mit der Erde den Nri>£r*. , d. i. den 
unwandelbaren, immer ruhigen Seegrund, den @4tv(i4£, 
die peisonificirten Meerwunder, tf'öpxv^, die Vorge- 
birge und Klippen, Kr t rö) , die Masse der im Grunde 
des Meeres bausenden Ungeheuer. INereus erhält zur 
Gattin die Tochter des Cceanus, Aio(>t, , die Reiche, 
denn das Meer fuhrt den Menschen Güter iu Fülle zu ,; ). 
Wenn uns die fünfzig Töchter aus dieser Ehe an die 
fünfzig Töchter des Hanaus erinnern , die man einerseits 
gewifs richtig als fünfzig Brunnen von Argus nahm, so 
dürfen wir, besonders bei gewissen Namen, als nnXv« 
vojir, Avtovöjj und Avoiäracraa, auch andere ßezie- 



14) Das Ausführlichere sehe man in den Homerischen Brie- 
fen p;»c. 173 ff vt- rlmmien mit Hermanns Bru f ul>er das 
Wesen — der Mythologie p. IM , wo z. B. tiie Möglich« 
keit einjjerainnt winl , ildfs Doris auch eine (^i-ellm itiphe 
seyn könne , in so fern üie Quellen Ernähterjnneu dessen 
sind , was auf der Erde wilcüst. 



435 

hungcn und Vorstellungen des Alterthums nicht verges- 
Mit. Propheten, Gesetzgeber , Sibyllen, Wohrsagc- 
liniu.ri steigen ans dör Tiefe auf, die Musen, welche 
•rftprungHch allesamt TSyraphen waren 15 ) , die Unnusen 
und llrnymplien hemmen ans dem Wasser und singen 
an den Wassern; wobei MohJ der Gedanke vmi dem 
tielen Fühlsinn , ja oft TieiUnu des Weihet, aber auch 
an seinen wie Wasserbuche beugsamen, unzuverlässigen 
Willen zu Grunde lag. liierbin gehören auch die Monds- 
und Wasserlrauen Acca und Anna !l;il?ens , die Donau- 
wriber der Nicbelungen und ändere mehr, lauter weib- 
liehe Wesen, lilujj , verständig, zugleich mit der Gabe 
der Prophetie. 

Thaumas verbindet sieb mit der HXtxrpji, d.i. die 
sich erhebende Meerefrwogei und zeugt die Iris (*fox$') 1 
d. i. den siebenfarbigen Bogen; wobei wir an den Bugen 
und das Geschoß *\vv zürnenden und an den Lichtbogen 
der versöhnenden Gottheit derben Können, Zuletzt hum- 
neti aus dieser Ehe die Harpyien ( e Ap:rvIon). 

\ i.n Phorcus und Cctu kommen die T^alai, die 
grauen schäumenden Wellen, und zwar XleqSpncJM, die 
reifsende Brandung , und 'Ertw , die hereinstürzende 
(▼». 070 II). 

Jenseits des Oceans wuhnen die Gorgonen : Stheino, 
Euryale und Medusa. Letztere wird verstummelt von 
Pcrseus , und aus ihrem Leibe entsteht X^vodag und 



15) Ich trage kein Erdenken , diesen Sat2 auch hier wieder 
aufzustellen , unschön ihn Hermann in seiner Abhandlung 
de Mn.-is Huvialibus Epicharmi et Eunuli, Lips. isiy. 
in Anspruch genommen hui. Meine Grönde mufs ich 
aber bis zum «dritten Bande autsparen, wo ich vun den 
Musen ausführlicher handeln werde. Für einzelne Be- 
richtigungen bezeuge ich jedoch dem schal Sinnigen Vir» 
fasser gleich jezi meinen Dank. 



II. 



28 



43/ f 



Uir/aooc. Chry«aor vermählt »ich mit der KcrMi 
und erzeugt den dreiküi>ligen V^ttOVt6^y der von He 
eules erschossen wi<d. Ich habe d.i s Wu>en dieses 
ihus schon im I. Th, p. 704. berührt , und dort angi-dr 
tet, "wie die Gorgonen Erinnerungen sind an den Mi 
als den finsteren Hör per, und wie die brüllrr, 
Schwestern (als lliihe) die unlautere Natur dessel 
bezeichnen , welche gereinigt werden soll. Ef lieg 
hier die Begriffe von Reinigung zu Grunde. I 
und der J'etseidc Hercules reinigen auf Erden uml 
Himmel. Wenn der reine Strahl der Sonne uitd» 
glänzet, wenn der läuternde Genius Perseus die Schrrdi- 
Dt*se der Nacht des Jahres überwindet, und die fiuslcrn 
&rhreckge«ichter der dunheln Alondsscheibe ze-ni 
dann wird Gold gewonnen. Daher wird seine Hif 
und lein Schwert Zeichen der Fruchtbarheil . &<» *h 
der Stier aslronunmch und agrarisch. Daher hat M* 
cenä vom Zeichen des Schwertes, wie des Stieies sein« 
Namen.. Perseus ist der Ochsenräuber Milhras (s. oben 
I. Tb. pag- 786 IT.), und in einer andern Sonnenjalin"- 
periode mufs ein neuer Fürst dieses Hauses , ein dW** 
Sonnensohn, Hercules, auf Eurystbeus , des Weither 1 "" 
seilenden, Geheis Geryons Kühe aus dem Westlandr 1"" 
len , und in die Stier- und Schwertstadt führen ; d h. 1* 
Verlauf vieler Monden (Zeiten, Kühe) werden w 1 * 
Fürsten des Peloponnrstia zu Mycena neue Sonnen* 
Jahres- und Aclterfestc gefeiert. Daher deuteten ^' c 
Alten den Geryon als Winter, Andere als die 
worauf die drei Kopie bezogen wurden 16 ). Sie sche» ,lCn 
dribei an yrj^u^ (Alter), j-j^ccw und >',(■»- gedachl 10 
ben. Hiern.-uh wäre Ger)on der Alte im Med« 
(im Ahendlatide , Ibeiien) ; und wenn bei ihm , dem d*" c 



biet, 
den 






16) S. die Darstellung , die auf u-iserer Tafel XL. copirt 

vtnjl, mil der Lrkhirung p. 2i, 



435 

J.üpfißen, Hercules die Rühe Knien mufs , so wäre damit 
so tiiI gesagt , alt: die FrfihiingMonne gewinnt dem al. 
l er n t e n Winter im Lande der Final ernifs die neuen Jah- 
reszeiten ab. Drei an der Zahl (nai-h aller Fiuiheilung), 
beim dreibSpfigen Winter verborgen , hat sie die FrSh- 

»onne Mieder ans Licht gebracht. Hercules, die 
Frühlingssonne, hat nun die drei Aepfel , dos ßüd der 
diii Jahre« zelten ( s. oben H. pag sto»), IS n bannten 
auch die I\»oicu , die Grauen , in die J,*hresillegoric tum 
>\ int er. Tom grauen Winter, p-issen. 

Zu den Vul camseben Perguntfigationei) ( vs. <2t» f 5 <T.) 

gehören die Schlange "Eyiftvu, niit dem Glutwind Tw- 

(vcrgl. oben I. p. 3s».), und 'O^^vo., J)m Evpv- 

. den weithinstrafende« , beziehen wir. so nie den 
Cerberus. welchen die Fehidna gebiert« m| die Unter- 
welt, und erinnern liier au &eg?g>fisebe ^oratel langen, 
die *ir im ersten TLeile ( 7.. ß* pag. l\iü und a. a O.) 
mehrfach nachgewiesen haben, da, so wie die ganze 
Heektdeiscbe Bildet weh » namentlich diese Stelle einen 
tieferen Hintergrund verrnnthen läfit, den wir nur durch 
einen Rurhblicli auf Aegvpten und andere Linder de* 
Orients einigermnf*en enthüllen Liimien, Von derf-ihul- 
na Kommt ferr.-er Tfyij Ae^vcttr, , die von llermles ge- 
todtet wird, dann Xm<*u'«, welch* Bellerophon •nJ dem 
Pegasus vernichtet, Letzt» re rrzengt mit Ortbrni die 

Sphinx und den ISemeischen Löwen < Nsuciatov). Ceto- 
gobai dem l'horcua den die Hespetideuä'pfel bewachen- 
den Drachen. 

Oceanus und der Tetbra Binder (vs. 3*7 IT.) sind die 
Flusse und dreitausend Tochter, d. i dir OuelJen l u- 
ter den Namen , die hier Eieaiodoi aufzibll - er fülirt 
jedoch blos die vorzüglicheren (7tt»r«r|?*TorT*i) an — 
lesen wir ohne Zweifel manche Namen aus dir allen 
kosmogonisrhen Li Itunde selber ; so E. B. ' \5«i,t.-, As> 
einen Namen,, den auch Ceres wegen der Gabe der 



436 

Nahrung, als Mutter Erde, führte. Sprach man doch 
auch von Quellnymphen , die Früchte, Nahrung verlei- 
hen , Ton ri-ptpats xupjroTpo^ois '?}. Ferner (Kp«*"!, 
gleichnamig einer der Musen '*), die ja auch, 9€fi 



17) Vergl die vierrehnte Anmerkung. 

18) Auf Hermanns neuen Einwurf {über das Wesen der My- 
thologie p. 1 JL): „wie keineswegs folge , dafs die ^Juell« 
Uiani.i eins milder gleichnamigen Muse sey u , antworte 
ich hier nur dies: Es kommt in diesen Dingen Alks *w 
die bmviclii in den ursprünglichen Realnexus »**• 
Z. B. um beim Vorliegenden sieben Ttl bleiben , dieDo* 
do!i.ii>clitn Nymphen waren einmal siderisch Sterne (d» c 
Ilyaden und Plejdden) im Bilde des Zudiacaisiiers. AU» 
Erden (urrcsir ischl waren sie Quellen und Ausflüsse de* 
W a.ssi islrtis und Wasserstroms Achclous. ( Die Mctu* 
scheinen aus den Gewässern aufzugehen.) Das Auf 
und Untergehen jener Sterne scheidet die nasse 
dii trockene Jahreszeit , wann die Wasser rauschen ode 
KOweigen, die Quellen vti siegen oder murmeln (rede 
singen). — Vom Auf- und Untergehen jener Stern 
mmml der Hittc wie der Ackermann und wie der Schiffe 
Seine Prognostica her , d. h. diese Sterne belehren ihn, 
was er in seitun Geschäften zu thun und zu lassen hat. — 
Feiner, auch für den beobachtenden Priester war J« 
Sternbild des Stiers eine der ersten siderischen Ihero* 
glvplun, da* Siierhaupt, der Ochsenkopf, war selbst 
(ine der wichtigen tdcu nabeln de» Alphabets gewesea; 
und so wie erwiesenermafsm Isis einmal die vom Nil g<« 
schwängrite Aegypijache Erde war, dann aber auch t 
Stern in BiMe des Hundes, eben so wohl konnten auc 
jene Ueidonäischen Landesqutllen (die Dodonaischen 
r^vmpben) ISJettlenle einer von den Sterngruppen ent- 
lehnten Urschrift der Pelasgischen Völker seyn. Nitro- 
glvphik aber und selbst Buchstabenschrift war im hohen 
Alierüiume Wenigen vorbehalten; Belehrung aber for- 
dern , jeder nach seinem Bedarf, Alle — Für Alle ast der 
G e s a ü g bestimmt. So mufsien also jene innerlich zu- 



: 



eamuieuhuugcndcn tellurischen und siderischen El 



7 







4o7 

Mens die alleren , grofsentheüs ron Quellen und Flüssen 
ihren Namen b tten , wie z. B. Kr,qHOb> , Bi^vo-Seri;, 
INeiXw, 'Aoano), 'AysXmiq und dcrgl. mehr ( s. oben I, 
p.472.)- Als Kinder des Hyperion und der! hia (?■. 371fr.) 
werden genannt HXmk, £tX>;j'>; und 5 H<&^, welche sich 
alle, so wie die Sohne des Brios und der Eurybia, 
'Aarpato^, lla.'K'Ka^ und llipar 4 $, anf die Gestirne des 
Himmels bezieben, Letsterer, He^arc, ist wohl am 
einer Namcnswurzel mit Dcoacv^ erwachsen, und sonach 
geboren beide mit Recht an den Himmel. 

Dem Asrrä'us gebar £01 die Winde, hierauf den 
Morgen>Urn nebst andern Sternen ( vs. 378 — 30a.). 
Stjr* ab*r, die älteste der Oceaniden — der Eisflufs — 
•zeugt mit Pallas; Z^Xo$, Nizj;, Kpctxo^ und Bt'jj, In die« 
«er Genealogie InTst sich wohl folgender uralte Sinn er- 
nennen : Sobald Pallas sich der Sfyx vei nuililt, d. h. 80* 
bald die fii>6tere Quelle der Natur und des natürlichen 
Menschen erschüttert und aufgeregt wird , steigen Pas« 
tiunen und starke Triebe herauf, Eifersucht und Gewalt- 
ibat, die Alles besiegen und sich unlerwüi (ig machen. — 
Pliülir zeugt dann mit Cöus die Lelo (Ajjtgj) und die 
'Affrcpta , welche von Pcrscs die Exdrjj hervorbringt 
(rs. /404 ffj. 

Wir folgen der Urhunde weiter t die uns nun zur 
Nachkommenschaft des Kronos führt. Ithea nämlich und 
Krunos erzeugen drei Sühne und drei Töchter, 'Eati^, 
&r,u.r l tr ) p und "Hpij , dann ' \idr,$ , llnntt$a<i>v und Zeif 
(vs. 4^3 ff). Alle diese verschlang llronos sogleich nach 
ihrer Geburt, weil er von Uranus und der Gaa gehört 
hatte, dufs er durch eines seiner Binder dm Thron ver- 
lieren würde. Als nun die Mutter mit Zeus, d«tn jüngj- 




ganz natürlich Musen (Gesang - Nymphen) werden. — 
Wer dergleichen Dinge im Ganzen sieht, deu Itfi 
diabetische Disiincijpuep nicht irren. 



438 

sten, schwanger £in£, wendete «Je sich betrübt zu Gai 
und Uranus , und erfuhr von ihnen den Willen 
Schicksals in Absicht auf Kronos. Auf ihren Kaih eill 
sie nach L\htos in Creia, und gebar fori den Juppiter, 
an dessen Stall sie dem grausamen Gallen einen mit 
Windeln (Fellen) umwickelten Siein reichte. Juppiter 
Wuchs indefs schnell heran, er, der nach dem Entwürfe 
und der Absicht der Gua bestimmt war, Dache am Vater 
»ii nehmen, und denselben zu entthronen. Durch ein 
Brechmittel gezwungen» gab Kronos alle seine Kinder 
bis auf den Stein wieder von sich, welchen Juppiter zum 
Andenken in Pvtho am Fufse des Parna&sus befestigte. 
Darauf befreit er die Cyclopen ond Centimanen Toa 
ih*e» Banden, die ihm dafür Donner und Blitze ver- 
leihen. So stürzt er den Va'.er vom Throne, und legt 
ihn in Fesseln, 

Ich nfll hier in der Kürze nur einige Bemerkungen 
fein schatten. So rvie wir oben den Kronos als deus in 
statu abftCutidita bezeichnelen , so können wir hier den 
Z«'«is ifa drus in statu manifesto bezeichnen, der sich 
fben so gut als Lichlgott von Thebe , wie als Wasser- 
Bjeut RH l>ndona und als Waaaergott der Phönicier be- 
greif« n l;fst. Auch Poseidon mag in seinem Grundbe- 
griff entweder als der weite, ausgedehnte (latus, ex- 
pansus), oder, wie neuere Forscher wollen, als das 
Cnfpste; blindlings Anseinanderfahrende , Bewegliche, 
im I i7. gegen die Patalien, welche die befestigen- 

den Ib'iie sind, genommen werden. Zunächst weiset 
uns auch der Stein, der in diesem jMythus vorkommt, 
hin fa'ntt lieh auf den weit vci In eiteten Gultus der Meteor- 
steine und a«.f ähnlichen Fetischdienst in den vorderen 
I. indem des Oriei ts, woher die Griechen ihre wichtig- 
ste«! Reltgionsanatalten entlehnten, hin. In denselben 
llres p horl auch der Juppiter Castus, auf den ich un- 
ten wieJci zurückkommen 



Was endlich die habere Deutung de* durch seinen 
Sehn entthronten und gefesselten Saturnus betiiflr, so 
erMarten sich die Stoiker (s. Cic. de Nar. Dem*. U. 
kitrüber folgendermafsen : xVinctos est auteiri fc'Jove 
(Saturnus), ne immoderatni cursna haheret , atfjue nt 

ideribus alligaret. » K* ist nämlich dabei S.»turnus 
ah K^ovoi; {^popos, als Zeit) gedacht, und zwar ala 
irr ungern c*sene, ungeordnete, dunkele Ab- 
grund der ungezählten Wunt-n, so BD sagen die blin- 
de Zeit. Nun kommt Joppiter , der Weltherr, ordnet, 
tbeilet die Z«it und bindet sie an den Lauf" der Gestirne. 

- \ erhält nifs drückte man auch so aus: Z,evq vov^ • 
Kpoto. i; «Toyota Mal j; xt'v vuv arv^ö'kanTtq , nämlich die 

de Zeit schliefst auch die Bewußtlosigkeit 
ein. Erst Mptin der Geist erwacht, und sich seihst von 
den langen sondert und unterscheide! , dann werden 
Zeilen unterschieden und geordnet. Eben darum kann 
*»ch einer andern Ansicht derselbe RroftOS als das Ab- 
» <» I o t •• , im Gegensatz Regen Juppiter als das Intel- 
l'gihle, genommen we»den ,9 ). 

AU ]ed rh die Titanon der neuen Oberherrschaft 
J c!i nicht unterwerfen wollten, so entstand tischen 
den Kronidcii oder Söhnen des Kronos, an deren Spitze 
der neue Beherrscher des Himmels, Zeus, stand, und 
K* liehen den Titanen oder Uraniden, den Sühnen des 
l'*nus, ein schwerer Krieg, der sich mit der l'.eiicgnng 
der letzteren endigte , welche in den Tartarus hinab« 



iy) S meine Melctemm, I. p. -il. und den dort »nprfuhrien 
Pl.no im Cratylus \> <>'». p. 4S IWind. (ke v o^ tsü vcü», bu- 
tttyd i» 15t ileind. j Ferner Cbrysippua bji. Ltvinolog. m. 
tlluKt. de mundo enp. 4. Molin. de pulcr. p. 1.38. 
Djid iscitis mscr. , wo die Pliömcische Lehre von Kronus 
Vorkommt , und es unter Andum heifst: KgOMfj tIj *y.c- 



44p 

geschleudert und dort zur Strafe auf ewig einge*pci 
wurden. I>cr Kampfplatz der Kroniden in diesem 7.c\\n> 
jährigen Kriege war der Olympus, der Schlachtort der 
Titanen der Othrjs. Den Sieg aber erlangten die Kro- 
niden durch Hülfe der Cyclopen und Gcntimanen. — 
"Wir sehen in diesem Uampfe — der Titanomachie — , 
welchen unsere Urlumdc weitläufiger beschreibt ( TS. 
6j6 fT. ■*') , und welchen viele Sanger des AHcrlhum* 
zum Gegenstände eigener Kpea gewählt haben, 
haupt den Widerstreit der Elemente und der wilden, 
ungeregelten Nalurferöfte gegen die Ordnung und d»* 
Maafs der Natur. Daher denn auch die Deutung diese* 
Kampfes auf ein Erdbeben und auf tclluriscbe und nep- 
tunische Revolutionen » die der geordneten Bildung und 
Gestaltung der Natur und Erde vorhergehen mu fiten , in» 
Ganzen gewifs viel Wahres enthalt. 

Achnliche Ideen liegen dem Kampfe der Kronides 
mit Typhoeus ( Tt><praev<;, Tr^rar) zu Grunde, witlMV 
hier die Acgvptische Quelle nicht zu verkennen ist {»• 
1. Th, p. 3«7 ff.). Auch dieses Ungeheuer, den jüngste» 
Sühn der Gäa und des Tartarus, schlug Zeus ni ' 
Blitze unter fürchterlichem Tosen darnieder, und *» r * 
ihn in den Tartarus hinab 2l ). 



20) Vergl. Riad. VIII. 459 ff. über die Fesselung der Trt» 
im Tartarus. Lieber die Homerischm Giganten 
Odyss. VII. 59. 206. X. «20. Ucber das Vi 
Gigantomachie zur Titanomachie S.Heyne Obsrrva't- 
Apollodor. p. 28, Ebendaselbst p. 28. sind die »< 
denen Angaben des Kampfplatzes, worauf die GiR" ,r 
gesiriltcn — die Gegend von Phlrgra bald in Maceda« 
bald ohnweit Cuma in Italien — gesammelt. 

2t) S. Hesiod. Tbeogon. 820 — 8tS. vergl. mit Homer. 
II. ?Sl ff. Ucber die verschiedenen Angaben der O 
s. meine Fragmm. historr. intiquiss. I. pag. 166 sqq. 
Moser ad Nonui Dionys. VIII. 272. 



44« 

Kehren wir noch einmal zu den letzten Titanen zu- 
rück , so tritt uns das Geschlecht des Japetus und seine 
Schicksale , die der Gegenstand so vieler Mythen ge- 
worden sind, bedeutsam hervor (s. Theogon. 5f>5 seqq. 
rergl. Oper, et D. 4 5 sqq.). Japetus nämlich zeuget mit 
Hlymene (KT-v^lvr,) , des Oceanus Tochter, den Atlas 
CAtX-ö^) , Menütius (MerotTtoc) , Promethrus und Fpi- 
jimI iicus. Ich will liier nicht in das Einzelne dieses My- 
thus , in welchem hei Hesiodus mehrere Erzählungen 
zusammengeworfen , Anderes auch ausgefallen seyn mag, 
eingehen; ich bemerke nur, wie in dem Japetus, als 
"\ nlcan oder Feuergott aus der Tiefe, und seiner Frau, 
einer Oceanine , die also gleichfalls aus der Tiefe liommt, 
lellurische Andeutungen gegeben sind, wobei auch hin- 
-uirderum Menütiiis als Petilctus , wie ihn Hermann über- 
setzt , in Betracht zu ziehen ist. Prometheus aber mit 
seinen Brüdern und mit des Epimclbeus Frau wird uns 
Moli], um dies liurz anzudeuten, den edlen, bald lo- 
dernden, hald verlaschenden Lebcnsfunhen und Alles, 
was das wunderliche Menschenleben an Gütern und Ue- 
beln Unergründliches hat, bedeuten sollen. 

So folgt also das Hronidenreich oder das dritte Göl- 
tersystem, mit welchem die Entstehung, Gestaltung, 
Bildung und Ordnung der Erde , wie der gesammten 
Natur, geschlossen ist. Oceanus, II* i ins , Eos und Se- 
lene bleiben in ihren alten Aemtern, wahrend Zeus nach 
Besiegung der Titanen die Ehren und Besitzlhümcr (ri- 
fia<) unter sieb, seine Brüder und Kinder, als die neuen 
Weltrcgeulcn , llieilt (Theogor. C8o ff.). Die Erde und 
der Olympus sind der gemeinsame Besitz aller Gotthei- 
ten ( Ilind. XV. 19,3.); Zeus erhalt nebst der obersten 
He.emonie den Himmel, Poseidon das Meer, Ades die 
Unterwelt, und jedem der andern Götter wird so sein 
bestimmtes Geschäft zugewiesen. Ha ich weiter unten 
diese verschiedenen Gotter Griechenlands besonders ab- 



44* 

Jian dein werde , so rerspar© ich bis dahin die weitere 
Auseinandersetzung dieses Punkte», den ich hier nur im 
Allgemeinen andeuten wollte. 

$• 4- 

Yerhältnifs des Homeru* und Hcsiodus i\ 
Religion ihr er Allvater und zu d e t i h i < 
Zeitgenossen, 

Wir kommen nun auf die Beantwortung de 
schon oft aufgeworfenen Frage nach dem Verhältnis 
welchem Hesiodus und Homerus zu jener priesterhthen 
und aus dem Orient herstammenden P< esie stehen, die 
ich statuire, und welche den Dichtungen jener uro viele 
Jahrhunderte vorhergegangen ist , und insbesondere 
warum Leide mit ihren fahl durchgängig rein sinnlichen 
Mythen und menschlichen Göttern von jener int 
theologischen (mysteriösen) Seite der Griechische! 
thulugie, nie wir sie im vorhergehenden Capitrl gesel 
haben , und welche eben den Inhalt jener alt-pn-' 
liehen Poesie ausmachte, so selten El was und auch 
ses nur so undeutlich Lüchen lasten. Ich werde 
dritten Rande, hei den verschiedenen Ornhisd 
Schulen, dieser alten, vor • Homerischen , bcdeuiuiig 
vollen Poesie noch mit Hehrerem gedenken; hier 
ieo BUnäehsl nur den Standpunkt angeben, ans welcl 
die Gedichte (Lei Hcsiodus und Homerus zu betrat 
sind, woraus sieh dann ihr Ycrbältiiifs zu jenen hül 
Gesängen ergeben wird 2 -). 



22) Aus lUn von Hermann und mir herausgegebenen P. 
Über Homer und Hesiod (Heidelberg ISIS.) zum Tlie 
abgedrucjtfj vergl. pag. 46 ff. Die Einwendungen 
mann* gegen einige im iner hier vorgctrageneii 
der Leser gern bei im fünften Brief« j.. 

uacblesen. 



443 

Es ist allerdings ein gewalliger Unterschied zwischen 

der Bedeutsamkeit dt*r noch vorhandenen theologischen 

l>ich»erlra«inentc und der entschiedenen ActiPWrli« bheit 

ier sinnlich- derben und greulichen GStlergeatalten und 

.handlongen beim ilomerus und Hesödos. Und 

flcrm.irh , wenn wir auf Stuf!" und Fuim zugleich sehen, 

sind die Werke beider Dichter die ältesten Henk male 

lisi.'iti Poesie, die uns als ganze Werke Sbrig ge- 

febe». Ohne daTs man den Weg zu betreten brauche, 

Icher zu dem wohl bekannten Ziele fuhrt, an dem 

o weiter nichts Anderes sieht, als das Homerische, 

sonnt sich und Andern die Beruhigung giebt : et 

eben weiter auch Nichts da gewesen, so lä'fst sich 

die Erscheinung , wie Hörnerne und Hesiodus im Gan- 

*i*n so derbe Anlhropomurphisten seyn konnten , indem. 

doch noch eben auf dem Srheidopunhic von einer 

fsen Prieslerzeit stehen, doch auf eine genügende 

UM Bi klaren. — Griechenland mag immerhin eine 

geraume Zeit (es war alte Künigszeit) auf dem Wege 

r)\ seyn, ziemlich priestcrlich und, so zu sagen, 

orientalisch zu werden. Auch mochten es die Erbauer 

j'ner alten Mauern , Thore und Grotten von Tirynth, 

fycenä und Nauplia (Pausan, II. a5. 3. VII. s5. 7.), so 

*fe jene Priester von Sicvon and Argos , wohl so vor- 

Aher inGriechenländischer Luft, in jenen durch 

Walder und Flusse gesonderten und von der 

bespulten Ländern und Inseln — . dort konnte so 

'•was nicht zur Heile kommen. Was die Sage aller 

von dem Austreiben der Pelasger zu melden 

*'if* tz. \j. Herodot. 1. 60. VI, 137.), mag wohl grofj.cn- 

theils auf dieses Auflehnen Griechischer Volkskraft ge- 

|en fremdartige, wenn auch nicht immer gerade von 

den aufgedrungenen Priesterformen seinen Bezug 

haben. Jedoch mochte immer noch Vieles davon übrig 

ihen, so lange die erblichen Königin üiuer blieben. 



444 



Als aber, nach dem Erloschen yieler alten Geschlecht 
durch ganz Griechenland und bis in den Pelojjnt.m 
diesen alten Antheil von Pclops Scepier , hinab tu 



tüte« nördliche Stämme festgesetzt hatten 



da «j 



immer mehr und mehr der starke Sinn nichtiger Voll 
xnasse in allon Dingen Meister. Sitte und VerfasMl 
Denken tind Dichten ward mehr und mehr ahgpHai 
vom Tiefsinnig- morgenländischen , ward verständlich« 
.heller , derber, aber natürlich auch inhaltsleerer, 
■waren die Ueraklidischen Erschütterungen, 
zwölfte" Jahrhundert, wo sie anfingen, bis zum RCV 
ten. wir Hnmerus und Hesiodus lebten, hatten in FoJ{ 
dieser Revolutionen alle Dinge eine andere Gestalt ge- 
wonnen. Hatten sich vielleicht schon seit jenen älteren 
Unruhen (ich will sie die Pe I a sgi sc he n nennen ) «he 
alten Priestergeschlecbler auch da , wo sie blichen, meli 
caKtenmäfbig zusammengezogen , und d«n Köftigffl « c 
Adcfirhen weniger von ihren Kenntnissen mitgetheilt. 
mufstc dies seil der II e r a U I i d e n s ei 1 noch mehr 
p^all seyn. Unter solchen Umständen kann es niclit *«J 
fallen, wenn neben so manchen Elementen altert« Ol 
tiir, bei der beweglichen und lebendigen Phantast« der 
Griechen, bei dem Wohlstände so manche« St d:e und 
Burgherrn, Sänger auftraten, die in der Weise »1er he» 
gitterten Laien und des Volkes sangen. Diese hatte» 
wenig Anlafs, von dem geheimnisvolleren , priester« 
Heben Wissen Notiz zu nehmen. Und wirklich sollte 
man glauben, sie hallen auch nicht viel mehr davon 
wufst , wenn man an die Jahrhunderte denkt, die ni 
schon seit jenen ersten Erschütterungen verflossen wa- 
ren , und insbesondere erwägt, wie sehr diese äoiäoi 
eine ganz neue Menschenclasse bildeten, ganz und gar 
verschieden von jenen priesterlichen Sängern, und in 
gar keiner Berührung stehend mit goltesdicnstlich.cn Ge- 
schäücn. Ja noch mehr ; selbst von feindseliger Trcn. 



£ 



445 

nong, Ton gehässigen Spaltungen zwischen diesen Sän- 
gern und den pi iesterlicht'ii Personen, wollen sich man- 
che Spuren im llonicrus heller zeigen ; ZwistigUeiten, 
die also wohl ziemlich nahe an sein Zeitalter fortgepflanzt 
si\n niücliien. Han erinnere sich, wie in der Hitdfl 
einigemal ISalrhas behandelt wird ; w ie schimpflich und 
feigherzig der Opferwahrsager Liodes in der Odyssee 
(XXII. 820 II'.) fällt; wie ehrenvoll hingegen eben da- 
selbst der Sänger Phcmitis am Leben erhalten wird ; wie 
geflissentlich an andern Orten eben dieser Ilomcrus das 
ehrwürdige lm( und die sin liehe Würde der Sänger 
bfll vorhebl , z. U. Odyss. III. 267 ; wo Euslalhius (p. 126.) 
aus flcmclrius Phuleteus und andern -du ilistcllcru die 
Aiiinerltung macht, beiden Alten aeyen die Sänger ge- 
wesen , was späterhin die Philosophen waren ; und unter 
«tidt'i 11 sey ihnen die Erziehung der Vornehmen anver- 
traut worden a ). 

Diese Ansieht einer älteren, bedeutungsvollen und 
•ittihohschen oder theologischen Poesie, welche der des 
JHumerus und llesiodus lange vorausging, aber zur Zeit 



23) Hermann erinnert , um diese Sätze einzuschränken , (Ho- 
mer. Briefe p. 70. an die hohe Ehre > die dem Tircsias 
in der Odysste In ig" legi wird. Ganz richtig. Dafs der 
"Wahrsager oft als ein« Art von dämonischem Wesen 
dasteht, habe ich nicht leugnen wollen. Sie warm ja auch 
mit göiilichem Instincte (2iiy tc^tj Ikrodot. I. 62.) be- 
gabt — Aher eben deswegen erregte ihr Erscheinen eine 
Art von Grauen , dergleichen auch wohl furchtbare Xa* 
turge walten und seltsame Naturkörper erregen - f und auch 
„der unter den Todien verstandige Tires'ias" wird unter 
Umstanden vorgeführt, die mehr geisterhaft als anspre- 
chend >ind. Dagegen die S.1nger sind von den Menschen 
geehrt und geachtet als Lieblinge de/ Muse (Odvss.VIIf. 
47y — 4M.). Jn ihn» Ntthe fühlt sich jtd» r h- iiuiscb und 
wohlbehaglioh. 



446 

jener Dichter schon znm Theif unteegegansren , cder 
d"e Mysterien ziii iicke» d" ui -t *ar, ist aiwh zu sehr 
recht feitigt durch Alles, was wir ron Werket üte 
Namen und Schulen übrig haben , aU daf* IBM »ie 
Ganzen verwerfen kannte, y.umal da »ich in den 4 .« dnh- 
len des tlumerus und IJesn dus deutliche Spuren (i 
dafs sie manche allere Begriffe und [leperii* 
nicht mehr ganz verstanden haben. Ich erinnere 
den Begriff* von sriytvw ( s. üben II. pag. 4*7«) » un ^ 
liefscn sich noch manche Spuren nachweisen. AI 
diese beiden (lichter so gar einfältig oder naiv zu 
men , sogar unwissend in Altem, was die Theologie 
der Nation lehrte , dies vertragt sich doch auch mit man- 
chen unleugbaren Thatsachen, mit der künstlerischen 
Trefflichkeit und Gewandtheit der beiden genannti 
und namentlich des Numerus, besonders ober mit /ii 
lieh sichtbaren Andeutungen, die in ihren Welken 
liegen , auf keine Weise. 

Zuvörderst, die Thatsachen betreffend, so 
doch zur Zeit jener Trennung des Priesters »um S.«r 
der alte Glaube bedeutsamer Religion schon zu sehr 
die Masse des gesammten Griechischen Denkens 
"\\ issens verwebt, als dafs ein vielseitiger und | 
Mensch davon hätte unberührt bleiben künnen 
mögen wir uns die Priester familien nach jenen \ 
gun^en , die sie erlitten hatten, auch noch so ziiriii'''* 
haltend und verschlossen denken, so bestanden ja d> c 
Mysterien (deren Entstehung in das älteste GriefhenlsÄ* 
land gebot tK und in diesen Anstalten winden di-cli l •»"" 
und fort die Haupid' gmen der alten Naturreltgiofl 
getragen. — Weiter, wo auch Homcrus gelebt h.dnn 
mag, die Früchte Jontseher Guliiir waren ihm zu 
gen erden , und er hatte sie wohl ku benutzen gcwuf>t. 
Nun waren aber die Jonier damals mit Phöniticn u>^ 
Aegypten , diesen Wohnsitzen priesterlicber Gesell 



447 

rhnften , -wohl benannt. — DieSajje ist nicht ganz ohne 
in t e rgr u n d , dir den llornerus aus Aegvptischen 
luellen V\ eishi it schöpfen lafsl. Und Ephesus mit sei- 
ganz Asiatischen bedeutsamen Gottesdienste war ja 
den .Ionischen Grenzen gelegen. — \ nuder Virtuo- 
und künstlerischen Einsicht des Ho nie ins zu gebil- 
i ii zusprechen, wäre wohl iin höchsten Grade 
ülxrllüssig. Also peheiih zu den in der Ilias und Odyssee 
emerhliehen Spuren nicht ganz gemeiner Heligionsluiude 
ihres Meisters über ; 

Als Horocrus (Iliad. VI. i3i.) 

— — »«««''"ut'voio Ait-n'iiToiü ti'öijva^ 
nannte, und erzählte, wie dieser Gott 

$00 1& aXoc xaru yffia 

<b waren — das zeigt die Stelle selber , die Bacchischen 
Weisen schon längst im Gange, ja da waren auch die 
Theologen und Weise ( ooiptoral ) schon aufgetreten, 
die diesen gehaltreichen Beliginnszwetg grofsai liger aus- 
itet hatten (u.e£öv<>>$ i^etpijvxv^ Ilerodot. IL $9.). 
Bei der allgemeinen Verbreitung der Bacchischen Ge- 
brauche lafsl sich nun schwerlich denken, dafs ein Mann 
ton der Bildung , wie Uomerus, nicht manches We- 
'ent liehe von deren Bedeutung gepulst haben 
*ollte. Und doch wird jene Sage nur so obenhin und im 

i^ehen hingeworfen. Eben so leicht geht der. 

r ( liiad. II. 546.) in der Stelle vom Krechthcus, 
•it seinem : 

— — — ov 7fox 'ASiJvj; 
&pt'4t * A105 SryctTijp, xixt ii £et'«5äjao;''Aporpa 

s.w. über einen sinnvollen Mythus hinweg, der d<>ch 
der simpelsten Erzählung ( wie z. B. bei Apoüodor. 



448 

111. i4- 6.) so viel Stoff aus ältester Naturreligion dar- 
bietet. 

Dafs ich nun in solchen Stellen, und in ähnlicka 
abgerissenen Erwähnungen in der Odyssee , die 
Gebiet der Theologie anstreifen i etwas mehr Bei 
seyn voraussetze, als Mancher sonst wohl zu ihuo ge- 
neigt ist, dazu bestimmt mich eine allgemeine \A ahrneb- 
jnung. Es will mir nämlich sein inen, als gelai 
dieser grof&e Dichter darin, und als suche er auch »ei- 
nen Zuhörern dadurch zu gefallen, dafs er seinem BMf* 
kräftigen Gesänge durch jeweilige leise Andeutung, »o 
zu sagen, etwas Pikantes mitthuilt. Es sind die S 
im Homerus so selten nicht, wo es das Ansehen hat, »I» 
solle ein gewisser Doppelsinn die Aulmerksa 
zen , und durch gelungene Auflösung hinterher \ E 
gen gewahren. Ich will hier beispielsweise au eine ' 
von Stellen der Odyssee erinnern, wo der unerkannt* 
Ulysses sich selbst und seinen Charactcr indirect charaC- 
terisirt ; oder wo er auch durch einen zweideutigen und 
auf die angenommene Personalität , wie auf di< 
passenden Ausdruck verstohlen zu erkennen siel 
der wirkliche Ulysses über kurz oder lang ausxoiubrt* 
gesonnen ist (XIV.490. X1X.5Ö5. XX. 2 3s. XXI. . 
Daher aufb XIX. i\oi f. von dein listigen Manne gf 
rade der Name AtSoJV gewählt wird. Es ist bekannt , tt,f 
tief im alten Epos die Thiel fabel wurzelt. In de 01 * 
selben Sinne ist es gedacht, dafs, wenn der Held ■ 
erdichtete Person spielt , oder ein ersounenes Ab 
thener erzählt , alsdann jedesmal ohne Ausnahme 
Scene nach Creta verlegt wird (XIII. a56. XIV. io<). 
NIX. 172 ff). — Das sind Geschienten von Creta 
aus dem Lugenlande , mochte alsdann der befried» 
und unterrichtete Zuhörer sagen. Wie so Vieles *°* 
der Odsssee in Sprache und Ausdruck , 60 hat auch dir** 1 * 
Zug der Dichter des lLmnus auf die Ceres abgebotfß*" 



i!) 






I>te*e Göttin, als vorgebliche Amme, sagt auch, sie 
liMinnn' ron Greta her (iü2). Nun will mir bedenken, 
tieft Dichter, die doppelsinnige'Sprecher sonst so tref- 
fend zu zeichnen und zu halten wissen , und Oberhaupt 
•ich so gut auf die Wirkung verstehen, die eine rei- 
zende Anspielung auf einen gebildeten Zuhörer macht, 

auch in Stollen religiösen Inhalte, zumal wo eine eigene 
Itürze VOM sonstigen Gharacter des populären Epos ab- 
wenht , eben in dieser Kürze etwas gesucht haben hön- 
uud w.ive es auch nur das, daß» sie in ihrem Volks- 
gesange die Ehrfurcht vor der Gcbeimlehre unverletzt 
bewehren wollten , was sosehr im Geiste des Alterthums 
ist. In Hinsicht solcher durch Worlhargheit auffallen- 
den Stellen sage ich : Die Poesie will und darf nichts 
davon wissen ; es will aber der Dichter und namentlich 
auch der Homerische Hymncudichtet* vor dem versam- 
melten Volke den Unterrichteten und Eingew eiheten zu 
verstehen geben, dafs auch er zu den Rettgiontltuui 
gebore /J ). 

Hiermit will ich gar nicht gesagt haben , dafs Ho- 
merus und Hesiodus den Ztisainnicnhang der damals 
bekannten theologischen Dogmen gebannt ballen. 
Nein; manche Lehrsätze mochten schon in alteren Vi.lhs- 
gcsa'ngen so vom herrschenden Anlhrnpomurphismus 
durchdrungen worden se\ n , dafs diese Dichter sie sel- 
ber nur in diesem Sinne nahmen, Vielleicht sind dahin 
die Stellen von der Reise des Juppitcr und IVeptun zu 
den Aeihinpirrn (lliad. I. 4°-2, Odysi. 1. es.) zu rech- 
nen ; inglcichen die von der goldenen Kelle des Jup- 
piter, womit ibu alle Götter nicht herabzuziehen ver- 
mögen ^ vergl. oben I. Tb. p. 99. (Iliad. VIII. 17.) und 




45o 

von der Bestrafung der Juno, welche in der/^uft schi« 
bend aufgehängt wird {XV, «0.), wo Altes schon 
gleichsam historisch mit der ganzen Vorstellung d< 
volksmäfsig gedachten Gotterfanulie zusammenhängt. 

Bei der Odyssee , als Ganzes genommen, entstrl 
eine eigene Frage : Es haben schon die Alten jene fi-ine. 
folgerichtige Anlage dieses Epos nachgewiesen , uuJ ■ 
kann noch jezt niemanden kickt entgehen, mit welchem 
Verstände alle Motive künftiger Handlungen gleich tou 
vorn herein angelegt, und Mie richtig sie durchgeführt 
sind. Darum wage ich aber doch nicht zu behaupten, 
dafs der oder die Dichter auch die allegorische 
Folge in ihrem Zusammenhange verstanden habm, 
die innerlich und, so zu sprechen, unter der ä'nl 
Hülle der Volksdichtung durch einen grofsen Theil die- 
ses Werkes hinzieht» Eslä'fst, von dieser Seite gesehen, 
ein alles hieroglyphisches Gebilde im Hintergründe er* 
ratlirn, eine Allegorie des menschlichen Lehens viil- 
leicht. Im Laufe der Zeit war wohl schon manche hi- 
storische Tradition aus der Nationalsage hinzugeth» 
Worden , ehe Homer die Dichtung ganz volksmäfsig Toll* 
endete. Schon die Alten, die doch Vieles allegorisch 
nahmen, hatten diese Einsicht , wenn sie sagten , mit 

Ion Personen und Dingen habe Homer in der Odj« 

nichts Allegorisches gewollt. 

Demnach spreche ich nun dem Dichter die Erkennt* 

nifs einzelner Allegorien in diesem Werke nicht ab, ohn«" 

dafs ich doch immer hestimmen will, wie weit diese 

Einsicht reichte. 

Und so wäre das Resultat meiner Ansichten ohnge 

fahr folgendes: 

i) Ich erkenne eine älteste Masse Griechischer Poe 

sie, deren Inhalt aus dem Orient entlehnt ist ; glaub 

aber das Symbolische, ja seihst das Magische and All« 

gorische 



n»cs 



45 1 






n) Diese theologische Poesie und Lehre hat sich 
EVtr den wechselnden Formen der verschiedensten 
Zeitalter angeschmiegt, ist aber , ihrem Inhalte nach, 
den Griechen überhaupt niemals ganz fremd geworden, 
vielmehr von den Priesterschaften immer möglichst er- 
halten, weiterhin ein Gegenstand der Forschungen von 
Historikern nnd Philosophen genesen , und durch deren, 
Hülfe auch von uns noch in vielen wesentlichen Lehren 
zu erkennen und darzustellen, wenn wir besonders noch 
zu Hülfe nehmen , was die Bibel, Herodolus und andere 
glaubwürdige Schriftsteller von den Religionen der Ae- 
pvptier, Juden, PhÖnicier und anderer Völker des Mor- 
genlandes melden, und diese mit alt-Griechischen Bruch- 
stücken, besonders auch milden sogenannten Ornhiscben 
Fragmenten vergleichen. 

3) Diese Ueberreste theologischer Poesie sind ihrem 
Inhalte nach im Ganzen alt , und enthalten wesent- 
liche Lehren morgenlä'ndischrr Religion , so wie die 
Griechen diese überkommen und anlgelafat haben. Die 
dem Inhalte nach jüngere Homerische und Hesiodei- 
sche Poesie ist aber in ihrer Form, in so weit wir von 
ganzen Werken reden, die ältere, ja die älteste Poesie ; 
und das, was Herodotus in der berühmten Stelle 11. 53. 
sagt (s. oben II. p. 297.): Homerus und Uesiudu? seyen 
die Erlinder der Hellenischen Thengonie gewesen — ol 
<jcoir i aavxi^ öeoyovtijr "EXk^ai — hat meines Erachten* 
folgenden Sinn: sie fanden das Mittel, in einem neuen 
Rittergesange, für Alle passend, Allen zu singen zur 
Genüge , indem sie das Geheimnifs entdeckten , die Göt- 
ter rein menschlich zu behandeln , zu »»thropouiorphi- 
siren ; d. b. indem sie es nicht w\r \ < t -. i.mden , einem 
allgemeinen Grnndtriebe der menschlichen iVatur ^e- 
rnä'fs, den Gottern sinnliche Eigenschaften, Kräfte und 
Neigungen zu verleihen, sondern sie auch in einen sol- 
cheu Ki eis von Handlungen zu versetzen, den LinLil- 



45: 



dungshraft des Griechischen Volkes zu umfassen Ter. 
motltf ; womit also die Personi fication def 
Gottheiten ganz volksthümlich Tollen det 
war. 

«. 5. 

Kurzer Abrifs det Glaubens und Wissen* 
der Homerischen Menschen. 

Ohngcachlet dessen, was ich in» \ >u hergehenden 
zunächst »her Homers Weisheit bemerkt habe, scheint 
es dennoch , wie ich gleichfalls dort schon angedeutet, 
dafs er den Sinn oder den ursprünglichen Verstand man- 
cher religiösen Tradition mein mehr gewuf»t hübe. Man 
denke nur an die Jahrhunderte von Orpheus bis Homer 
und an die Metamorphosen , welche im Verlauf dersel- 
ben die Mythern unter den Händen so vieler und so ver- 
schiedener Dichter erlitten hatten , ferner an die vielen 
Revolutionen und die darauf folgenden VV Änderungen 
Griechischer Stämme, die Heracl.dischen Stüime und 
dergl. mehr. Aber, wie dem auch sey, hier wollen wir 
die Popularität der Homerischen Vorstellungen in eini- 
gen Hanptzügen überblicken , insbesondere seine An- 
aichien »ora geturnten Himmel, von der Weit, von den 
Seelen und Göltern. 

VVas den eisten Punkt betrifft, die Kcuntnifs det 
Himmels, so stehen freilich hierin Humer und Hesiod 
frfeH hinter den Aegyptischen Priestern zurück. Allein 
vielleicht haben in Griechenland auch die älteren Prie- 
ster niemals mehr gewufst, als Homer und Hesind, wenn 
schon eben diese Aegyptier , von welchen sie dies 
Kenntnisse überkommen , weit mehr wissen mochten— 
L'cbcrdies waren es ja wohl nicht immer die gelehrtester 
Aegyptier, welche als Culonisten in die Fremde gingen 
oder vielmehr oft wohl dahin vertrieben wurden. Abci 



455 



ach im andern Falle , so hesafsen sie , wie fast alle 
Eaeater des Altcrthums, zu viel Lehrweisheit, um eine 
stionomie zu verkündigen, wo sie nicht angebracht 
war. Nördlich von Rhodus um| von Alexandria sah man. 
th zum Theil andere Sterne, als südlich von diesen 
i ProcK S[ihacra p. 9 sq. p. 34 ed. Antverp.). 
1a mnfs ich hier, wo ich zunächst von der Stern» 
lumlc Ilomer's und lle&iud's reden will, des Platonischen 
j gedenken (Cratyh p. Jq d. p. 49 Heindf.), dafs 
testen Griechen Sonne, Mond und Sterne lür 
Gölte r gehalten hätten. 

Numerus und ITt siodus kennen die Bestimmung der 
IllnreMteiten nach dem Auf- und Untergange gewisser 
Sternbilder B ) ; doch wird dieser Auf- und Untergang 
nicht astronomisch (als der Mahre, wie er heilst) , son- 
dern nach dem Augenschein (wie er in die Augen fällt) 
genommen. Bemerkenswert]* ist die Angabe, welche 
«ich bei Suidas s. v. Ei>3repos findet, wonach erst Parme- 
die Identität dieses Sternes mit dem Morgensterne 
entdeckt hat. Homer kennt den Abendstern (lliad. XXIL 
3iH,) und den Morgenstern — EQ<,<p<tpo{ (lliad. Will. 
2'ih.), v.eifs aber nicht, tider will es als Volksdiehler 
nitkt wissen , d.if* beide der Planet Venus sind. Pytha- 
oder Parinenidea dagegen hatten schon die Iden- 
Ics Morgen, und Abcudslerns gekannt , wahrschein- 
lich aus orientalischer Tradition ( s. Dingen. Laert. V1U. 
— Auch die Zeit des Aufgangs und Unler- 
g-ngs dieser Sternbilder ist bei Homer und Hesiod Dient 



J5) Vergl. Pfaff de orübus et oecasibiis siderum ( Gotiing. 
4.) p 36 sqq. und den 'fort augefUbrteu Kästner in 
v. Uiblicth. uhilolog. p. 5$- 
i) Ver^l. Davisiaa und meine Anmerk. zu Cicero de N. D- 
IL ». p. 287. 



m 

genau bestimmt , es werden auch nur die grofseren Jah- 
resperioden und die Hauptarbeiten des Landmanns dar- 
nach bestimmt. Die sogenannten Prognostica auf be- 
stimmte Tage und auf Weltcrreränderung kommen im 
Homer nicht vor. Von Sternbildern selbst werden be- 
stimmt angeführt: der Stier mit den H reden und 
PI e jaden, der Orion (Iliad. XVIII. 4Ö6 ff. ^) t der 
Sirius (ibid. V. 5. XXII. 25 ff.) , Arcturus (Odrss. 
V. aq.) und der grofse Bär (ibid.). Daraus aber, dnfs 
nur diese Sternbilder genannt werden, folgt noch gar 
nicht , dafs Homerus nicht mehrere gebannt habe ; im 
Gegcntheil, wir Tonnen aus Stellen, wie lliad. XVHL 
486 ff. **), wo alle Himmelszeicben (rttpca nävra) ge- 
nannt werden , und worauf dann einige ausgezeichnete 
namentlich folgen, schliefsen, dafs Homerus von weit 
mehr Sternen Kenntnifs gehabt, dafa er zwar nicht , wie 
Clemens Stroraat. V. p. 709. sagt, ein Dichter ist: xoojto- 
noiöiv xaxa xov Mao»]*», dafs er aber auch andrerseits 
nicht so unwissend ist, wie ihn einige neuere Geschicht- 
schreiber der Astronomie haben machen wollen. Man 
vergesse im Hoiuer den Beruf des Dichters nicht. Denn 
wühl bemerUl : Homer stellt jene Sternbilder durchaus 
in Handlung vor, und zwar in solchen Handlungen, wie 
der bluffe Ausdruck der Volkssprache sie mit sich 
brachte ; er stellte den Himmel und das Sternenheer so 
vor, wie es Volk, Könige, Ritter und der gemeine Man« 
anzusehen gewohnt waren. Kurz, Homer, als populä- 
rer öffentlicher Dichter eines Volksepos und einer rit- 
terlichen Poesie , lnufbtc sich im Kreise derjenigen Ileni 



27) S. besonders den feiehrten Excursns V. von Tolllus a 
c.ilccm Auollonü Ltxic. Ilomcric. p. 743 — 748. zu die- 
ser Hduplstclle. 

88) Vetjh Heyne ru dieser Stelle und PfafF a. «. O. p. 36. 



nisse halten , die seine Griechen verstanden — eine 
fruchtbare Bemerkung, die als die Grundlage des Ur- 
theiis über Homer und sein Verhülluifs zu früherer I*rie- 
•lerschaft betrachtet werden muf«. 

Daneben finden wir auch bei ihm die rohen Anfänge 
einer Anthropologie , d. h. roheste Vorstellungen \on 
der Seelen Silz , Natur und Schicksal ®). Was den 
Sitz der Seele betrifft, so schwankte der Hellene zwi- 
schen LJlut und Odem , in welchen er nicht Mos das 
I'iincip des Leben* , sondern auch des Denkens und 
Empfindens setzte, ganz nach alt - Ebräischer Ansicht, 
die dag Blut zum Sitz der Seele machte (vergl. Davisius 
*u Cicct\ Tuscnl. I- g.). Fragen Mir nach der Natur 
der Seele , so ist in Homerischer Vorstellung der Schat- 
ten , welcher seinem Leibe folgt, ein schwebendes We- 
**n. Beim Tode vcrlüfst dieselbe den Leib durch den 
Miind oder durch die Wunde, und geht an ihren Ort 
in oder aufscrhalb der Erde, welchen Ort er dann rer- 
■chiedenllich ausgemalt hat ( vergl. Halbkarl a. a. O. p. 
°4 fT. p. ^5.). Sind doch sogar die Traume persomiiciir, 

üo d haben ihren Aufenthaltsort unter der Erde (vergl. 
' a 'l»kart p. 29.). Abcrauch hier findet, wie bemerkt, 

s ' u fenweise Ausbildung und Abscheidung des Roheren 

*' a U. Denn es kommen Stellen ror, in welchen etwas 
* eitere» liegt, wie ». B. Od^ss. XI. 6oa , wo zuerst von 

* e «*cules Schatten (et<?t»Aoy) in der Unterwelt die Bede 

"* > und darauf die Worte folgen : 

**9) Vergl. Halbkart Psychotogia Homprica , Ziillichau 1796. 
St. B. p. 11 sqq. p. 55 sqq. t»ud A. W. Schlegels Recen» 
»ion dieser Schrift im ersten Bande der Krilikrn und 
Ch»r\jktprtsiiken. Besonders auch Znega de Obeliscc. 
pag. 270 sqq., wo mich der Ein flu (s- dieser Vorstellungen 
auf den ganzen Todttndicnst gründlich gezeigt wird. 

1 



45<5 



airb; Sl ü£t* a'baväroicrt Scoltriv 



also dte Sech 



ifsen eelheiU 



id das ?ii 



gewissen 

tlcre in den Hades , das Höhere in den Olymp neben 
Juppiter versetzt wird. Diese und andere Stellen rer- 
aulafsten nachher die Platunilter , dem Hörnern» schon 
das Platonische Dogma von rovq f $vyn und Sufioc bei- 
zulegen. Auch andere Erklärungen dieses doppelten 
Hercules haben dieselben Philosophen versucht, welche 
ich aber, der Kürze wegen, übergehen mufs , mit Vor- 
weisung auf meine Anmerkung zu Cicero de N. D. HI. 
ib. p«g. -jj». Hier möge dal'ür die Bemerkung folgen, 
dafs diese Stelle mit dem Anlang der Iliade in aufl'allen- 
deni Contraste steht. Dort werden die Helden- Leib er 
mit dem * sie selbst (av-xovt,)» bezeichnet. Hier heilst 
aber der vergötterte, seines materiellen Leibes über- 
bobene Hercules : er selber^). 

Wir kommen auf die allgemeinen Vorstellungen 
ITnmer's von den Göltern. Sic sind Stammgötter in 
örtlicher Beschränkung und Wirksamkeit, Götter der 
Fhivgier, Trojaner und Griechen — denn aus Stamm- 
vei h;ilti»isseu ging hei den Griechen Alles hervor. Sie 
sind ä^ava-coi , unsterblich, d. h. sie dauern länger als 
das kurze Menschenleben wahrt 3i ). Sie können zwar 



30) d. 1. (nach Vafs) . 

— denn er »elbrr, im JCrei» der unsterbliches G&tter, 

- sieb der festlichen Wonn* und umarmt die blühende Hebe. 

31) Eine andere , höhere Vorstellung von der Unterwelt und 
von der Seeion Schicksal, die hei Pindar mit allen Hei- 
zen der Griecliischi n Poesie au^geslattet ist, nilmlich 
die Orpimch - Pythagoreische , habe ich oben I. p. 4üt 

— i-'2, beider Aegypiischen Rdigiou, beinerklichgernaclit. 

32) So l, fj. heifs' es Odya», XII. 118. von drr Sc>1Ij: 

if ht rat eu 5v>jr>} , oAA' äUivaTcv k a « j * MTt* 



45 7 



s Menschen unsterblich machen — 
dem Ulysses Unsterblichkeit verleihen : 



so will Calypso 



— t<paaxov 
S&r,ativ äSdvccTOV xotl dyjjpaov ^aaxa jtavra ?v ); 

gleichwohl können sie den Tod ihrer Lieblinge ol't nicht 
hindern , wenn er Tom Schicksale bestimmt ist. Ich 
führe als Beweis nur die Ilaupistelle vom Tode des Aga- 
memnon an (Odyss. I. 35.); ferner die merkwürdige Be- 
ratschlagung Jupniters mit der Juno hei dem Kampfe, 
m eichen der Lvcier Sarpedon, ein Sohn des Juppiter, 
mit dem Patroclus besteht (lliad. XVI. 426 ff.). Juppitcr 
weifs nicht , ob er ihn retten soll. Er spricht : 

Wehe mir, wann das Geschick fpo%a) Sarpedon, 

meinen Geliebten, 
Unter Patroclus Hand, des Menöliaden , mir bandigt» 

Worauf Juno unter Anderem antwortet: 



Einen sterblichen Mann , langst ausersehn dem Ver- 

hängnifs (aJer«j) , 

Denkst du anjetzt von des Tod's graunvoller Gewalt zu 

erlösen. 



Sarpedon fallt, aber sein Leichnam wird auf Juppiters 
Ceheifs vom Tode und vom Schlafe weggetragen nach 
dreien. Diese uoipa , d.i. das zugethcilte Loos, und 
diene aiar, , d. i. die finstere, unausweichliche Noth wen- 
digkeit, sind auch Gewalten, denen seihst die Gotter 



sich beugen müssen. 
Ausdehnung kennt 



Das Fatum in seiner weitesten 
zwar Homer nicht, er ahnet es aber, 



13) Odyss. V. 135. (nach Vofs): 

— - U ich vfrhief* auch 
Ihn unsterblich zu t(hafi>n in ewig b'uliendei Jagend. 

Soauchik-t Mundschenke (oi'vc^so^j Ganymeues imOlym» 
pus, IliaJ. XX. 240 m, 



#8 

und hat das Gefühl des Schicksals , dessen Unverbrüch 
liehkeil er kennt. Dabei aber stellt er wieder unsterblich 
Götter auf, die selbst dem Falura nicht untergeben sin« 
und grofäc Gewalt und Macht besitzen. Homer hat dl 
Gefühl der schrankenlosen Notwendigkeit, einar aui 
(heilenden und rächenden Gerechtigkeit und eines tl 
waltenden Schicksals — auf diesen grofsen Wahrheit? 
ruht gleichsam die ganze Handlung seiner zwei gl 
Gedichte ■ — und andrerseits hat er wieder Götter, di< 
so zu sagen, Unmögliches möglich machen; und kann 
sind die Stellen , wo Juppiter die Schranken seimi • Jhck 
Ku durchbrechen strebt. Das ist jene liebenswürdig 
und acht volhsmä'fsigc , mithin poetische Inconscquen: 
des Homcrus mit seinem authropomorpbistischen Gölter 
Iiimmel ; der Dichter, wie jeder edlere Grieche in seine 
Kraft, ist sich durch und durch seiner Freiheit bt 
und über ihr vergifst er so oft das Schicksal , gc£» 
dasselbe anstreitend. Ucberall linden wir diesen ZW 
»palt ; bald ist Juppiter allmächtig, und Nichts über ih 
bald steht er klagend unter dem Geschick , dessen V 
gungen ei sich unterwerfen mufs , wie jeder andere G* 
oder Mensch. Allein et darf uns dies an Homer um 
■weniger befremden, als selbst Hcrodotus, der >»ac 
folger Homers, noch in diesem Conlliet befangen ■ 
Auch er schwankt, selbst bei mehr philosophisch- ihc 
logischer Ansicht, zwischen der Freiheit der Gotter d 
öffentlichen polytheistischen Glaubens und der 
wendigheit des Schicksals. Er kennt zwar als Princ 
»einer Geschichte eine Art von vergeltender Vorschau 
äeZoy genannt, unter welcher Alles steht, allein demu 
geachtet linden wir viele Stellen, die jenen C 
aufs auffallendste vor Augen stellen (s. mein Ruch: U 
historische Kunst der Griechen p. i5a ff.). Die Hom 
riachc Ansicht betreffend vergleiche man Scncca's B 
de pro^identia , mitdcsMuretusSchulitu T. 111. p. 



45g 

ed. Ruhnh., -wo auch an die bemerhensverthe Stelle im 
Anfang der Odyssee I. T fl tiötxoi erinnert wird, in "wel- 
cher ein reinerer Begriff von moralischer Freiheit » Ton 
Willensfreiheit, durchschimmert 31 ). 

Die Gotter selbst sind ausgezeichnet durch eine 
schnei lere Bewegung, ßie eilen dahin wie Blitze ( Iliad. 
IV. 75.), oder wie Vögel (Odyss. V- 5i.), wie Taub ton 
oder Adler, wie die Winde und dergl. mehr. Diese 
F,üc und Schnelligkeit in der Art der Fortbewegung, 
welche die Götter im höchsten Grade haben, wird im 
geringeren auch als eine grofse Tugend der Helden ge- 
priesen , wie z. ß. bei Achilles, dem das Beiwort -noSäi 
vxvq fast ständig ist 35 ). Die Götter sind stärker als 



31) Aber hierbei vergesse man auch nicht das deutliche 
Durchschimmern alter, inhaltsreicher, sym- 
bolischer Lehre in dtm hellen kindlichen Epos des 
Homer. Als Beispiele konnte ich , auteer den oben { II. 
pag. 448. ) gegebenen!, noch lliad. I. 3y6. von der Fes- 
selung des Zeus und dem hundertarmigen Briareus , und 
noch vieles Andere in der Odyssee , 2. LI. vom Wunder-» 
kraule Moly (X. 305.), von den durch Circe verwan- 
drUi'ii Geführten des Ulysses (X. 135 ff".), von der Nym- 
pheugroue (XIII. Iü4 fF.) u. s. w. anführen. 

35) Ueher den Gang der Homerischen Gatter finde ich in den 
neulich erschienenen Briefen Morelli's bernerfcenswerlhe 
Gedanken von Hieran. Aleander ( Jac. Morellii Episiola» 
rutn scpuin variae erudhionis, quarum Ires nunc primum 
prodmint , Patavii MÜCCCXVIIJI.). Er behandelt pag. 
18 seqq. «lies Stelle des Heliodorus , wo Kalasiriä auf fol- 
gende Weifte von den Homerischen Göttern spricht [Ae- 
thiopic. III» 12. p. 125 Coray..] : „Nicht blos durch den 
unverwandt gerichteten Blick der Augen (dry.i; &i;- 
Aou /3A<Vcvr«{ ) ijnd die Gölter kenntlich, so wie durch 
ihre Augenlieder, die sie nie schliefsen , sondern und 
zwar noch mehr durch ihren Gang; sie schreiten einher, 
ohne dufs die I-Ufse von einander geschieden und ab- 
wechselnd bewegt werden {e-J störet iiirraetv ts7> vthehi , «u5« 



46o 






Menschen , unJ , obgleich sie keine irdische Kost neh- 
men , diich schwerer als Menschen ; auch schreien sie 
stärker als Andere \Hiad. V. ö^q. ff.). IhreGröfse über- 
trilTt gfcichtalls die der Siei blichen — Mais deckt sieben 
Hüten Landes ( liiad XXI. 4o-j IV. y '). Die Schönheit 
ihrer Leiber ist übermenschlich und so , dafs man sie 
fast nicht mehr leiblich denken noch nennen kann ^~) - 
daneben .«bei haben sie, wie Hercules, der zugleich in 
der Unterwelt und im Olympus lebt , einen himmlischen 
Körper, oipavLoy iräfia, der selbst bei Philosophen 
noch vorkommt; s. PUt. Epinom. pag. 25g, ed. ßip. 3S ). 



fttTuSitTiv) , sie scheinen eher die Luft zu durchschneiden 
als zu durchgehen. Ihrethalben auch die Aegyptier an 
den hild faulen ihrer Gölter die Ffifec mit einander ver. 
binden dilti einigen; Homer ober , in Aegvpiischtr vYei 
heil gebrl Jel , Uft.1 davon in leinen Gesungen Manch< 
durchschimmern , das drr Verständige wohl verstellt. u 
Homer, ist nun die Meinung Aleandcrs, hal die Göt>» 
ter zwar in Menscheiiqe-ylalt dargestellt , allein nicht ai 
derselben Materie , m je die menschliche, gebildet, n 
■wie in allem Andern die Göitcr sich vor den Mensch: 
auszeichnen , so besonders in ihrem Gange. Sie schrei- 
ten ander» einhrr, bu dats sie leicht vor den Menschen 
erkannt werden können. Wie sie aber gehen , worin die 
aer Unteischitd des Ganges besteht , giebi Homer nk 
an, Ulfrieden mit dir Erklärung, er sey ganz and- 
als der menschliche , u. s. w. 

36) Auch an diesem Vorzüge lif-hmcn die Starnmhelden ver- 
hMUtuTtfmjtfstgpn Anthtii, wie Jrestes nnt tincr Gräfin 
von lieben Ellen und andere Heroen mit noch mehreren 
nach der Volkssage. Ich habe darüber Mehrere» zusam- 
mengestellt ?n tkiodot. I. 6B. in den Commtmatt. He« 
roJott. I. p. JOl. 

37) So heilst es von der Ceres in dem Homerischen Hymnus 
vs. 27 1 ; — cm/ w d'i.4.1 ts tulUag Jifs. Man vergleiche 
die Aufleger zu dieser Stelle. 

3S) So sagt Julianus (Orat. VII. p. 2UJ D. Spann.) von Her» 



46i 

Auch Unsichtbarkeit, in der Regel wenigstens, wird 
den Göttern beigelegt? bisweilen aber erscheinen sie in 
menschlicher Gestalt , gröfser und schöner als die Vlon- 
«.chen (lliad 111. 3ei6. O&fMkt XVI i56 ff ) , und gewöhn- 
lich in einem Lichtglanze (lliad. IV 7 . 73. 39 ). 

Doch ist das Sehen einer Gottheit oft den Menschen 
verderblich : 

Schrecken ergreift ihn gewifs , wenn ein GoM entgegen 

ihm warnt- li 
Durch die Schlacht ; drnn furchibn zu soliauii 
ist der Götter lirsthriuuuj; *°>. 

die Menschen verlieren die Augen, sie sterben auch, 
oder es trifft sie sonst ein bedeutendes Unglück beim 
Anblick der Gottergestaltcn. Ihre Lieblinge machen »lio 
er 11 weh Gefallen sichtbar und unsichtbar, s lliad. 
111. 3tio. wo Venus den Menelaus verbirgt. 

80 sind die Homerischen Gölter, menschlich zwar 
gedacht , aber doch in einer herrlichen Steigerung , in- 
dem das Gefühl des Unendlichen seine flechte begehrt, 
und diese so physische Herrlichkeit der Götter vermit- 
telt. Es liegt nämlich bei den Homerischen Göltern 



eules : li 3* ou>'x wwij'xeuTuv eoiroS räj Sn'ui *2/ naSacwreirut 

39) Vergl. Heyne Excurs. I. ad lliad. I. de intervcnltt Deo- 
rum in Homero (Observatt. Tom IV. p. 16S bqi|.). Di« 
oben angeführte Stelle der Odyssee XVI. 158 ff. ist auch 
deswegen noch btmerkenswtrih , weil dort Hunde — 
also verntinftlose Thiere , vor denen sich die Minerva 
nicht verborgen hält, mit einem scheuen Wesen sich auf 
die Seite schleichen , so dafs also der Naiurinstinct das 
Thier zur Ahnung, zum Fühlen der Naiurgnltheif fällig 
macht. Vielleicht hangt mit an holt solchen Vorstellung 
auch der 1 hierdienst der Aegypüer (vergl. oben I. Th. 
p. 483 ff.). 

40) lliad. XX. 130. nach Vofc. 



46a 

nur die Idee der Edeln und Honige im Verhi'lmifs u 
gemeinen Volke zu Grunde , indem der König auf ak 
die Weise zu Gott liinaut blichen mufs, wie der Gemei 
zum Könige. Das ganze Gölterleben ist nur das »e 
herrschte Leben Griechischer Burgherrn ; der Olympt 
der gemeinschaftliche Pallast der zwölf Götter, i»t 
Allem, innerlich und aufserlich, so eingerichtet, « 
die Burg eines Griechischen Königs , wo der Tag d< 
Götter, eben so wie der der Helden, zwischen Spul ui 
Gesang, zwischen Uebungen, Mahlzeilen, Berathungenur 
dergl. gelheilt ist 4I ). Aber sie heifsen dennoch untterblic 
und Alles, was sie angeht, heifst unsterblich, a/i 
wie sie selbst; sie leben auch nicht so schwer und tc 
Sorgen gedrückt, wie die Menschen , sie sind püu i»r«f 
d. i. sie leben ohne Muhe. Alles, was sie umgiebt ui 
was sie brauchen , ist gleichfalls aji^mrov , %o V 
Nahrungsstoff Ambrosia 42 ) heifst. Dieses Wort (<4up*| 
0-1)7) kommt wahrscheinlich von üji^otoi;. Kath 1 
naiven Vorstellung der Homerischen Menschen ist na 
lieh jene Unsterblichkeit der Götter dem Lichte d 
Lampe gleich , und würde verzehrt werden , wenn < 
Olympische Ambrosia ihr nicht immer und immer wie« 
neuen Nahrungssteff gäbe. Vielleicht — und diesi- \< 
muthung- ltefse sich wohl noch weiter steigern — 11 
diese ganze Ansicht Indisches Gepräge, und ist zulc 
nur eine Verzweigung Indischen Glaubens. Es fuhrt m 
auf diesen Gedaohen vorzuglich die Bemerkung cii 
neueren Sprachforschers 4J ) , welcher erinnert, dafi 






41) Vergl. Heyne Excurs. VIII. ad tliad. I. 4y4. Obscrv 
p. 1S7. 

42) Vergl. Heyne Excurs. IX, ad Iliad. I. 529. OfaM 
p. iyo. 

43) S. Ch. Poupens Tresor des origines da hl bnqne fr 
eoise p. 71 sqq. Derselbe Gelehrte bemerkt aucii 









dem Bhagavat-Geeta der Indler ein Wort Ampitam vor- 
komme, als ein Mischtrank, wovon sieh die Indischen 
Cutler auf dem Moni , dem Indischen Olympus, eben so 
nähren, wie die Griechischen von Ambrosia und Nektar. 
Es hat dies Wort ollen bar Aebnlichkeit mit dem Grie- 
chischen dtißpnoiat , und scheint auch vom Indischen 
mpla, mortuus, herzukommen. Darum sind die Grie- 
chischen wie die Indischen Götter ddecra-rot, aber nicht 
ewig; und um diese Athanasic zu erhalten, müssen sie 
Ambrosia gebrauchen. Auch Lieblingen unter den Men- 
schen können sie diese Unsterblichkeit verleihen , aber 
dem Tode können sie dieselben nicht cnlretfsen , ob- 
tchon sie ihn voraussehen und wissen. Denn das Fatum 
können sie, wie bemerkt, nicht rückgängig machen, 
Vohl aber es aufschieben, und, wenn es endlich erfüllt 
werden mufft, beklagen, Sie sind demnach in Absicht 
*uf die Naturgesetze sehr beschrankte Götter. 



dafs, wenn man dem Worte £pcrc( einen orienlalischen 
Ursprung, von herj, schaffen, gehen wolle, das- 
selbe zuerst ein Geschöpf, ein Wesen bedeute. 
Buttmann im Lexilogus nr. 34. p, 132 sq. bemerkt: a>. 
ß^ero^ beifse unsterblich, davon ap/Spoo-io; was 
sur Unsterblichkeit gehört, und daher dfxß^caiij als 
Substantiv -.jedes die Unsterblichkeit nähren- 
de Mittel, sey es Speise, Trank oder ein Bei* 
nif ungsmiuel, wie z.B. Uiad. XIV. 170. 



464 . 




ACHTES CAPITEL. 

ÜBERSICHT DER GRIECHISCHEN GÜTTEfl 



E U S* 



Einleitung und Uebersicht. 

±Jie religiösen Bildungsstufen der Griechischen Mer 
heit müssen natürlich in den Vorstellungen von < 



1) Die Natur der Sache und die uns hier gesteckten GrJ 
erlauben uns nicht , von jeder Gottheit Alles zu 8 



jeden National gotth c i t sichtbar werden. Jedoch 
möchten sie an Leiner derselben sich so deutlich nach- 
weisen lassen, als am Zeus oder Juppiter und etwa noch 
■n der Athene- Mjnfil va. Wenn ich daher auch hierbei 
die Granzcn nicht überschreiten bann , die in einem all- 
gemeinen Weihe, wie das vorliegende, den einzelnen 
Erörterungen gestecht sind, so wird es doch zwreh- 
g seyn , diese beiden Gottheilen , obschon nicht 
mit der Ausführlichheit, wie die Bacchischen und Ce- 
realischen Religionen sie fordern , doch etwas umständ- 
licher und in ihren wichtigsten Beziehungen zu betrach- 
ten. Darum werde ich zuvörderst den Zeus der Grie- 
chen loca] zeichnen, wie sein Dienst, aus Phünicien, 
Aegypten , überhaupt aua dem Orient nach Hellas 
v eij.llanzt, sieh dort in einigen Landen ansiedelt, und. 
die Spuren seiner Abstammung noel bis in spätere Zei- 
ten fortträgt. An jenen ältesten Oertlichkeiten hängen 
die ursprünglichen Natui ansehauungeti , die man von 
'einem Wesen hatte , aus denen sich zuerst eine Myaie- 
ricnlehrc entwickelte. Diese, so wie die Hauptsätze äl- 
tester Philosophen , die sich an dio Priesterdogmen un- 
^Uielhar anreihen, müssen sodann unser nächstes Au- 
genmerk seyn. Darauf freilich wird uns Zeus wieder 
ganz menschlich erscheinen, wir werden sehen, was er 
dem Hellenen in öffentlichen A r erhältnissen , auf dem 
''ürum und in dem Prytaneum, iin Krieg und Frieden, 
'0 wie im Hause, inderEhe, kurz in öffentlichen wie in 
"livairerhültnisscn war; wie dieser Zeus so ganz in das 
Leben eintritt, wie er am Ende, so zu sagen , historisch 
* l rklich wird, so dafs man zuletzt nicht mehr bestimmt 



wjs davon zu sagen wäre, und namentlich in jede örtliche 
Verehrung: der Olympier einzugehen. Es kann uns hier 
nur um die II a u p t b e tj r i f f e und wichtigsten A '- - 

t rili u t e 2u thuii seyn. 

II. 5o 



anzugeben weif», ob man in ihm einen Konig oder eine 
Golt verehre. Und hier mufs der religiöse Scepticü- 
mus beleuchtet werden, der, besonder» seit Alexander« 
Jahrhundert herrschend, sich auch dieser Nationalidee 
bemächtigt hatte, sie aller angestammten Würde zu ent- 
kleiden und wo möglich gänzlich zu vernichten strebte. 

Somit wäre der Weg bezeichnet, den ich hier za 
nehmen habe. Wenn mehrere Beiwörter, Attribute 
und andere Einzelnheiten von mir übergangen werden, 
so wird sich der Leser (lesfall s in einer gelehrten und 
schon in der ersten Ausgabe von uns benutzten Mono* 
gi-aphie ~) Roths erholen können. 



5. 2. 

Arcadischer, Dodonä'ischer und C r e t 
■ ischcr Zeus. 



en* 






Folgen wir den Angaben Cicero'» de N. D. III. *'• 
p. 584 fl{ I- 3 ) 1 10 bekommen wir einen dreifachen Zf'V 
oder vielmehr drei verschiedene Zeus in verschiedene" 
Griechischen Landen. Cicero nennt sswei in Arcad»* 
und einen in Crela. Homerus nennt zwar den Juppi»* f 
überall, die bedeutendste Stelle ist jedoch für unsere U"" 
tersuchung die in der Uiade (XVI. a33.). Wir werden no^ 
mehrmals auf dieselbe zurückkommen. Besonders mef' 



2) Böuigers Kunstmythologie des Zeus, Dresden lbOi^ 

3) „Principio Jovestres numerant ii , qut tbeologi non^ 

natuur: ex quibus prituum et seeundum natos in Arc^ 
dia: alterum patre Aethere, ex quo etiam Prc^ 
serpinain nalam fertint , et Liberum : alterum pat r 
Caelo, qui genuiase Minervam diciiur , quam prineipen* 
et inventricem belli ferunt : tertium Cretensem 
Saturni filiufn , cujus in illa insula sepulcrum ostenditur. * 
S. auch die dort von uns nachgewiesenen Stellen de« 
Alten. 



467 

würdig ist uns aber jener Arcadische Zeus, in so fern er 
»ich hier kund tbut als Zeus Arxatot. Die Genealogie 
giebt Cicero auf eine gedoppelte Weise also an : 

Aelher 



Juppiter 



Juppiter 

I 
Minerva. 



Proserpina 
and für den andern Zeus : 

ArcaJien nämlich — und diese Bemerkung ist hier von 
Wichtigkeit — nahm fast gar keinen Autheil an der 
Ueilenisirung der übrigen sie unigebenden Griechischen 
Völker; durch seine natürliche Lage und Beschaffenheit 
in der Mitte des Pelopenneaus ats JJergland blieb es f 
auch bis in spätere Zeilen hin, von dem übrigen Hellas 
wie abgeschieden, und die Stürme, welche die andern 
Theile von Hellas trafen , vermochten nicht in diesen 
Gebirgskessel einzudringen «). Darum ist dieser Ar ca- 
dische Juppiter noch der alte Pelasgiscke Gott , und sein 
Dienst zeigt uns ganz den Charakter des waldigen, ge- 
birgigen und wilden Landes ; es ist der Juppiter dx^toc 
der Bergjuppiter, der hier verehrt wird. Berg« 
'waren die Hauptsache in diesem Lande , das nur Hirten 



4) Ich denke hierbei besonders an jene grofsen Völkerwan- 
derungen aus Nordjeriechenland her. „Mit der Zurück- 
kunft der He ra kliden ( sat;i Pausauias \L l.-i. $. t.) 
ward der ganze Peloponnesus erschüttert, Area dien 
«usjciio'mraeii." Vergl. Diodori Fragmin. Vol. If. 
p. 635 Wessel. und Marx zu den Fragmenten des Epho- 
rus . des HaupiEchrittsttllen* Über diese Begebenheiten, 
p. 57 sqcj. 



468 

und Jäger von den ältesten Zelten an bis heut zu Tage 
bewohnten. Ackerbau war nicht so ausgebreitet. Hier 
hatte sich in grauer Vorzeit eine Colonie Ton Aegyptens 
oder Fhünlciens Gestaden her niedergelassen , und in, 
diese Wildnisse eine höhere Cultur und eine bessere 
Lehre gebracht. Diese Colunisten hatten ein neues, re 
ii eres Licht angezündet, ein Licht, das bei dein rohen 
Zustande und der Üncultur der Arcadischen Hirten und 
Jäger freilich nur den vi eiligeren Gebildeteren zu leuch- 
ten vermochte, während der gröTsere Tbeii des Volkes, 
eben jene Hirten und Jäger, in ihrer Robheit , die sich 
besonders in der Verehrung ihrer Gotter zeigt, befan- 
gen blieben. So trat hier das Höhere, Ediere dem Wil- 
desten und Rohesten gegenüber, und stand zugleich 
neben ihm. Denn, wenn gleich hier die Rohheit und 
Sinnlichkeit des Volksglaubens in der Verehrung der 
Gottheiten überwiegend ist , so sind doch die Spuren , die 
un» auf Aegyplische Vorstellungen hinweisen, hinwi 
durum so deutlich und so offenbar, dafs wir die \ 6t 
nigung Aegyptischer Ideen oder vielmehr ihre Anpfla 
zung, dii's ich so spreche, auf den uncultitirten Flui* n 
Arcaditns schwerlich läugnen könnten. Wenn wir nun 
hören, dafs dieser Zeus den Beinamen Lyeäus führt , so 
ist damit ein Fpilheton aus der Thiersehrifl geaclzt , und 
wir rufen uns zutorderst ins Gedachtnifs zurück, was 
die Aegyplische Hieroglyphe in dieses Bild niedergelegt 
hatte. Der Wolf war ein Symbol des Lichtes nach Ae- 
gyptischer Idee, und erscheint als Führer der abgeschie- 
denen Seelen auf den Mumiendeekcn, als das dem Ilorus 
wie dem GSiris , dem Herrn der IVdlen , geheiligte 
Tbier 5 ). Andrerseits sehen wir diesen Gott mit einem 

jeseut 



't> CO 



Lw 



5) Ueber den Wolf b. oben I. p. 4oS. (vergl. 478. 264.) ui 
JL p. U.J und ISS f. 



»), des Pelasgns Sohn und der Arcndier König, 
halte des Zeus Altar mit dem Blute eines Iiiudes besu- 
delt, und war* darüber seihst zum Wolfe geworden 
(Pausan. VIII. '>.). Seitdem war der Sage Daum gege- 
ben ! der Gen ii f* von Menschen fleisch ziehe eine ähn- 
liche Verwandlung nach sieh. — Wir hören auch von 
Lrcäischen Spielen, deren Stiftung von Einigen jenem 
Lrcaon selbst zugeschrieben wird. Weit verbreitete 
Spuren eines uralten Volksglaubens , vermengt mit be- 
deutsamen Namen und immer wieder aufgefrischt durch 
religiöse Flirtenfeste, begegnen uns hier in einem wun- 
derbaren Gewirre. Die charakteristischer* Luperealien 
des alten Roms ruhen auf demselben Grunde. Wer 
""iclile es aber verbürgen, immer bis auf den Grund 
der Dinge hindtirchzuschauen ! — So viel lMfst sich mit 
Sicherheit vernuthen. Per Grundgedanke liegt, dafs 
•eh so sprerhe, zwischen Hund und Wolf (entre cliien 
e t loup ) mitten inne ; d. h. es waren Feste zwischen 
Licht und Dunkel, nämlich Frühlingsfestc, an denen 
der Wust des finsteren Winters wie das Unholde der 
•Uen Schuld und Unart ahgebiifst ward; Sühnfesle, an 
denen sieh der alte Pelasger wie der Arcadier und Rö« 
"Der vom Dunkel zum Lichte beliehne. Im milderen 
^ i ühlingslichte, wann die Macht des Winters zu weichen 
begann, wurden die Frevel des alten Jahres gehülst — 
*Uch die de«, alten Zeit überhaupt. Da muchte der Wolf 
*'* Feind der Ileerde dem Hunde als deren Beschützer 
ln Bild und Liede contrastiren, und für die alte Unsitte 
™cr Menschenopfer mochte die Wolfsmenschheit (Lvc- 
•nthropie) als warnendes Esempel den rohen Gernülhern 
Vorgehalten werden, Zeus konnte an jenen Freveln 
°ur Abscheu haben. Er und sein Priester waren in dic- 
**m Bezug Abwehrer des bösen Wolfs (Aüxöfpyot , Lu- 
Perci). Dieser Welftgolt, Wolfosiris und \\ olfhorus 
VAvzotpjo^ } 6 . üben) ist nun auch Zeis ax^ios» Juppiter 



47° 



Amnion, d. i. Jnppiter als "Widder auf den Höhen der 
Berge und des Himmels» Heerden- und Lichtgnlt , der 
in dieser Rücksicht milFaii zusammensteht , auch mit ihm 
gleiches Schicksal theilt. Denn wenn die Heerden nicht 
gut ausfielen, wenn die junge Zucht nicht gedieh, wur- 
den die Pansbilder geschlagen; eine Erscheinung , die 
uns die höchste Volhsrohheit in der Verehrung und in 
dem Dienste der Götter recht deutlich zeigt. 

Dort in Arcadien trat noch in später Zeit Pausanias 
die Heitigthiimer des Pan und des Zeus Lycäus ''). In 
McgaLopolis sah er auf einem Tische mehrere Arcadische 
Nymphen , zuerst die Kais (Nai.), welche in ihrem Bu- 
sen den jungen Zeus als Säugling trug, die Anthracia, 
'AeSpocx/a, die von der Kohle den Kamen halte, und 
eine Fackel hielt 7 ) ; ihr folgte Agnu ('Ayvtn) , in der 
ciiK-n H;<nd einen Wasserhrug, in der andern eine Schaale 
hallend ; dann noch zwei andere Nymphen , Archiroe 
und Myrtocssa (*Ag¥tptfll und Mr^TtaeW»?) , mit Gel 
in den Händen, aus welchen helles Wasser überströmte. 
In einem andern Tempel des Z«i^ <1>«Xio^ , welchen Pa 
sanias ebenfalls hier sah, stand Zeus, von des Argne 
Polycletus Händen gefertigt, gnnz ähnlich dem Diony» 
Mit, auf hohem Cnthurn, mit dem Weinbecher in der 
einen und dem Tbyraus, auf welchem ein Adler safs, ia 



rs 



6) S. Arcad. (VIII.) cap. 31. §. 2. Hiermit müssen die Pia« 

tonischen HauptsUllcn de Republ. VIII. 15. p. 565, p. 
252 sq. AM« mit dessen Anmerk. p. 5y.l. und im Minoi 
p, it5. C. mit Boeckh dazu p. 5s. verbunden werden. 
Die Gebräuche der Liiperci werden wir im Verfolg be- 
rühren. — Zu Priäneste tag Juppiter der Knabe an der 
Brust der Fortuna frimigema (Cic. de Divin. II. 4t.). 

7) D* Anthracia die Kohlschwarze heifsen kann , so )4fst 

Sich Tragen, ob sie eine Latana oder Ltlilh vorsullie. 
die, selbst Nacht, das Li cht Lind im \\ rdder- oder Stier- 
•eichtn ans Licht bringt. Die Fackel hatte sie. 




der andern Hand , aodafs, wie der Erzähler bestimmt ver- 
sichert, man das Bild für einen Dionysus oder Bacchus 
Balten würde , wenn nicht der Adler auf dem Thyrsus 
•äfse 8 ). — ]>iese alle Bildncrei, wo Zeus am Busen 
einer Flufsnymphe , der Naij, liegt, und A nt h ra cia , 
die Dunkele , ilim das Licht vortragt , Agno aber, da» 
Symbol der Lycäischen Weihen , ihm das Wasser, und 
zwar das reinigende Wasser nachträgt, dies Alles sind 
lauter Hieroglyphen, die uns zu erkennen geben, dafa 
hier, neben rohem Volkscullus , auch reinere Lehre sich 
Vorfand, dafs hier Mysterien gegründet waren» in wel- 
chen Heimgang durch Feuer und Wasser, dann Salbung 
und neue Weihung , und zwar im Namen des Höhen- 
gottes , geschah, welcher die Blitze herabsendet, der 
die hrde befruchtet, der allerwärts waltet, des Diony- 
•us-Zeus, des Freundlichen ( l PiXioq) , wie des Sühnen- 
den (MtiKl%to<i). 

Wir haben also hier eine Phöniciscb- Aegyptische 
Metastase, und der Zeus mit dem Widdei hörne, Juppi- 
l *r- Amnion, Horus und Osiris, sie fallen alle in das- 
selbe Bild. Es ist der Sohn des Himmels- 
'ichies (Caeli od^er Actheiis fa'lius ; Cicero a. a. O.). 
*** ist die Idee von der Natur und Erde , von Wasser 
°ud Licht, die Summe aller Elemente, die Idee de» 
ßrofsen allgemeinen Lebens und der Abhängigkeit der 
* hiere und Pflanzen ron diesem Naturieben ; eine Idee, 
^ic wir hier» wie überall, wiederfinden. Denn es ist 
Kein Localdicnst in allen Griechischen Landen so borniit, 




8) um' rei y? reiz w"; Atewvov \rfpf*f»9t% tsutc (nämlich der Ad- 
ler, der auf dem Thyrsus sitzt) mitf öfjj>koyojv fort, Pau- 
aan. VIII. 3t. 2. vcrgl. Schom über die Studien der 
Griechischen Künstler p. 3J2. Der Verfolg wird 2eigen, 
dals Juppiter zu Dodona auch vom Bacchus wenig ver- 
schieden war. Auch biefs er dort NöIj,-. Hier trägt ihm 
eine Naltr am Busen. 



po roh und ungeschlachte! , dafs nicht dennoch eine all- 
gemeine Vorstellung eben jene» grofsen Naturlehen* 
durchschimmern »ullle. Es zeigt uns überdies dieser 
Juppiter Dionvstis einen Zustand der Griechischen Reli- 
gion , älter als Homer, und diese Tempel , sr» wie diese 
Bilder* die uns Pausanias beschreibt , gehören einer der 
Ältesten Beligionscntwickelungen an. Hier erscheinen 
noch zwei Gottheiten, Zeus und Dionysu», mit einander 
gemischt. Als aber Homer und Hesiod den Olympus auf 
menschliche Art zu einem Königshause und zu einem 
Staate gebildet , und jedem Gott »einen Platz und sein 
Geschäft angewiesen, da erit »chieden sich diese Ge- 
stalten. Da wurden auch die beiden Götter als beson- 
dere Personen getrennt, und rein menschlich, poetisch 
einander gegenüber gestellt. 

Da ich im \ fetten Theile , «ur Erläuterung der Be- 
griffe von der Proscrpina-Dione, von der Dodonäischen 
Pcltffton handeln mufs , so begnüge ich mich hier einige 
Haupt Vorstellungen des Dodonäischen Zeus kürz- 
lich zu berühren. Herodotus erzählt und erklart die 
Stiftungslcgcnden von dem Heiligthume des Gottes au 
Doduna ausführlich 9 ). Aber schon aus zwei HauptsleU 
len des Homcrus 10 ) gewinnen wir ein ziemlich deut- 
liches Bild jenes uralten Pelasgischen Orakels. In der 
ersteren wird der Gott selbst Pelasgisch genannt, und 
Seiler (ZeXXoi, c EXKol) — ein Name, welcher sich als 
ßtamuinamc der Helleneu ankündigt — sind in rauhen, 



0) Ektodot. II. 54 sqq. rergh die oben (Tb. I. p. I9if.) g 
gebenen mehreren Nachweisungen. 



- 



}0) Hiad. XVI.2i3sqq. Odyss. XI V.327 sq. Die Dodon'iische 
heilige Eiche der Pilasger kennt auch Hesiodus. S. das 
brinerkensuerthe Fragment beim Straho VII. p. 327, p. 
470 sqq. TzscK und vergl. Schul. Suphocfis 1 rachin. 
ys. 117-J. (11$ Erfurt! ) 




4:^ 

inici liehen Waldungen «eine Priester. Die «weite Stelle 
»Pst uns heilige Baume erblicken, aus deren Wipfel der 
iott dem rUlh:>bi dürft igen Antwort erlheilt : 

„Jener ging gen Dodona , erzählet er, dort aus des 

Gottes 

Hochgewipfeher Eiche den Rathschhifs» Zeus zu ver- 
nehmen. " 

Zn iliesor Stelle Hatte schon ein aller Ausleger die An- 
ntritung gemacht, es müsse ein doppeltes Dodona un- 
terschieden werden , ein Thessalisches und eins in Thes- 
protia. Mehrere alte Autoren liefsen daher den Zeus, 
*•) welch ein Achilles in der eisten Stelle ruft, in Thes- 
•»lien wohnen, und dieOraltcfgebung aus dem Eichhaum 
in ihciprotia statt finden *•). Auf diesen Unterschied. 
haben neuere Schriftsteller weitere Schlosse gebaut, WO* 
nach dasThessaliselie Hciligtliurn alter »ey , und bloi von 
l'riestcrn rerwallet worden , dahingegen erst in Tbes- 
protia Prie&terinnen Hauptpersonen der Anstalt gewor- 
I. Hiernach niiifstcn wir die Thebaitisehe Feie- 
»lercolonie als eine verhältnirsmäfsig spätere Besetzung 
»irin Filiallurche , dafs ich so sage , betrachten. Huro- 
dotus scheint aber davon nichts zu wissen. Er nennt 
•uch diesen heiligen Ort immer Dodona (Awthijj;). An- 



*t) Stephanus Byz. in ^wSw.^ pag, 319 Berkel. mit den Auf- 
legern, 

1') ^lavier zum Apoüodor. I. 35. pag, ?H seq. und in den 
Memoire» sur les oracles p. 9 sqq. R it l e r in der Vor- 
halle Cap. II. pag. 386 IT. bat die Annahme von einem 
liieren Thessaliachen Dodona gelehrt zu befestigen ge- 
sucht und werter ausgeführt. M Q 1 1 e r in Aeghieticorum 
lihr. p. 159. ist entgegengesetzter Meinung;. Da ich hier 
blos auf die Grundbegriffe vom Dodonaischen Zeus aus* 
gehe, eo kann ich jezt das Für und Gegen nit jt ver- 
folgen. 



474 

dere alte Geschichtschreiber liehen den Namen Dodona 
(BaAJun?) hervortreten, und selbst dem Homer in der 
ersten Stelle wollten gelehrte Grammatiker diese Schreib- 
art angemessener finden , da ja Bodona ein bekannter 
Ort in Periliäbia oder in Thessalien gewesen H), Ich 
■würde es für unrecht hallen, die scharfsinnigen Vermu- 
thungcn ganz mit Stillschweigen zu übergehen, wodurch 
ein neuerer Forscher, auf diese Wortform gestützt, je- 
nes Thessalische HeiJigthum des Zeus mit dem weit ver- 
breiteten Dienste drs Buddha in Verbindung zu setzen 
■nebt |J ). Früherhin, ah unser Blich noch nicht so wie 
fezl bis nach Indien erweitert war , sollte dieselbe Na- 
mensform der Vcrmuthung dienen , dafs dieses Ileilig- 
tlnim ein Haus des Adon ,5 ) sey. Andere, der ge- 
wöhnlichen Benennung Dodnna folgend , suchten bald 
eine Niederlassung der heiligen Tauben (nach der 
StiClungsIegende beim Herodotus), bald ein Kessel- 
nder Bce henorahel herauszudeuten. Wir müssen uns 
auf diese blofsen Angaben hier vorerst beschränken. Die 
Arten derOrakclertheilung geboren zu unseren) näheren 
Zwecke, Sic enthaltet) auch deutliche Spuren der Vor- 
stellungen, die die Pelasgischcn Stämme hier von ihrem 
grofsen Naturgolte Zeus hatten. Sie schliefen sich in 
manchen Zügen an die in Arcadicn herrschenden an. 
Dort T»ar eine Nymphe (Nat^) Säugammc des Götter- 
knahen. Hier hiefs er Zst*§ Nouos. Aber machte auch 
dieses Epitheton mehr einen Wohnsicdler bedeuten, 



IT, Strphanus Byz. in hmSttvi} mit den Auslegern p. 25t Ber- 
K- 1. Schob* Veneta ad Riad. XVI. 2di sq. und Heyne 
I - ins. II. ad lliad. I. J. p. 2SJ sqq. 

14) Ritter in der Vorhalle Cap. II. p. 3y<) ff. besonders 391- 

15) i 1 "N' , 3 s. Trigland Conjeclanea de Dodone in GroaovQ 
VbÖMUri Aniiqq. Graecc. Vol. V I J. pag. 321 seqq.; wo 

«lieh die folgenden Etymologien abgehandelt werden. 



475 

rie Manche wollen, bo treten doch liier die Wiiter« 
ächte gewallig hervor. Davon giebt die alte Genea- 
>gie Hunde (Uesiod. Theogon. 34o sqq.) : 

Occanus w Tetiiys 



Athclous , Diane. 

Der Landesstrom Achelous war hier durchaus genommen 
wie der Ganges der Indicr nr.d der Nil in Aegypten. 
Aach er war der Flufs der FJüsse, und das Bild alle» 
ttinliharcn Wassers (Artcmidor. Oneirocr. 111. 4& He- 
lfen. L p. 6J7.). Er, als das süfse und nährende Was- 
ser, scheint deswegen genealogisch mit Oceanus und. 
Tethys verbunden , um den Gegensatz des bitteren Sce- 
wsisers und des den Saaten und Pflanzen zuträglichen 
süfsen Wassers zu bezeichnen, Die Acheloischen Becher 
sind noch beim Virgilius das Bild jener Bedingungen 
de« ersten rohen physischen Daaeyns. Becher oder 
Kessel und Becken mochten die Sinnbilder des Flufs- 
hecliens in diesen Waldungen gewesen seyn , und in der 
schon oft von uns berührten Vorstellungsweise wurden 
rinn Ouellgü'tler und Quellgölliuncn als Bath gebende 
"Wesen genommen. Es wurde nun auch aus Bedien und 
Weiseln prophezeit. Priesterliche Anstalten waten ge- 
bucht , um auch aus dem Tone eherner Kessel sich 
Raths erholen zu Können , und das redende Becken 
*on Dodona ward auch in diesem Betracht sprichwört- 
lich (Spanheim ad Callim. Del. vs. 284.). 

Dieselben Vorstellungen knüpften sich nun aueb an 
die heilige Eiche an. Der Eichenkran» war noch spä- 
ter der Schmuck des Zeus, des StadtUonigs (TLoXttvt;). 
Wem Plutarchus **) den Grund dieses Attributs angiebt, 



16) Vir. Corialani cnp. 3. pag. 45 Corsy. Das hier genannte 
Getränk pt>.iTttot bestand nacu demselben Autor (Quaestt. 



4:6 

Hellt er uns für diesen Zweig der alt - Griechischen Re- 
ligion auf den rechten Standpunkt. I>ie Eiche , sagt er, 
ist unter den wilden Bäumen der, welcher die schönste« 
Fruchte hat, und unter den zahmen vor allen andern 
Marl». Man nahm auch von der Eiche Speise , die lieh«!, 
und 'Frank, den Ilonigmcth. Fleisch gab sie auch toi 
treidenden Thieren und von dem Geflügel dadurch* daf* 
sie Vogetleim brachte zu ihrer Jagd. >\ er •» wir nun 
die Flpra Grierhenlandischcr Wälder beachter», und 
an die cfsbnrcn Früchte gewisser Baumarten W) denken, 
»o -wird es uns deutlich, wie diese letztere alt walre 
Lebensbäume , als die Geber der ersten Nahrung, be- 
trachtet werden konnten 1> ). Daher auch vom essen 
(ipaytlv) solche Baumarten rpriyni <pr,yol genannt icyn 
eolllen ") , und daher auch dieser Gott als erster Nabr- 



cnnvivall. p. 672. T. III. 2. p. 74S Wytienb.) ans Koflfc 
lind scharfen wetnsäuerlichen Kräutern. Besonders Bwi 
die Beschreibung jener l\ Ia<girichf n Zeit , ad noch <•'• 
Chaonischeri Hielt* in (Chaoniae glaiuka ) das II 
ruiigMnittcl waren , in drr Gleichstelle ( De es.ii DtrHi 
p. yyd sq. p. SU tVytteab.) verglichen werden: — 

II «r Jii il' t ,il i) die Eich«- ausdrucklich 
und N 4 h re r i n, Nach demselben Gesell der Pm 
fioatioll wird nun auch der von den Eichen herttbtrtttt 

de Honig zur Nvinphe Melissa; und so L*. :>t • i ii 
den uaiüi lichsie n Bcdingungeu de& Lebens und dtr Na' 1 * 
rnng um den Säugling Juppiter ein Nymphe u c hör, Hf* 1 
die Cretcnsiscbe Theogouie deutlicher vor Augen siel 

17) Quercus esculus Linn. S. Tzeti. in Lycophron. vs. 

p. 2*>\ ed. AJliller. vergl. Sprengel Aniiqq. buunn. 

p. 2i sq. 
16) Von diesem heiligen Baum der Baume Riehen v 

richten beim Eusiaihiu* aJ O'Iyss. XII. A57. p. 494 

I .Jas IIE p 59b Küster, und Tsett. ad Lycopbr. I. 



ler mit dem Namen Fhewonä'ns bezeichnet wurde. 

hielt sich hier die Andacht alter Naturmenschen an 
turliürpern fest» Im Baume hansete die Gottheit, 
ch ihrer Vorstellung, und das Häuschen seiner Elä'l- 
:, Yogelstimmcn aus seinen Wipfeln gaben ihr Da- 
vn hund , und waren Winhe und Befehle lürdic, die 
1 befragen. Daher werden Hauchopfer unter der Do- 
knäischen Eiche angezündet 20 ) , wie unter den Druiden- 
eben in den Waldungen der Celle« -und Germanen, 
it Rundtänzen wird sie bcgrüf&t, wi« von den Yülhcm 
ruet ica 8 den heiligen Bäumen noch jezt geschieht. 
amen nun zu diesen allgemeinen Ursachen noch be- 
mdere Erscheinungen hinzu , die den rohen Felasgef 

KrstauBcn setzten , wie hier namentlich bei einer so- 
mannten Wunderqnelle der Fall war ^) , so wird es 
?greillich , wie hier die Beligion sich anfänglich ganz 
i physischen Dingen und Oertlichheiten aufrichtete. 
Ii möchte lieber sagen : sieh in sie hinabsenkte. Denn 
mz auffallend zeigt sich in diesem Dndor.Hisrhen Dienste 
in gewisser tellurischer Charakter. Dieser Juppi- 
i war auch mit Aidoneus oder mit dem Hünig der Un- 
iriKeh ein und derselbe. In dieser Eigenschaft heilst 
ieser auch Eubulcuß, dergutcBeralher '**). AusderErde 
nd von den in der Erde wurzelnden Bäumen herab 
■b Zeus Nahrung und Halb den bedürftigen und unwis- 
snden Menschen. Das war der Grundgedanke; und wie 
ilenus ursprünglich mit Dionysus einerlei war, so war 



•0)5 




Sil. Italic, UI. 63. 

Arbur numen habet 
Colitttrqtie tepentibua arii. 

A ■. t-iutiArw. Sie stiejf und fiel nach den Tageszeiten. 
S. oben I. p. 157. 

Epitheton des (lade.«; Nicamlri Ale 



4 7 8 

er es auch, und "wird von mir im vierten Tlieile «1» Jup» 
piter - Si ten us bezeichnet werden. Aber, nach dem 
herrschenden Triebe der Emanationslehre , werden in 
Verfolg die verschiedenen Aeufserungen eines ond dem- 
selben Wesens genealogisch in verschiedene Personen 
gesondert. Das war auch dem alten Horte (ava$) ro» 
Dodona (wie ihn Achilles im Gebete nennt) widerialurn. 
In Athen war er nun Vater von drei Horten (c*: 
geworden. Er halle sie mit Proserpina gezeugt. I 
davon hiefs nun wieder Eubuleus , der gute iteratber, 
der andere Üionvsus , der dritte vielleicht Zagreus J ). 
Mit andern Worten : Zeus der Dodonäer , der Lebenv 
rjuell in der Erde, gesellt sich zu die fliefsende Trieb- 
kraft , die Proserpina -Dione, und zeuget den Eubuleus 
und die andern, worunter Dionysusj d. h. er zeuget die 
begeisternden Dunste aus der Erde, und der Biiume und 
der Pflanzungen buntes, Irisches Leben. Oder Diwr/" 
tus, der Fließende und Weiche* ist auch aus den Wi- 
tten ani 'die Bäume herabgeflosseu 2i ). Das will sagen: 
Zeus, dasErdlcben und das atmosphärische Leben, gie^t 
eich in der Erde orakelnd als Eubuleus kund , über «k r 
Erde in des Eichbaums Stärke, und in der Nahrung Fü" e 
als Dionysus. Des Himmels Thau und Hegen , aus FK-** 
sen und Quellen aufgestiegen, mufs den Bäumen N ^*" 
rung und Gedeihen geben » und den Vögeln des Hif** 
mels , jenen Zungen der Götter , Obdach und Au» 
enthalt. 

Hier liegen die Incunabeln Griechischer und luli 
scher Religionen. Die Pelatger bevölkerten beide Länder 



23) Cicero de N. D. HI. 2t. p. iS6. mit den Anmerkungen 
Vergl. oben IL. p. 336 ff. 

24) Aiävücc; von Aiä; vuwaf, Zeus Bäumen ; Scbolia&t. 
Aristid. Panalb. (*d 1. p. ISj Jebb.) 



hon die geographische Lage der Dodonüischen Pilan- 
ng lafst vermuthen , dafs viel Dodonäicehes nach Ita- 
n hinübergetragen worden. Innere Spuren machen 
eses noch wahrscheinlicher. Juppiter Picus (der 
.titelnde Specht) und der alte Liber Pater gehören 
iHiu oder Lcbesius, der Wallende, Fliefscnde , wie er 
ich heilst. Alle sind nicht verständlich zu machen, 
enn man nicht den Acheluischen Juppiter, von dem 
übne ausfliegen, an den Thesprotit-chen Waldwassern 
kannt bat «— eben so wenig ist Venus- Libihna , die 
Mische Gottin der dahinwogeuden Lebenswelle und 
?r üppigen Lust, ohne die Dodonaische Diune zu be- 
reifen 25). 

Die Gestalt oder die Attribute betreffend, unter 
pnen Zeus zuDodona dargestellt ward, so Hill ich hier- 
fi im Allgemeinen Folgendes bemerhrn : Die Sliftungs- 
ige beim Herodotus (II. 54) meldet, dafs von der Thr- 
ill aus die eine Priesterin zu Ammonium in Libyen ein 
•rakel des Zeus gründete , die andere zu Dodona. Dies 
inderte nicht, dafs derselbe Gott am ersten Orte als 
Viddergott vorgestellt wurde, als Juppiter Ammon ; 
ährend zu Dodona die Stierattr ibute vorwalteten. 



Ö) üben Th. f. p. 193. not. 359. ist noch eine andere Pa- 
rallele mit den Dodoiiaischen Tomuren , als denPelasgi« 
sehen b a r Q 8 p ice s , angedeutet , die ich hier nicht wei- 
ter ausfuhren will, — Aber den Italischen Ilauutnamen 
des Zeus will ich hier berühren : Juppiter oder Ju- 
piter. Jenes hat sattsam Beptälijjung aus MUnzen und 
Inschriften (s. Forcellini Lex. Ist. s. v. und Fr. A. Wolf 
Museum der Altertumswissenschaft I. 3. paj» 583.). 
Dieses will min wieder Fea zu Horat. drin. I. 2. 30. 
p. 5 ed. Meidelberg, aus der Contraction und der natür- 
lichen metrischen Folge davon vertheidigen. lieber diese 
Etymologien s. unsere Aumerk. zu Cicero de N. D. 11. 
25. p. 305, 



Dafs die» der Fall gewesen , ergicbt sich au« der Aehn- 
lichlieit, die Zeus dort mit dein Dionysus hatte, und 
Achclous , der "Wasserstier , tritt in dieser Beligiua 
mächtig hervor. Für diejenigen Muhologen nun , Meltlir, 
unfähig die inneren Fäden zu sehen , woran dergleichen 
mystische Gewebe hängen , den Beweis fordern möchten, 
dafs der Dodonüische Juppiter selbst als Stier gedacht 
worden sey , will ich an den (retensischen Zeus erinnern. 
Der Cretcnsische Mythus spielt auch mit Sticrbildern. 
Man denke an den Minotaurus und den Stier der Pasiphw. 
Hier mufs sich aber Juppiler selbst, um die Europa ia 
gewinnen , in einen Stier verwandeln. 

Ich Labe ohen vermnihungswcise den Arcadiscben 
Hobengott (otxpio;) Juppiter als YViddergott genc 
men , sowohl wegen jenes Beinamens , als weil er 
mit Fan verbunden erscheint. Aber der älteste 
ebendaselbst , den noch Folyclct dem Bacchus so ähnlich 
gebildet, hätte eben deswegen in ältester Form btier- 
attributc haben müssen. Es war dies Alles ganz » |Q 
Geiste der ursprünglichen Religion : In Aegypten h alie 
Aman (der Widdergotl) den Osiris (den Stiergott) 
Sohn angenommen. Von Phonieren kommt Juppiter 
Moloch nach Greta. Die Phonicier , welche die llo 
mische Priesterin nach Epirus verkauft hatten | 
dot. H. 54.), konnten dortbin eben so wohl einen 
gott , einen Moloch , bringen nj '). 



26) Hierzu vergleiche der Leser mm unsere Tafeln V, nr. 
Juppiler mit dem Wjdderkopfc ; VI nr. 5. Juppiter 
nion, daneben die LaserpizpHanzt ( vergl. Hcmatri 
ad Polluc. IX. 6. p. 11)27. und Lcxic. gr. in der liibli 
Coislin. p. t)\'7.) und (ab. V. nr. 10. Juppiter U 
zwischen zwei Bäumen , worauf Täubt» t>iU«n. \ « 
dik Likl.iruu; der Abbildungen p. lt. 



48 1 

Die ursprünglichen Vorstellungen vom Zeus von 
Creta nebmen im Wesentlichen denselben Gan^. In 
diesem Lande der Cureten — denn Creta seihst hii Ts ja 
Curetis (Koi-n^iu ) — war das grcifsc X alurieben und 
Kalurprincip , männlich« ebenfalls als Zeus aet'ge- 
faf»t. Hiei" war ein uralter Sit« Aegvptischer und Pho- 
niciacher Pflanzer , wie anfser Anderm zur Genüge 
jenes Labyrinth -') , die Groitentempel . die Idclo mit 
den Sticrattributen u. s w. zeugen. Diese Mwehung alt- 
Aegvptischer und Phi'nici^clier Religinn>id< en loiTste 
eben jenes Gütlrrgesehl* cht erzeugen , das uns die Le- 
gende bennen lehrt. Obenan triit Uranus, der Him- 
mel, auf welchen llrono», der Gott der Zeit, folgt. 
Dieser /.engt mit dei Rhea ( Fta) , die wir als Tcshvs in 
Dodona wiederfinden werden, d i. mir dem Fiiefsenden, 
mit dem leuchten Elemente , den Zeus '&) , und dieser 



27) Leber freta's jpocr.iphische Lage und andere Oertlich- 
k< inn spreche ich , mit Bezug auf tu im- Religion, unten 
Th IV. $. 2>J. pag, 5 rrst. Atisff Man mufs , wie bei 
jedem Lande, so hier vorzüglich mit *\\v dies« Dinge 
nieiken. AuGer den alteren Nachrichten Vps.Tautneiört 
und A. lese man jeit die Jtbeud gen Schild* runden des 
Labyrinths von Goriyna «von üem sich noih Ueberreste 
finden ; vr.n dt in /u Ciius-mis nicht) in .Snurr Lettres 
aur la Giere 111. Will, p 2oysq ( j.; dt s Gehirnen ida 
nr. XXV, p 2U sqq ; der Mvrn- nu-üld«* r nr. XXXIV. 
pa^ 2'J'2 sqq und so mancher andern Mi rkwürtlipk. fien 
dieser von der N«tur so begOn-Tigten Insel — Lieber die 
in Absicht dt r Verehrung dt* Zeus bemerkenswtrihrn 
Oertlichkriif n anf dir f "s.eJ Creta verglicht- man auch 
des iJicU.nch'is Pic;'E>>ä5. vs I tu — 12>J. (in unsern iVlele«. 

teram. 111. p. 8u8. ioy.) 

58) Den dritten Juppii*-r der SfatMMfiker , Tic. de X. D. 
II t 2i. p 5b-: - tertium (Jovfin) CfeteDaefn , ^atnrni 
filiiim Ich wiederhole nicht was ich dort von Parallcl- 

tttlicn gisatunuli habe. 



IL 



3i 



die Dictynna. Dieses System wurde das herrschende ia 
Griechenland und blieb es. woher dann auch die ge- 
wohnliche Angabe, dafs Crela der Ursit» H< 
Religion gewesen und geblieben sey , wahrend da* Ho- 
donäisehe Svstcm in den nordwestlichen Gegenden und 
in dem nachbarlichen Italien Wurzel gelalst , und dort 
zum Mittelpunkte geworden , ohne jeduch unter den 
Griechen den bedeutenden Einflufs auszuüben, und »ich 
so zu verbleiten , wie das Cretensisehe. Der ganze 
Dienst aber war ursprünglich hauptsächlich Sonnen- und 
Mondüdienst, mit lauter Gebräuchen und Legenden, die 
sich darauf beziehen. Juppiter war hier in allcstei Bw 
gedacht als Stiergott, als Sonnenstier, als J'T* 
piter Moloch, und seine Tochter Dictynna als der Mond, 
als die S t ra h I en we r fer i n (von iUeiv) , die bald »I» 
Brilnmartis oder siifse Jungfrau, bald als Pasipbac oder 
AllJeuchieiiii, bald als Artemis vorhommt 2 '*), 



fiy) S. oben Th II. pag. 150. 151. 152. Auch dieser Gott«*' 
dienst entlehnte von na«Ui liehen und örtlichen Dinz*" 
seine Farbe. Z B. diese Cretische Dictynna halle tioen 
Kranz von Diclarmms ( 47*r<w*vov). Dies Kraut, 8»K ,en 
die Alten, war in Crela all in zu ßndm. Sie nannte«]" 
das erste aller Kräuter, vorzüglich wirksam in Frautn* 



krankheilen und im Zustande dir ^Schwangerschaft , «** 
der tust inet dpr Thiere bttbsst ti kannte seine Wund«*" 
kraue (s. Cic. de N. ü. II 50 p. 4l9. mit den Anna*'* 
kungen). Diese noch jt/l häufig vorkommende Pfhir 1 * 
ist fortdauernd officimtl hei den Candiolen < Savary »- 
Ü. p 2hU fF- J- — So war sie ein natürliches Attribut tl* 
Dicurinj, als d* r Diana Lucina oder Ac-^irti. &' 
ah» Moudgütfin und Vorsteherin der Geburt hatte d 
Kiaut mit vorzüglichen Kräften begabt, und auch *e ' 
Name war dein ihrit>rn verwandt. Es lagen auch hi^" 
magische Vorstellungen zum Grunde, lieber jenen Kr^n» 
der Artemis s. den NcholiaMen des Euripides im llipyo» 
lytus vs. 58. 75. mit Valckenaers Note; vergl. auch l'lii- 



4& 



Zeus der Priester lehre. 



Au* diesen verschiedenen Zeusidecn entsprang nun 
s ausgebildete V\ esen des heidnischen Got traters. 
ieses höchste Wesen, Zeus genannt, das mit der Aus. 
Teilung Griechischer und Römischer Herrschaft perio- 
isch Univcrsalgotlheit geworden , müssen wir nim be- 
trachten , wie es zn förderst Priester und Philosophen, 
ansahen, und sodann wie das Volk es sich dacnie ; wir 
müssen in ihm den Anstand des Pericletschen Zeitalters 
io seinem höchsten Culminationspunhte von dem ruhen, 
culturlosen Vollie wahrnehmen . und '/war auf dreifache 
Air , indem wir die Sprache, die ilildncrei und die Reste 
alter Priestergesange betrachten. 

Hatte doch schon der alte Ennius gesungen: « Bl'ck 
auf zu diesem strahlenden Gipfel des Himmels; sie rufen 
ihn als Juppiler an * 30 ). Hier ist deullirh Juupiter da» 
Firmament. Und diesen Lateinischen bprachgebrauch, 
in welchem dei t'.ott auf diese Weise elementarisch, 
genommen wird, beweisen noch andere ähnliche Hich- 
llen. Wenn daher Horaiius Od, I. I. 25. sagt: 
■wnet suh J u v e frigido Venator, so hat er ihn hier 
Meteorologisch genommen, nach Jahreszeiten, so dafs 



iochon Pratrmm. pajj *S. — Mehreres Uhcr diesen Zeus 
yv/*fi i&. Spanheim ad Cid lim. Hvmn. in Jov S und 

bonii'i r- Myihnlng. V ni-lesungi n , Dresden 1M)1 », über 
leine Geburt, Über seine Kr ziehimR durch die Nymphen 
Mrli>sj und Anidlihea . iu den folgenden Theilen , wo 
sich du IJjiMt llung nicht trennen lai'-t. 

Tic de N Ü II 25 pag ioo uns- rer Ausjj. : ,, Adspica 
hoc sublime can iens , (/utm inrocnnt Ji>re/rr"; womit 
man die * b^mlastlbM. gleich dar aut anni 'ill-i ti *tHle des 
Buripides verbinde und das in den Anmerkungen p. 307. 




* 



er im Allgemeinen fTherhaupi die Natur mit ihren Erschev 
mmgen bezeichnete, im Gulen und froren : im h.iltrn 
Norden ist er daher der feindselige Juppitcr. 
Ibid. Od. äs. 19: Quoil latus mundi nebulae mal us«] «r 
Juppitcr urget. Ja er wird selbst zum Hage! 
schlag; YirgiL Georg. II. 41t) : et jam maturis nt 
tuendis Juppiter utis (i. e. pluvium, caelum). De« 
Alles das, was dem Land manne wie dem Weingärtner, 
dem Hirten wie dem Jäger, droht und verderblich «Wi 
ist Juppiter in diesem feindseligen, bösen Sinne. So 
giebt CS einen Juppiter der Jahreszeiten, einen Jup- 
pitcr des Frühlings, Sommersund Winters 3t ) , indem 
jedesmal die Jahreszeit als Juppiter sich persomlicin, 
er also die Summe Alles dessen ist, Mas mir am Fila- 
mente sehen, das Wesen der meteorologischen Erschei- 
nungen , das Jahr, das sich in die drei Jahreszeiten aut- 
rollt , und alles Schone und Grul'se in der Matur her- 
beiführt. 

Diesen Juppiter hatte auch die älteste Bildnerei vc 
herrlicht , wie wir aus mehreren Spuren ersehen lt« n * 
nen. Zu Larissa , erzählt uns Pausanias v ) , war 
altes Schnitzbild des Juppiter, so zwei Augen an eV 
gewöhnlichen Orte, ein drittes aber auf der Stim* 
hatte. Man sagte , es sey der Juppiter naTpäoc «J' § 
Priamus •**), der vaterliche, der Gott der Vorführe*' 



irr- 
rcr- 

i$§* 

i 



31) So 1. B. Juveiul. Satyr. V. 78. Juppiter vcrnilj 
lius Thebaid. III. 26. Juppiter Iiibtnius; Ovid h 
II. ;jvy. bnh Jove (i. e. suh Uio) duiabdiU «t corpul 
nuda gerebant. 

32) Corinthinc. cap. 2-). 

33) ,,-cJr=v t;v A/4 Hpu/tat tyarn ihat rm Aac^udoVrf: 
rf^cv." In dt« Arcadicis (VIII.) cip. 4b. § 2. Mg' 
zwar Pausauiaa von dein Seh nii 2 bilde des Juppitcr: — ' 




485 

fler Allen seinen väterlichen Schiit angedcihen läfst. 
Bei der Yeriheilnng der Trojanischen Heute bekam es 
Sthenclus, de» Capaneus Sohn, welcher es an diesen 
Ort krachte. Von den drei Augen hat der Tedliehe 
Forscher die Muthmafsung, sie bezögen sich auf Juppi- 
tcr , der im Himmel, unter der Eide (als Pinta) und in» 
Meere (als Neptun) regiere. Aus dieser Ursache, weil 
es ja nur Ein Gott sey , der in den di*£i durch das Loos 
getrennten J heilen der \YeIt die Herrschaft führe, habe 
■wohl der, so das ßitduifs verfertigt, demselben drei 
Augen zum Sehen gegeben. In ähnliohem Sinne spricht 
auch der Platonische Philosoph Proclus von einer de- 
xniurgischen Trias ( -tpton; Hr,uiov^ytxr l ) , deren '1 heile 
die drei Zeus seyen, der erste, vorzugsweise so bc« 
nannt, der zweite» Zeus Poseidon, der dritte, Zeus 
Pluto, Penn in dieser ganzen Trias sey Zeus der Vater, 
Poseidon die Kraft (*ViauMtj), Pluto der Geist (vor 5) M J. 
W ir haben also in diesen ältesten Tompelbildern eine 
Ahnung , ein Gefühl , eine lebendige Einbildung von 
der einen, allwirhsamen Kraft, die Allel, was ist und 
lebet, wirht , hält, bindet und einiget; wir haben eine 
uralte Anschauung von einer kosmischen Trias, einer 



allein dies läfst su h doch mit der obigen Stelle auf die 
Art vereinigen, Hals wir sagen : das Schuiizbild des Zeus 
iemüo$ war schon von dem Vater und Vorfahrendes IViamus 
(also für den Priauiua rargp«$) verehrt worden. Uebrigens 
hatte Facht*, dir ans llesycliius die Notiz brihrhigt, djfo 
Juppher und Apollo ht-sondem, mhrr einigen andern 
Göttern , «offdiM geheißen (Veryl. auch oben IL u. 156.), 
diese Purallrlsulle wohl nicht übersehen dürfen. 

1) Ich habe diese Stelle ans dun ungedruckten Commentar 
zu Plato's Cratyhis in den Anmcrkk. ra Cic. de N. D. 
111. 21. p. 584. zum Theil mhgetheilt. 



466 

I> eieinhcir, die hernach aus einflnder fahrt, und d< 
Jv de , di'm Meer und dein Himmel einen Juppiter- lie- 
ft ri. Uiese Hellenische Tfinfffrtl , d<- (V ich so spreche, 
gln-r freilich unter, als du* Kunst der Hellenen sieh bis 
«u d'T H'he e»h .ben halte, d »fs Phidtas. seinen Ze 
als lielk-nenkönig zu Olympia darstelfen konnte. 



US 



IN och ein anderes Sehnilzlnld mag uns diese Ansicht 
des G riech ischeu Volkes von seinem Zeus oder Gott« 
v/ater erläutern. In Olvmpia war ein Standbild des Zeus, 
ein Weihgeschc^h der Metapuiitmrr , von dem Aegine- 
ten Aristunus gefertigt, Uas Gesicht fielen Morgen ge- 
wandt, hatte er auf der einen Hand einen Adler, mit 
d.^r rmdern führte ei den BlitS : sein Haupt schmückte 
ein Kran» vor» F •• ü h I i n g « !> I u m e n , ' 6 ). Hier haben 
wii ;iK<> einen Juppiter verum, wie Juvenal a. o. 
a. O. sich ausdockt, einen Juppiter des Frühlings; und 
vir finden hier ciur bise Andeutung, d;<fs die drei Au- 
gen des Zpus TT i i . i-w-. zu Lartssa eben so wohl auch auf 
die drei Jahreszeiten beAugen neiden konnten und auch 
Wühl bezogen wurden sind. 

So verpachte eine unbeholfene Svmholik dem religiö- 
sen Gefühl Hü He zu leisten, und Jene Ahnung von einem 
einzigen Uoeidlb hen in rohen Tempelbitdern zu versinn- 
Hcheit, Sie stammten aus einet* Zeit, ah die Vielgötterei 
durch den Zauber- der Poeftie u>ieh nicht herrschend 
geworden war« Hatten wir nun auch die Gebctsfnrmeln 
und die Hymnen noch, die um jene ungeschlachten Pelas- 
gisehen Bild r des Gottvaters ei tönten , so wäre es uns 
leb hier, jenen priestei liehen Zeus in seiner alten Ge- 
stalt su erkennen. Jezt sind uns nur Schlüsse vergönnt, 
die wir aus einigen Fragmenten ziehen können. 




48? 

merkwürdiges Bruchstück solcher altpriesterlicher Tem- 
»elgesänge hat uns Pkilostratus aufbehalten; es bat den 
alten Sänger Pamphus zum Verfasser und lautet: 

Rohmwürdigster Zeus, Gröfster der Götter, umhüllet 
■> Miste der Schaale, Rosse und Mäuler» 3Ä ). Hier 
wird also Zeus, der höchste GoU , der Gottvater, «um 
Ufer , der in dem Miste der verschiedenen 1 'hicre hau- 
tet, ganz nach Aegyptischer Vorstellung, wo der aus 
dem Miste, wie man glaubte, erzeug. e Käfer die hei- 
ligste Teropelhieroglyphe mit der Idee des Lebens und 
der Palingcnesie war (s. oben I. pag. 489.). So ist. hier 
dieser Juppiter als Käfer nichts weiter , als die befruch- 
tende, nährende Kraft, tu faofovavv &). 

Andere Ueberreste jener bedeutsamen Tempelpnesie 
lind mehrere Orphische Hymnen , die uns Stobäus auf- 
Ulirthen hat; so z. li. der an Zeus, s. Eclog. I. pag. 
4o wjq. Heer, : 

«Zeus war der Erste und der Letzte, Zeus das 
Haupt und die Glieder, aus ihm entsprang Alles, Zeus 
Mm de Mann und reine Jungfrau , Zeus die Stütze der 



36) Philostrat« Heroic. cap. 2, p. 98 ed. Boissonad. 

37) Auch als Fliege oder als Mücke ward Juppiters Kopr 
vorgestellt; s. unsere Ta fr I V. nr. 3. Ich habe schon 
dort in der Erklärung p. \\. so wie ahea II, p. 66. Note 
112. an die Uebereitisiimmiing dieses Fliegengottes 
oder Fliegenabw ehrers mit dem Beelzebub der 
Ebionitcn erinnert, — Schlichtegroll zur Daclyl Slosch. 
II. pa?. i)7. will lieber an die Biene und an die erste 
\ a h r un g ( wovon noch weiter unten im dritten und 
vierten Theile; bei diesem Z«v« aropühi denken. 



488 



Erde nnd des Himmels , Zeus der Athcm von Allem und 
die Bewegung des Feuers. Zeus die Wuizel des Meeres; 
Zeus, Sonne und Mond, er der long, der Alles ge- 
schaffen , Eine Kraft , Ein Glitt , der grofse Anfang 
(Herrscher) von Allem j Alles umschliefst Ein einziger 
herrlicher Körper, Feuer, Wasser, Erde, den Aether, 
diu Nacht und den Himmel, Metis die erste Bildnerin 
den süfsen Eros, dies Alles umschließt sein gewalliger 
Leib t u. s. w. 

Hier ist also die höchste göttliche Einheit (Zeas) 
in einem körperlichen Ganzen versinnlicht , in 
einem menschlichen Biesenleihe. Das Universum hat 
menschliche Gestalt angenommen. Wie sehr freilich 
diese Ansicht mit den Indischen Mythen und Gebilden 
Ton der Trimurti, von Brahma, Locmus und dergl. mehr 
verwandt int* und wie s»hr überhaupt die» Ganze mit 
<li m Indischen Pantheismus zusammenhängt, darauf 



blanche ich wohl verständige Leser nicht weiter auf- 



mei hsam zu machen. Yeigl. z. B. den ersten Th. d 
Srmbol. p. 586 ff. 6-ju ff. 



- 



Später freilich erst gelangte die Griechische Nation 
in ihren Phiiosophemen dahin, sich den Grund dieses 
göttlichen Wesens dialektisch anzugeben, oder seinen 
Urgrund aufzufinden , nachdem nämlich der Sceplicis- 
mas sich aeregt» und der Anlhroprrmorphismus, schwan- 
kend gern h fit, »ich nicht mehr hallen konnte. Thaies 
und Inaxagnras waren die Ersten, welche Rechenschaft 
i'.nde.tcn iilicr ihren Gott , und so entstand denn 
die älteste philosophische Schule in Jonien , obschon 
ni.ch ganz prieiierlich , in Versen und Bildern sich aus- 
sprechend In Prosa sprachen zuerst Pherecydes und 
Pvth.-igoras ErMcrcr hatte unter Zeus (Z»;')den Aether 
vcista»'dn. d. h, den iiufsersien, höchsten, Alles ura- 
tchliefscndcn Feuuriiimmcl , oder das Licht, als das pi>- 



4*9 






tenfcirle Urelement *) ; eine Idee, welebe Persischen 
Reiigiunsideen., die ich oben im ersten Theile sc um öt'tern 
(\erg|. z B. p. öqi. 69t/. 7«/0.) berühr! habe, gan« ähn- 
lich ist * und uns an den Ursprung dieser PhiJosopheme 
aus dem Magtenystem erinnert, üben daher stammt auch 
du« Pythagoreische Ansieht (t. I. Th p. fryq. > von zwei 
Prmcipien , da» eine, Gott» Zeus, oder d ; e Monas (r, na- 
vot s ) und das Gute (tö ayxSov) - der Met, Ihm sieht 
die fJuoL , die Zweiheit, als Grund der Materie und auch 
des Bübcn, gegenüber (vei'gh Siobaci Eelogg. I. p.59). 
Uebiigens ist es bekannt, dafs die Pvthagoreer aut h 
Von einer Burg des Zeus (Zai'o; m^ijo) und \on einer 
Au», fpuXax»? oder Warte des Zeus , nämlich von der Ve- 
eta oder dem Centi allcuer , sprachen. 

Gehen wir weiter zu den Stoikern, so war hier, 
wenigstens bei Chrvsippus, Zeus der allgemeine 



3&j Vergl. Pherecydis Frag mm. p. <44 ed. Sdtri. und daselbst 
unier antlern Hcnniae irrisio genlilium philosophorum 
chu. 12, p.ig. -iüi cd. Benedictin, Pherccydes hallt- über- 
haupt drei Principien der Welt angenommen: Zijv i Jup- 
piler) , XScvoj und Xf&ttf, iNdiüiiieh erlitten diese Säizc 
Verschi tue Aut-Ir Rungen. Wenn einige alle Sclirift- 
suiler den Phc-ecydeischen Zeus i.oder Zijv als Pt uer 
nahmen , die Chthonia als Erde , so war diest-r Sinn der 
alir-n l'riesie Hehre ganz grmjfc. Diese hatte ziemlich all- 
gemein Himmel (K»utr) und Erde als kosmische rVinci- 
pirn gesetzt. Mau st he was oben II. p. 32'j f darüber 
btmeikt wurden. Andere nannten W .t s e r als das 
zw« ue Princip des l'ln 1 erydes , wtJches sich mit dir er- 
sten Angabe Vereintpen liifst (Sturz a a. O p. li seq.). 
Das Verhfthnif* des eisten Piincips zum zweiun halte 
dieser ahc Denker ganz orphisch ( d. i mysteriös poe- 
ti->. h: so duSjrjedrOckt: XStfvqj ovofia iyt'vtro ly, irtiS>f aJrJ 
yfyq, 3<«Jt? ( Diogen. Lafrt. J. § I9.J: „t'hthonia. 
Wind brdi genannt, nachdi in Zeus ihr die Ehre ver- 
hehtn." Al*o2tu* erschien Ijht »uch als Bruder und 
Ehtniami stiller Schwester und Caum .Lide. 



49" 

Lebensrjueil, die Lebenskraft in allen Weseu. 
J>enn Zeus beifse er, weit er Allen das Leben (t6 £r,v) 
verliehen, Dis (A-cr.)- weil du ich ihn Alles ist 39 ). Im 
Pinto erscheint Zeus iheils als Wellbaumeister, als l)e- 
jniurg, lliei's als Providcnz *). Was endlich die Neu- 
platoniher belnlYr, so fühlt Plolinus sehr oft die Plato- 
nischen Ideen vom Jnppiier aus (•/.. II. p. 098. p. 4o3. 
p. 55 1 . ) , die ich eben deswegen als bekanntere Yorstel- 
lungsarten übergehe. Als Beleg der alttheulogischen 



39) S. Stobati Eclogg. f. p. 48 cd. Heeren. Utber den Jup- 
piter d« r Stoiker veig.lticbe man ins-besondtTe Seneca© 
epi<»t. iid Lucil. IX. und dazu die Schollen Muttis im 
drin« r> Bande p. 3i Opp. ed Ruhnken. Den 111 1 rkwür» 
digen Mjinnus. dis CUanihr* an Zeus bat uns ebenfalls 
Slnbäus aufbehalten in dm Eclogg. I p 30 sqq. Hteien. 
und sonst noch oft rdirt ^S. tabi icii Bibl.gr. III. p.53J.), 
auch ins Deutsche übersetzt von He rder in den zerstreu- 
ten Blattern II. pag. 20.4. Man achte hier vorzüglich auf 
dtn ethischen Geist , worin ZeuR aufgefaist ist. Ich ver- 
weise hierbei auf die neulich erschienene Schrift von 
Schwabe: Specimen throL exhib. KitavSoi/'; C'fAvov 
et*; A/ar, cum diseipl chrjsi. comparat. indact. etc. Je* 
nae 1M9. 

40) S. Ptato*«* TiniäTTs und auch den Pbädrus cap. 26. p. 246. 
p. 4l Bt-kki r. vergl. Stohaei Eclogg. I. p. al. In dar an-« 
ji IUhnm hnUhtmen SitUe des i'hüdrus , wo Zhis der 
grübe Ali illirer im Himmel behal , liatien viele alte 
S t iir.fisi« IU r Z<us als Sonne genommen (s. die Stellen 
b« i A>t tm t um in cnt. p. 297. und in d« n Additamm. ad 
ealc. Ktiptihl. p. 65 1 sq.), Da wir aus den orientalisch« n 
Religionen h*r uns gtwühnl haben, die >onne auch als 
1 nti 1 1 ig e n z oder Geist zu decken , so will ich nichts 
vvtiltr als dii krhiache Anmtikung hiu/ufugr:n , dafseiuige 
Eiklllrer in die *>t* Mo des Plalo sogar? «mv *j>te; ein- 
schieben wollten, wie man ans den Verfolg der Stelle 
des Eusiathius ad Udy&s. M, p. 4?b. Btthtj welche Ast 
nicht ganz mitgclheilt hat. 



49 l 

Orpbischen) Ausdrucksart, zu der diese Philosophen 
läufig Miidcr zurückkehrten, fheiie ich einen Satz des 
■i rplnfius mit, den uns Stobaus aiifhehalten : «Zeus 
also ist die ganze W e 1 1 , das T h i e r aus den T h i e - 
ren (C,ü>ov tx £aa>y), der Gotl aus den Gnuern : Zeus 
aber auch, in so fern er die Intelligenz (voi~s) ist, 
durch welche er Alles hervorbringt. Denn durch 
die Ideen bildet er die Dinge (irrt Sr^itovftytl 
toi; voKuaai) y> **). — Dieser Zeus ist also die höchste 
Ordnung in der wirklichen Welt, wie Kronos die höch- 
ste Ordnung in der intclligihlen Welt (vcjVxj;) ist. Zeus 
und seine Burg sind nur ein leiblicher Ausdruck für die 
Einheit der wirklichen Dinge der Welt, in ihm erst er- 
halten alle Dinge ihre Einheit und bestehen nur in ihm, 
dem größten Naturleibe, dem Adam Kadmon, demWelt- 
Gottmenschen 4 -). In dieser Eigenschaft geht aus seinem 
Haupte hervor die Athene ("Y2hfva) t die ewig keusche 
Jimgfrau Minerva, die Einheit , die sich ihrer selbst als 
Weisheit bewufst ist , und dem gemrifs handelt, Sie 
kennt sich selbst , sie handelt nach ihrem Bewufstseyn, 
*ie ist das weise Beginnen und kluge Vollenden , die 
ptTsonilicirte Kriegsweisheit und der Sieg, welcher der 
Strategie folgt, und steht so auf der einen Seite ala 
ideelles Wesen , wahrend Zeus in der Mille steht **). 



4l) Aus der verlorenrn Schrift des Porphyrius <"{-< dya>^dTwv t 
bei Stobtus Lclogg. t. p, 4b Herr. 

4-) S. Achilles Tatius Isagog. * n Arati Phaenom. p. 123 (in 
Petavü Umnolog. ) ,, Aralus sehr irrt die Stellung StViv) 
des Ganzen dem Juppiier lu-i/ulegc-n , die Erzeugung und 
Er.«inuiin; desselben aber dem Asirüus — wenn er nicht 
eiwa dm Am raus als den SctiöpftT (toojtijv der Sterne, 
den Juiiuiter aber als den Anordner (xeff/*>fnfO der» 
selben da i stellt, *' 

43) S. meine Mek-ttram. I. p. 45. Mehr davon im Verfolg. 



Zeus zeugt nun mit der Juno Jen Mars, "Apr;^ oder - 
t £.vväliioi; , d, i. die Slärhe des Eisens, aber auch die 
blinde Kricgswnlh und die rohe Gewalt, welche besiegt 
■wird und weichen mtifs, wenn Minerva mit ihrer Weis- 
heit die Feinde angreift. Einen dritten Sohn gebiert 
dem Zeus Scmcle; sie die personificirte Erde, er der 
Vater: Aelher, als Blitz und als himmlisches Feuer. 
"Weil aber die Erde zu ohnmächtig ist, die ganze Herr- 
lichkeit des Strahls zu tragen, so geht sie unter, and 
wendet sich auf längere Zeit der unterirdischen Nacht 
zn. Semele stirbt, aber den unreifen Sohn Dionysu» 
verbirgt Juppiler in seine Hüfte, und er wird so der 
Sohn seiner Lenden in ganz besonderem Sinne. End- 
lich geht er hervor aus den Hüften als die personificirte 
"Vielheil , als Nfttpr, Es genüge hier, diese Eine Ansicht 
von Barchus Geburt und Wesen anzudeuten. Bei 
Dionysischen Religionen im dritten T heile mufs doch 
vou ausführlicher die Rede seyn. 

Ist aber Zeus die Einheit , so ist er auch zugleich 
die Vielheit, indem diese in der Einheit begriffen ist. 
fllii andern Worten: Zeus, der schon zu Dodona und 
in Arcaden vom Dionysue liaum unierscheidbar war, 
ist zugleich die formenreiche bunte Natur oder Diony- 
sus, nämlich er ist es potent iä, nicht actu. Die Na- 
tur, als werdend gedacht, entwickelt sich (wie auch 
viele alte Philosophen eine Drciheit von Weltpotenzen 
annahmen ) in einer Dreiheit von Zeiten. Dies ist das 
alte natürliche Jahr. Darum hat Zeus ;.!s Jahr auch 
drei Gesichter, weil er das in die drei Jahreszeiten ge- 
rn dncle Jahr bezeichnet, weil er die Ordnung ist. 
bat die gr<>i\e Eiulheilung (iiolfa) , und ist es selber das 
Eintheilungsprincip kalendarisch gedacht. Dies stellt 
sich nun in der Gretensischen Theogonie folgender- 
maßen : Zeus hat drei Töchter, die Hören ('ßpai^ 
welche er mit dem Urgcselz, mit der Theims , erzeugt 



icht 



das 
eilt 



493 









At'x>7, das R echt (als menschliche»), Etvofii'a, die 
Gesetzmäßigkeit, das Wohlgeordnete in der Ge- 
setzes|>ilege , Itnd Elf r t vr t , der Frieden, der nach 
(jcin Sommer, wo die Kriege geführt werden', eintritt. 
In dieser Hinsicht beiffM Zeus M oi f>u ^ttj g (hoch- 
»ter S cli i eh s a 1 s I er» k e r), der Gesetzgeher der gro fsen 
Fintheilungen, welche sein Werk sind. Diese Hören 
sind, wie hemerht , calendansch griffst . die drei Jah- 
reszeiten, und elhisch genommen den Titanen, jenen 
blinden, regellosen Natu ihr allen , den Feinden aller 
Ordnung, entgegengesetzt ; sie sind die geordneten, 
gleichmi'fsigen , in einander übergehenden Strebnngen 
in der Natur, die Ordnungsstil'terinnen, die ßefürderin- 
nen der Cultur und des Ackerbaues 1l ). 

Ehe ieh -weiter schreite in der Betrachtung des 
Zeo» und seine Idee weiter zu entwickeln suche, hann 
ich nicht umhin, wiederholt den allgemeinen Satz ins 
Gedacht nifs zurück zu rufen, dafs es der Orient und 
namentlich Kfcinasien war, von wo aus Griechenland 
riele Vorstellungen und Bilder von seinen Göltern und 
deren Verehrung erhielt. Dort in I'leinasien, bei dem 
kriegerischen Volke der Garer t die sich auch mit den 
Griechen vermischten, hatte man einen Zeus La b ran- 
deus (Aa^poutftic). Der Name kommt wahrscheinlich 
Ton XaSpvq , die Kriegsait 4>r ) ; denn ein kriegerische» 
Volk denkt sich seine Götter als Krieger. Es war dieser 
Zeu» der Garer ein kriegerischer Zeus, ein Krirgsgolt, 
in seiner Idee dem Mars au vergleichen (Ztv; axpano.). 
Dargestellt wurde er als ein schöner, bärtiger Mann, 



44) Man vrrj;l. oben (Th. I. p. 165 f.) die Formeln dVrAtlie-* 
niensischen Gt-hete zum Juppiter Pluvius und zu den 
Hören. 

4i) S. JaWonski de liug. Lycaon. mit Te Waters Zusätzen 
pag. »7. 



4o4 

mit der doppelten Streitaxt in der Hand *). Es ist aber 
im Grunde derselbe Zeus, der auch unier dem Namen 
Chrysaoieus nnkammt, woraul ich beider Oreali- 
schen Religion zm ückkoniiiien weide. Er ist ferner 
auch derselbe mit Ztr-v dx^toq und xtpantn s , der auf 
der) Hüben thront , und von hier aus Donner und Blitze 
sendei , der durch seine Donnei keile die Wolken zer- 
spaltet, und in starben Regengüssen herabfahrt (Zev{ 
xwtatfia.Tr,*, 4I }, Juppiler pluvtus) , in Regengüssen oder 



46; Die Angaben hierüber , so wie die weitere Ausführung 
der in dtrarm kriegerischen Zriit, der Carer (ganz ähnlich 
dem ZtJft "Af.s*o; der Euiroitn , bei Plu>arch. lArrh. 
cap. 5 ) enthaltenen Ideen und Vorsit Mutigen , folgen im 
vieriin rheite ve-rgl pag. 12 ff der ersten Au üjj.>. Ich 
will hif r nur einige Citale zum Nachlesen beifügen ! HcH 
rodoi. V ll Q . mir den Auslegern ; vtrgj. jezt auch Siebe- 
lis ad Demonis Fiagtnm. p. 21. K2 sq. 

47) S. Pelri Rurinauni Jupiter Fulgeralor, Eeidae t73 '•- und 
meine Mt-Ietemm Tom. I. p*g. '3 — Erinnern »ir uns 
hierbei , dafs der Winter als ein kämpfender Unhold und 
Dämon Hriivreus genommen (oben Ji pag. 42)). , d.ifs 
Juppiter als der liroffner des neuen Jahres im Frühling 
vorgestellt ward ts. vorher), und dafc im ältesten «MUw 
anfang , im Frühling , die Völker zu Feld»- zogen, dann 
wild uns dpr Zusammenhang dieser Vorstellungen von 
cm-iii Juppiter, der Anführerin Kriege ist, weil er 
Kröflner der Pforten desJahres ist, begreiflich »tnlm; 
Vorstellungen, ohne die auch der rettende Jnppiter 
pluvius an der Autoninischetl Säule so wenig ab das 
Seh liefst n di s JanuMempels beim allgemeinen Frieden 
vendändlich sind. — Hierhergehört Zfii« der Alfter von 
Friede und Eintracht, von dem ■*< olisrhen o^sA-cv <d i. 
JTc c'utvcijTiHiv hm */kwmov g» nannt *()fj»e>u'i'j;. Unter diesem 
Naiiien w,<rd er in Bootien, besonder» in Thebtn, aber 
auch in rtiessplien verehrt. Es gab auch ein Fest Ho-» 
moloia Auch Cerr* und Fan werden mit diesen Kpi- 
theten bezeichnet i,s. i^holii Lex., pajj. 843. öuid. in I 




4-J5 



milden Frühlingsregen , welche den Schnee von den 
e^'gen berabschwemmen und die Erde befruchten. So 
ird er endlich zur linden, lauen Luft , welche Frucht- 
rkeil bringt, und so hiefs er z. D. beiden Cretern der 
de, milde, sie bestückende , ihnen Heil und Segen, 
Hause Fruchtbarkeit» im Ft-Ide Sieg verleihende 
Cutt, r t 7tia<i 4S ) ; aber den Andern, den Feinden seines 
geliebten Volkes, ist erschrecklich und furchtbar, er 
schmettert sie mit unwiderstehlicher Macht darnieder, 
rächend sein geltcucs Volk, dem er der milde ist. In. 
dieser Beziehung , als eine den Feinden furchtbare Macht, 
heilst er dann Zti'S 'AXaor-irwp (vindex), ein bitterer 
Genius, Trixpi^ Aaitiojv, wie Hesychius dieses Wort er- 
klärt 4''). Als Juppiter ultor ('AXäcnrop), als rächender 
Gott, ist er Zti-^ M^o-xcap, er sendet den Feinden paui- 
»cKen Schrecken und Furcht, so dafs sie gescheucht vor 
(einem Dräuen fliehen 50 ). Seinen Günstlingen aber ist 
nZtvq &4*ioq 51 ), d.i. der die Feinde zum Weichen, 



und dazu Reincsius und Müller in Observv. pag. 1S5. 
Scholiast. Thcocrit. VII. 103. und dazu Kieföling p. y.S. 
und Siebtlis zu Istri Fragmm. p. 56. 57. 

h$) S. Etymolog, magn. p. 431. Zonaras Lex. gr. p. 1001. 
Nicetas in meinen Meleiemm. I. p. 18. 

4$) S. Hesychius l, p. 219. und daselbst Alberti. «*MfH d. i. 

herb, buter, scharf, wie die zweischneidige Akt, 
die er führt. 

JtyZfJ? RI^TTuif (poßoto, Iliad. VITI. 22. vrrt;b mit an- 
dern Stellen, z. B. ibid. 10S. VT. y?. S. Duiiiinü L*x. 
Homer, p. 1 ibO._ und Apollonü Li* Homer, p. 459 Toll. 
Er beißet aber auch ah rbrather l&fraip, Apnlton \.-x.. 
Homer, p. 669. und Heyne Obss. ad Und. IV. S28. VII. 
366. und VIII. 22. 

H) i 3uv«/x«voc ircttjeai $«71^ röv k/vSuvov, Fbile- 
mon. Lex. Technolog, p. US. Li weiden daselbst noch 



49*5 

zur FInrht zwingt, der seinen Getreuen, wenn sie 
]\.»lh sind, wenn sie eingeschlossen nicht mehr xu 



fli»-lifn und der Gefangenschaft zu entrinnen \cr 






duich seinen hingen Raih dennoch einen Ausweg ber« 
tf t und sie so rettet. Indem er aber rettet . indem 
Ton Knechtschaft befreiet , indem er das Sclavenjut 
zerbricht, und die Fesseln der Nationen löset 52 ) . ist 
Z e r c. eXerSepioc, Juppiter Liberator; »ber 
auch im höheren Sinne der t welcher die Seele au« dem 
Kerker des Leihe« befreit, welcher sie aus allen Müh- 
seligkeiten des Lehens hinüber in ihr wahres Yaterlaod 
zurückführet 5 *). 

Aber jener Zeus Wloiyapixrjq **) , den wir eben als 
Eintheiler und Ordner dtr Zeiten und Vater der Hören 
gesehen , ist auch Schicksalslenker, aber tnehren- 
tbeils nicht sowohl Entscheider und willkührlicher Spen- 
der der Schicksale , als nur Auslhciler derselben , Ver- 
leiher dessen , was die Motpu unabänderlich verfügt hat 



mf hrere Epitheta des Zeus erklärt. Ueber den Z. 
hat der Schoüast des Apollooius Rhod. IV. 699. L>» 
einstimmendes. Auch führte Zeus den Namen 
weil die mit einer Blutschuld Behafteten zu ihm flüchte- 
ten Kuhn zum Pausanias II(. 17. p iS2.). 




52) Pausan. IX. 2. 4 und 5. Piodar. Olvmp. XII. t. und 
cobs Aniraadw. ad Antholog. gr„ T. VF. p. - 



:tere 



53) Lipsius ad Tacit. AnnaL XV. 64. und XV f. 35. Ihn 
war nun der Begriff Zeus des Retters ( «cr»} v «o; ( , 
c-uittj^ ) manchm-il n3he verbunden. Ueber d.is letzt« 
Epitheton s. Oberhaupt Pausan. IV. 3t. 5. Aristoph. Plut. 
b7S. 1176 und Wesst linsr ad nindor. Sic. IV. 3. Auf die 
politische Idee des ZrJ; iktuSfftPt werden wir am Schlüsse 
hinweisen. 

54) Pausan. Phocic. (X 1 94, $. 4. und Büuigcr Kunstinyüio- 
logie des 'Ztus p. -. ff*. 






497 

^vergl. oben II. p. l\5"j. die Homci ischcn Vorstellungen); 
er ist das ^cil-zeug einer ;dlwallendi«n hüherrn Macht, 
eines unergründlichen blinden Fatums, und in dieser 
Ü4 zichung b eilst er N t (u o t w |i , welcher jedem zu- 
theiiet , was ihm gebühret, odt-r auch Tajxia^, der 
S c li aH*n e r , welcher ein ihm anvertraute* Gut ver- 
waltet. Die Macht aber, welche (in inderer Bezie- 
hung mit ihm identisch , in. der gewöhnlichen Vorstel- 
lung ihm übergeordnet) ihm dasselbe anvertraut, i«t 
die Müljia , die über Alles herrscht und Alles bestimmt, 
die den Zeus nur zum Vollstrecker ihres Willens ge- 
macht hat. Zeui hat nur die Waagschaale für Ssi Le- 
ben und den Tod der Sterbt eben , er kann im Hample 
blos die ßeelenwaage prulen , um zu bestimmen, uer 
sterben und wer leben soll. 

,, Jetzo streckte d r Vater hervor die gnMrne Wage, 
Legt in die Schalen hinein zw» i finalere TodeSloose, 

Dieses «Km Peleionea und <ta* «i-m reifigep Hektar, 
Fafete die Mi«' und wogi da Isstete Hektar** Schicksal 
Schwer zum AYdeS hin, es verlieft ihn Phübos ApoU 

tuu'* 55 ;. 



55) Homer. Iliftd. XXII- 209 iE. nach Vol* ; s, ebendaselbst 
VIII. by. und meine Note ?u Cicero de N. Ü. I. 15. p. 
6h seqq. Nlmlich dss Fdlum halte in seiner dopprhrn 
Beziehung zwei Symbole , wdebe rht PhifofeOpben von 

den tbeulogibchen Annl ti ÜeS Juupiter < n lt Innen. 

Als Gsupsalfl xus drr wirklichen Dinge betrachtet ward 
es durch dje goldene Kette d»s Zeus eXuntj Version* 
licht j als Verhangnifs , oder als riati unht-greil liehe ads« 
tbeilende Prmeip (pcTga), durch die W a«£tehaal*i) d-*s 
Zeus (A104 räiwjra oder Ai; i-*;*). Diese Ideen wur- 
den auch astronomisch angeschaut , und daa Zeicneii 
dt r \\ ddge am (limine) wurde lutd Aäoj, Justicia , fce- 
nanm , bald AmiJj, J up pit» rs und rier I he m i s 
Tochter (Hygtn. poci. astioiioni. 88, pjg, i?7 ataver. mit 
den Auslesern;. 

IL 3* 




■Verden 5 *) , eröffnet lieb 

treibe, die wir erfassen müssen, uro den Zeus »1 
den idealen Mittelpunkt des panzen bürgerlichen Le 
zti betreuen. Der Begriff', wonach Zeus als König 
gedacht wird, bat sieb aus dem des Hausvaters un<A 
Hausherrn organisch entwickelt, wie aus dem P** 
triarchaJtegiment die Griechischen Vorstellungen vondc** 



. 



*ieJe, 
HM n 



56) Es wurde oben (Th. T. p. 166. not. 277.) bemerkt, <1j 
Zeus vorzugsweise Vater in Gebctsformeln genannt 
Ward. Darauf sollie man doch um so mehr achten, je 
\\t Ifillliger die Erklärungen sind , welche man bis auf den 
heutigen Tag von dem Namen Z«uj und 7,-Ij versucht hat 
(s. oben 1. p. 170 ff.)- Wir werden gleich sehen , dafs 
l'loio in dit-M-m Ndinen ganz vorzüglich die Bedeutung 
des Lebens findet. Und ich möchte wohl Jeden auf- 
fordern, litien Begriff anzugeben , der allc-s das Viele 
was der Grieche in seinem Zeus sieb d.ieiiie , ersc 
pf..nder darstellte; aber man vergesse auch den Ni 
Ait, nicht, so wenig als Plato ihn vergibt. IkiJes nun 
zus.immengL'falst , was wird man in der Kürze Bt 
sagen können , als : Zeus war eben das waltende L 
b e n beides der Natur und des Geistes? 

57) So wie uv^t 2, B. in dem Gebet des Acliilles (llial. X' 
253 sqq.). Anch ward er in Eidsformeln zu Athen 
genannt. Auch hießt er Iva- «v«Kr»v ( Aeschyl. Supplic 
vs. 531.). Zuwrilr*n werden beide Alpdrücke •*•* In 
ßaeiXtJ$ Verbanden gebraucht (Aeschyl. Pers. vs. 5. vgl. 
Spanheim zum CaJiimaoh. Jov. v*. 2.;. Bei \0Wr4 
Zi us im Athen König genannt; veigl. Spanh. ad 
■loub. llut, v*. 1096. 




499 

uigcn selbst. Man könnte sagen , in dem Namen Anax 
vnni Zeus ganz besonders «fr gebraucht , liegen 
noch beide Begriffe in ihrer ürspi ünglichkeit verbiin- 
ul \% tollte man auf die alt - Attischen Anaces 
lortc), welche auch Ehegütter ■waren, verweisen (s. 
ben Th. 11. p. 34o.)i so litfse dies sich noch mehr he- 
Uigtn. Hier will ich cirige andere Andeutungen nie- 
Jerkgen : Ben Gegensatz bürgerlichen Vereins erblicken 
rir in der Schilderung des Cvclopischen Lebens beim 
lomer (Odjss. IX. 114 (T.) : 

— — ,,und jeder ricWl nach Willkühr 
Weiber und Kinder allein; und niemand achtet des 

andern. " 

Zustand der blinden Gewalt und Geislloslgkcit (aro^eta, 
*ie Kronos denn wirklich von den Alten gedeutet war 
— es war die blinde Zeit und die blinde Gewalt der 
Jrwelt). Dieses Wallen ( 9-*moT*ruv) der isolirten 
hasvä'tcr nennen die Griechen t teilend rh alroxga-r ti- 
<r&«i (Eustath. zur angeführten Stelle) t und setzen ihm 
da« Hoivfi 3To?.iT£vea2 , ait entgegen. Letzteres wird nun 
*nmt in den Zeus gesetzt. Auf die rohe sorglose Oeko- 

und Zeus ist der erste 
Auiq , d.h. er ist Buigherr, worin nun die Bc- 
Tifle des Hausvaters und di-s Regenten (B ünigs) 
ch verbunden sind. Von dieser Vorstellung eine» 
ten Hausraters und Ilanshrrrn entspringen nun alle 
•^geleiteten Begriffe des Familien und Bürgervereins, 
tind der Gedanke an Zeus lebt und wirkt in ihnen alleu 
fürt. Er ist der Mittelpunkt der dreierlei Arten von 
Gemeinschaften, die die alten Griechen als ursprüngliche 
**>zlen , derwäxpo, der <f't»aT£ta und drr (pvX^ (I)icaar- 
c ^us ap. Steph. Byz. p. M2 Berkcl.). Ich will hier nicht 
'n die verschiedenen Bedeutungen, die sich nach Zeit 
"amen geknüpft haben, weiter ein- 



5oo 



geh>n (Man Tcrgl. darüber die Scholiasten des Pindjinu 
Pyih. VI. 5. und die Ausleger zn Ncm. IT. 79, und Miib 
]er in Ae;; ; cticis pag. i38sq) — genug, im Zeus all 
?r<>?.ier. urd narpünq weiden alle Rechte und Pflichten, 
die die Mitglieder der phratrien, der Phvlae, der Ge- 
Bchlrrfitt-r ijiir.) gegen einander zu beobachten hab«, 
gleichsam Verkörpert ; und so nimmt der Gott von die- 
ser Familien- und bürgerlichen F.inthcilungen mclwcrc 
Beinamen an, Auf dem Grunde dieser nitürlirden 
und volltsmtifsigen ItegtifTe erbauten nun »uch dJePi** 
losnnlien manche ihrer Lehrgebäude. In diesem Sine* 
rede« z. B Plalo \n\n Zms als Vater und all Ki- 
Im Cratylu«, wo der Philosoph die lYamen Zets und ^ 4 
erklären will . sagt er: «Die Einen nämlich nennen in« 
Zeus, die Andern Dis; stellt man aber beide zusammen» 
dann offenbart er uns das Wesen de» Got* 
tes, welches ja eben, wie »vir sagen, ein Kamen Mw 
ausrichten liunnen. Denn keiner ist für nns und 
Alles insgesammt so sehr die Ursache de* 
Lebens, als der Herrscher und König über 
Alles» (Piaton. Cratylus p. 3,6. p. 45 Hdl. ). Wk 
nun aus der einen Grundidee des Zeus als des Lebens- 
(j u c 1 1 s das Dogma von der Welt seele g»nz I 
recht ( und auch i<n Sänne der morgen kindischen ' 
stnlehre) entwickelt « i » d , eben so folgerichtig bild *l 
sich nun aus der Vorstellung Zeus des Königs die an- 
d< if Idee von einer feostnis< ben Intelligenz oder von « 
allgemeinen höchsten W e 1 1 g e i s t I Is demjenigen, 

worin wir den Grund erkennen von Allen, was i 
Natur, in der Folge der Jahreszeiten und in 
Woltlurdnnng der natürliche!! Dinge vci nunltmifsig 
scheint, tn diesem Sinne bildet Platu im Phil 

|7 si'«[. Bip. |>. 1-1 sei]. Beiher. ) seinen Zeus aus, 
Emli "• w unter andern sieh $<> ausdrucke : «Somit *ir*i 
Du s-gtn müssen, es lebe in Joppitcr eine ltöni| 



5oi 

Seele und ein königlicher Verstand» ( Satnlixiiv 
fttv $v-/i;v % fiaotXtxov St. rovv). Aul dir st' und ähnliche 
e wurde das immer weiter fotgehildclc neu- Plaluni- 
»ehe D.^m.i vom Verstand als IUuiig («'«>is fJauiXt''-) ge- 
gründet. Beide Begrißsreihen beruhet**!! auf m imt.tli- 
sehen Anschauungen , die «iroben hei «Jen Aegypto-chen 
und Asiatischen Religionen angedeutet haben. Hier 
■11 wir nun die populäre Vorstellung vom Grie- 
ben Zeus als Hausvater und als König in kurzen 
Umrissen andeuten. 

Zeus, durch Hhcas List vor der verzehrenden Ge- 
walt des Hronofl geborgen **) , wird zwei Amtneu anver- 
traut, der^lt»; ( \ndere "1<?»,) nrul 'Aüyao-Tnu. «Es ge- 
,.l»er die Alien, sagt Platarcbuf, dem Zeus zvwi 
Ammei , die ]du und Adraslcia , gleichfalls dem Apollo 
zwei, die Aletheii und Itoiyihaleia, Dionysos aher hat 
mehrere, veil dieser Gott auf mehrfache Weise erzo- 
gen, gebildet und seine Natur gemitdei t werden mufs » *"). 



58) Die Utnsfäntle von Jupptteri Errettung durch den unter- 
gt scliorit-iui) Slrjii Wurden nhtn (II. Th, p. \3b.) nach 
der Tlitogonir lirnurkt. Horln-r gtliürt j*« folgende 
Sldle iin LrXfC. rli'tor. (in Htkken Anfcduiti urnece. 
Tom. I. p J. I i . BarrvAof A&ot* eC'-u; initttre i tt 

«ivri tcj Ai ; j%, v,t K l ri rvAeV .vri vv* '$3at. \-i-f. 

oben Th. I. p. 170 F. JuppUcr wunt«* aueh sill'M ^ts ein 

Suiij Verehrt. J).<S «jf dir Z.j; I-J-i:^ , als iinloriii- 

liclor, wohl auch kegelförmiger Mein vorgestellt (,s. Ja- 
eobi ober den Rrichtbum <«ti plast. Kuostw. p. 48 f. und 

Millin Galerie mytlmlog. lab. X. nr, 4u , »<> .ti-ppilcr 
jus ai» Stein im Peristyl tincs Tempels abgt bildet ist 
nach VailtanO. — Urbrr den Juppiitr Idäns veigl. man 
die Ausleger lOtn Pro perl ins MI. 1. 27. 

)) Plutarch. ftympot, III. y, p. 657 E, p. 6hi Wytteehy: 

l^>fv (Andere "Inj») v.ui rij-j 'A &% d <r r « t a p • a«t>*i 3i 
x." tcj 'A«*VXttf#( Wo, tijv "A/>;-<.iiv Kai nfa ffntm^iiA nfint ' 



5oa 

Auch Callimachu« singt : «Dich schläferte ein Adrastea 
in der güldenen Wanne» M ). ISicht minder bemethens- 
werth ist die Stelle des Proclus: «t Der Demiurg, wie 
Orpheus s-ig( , wird von der Adrastea aufgezogen , mit der 
Ar.artLe ahei zeugt er die Heimarmem' » 6l ). Lieber diese 
"Yerhindung erklärt sich Z<. ega in den Ah Land II- p. 54. so : 
« Die Ordnung der von den Menschen unabhängigen Dinge 
i t der Grundbegriff von Allem. Sie, als cni»es Ge- 
setz gedacht, heif^t eigentlich Tliemis, als das We- 
sen der vollkommensten Gerechtigkeit , IHhe, als» ab. 
gebildet in der Schönheit des Firmaments, Adrastea, 
als nothwendig und unveränderlich, Ananhc, und als 
scheinbar zufällig und wandelbar, Tyche». Ferner 
(pag. 56.): «Gehen wir zurück auf die Geschichte des 
Bildnisses der Göttin von Hhamnus 62 ) , wie ich sie ge- 



teu ii Aisvv'wj T>t«ova^ , cn 3s7 rov 5sJv toütcv frj -xk&ioct fxi- 
T|Sii, wfifyjtv rt$a9ctMvfimwv xa< vatisxjGjxcvcv f tftiaewrtfov toiwj 
xai <p v .ew/».-ij;cv. Pattssnias Arcid. cap. 47. 2. kennt aber 
doch mehrere Ammen des Z< ms , daiuiiur die N e tl a 
(Nöa'ij s. meine Anmi rknng zu Cicero de N. D. III. 
31. u 5 l j:. Von der Adrastea werde ich in der Folge tu 
der IIerodoltiM;heii Sttllc I. i^. in den Commentt. Hero- 
doli. genauer handeln. 

60. Hymn. iu Jov. 47 sq. 

— — 0-5 54 KOJJUMW 'A&tfCTBIJl 

Hier bemerk« der Scholiast, rtafs die Adrastea Schwe- 
ster dl «I Cureten sey. Vergl. auch Spaftfrän «u 
dieser Stelle und Zoega in den AbhamJll. h< rausgtg. von 
\\ ticker p. 4l ff. i>. 6(1 £ 

ßt) S. Proclus in 'lim. V. p. -^23: l S-jn/cuf-ye; , a; o ' Oftftw lt, 

lf-<*(, f-ft(ftf)4HU p» -J-' r*, 'A j_- inVat , TJWJTl 8* rjj 'A>-i-yK>, 
7. äi tijv E.u^.utvijv. 

62) Vertjl. auch ^uiilas in 'Fcpvstjcrta N^Atfri • 'iSjJffaro &i wJr^v 






5o5 



cfunden auf den Säulen des dritten Thot, Bruder de» 
Thol , den die Grieche» Asttlepios nennen, Unter den 
»hebten Gottheiten der Kebropjden war Athor odi-r 
Adra , die ihher Adrasleia genannt haben , dio 

Mutter ds M »iide» und der Dioscuren, Tncliler des 
Oke«no«, und *>ic bellet die Nacht, nicht die Göttin des 
k&als, sondern die Mutter der Sehichsals^ötter , aus 
deren Sehoufs Phosphoros hervorgeht, und Hesperos 
^»'»'seiikt sich in ilne Arme, und um den Kranz ihres 
Hauptes kreisen die Hirsche der |oi "). Wiewohl die 
Hauptideen Zoega'a gewil's richtig sind , so sind mir doch 
*'nige Bemerkungen eingefallen, die ich dem unpar- 
teiischen Leser zur ßeurtheilung hier vorlegen v\\\. 
»o mufs ieh vorerst fragen , ob denn Jene 'Ad^do-zna 
to *i dt u Griechen nach ihrer Sprache "nd ihren ßegrif- 
'<'t\ nicht so gewendet war , dafs. sie diu Ralhschläge 
«o r Menschen rückgängig oder vergeblich 
^öcht, zumal da dies im Begriffe von aSpuoxaq lie^t? 
"^mer nennt auch Apollodorus (I. i, 7. p. 7 Heyn.) die 
* ^?I neben der Adrastea als Tochter des Melisseus und Jup- 
?*tcrs Amme. Sollte nun dte Lesart der HaiuUchi iften 
,r * «ler o.a. Stelle des Ptutnrchus richtig &eyn» «omiifsteman 
8r »Tnhmen , es habe eine alle Form irn^ gegeben ffltr die 
** •ehberige it^s 1 d. i. unternehmend, dreist, un. 
e r*ch rocken 63 ). Al&dann lwin;e der l»oppelbegiiff 



64) VereJ. auch paij. <ll. ebe-ndaselWt , wo er V»n der Aefcyp- 
lischen Athor und »00 der Alaroth in l'hönicit n ,, mit 
dem At-gyptiiclien llattptbegriffe der Nacht, als dir Mut- 
ter aller Dinge" «bricht. S. Symbol. I. Tb« p. 5i9 ft'. 

64) 8. Plato Sympos. cap. ?•). p. 61 Äfft, «fad dazu die Scho- 
ben p. 4S Hulutk. , wo es durch S*<r*V< ciklärt wird; 
vergl. Aristotrf, Problem. XXIX. 1 wo es in guiem 
Sinne genommen wird , und Schimmer Turae novit«, 
in PhoiÜ Ltxic. p. 66. Scllpffi Specim. nov, edit. Photii 










sehr passend heraus : Tt*t die Unternehmende, 
Thut befördernde; 'AS^äaxtta. die Hindernde, 
Rathschlage r ü c U g a n g i g mac h ende, sie zer- 
nichtende. Diese beiden w idei strebenden Kräfte 
-Herden also dem Knaben Zeus zugesellt. Denn dieThat- 
]ust (,"W>;) besehliefst Manches zu rasch, was rückgängig 
gemacht werden mufft, was, obgleich es geschehen, un- 
geschehen gemacht • dessen Folgen völlig aufgehoben, 
■werden »ollen (\-\A^a«jTeia). So ernäehst der Knabe 
Zeus, von Ite und Adrastea auferzogen, er besteigt den 
Thron seine» Vaters Kronos, er wird Vater der Gölte 






Lex. p- 127. Es würde mich zu weit führen, wenn ich 
die Mythen vun der t£r Ziehung des Zeus bemerken 
Wollte, Der Leser wird beim Spunheim zum Calliinachus 
in Jov. das Meiste beisammen finden. Anderes mnis ich 
im Capitel von Her Ceres und Proserpina ohnehin be« 
rühren. Der genannte Ausleser drückt sich zum vs. -i7. 
einmal etwas sonderbar aus: — et lilam , ut ibi legitur, 
seu Nedam, al> ob er nur eine Variante darin eikeimen 
wollte. Doch nun vergl. denselben 7u Vers 33. — Die 
andere durch die Handschriften gerechtfertigte Lesart hat 
Wyitenhftcb beibehalten. Dies ist sehr-zu billigen. Wahr« 
seh- inlich war auch diesrr mysteriöse Name, wie die 
meisten die« er Au nach der Mvsterien Weise, vieldeu- 
tig. D< i" erste natürliche Gedanke bei dem Namen war 
an iirt ^ Waldgebirge Irfa ; wie ja auch Hesiodus den 
andern Berg ai Plirygirn malt (Tbeog. I0ü9. "i^t, — tffcs» 
, und HefodotUS tVIl. llt.) braucht das Wort <3»j 
im Plural und sppellalivisch su. Das waren naillrlicl)e 
A llrjjurien ; Zeus, das Lehen der Natur, hat einen 
Fluft Neda und ein W'ahlgehirg Jda xu Ammen, erzieht 
Seine Lebenskräfte aus liolur Luft und Bäumen und aus 
Quellen — Sprach und schrieb man aber dm Namen an- 
d» rs , so konnte man in der Amme I te an die Kraft und 
(legeist M*nng denaettj die su kühnen Thaten antreibt. — 
Man sollte immer, wo möglich, die verschieden» n Be* 
giüFu »oleht-r alltu Namtu neben einander hinstellen. 



Menschen , wo ihm dann zur Seite trelen : Kpdvo$ 
[dBia. Kraft und Gewalt 63 Ji » die auch dein He- 
/.ur Seite stehen, aU er den Prometheus en- 
det. Mit diesen Gewalten h.it sieh .luppiter als 
iter Gerichlshalter umgeben ; Ms König i-.t er Auch 
eile von allen K ö n i » s r e c h t e n *•). Denn 
jdaf« di c Könige auf Erden Quelle des Rechts und der 
•*.e sind, dafs sie das Scepter fuhren liö'nnen , das 

Verleibet ihnen Zeus, der Kdnta der Könige. So lo'fst 

Huiih ins den Achill von seinen, Scepter sagen: 



*>jj S. Aeschyl. Choephur. vs. 212. Callimach. Ilymn. in 
-lov. 67, 

I .!• Elemente des Griechischen Kömgsrechis bestimmte 
der Pytbagoreer üiotogenes (apnd Sioh. iSerm. XLVI. 
p.J2y ■><!.) bündig so: Dem Kör ige komme zu die Kriegs- 
fülnung (ts oTQ a inj y üv , die Gerich ff Verwaltung (« i««;. 
**)iv.) und der Gottesdienst (*d 5faanrtüM» ml( 5w^), Dafs 
dies letzte nicht uneingeechrlttkl zu verliehen i.st , darüber 
belehrt ans Aristoteles (Poh*t. III. ll cap. l J p. VIS ed. 
Schneid.). Nämlich gewisse aufst Tordenttiche Opfer, 
QelQbdeopfer , mochteu die Könige verrichten für die 
ganze Bürgerschaft. Auch ist es st-hr natürlich, d.i fs sie 
den vaterländischen Heroen und gewissen Stammgöilern 
«' rdtn geopfert haben. Denn wessen Opfer sollt«" <-ie- 
St n »ollJgt t.ilügf r srin, al» das dtr Könige, die ja als 
Nachkommen dieser Götter oder Halbgötter gellt ft. Es 
hing hier Alles an der > Jt e des Erbrechts. In letzter 
(Melle Hofs ul^e Königsgewalt Aj45i«j von Zeus, her 
(Aeschyl. Agamemn. -iJ sq.). Das Königthum war Jup- 
piters Tochter (Att's Bvy&nß >j BccSSiXsül , Schul. Aristoph. 
1 vs 13(0.) , und die Formet , welche ll< indoius von 
italischen Königshäusern braucht (vorf -ra^a txt^ 
lil>. I. cap. ?.), hatte ihre volle An- 
wendung au» das älteste Griechenland. — Allenthalben 

auch hier ErbkönigthOmer («*t{ .'• u Thueyd. I. 

l.t. i'<i<|. Schul.) — die alle mit tinander vom König Zeus 
odtr von diesen Söhnen j den S(ammheroen , ausflicken. 



5o6 

— — ,,und edtte Söhn» Achaja's 
Tragen ihn jezt in der Hand , die richtenden ^ welchen 

Kxunioo 
Seine Gesetze vertraut" — *"}. 

Als aber späterhin die Könige, die Stell Vertreter dieses 
teil Honigs ani' Erden, abgeschalYt wurden, und 
die. Hellenischen Staaten sich gr« iffrcntheiis in \i r 
hratien oder Demokratien verwandelten, so blieb dot 
auch in diesen freien Staaten Zeus in der Andacht der 
g'auhi cn Hellenen als ä'l ester Stadtltünig und Burg- 
herr (wie z. B. zu Athen als TtoXreü*; , als R'Am»- 
£oc. **) lebendig. Er selber sollte nun die Stadt sihfTz- 
jcen , er selbst die OLhut übernehmen » denn er ist kraft 
seines Kiinigsiechtes der gro(\e Aixas-ifiÄoc, nicht blos 
Gesctzcs<iuelle , sondern auch Gesctzesausiührcr, 



67; S. Uiad. !. 238. 

— — uüv aüri fxtv uTJ; 'AjfJfcü» 
fj (po^'j-3* 3fX3;TflAe< , o i t f St'/Jt ta r «^ 
t [. o 5 A i e ; giflSarat* — 

FergL.Hamerisubc BrieFe p. 81. 22. und Calliinachus 
in J«v. IV f »,tk M A*4; jBar t Aif < t " crc.) nebs>t Spaii- 
heinis Bern rkimi*< n Dalier Runter (^■^') beim He- 
•iudua Küiii^l- [ßofAtii) L(it>en» 'EfY- vs. *02. und in dtr 
Haup&tellt- , die hierher recht eigentlich gehört, wo vorn 
Zeil*". getagt wiiü , von ihm gehen die geraden Rechts- 
Spruch* dm Ltoitn aus l'£;7- 3$. vergt. die Scholien). 
Hiermit häti^t nun die Vorstellung vom Juppiler dem 
Aufseln-r ansammelt. Denn wenn auch alle Güiter 
•Vtytw (inspectores) genannt werden (Sophocl. Philoct. 
vs. IOjJ.; , so lut doch Juppiter vorzugsweise diesen Bei« 
Hamen, und ein alter Dichter (heim Stohäus Eclogg. phy- 
sicc. I. cap. h. $, o. pag. 106 Meer.) sagt kurz und Maik: 
»wjj t"iu A/J; £$SoAfa£$ }> Jupphers Auge schlaft nicht". 

68) S. meine Mi letemofc I. p. 17. und Ilcmsierhuis 2U Ari- 
üitjjih. I'ini. p.jhi. üeber diesen Ztv* voXtrSt vtrgl.noch 
PJutaich. Coriukn. cup. d. Vol. II. p. <Ü sqq. ed. Cor« 



>0 7 






in dessen Namen die Richter sitzen und Reel tt sprecht u. 
In die-.«-! Eigenschaft bat er zur Seite dm A *xij ( jus), 
Ate Verwalterin und VolUlreckerin des u .cnschlicl.cn 
!.:s, und die 'Oair,, die Verwalterin di st> göttlichen 
Beclits. Mit beiden onigeben ist er die Rcr' usuelle für 



P 



:bt 



dir ät 



iah l'< testen echt , wie lue das l.aienrrenl 3er i>t.-incin< 
de, Rechtsquelle und Hechl:»gehei' für alle Hellenen. 
Da nun die gröfseste Versammlung der Crtiechen die 
ayopu ist , 60 greifen liier die liegt irTe ein , die der Rö- 
mer mit den Wörtern forum und forensi » verbindet. 
Auch diese waren in einem Griechischen J uppitee ver- 
bot pert. Er hiefs Zfi% öyopaloc, und hatte auf dem 
Mai hie seinen Altar, z.B. zu Athen (llesych. I. p. 6aAlb. 
und dn>elbst die Ausfeger). Diesen Namen fiih vle der Gott 
einmal als Betebutser der Treue und Redlichkeit im 
Ilandfl und \\ 'andel. Darüber belehrt uns eine Stelle 
des Theophrastus (apud Stob. Serm. Tit. XL II. p. iao. 
p. sfll.). Reim Verkauf eines Hauses oder Gl undstücks 
mufsteu liiufcr und Verkäufer beim Apollo I picomaus 
( I nxMuaiov , des Ouarliers - oder ("antonsi :hützers) 
schworen, dnfs es bei Rauf und Yeihauf aufrieb lig zuge- 
gangen. Statt dessen war in gewissen Fallen ei u Opler 
von Räacherwerb (StüUfftttm) mit diesem Eide vor dem 
Zeus verbunden (Si'tiv xuv &QMQV IttI toi" AtuC ») e«aiv). 
Nur unter Beobachtung dieses feierlichen Opfvrcides 
durfte die Obrigkeit den Kauf rinrfgistrtrcn. Hh&r er- 
bliehen wir in den beiden Gattern, die ins v'crbo.rgcno 
sehen, im Juppiter und Apollo, die Garantie der JEhr- 
licbbeit bei bürgerlichen Privatgeschäften gegeben. Als 
\ reteher der ülTenilichen Beredtsamheit. , die auf dem 
Marl.le in der YolI;-<gemeinc gilt, gesellt sich Juppiler 
US seine Tb'chtcr, die Musen, hei. Dies erhellet 
aus dem Orabet an den Vater des Sociales. Jenem 
winde angedeutet, er solle seinen Sohn tbun lassen was 
diesem nur zu thun beliebe, er solle ihm weder Gewalt 




anthun , noch ihm sonst eine willkührliche Richtung ge- 
hen , sondern den natürlichen Trieben desselben freien 
Lauf lassen , wohl aber für ihn zum Juppiter Agoraus 
und zu der, t. Musen Gebete und Gelübde vcriichten ( t.r>- 
jfouevov -i-ji li> aviov At'i ayoqaim xol Moi-aau), sintemal 
dieser Sohm einen Lebensführer in sich habe, besser 
als tausend Lehrer und Pädagogen ( Plutarch. de ger.io 
Socr. p. 58g . p. 377 Wyttenb. vergl. auch Stanley ad Ae- 
schyli £um«!nid. vs. 9,76. vs. 971 Schütz.). Hier war 
also unler den Schutz des Juppiter Agoraus und der 
Musen die Ueredlsamheit gestellt, wodurch Socratesj sei- 
nen Miihür gern die Weisheit des sittlichen Lebens lie- 
benswerth zu machen wufale. — Rathsherren , werden 
wir gleich im Verfolg hören, mufalen zum Juppil r 
^orXu/oc, dem Beretker, and eur Minerva beten. A 
anderwärt t , z. B. zu Sehiius , in Elia, 111 Sparta , hatte 
Zeus Agoaräna Allare («.Taylor, ad Lys. p. 191. p.7'»stjq 
Reisls.). Den Philosophen ist Z< Ul der Anfang, die Ent- 
stehung und die Wurzel aller Gerechtigkeit, al! 
Hechts; nur ans ihm VCrtltö'een wir zu bestimmen, w 
Gut und was Hose: , «as Rechl und was Unre< 
So der Stoiber Chryaippoa in einer bemerlteaawerthei 
Stelle , die uns Plulareh atiibehalten hat , und die ga 
im" Sit ine des höheren Altcrthuins abgelafat ist ' , ). 



byjl Chrytippus ap. Ptuta'ch. de Smicnrnm rfpugo, p. tO.lÄ 
1 Tom V. p. 2 1 8 Wytienb. : OJ yi^- irm luftüv rij; Si. 

-■f-j m TYfr K0(Vlf$ 4' ü u (tu 5 • svT6vS*v fio hki iräv ri 

iw rift 'i r yv i/iij, t! jAiUcj-t-fj ti ibtT'j wji ayo9»» noj 
ikiküv. lieber diesen Juppiter, als göttlichen Hechts- 
körper, aus dem Volksbewuistseyn heiauhjji bildet von 
den Philosophen , s. Cicero de N. D. I. 15. p.70unsercr 
Aufgabe: Idmupie (Chrysippns) cliam le g is perpetuae 
»I aetvrnie vira, qiiac rjujsi dnx viue et magistra otfi- 
cioiuni eil , J u v c m dicit esse. Ebenderselbe de Legg. 



! 



5og 

demselben Sinne eröffnet Dato sein Buch Ton den Ge- 
setzen. Von Gott, behauptet «1er CieN.'ttser Clinias, 
lnH.micn die Gesetze. Rieser Gott Hey Zpus nach der 
Landessage — und darauf Werden, nach des Aiheni- 
»chen GastiVenndes Vorschlag, die Gpaprecbe Über die 
Gesetze auf dem Wege von Lnossus Li» zur Grmtc 
und dem T e m i» e I dos .{ u p p i t e r fcn i gefuhrt (Plalu de 
Legg. I. p. f»a5, p. b Ast. p, itto Beb her. ru ). 

Wir bücken auf den Zeus lloXtii: /.«m'ick , dessen 
Begriff sich allmä'hlig eben so erweilet te , wie die Be- 
deutung der rtöXtii (der alten Burg der Griechischen 
Konige) bis zur Stadt und Bürgerschaft. Die Religion 



II. 4. 10. fpag. 118 Goereuz.): Qujmnbrem lrx vera 
atqne prineeps , apta ud jube-nduui et ad vttandum , ra- 
tio esi reeta jummi Jovis. — Zum Tbcil Bruch- 
Blicke aus der Schrift des Chrvsippus: vom Gesetz 
(ti f i vo peu ), 

70) Daher Cicero de Legg. L 5. U. an jrne Scene erinnert: 
„nl ille Crete cum Clinia et cum Laeeilfleinonio Mrgillo, 
aestivo qut iii.idinodum describit, die, in cupressetis 
Cnosioruin et Bustut silvestribus t c>ebn> insifttenS , inter- 
duiti iCquieftC£n&| de institutis rerum publicarum ac de 
optimis legibus dispntat." loh habe die alte Lesart wie- 
der hergestellt, wie auch Aht und Becker dem Plato 
KvtL<roj wiedergegeben haben. Meine Handschrift Lac 
deutlich Gnosiorum, und die Mlhuen dieser Stadt 
gtben eben so wohl Kvwffftu» als Twxrhi» ( s. Srstini Clas« 
»e« generales Geograph, nunmm. p. 28. Die Form 
roü bei Dichtern und Schriftstellern heutiger.). Diese 
Stadt war der reiche K5itfg*sHt des Minos ( s. Polyb W. 
54. $, 2. und die Griechischen Ausleger nebst Hryne zu 
Biad. W KL 5!H),). Ihr Name ist noch in dem heutigen 
Cnossu Uhriij , aber von d« r alten Herrlichkeit nichts, 
als die natürlich« u Reize und Segnungen der paiadie^i-» 
scheu Umhegend (s. Savary Leu res sur la ürece XML 
p. iy2 sqq.;. 




sammt 
wonach sich alle Bürger wie in einem Familien 
fühlten, niemals gnnz unterging. Ich will hier vo 
Stelle des sogenannten Aiis-tuleles ausgehen. \ 
fahrt, nachdem <r mehrere Beinamen des Zeus 
führt hat, so fort: «Auch heifst er IIoAurf. von dm 
Städten. PwiÄXui^ auch und 'F^xtioq und Ofjö^rto.- und 
11 ycnxL»; von der Gemeinschaft , worin er mit diese« 
Verhältnissen stehtv 7t ), Abu Stadt und Haus itt un- 
ter Juppiters Schutz gegeben, und alle Yerbindunge 
6ind ihm anvertraut, die wir unter diesen beiden Y\ o '" 
ten zu begleiten, pflegen. Gehen wir dem Umfang dl 
Becrifle, wie von dem ;iun>ers>ten Kreise nach dem Mit > 
telpunlite hin , nach , so finden wir dort schon vom An "" 
fang des bürget liehen Vereius die Mitglieder desselben" 1 
in städtischen und ländlichen Gauen zerstreut, und di^ 
Bürgerabthcilungen tragen oft die iSamen solcher gott-** - 
lieber Sehutzherrn, Im allen Attica Tl ) haben die vier*"" 
Tribus (tprXat) unter der Bt^ierung des Erichthonius 
von vier Gottheiten ihre Namen. Sie heif»en Aiu., A 
vuiz , IlontiStäViä, und HfpcuaTiaq. Das waren die * 
grofsen Besitzer des Attischen Grundes und Bodens, U 
Zeus Mar untei ihnen der eiste " , ). Aber er hatte au 
als Gegenstand grofser jährlicher Sühnopfer von d 
ganzen Stadt »eine Huldigungen. Am Ausgang de* Mo- 
nats Anlhcsterion leierten ihm alle Bürger sein Fest, 
Diasia (Aiaotc) genannt i viele nach alter Weise opfer» 



i 



7t; A'istotel. de mundo VII. 5. p. 313 ed. Kjpp. 

72) l'ollux VIII. 9. §. 109. 

73) Bekanntlich haue nachher jede der zehn Aihcnisd 
Zünfte (^ta&ou) zwei C la>s,cn (ffvfxft^Muj. JJie Miij;iu. 
einer söhnen l Lis»e hauen auch ihren Juppiu r. Kr 
ZtCy irju^hi (bcuolia&t. Eunpid. llecub. vs. diS. vs. 
cd. iri&Uh.). 



Ölt 

ten ihm ländliche Fruchte , andere Opferthiere ; und 
wegen dieser Versöhnungsgebrä'nche hiefs Zeus in dieser 
Eigenschaft der Versöhnte (Mu^Mf^ Placat js ), 
oder auch Placator, der Versöhner 7| ). Das Mf ein 
Fest der städtischen Fnmilic. Denn der alte Begriff von 
Haus und Hof war dabei nicht vergessen. Das seien wir 
daraus , weil von der Ei henntnils und Verehrung des 
Zeus Hcrceus ("E^xüo,), d.i. des Zeus, der von dem 
Ipxui,- ( ireptdeAo* ) , von Holraum und HofbezirU , den 
Namen hatte, der Besitz des Bürgerrechts abhing " 5 ). 
Denn zu Athen ward bei der Prüfung der Magistrats- 
peisonen gefragt : ob der Mann ein Athener sey von 
Vater und Mutter her im dritten Geschlecht, ob er Phra- 
toren habe (Mitglied einer Curie sey), und ob er Altäre 
di i Ze«« Pairous und de* Zeus Hcrceus besitze 76 ). 
Nämlich wer diese Religion bannte, der konnte auch 
auf gewisse Fragen antworten, die nur den Eing?wcihe- 
ten dieses mystischen Dienstes benannt seyn lumnle'i '"). 
Die Frage nach der Phratrie oder Curie schlofs diese 
religiöse Gemeinschaft in sich; und in Athen nament- 
lich wufste man sowohl von einem Zti<; tp^äx^to^ als von 



74) Tbucyd. I. 125. mit den Scholl n. \'er%\, Scholiast. Ari- 
stoph. Nubb. vs. 407. und besonders T. Hemsterhuis za 
Lucians Timon. Vol. I. p. dal Bip. Mehrere Stellen fin- 
det man in den Vitien. 1. psijr. 17. Uebtr die lateinische 
Uebersetzunj vergl. man Henr. Steph. Thes. L. er. 1 1. 
p. lfilÄ. Der ers>tc Stier an dem Altar des Zeus Polieus 
solhe unter dem König Ererhlheus geopfert worden ie?d 
C I* jus.au. I. HIH. lt.). Daran knüpften sich mysteriöse 
Gebrauche, die ich im vierten 1 heile bei den Cerealic-n 
beschreibe. 

75) Hyperides «p. Harpocrat. in 'Ef xiTe; ZrJ$ p. 171 Gronov. 

76) Dinarchus ap. Harpocrat. I. 1. Pollux VIII. &. §. SS. 

77) Hemstrrhuis zum Pollux I. 1. p. yoö. 



5l2 

einem Zfi( hxtloq. « Wir nennen einen Zeus Phr&trios 
und Herceus und eine Alhenaea Phralna», lesen wir 
beini Platu ?~). lliese Gol theiten waren Penates publici 
oder Jie Stodt-Pc-naten von Athen *'). In Rom gekSrtOO 
unter andern Juppiter und Minerva auch in diese Güt- 
terclas.e (Livius III. 17.). Wu Menschen nicht schützen 
und hellen können, da sollten sie schützen und he^en, 
und sollten fori und fort das Wachsthum der städtischen 
Wohlfahrt befördern , so wie jeder einzelne Burger 
Ton seilen Haus- Penaten unbegreiflicher (und auch 
■wohl magischer) Weise seinen Hau?>segen erwartete. 
Beide Gntlhciien sollten auch den llathsherrn der Stadt 
mit ihrem Rathe beistehen. Darum hatten sie auch in 
den Ralhsver&arutnlungen ihr Heiliglhum (tepöv), und 
die Mitglieder beteten zu ihnen beim Eintritt in die- 
selbe Sü ). Haben wir nun im Bürgerverein den Begriff 
eines religiösen Familien verein» durchschimmern sehen, 



78) Ze-J; 3' iJjjmv — mütTrou s'fx«ic; — aui (pjärws^ «ai *A- 
ij^arf/i Pidton. Euthydnn. p. 302 p 4U« HJf. 'AStpc 
]e&e »ch hier statt 'Ai/sjvä aus Kusl.ith. ad Odyss. Mi. 
p. 112 Bctil. nach utr Vorschrift der Allen. 

79) Nepos in TbemisiocI. VII. 4 : „ Athenienses suo consi- 
Jio , quod communi jure gentium facere pussent, Deoi 
puhlicos »uostpic p.utiüs uc Renates, quo fscilim ab 
hoste poSM nt de trndere , mortS srpsisse.*' Ueber diese 
liier genannten Arten von Gottheiten s. man J, Fr. Gro- 
nov, ad Statu Sil v. IV. S. pag. w4y. und dam die Anmer- 
ku tg von Hand. 

80) Antiphon «Sfl wS yo%. p. 146. p, 7Sp Reisfc. *u tv au'rw 

( rC> ßz-J f.:/ .ui A « ^; ßa^kalou kii A-v^vi; ßyjkjaj. 
ivri , Kai ±/;/o'vTic ci jioutaura« wj.osti.'^svTa*. VVrgl Scbu 
111 j n n ilf Cunniiis AihriiiniMuiu cip. X. pag. J06 
Pausanias t. j. J. 4. tarnen wir, ei.il's hier rir»i Schnitz- 
bilder standen ; das des Zeus Uul jus, des Apollo und des 
Demos (Volks;. 



5i3 

so hönncn wir jezt mit Wenigem noch bemerhen, wie 
«ich auch das religiöse Band der Geschlechter, Familien 
und Hausgenossenschafien aus der Idee eines gültlichen. 
Hausvaters und Bargherrn , Zeus genannt , herausbil- 
det. Der Zeus Phratrius (Juppi ter curinlis) ist uns schon 
oben begegnet. Wir gehen weiter : Zuvörderst die Ge- 
beten (gentiles) hatten r.n Athen, den Zri>{ 'Epxelo^ zum 
Schutzherrn ihres Geschlechts , und verehrten ihn all 
<Jcn gemeinsamen Vorsteher, nie auch den Apollo Pa- 
trous R1 ). Die Sühne der Gerteion (yevftxai) nannten 
»ich Stammgenosseii (ä^üyvioi). Diese hatten ihren Zivq 
ou.öyjuoc (Aristotcl. de mundo VII. 5. Roheiten, ad Tim. 
pag. iq» seq. Daher auch ein alter Ausleger sagt , die 
aüiktyoL haben den Zeus upiij no + [Scholiast. Earip. H-- 
cub. 3-|'5. vs. Sl|3 Matth.], welches so wohl Brüder als 
nahe Blutsverwandte bedeuten hann) *>-). Eben so gab 
es in den Griechischen StammreJigionen einen Zei?; avy- 
yl9t\o$ (Juppitcr affinis). In seinen Sehn t» waren die 
AI finita tsrechte gestellt (ö xa t>;^ trvpytytiitq älxaiu 
i<popöVy hei ist er in der gleich anzufahrenden Stelle), 
Nämlich wenn die ~tot bpdyvtm als Beschützer der llluts- 
iieurnie gedeicht wurden, so ward hingegen mit den. 



M) Demoslh. advers. Eubulid. p. 1319 ed. Rcisk. und dessen 
Anmerkung Tom. VI. p.ig. 17J. Die ganze Analogie 
Spricht dafür, dafs es in Athen auch ein* Minerva der 
Geschlechter gab. Ich nenne sie, nach handschriftlichen 
Spuren , 'ASijva rntfrtdq "(s. Meleteinm. I. p. 2i eq.;. 

§2) Eine höhet e Deutung dieses Zeus lftfrfWB\ lesen wir bei 
Cicero de Legg. I. 8 : ,, — ininonm ii-c ingeneraium a 
Deo , ex quo vere vel agnatio nuhis cum cocle- 
stilius, vel genus vel stirps adpcllari ( üavisius liest 
adrogarj. L'nnoihig.) polest." Davisius gedenkt hei die- 
ser Uli He des Griechischen Glaubens an den Z.eu 
7>'c;, und fuhrt die Stelle des Dio Chi ysostoruus, Orat. 
1. p. 8. an. 

II. M 



t 10- 



crt}7 tveioc auf die Affinen gesehen, auf Schwiegersöhne 
umd Schwiegertöchter; wie denn aryyira'x ganz bestimmt 
als dasjenige Vcrhäilnifs bezeichnet wird, das nicht 10- 
wt.hi auf der Natur als auf bürgerlichen Gesetzen ( 
raih um] dergl.) beruhete * J ). Zuweilen mag die err 
»eta in einem andern Sinne genommen werden j wie 
Pl»tn, welcher damit die Gemeinschaft der Äeoi opäy 
zugleich nennt. In derselben Stelle gedenkt er auch 
einer andern Gattung Tun Göttern dieser Art, der yt- 
riirA'OU' . die man sich geneigt machen könne zur Er» 
zcugiing seiner eigenen Kinder 8 '). Hiermit mufs man 
jezt eine Aeufaerung de» Porpbyrius verbinden. Dieser 
Philosoph Jährt (in der epistola ad Marcellam cap. ■> 
p. 4 ed. Mediulan. p. 282 ed. Lips. ) unter andern Gr 
den, die ihn zur Hcii.ilh bewogen, auch diesen an: 
habe auf diese Weise gedacht die Gcncthlischen Göt 
zu versöhnen» ( u.7toftti'ki$<XG~ai xpiruq rovq yer&'kio 
S?tui\,). U.is sind nun die dii g e n i 1 a I e s , d. h. die, 
welche der Zeugung vorstehen , und die glückliche Ge- 
hurt der Binder befördern. Dazu geholte nun nament- 
lich auch Juj'piler. Die Theologen nannten ihn: «. All- 
er zeuge r, den Anfang Aller und Aller Lude» s *). 



. *. 



. 



bJ) Polin« III. 5. 6. 

64) Plaio de Leg*. V. 2. p. 729. p. 163 Ar», mit dessen An- 
merkung : gwyyi*v«*av ok vm iueyvwv r*üJv v.cnvaivia 
TaürcJ Q)UPfV uifxar&i lycucan t//juuv rt% n.ai ff*.4cM*ve; tu » 
«vvjvjSAi'ju; 1 su >tj|iji»i und it'ilmkin ; -i 
■xtiibwj m.vToü e t £ ci v Yey^ti. Leberden oben 
merkten [fegrilF von »t/yymtc« ninf« man naobh 
dtr MchoUfttt zum Lnci.ni. 'Jinmn. $ 51. p. t20 Hip. 
Stlidaa I. p. i\ mj. Kurier, und Ammonium in A-yy 
pag. Hl. ddiiüHT sdQtu. Diese Ü>aiMnitiaagea hingen 
di m %ui«chen Crbieclit ausammen u. \ dlckcnd.ru a 
a<t\«r*s. daMtbtf Cap. 1. p. 4 — «#.J 

85, Urplni i Hvinn XV. u rft, 




5t5 

Das war seine kosmische Würde als Welterzeoger. — 
Aber auch im Leben des einzel »en Mensehen bewies er 
sich wirksam, und der Allerzeuger war auch der Gott, 
der die Saat des Kindes (oiiapuv TtatSö^. s. Plato a. a. 0.) 
in jedem Mutterschoofse beförderte. Darum hiefs auch 
er vorzugsweise : ZeH ytW$Xws R6 ). — Wie wir mit 
Zeus von der Königsburg ausgegangen, so wollen wir 
mit ihm ins Privathaus zurückkehren, und in seinem 
Bilde noch kürzlich die allen Rechte und Pflichten jedes 
liautvaiers betrachten. 



f. 



£>. 



Zeus als himmlischer Vater, als Hansvater. 

Hier begegnet uns nun wieder der fruchtbare Ur- 
be griff des Zetx; 'Efixsloq. Der Hufraum und Burgbezirk 
(t|>xou) schliefst alle Güter, allen Segen , aber auch alle 
Satzungen des patriarchalischen Vereins, Vaterrechie 
und Kindespflichlen in sich. Er verwahret das Heilig- 
thum der Ehe in seinem Beschlufs. Die Ehe dies Zeus 
und der Here (Juno) ist das Vorbild aller Ehen auf Er- 
den s "). Sie ist eine heilige Ehe, upd<; ydpoq, eine wahre 
Weihe; und Juno heiftt in so weit xt\$la % d. h. die 
durch ein Sacrament, durch eine Weihe ihrem Eheherrn 
zugesellte Göttin; sie hiefs ferner j' i« h ;; Ä i » , . pro- 
nuba, die Brautwerberin. In höherer Beziehung fällt 
tic dann mit der Latona als Eine Gottheit zusammen. 
Als nämlich Juppiter die Juno auf dem Citbäron zuerst 
im Verborgenen umarmte, so hiefs sie bei Einigen Mv 
%ia (wegen der Grotte, wo es geschah), bei Andern 
Nv^t'a , weil es bei Nacht geschah ; und diese nächtliche 



86) Aristoteles de mundo VII. 5. p. 31? Kapp. 

87) Vergl. Heutiger; Die Aldobrandinische Hochzeit p. 
126 ff. 163. 






5i6 

Jano ist mit Latona (der Nacht, s. oben II. p. isl) 
ein und dasselbe Wesen. Oder man sagte auch: 
Juno ist die Erde, Latona die Nacht, welche nichts 
anderes ist, als der Schatten der Erde 8g ). Ein Abbild 
dieser himmlischen Ehe des Zeus und der Here war ein 
jede Ehe , welche auf Erden geschlossen war ; und *i« 
Ehestand und Hausstand mit festem Besitz, Ackerboden 
und Ackerbau in Zusammenhang standen, so herrseben 
nnn auch agrarische Bilder und Ausdrucke in den älte- 
sten Vorstellungen von Ehe vor. Hicroglvphische Per- 
sonifikationen , -wie die vom Buzyges (der die Ochsen 
angejocht) und des doppelleibigcn Cecrops , der die Ehe 
gestiftet (s. oben II. p. 35.) und dergl. mehr waren im 
alt- Attischen Gesetzes- und Mysteriencodex, noch in 
Calendern der Priesterschaften radende Beweise davon. 
An dergleichen Bilderschrift und Bildersprache muß man 
denken, wenn man nur verstehen will, was eigentlich 
Zeus- Moloch der Stiergott , der sich mit Europa gattet, 
was "H^ £r/ia (Juno cinxia , jugalis ) bedeuten wollen, 
und warum im alten Argos die verheirathete Prieaterin 
der Juno mit Kühen zu dem Tempel hin fuhr (Herodot. 
I. 3i). Da ich bei den Cereaüschen Religionen von die- 
sen Vorstellungen ausführlicher handeln mufs, so bleibe 
ich jezt bei einem aus demselben Bilderhrei&e entlehn- 
ten Ausdruck stehen. Er wird uns zum Zeus, als dem 
Beschützer der Häusel» re, hinleiten. In ähnlichen 
Bildern drückte man nämlich auch den Zweck der Ehe, 
die Erzeugung von Hindern , aus , es geschehe die Ehe: 
in" agö-tbi bV ) svaiSuv yi^oitDVj i. e. ad arationem 



88) S. Plntarchi Fragm ap. Ensel». P.E. II r. 1. p. 81. und 
\ ol. X. p. 7.->6 m|. ed. VYyuenb. Ein Mehrere» im nach- 
wrn Abschnitt. 

fjj) I)«'r Goit Dagon der Phönicier, von dem im Vorherge- 
henden die Rede gewesen, kommt in der Iheogouie auch 



filiornm germ a n o r um , utserantur ». exarenl 
iilü gerrnaui , neque spurii ' k '). Bedeutefld i*t der Zusatz 
fMloltoV, d. i. Ächte, im Hause mit der nun rert-hlichtca 
Gattin r.a erzeugende Kinder, im Gegensatz gegen die, 
die aufser einer solchen , unter dem Schulze der Cutter 
geschlossenen , Ehe in die Welt gesetzt wurden. Ihn um 
ist der Zeus, welcher dein gesacnmten Hause und allein 
dem, was das Haus enthält, vorsieht, der Zeus 'E^xelu., 
auch Vorsteher der Trauen, die sieh unter das Joch der 
Ehe begehen , und im Hause in stiller Unterwerfung un _ 
ler des Mannes Gesetz Ehesegen gewinnen. Deha im 
Hause, nicht aufser dem Hause, soll das Weib wirken 
und thatig sein» darum ist die ou'Xij, der Huf des Hau- 
ses, gleichsam die Grunze, die Schwelle, die das \Ve»b 
nicht überschreiten soll 5l ); darum ist Jupniter fpxfiog 



als ZiJ; Ä\a'rp;; vor. Er wird alft Sohn des Uranus und 
Brutirr des Kronus aulgelührt, und man leijte ihm die 
Erfindung de* PUu£es bei. Daher dieser Name (.Pt-iphyi . 
■p. Euseb. P. E. I. p. 61 h'n. Colon.;. 

90) S. Plato Cratyl. p. 7R Heindorf, und die dort gesehenen 
Nach Weisungen • Yeiijl.ducli Böüiger Aldobra ml misch» 
Huclizt-ii pay. 166 f. Ich will hierbei noch mit Einem 
Horte an di<* ähnlichen Ausblicke der Homer erinnern: 
Liberorum treandorum, procreaj)(Iorutn und antik 
quafsundüm caussä { s. Festus in quaeso. Brkso* 
nius de Formull. p. 5Ä2 sq. und Meineccius ad Leij. Jul. 
et Pap. Poppaeain pag. 22i.). Die Frage, '.vie die allen 
Völker in verschiedenen Perioden über den Zweck der 
Ehe dachten, Würde mich zu weit führen. Man lese nur 
den schönen Brief des Porphyrius un seine Frau M^rcclU 
Cap. H sqq. p. 4 sqq. ed. princ. 

$1) tü> 7«v y-Jvatna a.7 ci/.c-.-.h v.at i^Siv f*iV*v , war das Pytha- 
goreische Gebot, wie die Pythagoreische Phitilvs Pagt 
(ap.Stob. Serm. p. 4ll. und bei J. Chr. Wolf iu Mutierr. 
grr. fragmm- p. 11/6. Min vergl. meine Comuietut. Ha« 
rodott. I. p. 2Jy.; 



(Herceus), stehend im Hofraum an der Thüre, eben da* 
durch auch Juppiter Cuslos, der Wächter über die 
Hau seh reder Frauen, wie wir ihn unter Andern auf 
einer Grablampe sehen , mit den Attributen des Blitzet 
und des Hundes, bei Bellori part. II. p- i. 

An diesen Juppiter Herceus , den Beschützer dei 
Hauses und aller Habe , den Verleiher jeglichen Haut* 
segens, wie wir ihn noch weiter unten erkennen werden, 
den Wächter über die Hausehre, reihen sich von selbst 
mehrere Beziehungen dieses Gottes auf die wichtigsten 
Verbindungen des Lebens und der menschlichen Gesell, 
sebaft an. Eine sehr deutliche Stelle eines Griechischen 
Auslegers mag uns dazu den Uebergang bereiten. *Die 
Schutzsuchenden , sagt er , bergen sich hinter den Ze 
i.x£<rtO£, die Beisammenwohnenden hinter den i<f>iaxn 
die Freunde hinter den (piXio^ , die in einen Heerbaofen 
(xaijiO und eine Bürgeretasse (Zunftabtheilung , avtiuo- 
pia) geordnet sind, hinter Zeus e?uipe7o(, die fremden 
Gastfreande hinter den ^evtog; die durch Eide l c-ber- 
einluinfte treffen, hinter den öpxioq j die Brüder (Bluts* 
verwandte; s. oben, adtkfpoi) hinter den Zeus 6uö- 
yvto^» '**), Also zuvörderst der ipxoq der Hufbezirk 
und die i^xiu der Fcuerheerd und Opferplatz für die 
Hausgötter. — Diese Oertlicbkcilen vereinigten im alten 
Griechenland die Hausgenossen , und gewährten Sühne 






und Schutz den Hülfsbedürftigen, 



Die erste Beziehung, 



die des Familien Vereins , haben wir oben überblickt. 
Wir wenden uns zur zweiten. Sie stammt aus grauen 
Zeiten her, und aus Zuständen, wovon wir im Morgen* 



92) Seholiast. Euripid. Hecub. vs. 345. vs. 342 Matth. Ueber 
dus Detail dieser und anderer einzelnen Beinamen d-s 
Juppiter habe ich zum Büchlein des Nicttas in den Me- 
li u mm. I. pag, 16. viele Stellen gesammelt . die ich hier 
nicht wieder anfuhren will, 




land vrie in der neuen Welt saitsam Belege finden. Die 
fürchterliche Blutrache war es, die diese Institutio- 
nen ins Lehen rief, die wir jezt berühren wollen. — 
Ist einer erschlagen, vorsätzlich od~r unvorsiilzlich , so 
hat, wenn wir uns des Alterthums Sitte vergegenwärtigen,, 
der nächste Anverwandte des Erschlagenen die Pllicht der 
Blutrache gegen den Thaler oder dessen Familie. DerThä- 
ter mufs nun seine Ileiroalh verlassen , und in der Fremde 
umherirren, verfolgt von dem Blut racher und der gött- 
lichen Bache 9J ) , die , nach dem Begriffe jener Zeit, 
auch unfreiwilligem Morde folgte. Allein hier öffnet 
»ich ihm ein Zufluchtsort, ein Asyl, gegründet auf die 
Pflicht der Gastfreundschaft , die im ganzen Altertlium 
herrschte, und in ihren Folgen so segenreich , so heil- 
bringend war. Zwei Hausvater nämlich hatten sich ver- 
einigt , und nicht blos für sich, sondern auch für ihre 
Nachkommen auf ewige Zeiten hin, Gastfreund- 
schaft (£evta) geschlossen. Dies geschah auf eine ganz 
einfache Art. Man zerbrach ein viereckiges Stück llulz 



95) Und hier ward JuppitT zurrst selbst als Blut räch er 
gedacht, und hiHS als Solcher ZrJf * u >. i uvx 7o$. So 
hiefd zuerst derjenige selbst, der die Blutschuld auf sich 
X* laden halte, der (pawnft oder fjuu^s',. Aber ehrn wi.il 
Gewaluhat zunächst wieder Gewaltthat fordert, so nahm 
auch der Gott, drr das vergossene Blut rilcht , diesen 
Namen mAafxyajot an; s. Arisioul. de mundo VII. o. (wo 
der naSd^ctii und 'Ix&<«$ wie auch «■^•/'t; d.unit /itsaui- 
mengeijteUt wirdjj vergi. Ilesych. II. p. 84 1 sq. mit den 
Auslrgern , und b* sonders Photii Lex. p 271 Herrn« In 
dieser Beziehung heifel auch Zeus «ppftaueg , und auch 
dieses Wort bezeichnet einen Mörder, dann über euch 
•inen Schutzsuchenden und Juppiter selbst als den Gott, 
bei dem sie Zuflucht suchen; wt Icher Zusammenhang der 
Bedeutungen sich aus der Natur der Sache ergiebt (vergl« 
PUot. I. 1. und p. 342. und Hesych. II. p. 1052 sq. ibiq. 
aonott.J. 




5ao 

oder Metall , wovon jeder Tbeü eine Hälfte * nritnana, 
die er nur vorzeigte , um die freundschaftlichste Aat 
nähme und den besten Schutz zu finden (crcu.0oXor , vgL 
oben I. p. 29. 3o.). Solche Xenien fanden auch zwischen 
Familien und ganzen Staaten statt , wie z. B. Cimon mit 
Sparta in solchem Verhältnifs stand {-xpo^svla *•). yy a r 
nun Einer des Schutzes bedürftig, so floh et zun Gast- 
freunde, welcher verpflichtet war,. den Flüchtling gast- 
lich aufzunehmen , zu beschützen und zu entsühnen. 
(So flieht der Phrygier Adrastus, der seinen Bruder er- 
schlagen, zum Lydischen König Crösus.) Er setzt sich 
(als EfpiuTioi;) neben die 'E<rxia , d.h. den häuslichen 
Feuerheerd , den ideellen Mittelpunkt aller Gefühle des 
Hechts und Schutzes. Er schlägt seine Augen nieder, 
senkt sein Schwert oder das Werkzeug, womit er den 
Mord verrichtete, in die Erde, und gieht dadurch zu 
erkennen , dafs er ein Schutzsuchender — lx£xr t q ' 5 ) — 
sey. Stillschweigend schlachtet jezt der Hausrater ein 
noch säugendes Ferkel , mit dessen Blut er die Hände des 
zu Sühnenden bestreichet, indem er dabei zum Juppitcr 
dem Sühner (MeiXI%io$) betet. Darauf wurde alles, was 
zur Sühne gebraucht worden war , aus dem Hause ge- 
tragen. Zuletzt verbrannte man Kuchen auf dem Altar, 



$4) Ueber £/v»; , *£o*svot vergl. man Reiskii Indic. Demosth. 
p. 526 und p.646, ferner Paciaudi Monuinm. Pelopoon* 
III. 136. und was ich noch in der Praefatio ad Ephon 
Fragmin, (ed. Marx.) pag. XXIX. weiter naebgewies« 
habe. 

$5) Eigentlich : Ankömmling, <r$mruif (s. Taylor ad Lf 
siae Epitaph, pag. 71 fiq. Reibk.) und a(p<xro^c; Ankömin" 
linge , Schutzsuchende (Aeschylus Supplicc. vs. 244.) 5 
daher Juppitcr selbst d&*rtuf heißt ( ibid. va. I.). VVi»" 
müssen , um nicht zu weitläufig zu werden a unsere Lettf 
auf diese ganze Tragödie verweisen* 



521 






gols ein Tranltopfer Ton Wasser aus , und betete, zur 
Abwendung der Erinnyen (Furien) und zur Erweichung 
des Zeus ''■). JViun erst, nachdem durch diesen Act, 
welchen der Hausvater, als. Stellvertreter des göttlichen 
Hausvaters , verrichtet , die göttliche Bache versühnt 
ist, tragt ntun den Flüchtling um seinen Namen und 
Herkunft; und stellt er sich dann durch das halbe Ta- 
felchen (tessara, aiiißoXuv ) als Gast freund dar, so ist 
ihm auch weltlicher Schutz gesichert; er ist im Hause 



Apollnnii Rhod, Argon. IV, 6y3 sqq. Eine Vergleichiing 
r Griechischen Gebrauche init den Germanischen 
ist belehrend. S« darüber die schöne Abb. nulluni,' vmi 
Grimm über die Mordsühnc der allen Deutschen, in 
v. Savigny's Zeitschrift für die Rechtswissenschaft Stück 
Jil. — Uehrigens mag die Griechische Sühne nnch an- 
dere Gebrauche enthalten haben , nach Zeit und Um- 
iUindcn. Ich will nur noch einen anführen, weil er sich. 
auf den Juppiter ale den grufstn SUlmgoit bezieht. 
Wenn man dem Zeus MtiL);i!; ein Opfert hier gcschlach- 
let halle, so b« wahrte nun das Fell desselben auf, und 
die, welche gereinigt wurden, mulstcn mit dem linken 
Fufse hi i der Rrinigungseäremonie darauf treten. Dieses 
FtJI hitfs vom Zeus« Aic; kcdJmv, und es wird bei dieser 
Gelegenheit auch Zeus als Kr^i»; bezeichnet (s. Sni~ 
das ». v. Vol. f. p. 604 kust. und Hesych. Vol. L p. 100J 
Alb, iliii], Ititerprr.). D.h. Vom Hausaltar , wo die Sühne 
geschah , ging aller Segen ,-ms , und derselbe Penate , der 
die Söhnt gewahrte, verlieh auch Habe und Besitz. 
Deswegen Hellte mau Kein Bild, in einem Schrein C 
oderGefafs (käöjtks^) verwahrt, in den \ 'orrathskammern 
Kct:,) auf. Der Dienst dieses Gottes gehört zu den 
geheunnifcvoljen UausreJigionen der Griechen. Ein Bruch- 
stück aus dem Exegeticus des Anticlides , worin die CiU 
rimonien angegeben werden, womit das Bild dieses 
eingeweiht werden mulVte , giebt unj einen redenden Be- 
weis von der ängstlichen Sorge, womit die Griechin diese 
Gebiauche beobachteten (Alhenacns Xf. p. ^7J. p. -jI 
lächwtigh. mit den Anmeikk. der Au 




>22 



und bleibt dort, wenn er nicht mehr in »eine Vaters» 
öder in sein väterliches Haus zurückkehren bann. Er 
hier aufgenommen als ein Sohn des Hauses, er tl 
alle Rechte, er ist gesichert unJ geschützt. Ueber diel 
Alles nacht Zeus, er steht allen diesen Verhältnisse! 
vor als höchster Sehutzherr und Obhuter, als Zeus Hi- 
yto^, ixt o 10 c, oder Ixcttjctio?, ra^dpaioq odef 
ovxdcrtvc (den letzten Beinamen führt er wegen der 
Feigen , deren man sich bei Entsühnungen auch zutei- 
len bediente), endlich als Zeus ^ciXi^ioc, d. i. der 
Freundliche , der Beschützer derer , die mit Suhnopfern 
ihm nahen und ihn besänftigen **). Aber ebenso VlW 
er auch zum furchtbaren strafenden Gull für Jeden, der 
diese geheiligten Rechte der Gastfreundschaft nicht ach- 
tet . und sie frevelnd verletzt. Als Zeus, der Vor- 
steher und Vollstrecker des Eides . heifst v 
xi o$ , und so war er mit zwei Blitzen tu beiden llJndtrn 
in »lern Rathhause zu Olympia furchtbar vorgestellt A ). 
Er ist in dieser Beziehung Herr (t«m[«c s. Euripid. LL) 
des "'OpK oti , des Eides, welcher selber als eine Person 
vorgestellt war. Ein Orakel, das uns Hcrodotus auf- 
behalten hat, giebt uns von diesen Vorstellungen der al- 



beich 



97) Die Stellen der Alten und der Neueren hierüber habe ich 
gesammelt in meinen Meletemm. 1. paij. 16 sn.q. 
und y. Hier will ich nur bemerken , dafs 
lieh ilcii bezeichnet, der sich am Mansaltar beGndet 
rjj iTr.'a. oVf wie es der Scholust Apollonii Rhod. IV. vs. 
7-t7. erklärt). Daher ursprunglich in diesem Worte die 
Br^rftt von üausgcnosstnschui't und von dem Schutx» 
suchen verschmolz« n sind. Deutlicher unterschied man 
na. hher so: Zeus als Vorsteher der Hausgenossen liciTvt 
e^i'irr/o; , jh llofl der Schu.ziuchcnden aber nufeME, (s.die 
o. * Sielte des Kui 'pidisl. 

98) PauÄan'ms V. 81 2 Ennj.iJ. Med. vs. 171 sq. vs. 169 sq. 
Mitth. ver-i Laciaa. Tiuion. J. 1. ibiq. Ilemsterhusius 



p. 322 sqq. ßip. 






5 2 5 



ten Griechen einen deutlichen Begriff, und beweiset zu- 
gleich , dafs die Orakel Griechenland» dem Meineide zu 
steuern suchten. Ich will es daher hier ganz mittheile»: 

„Glaukos, du Sohn Epikydes, es bringt zwar jetzo dir 

Vortheil, 

Wenn du durch Eidscbwur siegst , und den Schatz zur 

Beute gewinnest j 

Schwöre nur, weil ja der Tod auch redliche Manner er- 
wartet. 

Aber es folget dem Eid (£f*3») ein Sohn , der führet nicht 

Namen, 

Führet nicht Hand noch Fufs, doch ereilt er dich, bis er 

das ganze 

üaus ergreift , und das ganze Geschlecht von der Erde 

vertilget. 

Doch des redlichen Mannes Geschlecht hat Ruhm bei 

der Nachwelt" "}. 

Srhrechlich straft die Gottheit den Meineid , und furcht- 

»bar zernichtet sie den , welcher des Eides vergifst. 
Schwören ja selbst die Götter bei den unterirdischen 
Flüssen, hei dem Höllenwasser Styx . d. L der Furcht- 
baren Göttin der dunhelen Tiefe; und dieser Eid ist, 
unverbrüchlich, die Götter selbst können ihn nicht un- 
gestraft brechen (Hesiod. Tbeogon. 400.). 

K§. 6. 
Fortsetzung. 
Aber das Haus gewahrt auch Besitz ; und hier liegt 
im Begriff des Juppiter Herceus der eines .Beschützers 



S#) Herodot. VI. 86. 3. nach der Uebersetzung von Lange. 
Ueber die treffliche Allegorie vom namenlosen Sohne 
des Eides ("Oj-kou «a&j avwvjuo;) vcrgL man die Ausleger; 
auch Heyne zur Hiade IX. vs. 498 sq. und Huschke de 
frbutl. Arcbilochi , in Maithiae MiscdUiin. philoll. I. 
p. 20 »q. 



des ganzen Hauses, des ganzen Eigenthuim, jeglicher 
Habe, limz, Alles dessen , was der Römer unter dem 
"Worie fnniüia hegreift. Er ist der Vorsieher des Hau- 
ses , der Schirmvogt des Heerdcs und aller der Din^e, 
die in diesem Worte gedacht werden: Figeulhuni, Habe 
aller Art, Vieh, Sclaven , Familie. Sicherheit des Hau- 
ses, Vaterrecht, väterliche Gewalt u. s. w. Dihcr an 
seioem Altar Keeintrachtigungen des Hausrechtes gefragt 
und abgeurlheilt werden. Dieser Hausnbar mit dein. 
Bude dee Jup piler Hercens stand am äufsersien Thore, 
welches den Hof und die denselben einschliefsenitö 
Mauer und Zaun ("^«^ ,W) ) öffnete. In diesem Zeus lag 
also religiöser Weise die Ouelle und Lrsaehe des Haus- 
segens, des durch \ ieh und Feld gewonnenen Beich- 
ihums. Fr ist der Penatc, weicher dem Hanse Wohl- 
stand und Segen giehL, der de* Hauses Reinheit und Un- 
heflcck^heit , der strenge Stltenzneht bewahrt» und den 
Bruch der Ehe und Treue straft. So fuhrt in Sparta 
Demaratus, um seine Jlcilujnft aus dem Geschlecht der 
I i i.clidi'n zu versichern , seine Mutter, die eines uner- 
laubten Umgangs mit Andern beschuldigt worden, *0f 
den Altar des Juppiier Ilcrceus, schlachte^ ein Opfer- 
thier, und lal^t seine Mutter auf die Fingeweide des 
Opfers sihwöVen , ihm die Wahrheit zu sagen wegen 
seiner Herkunft; also vor dem Altar des Gottes, der 



ilie den 



100) Fben von «px»$, der Zaun, die Mauer, weicht 

Hof ttUSchf oft , klimmt (tu IMjmr. 'E^. k »Hot, oder He r- 
ct'us. Daher noefa der Ausdruck herciscere, bei 
Eihschafisvr rlheüungt-n , wn das Haus mit aller Habe 
unter die Frb.n getheilt, und die Matter de» Hofes einge- 
ii s- 11 wird; & Rrneutl Clav. Cicer. ibique Digest« X. 2* 
und dort Gajua atledichnn provinciale. — Zeus ward auch 
Vorzugsweise w^9w4rw^ t Stamm vatr r , genannt (Tbeophii 
lu» *J Autuiycuiu üb. 1. p. 41 cd. J. Chr. Wolf.). 




5a5 

die TJansehre schlitzt und räeht * r,, )> Einen ähnlichen 
I dll erzählt Pherceydes (pag. öo Fragmm.). Als l);.nae 
achnanger nar, wollte Acrisius wissen, wer des Kindes 
"Vater sey . und läfst deswegen seine Tochter bei dem 
Altai' des Juppiler Hevceus schwüren, liier h.-itte frei- 
lich Zeus gegen sich selber '/.engen müssen , d.< er \ ater 
des jungen IVrveus war; alter diese Sage soll uns hier 
nur als Spiegel alter sittlicher und rechtlicher Begriffe 
dienen. I'er mvsleriü>e Hintergrund des Mythus ist an 
andern Stellen dieses Kochs berührt minien. iSuch auf- 
fallender tritt diese* \ erhältnifs in der letzten Kala* 
Strophe des Trojanischen Krieges hervor. 1 >i e ganze 
LishtIu- dietet Krieges ist \ et letzung der Gatftcund- 
srh.ifi. Paris, gastlich aufgenommen , blicht das Gast- 
reeht , er ? erfuhrt die Gattin seines Geatfreonde* , und 
entflieht mit ihr in sein \ aterland. I>»nt srhützt ihn 
sein Vater f'iiamus, slalt den ein brechet "tacken Sohn 
ku bestrafen , und die durch denselben vei lt izlen j^ü^t- 
lii lun Rechte zu nähren. Darum mufs Tvoja in die 
Hände der das Unrecht rächenden Griechen fallen und 
uniergehen. Bei di'iij Untergang der Stadt (lüchtet s i < h 
v<ir den müi derischeu Uänden der Griechen der alte 
Priamus au den Altar des Zeus Herceus; allein an die- 
sem Altar, vor d. in Bilde des Gottes wiid der Greis 
ohne Erbarmen et sehlagen. Jczt ist Juppiler Ilerocus 
gerächt. Aber der gerächte Gott verladt seine Statte. 



10t) llcrodot. Vf. fiS. Ich habe in den Tommmiatt Hpro- 
doli t, ji iV« — 2iy. zu «»w*-isri> «^ ' ucl't , il.iis , il.i in 
de ms« lt). n Könutabausc tli»- CapeMc riaea H ros genannt 
»ml , .)ii(i|iiu r Hi ■ lins den als Renate grnommen *sr, 
jener HeruN iber ata I ir nVhn man re< iilr nicht, dafit 

•s.urj in Ömchcnl.ind und Koni ui -|>i anglich «iic r-. 
1« i *dn n); f< raer . dafr In id« Juppffer and der ikro» im 

BulVauiue iure Cuyellen und Bilder Im 



5j6 



er zieht mit den Griechen fort, und wird nun als 
gott im Hause des Sihenelus angesehen , welcher die»« 
Gnadcnbtld des Trojanischen Königshauses als Raffen* 
beute mit sich genommen hatte ,02 ). 

Aber nicht blos über eheliche Treue, auch übe? 
Freundestreue wacht Juppiter Herceus. AdraM, 
der Sohn eines Phrygischen Königs, flüchiet sich 
eines un vorsätzlich begangenen Brudermordes zu 
sus; er erhalt die Sühne, und wird als Gastfreund auf- 
genommen. Crösus iibergiebt ihm vertrauensvoll so- 
gar seinen eigenen Sohn zur Obhut und Fürsorge «M» 
lein der unglückliche Adrast tödlet durch Zulall den 
Sohn seines Wohlthnters auf der Jagd , und nuntiant 
Crüsns zum Zeus xöSctpcxo«;, l<ftitrTto<; und ixaiptio;. Kr 
rnli ihn /.um Zeugen des erlittenen Unrechts in der ersten 
Eigenschaft an , weil der GasüVeund in seinem Haute ser 
gesühnt worden ; in der zweiten, weil er (Crösus) ihm 
in seinem Hause Obdach und Nahrung gegeben, ohne 
zu ahnen, dafs er in ihm den Mörder seines Sohnes 
nähie ; in der dritten, weil er den Flüchtling als Wäch- 
ter seines Sohnes auf das Abenteuer ausgesendet h»be. 
Adrast, des Unglticlmterns sich bewufst , der über ihm 
waltet, tüutel sich selbst lft3 ). 






10*) S. Vir?. Aen. II. 506. und dort Heyne. Paus>an. Corjo^- 
24. 5. und Arcad. 46. §. 2. Dieser Zeus wird in der tT ~ 
btin Stelle rttf^oi , in Her zweiten «f>uuof genannt. VefF' 
llljtr di.s,e Epitheta des Zeus Melireres in meinen Md*" 
Uiiiiu. I. p« i. - Not. 7. 

I0J) Ikr.Jot. T. 3.5— 45. Aus diesem erblichen V e *" 
blltttif« i v.'tU isi namentlich die llerodotetscf* 4 
Stell« '" >i klaren; worüber ich die weitere EfihlcnUM 
d- ii litt.. cisiben Commentationoti voi beballen mni"'*' 
Der l i . u . du zwischen dem Freunde i' <£•**») un^ 

di.ni u> ' t ) statt fand, ging nun auch auf 




5- 7- 
Zeus des Phidias als Hellenischer Kö- 
nig und Goll'Vatcr. — Die Olympischen 
Spiele. 

Wir haben gesehen , dafs alle diese Begriffe : Zeus, 
rrr des Himmel* und der Erde, Vater der Götter und 
tuschen, Honig , Beherrscher der Natur, Onell alle» 
hens, Ursprung aller Ordnung und alle? Rechtes, in 
in Liedern und Tempeln bedeutsam genug, bald ro- 
r, bald feiner angedeutet norden waren. Aber das 
bhaflige Abbild des Zeus, die sinnliehe Erscheinung 
s ganzen Vereins jener Begriffe fehlte noch — der 
'ieche wollte und sollte nun auch seinen Gott- Vater, 
e er war, lebendig vor Augen sehen. Uud dies bc- 
u I. stelligte Ph id i as. 

„Also sprach, und winkte mit schwarzsehen Brauen 

Krön ton ; 

Und die ambrosischen Locken des K-mijjes wallten ihm 

vorwärts 

Von dem unsterblichen Haupt; es tr Lunten die Höh'a 

de* Olympos" «>*.. 

i diesen Worten, worin allerdings die B fW?i Hauptideen 
>n Zeus, als Herrn der Natur, andrerseits als König 
'd Gebieter der Götter und Menschen, liegen, hallen 
*", nach einer bedeutsamen Sage, die Entstehung die- 
s Juppiters durch Phidias zu suchen. Dieser Ge- 
ahrung windende Zeus — Zrv( in ivtvav j 



Begriffe vom .lupptier öbrr. Daher ruft hier Ortfsus den 
irjtftic; bU Zangen verteilter Jj«Kdt;i-iii»>,sr risrhaft an. 
Fi rund im rnseren *»inne war er nicht gewesen. Ich 

Ji.tliL über die>e Unterschiede die nörliigi n Bt lege in den 
Mt-hitii'in f. p. •? und IS. Aoi. 7 uud 11. gegeben. 

Iliad. 1. 52» iF. nach Von*. 



5aS 



ein 



der gnädig auch ganzen Nationen zuwinht und sie hnl 
voll anblickt — dieser Zeus ward nun da$ vorzugli 
Abbild des Gottvaters am Hauptorte der Panbe 
ni sehen Spiele, zu Olympia. Diese Sj 
in aller Heroensieit ein Sohn des Juppiter und 
mg. von Juppiter eingesetzt. Hercules und P 
lops 10 ») , gestifter. Das sollte Hercules der Idäer, rin 
derDaculcn, gewesen seyn , also einer der Sterngcnii 
aus dem Lichtsystem der Samoihracier und HleinSMJt 
einer der Trabanten des grofsen Zeus auf dein Scheit 
punhte des Himmels — mit Einem Wnrle , II 
der S on n en s o h n , der Kämpfer im Licblstreitc. der 
Nachfolger des Persen* vunChemmis, wo man i 
%vl Ehren auch Jahresspiele — Segensspiele !• 
rodot. II. 91. s. oben I. Th. p. 329 f. und II. p. 
■wann Hercules, des Juppiters Sohn, den Scheitelpunkt 
des Himmels als ein rüstiger Kämpfer im Thieikn 
Itampft und erklimmt h;itte , wann die gereiht- 
gereilte Erndte brachte. Zu Olympia sollte de- 
nach Juppiter einst selbst mit Hercules ge» 
Ben m ) , wie dort Jacob mit Gott. Hier, halte c 






JOS) S. He rodot. VI. 127- Piuisan. V. cap. 1. 2. 3. VI 
Schobast. Pindar. Olyinp. I. 144. Anollodor. II. 
daselbst Heyne. Es kann meine Absicht nicht seyn, 
die Sageufülle von diesen Spielen liier einjugehen. t ' 
die Perioden dieser Anordnungen und Über d.is pi 
Gewicht derselben auf die Verhältnisse verscbicdvi 
Königreiche von Griechenland vergl. man Mtlller Ai 
neu. p. 36 und p. 55. Ueber die An der Frier ». 
IS achuci$ungcn und Stellen in meinen Meletm.m P, 
pa*. 4 — 6; wo der ScholiaSI. ad Aristid. sagt 

also von Hercules gestillel wegen des Felop«. 

106) Tieu. in Lvcophr. v«. 662 sq. p. 724 Müller. JJ 
i aj-ric, ( nanilich 'ü, 



rlops , welchem Zeus verliefen das Scepter und damit 
inigsrccbte und Künigsninclil (irxf^Tgoy t;o'£ Stu.ioTou), 
YVngenrennen die Tochter des Oenomaus, die Hip- 
damia ('iTiTrooauecu , die von den gebändigten Rossen 
n Namen trägt ^ , errungen lü7 ) , und war dadurch, 
rbe des reichen Peloponnesus geworden v -). 



tv 'OAv^T/a. Die Thaten des Hercules > als geglaubten 
Stifters dieser Spiele, waren auch an dem berühmten 
Timpcl des Juppiter zu Olympia angebracht (Siebenktta 
Über den Tempel und die Bildsäule des Juptter zu Olym- 
pia pnj*. 39. Völkel pag. öl (T). Bekanntlich streitet man 
Über dm Sinn der Lucalbenennune,eu von Pisa (IT"?«; 
über diesen Namen, in welchem Einige *iet x , wasser- 
reiche Ebenen, finden wollten, s. meine Melelemm. 1. 
p. ly.) und Olympia < s. LarcherTabl. geogr. zum lle- 
rodot. Tom. VIII. p. 3, u und 4i-i.). J-?ie anschaulichste 
Vorstellung von diesen Oenlichkeilen gewähren Charte 
undPInn des Barhte duBoccage zu der neuesten Ausgabe 
der V'oy. d'AnacbsrS. nr. 29 und n r. 30. mit deu Nach Wei- 
sungen aus den Ahm in der Analyse des cartes p.äbsq.; 
womit du- Resultate von Fauveli Untersuchungen an Ort 
und Stelle in Pouquev.lle's Reise durch Morea und Al- 
banien (Leipi. von Müller 1. pag. 88 — 90.) verbunden 
werden müssen. Die historischen Perioden dieser Frier, 
und wie sie erst denen von Pisa eignete , nachher weit 
der HeraHMf mvanderung ein Beeii/tuum der Eleer wur- 
de (Müller Aegine.it. 1. I.)> gehören nicht in meinen 
mythologischen Kreis. 

107) Scliol. Pindar. Olymp. I. 111 - 127. Hygia. fab. 2J3. 

tOS) Wer obige Ansicht der Olympischen Spiele au ajtrono- 
misch finden sollte , der nuige bedenken , dafs ifh die 
andern Bchachtmigsarlen damit nicht ausschliefen, dai» 
ich aber den Zeus hier als panlit llenischcn Ns-i 
tur- und Bundesgott deutlich machen will. Iflfl 
nmfsie also die oben (Th. I. p. 329 [f. 471, 743. und IL 
pag. 201 — 20S.) anfeinliffteai Faden hier weiter fort- 
fahren. 



IL 



i 



55o 

Diese ahen Jahres*piele sanctionirten nun C« 
gebcr und Alle, welche sich zum Hch • nenbundc 
ten; sie wählten aus ihrer Mitte T. ■ . Ritl 

■welche, auf dem Markte zu Ulis versammelt, üfcer 
Zweck und Absicht, über Ordnung und Zucht bri 
ser Feier wachen mufsien. Von ihnen ontp' 
Hellenischen Jünglinge und Männer d< BS '•'h 

wenn sie in tüchtigen Ha'mpicn und Ucbungen »ick »H 
ürdige ISachfolger erwiesen v*<u den alt* -sin- 

nen, welche Jahres»egen und Heil, bür^t-i liehen V 
und liecM gegründet, und den vaterlaiultsriien Beta 
>ei ihiituigt hatten , sie selber nur iNacbeiiarrr de* 
j i " fste n Va te rs. Dieser war der erste Kample 
über die finsteren Erdmachte , über die Titanen und 
Giganten, der erste Ringer zu Olympia gewesen. liaVicr 
muffte er auch der erste (der bmmlische) de lauodike 
st-yn, und dazu pafste nun ganz ihe Homerische I*iee 
des gnädig gewährenden II rrn »1 e r Natur. 
Da safs er nun, Ton Ph)di<n> ( ^chafien, am finde der 
Altis in seinem Tempel in kolossaler Gestalt !0 ), die 



10y) Von rinem wildm Oelbaum in der Altis zu Olymp», 
cTt'^2v«(j ftt mordtou (s. die 5>ull*n in meinen Mtleieuim. 
I. p. 4 sq.'. 

ItO) Ueber Tempel, Thron und Bildsäule lese man nach: 
Böiiiger Andeutungen p. 94. Vfi I ke I a. a.O. p.£0ff. 
p. 125 ff. Sieben kee s p. 100. J o e tke n de Phidiae 
Jovp Olympto, Goetting. lBlu. Maren. Haus Saggio 
sul teinpio e la statua di Jove Olympio , Palermo 1MI. 
und rx-sonders (J_natreuiere df ^uincy le Jupiter 
Olympien p. 256 sqq. p. 2t»H sqq. und dazu die Kupfer- 
tareln nr. XI — XVII. — Ueber die unzahligen Dmb 
inale in dem heiligen Haine i. Altis) vergl. n.an Jacobs 
Ober den Ktichtlnim der Griechen an plast. Kunstwerken 
p.ig. 3> ff. Daft übrigens Zeus siiz«n«i vorgestellt war, 
bezogen Einige allegorisch auf die Festigkeit seiner Macht 
(fcuidas ia ZtJf II. w. 5 Küster.). 



55 1 

oberen Thcile, Haupt, Hals, Brust nnd Oberarme, in 
grofsartigen Formen hervortretend , die unteren Theile 
durch einen wallenden Mantel verhüllt, in Bekleidung 
und reichen Attributen mit höchster festlicher Pracht, 
aut der rechten Hand die Siegesgöttin — N/xi;, welche 
ihn, den ersten Sieger, selbst bekränzt, in der Linken 
den Sceptcr mit dein HuoißsfOgel, dem Adler, auf der 
Bpitse **') , umgeben fOÖ «■)«?»■ Huren, den Jahreszeiten 
und Orduungsgeuicn "^ , so wie- von den Grazien; zu 
seinen FuT&cn die gehcimnifsvoUen Sphinxe, in seinem 
göttlichen Angesicht leiblich aussprechend die drei höch- 
sten Kigeuscli. <lti n , Macht , Weisheit und Güte; Macht 
im Ganzen des Kopfes , in dem mächtig emporstreben- 
den und wellenartig hernbMiefsendcn Haupthaar; NV eis- 
heil in der edlen, grofaeu Siirne, deren Augenbraunen 



ilt) Pindar. Pvth. L 10. — Diesm Juppiter als Sieger auf 
seinem Throne, auf de* Richten die Nike haltend, die 
ihm den Kranz darbeut , zeiijt der rlollSCDtlitt, den ich. 
ob* n p. 46-1. habe beifügen lassen. Andere Darstellungen 
des Zeus liefern die bcid« n Gemmen aus der Stoscbi- 
sehen Sammlung , die auf unserer Tafel V. nr. 3 und 4. 
copirt bjnd. 

112) Ein schönes Fragment des Archvtas hf im Stobüus Serm. 
XU. p. 2b ( J sq. belehrt uns, dal» Juppiu-r als Anordner 
der Jahreszeiten und Nalurordnung aucl« ■ : ; biefs. Er 
redet vun dem Laure der Sonne durch den Tbierkreis, 
und wie dadurch Leben und Nahrung der Erdbewohner 
möglich werde, und setzt dann hinzu : t*X*%) «h w f iaf 
Ml tUth -av/9X|va?a^vü;. &t& xai p l (l t e c xji v*. 
tlffi : ; '/.tj^ v.u/ttrn, v.u vcutC^ o IfSM^Uw rJLf r^c^ja, ts~z 

mim. Hier haben wir also tltn alten N'alurgott auch als 
Hirtin und Nährer der Scbaafe wieder. — Davon unter- 
scheide man den ZsJ; Kt/Mtiei oder auch wohl Najufrift 
vun Locris. und Argolis (Thuc)d. III. y6. Pausan. II. 30. 
Ä. und Steph. Byzant. j>. 5s6 Merkel, und dazu die Note 
Ober die verschiedenen Formen dieser Locslnamen'. 




53i 

Gewährung winken , der Thetis dort und hier dem Preis« 
Bewerber und Sieger; Güte in den sanften Zügen oa 
den Mund, Abo in Wahrheit eine höchste Gott- 
heit in Menschengestalt für den Hellene: 
euch für den frommen Römer noch, wie der grob* 
Paulus Aemilius lühite 113 ). 

§. 8. 

Zeus der Olympische und Panhellenische. 

Um nun die Vorstellung des Olympischen Jop* 
piters, so viel in der Kürze möglich» deutlich zu ma- 
chen, will ich vorerst von diesem Manien ausgeben. Er 
rerrath uralte Verehrung der Berge. Wir blicken 
uum Lycaischen Höhengolt zurück , von dem wir oben 
ausgingen. Hier begegnet uns Pausanias ( ArcaJ- 
XXXV III. i.) als Führer. «Zur linken Seite des Tem- 
pels der Uespoena, sagt er, ist der Lycäische Berg, 
den sie auch Olympus nennen, und andere der 
Arcadier die heilige Höbe. Sie sagen, Juppi- 
ter sey darauf erzogen worden». Will man 
nun auch sagen: das waren Arcadische Legenden, wo* 
durch die Landesbc wohner ihre Berge zum höchsten 
Goli ersitz steigern wollten, wie sie auch ebendaselbst 
von einem Arcadischcn Greta sprechen — so will ich 
dies zwar nicht in Abrede sielten; aber, um jezt Ton 
Crela zu schweigen , so beweisen doch schon die Home- 
rischen Bi-schreibungen des Olympus hinlänglich , dafa 
die älteste Volksmeinung das Olympische in einem sol- 
chen Sinne nabln, dafs man nicht wufstc, oh von hirara- 



113) Livius XLV. flK; — „.Tovem velut prieienten 
iniutns, motus animo est. Itaque haudsecusquam 
li in Capiioiio inimolalurus csstt , sacrificium ampliua 
soll tu apparari jussii. " 






533 



jschen Bingen oder von Bingen auf Erden die Rede 
ar; unl Homers Olympus scheint manchmal in höhere 
äume über den Wolken versetzt ( s. die Nachweisun- 
en oben IL p. 462 f.). Das uralte Wort *0?.u(i?r[><; hatte 
eben die glückliche Unbestimmtheit einer Bedeutung, 
die dem Naüonalgcfühle gemafs Irdisches und Himmlisches 
vermischte. Daher allenthalben Olympi, Götterberge; 
pnd wenn auch Einige nur sechs nannten (Seholiast. 
Apollonü Arg. I. 5()^.), so wollten Andere noch von 
mehreren wissen. Es waren gewöhnliche Hochgebirge, 
«Ären Gipfel sich in den Wolken verloren. Dies gilt 
namentlich von dem Phrygisch - Mysischen (Keciscc- 
daghi , wie er jest heifst ; man lese die malerische Be- 
schreibung des Sestini il *) ; nicht minder von dein zwu 
•eben Thessalien und Pieria , wo die Natur in grofsartt- 
gen Zügen sich den Naturmenschen noch heut zu Tage 
kund thut , und wo die Fülle der Bergwasser und die 
reichste Mannigfaltigkeit der Vegetation an die verbor- 
genen Kräfte der Natur mächtig erinnern 1(5 ). Dieser 
im Stammlande der mächtigsten Hellenischen Stamme 
gelegene Berg ward nun durch das grofse Nationalepos 
vor allen andern verherrlicht , und mit ihm Juppiter, 
dessen Verehrung von Alters her in Thessalien allge- 
mein war 1M ). Aber Elis in Südgriechenland, wo mäch- 



tig) Voyage Jans Ja Grece Asiatique XVIII. pag. 143 sq. — . 
Stellen der Alten über diesen Olympus s. in meinen Mi« 
storr. antiqq. frdgmm. p. 177 sqq. 

115) Man s. Stuart bei Bartbelemy Voyajr. d. j. Anachars« 
II L pag, 384 sqq. ed. stereotyp. Paris 1617. Vergl. Über 
diesen Thessaliscben Olympus Larcbtr zum Herodor. 
Tom. VIII. pag. 38y. und Heyne zu Jliad. I. vs. 494 sqq. 
(Excurs. VIII. p. 1S7.) 

Jlu) Daher wollte Havercamp. Dissert. de liter. graeep. for- 
ma in numis pag. 275. eine lYIUnzcngattung mit dem be« 



53-4 

tigc Fürsten Ton allen Zeiten Jahresspielc angeordnet 
hatten , mufstc auch seinen Berg Olympus haben (Seh* 
liast. Apollon. Bhod. 1.).)* Auch auf dem Thessalisckes 
sollten Olympische Spiele ('OXvu.7iia) gefeiert worde* 
seyn (ibid.)* — Alle diese Berge und Alles, was um sie 
her -war und geschah, umstrahlte nun in <ler Yolksan- 
schauung eine himmlische Herrlichkeit — die Berge 
waren selbst zu Göttern geworden, wie Amanns der 
Yorderasiaten , wie Meru bei den Indiern. Auf ihren 
\n Wolken gehüllten Gipfel verbergen sie die Ge- 
heimnisse der Gotterzeugung und Göttergeburt. Dock 
im Volksdienst der Griechen mufste der mystische Ka- 
turinstinet einem helleren Bcwufstseyn Platz mache« ,ß ). 



krSnzten Juppiterskopf und mit der Beischrift FA. nach 
Alea in Thessalien ziehen. Andere vei weisen sie zu den 
Faliscern. Jezt wird sie den Eleern mehrentheils zage- 
eigtiet (Vöikel Ober die Bildsäule des Jupiter p. t37. aad 
Mionnet Recueil d. Medaill. T. 1. p. 49. p. 98. vergl. 
tab. LXXI1I. nr/2.). 

XU) Dafo der Satz : die Berge sind Götter (s. oben Th. I. 
p. 158 f.) auch bei den Griechen Eingang gefunden , und 
dafs namentlich der Olympus mit Bezug auf Juppiter 
eine mystische Topographie gehabt hat , möchte 
wohl nach d**i , was wir oben von der Dodon&ucheo 
Eiche gehört haben , nicht unwahrscheinlich seyn. Dafs 
aber dieser Götterberg selbst zum Zeus geworden , da« 
von will ich einige Spuren nachweisen. Bekanntlich wird 
im Homer von Beugungen (ttv'x'S heißen sie) des Olym-< 
pus geredet. Im zwanzigsten Gesang der lliade vs.S. wird 
besonders von einem Haupt des vielgebogenen 

OH*inpUS (xjare; — OCk'Ju-rsto ro A.yrr u'^ov) gesprochen. 

Die ganze Stelle hat etwas Besonderes. Alle Flösse («- 
Taust"; und plle Nymphen müssen zur Versammlung kom- 
men , die auch diesui »' außerordentlicher Weise von der 
*Themis zusammenberufen wird, weil dieser Götter- 
yereiu , wie ein AusJeger bemerkt , die höchste und leiste 



535 

ie nähern sich den Persern mehr, die auf der Berge 
»ipf'ul opfern und beten , und den ganzen Unikreis 



gaset! liehe Entscheidung geben soll (Schol. Ve- 
jict. ad vs -l.j, Uhr gab es nun (Ur dje Erklärer zwei 
Wege Einige oHrlt»irit n die Stelle als fremdartig dem Ho- 
rn<.iJ-.chf n Epos <s. Heyn. Obs* adh.l.); Andere legten 
»ie in beueut- amen Beziehungen au*. Diesen war hier 
der Ulynipus dt r Weltgeld Juupiicr 6ellisl. Dau Haupt 
di s Berge« war al*o itappitert Haupt, und die Vielen. 
Buchten {vrvym) iit\ Olympus waren die acht Himmels- 
spnaren , einacbJtcJkjloh dir einen fixen, unbeweglichen 
( Eustalh. ad I. 1 ). Uafs Uie Theologen nun tuen diese 
Seite des Olympischen Juppiters als Wellrichters aus- 
gebildet li.utt ii , lafst sich kaum bezweifeln. In einem 
Orphiscbcn Fragment (nr. II. pag. 4iQ seq. Herrn.) , wo 
von dem Schauen und Erkennen Goltes die Rede ist, 
werde 11 die miyd neben einer Wolke t.vttyv, als die Hin- 
dernisse genannt, w.nuiii (Ha .Menschen ujs Wallen der 
Gottheit nicht durciisciMiieu koiinc.i ( vs. 20. 21.). — 
Homerisch würde die» , nach üllegorischer Auslegung 
(s. vorher, beifsen : In die Schluchten des in V\ Otiten 
gehüllten Olympischen Gipfels dringt kein Sterblicher 
ein. Dort versammelt Themis die Versammlung der 
Götter, die im Verborgenen das Gesetz geben. Nun 
werden auch Fähen und verschlossene Rollen Juppuers 
um Bezug auf dessen Richtersprliche genannt (s. das Frag- 
ment aus Euripjdes Melanippe und daselbst Valckcnaer 
Diatrib. pag. 185.), und das Schauen des Zeus in d esa 
Geseizesrollen war fast sprichwörtlich geworden <s. eben- 
daselbst). Eine kosmisch- mysteriöse Legende, wie Zviis 
einst die Here mit goldenen Ketten gebunden und mit 
eisernen Ambofsen beschwert habe, wird aus einem 
Buche des Ilellanicus angeführt , welches d- r einzige 
Schriftsteller, der es Renal , Dios polyiychia betitelt 
(s. Pulgent. I. 2. p. 631 Staver.). Man hat gtraflnn 
r«*vix, go dafs das Buch von Jen vielen Kindern Jupjdters 
gehandelt hatte. Sturz, der die noch kühnere Aenderung 
•v A;:'{ $><).o>.cy;<f. des Gyraldus llistor. Deorr. p, 1 li*. gar 
nicht anfuhrt, vectheidigt die gewöhnliche Lesart. Dann 



55Ö 



des Himmels Zeus nennen "*). Des Himmel 
Umfang ist dort der Thftten kr-910 de» Orzuuzd ,r 



Buch 



wäre es ein Buch von dem mannigfaltigen Geschick 
Zc.is gewesen (ad Hellnn. p. 7>.). Ich «lachte, du* 
wäre betitelt gewesen A6; tcAutt «X' a - Leineret 
hat noch mehr Auetoritat als jenes, das gar leeine hat. 
Alsdann enthielt es eine Erklärung des vielgebogenen 
Olympus ( xokuirrvyjHi 'OXv(xtg\j ) — aber des Olympus« 
Zeus. Denn mit Einem Worte: Es gab eine Anseht, 
wonach der Olympus dem Griechen eben so wohl ein 
Gott war , wie der Berg Argaus den Cappaduciern (s. das 
pben Angeführte). Nach solchen Vorstellungen werden 
heilige Berge zum lebendigen und kbendi ^machenden 
Gott selber. In der Sternenschrift des Himmels ist d*« 
erste Gesetz gegeben. Themis und die Hören bewahr« u 
eil, und versammeln die Gölter, und weisen sie hin auf 
die siderische Satzung. Das zweite Gesetz wird geget 
auf des Olympus Gipfel. Seine lichte Hohe ist für 
Menschen in Wolken gehttllt; in seine Untiefen M 
kein sterblicher Fuls. Juppiters Winken ist des Geseti 
Ausdruck. — Aber dieses Bewegen seines H<ttipte8 er- 
schüttert die Olympische Burg; und unter Donner 
Blitz werden seine Gesetze verkündigt. Wenn aber 
sts den Israeliten vom Gesetzesberge Sinai steinerne 
fein bringt, so werden dem Griechischen Volke 
pi^ehe Rollen aufgeschlagen , bereitet von der Haut der 
Ziege Amalthea , die mit himmlischer Milch den Gott 
der Gesetze Erzogen. Was diese Rollen tu ihren vielen 
Falten enthalten — das Gesetz der Natur und des Gei« 
stes — das ist A<;; *eAuTTu^/a, und wunderbare 
oft rathsclhaften Inhalts. 



i am 

| 

itzes 

er» 

St 

e Ta- 



US) Herodot. I. 131. 



r baten. 



119) v. Hammer MorgenJandiaches Kleeblatt p. 4. um 

Note 1. — Daher Zeus auch T^yowipaTo; ist ( Eut>tath. ad 
Odyss. XX. 98. pag. 124 Basi!.), der alle <■><**>, «lle Br- 
scheinungen des Vogelflugs , alle Auspicia stehet und zu- 
winkt. Duhcr ihm der Adler beigesellt ist, der Vogel auf 
des Himmels Höhe, aber auch der Königsaur (vargl.ebcu 



Er durchschreitet alle rwfHf Zeichen de» thierischen 
Kreises, streitend, richtend, schreckend , begnadigend; 
und ei begnad gt die Heroen und die Stammkinder der- 
selben, die ihm auf dieser Bahn nachfolgen. So geht 
die Mtrunomitche Ansicht des Nationalgottes in die 
menichliche und practische über. In diesem mcnschlieli - 
practifteben GesamintgeiÜhl der Griechen wird nun der- 
»tlljr Gott '/.um üetobütaer und Vorbild aller Hellenen, 
und heifit d.iher auch an einigen Orten der Hellenische 
| ii".) und der Panhellenisehe (lla«?tXi;vw^). Wa- 

tüi ich waren diese Namen IVüherhin , bei der Absonde- 
rung t\er Griechischen Stämme, oft auf kleine Bezirke 
beschränkt, bis nach und nach, und besonders mit den. 
Pertei kriegen , das NationaJgefühl sich erweiterte, und 
alte Griechen, im Gegensatz der Nichtgriechen (ßapßa- 
f in) , in jenem religiösen Gesaramtnamen beschloß. Da 
wurden auch bei Plataa , nicht weit Ton dem gemeinsa- 
men Hellenengrabe , und bei einem Altar Zeus des Be- 
freiers ('EXtvEHfiom ) Freiheilsspiele ( "EXcvöt'pia ) alle 
1 Inf Jahre gefeiert, und der Hellenische Zeus wurde 
M.n auch von jedem Griechen ebendeswegen als Befreier 
{'EAwÄtpi«) gedacht ™). 

Wendete sich nun »o der Hellenische und Pan- 
heileiiische 2eus mehr dem Leben der Völker zu; 



1 b> I. p. 3J f. p. 723.)* — Man sagte dann auch: Juppi-. 

itr hat (im Adler, zum Zeichen dafs er über die luft- 
diticliw.tni)ernden Gö'Utr (tww diyuail|Nv) oder Geister 
{■w nH f ttirm ) herrscht, wie der Adler Über die Vögel in 
hoher Luft [Sttküp Vol. II. p. 5. ibiq. Küster.). 
1,0; ;.".i.in IX. 9. 4. vergl. Mlilleri Aeginetica p. 155 sqq. 
— In diesem Sinne retten auch die Athenischen Ge- 
i zu tparta von Zeus HcJIcnius, beim Herodot. 
1; im«i Mäandrius , der Saraos befreien will, ge-» 
•i- .ii Z« us eleuiherius Altar und Priestcrtbum ( Ht* 

iuuui. m. ui.). 






so ward im Oiym pi s eben beides das Natnr- 
tlas Volksleben Angeschaut. In der Grundanschauung 
war Beides ursprünglich nur eins und dasselbe. Es wa- 
ren ja Calendergötter diese Olympier ; und den Zeui 
hatten die ältesten Priester aus den Thierhrciscn Bahr» 
Ions und Aegyptcns den Griechen zugebracht. Er Kam 
auch zuerst in Thiergestalt aus der Thebais. Er halte 
^n sich das Widderzeichen, das Zeichen des Stiers; und 
wenn die Fasiphae in Creta's labyrinthischcn Grotten 
nach dem Stiere gelüstet, so war das eine siderisehe 
liUst. Es war das Gelüsten des Mondes nach der Sonne 
im Stier, Der finstere regellose Trabant will den or- 
dentlichen Bahnen der Sonne folgen. Der labyrinthisi-ho 
Tanz zu Cnossus an Zeus Geburtsort legte diese \V» 
Itcit fort und fort den Königstöchtern practisch ans II« 
In des Mannes geregelten Willen sollen sich die .' 
fugen. So ward in alten Religionen vom Himmel dl 
Gesetz des Lebens entnommen, und Natur und Geist, 
ursprünglich Eins, vermählten sieh immer auf* neue. 
Denn alle natürlichen Klüfte und alle ethischen Acnfsc- 
rungen liefen in Juppitcr beschlossen; und wie Osiris 
der Sonnensticr und Pharao zugleich wegen i^rsclic- 
dencr Kräfte und Wirkungen verschiedene Benennungen 
annimmt , so der Zeus der Hellenen i2i ). Abstammend 
aus der ungemessenen Zeit, aus dem verborgenen Schoofse 
des Hronus, macht Zeus den Uebcrgang zu einer andern, 
zu der begränztt n Zeit lö ). Mit ihm werden calendarisch 
und naturgemäß die Zeiten geordnet. Er geht im Fruit" 
hftgtriebte des Widders auf, und thut seine Macht hund 
b^ld durch Blitze und Donner und Regengüsse , bald in 






i2l) Jamblich. de myslcr. Ar^yplt. VIII. .1. p. 15.1. r»iW 
le'a Note. — «ÄÄaj bt uA'.aj b\jvü>*u$ t» kj 
\Aitxt, ty i. 

±22) Ariblotel. de mundo VII. 4. p. 312 Kapp. 



" 




Ilhcrischer Heitcrlteit. Durch beides giebt er Früchte 
und Nahrung. Darum beifit er ä.uT(iu-xuiin; und (Wv- 
•tBiüc und «tijfioi; oder aiSnuoq und xtpavvio^ xiuditnoi; 
und tnixdoitio$ auch r ^). 

So war es also ganz im Geiste der alten Ileligiuns- 
begriffe, wenn spjiicrhin der logisch sondernde Verstand 
cini n elcmentarischen , einen psychischen und einen 
pragmatischen Juppiter unterscSied. Danach Mar Zeus> 
elementarisch (axot^tiotxwu) die reine heitere Himmels- 
luft und die obere Hemisphäre; psychisch (tjrvgustff} 
•war er der Geist ( v uv, ) ; pragmatisch (7rpayu.aTtxci>^) 
endlich war Zeus der König 12 *). Das Alles war er wirk- 
lich und ursprünglich dem Griechenrolke gewesen, und 
der Glaube religiöser Griechen empfand fortdauernd 
dies Allc9 willilich , wenn ihr Mund den Namen Zeus» 
dl er Olympier aussprach. 



$• 9- 



Zeus, der vergötterte Mensch. 
System des Euhemerus. 

Es ham eine Zeit, wo jene altreligiöse Denkart, 
>relchc gewohnt gewesen war, alle jene natürlichen, 



123) Ibid. Daher auch Zeus mit einem Prucbtborn und mit 
einer Schalle vorkommt ( Winckelmanu Descrtpiion d. p. 
gr. du cabinet de Stosch p. 46.). Auch wurde Juppiter 
als Gebieter der Winde und Beschützer der Seefahrer 
gedacht, und in dieser Hinsicht Z e J; tugMf genannt, wcl» 
eben Gott Cicero tWrrin. IV. 57) auch Imperator nnint. 
.Andere haben eine andere Bedeutung in ofgret, suchen 
Mulkri ( s. Jablonski Op«i»cc. p. 72 sq. mit Te W'jler'a 
Xote). — Juppiler ifarttf (ptuviu«) sollte auf dem Gebirge 
Tmolus seine GeburlssUlte haben (Job. Lydus de mens», 
p. M» >. 

12 1> 'AMtflopat qyopwnw 5iw> ; in meinen Meletemm. Part. I. 
P. -13 Sq«l. 



sitstichen «nd rechtlichen Wahrheiten in einem grof**n 
fcalionalvater Zeus zu verkörpern, einer ganz andern 
Denkart Platz machen mufste. Nachdem die Philosophie 
in Griechenland eine Macht geworden, die nun schon 
Jahrhunderte hindurch ihre Waffen mannigfaltig Ter» 
sucht hatte, so wurden diese auch endlich gegen die re- 
ligiösen Volksideen gewendet. Dies war schon früher 
im Einzelnen versucht worden. Aber den Angriff auf 
das ganze Religionsgebiiude machte erst mit der gröfse- 
eten Kühnheit der Cyrenaiker Euherncrus zu des Königs 
Kassander Zeit* Wohl wissend , dafs er es mit Griechen 
zu ihun habe, einem Volke, dessen Religionsglaabe auf 
dem allen Epos , also auf dem Grunde der Sage beruhete, 
griff er die Sache historisch an. Da wufste er denn sei- 
neu LaudsJeuten zu erzählen T wie er viele fremde Lan- 
der durchwandert und unbekannte Meere durchsegelt 
habe, und wie er endlich nach manchen Tagereisen im 
südlichen Ocean auf eine Insel gekommen mit Namen 
Panchä'a , von Cretern bewohnt, welche ungeroessene 
Schütze und lleichthümer besäfsen. Euherncrus rühmte 
die Ordnung, Pracht und Herrlichkeit, die er auf jener 
Insel gefunden. Sechszig Stadien Ton der Hauptstadt ,2S ) 
entfernt, erzählte er, lag ein grofser Tempel, dem er- 
sten der Götter (Juppiter) gewidmet, von erhabenem 
Bau | mit uneimefs liehen Schätzen ; darin stand eine 
Saute von Gold, mit den Lebensbeschreibungen der 
Götter, des Uranus, Ilronos, Zeus, Apollo und Diana 
(als der Gottheiten , deren Verehrung im Volksglauben 
vorzüglich ausgebreitet war). Hier fand denn Euheme- 
rus auch die Nachricht aufgezeichnet, dafs diese Goti 



I 



125) Diese Hauplsf.ult keifst hei Diodor. V. 42. Pansra, 

ihre Einwohner nannten sich Schützlinge oder Diener des 
Zeus der drti Stamme (Aisj Tf i$«Uft : s. die Kote % 
Wesseling daselbst p. 305.), 




54 1 

allesamt früher Menschen f dafs insbesondere 
Zeus ein alter König von Creta gewesen. 
Mithin, schief* et weiter, sey allein wahr, dafs dJ£ l\a- 
tur ein Werk des Zufalls, und liein wirklich von Göt- 
tern gebildetes Wesen sey. Denn die Bewohner jener 
Insel, die Verfasser der Lebensbeschreibungen, seycn 
eben Philosophen, aus Creta abstammend, gewesen, 
die folglich das Alles aufs genaueste gewulst hätten. 

Dafs Euhemerus angebliche Entdeckung, dis er in 
einem eigenen Werke, Upot dvceypcn^nj betitelt li6 ), nie- 
derlegte, nichts ganz JVeues war, JäTst sich nicht bc- 
Bweifeln. Er hatte selbst eine alte Sage benutzt , die una 
Lucianus mitgethcilt bat i£7 ). Auf der Insel Creta, mel- 
dete sie, sey Zeus begraben. Auf dem Grabe stehe 
eine Säule mit der Inschrift: *Juppiler werde nicht mehr 
donnern, denn er sey längst gestorben». Gegen diese 
Sage suchten sich freilieh manche Altgläubige dadurch 
xu wahren , dafs sie behaupteten , es fehle in dieser In- 



126) S. Cicero de N. D. L 42. p. i$l unserer Ausg. und die 
dort von Davits und mir gegebenen weiteren Nachwei- 
sungen; femer Potyb. ap. Sirabon. p. i6d. Plutarcli. Mo- 
ral, p. SSO. Diodor. ap. Euseb. P. E. p. 49. Vtrjl. oben 
Th. I. p. SOS. 

127) Luciani Juppit. Tragoed. Tom. VI. pag. 579 ed. Bip. 
tt trft oi y «t K^-ijt^j njr.ovrs; aikka *jixiv ifffrityroty raoej tni 
*üSt iti'wjfSji i Hai evifk^ i^icrüsjtt hjXaüm x>$ cjxi'ri 
/Jj> » vt*jV •• tv « v o Z « J ,-, T.Svte«; n/'Äai. Auch Ci- 
cero de N.D. 1IL 21, wo er von den drei Joves spricht, 
führt den dritten so an: Tertium Cretensem, Saiurni 
ftlium , c u j u s in i 1 1 a i n s u I a sepulcrumosten- 
ditur." S. dort die Nachweisungen von Davits p, 5SS 
uns. Ausg. Hiermit verbinde man die Stelle des Grego- 
rys von Nazianz, die ich, so wie einige andere Data, im 
ersten Bande der Meletemm. p. 44. gegeben. Mt-hreres 
im vierten Tkeile der Symbol, (p. 461 der erbt. Au*g.) 



schritt ein Wort , und statt xov Ataq xafoq habe 
heilten und müsse es beifsen Mifoo;, tov A«o£ to'^t, 
«]. i. Grab Jos Minos , des Sohnes Juppiters. -Aurb rler 
berunmto Callimachus , am Hole der I'tolt inaer *u 
Alexaudrien lebend , widersetzte »ich dieser Kul.< 
itücheu Ansicht,, die auch in dcrThat, obwohl so fein 
und kunstreich ausee?ponnen , doch nie zum hen 
den V «j 1 ksp 1 a u b e n weiden konnte. Er spridbt in sei- 
nem Hyn.nus ittf Zeus deutlich und wicdeihoit die Idee 
Ton der Ewigkeit des Zeus aus *-5). 

Da ich bereits oben r beiEutwickelung der Idee Tom 
Osiris (Th. I« p. nq 1 ) — 807.), d»e Anlasse des Svstci 
welches «len Gotlerdienftt der allen Völker aas der Apt 
theose herleiten will, erörtert habe, und im \»erti 
Thei!« bei den (ierealischen Religionen zu den MyStffU 
des Cretessischen Zeus zurückhehren muPs, so vi II 
hier zum SchluFs 11 neb einige Ausdrücke beruhten, 
welche der Vorstellung von der Apotheose manchmal 
Vorschub gelhan haben mögen. So sprach man z. l'<- 
Ton Jiipptter zu weilen, als sey er Sohn des Prometheus ; 
■welches dann freilich Einige dahin erklärten , er sey der 
Vorsehung Sohn W). Vielleicht bat es auch« um in den 
Thessalischcn Gebieten fortzufahren , einen Juppiler 
JVmphictron gegeben 13n ). Und da Juppiter der beste, 
Torzuglicbste der Götter war (&^iuto>), so dürfen wir 
uns nicht wundern, wenn derselbe Gott auch als bc 
Herrscher, als Ztif 'AgiaTap%o$ , bezeichnet wird. 



rom 

I 

ich 



d. So 



128) S. Ifymn, in Jnv. vs. 8 sqq. nach Ahlwardt : 

,,tmm<r Ittgrn die Kreter! ja »e'bn dir KOnig ein Grtbnat 
,. itaben die Kreter eibiut, dir Lyndon, Uer da nicht »tUbetf.' 



129) .Tob. Lydus de menss. p. 96. ui 
u'sv (r;v Aia-, w'ewt r$( T^tvca;. Vcrgl. lulgeniii M) th 
II. 9. p. 6&0 Stavcren. ibiq. Inlerprr. 

130) Müllcri Aeginetica p. dt. 



hol. 




545 

kalte ihn der Dichter Simonides genannt W). Mit ähn- 
licher allegorischer Bezeichnung wurde Hades (Pluto) 
'Aj^aiXaoc und'A^Jitrov^pos ,iZ ) genannt; ein schicklicher 
Name für den Gott, der die Scuaaren ins Todtenreich 
fuhrt und ihnen dort gebietet — eben so passend, als 
^enn die Asopier dem Aesculap den Namen «I>tXöX«o^ t 
Volhsfreund , gaben, andere den Hercules v AAe5<<; und 
die Diana TijXe'uopjo^ nannten t3S ). — Je practischer 
aber nun der Begriff des grofsen Volksgottes Zeus ge- 
worden war, je durchgreifender durch alle Griechische 
Stamme, je herrschender in allen Städten und Gauen, 
desto weniger konnten bei diesem Gotte gerade Beina- 
men ausbleiben , welche seine Idee ganz in mensch Li che 
Nabe rächten und in örtliche Schranken beschleusen. 
Aber dafs die von Fitestem geleitete Religion hierbei 
doch das Allgemeine dieser Idee von dem Besonderen 
und Bedingten wohl au unterscheiden pflegte, dafür 
ipricht eine bemerhensweiihe Nachricht des Iferodotus. 
•r Folgende Erbrechte, sagt er, haben die Spartaner 
ihren Königen verliehen: Zwei Priesterschaften, de» 
I.a cedn mo n i sehen Zeus und des Himmlischen 
Zeus» ,J4 )» Hier war also, dem Namen zufolge, Zeus 



iil) Valckenaer ad Herodot. VI. SS. Vergl. über diese und 
einige folgende Benennungen CaSaubon. ad Athen. HL 
tt! Tom, II. p. 195 Schweigh. und Bckker ad Apollonium 
de Construct. pag. 399. — Vom Juppiter Ast raus ein 
Mehrere» ino Verfolg (s. Tb. IV. p. 4ll£ erst. Ausg.). Er 
hiefs auch ikfiaTo; , Geber der Feuchtigkeit, auf der Insel 
Ceos (Clem. Alex. p. 7S5. wo inftaif gelesen werden niufa 
statt 'IsSfxta)^ 

132) CaUimacn. Lavacr. Pallad. 130. 

tJJ) Valckcnaer a. a. O. 

li'l) li f s c tiVat 4w« , Atct, r* AaKiiai'fxpv;c, y.ai A/e? Ow • 

{.ov.'ou. Ilcrodot. VI. 5£>. Man vergl. daselbst Valcke- 

nacr und Larcber. 



544 



«um Laccdfimon , wie ru einem ideellen S'adr 
geworden ; wovon der allgemeine König d*s Himi 
nach hieratischen Satzungen bestimmt unterschu 
ward» Nach einem andern Schriftsteller wäre 
städtische Zeus von Sparta noch mehr iridivielnaiis 
worden, da er auch Agamemnon genannt worden. \l 
weifs aber, dai's die Alten früher schon in diesem 
aigsnamen etwas von allgemeinerer I.« deutung _ 
haben (s. oben Tb. I. p. /)53.). Vielleicht hatte es 
dem Namen Hector dieselbe Bewandnifs. Deiselh. 
tor meldet, dafs dieser denen Ton llion für einen Gott 
galt l *>). Aufaolcbe Weise konnte dann manchmal das 
erhühete Selbstgefühl eigenliebiger Menschen sich in der 
Art hinaufsteigern, dafs sie sich selb«! -«".n liehe Namen 
gaben, wie der Syracusische Arzt Menecrates, der alle 
himmlische Herrlichheit mit dem Namen Zcns auf sein« 
Person überzutragen wähnte 13Ä )» 






G. 10» 
Juppiter der Italischen Vülher. 

Diese Betrachtungen hangen mit der Vervielfälti- 
gung des Juppiter zusammen, wovon auch die Römer 



J35) Aihenagoras : & *I).i4u; Sjav^Exroj« Xtya , e ii A«k» ; 
.tc^ 'Ayank'i*v»w A ■ j. vi/Sit. Vergl. die oben angeführ- 
ten Aufleger. 

116) MavtKfäri;) — o SjfaKeuVro; e Z l v ; »■nxaAaJjj.rvc^ — 
w; fAo»ot aTnei tcü £jjv roT; ov^w-rcr^ ytvlfj-tw, Athen. VII. 
p. 2by. p. i4 sqq. Schwcigh. wo mehrere ähnliche Bei- 
spiele angeführt werden; vergl. Ael'uni V. II. XII. 5t. 
Dir Etymologie , worauf Mcnecrat* s als Arzt bauet«, 
habe ich oben aus dem Plato angeführt. Sie #ar aber 
von Vielen angenommen; s. z. B. Aristotel. de mundo 
VII. 2. pag. 311 , welcher Autor offenbar aus dem I 
geschupft batj vergl. auch Fulgtntii MythoJog. hb. I. 
p. 629 Stavcr. 




•p 



wnfsien. Varro hatte zum Beispiel von dreihundert 
Göttern dieses Namens ( Jovts oder Juppiterem) gere- 
det ,3 ') Besonders mufslen die (lauschen Vulher viele 
Jiippitcres haben,, weil sie Juppiicr appcllal l\ isch von 
vielen andern Gottheiten brauchten **). Wirklich wird 
uns in B «"mischen Sagen Juppiler mii mehreren Bei- 
namen genannt, thcils In Beziehung auf einzelne Bele- 
denheiten , theils in örtlicher Bedeutung. Dabin gehö- 
ren z. li. die Namen feretrius, stator (Livius I. 1.0. ig.), 
ferner Latialis (Cicero pro Milonc cap. 3i. Macroh. Sa- 
turn. I. 2.). An den Dienst de» letzteren war bekanntlich 
der Latinische Bund zum Theil geknüpft, und in so fern 
hönnle dieser Gott mit den Ampbirtyonischen Uundes- 
pnitheiten J,/ ) gewisserniafsen in Verbindung gebracht 
werden. Aber auch im physischen Verstände halten die 
alten Bauer eine Mehrheit von Jiippitcres, um die alle 
isform beizubehalten. In diese Classc gehört Vc- 
• is , den Einige als einen unholden , schädlichen Gott 
bezeichneten (Gell. N. A. V. 1?.); Andere als einen 
zur Hülfe unfähigen , schwachen , hnnhenarligcn Gott. 
Er war bartlos vorgestellt , und eine Ziege war ihm 
beigegeben (Ovid. Fastor. [IL 4'|3. ). Ls liegt des- 
WegOO sehr nahe, dafs man an den Zeus Avxaio$ der 
Arcadicr dabei erinnert, den Wir oben mit Pan ver- 
bunden gesehen haben. Hiernach fällt er mit dem Jup- 
piter Axur oder Aniur zusammen, von dem die heulige 



137) GrIÜi N. A. V. 12. Lactant. divin. Insiitutt. I. 9. -10. 




546 

Stadt Terracina ihren alten Namen hatte **>). Nach der 
ursprünglichen Torstellung im calendarischen System der 
Aegyptier mufs er Zeus- Harpocrates heißen. — Die 
höchste Herrlichkeit und die Oberherrschaft über Natur 
und Welt dachte sich der Römer in seinem Juppiter 
optimus maxi m us vereinigt, der auf dem Capitol 
seinen Sitz hatte , und als Capitolinus Mittelpunkt der 
öffentlichen Stadt- und sofort auch der Reichsreligion 
geworden war ,41 ). 




§• 



11. 



HERE — JÜNO, 

Ans dem alten Calcnderkreise hatte sich in der ge- 
bildeten Theogoi ie eine Znölfzahl yon gottlichen Wesen 
(ot däSexa , dcodtxdStui,) entwickelt» eine Götterfamilie: 



140) S. die gründliche Ausführung dieser Meinung in Thor- 
lacii Proluss. et opuscull. Acadeinm. XVI li. besonders 
p. 2S7, 251 sqq. vergl die Annott. zu Cic. deJN. D. III. 
24. p. 630 sq. und p. 78S. 

!4l) Tacit. Histor. IV. 72. Auf die Ordnung dieser Worte 
legten Philosophen ein besonderes Gewicht; s. Cicero 
de N. D. II. 25. pag. 305 sq. wo ich über diese Formel 
Machweisungen gegeben. Gleichwohl übersetzt Rudolph 
von Montfort im Barlaam und Jo&aphat p. 244. 15. 16. 
nach. Köpke'a Ausgabe: der höhestc und beste. 



Hl 

Zeus neLst einem Bruder , drei Schwestern v drei Töch- 
tern und vier Salinen. In dieser Olympischen Ordnung 
ist nun Bare dem Zeus als öchwester und ordcntlir.au 
Gattin beigesellt, Sie mtg ihren Ursprung herleiten 
Wolter sie «olle, vorüber gleich das Nähere bemerkt 
Verden soll : ihren Namen kann man al» Griechisch an- 
erkennen. Die alte Sprache, deren Formen im Aeoli- 
eehen Dialect am häufigsten vorkommen 1 kennt too^L 
fppo-:, wovon sieh tya und hernach "H^nj natürlich ablei- 
ten lassen, jenes in der Dedeutung von Herr und ii.it 
her us Verwandt, dieses liei rin, hera 1 " 12 ). Den 
Italischen tarnen JuBO wollten Bekanntlich schon aha 
Schriftsteller von j u v a re, helfen, herleiten. Neuere 
Italien lieber an jurare derben wollen, frei! mau bei 
ihr vorzüglich zu schwüren pflegte, während doch da» 
alte Joris, Juvint (Juviuo) naher liegen möchte, und 
noch naher Diune, Ai&rg, ir'uit Alf u ). Ks dari hierbei 
nicht vergessen werden, dal's diejenige U n b e «. t i m m t - 
heil von Begriffen \ die mit diesen Nlmeo verbunden 
wurden, bei den Italischen Völkern sich länger erhalten 
litit , als hei den Griechen, Es wurde nämlich die alte 
Orundvoi&tcllung vun einem grollen weiblichen 
Schutzgeist durch die benenn ung Juiiu in Italien 



l4«) Hesych. I. p. 1445 Alfoerfi, Ltmiep. F.iyinol. bog. gr. 
pag. 22*. 2-iS ed. alter. Hö'nigtrs kutisiiuydiologie der 
Juno. Odei t\a, »j;->r * die Eiut; vei$l. Fayuc Knight 
s)nibol. lang. &. 35. P- ^ *" • 

143) Cicero de N. D. II. _u. und dazu Wyttenlmeh pag. 7S4 
unserer Ausg. und jezt Payne Kmght sytnbob Ung. § iö. 
p* 26. Dis (A«'s), davon L) i a , Scheine« die t iiitachiüen 
Formen , und auch der Bedeutung iucIi ganz allgemein 
Gort, Göttin, zu bezeichnen« N un folgt auch At^aa , 
und dann die übgt-lt- iu u n K>rmtu Djsuui (Janut), 
1> i a ii a , D i ü II e und J uiib. 



5^8 

auf mohrere Wesen ausgedehnt, z. B. auf den Gebl 
der Otts und auf den Schutzgeist aller Matronen '*•). 

Ueberhlichen wir nun die bedeutenderen Sach- 
erklär u n ge n , die von der Here -Juno bei den Altei 
sich tiiden , so wird es uns, bei der Weitschicht igkeit 
von jenen , sehr begreiillch werden, wie diese Gottheit 
mit \ »elen weiblichen Naturwesen des Orients für gleich- 
bedeutend genommen werden mufste. Sagten die Stoi- 
ber z.B.: Here ist der Luftkreis zwischen Meer und 
Himmel u> ) ; so sagten Andere : Here ist der Mond , sie 
ist die Erde und das Dunkel auf und unter der Erde, 
sie ist Fiusternifi und Nacht, und die Bewußtlosigkeit 
der Schlafenden ,i ). — Diesen Vorstellungen zufolge 
würde es zuvörderst statthaft seyn , in der Here -Juno 
jene Indische Bha v ani zu finden, welche von Brehm, 
dem unbekannten Gölte, ausgehend, die Mutter der 
drei £iofsei» Dejota's, der drei Bedingungen der ganzen 
sichtbaren Welt, wiid (s. o"hen Th. I. p. 587.). — AI» 
Mond ist sie, nach einer herrschenden Vorstellung des 
Murgenlanders, die Emp fängerin aller zeugenden Keime, 
die v«>n ihr der Erde mitgetheilt werden (s. oben Th. II. 
p. 8 ff.). — So will Juno ferner nachgerade zur Anaitis 
oder zur Mitra der Perser, zur Astarte, zur Yenus- 



144.) S. meine Anmerkung zu Cicero 1. 1. p. 309. und beson- 
ders auch die dort angerührten Alterthumsforscber: 
Laiizi (Saggio di ling. Etrusc. p. 238. 578.) und Marini gli 
Atti de' fratelli Arvali p. 160. 174. 3S6. 4l4. 500 sqq. und 
p. (186. — Sclavinnen .-schwuren in Rom bei ihren Juno- 
nen , d. i. bei dem Gtisi ihrer Gebieterinnen. Aber jene 
Bedeutungen : Geist der Ceres und der Matronen hatten 
doch einen gemeinsamen Grund. 

ihn Cicero de N. D. a. a. O. 

146) Plutarch. ap. Eu&eb. Pr. Ev. pag. 83. vergl. Plutarch. 
Fragmin. IX. p. 7-6 sq. Wytteub. 



5>9 



'mriLi der Phönicier und Carlhnger werden , welche 

i/.trir j.i auch unter Römischer llcrrschalt vorzüglich 

lie Juno verehrten ( s. oben II. p. i/|i, ffl p; »70 II.); 

md niemand wird es dem Lueianus verdenken wollen, 

wenn er die Syrische Göttin zu Mabog- Mierapidis mit 

3er Griechischen Here vergleicht (s. II. p. 61 tl'.). 

"W ie wenig uns aber solche allgemeine Verglei- 
chnngen geniigen Können , mag daraus ersehen worden, 
dafs einige ältere Schriftsteller mit Znstimmm:: dies ge- 
lehrten Plutarehus 1;7 ) die Here «r-d Leto (Lato oa) für 
einerlei nahmen, welches einen Aegyptischen Dfsprung 
jener Göttin voraussetzen würdej nährend doch Hero- 
dutus ui ) die Here der Griechen ausdrücklich den wc- 



147) 8 Fragmin, laudd. p. 757 Wyttenb. — Damit man mfc h. 
nicht mißverstehe, so soll da» »u» min im 'J Vxie folgt 
kernt Opposition gegen die Annahme machm, dal*. .Juno, 
wenn wir nach dir letzten Quelle fragen, an* dem linia- 
nationssystem der I ndier anzuleiten seyn möchte. Viel- 
mehr bitte ich, nachzulesen was im ersten Thtil (p.O(M.) 
von der Juno * Lucina alt) Indifc-her Fihavjni verrouthei 
wird. Ich knüpfe hier aber meine Untersuchung an 'lie 
Babylonische Myli'.ln, welche letztere dann vielleicht 
selbst Bhavaui ist. 

i4S) Herodol, 1 1. 50. — Man wird im Verfolg sehen . dafs 
ich auf jene Mythen beim Plutarch viel Gewlobt lege, 
aber um der Begriffe willen, nicht mn das Vaterland dir 
Juno daraus /u erforschen. Jene Verlegenheit Griecht-« 
scher Schriftsteller aber — wohin sie bei der yr< 
Asiatischen Nattirgöltin mit ihren vielen Namen sulh n — 
w.if zeigt sie uns anders, als dafs in Grieche nl.ujd ein 
poetischer Polytheismus tief h;s Volk eingedrungen war, 
wahrend sich bei den Hai baren Asiens von <! I 
Religion, dem Monotheismus, noch »Mehrere Spuren 
erhaluu hatten. Wenn andere Griechische Scbrißtteilcr 
von einer Aegyptischen Juno reden, z, li. HofflpOllo I. 
11, so muA man darunter Athor verstehen; s. Laicher 











nigon Gottheiten beigesellt, die ihren Ursprnng hei 
Aegyptiern nicht genommen haben. Dafs eine 
vonArgolis, mit dem Crinamon Prn-ivmna bezeichnet, 
jener Aegyptisrhen Buto-Latona im Wesentlichen äbo- 
lieh gewesen, wird der Verfolg wahrscheinlich i" 
aber jene Aehnlichheit , die sie mit der Latona gehal 
macht sie auch der Artemis von Ephesus und jener 4dl 
tischen Liliih - Ilithyia heinahe gleich, weil alle diese 
Wesen in gewisse Grundbegriffe von Nacht und Licht 
sich gemeinsam theilen. Und so bleibt also die erste 
Frage nach dem wir]» liehen Stammorte, der dei 
Griechen ihre Here geliefert, Tor wie nach zu beant- 
worten übrig 

Derselbe Vatrr der Geschichte, der nns bei dieser 
Frage von Aegypten ablenkt, Jäfst doch einer Grirchi- 
schen llere von einem Aegyptischen Hünige Weihge- 
selienhe senden. Sie wurden vom Amasis nach Samos 
gestiftet; und eben wegen seines Heräum wird Samos 
von dem Geschichtschreiber ausgezeichnet. Es war d*r 
grüTseste Junotempel in Griecbibchen Landen, der nnr 
gewissen Bauwerken der Aegyptier nachstehen raufite '"). 
Diese Inselstadt, zum Juriischen Bunde gehörig ,sa ), 
mufste frühe und schon vor der Jonischen Pflanzung 
mit den Asiatischen Yölltcrn in geistigem Verhehr ge- 
wesen seyn. Vielleicht war selbst ihr Name Phönicisch 1il ). 



zum Hercdot. K I. p.27S„ Bemerkenswertn ist die Nachricht 
I sn et ho (ap. Porphyr, de Abstin. II. 35.), dafs zu 
1 1< liopolis der Juno täglich drei Menschen geopfert wur- 
den , wo man wohl an die Buhastis (Diana) denken mnfrj 
s. Khoer zu dieser Stelle p. 200. 





»nect 
nachher ciu rJanptverein Griecbiacbei Kunstwerke 
-ward ,5 -). BSan wird erwarten:, d?f> efa aoichee litilig- 
ilniin .in Stiftangalegendea keinen Mangel hatte. Wir 

nn'is^ ■:• sie berubren . v.eil sit- lUH den Ursyi'ing dieses 
J i i . . .s and seinen Charakter kenntlich machen. Ihnen 
Bafoige machten die von Argos aui" (Im li'Uiere Alter- 
thwm ihrer Uwe Anspruch. Von dort hätten erst dt« 
A' . : iten das älteste Bild nach Besaoa gebracht x5i ). 
W enn nie Samier sich dagegen den Ursprung der Him- 
mclaltdnigin zueigneten, so wofsten :i»; dafür eine he- 
inertt« ns-,\ i Tilic Beglaubigung beizubringen, und die 
Tempelexcgeten sorgten dafür» dafa sie nicht unterging. 
In ihicr Insel, sagten sie, sc)' die Gottin geboren f am 



~ 



muihet MHnter (Erklärung ahifr Griechischen Inschrift 
nag, r; 1 .), sey aus ilnn Pnöniciechen abzuleiten« Mmbo 

«aRl (üb. X. pag. -iü7.), 2rJ^«Uj habe man dir IJöhm tje- 

nantii; s. Scbeliing Die Gottheiten von Samoihr. p. 4 i f. 
not, l. Sie führte auch den Namen flrngStvia .Parthenia), 
welchen Namen die S.ig<! für den früheren ausg«-!'« ;i 
wothf (Spanhc m. ad Calttmaoh. Del J s -- — Batnoa war 
von Pelasgero besetzt worden, und hatte mcljnn.ils Grie- 
chische Colonien aufgenommen; virgl. Ranul Röchelte 
llist. de .'etahüsefmeat des ColonJe» Grecques Tom. I. 
p. 2M. Tom. IL p. 206. 221. 226 14$. 

152) Appulej. Florid. I. p. 350 Efmenhorst, Vergi. RöUigers 
Andeutungen pag. 52. Jacobs über den Rtichlhum der 
Griechen p. i i. und Quatremerc «Je Unincy Ic Jupiter 
Olymp, part. III. vergl, auch Heyne Opuscc. Academra. 
Vol. V. p. 343 sqq. 

153) Pausan. IV. 7. 4. p. 247 Fac. 



55a 

Flufse Imbrasus 15i ), und unter einem Stamme toi' 
einer Weidenart (kvyoq), den man nach dem Pausanui 
im Heräura zeigte. Diese Legende trägt nun ein Sarai* 
scher Chronist, Menodotus, so charakteristisch vor, 
dafs \\ir das Wesentliche seiner Erzählung aushebet 
müssen: Admeta , des Eurystbeus Tochter ,. entflieht 
von Argos nach Samos. Durt erhält sie eine Epinbaiiie 
der Here. Dies bestimmt die Schutzsuchende, Prieste- 
rin des alten Tempels der Juno zu werden. Nymphen 
und Leleger hatten ibn gebaut. Aber seeräuberische 
Tyrrhener, von den Argivern aufgestiftet, müssen das 
alte Bild der Göttin rauben, um der Admeta Strafe zu- 
zuziehen. Allein nun steht das Schiff unbeweglich. Die 
erschrockenen Seeräuber tragen es ans Ufer zurück , 
und versöhnen es durch eine Spende von Kuchen. Am 
andern Tage suchen die wilden Einwohner das Bild. Da 
sie es am Ufer finden, glauben sie, es sey von selbst 
entlaufen ,. und befestigen es an einem Zaune von Wei- 
denbüschen. Admeta löset es ab, und stellt es wieder 
auf seine vorige Unterlage. Daher alljährlich «das Fes- 
selungsfest (Ti>v£a), wobei das Schnitzbild ans Gestade 
getragen wird, und Spenden vonI{uchen empfängt 155 ). 



iS'i) Fausan. ebendaselbst. Daher "Hf«? 'Ipßpurnj die noch 
bestimmtere örtliche Benennung der Saniischen Here. 
Auch hiefs sie von einer Königin , oder von einem Orte, 
dieser Insel : 'Itvs*j vtj; oder *Hjij ixvoverfa. Step ha n. Byz. 
p. 421 Berkel. vergl. p. 4l6. 

%55) Athenaeus XV. p. 672. p. 449 Schweig». Man vergl. 
daselbst die Anmerkk. Vol. VIII. pag. 56 — 69. Heyne, 
der dieser Sage in der Urgeschichte der Griechischen 
Bildnerei die gehörige Aufmerksamkeit schenkte , stiefs 
doch dabei an, dafü die Nymphen und Leleger den »1- 
testeu Tempel der Here gebaut haben sollten. Er schlug 
vor, für Nuwftöv zu setzen: Aväwv (Arn' um inter Grae- 
t?os tempora Opuscc. Acadd. V. pag. 315.;. Raoul Ro» 



Ich übergehe mehrere Umstände,* welche] schon im 
Vorhergehenden erläutert worden, und vchmüc Lei 
andern. Hier ist nun vorerst der alte barbarische Ur- 
sprung des Tempels und Tcmpeldicnstcs ausdrücklich 
bemerkt. Here war nicht zuerst -von Argos gebdmmen. 
Barbarisch sind auch die Gebräuche und Vorstellungen. 
J s ist ein magisches Bild , dessen Besitz auch magisch 
befestigt wiid. Es tbut Wunder , und das jährliche Tra- 
gen des Bildes ans Ufer, seine Fesselung tind Lösung 
(ursprünglich von Jahresepochen und Hocdspbasen und 
deren symbolischer Andeutung ausgegangen) werden; 
nun in Volhslegenden umgedeutet. Man erinnere sich 
nur an die Art, wie im allen Aegyplen die heilige Buh 
mit Attributen von Sonne und Mond jährlich aus den 
Tempeln hervorgeführt ward. 

Dieses Schnitzbild der Samischen Himmelskönigin 
war roh, und zuerst vermulhlich einer Spitzsäule ähn- 
lich, oder doch gewifs ein blofses Schtiilzwerh aus 



chette Bist, de I'etahliss. des Colonies Grecqnes Vol. IV. 
pag, 3S6. müchte lieber Mivwüv le.-,en , so dal"-, diese zwei 
Volksstämme, die öfter beisammen genannt werden, als 
Bewohner von Saiuos Urheber jenes Tempels wiiren. — 
II' . n«: schickt aber seiner Cunjecttir den Zweifel voraus: 
Kisi mythicum aliijuid subest. Dieses Mythische nun, 
örtlich briraehlet, niacbf um, auf den Flufs Imbrasus 
aufmerksam , an dessen Ufer der alte T«fflpel stand. Das 
konnte wohl mythisch. beiften: die Nymphen haben 
ihn gebaut. ViYim man nun aber weifs, dafs die Le leger 
selbst symbolisch ab Störche genommen wordtn, und 
wenn man sich erinntrt, dafs SU Dodona das HeJIigthum 
von Tauben besorgt worden tryn sollte , und dafs Bie- 
nen zu Delphi ein Ti nipelchen aus Vogelfedern und 
^\ lis sollten gebaut haben (Pausan. X. 5.); dann wird 
man auch an den Sambchcn Nymphen und Lelegem kein 
Acrgernifs nehmen. 









Hol« iSi ). Kachher noch "ward es mit dem Calathns oder \ 
mit dem modius (Scheffel) , dem Bilde derFruchtbarliei 
auf dem Kopie gebildet. Dia ausgebreiteten Hände 
beten auf Stäben, welche (verua) an der Bi>s»s i 
Boden befestigt wurden; gleich den Standbildern < 
Arteniis von Ephcsus (s. oben 11. p. J76.). Auch r< 
schlciert Maren dergleichen Bilder häufig. Nur llere 
wurde auf Münzen oft entschleiert vorgestellt, indem 
der Schleier, der sie vom Kopf bis auf die Füfse be- 
deckte, zurückgeschlagen ist, oder von beiden Seiten 
des Kopfes hinten herabhängt. Hiermit wurde sie als 
Stifterin der Ehe bezeichnet, indem die Griechische 
Ehefrau von dem Brautschleier nun befreit erseht 

Die Hauptsache für unsern jetzigen Zwech ist, da( 
wir in jenen Legenden auf die Erwähnung der Wei- 
den zweige inctltcn. Es kommt uns hier nicht sowol 



156) Plutarchi Fragmin, p. 762 sqq. Wyttenb. *Hpoc. & 
Zafx/j; guAtvev »lyo'j iTbos, , n; tyct K.z),h)x -y;. Ks folg« 
die Worte, welche in den Fragmenten des Catlimacliti 
sieben pag. 477. Erst hatte man ra Simns ein l>lo&< 
llolz , Brett, «1s Gegenstand der Verehrung. N.iclilu 
halte Sniilis ein menschenähnlicheres Schnit7l>,ld der 
Göttin gemacht ( Clemens Alex. pag. 4t Polier, vergl. 
Heyne Artium inter Graecos tempora j in Opuscc. Acadd. 
Vol. V. p. 312. 34<t.). 

157) Spanhriin ad Callimach. Dian. vs. 229>. mit d^n xw« 
Bildern p. iJJ. und p. 417. Börtiger Kunstmythologie d«i 
Juno p. 89, Dessen Aldobrandin. Hochzeit p. 38. p. \1 
Münzen von Samos und ein Relief mit den alleren Vor- 
Stellungen der Juno liefert Miliin Galerie mytholog. T«b. 
VI. 81. Tab. XII. -Ji>. Zu diesen nlrerrn \ 

der Göttin sehe man auch unsere Taft! l\ . 2\. und die 
11 .'inuNilie Münz- , worauf Jtippiler der Ehegott und Juno 
die Ebegüttin erscheinen, auf dem llolzschuitt , oben vor 
diesem Paragraphen ciugedrucLt. 



dd. 

der 

126. 







derselben in einem solchen Strauch eingewachsen und 
aufrecht stehend gefunden worden» so wie die Aegrp- 
ticr ihren Osiria und die Thebaner ihren Dionvstis in 
einem Baume oder in einer Säule gefunden haben woll- 
ten ,59 ). Wir werden durch die in Weidenzweigen ein- 
gebundene Samische Here auf eine Babylonische 
Here und auf Phünicische Benennungen aufmerksam. 
Ein alter Lexicograph sagt uns Folgendes : «Ada ('\tbx): 
Ijust, Quelle« bei den Baby In nie rn die Here 
(Juno); bei den Tyricrn aber die Weide» 16 °). 
Betrachtet man, wie man sonst wohl oft mufft 1 diese 
Glossen ah getrennt, so hat der Weidenbaum dort mit 
der Juno nichts gemein als den Namen. So siebt einer 
der Ausleger diese Sfclle an, bescheidet sich jedoch, 
dafs auch eine andere Ansicht richtig sejn tonne 161 ). 
Er erinnerte sieb der Legende nicht , die uns die Juno 



1.58) S. nurEustafb. »d Odyss. IX. 427. p. 367 und p. 369 Ba- 
sil. Andere Stellen der Alten führe ich im Verfolg, bei 
den Cerealischen Religionen , an. Man vergleiche vor- 
isy der ersten i 




556 

in dem Weidenzaune tor Augen gestellt bat. Data 
•werden wir auf die andern Erklärer hören, novon der 
eine uns lehrt« dafs am Laaberhüttenfeste der Israelit» 
Weidenzweige in den Händen getragen wurden, und 
dabei der Freuderuf Hosanna AdonaT erscholl (wie in Ae- 
gypten bei derOeffnung der Nilschleufsen Lotusstengel mit 
Freodengeschrei getragen wurden und w erden ; s. I. Tk 
p.284 ff.) Daher die Weide selbst den Namen der festlichen 
Freude gewann. Den Namen Ada als Namen der Jnno be- 
zieht aber ein anderer Erklärer zunächst auf den Mond, 
welchesGestirn dieserGöttin besonders zugeeignet war tU ), 
und vermuthlich unter jenem oder einem ahnlichen Na- 
men ('Ana , *It£cc) bei den Tyriern gottliche Ehre ge- 
noß». Welche Meinung nun aber auch die vorzuglichere 
scheinen mag, in jedem Falle haben wir Zeugnisse ur- 
alter magischer Religionsgebräuche im Dienste einer 
Asiatischen Juno. Denn einmal ist gewifs , dafs man der 
Weidenart, Keusch -lamm genannt, besondere Kräfte 
gegen den Bifs der Schlangen und erkältende , den Ge- 
schlechtstrieb hindernde , Wirkungen beilegte. Andrer- 
seits wissen wir, dafs die alten Italischen Frauen die 
Juno unter dem Namen Fluonia anbeteten , weil sie nach 
der Empfangnifs die Menstruation zum Stillstand brin- 
gen sollte 1&> ). Hierin ward Juno also ganz und gar der 
Göttin Mena, Juppiters Tochter, ähnlich, welcher die 
.Alten gleichfalls die monatlichen Reinigungen unter- 



if>2) S. die Noten a. a. O. und daselbst Macrob. Saturn. I. 
15. vergl. Gerh. Vossius de Idolol. Üb. II. cap. 6. 

163) Festus in voce , vergl. Arnob. adv. Gentt. III. 30. und 
daselbst die Anmerkt. Tom. II. p. 157 Orell. Allein in 
einem allgemeinen Sinne war Juno auch als die feuchte 
Natur und als Wasser genommen (Job. Lydus de menss. 
p. 66.). Rhea , das personificirte Fließen , war auch ihre 
Mutter. 



557 



rorfen glaubten; während Andere diesen Ein 11 ups dcrGat- 
in de Jappiter, der Juno , selber zuschrieben "'»). Und 
so trug alv> jener Samische M e n o d o t u a einen Namen, 
der ganz jhjs dem Ki eise der Mundsgütlinnen genommen 
w.r . deren eine er in leinen liegenden' verherrlichte. 
] 'a möchte dies wohl der seh chlichsie Oü se\n , diesen 
Kreis der .itien Junonisclic Religion kürzlich zn berüh- 
ren. Alle physische Zustände und alle moralische wie 
auch rechtliche De Ziehungen , in welche das weibliche 
Geschlecht sein ganzes Lehen kommen konnte , wa- 
ren unter den Schutz der genialen Hera- Juno gestellt, 
und sie war ihnen selbst unterworfen gewesen. «Da 
! sich , sagt ein alter Kirchenschriftsteller, heine 
Ifchwester und Gottin des Allmächtigen Jnppiler linden 
n; keine Fluonia, heine l'omona (Corona), heine 
Ossipagina , heine Fehrutis , heine Pupulonia, Cinxia und 
rotina v * (,r ). Die Bedeutung des ersten Beinamens 
wurde so eben von uns angegeben. Das zweite Epithe- 
ton würde sich auf die Gai tenfiüchte bezielien , wenn 
man nicht lieber Covona (Corclla) lesen will, welches 
die Urania, die Göttin des gestirnten Himmels, bezeich- 
nete §u ). Von dem Beinamen Populouia werden ver- 
schiedene Ei hlä'rungen gegeben, die, so widersprechend 
sie auf den ersten Blich erscheinen , sieh dennoch ver- 
einigen lassen. Die Ehe, sagten die Eineiig giebt Völ- 
kern das Dnscyn , daher heilst Juno : Populouia 



16-i) S. die Anmerkk. zum Arnobius a. a. O. Juno kommt 
als Mond auch beim Job. Lydus demenss. Romann» p.36. 
vor. veigl. p« 60. 

l6i) Arnobius a. a. O. vergl. Augustinus de Civitate Dei 
VII. -\ 

166) Covona (icovoi. t, coelo) oder Covella ; Varro de 
L. L. V. p. 4y. vergl. die Noten zum Arnobius p. 158. 



558 



(a populis) 16: ). Ein anderer Zeuge führt gerade l*\ 
Poputonia als Wiltwe (vidua) an 1M ). "Wenn nun ta| 



geJ 



:hr1i 



iph i( #) diese Hei 



lese Benennung hei derJiiMi 
unpassend lindet, und darin eine besondere Gott; 
itiuthet, weil Juno nicht als Willwe gedacht *eide, 
erinnerte er sich nicht, an ein bemcrkensM 'ertbet 
nifs, welches uns von einem alten Dienste der 
sehen Here Nachricht giebt. J>ie Stympba > 
folgende Legende: Teroenua , Sohn des l'ulasgu 
erzog die Here zu Stymphalus, und weihete il»? «Im 
Tempel: den eisten der Jungfrau (nap&Ercp) , 
ten der Ehefrau des Zeus unter dem Beinamen Trlea 
(rtXtta); den dritten der Wittwe (yj.fu i , aU sie *i< 
>oii Zeus einst getrennt hatte, und nach Stymphalus z.u 
lückbani 171 ), liier sehen wir also die Here vor der El 
in der Ehe und nach deren Auflösung. Wann aber 
Stiller des Lbebuiides sich trennen, wann Juno Wftl 
viid, dann wird die Welt verheeret und uicnschcnU 
(pupuiatur), — So konnte sich die Italische Sprache 
selbst von dieser Vorstellung Rechenschaft geh*. 









167) Macrob. Saturn. Tit. 2. der das Jus Papirianuin da 
erwähnt. MirUanus Capetla de nuptt. philol. II. p. 3S. 

vtrgL zum Arnut). a, a. U. 

l6S) Seneca »ptid Auguninum de Civil. Dei üb. VI. cap. 
■ub fin. 

lti'J) Furccllini im Lcxicon tut. Laiin. unier Populonia. 

170) .Juno liierfs auch selbst Ptlasga , welchen Hc inameii 

ttige auf die Argivische Hera beaogan; Amine au; 

Saknotj weil diese ln»t) auch Pelasgia gehei&eji i 

171} Pausan. VIII, 22. 2. p. 4lt Fac. TJeber dtn Hcinamea 
Hu^tjia $ den man bald aut die Sa mische bald aut die 
Arcadische Hera bezog, s. findari Olymp. VI. vs. 150 IT. 
und P)ib. II. L2. und an beiden Orten die Scboliasteti, 

172; Hermann nimmt die Griecbistbt "11^»; auch «1» Pupu 






- 



VVcnn nun in jenem dreifachen otando von Jungfrau, 
Frau und Wittwe die erste und letzte Bestellung weni- 
ger ausgebildet ward, so hatte dies in dem IlauptbegrifFo 
Beinen Grund, weil Hera-Juno doch vor Allem als Ehe- 
frau und als Vorbild aller Ehefrauen galt. Daher dieso 
\\ ürde nun auch, nie wir sehen weiden, in vielen My- 
then und Beiwörtern nach allen Beziehungen hervortritt. 
An das Mädchen Hure schliefst sieh nun die als Braut 
Verhüllte , brautliche (vvfup§vtn*tinj) an. JNun wurde sie 
zur Heimfuhrerin (dotniduca , inlerduca). — Nun sollte 
siea utb unxia heifsen, weil die Thürpfoflten dos neuen 
Hauses, das die Braut aufnimmt, vorher gesalbt wur- 
den ,73 ). Hier empfängt sie auch die Schlü*8tel, deren 
Bewahrung daher auch der Junu beigelegt wird ,r ). l»ie 
Vollziehung der Ehe ist ihr zuletzt noch als der "Z,vyt<*, 
(Ctnsta) anvertraut ,74 ). Und die ganze Ehefeier ward 
durch den Vorgang der eisten Olympischen Ehefrau, 
Htie selbst, als eine Weihe betrachtet und behan- 
delt i: ). Hieran seh tieften sich nun Leinamca der Gut- 






iiia , und denkt dabei au die Verwandtschaft das erbten 
A\ ortes mit «ptjpAatf in Sehiiaren sammeln , und null! e er 
(s. unsere Hüiucnschcn Briefe p. 1S8 f.). Aber ich habt 
dort schon bezweifelt, daß dieser Begriff der llaujube- 
giilF sey. 

173) Wovon man auch uxor berleilcn will. Andere wollen 
dahe i lieher an junpere oder auch an das Griechische 
gt/pu? denken; s, Melctt. III, p, J3i 

17 i) Auch mit Beziehung auf den Verein der Ehe selbst; 
Aristoph. The&mophor. °S2. ^85. *) KÄ.g4as «;«juu ipu« 
Aarrt«. 

J75) Zuyi'x und TtAaia j sieh. Stanley ad Aeschyl. Agamcmn. 
vs. 6->. 

176) Diese Begriffe wurden schon oben beim Juppiter be- 
rührt; und ich bin Überhaupt um so kürzer darüber , da 






ooo 



tin, die den Ehesegen, glückliches Gebaren ttnd dergl 
bezeichnen. Dahin gehören die Juno Katalis und Lud- 
na , die zum Lichte iürdrrndc , und mehrere Bezeich- 
nungen , die den gebtu tshtlienden (jeveSTiloiq) Gottbettet 
gemeinsam sind. U.'id vor.n wir in der Juno Opigena 
wirklich eine Geburtshelferin haben, so würde die Ot* 
sipa^ina (oder Ossinaga) gar eine Gottheit bezeichnen, 
Welche im Multerleibe die Unochen der Embryonen bil- 
det tf"). — Mit dem Beinamen Februtis oder Febrolis 
ferner wird Juno als reinigende Göttin bezeichnet, die 
im Reinigungsmonat Februarius Heerden und Hirten 
entsühnet — Vorstellungen, die wir oben beim Arca- 
dischen Juppiter berührten, und die sich in den Römi- 
schen Luperealien wiederfinden ,7S ). 



B ö 1 1 i g e r derselben zweimal gelehrte Ausführungen ge- 
widmet hat, in der Kunstmythologie der Juno pag. yi ff 
und in der Aldobrand. Hochzeit p. 140 ff*. 

177) Arnob. III. 30, mit den Anmerkk. p. 158 OrelL An« 

dere wollen zweifeln , oh Juno beide Epitheta gehabt 
habe ; aber das Ossipäga ist gut vertheidigt von Gerh» 
Vnssius und Andern. Daher auch die Römer au den 
Kaienden des Junius auf dem Capitol der Juno Gelübde 
darbrachten , und von Morgens früh an kaltes Wasser 
tranken. Das sollte gegen Krankheiten , besonders gegen 
das Podagra schützen, und zugleich die Frauen vor mon- 
strösen Geburten und Zwillingen bewahren ( Joh. Lydus 
de menss. Romm. p. 106.). 

178) Arnob. und die Annott. I. 1. Beim Johannes dem Ly- 
dier de m<*nss. p. 68. lesen wir : der Februar sey der Juno 
geweiht, weil diese Göttin physisch als die Luft genom- 
men werde , und weil die Reinigung wesentlich der Luft 
zugehörig sey. Martianus Capella IT. pag. 38: „ Hie te 
(Junonem nämlich) aeriam potius ab aeris regno nunen- 
patam puto". Wegen-dieser reinigenden Kraft der Luft 
sollte sie auch als Attribut die Schecre haben , weil man 
auch den Körper mit der Scheere reinige (Suidaji II. p.67. 




Samierinnen vom Weidenbaume , so von jenem die 
Zweige mysteriös gebrauchten ,7? ). — Zu den uralten 
Religionen Italiens gehörte auch die Verehrung der Juno 
der Retterin (Sospita) zu Lanuvium. Die Beschreibung, 
die uns Cicero von ihr macht, giebt den Beweis davon. 
Sie hatte ein Ziegenfell umhängen , war mit einem Spiels 
und Schildlein bewaffnet, und die Füfse waren mit auf« 
gestülpten Schuhen bekleidet. So sehen wir sie noch 
in einem Bilde der grofsen Pio> CJcmentinischen Samm- 
lung ,h0 ). Die Römer, ob sie gleich ihre Juno Romana 






und daselbst Küster; vergl. Eudocia pag. 20S.). Viel- 
leicht halte die Scheere aber auch auf die Juno als To- 
desgo'ttin Heziehung. Auf Komischen K.iist- rm Unzen er- 
scheint Juno mit dem Beinamen M » n i j I i s mit Spiefs 
und 5>cheerej s. Eckhel D N. V. Vol. VII. p. .-Ü8 sqq.; 
welcher dieses Attribut auf die Hülfe, die man von der 
Juno in der Fest erwartete , bezieht , zugleich aber auch 
andere Erklärungen anderer Archäologen angiebt. Dafs 
<t>u)'i von dem Instrument zum llaatscheeren gebraucht 
wird , ist klar. Einer anderen Bedeutung de» Wortes 
werde ich weiter unten gedenken. 

171» Varro de L. 1_. V. 3. pag. 47. Macrob. Saturn. I. 11. 
Aiiioh. a. a. O. mit den Annntait. um diene Zeit ge- 
schah an einigen Orten die Cnprificaiio oder künst- 
liche Veredlung der Feigen; s. Columt-IU de re 
ru«t. XI. 2. 56 p 51S Schneider, vergl. Hcrodot. I. 193. 
unJ daselbst Larcher und die Ausleger zum Ai turnen« 
XIV. p bot. Animadvv. Vol. VII. p. SM Schweigh. 

180) Museo Pio- Clement. Vol. II. tab. 2t. mit Visconti'« 
Bemei kungrn. Die Stelle des ( iceio Mehl dt- N\ D. 1, 
29. p. l«il unserer Ausgabe, wo in den Ainnerbk. Meh- 
rere« darüber gesagt isi. biß wurde auch selbst mit gros* 

II. 56 



56a 

und Capitolina hatten , verschmaheten dennoch nicbu 
dieser alten bewaffneten Hirtengöttin, 'an Welcher e* 
Italische Volk mit abergläubischer Verehrung hing , * 
ihrer grofsen Roma Tempel einiti räumen. Im Anfang 
des Insubrisrhcn Krieges weihete ihr einen ordentlich« 
Tempel auf d«'m Furo Olitario der Consnal Cn. Cornelias 
Cethegus (Liv. XXXfl. So. XXXIV. 53.), nnd selbst 
Tom Au.gustus wurde ihr in der Nähe des Palatinischea 
Bügels eiust am erbten Februar ein heiliges Hans ge- 
deiht ; welcher Tag . in die Tafeln von den Thaten die- 
ses Fürsten und in die Jahi bucher des Reichs eingetra- 
gen , noch späterbin seine Feier behielt tt1 ). So halfen 
die von Gabii ihre Juno und mehrere andere Städte Ita- 
liens. Die kriegerischen Sabiner stellten ihre Juno Cu- 
ritis 18 *) gleichfalls mit dem Spiefse bewaffnet vor. Man 
wollte auch ihren Namen von curis, auf Sabinisch Spiefs, 
herleiten ; und die Rum ischen Hochzeit gebrauche hatten 
aus diesem Kreise einen Zug aufbehalten. Der Bräuti- 
gam scheitelte das Haupthaar der Braut mit der Spitze 
einer Lanze 1R3 )j ein Gebrauch, über dessen Sinn die 



sen Hörnern vorgestellt; vergl. die Nach Weisungen da- 
selbst. 

181) Üvid. Fastor. II. SS sqq. mit den Auslegern. Juno Ro- 
mana Cic. de N. D. 1. 29. p. 131. Die Juno Capitolina 
hatte auf dem Capitol mit Juppiter und Minerva ein ge- 
meiribchafüiclies Tempeldach. Rechts stand Minerva, 
links Juno ( Lactant. Firmianus Üb. I. cap. 11. vergl. 
Just. Ryckius de Capitol. Cap. XIII. p. 15S sqq.). 

182) Auch Quiritis genannt, wie in einer alten Inschrift in 
den Antiqq. Heueventt. Cl. 1. nr. 8. 

183) Ovid. Fastor. II. SS9. 560. vergl. vs. 475. mit den Ans« 
legem. Festus in Curis und Ctlibaris ( Caelibaris , wie 

•jene Lanze auch genannt wurde). Macrob. Saturn, f. 9. 
Arnob. adv. gent. II. 67. mit den Annotatt. p. 102 OrelJ. 



hon seihst verschiedener Meinung waren. Böltigers 
l r ermuihung , dafs die Bewaffnung der Here Grelensi- 
•chcii Ursprungs sey, mag hierbei noch von uns bemerkt 
vciiK'ii, ohne dafs wir darüber entscheiden möchten. 
So viel ist gewifs, dafs die Italischen Völker, wie in 
Ii et reff der übrigen Gottheilen 1 so au eh. mit ihren Ju- 
nonen an der alten bedeutsamen Weise fester hingen, 
als die meisten Griechen, ohwuhl auch sie, seihst nach 
ausgebildeter Kunst , gerade in der Darstellung dieser 
Gottheit manches mysteriöse Attribut beibehielten. 

Dieses erinnert uns zunächst an die Sa mische 
Juno, wovon wir ausgegangen waren. Mehrere 
Spuren leiteten uns dahin, dafs diese Gott- 
heit von dem Gottes dienstc der Babyloni- 
schen Naturgüttin ausgegangen, oder viel* 
mehr dieselbe sey. Schon die obigen Bemerkun- 
gen müssen hier den Einwurf beseitigen, dafs ja die 
Mylilta der Babylonier ausdrücklich Aphrodite (Venus) 
genannt werde '^). Aber — hier noch ein bestimmterer 



Am Vermahlungstage wurde auch im Hause des Bräu- 
tigams tin eigenes Luger aufgeschlagen, das dtm Genius 
und der Juno geweiht war , und lectus genialis hiefs ; s. 
Arnob. a. a. O. — Sehr berühmt war auch einst derTein- 
pel der Juno Lacinia , gleichnamig mit dtm Italischen 
Vorgebirge am Tarenlinischen Busen ( Virgil. Aeneid. III. 
SM. und d.ist Ihüi Servius und Heyne). In der Nahe lag 
Croton (l.ivius XXIV. 3.), und diese Juix» kommt auf 
den Münzen dieser Sladt vor (Eckhel D. N. V. Vol. I. 
p. 171.). — Der vorgt bliche Tempel einer Juno Lacinia 
zu Agrigent beruht auf einem Irrtlnime des Faztllus , wie 
Dorville in den Siculis I. p. 100. gezeigt bat. Er stand 
bei Croton , und war ira Akerihuxn auch durch ein Bild 
von Zcuxis berühmt. Heut zu Tage siebt man noch 
Reste dieses Gebäudes; Dorville a. a. O. und p. 274. 






184) Herodot. I. 13t. ibid. cap. 1& 



564 

Beweis! — auch Griechenland hatte seine Here» Apbfr | 
dite. In Laconien hatte der Eurotas den gröfsteu TWi 
des Landes überschwemmt. Das Orakel gebietet in die- 
ser Notb der Here Hypercheiria {'Tvtg^ti^la^y einet 
Tempel zu bauen. Ihr Schnitzbild wird Venus-Juno *) 
genannt. Es ist ein alter Gebrauch , dafs die Mutter ihr 
Opfer bringen , wenn ihre Töchter sich verheirathen. 
liier sehen wir so recht die alte Naturgöttin , die ihre 
beiden Aerme ausbreitet, die in Fluthen der Wasser 
sich kund giebt , die dem Monatsflusse der Frauen vor- 
steht, die die Ehe einsegnet. Man weifs aber nicht, ob 
sie Hera oder Aphrodite heifst. Sie ist an Wasserflalhea 
Babylons geboren; und dieselben Weiden (t-rea*), an 
denen Israels verbannte Sänger ihre Harfen aufhangen 
(Psalm i36. 137. 3.) , wölben sich der Göttin zum älte- 
sten Tempeldach. Diese Bäume , die sie hier umschat- 
ten, sind durch die Kräfte der Flüsse her vorgetrieben 
und genährt. Also hier zu ßabtlon, wie dort zu Sa mos, 
haben die Nymphen dieser Göttin ein grünendes Haas 
gebaut. Das ist der Geist der allegorischen Sprache 
religiöser Vorzeit — oder hören Mir nicht auch von 
Griechischen Volke die schönen Bäume , die auf einer 
Anhöhe ein Grabmal umschatten, Jungfrauen ge- 
nannt? (Pausan. VIH. 24. 4* p* 4>9 S( l- i''ac.) 

In den klaren Fluthen der Gewässer wie in der 
blauen Luft spiegeln sich die goldenen Sterne des Hirn« 
in eis. Darum ist ihr, der Himmelskönigin (Urania- 
Juno), der Pfau gewidmet, der aufseinein Schweife 
einen ganzen Sternenhimmel tragt tbb ). Er bat sich die 



IM) 'Ai^e&rjy; — r 'Hf«; ; s. Pausanias III. 13. 6. p. 3S7 Fac, 

18w) «loh. Lv'us de nu'iiss p. 66. *«< Tuwvat mJ-v e;.wOa ts"; vV.eej 
Tijt'IifOj et lf>vcmt< bthsxaiv , 6.cv*i tsv aVr*f tnrej» «t^a, »nt 
eJ.-avc'y. 



5G5 



Nebt d« Frühlings zugeeignet» und scheint mit der 
unten Fülle der Wiesen wetteifern v.w wollen 1S ~). Er 
t der stolze Vogel« mit dem ein Pcrserhunig in seiner 
blendenden Pracht verglichen wird ,ÄH ) ; der title auch, 
dem der Liebling der Venus ,. Paris , in seiner selbst- 
gefälligen Schönheit zum Gegen bilde dienen mups , " 9 ). 
In jeder Hinsicht war also der Pfau zum Junonischen 
Vogel geeignet. Zu Sanum hat, sagt ein alter Schrift- 
steller , Here da* goldene Geschlecht der Y6gel , dio 
überaus schönen Pfauen, die aller Augen auf Bich zie- 
hen l 90 ). Im Samiseheii Tempel bezirk wurden der Hera 
heilige Pfauen genährt. Oh sie dort non zuerst waren 
und von daher in die übrigen Lander harnen, wie der 
andächtige Menodotus in dem Buch über den dortigen 
Tempel au sagen geneigt scheint f geht uns nichts an. 
Genug, die Samicr verewigten den heiligen Vogel auf 
ihren Münzen m ). 

Es war eine alte 1T einung f dafs Juno den Sternen 
angehöre. Euripides spielt darauf an , wenn er sagt, 



157) Lucianus de domo $. 11. vergl. Hemstcrh. lum Nigri- 
nus L p. 2(7. 

188) Ibki. und daselbst Pbilostrali Iconn. II, cap. 32. 

18^) Philostrati Heroica p. 724. p. Ib6 Boissonade. 

Vjü) Antiphanes apud Athenaeum XIV. pag. 655. pag. 363 sq. 
Schweigh. 

191) Athenäen» a. a. O. rergl. die Animadvv. p. $25. Eck- 
hel Doctr. Nunim. vett. Vol. H. p. 568 sq. Und weil die 
Volkssage meldete, ein Strauch von Keusch- Lamm 
habe der Göttin zur Wien gedient, gab man ihr auch 
roch auf Römischen Kai?ermünzen aufser dmi Pfau ei- 
i»«>;i Strauch als Attribut. rWlbelcniy Anschaffe VI. 
p. B97, Man vergleiche daselbst au P. 42. im Aila» die 
Grolsmlinze von Sumos. 



Bern wohne in dem bunten Revier <!er Sterne nt %. Art 
die«e Priesterlehre beruft sich Plotinus hesti— t. Kats- 
dem er zu zeigen gesucht . <dbf* Venu» die Seele dies Jap- 
piter »er. fugt er bei, dies bezeugen nck dfie Priester 
und Theologen , welche die Aphrodite warf «He Hera ad 
Ein Wesen zurückführen, und nennen dem Stern der 
Vena* am Himmel Slern der Jnno ffi J- Padharcfc ward 
Jnno abo Göttin des Morgen - und Abeadsterau» Damit 
mögen die Vorstellungen ron der Jnno f.nci— zusam- 
menhingen , ob man gleich auch diesem Beinamen zwei 
verschiedene Deutungen gab. Nach der einen war sie 
rom Liebte so genannt lH ). Dahin norde auch» dae Jnno 
Matnta gehören, die beim Aurelius Victor and ia mehre- 
ren Handschriften des Liiius rorkommt ws ). Habt sin 



i'J2) Helena vs. 1103. (1096.) rs. 1105 Matta. rerrL Span« 
hem. ad Callimach. Duo. vs. l6l. 20-i. — Das Epithe- 
ton der goldthronenden Here ( x?" r5 '-c c ' e 5 ) wurde auch 
von Einigen auf die von der Sonne wiederstrahlende Luft 
bezogen (bcbol. Venet. ad Iliad. A. vs. 611.). 

193) Pag. 298- — t*>«( uagr-~?s-Jj7vsj ts-„'ts» tsü ksyx «f£Ü> r« «i 

r£; 'Avf5«<T^ ärri^i h s-Sgzxf »"Hfoj >Jyz\m. Er hat hier-« 
bei auch die Pythagoreer im Auge. Denn TimSus de 
anima mandi p. 550. (in Gale's Opuscc. mytholl.) redet 
auch von einem Sterne der Hera, und setzt hinzu: „den 
das Volk Stern der Aphrodite und Phösphorus nennt". 
Als Seele, wie Plotin die Venus nimmt, wurde aoeh 
die Juno von alten Mythologen genommen (s. unsere 
Meletemm. I. p, 44.). 

194) Ovid. Fast. II. 449 sq. mit den Auslegern. Ueber die 
Juno Lucina vcrgl. Eckhel D. N. V. II. p. 569. und VII. 
p. 99. 

195) XXXIV. 53. mit den Noten in der Drakenborchischen 
Ausgabe, wo im Texte jezt Junonis Sospitae steht, 
weil ihr Tempel auf das Forum olhariuro versetzt wird, 



aber bestimmt Matuta gehciTsen oder nicht, sie Mai doch 
als Inhaberin r<. >a Moigt nsier ms die Göttin des Murren- 
lichtes. Die weÜMJ Lilie auch war ihre lilume. und 
hiefs die Junonische R«»se. Und weil du* Augeuhraunco. 
das edle Organ beschirmen , durch welches unser J 
per Licht empfängt, so naren sie vorzu^s^eioc unter 

der Juno Schutz gestellt ( Vario de L. L. IV und 

i i >,ius in Mjpetcilia). — Aber wie der Murgensiern auf 
der Scheidelinie von Nacht und Tag erschein», so grhSfit 
fhr , der himmlischen Stememltönigin , auch djs FU-u rfa 
der Nacht an. Es ist dieselbe Mutter, die des Menschen 
Auge schliefst und die es öffnet; und die Schreie in 
ihrer Hand löset das l{ind von der Nabelschnur, und 
schneidet die Locke des Sterbenden ab. Das Alles ist 
Junonisches YV alten , oder Dionei'sthcs, Denn Diono 
ist Proserpina- Venus ; und wie uns im FVluponnesus 
eine zum Schlaf, auch zum Todevschlaf ein niesende 
Hera begegnen wird, eben so werden wir in Italiens 
Tempeln eine Juno-Fcronia oder Proserpina ünden 1M ) A 



wo Cctbejrus dieser einen solchen jreweiht hatte. Ander« 
wollten lieber Inonis Mfttatat lr»e», weH In*» bekannt* 
Jieh Matal« hiefs (Cic. de \. I). III. l'h vtrfil. c.tp 15.). 
Aheres könnte gar wohl seyu, cluü Juno beide Bein«- 
men halle; und Ino {'LcJ , die mau ah dds WllSCI 
deutete, war reell der Juno ve» wandt <s. obtn und vrtj. 
Olyiupiudorus ad PUtoois Phacdon. p. *51 ed. YYyiunbJ. 

196) Die Dodonäische Dione oder Proserpina - Venus wird 
beim Orcalischen Religiousdienst im vierten Tfaeile deut- 
licher erscheinen. Jezl will ich nur mit Einem Worte 
andeulrn , dafs die Dndonaischen Wesen Teihys tind 
Acuelous (s. oben IL p. 475.) die natürlichen Vorbilder 
von Thetis 11 rnj Achilles sind; jene das Bette der 
UrjrevaMer und jener der Urstrom, diese die Nymphe 
und dieser die schnell vorüherrauschende, mächtige , küh- 
ne Lcbenifluth. Correlat scheinen die Verhältnisse u\ 




Alle diele Gegensätze verbergen «ich unter 
Schleiern der Babylonischen Mylitta and unter der HW 
roglyphendeche der Ephesischen Artemis. Wird Stylit 
unter dem Namen Venu*- Urania zur Hera -Juno, 
verbirgt sich Diana mit der Juno unter dein gemeia* 
«amen Namen Lucina oder Lichtbringcrin ; und wem 
die Alten die Syrische Göttin schon nicht tu 
der Juno erkannten , so dürfen wir uns nicht wuodrm, 
diese letztere ganz bestimmt die Assyrische benaoot 
zu hören l9r )> — Mit Einem Worte : die Indische Bba- 
vani mag bei den Persern als Mitra sich in die Strahlen 
des Sterns der Liebe versenkt haben; bei den Arabern 
als AJilat- Litith in neuem Morgenglanze aufgesaugt 
•eyn, um in Assyrien und im üppigen Babylon 



gegangen 

*4fc. 



•eyn zwischen Juno- Fluonin und Ino-Mafnt». Damm 
will ich aber dem Achilles sein ohnehin kurzes wirkliches 
Leben und Daseyn nicht abgesprochen haben. — Hier- 
her gehören übrigens , um nur einige Winke 211 geben, 
die Mythen von der Erziehung der Theti« durch die Ja- 
no , von den Verwandlungen derTbetis, von ihrer Hoch- 
zeit , bei der sich die Götter im Sturm und Regen ein- 
finden wollen ( Apollodor. III. 13. pag. 346. Scholust. 
Apollonii IV. 816.) , und besonders folgende sonderbare 
Legende: Juppiter verfolgt die Juno mit seioer Liebe; 
sie entflieht in die Höhle des Achilles, des Sohnes 
der Erde (yt-yeveü;) „ der sie aber Oberredet, sich dem 
Juppiter zu ergeben , und so wird Juno vom Juppiter 
zum erstenmal umarmt (Ptolem. Hepbaest. ap. Phonum 
p. £52. p. 332 ed. Gate.). 

197) Jtinoni Assyriae auf Inschriften hei Spanheim zum Cal- 
lunachus Dian. vs. tS7. Daher die Syrische Sage von 
dem klaren Flusse Burrhas ( IW^pn« — Abnrrhas), zwi-» 
sehen dem Euphrat und Tigris fließend. Erduftefe weit 
umher Woblgcrllciie aus , weil Juno nach dem Beifager 
mit dem Juppiter sich darin gebadet ( Aehun. H. A. XII. 
30. p. 39b Schneid.). 



5G 9 

MWiita zu schwelgen , und aufs neue dann als Hora zu 
Walten in dem stolzen Eilande Ton Samos ,w ). — fn der 
Religion der Baalir